Sandwörterbud
der
veutiben Sprade
mit Hinficht auf
RE FERN Abftammung und Bildung,
Biegung und Fügung der Wörter, fo wie
auf deren Sinnverwandtfchaft.
Nach den Grundfägen feiner Spradlehre
angelegt
von
Dr. Joh. Ehrift, Aug, Heyſe,
weil. Schuldireetor in Magdeburg;
ausgeführt
von
Dr. K. W. L. Heyſe,
außerord. Profeſſor an der Univerſität Berlin.
Zweiten Theiles erſte Abtheilung:
L vis Steg.
— Te
Magdeburg,
bei Wilhelm Heinrihshofen.
1849,
Drud: Haenel'ſche Hofbuchdfuderei in Magdeburg.
Y
— ER — tb ; *
ars . sr —
Vorwort.
Durch mehrfache litterariſche Arbeiten, deren Foͤrderung gleich
dringend iſt, faſt uͤber meine Kraͤfte beſchaͤftigt, ſehe ich mich
fuͤr jetzt leider außer Stande, dieſes Woͤrterbuch ſo ſchnell
zu Ende zu fuͤhren, als es den geehrten Intereſſenten, der
Verlagshandlung und vor Allen mir ſelbſt wuͤnſchenswerth
fein muſs. Um nun unter ſolchen Umſtaͤnden die Geduld des
Publicums nicht zu miſsbrauchen, habe ich mich gern dem
Wunſche des Herrn Verlegers gefuͤgt, die Fortſetzungen kuͤnftig
nach der jetzt uͤblichen und beliebten Weiſe in Lieferungen von
geringerem Umfange auszugeben. Die gegenwaͤrtigen zehn
Bogen moͤgen zum Beweiſe dienen, daſs das Werk, wenn
auch nicht ſchnell, doch ſicher und mit gleichmaͤßiger Sorgfalt
und Gewiſſenhaftigkeit fortgefuͤhrt wird. Hoffentlich wird—
das naͤchſte Heft von gleicher Stärke bald nachfolgen und
in nicht allzu langer Zeit unter günftigeren Umftänden eine
tafchere Förderung und baldige Vollendung des Ganzen mög-
lich werden.
Berlin, im Sanuar 1835.
Dr. K. Heyſe.
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2,
L, der zwölfte Buchftabe ded ABC, ein Mitl,, u. zwar der Zungen-
Yaut unter den flüffigen oder ſchmelzenden Mitlauten (I, m, n, r), durch
Anftemmung der Zunge gegen die obere Zahnreihe hervorgebracht, indem zugleich
dem Lufthauch ein freier Ausweg neben den angeftemmten Theilen bleibt; ver:
wandt mit r, voelches in verwandten Spraden, Mundarten, od, unvolllommner
Ausfprache häufig mit [ wechfelt (4. B. Pilger, Pflaume v. peregrinus, pru-
num ; Kilche, ſchweiz. f. Kirche) 5 verdoppelt nach gefhärften Selbftlauten (z. B.
Tall, Stille, wollen).
Lab oder Raab, ſ., Jes, 0, M, (gem, oberd. Lupp, Lüppe; niederd. Laff,
Lebbe; dan, lobe, ſchwed. löpe; verw, mit Leber, liefern), was einen flüfjis
gen Körper gerinnen machtz insbeſ. die fauer gewordene und geronnene
Milch im vierten Magen junger faugender wiederfäuender Thiere, mit welder
man füße Mil) gerinnen macht; landſch. auch diefer Magen felbft, der Lab—
magenz laben, 3w,, 1) ziel., gerinnen machen, bef, mittelft des Labes
(die Milch); 2) rückz. ſich —, f. gerinnen; das Labfraut, ein Pflanzenge-
fchlecht, deffen Kraut und Wurzel vermöge einer zufammenziehenden Kraft die
Milch) laben, Meger- od, Meierfraut, Waldftroh 2c, (Galium verum L,).
lab, Bw,, bſtr. f. lau, ſchlaff, abgeſchmackt.
Labbe, w., M. -n-(lat, labium; vergl, Flabbe, Schlabbe), gem,, bef,
niederd, f. Lippez ein dicklippiger Fifh: Großlabbe; labben, Zw., (lat,
lambo, franz, laper) niederd, f. lecken; labbern, Zw., gem, f. ſaugen; al=
bern ſchwatzen, vergl. ſchlabbern, plappern,
laben, 3m, 1, |. Lab; 2, ziel, Zw. (altd, labon, laben; niederd. lawen),
einen entfräfteten Körper erquicken, erfrifchen, bef. durch Speife u. Trank;
uneig. durch angenehme Gefühle erfreuen, beleben, ftärfen (das Herz — ; ſich
an etwas —)3 — 3fes, der Labetrank, =trunf, wein u, dgl,; der Labe—
becher, Becher, der einen Labetrank enthält; die Labung, dad Laben; aud
f. v. w. dad Labfal, -ed, M.-e, mas labt, erquict, ftärft, beruhigt;
alt und dicht, auch die Rabe (altd, laba),
Labfraut, Labmagen, f. Lab,
labfalben, ziel, Zw., Schiff., mit Theer befchmieren, antheeren,
lachbar, Lachbaum, f. unter laden 2,
Lache, 1., w., M. -n, (altd, lacha, oberd, Laden, nieberd, Lakez vergl.
d, griech, Auzxog, lat, lacus, franz. lac; ſchwed. lag, ſchott. loch), ſtehen—
des truͤbes Waſſer, Sumpf, Pfüse, Pfuhl (Mift:, Kothlache 26); Lache
2, und 3, f. unter laden 1, und 2,
lachen 1. ziellof, zw. mit haben (goth, hlahjan, altd, hlahan, Impf,
hluoh; altnord, hlacka, laden und Elingenz engl, laugh; vergl. d, griech.
ye)co), dad Gefühl der Luft ſichtbar durch Verziehung der Geſichtsmus—
Feln und Erweiterung der Mund» Öffnung und hörbar durch einen eigene
Heyfe’s Handwörterb. d. deutfhen Spr. 2. Theil. 1
2 lachen — Lachs
thuͤmlichen fchittternden Schall äußern (laut lachen; Über etwas od. einen
lachen; fi) fatt, krank, todt lachen 20.5 ſprichw. am vielen Lachen erkennt man
den Narren); aud) vom bloß fichtbaren Lachen, ald Ausdruck der Heiterkeit,
Freude, Freundlichkeit, des Wohlwollens zc, (etwas mit lachendem Munde,
mit lachender Miene ſagen; einem lachen, d. i. ihn freundlid,, wohlwollend anz
fehen ; auch wohl ziel. einem Beifall lachen); uneig. über. f. ſich freuen, fröhz
Yich fein (lachende Erben; ins Fäuſtchen laden, d. i. ſich heimlich freuen, bef.
ſchadenfroh fein) 5 mit d. Gem f. fpotten, verachten (ich lade der Thoren) ; mit
d. Dat. f. ginftig, gewogen fein (des Glück lacht ihm nicht); ferner auch von
Sachen: durch angenehme außere Erfcheinung gefallen, einen erheiternden
Anblick gewähren (die reifen Früchte lachenz eine lachende Gegend; fprichw.
bares Geld lacht) — 3fek. die Lahluft; lachluftig, Bw. ; die Lachmus—
keln, beim Lachen. thätige Geſichtsmuskelnz die Lachtaube, eine Taubenart,
deren Stimme dem Lachen eines Menfchen ähnlich ifts die Kachweihe, der
Mauer: od. Thurmfalk; der Lachzahn, Vorder: oder Schneidezahn; — Ableit.
die Lache, 0. M., gem., das laute Lachen, ſinnv. Gelächter (eine helle Lache
auffchlagen); auch die Art u. Weife, wie man lacht; der Lacher, -8, die
Lacherinn, M. -en, wer gern und häufig lacht; lächeln, zielloſ. Zw. m,
Haben, das verkl. lachen; ein wenig, fanft u, nicht laut lachen, bef. als
Ausdruck der Freundlichkeit, der Zuneigung 2c, (einem lächeln, d. i. ihn lächelnd
anfehen), doc) aud) des Spottes und der Verachtung (köhnifch lächeln); auch
un eig. wie lachen (das Gtüd lächelt ihm; das Lächeln des Morgens u. dgl.) 3
der Küchler, - 8, die Lächlerinn, M. -en, wer lächelt; lächern, ziel.
Zw. 1) zum Lachen reizen (ex od. die Sache lächert mich); 2) unp. ed lachert
mich, d. i. ich empfinde Neigung zum Lachen; lächerlich, Bw., 1) zum
Sachen geneigt (mir ift lächerlich); 2) zum Laden veizend, Lachen erregend,
(lächjerlihe Geberden); werth belacht od. verlacht zu werden aus Spott od.
Beratung (ein lächerlicher Stolz, ſich lächerlich machen)z die Kächerlichkeit,
das Kächerlichfein, die laͤcherliche Befchaffenheitz auch eine lächerliche
Handlung oder Sache (M. Lächerlichkeiten).
lachen 2. ziel. Zw. (oberd. laden; fehwed. blecka; vergl. Leck, Loch, Lüde,
u. d. griech. Adore, Auzls) Korftw., f. hauen und dadurch zeichnen (einen
Baum; einen Wald —, durd) eingehauene Zeichen abgrenzen); durch Hauen
der Rinde berauben (die Harzbäume); die Lache, M;-n, ein in einen
Baum gehauened Zeichen z eine von Rinde entblößte Stelle; auch f. v. w.
der Lachbaum, ein gelachter Baum, bef, ein bezeichneter Grenzbaum; u, f. dv. m.
der Kachfteig, ein durch Buſchholz gehauener Steig; der Lachring, ein eiſerner
King als Map der lachbaren Bäume; der Lachſtein, landſch. f. Grenzftein,
Megeftein, lachbar, Bw., fühig gelacht zu werden (ein lachbarer Harzbaum).
Lachs, m, - 86, M. - € (niederd, Lafs, ital. laccia dan. u. ſchwed. lax;
wahrſch. v. Läden, goth. laikan, fpringen), ein ſchmackhafter Seefifch, der
im Sommer in die Flüffe tritt (Rhein-, Elbe, Wefer : Lachs 2c.) ; landſch. gem. f.
eine Eoftbare, angenehme Sache (das ift der wahre Lachs) ; auch f. Schlägez
Danziger Lachs, ein feiner Branntwein; der Lachsfang, ſ. Fangz die
Lachsfiſcherei; die Lachsforelle, eine Art großer lachsähnlicher Forellen, in
großen Seen und Flüſſen lebend; der Lahswurm, ein Wurm, der an den
Kiemen des Lachfes lebt; die Lachszunge, eine Art breiter, dicker, grau ger
fledter Lachſe.
a, — Laden 3
Lachter, m.,-8, M. w. E., in Hamburg cin Baͤckerknecht, welcher
das Getreide und Mehl zu beforgen hat.
Lachter, f, -8, M. w. &,, n. A. w., M. -n (SKlafter 2. f. d.), ein
Längennraß von 7 bis 8 Fuß, def. im Bergbau üblich ; daher die Lachter-
fette, eine Meßkette, 5 bis 6 Lachter lang; der Lachterftab, ein Mefsftab,
Lachter lang.
Lad, m., - ed, M. (von mehren Arten) - € (arab. lach, perſ. lac; mittl.
lat. Yan franz. laque), ein oſtind. braunrothes Planzenharz, von einer
Art Feigenbäume gewonnen (au Gummilad); daraus bereiteter Firnifs,
Lackfirniſs; aud aus anderen Stoffen bereiteter Firniſs; Siegellack, f. d.
(in diefer Bed, gew. das Lad), und in weiterer Bed. auch Mundlack, f. d.;
Mal., verfchiedene aus Pflanzenfäften gezogene Farben (gelber, layer, und
bef. rother Lad) ; eine gelbe wohlriehende Blume, Goldlack, die Lackviole;
die Lackfarbe, jeder an einen erdigen Körper gebundene Fächeftof ; das Lad
holz, Holz der Xipenkiefer od. des Krummpolzbaumes (weil es Häufig zu Dingen
verarbeitet wird, die ladirt werden follen); das Lackmus, zes, o. M,, blaue
Farbe aus dem Safte ber Ladmuspflanze, (Croton tinctorium L.) in Süds
Europa u. Afien einheimifch 5 die Lackpfirſich, eine vorzügliche Pfirficd = Art; —
Ableit. laden, od, gew, mit fremdartiger Endung ladiren, ziel, 3w., mit
Lack oder Lackfirniſs beftreichen, Überziehenz der Ladirer, - 8, M, w. E.,
wer dies verrichtet,
läden, r. als lecken, ziellof. Zw. (goth, laikan; ſchwed. lacka, Yaufenz
grich, Aurultew; vergl, frohlocken) vlt, f. fpringen, huͤpfen; mit den Füßen
hinten audfchlagen (bibl, wider den Stachel Läden); laufen; daher der Lafei,
-en, M. -en (zunächſt von dem franz. laquais entlehnt, aber deutſchen Urs
ſprungs; dän. lakke; ſchwed, lackere, Bote), ein Livree= Bedienter, der
vorzüglich zum Verſchicken gebrauc)t wird,
Lackfarbe, ⸗-firniſs; ladiren, Lackmus ıc, ſ. Lad,
Lade, w., M. -u, Verkl. das Laͤdchen, (altd. lade, oberd, Lad, poln.
lada; verw. mit Laden, Lied f. Deckel, ſchließen, lat, claudo ꝛc.), überh, ein
Behaͤltniſs, Geſtell od. Geruͤſt, etwas aufzunehmen, z. B. das Geſtell eines
Ackerhakens; der Weberahmen; vergl, Heft-, Bett-, Kinnlade; bef, ein hoͤl—
zerner Kaſten, z. B. Bundeslade, ſ. d.z die Lade der Handwerker, d, i, der
Kaſten, in welchem fie ihre Urkunden, Freſheitsbriefe, Gelder ꝛc. verwahren;
uneig, aud) die Zufammenkunft der Zunft: Vorftcher od, der Gefellenz niederb,
f. Kaffe, Kaften (Armen :, Kirchen-, Wittwenlade); in engfter Bed. ein vier=
eifiger, mit einem verſchließbaren, gew. flachen Deckel verfehener Kaſten, worin
Leute niederen Standes ihre Habfeligfeiten verwahren, finnv, Truhe, Koffer,
Kiſtez der Ladengefell, Handw,, der Gefel, welcher die Aufficht über die
Lade führt; der Ladenmeifter, der Meifter, welcher im Namen der ganzen
Bunft.der Verſammlung der Gefellen beiwohnt.
Laden, m, -8, Laden und Lädenz Verkl. dad Lädchen, —
Lade), alt und noch ER f. Brett, Bohle. (vergl, Latte); gew, 1) die bret⸗
terne Bederfung der Gladfenfter oder Fenfter : Öffnungen, Fenſterladen (in
diefer Bed, gero. M, Laden); 2) ein eingefchloföner Raum, ein Gemach,
worin Waaren zum VBerfauf ausgelegt find, ein Kauf:, Kram-, Bud)-,
Zucladen 2c,, finnv, Bude, Gewölbe, (in diefer Bed, gew. M. Läden); daher:
der Ladendiener, im Laden befchäftigter Kaufmannsdiener, gem, verädtl, La:
1*
Be laden — Rage
denſchwengelz die Ladenjungfer od, das Ladenmädchen; der Laden-
huͤter, uneig. eine Waare, die lange im Laden liegen bleibt, Teinen Abgang
findet; das Ladenfenfter, die Ladenthür, der Ladentiſch zc,
Yaden 1. ziel, Zw. (altd, hladan, laden; Impf. luod; Mw, geladen;
engl, load, ſchwed. lada), ablaut.: dur ladeft, er ladet gem, auch lädſt, Lädt;
Smpf, lud, Conj. luͤde (für beides auch: Ladete); Mw. geladen; ſchwere
Körper zur Fortfchaffung auf einen andern Körper niederlegen, ſinnv.
packen (Waaren, Holz, Steine 2c. auf den Wagen, in das Schiff); auch f.
beladen, mit einer Ladung verfehen (den Wagen); uneig. einen od. ſich den
Wirkungen einer läftigen Sache ausſetzen (einem eine Arbeit auf den Hals
Laden; Jemands Haſs auf fi laden) 3 in weiterer Bed, f. anfuͤllen (fih den
Magen voll laden; eine Pfeife laden, f. v. w. ftopfen), bef. ein Schießge—
wehr —, mit Schießbedarf füllen (ein geladenes Gewehr; ſcharf —, d, i, mit
Pulver und Bleiz blind —, blog mit Pulver); — 3fes. die Kadefchaufel,
Schaufel zum Laden einer Kanone; der Ladeſtock, ein Stab zum Feſtſtoßen der
Ladung Eleinerer Feuergemwehre; das Ladezeug, alles Geräth zum Laden ber
Kanonen; — Ableit, der Zader, -8, 1) wer Waaren ꝛc. auf ein Fuhrwerk
od, in ein Fahrzeug ladet; 2) wer ein Schießgewehr ladet, bef, auf Kriegs:
Schiffen beim Laden der Kanonen behilflich iftz Die Ladung, m. - en, 1) die
Handlung des Ladens in allen Bed, ; 2) was geladen wird oder ift: Laften,
Güter, Waaren, finnv, Fracht (volle Ladung haben); in weiterer Bed, die
Füllung, 3. B. an Erzen, Kohlen zc, in den hohen Ofen; bef, was auf ein=
mal in ein Feuergewehr geladen wird od. ift, der Schufs (eine Ladung Pul-
ver); der Ladungsplatz, Pag, wo Fuhrwerk und bef, Schiffe beladen und
ausgeladen werden.
laden 2. ziel. Zw. (goth. lathon ; altd. ladon, Impf. ladota, Mw. ge-
ladoı; doch fehon mittelhochd. auch luod, geladen) ablaut. ladelt, ladet; Impf.
lud, Conj. lüde, (felten: ladet); Mw., geladen; urfpr. rufen; jest nur:
einen auffordern zu erfcheinen: vor Gericht —, vorladen (fr. citiren) z zu
Gafte, zu Tifche ꝛc. —, einladen, bitten (fr. invitiren) z auch uneig. zum
Genufs reizen und ermuntern; die Ladung, M, -en, die Handlung ded
Vorladens (Gitation), oder Einladens,
laff, Bw. (gem. au) Lapp), landſch. f. fchlaff ; Fraftlos von Geſchmack,
unſchmackhaft; abgeſchmackt, albernz daher: der Laffe, -n, M,-n,
Verkl. das Laͤffchen, (niederd. Laffertz vergl. Lapp, läppiſch, u. das
engl. lob), gem., ein alberner und dabei eingebildeter junger Menfch, finnv.
Get; laffenmäßig, Bw., gedenhaft.
Laffe, w., M.-n, landſch. f. Löffel; daher: der Laffenhändler, in
Nuernberg: wer eiferne Löffel verkauft. *
Lage, w., M. -n (von liegen, lag) 1) die Art und Weiſe, wie ein Ger
genitand liegt, bef. in Beziehung auf das örtliche Verhältniſs feiner Theile zu
einander (einer Sache die rechte Lage geben), oder, des Gegenftandes felbft zu
feinen Umgebungen : örtliche Befchaffenheit (eine Stadt hat eine gute, günftige,
gefunde 2c. Lage) ; uneig. der aus der Befchaffenheit der Umjtände entjtehende
Zuftand, finnv. Verhättnifs, Stand, Zuftand (ſich in einer glücklichen, mifsli-
hen zc. Lage befinden; bei diejer Lage der Dinge ꝛc.)3 2) eine Neihe mehrer
auf oder neben einander liegenden gleichartigen Dinge oder Beftandtheile,
finnv. Schicht (eine Lage Steine, Stroh, Sand u. dgl.; die rohen Bücher be:
Laͤgel — Lager | | 5
ftehen aus einzelnen Sagen von Drudbogen), bef. niederd. eine Reihe von Bie-
nenftöden, fo viele ein Mann abwarten kann (Bienenlage)z; auf Schiffen:
die auf einer Seite befindliche Kanonen: Reihe, und deren Abfeuerung 3 3) ehem.
f. Nachftellung, — (altd. laga; lagon, nachſtellen).
Laͤgel, fe, -8, M. w. E. (eig. das Läglein, Verkl. v. dem noch oberd.
die Lagen; altd. an, lagella; griech. A&ynvos, lat. lagena), ein runs
des hölgerned Fäfschen, mehr weit als hoch, zur Fortſchaffung von Flüffig:
Zeiten und nderen Dingen (Milch-, Wagenſchmier-, Fiſch-, Salzlägel), bef.
aud von Stahl= und Eifenwaaren, melde nad) Lägeln gemeffen werden (ein
Lägel Stahl in öſtreich — 125 Pfund) 5 den Landleuten auch als Trinkgeſchirr
dienendz; Schiff, kurze Stüce von Tauen.
lager, Bw. (iöländ. lagr, niedrig), Landw. dad Getreide wird lager, d.i.
es Lagert fich, geht zu Lagerz Schiff. nicht lager! ein Befehl an die Steuerer,
das Schiff nicht weiter abhalten zu laffen, entg. nicht höher.
Lager, fe, —s, M. Lager und (von einem Feldlager auch) Laͤger, (von
liegen; altd. — laeger; oberd. Läger, Geläger) 1) der Zuſtand des
Liegens, z. B. eines bettlägerigen Kranken (das Krankenlager); Fechtk. die
Lage oder Stellung eines Fechters; das Getreide geht zu Lager, wenn es
durch die Schwere der Ähren, od. durch Regen ꝛc. ſich niederſenktz 2) der Ort,
wo ein Körper liegt od. gelegen hat, 3. B. die Grube, in welcher ein Grenz:
ftein liegt; die erhöheten Bäume in einem Seller, auf welchen Faͤſſer ıc.
liegen (Wein, Bier auf dem Lager haben, ſ. Lagerbier); der Ort, wo Hana
delswaaren vorräthig liegen, auch der Waaren-Vorrath felbft (Waarenlas
ger); 3) def. der Ort, wo Menjchen und Thiere fich zur Ruhe niederlegen
(ein hartes, bequemes 2c, Lager), oft f. Bett; Jäg., der Ort, wo milde
Thiere fih aufhalten und ruhen (das Lager der Bären, Füchſe, Wölfe,
Hafen 2c.) 5 auch der Aufenthaltsort mehrer zufammengehörigen Menfchen,
3 B. Hoflager, f. d.5 insbef. der Ort unter freiem Himmel, wo ein Kriegs—
heer fich unter Zelten aufhält, u. die ſaͤmmtlichen zu dem Ende errichteten
Zelte (ein Feld-, Kriegslager ; ein Lager auffchlagen, abbrechen 2c.); 4) mehre
neben oder über einander befindliche gleichartige Dinge oder Beftandtheile,
f.v. w. eine Lage (ein Erd-, Steinlager 2.); der Bodenſatz des Weines,
Bieres, Dles ꝛc., ſ. v. w. Hd, Mutter; — 3 ſetz. der Lagerbalfen,
Sohträger an einer Brüde; das Lagerbier, ftarfes Bier, welches man auf
dem Lager im Keller alt werden läfitz das Laherbuch, Verzeichniſs der Felder
u. liegenden Gründe eines Ortes, Flur-, Markungsbuchz Rechnungsbuch über
die Vorräthe eines Waarenlagers; das Lagerfaſs ‚ ein großes, beſtändig auf
dem Lager im Keller liegendes Faſs; das Lagerfieber, im Feldlager herrſchen—
des hitziges Fieber; das Lagergeld, Abgabe f. die Freigeit, Bier od. Wein auf
das Lager zu legen; aud) der Bing für die Miethe eines Waarenlagers, od. für
die Auftewahrung von Waaren, f. v. w. der Lagerzins; dad Lagerhaus,
f. v. w. Waarenlagerz bef. ein zur Aufbewahrung von Gütern und Waaren
beftimmtes Öffentliches Gebäudes dad Lagerholz, Forftw., vom Winde umge:
worfene Bäume; dad Lagerkorn, Korn, welches ſich gelagert hat; der Lager—
meifter, ehem. ſ. v. w. Quartiermeifter; das Lagerobſt, Dauer- od. Winter:
obſt, z. B. Kageräpfel, -birnen; die Lagerrebe, eine Art Weinftöde, deren
Reben an der Erde fortkriechen 5 das Lagerfcheit, Forftw., aus den Baum:
ſtämmen geſchlagene Scheite, Kernfcheite; die Lagerfitt -ftätte, der Lager-
J
6 ES Laͤgler — Laich
platz; die Lagerwand, Bergw., feſtes Geſtein, bei welchem Feine Zimmerung
nöthig z aud) der Grund, worauf die Zimmerhölzer gelegt werden; der Lager—
wein, Wein, welcher ſich halt u. auf das Lager gelegt wird; der Lagerwuchs,
zu üppiger Wuchs der Feldfrüchte, welcher verurfacht, dafs fie ſich Lagern; —
Ableit, lagerhaft, Bw., oberd, f, bettlägerig; lagern, Zw. 1) ziellos m,
haben, liegen, gelegt fein (das Vieh lagerte im Freien umher), im Lager
fein (das Heer lagert); auch ein Lager auffchlagenz 2) ziel. u, rückz., nie—
derlegen, auf den Boden od, auf ein Lager legen (der Regen hat das Getreide
gelagert; wir lagerten uns ing Gras); ein Heer—, ihm ein Feldlager bereis
ten und anweiſen; ein Heer lagert fich, d. i. ſchlägt ein Lager auf u, bezicht
es; uneig. ſich —, f. ſich irgendwo niederlaffen od. ausbreiten (die Schatten
der Gebirge lagerten fich über die Eden); etwas —, f. gründen (Gott hat
die Erde auf Ziefen gelagert).
Laͤgler, m., -8, eine Weintraubenart mit länglichen Beeren,
lahm, Bw, (altd, u, ſchwed. Jam, engl. lame; von dem altnord. lama,
böhm, lamati, brechen, ſchwächen), der gehörigen Beweglichkeit, Gelenkig—
feit u, Kraft ermangelnd, bef. von den Gliedern des menſchl. u, thier, Körpers
(ein lahmer Fuß, eine lahme Hand, lahm gehen), in engerer Bed, fußlahm,
finnv, hinfend (ein Lahmer); in weiterer Bed, auch von kuͤnſtlich zuſammen—
geſetzten Dingen, die ihren feiten Zufammenhang oder ihre Spannfraft
verlorem haben (eine Schraube, ein Mefjer ift Lahm) ; uneig, f. ſchwach, Fraft=
los, ungruͤndlich, nichtig (ein lahmer Beweis, eine lahme Entihuldigung) 5
lahmlendig, Bw., f. v, w. lendenlahm; die Lahmheit, das Lahmſein,
eig. u, uneig.5 die Laͤhme (niederd. Lämde; oberd. Lem, jeder unheilbare
Schaden), dad Lahmſein z. B. eines Gliedes; landſch. beſ. f. Schlag, Gicht;
lahmen, zielloſ. Zw. m. Haben, lahm fein, hinken, eig. u, uneig.; laͤhmen,
ziel. Zw., (altd. lemian) lahm machen (einem Thiere den Fuß, den Flügel;
der Schlagfluſs hat ihm die Zunge gelähmt); insbeſ. eine Art des Wallachens;
uneig. überh. der Kraft berauben, unwirkſam machen; der Kihmer, -6,
ein Ruͤſſelkaͤfer, welcher den Pferden eine Lühmung verurfachen follz die Laͤh—
mung, das Lähmenz das. Lahmfein, f. v. w. Laͤhme.
Lahn, m., Ses, M. (von mehren Arten) -e, (wahrſch. verw. mit dem
angelf, hlaene; engl, lean, niederd, Leen, dünn, mager; vergl. Elein), breit
gequetſchter Gold= oder Silberdrath (Gold-, Silberlahn); der Lahnftein,
bei Bortenwirkern, ein mit Lahn überzogener Zierrath am Hute; die Lahn—
treffe, aus Lahn gewirkte Treſſe.
Laib, m., es, M.-e, n. % Leib; Verkl. das Laibchen, oberd, Laib-
lein; (goth. hlaibs, hlaifs, Brod, Biſſen; altd. hleib; poln, chleb; angelſ.
hlaf, engl, loaf, ſchwed. lef; vergl. das lat, gleba, libum; u, kleben), urſpr.
überh, eine zufammenhängende Maffe, ein — Stuͤck, daher noch
Bergw. ein Klumpen geſchmelzten Erzes (andſch. Luppe); insbeſ. oberd.
eine runde oder laͤngliche Brodmaſſe, ein Brod (ein Laib Brod, oder bloß:
ein Laib).
Laich, n. A. Leich, m. oder ſ. —es, o. M. (niederd. Look; wahrſch. v.
dem goth. laikan, altd. Läden, ſpringen; daher laichen od, leichen, alt u.
oberd. für ſpielen, ſich begatten; La ich, oberd. f. Begattung beſ. der Fiſche),
die in zaͤhen Schleim eingehuͤllten, befruchteten Eier der Fiſche, Froͤſche
und anderer Waſſerthiere; wenn ſie dieſelben ſchon von ſich gelaſſen haben,
Late — Samm 1
verſch. Rogen, (Fiſch-, Froſchlaich); laichen, zielloſ. Zw, mit haben
(niederd. löfen, ſchwed. leka), von Fiſchen und Fröſchen, den Samen od. die
Eier abſetzen, ſtreichen; die Laiche, die Laichzeit und das Laichen ſelbſt;
der Laichkarpfen, ein zur Fortpflanzung in den Streichteich geſetzter Karpfen,
auch Streichkarpfen, Laicher.
Laie, m., -n, M.-n, (alt, laihman, laige, leie, leige; engl, lay;
v. d. griech. Juiros, lat, laicus), ein Nichtgeiftlicher, eine weltliche Perfon
in der rom, Kirche ; in weiterer Bed, ein Uneingeweihter, Ungelehrter, Uner—
fahrener in einer Kunft od, Wiffenihaft; der Kaienbruder, die Laienſchwe—
ſter, ‚weltliche Perfonen in Klöftern zur Bedienung der Mönde und Nonnen;
der Laienprieſter, — —
Laimer, m., —s, M. w. E., landſch. ein Fiſch; ſ. v. w. Karauſchen⸗
karpfen.
Lake, w., M.-n (eig. das niederd, Lache, ſ. d.z ſchwed. laka), Salze
waſſer, bef, die falzige Brühe von eingefalzenen Fiſchen (Häringstake).
Laken, f., -8, M. w. ©. (altd, lahhan, lachen; oberd. Lachen, Lach;
ſchwed. 2 din. lagen ; vergl, d. griech, Auzis), bef, niederd.. Tuch, ſowohl
MWollentuch als Leinentuch (Tiſch-, Bettlaken); insbef, f. Betttuch.
Lakritze, w., M. -n, od, der Lakritzenbaum, (verderbt aus d. mittl, lat,
liquiritia), landſch. & Süßholzbaum (glycirrhiza L.); daher dad Lakritzen⸗
holz; der Lakritzenſaft.
lallen, zielloſ. u. ziel. Zw. (vergl. d. lat. lallare; griech. Audeiv), unvoll-
fommen fprechen, def. mit fehlerhafter Einmifhung des I (ein Lallendes Kind) z
überh. unvernehmlich und mit fchwerer Zunge reden, ſinnv. ſtammeln (ein
Betrunkener Lallt) ; auch f. lullen, ſ. d.; uneig. feine Gedanken oder Gefühle
unvollkommen ausdruͤcken, vergl. ftammeln.
Lambele, w., M.-n, ein Flufsfifhz der Bitterling,
Lamberts = oder Lampertsnuſs, w. (d. i. Lombardifhe Nuſs ; Lamparter,
Lamperter alt u. oberd. f. Lombarde), eine vorzuͤgliche, große Haſelnuſs-Art,
Bart-, Ruhrnuſs.
Lamm, ſ., -5, M. Laͤmmer, Verkl. dad Laͤmmchen, M. gem.
Lämmerchen, (goth., ſchwed. u. engl. lamb; altd. lamp, daher noch oberd.
das Lümplein; die Lampen f. das Mutterſchaf), ein junges, noch nicht ein—
jaͤhriges Schaf; Bocklamm, wenn es männlich, Mutterlamm, wenn
es weiblich iſt; oft als Bild der Unſchuld, Geduld und Sanftmuth (das
Lamm Gottes, bibl. f. Chriſtus); doch auch mit Lan Nebenbegriff zur Be—
zeichnung 5 Sqmache; uneig. Volksſpr. Laͤmmerchen für die
Kaͤtzchen der Weiden, Haſelſtauden ꝛc.; auch f. feine, weiße, flockige
Wolken (kämmerwolken); — 3fes. die Lammbirn, eine Art Winter:
birnen der Lamımbraten ; dad Lammfell; lammfromm, Bw., fromm,
d. i. fanft u. geduldig, wie ein Lamm; fo auch lammherzig; — die Laͤmmer⸗
blume, das Feine Schölfraut, Zeigmwargenkraut; der Lämmergeier, die
größte Geier: Art u. überhaupt der größte Vogel in Europa, weldyer in ben
Alpen lebt und Lümmer, Ziegen 2c. raubt; der Laͤmmerhirt; der Laͤmmer—⸗
junge oder = Fnecht, in Schäfereien, wer die Lämmer weidet; das Laͤmmer—
rauf, Flachskraut; Gänfefuß, Allgut, aud) Lämmerohren genannt; der
Cimmerfalat ob. zlattich, Feldrapunzel; das Laͤmmerſchwaͤnzchen, Schaf:
Bw der Laͤmmerſtall; die Cämmerwolle ꝛc.; — Ableit, lammen,
8 Lammel — Land
ziellof. 3, mit Haben (andſch. auh Lämmern; oberd, lämpeln), ein
Lamm werfen oder gebärenz daher die Lammzeit, die Zeit, in welcher die
Schafe lammen; laͤmmern, Bw, (altd, lembrin), oberd, f. vom Lamme
(lammernes Fleiſch f. Sammfleif).
Lammel, m., -8, landſch. gem, f. Kothfaum an einem Kleide (vergl,
Hammel), 2
Lammer, w., M. -n, aud) der Lammer= od. Laͤmmerbraten (wahrſch.
verw. mit d, lat, lumbus od, aus Zend: Mehrbraten verderbt), Jäg., die
langen, fhmalen Fleiſchſtücke, welche unter dem Rüdgrat des Wildbrets inmwen-
big herauögefchnitten werden, fenft Lenden=, Mör= od, Mehrbraten genannt,
Lampe, m., -n, (vielleiht von dem ober, Lampen, fchlaff herunterhangen,
3. B. lampende Ohren) alte ſcherzh. Benennung des Hafen in der <hierfabel,
Lampe, m, -n, M.-n, Verkl. dad Laͤmpchen, (gried, u. lat,
lampas, böym, lampa, franz, lampe, engl, amp), ein Gefäß od. Geräth
zur Erleuchtung vermittelt eined mit ÖL getränften Dochtes (3. B. Hange:
od, Schwebelampe, Arbeitslampe), aud) vermittelft des brennbaren Gafes (Gas:
lampe); — 3fes. das Rampenlicht, der Lampenfchein, -glanz, = ſchim⸗
mer ꝛc.; lampenhell, Bw., durch Lampen erhellt; der Lampenmann,
spußer, =wärter, wer die Straßenlampen beforgt; der Lampenofen, eine
Lampe der Scheidekünftler mit mehren Dochten; das Lampenſchwarz, .».w,
der Lampenruß.
Lamprete, w., M.-n (engl, lamprey, franz. lamproie; v. dem mittl,
lat. lampetra), der Steinfauger, eine Art eföbarer Sinorpelfifche, wozu
die Neunaugen oder Briden gehören; in engerer Bed, die größte u, koͤſtlichſte
Gattung diefer Si
Land, fa, - es, M. Lande u, gew. Länder (ſ. u.,)5 Verkl. das Laͤndchen,
M. in der Volksſpr. Eänd erchen, (goth., ſchwed., engl, land; ltd, lant,
M. lande) 1) ale Stoffnamen 0, M, überh, der felte Theil de Erdbodens,
entg, dem Waffer, bei. dem Meere (zu Waſſer und zu Lande reifen; das’ fefte
Land; ein Schiff ans Land ziehen; Land fehen 2c,); in engerer Bed, die ebene
Erdfläche, entg. den Gebirgen (das flache od, platte Land; von den Bergen ins
Land gehen), bef, fofern fie zum Feldbau dient, tragbarer angebauter Erd—
boden., finnv, Feld, Boden, Ader (fruchtbares, fandiges, fleiniges Land ꝛc.5
Ader:, Garten-, Weizenland 2c,)5 ferner der Stadt entg. dad ganze dem
Feldbau gewidmete, von Landbauern bewohnte Gebiet (lieber auf dem Lande,
als in der Stadt leben; auf das Land ziehen; über Land gehen, reifen 2c,)5
2) mit M, überh, ein abgegrenzter Theil der Erdfläche ; insbef, ein begrenztes
Stuͤck Feld, Acker- od. Öartenland (M. Länder, z. B. Garten, Brad)
länder; landſch. aud-f. ein Gartenbeet) 5; ein von einer ganzen Völkerſchaft
bermohnter Theil der Erdfläche (das Land der Deutfchen, Deutſchland, Ruſs—
‚Sand, Griechenland), bef. hinfichtlich feiner ruumlichen Ausdehnung, feiner
Grenzen u, feiner Bevblkerung; verfh, von Staat, weldes auf Regierungs-
u, Berfaffungs : Einheit geht (3. B. der öſtreichiſche Staat begreift mehre Länder
in ſichz das beutfche Land befteht aus mehren Staaten; einen aus dem Lande
jagen, des Landes verweifen) ; uneig, auch f. die Cinwohnerfchaft eines Landes
(ein Land unterjohenz das ganze Land trauert um feinen Fürften); in weiterer
Bed. f. Gegend, Aufenthaltd= od. Wohnort (Hier zu Lande, d, i, in hiefiger
Gegend; das Land der Seligen ꝛc.); — die Mehrh, lautet alt u, oberd, durch
Land Bw,
gangig Lande; in der herefchenden Schriftfpr, hingegen gew, Länder; Lande
nur in der höheren Schreibart, bef, zur Bezeihnung unbeftimmter Gegenden
(bibl, alle Lande find feiner Ehre voll; er hat in fernen Landen viel erfahren),
und zur Bezeichnung der verſchiedenen Gebietstheile eines Staates, fofern diefel-
ben zu einer Einheit verbunden gedacht werden, dahingegen die. M. Länder
vereinzelnd ift (3. B. die Königlic, Preußiſchen Lande; die Niederlande; aber:
die Länder Europa’s), — In 3 ſetz. hat Land gew, die unter 1), Landes und
Lands oder (wo mehre bezeichnet werden follen) Länder die unter 2) ange:
führten Bedeutungen, (vergl. z. B. Landmann, Landadel, Landſchule mit
Landsmann, Landesadel, Landesſchule; Landeskunde und Länderkunde 26); —
Bfes, mit Land: der Landadel, auf dem Lande wohnender Adel, entg. Stadt:
adel ; der Kandammann, ſchweiz. f. Candamtmann, Vorfteher einer Landfhaft
od, Landgemeinde; der Landbär, auf dem Lande lebender Bär, entg. See- od,
Eisbär; der Landbau, Anbau des Landes, Feld-, Aderbauz der Land»
bauer, —s, M. w. E. (vergl. Bauer 2.), wer das Land baut, Aderbauerz
der Landbaumeifter, wer dem Bauweſen auf dem Lande vorgefest iſt, entg.
Stadtbaumeiſter; aud) (mit dem Hauptton auf der 2ten Silbe) ein Vorgefester
über das Bauwefen im ganzen Lande (r. Landesbaumeifter)z; der Landbewoh⸗
ner, entg. Stadtbewohner; der Landbifchof, in der röm. Kirche ein Bifchof,
der fein Amt nur auf dem Lande verwaltet, Chorbiſchef; der Landbote, ehem.
in Polen, ein zum Reichstag abgeorbneter Bevollmächtigter; landſch. f. Land:
Enecht, Büttel; das Landbuch, Verzeichnifs der Landgüter, Ritterſchaftsbuch;
der Kanddienft, Kriegsdienft auf dem feiten Lande, entg. Seedienſt; der Land—
droſt, j. Droft; der Landedelmann, auf dem Lande Iebender Edelmann,
Landjunker; der Landeigenthlimer, Eigenthümer einer Länderei, eines Land:
gutes; die Landenge, f. Erdenge; der Landfahn, bair. u. bſtr. ehem. f. Lands
wehr; daher der Landfähnler, Landwehrmann; das Landfaſs, landſch., ein
Map f. Flüſſigkeiten, in Bern = 24 Eimer; die Landflagge, eine Flagge,
die auf Schiffen aufgezogen wird, wenn man Land ſieht; landflüchtig, Bw.,
aus dem Lande entfliehend od. entflohen (r. Landesflüchtig); die Landflüch-
tigkeit; der Landforftmeifter, oberfter Forftmeifter (f. d.) einer Landſchaft od.
‚eines ganzen Landes, auch Oberlandforftmeifter; die Kandfracht, zu Lande
fortgefhaffte Laft, und das Frachtgeld dafür; der Landfrieden, Bffentliche
Sicherheit in einem Sande, und ein Vertrag od. eine Verordnung zu deren Er-
haltung, bef. dad 1495 zu Worms gegebene Reichsgeſetzz der Landfrofch,
entg. Waſſerfroſchz die Landfuhre, Fuhre zu Lande od. über Land; land-
gäangig, Bw., durd’s ganze Land gehend od. geltend (Münze); der Rande
geiftliche, entg. Stadtgeifttihes die Landgeiftlichfeit; das Landgericht,
Gericht über einen Bezirk des flachen Landes, entg. Stadtgeriht; auch ein
höheres Gericht über ein ganzes Land, x. Landesgerichtz der Lands
gerichtöherr, =rath ꝛe.; der Landgraf, ehem. ein Eaiferliher Statthalter
über ein ganzes Land (3. B. die Landgrafen von Thüringen; vergl. Graf);
landſch. f. Vorfiger eines Landgerichts, Landrihters die Landgräfinn; die
Landgrafſchaft; landgräflih, Bw.; das Landgut, Verl. -gütchen,
eine ländliche Befigung, bef. fofern der Befiger nicht zum Bauernftande gehört
(vergl. Gut); der Landhandel, entg. Scehandel; der. Landhafe, gemeine
Feldhaſe, entg. Berg:, Holz-, Sumpfhafe; dad Landhaus, Wohn: oder
Luſthaus auf dem Lande; auch f. Landſchaftshaus, f. d.; das Landheer, entg.
10 Land r
Schiffsheer, Flotte; die Landhufe, eine Hufe auf feſtem Lande; aud eine
befondere Art Hufen, in Pommern = 30 Morgen ; der Landjaͤgermeiſter,
Vorgefegte über das Jagdweſen eines Landes, gew, dem Landforftmeifter unter:
geordnet; die Landjugend, junges Landvolk; der Landjunfer, der junge
Sohn eines Landedelmanns; auch verächtl. f, Landedelmann ; die Landkarte,
f. Karte; in engerer Bed. entg, der Seekarte; die Landfartenfchnede, eine
lichtgelbe Porzellanſchnecke mit dunkeln Sieden u, gebogenen Strichen, aud) bloß
Landkarte; der Landknecht, landſch., ein Gerichtediener auf dem Lande;
der Landkrebs, eine Art Krebfe, die ſich meift auf dem Lande aufhalten, entg.
Fluſs-, Seekrebs; der Landfrieg, entg. Seekrieg; landkundig, od, =Füns
dig, Bw., im ganzen Lande kund od, bekannt, landrüchtigz verſch. landes—
kundig; die Landkutſche, einer Privatperfon gehörende Frachtkutſche, die durch
ein ganzes Land geht; der Landkutſcher, Eigenthümer od. Fuhrmann einer
Landkutſche; der Kandläufer, ſ. v. w. Landſtreicher; landlaͤufig, Bw., im
Lande umherſtreifend; auch f. landgüngig⸗landüblichz; das Landleben, Leben
auf dem Lande, entg. Stadtleben; die Landmacht, das Kriegsheer zu Lande,
entg. Seemacht; auch ein Reich, das vorzugsweiſe zu Lande mächtig iſt; das
Landmädchen, ein auf dem Lande geborenes und erzogenes Mädchen; der
Landmann, 1) M.=leute, ein Landbewohner, der Landbau treibt, edler
als Bauer, entg. Städter; 2)M, Landmänner, oberd, ein im Lande
anfaffiger Ritter, Landſtandz ſchweiz., der Beifiger eined Landgerichts; die
Landmarf, die Grenze eines Landes oder Landgerichtes, und die Grenzzeichen;
die Landmarke, Schiff., jedes Kennzeichen am Lande, weldes dem Schiffe zur
Richtung dientz der Landmarfchall, der Marſchall (f. d.) eines Landes sd, einer
Landſchaft; der Landmeſſer, ſ. v. m. Teldmeffer, bef. wenn er fein Amt in
einer ganzen Landſchaft ausübt; die Landmeſſung,-meſskunſt; die Land»
münze, im Lande felbft gepränte, aangbare Münze, r. Landesmünzez
die Landpfarre, Pfarre auf dem Lande, Dorfpfarte; der Landpfarrer od.
eprediger, entg. Stadtpredigerz der Landpfennig, landſch. f. Landeöfteuer,
bef, von Grundſtücken; der Kandpfleger, alt u, oberd. Vorgefeste und Ber:
walter einer Landſchaft, Statthalter‘, Landvogt; die Kandplage, ein großes
Übel, welches ein ganzes Land drüdtz der Landrath, in Preußen eine obrig:
keitliche Perfon, weldye auf dem Lande die Polizei handhabt u, ſowohl die Befchfe
der Landesregierung vollzieht, als aud) die Rechte der Landbewohner vertritt;
in andern Gegenden: ein adeliger Landſtandz ſchweiz. die Rathsverfammlung
eines Cantons; landräthlich, Bw., einem Landrath gehörig, zukommend 2c,5
das Landrecht, der Inbegriff der in einem Lande oder einer Landſchaft üblichen
bürgerlichen Rechte (3.8, das preußifche Landrecht) 5 fchiveiz. die auf dem platten
Lande geltenden Rechte, entg. Stadtrecht; oberd, f. Landgerichts landrechtlich,
Bw., zum Landrecht gehörig, demfelben gemäß; der Kandregen, anhaltender,
über ein ganzes Land ausgedehnter Regen; die Kandreife, entg, Seereifez der
Zandreiter, ein Polizei = Bedienter, welcher die Landſtraßen bereitet; die Lands
reiterei, deffen Amt u, Bezirk; der Landrentmeifter, f. Rentmeifterz der
Landrichter, Mitglied eines Landgerichts; Richter auf dem Lande, entg, Stadt:
rihterz landrüchtig, Bw., f. v. w. landkundig; die Landrüchtigkeitz die
Landruthe, landſch., ein auf dem Lande ubliches Lüngenmaß, entg, Stadtruthe,
(in Nürnberg = 16 Schuh; die Stadtenthe = 10 od, 12 Schuh) ; der Land
ſaſs, -en, überh, ein anfäfjiger Einwohner, bei, ein Landbewohner ; gew, der
Land 11
Beſitzer eines freien Landgutes Centg. Reichsſaſs), bef. fofern er Sit v, Stimme
auf dem Landtage hat; landfallig, Bw., die Eigenfhaft eines Landfaffen
habend, u, in diefer Eigenſchaft gegründet; die Landfaffigkeit; die Land—
ſcheide, Landesgrenze; der Kandfcheider, ein verpflichteter Grenz-Aufſeher;
dad Landſchloſs, Schlofs auf dem Landes; die Kandfchnede , entg. Waſſer—
ſchnecke; der Kandfchreiber, Schreiber bei einem Landgerichte; die Landſchule,
Schule auf dem Lande, Dorfſchule, entg. Stadtſchule; der Landſchullehrer od,
⸗meiſter; die Landfchwalbe, Haus:, Dorfſchwalbe; der Kandfee, ein See
(ſ. d.) im feften Lande, entg, die See od, das Meer; dad Landſeil, ein Feld:
maß in Böhmen = 52 Prager Ellen; dad Landfiedel, landſch. fr Landfis,
«gut, bef. ein Zins- od. Meiergutz der Landſiedler, Befiser eines folhen
Gutes; der Landſitz, Wohnfig, Sommerhaus auf dem Lande ; der Landſoldat,
entg. Seeſoldat; die Landſpitze, ein ins Meer hineinragenter ſpitz zulauferder .
Theil des feiten Landes; die Landſtadt, eine kleinere Stadt in einer Landfchaft
(fr, Provinzialftadt), entg, Hauptſtadt; auch eine Stadt im feften Lande, entg,
Seeftadt; der Landfland, Stand (f. d.) eines Landes oder einer Landſchaft,
welcher auf Landtagen eine Stimme hat: landftandifch, Bw, ; die Landſtand⸗
ſchaft, Eigenſchaft und Würde eines Landſtandes; auch die Gefammtheit der
Sandftändez die Landſteuer, Steuer von Ländereien, oder vom flachen Lande
entrichtet; die Kandftraße, breite Hauptftraße durd) das Land, Heerſtraße;
der Kandftreicher, die Landftreicherinn, das Land durchftreifende Müßig:
sänger, Gaunerz landſch. Landläufer, fahrer, -ſtbrzerec.; die
Landftreicherei; Tandftreicherifch, Bw.z der Landſtrich, ein fi in die
Länge erftrediender Theil des feiten Landes; auch f. Erd- oder Himmelsfteich
(ſ. d,)5 die Landfiube, Verfammlungszimmer der Landftände, od, eines Land:
gerichts; der Kandflurm, 1) ein Sturm zu Lande, entg, Seefturm; 2) ein
Aufgebot fümmtliher waffenfähigen Einwohner bis zum 60ſten Jahre zur Ab:
wehrfeines eindeingenden Beindes, vergl, Landwehr; die Kandtafel, ehem, f.
Landkarte; auch der Urkundenfchag eines Landes, der Landftände, oder eines
Landgerichts; der Landtag, Verfammlung der Landſtändez auch die verfam:
melten Landſtände ſelbſt; landtagen, untrb. ziellof. 3w,, einen Landtag halten;
dad Kandthier, entg. Waffertgier; Iandüblich, Bw,, in einem Lande üblich,
auh: landesüblichz der Landvogt, Xorgefeste eines Landes oder einer
Landfchaft, Statthalter, Landpfleger; die Landvogtei, deffen Amt, Würde,
und Bezirk; dad Landvolk, Landteute; landwärts, Nw., nad dem feften
Lande zu (3. B. fhiffen); die Landwehr, eine Wehr Kr. d,) zur Vertheidigung
der Landesgrenzen, z. B. Wülle, Gräben, Verhaue; bef. eine Volksbewaffnung,
aus den jüngeren Männern vom 17ten bis 45ſten Jahre beftehend, zunächft zur
Vertkeidigung des eigenen Bodens, landſch. der Landfrieden, die Heim:
ſchaar 2c. genannt; der Landwehrmann, wer unter der Landwehr dient; der
Landwein, einheimifher, im Lande felbft gebauter Wein; der Landwirth,
Hauswirth auf dem Lande, beſ. ſofern er Landbau treibt (fr, Skonom); die
Landwirthinn; landwirthlich, Bw., zum Landwirth gehörig, denſelben an—
gehend; die Laudwirthſchaft, Wirthſchaft auf dem Lande; beſ. der Betrieb
und se Wiſſenſchaft des Landhaus (fr, DEonomie) ; landwirthfchaftlich, Bw.,
Landwirthſchaft betreffend, dazu gehörig; die Landzunge, ſ. Erdzunge; —
Zſetz. mit Landesod, Lands: der Landesadel, der mittelbare, dem Lan:
desheren unterworfene Adel, entg, Reichsadel ; verſch. Landadel; die Landesart,
12 s Land
Sebräudhe u. Sitten eines Landes; auch die natuͤrliche Befchaffenheit eines Lan
des nad) Boden, Witterung zc. 5 die Landesbefchaffenheit; das Landeser-
zeugnifs, (fe. - product) ; die Landesflagge, eigentyümliche Flagge der Schiffe
eines Landes, verſch. Landflagge; landesflüchtig, Bw., f. Iandflüchtigs der
Landesfürft, die Landesfürftinn, f. Fürſt; landesfürftlich, Bw.; der
Landesgebrauch oder brauch; das Landesgericht, höchſtes Geriht eines
ganzen Landes oder einer Landfchaft (3. B. die Oberlandeögerichte in Preußen),
verfch. Landgericht; die Kandesgefchichte; das Landesgeſetz; die Landes—
grenze; der Landeshauptmann, Vorgeſetzter einer Landfhaft, Landvogt;
die Kandeshauptmannfchaft, defien Amt u. Gebiet; der Landesherr, Ober:
herr (fr. Regent) eines Landes; landesherrlich, Bw., dem Landeöheren ge:
hörig, gebührend, in deffen Würde gegründet; die Kandesherrlichkeit, Würde
u. Recht des Landesberrn; die Kandesherrfihaft, die höchſte Gewalt in einem
Landes; auch der Landesherr u. deffen Familie, (vergl. Herrfhaft) ; die Landes—
hoheit, Obergewalt über ein Land (fr. Souveränität); die Landeskaſſe, die
Landeskenntniſs od. » Funde; landesfundig, Bw.; das Landesfind od.
Landskind, eingeborener Untertyan eines Landes; die Landeskirche, die herr:
ſchende Kirche, d. i. Glaubensform, eines Landes; verfch. Landkirche; Die Lan
desmutter, f. Landesvaterz die Landesobrigkeit; die Kandesordnung, lan⸗
desherrliche Verordnungz die Landesregierung; die Landesfache, das ganze
Land betreffende Angelegenheit; die Landesſchuld; die Kandesichule, Hauxt:
ſchule eines Landes od. einer Landfchaft, verſch. Landſchule; die Landesſitte;
die Landesſprache; die Landestracht; landesuͤblich, Bw., ſ. landüblichz
der Landesvater, der Landesherr, als Vater ſeiner Unterthanen betrachtet;
deſſen Gemahlinn oder auch eine ſelbſt regierende Fürſtinn: Landesmutter;
landesvaͤterlich, Bw.z die Landesverfaſſung; der Landesverrath, -ver—
raͤther; landesverraͤtheriſch, Bw.; die Landesverwaltung; die Landes—
verweiſung; der Landesverwieſene, ſ. verweiſen; — der Landsknecht
(nicht Lanzknechtz denn nur die Ritter führten Lanzen; franz. verberbt:
lansquenet), ehem. ein gemeiner Fuß: Soldat im Dienft eines Landesfürſtenz
aud) ein Kartenfpiel; der Landsmann, die Landsmaͤnninn, M. Landsleute,
Eingeborene desjelben Landes, Landesgenoffenz verfch. Landmann 2c.; lands⸗
männifch, Bw., dem Landsmann gehörig, gebührend, in defjen Verhältnifs
gegründet; die Landsmannfchaft, das Verhältnifs der Landsleute; die Ge—
fammtheit od. eine gefchlofjene Gefellichaft von Landsleuten (auf Univerfitäten) 5
— 3fes. mit Länder: der Länderbefchreiber ; die Landerbefchreibung z
laͤndergewaltig, Bw. ; die Landerkarte ; die Länderfenntnifs od. = Funde;
laͤnderkundig, Bw.; der Kanderräuber, = verwüfter u. dgl.; die Laͤnder—
fucht, aud der Laͤnderdurſt; länderfüchtig, -durſtig, Bw.; der Laͤnder—
tauſch; die Kändertheilung u. dgl. m. — Ableit. von Land: landen,
Zw. (altd. u, oberd. lenden; ſchwed. landa, engl. land) 1) ziellos m. fein,
an dad Land fahren und ausſteigen; 2) ziel. and Land fegen, ausſchiffen
(3. B. Truppen); landſch. auch: Ländereien mit Grenzfteinen bezeichnen, gew.
ländenz die Landung, das Landenz daher der Landungsplatz, landſch.
aud die Kände, (oberd. Lend) ; — die Laͤnderei, angebautss Land, Grund—
ſtuͤcke, als Sammelw., od. gem. in der Mebrh. Ländereien; ländlich, Bw,
1) f. landuͤblich, nur noch in dem Sprichw. ländlich, ſittlichz 2) gem.
dem Lande, im Gegenſatz der Stadt, gemäß oder eigen, auf dem Lande
Landauer — lang 13
uͤblich, entg. ſtäbtiſch (ländliche Sitten, ein Ländliches Feft 2c.) 5 dad Landleben
betreffend (ein ländliches Gedicht) 5 einfach, ungefünftelt (ein Ländliches Mahl);
die Kandlichkeitz die Landfchaft, M. -en, 1) eine Abtheilung oder ein
Bezirk eined Landes (fr. Provinz); 2) die Gefammtheit der Landftände eines
Landes oder Bezirkes, aud deren Berfammlungshauß, Landſchaftshaus;
3) eine laͤndliche Gegend, und ein Gemaͤlde, weldhed eine ſolche daritelltz
daher der Landfchaftmaler, aud: der Landſchafter; die Landfchafts
malerei; landſchaftlich, Bw., einer Landfchaft, d. i. einem Landesbezirk,
eigen od. gehörig, darin einheimifch, fr. provinziell (das landſchaftliche Recht;
die landſchaftliche Sprache; ein landfhaftlihes Wort, fr. Provinzialismus) 5
die Landftände betreffend oder ihnen gehörig; Landſchaften, d. i. ländliche
Gegenden u. deren Darſtellung, betreffend, od. dazu gehörig.
Landauer, m., —s, M. w. E, (v. der Statt Landan), ein vierfißiger
Kutſchwagen, deffen See fi in der Mitte theilen u. auseinanderfchlagen läſſt.
Lander, w., M.-n (v. Ichnen, oberd. auch Iendenz daher Geländer),
Landfch. f. eine Zaunftange, Latte; auch f. Stangenzaun, Geländer; daher
landern od. ändern, ziel. Zw., f. mit einem Geländer od, Gehege verfehen.
ländern, r. wohl ländlern (d. i. ländlich tanzen), ziellof. Bw. m. haben,
landſch., fich langſam drehend im SKreife herumtanzen, verſch. v. dem ra⸗
ſcheren Walzen und Schleifen; der Laͤndler, -8, ein folder Tanz, auch
länderifcher Tanz.
lang, Bw., Comp. länger, Sup. längft, der laͤngſte 2% (goth. langs,
altd, lang, lanc; engl. long; lat. longus) bezeichnet eig. 1) räumliche Aus—
dehmung nad) einer Richtung und dient überh. a) zur Maßbeftimmung
diefer Ausdehnung mit dem Acc, alt u. oberd, auch mit d. Gen. (einen Fuß
od, eines Fußes lang; der Weg ift zwei Meilen lang 2.53 uf. hoch, z. B.
N. ift fo lang, wie fein Bruder); bei Flächen od. Körpern, die nad) verſchie—
denen Richtungen ausgedehnt find, bezeichnet lang die Richtung, welche die
größte Ausdehnung hat, entg. breit (z. B. der Garten ift 100 Fuß Yang
u. 50 breit); b) von verhältnifemäßig beträchtlicher Ausdehnung in diefer
Richtung, entg. kur z (eine lange Straße, lange Haare, ein langer Hals,
Lange Armel, ein langer Menſch, d. i. ein großerz ſprichw. etwas auf die lange
Bank fchieben ; lange Finger machen; f, Banf, Fingerz ein Langes und Breites
ſchwatzen u. dgl., d. i. ſehr umſtändlich); uneig. f. dünn, wäfferig (eine lange
Brühe; vergl. kurz); auch f. zähe (der Wein wird lang, wenn er dick —
2) zeitliche Ausdehnung, Zeitdauer, u. zwar überh. maßbeſtimmend G. B
eine zwei Stunden lange Mufif) ; insbef, von verhältnifsmäßig beträchticher
Dauer, lange während, entg. Eurz (3. B. eine lange Silbe, d. i. eine ge-
dehnte, in der Silbenmeffung S 2 kurzen; eine lange Rede, ein langer Briefz
ein langes Leben; die langen Winternächtez der längfte Tag; die lange
Nacht, das große Verfühnungsfeft der Juden um Michaelis; die Zeit wird mir
langz lange Weile (r. als Langeweile) Haben od. empfinden, d. i. das un
angenehme Gefühl der leeren Zeitdauer; etwas für dielange Weile thun,
d. i. zum Zeitvertreib, daher auch: etwas Unnüses, Überflüffiges; überfurgz
od. lang, f. kurz; vor langen Sahren, d, i. vor vielen Sahren)5; — als Nw.
oder vielmehr Bw. fteht lang (verfchieden v. lange, f. u.) nad} einem Acc.
od. bisweilen Gen. 1) räumlich, landſch. gem. f. entlang, längs G. 8.
die Straße lang, den Flufs lang gehen, x. entlang; der Länge lang hinfallen,
14 | lang
x, der Länge nah); 2) gew. zeitlich zur Bezeichnung einer Dauer während
eined bemerften Zeitraumes, finnv, durch, hindurch (3. B. eine Stunde
lang, zwei Zage lang, Jahre lang abmwefend fein 20,5; eine Bett Lang f, Zeit;
mein Leben lang, gem, aud mein Lebelang, f. Leben; Lebens lang,
gew, lebenslangs fo aud) fundenlang 2c,)5 — 3fes. der Langarm, wer
lange Arme hat; langarmig, Bw, (3. B. der langarmige Affe); langath-
mig, Bw., einen langen Uthem habend, oder erfordernd; der Langbart,
Mensch od, Thier mit langem Barte, bef. eine Art Wels; das Langbeil, ein
langes, fpis auslaufendes Beil der Stellmacher; das, od, von einer männl,
Perfon auch der Langbein; langbeinig, Bw.; die Langbeinigkeitz die
Langespe, (gemeine Espe); die Rangeweile, r. lange Weile (f. o,) od,
Langweile (vergl, Kurzweil); langfingerig, Bw; der Langfuß, ein
langer Fuß; ein Geſchöpf mit langen Füßen, bef. eine Art Infecten, und eine
Urt Regenpfeiferz Steljentäufer, Dünnbein ꝛc.; langfüßig, Bw.; langge=
gliedert, =gehalfet, =gelodt, =geöhrt, -geſchwaͤnzt = gefpist u. dat,
Bw,, mit langen Gtiedern, langem Halfe 2c, verfehen; langhaarig, Bw.;
der Langhals, ein Menſch od. Thier mit langem Halfe, 3. B. eine Art aus:
ländiſcher Baumkletten; eine Art Enten; der Schlangenvogel zc,; langhaljig,
Bw.; langhäandig, Bw.; langhin, Nw,, in die Länge fi) erſtreckend, finnv,
weithin ; langjährig, Bw., lange, d, i, viele Jahre begreifend, viele Jahre
"dauernd (Langjährige Erfahrung); der Langkreis, länglihe Kreislinie oder
:flähe, Eirund; langlebig, Bw., lange lebend; langrund, Bw,, länglich
rund, eirundz; die Langmuth (vergl. Muth), nachfichtsvolle, huldende Sefin:
nung, ſinnv. Geduld; langmüthia, Bw., Langmuth befigend, beweifend;
das Langohr, ein Thier mit langen Ohren, bef, der Efel; langöhrig, Bw.5
langfchattig, Bw., einen langen Schatten werfend (langfdattige Völ—
ker, in ben Ealten Erdſtrichen); der Kangfchläfer, die Langfchläferinn, wer
Lange in ben Zag hinein ſchläft; die Langfchläferei, das lange Schlafen; der
Langſchnabel, ein langer Schnabel; ein Thier mit langem Schnabel, 3. B.
die Schnepfe; langfchnäbelig, Bw.z der Langſchub, f. v. w. Kegelfchub,
Kegelbahn (f. d.), entg. Kurzſchubz der Langſchwanz, ein langer Schwanzz
ein langgeſchwänztes Thier, bef. ein folhes Pferd, enta, Engländer; auch die
Schwanzmeifes langſchwaͤnzig, Bw.; langfichtig, Bw., ſ. v. w. weit:
ſichtigz langſilbig, Vw., aus einer langen Silbe od, aus langen Silben be:
ſtehendz die Langfilbigkeitz das Langſtroh, Landw., langes, ungeknicktes
Stroh, entg, Krummſtroh; der Langmwagen, Landw,, das lange Holz an
einem Rüft: od, Bauerwagen, welches das Vorder- und Hintergeftell verbindet,
Langbaum, = welle, ⸗wiede; die Langweile, oberd. r. f. das gew, Lange:
weile, f. o. lange Weile; langweilen, untrb, Zw. 1) ziel, einen —, ihm
Lange Weile verurfachenz 2) rückz. ſich —, lange Weile empfinden (fr, ennu-
viren) langweilig, Bw., lange Weile verurſachend; überh, auf verdriekliche
Art lange während; die Langweiligkeit; langwierig, Bw., lange während,
ger, von unangenehmen od. doc ſchwierigen Dingen (Krankheit, Krieg, Arbeit);
die Langwierigkeit, das Langwierigſein; — Ableit, lange, Nw, (verfch.
von lang), Comp. länger, Sup. längft, (altd. lango, lange) 1) Nw. ber
3eit, f.v.mw. lange Zeit (lange hernach, lange vorher ; lange warten ; ſprichw.
was lange währt, wird gutz wie lange foll ich warten? fo lange bis... od.
als 20.3 nur dicht. bisweilen abgek Lang, 3. B. fo lang hab’ ich geharrt; ich
$ / lang
kenne ihn länger, als du; je länger, je lieber; es hat am längften gewährt);
2) als verftärkendes Nw., welche Anwendung unmittelbar aus der zeitlichen
Bed, fließt (3. B. was zauberft du lange? wer wird erſt lange fragen ? u. dgl.),
bef. bei Vergleihungen mit einer Verneinung verbunden f. bei weiten (z.B. er
ift noch lange kein Schiller; er iſt lange nicht fo geſchickt, wie fein Bruder); in
der Volksſpr. auch f. hinlänglich, genug (das ift lange gut für mid) 3 die
Länge, M. -ı (niederd. Längde, engl. length) 1) räumliche Ausdehnung
nach einer Richtung, ob. nach der Richtung, in weldyer eine Fläche od.
ein Körper die größte Ausdehnung hat, entg. Breite, Dice (die Länge eines
Weges meſſen; das Haus hat 60 Fuß in die Länge; ein Stück Holz in die Länge
od. der Länge nad) fpalten) 5 Erdk. die Entfernung eined Drted von dem erften
Mittagskreiſe nad Dften od. Weften (öftliche od. weftliche Länge) ; verhaͤltniſs⸗
maͤßig betraͤchtliche Ausdehnung, das Langſein, entg. Kürze (die Länge des
Weges, des Halſes, feiner Haare ꝛc.) 3 2) zeitliche Ausdehnung, Zeitdauer
überh., u. bef. beträchtliche Zeitdauer (die Länge der Zeit, einer Reife, einer
Rede 2c.; etwas in die Länge ziehen, d. i. verzögern; indie Länge od. auf
die Länge, d. i. bei längerer Dauer, mit der Zeit); 3) ein langer Körper,
3. B. ein ſchmaler Fifch aus dem Dorſch-Geſchlecht, au Langfiſch, Laͤng—
ling 20,5 niederd. ein langes Seil od. Tau; dad Laͤngenmaß, Linienmaß, entg.
Flächen- und Körpermaß; auch. ein zur Längenmeflung dienender wirklicher,
oder gedachter Mafftab (z. B. Elle, Fuß, Zoll 3 Meile rc); langen, Zw.,
4) ziellos m. haben, landſch. f. lang oder länger werden (die Tage langen) 3
gew. fich der Länge nach erftrecken, wohin reichen (das Kleid langt bis auf
die Fuße); uneig. dem Werthe, der Güte, der Menge nach reichen, aus—
langen, ausfommen (das Geld langt nicht weit 3 od. mit dem Gelde langt man
nicht weitz das Tuch langt nicht zum Node z vergl. hinlänglic)) 3 in engerer Bed.
mit ausgeftrecfter Hand an etwas reichen, (ich kann nit fo weit langen;
in die Schüffel langen); auch die Hand nad) etwas ausſtrecken (das Kind
langt nach dem Regenbogen) 5 uneig. mit dem Gemuͤthe nach etwas trachten,
verlangen („langen und bangen’); 2) ziel. etwas —, mit audgeftreckter
Hand nehmen u, darreihen (lange mir den Hut vom Nagel) landſch. überh.
f. holen; langen, ziel. Zw. (altd. lengan, lengen) in die Länge dehnen,
ftrecfen (die Bäder längen den Zeig mit dem Längeholz, im Bergbau längt man
eine Grube, wenn man fie in die Länge fortfegt), gew. verlängen, verlängern;
der Kängerling, - ed, M. -e, eine Art länglicher Klapperaͤpfel; länglich,
Bw., ein wenig lang, etwas mehr lang ald breit (ein längliches Viereck, fr.
Oblongum); langlichrund, Bw., eirund (fr. oval); langfam, Bw. u. Nw.
(das althochd. lancsam bed. lange dauernd, ewigz unferlangfam ift entft,
aus dem althochd. lancseime, mittelhodyd. lanksaene, v. seine, träge, ſäumig 3
vergl. ſäumen), überh. fich träge bewegend, in verhaͤltniſsmaͤßig beträchte
licher Zeit wenig bewirkend, vollendend, ſinnv. gemach, faumig, entg. ſchnell,
geſchwind, hurtig, (langfam gehen, effen, arbeiten; ein langfamer Menſch;
ein langfamer Kopf, der ſchwer begreift) 5 die Langfamfeit, das Langfam=
fein; lang, Vw. (nicht zu verwechfeln mit Yängft), der Länge nad) an
einem Gegenftande hin, f. v, w. entlang, mit dem Ben. od. Dat. (längs
des Fluſſes od. dem Fluffe, längs der Mauer hingehen 2c.); laͤngſt „Nw. (eig.
Sup. von Lange), vor ſehr langer Zeit, feit langer Zeit (das habe ich längſt
gewufit); langftens, Nw., auf das längfte, fpäteftens (ich erwarte ihn
längftens in vierzehn Tagen). x ——
16 Zanfe — Rappen ’
Lanfe, w., M. -n (altd. lancha, lanke, bef. ende; vergl, das franz.
longe u, Flanke) landſch. f. Seite, 3. B. Fiſch. bie Seite bed Waffers, wo ge-
fifcgt werden darf; bef, die Seite des Bauches, die Weiche; auch f. Lende,
Schenkel eines Thieres, ;
anne, w., M.-n, landſch. f. Gabeldeichfel.
Lanfte, m., -en, M. - en (wahrſch. von Lehn) in Schleswig ein Bauer,
der fein Gut zu Lehn befist, entg. Bonde,
Lanze, w., M.-n (griech. Roy lat, lancea, franz. u, engl, lance;
von celt, Stamm, entfpr, dem franz, lancer, werfen); ein Spieß, insbef, ein
langer und ſchwerer Spieß od, Speer, defien ſich ehem, die Ritter im Kriege
und in Turnieren bedienten, (eine Lanze mit Jemand brechen, uneig, f, fich mit
ihm in einen Streit einlaſſen); auch ein Spieß der Jäger bei der Schweinsjagd,
und der Wallfifchfänger; Bildh,, eine Art Spatel zum Formen in weichen
Marten; — 3feg. dad Lanzenfeft, ein Feft in der röm. Kirche zum Andenken
an bie Lanze, mit welcher Chrifti Seite durchftochen wurde, der Speerfreitag;
der Lanzenfifch, eine Art Ktippfifch 5 lanzenförmig, Bw. 5 der Lanzenfnecht,
Lanzenträger eines Ritters (verſch. Landsknecht); das Lanzenkraut, eine Art
des Frauenhaares in Surinam (adianthum lancea L.); der Lanzenfchwin-
ger; dad Lanzenfpiel, = fiechen, Zurnier ; der Lanzenftich, = wurf u; —
Ableit. der Lanzener, —s, Neuw., wer eine Lanze führt, mit einer Lanze
ftreitet; die Lanzette, Verkl. mit fremdartiger Endung (franz, lancette), ein
Kleines zweifchneidiges Werkzeug der Wundärzte, das Laſseiſen.
lapp, Bw., landſch. gem, f. ſchlaff (vergl, Laff); der Lapp od, Lappe, N,
M.-ın, gem, f. Laffe, alberner Menſch; oberd, ein Blödfinnigerz die
Lapperei, M. -en, ſcherzh. auch mit fremdartiger Endung Lappalie, M, -n,
verächtl, f. eine unbedeutende, geringfügige Sache, Kleinigkeit, Albern=
heitz laͤppiſch, Bw., einem Lappen oder Laffen ähnlich oder angemeffen,
albern, Findifch.
Lappen, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Laͤppchen, (altd, lappa,
engl, u. dän, lap, ſchwed. lapp; von dem vorftehenden lappz vergl, d, griech,
Aoßög, Acipos; Lippe, Lumpen 26), überh. ein fchlaff herabhangendes
biegfames Stück ohne beftimmte Geftalt, 3. B. der Ohrlappen od, gew, dad
Ohrlaͤppchen, die Lappen der Hunde, d, i. die herabhangenden Ohren; die
Lappen der Leber; das Bartläppden am Hühnerjchnabels Fleiſch., dünne
Stüde Fleifh aus dem Bauche des Rindviehs gehadtz landſch. f. Kaldaunen;
Pflanz., herabhangende Pflanzentgeiles in engerer Bed. ein Stuͤck Tuch, Lein—
wand ıc, von unbeftimmter Öeftalt, 3. B. Wiſch-, Waſch-, Flicklappen 2.5
oberd. auch Stuͤcke Leder zum Ausbeffern der Schuhe, Flecke; be. aud) zer=
riffene Stücke Zeugd, Kleider u. dgl., ſinnv. Lumpen, Hadern 5 Jäg./ſchmale
Streifen Leinwand (Tuchlappen) od. Federn (Federlappen), an eine lange
Schnur befeftigt, um das Wild abzufchreden (ein Wild geht durch die Lappen,
wenn es deffenungeachtet durchſetzt; daher uneig. durch dietappengehen
f. entwifchen, entfommen); uneig. Schloſſ., der viereckige Theil eines Thürban—
des, welcher in das Holz getrieben wird; — Zfes. die Kappenfchnede, das
Lapphorn, verfchiedene Schnedenarten mit hervorragender Lippe; dad Lapp⸗
jagen, eine Jagd, wobei der Jagdbezirk mit Lappen umftellt ift; das Lapp⸗
reis, Jäg., dünne Stangen zum Aufſtellen der Federlappen; die Lappitatt,
Jäg., ein mit Lappen umftellter Bezirk; — Ableit. lappen, ziel. Zw., ee
dur
lappern — Laſche 17
durch aufgeſetzte Lappen ausbeſſern, flicken; der Lapper, —s, wer lappt,
Flicker (Schuh-, Keſſellapper 2c.); lappicht, Bw., einem Lappen ähnlich,
ſchlaff und weich; lappig, Bw., Lappen habend, daraus beſtehend (ein
lappiges Blatt).
laͤppern, Zw. 1) ziellos m. Haben (oberd. auch lappen, läppeln;
vergl. Lippe u. das lat. libare), landſch., mit der Zunge trinken, wie der
Bund; ſchluͤrfen; in Fleinen Zügen trinken, nippen ; uneig. in Fleinen Theis
Yen ſich allmählich anhäufen (es läppert fi zufammen ; vergl. verkippern) ;
daher die Laͤpperſchuld, gem. f. eine allmählich angewachſene Schuld; 2) ziel.,
landſch. f. in Tropfen befprengen, befprigen (den Garten).
Lärche, w., M.-n, od. der Larchenbaum, (andſch. au Lär-, Löhrs
baum 2c.; engl. larch, griech. Aagı$, lat. larix), ein Nadelholzjbaum mit
dicker, braunrother Rinde, herunterhangenden Aften und vielen quaftformig aus
einer Scheide wachfenden Nadeln, aud) Brechtanne, Roth, Schönbaum ze.
genannt ; daher: das Lärchenharz, =holz, der Kärchenzapfen ; der Laͤrchen—
ſchwamm, an Läürchenſtämmen wachfender ſchwarzer od. weißliher Schwamm.
Lärm, m., -ed, od. der Lärmen, -8, M. ungebr. (v. d. ital. all’arme,
zu den Waffen! franz. alarme, engl. alarmz niederd. u, dan. Larm), eig.
Yauter Aufruf od. Aufforderung zu den Waffen durch Trommeln, Trompe—
ten 2c. (Lärm ſchlagen, altd. lerman slahen; Lärm blafen), auch Auffor—
derung zur Hilfe bei Feuers- 0d, fonftiger Gefahr (Feuerlärm 2c.) ; in weis
terer Bed, der dabei entftchende mit verworrenem Gefchrei und Geräufch
verbundene Volks = Auflauf, finnv. Getümmel (fr. Tumult; blinder Lärm, f.
blind); überh, lautes, verworrened Geraͤuſch, finnv, Getdfe (fpielende Kinder
machen Lärm) 3 große Unruhe, lauter Zank, Streit; uneig. lautes Gerede,
großes Auffehenz der Larmbläfer, -macher; die Lärmente, eine laut
fehnatternde Entenart, Schnatter:, Schnarr: Entez die Laͤrmglocke, Sturm-
glode; dad Laͤrmzeichen ꝛc.3 laͤrmen, ziellof, Zw, m. haben, Lärm, d, i.
lautes Geraͤuſch machen, finnv, toben; laut zanken, fchelten, ſchreien; der
Laͤrmer, -5, die Lärmerinn.
Larve 1. w., M.-n, Verkl. dad Laͤrochen, (v, d. lat, larva), ein
geformted hohles Menfchengeficht, von dem übrigen Körper abgefondert, bef.
ein ſolches, welches man zur Verftellung feines wahren Gefidhts vor demfelben
befeftigt, finnv, Madfe, ehem, Mumme (daher uneig, eine Larve vornehmen
f. ſich verftellen; bie Larve ablegen, 8, i, fic) in feiner wahren Geftalt zeigenz
einem bie Larve abziehen, vergl, entlarven)z; uneig, verächtl. f. das wirkliche
Geficht feiner bloßen Form nad) (fie ifb eitel auf ihre hübſche Larve); ferner
ein mifägeftalteted Geſicht, Schreckbild, gefpenftifche Erfeheinung ; Natur,
ein noch unvollfommmes, der Berwandlung untermworfenes (alfo feine voll:
kommnere Geftalt gleichjam noch verhüullendes) Inſect (die Raupe ift die Larve
des Schmetterlings); der Larvenball, =tanz, das Larvenſpiel ꝛc. ſ. v. w.
Maskenball, Mummereiz die Larvenblume, Pflanzen mit rahenförmigen
Blumen, deren beide Einſchnitte dicht zufammenfchliegenz die Larvenſchnecke,
eine Art afhgrauer Mondfchneden, s
Larve 2. w., M. -n (auch Lorve, Lorfe) Jäg., eine Kerbe auf der Stell-
ftange, in welche die obere Leine des Jagdzeuges gelegt wird; b. Vogelftellern
ein geferbted Holz zur Befeftigung der Schlagſtecken.
Laſche, w., M. -n (miederd, Laske, ſchwed. Jaska; v. dem isländ. laska,
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 2
18 | lafchen — laſſen
zerreißenz vergl, d. lat, Jacinia), ein Feil= od. zwickelfoͤrmiger Zeugftreifen,
an Kleidungsftücden angefestz auch f, Tafchenflappe, Patte; Schuhm,, ein
vierecfiges Stück Leder, weldies an das Oberleder der Schuhe angefegt wirdz
“Zimmerl, ein Einfchnitt zum Zufammenfügen des Bau- od, Zimmerholzes;
laſchen 1. , ziel. 3w., mit Laſchen verfehen (einen Schuh); durch Laſchen
zufammenfügen Gauholz) 3 die Lafchung.
lafchen ?2., ziel. Zw, (engl, lasb, slash; landſch. au) Ealafchen) gem, f.
derb prügeln, bef. mit ledernen Riemen Rn einer Peitſche.
Lafe, w., Mn (oberd, Lofe, Loskanne, Laffe) landſch., ein bauchiges
irdened Gefäß mit Henkel und Dille (Waffer:, Bier, Weinlafe),
Lafiter, m., -8 (verderbt aus sal nitri ; bſtr. Saliter) oberd. f. Salpeter.
laf$, Bw., Comp. lafjer, Sup. laffelt, (altd, laz v, lazan, lezan, nieberd,
fetten, aufpalten, hemmen; angelf. lat, engl. lazy; vergl. lest; lat. lassus,
franz. las) ohne Kräfte oder Ihätigkeitstrieb, ſinnv. matt, fchlaff, müde,
träge, faul; daher die Lafsheit, felten f. Trägheit, Schlaffheitz Läflig,
Bw., Lafsheit empfindend und zeigend, träge, gemächlich (Bist. Läffige Hand
macht arm); die Läffigkeit, das Läffigfein, die Trägheit.
Laſsduͤnkel, m. (von undeutlicher Abftammung), vlt. f. großer Dünkel,
hohe Meinung von fid) felbft.
WLaſſe, m., -n, M.-n (mittl. Tat. lassus, niederd. Lätz wahrfe,. v.
laſſen „d. i. frei laſſen, der Leibeigenſchaft gegen einen Zins entlaſſen) landſch.,
eine Urt ziuspflichtiger Unterthanen; auch der Laſsbauer; daher das Laſs—
gut (niederd. Lätgood)z der Laſsherr, Grundherr eines ſolchen Gutes; der
Laſszins; laſspflichtig, Bw.z Die Laſsbank, der Gerichtshof der Laſſen,
aus einem Laſsrichter und mehren Laſs fchöpyen beftehend.
laflen, 3w. (altd. lazan, lazen, abgef. lan ; Impf. liaz ; liez od. lie; Mw.
lazen, lan; goth. letan; niederd. laten, dän. lade, engl. ler; franz. laisser,
ital. lasciare; vergl. los u. d. lat. laxare), ablaut. du läflelt (gem. läſſt),
er laͤſſtz Imper. laſs; Impf. ließ, Conj. ließe; Mw. gelaffen; bed. überh.
a) fih) unthätig od. leidend verhalten, nicht thun, unterlaffenz; daher nicht
hindern oder aufhalten, einen Huftand uicht jfüren, eine Bewegung oder
Tätigkeit nicht hemmen, fie befördern; daher b) erlauben, geftatten,
zulaffen; c) veranlaffen od. veranftalten, bewirken, anordnen od. befehlen,
dafs etwas gefchieht z insbef. fteht es 1) ziel. mit dem Acc. inder Bed. a)
3. B. lafs das; lafs das Tadeln; fein Thun und Laffen (d. i. Unterlaffen) ; lajs
mid) in Ruhe oder zufrieden; eine Sache laffen, wie fie ift; die Thür offen
laffen, den Acer wüſt —; auch f. liegen laffen zurück =, übrig laffen, » B.
wo haft du das Buch gelaffen ? man hat uns nichts gelaſſen; daher auch f. raͤum⸗
lich unterbringen (vergl. Gelafs), z. B. feine Schäge nicht laffen können; uneig.
id) weiß meine Freude nicht zu laffen, od. ich weiß mich vor Freude, vor Schmerz
u, dal. nicht zu laſſen; überh. f. anbringen, verwenden, 3. B. wo haft du
das viele Geld gelaffen? d. i. wozu haft du es verwendet ?; ferner alt u. dicht.
f. verlaffen (ic) laſſe dich nicht); ablaffen, abjtehen (iellos: von feiner Mei-
nung laffen); hingeben, aufopfern (fein Leben für Semand Laffen), uͤberlaſſen
(dem Pferde den Zügel laſſen; um ben Preis Tann ich die Waare nicht Laffen) 5
die Bewegung einer Sache nicht hindern oder fie befördern (Wein aus dem
Faſſe —, d. 1. fließen laſſenz Blut, zur Aber —; fein Waffer laffen, d. i. harnen;
Jemand herein ober hinaus —; ihn vor ſich —, von fich laffen 2c.); in der
u
laffen 19
Bed. b) erlauben, geftatten, vergonnen, z. B. laſs mir Zeit; einem den
Vorzug laffen 20.5 — 2) in Verbindung mit einem Infinitiv, inder Bed.
a) 3. B. etwas geſchehen laſſen (d. i. nicht hindern); Iemand gehen laſſen; laſs
mich machen; das Feuer ausgehen —, etwas fallen, fahren, liegen laffen; einen
Vogel fliegen laffen 5 laſs es gut fein; etwas fein oder bleiben laſſen, d. i. es
unterlaffenz; oft bloß umfhreibend, 3.8. fi etwas einfallen od.
träumen laffen (das habe ich mir nicht träumen laffen, d. i. das hat mir
nicht geträumt); bef. zur Umfchreibung des Paffivs, z. B. ih habe mir
fagen laffen ac. (d. i. mir ift gefagt worden, man hat mir gefagt); in ber
Bed. b) 3. B. laſs dich belehren, tröften ze. 3 laſs dir nichts einreden (d. i. laſs
nicht zu oder geftatte nit, dafs 2c.)5 ich laſſe mich nicht täuſchen, er läſſt fich
feine Mühe verdrießen; lafd ihn nur fommen (d. i. mag er kommen); laſs
ihn nur älter werden (d. i. warte fein Älterwerden ab); auch umfhreibend
für die erfte Derfon des Imperativs mit auffordernder Kraft, 3. B. laſs
uns gehen, laffet uns beten u. dgl., d. i. wir wollen gehen 20.5 und rückz.
zur Bezeihnung einer pafjiven Fähigkeit od. Möglichkeit, z.B. Holz
läſſt fich nicht dehnen (d. i. kann nicht gedehnt werden), ein Buch, das ſich leſen
läfit (ein lesbares Buch); das läſſt ſich nicht thunz das läſſt fich denken; davon
läſſt fid) viel fagenz; die Gründe Lafjen fich Hören (verdienen gehört zu werden) 5
inber Bed. c) veranlaffen, den Grund der Möglichkeit oder Waheſchein—
lichfeit enthalten (3. B. die Verhältnifje laffen Krieg vermutben ; fein Betragen
läſſt mic) hoffen, d. i. veranlafft mich zu hoffen 2c.)5 veranftalten, bewirken,
anordnen, dafd etwas gefchieht (Waaren od. Sachen kommen od. holen laſſenz
ein Riefe läſſt fich fehenz die Sängerinn ließ fi; hören; Gott läſſt die Sonne
feinen; ein Kind taufen —, ein Buch druden —, ein Kind etwas lernen laffenz
lafs es mich wiſſen; laſs ihn nichts merken). — Wird Laffen mit einem In:
finitiv verbunden, fo fteht ſowohl der perfünliche Gegenftand im Accuf.,
welcher als das Ziel wort (Object) von Lafjen betrachtet werden Eann (3. B.
lafs mic) gehen, d. i. hindere mich nicht, zu gehen; ich ließ den Schüler leſen,
d. i. ich veranlafite ihn, zu leſen; er lich mid) wiffen, dafs zc,), als auch der
Gegenftand, weldher das Ziel wort des hinzugefügten Infinitivs ift, in
welchem Falle ein doppelter Acc, ftehen kann (z.B. er ließ mich den Brief leſenz
er ließ mich feinen Zorn fühlen u. dgl.); bei diefer zwiefacdhen Abhängigkeit des
Acc., einerfeitd von laffen, andrerfeitö von dem hinzugefügten Inf. werden
Säge, wie „er ließ mic) rufen‘ (d. i. er hinderte mich nicht, zu rufen, ließ zu,
dafs ich rief; oder: er veranftaltete, dafs man mich rief), „er ließ mich ſtrafen“
(d. i. er veranlafjte, beauftragte mic, zu ſtrafen; od. er veranftaltete, dafs
ich geftraft wurde) zweideutig und beffer durch einen vollftändigeren Ausdruck
erſetzt; — im Dativ ſteht nur ein als Zweckwort (Zerminativ) von dem
mit la ſſen verbundenen Infinitiv abhängiger perfönlicher Gegenftand (z. B.
er ließ mir fagen, d. i. er veranftaltete, dafs mir gefagt wurde; verjch. er ließ
mic) fagen; er ließ mir das Geld auszahlen, d. i. er veranftaltete, dafs mir
das Geld ausgezahlt wurde; hingegen: er lieg mid) das Geld auszahlen, d. i.
er veranlafite mich, dafs ich das Geld auszahlte; fo auch: ich Laffe ihm (meinem.
Sohne) ein Kleid machen; id) laffe ihn (den Schneider) ein Kleid machen; er
ließ mir den Brief vorleſen; er ließ mich den Brief vorlefen 2c.). — Statt des
Mw. geluffen fteht in ver Verbindung mit einem Inf, dem Sprachgebrauche
gemäß in den umfchriebenen Beitformen der Juf. Laffen (vergl, dürfen, Eönnen,
x 2%
20 Lafsgut — Luft
mögen 26.5 z. B. er hat mich kommen Laffen ft. gelaffenz er hatte mie
fagen Taffen, ſich bei mir melden Laffen 2c.). — 3) laffen, als ziellof,
unp, od, doch nur in der Sten Perfon von Sachen gebrauchtes Zw, (vielleicht von
eignem Stamme, verw. mit Antlig 5 ſchwed. lita, angelf, wlitan, fehen ; isländ,
laeta, ſich ftelen), gem., beſ. niederd, f, ein gewiffes Anfehen haben, aus—
fehen, ſich ausnehmen (es läſſt gut, ſchön 2c.)5 auch mit dem Da t, der Per:
fon, ſ. v. w.»ftehen, Eleiden (wie läſſt mir diefer Anzug? felbft der Zorn Läfft
ihr Schön), — 3fes. das Lafsbeden, die Lafsbinde, Becken, Binde zum
Aderlaſs; das Lafseifen, Aderlafeeifen, Schnäpper, Lanzette; der Lafskopf,
ſ. v. w. Schröpffopfz das Laſsreis, Forſtw., |. v. w. Hegereis; die Lafs=
fünde, in der röm. Kirche eine erläſsliche, geringe Sünde, entg. Todſünde5
der Lafszapfen, landſch. f. die Zapfröhre eines Fafjes, der Hahn; — Ableit,
laͤſslich, Bw., oberd. f. erläfälich, was erlaffen werden Fann (eine läſsliche
Sünde); die Lafslichkeit.
Lafsgut, =herr, srichter, =fehöppe, =zin3, laſspflichtig, ſ. unter Laſſe.
Lafsheit, Yaffig, Laͤſſigkeit, f. unter laſs.
Loft, w. (alt u, oberd. auch m.), M,-en, (iöl, hlass, dan, u, ſchwed.
last; von laden), überh, was aufgeladen ift, getragen wird; insbef, 1) etwas
Schweres, Druͤckendes, finnv, Bürde, Ladung (Efel tragen große Eaftens
die Laft eines Wagens, Schiffes 2c.); auch ald Gewichtmaß von beftimmter
Schwere (eine Shiffslaft = 12 Tonnen od. 4000 Pfundz eine Laft Ge—
treide, in verfchiedenen Gegenden von verfchiedenem Umfange, in Hamburg
— 3 Wiöpel 30 Scheffel; landſch. auch ein Maß zu Fluffigkeiten: eine Laft
Bier, Wein 20,5 aud) eine Laft Häringe, Salz, Steinfohlen 2c,5 in allen biefen
Anwendungen bleibt La ft als Maßbeftimmung in der Mehrh, unverändert, z.B,
acıt Laft Korn, Wein 20,75 auch eine unbeftimmte großg Menge od. Maffe
(eine Laft Steine; uneig, eine Laft Schläge u, dal.) uneig, etwas Beſchwer—
Yiched, Läftiges, ſchwere Verbindlichfeiten, Leiltungen, Abgaben u, dgl,
(einem Andern Laften aufbürden; das Land hat viele Laften zu tragen ꝛe.)5
2) ein hoher Grad der Schwere (der Stein hat eine große Laftz der Grund
ift zu ſchwach für die Laft des Gebäudes), u. uneig. f. Befchwerlichkeit, laͤſtiger
Druck, biew, mit dem Nebenbegriff der Menge (die Laft der Gefchäfte, der
Jahre; viel Laft von etwas haben; des Zages Laft und Hige tragen; feine Bes
fuche find mir zur Laft, d. i. läſtig; einem zur Laſt fallen, ſ. fallen; ſich
ſelbſt zur Laft feinz einem etwas zur Laſt legen, d. i. ihm die Schuld aufs
bürden, es ihm zum Vorwurf maden) 5; — 3fes. der Laſtbalken, Schiff. ger
wiſſe Balken unter dem erften Verdeckez dad Laftholz, die gemeine Linde;
laſtlos, Bw., ohne Laftz das Laflpferd, ein zum Lafttragen gebrauchtes
Pferd; der Laftraum, untere Schiffraums; das Laſtſchiff, Schiff zur Fort
Schaffung von Laften; das Laſtthier, ein Laften tragendes Thier; der Laſt—
- träger, die Laftträgerinn, wer Laften trägt, eig. u, uneig.; das Laftvieh;
der Laſtwagen, Frachtwagen ; — Ableit, laften, zielloſ. 3w, m. haben,
Schwer drücken, einen hoben Grad von Schwere oder Beſchwerlichkeit ha—
ben (Sand, Blei ꝛc. laften ſehr; fein Unglück laftet ſchwer auf ihm); auch f;
zur Laft fallen (diefer Umftand Laftet am meiften auf ihmz fr. graviren); laſt⸗
bar, Bw., fähig und gefchieft Laften zu tragen (laftbare Thiere, d. i, Laft-
thiere) 5; die Laftbarkeit; laſtig, Bw., Laft habend, führend, beladen ; die
Laftigfeit, der Zuftand eines Schiffes, das Laften führt, und das Ge—
Laftadie — Laterne 21
wicht der Ladung, die e8 führen kann; laͤſtig, Bw., nur uneig., Beſchwerde
verurfachend, fehr befchwerlich, druͤckend, zur Laſt fallend (ein Läftiges Ge-
ſchäft; ein Läftiger Menſch); die Laͤſtigkeit, Befchwerlichkeit,
Laſtadie, w., M. -n (ſchwed. lastage; v, d. mittl. lat. lastadium, lasta-
gium , u. dieſes von Caft) in den Hafenplätzen der Oſtſee der Landungsplatz
der Schiffe, wo Waaren aus= und eingeladen werden,
Laftbalken, laftbar, laften, f. unter Laft.
Lafter, f., -8, M. w. E. (altd. lastar, laster; v. d. goth, laian, lahan,
island, la, angelf. leahan, ſchmähen) alt u. oberd. f. Schimpf, Beſchim—
pfung, Schande, Schmach (daher; läftern, ſ. w)5 ferner was befchimpft,
vd. Schande macht: grobes Vergehen, grobe Unfittlichkeit, ſinnv. Sünde,
Verbrechen 5 gew. die herrfchende Neigung zum Böfen, u. beſ. zu einzelnen
unfittlichen Handlungen, finnv. Untugend, Fehler (das Lafter des Trunkes
u, dal.) 3 — 3fes. der Lafterfnecht, wer Laftern fröhnt; das Laſterleben;
der Laſterſtein, landſch,, ein Stein, auf welchen Verbrecher öffentlich ausge-
ftelt werden, Schandftein; die Laſterthat; laſtervoll, Bw,; — Ableit.
lafterhaft, Bw., zu Laftern geneigt, Lafter uͤbend, Laftern ergeben (ein
laſterhafter Menfch, ein lafterhaftes Lebenz die Lafterhaftigkeit, das Lafter-
haftſein; laͤſterlich, Nw. u. Bw., 1) einem Lafter ähnlich od. damit ver—
bunden, f[handlih, abfheulih, fündhaft (ein Läfterliches Leben führen);
2) einer Laͤſterung ähnlich, laͤſternd (Läfterfiche Reden führen); laͤſtern, ziel.
3w, (altd. lastaron, lastron, lasteren), ſchmaͤhen, ſchimpfen, ſchaͤnden;
insbeſ. vorfäglich der Wahrheit zumider Andere grober Vergehungen be=
ſchuldigen od. überh. Nachtheiliged von ihnen fagen, ſinnv. verunglimpfen,
verleumbden, anſchwärzen (Gott läſtern; auch ziellos: er Läftert gern; auf Se-
mand läſtern) ehem, auch überh, f. tadeln, Fehler bemerken; u. f, verun—
ftalten, verftümmeln; daher: der Läflerer, die Läſtrerinn, mer gern
läftert, ſinnv. Verleumder; die Läſterung, das Läftern, u. die Laͤſterrede
u, deren Inhalt felbftz die Laftergefchichte, Schand-, Klatſchgeſchichte 3
das Läftermaul, eine Läfternde Perfonz die Läfterrede, =fchrift (fr. Pas-
- quill)3 die Lafterfchuie, uneig. ein Ort, eine Gefellfhaft, wo geläftert wird z
die Läſterſucht; läfterfüchtig, Bw. ; die Läfterzunge, f. v. w. Läftermauf,
Laftholz, laftig, läſtig ac. — Laſtwagen, f. unter Laft.
lateinifch, Bw., u. als Nw. auch abgek. latein (altd, latin, lat. latinum),
zum alten Latium gehörig, dort einheimifch, daher Fommend, altrömifch
(die lateinische Sprache; Schiff. lateiniſche Segel, d. i. dreiedige) 5 bei. die altz _
römifche Sprache betreffend, derfelben eigen, gemäß, in Iateinifcher
Sprache (ein lateiniſcher Ausdruck; er fpriht, fehreibt Lateinifh od. Yateinz
Iateinifhe Küche, ſcherzh. f. Avothele); das Latein, -8, die Tateinifche
Sprache (ein flieendes Latein fchreiben); der Lateiner, Die Lateinerinn,
Bewohner des alten Latium; wer die lateinifche Sprache verſteht.
Laterne, w., M.-n, Bert. dad Laternchen, (aus d. lat. laterna),
ein durchfichtiged od. durchſcheinendes Lichtbchältnifs zum Leuchten, eine
Leuchte (Blend, Hand, Straßen, Stall: Laterne 2c.) 5 uneig. ein blecherner,
an den Seiten offener Aufſatz auf Schornſteinen, um zu verhindern, dafs
der Wind den Rauch zurücktreibtz ein durchfichtiges Thuͤrmchen auf einer
Kuppel; gem, ſcherzh. f. Kopf (etwas in der Laterne haben, d. i. beraufcht fein);
auch ein Fiſch: die Meerſchwalbe; eine Art dünnfchaliger Scheidenmuͤ—
22 latſchen — lau
ſcheln; die Bläffe eines Pferdes, wenn fie weiter geht als die Nafez der La—
ternenträger, ein Menſch od. ein Pfahl u, dgl., welder eine Laterne trägtz
ein amerifan, großes Inſect mit einem blafenartigen Jeuchtenden Körper am
Kopfe,
latſchen, ziellof, 3w, m. Haben (landſch. auch Letfhen, Loifchen), gem. f,
nachlaͤſſig und fchlaff einhergehen mit fchleppenden od, auf dem Boden hin:
ftreifenden Füßen, bef. in weit ausgetretenen Schuhen oder Pantoffeln, finnv,
ſchlarfen; der Lätſch, —es, od. Lätſchel, —s, landſch. gem,, ein nach—
laͤſſiger, ſchlaffer Menſch; die Latſche, M. -n, gem, f, alte niedergetre—
tene Schuhe od. Pantoffeln, auch Schlarfen genannt; plumpe wollene
Troddelſchuhe GBärlatſchen); niedr. f. eine unordentliche und unreinliche
weibliche Perſon; latſchig, Bw., gem., latſchend, von ſchleppendem Gang;
überh. f. nachlaͤſſig, unordentlich; landſch. vom Wetter f. Aa Mo naſs,
kothig, niederd, ſchlackerigz auch f. weich, weichlich; die Latſchigkeit; —
der Latſchfuß, das Latſchbein, auf dem Boden hinſtreifender Fuß 3. B.
des Bürenz aud) ein latſchig gehender Menſchz eine Art Tauben, auch Latſch—
tauben genannt; latjchfüßig, »beinig, Bw.
Latte, w., M.-n (altd, latta; franz, latte; engl, lath), eine lange,
dünne, meift vierecfige Stange, 3. B. zu Geländern, Dächern (Dadjlatten,
f. Dach) u, dgl, 3 Forftw, ein junger ſchlank aufgefchoffener Baum; landſch.
f. Reis, junger Baumzweig; uneig, gem, f, einen ſchlanken, hageren Men:
ſchen; die Lattenfifcherei, landſch. f. Angel- od, Ruthenfiſchereiʒ der Latten—
od. Lattnagel, große eiſerne Nägel mit kleinen Köpfen zum Feſtnageln der
Dachlatten; dad Lattenwerk, allerlei Latten durch einander; die ſämmtlichen
Latten eines Daches; der Lattenzaun ꝛc.; — latten, ziel, Zw., mit Latten
verſehen (ein Dach); die Lattung.
Lattich, r. als Pattig, m., —es, M. (von mehren Arten) -e (aus d.
lat, lactuca, franz, laitue, engl, lettice; niederd, auch Lätfche), der Gars
tenfalatz daher der Lattichſamen ꝛc.
Latwerge, w., M. -n (aus d, lat, electuarium, griech. dxAeıyuardguor),
ein Dickſaft, Saftmud, zu diem Brei eingefohter Kräuterfaft als Arznei:
mittel, .
Lab, m., - 08, M. Laͤtze; Verkl. dad Lachen, (wohl verw, mit Lafche
u. d. lat. lacinia), ein den Oberleib bedecfendes Stleidungsftuck ohne Armel
für beide Geſchlechter, ſ. v. w. Brufttudy, Leibchen, vergl, Bruſtlatzz beim
weibl, Geſchlecht ein über der Schnurbruft befefligtes, unten fpis zulaufendes
Bruſtſtuͤck; auch die obere die Bruft bedediende Klappe an den Schuͤrzen;
die Klappe vorn an den Beinkfleidern (Hofenlas).
lau, Bw, (altd, IJao, läw, lab, angelf, hliw, ſchwed. 1y; vergl, flau),
in geringem Grade warm, mild warn, bef, von Slüffigkeiten (laues Waffer,
laue Luft); uneig. f, matt, fchlaff, wenig Lebhaftigfeit zeigend, Faltfinnig,
gleichgültig (laue Freundfchaftz einen lau empfangen, behandeln ꝛc.) 3 —
3fes. lnublütig, Bw., laues Blut habend (fr. phlegmatifh) 3 die Laublütige
keit; laugläubig, Bw., gleihgültig im Glauben (fr. indiffevent); die Lau—
gläubigkeitz der Laufinn, Gleihgüttigkeit, Kaltfinn; laufinnig, Bw;
laumarm, Bw., ſ. v, w. lau in eig. Bed,; — Ableit, lauen, ziellof, Zw.
s
m. haben, (oberd, läuen, läunen, nieberd, lünen; isländ, hla; holl, lauwen),
tandfch, f, lau fein od, werden; thauen, aufthauenz daher oberd, die Läue,
Laub — Laube 23
ſchweiz. Lauin, gew. die Lauwine od, Lawine, M.-n, in Hochgebirgen
eine von den Bergen herabſtuͤrzende, im Herabrollen ſich immer mehr ver-
grögernde Schneemaffe, (Schneelawine: Wind, Staub, Schlag: od, Grund—
lawine); die Lauheit od. Lauigteit, dad Laufein, die laue Befchaffenheit,
eig. u, uneigeʒ laulich, Bw., ein wenig lau, kaum lauz die Laulichkeit ;
der Lauling, -ed, M.-e, Neuw., ein lauer, gleichgültiger Menſch (fe,
Indifferentiſt).
Laub, ſ., — es, o. M, (altd. Ioup; goth. Iaubs, lauf; engl. leaf, Btattz
niederd. Loof, ſchwed, 1öfz vergl. Laube) Sammelw,, die Blätter der Bäume
und Sträucher, insbef, des fogen, Laubholzes, entg. den Nadeln des Naber-
holzes, (das Laub fat abz Eichen-, Linden-, Weinlaub 2c,)3 alt u. oberd,
auch f, ein einzelnes Blatt, M. Lauber (altd. Joubir); uneig. laubähnliche
Verzierungen, 3. B. in der deutfchen Karte die grüne Farbe (daher: das
Laubdaus, der Laubkbnig, zober zc.)5 Forftw., die Zeit, wo die
Bäume fich neu befauben, daher f. Fahr (der Schlag fteht im dritten, vier:
ten 2c. Laube) 3 Landfch. der Antheil an der Benusung eines Waldes (ein Gut
hat das ganze Laub 26,)5 — 3feg. der Laubbaum; dad Laubdachz der
Lauhfall, Forftw., das Abfallen des Laubes, u. die Herbftzeitz der Laubfink,
Dompfaffez die Kaubflechte, laubähnliche Flechte; der Laubfroſch, ein Kleiner
apfelgrüner Froſch, der ſich gern unter dem Laube auf Bäumen aufhält, Baum:
feofch 5 gem. Fpöttifch f. Jäger; der Laubgang; das Laubgehänge, = gewinde
(fr. Fefton); das Laubgewölbe; das Laubholz, mit eigentlichen Blättern
bekleidete Büume u. Sträuder, z. U. v Nadelholzz das Laubhuhn, Birkhuhns
die Kaubhütte, eine mit belaubten Zweigen bedeckte Hütte, veral. u. Lauber—
hütte; der Laubkäfer ‚, auf dem Laube lebender Käfer, beſ. f. Mai-, Iohan:
nis-, und Goldfäfer; laublos, Bm. unbelaubt; das Laubmoos, Pflanz.,
Moofe mit großen flach liegenden Blättern meift ohne Stengel; der Laubraufch,
oberd., der rothe Brand an den Bäumen; laubreich, Bw.; die Laubrolle,
Buchb., eine Rolle zum Aufdrucken laubahnlicher Terzierungen auf Bücherbände;
der Kaubroft, der Brand des Weinſtockes; die Laubrüft, f. u. Lauberhütte;
die Laubſäge, Handw. u. Künftl., eine feine Säge zum Ausfägen Taubähnlicher
Zierathen; die Laubftreu, Laub,’ als Streu für das Vieh benustz der Paub-
thaler, ein franzdf, Thaler, 14 Thaler an Werth (bon dem darauf geprägten
Laubkranze); dad Kaubvögelchen, der Weidenzeifig, eine Art Wedelfhwanzz
der Laubwald; das Laubwerf, Mal., das nachgebilbete Faub der Bäume;
allerlei laubähnliche Zierathen; — v. der alten M. Lauber (fi 0.): dad Lau—
berblatt, öfter. f. Baumblattz dad Kauberhuhn, landſch. f. Zinshuhn; Die
Lauberhütte, landſch. f. Laubhütte (f. 0.)5 bef. die Laubhütten der Juden bei
ihrem Erntefeft im Herbſte; daher: das Lauberhüttenfeit, bibl. das Feft der
Laubhütten od, der Laubrüftz der Lauberzug, Schloſſ., ein laubähnlicher Bie-
rath; — Ableit. lauben, Zw. (altd. louben), alt u. dicht. 1) ziellos m.
haben, Laub befommenz 2) ziel, f. belauben; u, f. entlauben, des Raubes
berauben ; laubicht, Bw,, laubaͤhnlich; laubig, Bw,, mit Laub verfehen,
belaubt,
Laube, w., M. -n (altd, louba; niederd. Eve; nicht von Laub, aber
mit diefem von gleihem Stamme, welcher decken bedeutet; vergl, d. goth,
hlaiw, Grab; hlija, Hüttez hlifan, heimlich thun, griech, »Adrro), urfpr,
überh, ein bedeckter Raum, Gemach; insbef, landſch. ein Schoppen; eine
24 Lauben — laufen
bedeckte od, uͤberbaute, am den Seiten offene Halle, VBorhalle, Vorhaus;
ein offener auf Säulen ruhender Saal; oberd, und fhweiz, ein Aufßerer
bedecfter Gang (Gallerie) um das obere Stockwerk eines Bauerhaufes; gem,
eine mit grünen Gewaͤchſen, Bäumen, Sträuchern ꝛe. umzogene bedeckte
Hütte in Gärten zc,, grüne Laube; der Laubengang, ein Gang zwifchen
dichten Bäumen oder Sträuchern, die ein Laubendad) bilden; auch ein bedeckter
Gang an Häufern (f. 0,)5 der Laubenſtrauch, ein Pflanzengejchleht, der
Hundswinde ähnlichz laubicht, Bw,, einer Laube ahnlich,
Lauben, m., -8, M. mw. €, (dfte, die Laube), der Weißfifch,
lauben, laubig; auberhütte, Laubfall ꝛc. — Laubwerk, f. Laub,
Lauch, m, -ed, M. (von mehren Arten) -e, (altd, louch, nieberd,
Loof, engl, leek, dan, log; urfpr, wahrſch. Gartengewächs u. Gewächs überh, 5
vergl. d. ſchwed. Iök, griech. Auyavorv), ein zu den Zwiebelgemächfen gehö=
rendes Pflanzengefchlecht von mehren Arten: Knoblaud), Berg-, Gras-,
Hohl:, Schnittlauch, gemeiner od, Äſchlauch, fait alle von flüchtigem, durch—
dringendem Geruch und Gefhmad und als Küchengewürz gebraucht; in engerer
Bed, der zahme od. fpanifche Lauch mit kugelrunder Dolde (fr, Porree); der
Lauchapfel, ein weißgelblicher, weinfäuerlicher Apfel; dad Lauchgras, eine
Art Rispengras; die Rauchfarbe, die gelbgrüne Farbe des Lauches; daher "
lauchfarben od. =farbig, lauchgruͤn, Bw.; das Läuchel, -3, eine Art
Lauch in ven Wäldern des nördl, Europa’s,
Lauer, m, -8, , M. (altd, lura; lat, lora ; landſch. auch Laur, Glaur,
Lorke 2c.), ein geringed Getränk, welches man erhält, indem man auf die
ausgeprefiten Ereftern Waffer gießt, fie noch einmal prefit u, den Ablauf gähren
läſſtz auch Lauerwein, Nachwein, Trefter= od, Treberwein, Waſſermoſt
2c, genannt.
lauern, ziellof, Bw, m, haben (niederd, luren, ſchwed. lura, engl. Iurkz
verw, mit d. oberd, loſen, luſen, laufihen), mit Verlangen und gefpannter
Yufmerffamfeit auf etwas warten, ed durch das Gehör od, Gefiht wahr—
zunehmen hoffen (auf etwas od, einen —) 5 bef, einem heimlich od, hinterliftig
aufpaffen, nachftellen, vergl, auflauern, belauern; die Lauer, o. M,, dab
Lauern, Aufpaffen, die Nachitellung, gew, nur: auf der Lauer fein,
ftehen 20,5 der Lauerer od, Laurer, - 8, wer lauert; die Lauergrube, eine
Grube, worin man dem Wild auflauert,
laufen‘, ziellof, 3w. m, fein, nur in einzelnen Fällen m. haben, (altd,
hloufan, loufan; goth, hlaupan, niederd. lopen, ſchwed. löpa, dan, lobe;
engl, leap, fpringen), ablaut, du läuft, er läuft (oberd, auch: laufft,
Läuft); Imper. lauf; Impf. lief, Conj. liefez Mw. gelaufen (oberd. gem,
geloffen); 1) eig. mittelft befchleunigter Bervegung der Füße ſich fort=
bewegen, verſch. gehen, fpringen, finnv, vennen, (mit einem in die Wette
laufen; lauf, was du kannſt); bisw, auch f. gehen ohne den Begriff der be
ſchleunigten Bewegung (3. B. das Kind lernt laufen; der lahme Hund kann nicht
Yaufen) ; in diefen Bed, nur dann m, haben, wenn die Thätigkeit des Laufens
felbft der Zweck ift u, die Fähigkeit od, Geſchicklichkeit des Laufenden, bezeichnet
werden fol (z. B. das Kind hat vor feiner Krankheit ſchon gelaufen ; der Schnell:
Läufer hat heute gelaufen u, dgl.) 3 landſch. gem. (4. B. in Berlin) überh. f.
gehen, dagegen ft. Laufen „rennen“ gefagt wird; bisw. in Verbindung mit
einem Accuf. zur Bezeihnung des Raumes, den man durchläuft, u. der
laufen 25
Zeit, die man laufend zubringt (feine Straße, feinen Weg —3 einen ganzen
Tag laufen), u, zur Bezeichnung der Urt und Weife des Laufen: (dad Pferd
Läuft einen guten Trab; Sturm laufen, ſ. Sturm)z ferner ziel, od, rüdz
mit einem beiwbrtlichen Zuſatze zur Bezeichnung eines Zuftandes, in melden
man fic durch das Laufen verfest, m. haben (id; habe mir die Füße wund
gelaufen; er hat fi müde, außer Athem gelaufen u, dgl.); in weiterem Sinne
u, befonderer uneig, Anwendung: verächtl. f. oft u. viel gehen (er Läuft in bie
Spiel- und Trinkhäuſer), einen Ort od. Zuftand fchnell verändern (aus dem
Dienfte laufen) 5 fliehen, entfliehen, davonlaufen (der Feind lief); einen lau=
fen laffen, gem, f. fih um ihm nicht befümmern, nichts mit ihm zu thun haben
wollep ; nach etwad —, fich eifrig darum bemühen od, bewerben; Gefahr —,
in Gefahr gerathenz Jäg. f. fich begatten von Hunden und Dachſen (der Hund
hat gelaufen); Bergw. alö ziel, Zw. laufend oder ſchnell von der Stelle
fchaffen (Erze laufen, d, i, in Lauffarren fortfchaffen) 5 2) uneig, von leblofen
und unfinnlihen Dingen: überh, f. fi) bewegen (die Erde läuft um die Sonnez
Schiff. ein Segel laufen lafjen, d, i, es durch Löfen der Taue niederfallen laffen 3
laufendes Tauwerk, d, i. bewegliches, nicht befeftigtes); auch von der Zeit
(das laufende Sahr, d, i. das noch in der Bewegung begriffene, das gegenwär—
tige; der laufende Monat 2c,5 fo auch: die laufenden Geſchäfte u, dgl., d. i, die
gangbaren, regelmäßig fortdauernden)3 insbeſ. f. fließen (der Schweiß, die
Thränen laufen über das Gefiht), Fluͤſſigkeit von ſich laffen, 'hervordringen
laffen, m. Haben (die Augen laufen ihm; ein Gefäß läuft, wenn es leck iftz
ein Licht, wenn es abſchmilzt); zufammenlaufen, gerinnen (die Milch ift ge-
Laufen)3 feine Richtung wohin nehmen (das Schiff läuft in den Hafenz der
Zeig läuft in die Höhe, d. i, dehnt ſich aus, vergl, auflaufen; das Gebirge läuft
von Weften nad) Often, d, is erſtreckt fi); daher wider etwas —, zuwider
laufen, d. i, dagegen verftoßen, ftreiten (es Läuft wider den Anftand 2); auf
etwas hinauslaufen (ſ. hinaus) ; — der Lauf, —es, M. Läufe, alt in eis
nigen Bed, Läufte (v, der alt, Einheit louft, Lauft) 1) die Handlung des
Raufens (ein Pferd im vollen Laufe); Jäg. f. Begattung der Thiere u. Begat-
tungszeit, gew. die Caufzeitz ferner die Bewegung leblofer u. unfinnlicher
Dinge (der Lauf der Geftirne, eines Stromes 2c, ; einer Sache freien Lauf laffenz
ber Lauf der Zeitz im Laufe diefes Sahres, Monats 2c,, d. i. während dieſes
Jahres 26.) 5 die im Fortgange der Zeit fich entwickelnde Reihe von Veraͤn—
derungen (die Zeitläufte; der Lauf der Begebenheiten; mein Lebenslauf zc,),
bef, fofern fie ald nothwendige in dem Weſen der Dinge gegründet find
(der Lauf der Natur, der Dinge, der Welt); Tonk. auch f. Läufer, ſ. d.3
2) das Werkzeug des Laufens, daher Jäg. die Beine aller vierfüßigen wil—
den Thiere: Läufe od. Läuftez 3) dasjenige worin od. worauf ein Körper
laͤuft; daher niederd, f. Fluſöbett; ein Brettergang, worauf eine Karre
fortgefchoben wird; Jäg., der Platz, auf welchem das Wild beim Abjagen vor:
laufen muß, Laufplatz; be, die eiferne Nöhre an Schiefgewehren, durch
welche die Kugel Läuft; — 3fes, 9, laufen: die Laufbahn, eig, ein gebahnter
Platz zum Wettlaufen, Rennbahn; gem, uneig, die Lebensweife, der Beruf,
welchen man erwählt und verfolgt (fr, Garriere, z. B. die Laufbahn des Ges
lehrten, des Gefhäftsmannes ꝛc.), und das ganze Leben alö eine Reihe zu durch.
laufender Veränderungen betrachtet (er nähert fi) dem Ende feiner Laufbahn) 5
das Laufband, ſ. v. w, Gängelbandz die Laufbank, der Laufftuhl oder
26 laufen —*
wagen, ein mit Rädern verſehenes Geſtell, worin Kinder gehen lernen; die
Laufbohne, gemeine Bohne, die an Stangen in die Höhe läuftz daB Lauf—
brett, Brett an der Buchdruderpreffe, auf welchem der Karren Läuft; die Lauf-
brüde, ſchmale Brücke für Fußgänger z auch ein Brettergang für Karrenſchie—
ber 20,5 der Laufburfche, ein Burfhe zum Ausſchicken; die Laufdohne,
efchlinge, =jchneiße, Jäg., nah an der Erde aufgeftellte Dohnen zum Fange
des Federwilds; das Lauffeuer, in eine lange Linie geftreutes und dann ange:
zündetes Schießpulverz aud) das Abfeuern der einzelnen Gewehre einer Heerlinie
in großer Geſchwindigkeit nach einander (daher fprichw, eine Nachricht verbreitet
fi), wie ein Lauffeuer); der Lauffuß, zum Laufen dienender Fuß, z. U. v.
Schwimmfuß; daß Laufgeld, Handw,, das einem verfchriebenen Gefellen ver:
glitete Reiſegeldz landſch. auch f. Hand = oder Werbegeldz der Kaufgraben,
Kriegsb,, Belagerungsgraben mit Bruftwehren verfehen, um ſich einem befa=
gerten Orte ohne Gefahr zu nähern; der Raufhund, ein fchneller Jagdhund
zum Verfolgen des angefayoffenen Wildes; aud) ein ftarker Sagdhund, welcher
das Wild bis zur Ermüdung verfolgt (Parforce: Hund); das Laufjogen, ein
Sagen mit Laufhunden, Renn-, Hetzjagen (Harforce: Sagd)z der Laufjunge,
ſ. v. w. Laufburſche; der Laufkäfer, ein fehnell Yaufendes Käfergeſchlecht mit -
borftenförmigen Fühlhernernz der Kauffarren, Bergw., Karren zum Fort:
ſchaffen der Erze 2,5 die Kaufmagd, eine Magd zum Ausſchicken z der Lauf—
pafs, ein Pafs für Semand, den man fortfgyict oder entläſſt; verachtl, einem
den Laufpafs geben, d. i. ihm’ entlaffen, fortjagen; dad Lauffchießen, das
Schießen eines im Laufe begriffenen Thieres, z. U, v. Flugſchießen z baher: der
Lauffhüse; der Laufſchmied, landſch., ein herumziehender Dorfſchmied,
entg. Wohnſchmied; der Laufftuhl, wagen, ſ. Laufbank; die Laufzeit, Be
gattungszeit der Hunde, Dachſe, Bären 21,5 der Laufzirkel, ein Zirkel mit
rechtwinklig gebogenen Spisen zur Erforſchung der Achfenpunfte der Welle eines
Rades; — Ableit, die Laufel, M. -n, landſch. f. Laufdohne (ſ. o.)3 Zäg.
auch die Spur der Hühner im Grafe und des Viehes um die Wälder; laufen,
gew, läufeln od, läufern, ziel, 3w,, eig. auslaufen machen, gew. nur:
Bohnen, Erbfen u, dal. —, aus den dürren Schalen brechend herausneh—
men; der Läufer, -8, die Läuferinn, M. -en, (oberd, auch Laufer)
1) eine Perfon, welche läuft_od, laufen Fann (er ift ein guter Läufer) z in en-
gerer Bed, eigenthimlich gekleidete Bedienten, welche vor dem Wagen ihres
Seren herlaufenz ehem, auch f, Eilbote u, überh, Fußbote (Botenläufer); im
Schachfpiel zwei Figuren, welche uber die Ecken der Felder das ganze Schach—
brett durchlaufen können; 2) ein ſchnell laufendes Ihier (dies Pferd ift ein
guter Läufer); bibl, bei, f das Dromedar od, Lauffameelz Natur, eine Art
Landfrabben; Spinnen, welche Feine Gewebe machen; Kaͤfer (f. Laufkäfer) ;
b, Bogelftellern der auf dem Herd herumlaufende u, fingende abgerichtete Vogel
(Caufervogel); Landw,, junge entwöhnte Schweine bis zur erften Beaut:
tung35 3) ein Ieblofer beweglicher Körper, z. B. in Mühlen der obere ſich
drehende Mühlfteinz der glatte Stein, mit welchem die Farbe auf dem Reib:
fteine zerrieben wird; das bewegliche Blatt der Schere Ber Tuchbereiter z Schiff,
Taue, welche über eine od. mehre Scheiben fahren und diefe zu einem Takel 2c,
machen; gem, die Ranken der Erdbeeren 26,3 Tonk. eine Reihe nach der Ton
leiter auf einander folgender Tone, weiche ſchnell nad) einander geſungen od,
gefpielt werden; läufig, Bw,, einen gewiffen Lauf, eine Bewegung oder
,
Lauge — Laune ; 27
Richtung habend, nur in Zſetz. wie gerab:, krumm-, beiz, weitläufigs auch
f. geläufig; und f, läufiſch, Bw, von Thieren, bef, Hunden, den Trieb zur
Begattung empfindend und aͤußernd; der Läufling, —es, Me, ein
Neum, f, Flüchtling, Ausreißer, Lberläufer (fe. Deferteur),
Lauge 1., w., M.-n, (altb, louga; niederd, Loge; poln, Tug ; engl, lie;
lat, lix, verw. mit dem altnord. lauga, ſchwed. löga, waſchen, baden;
vergl, flauen u, d, lat, lavare), ein mit einem Pflanzenſalze verſetztes und
dadurch fcharf gemachted Waſſer; insbeſ. Waſſer, welches eine Zeitlang
über Aſche geltanden und die darin befindlichen Salztheile in fic) aufgenommen
hatz uneig. f. Schärfe, Strenge, beſ. f, beißender Tadel, fcharfer Ver—
weiß; — Bes, die Laugenafche, ausgelaugte Afıhe; ie Taugenblume,
ein Pflanzengefchlecht mit zufammengefesten Blumen; aud) f. gelbes Ruhrfrautz
der Laugenkorb, ein grob geflohtener Korb, in welden man den Laugen=
ſack od, dad Laugentuch, d. i. den mit Aſche gefüllten Sad legt, um das in
Lauge zu verwandelnde Wafjer durchzufeihen; das Laugenfalz, aus Lauge ges
zogenes Salz, Pottaſche, auch Pflanzenlaugenfalz z. U, v. dem mine:
ralifhen Laugenfalze, welches aus dem Kochfalze u, mineraliihen Waf-
fern gezogen wird; beide Arten heißen fenerbeftändige Laugenſalze,
z. U,v,demflüchtigen Caugenfalze od, Ammoniak; — Ableit. laugen—
haft od. laugicht, Bw,, f. v. mw. laugenartig, laugenähnlich; laugen, Zw.,
1) ziel. (oberd, laugnen), in Lauge einweichen, beuchen, niederd, büfen
(Wäſche); mitteljt warmen Wafferd ausziehen (Salz aus der Aſche), aus—
laugen; 2) ziellos, ein Faſs laugt, wenn es der darin enthaltenen Flüſſigkeit
den friſchen men mittheilt,
Lauge ?., w., M, -n (landfc, auch Laute, Lauwe, Laugele), oberd,, eine
Art Weißfiſche.
läugnen od, leugnen, ziel, Zw. (oberd. laugnen, niederd. Iögnen; goth.
laugnjan; altd. Jougnan, —*5 — vergl. lügen), urſpr. verbergen, verhehlen;
jetzt: fuͤr unwahr, unichtig, falfch erflären, finno, verneinen, (einen Sag,
eine Folgerung); dad Dafein eines Gegenftandes verneinen (Bott läugnen) 5
bef, der Wahrheit zuwider u, gegen fein befferes Wiſſen verneinen (er läug—
net es gethan zu habenz der Verbrecher Küugnete Alles) ; der Läugner, - 8, die
Läugnerinn, M. -en, mer laugnet (3, B. Gottestäugner); läugbar, Bw,,
(0. laugen gebildet), was geläugnet werden Fannz entg, unläugbar; die
Läugbarkeit.
Laugold, ſ., (nicht von Tau, ſondern wahrſch. verw, mit laugen, läug—
nen, fd, alfo f. Lauggold), oberd, f. falſches Gold, — Flitter⸗
gold; daher der Laugoldſchläger, Flitterfſchläger.
Lauheit, Lauigkeit, laulich, Lauling, T. unter lau,
Laune 1. 70, M. -n (nieberd, Lune; oberd der Laun; altd, lune, Zufall,
Gefhie, v, einem alten Zw, liunan, lunun, widerfahren, ſich ereignen), überh,
der veränderliche, ſchnell wechfelnde Gemuͤthszuſtand; die zufällige Ge—
müthöltimmung u, deren Außerung (bei guter Laune fein; auch: guter, od,
übler Laune ſein; Launen haben, d. i. fehnell wechfelnde, entgegengefeste Ge:
mäthsftimmungen, finnv, Grillen; uneig. auch: die Launen des Glückes, des
Schickſals); in engerer Bed, f. üble Laune, mirrifhe Gemuͤthsſtimmung
(ee Hat heute feine Laune); und f. gute Laune, heitere Stimmung (feine Laune
heiterte mich auf; er war gerade bei Laune ꝛc.); in den Redekünſten; die eigen:
28 Laune — lauſchen
thümliche Auffaſſungs- und Darſtellungsweiſe, wonach die Gegenſtände nicht
ihrer eignen weſentlichen Natur, ſondern der zufälligen Gemüthsſtimmung des
Darſtellenden gemäß erfcheinen (fr. Humor) ; — launen, zielloſ. Zw. m, h a—
ben, landſch. f. Launen haben, launiſch feinz bef. oberd, f, muͤrriſch, ver—
drießlich fein (niederd, lunen); launenhaft od, launifch (landſch. auch läu—
niſch, niederd, lünek), Bw., Launen habend, won veränderlicher Gemuͤths—
ſtimmung, bef, oft üble Laune habend; ſinnv. grillenhaft; verſch. launig,
Bw., von heiterer, lebhafter, beweglicher Gemuͤthsſtimmung, gut gelaunt,
ſcherzhaft (ein launiger Einfall; ein launiger Schriftſteller, fr, Humorift) 3 die
Launenhaftigkeit; verſch. die Launigkeit.
Laune ?., m, M.-n, im Mühlenbau: Balken, welde über den Doden
des Mühlengerüftes liegen,
Laus, w., M. Läufe; Verkl. dad Lauschen, (altd,, niederd, u, ſchwed.
lus; engl. louse), eine Gattung Eleiner, Eriechender und mit Saugruͤſſeln
verfehener Infecten, die fich auf lebendigen Ihieren aufhalten 3. B. Schafs,
Hühner, Hundsläufe 2c.)5 in engerer Bed. die auf dem Körper unreinlicher
Menfchen Iebenden Arten (Filz-, Kleider:, Kopflaus), vorzüglich die Kopfe
laus; (ſprichw. gem. ſich eine Laus in den Pelz ſetzen, d. i. fich etwas Beſchwer—
liches aufladen; die Laus läuft ihm über die Leber, d. i. er wird leicht unwillig ”
und Hisig); von der Ahnlichkeit mit den Läufen auch einige andere Infectene
Arten, 3. B. die Blattlaus, |. d.5 — fo wie das Thier felbft, jo gehört auch)
der Namen nicht in gute Gefelfchaftz die Abteit. (f. u.) gehören der niedrigen
Bolksfpr. anz fo auch die Bfeg. mit Laufe, 3. B. der Laufejunge (oberd.
Lausbub), Kaufemichel ꝛc., niedrige Schimpfwörter; das Laufegold, verädtl.,
f. ſchlechtes, nichtönugiges Gold; der Laufewenzel, der ſchlechteſte Stangen:
tabad von inländifhen Blättern, Keller; andere Zſetz. mit Laus od. gem.
Läufe find: der Laͤuſe- od. Lausbaum, f. Elfebeere, deren Holz: Läuſe—
holz; auch f. Heden= od. Zaunkirſche, (beide als Mittel gegen die Läufe); der
Läufefanım, enger Kammz die Läuſekrankheit od. = fucht, eine Krankheit,
bei welcher verdorbene Säfte und Unreinlicdykeit eine Menge Läufe erzeugen; das
Läuſekraut, verfejiedene Pflanzen, welche die Läufe vertreiben follen, 3. B. eine
Art Ritterfporn, defien Samen: Läuſeſamen; die Waldneffel; der gemeine
Hahnenkamm; Kellerhald zc.; das Käufepulver, ein Pulver zur Tödtung der
Läufe; die KLausfliege, ein zweiflügliges Infect, welches bef. die Pferde plagt,
fliegende Pferdefaus; — Ableit. laufen, ziel. 3w., einen —, ihn von
Läufen reinigen, ihm die Läufe abſuchen; niedr. f. züchtigen, unfanft zu—
rechtweifen (vergl. Kolben, u. Kolbe 2.)5 einem den Beutel —, ibm fein Geld
abnehmen, 3. B. im Spiele; der Lauſer, -$, die Kauferinn, M. -en, wer
einen Andern Yaufetz uneig. niedr., ein ſchmutziger Menfch, Farger Filz;
laauſig, Bw., Läufe habend; uneig. niede. f. ſchmutzig, gemein, verächtlic),
filzig (ein laufiger Menfch) 5 gering, armfelig (ein laufiges Gefchent u, dal.).
lauſchen, ziellof, Zw. m, haben (altd, hlosen; losen; fdjweiz, Loßen ;
oberd. lofen, luſen, lauftern ; niederd, luftern, gluftern 5 altnord, hlusta; hlust,
Ohr; engl, listen), 1) aufmerffam auf etwas hören, finnv, horchen , bef.
mit Wohlbehagen (auf den Gefang, od. dicht. dem Gefange —)5 heimlich und
verſteckt etwas beobachten, finno. lauern, vergl. belaufchen 5 2) alt u. landſch.
f. unentfchloffen,, nachfinnend fein, der Nuhe pflegen (im Bette Laufchen) 5
zögern, zaudern, träge fein (in dieſer Bed. gem. auch Laufenz daher der
laut 29
Lauſer, ein Zauderer; lauſigef. träge; oberd. die Ruſung, Muße, Ruhe:
zeit; vergl. d. franz. loisir, engl. leisure); die Laufche, o. M., landſch. das
Raufchen, u. der Ort, wo man lauſcht, ſ. v. w. Lauerz der Laufcher, -8,
die Laufcherinn, M. -en, wer lauft, find. Horcher.
laut, Bw. u. Nw., Comp. lauter, Sup. lauteft, (altd. blud, lut ; niederd,
u. ſchwed. lut; engl. loudz; wohl verw. mit losen, lauſchen), hörbar, vers
nehmlich, entg. ſtill (laut beten; laute Freude; etwas Laut werben Laffen, d. i,
in Worten Außern); bef. ſtark ind Ohr fallend, ſtark fchallend, mit ftarfer
Stimme, entg. leife (laut freien; mit lauter Stimme ausrufen 2c.) 5 lärmend,
geräufchvoll (er ift ſehr lautz der laute Markt) 5 uneig. f. öffentlich, offen—
bar, befannt (3. 3. man darf nicht laut davon fpredhens es ift laut geworden;
ein lautes Geheimnifs); oberd. überh. f. ftarf in die Sinne fallend, 3. 8.
ſtark ſchmeckend, riechendz fhön, glänzend (vergl. hell); — der Laut, — es,
M.-e (altd. u. niederd. lut; dän. Iyd, ſchwed. 1jud), überh. alles dem Ohr
Bernehmbare, Hörbare, jeder Schall, fofern er gehört wird (4. B. in der
tiefen Stille der Naht vernahm man Feinen Laut; Jäg. f. Ton, 3. B. das Horn
hat einen guten Laut); bef. jeder durch die Stimme eined Menfchen od, ei—
ned Ihiered felbftthätig erzeugte Schall (Eeinen Laut von ſich geben); in
engerer Bed. die gegliederten und bedeutfamen hörbaren Beltandtheile der
menfchlichen Sprache: Sprachlaute; verfh. Ton, Klang (vergl. Gelbft:,
Doppel:, Mit:, Empfindungslaut 2c.)3 oberd. auch f. Sinn od, Inhalt einer
Rede oder Schrift (3. B. Briefe eines Lautes, d. i. desſelben Inhaltes; vergl.
gleihlautend; nad) Laut eines Schreibens u. dgl.); daher: lauf, als Vw. mit
dem Gen., einen Erkenntniß- oder Beweisgrund bezeichnend: nach dem
Inhalte, finnv. zufolge, gemäß (laut feiner Ausfage, Laut des erhaltenen Be-
fehles ac. 5; bisw. aud) mit d. Dat., wenn ein Hauptw, ohne Beftimmmort
folgt, 3. B. laut Briefen, Berichten u. dgl.); — 3fes. lautlos, Bw., ohne
Laut, ftil, ſtumm; die Lautloſigkeit; — Ableit. lautbar, Bw., ver=
nehmlich, hörbar; mehren Menfchen bekannt, ruchtbar (in diefer Bed. viel:
Veicht entft. aus leutbar, alt. liutpare, v. liut, Leute); die Lautbarkeit;
lautig, Bw., einen Laut Habend, lautend, nur in Zfeg. wie hoch-, tiefz
lautig; fautiren, ziellof. Zw. m. haben, Neum. mit fremdartiger Endung
(vergl, buchftabiren), beim Lefenlernen die Buchftaben nicht nad) ihrem Namen,
fondern nad) ihrem wirklichen Laute ausſprechen; — lauten, ziellof. 3m. m.
haben, (altd, hludan, lutan; dan. lyde; ſchwed. ljuda), überh. laut wer=
den, den Ohre vernehmlich werden, finno, ſchallen, tönen (mein Saitenfpiel
foll lauten); gew. mit Beifuͤgung der Art und Weiſe ded Lautes, finnv.
Elingen (mohl, übel, hell lauten 2c.) z in engerer Bed. von der menfchl. Stimme
und Nedes einen bedeutfamen Laut habenz daher: in gewiffen Worten
audgedrückt fein od, daraus beftehen (feine Rede lautete anders; die ffreitige
Stelle lautet fo 2c,) 3 einen gewiffen Sinn od, Inhalt haben (feine Nachrich—
ten lauten traurigz das lautet nicht fein, nicht anftündig, d. i. es verſtößt duch
feinen Sinn gegen den Anftend); Ableit. der Lauter, -8, M. w. E.,
Neumw., dad Schriftzeichen fiir einen Sprachlaut, der Buchftabe; die
‚Laute, M. -n (dän, u. ſchwed. lur; engl, lute; ital, Into; franz. luth),
ein befaiteted Tonwerkzeug, defjen Saiten mit den Fingern geariffen werden
(die Laute fpielen oder ſchlagen; ſprichw. er ſchickt fich dazu, wie der Efel zum
Lautenfchlagen, d. i. er benimmt ſich höchſt ungeſchickt); uneig, eine Art Feigen:
30 lauter — leben
ſchnecken; bei Wollfärbern eine lange hölzerne Krüde zum Aufrühren der Farbez
der Kautener od. Lautner, die Lautnerinn, aud; mit fremdartiger Endung:
der Lauteniſt, die Lauteniftinn, ſ. v. w. Lautenfpieler, Lautenfpielerinn,
Lautenſchläger 2.5 der Lautenmacher; das Laufenfpielz der Lauten—
ton 2035 ziel. Zw, (das Factitioum von lautenz alt lüten, niederd.
lüden z landſch. unr. ablaut, litt, gelitten f. lautete, geläutet), urſpr.
überh, lauten machen, ertönen oder erfchallen Yaffen (Worte läuten; einen
Befehl ausläuten, d. i, befannt machen); jest nur son Glocken u. Schellen:
fie durch Schwingung ertönen laſſen (die Gloden läutenz auch: mit den
Glocken oder Schellen läuten und bloß: läuten, 3. B, es wird ſchon geläutet,
man läutet; ferner unp, es lautet f. e3 wird geläutet; daher gem, auch: die
Glocke läutet f. wird geläutetz die Feuerglode lautete; r. wäre in dieſem
Sinne: Lauten); durch Läuten etwas anzeigen (Feuer läutenz zür Kirche,
zu Grabe — 26,)3 der Läufer, -8, wer die Glocken läutet,
lauter, Bw, u, Nw,, Comp, Jauterer, Sup, lauterft, (altd, hluttar, Iuter;
niederd, luterz; dan. u, ſchwed. lutter; wahrſch. verw, mit Licht, leuchten), alt
u, oberd. f. hell, klar, durchfichtig (ein lauteres Glas, lauterer Wein; der
(autere Stall, d, ti, dasjenige Stallen der Pferde, wenn das Wafjer fo
wieder abgeht, wie es getrunfen worden); gem, unvermifcht, unverfälfcht,
rein (lauteres Waffer, lauteres Gold ꝛc.); fo auch in fittlihem Verftande f.
unverfälfcht, wahrhaft, aufrichtig (die lautere Wahrheit; die lautere Lehre;
eine lautere Liebe); ferner lauter in der ungebeugten Form eines Nw. f.
vollig, ganz, durchaus, nichts ald (3. B. es find lauter Lügen; lauter Ge:
Thwäs5 fie ift lauter Lebenz es waren lauter junge Leute da); — Ableit,
die Lauterkeit, das — eig, u, beſ. uneig., ſinnv. Reinheit (die Lau—
terkeit ſeiner Geſinnungen; lauterlich, Nw., vlt. f, lauter; läutern, ziel,
Zw., lauter machen, d. i. durchfichtig, hell, Elar machen (die Luft läutert
fih; Forftw,, einen Wald läutern, ſ. v. w. lichten); daher uneig, f, Elar, deut—
lich, verftändlich machen, vergl, erläutern; beſ. Rſpr. eine Erklärung oder
Milderung eines dunkel oder unbillig feheinenden Urtheild von dem Richter ver-
langen (die läuternde Parteiz mitt, lat. leuterare, daher gem, auch leuteri-
ven); gew. von Fremdartigem befreien, reinigen (den Zuder, Branntwein,
Metalle; Kürſchn. u, Weißgerb,, Zelle —, d. i. von Fett oder Kalk reinigen);5
in ſittlichem Verftande: von Irrigem, Falſchem, Unreinem befreien u. da=
durch veredeln (eine Lehre; die Liebe, die Leidenfhaften, Gefinnungen 2c. —)53
die Läuferung ‚ das Läutern, eig. u, uneig,; der Läuterer, —s, wer etz
was laͤutert, reinigt, veredelt; das Läuterfeuer, ein Feuer, worin z. B.
Metalle geläutert werden; der Läuterkeffet, die Läuterkifte, apfanne; der
Läuterofen; das Läutertuch ꝛc.
lauwarm, Lauwine od. Lawine, ſ. unter lau,
; Lavendel, m, -d, o. M, (mittl, lat, lavendula, ital, lavandola, franz,
lavande), ein Pflanzengefchlecht mit wohleiehenden Blumen und Blättern,
im füdl, Europa einheimifch; der gemeine Lavendel, die Spifez daher: das
Lavendelwaffer, öl, der Lavendelgeiſt; dad Luvendelgras, gelbes Ruch—
gras, ein angenehm riechendes Futtergras,
le, oberd. verkieineende Endfilbe, abgek. aus lein, ſ. d., vergl. el (z. B
Kindle, Hemdle u, dgl.).
leben, zielloſ. zw. m. haben, (goth. liban, alt». lepen, leben ; nieberd.
”
leben 31
Yewen, engl. live, ſchwed. lefva; verw. mit Leib, altd. lib, f. d. u, vergl.
bleiben), die Fähigkeit der willkuͤrlichen Bewegung haben, belebt fein,
von Menfchen u. Thieren, entg. leblos od. todt feinz daher überh. f. fich regen
u. bewegen (es lebt Alles an ihm); uneig. aud) von leblofen Naturförpern f.
fich bewegen, fließen (lebendes Waſſer, ein lebender Quell); in weiterer Bed.
überh. mit inneren Gefäßen zum Wachſen und zur Entwickelung begabt
(organifirt) und in diefer (organifchen) Entwicklung begriffen fein, von
Pflanzen (diefer Baum lebt noch); in beftimmteren Anwendungen von Thieren,
Menſchen und höheren Wefen: überh. f. dafein und wirfen (es lebt ein Gottz
ſo wahr ich lebe! eine Betheuerungsformel) 5 uneig. auch von Sachen, Ei—
genſchaften 2c.: in Kraft, Wirkſamkeit, Gebraud) fein (eine lebende Sprachez
es lebt in ihm ein Heiliger Eifer); ferner dafein mit Beziehung auf die Zeita
dauer, fortdauern (Lange leben; ber Menſch lebt kurze Zeit), auf den Ort
wo, das Berhältnifs in welchem, die Art u. Weiſe wie man lebt, und
zwar zunächft hinfichtfich des finnlichen Dafeind, des Unterhaltes, der aͤuße—
ren Erfcheinung (die Fiſche leben im Waffer, die Vögel in der Luft; er Lebt auf
dem Lande, bei Hofez fie leben in glustlicher Ehe; von eines Andern Gnade
lebenz gutleben, d. i. mit allen Genüffen und Bequemlichkeiten; vornehm,
groß —; armfelig, kümmerlich —z lebe wohl! gewöhnlicher Abſchiedsgruß;
nichts zu leben haben, d. i. keinen Lebensunterhalt; er hat zu leben, d. i.
er hat ſein Auskommen; Leben und leben laſſen, ſprichw. f. ſelbſt fein
Leben genießen, aber auch Andere daran nicht hindern; dicht. auch: ein Leben
leben); hinſichtlich der ſittlichen Lebend= und Handlungsweiſe, tes Beneh—
mens ꝛc. (gut, ordentlich, rechtſchaffen —; in den Zag hinein leben, vergl.
Tag; erweißzuleben, di. fi anftandig zu benehmen; einem zu Willen
leben, d. i. nad) defien Willen feine Handlungen einrichten), des Lebenszweckes
(für die Seinigen leben), auch mit dem Dat. (den Seinigen, ſeinem Berufe le—
ben; ich lebe mir ſelbſt); mit dem Gen. f. von etwas erfüllt fein, es hegen
(id) Lebe der Hoffnung, des Glaubens 2c.); — dad Leben, —s, M, (felten)
w. &,, (altd. leben, u. gew. der lip ; vergl. Leib), die Fähigkeit der will-
Fürlichen Bewegung, überh. Beweglichkeit, Bewegung (5. B. er ift lauter
Leben; es ift Alles Leben an ihm u. dgl.), u. gem. f. Unruhe, Lärm (was ift
dag für ein Leben ?); der Zuftand oder das wirkende Sein eines belebten,
empfindenden Weſens, in weiterer Anwendung auch von Pflanzen (Pflanzen:
leben), entg. Zod, (auf Leben und Tod, d. i. mit Gefahr des Lebens; bei mei—
nem Leber, f. v. w. fo wahr ich lebe; für mein Leben gern, d. i. fo gern
wie ich mein Leden habe; einem das Leben retten, nehmen, ſchenken; fein Leben
daran fegen, wagen; ums Leben Eommen, f. kommen; am Leben ftrafen, d. i.
zur Strafe das Leben nehmen; in diefem Leben, d. i. dem gegenwärtigen,
irdifchen, entg. jenes Leben, d. i. das zukünftige, ewige), mit allen Neben—
begriffen des Iw., z. B. Zeitdauer, Ausdehnung des Daſeins, Lebensdauer
(Anfang, Ende des Lebens; das Leben vergeht; in meinem Leben, d. i. wäh—
vend meines Lebens ; einem das Leben friften) 5 Lebenslage, = VBerhältnifs, Art
und Weiſe ded Lebens (Land, Stadt:, Hofleben 2c.5 einem dag Leben ver: .
bitten; ein vergnügtes Leben führen; ein ordentliches, tugendhaftes, ausſchwei—
fendes Leben; fein Leben andern, beſſern; das bürgerliche, gemeine, Öffentliche,
häusliche Leben 2c.)5 die Neihe der Veränderungen, Begebenheiten u. Hands
lungen eined Menſchenlebens: Lebensgeſchichte u, = befchreibung (Semande
32 leben
Leben erzählen od. beſchreiben z Schiller's Leben u. dgl.) 5 uneig. ein Gegenſtand
vorzüglicher Liebe, was man liebt, wie fein Leben (du bift mein Leben! Tanz
u. Spiel ift fein Leben) ; in Kunſtwerken: die Naturtreue, Wahrheit, Leibhaf-
tigkeit der Darftellung (ein Gemälde, ein Gedicht ec. hat Leben) 5 dicht. auch f.
ein lebended Weſen (ein junges Leben; alles Leben wird Staub); in weiterer
Bed. auch der gefunde u, empfindliche Theil an Ihier= und Pflanzenförpern,
(den Huf bis auf das Leben auswirken, d. i. bis auf den fleifchigen heil des
Pferdefußes; einen dürren Aft bis auf das Leben abfchneidenz daher: es geht od.
dringt bis aufs Leben, d. i. ins Innerfte, durch Mark und Bein); — 3feb.
von dem Bw. leben: dad Lebehoch, der Wunſch, dafs Semand hoch Iebe
(vergl. hoch z einem ein Lebehoch bringenz fr. Vivat); der Kebemenfch, wer
finntiche Genüffe über Alles liebt; der Kebetag, gem. Lebtag, nur in der M.
Lebtage gebr. in Verbindung mit einem zueignenden Fürw. f. Lebenszeit,
-dauer (z. B. ich habe ihn meine Lebtage (gew. abgek. mein Lebtag)
nicht gefehen, d. i. in meinem ganzen Leben nicht) 5 das Lebewohl, der Wunſch
wohl zu leben, der Abſchied (einem Lebewohl fagen); die Lebzeit, gem. nur
in der M. die Lebzeiten, die Zeit u. Dauer des Lebens (bei meinen Lebzei-
tem 20.)5 — dv. dem Hw. Leben: der Lebenerwecker, = geber u. dgl., dicht.
f. Beleber, Schöpfer; dad Lebenlang, x. getrennt: das Leben lang, d. i.
das ganze Leben hindurd) (mein ganzes Leben lang 5 vergl. Lang); der Lebens⸗
abend, dicht. f. das Alter; entg. Lebensmorgen f. Tugend; das Lebens⸗
alter, die verfchiedenen Lebensabſchnitte, od. Theile der Lebensdauer; die Le⸗
bensart, die Art u. Weife zu leben 1) in Anſehung der Nahrung, der Beſchäf—
tigung, der äußeren Verhältniffe, der Bequemlichkeit 2c., in diefer Bed. gew.
die Lebensweiſe; 2) in Anfehung der Sitten u. bef. des Betragens im ges
felligen Leben (eine auöfchmweifende Lebensart; dies ift gegen die gute Lebensart) >
insber. f. gute Lebensart, anftändiges Benchmen (er hat Lebensart, oder Feine
Lebensart;) der Lebensbaum, ein immergrüner harziger Baum, deſſen Holz
der Fäulnifs am längften widerftehen fol; der Kebensbefchreiber (fr. Bio:
graph); die Lebensbefchreibung (fr. Biographie)s die Lebensdauer; die
Lebenseiche, eine Art immergrüner Eichen in Virginien z das Lebensende;
der Kebensfaden, bildl., die Lebensdauer unter dem Bilde eines Fadens bes
trachtet (den Lebensfaden fpinnen, abſchneiden 2c.); dad Lebensfeuer, die Le—
bensflamme, das Leben mit einem allmählich erlöfhenden Teuer verglichen;
die Lebensfreude; der Lebensfrieden; die Lebensfriſche; lebensfroh,
Bw.; die Kebensfülle, Fülle der Lebensträftes die Lebensgefahr, Gefahr,
das Leben zu verlieren; lebensgefährlich, Bw. ; mit Lebensgefahr verbunden 5
der Kebensgefährte, -genoſs; die Lebensgefährtinn, »genoffinnz; der
Lebensgeiſt, die innere wirkende Urſache des Lebens; M, die Lebenögeis
fter, ein vermeintlider feiner und flüffiger Stoff, welcher, im Gehirn erzeugt,
ſich durch die Nerven im Körper verbreitet, Nervenfeftz der Lebensgenufsz
die Lebensgeſchichte; die Lebensgluth, höchſte Wirkfamteit der Lebenskräfte;
das Lebensgluͤck; lebensgroß, Bw., f. v. w. in Lebensgröße, d. i. in
der Größe, die ein Gegenftand im Leben od. in der Wirklichkeit hat (ein lebens—
großes Bildnifs od. ein Bildnifs in Lebensgröße); dad Lebensjahr, ein Jahr
als Theil der Lebenszeit; die Rebendflugheit, die Kiugheit, deren man im
gefelligen Leben bedarf; die Lebenskraft; lebenskräftig, Bw.; lebenslang
od. Tebenslänglich, Ni. u. Bw., fo lange man lebt, das ganze Leben hindurch
>
leben 33
dauernd; die Lebenslänge; der Lebenslauf, vergl, Lauf; die Lebenslehre
(fr, Biologie, Zoonomie); das Kebenslicht, das Leben unter dem Bilde eines
brennenden Lichtes betrachtet (einem das Lebenslicht ausblafen) ; die Lebensluft,
zeine, brennftoffleere (fr. dephlogiftifiete) Luft, Sauerluftz die, Lebensluft;
Vebensluftig, Bw.z das Lebensmittel, gew. M. die Lebensmittel, Alles,
was zum Unterhalt des Lebens dient, Nahrungsmittel; lebensmuͤde, Bw, des
Lebens Überbrüffigs der Lebensmuthz die Lebensoronung, regel; der
Lebenspfad, =weg, bildl,, der Weg, auf welchem man durch das Leben wanz
deit, Lebensgangz der Lebensplan; die Lebensreife, bildl., die Zurkefegung
der Lebenszeit; der Lebensſaft, Nervenfaft 5 lebensfatt, Bw., ſ. v. w. lebene⸗
müde; die Lebensſtrafe, im Verluft des Lebens beftehende Strafe, Todes:
ſtrafez der Lebenstag, ein Tag des Lebens; uneig. aud) f. das ganze Leben,
feiner Kürze wegen als ein Tag betrachtet; der Lebensuͤberdruſs; der Le—
bensunterhalt, die Erhaltung des Lebens, u, das dazu Erforderliche an Speife
und Zranf; lebensvoll, Bw., mit Leben, 8, i, Lebenskraft erfüllt; Der Les
benswandel, die fittliche Lebenöweife, das fittliche Verhalten, vergl, Wandels;
die Lebenswärme, Wärme als Zeichen des thierifchen Lebens; das Lebens
wafler, feiner Branntwein (fr, Aquavit); der Lebensweg, f. Lebenspfadz
die Lebensweife, f. Lebensart; die Lebensweisheit, Weisheit, die ſich thä=
tig im Leben außert und auf die Handlungen der Menfchen einwirktz lebens=
wierig, Bw., durd) das ganze Leben während; dad Lebenszeichen; die Les
benszeit, Dauer des Lebens; dad Lebensziel; — leblos, Bw., ohne Leben,
finnv, todt (ein leblofer Körper); uneig. wenig Lebenskraft oder Lebhaftigkeit
habend; die Lebloſigkeit; — Ableit, lebendig, Bw,, (altd, lEbendec 5
erft feit der Mitte des 17ten Jahrh. mit abweichender Betonung auf der 2ten
Silbe), Reben habend, finnv, lebend, belebt, entg. Leblos, todt (lebendige
Geſchbpfe); auch von Öewächfen (lebendiges Holz, weldes, wenn es
abgetrieben worden, wieder ausfhlägts einlebendiger Zaun, der aus grü—
nenden Gewächfen befteht) 5 u. von leblofen Körpern: beweglich, fließend (le:
bendiges Waffer, ein lebendiger Quell); Bewegung od. Gährung entwickelnd
(lebendiger Kalk, d, i, ungelöjchter, entg. dem gelöfchten od, todten); uneig.
aud lebenden Dingen beftehend, daran befindlih, od. darin gegrimdet
(der lebendige Zehnte, welder in Thieren beftehtz ein lebendiger Beweis von
etwas fein); Reben hervorbringend, belebend, wirkſam (eine lebendige Kraft z
lebendige Erfenntnife 3 ein lebendiges Gefühl, d, i, ein wirkfames, den Willen
belebendes); auch f. lebhaft, lebenskraͤftig, fehr regfam (eine lebendige Ein—
bildungskraft; ein lebendiger Vortrag; er iſt lebendiger, als fie); die Leben—
digkeit, das Lebendigſein, bef, auch uneig, ſinnv. Wirkſamkeit, Lebhaftig—
feit, Regſamkeit; lebhaft, Bw., viel Leben, d, i. Lebenskraft- u, Bes
wegung habend (ein Lebhaftes Kind, lebhafte Augen; lebhaft ſprechen; eine
lebyafte Stadt, d, i. eine volfreihe und durch Verkehr belebte; ein Lebhafter
Handel; ein lebhafter Verftand, der ſchnell begreift); uneig. viel Unfchauliche
Feit habend (eine lethafte Schilderung, Schreibart u. dgl.; ſich etwas lebhaft
vorftellen, denken); einen hohen Grad der inneren Stärke habend (eine leb⸗
bafte Farbe; eine lebhafte Empfindungs die Iebhaftefte Freude 2c.); die Lebs
haftigkeit, das Lebhaftfein, in allen Bed,; lebig, Bw,, Leben habend,
lebend, nur in Zſetz. wie lang=, kurz-, hartlebig; leblich, Bw., vlt. f. zum
Leben dienlich (Lebliche Luft); u. f. lebhaft, belebt. |
Heyfe’s Handwörterb, d. deutfchen Epr. 2. Theil, 3
34 Leber — lechzen
Leber, w., M.-n, Verkl. dad Leberchen, (altd, lebera; nieberd,
Lower, dan, lever, ſchwed. kefver; angelf, Iyfer, engl. liver; verw, mit Lab,
liefern, geliefeen 5 veral, d. griech, yreg), 1) ein Eingeweide im menſchl. u.
thier, Körper, beſtehend in einer braͤunlich rothen drüfigen Maffe, melde
unter dem Zwerchfeile in der Gegend der rechten Unterrippen lieat, und zur Ab:
fonderung und Bereitung der Galle dient, daher ehem, ald Sit der Leiden—
fchaften angefehen (von der Leber weg ſprechen, d. i. freimüthig, offenherzig,
‚ohne Rückhalt) 5 uneig, etwas Leberfarbiged z. B. Arſenik-, Schwefelleber, 1. d,3 -
2) Gwahrſch. von anderem Stamme, verw, mit d. franz. lever), alt u. landſch.
f. eine Erhöhung, Hervorragung, insbef, öſtr. ein Örenzftein: Leber od,
Leberſtein; — Zfetz. die Leberblume, eine Wiefenpflanze, gegen Leberver:
ftopfungen gebraucht: Einblatt, Steinblume, weiße Leberblumez braune Le—
berblume, f. v. w. Wiefenfnopf, Blutfrautz der Leberbrand, Entzün—
dungskrankheit der Schafe, und des Rindviehs; leberbraun, Bw., ſ. v. w,
leberfarben; der Leberbraune, oberd,, eine Art leberbrauner Weintraubenz
die Keberdiftel, gemeine Sau: od. Günfediftel 5; Gänfezungez wilder Salatz
die Leberentzuͤndung; das Kebererz, Bergw., ein Ieberfarbenes Federerzz
ein dergl. Kupfer und Qxestfilber Erz 5 ein röthlicher Eifenftein, Leberſchlag; }
die Reberfarbe ; leberfarben od. = farbig, Bw., röthlic) braun; der Lebers
fifch, ein leberfarbener Klippfiſch; der Leberfled od, =fleden, ein leberbrauner
Flecken auf der Hautz der Leberflufs, von Lederverftopfung herrührender
Bauchfluſs; der Keberfuchs, ein leberfarbiges Pferd; der Keberkies, Bergw,,
Bräunlicher Rupferkies; der Leberklee, eine Art des gemeinen Klees mit leber—
farbenen Blumenz auch eine Pflanze mit dreiblättrigem rauhem Blumenkelch u,
gew. blauen Blumenblättern, Güldenklee, Herzkraut, blaue Holzblume; Die
Leberkrankheit; leberkrank, Bw,, und als Hw. ein Leberkranker 26,5 daB
Leberkraut, f. v. w. Leberblumez Leberklee; Hirſchgünſel od, Wafferdeft 5 Leber:
mo08 5 Pfefferkraut 20,5 der Keberlappen, verſchiedene lappichte Theile det Les
ber; dad. Lebermoos, Moofe ohne Stengel mit großen, flach liegenden Blättern;
bef, eine Art derfelben mit lappigen, ſchuppenweiſe über einander liegenden Blät—
tern, fterhfbrmiges Lebermoos, Steinleberkrautz die Leberraufe, Mondraute,
- Mondkrautz der Keberreim, eine Art Scherzgedichte, welche man ehem, bei
feftlihen Mahlzeiten bei Gelegenheit der Hechtleber zu machen pflegtez der Les
berſchwamm, ein auf Baumftämmen wachſender leberförmiger Schwamm,
Nufs-, Blutſchwamm; der eberftein, f. Leber 2)5 die Keberverhärtung,
everfiöpfungz; der Keberwurm, ein langer, flacher Eingeweidswurm in der
Leber der Thierez die Leberwurft, Wurft von gehackter Leberz — Ableit,
lebern (niederd, lewern), ziellof, u, rückz. Zw., landſch. f. laben, geliefern,
gerinnen.
Lebewohl, lebhaft, lebig, leblos, Lebtag, Lebzeiten, ſ. unter leben.
Lebhonig, m. (wahrſch. von laben, verdicken; vergl, Leber, Laib, u, das
Yat, libum), grober, gezeidelter, vermittelft eined Sackes ausgepreffter
Honig, z. U. v. dem von felbft ausfließenden Honigſeimz daher: der Leb—
tuchen, landſch. aud) Lebzelten, oberd, f. Honigkuchen, Pfefferkuchen z der
Lebfüchler, = küchner, Lebkuchenbäder.
lechzen, ziellof, Zw. m, haben (eig. das verft, oberd, lehen, lechnen;
verw. mit Led, f. d., Loch; vergl, d, grich, Adoxo, Aazis), durch große Dürre
od. Trockenheit Niffe bekommen (die Erde lechzt oder zerlechzt), bef, von hol:
led — leden 35
zernen Gefäßen, f. v. m, leck werden, lecken; durch) Öffnung des Mundes
und fchnelles Athmen den höchften Grad von Durft zu erfennen geben;
uneig. nach etmad —, heftiged Verlangen danad) empfinden und verra=
then, im höchften Grade begierig fein, vergl, dürften, finnv, ſchmachten.
leck, Bw. (hol, leck; oberd, lechz engl. leaky; altnord. leka, tröpfeln z
altd, lecchjan, wäſſern; vergl. lechzen), von hölzernen Gefäßen, Schiffen zc,
durch Zwifchenräume in den Fugen Flüffigkeit durchlaſſend (ein leckes Faſs;
das Schiff wird Is); der led, -e8, M.-e, oberd, auch die Lecke (engl,
leak), cin Zwifchenraum, ein Ritz, eine Spalte in einem hölzernen Gefäg,
durch welche eine Flüffigfeit dringt; lecken 1. ziellof. Zw. (oberd. Yechen z
ſchwed. läcka; vergl, lechzen), 4) m, fein, tropfenweife durch die Fugen
eines Gefaͤßes dringen, ausrinnen (dev Wein ift aus dem Faſſe geleckt) 3 2) m,,
haben, einer Flüffigfeit durch einen Leck Durchgang verftatten, rinnen
(das Faſs, das Schiff leckt; uneig, landſch. ein Licht leckt f. fließt, läuft)s der
Leckwein, f. v. w. Ausbruch z Tropf- oder Traufwein; das Leckwerk, in
Salzſiedereien, die Anſtalt, wo man die Sohle durch Reisbündel-Schichten hin—
durchlecken oder⸗trbpfeln läſſt, um fie zu reinigen, Gradirwerk.
lecken 2., ſ. laͤckken; — lecken 3. zielloſ. und ziel, 3, (goth. laigon ; altd.
lecchon; niederd. licken, engl, lick, griech, Aslyeıw; lat, lingere; franz,
lecher), mit der Zunge über eine Fläche hinftreicyen (an etwas — 5 die Katze
leckt ihre Pfoten); durch Lecken mit der Zunge in fich ziehen, auflecken (die
Bären lecken gern Honig; der Hund leckt das Waffer), leckend reinigen oder
leeren (Zeller lecken; ſich die Finger lecken; unzig. die Singer nad) etwas lecken,
d, i. ſehr lüftern danach fein); gem, verächtl. f. haufig kuͤſſen; dicht, von der
gleihfam zungelnden Flamme, wenn fie einen Gegenftand berührtz geleckt
ald Bw, f. uͤbertrieben glatt u. fauber (ex ift, wie geleckt ein Gemälde heißt
geleckt, wenn die Farben auf fteife und ängſtliche Art vertrieben find) z —
Ableit, die Lede, M.-ın, Landw,, ein Trog oder Ort, wo man dem
Rindvieh u. den Schafen Salz zu lecken giebt (Salzlecke) 3 der Leder, - &,
die Leckerinn, M.-en, wer —8 vergl. Tellerlecker, Speichelleder; wer
gern leckt, d, is naſcht oder Leckerbiſſen genießt, ein leckerhafter u; in wei:
terer Bed, überh. ein finnlicher, genuſsſuͤchtiger Menſch; oberd. auch verächtl.f.
Zunge; bef, die Zunge des Rindviche, u, (Jäg.) des Hirſches; — leder, Bw.
(fchwed, lecker) 1) gern leckend, nur auögefucht wohlſchmeckende Speifen
gern genießend, eigen in der Wahl der Speifen u, uneig, der Genuͤſſe uͤber—
haupt (ein leckerer Menſch) 3 2) ausgefucht wohlfchmeckend (eine leckere Speifez
fe. delicat) 5 daher: der Leckerbiſſen, verkl. das Kederbifschen, ein leerer
Biffen, überh, eine fehr wohlfchmedende, mehr zum Genufs, als zur Sättigung
dienende Speifez fo auch: das Leckereſſen, gericht; die Lederfpeife; das
Ledermaul, gemein leerer Mund; ein leckerer Menſchz der Lederzahn, nur
in der gem. Redensart: ſich ben Leckerzahn ausreißen, d. i, fich die Begierde nach
Leckerbiſſen vergehen laſſen; leckerhaft, Bw,, nur nach den Genuffe des Reckeren
begierig (ein leckerhafter Menſch; landſch. auch lecker ig) z feltner in der 2ten
Bed, von lecker (eine leckerhafte Speiferz die Leckerhaftigkeit, dad Leckerhaft⸗
fein, die Begierde nach leckeren Speifen ; die Lederheit, felten f, das Lecker⸗
fein, die ausgeſuchte Schmackhaftigkeit einer Speiſe; leckern, ziellof, Zw.
m.haben, gem, f.leckerhaft fein, nad) etwas, gierig verlangen; auch
unp, es leckert mich danach; die Leckerei, 1) 0. M, dad Leckern, die Be—
5 3*
„36 Leder — Lee -
gierde nach leckeren Sachen u. finnlihen Genüſſen überh.ʒ 2) M. Lecke⸗
reien, ſ. v. w. Leckerbiſſen.
Leder, fi -5, M. w. ©. (altd, ledar, niederd, Ledder, ſchwed. läder;
engl. leather; währe, verw, mit Lid, Dede, Kleidaıc,), gegerbie Thier⸗
haut (Rinds-, Kalb-, Schaf-, Rehleder zc,; ſprichw. aus Anderer Leer Rie—
men ſchneiden, d. i. auf Anderer Koſten freigebig ſein) z niedr. verüchtl. f. Haut,
Fell (einem das Leder gerben, d. i. ihn derb durchprügeln) 3 auch ein zugeſchnit—
tenes Stück Leder, ein aus Leder verfertigtes Ding (Hapd-, Hutz, Ober:
leder u, dgl,5; vom Leder ziehen, gem, f. den Degen aus der Scheide zie—
hen; — Z3fetz. der Lederarbeiter, jeder in Leder arbeitende Handwerker z
leverartig, Bw., lederähnlich, bef. in Anfehung der Feftigkeit und Zähigkeit z
die Lederartigkeitz der Lederband, lederne Einband eines Buches; verfc,
das Lederband, Riemenz der Keverbereiter, Gerber; die Kederbereitung z
die Lederblume, Gewürzſtaude lederbraun, Bw., f. v. w. kaſtanienbraun z
die Lederflechte, eine zähe, dicke Nabeiflehte; das Ledergras, Waffermoos 5
der Lederhandel; der Lederhaͤndler; die Lederhandlung; der Kederhand-
ſchuh, gew. lederner Handfhuhz die Lederhaut, die dickſte Schiät der Men:
ſchenhautz die Lederhofe, lederne Hofez der Kederkäfer, der größte, ſchwarze
Lauftäfer in Europa z die Lederkirſche, fpäte, ſchwarze Herzkirſche der Les”
derleim, aus Lederabgängen gefochter Leim; der Lederſchwamm, ein Blät—
terſchwamm mit fhwarzen Strunke; lederweich, Bw., weid, wie Leder (gem,
einen lederweich fchlagen, d. i. derb abprügeln) 3 das Lederwerk, mehre aus
Leder ®berfertigte Dinge, alles was an einem Dinge von Leder iftz der Leder
wurm, eine Krankheit des Rindviehs, beftehend in Beulen unter der Kauf,
in welchen fih eine Made ausbildet; der Lederzuder, mit Süßholzfaft und
Eiweiß eingekochter Zucker, als Huftenmittelz — Xbleit, ledern, Bw,
(oltd, lidirin), von Leder, aus Leder gemacht; gem, — f. ſchlaff,
ſchlecht, elend (ein lederner Menſch); ledern, ziel, Zw., mit Leder verſehen,
— ausledern, (eine Pumpe); uneig. gem, einen —, derb auspruͤ—
geinz der Lederer, —s, (altd, lederari), oberd. f. Lederbereiter, Gerber.
ledig, Bw., (altd. — niederd. Leddig z ſchwed. ledig; wahrſch. verw.
mit lidan, ſich bewegenz vergl, Glied, liederlich), urfpr, ungehemmt in der
‚Bewegung, entbunden, frei, los (alt. einen ledig laſſen; Rſpr. einen ledig
ſprechen; dicht, des Leibes bift du ledigz los und ledig; frei und ledig von aller
Schuld); jest gew. unausgefuͤllt, leer, jedoch mit dem Nebenbegriffe, dafs eine
Sache ihres früheren Inhaltes beraubt fei, oder doch etwas aufnehmen und ent=
halten könne (eine ledige Flaſche, ein lediges Haus ꝛc.); unbeſetzt, unbelegt,
unbeladen (ein lediger Wagen, Stuhl 2c.) 5 uneig. ohne Beſitzer, Eigenthuͤmer
(ein lediges Zehn, Amt u, dgl.), unverheirathet feine ledige Perſon); landſch.
f. unbefchäftigt (ledig gehen f. müßig); Jäg. f. ſchlaff (das Hängeſeil ift ledig);
Bergw. fe rein, unvermiſcht (lediger Stein, d. i. reiner Geifenzinnftein; eine
ledige Bergart, die leer von Metal ift); die Ledige, M.-n, in Meißen f.
Lehde, f.d,; ledigen, ziel, Zw. (altd, ledigon, ledegen), ait f, ledig, leer,
108 machen, vergl. ent, erledigen; die Ledigkeit, dad Ledigſein, bef. der
unverehelichte Zuftand (die Ledigkeit des Standes); lediglich, Nw, (aftd, le-
declichen) gänzlich), völlig, ganz allein, ausſchließlich (es hängt Lediglich
von ihm ab),
Lee, ſ., -3, o. M, (angelf, hleow, engl, lee; ſchwed. lä; vergl, d, griech.
Leene — leg 87
Aauds, lat, laevus), Schiff., die unter dem Winde befindliche, d. i, vom Winde
abgewandte, Seite, Windfeite, Leefeite, entg. Lufſeitez (Alles, was auf
der Sce an diefer Seite oder in diefer Gegend befindlich ift, Liegt in der Lee
oder leewärts)3 daher: der Leebord; die Leebraffen (f, Braſſe); die Lee-
füfte; das Leefegel, ein Segel, welches an einer Seite eines Hauptfegels mit:
telft Verlängerung der Rah ausgeſetzt und bei gunftigem Fahrwinde beigeſetzt
wird; leewaͤrts, Nw,, f. o., entg. lufwärts,
Leene, n. U Lehne, w., M.-n 1) (auch Lenne, Löhne, Leinz, Lindaum,
Leim: Ahorn; isländ, hlinr; ſchwed. lönn), eine Urt des Ahornd, Kleiner
als der gewbhnliche, Breitlaub, Breitblattz 2) (franz. laie) landſch. fr eine
Bache.
leer, Bw. (altd. lari, laere; oberd, lär), nichts in oder auf ſich enthal—
tend, unausgefuͤllt, unbefeßt, finnv, ledig (f. d.), entg. voll (ein leerer Raum,
ein leeres Gefäß; der Beutel, der Zeller ift leer; das Haus fteht leer, d. i, un:
bewohnt; mit leeren Händen fommen, d. ti, ohne Geld oder Gefhenk; Leer
ausgehen, nichts befommenz leeres Stroh dreſchen; uneig. f. eine unnütze
Arbeit verrihtenz ein keeres Papier, d. i, unbefchriedenes) 3 uneig. f. gefchäftz
frei, müßig (leere Stunden); gehaltlos, ohne Sinn, Bedeutung, Straft,
Wirkung, finnv, nichtig, eitel (ein leerer Kopf, d. i, ein unmiffender Menſch;
ein leeres Herz; ein leerer Schall, leere Worte, Verſprechungen 26.)5 — 3fek,
der Leerdarm, ein dünner Darm im menſchl. Körper; der Leerhaͤusler, bair.,
ein Zagelögner, der nur ein Häuschen ohne Ader befistz; leerfüpfig, Bw,
einen leeren Kopf habend, unwiffend; — Ableit, die Leere, das Keerfeinz
aud) der leere Raum ſelbſt; die Keerheit, das Leerſein, die leere Beſchaffen—
heit, eig. (3. B. des Magens) u, uneig. (z. B. feines Kopfes, einer Schrift 26.3
leeren, ziel. Zw., leer machen (3. B. die Gtäfer) 5 [ich —, leer werden ; daher
der Eeerbecher, das Leerfaſs, Papierm,, ein Gefäß, den Zeug aus bem Löcher:
baume zu ſchöpfen.
Leerbaum, m., oder Leertanne, w., landſch. f. Laͤrchenbaum, ſ. d.
Leeſegel, —ſeite, leewaͤrts, ſ. Lee,
Lehe, w., Mi -n (altd. lefsa), oberd, f. Lippe; hochd. nur f. große,
unfdrmliche Lippen ; herabhangende Lippen der Thiere, bef. Hundes lippen=
ähnliche Raͤnder (Lefzen des Muttermundes, Schamlefzen 5 Lefzen einer Orgel:
‚pfeife, d. i, der ſchräge eingedrucdte Theil derfelben),
Leg, fer — es, o. M. (wahrſch. v. legenz n. U. Lech, Lech), Hüttenw,, ein
Gemiſch von Kupfer, Eiſen und Arſenik, welches ſich beim Machen des
Schwarzkupfers zwiſchen dieſes u, die Schlacke legt, Kupferleg; auch die Schla—
cken, die ſich beim Stahlmachen an den Stahl anhängenz das Leg- od. Lech—
bett, Hüttenw., ein vertiefter Platz vor dem Schmelzofen, worin der geſchmol⸗
zene Stein ſich ſammelt; der Legſchmelzofen, ein Schmelzofen, in welchem
die geringhaltigen Gold- und Silbererze aus Leg geſchmelzt werden.
leg. od, lege, Bw, (niederd. leeg, oberd. läg; isländ, lagr, ſchwed. lag, hol,
laag, engl, low; die Wurzel von Legen), landfch., beſ. niederd, f, niedrig,
niedrig liegend oder ſtehend (Teges Land, Waffer 20.5 einleges Moor oder
Legmoor, entg, Hochmoor; Schiff. leger Wall oder Legerwall, eine
Küfte, welche gegen die Richtung des Windes rechte oder fpige Winkel bildet)s
uneig. (vielleicht v. anderm Stamme) nieberd, f. kraftlos, unſchmackhaft, matt,
kraͤnklich (leges Bier, Leg ausfehen) 5 ſchlimm, böfe ; daher der Leger f. Noth,
ſchlechte Umftände,
38 legen
legen, Bw, (goth, lagjan; altd, lekjan, legian, leggan; nieberd. leggen;
dän. legga; engl. Jay; griech. Ayeır,; vergl. Liegen und das vorftehende Leg)
1) ziel., eig. etwas niedrig oder liegen machen; einem Sörper eine ſolche
Stellung geben, dafd er auf feiner größten Fläche ruhe, verſch. fielen,
fegen (ein Buch auf den Tiſch, das Kind ins Bett —; Holz ans Feuer, etwas
an.die Luft, in die Sonne —; ſich fhlafen —, zu Bette —; auch bloß: fid
“Legen, nüml. ins Bett, bef, als Kranker; ein Pflafter auf die Wunde, eine
fpanifhe Fliege —; ein Pferdlegen, d. i. verfihneiden, weil es dabei auf
die Erde gelegt wird; Eier legen, aud) bloß: Legen f. Eier hervorbringen,
von Vögeln und Inſecten); in weiterer Bed. üherh. eine Sache an einen ge=
wiffen Drt od. in eine gewiffe Richtung dringen, ihr eine Stelle annoeifen,
oft mit dem Nebenbegriff ded Aufbewahrens, der Dauer, der Feftigfeit ıc,
(etwas bei Seite, die Kleider in den Kaften — 5 Schuhe an die Füße —; Fallen,
Shlingen, Fußangeln —; auch uneig. einem eine Schlinge legen; ein Schloſs
vor eine Thür —, ein Schiff vor Anker, einen Hund an die Kette, einen Ver—
brecher in Ketten — 5 ein Steinpflafter, einen Zußboden — ; den Grund zu einem
Gebäude, aud) uneig. den Grund zu Semands Wohlftande ze. legen, f.
Erund; Behnen, Erbfen zc. legen, d. i. in die Erde ſtecken, damit fie wachſen;
Befakung in eine Stat —; fi) vor eine Stadt —, d. i. lagern, von einem Heere;
Hand an einen, an ſich ſelbſt, an etwas legen, ſ. Handz ein Haus in
Aſche legen, d. i. es niederbrennen; Geld auf Zinſen legen, d. i. ausleihen; —
fo aud) in vielen uneig. Ausdrücken, 5. B. einem etwas in den Weg legen, ,
d. i. ihm Hinderiich fein; die Hand auf den Mund legen, d. i. Stillfehweigen
beobachten 5 einem etwas nahe legen, d. i. es ihn merken laſſen; fich auf die faufe
Seite legen, d. i. faul, träge werden; etwas an den Tag legen, d. i. fihtbar
werden laffen, zu erkennen geben; einem die Worte in den Mund legen, d. i.
ibm fagen oder zu verftehen geben, was er fprechen follz5 einem etwas zur Laft
legen, f. Laft; einem das Handwerk Yegen, f. Handwerk); 2) rüdz. fi —,
nachlaſſen, fich beruhigen, aufhören (dev Wind, die Kälte, der Schmerz
legt fih)z; fich aufetwas-, fich anhaltend u. fleißig damit befchäftigen,
ſich deffen befleißigen (er legt fi auf Spraden ꝛc.; auf das Trinken ꝛc. 3 fi
aufs Bitten legen, d. i. anfangen zu bitten); ſich ind Mittel —, eine Sache
zu vermitteln, beizufegen fuchen 5 fich zum Ziele —, d. i. fi) nach eines Andern
Abſichten bequemen; 3) ziellod m. haben, Schiff., den Lauf nad) cinem
Drte richten, dahin feuern (nad Norden zu —, mit dem Schiffe von dem Ufer.
legen, u. dal.)3; — Zſetz. die Legangel, Fiſch., Angelfihnüre mit Haken,
welche Abends ins Waffer gelegt werden, Nachtfchnürez dad Kegeifen, Bergw.,
gefhärfte Stücke Eifen zur Gewinnung des Geſteins; das Legefeuer, f. v. w.
Laufe od. Leitfeuerz; dad Legegeld, landſch., beim Eingang erlegtes Geld,
Eintrittögeld; die Leghenne, eine Eier legende Henne, entg. Bruthenne; die
Legereufe, Fiſch, auf den Grund des Waffers gelegte Neufe, Fangreuſe; der
Legeſchuſs, ſ. v. w. Selbſtſchuſs; der Legeſtachel, Stachel mehrer Infecten,
mit welchem ſie ein kleines Loch ſtechen, um ihre Eier hineinzulegen; die Lege⸗
ſtadt, im deutſchen Staatsrecht ehem. eine Stadt, in welcher die Stände die
Reichsanlagen niederlegten oder bezahlten; bſtr., Städte, in welchen Waaren—⸗
Borräthe aus fremden Ländern niedergelegt u. verzollt werden müſſen, Stapel-⸗
ftadtz der Legetiſch (niederd. Leg get iſch), in nicberd, Handelsftäbten, ein
Zifch, auf welhem Stücke Leinwand ausgebreitet, gemeffen, geprüft u. gezeichnet
Legermall — Lehen 89
werden, auch die Legebank; wer die Meſſung und Zeichnung verrichtet heißt:
der Legemeiſter; die Legezeit, die Zeit, in welcher die Vögel Eier legen; —
Ableit. die Legde, Mi -n, Waſſerb., die Schwelle einer Schleufe z die
Lege, M. -n, landſch., dad Legen; dad Gelegte, bef. die Grundlage;
niederd. (gem, Leg ge). eine Bretterlage, worüber die Leinwand, die man Leg e—
(gem. Legge:) Linnen nennt, ‘gezogen wird, um fie zu mefjenz aud) jeder
Bug Leinwand, fo lang das Brett ift (3. B. das Stüd enthalt 20 Legen); der
Leger, —s, die Legerinn, M. -en, wer etwas legt, gew. nur in Zſetz.3
Schiff. Leger, platte Fahrzeuge oder Prahme, um Schiffe, die Ealfatert
werden jollen, auf die Seite zu winden 2c., Kiellichter.
Legerwall, Legmoor, f. unter leg.
Lehde, wi, Men (andſche aud Lade, Laite; mittl. lat. leda; ſchwed.
lät, unangebaut), Landw., wuͤſt liegendes, unbebautes Land; landſch. auch
f. Brachland.
Lehen, od. zgez. Lehn, fe, —8, M. Lehen, (altd. lehan, niederd. Leen,
dän. län; v. leihen, ſ. dy), urſpr. überh. was einem Andern geliehen wird
Garlehn, Anlehn) in engerer Bed, eine Sache, ein Recht, ein Vorzug,
deffen Nießbrauch der Eigenthuͤmer einem Andern unter gewiffen Bedingun—
gen und. Foͤrmlichkeiten uͤbertraͤgt (z. B. Pfarrlehen, Gnadenlehen zc.) ; insbef.
ein auf foldye Weife einem Andern übertragened Grundſtuͤck oder Gut,
Lehngut, fe. Feudum (ein adeliges od. Ritter: Lehen, Bürger, Bauerlehens
Mann, Weiberlehen 20,5 ein Lehen verdienen, d. i. bie zu deffen Erlangung
‚erforderlichen Tedingungen erfüllen; ein Lehen muthen od. finnen, d. i. um die
Belehnung anfuchen; einem etwas zu Lehen geben ; ein Gut von Jemand zu Lehen
tragen); landſch. jeded Sind = oder Erbzinsgut; im engften Sinne nur ein
adeliged od, Nitterlehen, mit welchem Adelörechte verbunden find; die Zehen
als Mehrh. (nicht als weibl, Hw., wie Andere wollen) f. dad Lehendverhältnifs,
Lehnsrecht und deffen Ertheilung, Belehnung (z. B. die Lehen empfangen;
einem die Lehen reihen); auch f. Lehngeld, Lehnwaare (die Lehen entrichten);
Bergw. dad E chen, Alles was einem an Fundgruben und Maßen forms
lich übertragen wird; auch ein Flächenmaß von 7. Lachter Länge u, Breite; —
in Zſetz. u. Ableit. gew. zgez. Lehn od. Lehnsz Bfes. der Lehn⸗ od. Lehns⸗
brief, Urkunde über ein ertheiltes Lehnz der Lehnbauer, — buͤrger ꝛc.ʒ das
Lehnsbuch, Verzeichniſs der Lehen; der Lehndienſt; der Lehnseid, Gib der
Treue, welden der Lehnsmann dem Lehneheren leiftet; der Lehn= od. Lehns—
erbe, Erbe eines Lehns; das Lehnerbe, ſ. v. w. Schupflehen 5 die Lehnser⸗
oͤffnung, ſ. v. w.-⸗Erledigung, auch der Lehnsfall; lehn- cd. lehnsfaͤ⸗
hig, Bw., fähig ein Lehn zu empfangenz der Behnsfehler od. = frevel, Vers
lesung der Lehnspflicht (fr, Felonie); der Lehnfiſcher, landſch., ein Fiſcher, der
das Recht zu fiſchen von Jemand zu Lehn trägt; die Lehnsfolge, die Erbfolge
in dem Beſitz eines Lehns, ehem. auch Lehnshandz die Verbindlichkeit des
— dem Lehnsherrn Folge zu leiſten, beſ. zu Kriegsdienſten; der
Lehnsfolger, ſ. v. w. Lehnserbe; die Lehn- od. Lehnsfrau, eine Frau, welche
ein Lehn zu verleihen, od. empfangen hatz das Lehn = od. Lehnsgeld, dasje—
nige Geld, welches dem Lehnsheren bei der Belefnung zur ER RHÄRER feines
oberen Eigenthumsrechtes entrichtet wird, aud) der Lehngrofchen, —ſchatz, die
Lehnsgebuͤhr, Lehnwaare; das Lehngut, f. o. Leyen; der Zehn = oder
Lehnsherr, der obere Eigenthumsherr eines Lehns, entg. Lehnsmannz daher
*
—
40 Lehm — lehne
die Lehnsherrlichkeit, -herrſchaft; der Lehn- oder Lehnshof, Gerichtshof
eines Lehnsherrn, aud) Lehnz oder Lehnskammer, =tafel, gericht; der
Lehn= od, Lehnsmann, M, = männer, u, f. beide Gefäl. =Icute, wer von
einem Andern Güter zu Lehn hat, ento. Lehnsheres das Lehn- oder Lehns⸗
pferd , ein Pferd, welches dem Lehnsherrn vom Lehnsmann gehalten werden
muſs, bef. zum Kriegsdienfte, Ritterpferd; die Lehnspflicht; der Lehnpropft,
Vorgeſetzte eines Lehnhofesz dad Lehnrecht, ein Recht od. Gefeg in Lehnsſachen;
der Inbegriff aller Lehnsgeſete (fe. Feudalrecht); daher der Lehnrechtöfundige,
lehrer (fr. Seudalift)z der Lehnrichter, Richter bei einem Lehnhofes ein Land:
zihter, ber fein Umt zu Lehen trägt, entg. Erbrichter; die Lehnsſache; die
Lehnsfhuld, auf einem Lehngute Haftende Schuld; der Lehnfchulze, ein
Dorffchulge, welcher fein Amt als ein erbliches Lehn befigtz der Lehnträger,
wer die Lehen im- Namen eines Andern empfängt und für ihn die damit verbuns
denen Obliegenheiten erfüllt; die Lehnstreue, =untreuez; die Lehnsverbin—
dung; die Lehnsverfaffung (fe. Seudalfyftem) 5 der Lehnsvertrag; die
Lehnwaare, ſ. o. Lehngeld; dad Lehnswefen, Alles was bie Lehen, die
Lehneverfaffung, das Lehnrecht ꝛc. betrifft (fr. Feudalismus); der Lehnzins,
von einem Lehn entrichteter Zins; — A bleit. lehnbar, Bw., der Belehnung
fähigz die Eigenfchaft eines Lehns habend (ein lehnbares Gut); die Eigen—
Schaft eines Lehnsmanns habend (einem Fürften lehnbar ſein)z die Lehn⸗
barkeit; der Lehener od. Lehner, -3, landſch., Beſitzer eines Lehngutes,
Lehnsmann; lehnhaft, Bw., die Eigenfchaft eined Lehns habend, lehn—
bar; zum Lehn gehörig, darin gegruͤndet; die Lehnhaftigkeit; die Lehn—
ſchaft, Bergw., eine zu Lehen gegebene Zeche oder Grube; die zu ge=
meinfchaftlichem Anbau eined Bergwerks verbundenen Gewerke od, Pers
fonen,
Lehm, m., - es, 0. M. (altd. leimo, leim; oberd. Laim, Lamz niederd.
Leem; engl. loam; vergl. Leim, Schleim, Schlamm, lat. limus), eine mit
Kalk und Sand gemifchte Thonart von gelbröthlicher Farbe, zäh u. an der
Luft od. im Feuer erhartend (Bau-, Ziegel, Toͤpferlehm ꝛc.)3 — 8 ſetz. der
Lehmboden, lehmiges Erdreichz ein von Lehm gemachter Fußboden z die Lehm—
grube, ein Ort, wo Lehm gegraben wird; die Lehmhütte, eine Hütte mit
Lehmwänden ; der Lehmpatzen, landſch. f. Lehmſtein, Drauerfteine von Lehm,
an der Luft getrocknet, oder gebrannt, Lehmziegel; die Lehmfchindel, Dach—
fehindeln mit Lehm überzogen u. verfchmiert 5 die Lehmfchwalbe, eine in Lehm
gruben niftende Schwalbenartz; die Lehmwand, eine aus Lchm gemad)te, od.
mit Lehm ausgektebte Wandz dad Lehmwerf, aus Lchm gemachte Bau: Arz
beitz — Ableit. lehmen, gem. lehmern, Bw., aus Lehm gemacht; leh—
mig, Bw., Lehm enthaltend, daraus beſtehend (ein Iehmiger Boden); leh—
micht, Bw., dem aufgelöften Lehm ähnlich, truͤbe (lehmichtes Waffer) 5
lehmen, ziel. 3w., mit Lehm ausfüllen, aueflebenz der Lehmer, - 8, wer
- Iehmt, 2ehmarbeiter, Lehmkleber, gem. = Flickr.
Zehn, f., nebft den Bfeg. und Ableit., ſ. Lehen,
Lehnbeet, Lehnbrett, f. unter Ichnen 1,
lehne, oder lehn, Bw. 1. (isländ. linr, ſchwed. len, v. islund, lina, er:
weichen, ſchwächen; angelf. lith, lind; vergl. d. lat. lenis) oberd. f. weich,
ſchwach; 2. (auch leen, Yöne, angelf. hlaene, engl. lean) niederd, f. mager,
abgezehrt; 3. f. lehnen 1.
”
Ally Sehne lehren 4
Lehne, w., M. n, 1. landſch. f. Achſnagel, Luͤnſe, f.d.5 2. ſ. unter
lehnen 1.3 3. ſ. Leene.
lehnen 1., Zw. (altd. blinen, leinanz oberd. lenen, Yainenz ſchwed. läna,
dän. läne, engl. lean; griech. #Alvew, lat. clinare).1) ziellos m. haben, in
feiner Stellung von der fenfrechten Linie abweichen, bef. in diefer Stellung
an einem andern Körper geftügt ruhen (der Stock lehnt an der Wand; er
Ichnt in einem Seſſel)3 2) ziel. und rückz. etwa 6 od. ſich —, in Die bezeich—
nete Richtung bringen und an einem andern Korper ruhen laffen (den Stod
an die Wand, fih an od. auf etwas od. einen Ichnen) 5 uneig. von einem Kriegs—
heere u. dgl. fich an einen Berg, Wald, Fluſs ꝛc. Ichnen, d. i. von einer
Seite od. im Rüden dadurch gefhüst werden; lehne, Bw., landſch., bei. nie:
derd. f. fanft abhängig, ſchraͤg auffteigend, entg. fteil (der Berg erhebt ſich
ganz Iehne); die Lehne, M, -n, die fehräg aufiteigende Richtung oder
Stellung (in der Lehne ftehen od. liegen), bef. die fanft und allmählich aufs
fteigende Seite eines Berges oder Huͤgels (Sommerlehne, der mittäg:
lihe..., Winterlehne, der mitternädtliche Berg = AUbhang), landſch. auch
ein fanft anfteigender Hügel felbftz ferner der Theil eined Dinges, an welchen
man ſich lehnt (die Lehne eines Stuhls, einer Bank 2c.) 5 auch f. Gelaͤnder; —
3fes.». lehnen: dad Lehnbeet, Gärtn., ein Beet, welches fi) an eine ſonnige
Mauer gleicyfam —* das Lehnbrett, ein Brett, woran man ſich lehnt,
z. B. in einem Boo r Lehnſeſſel, Lehnſtuhl, ein mit Rück- und Arm:
lehnen verſehener S
lehnen 2., 3. (zgez. aus lehenen v. Lehen, ſ. d. u. leihenz altd. lehanon,
lehnon; niederd. leenen, angelſ. hlaenan, dän. laane) 1) ziel., landſch. gem.
f. leihen, borgen in beiden Bed. (einem etwas —, u. etwas von einem —; nur
die Ableit. be-, entlehnen gehören der edleren Sprache an); 2) ziellos m.
haben, bei Jemand zu Lehen gehen, als Lehen von ihm abhangen (das
Gut lehnet dem Fürſten); zur Lehnwaare verpflichtet ſein; der Lehner, -8,
alt und landſch. f. Leiher; der Lehnladei, ein auf kurze Zeit gedungener Be:
diente, Lehn-, Miethladeiz das Lehnpferd, Miethpferd; der Lehnfaß, in
der Denkiehre, ein aus einer andern Wiſſenſchaft entlehnter Satz, Hülfſatz, (fr,
Lemma),
lehren, ziel, 3w, (geth. laisjan, altd. leran, leren; ſchwed. lära, tan,
lärez urfpr, u. noc) landſch. laut reden, fchreien ?), überh, durch mündlichen
Vortrag, uneig, auch fchriftlich od. auf jede andere Weiſe, gewiffe Wahr—
heiten, Kenntniſſe, Fertigkeiten ꝛe. Andern mittheilen oder beibringen,
entg. lernen; 1) ohne Zielwort (der Prediger lehrt auf der Kanzel, der
Schullehrer in der Schule; Chriftus Lehrte öffentlich; 2) mit Bezeichnung des
Gegenftandes duch einen Infinitiv (er lehrt lefen, fihreiben, fingen,
tanzen 20,5 ſprichw. Noth Iehrt beten) od, durch ein Hw. im Acc, (eine Kunft
oder Wiffenfchaft lehren, d, i. darin unterrichten; uneig, Leiden lehrt Geduld;
das lehrt die Vernunft, die Erfahrung); 3) mit Bezeichnung der Perfon im
Acc.: einen —, d. is unterrichten, unterweifen (er lehrt feine Kinder) 3
4) mit Bezeichnung der Perfon und des Gegenftandeg zugleich; wird leg:
terer durih einen In fin, auögedrudt, fo bleibt die Perfon allgemein im Acc.
(3. B. er lehrt das Kind, ihn ꝛc. Schreiben, rechnen, tanzen 26,5 einen Hund
tanzen, einen Vogel pfeifen Ichren ; uneig. Volksſpr. ich will dich freien, ſchla—
gen lehren u, dgl., als ironisch drohendes Verbot f, du ſollſt nicht fehreien 2.) 5
*
42 lehren
wird aber ber Gegenftand durch ein Hw. im Acc. ausgedrückt, fo fordert
die neuere Sprachlehre nad) der herrfchenden Analogie den Dat, ber Perſon
(alſo: ich Ichre dir die Sprache, das Rechnen und Schreiben; er lehrt mir
(nicht mid) vie. Muſik; da man aud im Paffiv fagtz dir wird die Sprache,
mir wird die Muſik gelehrtz nicht: ich werde die Sprache gelehrt; doc) hat fich
ber Sprachgebrauch noch keinesweges durchgängig diefer Regel gefügt, die zwar
theoretifh, aber nicht gefchichtlich begründet iſt; die Altere Spradye verbindet
lehren durchaus mitdoppeltem Acc, z. DB. nod) Luther: lehre mich deine
Rechte; lehret foldhes eure Kinder u, dglez vergl. das allgemein übliche: einen
etwas fragen), — Gtatt des Mw. gelehrt in Verbindung mit einem Infin,
den Infin. Lehren zu fesen (nad) Art von dürfen, können ꝛc. vergl, d,) ift weder
allgemeiner, noch nahahmenswerther Sprachgebrauch (alfo nicht: er Hat mic,
ſchreiben Lehrenz ich habe dich ihn kennen lehren, fondern gelehrt);
landſch. une. lehren f, lernen, 1. 8,5 — das Mw, gelehrt als Biw,, f. ge:
lehrt; — das Lehr, 5, M. -e, bei Handw, und Künftlern, ein Maf,
Mufter, eine Form (vergl. Kugellehr), gew. die Lehre; die Lehre, M. -n,
die Handlung des Lehrens, Bebehrung, Unterricht, Unterweifung (durd)
Lehre und Beifpiel erziehen; die Kinderlehre, ſ. d,)5 der Zuſtand des Belehrtz
werdens oder Lernens, bef. bei Handw. und Künftlern (bei’einem Meijter in
der Lehre fein oder ftehen 5 einen Anahen in die Lehre geben 2c.)5 was gelehrt
wird, der Lehrftoff 08: = Gegenftand, das — insbeſ. eine vorae=
tragene Wahrheit, Erfenntnifs, Meinung (neue, Miſche ehren u, dgi.),
aud eine Berhaltungsregel, Borfchrift zum Handeln (einem gute Lehren
geben; das kann ihm zur Lehre dienen; es foll mir eine Lehre ſein); ferner der
ganze geordnete Umfang der Wahrheiten und Vorſchriften einer Urt, jede
Wiſſenſchaft, fofern diefelde mündlich od. ſchriftlich dargeſtellt od, gelehrt wird
(in 3fes, wie: Glaubens-, Sitten-, Vernunft», Natur-, Sprachlehre 2c,)5
bei Handw, u, Künſtlern: ein Maß, Mufter, eine Form (fr, Modell) zur
Unterfuhung und Beftimmung der Größe u, Beſchaffenheit eines Dinges (vergl,
Lehr), 3. B. Maur, das Bogengerüft, über welchem Bogen u. Gewölbe aufge:
führt werden (die Bogenlehre, der. Lehrbogen), verfüiedene Mefswerk:
zeuge der Schloffer, das Strickholz od. Stridbrett der Jäger, u. Fiſcher 2.5 —
3 feg. v. lehren: das Lehramt z die Lehranftalt, finnv, Unterrihts- Anftalt,
Schule; die Lehrart, od, =weife, fr. Methode; die Lehrbegierde, Begierde
zu lehren z Begierde nad) Lehre od, Unterricht, b. Lernbegierde; lehrbegierig,
[2
Bw., begierig zu lehren; od, belehrt zu werden, b. lernbegierig der Lehrbe⸗
griff, der ganze Umfang eines wiffenfhaftlich geordneten Lehrftoffes, fr. Syſtem
der chriftliche Lehrbegriff); auch ein Eurzer Abriſs einer Wiffenfhaftz der Lehr
bogen, f. 0, Lehrez der Lehrbote, f. das fr, Apoftelz der Lehrbraten oder
das Lehrefien, Handiv., ein Schmaus, den die Lehrlinge geben, wenn fie Ge:
fellen werden; der Lehrbrief, belehrender Brief (didaktifche Epiftelz die Lehr:
briefe der Apoſtel); Handw,, fhrifilihe Urkunde, welche bezeugt, dafs ein
Lehrling ausgrlernt z; das Lehrbuch, ein Bud), worin eine Wiffenfchaft oder
Kunft gelehrt wird, bef, in gedrängter Darftellung (fr, Compendium); der
Lehrburſche, f. v. w. Lehrling, ſ. u.zʒ der Lehrdichter, lehrender (fr. didak:
tifher) Dichter z die Lehrdichtung, belehrende Dichtkunſt (fr, didaktiſche Poefie) 5
auch j. v. w, das Lehrgedicht, ein befehrendes (fr, didaktifches) Grdichtz die
Lehrfabel, ſ. Babelz lehrfähig, Bw, fähig zu lehren; die Lehrfaͤhigkeit;
—
BER lei 43
die Lehrfreiheit, Breigeit bffentlich zu lehren ohne Beſchränkung des Gegen:
ftantes od. der Form, entg, Lehrzwang;z die Lehrgabe, natürliche Anlage zum
Lehren; der Lehrgang, ſ. 0. w. Lehrart,-weiſe,‚-plan; auch ein den Be—
dürfniſſen der Lernenden angepaffter Theil od. Abſchnitt eines vorgetragenen Lehr—
gegenftandes (fr, Gurfus); das Lehrgebaude (fr. Syftem), ſ. Gebäude; dad
Lehrgedicht, f. unter Lehrdichtungz der Lehrgegenftandz; das Lehrgeld,
Bezahlung für den Unterricht eines Lehrlings; uneig, Lehrgeld geben od, bezahlen
müſſen, d, i. durch Schaden Eiug werden 5 dad Lehrgeruͤſt, Bauk., Lehrbogen
zu großen Gewölbenz der Lehrherr, bei Künfttern u, Kaufleuten, der Vorge:
feßte eines Lehrlings (fr. Principal) 5 bet Handw. gew, Meiſter; das Lehrjahr,
M. Lehrjahre, die Sahre, welche ein Lehrling in der Lehre zubringt, die Lehr:
zeitz der Lehrjunge, gem, fi Lehrlingz der Lehrfreis, der Kreis von Zuhb—
rern, Schlilern, Lehrlingen, in welchen Semand lehrt; auch ein zufanımengeords
neter Inbegriff mehrer Wiffenfhaften ; die Lehrkunft (fr. Didaktik); die Lehr—
meinung, ein für wahr angenommener u, aufgeftellter Sag, bef. in der Glau:
benelehre (fr. Dogma); der Lehrmeifter, die Zehrmeijterinn, überh. f. Lehrer,
Rehrerinn in Bezug auf den Lernenden; bef, ein Handwerfömeifter in Bezug auf
den Lehrling z das Lehrmittely die Lehrordnung; der Lehrplan; lehrreich,
Bio, reich an belehrenden Wahrheiten, bef, für das Verhalten; der Lehrfaal,
die Lehrftube, das Lehrzimmer; der Kehrfaß, jeder Sat, der eine Lehre,
eine wiſſenſchaftliche Wahrheit od, Behauptung enthält (fr, Dogma, Theorem) 5
die Lehrſchrift, Schrift von belehrendem Inhalt u, Zwed; die Lehriparren,
Zimmerl., Sparren, welche die Lehre, d. i, die Form des Daches angeben; der
Lehrſpruch, ein Spruch, welcher eine Lehre für das Verhalten, eine Lebens:
od. Sittenregel enthält, Sittenſpruch (fr. Sentenz, Gnome) ; der Lehrftand,
-Stand des Lehrers und die Gefammtheit der demfelben anaehörigen Perfonenz
die Kehrftelle; der Lehrſtoff; das Lehrſtuͤck, Abſchnitt od. Theil eines Lehr⸗
ſtoffes; der Lehrſtuhl, erhöheter Sitz des Lehrers (fr, Katheder, Kanzel); uneig,
f. Lehrſtelle, Lehramt (einen neuen Lehrſtuhl für eine Wiſſenſchaft errichten);
die Lehrſtunde, Uunterrichts-, Schulſtunde; der Lehrvortrag; die Lehrwand,
Waſſerb., Wände vor einem Wehr, welche dem Fluthbette ſeine Geſtalt und
Feſtigkeit geben; der Lehrweg, die Lehrweiſe, ſ. v. w. Lehrgang, Lehrart;
lehrwidrig, Bw., einer Lehre widerſprechend; die Lehrwidrigkeit; der Lehr—
zwang, 1. 0, Lehrfreiheit; — Ableit. der Lehrer, -8, die Lehrerinn,
M. - en, wer etwas lehrt (Sprach-, Schreib, Zeichenlehrerz Haus-, Kinder:
lehrer) z bef, wer ein öffentliched Lehramt bekleidet (ein Schullehrer; ein Leh:
ver der Rechtswiſſenſchafl 20); daher der Lehrerfiand, die Lehrerftelle ꝛe,
f. v. m. Lehrſtand 2c.5 der Lehrling, —es, M. -e, (für beide Geſchlechter)
überh. wer unterrichtet wird, wer lernt, ſinnv. Schuler; gew. in engerer
Bed. wer bei einem Handwerker oder Kuͤnſtler in der Rehre ift, gem, Lehr—
burfche, sjungez lehrbar, Bw., was gelehrt werden kann; die Lehrbar—
keit; lehrhaft, Bw., vlt., ‚gefchisft und geneigt zum Lehren; Ichrreichz
lehrfam, Bw., felten, Neigung zum Lehren yabend, gern lehrend; auch:
willig Rehre annehmend; die Lehrfamfeit. |
lei, ehem. gew. Ley gefchr., urfpr. ein weibl. Hw. die Lei (alte. leige,
oberd. laij, holl. ley, ſchwed. led), der Weg, die Urt und Weiſe, die Gat—
tung; jegt nur in Form einee Endſ. zgef. mit dem weibl. Gen. von Zah
und Fürwörtern zur Bildung unbiegfamer Beiwbrter, welde die Art
44 | Rei Leib
od. Befchaffenheit bezeichnen, z. 8. einerlei (d. i. einer Art), zweier-, dreierlei,
beiderleiz fo auch von undiegf. Zahlw. mit Einſchaltung derſelben Endung er:
ſechſerlei, zwanzigerlei, hunderterleiz ferner: aller, vieler, mancher, Xei-
nerlei 3. B. Geld, Dinge, Menfhen ꝛc.z bie Zfeg. mit Fürwbrtern, z. B.
derlei, dieſerlei, welcherlei, folherlei, meiner, deinerlei zc. find großentheils
vlt. u. nur noch landſch., bef. oberd.; ber Beugung find alle Bildungen diefer
Art unfähig (alfo nicht: mit manderleien Waaren, fondern: mit manderlei
Waaren u. dgl.)
Lei, fe, -e6, Mi. -e, landſch. f. Decke, Schirm, vergl. Lee,
Leib 1., m., —es, M, -er; Verkl. das Leibchen, (altd.lib, lip, f.
Leben, Leib, Perſon; niederd. lik; engl. life, Leben z v. leben, f. d.) 1) ein
beſeelter thier, oder menfchl. Körper, f. d., entg. Seele (dev Menſch beiteht
aus Leib u, Geelez die Glieder des Leibes; feinen Leib od. feines Leibes pflegen z
gut bei Leibe fein, d. i. wohlgenährt, fleiſchigz bei lebendigem Leibe, d. i. wäh—
send man noch lebt; auch: bei Leibes Lehenz einem zu Leibe gehen, d. i. ihn
angreifen; bleib mir vom Leibe, d. i. nähere dich mir nicht, berühre mid) nicht;
Leib u. Leben daran wagen, verlieren 20.5 bisw. fteht im Leibe alö überflüffie
ger Zuſatz um des Nahdruds willen, z. B. das Herz im Leibe thut mie weh3
er hat Fein Herz im Leibe); in engerer Bed. der Theil des Leibes zreifchen den
Urmen und Beinen, der Numpf (einen um den Leib faffenz einen ſchlanken
Leib Haben); in noch engerer Bed, der Unterleib, als edlerer Ausdruck f. Bauch,
entg. dem Oberleibe od. der Bruft (z. B. ein dider, aufastziebener Leib; Schmer—
zen im Leibe haben; offnen Leibes fein; gefegneten Leibes, d. i. ſchwanger, feinz
vergl. Mutterleib)5 uneig. der Theil eines Kleidungsſtuͤckes, welcher den
Rumpf bedeckt (dev Leib eines Hemdes; das Kfeid ift im Leibe zu weit); aud)
ein felbftändiges Kleidungsſtuͤck ohne Armel, welches diefen Theil bedeckt
(Bruft:, Schnürleib 26), bei. dad Leibchen, ein Furzes, knappes Klei⸗
dungeftück der Frauen; 2) die Perſon, der ganze Meñſch ſelbſt, vlt. u.
landſch. (3.8. ein Lehen auf drei Leib, d. i. bis auf den Enkel; etwas für feinen
eigenen Leib halten, d. i. für feine eigene Perſon), außer in Zſetz. wieteibarzt,
z pferd, =gericht, Leibeigen, u, dgl, [. wm; 3) dad Leben, vlt. (4. B. den
Leib verlieren), außer in der Redensart: bei Leibe nicht! als warnendes
Derbot f. bei deinem Leben nicht, ja nicht, wenn dir dein Leben lieb ift; u. in
Zſetz. wie Leibrenten, ſ. u. — Zſetz. mit Leib: die Leibbiene (vielleicht
v. anderm Stamm?), ein Bienenſtock, den man zur Zucht ſtehen läſſt, auch
der Leibſtock, Mutterſteock, Stammſchwarm; die Leibbinde, Binde um den
Leib; der Leibdienft, perfönticher Frohndienſt; leibeigen, Bw., mit feinem
Leibe, d. i. feiner Perfon, einem Andern als Eigenthum angehdrig, aud) hörig
(f. d.), eigen; daher: ein Zeibeigener, der, die Leibeigene, als Hw.; die
Leibeigenfchaft, der Zuftand, das Berhältnifs der Leibeigenen; dad Leibeigen-
thum, Eigenthumsrecht über die Perfonz der Leibfäll, landſch., Rückfall des
Gutes eines Leibeigenen nad) deſſen Tode an den Eigenthumsherrn; leibfällig,
Bw., dem Leibfall unterworfen (leibfüllige Güter, f. v. w, Fallgüter, Schupf:
leben); die Leibfarbe, Fleiſchfarbez ſ. auch u.5 dad Leibgedinge, (vergl.
Gedinge), ausbedungener Unterhalt auf Lebenszeit, bef. für die Gemahlinnen
vornehmer Perfonen (das Witthum); auch die Güter, auf welche diefer Unter—
halt angewiefen iſt; ferner Unterhalt, Wohnung und was außerdem ein Bauer
bei Abgebung feines Bauerhofes ſich von feinem Nachfolger ausbedingt, die Leib:
*
: Leib 45
zuchtz auch f. Leibrente, f. d.5 das Leibgeld, jährliche Abgabe der leibeigenen
Unterthanen an den Leibesheren, aud der Leibpfennig, = fchilling, u. wenn
die Abgabe in Natur > Erzeugniffen entrichtet wird: das Leibhuhn, die Zeib-
gan, der Leibhafer zx. genannt; dad Leibgeld auch landſch. f. Kopffteuer,
Perfonengeld; die Leibguͤtte, f. v. w. Leibgedinge, Leibrente; der Leibgurt,
od. =gürtel; dad Leibgut, ein zum lebenslänglichen Unterhalt oder zum Leib:
gedinge Jemand angewiefeneg Gut; ber Leibherr, f. u. Leibesherrz die Leib—
pacht, Pacht uf Lebenszeit; dad Leibrecht, ſ. v. w. Leibeigenthum ; die Leib⸗
vente, gew. M. Leibrenten, auf Lebenszeit zu geniegende Einkünfte; bef.
erhöhete Binfen, weldye man fid) von einem daraeliehenen Stammgelde auf Le:
benszeit ausbebingt, dagegen das Stammgeld nad) des Verleihers Tode dem
Zinsgeber zufälltz der Leibrod, ein Rod, welcher bloß den Oberleib bededt,
Frack; entg. Überrock; die Leibſchaar, eine Soldaten Schaar, welche die Per:
fon des Herrn bewacht, Leibgarde; der Leibfihmerz, das Leibfchneiden,
Leibweh, Schmerzen im Unterleibe, gem. Bauchſchmerz zc.5 der Leibſtock,
f. o. Leibbiene; der Leibftuhl, anftändiger' als: Nachtſtuhlz die Leibwache,
Schutzwache für die Perfon eines Fürften, Garde; die Leibwäfche, Wäſche,
welche man am Leibe trägt, z. U. v. Bett:, Tiſchwäſche 2c.; dad Leibzeichen,
oberd. Nſpr., gerichtlich erkanntes Zeichen gewaltfamer Ermordung an einem
Leichnam; die Leibzinfen, f. v. w. Leibrenten, ſ. 0.3 die Leibzucht, ſ. Leib:
gedinge; daher der Leibzuͤchter, ein Bauer, der gegen ein Leibgedinge feine
Wirthfchaft einem andern übergeben hatz der Leibzwang, Stuhljwang 5; —
in vielen Zſetz. zeichnet das vorgefegte Leib diejenigen Perfonen, Thiereu. Dinge
aus, welche unmittelbar u. auöfchlieglich die Perfon eines Fürſten ac, bes
dienen oder für diejelbe gehalten werden (verih. Hof, ſ. d.), z. B. der Leib-
arzt, =bäder, =jager, =Foch, =Fürfchner‘, = Eutfcher, -lackei, = fchnei=
der, =fchufter, -ſchuͤtz, -wundarzt, die Leibwäfcherinn; der Leibhund,
dad Leibpferds; der Leibwagen 2.5 in weiterer Anwendung bezeichnet das
vorgefegte Leib im gemeinen Leben überh. ſolche Dinge, die irgend einer Per:
fon vorzüglich Lieb od, angenehm find, f. v. w. Lieblings: (f. d.), z.B. das
Leibefien, = gericht, die Leibfpeife, f. v. w. Lieblingsefien 2c. (es ift mein
od. fein 2c. Leibgericht); ſo auch : die Leibfarbe, dad Leibgetraͤnk; der Leib—
fuchen, Lieblingstuhenz. landſch. ein zu Neujahr aus feinem Weizenmehl ges
badener runder Kuchens der Leibfpruc), Wahlſpruch (fr. Symbolum, Devife) 5
das Leibftück oder-ſtuͤckchen, Lieblingsſtück, z. B. von einem Braten 5 vor-
züglich beliebtes Tonſtück, u. dgl. mez — Zſetzz. mit Leibes: die Keibesbe=
ſchaffenheit (fr. Sonftitution); dieLeibesbewegung ; die Leibesbuͤrde, Lei—
besfrucht, ein Kind im Mutterleibe; der Leibeserbe, Sohn od, Tochter als
Erbe, leiblicher Erbe; aud) der Erbe eines Eigengutes (fr, Allodiel: Erbe) z. U. v.
Lehnserbe; der Leibesfehler, das Leibesgebrechenz die Leibesgefahr, Le:
benegefahr; die Leibesgefchicklichkeit ; die Leibesgeftalt, = größe, = längez
der Leibesherr, vlt., Herr eines Leibeigenenz; die Leibeskraft, körperuche
Kraft oder Stärke, entg. Sceelenkraftz beſ. M, aus Leibesträften, ni,
fo ſtark man kann; das Leibesleben, entg. dem Geiſtesleben (bei Leibesleben,
d. i. bei Lebzeiten); die Leibesnahrung, = pflege, = forgez die Leibesſtaͤrke;
die Leibesftrafe, am Leibe volzogene Strafe, Züchtigung, verſch. Lebensftrafez
die Leibesuͤbung, körperliche Übung zur Beförderung der Gefundheit, Stärke
und Gewandtheit (fr. gymnaſtiſche Ubung); — Ableit, leiben, Zw. 1) ziellos
46 R Leib, — Leiche ,
m. haben, einen Leib haben, leiblich dafein oder befchaffen fein; nur in
der Nedensart: wie erleibtundlebt, d, i, wie er geftaltet ift und ſich be:
wegt; 2) rüdz. fich —, landſch. f. an Leibe zunehmen, wachfen, vergl, belei-
ben; leibhaft od. leibhaftig, Bw., (altd, liphaft, Yebendig) mit einem Reibe
verfehen, in finnlicyer Geſtalt, perſoͤnlich, in eigner Perfon, (der leibhaf—
tige Teufel; er ift es Leibhaftig); wirklich, wahrhaft, bis zur Täufchung
aͤhnlich (er ift das leibhafte Bild feines Vaters, od, ber leibhaftige Vater); Die
Leibhaftigkeit, ſinnliche Lebendigkeit u. Unfchaulichkeit (z. B. einer Eünft:
leriſchen Darftellung); leibig, Bw., einen Leib habend, landſch. f. wohlbe—
leibt; außerdem nur in Zſetz wie dick-, hartleibig ec.z leiblich, Bw. u, Nw,,
dem Leibe nach, dem Leibe angehoͤrig, denſelben betreffend od. in ihm ge—
gruͤndet, ſinnv. Eörperlich, entg, geiftig und geiſtlich (in leiblicher Geftalt 5 Leib:
liche Eigenſchaften; etwas mit leiblichen Augen fehenz der leiblihe Tod, dr i.
der natürlihe, zeitliche, entg, dem ’geiftlichen, ewigen) 5 in weiterer Beb., bef.
bibl. der Koͤrperwelt angehörend, finnv, irdiſch, zeittich (leibliche Güter, Dinge);
von einem Leibe, d. i. einer Perfon, Förperlich genommen, audgehend (ein
Yeiblicher Eid, f. Eid), herrüihrend, erzeugt, u. in diefer Herkunft gegriindet,
dem Leibe nach zuſammenhangend (leibliche Kinder, Altern, Gejchwifter, entg.
Stieftinder 2c.5 ein leiblicher Exbe, ſ. v. w. Leibeserbe, ſ. 6); die Leiblichkeit,
das Reiblichfein, die leibliche Befchaffenheit,
Leib ?2., m., ſ. Laib.
Leich 1., m., —es, M. -e (altfranz. lai, engl, lay; verw, mit Zei, leige,
Meg, Weife (f. lei), od, von dem altd, leichen, oberd, la ichen, fpielen ?), in
der Minnefängerzeit eine Gattung fingbarer Gedichte, aus ungleihförmigen
Versſätzen beftehend und durch diefe ungebundene Form von dem Liede unter:
ſchieden.
Leich 2., fe ed, M. -e, (oberd. Laichz von leichen, laich en, ſpielen;
n. A. v. leige, Weg; celt, leuga, franz. lieue), landſch., beſ. in Thüringen u,
Franken, der ebene Pla zum SKegelfpiel (Kugelteich 5 das fange, oder Eurze -
Leich, |. v. w. Lang-, Kurzſchub)z in weiterer Bed, ein Streif Landes an der
Grenze; eine Gaſſe (4. B. das Endleidh in Erfurt); ein Maal eder Ziel
beim Ballfpielen, Wettlaufen u, dgl. (das Leich geben, abfteden ꝛc.).
Leich 3., m. od. ſ.; die Leiche, Leichen, die Leichzeit ꝛc., ſ. Laich.
Leiche, w., M. -n (goth, leik, altd. lih, liche, Fleiſch, Leibz altniederd,
liek, daher Liekteken nicderd, f Narbe), urfpr, überh, der menfchliche Sörz
per, lebend od. todt, das Fleifch (daher Leich dorn, ſ. u.)z jest nur der
entfeelte Körper eines Menfchen, bis, auch eined Ihiered, bef. fofern er
beerdigt werden foll (die Leiche begleiten, näml, zum Grabe); aud f. Reichen
begängnifs (eine große Leiche; zur Leiche gehen; einen zur Leiche bitten); uneig,
Buchdr. ausgelaffene Stellenz Nadl. mifsrathene Nadelköpfez — Zſetz. das
Leichbier, der Leichtrunk, oberd., Alles womit die Leichenbegleiter im Sterbes
haufe bewirthet werden; der Leichdorn, (niederd, Liekdoorn, ſchwed. liktorn ;
f. o), ſ. v. w. Hühnerauge, ſ. d. vergl, Dorn; dad Leichhuhn, ſ. u, Leichen:
eulez der Leichkorb, landſch. f. Todtenbahrez der Leichnam, — es, M-e
(altd, lih -hamo, lichamo; feltner lihnamo, lichname; niederd, Licham; v.
lih, Leib, und ham, Hülle, Dede (vergl, Hemd); alfo eig. Leibeshüllez isländ.
likamr, Haut), urſpr. überh. der Leib eines Menſchen, lebend od, todt, (daher
noch ſcherzh. feinen Leichnam pflegen u, dgl.)z gew. der todte Körper eines
leihen — leicht 47
Menſchen, allgemeiner als Leiche, welches beſ. den Körper eines kürzlich Ver—
ftorbenen bezeichnet vor u, bei der Beerdigung; — der Zeichenader, Begräb—
niſsplatzz; leichenartig, ſ. v. w. leichenhaft, ſ. u.; das Leichenbegängnifg,
feierliche Leichenbeſtattung; dans Leichengepraͤnge; der Leichenbegleiter,
-folger; die Leichenbegleitung; der Leichenbitter, Einlader zur Leichen—
begleitung; leichenblaß, =weiß, =fahl, blaſs wie eine Leiche, ſehr blaſs;
die Leichenblaͤſſe; das Leichenbuch, Todtenverzeichniſs in der Kirche; der
Leichenduft, = geruc) ; die Leicheneule oder das Leichenhuhn, Nachteule,
große Baumeule, deren Gefhrei ald Vorbedeutung eines Sterbefalls giltz daB
Leicheneffen, =mahl, der Leichenſchmaus, feierlihe Mahlzeit nad) einem
Leihenbegängniffesz die Keichenfeier, Todtenfeier 5 das Leichenfeld, mit Leichen
bedecktes Schlachtfeld; die Leichenfrau, Tedtenwäſcherinn; das Leichenges
Dicht, Trauergedicht, Lobgedicht auf den Verſtorbenen; das Zeichengefolge,
-geleit; das Keichengerüft, ein mit Decken behängtes, geſchmücktes Gerüft,
auf welches der Sarg geftellt wird (fr, Katafalk); der Leichengefang, Trauerz/
gefang, Grabgeſang oder = lied; dad Leiihengewand, =hemd, -kleid; die
Leichengruft, das Leichengewoͤlbe; die Zeichenhalle, das Leichenhaus,
die Leichenfammer, Haus, Kemmer zur Aufbewahrung, auch wohl zur Zerz
gliederung von Leihen; die Leichenferze, -fackel; die Xeichenkoften, Bes
gräbnifekoften; das Leichenkraut, Waffergarbez die Leichenöffnung, ärzt:
liche od, gerichtliche ffnung einer Leiche (fr, Section, Obduction); Die Leichen⸗
rede, beim Leichenbegängniſſe gehaltene Trauerrede, Leichenpredigt, wenn ſie
von einem Geiſtlichen in Form einer Predigt gehalten wird; der Leichenredner,
-predigerz die Leichenſchau, -beſichtigung, =unterfuchung, gerichtl. Un:
terfuchung einer Leiche, um die Todesart zu ermitteln; der Keichenfchleier, das
Leichentuch, worein eine Leiche gehüllt wird; der Leichenfchmüder, die
Leichenſchmuͤckerinn, wer die Leihen wäſcht u. Eleidetz die Keichenftatt od.
eftätte, Beftattungsort der Leihen; der Reichenftein, Denkftein auf einem
Grabe, Grabſtein; der Leichenträgerz der Leichenwagen, Wagen, auf wel-
chem die Leichen zu Grabe gefahren werben ; der Leichenzug, feierlicher Zug der
Leichenbegleiter — Ableit, leichenhaft, Bw., einer Leiche aͤhnlich, leichen⸗
artig. ;
leichen,, 3w, 1, ſ. laihenz 2. ziellos (aud) Laichen), ſchwäb, u, ſchweiz. f.
ftinfen; 3, ziel, (auch liechen, lüchen, altd, Jiuhhan) oberd, u. ſchweiz. f. auk—
raufen, rupfen (Flachs, Heu 2c,); aushauen, lichten (einen Wald).
Leichnam, ſ. unter Leiche.
leicht, Bw., Comp. leichter, Sup, leichteft, (altd. lihr, lihte; niederb,
licht z angelſ. leoht, engl, light; ſchwed. lätı, dän, lär; Tat, levis; v. lichten,
nieberd, liften, engl, lift, Tat, levare, heben), eig, geringe Schwere habend,
fo dafs es den Mittelpunkt der Schwere zu flichen feheint, wie Dünfte, das
Feuer, 26,5 überh, einen verhältnifsmäßig geringen Grad der Schwere ha—
bend, entg. ſchwer (leicht wie eine Federz Holz ift leichter als Eifen, Eifen
leichter ald Bleiz Leihtes Gewicht, 3. B. das Krämergewicht, in Vergleich
mit dem Fleiſchergewicht; auch f. nicht vollwichtiges; ſo auch: leichtes Geldz
leichte Kleidung, Bewaffnung u. dgl.z daher leicht gekleidet fein, d, i, in
wenige u, dünnere Kieidungsftüdez Leichte Reiterei, d. i. leicht bewaffnete) 3
uneig. fi) rafch, ungehemmt, ohne Unftrengung oder Zwang bewegend,
Feinen Zwang verrathend (leichtes Blut 5 ein leichter Gang, entg. einem ſchwer—
48 leicht
fülligen, plumpenz leichte Füße haben; Teicht tanzenz eine leichte Hand haben;
eine leichte Sprade, Schreibart, d, i. eine ungeziwungene, gefällige)z; in fitt
lichem Verftande: von Angſt u. Sorgen befreit, munter, lebhaft (das Gerz
wird mir leicht z ein leichter Sinn), auch f. leichtfinnig, leichtfertig (er ift etwas
leichtz eine leichte Perfon u, dgl.)3 ferner: einen geringen Grad innerer
Stärfe habend, finnv, ſchwach, gelind (ein leichter Schmerz; eine leichte
Strafe; ein leiter Schatten auf einem Gemälde); wenig Mühe, Anſtren—
gung, Überwindung erfordernd, (eine leichte Sache; eine leichte Sprade, d, i.
die leicht zu erlernen iſt; das ift leicht, etwas Leichtes; einem etwas Leicht
maden, d.i, erleichtern), haufig mit nachfolgendem zu und einem Inf. (z. B.
das ift leicht zu Jagen, zu thbunz die Sprache ift leicht zu lernen 2c,)5 als Nw,
ohne Mühe od. Schwierigkeit (das Fann ich Leicht fagen, thun 26,5 man Eann
ihn leicht zernig machen; du kannſt leicht denken, dafs ꝛc.), oft auch zur Be—
zeichnung der MöglichFeit od. Wahrſcheinlichkeit, od, zur Verftärkung diefer
Begriffe, finnv, wohl (das Tann Leicht fein, ift leicht möglich; wie leicht ift ein
Unglück gefhehen!), daher: nicht leicht, ſ. v. w. fchwerlich, kaum, felten
(eine fo gute Gelegenheit kommt nicht leicht wieder); — Zſetz. leichtbeflügelt,
= befchwingt, =geflügelt, leichtbewaffnet u, dal, Bw.; leichtblütig, Bw,
(fr. fanguinifcy); Die Leichtbluͤtigkeit; leichterdings, Nw,, oberd, f. leicht,
ohne Mühe; leichtfährig, Bw., leicht oder fehnell fahrend (von Fahrzeugen);
Yeichtfertig, Bw., eig. ſich mit Leichtigkeit bewegend, hurtig, raſch, in dieſer
Bed, nur noch niederd. (gem, lichtfardig od, = farigz ein leichtfertiger Gangz bie
Arbeit geht ihm leichtfertig von der Hand); uneig, unbefonnen, unbedachtſam,
vorſchnell (ein leichtfertiges Urtheil, Benehmen u. dgl); unüberlegt Handelnd,
bef, gern luftige Streiche machend, doch ohne böslihe Abficht, finnv, Leichtfinnig,
muthwillig (ein leichtfertiger Knabe); ohne gehörigen fittlichen Ernft, ohne ſitt—
lihe Strenge, nicht fittfam, ſinnv. frei (ein Leichtfertiges Frauenzimmer); die
Leichtfertigkeit, das Eeichtfertigfein, ſinnv. Leihtfinn, Muthiwillens Unfitt-
lichkeitz aud) eine leichtfertige Handlung ; leichtfluͤſſig, Bw., leicht in Fluſs
gerathend, leicht ſchmelzend, entg. ſtrengflüſſig (Metalle) ; die Leichtfluͤſſigkeit;
leichtfüßig, Bw. G. B. ein leichtfügiger Tänzer), uneig. f. leichtfertig, Leichte
finnig; die Leichtfüßigfeitz leichtglaͤubig, Bw., leicht und ſchnell und ohne
Prüfung glaubend; die Leichtgläubigfeit,; das Leichtholz, eine Art des
Stahlbaumes mit fehr leichtem Holz; der Keichtfinn, leicht bewegliche, flüchtige
Denk: und Gemüthsart, als fehlerhafte Eigenſchaft (verſch. leicht er Sinn),
unüberleate Handlungsweife; die Geneigtheit, aus vorſätzlicher Unterlafjung der
Überlegung wichtige Dinge für unwichtig zu nehmen, Mangel an Ernft u, fefter
Geſinnung; leichtfinnig, Bw, , Leichtſinn befigend, darin gegründet, finnv,
Yeichtfertig, flatterhaft, (ein Leichtfinniger Menſch, leidhtfinnige Reden); die
Reichtfinnigfeit, das Leihtfinnigfein, ſinnv. Leichtfertigkeitz auch eine leicht:
finnige Handlung ; — Ableit. die Leichte, Leichtheit, gew. (u, in uneig.
Bed, ausſchließlich) Leichtigkeit, das Leichtſein, die leichte Befchaffenheit,
eig (z. B. eines Körpers, Gewichtes 2c.), u. uneig. in allen Bed. v. leicht (3. B.
des Ganges, einer Sache), geringe Mühe od. Schwierigkeit (die Leichtigkeit
einer Sprache; feine Leichtigkeit zu fhreiben u, dgt.); leichten, ziel. Zw. 1) fel-
ten fs leicht machen; 2) (m. U, feuchten; vielleicht verw, mit laden, hauen)
Landfch. f. verfchneiden (Lüämmer) ; daher die Leichte, landſch. f. Verfchneidung
der Schafe; leichtern, ziel. 3m, , vlt, f. leichter machen, erleichtern, Gibl.
h leichtere
leid 49
teichtere das Zoch 2c.)5 leichtlich, Nw. von leicht, meift vlt. f. ohme Mühe,
ohne Schwicrigfeit,
leid, Bw,, Comp, leider und Sup, leideft felten gebr,, (altd, leit, leide;
oberd, faib, ſchwed. led u, angelf, lath, zornig, hafslichz ital, laido, franz,
laid, häſslichz wahrſch. verw, mit ver=-Legen, lat, laedo; alfo eig, verlegend),
ehem, überh. eine unangenehme od, fchmerzliche Empfindung verurfachend,
daher f. häfslich, abfcheulich, befchwerlich, betriibend (ein Leider Anblick,
die leiden Gäſte u, dgl.)5 jest nur in ungebeugter Form (leid) in Verbindung
mit fein, thun u, werden u, dem Dat, der Perfon f. Schmerz, innere
Unruhe, Neue erregend, entg, Lieb (fein Vergehen ift ihm leid, d. i. er be-
reut es; es ift od, thut mir leid, dafs es gefchehen ift, d, i, eö dauert od, reuet
mich; es wird ihm einmal leid werben z es thut mir leid um ihn, d, i,ich bedaure
ihn 5 laſs dir das nicht leid Eu 2c.)3 gebeugt wird es nur in der Form eines ſächl.
Hw,: Leides oder ein Leides in den Redensarten: einem Leides thun,
d. i. ihm Leid zufügenz fich ein Leides thun, d. i. ſich ein Übel zufügen, bef,
fi) ums Leben bringen ; — das Leid, — es, 0. M. (oberd, Laid, niederd, Leed,
ſchwed. led) 1) (altd, daz leit) was fehmerzliche Empfindung erregt, ein
Übel, eine Kränfung, Beleidigung (einem ein Leid thun, gew. ihm etwas zu
Leide thunz es fol dir kein Leid gefchehen, widerfahren zc,) 5 2) (altd, diu
leide) die ſchmerzliche Empfindung uͤber etwas Geſchehenes, über eine Wi—
dermwärtigkeit, einen Verluſt 2c,, ſinnv. Kummer, Gram, Betruͤbniſs, entg.
Freude (Freud' u, Leid mit einander theilen; einem fein Leid klagen); in engerer
Bed, Trauer um einen VBerftorbenen (um Semand Leid tragen); landſch. f.
Beileiddbezeigung (das Leid einnehmen), auch f, Trauerfleidung, Leichenbe—
gaͤngniſs, Leiche (im Leide gehen; das Leid begleiten ꝛc.)3 daher landſch. Zſetz.
wie Leidbbitter f, Leichenbitter; Leidhaus, Leidkleid, f. Trauerhaus,
= Heid 26,5 — leiden, Zw. (altd, lidan, liden f. leiden; leidon f. Leid verur:
ſachen; niederd, liden, ſchwed. lida, dan, lide) ablaut, Impf. litt, Conj. littez
Mw, gelitten; 1) ziellos m, haben, ehem, f. Leid verurfachen, leid oder
unangenehm fein (was Einem liebt, Veidet dem Andern)z jest: Leid, Körpers
0d, Gemüth3 = Schmerz empfinden, finnv, dulden (dev Kranke leidet ſehr;
an den Augen, an-der Gicht leidenz der Leidende Theil; mein Herz leidet da=
bei 2c,); Nachtheil, Schaden, Verluſt erfahren, ohne den Nebenbegriff der
fhmerzlihen Empfindung (er hat bei diefem Handel gelitten, d. i, verloren),
daher au) von Sachen (das Haus hat durch Feuer gelitten; die Bäume ha—
ben durch Froft gelitten 26,5 meine Ehre leidet darunter); überh, eine Veraͤn—
derung erfahren, indem man ſich unthätig (paffiv) verhält, entg. thun (das
leidende Ding, der leidende Theil, entg. dem thätigen; dieleidende Form,
b. Leideform, Sprachl. f. das fr. Paſſivum)3 2) ziel. etmad — als ein
Übel mit Unluft empfinden (Schmerzen, Hunger und Durft, Noth, Mangel,
Gewalt, Unredit, Strafe leiden); in weiterer Bed, etwas Nachtheiliged un—
soillfürlich erfahren, ohne den Nebenbegriff der Unfuft (Schaden, Verluſt lei-
den; der Unfchuldige mufs viel leiden); in noch weiterer Bed, etwas willfür=
lic) ertragen, dulden, gefchehen laffen, nicht hindern, zulaffen, erlauben
(das kann ic) wohl Yeidenz ich mag es nicht vor Augen leiden; ih mag ihn
wohlleiden, di. ich habe ihn lieb; entg, ih mag od. fannihnnidt
‘ teiden, di, er ift mir unangenehm, unerträglichz daher: in einem Haufe
wohl gelitten fein, d, i, gern gefehen z ſolche Unordnung darf ich nicht leiden,
Heyſe's Handwörterb, d, deutſchen Spr. 2, Theil. 4
50 | leid
di, zugeben; ich leide es nicht, dafs 2c,5 hier werden Feine Hunde gelitten
u, dgl, m,), uneig. auh von Sachen (die Sache leidet Teinen Auffhub, d i,
darf nicht aufgehoben werden); — das Leiden, -8, M. w. E., 1) der
Zuſtand ded Leidend (das Leiden Chriftiz im Leiden gebuldig fein); insbef.
Kummer, Betriibnifs über unglückliche Ereigniffez 2) ein Ubel, welches
Körpers od. Gemüthöfchmerz verurfacht (ein fehweres Leiden ertragen; Freu:
den und Leiden mit Semand theifen), finnv, Leid (ſ. 0,), welches mehr ein von
_ Menfchen zugefügtes Übel, ein erlittenss Unrecht bezeichnet; Leiden hingegen
ein verhängtes od, felbft verfchuldetes, 3, B. Krankheit, Mangel, Noth 20.5 —
3fes. von Leid: das Leidweſen, —s, 0. M., das Leidfein, Bedauern (zu
meinem Leidwefen); die Betrubnifs, das Wehklagen; — von Leid: der Keid-
bitter; das Leidhaus; das Leidkleid, ſ. 0, Leids fo auch: das Leideſſen
landſch. f. Leichenmahl; der Leidgefang, f. Zrauergefang; der Leidtag, f.
Zrauertags leidtragend, Bw., betrübt, trauernd um einen Verftorkenen,
beis als Hw, der, die Leidtragende ac. 5 leidvoll, Bw,, voll Leides, ſchmerz—
. voll; — von Leiden: der Leidensbecher od. =felch, ſ. d.5 der Leidens—
geführte, =genoffe; die Leidensgefährtinn ꝛc.; die Leivensgefchichte,
bef. die Gefchichte der Leiden Jeſu (fr. Paffionsgefhichte); das Leidensjahr,
Unglüdsjahrz der Leidenstag; die Keidenswoche, bef, die Woche, in welche
der Leidens und Todestag Jeſu fallt (die ftille Woche, Char-, Paffionswoche);
leiden3 = od, leidenvoll, Bw.; — Ableit, von Leid: leider (altd. leidor,
leidir, eig. Compar, von Leid: was nodj leider, d, i. fchlimmer ift), ein Empfin—
dungswort, weldes Bedauern oder Betruͤbniſs ausdrüdt (leider ift es ſoz er
ift leider todtz gem. auch leider Gottes! d, i, es fei Gott geklagt); — von
Leid: leidig, Bw., 1) vlt, f. Reid abend, tragend, betrübt (die Leidigen
f. Leidtragenden); 2) Leid, Unluft verurfachend, leidbringend, ſchaͤdlich,
Yäftig, beſchwerlich (das leidige Geld; ein leidiger Troſt, der feines Zweckes
verfehlt), haͤſſlich, abfcheulich, boͤſe (der leidige Geiz, Teufel); — von Lei-
den: der Leider, -8, wer leidet, nur in Zfeg, wie Mitleider, Hungerleider;
leidbar, Bw,, felten, was gelitten, ertragen werden kann; leidlich, Bw,,
was ſich ohne merffiche Unluft empfinden laͤſſt, ſinnv. erträglich (dev
Schmerz ift leidlich; eine leidlihe Wärme, Kälte); überh. f. mittelmäßig,
ziemlich gut (eine leibliche Geftalt, Stimme u, dgl. 5 fich Leidlic) befinden) ; die
Leidlichkeit, leidliche Befchaffenheit, Ertraͤglichkeit; leidſam, Bw., felten,
geneigt u. bereit zu leiden, geduldig leidend, ſinnv. duldſam; die Leidſam—
keit; leidentlich, Bw. (vom Mi, leidend; f. lich; vergl. hoffentlich, wiffent:
lich), oberd. f. leidlich; Neuw. f. leidend (fr, paſſiv), entg. thätlich (ſich lei—
dentlich verhalten; der leidentliche Handel f. Paſſivhandel; beſ. Sprachl. das
leidentliche Verhältniſs, die leidentliche Form, f. Paſſivum)z die Leidenſchaft,
M. Sen, überh. das leidentliche Verhalten eines Dinges, entg. Handlung;
gew. in engerer Bed. eine fuͤhlbare Veraͤnderung des Gemuͤthszuſtandes,
“eine heftige, den Willen beherrſchende Empfindung, Begierde, anhaltende
Gemuͤthsbewegung, wobei ſich die Seele leidend verhält, fr, Affect (Liebe, Haſs,
Eiferfucht, Zorn find Leidenschaften ; etwas mit Leidenfchaft lieben, hoffen; feine
Leidenfchaften beherrfchen 2c.)5 insbef. heftige Liebe u, uneig. der Gegenftand
derfelben (eine Leidenfhaft für Semand empfinden 3 fie ift feine Leidenſchaft; fr.
Pafjion) ; leidenfchaftlich, Bw, u. Nw., Leidenfchaft zeigend, darin gegruͤn—
det, mit Reidenfchaft (ein leidenfchaftlicher Menſch; ein leidenſchaftlicher Eifer 5
Leie — leihen 51
etwas leidenſchaftlich Lieben); die Leidenſchaftlichkeit, das Leidenſchaftlich—
fein, finnv, Heftigkeit, Lebhaftigkeit; leidenſchaftlos, Bw., frei von Leiden:
fhaften, ruhig, gemäßigt; die Leidenfchaftlofigkeit,
Leie, m., -n, M. -n (niederd, Leiden; v. dem alten ley, Fels), landſch.
fe Schiefer; daher: das Leiendach, der Leiendecker f. Schieferdadh,, - decker ;
der Leienftein fi Thonſchiefer; der Leienſticken f. Schieferftiftz — der Lei—
fuchen, in den Salzkothen, Stücke Schlotter, die auf den Rand des Herdes u.
der Salzpfanne gelegt werden,
Leier, ehem, gew, Leyer, m, Mi -n, Verkl. dad Leierchen, (altd.
lira ; nieberd, Lier; griech. Auge, lat. Iyra) 1) ein befaitetes Tonwerkzeug der
Alten, in der beften Zeit der altgriedh, Tonkunſt fiebenfaitig, dad mit den
Fingern gerührt wurde, be. zur Begleitung des Geſanges; daher häufig als
Sinnbild des Gefanges und der Sangdichtung (die Leier ergreifen, ertönen
laſſen 26); Sternt,, Namen eined Sternbilded; 2) jest: ein eintöniges
Tonwerfzeug, deffen Saiten durch ein Rad mit einer Kurbel in Schwin—
gung gefeßt werden, Drehflimper; gem, auch f. Drehorgel; daher uneig.
f. die eintönige Wiederholung einer Sade, der einförmige hergebrachte
Gang (es ift immer die alte Leierz die alte Leier anftimmen 2c,); aud) Benen—
nung verfchiedener Werkzeuge, welche wie das Rad einer Reier gedreht
werden, 3.8, ein Drebftod der Bortenwirker; eine bewegliche Walze der Vogel:
fteller ; ſchweiz. ein Butterfafsz eine Art Bratenwender (Bratenleier)a,;—
3fes. leierförmig, Bw.; der Leiergang, einförmiger, hergebrachter Gang;
leierfundig, Bw,, uneig, dicht, des Singens und Dichtens Eundig; der Leier—
mann, wer die eier, d, i, die Drehflimper od. Dreborgel fpielt; fo auch: die
Leierfrau, das Leiermaͤdchen; dad Leierſtuͤck, Tonſtück für die Leier ; —
Ableit. leiern, ziellof. und ziel. 3w., auf der Beier, d. i. Drehorgel, ſpie—
Ion; landſch. überh. f. drehen; uneig. eintönig u. langweilig fingen, fpielen,
fprechen (einem die Ohren voll leiern; einen in den Schlaf leiern); ſich lang=
fan bewegen, faumfelig in feinen Verrichtungen fein (dem ganzen Tag an
etwas leiern); geringfügige Dinge thun (fprichw. beffer geleiert, als gefeiert) ;
der Leierer, - 3, die Leirerinn, M, - en, f. v. w. Reiermann, = frau; uneig.
ein eintöniger, fchlechter Dichters; ein Zauderer.
leihen, ziel. Zw. (goth. laihvan, altd. lihan, Impf. leh, Mw. giliuuan ;
vergl, Lehen, lehnen 2.), ablaut. Impf. lieh, Conj. liehe; Mw. geliehen;
1)einem etwas —, ihm den Gebrauch oder Nießbrauch einer Sache
auf einige Zeit geſtatten, bef. nur von beweglichen Dingen, finnv. borgen,
verſch. vermieihen, verpachten (einem ein Buch, ein Pferd, ein Hausgeräth;
Geld ohne od. gegen Zinſen; Geld auf Pfänder — 2c.)5 ehem. auch f. zu Lehen
geben ; uneig. überh. f. mittheilen, verleihen (dicht.); zufchreiben, andichten;
2)etwasvon Jemand —, zum Gebrauch auf eine Zeitlang entnehe
men, ald Darlehn empfangen, finnv, entlehnen, borgen (Bücher, Geld
von Jemand —; geliehene Saden.zc.); — 3 fe. die Leihbank, das Leihhaus,
eine Öffentliche Kaffe, od. eine Privat: Anftalt, welche gegen hinlängliche Sicher:
heit, Pfänder 2c. Geld ausleihtz der Keihfauf, das Angeld, f. d.; auch das
nach gefchloffenem Handel von keiden Theilen zufammengelegte Geld zum Ber:
trinken und Verfhmaufen (den Leihkauf geben, trinken; vergl, Leitfauf); auch
\ f- Lehnwaare, ſ. d.5 — Ableit. der Leiher, -8, die Leiherinn, M, -en,
wer etwas ausleiht,
3
Leik — Lein
—
d
Leif, ſ., - 08, M.e, niederd. Schiff, dad Tau, womit das Segel
umfafjt wird Ai woran die Kanten feftgenäht werden; auch das Öerippe
eined Schiffes; leifen, ziel. 3w., dad Leif an dad Segel nähen,
Leifuchen, f. unter Leie.
Leilaken, 9 -8, M. w. E., oberd. dad Leilach, -8 (altd. lih.lahhan,
lilachen, d. i. Leiblaken, f. Leiche; doch auch linlachen, d. i. Leinlaken; vergl.
Laken), landſch. f. Betttuch.
Leim 1., m., -es, M. (von mehren Arten) -e, (altd. u. ſchwed. lim; nie-
derd. Liem; engl. lime; verw. mit Lehm, Schleim, Schlamm, f. d.), überh.
ein weicher, zäher, Flebriger Körper, ald Bindemittel gebraucht, 3. B.
Vogelleim (ſ. d.), Maler-Leim, aus Harz und Honig bereitet und zu Gold:
gründen gebraucht; in engerer Bed. ein ſolches aus thierifchen Stoffen, als
Knohen, Lederabgängen, Haufenblafe 2c., gefottened Bindemittel, ver.
Kleifter, Kittz 3. B. der gemeine Zifchlerleim, der Buchbinderleim 20.5 —
3fer. die Leimbank, der Keimbod, ein Geftell der Vogelfteller, auf welches
die Leimruthen geſteckt werden 5 der Leimbaum (v. anderem Stamm, f. Leene)
landſch. f. Ahorn, Ulme; die Leimfarbe, mit Leimwaſſer angemachte Farbe;
dad Leimfraut, ein Elebriges Pflanzengefchleht mit zehn Staubfädenz die
Leimfumme, das Leimwafferfafs der Papiermacher; das Leimleder, Leber:
Abgänge zum Leimfigden; der Keimpinfel, Pinfel zum Auftragen des Leimes;
die Leimruthe od. = fpindel, mit Vogelleim überzogene Ruthe zum Vogelfang;
der Keimfieder, wer Leim fiedet, Leimbereiter; die Leimfiedereiz die Leim—
— eine lange Stange, in welche die Leimruthen geſteckt werden; der
Leimtiegel od. =topf, Gefäß, worin der Leim durch Kochen aufgelbſ't wird;
das Leimwaſſer, mit aufgelbſ'tem Leime vermifchtes Waſſer; die Leimzwinge,
Tiſchl., zwei ſtarke Bretter mit ſenkrechten Zapfen, zwiſchen welche zuſammen—
geleimte Bretter feſtgekeilt werdenz — Ableit. leimen, ziel. Zw., mit Leim
verbinden, BEIN (ein Brett); mit Leim überziehen; mit Leimwaffer
tränfen oder Durch Leimwaſſer zichen (Papier —, damit — haltbarer werde
und Bsp Zinte nicht durd)laffe, fr. planiven); leimig, Bw., Leim enthaltend,
mit Leim beſchmiert; leimiht, Bw., leimaͤhnlich, zähe wie Leim.
Leim 2., m., -eö, oder der Leimen, -$, landſch. f. Lehm, f. d.
lein, (altd. -ili, ©. -ilines; fpäter - as vergl. d. lat. -lus, olus, ulus,
illus 26.5 f. auch Hein), eine Nachfilbe zur Bildung von Berfleinerunge=
wörtern (Diminutiva) von Hauptwörtern, welche dann ſämmtlich fachlichen
Gefchlechts werden u. in der Kegel den Umlauf annehmen, in der Mehrh. aber
unverändert bleiben (5. B. das Kindlein, Fräulein, Blümlein, Bäumlein,
Dörflein, Knäblein 26,5 Mehrh. die Kindlein, Fräulein (nit: Fräuleins),
Blümlein 20.5 von: das Kind, die Frau, Blume, der Baum ꝛc.). In der ges
wöhnlichen hochd. Schriftfprache ift diefe Silbe meift veraltet u. durch die gleich—
bed. hen (f. d.) verdrängt, außer wo durd) Anhängung des en eine Härte
entftehen würde (3. B. Bächlein, Büchlein), und aud wohl in der Dichterfpr.,
bef, um dem Ausdrud eine alterthiimliche Farbung zu geben. In der Volkefpr.
lebt die Silbe Lein vorzugsweife in ben oberd. Mundarten, bef. als Ausdruck
der Vertraulichkeit u. Zärtlichkeit, jedoch meiſt verkürzt in el, I (z. B. Kindel,
Büchel, Fingert), le, li, la ꝛc. (Büble, Büoli, Bübla f. Büblein, Bübchen).
Lein, m, —es, o. M. (altd. lin, niederd. Lienz ſchwed. lin; griech. Alvor,
lat. linum, ital, lino, franz. lin), der Flachs (ſ. d.)5 insbeſ. die Flachs⸗
Leinbaum — leife 93
pflanze, fo lange fie noch auf den Felde ſteht (def. niederd.5 z. B. der Lein
fteht gut 5 den Lein güten 2c.); ferner der Samen diefer Pflanze, Leinſamen
(Lein ſäen, aus Lein Öl fchlagen) ; ehem. u. noch dicht. u, in Zfes. f. leinened
Gewebe, Leinwand; — 3fetz. der Reinader, «boden, dad Leinfeld,
ebeet ꝛc.; der Leinbau, Anbau des Leins; die Leinbluͤthe; die Leinbluͤth⸗
farbe, fhöne blaue Farbe der Leinblüthe; leinboͤdig, Bw., bei Zeugwebern,
einen Boden oder Aufzug von Leingarn habendz der Leindruder, wer bunte
Mufter auf Leinwand drudt, Leinwanddruder; der Leinfink, eine Art des
Hänflings; der Leinfifch, die Schleie, wegen der leingrünen Farbe; das
Leingarn oder Leinengarn;z leingrau, Bw., eine graue Farbe aus Bleiweiß,
Lad u. Berlinerblau gemiſcht; leingrün, Bw., blafsgrün, wie die Leinpflanze;
der Leinknoten, Samenkapfel des Leines; das Leinkraut, ſ. Flachskraut;
der Leinkuchen, die nad) dem Hlſchlagen übrig bleibenden sufammengeptefften
Hülfen des Leinfamens, in vieredige Stücde geformt u. 'zum Viehfutter benußt ;
das Leinoͤl, aus Leinfamen geſchlagenes, d. i. geprefftes DL; die Leinpflanze;
die Leinſaat, ver Leinſamen, ſ. o.ʒ die Leinwand, gem. Leinewand, (altd.
‚ liowat; oberd. Leinwatz von wat, Wand, Gewand, . d.), aus leinenen Faden
gemachtes Gewebe (grobe, feine, gebleichte, Haus-, Kaufleinwand 2c.)5 in
weiterer Bed. auch) ein Gewebe aus Hanf (hänfene Seinwand); leinwanden,
Bw., aus Leinwand gemacht, gem. leinen, ſ. u.ʒ der Leinweber, -8, die
Leinweberinn, M, - en, gem. Leinemeber 2c., wer Leinwand u. leinene Seüge
webt; die Leinweberei; — Ableit. leinen, Bw. (altd. linin, niederd. u.
engl. linnen), aud gefponnenem Lein oder Flachs gemacht (leinenes Garn,
Zeug 2c.)5 aus Leinwand gemacht, leinwanden (ein leinenes Hemd, ein lei-
nener Kittel 2c.)5 daher als Zfeg. dad Leinengarn, =tuch, =zeug ꝛc.; das
Leinen -3,.0 * (niederd. Cinnen, engl. linnen), leinenes Garn, u.
be. | Reinenzeug, Leinwand und alled daraus Verfertigte; — die Leine,
M.-ın, Verkl. dad Leinchen, (altd. u. ſchwed. lina, nieder). u. dän. line;
engl. line ; gried. Alvov, lat. linea, franz. ligne), ein langes und verhält:
nifsmäßig duͤnnes hänfened oder flächfenes Seil, ftärker als eine Schnur,
dünner als ein Seil, Tau, länger und ſchwächer als ein Strict, zu verfchiebe:
nem Gebraud) (3. B. Wäſch-, Zeug-, Pferdes, Acker-, Sagdleine 20.) 5 daher:
der Leinenfchießer, ein Matrofe, welcher beim Wallfiſchfange die Leine an dem
geworfenen Hakenſpieß ſchnell nachſchießen, d. i. von der Rolle ablaufen läſſt;
der Leinochfe, der Ochfe, welcher vor dem Pfluge rechts geht u. mit der Leine
gelenkt wird, entg. Handochſe; der Leinpfad, die Leinftraße, (andſch. ver:
derbt in Leimftraße), Uferweg für diejenigen, welche Fahrzeuge an Leinen
fortziehen 5 der Reinzieher, wer ein Schiff an der Leine zieht; — - der Lein⸗
ling, -8, M.-e, Glahefink, Bluthänfling,
Reinbaum, m., ſ. Leene.
Leine, w., Leinen, ſ., leinen, Bw., ſ. unter Lein.
leinen, Zw. 1) landſch. gem. f. Ihnen 1.5 2) (o. dem oberd. Ten, isländ.
linr, lat. lenis, weich), Lind; vergl. lehne) oberd. f. thauen, aufthauen (es
leinet 53 aufleinen 2c.).
Leiner, m., -8, M. w. E., die Schnatter = oder Schnarr = Ente:
Leinfink, Leindi, Leinwand, Leinweber te. ſ. unter Lein.
leiſe, Bw., Somp. leifer, Sup, "teifeft (alt. liso, lise; oberd. leis, niederd.
life; vergl, lauſchen), ſchwach ins Gehör fallend, ſchwach fehallend, finnv.
“
54 Leife — Leiſten
facht, entg. Laut (leife fprechen, gehenz Yeife auftreten, uneig, f. behutfam
verfahren) 3 fähig auch den ſchwaͤchſten Schall zu vernehmen (ein leiſes Ge-
hör; Leife Schlafen, einen leifen Schlaf haben, d, i, durch jedes Geräufch leicht
erweckt werden); überh, f. ſchwach, gelind, fanft, ſich wenig Außernd (oberd.
leife gebadenes Brod, d. i. weich gebadenes 3 ein leifer Miſsmuth u, dgl.) 3 auch
f. allmählich, unmerklich; der Leifetreter, uneig, f. Schleicher, Hocker,
Lauerer, Kundſchafter; leishörig, Bw., ein Leifes, d. i, ſcharfes Gehör habend,
Reife, w., M. -n, landſch. f. dad Geleiſe, ſ. d.
Leiſe, w,M.-n, Bert, dad Reiftchen, (alt, lista; verw, mit Leife,
Geleiſe, |. d., u, d. goth, laistjan, folgen, worin der’&rundbegriff eines Er:
firedens in die Länge liegt), überh. ein langer und verhältnifsmäßig dünner
u. ſchmaler Körper, der an od, auf einem breiteren befeftigt ift, bef, als Rand,
Einfaffungz ꝛc. insbef, am Rüftwagen: ein langes, oben gekruͤmmtes runde
liches Holz, welches vermiztelft des € eiftenring es (od, Leuchſenringes) hinter
der Lünfe an die Achfe befeftigt wird, auch die Stemmleifte, das Leiſtenholz
genanntz Buchdr. ſchmale Stöcke od, in Holz geſchnittene Figuren (Schlu ſs—
Leiften, wenn fie am Ende eines Buches oder Abfchnittes gebraucht werben) 5
bei Holzarbeitern ein langes fchmales Querholz zum Zufammenhalten zweier
Bretter Querleiſt e); jeder lange, ſchmale, flach od. rund erhabene Theil
eines Körpers, bef. ald Verzierung oder Einfaffung (engl, ledge; bie Felder
einer Thür mit Leiften einfaffen); in weiterer Bed, auch ein flacher Nand,
Saum, Borte, Einfaffung an Kleidern ec., bef, Tuchm. der angefchrotene
grobe Zuhrand (Sahlleifte, Anſchrote ꝛc.); die gefchliffenen Ränder eines
Spiegels; Anat, fehmale und lange Hervorragungen an den Kuochen (Linien);
an Pferden der erhabene Theil am Hinterfchenkel nad) dem Bauche zu; au
eine Krankheit der Pferde, wenn die Knorpel am oberen Rande der Feſſel zu
‚Knochen werben, (beides auch: der Leiſt); oberd, f. harte Schwielen an Hän:
den und Füßenz ferner: lange und fchmale Vertiefungen, Rinnen zur Ver:
zierung und Einfaffung (Hohl-, Kehlleiften, ſ. v. w. Hohlfehlen); die
Vertiefung zu beiden Seiten des menfchl, Unterleibed von den Hüften bis
zu den Schamtheilen: die Reiften (Mehrh.), gem, auch der Leiſten; aud) f, die
Weiche; — 3feg. der Leiftbügel, an Rüftwagen ein breiter eiferner Bügel
mit zwei Ringen, in deren einem die Leiſte (ſ. o.), im andern die Runge ftedtz
die Leiftenbeule, Luftfeuchenartige Beulen in den Leiften am Unterleibe (fr, Bu:
bonen) 5 der Leiftenbruch, ein Bruch in der Leifte oder Weiche; der Leiften-
hobel, Hobel zur Verfertigung von Leiftenz das Leiftenholz, ſ. 0.5 der
Leiftennagel, eine Art breiter Nägel mit langlihem Kopf, 1 bis 14 3oll Yang
(Halbe und ganze Leiftennägel); der Leiftenfchein, ſ. v, w. Schnittſchein (fr,
Coupon); der Leiftenvers, M. Leiftenverfe, Verfe, deren Anfangsbuchftaben
der Reihe nad) (gleichf, in einer Leifte) zufammengelefen einen Namen od, Spruch
bitden (fr, Afroftihon); der Leiſtenwein, ein vorzüglicher Würzburger Wein,
- an einem Abhange wachfend, welcher „die Leiſte“ heißt (vielleicht verderbt aus
Leite? f.8.); — Ableit. leiften, ziel, Zw., Web, mit einer Leifte (Sahl—
teifte) verfehen; bei Fuhrleuten: an die Leiſte haͤngen (die Leitern eines
Wagens —),
Leiſten, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Leiſtchen (oberd. Laiſt, Laiftenz
niederd. und holl. lcest; engl, last; dän. und ſchwed, läst; bbhm. lista; von
gleichem Stamm mit Leiſte, ſ. d.), ehem. überh, Geſtalt, Form, Muiter ;
;
leiften — leiten 55
daher noch bei den hohen Öfen: bie vertiefte Form, in welche das geſchmolzene
Eiſen geleitet wirdz gew, in engerer Bed. das nach der Geſtalt eines Men—
ſchenfußes geſchnittene Holz, deſſen ſich die Schuhmacher als einer Form be:
dienen, der Schuhleiften (ſprichw. Schufter, bleib bei deinem Leiften, d,i,
bleibe bei dem, worauf du did; verftehft 5 uneig, Alles od, alle Menfhen auf od. .
über einen Leiften ſchlagen, d. i, auf einerlei Art behandeln, mit gleihem Maße
meffen) 3 der Leiftenfchneider, ein Handwerker, welcher die Schuhleiften ſchneidet.
leiften 1., ziel. Zw. (altd. leistan, oberd, laiften, nieberd, Löften, angelf,
laestan ; dv, d, goth, laistjan, folgenz vergl, Leifte, Geleife) , eig, befolgen z
° ausüben, verrichten, verwirklichen, thun, gewähren, wad man verfprochen
hat oder zu hun verpflichtet ift (ee hat nicht geleiftel, was er verfprachz eis
nem Befehle Folge —, der Obrigkeit Gehorfam — ; einem Freunde Hülfe, Schuß,
Dienfte leiften); in weiterer Bed, ohne den Nebenbegriff der Verbindlichkeit:
darbringen, erweifen, gewähren, geben (Bürgfhaft, Sicherheit —z einem
Geſellſchaft leiftenz; Widerftand Leiften, d. i. ſich widerfegen) u, überh, f, thun,
verrichten, ausführen (ev hat viel geleiftet) 3 ehem, auch ziellos in engerer Bed,
f. fi als Bürge ftellen, die Bürgfchaft vollziehen; — Ableit, leiftbar,
Bw., was geleiltet werden kann; die Leiftung, M. -en, das Leiftenz das
Geleiſtete, Gethane, VBerrichtete (feine Leiftungen übertreffen meine Erwar—
tung); ehem. bef. die perfünliche Stellung eined Buͤrgen.
leiften 2., Zeiftenbeule, =bruch ꝛc. — = wein, ſ. unter Leifte,
Leit, ſ., — es, o. M. (goth, leithus, altd. lid, lich) alt oberd. ein geifti=
ges Getränfz daher der Leitgeb, -en, M. -en, (verderbt: Leutgeb,
Leutgeber) oberd, f. Schenkwirth; dad Leithaus f. Schenke, Wirthshaus;
der Leitkauf (verderbt: Leikaufz vergl, Leihkauf), das Geld, welches nach
gefchloffenem Handel der Käufer außer dem Kaufpreife zum Vertrinken od, Ver:
ihmaufen giebt, der Weinfauf,
Leite, w., M. -n, 1) (oberd, die Leiten, altd, lita, angelf. hlidhe, fchott,
lithe; isländ. hlid, ſchwed. lid; wohl verw, mit litan, ſ. leiten), Landfch,,
beſ. oberd, die fanft abhängige Seite eines Berges oder Hügeld, Abhang
(Sommer:, Winterleite, je nachdem fie gegen Süden od, Norden liegt); auch
ein fanft abhängiger Hügel ſelbſt; fränf, eine Landeögrenze (Landleite)z
2).(oberd, Leit, Laitz v. leiten, führen, fahren), landſch. ein Faſs mit wei—
ter Offnung ftatt des Spundes, worin die Weinbeeren aus dem Weinberg zur
Kelter gefahren werden (fränf,)z; ein ähnliches mit Waffer gefülltes Fafs, in
- welchem lebendige Fifche verführt werden (dftr,),
leiten, ziel, Zw. (oberd, laiten, niederd. leiden, engl, lead, dan, lede;
altd, leitan,, angelf, lädhban, isländ, leidha, ſchwed, leda ; und daneben alg
ziellofes ablaut, Zw, f. fich bewegen, gehen: goth, leithan, altd, litan, angelf,
lidhan, isländ, lidha, ſchwed. lida, hol, Iyden), die Richtung des Ganges
oder der Bewegung eined Gegenſtandes beftimmen, finnv, Ienfen (ſ. d.),
führen, von engerer Bed, als diefes, da in leiten immer Beziehung auf Ziel
u. Zweck der Bewegung, oft aud) der Nebenbegriff der Sicherung vor Gefahren
liegt (einen Blinden, ein Kind am Gängelbande — ; einen-auf den rechten Weg —3
das Waffer ins Thal, einen Fluſs durd) die Stadt 2c, —) Naturl, einen Stoff
nach gewiffer Richtung verbreiten und andern Körpern mittheilen (4. B, bie
Wärme, die Eleftricität —z ein leitender Körper); uneig, einen Unfchlag,
Pan u. dgl, —, deffen Fortgang und Ausführung anordnen; einen zum Gu—
Leiter — Lende
ten —, anleiten; ſich von ber Vernunft leiten Laffen 2,5 — 3 fes, dad Leit⸗
band, Gängelband, Laufzaumz der Leitfaden, uneig, dasjenige, wodurch
man feinen Gang od. fein Verhalten in einer Sache beftimmen läſſt; beſ. eine
kurze Anleitung zu einer Wiffenfchaft oder Kunftz das Leitfeuer, nad) einer
beftimmten Richtung geleitetes euer, Lauffenerz der Leitgeſang, ein mehr:
ftimmiger Gefang, bei weldjem ein Sänger allein anfängt und die andern ihm
nachſingen (fr, Kanon)z der Leithammel, ein abgerichteter, die Heerde an—
“ führender Hammel; uneig. ſcherzh. wer Andere durch feinen Vorgang leitetz
der Leithund, die Leithündinn, am Hängefeil geführter Hund, der den
Zäger auf die Fährte Teitetz der Leitriemen, dad Leitjeil, der Leitzaum,
Riemen ꝛc. zur Leitung von Pferden oder Hundens die Leitroͤhre ‚ Röhre zur
Wafferleitung ; die Leitfeite, rechte Seite an der Wagendeichfel, entg. Sattel-
feites der Leitftern, ein Stern, fofern er Reifenden, bei. Schiffenden, zum
Merkmale für die Richtung des Weges dient (uneig, ein Leitftern durchs Leben
u, dgl,); dad Leitzeichen, Tonk., Zeichen am Ende einer Notenzeile, welches
die nächſtfolgenden Noten im voraus andeutet (fr, Cuftos, Guidon) z; — Ableit,
der Reiter, -3, die Leiterinn, M. -en, wer einen od, etwas leitet, ſinnv.
Führer, Lenfer (der Leiter eines Blinden; die Vernunft iſt die befte Leiterinn
im Leben); ein Körper, ein Werkzeug zur Beltimmung der Richtung eines
andern Körperd, 3 B. Schiff. ein Tau, an welchem ein Klüver aufgehifft u,
wieder geftrichen wird; Naturl, ein leitender Körper, ſ. o, leiten (3. B. Wärme:
leiter, Leiter der Eleftricität 2c,); die Leitung, dad Leiten in allen Be, des
Zw., finnv, Führung, Lenkung, Anleitung, oberd, auch die Leit,
Leiter, w., M.-n, Berkt, dad Leiterchen, (andſch. gem, Letter;
oberd, Kaiter, niederd, Ledder, hol, u, engl, ladder; altd, hleitar, leitra ;
angelf, hläddrz; alfo wahrſch. v, Elettern, ſ. d., wie Stiege v. fieigen), ein
bervegliches Werkzeug zum Steigen, beftehend aus zwei gleichlaufenden Stan-
gen, die durch gleich weit abftehende Querhölzer (Sprofjen) mit einander ver-
bunden find, verfh, Treppe, (Feuer-, Sturm:, Baum:, Gartenleiter 20,3
Stridleiter, ein ſolches aus Stricken zufammengefestes Werkzeug); jeded
ähnlich geftaltete Werkzeug, wenn es auch nicht zum Gteigen dient, . B.
die Leitern an den Bauer: und Rüftwagen (Wagenleitern), ein Gerüſt in
Mühlen, in welchem der Rumpf ftehtz ehem, cin Martergeräth, auf welchem
ein Berbrecher auögefpannt wurde; Süg, fpiegelicht od. viereckig geſtrickte Garne;
uneig. jede Stufen = od, Öradfolge, abgetheilte Steigerungdlinie (fr. Scala)
3. B. bie Gradleiter der Wärmemeffer u, Wettergläfer, die Tonleiter in ber
Tonk.; die Leiter der Wefen, d. i, die Stufenreihes; — 3 fe, der Leiterbaum
oder die Leiterſtange , die beiden ſtarken und geraden Hölzer einer Leiter, in
welche die Leiterfproffen eingezapft find (vergl, Sproffe) 5 der Leiferwagen,
ein auf den Seiten mit Leitern verfehener Wagen,
Leitfaden ꝛc. — Leitzeichen ſ. unter leiten,
Leitgeb, =haus, =Fauf, ſ. unter Leit,
lemmern, ziel, Zw, (verw, mit lahm, lähmen) nieberd, f. hemmen, hin—
dern, vergl, belemmern.
Lemming, m., -ed, Me -e, die große Zug- oder Wandermaud im -
nprdl, Europa,
Lende, w., Mi -n, Verkl. dad Lendchen, (altd, lenti, lendi; dän,
u, ſchwed. länd; island, u, angelf, lend), der Theil ded menfchl, und thier—
- 0 Ienten — Leiche 57
Koͤrpers zunaͤchſt hinter u, unter dem Hüftknochen (lat, lumbus; bie Lenden
umgürten), gew, in weiterer Bed, dad ganze Dicfbein, der Schenkel; —
3fes. der Lendenbraten, die Langen ſchmalen Fleiſchſtücke, welche inwendig
am Rüdgrat des Schlachtviehs über den Hüften und Nieren auögefchnitten wer-
den, auch Mehr: (vr, Mör:) braten genannt (ſ. d.)3 vom Rindvieh der untere
Theil des Rückgrats; der Kendengries, in der Gegend der Lenden, bef, in den
Nieren, ſich erzeugender Gries (f. d.)5 der Lendenfnochen, Hüftknochen; die
Lendenkrankheit, ſ. v. w. engliſche Krankheit, |. d.ʒ das Lendenfraut,
eine Art der Grindwurzel od, des Ampfers; lendenlahm, Bw., lahm in der
Lendengegend, hüftenlahmz der Lendenflein, ein harter Körper, der ſich
zuweilen in ber Lendengegend bildet, Nierenfteinz dad Lendenweh oder der
Lendenſchmerz; der Lendenwirbel, die fünf Wirbel des Rückgrats in ber
Gegend der Lenden,
lenfen, ziel. Zw. (dan, länke; wohl v, Lanke, Seite; vergl, gelenk),
nad) einer Seite hin biegen, bewegen, richten, überh, die Nichtung der
Bewegung eined Gegenftandes durch einen auf denfelben gemachten Ein
druck beftimmen (die Pferde, den Wagen, einen Kahn —)5 uneig, eine Ver—
änderung, den Gang einer Sache ıc, mit befonnener Abſicht beftimmen,
finnv, leiten (Gott lenät die Schidfale der Menfchenz ſprichw. der Menſch denkt's,
Gott lenkt's; das Geſpräch auf etwas lenken 26,)3 ſich —, fich diefe od, jene
Nichtung geben, finnv, fi) wenden, eig. u, uneig. (fh zum Guten —)5 von
Leblofen Dingen: eine gewiffe Richtung nehmen (der Weg Ienkt ſich um einen
Berg) 5 — 3fes, der Lenfriemen, das Lenkfeil, der Lenkzaum, zum Lenken
eines Pferdes oder Gefpanns dienender Riemen 26,5 der Lenkfchämel, ein auf
dem Rungſtocke eines gemeinen Wagens liegendes bewegliches Holz, der Wende-
ihämel; das Lenffcheit, das zum Lenken des Wagens nötdige lange Holz an
dee Langwelle, welches das Vorder- und Hintergeftell verbindet; — Ableit,
der Lenker, -5, die Lenkerinn, M, -en, wer etwas Ienft, eig. (4. B.
ein Wagenlenker) u. uneig, (dev Lenker unfrer Schickſale); auch ein Ienfendes
Werkzeug, 3, B. in Sägemühlen: die hölzerne Stange, welche die Säge auf:
und abbewegt; lenkbar, Bw., was gelenkt werden kann; die Lenkbarkeit;
lenkfam, Bw., ſich gern und leicht lenken laffend, eig. (4. B. ein lenkſames
Pferd), u, bef. uneig,, finnv. fügfam, folgfam, nachgiebig (ein lLenkſamer
Menſch)3 die Lenkſamkeit.
Lenz, m., —es, Mi -e, oberd. -en, M. -en (altb. lengizin, fpäter
lenzin, lenzo; oberd. Längefs, Länge, Länz, Länzing; angelf. lencten, holl.
lent; v. einem alten Zw. lengizan, engl. lengthen, verlängern, in Bezug auf
das Lüngerwerden der Tage), alt und dicht. f. Frühling, auch uneig. (der Lenz
des Lebens); fränk. f. Sommerfaatz die Lenzblume, Frühlingsblume; ein
Pflanzengefchlecht mit röhrenförmigen Blumen, Erdblume; die Lenzflur, das
Eenzgefilde, das Lenzgrün ıc.5 der Lenzmonat (altd. lengizin - od, lenzin-
manod), der Monat März, Frühlingsmonat; der Kenztag, die Lenzzeit 20.5 —
lenzen, ziellof. Zw. m. haben, 1) landſch. (=leinen, f. d.) f. aufthauen,
lau werden; 2) dicht. Neuw., grünend und blühend werden,
Leopard, m., -en, M. -en (lat. leopardus), ein afrifan. Raubthier,
fahlgelb mit ſchwarzen Flecken, verſch. vom Panther, T. d.
Lerche 1., w., M.-n, (altd. lerihha, lerahha, ſchwed. lärka, engl.
‚dark; 985. aus d. angelf. laferce, niederd. Lewerke, holl. lauwerick , fdott.
58 | Lerche — leſen
laverock), ein Vogelgeſchlecht mit geradem, walzenfbrmigem, ſpitz zulaufendem
Schnabel und einer langen Hinterkralle, beſ. die gemeine ſingende Acker = od.
Feldlerhe, Sanglerche, (die Lerhen ſtreichen, d. i. fie ziehen im Herbſte
fchaarenweife fort; man ſtreicht die Lerchen, d. i. man fängt fie in Regen); —
3feg. die Lerchenammer, Schneeammer; die Lerchenblume, Schlüſſelblumez
der Lerchenfalf, eine Art Eleiner Falken zur Lerchen = u. Rebhühnerjagdz auch
f. Baumfalk, u. f. Bleifalk, Halbweihe, Lerchengeier; der Lerchenfang;
das Lerchengarn, -netz; der Lerchenherd, ein Vogelherd zum Lerchenfang
dad Lerchenkaͤuzchen, Keine Leiheneule, Kleiner Kauz; die Lerchenklaue,
Ritterſporn; der Lerchenfperber, Thurmfalk; der Lerchenſpieß, Kleine
Spieße od. Stäbchen, Lerchen daran zu braten; der Lerchenſtoͤßer, Sperber;
das Lerchenftreichen od. der Kerchenftrich, das Streichen od. Ziehen der Ler—
chen z der Lerchenfang mit Nesen.
Lerche 2. w., ober der Lerchenbaum, f. Lärche.
lernen, ziel. und ziellof. Zw. (altd. lirnan, lernen, angelf. leornan, engl.
learn; v. lehren, ſ. d.), Begriffe, Kenntniſſe, Fertigkeiten ſich aneignen,
fei es mit Hülfe eines Lehrers durch fürmlichen Unterricht, oder für fid) allein,
durch Übung, Erfahrung zc. (von einem Anderen etwas lernen; ein Handwerk,
eine Kunft, eine Sprache lernen; fchreiben, lefen, fingen lernen 20.5 etwas
auswendig —, |. d.z man lerne aus Anderer Schaden Flug werden; aud ziel:
los: man mufs lernen, fo lange man lebt; der Lehrling lernt bei einem Mei:
ſter, d. i, er ift in der Lehre); einen od, etwas Fennen lernen; d. i. befannt
damit werden, Befanntfhaft machen; — ftatt des Mw. gelernt in Verbin—
dung mit einem If. den Inf. Lernen zu fegen, ift ein nicht zu billigender
Sprachgebrauch (3. B. id) habe fihreiben lernen, ich habe ihn kennen lernen, r.
gelernt; vergl. lehren); in der älteren Sprache und der gem. Volksſpr. wird
lernen (wie das fehwed. lära, niederd. leren, franz. apprendre) aud) f. leh—
ven gebraucht (5. B. bibl. ich will euch lernen, was ihr thun ſollt; bef. Handw.
der Meifter lernt den Lehrburjchen) 5 das Mw. gelernt in thätliher Bed. als
Bw. wer ausgelernt hat, wer ein Handwerk, eine Verrichtung ꝛc. förmlich
erlernt hat, verfch. gelehrt (ein gelernter Koch, Kutfcher u. dgl. 5 vergl. ge
dient, gefhworen u. a.); — 3fes. die Lernbegierde, -luſt; lernbegierig,
-luſtig, Bw.; der Zerneifer, =fleiß; der Lernſtoff; das Lernftüd, die
Lernftunde, gew. Lehrſtoff 2.5 die Lernzeit 2,5 — Xbleit. leenbar, Bw,
was ſich lernen läfft od. gelernt werden Fannz die Lernbarfeit; lernſam,
Bw, Selten, gern und leicht lernend.
lefen, ziel. Zw. (goth, lisan, altd. lesan, ſchwed. läsa, dan. läſe; wahrſch.
verw. mit Leiſe, Geleiſe, leiſten, f. d.3 Grundbegriff: in einer Reihe od. Folge
durchgehen, vergl. d. lat. legere), ablaut. ich leſe (oberd. ich Lies), du lieſeſt,
er lieſet od. lieſſt, wir lefen 2.5 Imper. lied (unr. leſe), leſet; Impf. las,
Conj. läfez Mw. gelefenz; 1) mehre Dinge einer Urt einzeln nach einander
“aufs od, abnehmen, aufheben, zufammen fuchen, fammeln (engl. lease;
Ahren, Hclz, Steine vom Ader —, aufleſen; Wein —, d. i. die Trauben
abbrechen u. fammeln)z; durch Abnehmen od. Aufleſen leer machen od, reis
nigen (den Weinberg —, von Trauben leer machen; den Acker —, von Steinen
reinigen; den Salat —, von den untauglichen Blättern reinigen; Erbſen, Lin:
fen, Bohnen lefen oder verlefen, d. i. alles Unreine ausfuchen und abfondern 5
Federn —, das Weiche von dem Kiele abziehn und von dem Gröberen fondern) 5
x
leſen 59
2) die Schriftzeichen mit den Augen gleichſam zuſammenfaſſen u. in hörs
bare Raute Ubertragen, entweder laut ausfprehend, od. ftill und nur in Ge:
danken (franz. lire; etwas laut oder fill lefen; ein Bud, einen Brief 2c. —3
ein viel gelefener Schriftfteller, d. i. deſſen Schriften viel gelefen werben; uneig.
einem ben Tert lefen, d. i. ihmeinen derben Verweis geben; Meffe lefen,
in der röm. Kirche: die Meffe ablefen oder herfagen, ein Mefsamt halten; auch
ohne Bielw.: leſen lernen, ſchön, mit Ausdrud leſen; in einem Buche lefen) ;
auf hohen Schulen: Iefend Iehren oder vortragen, auch überh. f. mündlich
lehren, frei vortragen, (4.8. Naturrecht, Kirchengeſchichte 2c. leſen; heute wird
nicht gelefen, d. i. feine Vorleſung gehalten); uneig. aus fichtbaren Zeichen
od. Merfinalen innere verborgene Zuftände erfennen (3.2. in Semande Ge:
fichte od. Mienen Freude, Zufriedenheit, Gram zc. leſen; in den Sternen bie
Zukunft leſen und dgl.)5; — 3fes. die Lesart, die Art wie ein Wort od, eine
Schriftſtelle in diefer od. jener Handfchrift od. Ausgabe eines Buches gefchrieben
ift und gelefen wird (abweichende Lesarten, fr. Varianten); die KLefebegier od,
gier, -luſt, »fucht, =wuth; Tefebegierig, -luſtig, =fühtig, Bw. 5
das Lefebuch, ein Buch zum Lefenlernen oder zur Ubung im Lefen; auch zur
Unterhaltung, zum Zeitvertreib; dad Leſeholz, dürres, abgefallenes Holz,»
Spüne u. dol., welche im Walde aufgelefen werden dürfen; die Leſekunſt; der
Leſemeiſter, ein Meifter im Lefen; in Kidftern: der Vorlefer (Lector) 5 oberd.
ein beeidigter Auffeher bei der Weinleſe; die Lefeprobe, Probe im Leſen; bef,
Probe eines Bühnenftüdes, indem die Schaufpieler ihre Rollen leſend vortragen ;
das Lefepult, Pult, auf weldes man das Buch beim Lefen legt; die Leſe⸗
ſchule; der Lefefchüler, die Lefefchülerinn ; der Lefeftein, Bergw., veid:
haltige Eiferfteine, welche einzeln gefunden und zufammengelefen werden; der
Leſeſtoff, Stoff, Gegenftand des Leſens; die Lefewelt, die Gefammtheit derer,
welche Bücher zc. zu lefen pflegen (fr. das Publicum) ; das Lefezeichen, Schrift:
zeichen zur Erleichterung des Lefens, bef. die Satzzeichenz die — die Zeit
des Leſens od. Einſammelns, z. B. des Weines (Weinleſe); auch die zum Leſen
von Büchern 2c. beftimmte Beitz dad Lefezimmer, die Lefeftube, der Lefes
faal, ein Zimmer 2c. welches zum Leſen von Büchern, Beitfchriften 2c. beftimmt
ift; auch f. Lehrerzimmer, Hörfaal; der Lefezirkel, ein Verein von Perfonen,
welche Bücher oder Zeitſchriften 2c. gemeinfhaftlich halten und in einer gewiſſen
Reihenfolge nach einander Iefen ; — fefenswerth od. würdig, Bw., werth
gelefen zu werden (ein leſenswerthes Bud); — Ableit. die Leſe, M.-n,
dad Auf- oder Zufammenlefen, Einſammeln (Ähren-, Obſt-, Weinleſe);
dad YAuf= od. Zuſammengeleſene, z. B. Kartenſp. die gemachten Stiche 5 uneig.
eine Sammlung des Vorziglicheren, Auswahl (vergl. Stumenlefe); der
Lofer, -3, die Leferinn, M. -en, wer lieft, d. i. 1) wer etwas auflieft,
einfammelt oder audlefend reinigt (ühren-, Wein-, Erbfenlefer); 2) wer
Geſchriebenes oder Gedruckted lieſ't (ein fertiger, ein ſchlechter Leſer); bef.
wer Bücher zur Belehrung od, Unterhaltung lief’t (das Buch hat viele Lefer
und Leferinnen gefunden; geneigter Lefer! 2c.)5 die Leſung, das Lefen, gew.
nur in der Bed. 2); die Leferei, verwerfend: das Vielleſen ohne Plan und
Auswahl; lesbar, Bw., was gelefen werden kann, be. in Hinficht der
Schreibart (des Stils), der Verftändlichfeit, oder der GSittlichfeit des
Inhalts (dies Buch ift für die Sugend nicht lesbar); tie Lesbarkeit; le—
ſerlich, felten leslich, Bw., mas gelefen werden kann den Schriftzeichen
60 Leske — letzt
Kor Schriftzuͤgen nach (leſerlich ſchreiben; eine leſerliche Hand); die Lefer-
ichFeit.
Leske, m., -n, M.-n, landſch. f. Kernbeißer, Kirſchfink.
Ketten, m., —s, M. w. €, (altd. leddo, — isländ. ledia, lat.
Jutum, Schlamm, Koth), beſ. oberd. f. Thon, od. Lehm; Bergw. eine zaͤhe,
fette u. ſchleimige Bergart von verſchiedener Farbe, auch der Lettenſchmitz
genannt; lettengelb, Bw., gelb wie Letten, d. i. Lehm; die Lettenhaue
oder Letthaue, Bergw., eine Haue zum Durchhauen des lettigen Gebirges;
lettig, Bw., Letten enthaltend oder daraus beftehend; letticht,, Bw.,
Iettenähnlich.
Letter, w., gew. nur die M. Lettern (v. d. lat. litrera), aus Metall
gegoflene Druckbuchltaben, Schriften; bisw. auch die abgedruckten Buch—
ftaben, die Druckſchrift.
(eb, Bw. (landſch. auch let ſchz verw. mit legen 2.2), oberd. f. verkehrt,
link, der rechten Seite entgegengefeßtz unrechtz übel, ſchlecht, ſchlimm,
boͤſe; krank; daher die Lege 1., f. der üble, fehlimme Zuſtand; legen 1.,
3m. f. verfehrt handeln, freveln.
legen 2., ziel. Zw. (angelf. u. goth. latian, isländ. letia, niederd. letten,
engl. lett; von laz, lat, f. unter legt; veral. d. lat. laedere) urfpr. eig. auf-
halten, verzögern, hindern; dann beeinträchtigen, befchädigen; jest vollig
vlt. außer in verlegen; daher die Lege ?., M.-ın, (gem. die Les oder
Legen) oberd. f. Schlinge, Schleife zum —— z. B. beim Vogelfang;
Schutzwehr zum Abhalten des Feindes, Landwehr an der Örenze,
legen 3., ziel. Zw. (verw. mit d. lat. laetus, laetari, vergl. d. oberd, der
Lip, eigen f. das Gelüftz od. mit legen 2. in der Bed. zurückhalten, feſſeln?)
alt u. dicht. f. erquicken, laben, erfreuen (einen mit etwas —; ſich an einer
Sache — 20.) ; in engerer Bed. ehem. fih mit einem —, fid) beim Abſchied noch
‘einmal mit ihm vergnügen; daher bie Letze 3 3., alt und oberd. (gem. Letz) f.
Erquickung, Ergoͤtzung ; bef. oberd. ein Abſchiedsfeſt, = Schmaus u. tgl.
od, ein GefchenE, das man einem Scheidenden macht (daher: zu guter Leg,
d. i. zum freundlichen Abſchiedz der Lestuß,:fhmaus, dietegpredigt,
oberd. f. Abſchiedskuſs 2c.5 — in — Anwendung fließt das Wort mit lest
zufammen, ſ. d.).
legt, der, die, das lebte ꝛc, Bro. der Zeit und Ordnung (altd. lezzisto,
letzistz gem. ober = u. niederd. left, engl. last; eig. Superl. von laz, laſs (ſ. d.),
angelf. u. nieberd. lat, engl. late; isländ. latr, langfam, träge, ſpät; vergl.
Vegen 2., u. das griech. AoioFog) ordnet den Öegenftand, welchem es beigelegt
wird, allen andern damit zufammengeftellten nach u. zwar dem Orte od,
der Zeit, dem Nange, der Würde oder Wichtigkeit nach, finnv. der hin—
terfte, aͤußerſte, fpätefte, unterfte ꝛc., entg. der er ſte (3. B. das letzte Haus
der Straße; der legte Tag im Jahre; er mufs immer das legte Wort haben;
er ift immer der Letzte, d. i. am fpäteften Kommende; in den legten Bügen
liegen, d. i. im Begriff fein zu fterbenz der legte Willen, fr. das Teſta—
ment; einem die legte Ehre erweifen, d. i. feiner Beerdigung beiivohnenz das
legte Malz dieLesten (dem Range nach) werden die Erften fein) 5 oft aud) zur Be:
zeichnung eines Gegenftandes, auf den bis jeßt Fein anderer feiner Urt gefolgt
iſt, ohne dafs er deſshalb für immer den Beſchluſs macht, finnv. neueft, jüngft
(3. B. der letzte Krieg; ich erſehe aus ihrem legten Briefe 20.)5; — den Eompar.
J
leu — leuchten 61
Iehterer, e, es, der, die, dad letztere gebraucht man nur zur Hinwei—
fung auf den (eftgenannten von zwei Gegenftänden , entfor. erfterer zc,
ſ. d.z — lebt als Nw., auch letztens, b. letzthin, altu . oberd. letztlich,
Nw. dev Zeit: vor Furzem, Eürzlich, unlängft, neulich, jüngftz letztlich
oberd. auch f. zuletzt; die Letzte od. gew. Lebt, gem. f. dad Ende, der Bes .
ſchluſs (auf die Letzt, d. i. am Ende, gegen das Ende; zırguter Letzt,
d. i. zum guten Beſchluſs; vergl. Lee 3.)5 legterwähnt, legtgenannt u. dgl,
Bw. f. zulegt erwähnt 2.5 letztjaͤhrig, Bw., im letzten, d. i. nächftverfloffenen
Jahre geſchehen; lektwillig, Bw., den legten Willen betreffend od. demfelben
angehörend (fr. teftamentarifch).
leu, Bw., Schiff., nicht genug gebogen.
Leu od. Leue, m., -en, M.-en, alt u. dicht. f. Löwe, ſ. d.
Leuchfe, w., M.-n, (fhwäb. Leuchfel), oderd. f. die Leiſte, Stemm—
leiſte am Ruͤſtwagen; der Leuchſenring f. Leiftenring (f. Leiſte).
leuchten, ziellof. Zw. m. haben (altd. liohtan, liuhtan; engl. light,
lighten; von lioht, Licht, ſ. d.), eigenes Licht ausftrahlen u, dadurd) andere
Körper erhellen, Kine: foheinen, glänzen 2c, (die Sonne, der Mond leuchtet den
Menfhen; das Wetter leuchtet, gem. f. es blist, beſ. ohne hörbaren
Donner); überh. lebhaften Glanz verbreiten (leuchtende Augen, Edelſteine;
von Gold und Edelfteinen leuchten ꝛc.) 3 uneig. fi) durch Ölanz aͤußern oder
verrathen (Freude leuchtet aus ihren Augenz dicht. aud mit dem Acc.: ihr
» Antlig leuchtet Liebe 26.)5 deutlich erfennbar oder leicht einzufehen fein (das
leuchtet in die Augen; vergl. einleuchten); in engerer Bed. durch VBortragung
oder Borhaltung eined Lichtes, einer Leuchte ꝛc. Helligkeit verbreiten, mit
d. Dat. der Perfon (leuchte einmal! er leuchtete mir die Treppe hinunter, nad)
Haufe 20.5 uneig. gem, einem heim od. zu Saufeleudten, d. i. ihn an
führen, ablaufen Lafien); — 3fes. dad Leuchtfeuer, ein zum Leuchten un:
terhaltenes Feuer, bef. auf hohen Bergen od. Thürmen als Zeichen für Seefah—
ver; der Reuchtkäfer, Leuchtwurm, im Dunkeln leuchtender Käfer, bef. der
Johanniskäfer; die Leuchtkugel, in der Feuerwerkskunſt eine Feuerkugel, welche
an einen Ort geworfen wird, um ihn zu erleuchten; auch gewiſſe hell glänzende
Feuerkugeln bei Luſtfeuern; die Leuchtpfanne , eine mit brennbaren Stoffen
gefüllte eiferne Pfanne zur Erleuchtung eines Platzes unter freiem Simmel; die
Leuchtröhre, Bäck., eine Röhre od. ein Loch an der Seite des Ofens, worin
zur Erleuchtung desſelben Holz angezündet wird, auch: das Leuchtloch; die
Leuchtſaͤule, Bauk., eine inwendig hohle, mit einer Windeltreppe verſehene
ur durch Seitenbffnungen zu erleuchtende Säule; der Leuchtſtein, ein faferiger
| Schwerſpath, der im Finftern leuchtet, wenn er einige Zeit im Freien an der
Sonne gelegen hat (fr. bononiſcher od. Bologneſer- Stein) ʒ der Leuchtthurm,
ein Thurm an der Seeküſte, auf welchem Leuchtfeuer für die Seefahrenden un—
terhalten wird, Feuerthurm, Feuerwarte (fr. Sharus); — Ableit. die
Leuchte, M, -n, Verl. dad Leuchtchen, (altd. liubta; niederd. Luchte,
dan. Iychte, ſchwed. Iykta), urfpr. überh. ein leuchtender Körper, ein Licht
(dee Mond eine Leuchte der Nacht 2c,)5 gew. in engerer Bed. f. v. w. Laterne,
ſ. d.e3 Naturk. eine Urt der Scefeder, welche einen Lichtglanz verbreitet; dag
Bergijsmeinniht: blaue Leuchte; der gemeine Andorn: weiße Leuchte;
\ der Leuchter, —s, M. w. E., mer leuchtet, d. i. das Licht od. die Leuchte
vorträgt (der Beuchter geht voran); ein Geraͤth od, Geftell, welches ein Licht
4
B2 leuen — lich
trägt (sinnerner, filberner, Arms, Kron-, Wandleuchter 2c.)5 auch ein Pflan-
zengefchlecht,, deſſen hangende Blüthendolden mit aufgerichteten Blumen einem
Armleuchter ähneln; der Leuchterfnecht, f. v. w. Lichthalterz die Leuchter-
fäule od. der Leuchterftuhl, ein Geftell, einen Leuchter darauf zu ftelen, aud)
Leuchtergeftell, = tifch ꝛe. (fr. Gueridon) 5; die Leuchtung, das Leuchten,
gew. Bez, Erleuchtung; der leuchtende Schein, bef. Landfch. f. Blitz.
leuen 1., ziellof. Zw. (angelf. hlewan, engl. low; verw. mit Löwe?),
niederd. f. brüllen, vom Rindoieh und vom Lbwen; — 2. ziel. Zw., Schiff.,
Stücfgüter auf eine gewiffe Art ausladenz daher: dad Leutau, beim
Leuen gebrauchte Zaue. 1 .
leugnen, f. läugnen.
Leumund, m., -d, 0. M. (oberd. aud) Leumuth, Leumat, Leumde;
altd. hliumunt; nicht aus „der Leute Mund’ zgez., fondern v. d. goth. hliuma,
Ohr, isländ. hlioma, erfchallen, rufen, und der Endf. unt, gem. uth, end
(3. B. Armuth, Jugend; daher: verleumden, |. d.5 vergl. d, griech.
»Aveıw u, das lat. clamare) meift vlt. f. Gerücht, Ruf, allgemeine Meinung;
bef. der gute Auf, gute Namen (Semands Leumund kränken; böfen Leumund
machen, einen in üblen Leumund bringen 2c.).
Leute, die, o. E., Verkl. die Reutchen, (goth. lauths, der Menſch;
altd. dazu. der liut, (M. liudi) angel. leod, island. Iydr, ſchwed. Iyd, bbhm.
lid, poln. lud, das Volk; vergl. d. griech. Auos ; oberd. noch das Leut f. Volt
u. f. eine einzelne Perfonz niederd. nur -Mehrh; Linde), überh. Menfchen,
Derfonen jedes Geſchlechts, bef. Erwachfene, meift als unbeftimmte, unge:
zahlte Menge gefafit (geringe, vornehme, gute Leute 2c.; Land und Leute; wenig
unter die Leute kommen, d. i. wenig in Gefellfchaft gehen; aus Kindern werden
Leute, d. i. Erwachfene; wir find gefchiedene Leute 2c.); bef. in Zſetz. zur Be-
zeichnung von Perfonen beiderlei Gefchlechtd, 3. B. Eheleute, Landleute 26,5
oft auch vorzugsweife auf das männl. Gefchl. gehend f. Männer, (3. B. Kaufz,
Kriegs-, Handwerköleute 2c.); in engerer Bed. f. die Menge, das Volk, der
große Haufen (etwas unter die Leute bringen; in der Leute Mäuler Eommen) 5
dienende od. Jemand unterworfene Perfonen (meine Leute, d. i. Dienſtboten;
Land und Leute verlieren, .d. 1. das Land und die Unterthanenz ehem. bef.
Kriegsvdlker) ; der Leuteplager, =fcherer, härter: = fchinders leuteſcheu,
Bw., f. v. w. menſchenſcheu, f.d.5 leutjelig, Bw. (vergl. felig), gern und
wohlmollend mit Menfchen umgehend, finnv. umgänglich, freundlich, lieb—
reich, bef.-von Vornehmen gegen Grringere (ein leutfeliger Fürſt; ein Leutfeliges
Betragen); alt u. oberd. auch: von vielen Leuten befucht, volkreich, lebhaft
(ein leutfeliger Ort; fr. freguent), wofür landfch. auch: Leutlichz die Leut—
jeligfeit, dad Leutfeligfein, finnv. Wohlwollen, Freundlichkeit.
Leuwagen, m., -8, M. w. E,, niederd. f. Scheuerbürfte, Schrubber,
Levfoje, w., M. -n, ein befanntes Gartengewächs, in Spanien
wild werhfend, mit wohlriechenden, vielfarbigen Blumenz eig. nur die weiß:
blühende Gattung (v. d. griech. Azvxdiov, d. i. weißes Veilhen, ehem. weißer
Beil genannt, wegen des Veilchengeruchs).
lich, Endf. (goth. leiks, angelf. lic, altnord. likr; ſchwed. u. dan. lig;
altd. lih, lich, leich; eig. das alte Hw. lih, Leib, Geftaltz vergl. Leiche,
gleich) bezeichnet überh. dem Stammbegriffe gleiche oder ähnliche Geftalt,
Beichaffenheit, Art und Weife des Zuftandes oder der Handlung, und
lich — licht 63
bildet 1) Beiworter a) von Dauptwörtern und zwar von Perfonen-
Namen, mit dem Begriffe der Ähnlichkeit od. Ungemeffenheit (5. B. menſch—
ich, männlich, weiblich, kindlich, fürſtlich, königlich, d. i. eines Menſchen,
Mannes ꝛc. Art, Beſchaffenheit habend; ſinnv. iſch, ſ. d.), oft auch nur des
Angehoͤrens, Betreffens, Ausgehens von der Perſon, wofür ehem. iſch
gebr. (3. B. die kbniglichen Staaten, ein fürſtlicher Befehl, der gräfliche Stand,
die göttlichen Eigenfhaften f. die Eigenfchaften Gottes ; die bürgerlic;en Freihei—
ten); . ferner von Verbal— Hauptwodrtern und Sachnamen überh.,
die Art und Weiſe, das Wie einer Handlung oder eines Zuftandes be:
zeichnend (3. B. künſtlich, ſchriftlich, bildlich, mündlich, wörtlich, gründlich 2c.;
fo aud) in zeitbeftimmenden Wörtern, wie jährlich, täglid, ſtünd—
Lich 2c. welche die Art und Weife der Handlung als Wiederholung berfelben in
gewifjen Zeiträumen darftellen:: was in jedem Sahre, an jedem Zage ꝛc. geſchieht;
verfh. jährig, tägig, fündig, welche die Dauer während des bemerkten
Zeitraumes bezeichnen); b) von Beiwbrtern, eine Unnäherung an den
Stammpbegriff und daher einen geringeren Grad, eine Verminderung des—
felben bezeichnend (z. B. weißlich, ſchwärzlich, röthlich, bräunlich zc., d. i.
‚dem Weiß, Schwarz ꝛc. ſich nähernd, in dieſe Farben fallend; kältlich, härtlich,
weichlich, kleinlich, ältlich, ſüßlich, d. i. dem Kalten, Harten zc. ſich nähernd,
ein wenig kalt ꝛc.; landſch., beſ. oberd. lautet die Silbe in dieſer Anwendung
ticht, u. gem. Let, z. B. weißlicht, gem. weißlet ꝛc., welches jedoch nicht aus
lich verderbt, ſondern die altd. Endſ. leht ift, entſt. aus eht (icht) u. dem ver:
Heinernden I)3 c) von Zeitwörtern, u. zwar von ziellofen, überh. das
Borhandenfein des Stammbegriffs bezeichnend, finnv. mit dem thätlichen Mw.
(3. B. tauglich, ſchädlich, nützlich, behaglich, ſchmerzlich, ziemlich, beharrlich,
gebührlich ꝛc., d. i. was taugt, nützt, behagt zc., ſinnv. taugend, nützend ꝛc.;
ſterblich, d. i. dem Sterben unterworfen)z ferner von ziel. Zw. entweder mit
dem Begriff der thaͤtigen Wirkſamkeit (3. B. hinderlich, förderlich, erſchreck—
lich, erfreulich f. dv. w. hindernd, erfchrediend ꝛc.; erbaulich predigen, d. i. fo
dafs man Andere erbaut; eine bewegliche Rede, d. i. eine bewegende, rührende),
od. gew. mit dem Begriff einer leidentlichen Möglichkeit, f.v.w. bar, ſ. d.
(3. B. begreiflid, erweislich, thunlich, glaublich, verächtlich, 16blich, d. i. was
begriffen, erwiefen 2c. werden kann; fo aud) unabſehlich, untröftlich 2c. neben
unabfehbar, untröſtbar u. dgl. m.) 5 insbef. aud) von dem thätlihen Mittel:
wort zur Bezeichnung der Art und Weiſe, wobei jedoch das d des Mw. in t
verwandelt wird (3. B. wiſſentlich, hoffentlich, flehentlich, wejentlich, von
wiffend , hoffend 20.53 nach diefer Analogie findet fidy auch in anderen Bildungen
von Hw. u. Bw. auf en zwifchen diefer Endung und der Silbe Lich ein t einge:
ſchaltet, 3. B. namentlich, gelegentlich, öffentlich, eigentlich, gefliffentlich, ver:
fehiedentlich, ordentlich, wöchentlih); — 2) diente die Endf. Lich (mie das engl.
1y) ehem. mehr als jest, um Nebenwoͤrter von Beiwörtern zu bilden (3. B.
klärlich, höchlich, ſichtbarlich, ſäuberlich, kühnlich, ewiglich, gnädiglich, d. i,
auf klare, hohe, ſichtbare ꝛc. —* dieſe Bildungen find jetzt meiſt vlt.; doch
hat in folgenden Wörtern die Silbe Lich auch jetzt noch rein nebenwörtliche Be:
deutung: freilich, kürzlich, neulich, ſchwerlich, wahrlich, erftlich, gütlich, gröblich,
7 bitterlich, gänzlich, ſicherlich u. e. a.).
licht, oberd. Endſ., ſ. unter lich 1) b).
licht, Bw, Comp. lichter, Sup. lichteſt, (altd. licht, leohr, lieht:
64 licht
niederd. Leit), viel eignes Licht habend, Teuchtend, Hell (eine Lichte Flamme);
von fremdem Licht erleuchtet od. beleuchtet, hell (eine lichte Wolke, bei Lich:
tem Tage; gem. es ift heller Lichter Tag); von Farben: dem Weißen fich
nähernd, heil, entg. dunkel (lichtes Haarz lichtbraun, -grün zu; lichte
Hölzer, d. i. Laubhölzer von hellerem Grün, ald die Nadelhölzer); uneig.
von geiftigen Vorftellungen, vom Verftande zc. deutlich, Flar, aufgeklärt (Lichte,
Begriffe, ein lichter Kopf); ferner viel Licht durchlaffend, weite Zwiſchen—
räume habend, weitläufia, duͤnn (ein liter Wald; einen Wald liht machenz
Jäg. lihte Maſchen, f. weite, der Lihte Zeug, d. i. Garne und Netze,
entg. dem finfteren Zeuge, ſ. finfter) 5 das Lichte, Forftw., ein baumleerer
Pat in einem Waldez im Lichten bezeichnet in der Bauf. den inneren
freien, erhellten Raum (4. B. die Stube ift im Lichten 20 Fuß lang, Wi.
ihrem inneren Raume nad), die Wände nicht mitgerehnet) ; — 3 ſetz. lichtblau,
braun, =gelb, «grün, =toth ıc. Bw., ſ. v. w. hellblau, = braun ꝛc. (f. 0.)3
der Lichtfuchs, ein Fuchs, d. i. ein eöthliches Pferd von Lichter Farbe, Hell:
fuchs, z. U. v. Rothfuchs; lichterloh, Nw. (zgez. aus „mit Lichter Lohe“), mit
Lichter od. heiler Flamme (3. B. das Haus brannte lichterloh); — das Licht, - es,
M.-er und -e (fu), Verkl. dad Lichtchen (Mehrh. in ver Volksſpr.
Lichterchen) oberd. Lichtlein, (goth. liuhath, altd. lioht, liehr; oberd.
Liecht, niederd. Lucht, Lecht; engl. light; lat. lux; vergl. d. griech. Azvzos,
4.0000, Aöyvog 2c.) 1) o. M. der von leuchtenden Körpern audgeftrahlte uns
wägbare Stoff, welcher die Körperwelt fihtbar macht, auch die dadurch
verurfachte Helle und die erhellende Eigenfchaft Teuchtender Körper, entg.
Dunkel, Finfternifs 2c. (das Licht des Tages, der Sonne, der Sterne, einer
Lampe; der Mond hat ein entlehntes Licht) 5 insbeſ. f. Sonnen = od, Tages—
liht, Tageshelle (das Licht fällt durch die Fenſter; die Treppe hat zu wenig
Licht; einem das Licht verbauen; mit anbrechendem Lichte, d. i. Tage; etwas
gegen das Licht Halten, beim Lite befehen, auch uneig. f. genau be-
trachten und unterfuchen; etwas, 3.8. ein Gemäldeins rehte Licht ftel-
len, d. i. ſo dass das Tageslicht von der gehörigen Seite darauf füllt; auch
uneig. eine Sache fo darftellen, daß fie richtig erkannt und beurtheilt werde;
entg. etwas in ein falſches Licht fellen, .in falſchem Lichte fehen 2c.5 fo
auch: etwas in ein günftiges, od. ungünftiges, vortheilhaftes oder nachtheiliges
Licht ftellen 20.5 einem im Lichte fteehen, 2. i. ihm durd) feinen Körper das
Licht entziehen, aud) uneig. überh. f. im Wege od. hinderlich fein; fich feldft im.
Eichte ftehen, d. i. ſich ſelbſt Hinderlid) fein oder fchadenz einen Hinter das
Licht führen, d. i. täufchen, hintergehen; das Licht der Welt erbliden, d. i.
geboren werden; etwas ans Liht bringen, d. i. offenbar, befannt machenz
ans Licht kommen, d. i. bekannt werden ; das Licht ſcheuen, d. i. die Hffent⸗
lichkeit); ferner: der Schein eines kuͤnſtlich eingerichteten leuchtenden Koͤr—
pers, das Kerzen-, Lampenlicht ꝛc. (bei Licht arbeiten, fihreiben)s; auch f.
Mondliht, Mondfchein u. f. den Mond felbft (das volle Licht, d. i. der -
Vollmond; das neue Licht, d. i. das erfte Viertel; im zunehmenden Lite, d. i.
Monde 2c,)5 uneig. f. deutliche, Flare Erkenntniſs, Einficht, Aufſchluſs
(das Licht der Vernunftz laſſet euer Licht leuchten 2c.; in einer Sache Licht bes
kommen; jest geht mir ein Licht auf, d. i. die Sache wird mir deutlich); auch
f. das Leben, die Lebenskraft (das Lebensiiht); 2) M. -er, ein leuchtender
Körper (die Sonne # das Licht des Tages; bibl. Gott machte zwei große
Lichter
* J ’ i fi J licht 65
Lichter ec.; die Sterne find die Lichter der Nacht; Himmelslichter, Irrlichter 2c. ;
die Lichter (d. i. brennenden Kerzen) brannten trübe) 5 uneig. f. Auͤgen, Jüg.
die Augen des Hirfhesz Mal. die hell gehaltenen Stellen eined Gemäldes,
entg. Schatten, (die Lichter anlegen); aud) f. Perfonen von hoher Einficht,
erleuchtete Lehrer 2c. (Chriſtus ift das Licht der Weltz die Lichter der Kirche,
d. i. erleuchtete Kirchenlehrer, u. dgl.); 3) M. -e (oberd. jedoch auch -er)
von Talg od, Wachs gezogene oder gegoffene, mit einem Dochte verfehene
walzenförmige Körper, welche angezuͤndet zur Erleuchtung dienen, oberb.
gew. Kerze, (Wachs-, Talglichte; Lichte ziehen, gießen; ein Pfund Lichte;
die Lichte aufſtecken, anzünden, pußenz einem das Licht halten, d. i. ihm leuch—
ten, u. uneig. zu etwas behülflich feinz die leuchtenden Flammen der Lichte
aber heißen: Lichter); — Zfep. die Lichtader, die weiße Ader der Thiere,
woran Herz u. Gefihlinge bangen; aud; eine Ader am Kopfe der Pferde, Kol:
leraderz die Lichtarbeit, Arbeit beim Schein eines brennenden Lichtesz der
Lichtbaum, ein ausländ. Baum, deſſen fhotenartige Früchte die Geſtalt eines
gezogenen Lichtes haben, eine Art des Wurzelbaumes, Leuchterbaum, Leuchter:
wurzelbaum; das Lichtblatt od, verkl.-blaͤttchen, ein Metallbtättchen, wel-
ches den Edelfteinen bei der Faſſung untergelegt wird zur Erhöhung des Glan-
zes (fe. Folie); der Lichtblick, der augenblickliche Schein eines Lichtes; uneig.
ein augenbliclicher Schein z. B. von Hoffnung 2c. 3 ein heller Blick des Auges,
od. des Geiſtes; die Lichtblume, Herbtzeitlofes der Kichtbraten, Handw,,
ein Braten od. kleiner Schmaus, weicher den Gefellen gegeben wird, wenn fie
anfangen bei Lichte zu arbeiten; der Lichtdaͤmpfer, ein Werkzeug zum Aus:
(öfchen eines brennenden Lichtes; die Lichteule, eine Art Nachtfalterz die
Lichtform, Form zum Lichtgießen; der Lichtfreund, ein Freund des Lichte,
bef, uneig, der klaren Einfiht, der Aufklärung; die Lichtgeſtalt, dicht, eine
leuchtende od. von Licht umfloffene Geftaltz fo auch das Lichtgewand u, dgl. ;
der Lichtgießer, wer Talglichte gießt; der Lichtglanz, Glanz tes Lichtes,
leuchtender, heller Glanz; lichtglängend, Bw.; der Kichthalter, wer ein
Licht haltz ein Werkzeug, weldyes man auf einen Leuchter fest, um Lichtſtümpf—
hen darauf zu fleden und ausbrennen zu laffen, auch Lichtknecht, Lichtſtecher,
Leuchterknecht genannt; lichthell, Bw., von Licht erhelit, fehr Hell; das
Lichtholz, Kien= u. anderes Holz, defien Späne die Landleute auf dem Herde
ſtatt der Lichte brennen; Forſtw. f. Laubholz (ſ. Ticht) 5 der Lichthut, ein hohler
bleherner Kegel zum Auslbſchen eines brennenden Lichtes; die Lichtfammer,
Kammer zur Verwahrung der Lichte, bef. an Höfen; auch die zur Aufſicht
darüber beftellten Perfonen, deren VBorgefegter der Lichtkaͤmmerer ift; der
Lichtknecht, |. Lichthalter; das Lichtfrauf, großes Schöllkraut;z lichtleer
0d, 108, Bwe, Fein Licht habend, dunkel; uneig, ohne Einficht od, Deutlich:
keit; die Lichtlehre, die Lehre von der Natur des Lichtes, ein Theil der Natur:
lehre (fr, Optik); das Lichtloch, ein Loch, durdy welches das Tageslicht ein:
fällt; der Lichtmarder, Baum: od. Feldmarderz die Lichtmaffe, eine große
Menge Licht, beſ. Mal, eine große fehr heil gehaltene Stelle; das Kichtmeer,
dicht, eine große Fülle hellen Lichtes; die Lichtmefle, gew. abgek. Lichtmeſs,
das Feſt der Reinigung Mariä am 2ten Febr., an weldhem in der röm, Kirche
= Kerzen zu feierlichen Umgängen geweiht werden, Lichtweihe, Kerzenweihe; der
Lichtmeſſer, ein Werkzeug zur Meſſung des Grades der Lichtſtärke (fr, Photo:
- meter); die Lichtmotte, eine Art Nachtfalter, welche nad) dem Lichte fliegen,
Hey ſe's Handwödrterb, d. deutfchen Spr. 2. Theil. >
66 lichten — lieb
Lichtfliege, Lichtmuͤcke; der Lichtpunkt, ein Heil beleuchteter Punkt; uneig.
ein einzelner erfreuliher Umftand, ein Hoffnungsfchein u, dgl. z die Lichtpuße
od, Eichtfchere, ein Werkzeug zum Pusen der Lichtſchnuppe; das Lichtrecht,
das Recht, durh die Wand eines Nachbarn ein Fenfter- zu bredenz lichtrein,
Bw., rein wie das Lihtz Fichtfcheu, Bw., das Licht, u, uneig, die Öffent:
lichkeit 0d, die Aufklärung ſcheuend; die Lichtſcheu, Scheu vor dem Lichte, eig,
u. uneig.; auch eine Augenkrankheit; der Lichtſchirm, ein Schirm, die zu hellen
Lihtftrahlen von den Augen abzuhalten; die Lichtſchnuppe, ſ. Schnuppe; die
Lichtſeite, die dem Lichte zugewendete Seite; uneig, die vortheilhafte Seite einer
Sache, entg. Schattenſeitez der Lichtſtock, landſch., ein einfacher hölzerner
Leuchter z der Lichtſtoff, das Licht, als ein feiner Stoff betrachtet; der Kicht-
ſtrahl, das in gerader Linie von einem leuchtenden Körper ausgehende Licht (f.
Strahl); der Lichtſtrom, eine ſich verbreitende große Lichtmaſſe; der Licht—
traͤger, wer ein Licht trägt, auch ein ſolches Werkzeug; Naturl. ein im Dune
keln feuchtender Körper (Phosphor); lichtvoll, Bw., viel Licht habend, fehr
heil; bef, uneig. fehr "deutlich, klar (ein lichtvoller Vortrag); die Lichtweihe,
ſ. Lichtmeſſez der Pichtwurm, das Johanniswürmchen; der Lichtzieher
(landſch. gem. Lihterzieher), ein Handwerker, welcher Talglichte zieht, d. is
durch mehrmaliges Eintauchen des Dochtes in den gefhmolzenen Talg Lichte ver:
fertigt; — Wbleit, der Lichtling, - ed, Mi -e, eine Art Löcherſchwamm,
der Eichhaſe; lichten 1., ziel, Zw., ficht od. hell machen, „erlsuchten, er=
hellen („taghell ift die Nacht gelichtet’”); uneig. deutlich machen, aufflärenz
insbef, einen Wald —, durch Aushauen der Bäume lichter machen; ſich —,
licht oder hell werden, fich aufklären.
lichten 2., ziel. Zw. (engl. light u. lift; ſchwed. Iyffra; Tat, levare; vergl.
leicht, altd, liht, niederd. Licht), bef. niederd. f. aufheben, in die Hoͤhe heben,
aufwinden (die Anker —); u. f. leicht machen, entlaften, ausleeren (eine
Tonne, ein Schiff, die Kaffe —); die Lichtung, das Lichten; der Lichter,
-8, (engl, lighter, dän. ligter), Schiff, Elsine Fahrzeuge zum Lichten, d. i.
Ausladen, der größeren, Leichter, Leichtichiff.
lichterloh, Lichtfuchs, ſ. unter licht; Lichtgeftalt ꝛc. — Lichtzieher,
ſ. Licht.
lieb, Bw. u. Nw., Comp, lieber, Sup, liebſt, (ooth, liubs, altd. lub,
liep; nieberd, leef, angelf. leof, engl, lief, ſchwed. Ijuf; pol. luby; vergl.
d. lat, Iubet, liber 26,), überh, angenehm, Vergnügen gewährend, entg.
leid, unlieb, mit dem Dat, der Perfon, oder aud) ohne perſönl. Beziehung
(es ift miv lieb, dafs 20,5 laſs dir das Lieb fein; es war mir nicht lieb, zu hö—
ren 26,5 er ift mir lieber, als fein Bruderz dies ift meine liebfte Beſchäftigung;
das ift ein liebes Kind, er ift ein lieber Mann u, dal.; mit etwas fur lieb,
od, fürlieb nehmen 5 f. fürlieb) z in beftimmterer Bed, geliebt, hoch = oder
werthgeſchaͤtzt, ſinnv. werth, theuer (er ift mir lich und werth3 mein lieber
“ Freund, Bruder 20,5 fo lieb dir dein Leben ift), durch den alltäglichen Gebraud)
oft bedeutungstos geworden (z. B, lieber Freund, als Unredeworr für Un—
bekannte, bef, Perfonen geringeren Standes), in der Volksfpr. haufig als ftehen-
des Bw, von Geaenftänden, die zum Leben und Wohlſein unentbehrlich und im
höchſten Grade geſchätzt ſind (z. B. das liebe Brod, die liebe Sonne, das liebe
Leben, der liebe Gott, die liebe Zeit u, dgl, m.); einen od, etwas lieb haben,
lieb gewinnen (gem, befommen), d, i, Liebe, Zuneigung dafuͤr haben,
lieb | | 67
gewinnen (einen ober etwas lieber haben, d, i, mehr lieben, ihm geneigter
fein) ; — ber Comp. u. Sup, lieber, liebſt (am liebften) vertreten als
Nebenwörter die Stelle der ungebr, Steigerungöfkufen von gern, ſ. d.
(id) thäte es Lieber felbftz ich fähe es lieber, wenn 20,3 diefen Wein trinke ich
am liebften 2c,), u, lieber geht oft in dieBed, cher, — über (z. B. lieber
ſterben, als ehrlos Leben) ; — als Hw, ſteht ſächl. Liebes f. Ungenchmes,
Erwuͤnſchtes (einem Liebes u, Gutes erzeigen; fie thut ihm Liebes u, kein Lei—
des), in der Volksſpr. auch f. eine geliebte Perfon (etwas Liebes haben); das
Liebfte f. das Ungenchmite (das wäre mir das Liebftezc,); per ſönl. mein
Lieber, meine Liebe, M. meine Lieben, als freundliche u, vertraue
liche Anrede; der, die Liebfte, ihr Liebſter xc, in der Volksſpr. f. Ge—
fiebter, Geliebte, Liebhaber ꝛc., fowohl von verehelichten, ale unverehelichten
Perſonen (er ift ihr Liebſter; ihr Herr Liebfter, feine Frau Liebjte, aud) Ehe:
liebfter, =tiebfte, vit, f. Gatte, Gattinn)z; das Lieb, vit. (3. B. ein ſchönes,
feines Lieb 2c,), jest nur noch in der vertraulichen Sprache verkl. das Lieb hen,
f. die Geliebte, ein geliebted Mädchen; — die Liebe, o. M, (altd, liuba,
liebe; oberd, Lieb; niederd, Leewe, Leefte; angelf. leof, engi. love) überh,
die Neigung des Gemuͤthes zu einem Öegenftande, u. dad Vergnügen od,
Wohlgefallen an deffen Beſitz od. Genufd (die Liebe zum Leben, zur Frei:
heit, zum Wein ꝛc.; Luft u, Liebe zu einem Dingez etwas mit Liebe thun 2c,) 3
insbeſ. die herzliche Zuneigung zu einer Perfon u. das innige Wohlgefallen
an derfelben (Liebe zu oder gegen Semand haben, empfinden, hegen, tragen;
er that es aus Liebe zu mir, oder mir zu Liebez einem Liebe und Sreundfchaft
erweifen 3 Alterliche, Eindliche Liebe, Gefhwifterliebe, allgemeine Menfchenliebe 2c, ;
tie Liebe Gottes, d, i. Gottes Liebe gegen die Menſchen, od, die Liebe der Men:
fihen zu Gott); in engerer Bed, die leidenfchaftliche Zuneigung zu einer Per—
fon ded andern Geſchlechts, Gefchlechtölicbe, ehem, gew, Minne (in Liebe
entbrennen, vor Liebe zu Jemand brennen ꝛc.; eine innige, zarte, heftige, leiden-
ſchaftliche, reine, edle, finnliche Liede 2c.; ſprichw. die Liebe ift ‚blind, d. i.
fie fieht nicht die Fehler der geliebten Perſon; alte Liebe roftet nicht, d. i, ver:
liert fih nicht); uneig, der Gegenſtand der Liebe, die geliebte Perfon (er ift
ihre erſte Liebe; ehem, aud) als Anredewort des Yredigers an die Gemeinde:
EureLiebe, od, Eure riftliche Liebe); die brennende Liebe, eine
ruſſiſche Pflanze mit baarigen Stengeln und glänzenden hochrothen Blumen z
die ſchoͤne Liebe, das gelbe Ruhrkraut, die Flufsblumez — lieben,
Zw. (altd. liuban, lieben, doc) nur f. lieb fein, u, einem etwas lieb od, angenehm
machen; in anderer Bed, fteht dafür minnenz niederd, leewen, hol, lieven,
angelf, lufian, engl, love) 1) ziellos m, haben, ehem, lieb fein, belieben,
behagen, gefallen (3. B. was Einem liebt, leidet dem Andern; vergl, d. lat,
libet); jest Liebe empfinden, verliebt fein. B. er liebt ohne Hoffnung; fie
hat geliebt), auch von —— Liebe u. Wolluſt (er Hat viel geliebt) 3 2) ziel,
einen od, etwas —, Liebe, Zuneigung dagegen empfinden, gem, lieb ha=
ben, gern haben, einem gut fein (feinen Nächften, ſich felbft, Gott, feine
Altern; den Wein —3 Säg, f. liebkofen, ftreiheln: einen Hund) 5 bef. von der
Gefchlechtöliebe (er liebt ein Mädchen), in welhem Sinne beide Mittelmörter,
liebend u, geliebt, häufig ald Bw. u. Hw. ftehen: eine liebende od, geliebte
Perfonz der, die Liebende, M, die Liebenden; der, die Geliebte,
ein, ihr 2c, Öeliebterz in weiterer Bed, etwas —, f. Neigung zu einem
5*8
68 lieb
Thun, od, Wohlgefallen an einem Zuftande haben, etwas gern thun, üben,
od, fehen (4. B. id) liebe die Ordnung und Reinlichkeitz das liebe ich nichts er
liebte, zu fagen 2,5 dieſe Anwendung des Wortes ift erſt in neuerer Zeit durch
Nachahmung des franzöf, aimer üblich geworden); — Bfeg. von lieb: lieb-
augeln, untrb. ziellof, Bw, m, haben, durd) zärtliche Blicke Liebe verrathen ;
it Semand, mit einander —, d. i, verliebte Blicke wechſeln; die Liebaugelei,
das Liebäugeln; das Liebaugelein, Namen verfhiedener Pflanzen : Borretſch,
große Ochſenzunge, blauer Krummpals ; die Liebfrauenmilch, eine Art milden
Rheinweinsz; der Liebhaber, -&, die Liebhaberinn, M. -en, überh, wer
etwas Lieb od, gern hat, Vergnügen od, Wohlgefalien Shen findet (ein Liebhaber
der Jagd, von Pferden, Gemälden, Büchern 2c,, ein Liebhaber dee ſchönen
Künfte), aud) wer fid) aus Neigung mit einer Kunft ꝛc. befyaftigt, ohne dieſe
Beihäftigung zum Lebensberuf zu machen, fr, Ditettant, entg, Künſtler; aud)
f. Kaufluftige, Käufer (die Waare findet eine Liebhaber) 5 in engerer Bed, wer
eine Derfon des andern Gefchlechts licht, deren Liebe befist od, ſich um dieſelbe
bewirbt, gem, Liebftev (er ift ihr Liebhaber; fie hat mehre Liebhaber 2c.)5 in
der Bühnenfpradie: ein Schaufpieler, derLiebhaber: Rollen Tpielt (dev erſte
Liebhaber); die Liebhaberei, das Vergnügen od. Wohlgefallen an einer Sache,
u, die Sache felbft, woran man fi) vergnügt (das Bücherfammeln ift feine Lieb:
haberei), bei. die Befhäftigung mit einer Kunft zum eignen Vergnügen ohne
Künftierberuf (fr. Dilettantismus); liebhaberifch, Bw., Liebhaberei habend,
zeigendz liebherzen, untrb. ziel. Bw, (vergl. herzen),- meift vlt., gew. lieb-
Fofen, ziel, Zw., untrb. (id) liebEofe, geliebEof’t 2c. 5 dod) dicht, auch Liebgekof’t,
liebzukofen), zärtlich, mit Liebe behandeln, durch Streichen, Küffen zc, feine
Liebe zu Semand Außen, fr, careffiven, dem herrfchenden Gebraude gemäß
mit dem Acc. der Perfon (er Liebkofete fie; die Mutter Liebfofet ihr Kind; daher
auch: ic) werde geliebEofet 2c,), bei manchen neueren Schriftftellern jedoch mit
dem Dat, nad) der Analogie von ſchmeicheln (er LiebEofet ihr; uneig, das
Glück Liebfofet ihm 2c.)5 der Liebkoſer, die Liebfoferinn, wer Semand Lieb:
Eopt; die Liebkoſung, das Liebkofen, u. jede einzelne Zärtlichkeitsäußerung
(M, LiebEofungen, fr. Careſſen); dad Liebfofungswortz; liebwerth, Bw.,
olt,, lieb und werth (ehem, in Briefen, 3.3, liebwertheſte Altern), verſch.
liebenöwerth, ſ. u; — Bje& von Liebe: liebeathmend, » girrend, = jaud)-
zend, =lächelnd, u. dgl. dit. Bw, f. im Athmen, d, i, mit jedem Athem-
zug, durd) Girren, Lächeln ec. Liebe äußerndz liebebang, =begeiftert, = glü=
hend, =heiß, -krank, =ficch, =trunfen, «warm, =wund u. dgl, Bw,
d, i, bang, begeiftert, glühend, krank 2c, vor od, von Liebe; liebeleer od. liebes
los, Bw., keine Liebe empfindend, der Liebe beraubt od, entledigt (verfch, lieblos,
f. u); liebevoll, Bw., von Liebe erfüllt, von Liebe zeugend (eine liebevolle
Behandlung); — lieblos, Bw., ohne Menfchenliebe, gleichgültig bei Andrer
Wohl und Wehe, kalt, eigenfächtig, unempfindlich, hart; die Lieblofigfeit,
das Lieblosfein, die Kälte, Härte; liebreich, Bw., viel Liebe und Menſchen—
freundlichkeit befisend u, zeigend, finnv. wohlmwollend, freundlich; der Liebreiz,
Liebe erweckender Reiz, Schönheit in Bewegungen, Handlungen u, der ganzen
äußeren Haltung, ſinnv. Anmut) (fr, Grazie), dod) Liebreiz nur vom weibl,
Geſchlecht; liebreizend, Bw., mit Liedreiz begabt, anmuthig, veizend; —
dad Kiebesabenteuer; ver Liebesapfel, eine Art des Nachtſchattens; das
Liebesband; der Lirbesbaum, der gemeine Judasbaum, ſ. d.z der Liebes—
Liebig — Liebſtoͤckel 69
blick; der Liebesbote, die Liebesbotinn, wer Verliebten Nachricht von einon—
der bringt; der Liebesbrief, ein Brief verliebten Inhalts; die Liebesbrunſt,
ſ. Brunſt; der Liebesbund; der Liebesdichter, fr. erotiſcher Dichter; der
Liebesdienſt, Dienſtleiſtung aus Liebe; die Liebes- od, Liebedienerei, verächtl.
übertriebene Dienſtwilligkeit und Nachgiebigkeit aus Liebes der Liebesdrang;
die Liebeserklaͤrung, Erklärung, d, i. Entdeckung u, Ankündigung der Liebe
gegen eine Perfonz; das Kiebesfeuer, die Liebesflamme, f. Feuer, Flamme;
das Liebesfieber, die Jungfernkrankheit; uneig, eine krankhaft leidenſchaftliche
Liebe; das Liebesgedicht, fr. erotifches Gedichtz der Liebesgenuſs; die
Liebesgefchichte ; das Liebesglüd; die Liebesgluth ; der Liebesgott, die
Liebesgöttinn, Gottheiten der Liebe in der alten Görterlehre (Eros, Amor;
Aphrodite, Venus); Liebesgoͤtter (fr. Umoretten), Eleine anmuthige Wefen im
Gefolge der Liebesgdttinn; der Liebeshandel, eine Liebesangefegenheit, ein
Liebesverhältnifs u. deſſen Verlaufs der Liebeskuſs; die Kiebesleute, ein paar
Liebende; das Liebeslied; dad Kiebesmahl, in der älteſten chriftl, Kirche eine
gemeinfchaftliche Mahlzeit zur Erhaltung der brüderlichen Liebe der Gemeinde-
glieder; dad Liebespaar, ein liebendes Paarz die Liebespein, -qual ꝛc.;
das Liebespfand, ein Unterpfand der Liebe, beſ. ein Kind als Frucht ver Liebe;
die Liebesfhwärmerei, =fchmeichelei, =tändelei ꝛc.; der Liebesſchwur,
sfeufzerz der Liebestranf, ein vermeintlic, zur Liebe reizender Trank (fr.
Philtrum); die Kiebeswonne ; das Liebeszeichen ; der Liebeszunder ꝛc.; —
3fes. von lieben: liebenswerth und liebenswürdig, Bwi, werth' geliebt
zu werden, der Liebe würdig liebenswuͤrdig auch in weiterer Bed. f. anmuthig,
lieblichz artig, freundlich; die Liebenswuͤrdigkeit, das Liebenswürdigſein,
die Anmuth, Lieblichkeit, Artigkeitz — Ableit. v. lieb: das Liebehen, ſ. o.
lieb; Liebden, meift vlt. Anredewort, womit ſich fürftliche Perſonen umter
einander zu betiteln pflegen (Ew, Liebden; ehemals auch bloß: Euer Lieb);
lieblich, Bw,, die Sinne u. die Empfindung angenehm berührend, Wohle
gefallen und Vergnuͤhen weckend, finnv. anmuthig, reizendz die Kieblich-
feit, das Lieblichfein, die Unnehmlichkeit, Anmuth; der Liebling, -e8,
M,-e, eine Perfen, welche man vor Andern liebt und beginftigt, für
beide Geſchl. (er, fie ift mein Liebling; Lieblinginn f. das weibl, Geſchl. ift
eine unrichtige Wortbildung) ; haufig als Beſtimmwort in Zſetz. zur Bezeichnung
vorzüglich beliebter, allen ähn!ichen vorgezogener Gegenftände, z. B. das Rieb-,
lingsbuch, die Kieblingsfchrift, der Lieblingspichter, = fchriftfteller ; das
Lieblingseffen, = gericht, die Lieblingsfarbe, der Lieblingsplaß, das
Lieblingswort ꝛc.; die Liebfchaft, M.- en, der Zuftand der Liebenden,
ein Liebeöverhältnifs, Liebeshandel (eine Liebſchaft haben); auch der Gegen—
ftand der Licbe, die Geliebte; — von Lieben: liebeln, Zw., das verkl.
lieben, 1) zielloa m. Haben, verächtl., tandelnd (nicht ernſt u. innig,) lieben,
zärtlich thun (er liebelt nur mit ihr); 2) ziel, oberd. f. liebkoſen, fchmeicheln
(der Hund Liebelt feinen Herren); die Liebelei, M. -en, das Liebeln, taͤn—
deinde u. laͤppiſche Liebe; der Liebler, die Lieblerinn, wer liebelt,
Liebig, mi, —es, M.-e, landfeh, fe Dompfaff, Gimpel,
Liebſtoͤckel, ſ. 8, M. w. E. (verderbt aus d. lat, ligusticum, fpäter
levistieum ; altd. lubistechal ; niederd, Leverſtock), eine in Ober: Italien wild
wachſende [chirmtragende Pflanze von ftarlem gewürzhaftem Geruch, als Arz:
neimittel gebraucht.
70 Lied — liefern
Lied 1. f., -es, M. -er, Verkl. dad Lied chen, oberd, Liedlein, (altd,
liod, lietz niederd, Leed; wohl verw. mit laut, ſ. d.z goth, liuthon, fingen),
überh. alled Geſungene od. Singbare, der Geſang (das Lied der Nachtigall
u, dgl,); insbef, ein Singgedicht, u. uneig. überh. f. Gedicht (das hohe Lied;
das Lied von der Glocke); dicht, au) der befungene Gegenftand (Bott ift. mein
Lied); in engerer Bed. ein nach einer beftimmten Weife zu fingended, in
gleihmäßige Bersfähe (Strophen) getheilted Empfindungsgedicht (Iyrifches
Gedicht; z. B. ein geiftliches, weltlihes, Dank:, Lob-, Morgen: , Abend-,
Teft:, Geſellſchafts-, Trink-, Giegeslied 26,5 uneig. — das Ende vom
Liede f. das Ende der Sache; ich kann ein Lied davon ſingen, d. i, ich weiß da—
von zu erzählen, idy habe eö erfahren; immer das alte Lied, ſ. v. w. die alte
eier, ſ. 8,)5 — 3 fes. das Liederbuch, ein Buch, welches eine Sammlung
von Liedern enthält, bef. weltlichen, z. U. v. Geſangbuch, f. d.z der Lieder-
dichter, die Liederdichterinn; liederfundig, kiederreich, u. dgl. m. Bw,;
der Liederfanger; das Liederfpiel, ein gefelliges Spiel, wobei Lieder geſun—
gen werden; ein kleines Bühnenſtück mit eingelegten Liedern (fr, Vaudeville)3
der Liedervers, Vers eines Liedes; gem, ein ganzer Versſatz, ein Gefäg (fr.
Strophe), bef, * geiſtlichen Liedes.
Lied 2. ſ.-es, Ms - er (altd. lid, lit, M, lidi, Sieber; v. Fran lidan,
fid) bewegen, vergl. Glied, leiten) vlt. f. Glied, Gelenk; an einem Gelenk
od. Gewinde beweglicher Deckel (daher: Augenlied; oberd. Überlied, ber
Deckel einer Kanne, Büchſe u. dal.); insbeſ. landſch. ein Brett, eine Klappe,
die an einem Gewinde beweglich iſt, 3. B. in Meißen die Fleiſchbank od. der
Sleifchertifch (vergl. Laden).
liederlich, Bw. (wahrſch. verw, mit Lied 2,, lidan, ſich bewegen; alfo
nicht Lüderlich, wie man chem, wolliez vergl. d, engl. litbe, lither, bieg-
fam, geſchmeidig; wend. liede, leicht), urfpr, leicht beweglich (daher oberd,
f. leicht, leichtlich; ſchnell, fogleich, bald); nur nod) als fehlerhafte Beſchaffen—
heit: locker, lofe, nicht feſt und dauerhaft, ſchlaff, ſchlotternd (etwas tie:
derlich befefligen, arbeiten; liederliche Kleidung u. dgl.)s nachläffig, leichte
fertig, unfleißig, unordentlich (ein liederlicher Arbeiter; er ift in feinen Sachen
fehr liederlich 5 in feiner Stube fieht es Liederlich aus); bef. in fittlihem Verftande
ein harter Ausdruck f. leichtjinnig, ſittenlos, ausſchweifend, fofern damit
Unordnung u. Fahrläfigkeit in häusl. Gefhäften verbunden ift (liederlich Leben 5
ein liederlicher Menſch; liederliches Gefindel); alt u. landſch. aud) f. geringhals
tig, ſchlecht, niedrig (liederliches Geld; ein liederlicher Preis); kraͤnklich,
ſchwaͤchlich; die Kiederlichkeit, das Liederlichfein, die Nachläffigkeit, Un—
ordnung, Sittenlofigkeit,
liedern, ziel. 3:w. (v. Leder), landſch. u. Bergw. f. Iedern, mit Leder
verfehenz; daher die Liederbühne, Bergw., eine Bühne, auf welcher bie
Sätze in den Wafjerkünften geliedert werten,
Liedlohn, m, (von dunkler Abſtammung; z vielleicht verw. mit d. isländ. lid,
Hülfe), Landfeh, f. Arbeitsichn, Tagelohn, Geſindelohn; der Liedloͤhner,
f. Lohnarbeiter, Tageloͤhner.
liefern 1., zielloſ. Zw. m. fein (niederd. levern, ſchwed. lefra ; verw, m,
Lab, Leber), landſch. f. gerinnen, gew. geliefern.
liefern 2., ziel, Bw. (niederd, u. dän. levern; mittl, lat, liberare, franz.
livrer; vom goth. lewjan, altd, liuuun, angelf, laevan „ engl, allow, über:
liegen | 71
geben, veihenz vergl, bad walliſ. lav, die Hand), urfpr, überh, geben, dar—
reichen; jest in engerer Bed, in Jemands Gewahrfaın oder Befik bringen,
bef, fofern es nicht unmittelbar von Hand in Hand geſchieht, uͤberantworten,
vergl. ab=, aus-, überliefern (einen Verbrecher in die Hände der Obrigkeit);
insbef, im Auftrag und für Geld zu Jemands Gebrauch herbeifchaffen od.
‚ herftellen umd fertig übergeben (eine beftellte Arbeit, Waaren für den Hof,
Borrüthe für ein Heer, ein Buch heftweife —)3 uneig, eine Schlaht —, dem
Feinde ein Treffen —, d. i, eine Schlacht mit ihm halten, beftehenz einen —,
d. i. ihn dem Verderben uͤbergeben, preis geben, aufopfern (ex ift geliefert,
d, i, verloren) ; der Lieferer, - €, od, gew, mit fremdartiger Endung Pieferant,
- en, wer beauftragt ift, gewiſſe Vorräthe, z. B. Kriegsbedarf ec. fiir Geld
zu liefen; die Lieferung, M.-en, die Handlung oder das Geſchaͤft des
Lieferns (er hat die Lieferung für den Hof, für das Heer 2c.); auch dad Ge—
liefrete, (Lieferungen an Lebensmitteln, an Gelde 2c.), bef. fo viel auf ein mal
geliefert wird (die erſte Lieferung eines Werkes u, dgl.) 5 daher das Lieferungs—
geld, =heu, =forn, -Aſtroh; die Lieferungszahl, =zeit ꝛe.
liegen, ziellof. Bw. m. haben, alt u, oberd, m. fein, (goth. u. altd, ligan,
nieberd, liggen, ſchwed. ligga, engl. Iy; v. Lea, niedrig, f. d, u. vergl. legen,
Lage); ablaut, f. er liegt: attd, lie, oberd. leitz Impf. lag (altd, lac), Gonj.
läge; Mw. gelegen; eig. niedrig fein, daher Bergw, das Liegende, bie
untere Fläche eines Ganges, z. U, v, dem Hangenden ; gew. auf feiner größten
Flaͤche ruhen, der Laͤnge nach ausgeſtreckt fein, verſch. ſtehen, figen (das
Bud) liegt auf dem Tiſche; die Kleider liegen im Kaftenz er lag auf der Erde,
im Bette; auf der Seite, auf dem Rüden liegenz weich, bequem liegen; Alles
ftehen u, Liegen laſſen, d. i. es ungeordnet laſſen; zu Bette liegen ; Eranf liegen,
auch bloß: Liegen f. bettlägrig feinz in den Wochen liegen, d, i, im Kindbettz
oberd. fie ift gelegen f, ins Kindbett gekommen; bei einer Perfon liegen, alt
f. ihe beiwohnen)s gem. au: mit etwa? belegt oder bedeckt fein (der Acker
liegt voll’ von Steinen ; vergl. bangen) 3 in weiterer Bes, eine. dem Liegen fich
nahernde Stellung haben (z. B. auf den Knieen liegen; im Fenſter liegenz
Fechtk. im Vortheil Liegen, d, i, eine vortheilhafte Stellung haben z ein lie g en⸗
der Dachſtuhl, deffen Säulen ſchräg geftellt finds Liegende Schrift, ſchräg—
ftehende (fr. Curſiv-Schrift) 3 überh. f. ruhen, dafein, ſich befinden (das Geld
liegt im Kaften ; etwas müßig liegen laſſen; Wein liegen haben ; der Wein, das
Bier hat ſchen lange gelegen 2c,.3 uneig. es lient mir fhwer auf dem Kerzen,
d. i. es drückt, ‚beflemmt mich; fo auch: es liegt mir in allen Gliedern, d. i.
ich empfinde Schwere u. Unbehagen im ganzen Körper; Liegende Gründe,
unbewegliche Güter, beſ. Ländereien), inöbef, von Gegenden, Ortern ꝛc. hin:
fichtlich ihres drtlichen Verhältniffes zu andern Gegenftänden:: dieſe oder jene
Lage haben (Frankreich liegt gegen Weftens die Stadt liegt zwifchen Bergen 5
Leipzig liegt in Sachſenz der Garten liegt hinter dem Haufe; das Haus bleibt
links am Wege liegenz fo aud: einen Ort oder Gegenftand links oder rechts
liegen laffen, d. i, ihn zur Seite haben, ohne ihn zu berühren) ; mit dem
Nebenbegriffe der Dauer: fich an einem Orte aufhalten, daſelbſt verweilen
(die Soldaten liegen im Feldes die Befagung liegt in der Feftung; im Hinter:
halte liegen 5; im Gefängniffe, in Ketten und Banden liegen; unterweges ftil
liegen; vor Anker liegen z uneig. es liegt mir immer im Sinne, d.i. ih
kann es nicht vergeffenz es liegt mir am Herzen, |. Herz; aud) tadelnb:
72 A Lien — Lespfund
immer zu Haufe, oder immer im Weinhaufe liegen, d. i. fich beftändig da auf:
haltenz immer über den Büchern liegen, d. i. ſich beftändig damit befchaftigen ;
einem auf dem Halſe liegen, d, i, ihn anhaltend beläftigen 5 einem in den Ob:
ven Liegen, d. i. ihm unaufhörlich diefelbe Sache fagen); ruhen, d. i. nicht
benußt, nicht betrieben oder fortgeſetzt werden (der Acker liegt brachz die
Sache bleibt Liegen; eine Arbeit liegen Laffen)z; überh. fich in einem Zuftande
befinden (in Streit mit einander liegen ; ſich immer in den Haaren liegen, d. i.
fi immer raufen, zanken; es liege am Zage, d. i, es ift offenbar, augen
fcheintich) 5 in etwas gegrümdet fein od. beſtehen (darin Liegt der Unterſchied;
hierin liegt die Schönheit des Kunftwerfes u, dal.); an finem od, aneiner
Sache liegen, d i, darauf beruhen, darin gegründet fein, davon aus—
gehen (3. B. die Zögerung liegt an ihm, d, i. er ift Schuld daranz u, beſ. unp,
es Liegtanihm, dafs 2c.5 ed liegt nur daran ꝛc., d. i. es hat darin feinen
Grund; woran liegt es denn? an mir foll es nicht liegen 2c.); unp. es liegt
viel, wenig, nihts daran, od, es iſt viele. daran gelegen (vergl.
gelegen), d. i. ed ift von großer, geringer ac, Wichtigkeit, kommt viel ıc.
daraufan, mit dem Dat, ber Perfon (es liegt mir viel daran 20,5 wem liegt
daran? liegt etwas daran ? 2c,)5 das Mw, gelegen als Bw, f. liegend, eine
Lage habend ꝛc. ſ. gelegen; — das Kiegegeld, Entihädigung der Schiffer
für das Stillfiegen vor der Ein= oder Ausladungz die Liegeflunde, Bergw.,
Ruhezeit der Bergleute; der Liegetag, ein Tag, an weldem man an einem
Orte ſtill Liegt, bef, Schiff. ; die Liegezeit, die Zeit, fo lange etwas zu einem
Zwecke liegen muſs; der Lieger, - s, wer liegt; landfd, ein fremder Kaufe
mannddiener, der fid) beftändig an einem Orte aufhält, um die Gefchafte fei-
nes Heren zu beforgen; auch ein liegended Ding od. Werfzeug, 3.3, niederd,
(gem, Ligger) ein Schiff, welches dazu beftimmtift, an einem Orte * zu
liegen; auch die Bauchſtücke eines ae
Lien, w., M. -eit, Schiff. f, Reine, dünnes Tau, bef. das Zau, ı woran
Flufsfahrzeuge vom Ufer aus fortgezogen werden ; daher: Die Lienbahn, Seiler:
bahn; das Liengarn, Garn zu Leinen ; das Liengut, Tauwerk zc,
Lienbaum, nı., ſ. v. w. Leinbaum, Lenne, Lehne (ſ. d.), landſch. f. Ahorn.
Liene, w., M. -ın Gberd. Lien, Lienen; landſch. auch Lie rez wohl verw.
mit Leine, Lien) landſch. f. Ranke, Rebe, insbeſ. Waldrebe (Teufelszwirn).
Lier, ſ., — es, Mi -e (wahrſch. v. einem alten Stamm laren, einſchlie—
ßenz daher altd, giları, Wohnung, und Ortsnamen wie Fritzlar, Weslar 2c, 5
vergl, isländ. läsa, fliegen) in Salzwerken Benennung der drei Wände,
welche den Herd einfaffen,
Sierbaum, m., landſch. f. Lärche, Laͤrchenbaum, —
Lieſch, fa, — es, od. das Lieſchgras, o. M., eine Grasart mit langen
walzenförmigen Blüthenkolben: Lieſchkolben.
Lieſe L. w., -n5,M,. -n, Verl. Lieschen, f., -3, oberd. Lieſi,
Lieſel, gem, Abkürzung des weibl, EN. Eliſabeth, Eliſe; — Lieſe 2. w.,
M. —n (vielleicht verw, mit Leiſte, Leiſe) landſch. eine ſpitz zulaufende gerade
Roͤhre, beſ. die eiſerne Röhre am, Ende eines Blaſebalgs.
Liefen, die, o. E,, Fleiſch. das innere Fett od. Schmeer an den Wam—
men eines Schweines oder einer Gans,
Liespfund, n, A. Ließpfund, ſ. (entſt. aus Liveſches, d, i, Liefländiſches,
Pfund) bef, niederd. ein Gewicht, welches 14, 15, od, 16 gemeine Pfund Halt,
J
Elie —Linde 78
Lilie, (dreiſilb.), w., M. -n, (altd. lilia; oberd, gem, Gilge, Ilge; engl,
lily; franz. lis; v. dem lat. lilium, griech. Aelgıov), ein Pflanzengeſchlecht
mit zwiebelichten Wurzeln, ſchlankem, langem Stengel, ſchmalen Blättern,
prächtigen Blumen ohne Kelch mit fechs aufrecht ſtehenden Staubfäden; bef.
diejenigen Arten, welche glosfenförmige Blumen habenz in engfter Bed,
die wohlriechende weiße Lilie, ein Sinnbild der Schönheit, Unſchuld u, Rein:
heit, in vielen dicht. Zfe&. glänzende Weiße und Reinheit bezeichnend, 3, B.
lilienweiß, Bw., die Lilienweißez der Zilienarm, = bufen, -hals, -leib ꝛc.;
die Kilienhand, =haut, =flirn 2c. 5 andere Litien = Arten mit Eleineren, ganz
zurückgebogenen Blumenblättern heißen auch: Tuͤrkiſcher Bund oder Türken
bund; in weiterer Anwendung haben auch Blumen anderer Gattungen wegen
einiger Ähnlichkeit mit der Lilie dieſen Namen, z. B. die Schwertlilie; die
gelbe Waſſer- od, Teichlilie; die ſchwediſche, die perſiſche Lilie; auch das
Maiblümchen und das Geißblatt heißen landſch. Cities — der Lilienbaum,
eine Art des Zulpenbaums in Amboina ; das Lilienblatt ; lilienformig, Bw.;
die Lilienfrucht, landſch. f. Geißblatt; das Lilienglödchen, eine Art Glocken—
blume in Sibirien ; liliengruͤn, Bw., Mal,, eine Saftfarbe, aus der blauen
Schwertlilie bereitet; der Yiliengulden, ehem, eine Goldmünze in Slorenz mit
einer Lilie im Gepräge; der Eilienfäfer, ein fehr Heiner Käfer, ſchwarz mit
hochrothen Flügeldecken und Bruſtſchild; das Pilienfreuz, WapenE,, ein Kreuz,
an deſſen vier Enden Lilien angebracht find; die Liliennarziffe, ein Pflanzen:
geſchlecht mit ziwiebelartiger Scheide ſtatt des Kelches (crinum L.}; der Lilien
fein, ein verfteinerter Seeftern, aus einer lilienfürmigen Krone beftehend (fr,
Enkrinit); der Lilienftengel; der Lilienvogel, gemeine weiße Schmetterling.
Limbaun, m., landſch. fi Vogelbeerbaum, Cbereſche.
Limpf, m., Ses, M.-e, (isländ, lim, fhrwed, lima, Zweig) landſch.
Forſtw., der Gipfel eines Baumes; auch das jährlich neugeroachfene Holz
an einem Baume, der Trieb,
lind od, linde, Bw, (angelf, lich; ſchwed. len; at, lenis), alt u, dicht, f.
gelinde (ſ. d.), finno, weich, fanft, mild; landſch. auch f. ein wenig feucht
(die Wäfche ift noch linde; Lindes Brod u, dgl.) 5 die Lindigfeit, f. v. w. Ge—
lindigfeitz lindern, ziel, 3m, (ſchwed. lindra; lat, lenire), lind od, finder
machen, alfo eig, erweichen; doc nur in uneig. Bed, gebr. f. eine unanges
nehme Empfindung verminderng finnv, mildern, befünftigen (dies Mittel
lindert den Schmerz; den Kummer, die Sorgen lindern); rückz. ſich —,
linder werden, abnehmen, nachlaffen (der Schmerz lindert ſichz oberd, das
Wetter lindert fi, d. i. wird milder); der Linderer od. Eindrer, —s, wer
etwas lindertz die Linderung, die Handlung ded Linderns, u. der Zu—
Stand des Linderwerdens, die Abnahme des Schmerzes ꝛc. (einem Linderung
verſchaffen; Linderung empfinden 20,)5 das Linderungsmittel, der Linde—
rungsbalfam u. dal,
Linde, w., M. -n, od, der Lindenbaum, (alt, linda, ſchwed. u, angelf.
lind ; engl, linden, lime; wahrfd. v. Lind, wegen des biegfamen Bajtes
"und des weichen Holzes), ein befannter fchoner breitältiger Waldbaum: vie
gemeine Linde mit herzformigen, gezähnten Blättern und wohlriechenden Blü:
then; zwei Spielarten derfelben: die Sommerlinde, und die Winter= oder
Steinlinde; der Lindenbaft, der Baft (ſ. d.) der Linde, zu Stricken, Matten,
Kbrben u, dal, verarbeitet; landjd, auch Namen der gemeinen Rüfter od, Ulme,
74 Lindel — Linie
gew, Lindbaſt; das Lindenblatt ; die Lindenblüthe; der Kindengang (Ein:
den Allee); das Lindenholz; der Eindenhonig, Honig aus ben Lindenblü—
then gefammeltz die Lindenfohle, aus Lindenholz gebrannte Kohle, zum
Beichnen und zum Schießpulver brauchbar; die Lindenmiltel, auf Lindenbäu-
men wachfende Miftel (ſ. d.)5 daB Lindenoͤl, aus Lindenſamen gepreſſtes Ol;
der Lindenfchwärmer od. die indenmotte, ein Dämmerungsfalter, der id)
auf Linden aufpättz die Lindenftraße, mit Linden bepflanzte Straße; — lins
den, Bw,, von der Linde, von Lindenholz.
Lindel, fe, -8, Mm. E., m. A. das Lintels (v. d. niederd. Lind,
Lint, leinenes Baudz isländ. u, ſchwed. linda, Band) niederd., das leinene
Band vorn am Ärmel der Hemden, oberd. das Handbeſetz.
lindern, Lindigkeit ꝛtc. ſ. unter Lind,
Lindwurm, m (dän. u, ſchwed. lindorm; v. Lind, weich, biegſam
ſchwed. linda, winden, wideln; daher altnord, linne, Schlange), uberh, f.
Schlange; gew. ein erdichtetes Ungeheuer, als ein Drache oder eine große
geflügelte Schlange vorgeftellt, aud der Linddrache genannt,
ling, Endſ. (alt, line, fhwed, u, engl, ling; nad) Abftammung u. Be
deutung urfpr, = ing (f. d,), welches, an Wörter gefent, die auf ein l aus:
gehen, die Silbe Ling erzeugt hat), bildet männliche Hauptwoͤrter, welde
einen Gegenftand, «in Einzelweſen, bef. eine Perfon (bisw. beiderlei Ge:
ſchlechts) von der durch den Stammbegriff angebeuteten Urt bezeichnen, u. zwar
4)von Hauptwö rtern, 3. B. Gründling, Jährling (ein jähriges Thier),
Hänfling, Däumling, Silberling, Hausling, Kämmerling, Flüchtling, Günft:
ling 26,5 2) von Beiwortern und Zahlw., z. B. Fremdling, Neuling,
Süngling, Spätling, Liebling, Deilling, Vierling 20,5 3) von Zeitwörtern,
z. B. Findling, Säugling, Lehrling, Ankömmling, Zäufling, Bückling, Schöfe:
Ying2c, — In manden neueren Bildungen hat diefe Endf, den Nebenbegriff des
Berkleinernden und Berächtlichen, der ihr urſpr. fremd ift, 3. B. Wigling,
Höfling, Digterling, Weihling, Srömmling, Sonderling, Zinfterling, Bier:
ling u, dgl, m.
lingen, Zw. (altd. liegan) völlig vlt, f. gelingen; daher noch: mifelingen.
Lingentraut, f., eineim Sande wachfende Pflanze, die fih auf dem
Boden ausbreitet und mit länglichen, blau angelaufenen Blättern befegt ift,
braunes Knotengras (corrigiola L.),
lings, Endf. (altd. ingun, lingun; ingen, lingen; urfpr, ing od, ings,
wovor das I fid) auf demfelben Wege feftgefeht hat, wie in ling, ſ. d,) bildet
Nebenwörter von Bei- u. Hauptwörtern, 3. B, blindlings, jählings, rück—
ling, ſchrittlings, meuchlings.
Linie (dreiſilb.), w., M.-n, (aus d. lat. linea; doc) verw. mit Lein,
Leine) überh. ran Alırabehuung in die Laͤnge; insbef. Grögent., eine Aus—
dehnung in die Länge ohne Breite und Dicke gedacht, als Grenze einer
Säge, oder aud) für fic) allein dargefiellt: eine gezeichnete oder gezogene Tinte,
ein Strid) (eine gerade, krumme Linie, Kreis:, Schnecken-, Schlangenlinie);
in der Erd: u. Sternk. verfchiedene auf der Erd= od. Himmielöfugel gedachte
Grenz = ‚od. Theil ungslinien, z. B. Mittagslinien, die Gleichungslinie, der
Gleicher (ſ. d.z fr. Aquator), welche in der Schiff. gew. ſchlechtweg die Limie
heißt (die Linie paſſiren 26,)5 überh. die in die Laͤnge ausgedehnte (sumal
gerade) Richtung mehrer neben einander befindlichen Dinge (die Häufer, die
link Re
Soldaten ftehen in gerader Linie; die Kriegefchiffe machen Linie; daher, ein
Sinienſchiff, f.w); auch, die Neihe der in einer Richtung neben einanz
der befindlichen Dinge felbft (eine Schlachtlinie, ſ. v. w. Schladhtreihe), insbeſ.
f. Zeile (zwanzig Linien auf jeder Seite); uneig, auch eine Neihe in der Zeit
nach einander folgender Dinge, daher: die ununterbrochene Folge der
Nachkommen eined Stammvaterd, ab= oder aufwärts GGeſchlechts li—
nie; in gerader Linie von Jemand abftammen 5 die abfteigende, od. auffteigende
- Linie; männliche, weibliche, Seiten :, Neben = Linie 26,)5 ferner verſchiedene in
die Länge audgedehnte Förperliche Dinge: Feſtungsb. in die Länge laufende
Bruftwehren mit Gräben; ein langes dünnes Seil, eine * Anat., ine
kange: ſchmale Hervorragung an den Knochen; ein Eleined Längenmaß, A
od. Is Zoll betragend; — 3 jet. das Linienblatt, ein mit ftarken Linien be-
zogenes Blatt Papier als Unterlage zum Geradefhreiben; das Linienſchiff,
ein großes, ftark bemanntes Kriegsſchiff, welches in der Schladhtlinie an dem
Gefechte Theil nehmen kann (f. o.); der Linienzieher, wer Linien zieht; auch
ein Werkzeug zum Linienziehen, bei, zum Biehen von Notenlinien (fr, Raftral); —
Ableit. linig, Bw, Linien habend, aus Linien beftehend, nur in Zſetz.
wie gerad:, krummlinig; liniiren od: lineiren, ziellof, u, ziel. 3w,, Linien
ziehen; mit Linien beziehen (3. B. ein Bud),
(inf, Bw, (altd, lenk, oberd. aud) glinf, "dan, ling, hol. slink ; wahrſch.
nicht von lenken, ſondern v. dem isländ. lina, ſchwächen; wie das aud winistar,
winster verw, mit d. angel, vanian, island, vana, fhwächen, van, Mangel;
vergl, auch das oberd, Lurz, lerz f, lin mit d, iöländ, lerka, lara, brechen,
ſchwächen, u, das oberd. Leg f. link, von legen, hemmen, beſchädigen) bezeich—
net die gew. ſchwächere u. weniger gewandte Seite des menſchl. Koͤrpers, auf
welcher dad Herz liegt und alles an dieſer Seite Befindliche, entg, recht,
(der linfe Arm, Fuß, das linke Auges; die linfe Hand, auch bloß: die Linke;
zur linken Hand od. zur Linken, auch linker Hand (Gen.) liegen, ſich befin—
den, d, i. auf oder nad) ber linken Seite zus fi linker Hand wenden; vergl.
Hand; der Linke Flügel eines Gebäudes, vergl, Flügel; link fein, d, i, bie
linke Hand fo gut oder beffer gebrauchen können, als die rechte); uneig. f, ver—
ehrt, unrecht, ungewandt, (5. B. die linke Seite eines Zeuges; was recht
ift, link machen, d. i. umkehren, aud) f, das Recht verdrehen); unbehuͤlflich,
ſteif, ungeſchickt, gew, linkiſch (fi link benehmen); Die Linkheit, ſelten,
das Link- over Verkehrtſein; die Unbehuͤlflichkeit; auch: eine verkehrte,
ungeſchickte Handlung; linkiſch, Bw., unbehuͤlflich, ungefchicft, ungez.
wandt, ſteif, wie wenn man ſich ungewohnter Weiſe der linken ſtatt der rech-
ten Hand bedient, (ein linkiſcher Menſch, ein linkiſches Benehmen); links, Nw.
von link, nach der linken Seite hin, auf der linken Seite, entg. rechts
(fich links wenden ; das Haus Liegt Links vom Wege); mit der linfen Hand
(lints fchreiben, effen u,5 links fein, b. link fein, ſ. 0.25 auf der verkehr:
ten, unrechten Seite (einen Strumpf links anziehen); gem, uneig. f, unrich—
tig, falfch, verfehrt (etwas links anfangen, machen; links urtheilen u, dgl.);
zgeſ. mit Bw, und Nw., um den Begriff, nad) der linken Seite hin
mit verſchiedenen Nebenbegriffen zu bezeiänen in Nw. wie: linksab; linfsan,
nebenan zur linken Seite; linksher, linkshin (vergt. her u. Te linksum,
nach der linken Seite herum od, hinum, beſ. als Befehlewort; das Linkshoͤrn⸗
hen, die Linksſchnecke, Linksſchraube, Schnecken, deren Gewinde von
76 Linnen — lispeln
der rechten nad der linken Seite geht; der Linksmacher, gem. uneig. f.
Rechtsverdreher.
Linnen, ſ., -3, M. w. E., niederd. f. Leinen (ſ. d), Leinwand.
Linſe 1. w., M.-n, Verkl. dad Linschen, (altd. linsi, oberd. der
u, die ins, dan, lindse, ſchwed. lints; Lat, lens, lenticula, franz. lentille),
die Eleine, runde, platt gedrüdte, in der Mitte auf beiden Seiten erhabene
efäbare Frucht eined befannten Schötengewächfes, weiches in Frankreich
wild wächſ't; in weiterer Bed, jeder Fleine linfenförmige Koͤrper, z. B. oberd,
Heine flache Blattern im Geſicht; bef. infenförmig geichliffene Glaͤſer zu
Fernrbhren ꝛc., Linfengläfer (Kryftal - Linfen); — Zfetz. dad Pinfenbein,
Anat, die Gelentbeinchen der Hände und Fuͤße; die Linfendrüfe, Linfenförmige
Drüfen ; das Linfenfeld; Iinfenförmig, Bw.; das Linfengericht, gefochte
Linſen als Speife; die Linfengerfte od. das Linfengetreide, Linfen zum Vieh:
futter unter die Gerfte geſäet; das Linfenglas, f. o. Einfez das Linfengras,
Salzgras, Salzkraut, ein Futterkrautz das Linfenfraut, eine Art des Waffer:
fterns, Wafferlinfe; das Pinfenmaal, ein kleines, erhöhetes bräunliches Maal;
der Linfenftahl, ein linfenförmiges Dreheifen der Kunftoreheler; der Linſen—
flein, Eeine linſenähnliche Steinen; die Linſenſuppe; die Linfenwide,
Heine Feld- od, Vogelwicke; der Linfenzähler, ſpbttiſch, ein kleinlich beforgter
Hausherr.
Linſe 2. w., ſ. Luͤnſe.
Lintels, ſ., ſ. Lindel.
Linzerzeug, m., (wohl von der Stadt Linz?) öſtr., ein Zeug, halb von
Lein, halb von Welle, -
Lippe, w., M.-n, Verkl. das Lippchen, (altd. Jippa; urfpr, mehr
niederd, f. das oberd. Lef ze, altd. lefsa ; engl, lip, ſchwed. läpp ; lat, labium,
franz. lövre; verw, mit lapp, läppern 2c,), Die berveglichen, fleiſchigen Raͤn—
der des Mundes bei Drenfhen und Zhieren (Ober, Unterlippez; es foll nicht
über meine Lippen Eommen, d, i, ich werde nicht davon redenz fich auf die kippen
beißen, d. i. das Lachen od, eine Außgerung gewaltfam unterdrüden)z; uneig. fi
Mund (meine Lippen follen®icd preifen ꝛc.); in weiterer Anwendung überh,
lippenähnliche Nänder, 3. B. Pflanz. die beiden Einſchnitte in einblattigen
Blumenkronen; Schiffb. dielippenformigen Zähne an Klampeen (f, d.) 5 die Enden
zweier zufammengefügten Hölzer; — 3fes, der Lipvenbuchftabe, Lippen=,
laut, ein Sprachlaut, bei deſſen Hervorbringung vorzüglich die Lippen thätig
find, 28.6, p, m; der Lippfifch, ein Fiſchgeſchlecht mit einfachen, aber
großen und dicken Lippen; die Lippmufchel, Herzförmige Muſchel mit lippen-
formigen Räntern; — Ableit, lippig, Bw., Lippen habend, gew, nur
in Zſetz. wie dick⸗, rothlippig ꝛc.
Lips, m., 1. gem, abge, f. Philipp (landſch. auch Lipp, Lippel); 2, landſch.
gem. ein Menſch mit dicken oder hangenden Lippen.
lispeln, zielloſ. u. ziel, Zw, (ein Schallwortz ehem. auch Lispen, ſchwed.
lispa, angelf. wlisp, niederd, wispeln, engl. lisp u. whisper) überh, einen
fanften fäufelnden Schall hören laſſen, leiſe raufchen (dicht, der lispelnde
Weſt, das lispelnde Laub u, dgl.); bef, fanft u, leife fprechen, finnv, flüftern,
wispern, zifchein (einem etwas ins Ohr —); in engerer Bed. im Sprechen
zu oft mit der Zunge an die Zähne anftoßen und dabei ein fehlerhaftes ge=
(indes f hören laffenz der Lispel, - 8, ein einzelner lispelnder Ton, verſch.
Liſt — loben 77
das Liöpeln, das Gelispel; der Lispeler od. Lispler, -3, die Lisplerinn,
M.-en, wer liöpelt, bei. alö Fehler der Kusfppanrs der Lispelton, dad
Lispelwort u. *
Lift, w., M.-en, (alt u, oderd, der Liftz doc althochd, w.; ſchwed. u,
dän. list; böhm. Lan vielleicht verw, mit lofen, laufen (7, d,), engl. listen,
in der weiteren Bed, fharf wahrnehmen; vergl, Elug), ehem, Klugheit, Kennt:
niſs, Kunſt; jest nur in engerer Bed, die Geſchicklichkeit, fich zur Erreichung
feiner Zwecke den Andern verborgener Mittel vortheilhaft zu bedienen, finnv,
Schlauheit, Verſchlagenheitz nicht nothwendig aus böfer Abficht und zu uner-
laubtem Zwecke, daher verſch. v. Arg-, Hinterlift, Ränkez aud ein
ſolches heimliched Mittel felbft (auf eine Lift denken; Liften gebrauchen 2c,) 5
liſtenreich, Bw., reich an Liften, fehr liſtigz liſtig, Bw., Lift befigend (ein
liſtiger Menſch); von Lift zeugend oder darin gegründet (liſtige Streiche, Anz
ſchläge, Mittel 2c.), finnv, ſchlau, verſchlagen, verſchmitzt; die Liftigkeit, das
Liſtigſein; die Kiftige Befchaffenheit.
Lifte, w., M. -n (mittl, lat. lista, franz. liste, engl, list 26,5 dem
Stamme nad) = Leifte (f. d,), altd, lista, Streifen), ein Verzeichnifs meh
rer einzelnen Dinge, bef. Perfonen : Namen, dergleihen man ehem, auf lange,
ſchmale Streifen zu fihreiben pflegte, (die Lifte der Geborenen, Geftorbenen ꝛc.).
Lise, w., M. -n, Verkl. das Litzchen, (ſchwed. lits, din, lisse;
‚vergl, d, lat, licium, Faden; engl, leaslı, Riemen, Strid), eine duͤnne, runde
Schnur, bef. als Einfafjung an Kleidern u, dgl. 5 der Litzenbruder, in niederd,
Handelsſtädten: beeidigte Ballenbinder, Packknechte oder Ablader (v. Like f,
Strick, womit fie Laften auf dem Rüden trugen).
loben, ziel, 3w. (altd, lobon ir, niederd, Lawen f, Ichen u, geloben; angelſ.
lofian, ſchwed. lofwa, franz, louer; urfpr, rufen, laut fagen od, verfündigen ;
daher: geloben, verloben,*f.d, u, Kanzl, beloben f, erwähnen, mel-
den; vergl, leuen, u, bas lat, laudare mit laut) einen od. etwas —,
mit Beifall erwähnen, die guten Eigenfchaften od. Vorzuͤge einer Berfon
0d, Sache laut anerkennen , finnv, billigen, rühmen, preifen, entg, tadeln,
(ic) lobe ihn darum oder deſshalb; man Lobt feinen Fleiß; ich lobe es an ihm,
dafs 20.3 einen ins Gefiht loben; ſprichw. das Werk lobt den Meifter, d. i.
läſſt feine Vorzüge erkennen; ich lobe mir die Zufriedenheit, d. i. id für
meine Perfon ziehe fie vor, halte fie für das Beſte; Gott loben, d. i. ihn preis
fen und ihm danken); landſch. auch: feine Waare ſchätzen, einen Preis dafür be:
ftimmen und fordern (mie hoch lobt er feine Waare?); ehem, f, geloben, ver=
fprechen, bewilligen; das Lob, —es, 0, M, (altd, der u, daz lop; nieberd,
Love, Lof, ſchwed. lof), das Loben, das ausgeſprochene Urtheil über die
Beſchaffenheit eines Gegenftanded (einem ein gutes, od, fchlechtes Lob geben);
insbef, die laute Beifalldaußerung, ausdrückliche Anerkennung der Vor—
zuͤge einer Perfon od, Sache (mit Lobe von Jemand ſprechen; einem etwas
zum Lobe nachſagen; Gott Lob oder gem, Gottlob! ſ. unter Gott); —
"Bfes. v. Lob: die Lobbegierde, Begierde nad) Lobz lobbegierig, Bw.,; in
tadelndem Sinne: die Lobgier, lobgierig; das Lobgedicht, Gedicht zum
Lobe einer Perſon od, Sache; der Lobgefang, das KLoblfed, ein Geſang od,
Lied zu Jemands Lobe; insbef, ein geiftliches Lied zum Lobe der Gottheit (fr,
Domnus); das Lobopfer, bei den alten Juden: ein Opfer zum Preife Gottes
dargebracht; lobpreiſen, untrb, ziel, Zw, (entft, aus der noch landſch. Redens⸗
78 Loch
art: einem das Lob preiſen) einen —, ihm loben u, preifen, lobend erheben,
ger, nur im Inf,, Iften Mw. Imper. u, Präfens gebr. (Tobpreifet den Herrn!
er lobpreiſet dich 2c.5 lobpreifend 27,5 das 2te Miv, follte lauten: gelobprie
fen, findet fich jedoch, wiewohl felten, nur in der Form: Tobgepriefen,
u. unt. gelobpreifet)z3 der Lobpreifer, - 85 die Kobpreifung, M. -enz
die Lobrede, eine Rede, welche Jemands Lob enthäitz der Lobredner, -8,
. mer eine Robrede hält; lobredneriſch, Bw., nad) Art eines Lobredners oder
einer Lobredez lobſagen, untrb, zielfof. 3w., einem —, vlt. bibl. f. ihn loben,
lobpreiſen; die Lobjchrift, Schrift zu Jemands * lobſingen, untrb.
zielloſ. Zw. mit d. Dat. einem —, ſingend fein Lob verkuͤnden, gew. nur
im Inf., 1ſten Mw., Imper. u. Präſens gebr. (lobſinget dem Herrnz meine
Lippen lobſingen dir; das 2te Mm, follte lauten: gelobfungen od, lobfun:
gen, ftatt deffen ift jedoh Lobgefungen gebr.); der Lobſpruch, lobender
Ausſpruch, def, M, Lobfprüche (einem große Lobſprüche ertheifen); lobwür-
dig, Bw., des Lobes würdig; die Lobwürdigteit; — die Lobeserhebung,
Erhebung durd) Lob, Lobpreiſung; auc ein großer Lobfprud) (Lobeserhebungen
machen); — von loben: das Kobegeld, landſch. f. die Lehnwaare (v. loben
f. geloben, einwilligen); lobenswerth oder würdig, Bw., werth, gelobt zu
werden; die Lobenswuͤrdigkeit; — Ableit, der Xober, - 5, wer Semand
od. etwas lobt; fobebar und lobeſam (auch Lobefan), vit, Bw, f. lobens⸗
wuͤrdig, loͤblich; lo beſam bef, als vit, Titel= od, Ehrenbeiwort Hinter fei:
nem Hw. (die Königinn Vobefam u. dgt.); loͤblich, Bw. (altd, lobelih, lob-
lich), werth gelobt zu werden, finnv, lobenswerth, doch gew. nur von
Handlungen, Eigenfchaften ze, (ein löbtiches Werk, löbliche Sitten, eine lobliche
Gewohnheit 2c.); von Perfonen nur als Chrenbeimort für eine Gefammitheit,
bef, fiir Brhörden (das löbliche Stadtgeriht, Poftamt u. dgl; fo auch wohl:
und hochl öbl ich, als Steigerungen v. Lblih); die Köblichfeit, dad Loͤb⸗
lichfein, die loͤbliche Beſchaffenheit.
Koh, f., —es, M. Loͤcher; Verkl. dad Loͤch lein, Volksſpr. Lö chel-
hen, und in der M. Löcherchen, (altd, loh, loch; verw, mit lachen 2,,
leck, Lücke 2c., dem griech, Auxzos, lat. lacus, Kai jede Vertiefung od.
Öffnung in einem Korper oder durch denfelben (ein Loch in der Erde, im
Kleide, im Kopfe 2,5 Nafene, Luft:, Mund:, Schlüffellody 20,5 Löcher bohren,
ftehen, ſchneiden; uneig, beim Kegelfäjieben: ein Loch madyen, d, i, keinen
Kegel ummerfen); gem, verüchtl, f. eine Grube, Höhle, ein eng eingefchloffes
ner Naum, ein Zimmer, Gefaͤngniſs u, dgl, (feine Wohnung ift ein wahres
Loch; einen ind Loch werfen; die Dörfer find hier häſsliche Löcher) ; landſch. aud)
f. eine Gaffe ohne Audgang, Sackgaſſe; niederd, (gem, Lod) ein Maß für
trockene Dinge = 4; Himten, in der Mehrh. nad) einem Zahlw. unverändert
(3. B. vier Loch)j; — 3 ſettz der Lochbeutel, Tiſchl. ein Meißel, Löcher damit
in das Holz zu machen (f, Beutel 3.); das Locheifen, verfchiedene Werkzeuge,
Löcher damit zu Schlagen; die Lochgans, Erd: od. Brandgans, weil fie ihre
Eier in Fuchs- od, Kaninchenlöcher legt; der Lochkuchen, in Glashütten, das
tunde platte Stück Thon, womit die Löcher im Schmelzofen zugefist werden;
die Lochfäge, Tiſchl,, Stich- od. Stoßfäge zum Löcherfägen; der KLochfchrei=
ber, in Nürnberg, der Schreiber beim Schöppengeriht (von Loch f. Gefängnife,
weil ex darüber die Aufficht führt) 5 der Lochſtein, |. v. w. Lochkuchen; auch f.
Lachſtein, Grenzſtein; beſ. Bergw.; der Loͤcherbaum, Papierm., der Block
Loch — locken 79
mit den Löchern od, Trögen, worin die Lumpen geſtampft werden; das Loͤcher⸗
gras, eine Grasart mit männlicen und weiblichen Blüthen auf einerlei Ährez
dad Loͤchermoos ‚ ein Moosgeſchlecht mit einer in viele Fächer getheilten und
durchlbcherten Büchſe; der Löcherfchwanm, eine Art flacher Schwämme mit
vielen Heinen Löchern auf der unteren Fläche;z — Ableit, das Löchel, - 8,
oberd, f. Loͤchlein; landſch. eine Art Binfen, Waldbinfengrad ; kochen, ziel,
3w,, Handw. etwas —, * hineinſchlagen (3.8. ein Eiſen —) 3 landſch.
beſ. Forſtw. auch f. lachen 2, (f. 8,)5 der Locher, -8, ein großer Bohrer
der Stellmacher; ; löcheln, 8* Zw., landſch. etwas —, mit kleinen Löchern
verſehen; loͤchern, ziel, Zw., Loͤcher in etwas machen, nur in: durch- u,
zerlöhern ; lochern, ziellof, Zw., landſch. gem., die Löcher durchfuchen, aufs
ſpuͤren; löcherig, Bw., Locher habend, durchlöchertz die Loͤcherigkeit.
Loch, m., Zes, M. -e, auch die Loche, M. -n, od, der Lochbaum,
landſch. f. Lahbaum (8), ——
Lock 1. m. u. ſ. ſ. Log; — 2. m., - ed, landſch. f. Waſſerhahnenfuß.
Locke 4. w., M.-n, Verkl. das Loͤckchen, (altd. loc, m.3 locca,
loke, w.3 engl, u, ſchwed. lock; griech. mAozog v. m).ezo, flechten, lat, plico;
—2 laka, fügen), ein Buͤſcht zuſammengeringelter od.⸗gerollter Haare
Gaarlocke) od. haarähnlicher Faden (das Haar in Locken Legen; feidene, falſche
Locken); — 3fes. der Lockenbau, das Lodengebäude, der künſtliche Bau
der in Roden gelegten Haare; dad Lodenhaarz dad Lodenhaupt oder der
Lockenkopf; lockenreich, Bw., u. f. w.; — Ableit. lodig, Bw., Loden
habend, aus Locken Beitehend (lodiges Haar, ein lodiges Haupt); lodicht,
Bw., lockenaͤhnlich z loden 1. ziel, Zw., in Locken legen (das Haarz ge—
locktes Haar); loͤckeln, ziel, Zw., das verkl. locken: in Loͤckchen legen,
locken 2. 3w, (altd. Iocchon, lokken; isländ, u, ſchwed. locka; vergl,
d. fat, lacio in adlicio), 1) zielos, Nachahmung deö Lautes, womit
manche Thiere einander rufen od. von Menfchen gerufen werden (die Nach
tigall, die Wachtel lockt; Jäg. bef, von dem Laute der Turteltauben)z; 2) ziel,
ein Thier —, es durch Nachahmung feines eigenthitmlichen Lautes, in
weiterer Bed, auch durch hingelegte Speife ze. anziehen umd herbeirufen,
ſinnv. körnen, ködern (Vögel, wilde Thiere)z; uneia, überh, durch Erregung
angenehmer Empfindungen od, finnlicher Begierden, durch Freundlichkeit
oder Lift anziehen und zu etwas bewegen, finnv, reizen, vergl, anfoden, ver-
locken (Semand an ſich locken; wenn dich die böfen Buben loden, fo folge ihnen
nicht; einen in eine Schlinge, in einen Hinterhalt loden), etwasaus Je
mand —, d. i. ihm unvermerft, heimlich, mit Rift entziehen, ſ. v. m,
ablocken, entlocfen (ein Geheimnifs aus Jemand —, ihm das Geld aus ber
Taſche —, Thränen aus den Augen —); — lode, Bw., landſch. gem, f. v. w.
kirre; die Locke 2., M.-n, beſ. Jäg. 1) dad Locken in eig. Bed. (die Le:
bendige Locke, das Loden der Vögel durch abgerichtete Vögel; entgo bie
todte Locke, mittelft des Pfeifens 2c.)3 2) die Bögel oder Werfzeuge felbft,
womit Vögel gelocft werden; die Lockung, das Locken, bef. in uneig. Bed.,
ſinnv. Reizung; das Lockmittel, finnliche Reizmittel (M. Lockungen zum.
Böfen ꝛc.); — Sfeg. die Lockente, eine gezähmte wilde Ente zum Entenfang
gebraucht; auch f. Schnatter- oder Schnarrente; die Lockfloͤte, =pfeife,
5 ſtimme 20.5 die Lockſpeiſe, zum Locken der Thiere hingelegte Speife; wenn
es ein todtes hier ift, auch: dad Lockaas; uneig. überh. f. Lockmittel, Lockung;
80 locker — Loͤffel
der Lockvogel, ein abgerichteter Vogel auf dem Vogelherd zum Herbeilocken
anderer Vögel.
locker, Bw., Comp. lockerer, lockrer, Sup. lockerſt, (oberd. luck, lucker3
auch lotter, ſ. dez wohl verw. mit Loch, leck, Lücke), in feinen Theilen nicht
feſt zuſammenhangend, viele Zwiſchenraͤume habend, nicht dicht od. derb
(loderes Erdreich, Brod u. dgl.);, nicht feſt anfchließend, nicht ftraff, leicht
beweglich, finnv. lofe (dev Zahn ift lockerz ein locker gefpanntes Seil; etwas
(oder zubinden); uneig. f. leichtfinnig, verfchwenderifch, Liederlich (locker
leben, ein loderer junger Menſch); die Lockerheit, dad Lockerſein, die lockere
Belchaffenheit, eig. u. uneig.3 der Loderling, -8, M.-e, Neuw. f. ein
lockerer Menſch, Luͤſtling (fr. Libertin); lockern, Zw. 1) ziel. locker machen,
beſ. auflodernz 2) ziellos, felten f. locker werden; landſch. auch f. Locker leben.
Lockgat, fi, Schiffb. Ninnen am Boden eines Schiffes, welhe das
Waffer in die Punipen leiten, auch Nuͤſtergat genannt.
lodicht, lockig, Bw. f. unter Lockez Lodpfeife, -fpeife, =vogel,
Lockung, ſ. loden.
Lode 4. w., M.-n, (v. altd. hliaden, fprofienz ruſſ. losa, Zweig)
Forſtw., der jaͤhrige Trieb od. Schuſs eines Baumes, Limpf; auch die
Jahre (ſ. d. Yod. Jahrringe in dem Stammholze; die jungen, noch reiſeraͤhn—
lichen Bäume des Laubholzes, Schoͤſslinge; loden, zielloſ. 3m. m. fein,
gem. f. fprießen, aufſchießen, ſchoſſen.
Lode 2. w., M.-n, oder der Loden, —s, M. w. E. (altd. lodo,
Laken ; ludara, lodra, Windel, Lumpen; vom isländ. lod, ſchwed. lo, Zotte;
vergl. d. griech. 2orog u. das lat. lodix), gem. oberd. grober Wollenzeug,
grobed Tuch; Tuchm. bef. ungewalftes, noch haariges Tuch; ein Stuͤck
Tuch u. landſch. aud Leinwand; ein Lappen, Lumpenz auch Haarbüfchel,
unordentlich zerftreute Haare (niedr. einen bei den Loden kriegen, d. i. bei den
Haaren fafjen); der Loderer, Loder, Lodner od. Lodenweber, oberd. f.
Wollenzeuamweber, bei wer grobes Wollenzeug zu Fußdecken u. dgl. webt.
Loder, m. -d, M.w. E., landſch. f. Stier, Bulle,
Loder, ſ., -8, (vergl. Lutter) oderd. f. unreines Waſſer, bef. das vom
Waſchen oder Baden abfliegende.
lodern, ziellof. Zw. m. Haben (ſchwed. loddra; verw. mit lotter, lottern,
ſchlottern 2c.), fic) leicht u. fchnell Hin u, herbewegen, nur vom brennenden
Feuer gebr., finne. flackern; in weiterer Bed. überh. f. lebhaft brennen, glü=
hen, auch uneig. von Leidenfchaften u. dgl. (ein loderndes Gefühl); die Loder—
afche, ſehr Leichte weiße Aſche, welche bei geringer Bewegung der Luft in Eleinen
Flocken auffliegt, Flug- oder Flockaſche.
Lof, ſ., ,jes, M.-e, (ſchwed. lop; angelf. leap, isländ. laup, Korb;
alſo wohl urfpr. überh. Gefäß; vergl. d. oberd. Lauf f. Schale, Hülſe), in Kurz
und Liefland ein Maß fir trockene Dinge, bef. Getreidemaß ; in Riga auch
ein Gewicht von 100 Pfund.
Löffel, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Loͤffelchen, (oberd. Leffel,
niederd. Lepel; altd. lebl; verw. mit Lofz niederd. Söpen, Kübel, lat. labrum,
- Wanne, mittl. lat. labs, Topf ꝛc.z alfo urſpr. überh. Gefäß, Behältniſs;
nm. A. v. d. altd. laffan, oberd. lappen, ſchlürfen), ein Geraͤth, beſtehend
aus einer rundlich hohlen Vertiefung an einem langen Stiele, um damit Fluͤſ—
figfeiten umzurühren, zu ſchöpfen u, nad) dem Munde zu führen: Koch-,
Schaum:,
Log — lo) 81
Schaum-, Vorlege:, Kaffees, Theelbffel, Eſs- oder Suppenlöffel, welcher
iehtere ſchlechtweg Löffel in engerer Bed. heißt (mit dem Löffel effenz ein ſil—
berner, zinnerner 2c. höffel) 5; Schiff. eine löffelformige Schaufel, womic das Pul-
ver in die Kanone geladen wird; ein loͤffelaͤhnliches Werkzeug der Wund—
ärzte; Zäg. die Ohren der Haſen; Naturk. eine Art Napfſchnecke, u. eine
Art Stachelſchnecke (Schöpfer, Schnepfentopf ꝛc.3 — 3 ſetz. der Löffel-
baum, ein nordamerikanifcher Baum, aus welhem die Wilden Löffel machen;
die «öffelblume, weiße Taubneſſel; der KLöffelbohrer, ein Bohrer der Drechs—
ler ꝛc. in Form einer hohlen Halbwalze nut Löffelförmig aufgeworfenem Endez
s
die Löffelente od. Löffelgang, eine Art wilder Enten mit breitem, Löffelühne
lihem Schnabel; die Loͤffelgans auch f. v. w. der Köffelreiher, eine Art Reiher
mit Lffelförmigem Schnabel; die Löffelfohre, landſch. f. Eleine Alpenkiefer,
Krummholzbaum; das Köffelholz, der afrikan. Spindelbaum u: deffen Holz z
das Loͤffelkraut, ein Schotengewädhs mit rundliden, löſſelähnlich vertieften
Blättern, bef. als Mittel gegen den Scharbock gebraucht; der Löffelfamen,
Schwalbenkraut, Schwalsenwurz ; der Loͤffelſchwamm, löffelförmiger Blätter:
ſchwamm; der Loͤffelſtiel ꝛe.; — Ableit. loͤffeln, Zw. 1) ziel. u. ziellos,
mit einem Löffel ſchöpfen; mit Röffeln eſſen, nur gem. ſcherzh. (gern loffeln,
Suppe löffeln 2c.);5 2) ziellos m. Yaben (wahrſch. nit von Löffel, fondern v.
Laffe, oberd. auch Läffel; n. A. von lieb, niederd. leef; alſo r. Läffeln
‚od. leffeln) gem. f. finnlich lieben, dreift und unanftändig liebFofen; die
Loͤffelei, das Loͤffeln, in beiden Bed, verächtl. der Loͤffler, - 8, wer loͤffelt,
in beiden Beb,; auch f. Loͤffelreiher; der Löffling, -ee, M.-e, ſ. v. w.
° Löffelbohrer,
Log m. A. Lock), m. u. ſ., -es, M. -e (engl. log), Schiff, ein Werks
zeug zur Meffung des von einem Schiffe zuruͤckgelegten Weges, beftehend in
einem fchiffförmigen, mit Blei befhwerten Holze an einer langen Leine; daher:
dad Logbrett, das Holz des Logs; das Logbuch, die Logtafel, Buch oder
Zafel zur Aufzeichnung der mit dem Log angeftellten Beosadtungenz das Logs
glas, eine Eleine Sandusr, deren man fi beim Loggen bedient; die Logrolle,
die Rolle, um welche die Logleine gewickelt iſt; loggen, ziellof. Zw., dad
Log auöwerfen, die Geſchwindigkeit des Laufes eined Schiffes meſſen.
Loh 1., ſ. u. m., -e6, M. -e (altd. loh, lo; oberd. aud) Loch, Laich z
beſ. in En. von Wäldern und Hrtern, wie Hobeniope, Efchenlohe 2c. 5 vergl.
d. lat. lucus) alt u. oberd. f. Gebufh, Bald,
Loh 2., fe, -8, M.-e, aud die Loh, M. -en (oberd. auch Lohen,
Logen; niederd. Loge, Grasangerz vergl. Lade, has lat. lacus; das isländ.
la, Waffer; ruf. lug, böhm. luka, Wieſe; ruf. luscha, Pfügez vergl.
auch Aue), landſch. f. eine ſumpfige Grgend, ein Moraftz eine tirfliegende,
feuchte Wieſe; niederd. auch f. Torf; der Lohboden, Sumpf: od. Torfboden.
lo), Bw. (verw. mit gluh, glühen, licht zc.), hell u. Icbhaft flanımend
(die Lohe Flamme); die Lohe 1., o. M. (landfch. auch der u. das Lohz altd.
louga, louc, louch; isländ. log; enal. lowe; vergl. lit, leuchten ꝛc.), die
lebhafte Flamme eined Feuers; die Gluth, Hitze, auch uneig. ein hoher.
Grad der Leidenſchaft; landſch. der Brand im Öetreide; dad Lohfeuer,
ein lebhaft flammendes, loderndes Feuer; loben 1., 3w. 1) ziellos m. haben,
heil Flammen, mit. lodernder Flamme brennen; 2) ziel. mit einem Loh—
feuer bearbziten, nur in dem zgef. auslohen.
Beyfe's Handwörterb. d. beutichen Spr, 2. The, 6
82 Lohe — Lohn
Lohe 2. w., M. (von mehren Arten) -n (landſch. aud) der und das L0h;
woht verw. init d. altd. luhen, oberd, Lühen, altnord. lauga, waſchen: vergl,
Loh 2, und auge), abgefchälte und fein geftampfte Baumrinde, wie fie.
die Gerber als Bei,mittel zur Zubereitung des Leders gebrauchen (Eihen:, Er:
ten: , Birken: , Fichtenlohe), auch als Dünger dienendz — 3 ſetz. das Loh—
bad, Gerb., der Ort, wo die Lohe getrodnet wird; der Lohballen oder Loh—
kuchen, von den Gerbern gebrauchte und zu Ballen oder Kuchen geformte
che, zur Feuerung dienend; die Lohbeize, das: Weizen mit Lone; auch die
Grube, worin die Häute mit Lohe gebeist werden, Lohgrube; die Lohbrühe,
mit Lohe gefättigtes Waſſer; die Loheiche (verderbt Loch eich ey, gemeine
Eiche, deren Rinde am häufigſten als Lohe gebraucht wird; die Loherde, mit
Lohe gedüngte Erdez die Lohfarbe; lohfarben, -farbig, -roth, Bw., von
der rothoraunen Farbe der Lohe; der Lohfink oder Lohvogel, Biutſink;
lohgar, Bw., mit Lohe zubereitet (lohgares Leder); der Lohgerber, wer
Häute mit Lohe gerbt, z. U. v. Weißgerber; die Lohgerberei; die Lohmuͤhle,
eine Stampfmühle, in welcher die Baumrinde zu Lohe geſtampft wird; daher
der Lohmuͤller; — Ableit. loben 2. ziel, Zw., mit Lohe zubereiten,
beigen (Häute); niederd. f. trüben, farbig machen Eichenholz lohet das
Waffer); der Loher oder Löher, -3, wer lohet, mit Lohe bearbeitet,
landſch. f. Lohgerber.
Lohme, w., M. -n, (auch Lomme, Lumme; dan, lomme, engl. loom;
v, lahm? ‚ eine Art Patſchfuͤße, deren Füße nahe am Hintern fisen, Halb = Ente,
Lohn, m. und bisw. ſ. Eſ. u), — es, o. M. (got). launs, altd, Ion,
ſchwed. lön), überh. was man für feine eiltungen oder fiin Berbalten
als etwas Ungemeffenes oder Verdientes empfängt, fin. Entgelt, Vergel⸗
tung (bibl. ſie haben ihren Lohn dahin; die Strafe iſt der Lohn für das Ver—
brechen) ; insbeſ. das Gute, welches man fir gute Handlungen oder ge—
leiſtete Dienſte empfaͤngt, ſofern man es zu fordern berechtigt iſt z dadurch
verſch. von dem ſinno. Belohnung (einem feinen Lohn geben; ſprichw. ein
Arbeiter ift feines Lohnes werthz; Undank ift der Welt Lohn); in engerer Bed,
die bedungene Bezahlung für geleiltete Handarbeit, ſinnv., aber verſch.
Gehalt, Sc.d, Befvldung ; in diefer Bed. häufig: das Lohn (für Lohn dies
nen; einem Lohn und Brod geben; der oder das Arbeits-, Botene, Fuhr-,
Macherlohnz Tage-, Wochenlohn 2c.); — 3fes. der Lohnarbeiter, = Dies
ner, =lafei ꝛc., wer um Lohn arbeitet, dient 20.5 Der Lohnbauer, wer
gegen jährlichen Lohn bie Feldarbeiten auf einem Yandgute verrichtet, Hofmeier;
das Lohnhandwerk, ein nur für Lohn, d. i. auf Beftellung betriebenes Hand:
wert, entg. Kram- oter Krämerhandwerk; daher der Lohnhandwerferz der
Lohnherr, Herr, der um Lohn arbeiten läſſt; der Lohnku fcher, Mieth:
Zutfiher; die Lohnkutſche, Miethfurfebe; das Lohnſchaf, ein dem Schäfer
als Lohn ausgefestes Schaf; die Lohnſucht, tadeinswerthe heftige Begierde
nach Lohnz lohnſuͤchtig, Bw., Lohnſucht Habend und zeigend; der Lohntag,
Zag, an welchem den Arbeitern ihr Lohn ausgezahlt wird; — lohnen, ziel. 3w.
(altd. lonon, ſchwed. lona) 1) mit dem Dat. der Perſon und dem Acc.
(ehem. Gen.) der Sache: einem etwas —, übderh. vergelten, ihm Ver⸗
dientes dafuͤr widerfahren laffenz insbeſ. fuͤr gute Handlungen oder gelei—
ſtete Dienſte Gutes erweiſen, ſinnv. belohnen (Bott Lohne es dir z einem feine
Mühe lohnen; mir iſt mit Undank gelohnt worden); 2) gem. mit dem Acc.
löhren — 8008 .. 788
der Perfon: einen —, ihm feinen Arbeits- od. Dienftlohn bezahlen, b. ab-
lohnen (das Gefinde); 3) ziellos, uneig. von Sachen und als unp. Zw. mit
dem Gen. (nit Dat.) der Sache, f. Bortheil gewähren, etwas einbringen,
einer Sache an Werth angemeffen fein (3. B. das Getreide lohnet gut; bie
Arheit lohnt nicht; die Sache oder es lohnt der Mühe nidt, d, i. ift der
Mühe nicht werth; „die Dienfte der Großen lohnen der Mühe, des Zwanges,
der Erniedrigung nicht“ ꝛc. Leffing)z; auch unp, rückz. mit dem Fürw. ſich
als Dat, (nicht Acc): es lohnt fih nicht, es lohnt ſich der Mühe nicht,
vergl. verlohnen; — Xbleit. lohnbar, Bw., was gelohnt werden kann,
der Lohner, -8, ſelten, wer Andern lohnet, Ihnen Kohn auszahltz
der Loͤhner, -8, die Löhnerinn, M.-en, wer Lohn empfängt, um
Lohn arbeitet, gem. nur in Beh. wie Tage-, Halbz, Ganzlöynerz; der
Föhnling, -d, M. -e, Neuw., verädtl,, wer etwas des — we⸗
gen,.aus Eigennug oder Gewinnſucht thut; die Loͤhnung, M. -ın, der
Lohn oder Sold der Soldaten, fofern er denfelben einzein ausgezahlt wird;
daher der Loͤhnungstag ıc.
löhren, ziellof. Zw., völlig olt,, nur bibl. f. rauh u. eintönig fchreien, plärren.
Lolch, m. -ed, 0, M, (lat. lolium), zwei Pflanzen, welche als Unkraut
unter Bern Getreide wachſen: 1) der Scwindelpafer od. die Treepe; 2) der
Raden oder das Taubkorn.
Loos, n. U. Los, ſ., -ed, M.-e, (goth. hlauts, m., altd. hloz, loz,
m.; angelf, hlok; niederd. u, ſchwed. lott, engl. und franz, lot, dün. lodeꝛc.)
überh. ein Ding, urfpr, ein Stäbden, eine Kugel,*ein Würfel und dgl,,
deffen man fich ald eines Mittels bedient, um den Zufall ber etwas ent—
ſcheiden zu laſſen (das Loos über etwas werfen; wie das Loos füllt, d. i., wie
das Ungefähr durch das gewählte Zeichen entfcheidetz auch uneig. das Loos ift
gefallen, d, i. das Ungefähr hat entfihieden)z; in engerer Bed, bei Glücksſpielen
und Ausfpielungen ein mit einer Nummer bezeichneter Zeftel, welchen man
Fauft in der Hoffnung auf einen mit diefer Nummer zugleich zu ziehenden Ge—
winn (ein Lotterie- Loos; die Loofe ziehen; mein Loos hat gewonnen ꝛc.); der
durch den Zufall beftimmte Antheil oder Gewinn, eig. in Glüdsfpielen,
bei Verloofungen ꝛc. (das große Loos gewinnen), und uneig, alles was dem
Menfchen fcheinbar durch das Ungefähr als etwas Nothwendiges, Une
vermeidliches zugetheilt ift, ſinnv. Schickung, Geſchick, Schickſal (was
auch mein Loos fein mag, d. i. was mich auch Glückliches oder Unglückliches
treffen mag; mit feinem Loofe zufrieden fein; Seren ift des Menſchen Loos u.
dgl, m.); auch die Entfcyeidung einer Sache durch das Ungefähr (etwas
dem Loofe überlaffen); — der Loostopf, ein Gefäß, worin die Looſe durch
einander gefchüttelt werden, um fie daraus zu ziehen ; — loofen, zieltof. Zw.
m. haben; (altd,'hlozan, hliozanz oberd, loßen, ließen; altnord. hliota,
erlangen; hluta, looſen) das Loos entfcheiden laffen, das Loos werfen od.
ziehen (um etwas —); die Loofung, M. -en, die Handlung des Loofend,
das Loosziehen; daher das Koofungsfpiel, f. das fr. Lotterie; der Loo—
fungsplan, tag, das Loofungsgeld eꝛc.; löfeln, ziellof. 3m. m. haben
(gem. lößeln), oberd, f. loofen, bef. aberglaͤubiſche Handlungen vornehmen,
um aus deren Erfolgen auf die Zufunft zu ſchließen; daher: Die Loͤſelnacht,
bair., gewiſſe Nächte vor Feſttagen, in welchen man durch Löſeln die Zukunft
zu erfahren ſucht.
6*
84 Lootſe — Lorrendreier
Lootſe, n. A. Lot hſe, m., -n, M.-n, od. der Lootsmann, (ſchwed. loıs, ,
dän. loods, engl, loadsman; ven Loth, Senkblei, wonach Lothſe xich—
tiger wäre; doch entſcheidet der Schreibgebrauch dagegen, welcher dem niederd.
lood, holl. loot folgt; vergl. Pilot), Schiff., eig. wer mit dem Senkblei
die — des Waſſers unterſucht; überh. des Fahrwaſſers vollkommen
kundige Leute, welche ein- und auslaufende Schiffe den ſichern Weg
leiten; Naturk. eine Art Klipp- oder Bandfiſche, und eine Art Stichlinge;
lootſen, ziel. 3w,, ein Schiff —, es als Lootſe leiten, die Loots- od.
Lootſenbarke, kleine Fahrzeuge, deren ſich die Lootſen bedienen ; das Kootfen=
geld, Geld, welches der Lootſe für feine Leitung erhätt} das Lootfenwafler,
die Wafjerftrede, durch welche 9 Se iff gelootjet wird.
Kopf, fe oder m., —es, M. Löpfe, im Braunfcweigifhen: eine gewiffe
Menge Garn; Loppe, w., M.-ın, landfd., eine gewiffe Menge Hanf,
welche die Spinuet um den Leib nehmen, um daraus Kabelgarn zu fpinnen,
Löppe, w., M.-n, oserd., sine hölzerne Kanne mit Dedel und Hand:
babe.
Lor oder Lör, f., -ed, M. -e (lat. lorum; vergl, unten Lurde, Lurre,
und d, niederd, Edren, Luren f. Windeln, Widelbänder) alt und landſch. für
Riemen, Band,
Korbeere, w., M.-n (w. d. lat, laurus u, dem deutfhen Beere), die
länglichrunde Frucht des immergrinen Korbeerbaumes (ehem. aud) Cors
baum genannt) in Griechenland u, Italien; der Baum heißt au: der Lor—
beer oder gew. verkürzt Lorber, -&, M. -n, welches auch einen einzelnen
Lorberzmeig oder Lorberkranz kezeichner, bef. als Ehrenihmud der Hel-
den, Sieger und Dichter; daher auch uneig. f. Helden = oder Dichter⸗ Ruhm
(nach dem Lorber ringen u. dal.); wilder Lorber, ein immergrünes
Strauchgewaͤchs mit wohlriechenden Blumen im fü. Europa; das Lorber—
blatt, uneig. eine Art Kammmuſchel; der Lorberhain; das Lorberkraut,
landſch. f. Kellerhald und gemeiner Epheu; die Korberfrone, Krone von Lor—
berzmweigenz; dad Lorberöl, landſch. auch Lor-Hl, aus den Beeren u, Blättern
des Lorbers bereitetes Öl; die Korberrofe, ein oftind, Giftgewächs mit pur:
purfarbigen Blumen und lorberähnlichen Blättern (fr, Dleander); der Lorber—
wald ıc,
Lorch, m., es, M. -e, landſch. der Haubenraucher, Merch.
Lore, w., M.-n, landſch. 1) eine Art ſchwarzer Pilze, welche um
Kieferſtämme wahfen (auch Lorke, Laurife); 2) f. Iruffelz 3) f. Laͤrchen—
baum.
Lording, fe, — es, (v. Lor), Schiff. vierdraͤthiges Garn.
Lorenz, m., -end (lat, Laurentius), ein männl. Taufnamen; oberd.
gem, verkürzt: Lenz, Lenzelz dad Lorenzfraut, Gülden- od, Berggun:
ſelz Schwalben- oder Giftwurz.
Lork, m., — es, M.-e, niederd. f. Krötez beſ. als niedr. Schimpfwort;
die Lorfe 1., M.-n, landſch., eine Art Wafferfröten.
Lorfe 2., w., (vergl. Lauer), landſch., eine trübe Fluͤſſigkeit, bef, ein
truͤbes, unſchmackhaftes Getränk,
Lorke 3., w., M.-n (auch Lorre, Lurre), landſch. f. Poſſe, Grille.
Lorrendreier od. Lurrendreier, -8, M. w. E. (von Lurden, falſche
Briefe, Päſſe u, dgl.?) niederd., ein Schiffer, welcher die obrigkeitlichen
Porve — los 85
Zoͤlle Hintergeht, verbotene Waaren einſchwaͤrzt ꝛe.; daher: die Lorren—
dreierei. |
Lorve, w., Mi -en, f. Larve 2,
Los 1. ſ. Loos; 2. ſ., 88, Mi -e, Schiff, jedes Stuͤck, welches
zwifchen zwei andern lofe hängt; aud das Ankertau.
08, Bw, und Nw., Comp. loſer, Sup, lofeft, (goth, laus, altd, los,
ſchwed. lös, engl, in Zſetz. -less; verw. mit laſſen; vergl. d. lat. laxus und
d, griech. Aveım), überh, ungebunden, nicht feſt; insbef. 1) beziehung»
lo 8 (abfolut), d. i. ohne einen Fall zu regieren, wo es in feiner ungebeugten
Form ald Bw. und als Nm, gew. loſe lautet: nicht feitgebunden od, zu—
farımenhangend, finnv, locker cein lofer Zahn, lofe Haare; etwas ganz loſe
befeftigen, lofe einpaden 2c, 5; lofes Brod, d. i, locker gebackenes; Schiff. Lofes
Gut, d, i. alles, was man an Sciffsgeräth, als Segeln, Tauen zc. für den
Notfall mitnimmt; ein loſer Maft, d. i. der noch ungetakelt iſt)z Feine bleis
bende Wohnung habend, herumftreifend (lofe Leute, loſes Gefindel); uneig.
überh. eine fehlerhafte Befchaffenheit, nicht die gehörige Gute habend,
finnv. ſchlecht, leicht, falſch (3: B. loſes Geld, d. i. zu leichtes z bibl. loſe
Speife f. ſchlechte), bef. in fittlihem Verftante: die Geſetze oder Sitten vers
legend, böfe, ausſchweifend, Liederlic) (bibl. loſe und verachtete Leute; ein
lofes Maul haben; loſe Worte fagen, d. i. beleidigende, ehrenruhrige),
argliftig, falſch; gew. in milderem Sinne f. leichtfertig, muthmillig,
fchalfhaft, neckiſch (du bift Heute fehr lofez ein lofer Menſch, ein Lofer Vogel;
du lofes Kind; ein loſer Streich); ehem, auch f. falfch ſchmeichelnd, u. überh.
ſchmeichleriſch, lieblich, veigend; daher lofen, vlt. Zw. fir betrügen, ſchmei—
deln; 2) beziehungsweise, mit dem Gen. der Sache (gem. auch mit bem
Acc. oder mit von und dem Dat.), wo es als Nw. und Bw. los lautet
und auch als Bmw. nicht leicht gebeugt wird (außer in Zfeg. wie beifpiellos,
hoffnungslos 2c.): eines Gegenftandes beraubt, deffen entledigt, entbunden,
ermangelnd, davon befreit, ſinnv. ledig, leer, (einer Verbindlichkeit, eines
Menichenzc, los fein oder werden; jest bin ich feiner (gem. auh ihn od. von
ihm) los;z er konnte ihrer (gem. fie) nicht los werden); fo aud) bef, als
zweites Glied in vielen zgef. Beiwörtern, wo los fid dem Charakter einer
bloßen Bildungsfitde nähert, z. B. hülf-, grund-, frucht-, Erafte, ehr:,
beilz, lieb=, leb-, ſchad-, beifpiellos; hoffaungs=, nahrungs=, bedeutunge-
los ıc., aus welchen Bw. vermittelft der Endf. Leit mit vorgeſchobenem ig
die Hauptwörter Hülflofigkeit, Grundlofigkeit, Hoffnungslofigkeit u. gebildet
werden; — wo los beziehungslos (abfolut) zu ftehen fcheint, ift es aus—
Laffungsmweife (elliptifch) gebrauht und ein Hw. od. Zw. dabei zu ergänzen
(3. B. der Anker ift los, näml. von feinem Tau, oder er ift losgegangen,
s geriffenz; gem. der Teufel iftlos, d. i. losgelaffen, ungehindert thä—
tig; daher auh: was ift hier los? dv. i. was ift hier im Werke, in Be:
wegung, was gefhieht bier ? u. dgl. m.); — 3) los ald Nm. in Verbindung
mit Zeitwörtern auf zweifache Weife: a) mit voranftehendem auf, wo los
die ungehemmte Bewegung in einer Nichtung auf einen Gegenftand be
zeichnet, finnv. zu, in welchem Falle es mit dem Zw. nicht zu einem
Worte verbunden werden darf (3. B. auf Jemand los gehen, ftürzen,
dringen, fchlagen 20.5 darauf los gehen; frifh darauf Los effen 2c.)5 b) als
erftes Glied in trennbar zgef. Zeitwörtern und deren abgeleiteten
86 los
Haupt: und Beiwbrtern, wo es Aufhebung des Zuſammenhanges oder des
hemmenden Zwanges vermittelſt der durch das Zw. ausgedrückten Handlung,
uͤberh. Trennung, Abloͤſung, Befreiung und dadurch eintretende ploͤtzliche
Bewequng bezeichnet, ſinnv. ab, — Hieher gehören beſ. folgende Zſetz.:
losarbeiten, ziel. Zw., mit Arbeit od, Anſtrengung löſen, trennen; losbin⸗
den, ziel. Zw., von den Banden oder Bändern trennen, befreien; (osbitten,
ziel. Zw., durch Bitten die Lostaffung oder Befreiung erlangen; losbrechen,
3m. 1) ziellos m. fein, durd einen Bruch von etwas getrennt werden; uneig.
plöslid) und mit Heftigkeit entftchen, fid vernehmen Laffen 20.5 vergl. ausbres
chen (das: Ungewitter brach los; er Fonnte ſich nicht Hänger balten, fondern
bras) 108); 2) ziel. brechend abfondern, vergl. abbrechen; der Losbruch, der
Zuftand und die Handlung des Losbrechens; losbruͤchig, Bw., was leicht
losbrichtz Iüg.,. ein wildes Schwein losbrüchig madyen, d. i. aus feinen Lager
aufjagen; loSbrennen, ziel. 3w., durch Brennen losmadenz von Fewerge:
wehren |. v. w. losſchießen Losbringen, aud losbekommen, gem. loskrie⸗
ge, ziel. Zzw., durch Anwendung körperlicher Kraft oder anderer Mittel die
fung, Trennung, Befreinng eines Gegenftandes bewirken; losbrödeln,
ziel. und zielloſ. Zw., abbröckelnz losdruͤcken, ziel. Zw., duch Drücden ablb—
fen, oder losgehen machen (ein Gewehr); loseiſen, ziel. Zw., vom Eife frei
machen ein Schiff 3 uneig. gem. etwas von Semand —, d. i. mit Mühe zu er—
langen ſuchen; losfahren, Zw. 1) ziellos mit fein, plöglid getrennt oder
abgefondert werden; uneig. plöslid und heftig ſich Außern, ſprechen, vergl.
erausfähren; I) ziel. durch Fahren abſondern; losfaulen, ziellof. Zw. m.
fein, durd) Fäulniſs abgefondert werden; losfeilen, ziel. Zw., feilend los—
machen; losgeben, ziel. Zw., aus feiner Gewalt —, frei geben (einen Ge:
fangenen); losgehen, zieltof. Zw. m. fein, außer Verbindung mit etwas
geraten, ſich adlöjen (der Kalk geht los)z3 plöslic in fchnelle Bewegung ge:
rathen, ausbrechen, feinen Anfang nehmen {nun ging das Zanken los; ein
Feuergewehr geht Los, wenn es plötlich, bei. von felbft ſich entladet)z verſch.
auf Jemand los geben (f. 0.15 loshauen, ziel. Zw., hauend abfondern 5
verſch. aufeinen log hauen; loskaufen, ziel. Zw., durch Erlegung eines Löſe—
geldes befreien (einen Gefangenen); losketten, ziel. Zw., von der Kette lö—
fen; loskommen, ziellof. 3w. m. fein, aus einer bejchränkenden Lage frei
werben; loslaffen, ziel: 3w., etwas Feftgrhaltenes fahren laſſen (den Strid 2c.)3
überh. aus feiner Gewalt laffen, frei laffen (einen Gefangenen); loslegen,
3w. 1) ziel., löfen und hinlegen; 2) ziellos m. haben, gem. fr fih in Be
wegung fegen, etwas anfangen; losmachen, ziel. Zw., außer Verbindung
bringen, abſondern, trennen (die Rinde vom Stamme),. bef. von einer Ber
ſchränkung, einem Zwange 2c. befreien (einen od. fid los machen); losplatzen,
zielloſ. Zw. m. fein, platzend getrennt werden; uneig. gem. plötzlich hervor od.
ausbrechen, def. unübertegt fi) in Worten äußern, vergl. losbrechen; losrei—
- Ben, 3m. 1) ziellos m. fein, durd einen Rifs getrennt werben (dev Faden ift
Tosgeriffen); 2) ziel. reißend oder überh. mit Gewalt abfondern, losmadhen, bez
freien (fi losreigen); losfagen, ziel. 3w., f. v. w. losſprechen z gem. rückz.
fich von einem oder von etwas —, d. i. feine Verbindung damit fur auf:
gelöft erklären, ſich aller Verbindlichkeiten oder Anfprüche ledig erklären; 109=
ſchießen, ziel. zw., ein Gewehr —, abſchießen; auch durd Schießen abfon-
dern, trennens Losfchlagen, ziel. Zw., ſchlagend abſondern; ımeig. eine
los 87
Waare —, ohne längeres Zurückhalten oder Handeln verkaufen; losſchließen,
⸗ſchnallen; =fchnüren, =fchrauben, ziel. Zw., Feſtgeſchloſſenes, = Ge:
ſhnalltes, -Geſchnürtes,-Geſchraubtes auf: oder ablbſen, loemachen; los—
ſchnellen, Zw. 1) ziellos m. fein, durch Schnellkraft losfahren 2) zieh,
durch Schnellkraft in Bewegung ſetzen (einen Pfeil; losſprechen, ziel. Zw.,
durch einen Ausſpruch von einer Verbindlichkeit, Strafe zc. befreien, freiſpre—
den (einen Angeklagten); losjprengen, ziel. Zw., fprengend abfondernz
losfpringen, ziellof. Zw. m. fein, durd) einen Sprung getrennt werden;
lostrennen, ziel. Zw., überh. attrennen, abfondern; inöbef. durch Zerſchnei—
dung einer Nath losmachen; loSweichen, ziel. Zw., durd) Erweichen ablbſen;
loswickeln, ziel. Zw., das Gewictelte los machen; uneig.-fi ch —, fid) aus einer
verwicelten Sache ziehen; loswinden, ziel. Zw., etwas Gewunbenes losmachen;
windend ibſen; ſich —, d. i. mit angefirengter Kraft fid) losreigen, befreien
losziehen, Zw. 1) ziel., ziebend ablöſen; 2) ziellos m. haben, auf ei-
nen —, uneig. gem. f. ihn ohne Zurüdhaltung fdyonungelos tadeln; — 3ſetz.
von les, Lofe f. loder (f. los 1.): der Losbaͤcker, niederd., ein Bäder,
der lockeres Weizenbrod backt, Weißbäcker; das Kosbrod, niederd. f. Weiß:
brod, Semmel; — Wbleit. die Loſigkeit, felten, das Lofefein, die lofe
Befchaffenheit, eig. und uneig. (ſ. loſe 1.)5; — lofen 1. oder gelofen (vergl.
d.), vlt ziellof. Zw., einer Sache (Gen.) —, f. los werden, davon befreit
werden; 2. f. Iöfen 2)5 löfen, Zw. (goth. lausjan, altd. losan; ſchwed.
lösa, engl. loose) 1} ziel. lofe oder locfer machen, finnv. lockern, lüften
(das Halstuch, ein Band ꝛc.; einem bie Zunge —, fie durch Zerfchneidung ei—
nes Theiles des Zungenkandchens beweglicher machen; aud uneig. f. ihn ge:
ſprächig machen) ; losmachen, d. i. Die fefte Berbindungod. den Zufammenhang
vollig aufheben (einen Hund vom Seile —, losbinden; die Haut v, Fleiſche —,
ablöfen; einen Knoten —, auflöfen, auch uneig., f. Knoten); insbeſ. f. los—
ſpannen, abfpannen, losſchießen (ein Gewehr, die Kanonen löfen); uneig,
etwas Verwickeltes, Schwierige entwickeln, einen Zweifel heben, eine
Trage beantworten, vergt. auflöfen (ein Räthſel, eine Aufgabe zc. Löfen) 3
aus eined andern Gewalt, von einen Zwange, einer Berbindlichfeit be=
freien, auölöfen, erlöfen (fih aus der Gefangenfhaft —, loskaufen; ein
Pfand —, einlöfen); Geld —, ald Werth = Erfaß für Waaren, Arbeit zc.
einnehmen (aus feinen Waaren viel, wenig 2c. ldfen; einem etwas zu Löfen
geben, d. i. ihm etwas abkaufen); alt und bibl. bef. f. aufheben, eine firtliche
Derpflichtung, eine Schuld ꝛe. erlaffen, vergeben (ein Gefeg, die Sünde —3
die Gewalt, zu löfen und zu binden, d. i. Sünde zu vergeben und zu behalten) 3
2) rüdz. ſich —, oder zieltos: löfen (audy Lofen), Jäg. von vierfüßigen
Thieren, ſich det Unraths entledigen, fich erleichtern, feine Nothdurft
verrichten; das Löfegeld, Geld, womit etwas eingeidft, bef. womit Jemand
aus eines Undern Gewalt befreit, aus der Gefangenfchaft losaefauft wird; dee
Loͤſeſchluͤſſel, in der röm. Kirche ſinnbildlich: die Gewalt, die ghttliche Loe—
ſprechung von Sünden zu verſichern, entg. Bindeſchlüſſelz die Loͤſeſtunde,
Bergw., die Stunde, in welcher die Arbeiter einander abibſen; der Loͤſer, 26,
die Loͤſerinn, M.-en, wer etwas loͤſet, auf-, ab= oder einloͤſet; loͤs⸗
bar und loͤslich, Bw., was ſich loͤſen laͤſſt; die Loͤsbarkeit, Eöstichkeits
die Lofung, Tas Loͤſen, die Aufloͤſung, Befreiung (Eöſung eines Bandes,
eines Räthſels, eines Gefangenen); die Lofung, M. -en, (won dem alten
Loͤſch — loͤſchen
Lofen f. löſen) 1) ehem, überh. f. Loͤſung; jest noch landſch. f. Einlöſung
eined Pfandes, Naͤher- oder Einſtandsrecht; 2) die Bezahlung, ber.
Abgabe an die Dsrigkeit, Steuer, Schatzung (in diefer und den folgenden
Bed. n. A. von Loos, Antheilz angelf. hlor, Abgabe; Lader in Nürnberg:
die Lofungsftube, der üffentlihe Schag; die Lofungsherren oder
£ofunger, die Vorgefegten deöfelben, welche zufanımen das Cofungsamt
ausmagjen); der an einer gemeinfchaftlihen Schuld zu bezahlende AUntheil
(zur Loſung fhwören); überh. f. Antheil, VBerhältnifetheil (fr. Quote);
3) das gelöjete, d. i. für Waare eingenommene, Geld, und die Kaffe, in
welher diefe Einnahme verwahrt wird, Loſungs-Kaſſe; 4) Züg. der Aus—
wurf der vierfüßigen :Ihiere, dad Gelos (f. o. löſen 2.).
Loͤſch, m., -ed, M.-e, landſch., ein Bienenſchwarm.
Loͤſche, w., m. J 1. (landſch. auch Löſch, Lüſch, verw. mit Laſe,
Flaſche ꝛc.), landſch. f. Trog, Kübel; Bäck., ein kleiner Kübel, den Kehr—
wiſch darin — — in Weſtpreußen eine Art Fahrzeuge
auf Flüſſen und Landſeen; — 2. (gem. Leſche) Berg: u. Forſtw., zu Staub
zerfallene Kohlen, Kohlenſtaub; die ſchwarz gebranate Erde, mit welcher
ein Kohlenmeiler bedeckt iſt; Schloſſ. feiner Hammerſchlag; die Loͤſchſchau—
fel, Hüttenw., eine Schaufel, womit die Loöͤſche oder der Kohlenſtaub auf den
Herd getragen wird.
löfchen, 1. ziel. Zw. (aus dem niederd. loffen, dän. losse verderbt; vergl.
das ſchwed. lossa, löſen; niederd. loſchen, les Laffen), Schiff. f.- ausladen,
lichten (ein Schiff, bie Waaren —); daher das Löfchgeld, eine Abgabe von
ein: ober austaufenden —— der Loͤſchplatz, Platz zum Ausladen der
Shiffes die Loͤſchung, das Loͤſchen.
loͤſchen 2. Zw. 1) ziellos m. fein (altd. leskan, gew. ir- — er-
leschen; Impf. irlask, erlasch, Mw. irloskan, erloschen), ablaut. ih
loͤſche, du liſcheſt, er liſcht (weniger r. Löfcheft, löſcht) Imper. liſch; Impf.
loſch; Conj. loͤſchez Mw. geloſchen; aufhören zu brennen, zu leuchten;
dunkeln, allmählid) ſchwinden ꝛc., gew. erlöfchen (f. d.) verlöfchen, aufs
Löfchen, gem. ausgehen; 2) ziel. (altd. leskjan, leschen; Impf. laskta,
laschte; Mw. gilaskt, gelascht; ſchwed. läska, släcka; engf. slake), re:
gelm. umend. du Löfiheft, er löſchtz löſchtez gelöiht; machen, dafs etiwad er—
lifcht oder zu brennen aufhört, vergl. auslöfchen (ein Feuer, ein Licht; bef.
eine Feuersbrunft, wo löſchen aud ohne Zielwort ſteht, 3. B. helft löſchen!
u. dgl.ez ein glühendes Eiſen —, in Waſſer abkühlen); in weiterer Bed.
den Kalk —, mit Waffer vermifhen (gadfhter Kalk, vergl. Kalk);
uneig. den Durft, die Gluth der Leidenfhaft und dgl. —, ftillen, daͤm—
pfen, unterdruͤcken; etwas Geſchriebenes, eine Schuld zc. —, tilgen, wege
Ihaffen, auöftreihen, unkenntlich oder ungültig machen; — 3fen. die
Loͤſchbank, der bretterne Kaften, in welchem Kalk gelbſcht wird; das Köfche
blatt, ein Blatt Löſchpapier (f. u); das Köfchblei, Wafferbfei, Bleiftiftz
das Löfchfafs, der Köfchfübel oder =trog, Hüttenw. zc., ein mit Waffer
gefüulltes Gefäß zum Abkühlen der heig gewordenen Werkzeuge, zum Löfchen des
glühenden Eifens ꝛc.z das Köfchgeräth, Geräth zum Löſchen einer Feuerk—
brunſt; der Löfchhafen, bei verfh. Handw. ein eiferner Haken zum Ausein⸗
anderziehen des brennenden Holzes 2c.5 dad Köfchhorn, der Köfchnapf, ein
born: oder napfformiges hohles Geräth zum Austöfen der Lichter, Lichthut,
a
N
! | lofe — Roth 89
Dämpfer, Löſcher; die Löfchkohle, Kohlen, welche mit Waſſer gelbſcht find,
ehe fie zu Afche verbrannt find; das Köfchpapier, grobes und ungeleimtes,
bie Flüſſigkeit einfaugendes Papier, oberd. Fließpapier; der Loͤſchwedel od.
Loͤſchwi ), ein an einer Stange befeſtigter Strohbüſchel, die Kohlen mit
Waſſer zu befprengen oder zu löfhen, Kühlwedel oder =wifh; — Abieit.
der Löfcher, -8, wer loͤſcht; auch f. Loͤſchhorn; die Loͤſchung, das Loͤ—
ſchen; Löfchbar, Bw., was gelöfcht werden Fann.
lofe, Bw., ſ. los 1); das Löfegeld, f. !öfen unter Los.
löfeln, zw., Löfelnacht, lofen 4. ſ. unter Loos, loofen.
lofen 2. Zw., vlt. f. betrügen, ſchmeicheln, f. los 1); 3. f. loswer⸗
den 2c. f. unter los, lofen.
lofen 4., ziellof. Zw., alt und landſch. f. hören, horchen, laufchen
(1. d.)5 daher Jäg. Löfel, Lofer, Lufer, m. f. die Ohren der wilden
Thiere.
loͤſen, Zw., Loͤſer, Loͤſeſchluͤſſel ꝛc. ſ. unter loe.
losfahren, =geben, Sgehen ꝛc. — lostrennen, ſ. unter los.
Loſung, w., M.-en, 1. b. Looſung, ſ. d.z 2. ſ. unter los; 3. (oberd.
auch: das Loßz wahrſch. von Loos, das zugetheilte Zeichen 2c.), überh. ein
Zeichen, 3. B. gewiffe Merkmale, welhe man unter die Mark: u. Grenziteine
legt, beftehend in Eleinen Steinen, Kohlen 2c.: Marf=, Grenzlofung, aud
Loszeichen; vwerabredete Zeichen, ald Feuer, Schiffe ꝛc., durch melde
man etwas anzeigt oſungsfeuer,-ſchüſſerc.; fr. Signale); in enge:
rer Bed. Kefpr. ein verabredeted, dem Feinde unbefanntes Wort, woran
die zu einer Partei gehörenden Perfonen einander als ſolche erkennen: die Lo—
fung oder das Loſungswort, auch das Feldgefchrei (fr. Parole); daher
uneig. f. der allgemeine Ausruf, das Wort oder vielmehr die Sache, die man
im Sinne hat, wonach man ftrebt 2c. (3.8. Gelb ift die Zofung); — 4. landſch.,
bef: Bergm., ein leerer Naum in den Gruben, wohin der Schutt geworfen
wirb. -
Lofunger, Lofungsamt, Lofungsherr, f. Lofung unter los.
losweichen ꝛe. — = ziehen, f. unter 1085; — Loszeichen, f. Lofung 3.
Lot, fe, -ed, M. -e, oder die Lore, M. -n, (auch Late, Lotfe),
niederd. eine an einer langen Stange befeftigte Schaufel zur Reinigung eines
Grabend ꝛc. von Schlamm; dayer loten oder lotfen, ziel. und zielloſ. Zw.,
mitteljt des Rotes reinigen.
Loth, f., -eö, M.-e, (altd. 16:5 niederd. Lood, ſchwed. lod, engl.
lead, Blei; wahrſch. verw. mit fließen, altnord. fliota, niederd, fletenz vergl.
das ruſſ. liti, gießen, ſchmelzen) alt und landſch. überh. ſchmelzbares, leicht—
flüffiges Metall, vorzugsmweife dad Blei, im Hodd. nur in befondern An:
wendungen: 1) reined od. mit Zinn od. andern Metallen gemifchtes Blei
als Bindenittelzum Zufammenfcmelzen firengflüffiger Metalle (daher: löthen,
f. u); 2) bleierner Schießbedarf für Feuergewehre, Kugeln und Schrot,
meiſt vlt. (Kraut und Loth; vergl. Kraut 2.)3 3) f. Senfblei, Nichtbtei,
Bleiloth, ſ. d.5 4) bleiernes Gewicht und ehem. überh. f. Gewicht (falſches
Loth und Maß haben); def. 5) ein kleines Gewichtmaß, die Hälfte einer
uUnze oder „', Pfund betragend, in diefer Bedeutung nad) einem Zahlw. in der
Mehrh. unverändert (zehn Loth 2c.) — 3ſetz. die Lothbuͤchſe, eine Büchfe,
woraus ein Loth Blei gefchoffen wird; ehem. überh. f. Kugelbüchſe; die Loth—
90 Lotte — lotter
kirſche, eine Art ſehr großer, dunkelrother, ſäuerlicher Kirfhen 5 die Loth—
feine, gem. Lothlien, Schiff,, die Leine, woran das Senkblei befeftigt iflz
die gothperle, Eeine Perlen, welche nad) dem Gewichte (lothweife) verkauft
werden, z. U. v. Bahiverte; lothrecht, Bw., nad) dem Loth oder Richtdlei
gerichtet, bleiz, ſenkrechtz — Ableit. (ee? zieltof. Bo. m. haben,
1) gem,, die Schwere eines Lothes od. mehrer Lothe haben (das Erz Lothet,
wenn der Zentner mehre Loth Siiber enthältt); 2) Handw., mit dem Bleiloth
den fenfrechten Stand einer Mauer u. dgl. unferfuchen ; löthen, ziel. Zw.,
(niederd. löden, dan. lodde), mittelſt eines Lothes, d. i. geſchmotzenen Bleies
oder eines leichtflüſſigen Metallgemiſches, zufammenfchmelzen (ein Stück an
das andere —, ein zerbrochenes Gefäß —); in weiterer Bed. überh. f. zuſam—
menkleben, zuſammenfuͤgen, beſ. bei den Hornarbeitern: Horn od. Schild—
krötenſchale —3 uneig. genau zu einem Ganzen verbinden; die Loͤthe, 1)
ſ. v. w. die Loͤthung, das Loͤthen (beſ. der Schildkrötenſchalen durch Er—
wärmung und Zufammenprefjung) ; 2) dad zum Loͤthen dienende, geſchmol—
zene Metall; der Loͤther, -6, wer etwas löthetz die Löthafche od. Loth⸗
aſche, Scheide, aus Salzpflanzen gebrannte Aſche, die zum Schmelzen
glasartiger Körper dient; das daraus gerogene Salz heift: Loͤthſalz; die
Loͤthform (wahrſch. von einem andern Stamme), eine Form von Darmhäu—
ten, worin die Goldſchläger das Gold ſchlagen, wenn es aus der Quetſchform
kommt; das Loͤthgarn (?) tandſch., ein feines Leinengarnz der Loͤthkolben,
ein eiſerner Kolben, welcher beim Löthen heiß gemacht wird, um das Loth zu
ſchmelzen; die Loͤthlampe, Goldarb., eine Campe, an deren Flamme kleine
Sachen gelbthet werden; der Loͤthofen, ein kleiner walzenförmiger Ofen,
worin die Klempner die Löthkolben heiß machen; die Löthpfanne, Goldarb,,
Kohlenpfanne, auf welcher Kleine Sachen gelöthet werden; das Köthrohr, eine
eine, vorn gefrümmte und fpigige Röhre, durdy welche die Flamme der Loth:
lampe an das Loth geblaſen wird; der Köthftein, Glaf., ein mit Löchern ver:
fehener Sandſtein, worin das Metall zum Loͤthen beffrdlich iſt; die Loͤthzange,
Zange zum Feftgalten der zu löthenden Sache; das Loͤthzinn, Zinn zum Lö⸗
then; — loͤthig, Bw., ein Loth ſchwer (eine — Kugel), ſo auch in
Zſetz. mit Zahlw. zwei-, drei-, — 2c., d. i. zwei ꝛc. Loth haltend;
Hüttenw. nur ein Loth Silber) im Zentner TEN (töthiges Erz); im
Münzw. u. bei Silberarbeitern mit Zahl. zgef. zur Beltimmung ded reinen
Silbergehalted, wo das Loth als „- Mark angefehen wird; daher fechzehn:
Ubthiges, d. i. ganz reines Süber; vierzehn:, zwölflöthiges Gil:
ber 2c,, d.i. mit 2, 4 ıc, Loth Zufag in der Mark; loͤthiges Silber auch
fe ſechzehnloͤthiges, unvermiſchtes; — der Lothfe, f. Lootſe.
Lotte 1.,w., -nd, M.-n, Bert, Lottchen, ſ., ein weiblicher
Zaufnamen, abge. aus Charlotte,
Lotte 2., we, Me -n (wohl verw, mit Lade, Schlot, ſchließen), Bergmw,,
ein aus Brettern zufammengefchlagener viererfiger Kanal, Abzugsroͤhre
oder Rinne (Wetter:, Waſſerlotten; auch die Lutte).
lotter, Bw. (verw. mit lodern, ſchlottern, liederlichz altd. i loter,
eitel, — 55 — oberd. f. locker, loſe, ſchlaff, ſchlotternd; nachläͤſſig, un—
ordentlich, a unftät und llichtinz daher lottern (niederd, loddern),
zielloſ. Zw., landſch. f. ſchlottern, nachläfffg einhergehen, liederlich ſein;
der Lotter oder Lotterer, -8, oberd., wer ſchlotternd gehtz ein liederlicher
Lotwurz — Luchs. — 91
enſch, Landſtreicher, Windbeutel, Poſſenreißer (aagelſ. loddere, ſchwed.
löddare, Gaufter); die Lotterei, dad Lottern, lotterig, Bw., f. ſchlotte—
rig; nachlaͤſſig, unordentlich; die Lotterigkeit; — in die hochd. Schriftſpr.
aufgenommen find nur die Zſetz. das Lotterbett (landſch. gem. Loderbett;
ſchwäb. das Lotter), ein bequemer lockerer Polfterfie, Ruhebett; der Lotter⸗
Ei ein liederlicher Bube, Lafterhafter verworfener Menſch.
Lotwurz, w., gelbe Ochſenzunge; Bein-, Fettwurz.
Löwe, m., -n, M.-n, (altd. lewo, lewe, leue, Leue; griech. Akon,
lat. leo, Fran; und engl. lion; böhm. lew 20.5 wahrſch. verw. mit dem altd.
louuan, luen, niederd. —— angelſ. hlewan, engl. low, brüllen), ein zum
# Kabengefchlechte gebörendes großes und ſtarkes Naubthier von gelbbrauner
Farvbe und mit einer Mähne, in heißen Ländern einheimiſch, in der Thier—
fabel als König der Thiere betrachtet, oft auch Sinnbild der Stärke, Uner:
ſchrockenheit od, Großmuth; der weibliche Lowe Heißt die Köwinn, M. -enz
Stern, zwei Sternbilder: der große Loͤwe, im Thierkreiſe — dem
Krebs und der Jungfrau; der kleine Loͤwe, zwiſchen dem großen Löwen und
dem. großen. Bärenz — 3ſetz. der Loͤwenaffe, ein kleiner langgeſchwänzter
amerikan. Affe mit langem buſchichtem Haar am Kopf und Halfe; der Loͤwen⸗
baͤndiger; die Loͤwenbirn, eine Art Dauerbirnen; das Loͤwenblatt, ein
Pflanzengeſchlecht im füdl. Europa (Leonticc L.); die Loͤwenfohre, landſch.
fe Krummpol,baum (vielleicht verderbt aus Löffelfohre) 3 ‚der Löwenfuß, ver:
ſchiedene Pflanzen: 1) der Güldengäaſerich, Marienmantel, auch Loͤwentappe
genannt (Alchemilla vulgaris L.)53 2) der Bärlapp; loͤwengleich, Bw,
ftark, kühn wie ein — der Loͤwengrimm; die Loͤwengrube, Erdgrube,
in welcher man Löwen unterhält; die Loͤwenhaut; das Loͤwenherz, uneig.
(öwenähnlicher Muth; auch ein 1bwenherziger Mann, Held (Richard L6—
wenherz, König v. England); der Loͤwenhund, gew. verkl. das Loͤwen—
huͤndchen, eine Art kleiner Schoſhunde mit einer zottigen Mähne; die Loͤwen—
jagd; de v Löwenjäger ; die Löwenflaue, f. v. w. Bärenklauz der Loͤwen—
kopf, uneig. Naturk. eine Art Warzenſchnecke z loͤwenkuͤhn, Bw., kühn wie
ein Löwe; das Loͤwenmaul, uneig. ein Pflanzengeſchlecht, deſſen Blüthen in
zwei löwenmaulühnliche Rn endigen, auch Hundstopf genannt; der Löwens
muth; der Loͤwenſchwanz, uneig. eine Art geihwänzter Affen in Bengalen;
verſchiedene Pflanzengeſchlechter; loͤwenſtark, Bw.; die Loͤwenſtaͤrke; die
Loͤroenſtimme, fürchterlich drüllende Stimme; der Loͤwenthaler, eine hollünd.
Sbermünze mit einem Löwen im Gepräge, 1 Thle. 3 ggr. Gold an Werth;
‚der Löwenzahn, uneig, eine auf den Wiefen wild wachfende Pflanze mit gel:
ber Blume und einem milhichten Saft, Butter, Dotter:, Eier:, Kuholu:
me 2c., (Leontodon L.)5; — Xbleit, löwenhaft, Bw., ſ. v. w. loͤwen⸗
ahnlich, loͤwenkuͤhn, —ſtark.
Luͤbiſch, Bw., f. luͤbeckiſch (eine Mark Lübiſch, d. i. nach Lübeckiſcher
Münzrechnung).
Luch, er es, M.-e, landſch. ſ. v. w. das Loh (ſ. do/ Moraſt,
Sumpgegend.
Luchs, m, es, M. —e (altd. luhs; niederd. u. dän. loss; angelſ. lo
griech. Avy!, lat. — wahrſch. von lugen (ſ. d.), angelſ. — ſehen), ein
katzenoͤhnliches wildes Thier, meiſt röthlich und gefleckt, mit ſehr ſcharfem
Geſicht; man unterſcheidet den Kalb-, Katzen- u. Hirſchluchs; das Weib—
92 luchſen — Luder
chen heißt bei den Sägern: die Luchfinn, M. -enz; uneig. heißt ein fehr
ſcharf fehender Menfch: ein Luch s; ferner Naturk. eine Art flecfiger Por—
zellanſchnecken; Sternk. ein Sternbild zwiſchen dem Fuhrmann u. dem gro:
fen Bären; das Luchsauge, uneig. ein ſehr fharf fehendes Auge; der Luchs—
balg; das Luchskalb, die Luchskatze, f. v. w. Kalbluchs, Katzenluchs,
f. 0.5 der Luchsſtein, ein gelber Halvedelftein, feiner Hornftein (fr. Lynkur)3
landſch. auch f. Singerftein.
luchſen, 3w., f. lugfen unter lugen.
Luchſer, m., —s, Mm. E., Jäg. die Ohren des Wildes, verderbt
aus Luſer, ofer (f. d. unter lofen 4.). ’
Luck, ſ., -e6, M. Luͤcker (vergl. Lücke), oberd. f. Deckel, Fenfterlas
den ꝛc.
Lüdel., w., M. -n (oberd. die Lucken; altd. luka, luccha, von dem
goth. lukan, ald. luhhan, island. luka, ſchließen; alfo eig. das zu Schlie—
ende; fo wie das Lud, das Schließendez vergl. Loch, Luke und das lat. la-
cuna), eine fehlerhafte und daher zu fließende oder auszufüllende Offnung
(Eücke in einer Mauer, einem Zaun 2.5 Scharten in einem Meffer u. dgl.),
bef. «ine leere Stelle, wo etwas mangelt, ausgefallen od. ausgelaffen ift
(eine Zahnlücke; Lücke in einer Handſchrift ıc.; eine Lücke ausfüllen, büßen,
ſ. dyz der Luͤckenbuͤßer, —s, die Luͤckenbuͤßerinn, M. - en, eine Perfon
cder Sache, weiche eine Lücke büßen, d. i. ausfüllen, ergänzen muſs, ein
nothdürftiger Stellvertreter; insbeſ. müßige, bloß ausfüllende Wörter, Flick—
wörter z überh. Alles, was nur zur Ausfüllung einer leeren Stelle dient; die
Luͤckenbuͤßerei, verächtl. die Ausfüllung einer Lückez das Luͤcken- od. Luͤck—
netz, Jäg. eine Art Haſengarne, welche man bei Nacht vor die in den Lappen
gelaffenen Lücken freut; — lüdenhaft, Bw., Luͤcken habend, mangelhaft,
unvollſtaͤndig; die Luͤckenhaftigkeit; luͤckig, Bw., ſelten f. Luͤcken habend
(zahnlückig).
Luͤcke 2. w., M. -n (von gleichem Stamme m. Lüde 1. ſ. d.), niederd.,
ein eingefriedigtes Stuͤck Feld.
ludeigen, Bw. (die erſte Silbe verderbt aus All-od, allodium), oberd.
f. ganz eigen, erblich eigen (ein ludeigenes Gut).
Ludel 1., w., M.-n (verw. mit Loder, Lutter), bair. f. unreines ftcs
hendes Waffer, Lache. ;
Ludel 2., w., M.-n, landſch. gem., ein Trinfgefchire fiir ſaugende
Kinder, Saughern, Lutſcher, Kinderdutte (f. d.)5 uneig. verächtl. eine
Tabackepfeife; das Ludelhorn, im Geſchützweſen das Pulverhorn der Kanos
niere; ludeln, ziellof. Zw. (landſch. auch lollen, Iullen, lutſchen, nutfchen 2c.),
gem. f- ſaugen; auch Tone ohne Worte fingen. |
Ludelmacher oder Ludler, m., -8, M. w. E. (mohl von dem oberb.
Ludel f. Loden, f. d.) fhimpfl. Benennung der Weber, welche mit fünf Schäfe
ten weben, Stimper.
Luder, fe, -8, 9. M. 1. (oberd. Lueder; wahrſch. verw. mit lodern,
lotter, fchlottern 2c.) gem. überh. das nicht efebare Fleifch größerer Ihiere,
bef. der Pferde fein Pferd fegt Luder anz die Jagdhunde werden mit Luder ge:
füttert)5 in engerer Bed. nieder. f. Aas, das faulende Fleiſch geftorbener
Thiere; auch ein todtes, verweſendes Thier felbft (ein Luder); uneig. ein
niedr. Schimpfw. fuͤr eine Hafsliche, verächtliche Sache, oder einen
| Luf — Luft 98
ſchmutzigen, verworfenen, laſterhaften Menſchen; in der oberd. Volkeſpr.
auch zum Schmeichelwort verkehrtz alt u. Jäg. jede ſcharf riechende Lockſpeiſe,
Koͤder, bei den Falknern der nachgemachte Lockvogel (altd. luoder, engl. lure,
franz. leurre);5 2, (altd. luoder; vielleiht von gleichem Stamme mit dem vor:
ftehenden, f. Lotter z vergl. aud) d. lat. ludus, ludere) vit. f. Spiel, Poffen,
Gaukeleiz; aufgelaffene Lujtigfeit, Schlemmerei, Schwelgerei, lieders
liches Leben (fi dem Luder ergeben); — Bfe$. die Luderhütte, Jsg. eine
Hütte, in deren Nähe wilde Thiere durch Luder geloct werden; dad Luderle⸗
ben, niedr. f. ein ſchwelgeriſches, ausſchweifendes Leben; der Luderplatz,
Jäg. Platz, wohin die wilden Thiere durch Köder gelockt werden; — Ableit-
ludern, Z3w. (altd. luodern), 1) ziellos, Jäg. f. Aas freſſen; niedr. f.
ſchwelgeriſch leben, ausſchwelfen; 2) ziel. Jäg. f. ködern, anlocken; ehem.
überh. f. locken, reizen; der Luderer, —s, vit. f. Schwelger; Gaukler;
die Luderung, das Ködern; die Lockſpeiſe; luͤderlich, Bw., b. liederlich,
ſ. d.
Luf, w., o. M., od. die Lufſeite, (engl. loof), Schiff,, die dem Winde
zugewendete Seite, Windſeite, entg. Lee, Leeſeite (einem die Luf abſtechen,
d. i. die Windſeite abgewinnen; die Luf halten, d. i. gut beim Winde ſe—
geln); daher die Lufbraſſe, der Lufbug, die Lufwand ꝛc.; lufwaͤrts,
Nw., nach der Luffeite gerichtet; lufgierig, Bw., von einem Schiffe, über—
wiegende Neigung habend, ſich mit dem Vordertheile der Richtung des Windes
zu nähern; die Lufgierigkeit.
Luffe, w., M. -n (erw. mit Laib, ſ. d.) niederd. f. grobed Weizenbrod.
Luft, w., M. Luͤfte, Verkl. das Luͤftchen (altd. u. oberd. derluftz
dan. u. ſchwed. luft; angelſ. Iyfı; ſchott. lift; verw. mit keicht (ſ. d.), lichten,
niederd. liften 2c.), üderh. der höchſt durchſichtige, feine, fluͤſſige Stoff,
welcher die ganze Erde umgiebt und zum Leben der Thiere und Pflanzen
unentbehrlich iſt (Luft ſchöpfen, d. i. einathmen; in freier Luft; in die Luft
zeden, d. i. vergeblidy; reine, gefunde, die, trübe, drüdende, feuchte, heiße,
kalte 2c. Luft)5 die Naturl. unterjcheidet verfchiedene einfache Quftarten (nicht:
Lüfte), 3. B. Lebensluft, brennbare Luft, Stickluft 2.5 in engerer Bed.
"die ein= und ausgeatymete Luft, der Athem (keine Luft haben, d. i. nicht
athmen Können; wieber Luft bekommen 2c.)5 die freie, Außere, nicht einge=
ſchloſſene Luft, der Luftraum (in die Luft gehen; etwas an die Luft legen,
an der Luft trocknen), überh. f. freier, luftiger Naumt (einem Baume Luft
machen, durch Abſchneiden der überflüffigen Alte; uneig. feinem Herzen Luft
maden, d. i. es durch Mittheitung erleihtern); bef. auch mit dem Nebenbe:
griff dee Höhe: der höhere Luftraum (die Vögel in der Luftz ſich in die Luft
erheben; eine Feſtung, ein Schiff in die Luft fprengenz Schlbſſer in die Luft
bauen, d. i, unausführbare Pläne entwerfen); die Mehrh. Luͤfte nur alt u,
dicht. zur ſtärkeren Bezeichnung des unendlichen Yuftraumd oder mehrer
Gegenden desfelben (was in den Lüften ſchwebt); ferner: eine fanft bewegte
Luft, ein gelinder Wind, M. Lüfte; in diefem Sinne aud) verkl. das Rüft-
hen (die Luft kommt aus Mittags; die Lüfte, die hier wehen; ein kühles Lüft: _
chen 2c.); oberd. gem. der Luft, -es, ein leichtjinniger, windiger, lockerer
Menſch; — 3Teg. bie Luftader, chem, f. Putsader; die Luftart, M,
Luftarten, ſ. 0.5 das Luftbad, uneig, der Aufenthalt in der freien Luft Hin:
ſichtlich jeiner wohlthätigen Einwirtung auf den Körper; der Luftball (fr.
x
94 Luft
Ballon), mit verdünnter oder brennbarer Luft gefullter Ball, welcher in die
Höhe fteigt; Das Luftbett, Luftkiffen, mit Luft gefüllte Lederſäcke, als Bett
ober Kiffen dienend; das Luftbild oder -gebilde, die Luftgeftalt, uneig,
ein leeres Gebilde der Einbildungskraft; dıe Luftblafe, mit Luft angefüllte
Blaſe; insbeſ. die Shwimmblafe der Fiſche; uneig, f. nichtige Hoffnungen od,
P:änez dir LZuftblume, eine auf Bäumen wachfende oftind .Schmarogerpflanzez
Yuftdicht, Bw., fo diht, dafs die Luft nicht durchdringen kann; die Lufter—
ſcheinung, jede in der Luft, d. i. im Dunftfreise wahrgenommene Verände—
rung oder Erſcheinung (luftige, wäſſrige, feurige —z, die Lufterſcheinungs—
lehre ıfr. Meteorologie); der Luftfahrer, ſ. v. vo. Luftſchiffer, die Luftfahrt,
Fahrt durch die Luft ‚in einem Luftſchiff; die Luftfarbe, Mal., die bläuliche
Farbe entfernter Gegenſtände; das Luftfeuer, in die Luft ſteigende Kunſtfeuer,
beſ. Raketen; die Luftgegend (fr.-Region), eine Gegend des Lujtraumsz
die Luftgefchwulft, eine weiße, glänzende, prallweiche Geſchwulſt; der Luft-
bahn, ein Hahn znm Ein: u. Yuslaffen von Luft; der Lufthauch, die fanft-
bewegte Luft; der Lufthonig, landſch. f. Honigthau; dir Luftklappe, eine
Klappe, duch welche man der Luft den Zugang dffnet, oder verſchließt (fr,
Ventil); der Luftfopper, ein Pferd, welches Foppt, ohne die Zähne irgend»
wo aufzufegens; der Luftfreis, Dunſtkreis, die Luftfunde, W.ſenſchaft von
der Luft und den Luftarten; luftleer, Bw., von Luft leer; das Luftloch,
ein Loch, welches dazu dient, die Luft einzulaffen; das Luftmalz, an der
Luft getrodnetes Malz; dad Luftmeer, dicht, f. der Luftraum; ver Luft-
meſſer, Naturl., eine Werkzeug zum Meſſen der Luft, 0d, zum Prüfen ihrer
verſchiedenen Eigenfhhaften, bei, f. Luftdihtemeffer (fr, Manometer) z
die Luftpflanze, trodnes Schorfmoos; die Luftpumpe, ein Werkzeug, mittelft
deffen man die Luft aus einem eingefihloffenen Raume berauspumpt oder darin
verdünnt; der Luftraum, jeder mit Luft erfülte Raum, bef. der ganze die
Erde umgebende, mit Luft angefüllte Raum; die Luftreife, Luftfahrt; die
Luftröhre, jede Röhre, durd weiche der Ab- und Zugang der Luft geleitet
wird; in engerer Bed, im Halfe der Menfchen u. Thiere die Enorpelige Röhre,
durch welche die zum Athmen nöthige Luft in die Lunge eingezogen und. wieder
ausgeftoßen wird, verſch. die Speiferöhre; das Luftfalz, in der Luft befind-
liche Salztheilchen; die Luftſaͤule, die Über einem Körper befindliche und auf
denfelben drücende Luftmaſſe bis an das Ende des Luftkreifes; die Luftfaure,
f. v. w. Kobtenfäure, fire Zuftz luftſcheu, Bw., die freie Luft ſcheuend; die
Luftſcheu; die Luftfchicht, eine Schicht oder Lage der Luft, deren man nad)
dem Grade der Dichtigkeit der Luftmaſſe mehre Über einander annimmt; dad
Luftſchiff, einem Luftball angehängte kleine Gondel, worin Menſchen figen u.
in die Luft fahren Können; gew, der Luftball fammt der Gondelz-der Luft—
fchiffer (fr. Aeronaut)s die Luftfchifffahrt oder Luftſchiffkunſt (fr. Aero:
nautik); das Luftſchloſs, ein in die Luft gebautes Schlofs, d, i, ein Birnge:
fpinnft, unausführbarer Planz Der Luftfprung, ein Tünftlicher, hoher und
weiter Sprung duch die Luft; der Luftſpringer, wer Luftfprünge macht,
Seiltänzer; der Luftftreich, ein Streich, der feinen Gegenftand trifft, vergeb:
licher Streich z der Luftſtrich, f. v. w. Himmelsftrich, Luftgegent ; das Luft—
waſſer, das in der Luft in Dunftform befindliche Waſſer; aud) eine Art abges
z0genen Branntweins (auch bloß: Luft); die Luftwurz od. =wurzel, Engel:
wurz; der Luftziegel, an der Luft getrockneter Ziegel; der Luftzug, Bug
nn
7 Geſtalten, Schatten; luftige Erfcheinungen, d. i., die in reiner Ka
?
Lug — lügen 95
der Luft durd) einen Raum, der gegenüberftehende Öffnungen hat; — Ubleit,
luften, zielloſ. Zw. m, haben, ſelten f. luftig fein, wehen (eö luftet)3
lüften, ziel. Zw. 1) der freien Luft aueſetzen und davon durchziehen laſſen
(Betten, Kleider 26); einer Sache Luft verfchaffen, d. i, den Zugang der
friſchen Luft (einen Baum —, d, i. die Erde rings umher auflodernz fid) —,
durch Löſung beengender Kleidungsſtücke z uneig. fein Herz —, durch Mittheie
lung erleichtern) j 2) (vergl, lichten, engl, lift, ſchwed. lyfta, lat. leväre,
eines Stammes mit Luft, aber nicht davon abzuleiten) ein wenig, theilmweife
oder an einer Seite in die Höhe heben, auch luͤpfen, oberd. lupfen (einen
Stein, ein Faſs, den Hut); der Lüfter, —s, ein eiferner Stift der Na—
gelfchmiede, mittelft deffen ber geſchmiedete Nagel aus feiner Krone gehoben
wird; die Lüftung, das Lüften; der Balfın in der Windmühle, auf
welchem der Steg des Mühleifens liegt und gelüftet werden Fannz luftig, Bw;
(oberd. Lüftig, niederd, Iuchtig) Luft habend, aus Luft beftehend (uftige
Luftmaſſe befichen, verfch. wäſſrige, feurige); insbef, der freien, friichen Luft
auegefeht, vom Quftzuge durchitrichen <ein luftiges Zimmer, Haus; Luftige
Kleidung, d. i. fehr leichte, welche die Luft durchftreichen läſſt); fic) hoch in
die Luft erpebend (der luftige Gipfel des Berges); luftaͤhnlich, durchfichtig
und leicht (Mat. Luftige Gegenftände, die in der Ferne gleihfam in der Luft
verſchwimmen); uneig. f. lichtjinnig, flatterhaft, unzuverläffig, vergl,
windig {ein luftiger Menſch); die Luftigfeit, das Quftigjein, die luftige
Beſchaffenheit in allen Bed,
Lug, ſ., f. unter tugens Zug, m., Züge, f. unter lügen,
lugen, ziel. und ziellof, Zw. (oberd, luegen; altd. luogen, ‚angelf, locian,
engl. look, holl, luchten; vergl, d, griech, Aeloow, Asvxög, lat, luceo, lux,
feuchten 2c.) oberd. f. fehen, fhauen, beobachten, fpähen, lauern (daher
-ablugfen, belugfen f. d.)5 daher dad oder der Lug, —-es, (oberd, Luegz
altd. luog, M, luogir), oberd. f, eine Warte, ein Yauerplaß, bef. Jäg.
die Höhle eines wilden Ihiered, insbe, des Büren (der Bär geht zu Lug:
alſo nigt= Rod); der Lug- ins-Land, alt oberd, f, eine Warte, ein Wart-
thurm; der Luger, -&, die Lugerinn, M, - en, oberd, f, Lauerer, Spaͤ—
her, Kundſchafter.
lügen, 3w. (goth. liugan, altd, liukan, liugen; Impf. louc, Mw. lokan,
gelogen; oberd, liegen, Impf. lug; ſchwed. ljuga, engl, lie; vergl. läugnen)
abfaut,: oberd. u, bisw. dicht. du Leugft, er Leugt f. Lügft, Lügtz Impf, log,
Conj. loͤge; Mw. gelogen; 1) ziellos m. Haben, wiſſentlich u. abfichtlich
die Unwahrheit ſagen (ſprichw. er lügt wie gedruckt, d. i. mit Fertigkeit und
großem Schein der Wahrheit; einem die Haut voll lügen, gem. f. ihn arg be—
lügen), alt und noch in der höhern Schreibart mit dem Dat. der Perſon:
einem -, ihn belügenz uneig. f. taufchen, einen falfchen Schein haben
und dadurch irre leiten (fein Auge lügt; die Weisfagung wird nicht lügen 2c,)3
2) ziel,, etwaß-, luͤgenhaft oder falfch ausfagen, berichten ꝛc. Was haft
du gelogen 2c.)3 dicht. einem etwad-, erheucheln, heuchlerifch Aufßern
(er log mir Freundſchaft u, dgl,): — der Lug, - ed, (oberd, die Lug), das
Rügen, die Lüge, vit. außer in: Lug und Irugz daher: die Luggeftalt,
lügende, täuſchende Geftalt, täufchender Schein; das Luggold, ſ. v. w. Lau⸗
gold, ſ. d,; 7 die Lüge, M. -n (goth, liugns, altd, luki ’ lugi, lugina,
96 Lugger — lummeln
tügene; niederb, Lögen, ſchwed. lögn), eine wiffentlih und abfichtlich ges
fagte Unwahrheit (eine Lüge fagenz; einem Lügen erzählen; einen Zügen
firafen, d. i. ihn des Lügens beſchuldigen); in weiterer Bed, als harte Bez
nennung f. Unmahrheit überh., Irrthum, Verſtellung, Taͤuſchung, Falſch—
heit, Heuchelei; — 3fes. das Luͤgenbild, ein täuſchendes Bild, Trugbildz
der Luͤgenfeind, Feind der Lüge; die Lügenfrucht, bibl., die Folge ber
Lüge oder Fal fäjheit; "der Lügengeift, die — zum Lügen; der Zeufel,
aud) ein lügenhafter Menſchz das Luͤgengeld ‚ landfch, Rfer,, Strafgeld für
verläumbderifche Beleidigungen 5 die Luͤgenkunſt Kunſt zu lügen, täuſchende,
betrügeriſche Kunſt; das Luͤgenmaul, gem., ein igengafter ke — Ab:
Leit, Lügenhaft ‚ oberd, gem, luͤgenhaftig, Bw., eine u enthaltend,
einer Lüge ähnlich, erlogen (eine Lügenhafte Erzählung); im Ligen geuͤbt,
gern luͤgend (ein Lügenhafter Menſch); die Luͤgenhaftigkeit; — der Luͤg⸗
ner, —8, M. w. E., die — 5—— M.-en (fl. Cüger; v, lügenen
gebildet, vergl. läugnen; goth, Jiugnja, altd, luginari, lugenaere), wer lügt
(einen zum Lügner machen, d. i. ihn dafür ausgesenz; an Semand zum Lügner
werden, d, i, ihm ein Verſprechen nicht erfüllen Eönnen); in weiterer Bed, bef,
bibl. f. Heuchler; luͤgneriſch, Bw., gem. f. luͤgenhafl.
Lugger, m., —8, M. w. E., Schiff., ein kleines, ſchnell ſegelndes
zweimaſtiges Fahrzeug, beſ. als Meldeſchiff, Packboot ꝛc. gebraudt,
luͤhen, ziel, Zw. (altd. Juhhen, isländ. loa; lat. luere, lavare, waſchen;
vergl. Loh, Lohe), oberd. gewaſchene Wäſche —, durch reines, kaltes Waſſer
ziehen, ſchwenken, fpilenz daher das Luͤhwaſſer, f. Spülwaſſer.
Luke, w., M. n (v. dem 90th. lukan, altd. luhhan, engl, lock, ſchlie—
Ben; vergl, gie), eine nur mit einem Laden verfchheßbare Licht: Öffnung
en einem Gebäude (Boben:, Dachluke ꝛc.) 3 auf Schiffen viereckige Öffnungen
im Verdeck, welche mit Fallthüren Cukendeckel, :Elappen) verfchloffen
werden können; auch der Laden oder die Fallthuͤr ſelbſt (oberd. das Luc).
Lulei, m., -8, M. -e (bair. Lalli, ſchweiz. Löli, isländ, lollari, engl.
lollard; in Bremen: Lullhack; v. d. isländ, lolla, engl, loll, fchweiz. Lölen,
träge, müßig fein); gem,, bef. niederd, f, Muͤßiggaͤnger, Faulenzer; daher
luleien, zieltof. 3w. f. muͤßig gehen, faulenzen.
Lull, w., M.-en, niederd, f. Roͤhre, bef. lederne Schlauchröhre,
lullen, ziel, und ziellof. Zw. (vergi, lallen; und das oberd, der Leller f. die
Zunge) 1) alt u, noch ſchweiz. f. faugen (Hol. lullen); daher ziel. ein Kind-,
durch Säugen oder Saugenlaffen befänftigenz 2) niederd. Töne ohne
Worte fingen, bef. um ein Sind zu beruhigen und einzufchläfern (engl,
lull); uneig. überh. f. befänftigen, beſchwichtigen (Leidenfhaften u. dgl.)5
3) Schiff. der Wind Iullet, wenn feine Stärke durch ein Regenfchauer vermin—
dert worden ift (aud; Iunen, Lünen); Sr Luller, —s, die Lullerinn, M.
F
en, wer ein Sind in Schlaf lullt; Luller, Landfdı. auch f. Saugbutel, |
Sauggefhier, f. v. w. Ludel 2.
Lumme, w., ſ. Lohme.
Lummel, w., M. -n (auch Lämmelz wahrfh. v. lahm, f. d.), landſch.
gem. eine alte Mefferklinge chne Heftz bei den Töpfern: eine Schiene mit
Kerben, womit ein Gefäß beim Drehen aufd. Außenfeite mit Rinnen verfehen wird.
lummeln oder lummern, ziellof. 3w., (oberd. lummer, Iuemig, ſchwed.
lomig, ſchlaff, kraftlos; verg!. Cumpen und das oberd. Iampen), oberd: f.
Rn
Be ” „u *
lümmeln — Lunge, 97
fchlaff herabhangen, fchlaff fein, To müßig, liederlich fein ; daher
dad Luͤmmel, -$, f. das Gefchlingez der Lümmel, -85, M. w. E.,
niedr,, ein ftarker und dabei ſchlaffer und traͤger Menfch; ey ein grober,
plumper, ungefitteter Menſchz lümmelbaft, Bw., einem Luͤmmel ähne
lidy oder angemeflen; die Cümmelhaftigkeit; lummeln 1., zieltof. 3w.,
fich wie ein Luͤmmel betragen; die Lümmelei, das Betragen eines Luͤm—
mels.
luͤmmeln 2., ziel. Zw., Fürb., die zu färbenden Zeuge mehrmals luͤf—
ten, damit die Farbe beſſer eindringe.
Lump, m., -en, Mi -en, gew. der Lumpen 1.,-8, M. m. E., Verkl.
dad Luͤmpchen, (iederd. die Lumpe, ſchwed. lump; vergl. das oberd.
lummeln, lampen; ſunpen⸗ Lappen), ein abgeriſſenes, abgetragenes
Stuͤck Zeug, ſinnv. Lappen, Hader; verächtl. ein ſchlechtes, werthloſes,
abgetragenes Kleidungsſtuͤck; der Lump, gew. nur uneig. gem. f. ein arm—
ſeliger, ſchmutziger, nieberträchtiger, insbeſ. auch ein filjiger Menſch;
oberd. ein liederlicher Menſch, Taugenichts; — 3 ſetz. der Lumpenhan—⸗
del, Handel mit Lumpen; der Lumpenhaͤndler; das Lumpenpapier, aus
Aueh verfertigtes Papier; der Lumpenfammler, die Lumpenſammle—
tinn, wer Lumpen für bie Papiermühlen fammeltz der Lumpenfchneider,
das Schneidewerk oder Schneidezeug in Papiermühlen; der Lumpenzuder,
eine Art groben Zuckers, der in Lumpen (d. i. in Stüden?) verſchickt wird,
auch ſchlechtweg Lumpen genannt; — in vielen Zſetz. der gem. Volksſpr.
bezeihnet Lumpen etwas Schlechtes, Veraͤchtliches, Nichtswuͤrdiges,
3. B. das Lumpending; dad Lumpengeld, geringes, unbedeutendes Geld;
die Lumpenwaare; der Lumpenzeug, ſehr ſchlechter Zeugs fo befonders in
niedr. Schimpfw., wie Lumpenhund, -kerl; Lumpengefindei, = pad,
=volf u. dgl. m.5; — Ableit. Lumpen, 3w. 1) ziellos, oberd. f. nachlaͤſſig,
liederlich leben; 2) ziel., gem. einen —, ihn als Lumpen behandeln, d. i.
als einen elenden, niedertrüchtigen Menſchen; ſich lumpen laſſen, d. i. ſich
die Behandlung als Lump zuziehen, beſ. durch Knauſereiz die Lumperei,
M.-en, gem. f. eine unbedeutende, nichtswuͤrdige Sache, eine Kleinig⸗
keit; lumpicht, Bw., einem Qumpen ähnlich. oder angergeffen ) gering,
ſchlecht, nichtswuͤrdig; Fnauferig, filzig; lumpig, Bw., Qumpen habend,
daraus beitehend, zerlumpt (ein lumpiger Rod, Menſch); gem. auch f.
Yumpicht (fich lumpig aufführen u. dgl.); die Lumpigfeit.
Lumpen 2., m., -8, M. w. E., eine Urt Schleimfiſche.
Lunge, w. M. -n (altd. lunga, lungun; oberd. Lungel; landſch. auch
Lumpe, Lumpel; engl. lung; wohl v. d. oberd. lung, nachgiebig, weich, im
Gegenfaß der fefteren Leber, |. d.5 vergl. auch das oberd, der Lung, freie
Bewegung, freier Spielraum), ein fehr locfered edles Eingeweide der Bruſt—
höhle, das Werkzeug des Athemholens, beftehend aus zwei Haupttheilen:
dem rechten und Linken Lungenflügel, daber auch als Mehrh. die
Lungen genannt (eine gute, gefunde Lunge, oder gute zc. Eungen haben; aus
voller Lunge freien, laden 2c., f. v. w. aus vollem Halfe); Süg. das ganze
Gefchlinge, landfh. au Gelünge, Lunze geranntz — 3feg. die Luns
genader, jede nad) der Lunge gehende Aderz bei Pferden eine Ader am Halfe,
DSroſſelader; die Lungenblafe oder verkl. das Lungenbläschen, Bläschen
im Innern der Lunge, in welche die Luftröhrenäfte auslaufen; die Lungen
Heyſe's Handwörterb, d, deutfchen Spr. 2, Theil, 7
98 lungern — lungen
blume, eine Art des Enzians: blauer Herbft: Enzianz u. des Mutterfrautes;
Hermchen, Kammerblume 20.5 die Lungendrüfe, Drüfen am untern Theite
der Luftröhrez die Lungenentzündung; lungenfaul, Bw., eine faule
Lunge habend; die Lungenfaͤule; die Lungenflechte, e eine Art Baumflechte:
grünes Lungentraut, Lungenmoos; der Lungenfluͤgel, f. 0.5 das Lungen⸗
geſchwuͤr; der Lungenhieb, ein Hieb nach der Lunge od. in die Lunge (uneig.
einem einen Lungenhieb verſetzen, d. i. ihm eine derbe Wahrheit ſagen); der
Lungenklee, Fieber-, Bitterklee; die Lungenkrankheit; das Lungen—
kraut, verſchiedene in Lungenkrankheiten gebrauchte Gewächſe: 1) mehre Flech—
ten-Arten: grünes Lungenkraut, ſ. Lungenflechte; gelbes Lungenkraut, Wand:
flechte; aſchfarbiges —, Hundsflechtez weißes —, hirſhhornförmige weiße Baum-
flechte; 2) Waſſerdoſt oder Hirſchgünſel; 3) bef. ein Pflanzengeſchlecht mit
röhrenförmigen Blumen: Hirſchkohl, = mangeid, = melde, blaue Schlüffelblüme
(pulinonaria offhicinalis-L.\; der Yungenlappen, Lappen, aus denen die
Lungenflügel beftehen; das Lungenmittel, ein Seitmitiel in Lungenkrankhei—
ten; das Lungenmoos, ſ. v. mw. Lungenflechte;z das Kungenmus, aus
Klein gehackter Kalbslunge gekochtes Mus; Die Lungenprobe, Probe mit der
unge eines neugebornen todten Kindes, indem man diejeibe in ein Gefäß mit
Waffer legt, um aus ihrem Schwimmen oder Unterfinfen zu erkennen, ob das
Kind lebendig oder todt zur Welt gekommen feiz die Lungenfucht od, Lun⸗
genſchwindſucht, völlige Verzehrung des Körpers in Folge von Lungenge—
ſchwürenz lungenfühtig, Bw., mit der Lungenſucht begaftetz die Lung-
wurz, gemeiner Gärfefuß, guter Heinrich, y
lungern, ziel. Zw, mit haben (verw. mit lang, langen, f. d.) niederd. 1) f.
muͤßig umhergehen, faulenzen (engl, linger, zaudern); 2) gierig nad) et=
was hinfehen, lüftern darnach verlangen; uneig, aud) vom Magen: aus
Lüfternheit oder Gewohnheit, nicht aus Hunger, nad Speife verlangen (vergl,
d. oberd, belängig, gelängig f. lüftern); das Kungerleben, niederd, f, müs
figes, träges Leben; der Lungerer, 8, wer lungert, in beiden Bed.;
lungerig, Bw., f. muͤßig, traͤge; gierig, luͤſtern.
Luͤning, m., —es, M.-e (gem, auch Lüne, Lünke) niederd. f. Haus—
ſperling.
lunſchen, zielloſ. Zw., niederd. f. hinken.
Luͤnſe, w., M. -n (landſch. auch Lehne, Lien, Leine, Lünſch 2c.3 niederd.
Lunſe, Lunze; oberd. der Loner, Lon- oder un: Nagel; altd. lan, lun, luna,
lunisa; engl. linspin, ſchwed. lunta) der dicke Nagel, welcher vor dem
Made eines Magens durch die Achſe gefteft wird, Achsnagel.
Lunte, w., M. n (ſchwed. lunta, engl. N boll, lont; wohl verw.
mit Lein, engl, line, Flachs), ein glimmender Strict zum Anzuͤnden an—
derer Dinge, beſ. zum Abfeuern des groben Geſchuͤtzes, ehem, auch der
kleineren Schießgewehre, der Zuͤndſtrick, (uneig. gem. Lunte —— f. die
Gefahr merken); Jäg. der Schwanz des Fuchſes, Wolfes, Luchſes ꝛc.;
das Luntenfeuer, ein Luſtfeuer, indem mittelſt brennender Lunten allerlei
Bilder und Buchſtaben dargeſtellt werden; der Luntenſtock (engl, lintstock),
ber Stock, um welchen die brennende Lunte gewickelt wird,
Lunge, w., f. Lunge
lunzen, siellof, Zw. (aud) launen, launſchen), oberd. f, leicht ſchlummern,
ſchiafti oder traͤge auf dem Bette liegen.
Lupfe — Luft 99
Lupfe, w., M- m, landſch., die Samenkolben des Hanfes.
luͤpfen, ziel. 8w. (oberd. lupfen), ſ. v. w. lüften, ein wenig in die Höhe
heben, aufheben, aufdecken (den Schleier, den Hut 2c,), _
Lupp, fa, -86, gem, oberd, f, Lab,
Luppe, w., M.-n, 1. (verw, mit Lupp, Lab: überh. eine zufammen:
bangende Mafje), im Bolftein. ein Bündel Heu; Hüttenw, ein unförmliches
Stuͤck geſchmelztes oder gefriſchtes Eiſen; daher das Luppenfeuer, ein
Teuer zum Schmelzen der gepochten Eifenerze, und diefes Schmelzen felbft,
wenn es in einem ausgemauerten Code fatt eines Ofens gefchiehtz das Lup—
penſtuͤck, aus der Luppe zerfchrotene längliche Stücke; — die Luppe 2. (von
laufen, Läufifch 2) landſch. f. Hündinn, Pebez uneig. gem, f. eine feile Dirne,
luppen, ziel, Zw. 1. (altd. luppon; vergl, d. griech, Alzog, @lslpo) alt
oberd, f. falben, vergiften, verzaubern; 2. landſch. f. verſtuͤmmeln, ver—
ſchneiden.
Lurde, w., M. -n (auch Lurding, Lurre; vergl, Cor, Riemen),
Schiff., ein duͤnner getheerter Strick, womit die Schiffsſeile umwunden und
die Schiffsborde belegt werden.
lurk od, lurz (ſ. unter link), Bw., landſch. f. link, linkiſch; daher der
Lurk 1. od. Lurks, -8, M.—e, f. ein linkiſcher Menſch; ſchleſ. ein
Zotenreißer.
Lurk 2m., —Aes, M.Se, niederd. ſ. v. w. Lork, Kroͤte; 3. landſch. f.
Klette.
lurken, zielloſ. Zw., landſch. f. ſaugen; oberd. auch: im Sprechen mit
der Zunge anſtoßen, dad Rnicht ausſprechen koͤnnen.
Lurre, w., Mi -n, niederd., 1. ſ. v. w. Lurde; 2. f. Lende, Schen—⸗
kelz 3. f. Luͤge, falſches Vorgeben, Faͤlſchung, insbeſ. falſche Briefe,
Paͤſſe ꝛc. (auch Lurde); daher der Lurrendreher, ſ. Lorrendreier.
lurſchen, zielloſ. Zw., gem. bair. f. harnen (von Weibern); die Lurſch,
M.-en, verägtl. f. Weibsperſon.
Lus od. Luſs, m., — es, M. Luͤſſe (wohl verderbt aus 2008) bſtr. und
bair. f. Acker- oder Walde Untheil bei Vertheilungen von Lündereien,
Lufhe, w., Mi. -n, 1. (oberd. auch Leufh, Luſch; vergl, Laſche und
bas isländ, lioski, Mutterſcheide), landſch. f. Huͤndinn; uneig. verächtl. f,
Weibsperſon; 2. (verw. mit Cache, Lauge), ſchleſ. f. eine Pfuͤtze.
: lufchen, luſen, zielloſ. Zw., landſch. gem, f. lauſchen; die Luſche, f.
auſche.
Luft, w., M. Lüfte (ſ. u.), Verkl. das Luͤſt chen (goth. Justus, m.3
altd, lust, w. oberd. der Luſt; engl. lust; dan, Iystz vergl, d. griech, Aücrog,
der erwünfchtefte, angenehnifte, von Aw, ich verlange) 1) o. M. ein hoher
Grad angenehmer Empfindung, bef, fofern diefelbe mehr ſinnlicher Art ift,
finnv, Vergnügen, Freude, Wonne ꝛc. (feine Luft an etwas haben oder fins
den; etwas mit Luft jehen, hören, thun 26); auch der Gegenftand, die
Befchäftigung, der Genuſs, durch welche jene Empfindung erregt wird
(das Arbeiten, das Neifen zc, ift mir eine Luft; die Jagd-, Land», Garten:
luſt ꝛc.), und die Hußerung derfelben, die Luftigfeit (das war eine Luſt!)3
2) finnliche Begierde und deren Befriedigung, Einnengenufs durch Bes
friedigung des Sefchlechtötriebed, Wolluſt, bei. in Ifeg. wie Fleiſchesluſt,
Luſtdirne ꝛc. und in dee M. Lüfte, ungeregelte ſinnliche Begierden (feinen
7*
100 Luft
Lüften fröhnen; bibt, Lüfte des Fleiſches); 3) 0, M,, dad Verlangen nach
einem erwinfchten Gegenſtande, Genuffe ꝛc. und überh, die Neigung zu
etwas (Luft zu einer Sache haben oder empfinden z ich habe Luft zu effen, zu
fehlafen 20,5; einem Luft zu eiwas machen, ihm die Luft benehmen; feine Luft
büßen, d. i. fein Verlangen befriedigen); in diefer Bed. in der Volksſpr. aud)
verkt, dad Luͤſtchen (ein Lüftchen zu oder nad) etwas haben); — 3fes. dad
Luſtbad, das Baden zum Vergnügen und der Ort, wo es geſchieht; die Luſt—
dirne, Buhldirne, gem, Hure; die Luftfahrt, eine zum Vergnügen ange:
ſtellte Fahrt; dad Luftfeuer, zum Vergnügen angezüindetes Feuer, bef, in der
Feuerwerkskunſt z fo aud: das Luſtfeuerwerk; der Luftgang, ein Gang
zum Vergnügen, und ein dazu eingerihteter Weg, Spaziergang; der Zuft-
ganger, Spaziergänger; der Luftgarten, ein Garten zum Vergnügen, 3.
nv. Nuͤtz- Küchen-, Obftgarten 2c,; der Luſtgaͤrtner, ein Gärtner, welcher
Luftgärten anlegt und unterhättz dad Luftgebufch, -gehoͤlz, =holz, der
Luſthain, ein zum Vergnügen eingerichtetes Gebüſch oder Gehölz (fr. Bosquet) 5
der Luftgefang; das Luftgefchrei 2c.; das Luſthaus od, =hauschen, ein
Haus, in weldem man fid zum Vergnügen aufpätt, bei, in einem Garten;
das Luftlager, ein nur zur Übung der Soldaten und zum Vergnügen des
Landesherrn aufgefhlagenes Feldiagerz der Luftort, M. = ürter, ein zum
Vergnügen und gefelligen Genufs eingerichteter Bffentliher Ortz Yuftreich,
Bw., viel Luft gewährend; die Luftreife, zum Vergnügen unternommene
Reife; luftreifen, untrb. ziellof. 3w. m. fein, zum Vergnügen reifen, be. im
Mw. lufterifend, u, als Hw. ein Luftreifender 20.5 der Luſtreiz, oft. f. hoher
Reiz, großes Vergnügen; aud) ein Reiz zur Luft, d, i. zur Wolluftz luſt⸗
reizend, Bw., vlt. f. Hohes Vergnügen gewährend: das Luſtſchiff, Schiff zu
Luſtifahrten; der Luftfchiffer; das Luftfchlofs, ein Schloſs, auf welchem
man fi zum Vergnägen aufpättz die Luftfeuche, anftedende Krankpeit,
welche die Folge von Ausſchweifungen in der Geſchlechtsluſt ift, venerifche Krank:
heit, gem. die Franzoſen; luſtſiech, Bw., an der Luftfeuche krankz der Luſt—
fit, ein Wofnfig, wo man fi) zum Vergnügen aufhält; das Luftfpiel, ein
erheiterndes, Laden erregendes Schaufpiel (fr, Komödie), entg, Zrauerfpielz
daher: der Kuftipieldichter; das Luſtſtuͤck, Gärtn., ein bloß zum Vergnüs
gen angelenter, mit Blumen 2c, gezierter Theil eines Gartens; der Luftwald,
das Luftwaldchen, f. v. w. Luftgehötz; luftwandeln, untrb. ziellof, Zw.
m, haben und fein, je nachdem mehr die bloße Bewegung, oder zugleich die
Erreihung eines Ziels bezeichnet wird (wir Haben lange geluftwandelt; wie
find nad einem Luftorte geluftwandelt), zum Vergnügen, zur Erholung ꝛc.
gehen, edler als das fremdartige fpazierenz daher der Luftwandler, die _
Luftwandlerinn; — Ableit. luftbar, Bw., vlt., Luft, Vergnügen gewaͤh—
rend, angenehm, ergößlichz die Luftbarkeit, eine VBeranftaltung zum
gemeinfamen Vergnügen für Mehre, finnv. Ergoͤtzlichkeit, Feftz Luftig,
Bw., Luft, d. i. lebhaftes Vergnigen empfindend und Außernd, überh.
zum Vergnügen und zu lebhafter Äußerung feiner Freude geneigt, ſinnv.
vergnügt, fröhlich, munter ꝛc. (luftig fein, leben 2c.5 ein luſtiger Menſch,
ein luftiger Bruder; fi luftig machen; ſich uber Semand Luftig ma:
hen, d. i. ihn zum Gegenftand feiner Luft machen, indem man ihn werfpottet);
aus Luft entfpringend und Luft erweckend, insbeſ. Lachen erregend, ſpaß—
haft, [herzhaft (ein Iuftiger Streih, Einfall; eine Iuftige Geſchichte u. dgl.;
, Iuftern — lüßel 101
das ift luftig!); ehem. überh. f. angenehm, erfreulich, reizend (bibl. ein Tu:
ſtiger Baum; die Hügel umher find luſtig); ferner: Luft, d. i. Neigung zu
etwas empfindend und hegend, nur in Zfeg. wie eſs-, bau-, Faufluftig u.
dgl, m.; der Luſtigmacher, wer ein Geſchäft daraus macht, Andere zu be:
Iuftigen, fie zum Laden zu bewegen zc.5 die Lufligfeit, das Ruftigfein, die
Hußerung lebhaften Vergnuͤgens, ſinnv. Fröhlichkeit, Munterkeit ꝛc.; luͤſt—
lich, Bw., Neuw. f. Luſt, d. i. Verlangen, Neigung erweckend (appetit—
Lich); der Luͤſtling, -ed, Mi -e, Neuw., wer den Lüften, beſ. der Ge—
ſchlechtsluſt, fröhnt; — lüften, 3m. (goth. luston; altd. u. oberd. lusten)
1) zieltoß mit Haben, nad) etwaß, ehem. eines Dinges —, d. i. Luſt,
finnliched Verlangen danach eınpfindenz 2) unp. mit dem Acc. der Perfon:
ed lüjtet mich oder mich lüftet, in derfelben Bed. (z. B. mid, Lüftet zu
tanzen; vergl. gelüften); luͤſteln, ziellof. Zw. m. haben, ein Neuw., das
verkl. luͤſten: ein Luͤſtchen haben, bef. nach wohlfchmedenden Speifen und
Getränken; die Luͤſtelei, das Lüften; lüftern, zielleſ. Bw. m. haben,
das verft. luͤſten: lebhafte finnliche Begierde nach etwas empfinden und
Aufern (ee lüſtert danach); auch unp. mit dem Acc. es luͤſtert mich (z. B
ihn lüſtert nach dieſer Speiſe); luͤſtern, Bw. (wahrſch. durch Verſtümmelung
des Mw. lüſternd entſt.), lebhaft und anhaltend ſinnlich verlangend,
ſinnv. begehrlich, gierig (ein lüſterner Menſch, Blick 2c.)5 auch ſinnliche Be—
gier erregend (eine lüſterne Erzählung ꝛc.); die Luͤſternheit, das Luͤſtern—
fein, ungeregelte ſinnliche Begier; auch was luͤſtern macht.
luſtern od. luͤſtern, zielloſ. Zw., landſch. gem. f. lauſchen (ſ. d), horchen
(Schiff. lüſtert! als Befehlswort f. habt Acht).
Luth, w., M.-en, Schiff., eine Spiere (Stange) zum Ausſetzen
der Stagfock.
lutherifch, Bw., der durch Luther gereinigten chriitlichen Lehre ange—
hörend, oder fih dazır befennend (lutheriſche Chriften: Lutheraner); das
Lutherthum, -8, die durch Luther neu geltaltete chriftliche Glaubenslehre
(fr. Lutheraniemus).
lutfchen , zieltof. u. ziel. Zw. (auch nutſchen; oberd, lutzelnz vergl, Tudeln),
niederd. gem. f. faugenz trinfenz der Lutſchbeutel oder Lutſcher, -$, ein
leinenes Läppchen, in welches Zwieback, in Mitch geweiht, gefhlagen wird,
um Eleine Kinder daran faugen zu laffen.
Lutte, w., Mi -n, f. v. w. Lotte 2.5 in Goldbergmwerken der Schlemnt=
herd, auf welhem man den Goldſchlich wäſcht.
Butter, m., -8, o. M. wergl. oder, Ludel), die beim Branntweine
brennen durch dad erte Feuer abgezogene Fluͤſſigkeit, welche erſt im zweiten
Feuer zu Branntwein geläutert wird.
uͤtzel, Bw. (altd. luzil, luzzel; goth. leitils; niederd. lütje; engl. little)
alt und noch oberd. f. klein, wenig; der Luͤtzel, -8, ſchleſ. verſteckte Be—
nennung des Teufels (dafs dich der Lügel!).
102 M — machen
M.
M, der dreizehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl,, und zwar der
Lippenlaut unter den fluͤſſigen oder ſchmelzenden Mitlauten (l, m, n, r),
durch Schließung der Lippen hervorgebracht, indem der Luftſtoß (wie bei dem n)
durch die offene Nafe geht, daher man das m auch den Lippen = Nafenlaut
nennen kann; verdoppelt nad gefhärften Selbftlauten, 3. B. Kamm, Stimme,
kommen ıc.
Maal, Tr — es, M. Maale und gew. Mäler, (n. A. Mal, od. Mahl
(ſ. d.) womit es allerdings feiner Abſtammung nady zufammenfällt, und nur
wegen der Vieldeutigkeit des Wories Mahl verfihieden gejhrieben wird; altd.
mäl; aud) Mait, Meil; hol. mael; engl. mole), ein Flecken, eine fehlerz
hafte Stelle von anterer Farbe, def. aufder Haut (Mutter:, Brand, Blut:
maal; Wundenmaal, d. i. Narbe; Eifenmaal, d. i. Roſtflecken in der Wüſche;
blaue Mäler, blaue Sleden auf dem Pferdehufe); in der allgemeineren Ved—
Zeichen gew. Mal oder Mahl gefhr. (daher Denkmal, Merkmal ꝛc.).
Maaß, fe, b. Maß, ſ. d.
Maat, m, -ed, M.-e, auch: der Maatfe, -n (engl. mate, feiweb.
mat), niederd. f. Genoſſe, Grfährte, Freund; bef. Schiff. der Gehuͤlfe
verfchiedener Schiffebeamten, 3. B. Steuermanns=, Kochsmaat ꝛc. (nergl.
Matrofe); die Maatſchaft (vergl. Maskopei), niederd. f. Oenoffenfchaft,
Sefellichaft, insbef. Handelsgeſellſchaft; Schiff. das gefammte Schiffsvolk.
Machandel, m., -8, M. mw. E., nieverd. fe Wacholder,
machen, ziel. 3w. (altd. mahhon, machon; niederd. malen, engl. make;
vergl. d. griech. zungen, lat. machina; wahrfd. von der Wurzel mah, zu:
fammen, verbunden (vergl. gemach, Gemahl), alfo urfpr. verbinden, fügenz
n. X. urſpr. zeugen, (verw. mit mögen), überh. hervorbringen, bewirken,
verrichten, finnv. thun, weiches mehr die fubjective Wirkſamkeit, maden
hingegen mehr die Außere Wirkung u. deren bleibendes und in die Sinne fallen:
des Erzeugnis bezeichnet; insbeſ. 1) ein Ding, ein Werk, eine Arbeit
(körperlich, oder unkörperlich) hervorbringen, heritellen, verfertigen, erzeu—
gen, etwas verrichten, (Kleider, Schuhe, Butter —5 ein Kunftwerk, Kunſt⸗
ſtück, ein Gediht, Verfe, eine Überfegung —;5 Bücher mahen, nur veräcdtl,
f. fhreiben, fofern es handwerksmäßig gefhieht; Feuer —, anſchlagen, an:
zünden; ein Kind —, alt und gem, f. zeugen; etwas maden, gem. f.
feine Rothdurft verrichten; einem eine Befchreibung, fi eine Borftellung, einen
Begriff von etwas —, d. i. in ſich erzeugen, hervorbringen; ein Gefchrei,
Lärm ꝛc. —; das Mw. gemacht f. kuͤnſtlich hervorgebracht, entg. entftans
den, daher: gemachtes Gold f. künſtlich nachgemachtes, unechtes); in befonderer
Anwendung: etwas zu einem bejtimmten Zweck oder Gebrauch einrichten,
zubereiten, zurecht machen (3. B. Holz machen, d. i. Elein hauen; das Bett
. machen; Kaffee, Thee 2c. machen); 2) eine Beränverung hervorbringen, ein
Berkältnife, einen Zuftand bewirken, etwas bewerkftelligen, veranjtalten,
verurfachen,, erregen, bereiten, gewähren, zu Stande bringen (Frieden,
ein Bündnifs, Schulden —5 ein Geſchäft — 5 Kaufm. etwas bei einem Gefchäfte
maden, d. i. dadurch erlangen, gewinnen; Auffehen —, fein Glück machen;
Ernft, Spaß, Halt —; ein Spiel —; gemeinſchaftliche Sache mit Jemand —;
Geierabend — 5 ein freundliches Gefiht, große Augen 2c. —3 den Anfang mit
machen 10s
etwas, Anſtalt zu etwas, der Sache ein Ende ꝛc. —; Bekanntſchaft mit Ser
mand —; einem Andern Platz —; einem oder ſich ein Vergnügen, Sorgen,
Kummer, Luft zu etwas machen; eine Keife —, unternehmen); bef. f. vor—
bringen, vortragen , laut werden laffen (Einwärfe gegen eine Behauptung — 3
einem Vorwürfe, Vorjchläge, einen Antrag —)5 einen —, gem. f. vorftels
len, darftellen, eine Rolle fpielen (ev machte den Wallenftein gut; er will,
den greßen Seren maden 2c.); einen zu etwad—, ihn in die bemerfte
Lage oder Stelle verſetzen, ihn dazu ernennen, erwählen, anjtellen (einen
zu feinem Freunde, Vertrauten, zum Lehrer, Auffeher 2c., zum Gefangenen,
zum Bettler maden; ein gemahter Mann, defien Lebenslage völlig bes
friedigend und gleich]. fertig if); etwas zu etwas —, es darein vers
wandein, dazu ummandeln (Blei zu Golde —; etwas zu Gelde —, di.
verkaufen); aud) als folches darjtellen, aufitellen (einem etwas zum Vorwurf,
zum Verbrechen —; ſich etwas zur Regel, zum Geſetz —); etwas aus et—
was —, daraud hervorbringen, erzeugen, darftellen (aus Blei Gold mas
den; aus einem etwas machen, d. i. ihn zu Anſehen, Rang, Ehrenftellen ꝛc.
erheben; einem aus etwas ein Verbrechen —, f. v. w. ihm etwas zum Verbre—
den —; jich ein Gewiffen daraus —)5 fich (mir) etwadauseciner Pers
fon oder Sache —, fie achten, einen Werth darauf legen (er macht
fi viel, wenig, nichts daraus; id) made mir nichts aus ihm, d. i. er ift mir
gleichgültig) ; Br miteinemdem Xcc. beigefügten Beiwort, wel:
ches die bewirkte Veränderung bezeichnet, (j. B. einen gefund, Trank, arm,
glücktih, traurig madenz weniger richtig ift der Dat. der Perſon: einem
bange, warm maden u, dgl., was nur als elliptifher Ausdrud erklärt werden
Tann f. machen, dafs ihm bange, warm ıc. wird; wohl aber jteht der Dat,
der Perf., wenn zugleich ein ſächlicher Gegenftand im Acc. dabei fteht,
3: B. einem den Kopf warm, das Herz ſchwer —; einem etwas leicht, ſchwer,
angenehm — 2c.; ein Gefüß rein, etwas los, feft, fertig —z etwas kurz ma—
hen; ſich bei Andern beliebt, verhafft —, fi groß machen, f. groß; eine
Sache ärger machen, als fie ift, d. i. fie als Ärger darftellen, fchildern) ; feltner
und weniger deutfch fteht ftatt des Bw. in demfelben Sinne ein Infinitiv
bei dem Acc. (z. B. einen lachen, weinen maden, einen (nidyt einem) etwas
glauben macjen ; verſch. einem oder ſich etwas zu thun oder zu ſchaffen machen)z
auch von lebloſen Dingen: die wirkende Urſache von etwas fein, bewirfen,
verfchaffen, gewähren, bringen, erzeugen, ergeben, ausmachen (3. B.
die Sonne madt das Wache weich; Sorgen machen vor der Zeit altz das macht
mir Kopfweh; es macht ihm Freude, Ehre, Schante 20.5 zweimal zwei macht
vier es macht zufammen zehn Tbaler; das macht Keinen Unterfchied; feine
Belcheidengeit machte (mar Urſache), dafs er zurüdtrats das macht-bein Leicht:
finn, d. i. er ift fhuld daranz das macht, weil er fo eitel ift, d. i. feine Eitel-
teit bewirkt es, oder es rührt daher, weil 2c.); 3) f. thäütig od. wirkſam fein
uͤberh., fid) thärig verhalten, ohne austrüdliche Benennung des Gegenftandes
oder der bewirkten Veränderung (z. B. Jeder macht ed, fe gut er kannz ber
Herr wird’s wohl machen; madye damit, was du willſt; damit ift nichts zu
machen; was machſt du da? er hat es danad) gemacht, dafs es fo Eom.nen
muffte; er macht fehr lange; made, dafs es geſchieht, d. i. forge dafür, ber
treibe 88); gem. auch f. eilen (made doch! mady fort! 2c.); uneig. fid) in ei=
nem gewiffen Zuftande befinden (was madıt dein Bruder? d. i, wie geht es
104 maͤchlich — Macht
ihm? was macht der Kranke? er wird es nicht lange mehr machen, d, i. nidjt
lange mehr leben) 5 4) rückz. ſich — mit einem nebenwörtlichen Zufas, ſich be=
wegen, wohin begeben oder wenden (fi davon, auf den Weg, aus dem
Staube —; ſich an Jemand —, d. i. an ihm wenden, auch: ihm angreifen;
fih an etwas —, es angreifen, den Anfang damit madyen); von Sachen und
unp.: die Sache oder es macht fih, d. i feßt fih in Bewegung,
fommt zur Ausführung, zu Stande; aud) f. ed nimmt fich fo od. fo aus
(ed macht fih gut); — Bfeg, das Machwerf, ein gemadjtes Werk, nur
verächtl. (ein elendes Marhwerk 26); Wbleit. machbar, Bw., felten, maß
fi) machen läfftz die Mache, o. M., gem. dad Machen, Verfertigen,
die Arbeit (ein Kleid u, dal, in die Mache nehmen; es ift noch in der Made) 5
uneig. gem, einen in der Made haben, oder in die Mache nehmen, d. i. ihm
mit Schlägen, Verweifen, Spott u, dgl. zufegen; der Macher, -8, die
Macherinn, M. -en, wer etwas macht oder werfertigt, nur in Zfeg. wie
Hut-, Tuch-, Knopfmacher, Pusmaderinn 20.5 Lie Macherei, verüchtl.,
dad Machen, das Machwerk; beſ. in Zſetz. wie Buch-, Goldmachereiz der
oder gew. das Macherlohn (ſ. Lohn), der Lohn für die Verfertigung einer
Handarbeit; das Maͤchſel, —s, oberd, f. etwas Gemachtes, ein Mache
werk.
maͤchlich, Bw., landſch. f. gemaͤchlich, 1,
Macht, w., M. Maͤchte, oberd. auch Machten, (goth. mahts, altd.
maht; engl. might, von mögen, altd, magan, id) mag 26); überh. daß
(fadjective) Webnidgen zu wirfen oder zu handeln, finns, Kraft, worin
mehr die finnlihe Wirkung nad) außen liegt, und Gewalt, weldes fi auf
die Überwindung eines Widerftandes bezieht z insbef. die natlirliche Kraft oder
Stärfe (mit aller Macht oder aus ganzer Macht fehreien, laufen, arbeitenz
feine Macht haben, d. i. ſchwach feinz vergl, Ohnmacht), bef, eim hoher Grad
der Kraft (die Stimme mit Macht erheben; das Wajfer ftürzte mit Macht ge—
gen den Damm)z in ſittlichem Verftande: die wirkende Straft, das Vermö—
gen zu handeln, das Necht, ‚die Befugnifs oder Freiheit etwas zu thun
(ein König hat große Macht in Händen; feine Macht mifsbrauden; einem Macht
geben, etwas zu thun; das fteht nicht in meiner Macht 2c. 5 die Macht der Liebe
u, del,); in beftimmterer Anwendung: die Geſammtheit der unferm Willen
gehorchenden außer uns befindlichen Sträfte, bei, bewaffneter Menfchen
(eine große Macht auf den Beinen haben, d. i, ein Kriegsheerz daher Kriegs-,
Land-, Seemacht)3 uneig. ein mit vorzüiglicher Macht begabtes Weſen (die
himmliſchen Mächte, d, i, Götter), kef, mächtige Staaten (die europäifchen
Mächte; England ift eine Seemacht 20); — fe. die Machtblume, ein
Pflanzengeſchlecht mit ſechs Staubfäden in Amerika u, Spanien, auch Machte
lilie (pancratiumL.); der Machtbote, oberd. ein bevollmächtigter Gefandterz
der Machtbrief, vit. f. Vollmachtz der Machtgeber, die Machtgeberinn,
wer einem Andern Vollmacht ertheiltz das Machtgebot, Gebot eines Mäch—
tigen, ftrenger, willkürlicher Befehl; der Machthaber, wer Madıt in Hüte
den hat, Herrſcherz dad Machtheil oder Machtfraut, Geldruthe, goldnes
Wundfraut (solidago L.); der Machtherr od. =herrfcher, f. v, w. Gewalte
herr (fi. Despot); machtlos, Bw., ohne Macht, der Macht beraubt; die -
Machtlofigkeitz der Machtruf, mächtiger Ruf, Ruf oder Befehl’ eines
Machthabers; der Machtſpruch, das Machtwort, ein nur auf die Macht
Mat — Made ‘105
gegründeter ensfiheibender Ausfpruch; daher der Machtfpcecher, die Macht—
fprecherei, machtfprecherifch; machtvoll, Bw., große Macht befigend u,
darin gegründet; die MachteollEommenheit, unbegrenzte Macht, nötige
Willtüc; — Ableit. mächtig, Bw., 1) abfotut: Macht habend, Fräftig,
gewaltig (bibl. der Löwe ift mächtig unter den Thieren); befs viele Außere
Hülfsmittel habend, großen Kräften gebietend, viel vermögend, <influfes
reich (ein mächtiger König, Feind; ein mächtiger Mann im Staatez ein mäch—
tiges Haus ꝛc.); uneig. Macht und Stärfe verrathend, koͤrperlich ausge—
dehnt, groß, breit, ſtark (eine mädtige Stirn; cin mächtiger Berg; ein
mäcdtiges Waffer) , insbef, Bergw. f. breit, dick (der Gang ift zwei Lachter
mäctig)5 in der Volksſprache überh, f. fehr groß, heftig, und als Nw. in
hohem Grade, fehr (ein mädtiger Schmerz; mädtig reih, ſchön u, dgl.)5
2) relativ mit dem Gen.: eines Dinges —, di. daruͤber gebietend, «8
in feiner Macht oder Gewalt habend, es beherrfchend, eig. und uneig, (er
Eonnte feiner Feinde nicht mädtig werden; feiner Sinne, jeiner fetbft nicht
mächtig feinz nicht eines Pfennigs mächtig fein, d, i. nicht einen Pfennig be:
figen ; einer Sprade mächtig fein, d, i, fich ihrer mit völliger Freiheit bedienen);
die Mächtigkeit, das Mächtigfein, wenig gebr, außer in Bergw. f. koͤrper—
liche Ausdehnung, Stärke od, Dicke (die Mächtigkeit eines Flözes); maͤch—
tigen, ziel, Zw., mit Macht begaben, nur in bevollmädtigen, ermächtigen.
Mack, nur in der niedr, Redensart Hack und Mack, d i.-niedriger
Poͤbel, auch allertii Schlechtes durd einander gemengt, (vielleicht v, mengen,
‚alfo: Gehacktes und Gemengtes),
Mack-Ente, w., landſch. f. Moorente,
Mader, m, -5, M. m, ©, (angelf, macca, engl, match; isländ.
maki, glei), niederd, ein Geſellſchafter, Theilhaber an einem Gefchäfte,
Gehuͤlfe.
Maͤdchen, fe, 28, M. m. E., oberd. auch Maͤdlein, gem, Mädel
ſudez jest ohne verkleinernde Kraft), überh. eine junge, unverbeirathete
weibliche Perfonz in beftimmterer Bed, ein Sind weiblichen Geſchlechts,
‚ Ontfpr. Knabe (die Frau ift von einem Mädchen entbunden worden; eine Ge-
ſelſchaft von Knaben und Mädchen); Volksſpr. f, Geliebte, Liebſte (er beſucht
feii Mädchen); ferner eine junge umverheirathete dienende Perſon, weniger
hat, als Magd (ein Haus-, Stuben, Kammermädchen ꝛc.); — Bfes, die
Mäarchenbiume, eine Art Archenmufchel: Sungfernfamm; dad Mädchen
rauf, Kleines Sinngrün over Immergrünz der Mädchenlehrer, die Mäd-
chenlehrerinn; der Maͤdchenraub, der Maͤdchenraͤuber; die Mädchen-
fhule, Töchterſchulez der Madchenfommer (verderbt aus Matthäus,
niederd, Matfen, deffen Tag auf den 21ften Sept, fallt), dir Nachſommer
im September, und das Sejpinft, mweldyes man um dieſe Zeit auf dem Felde
findet, Frauenfommerz; — Ableit. maͤdchenhaft, Bw,, das Anfehen,
das Benehmen, die Sinnesart eines jungen Mädchens habend; daher die
Mavchenhaftigkeit, die Mädchenfchaft, fetten f. Jungfrauſchaft.
Made, m, Mi-n (goth. marha, altd, madaz niederd. verkl, Medbik,
63 v. dem im Oberd. noch üblichen Maid, Mad, verkürzt aus Magd,
Meddike; dün. maddike, ſchwed. matk; verw. mit Miete, Motte), überh.
ein nackter Wurm, z. B. landſch. f. Regenwurm; insbeſ. die nacklen Wuͤr—
mer, welche als Larven verſchiedener Inſecten im faulenden Fleiſch, im Kaͤſe,
1065. - Mädel — Magen
im Obſt 20. leben; Landw. die Made, eine Krankheit der Kälber, wobei
ihnen die Junge fprenflig und hügelig wird; — 3fes. der Madenfreffer,
ein weftind. Vogel, Tickenfreſſer; der Madenfies, röhrenförmiger Kiesz
das Madenkraut, eine Art des Seifenfrautes, Wafhkroutz; der Madenfad,
verächtl. der verwesliche menſchliche Körper; der Madenwurm, ein weißer
Wurni, welcher bisw, im After: u, Grimmdarme des Menfhen gefunden wird,
After-, Maſt-, Springwurm; — Ableit. malig, Bw., Maden entz
haltınd (madiges Obſt).
Maͤdel, f., -8, M w. E., landſch. f. Mädchen, ſ. d.
Mader, m., -8, o. M. (vergl. Moder) 1. Bergw. ein gewiſſe ſtaubige
oft aber auch feuchte u. dann dem Letten ähnliche Erdart; 2. oberd. f. Marder,
Maͤdling, m., — es, o. M. eine Urt weißer Trauben,
Magd, wi, M. Maͤgde; Verkl. ſelten das Mägdchen (daher Mäd—
hen, f. d.), gew. doch nur alterthümlich und diht. Maͤgdlein, (goth,
magaths, altd. magad, maget, magt, meit, verkl. magatin, magedin;
oberd. Mad, Maid, engl. maid, maiden ;-die weibl, Form von mag, Sohn,
Kind, ſ. Mage) ehem. überd, f. Sungfrau, Mädchen (die reine Magd, dr i,
die Sungfrau Mariaz eine edle Magd 2c.), jest eine gew. unverheirathete
weibl. Perſon, welche gegen Koſt und Lohn niedrige Hausdienſte verriche
tet, Dienitimagd, entfpr, Knecht (Hauss, Vich-, Küchenmagd 2c.)5 ehem,
auch eine leideigene weibl. Perfon, und üserh, f. Dienerinn in Briefen an
fehe nornehme Perfonen (untertdänigfte Magd)5; — 3fes. die Magbliebe,
landſch. f. Maßtiebe, Gänſeblume; der Mägdebaum, landſch. f. Sadebaum,
weil er zur Wbtreibung der Leibesfrucht gemifsbraudt wird; Die Mägde-
blume oder das Maͤgdekraut, landſch. f. Feldtamille, Mutterkrautz —
Ableit, magdlich, Bw., vit, f. jungfraͤulich, mädcdenbaftz das Magd-
thum (altb, magerum), vlt. f. jungfraulicher Stand, Tungfraufchaft,
Magtalene, w., -n$, ein weibl, Bornamen hebr. Urfprungs (von der
Stadt Magdata in Paläftina) gem. abgek. Lene, Lenchen; daher: der Mag—
daleneitapfel, die Magdalenenbirn, =pfirfih, Benennungen gewiffer
Ohft: Arten; die Magdaienenwurzel , der gemeine Baldrian, bei. deſſen
Wurzel.
Mage 1., m.,-n, M.-n, oder der Magen 1., -8, M. w. E.
(vorn magan, mögen, zeugen; daher goth, magus, angelf, mäg, isländ,
mögr, ſchott. mac, Sohnz goth. megs, Schwiegerſohn; isländ. magr, ſchwed.
mag, Schwager 2.3 altd, mac, M. mage; vergl. Magd), vlt, f, Verwandter,
def. Blutsverwandter: Schwertmagen, Verwandte von männlicher —,
Spillmagen, von weiblicher Seite; daher die Magfchaft (altd, magscaf)
wit. f. VBerwandtfchaft; die Magzahl (niederd, Machtale) f. die Grade der
Verwandtſchaft.
Mage 2., -n, oder Magen ?., -8, m., auch Mahen, Magſa—
men, alt und oberd. f. Mohn, Mohnſamen, ſ. d.
Magen 3. m, —8, M. Magen, oberd. Mägen, (altd. mago, iöländ,
magi, ſchwed. mage, angelſ. mage, engl. maw) dad einem haͤutigen Sack
ähnliche Eingeweide im menſchl. und tbier. Körper, welches die Speifen
aufnimmt umd verdauet (einen guten Magen haben, aud) uneig. gem, f. viel‘
Unangenehmes, Beleidigungen u. dgl, ungekräntt ertragen; ſich den Magen über:
Laden, verderben 2); — Bfeg, die Maygenarzeneiz der Magenbruch,
E mager — Magfamen 107
Borfall des Magens durch) die Bauchmuskeln; das Magendrüden, Erampfs
hafte Zufammenziehung des Magenmundesz die Maaenentzundung; dad
Magenfieber, aus dem Magen entftebendes Fieber; die Magenhaut, die
vier Häute, welde den Magen bilven: Zellhaut, innere Haut, Fleiſchhaut und
äußere Magenhauts der Magenhuften, aus einem Reiz im Magen entftehen-
der Huftenz der Magenklee, Bieberkiees der Magenframpf, den Magen
zufammenziehender Krampf; die Magenfranfheit; das Magenmittel, 1.
v. w. Magenarzneiz der Magenmund, die ffnung, durch welche die Spei⸗
fen in den Magen gelangen: der obere oder linke Magenmund; die Offnung,
durch weiche das Unbrauchbare abgefondert wird: der untere od. rechte Magen:
mund; dad Magenpflafter, ein Pflafter, welches bei Eranfem Magen auf
die Magengegend gelegt wird; uneig, fherzh. eine große Butterfchnittez Die
Magenpille; das Magenpulver; der Magenfaft, Feuchtigkeit, weiche die
innere Fläche des Magens bedeckt; der Magenfchlund, ſ. v. w. Magenmundz
der Magenſchmerz, des Magenweh; magenſtaͤrkend, Bw., die Ber-
dauungskraft des Magens erhöhend; die Magenftärkung, Stärkung des
Magens; auch etwas Magenftärfendesz der Magenftein, im Magen mancher
Thiere fi) erzeugender harter Körperz die Magentropfen, magenftärfende
Arzneitropfen; das Magenwafler, der Magenwein, magenftärkender
Branntwein, Wein; der Magenwurm, rothe Würmer im Magen der Pferde,
aud) Engerlinge genannt; Die Magenwurſt, mit Wurſtfüllſel gefüllter Schweing-
magenz die Magenwurz oder =wurzel, Fieberwurzel; der Magenzipfel,
ber zweite Mayen des Rindviehs: das Garn, die Haube oder Müse,
mager, Bw, (aftd, mazar, iöländ, magur, ſchwed. u, din, mager, engl.
meagei, franz. maigre; laf. macer; gricd, uezeds, lang), urfpr, wohl lang,
ausgedehnt; daher: wenig Fleiſch habend, ſinnv. bager, duͤrr, entg flei-
fig, beleibt (ein magerer Menſch, magere Hände 2c.); wenig oder gar fein
Fett habend, entg. fett (mageres Fleifh)z; in weiterer Bed. wenige dad
Wachsthum, die Fruchtbarkeit bifördernde Theile enthaltend (magerer
Boden, eine magere Weide zc,); uneig. üserh, f. unfruchtbar, fpärlich, arm
an Gehalt, wenig Ertrag gebend feine magere Mahlzeit; magere Zeiten,
d. i. erwerbloſe, theure z ein mageres Gedicht u. dgl.) ; der Magerfled, Landw.,
nicht gehörig gedüngte Ackerſtellen; die Magerfeit, eyem. auch die Magere
(altd, magari), dad Magerfein; magern, landſch. auch mägern, Im.
4) ziellos m. haben, mager werden; 2) ziel, mager machen; -in beiden
Bed. gew. abmagerm
Mager, m., —s, u M,, Gärtn. eine Krankheit der Bäume, bei. der
Apfelbäume, auch der Wurm genannt; eine Urt Eleiner Naude od. Flechte.
Magnet, m, ed, M. -e (lat. magnes; griech. AlYog Mayvıung,
von der Landfchaft Dagnefig;i in Theſſalien), ein ſchwaͤrzliches Eiſenetz, wels
ches das Eifen an fich zicht, anzichender Eifenfkein, Zieh- od. Polftein,
uch Magnetſtein genannts ein eiferner Körper, ein Werfzeug von Stahl,
dem man die anzichende Kraſt des Magnetiteind durch Reibung zc. mitge—
theilt hat; die Magnetnadel, eine mit dem Magnet gehörig beftrigene ſtäh—
Verne Nadel, welche freifhwebend mit der Spige nad Norden zeigt, vergi.
Kompafs; magnetiſch, Bw,, mit der anziehenden Kraft des Magneted
begabt, anziehungskraͤftig.
Magſamen, m., 1. Mage 2.
108 mähen — Mahl
mähen, ziel, 3w. (altd, mahan, isländ. maa, angelf, mawan, nieberd,
meyen, dän. meye, ſchwed. mäja, gried, dufr; goth, maitan, abſchneiden,
lat, ‚metere,. messis, messor; vergl, Meffer, meseln 2), urfpr. überh.
abjchneidenz jest nur: Feldfrichte oder Gras mit der Senfe abhauen, 2
U. v. ſchneiden mit der Sichel (Getreide, Gras —; auch: eine Wiefe —, di,
das Gras auf derfelben)z uneig. dit. f, niedermachen, niederhauen,"tödten
(die Feinde in der Schlacht —z der Tod mäht die Menſchen)z der Mäher,-8,
landſch. auch Mähder (aitd. madari), wer mäht, finnv. Scynitterz die
Mahd, M, -en, (aitd, mada) Landw., das Mäben, die Mähezeit, Heu—
ernte; dad in einer Neihe liegende abgemähete Gräs, finnv, Schwaben,
Jahn, (das Gras zu Mahden Tülagen, d. i. mähend in Reihen hinftreden) 3
ferner fo viel Gras in einem Tage gemäht wird; eine zum AUbmähen bes
ftimmte Wieſe, Hegewieſe; die Maͤhderei, landſch., die Geſammtheit
der Maͤher (Mähder) eines Dorfes; maͤhdig, Bw., was gemäht werden
kann; nur in Zſetz. einz, zwei-, dreimähdig, d. i. was einz, zwei-, dreimal
im Sahre gemäht werden Eannz dad Maͤhdland, niederd, f. Gras-, Heuland,
aud die Mähde.
Mahl, fr. -ed, M. Mahle und Mähler, (altd. mal, wahrſch. in allen
nacjftehenden Bed, aus mahal zgez., von der Wurzel mah, zufamnıen, gefügt 5
vergl. machen, gemach 2c,) überh. Bereinigung, Verbindung, Vereinbarung,
Verſammlung; insbeſ. 1) vit..f, Vertrag, Übereinkunft, Verabredung,
bef, Ehevertrag (isländ. maele, angelf. mala; vergl. Gemahl, vermählen) 5
daher: der Mahlbrief, im Seerecht: ein Vertrag mit einem Sch:ffebaumeifter
zur Erbauung eines Schiffes in einer gewiffen Zeitz der Mahlſchatz, ſ. v. w.
Brautſchatz, Heirathsgutz — aus der Bed, Vertrag fliegen audy die befon-
deren vlt, Bed.: Steuer, Abgabe, nn mala, angelf. male, fchott, mail),
und Maß diständ, und fchwed. mal, goth. mela, Sceffel); — 2) vlt. f.
öffentliche Bolfs= 08, Gerichtever fanimfung, Gerichtz daher: der Mahl-
mann, landſch. f. Gerichtsunterthan; der Mahlplatz, die Mahlſtatt oder
eftätte, Verſammlungsplatz des Gerichts, Gerichtsſtätte z auch f. Ridtplagz
u, überh, f. Verſammlungsort; hieher gehört auch das niederd. Möllenamt,
Möllenvogtei (verhochdeutſcht in Mühlenamt) d. i, Gerichtsamt ꝛc.z —
3) M. Mähler, edler: Mahle; (angelſ. maele, engl. meal, ſchwed. mäl,
holl. mael) dad Zuſammenſpeiſen, gemeinſame Eſſen, bef, bei feſtlicher
Gelegenheit und mit Feierlichkeit, ſinnv. Schmaus, (Gaſt-, Hochzeit-, Trauer—⸗
mahl, Abend-, Mittagsmahl ꝛc.); daher die Mahlzeit, eig. die Zeit des ge:
meinfamen Effens z gew. f. Mahl, Eſſen überh. (gejegnete Mahlzeit! höfliche
Wunſchformel nad) beendigtem Speifen), inöbef. fofern es regelmäßig zu beſtimm—
ten Zeiten gefchieht (Mirtags:, Abendmahlzeitz des Tages zwei Mahlzeiten
halten); — 4) M. Mäbler, edler Mahle (fchwed, mäl, angelf. maele).ein
Bild, ein fichtbares Zeichen (von dem Begriffe des Zufammenftimmens mit
dem Gegenftande, oder der Verabredung ausgehend; daher: malenz goth.
mel, Schrift 2c.), insbef, elt, f, dad Gepräge einer Minze; Forftw,, Müh—
lenbau 2c, ein in einen Baum gehauenes oder gebranntes Zeichen, beſ. Örenz=
zeichen; auch f. Örenzzeichen überh, (z. B. Steohmah:) und fs Grenze; in
manden Spielen das Zeichen ded Ortes, von welchem man ausläuftz auch
f. dad Ziel; Schiffb. ein von dünnen Brettern gemachtes Model, wonad) bie
zu bearbeitenden Hölzer vorgezeichnet werden (gem, die Mal); — in der en:
>
mahlen — Mähne 109
gern Bed, ein fehlerhafter Flecken ꝛc. wird es gew, Maal (ſ. d.) geſchrieben;
u. in ber Bed, ein bleibende& Erinnerungszeichen: Mal, in Zſetz. wie Denk-,
Grab:, Merkmalz — 3ſetz. die Mahlart, =barte, das Mahleiſen,
der Mahlhammer, Forftw,, Werkzeuge zum Zeichnen der zu fällenden Bäume;
der Mahlbaum, ein Baum als Zeichen einer Sache; ein gezeichneter Baum,
3 B. Mark-, Grenzbaum; in Waffermühfen ſ. v. w. Fach- oder Wehrbaum;
der Mahlgraben, Grenzgraben; der Mahlhaufen, Grenzhaufenz das
Mahiholz, Bäck., ein Holz, mit. welchem auf das Brod ein Zeichen gemacht
wird; der Mahlhügel, =pfahl, die Mahlfaule, Grenzhügel, = pfahl,
«faule; der Mahıftein, Dentftein, Grenzftein; das Mahlzeichen, Kenne
zeichen, nadıgebliebenes Zeihen am Körper, 3.3. eine Narbe, ein Fledenz
niederd. f. das Biel, die Bielfheibes — 5) M. Mahle, die Zeit, der Zeitz
punft, eig. wohl: was in einem Zeitpunft od, gleichzeitig geſchieht (ein-, zwei:
mahl 2c.), gew, Mal gefhr,, f. d.
mahlen 1. ziel, 3w, (von Mahl 4,), gew. malen gefhr,, ſ. d.
mahlen 2. ziel, Zw. (goth. und altd, malan, Impf. muol, Mm, gimalan;z
dän. male, engl, mill; griech. irre, lat, molere, franz, moudre; verw.
mit dem altd, mal, Eleiner Theil; malmen, Mut, Mulm 26,5 vergl, Mehl),
jest regelm, umend, du mahlit, er mahlt (alt u, oberd, mählft, mählt);
Impf. mahlte (alt und noch landſch. muhl)z; das Mw. aber allgemein: ge=
mahlen (nicht: gemahlt), überh, zerreiben, zermalmenz gew. durch Hinz
u, Herbewegen zwifchen harten od. fcharfen Körpern zu Pulver od. Mehl
zerreiben (Kaffee —), bef. in einer Mühle zwifchen zwei Muͤhlſteinen (Ge—
treide —; ſprichw. wer, zuerft kommt, mahlt zuerft, d. i. wird zuerft bedient,
erreicht zuerft feinen Zwed) 5 uneig. mitteljt eines Muͤhlwerks herausfchaffen
(Schlamm aus einem Graben —);5 u. ziellos f. fich im Streife bewegen (niederd,
eb mahlet mie im Kopfe, d, i. 68 geht mir im Kopfe herum); — tes. der
Mahlgang, i in Mühlen ein Gang zum Mahlen, z. U. v, Graupen:, Slgang zz
der Mahlgaft, wer fein Getreide in einer Mühle mahlen läfft, Kunde des
Müllers, landſch. auch Mahlgenoſſen oder leute; das Mahlgeld, der
Mahlgroſchen, Müllerlohn; das Mahlgerinne, Gerinne einer Waſſermühle,
weldes das Waffer auf das Nad eines Mahlganges leitetz die Mahlmepe,
die Metze Mehl, welde der Müller flatt des Mahlgeldes befommtz die Mahl—
mühle, eine Mühle, auf welcher Getreide gemahlen wird, 3. U, v. Schneider,
Stampf=, Papiermübhle 2.5 der Mahlmüller, Müller einer Mahlmühle;
der Mahlſtrom, ein Seeftrudel, wo ſich das Waffer in einem Kreife dreht,
bef, an der norwegiſchen Küftez ein Ort, wo fi) das Eis im Kreife dreht, heißt
in der Schiff. eine Mahling; der Mahlzahn, Baden: od, Stockzahn, weil
er zum Zermalmen der Speifen dientz der Mahlzettel, ein Schein über das
Gewicht des zu mahlenden Getreides, — der Mehlgaft von dem vereidigten
Miüptenfchreiber erhält,
Mahlgraben, «haufen, «holz ꝛc — Mahlzeichen, f. unter Mahl 4).
— Mahlplag, =ftatt, -ſtaͤtte, ſ. Mahl 2); — Mahlihag, f. Mahl 1);
Mahlzeit, ſ. Mahl 3),
maͤhlich, x. als mählig, Nw. und Bw, (dem Stamme nad) = gemach,
gemuchlich, ſ. d.) alt und dicht f. allmaͤhlich, nach und nach,
Mahn, m., — es, landſch. gem. f. Mohn, ſ. d.
Maͤhne, w., Ms -n (altd. mana und der man; oberd, die Man oder
110 mahnen — mähren
Min, niederd, Mane, engl, mane, ſchwed. und dän. man), daß lange Hals—
haar einiger Ihiere, bef. der Pferde und Löwen, dad Kammhaar; die
Mähnenflechte, Naturk, eine Art Baumflechte, die aus langen Fäden beſteht;
der Maͤhnenſtier, der afrikan. wilde Ochs; die Mähnentaude, eine Abart
ber gemeinen Zaube mit mähnenartigen Schopf; mähnen, 3w,, dicht, mit
einer Mähjne verfehen; mähnig, Bw., eine Mähne habend.
mahnen, ziel, 8w. (altd. manon, manen ; angelf, manian, ſchwed. mana;
fat, monere; von der Sanskr. Wurzel man, denfenz vergl, Mann, meinen,
Menſch 2c.), Überh, einen an etwas, alt und dit, auch: ihn einer
Sache (Gen.) —, ihm etwas ins Gedaͤchtniſs zuruͤcktufen, ihn daran er=
innern (uneig. du mahnft, oder gem, gemahnft mid on meinen Bruder, d. i.
du, ſiehſt ihm ähnlich; unp es mahnt, gew, gemahnt mid, d. i, es kommt
mir Mn vor); in engerer Bed, ehem, f. — einladen; jetzt gew. einen
zur Erfuͤllung einer Verpflichtung, beſ. zur Bezahlung einer Schuld an—
halten od. auffordern (einen wegen einer Schuld —; er mahnt mid) beſtändig)5
der Mahnbrief, das Mahnfchreiben, Erinnerungsfäreiben, beſ. zur Be:
zahlung einer Schuld; dir Mahner, -8, die Mahnerinn, M. -en, wer
mahnt; die Mahnung, dad Mahnen,
mähnen, ziel, 3w,, 1. f. Mähne; 2. (altd, menran, menen; öherh,
meenen; hell. mennen, ſchwed. mana; lat, minare, ital, menare, franz,
mener), oberd. f. treiben, führen, leiten, bei. das eingefpannte Zugvieh;
daher der Mähnbube, junge, -knecht, wer die Ochſen vor dem Pfiuge
antreibtz der Maͤhnochs, Zugochs; die Mähn, aud der od, dad Mähnat,
f. die Fuhre, das Zugvich.
Mahr, m. Ses oder -en, o. M. (niederd, auch Moorz angelf, u, ſchwed.
mara; engl. night-mare, franz. eauche- mar; v, mar, Pferd? od, verw,
mit merran, hindern, beengen); niederd, fs der Alp, dad Alpdruͤcken, |. d.
Mähr oder Mähre 1., w., M. -enz; Werft, das Maͤhrchen, oberd,
Mährlein (altd, daz mari, maere, M, diu maere, woraus wohl bas
fpätere weibl, Mähre entft.; daneben goth. meritha, altd, merida, w.5
v, altd. mari, maere, noch oberd, mär, märig, fdywed, mär, Eund, bekannt,
berühmt), ehem. und noch bisw. alterthümlich fs Nede, Sage, Gerücht,
Kunde, Nachricht, Erzählung (id) bring’ euch frohe Maͤhr); jetzt gew. verkl.
dad Mährchen, eine erdichtete, fabelhafte Erzählung, bef. als Erzeug:
nifs des Volksglaubens oder Aberglaubens Volks währchen), oder auch der ſich
frei ergehenden Einbildungskraft des Dichters; daher maͤhrchenhaft, Bw,
einem Mährchen ähnlich, unwahrſcheinlich; die Maͤhrchenhafti gieit —
maͤhren, zielloſ. und ziel, Zw. (goth. merjan, altd. merian, isländ, mära)
urfpr, überh. f, reden, außfagen, verfündigen z jegt noch landſch. f. plaudern,
langwe ilig [hwagen, Unmahred und Unwahrfcheinliches erzählen,
Mähre 2. w., M.-ın (altd, marah, Pferd, meriha, merha, Stute;
{&lind, mar, meri, angelf, mära, engl, mare, ſchwed. mär), urfpr. u, nod)
niederd, dad weibliche Pferd, die Stute; dann überh, f. Pferd, bef, ein
edles Pferd, Roſs, Turnierpferd; jene nur verächtl. fs ein elendes, ſchlechtes
Pferd, ſinnv. Kracke; landſch. gem. f. Hure,
maͤhren, Zw. 1. ſ. unter Mähr; — 2. zielloſ. Zw. mit Haben (oberd,
merren; vergl. das altd, merran, holl. marren, verwirren, hindern; engl.
marr, verderben, ſchott. mer), gem. fs umrühren, in einer Sache herum
Mahrte — Mai 111 -
wuͤhlen; auch ziel, fi mengen, verwirren, in Unordnung bringen, were
derbenz daher die Maͤhren- oder Mahrflechte, auch Mahrklatte, » Tode,
der Mahrenzoyf (ſchweb. marlock), landſch. gem, f. Weichfeljopf, f. 8:5
der Mahrquaft, die in Geftatt eines Quaftes verſchlungenen Neifer in den
Gipfeln der Birken; — die Mährte, M. -n (vergl. das altd, merod, Ge:
miſch, merata, merda, ©uppe, lat, moretum), landſch. aem, überh, ein
Gemiſch, Gemenge, eine Schmierereiz insbeſ. f. Kaltſchale, ſ. d. (eine
Bier-, Weinmährte zc,),
Mahrte, w., Mi-n, niederd. eine Wachsſcheibe im Bienenſtock, Wabe;
daher der Mahrtenhonig, Scheibenhonig, Honigfeim,
Mai, chem. gew. May, m., —es (oberd, —en), M, -e (oberd. — en),
' 4) (altd, meio, meie, lat, maius, franz. mai) der fuͤnfte Monat im Jahre,
als der fünfte Frühlingsmonat auch Wonnemonat (altd. wunimanod) ge=
nannt; uneig. dicht, f, bluͤhende Jugend, erwinfchter Gluͤcksſtand; 2) ein
grüner Trieb oder neuer Jahrwuchs, bef, am Nadelholz; überh. ein grüner
Baumzweig oder Zweigbüfchel, womit man Käufer, Zimmer, Kirchen zc,
bei. am Pfingſtfeſte ſchmückt; in engerer Bed, die zu diefem Zwecke gebraud)ten
frifch grümenden Zweige der Birfe und die Birfe feldft, in welcher Bed, das
Wort jedoch gem, die Mate, M. Maien lautet (das Haus mit Maien ſchmü—
Ken); — 3feg. der Maiapfel, die apfelägnliche Frucht des Fusblattes, einer
amerikan. Pflanze; der Maibaum, die gemeine Birke, auh der Mai, bie
Maie genannt, ſ. 0,5 die Maiblume oder Maienblume, eine im Mai blü—
hende Pflanze mit Eleinen wehtriehenden, glodenförmigen Blumen, aud Mais
englödchen, Maililie ꝛc. genannt; auch f. brennender Hahnenfuß, und fü
Löwenzahn; der Maibuſch, ein Buſch von Maien od. Birken; die Maibutter,
im Mai gemachte Grasbutter; die Maidiftel, gemeine Sau- oder Gänſediſtel;
der Maifiſch, die Aofes aud der Häfeling oder Döbelz die Maiforelle,
der Silberlachs; das Maiholz, landſch. f. gelbe Weide oder Goldweide; der
Maikaͤfer, cin bekannter rothbrauner Käfer, der aus den Engerlingen entfte:
hend im Mai aus der Erde kriecht; die Maikatze, verkl. das Maifägchen,
eine im Mai geborene Katze, welche für bejfer gilt, als fpäter geworfene; die
Maikirſche, Frühkirſche, Kinderkirfhe; das Maifraut, f. v. w. Meierfraut;
Schöilfraut ; Braunwurs ; dad Maienfraut, kleines Schöllfrautz Mondkraut
oder Mondraufe; die Maililie, im Mai blühende Liliez auch f. Maiblume;
die Mai= oder Maientuft, milde Luft im Mai; der Maimonat, alt und
dicht. auh Maienmond, der Monat Mai; die Maimuͤcke, Eintagsfliege 5
die Maipflanze, Landw., die Nebenhalme des Roggens, Unterroggenz die
Maipfrieme, haariger Ginfter; der Mairoche, eine Eleine Art Glattrochen;
die Mairofe, eine Kleine, im Mei blühende gefüllte Roſe; die Mairübe,
Frühe, Zellerriibe; der Maifchein, Neumond im Mai; landſch. aud) für
Steinbrech; der Maifhwamm, weißer Blätterſchwamm; die Maifeuche,
das Blutharnen des Rindviehs im Mai; die Mai- oder Maienfonne; der
Mais od, Maienfonntag, landſch. der dritte Sonntag vor Oſtern (Laetäre),
an welchem in einigen Gegenden die Kinder mit gefd,müdten Tannenzweigen
herumgehen und fingen; der Maiſpecht, Btaufpehtz; der Maithau ; die
Maitraube, das Mondkraut; der Maivogel, die Keine ſchwarze Mewe,
Brandvogel; niederd. f. Kudufz der Maimurm, eine Gattung Infecten mit
abgekürzten Flügeldecken ohne Flügel und fadenförmigen, einer feinen Perlen:
112 Maid — maͤkeln
ſchnur ähnelnden Fühlhörnernz landſch. auch f. Maikäferz die Maiwurz od.
-wurzel, Schuppenwurz, Fraißamkrautz — Ableit. der Mailing, - es,
M.-e, öſtr. f. Äſche (Fiſch); auch f. blauer Maifäfer, und f, Maimwurmz
maien, ziellof. Zw., alt und oberd, f. fich beluftigen, ergößen.
Maid, w., M.-en, Verkl. das Maidlein, oberd, f. Magd, Maͤd—
ben, ſ. d.
Maier, m., ſ. Meier,
Maikenshäring, auch Madikes- oder Matjes-Haͤring, m. (wahrſch.
v. Mädchen, niederd. Mäken, alſo: Jungfernhäring), niederd., früh gefangene
Häringe, die weder Milch noch Rogen haben, entg. Vollhäringe.
Mail, m., -88, M.-e, od, die Maile, M. -n, oberd. fe Maal,
Makel, Flecken, Beſchaͤdigung; daher mailen, 3w,, Flecken machen,
flecken; mailig, Bw, f. fleckig.
Mais, m, —es, u M,, eine urfpr. amerifan, Öetreideart, welche in
Kolben wähft, Tuͤrkiſcher Weizen oder Türkifches Korn.
Mai, m, ſ. Meiß.
Maiſch 1., m., - es, landſch. f. das Bifamfräutchen,
Maiſch 2., m., maiſchen, 3w., f. Meiſch, meiſchen.
Majeſtaͤt, w., M.-en (aus dem lat. maiestas; im Altd. durch megin-
chraft ausgedrüdt), Größe, Erhabenheit, Würde, Hoheit, Herrlichkeit,
Glanz; def. Titel der Kaifer u, Siönige und ihrer Gemahlinnen (Se, Ma:
jeftät, Ihre Majeftätz M. Ihre Majeftätenz in der Anrede: Ew. Majejtät)z
daher: der Majeftätsbrief, Freiheitsbrief, den ein Alleinherrſcher oder ein“
Staat ertheiltz dad Majeftätsrecht, Hoheitsrechtz das Majeftätsverbre=
chen, Vergehen gegen die höchſte Gewalt; der Majeftätsverbrecher; ma—
jeftätifch, Bw., herrlich, erhaben, koͤniglich, prächtig ıc,
Majoran, m., — es, o. M. (gem, Mairan, Meiran; ſchwed. und dan,
meiran; engl. marjoram, franz, marjolaine, ital, magiorana; verderbt aus
dem lat, amaracus, gried), @ucgezos), eine befannte, fowohl in der Arznei
Zunft, als in den Küchen gebrauchte gewürzhafte Pflanze; daher das Majo—
ranwaſſer, =öl; der Majoranbalfam oder die Majoranbutter ıc.
Makel, m, -8, M. w. E. (von dem lat, macula) ein fehlerhafter
Flecken, bef. in ſittlicher Bed, ein Schandfleck, Fehler, Borwurfz daher
mafellos, Bw., flefenlos, rein, ſchuldlos; die Makelloſigkeit; ma=
felig, Bw., fleckig, befleckt, fehlerhaft, mafeln, 3w., flecken, nur in
dem abgel. bemafeln, beflecken, befudeln; mäfeln 1., ziellof, u, ziel, 3w,,
Makel oder Fehler auffuchen und tadeln, tadelfüchtig fein (überall etwas
zu mäkeln finden; an einer Sache —, oder eine Sache mäfeln) 5; die Maͤkelei,
das kleinliche Tadelnz der Maͤkler 1., -8, die Maͤklerinn, M. -en,
wer mäfclt, der Tadelflichtige.
mäfeln 2. , ziellof. Zw, (verw. mit machen, ſ. d., niederd, mafenz holl.
maecken, einen Vertcag machen; vergl, das franz. maquereau, Kuppler),
beſ. niederd,, das Geſchaͤft eines Unterhändlers der Kaufleute treibenz
landſch. auch f. trödelnz der Makler 2. oder Makler, -6, M. m. E.,
(ſchwed. mäklare, holl. mackelaer) ein Unterhändler der Kaufleute (Geld: od,
Maarenmäklerz fe. Gourtier, Senſal); landſch. auch f. Trödler, wuchernder
Kleinhändferz daher das Mäktergefchäft oder die Maͤklerei; die Maͤller—
gebühr, der Mäkterlohn oder das Maäfelgeld (fr. Courtage), a
aller
J
Maͤkler — Mal > 115
Mäkler 3., m, -5,M. w. E., Shiffb,, ein aufs und niederftehendes
Knie Hinten auf dem Schiffe, worin der Fuß des Flaggenftodes ruht; nieberd,
auch der ſtarke Baum, welcher eine Windmühle trägtz und der Pfahl in einer
Wendeltreppe. I
Mafrele, w., M, -n (dän. makreel, engl, mackerel, franz, maquereau),
ein eföbarer Seefiſch in der Nordfee, 1 bis 4 Fuß lang,
Mafrone, w., M.-n (von d, ital, maccarone, franz, macaron), ein
Zusfergebackened von Mandelteigz; daher die Mafronentorte.
Mal 1., ſ., -d, M. -e, gew, als Mahl, (entweder von mahal, f,
Mahl 5)5 oder wahrfh, von milan, mal, zerreiben, zermalmenz vergl.
mahlen 2,3 alfo urfpr, ein Eleiner heil, Zeittheil, Punktz goth, mel, Zeitz
altd,, island, und fhwed, ma.; in der heutigen Bed, von Mal gebrauchte die
ältere Sprache: stunt), ein einzelner Zeitpunft, fofern etwas darin ge—
ſchieht, bef. mit vorgefegtem Fürwort od, Zahlwort zur Bezeichnung des Zeit:
punftes oder der dftern Wiederholung einer Handlung od, eined Zuftandes
(3. B, diefes oder jenes Mal, jedes Mal, ein Mal, Fein Mal, das erfte, das
zweite, das legte Mal 20,3 zu verfchiedenen Malen, zu vier, fünf Malen; im
Nom, und Acc, aber bleibt Mal nad einem Zahlw. unverändert: zwei, drei,
vier Mal 2c,); am haufigften wird IN al in ungebeugter Geftalt mit dem vor—
anftehenden Fuͤr⸗ oder Zahlw. zu einem Nebenworte verbunden, z. B.
diesmal, einmal, Feinmal, manchmal, zweimal, dreimal, allemal 2c, (jedoch
nicht gut: das erftemal f. das erfte Mal, zum letztenmal f, zum festen Mate),
u, von folchen Nebenwortern bildet man vermittelft der Endf, ia die Bw, dies—
malig, einmalig, zwei=, dreimalig 2.3 auch der Gen, Mals dient in Ver:
bindung mit unbeftimmten Zahlw., fo wie mit Neben= u, Verhältrifswärtern
zur Bildung zeitbeftimmender Nebenwoͤrter, wie mehrmals, damals, einft-
mals (d, i, eines Mals), jemald, niemals, oftmals, vor-, nachmals ꝛc. (wo-
für vlt. und landſch. damalen, niemalen 2c,) mit den abgel, Bw, mehrmalig,
damalig, oftmalig 2c,
Mal2., fe, -8, M. Mäler, edler Male; ein Zeichen, als ſelbſtän—
diges Wort gem, Mahl geſchrieben (f, Mahl 4,), und in engerer Bed. Maal
(1, 8), in Zſetz. aber, wo es ein Erinnerungszeichen bedeutet, gew, Mal,
3 B. Denk:, Grab:, Merkmal ꝛc. — malen, gew, als mahlen, ziel, 3w,,
(altd, malon, malen; goth. meljan, ſchreiben v, mel, Schrift; ſchwed. mala,
din, male), Mw, gemalt (landfh, une. gemalen), überh, ein Bild oder
Zeichen machen, durch fichtbare Zuge darftellen, abbilden (Buchftaben
malen, d, i. zierlich. fchreiben); gew. in engerer Bed, mit Farben abbilden,
verſch. zeichnen (eine Blume, ein Thier, eine Landfihaft 2c.; in Waffer, in
Sl —, d. 1, mit Waſſer- oder Ölfarben)z auch blog mit Farben anftreichen
(fich das Gefiht malen, di, fehminkenz ein gemaltes Zimmer 2c,), uneig, f.
farben (die Scham malt ihre Wangen, d, i, macht fie erröthen), u, f. male=
riſch ſchoͤn darftellen, lebhaft fchildern (einem etwas vor Augen —) 3 chem,
auch f. zeichnen, bezeichnen, mit einem Zeichen verfehen; — Ableit, der
Maler, -3, die Malerinn, M. -en, wer malt, ein Kuͤnſtler, der mit
Farben darftelli (Blumen-, Landſchafts-, Geſchichtsmaler 2.)5 daher die
Malerfarbe, das Maler- oder Malgold, zerriebene „Goldblättchen zum
WMalen; die Malerkunft; die Malermufchel, Maſcheln, in deren Schalen
man Farben anmadtz der Malerpinfel; die Malerfcheibe, das Farben-
Hey fe'd Handworterb, d. deutfihen Spr, 2. Theil. 8
114 mal — Malz
brett (fr. Palette); die Malerichule, Lehranftsit für Maler; auch die Ge-
ſammtheit der Schuler eines berühmten Malers, und in weiterem Sinne die
ſämmtlichen Maler einer Gegend und einer Zeit, in deren Gemälden derfelbe
Geift und dieſelbe Beyandlungsweife herrſcht; das Maler» od. Malfilber
zerriebene Silberhlättchen zum Malen; der Malerſtock, ein Stock, auf welchen
ie Maler die Hand flügt, welche den Pinfel führt; — die Malerei, M. -en,
ie Malsrfunft, und die Art und Weiſe zu malen, eig. und uneig.; ein
Gimälde; maleriſch, B We, zur Kunſt des Malers gehörig und darin
gegründets wie gemalt, oder würdig gemalt zu werden (maleriſch fhönz
eine malerifche Gegend, ein maleriſcher Anblick 2c.)3 uneig. lebhaft, anfchaus
tich dargeftellt oder darſtellend (eine maleriſche Stelle in einem Gedicht u. dal.).
mall, Bw, niederd. f. thöricht, unflug, unbefonnenz; daher mallen 1.
ztellof. Zw. f. thöriht reden und handeln, unbelonnen fein; Schiff. der
ind mallt, went er ohne beſtimmte Richtung hin und her Läuft.
Mal, w., M. Sen, niederd. Schiffe. f Form, Model, f. Mahl 4)
mallen 2. ziel. 30, malen), Schifft., vorzeichnen, wie ein Stüd zuge:
bauen und bearbeitet werden fol.
Mallemude, w., M -n, landſch. ser Sturmvogel in den nordiſchen
Gewäffern.
malmen, ziel. Zw. (von dem goth. mel, altd. mal, Heiner Theil; vergl.
mahlen) in Kleine Theile zerveiben oder zerdruͤcken, gew. zermalmenz ber
Malm, -ed, 0. M. (goth. malmo, altde melm, ſchwed. malm, Sands.
vergl. Mulm, Mull ıc.) landſch. f. etwas zu Staub, oder Pulver Herriebened;
Staub, Send, Gries; malmig, Bir, aus Malm beftchend, Malm
enthaltend; malmicht , Bw., den Malm ähnlich.
Malter 1. ſ. -5, 0.M. (won gleihem Stamm mit Malm 2.), landſch
f. Schutt, Zerbröc Eelteßloder Separhened,
‚Malter 2. ſ., landſch. aud m, —s, M. w. E., (altd. maltar, niederd.
BRAD: engl. maulder, mittl. Tat. Kine maltrum 20.3 entiveder von dem
3{änd. mal, goth. mela, Maß, Scheffel, ſchwed. mäla, meſſen, vergl,
Fi 4); oder von mahlen: was anf einmal gemahlen wird) 1) ein Getreide:
maß, an verfchiedenen Örtern 2, 4, 12 bis 16 Scheffel haltend; 2) ein
Dee zu Scheitholz, einen Mürfet von 4 Fuß Höhe, Länge und Breite aus:
hend; 3) landſch. f. ein Mandel, d. i. 15 Stuͤck; der Malterbod,
a, ein Maß zum Vermeſſen des Holzes nach Malternz das Malterholz,
in Malter gefestes Holz; maltern, ziel. Su; „das Holz —, Mahl Maltern
meflen und auffeßen.
Malve, w,M. -n (aus dem lat, malva; engl. mallow), ein Pflanzen:
gefchlecht mit doppeltem Kelch, Wald-, Pofene,. Gartenpappel, Stode
vofez der Malvenbaum, * malvenähnliches Gewächs, weiches 8 bis 9 Fuß
hoch wird; der Malvenfalter, ein die Malven vorzüglid, befuchender Lage
- falter.
Malz, ſ. —es, o. M. (altd. malz, niederd. Molt, angelf. mealt, island.
u. engl, malt; von einem alten Zw. melzan, angelf. miltan, meltan, engl.
melt, erweichen, aufldfen, fhmelzenz vergl. d. griech. uul9coow pd, muAdoom,
narsanös 2), dad zum Bierbrauen beſtimmte einaemeichte, gedörrte und.
gefchrotene od. auf zum Schroten zubereitete Getreide (Gerften:, Weizen⸗,
Hafermalzz Darr-, Luftmalz, ſ. d)5 — 3 ſetz. der Malzboden, ein Bo⸗
Mama — Mand 115
/
den, auf weldem das Malz getrocknet od. aufbewahrt wird; der Malzbottich,
Bottich zum Einweichen des Getreides; die Malzdarre od, doͤrre, |. Darre;
die Malzfammer, eine Kammer, in welcher das Malz vor dem Schroten
nochmals angefeuchtet wird; die Malzmuͤhle ‚ Mühle, auf welcher Malz ge:
ſchroten wird; der Malzmüller; die Malzfteuer, vom Malz zu entrichtende
Abgabe; — Ableit. malzen, gem. mälzen, zielloſ. Zw. m. haben,
Malz machen; der Malzer od. Mälzer, - 8, M. w. E., Malzmacher.
Mama od. Mamma, w., M. ſelten Mama’n, bisw. als EN. ohne
Artikel im Gen. Mama’s, niedr. Mämme ‚ (griech. raue, lat. mamma,
auch die Mutterbruft; franz. maman, engl. mam. 2c) ein Kinderwort f.
Mutter; mammen, ziellof. Zw., -oberd. gem. f. an der Bruft fangen; dad
mmele, -$, f. Mutterbruft, Weiberbruſt überh. 5; auch f. Saugglas,
Saugfännden.
Mamiering, w., M. -e, Schiff. ein Schlaud) oder eine Nöhre von
getheertem Segeltuch oder Leber, durch welche Waffer geleitet wird.
Mamma, Mämme ꝛc., 1. Mama,
man, unbiegf. unbeftimmtes perfonliches Fürw. der ten Perfon (urfpr. =
Mann, altd. man, wie das franz. on, ehem, hom, verkürzt aus homme;
ſchwed. u. dän. man, niederd. u. holl. men) bezeichnet irgend eine od. mehre
ganz unbeſtimmte Perfonen und verbindet fid) nur mit der Einheit des Zw.
(man hat mir erzählt zc., d. i. irgend Semand hat 2c,; man fagt, d. i. die
Leute jagen; man denke fi) 2c.3 man kann nicht Alles wifjen) ; zum Erfas für
die fehlenden Caſus von man bedient ſich die Volksſpr. des unbeftimmten Fürw.
ein, vergl. d. (4. B. man kann nicht wiffen, was einem widerfahren kann;
das mufs einen kränken u. dgl); das unbeftimmte man in Beziehung auf
beftimmte Perſonen und als Anredewort zu feßen (3. B. man lafje das fein!
man höre) ift ein fleifer und veralteter Gebraud).
man od. mand (holl, men, ſchwed. man), ein gem. niederd. Bow. u, Nw.
f. aber und fi nur, z. B. er könnte wohl, man (x. aber) er will nicht; laſs
es man (r. nur) aut fein.
manch, Nom. mancher, e, es, M. monde, gebeugt wie der Artikel
der, allgem. Bahlw. (zgez. aus mannig, mannid), f. d.z goth. und altd. ma-
nag, mänac, manec; angelf. manig, engl. many, altfranz. maint, dan.
ınange 2.5 von gleidem Stamm mit Menge, f. d.) drückt, ſowohl in der
Einh. ale in der Mehrh. gebraucht, mehre unbeſtimmte Dinge einer Art
einzeln betrachtet aus und ſteht fowohl mit einem Hw. verbunden, als ohne
Hw. und deſſen Stelle vertretend, immer aber ohne Artikel (4 B. mander
Menſch, oder Mancher glaubt 2c.5 meinche Leute, oder Manche behaupten 2. 5
Manchem, Mancer, Manchen wird es unangenehm fein; er hat mandjeö Un:
glück erfahren; Manches Hält man mil: Anrecht für ein Unglück 2c.); mancher⸗
lei, unbiegf. Bw. (vergl. Lei), von mancher Art, finnv. mannigfaltig G-
B. manderlei Früchte; er hat ſich in mancherlei Verhältniffen befunden), auch
ohne Hw. f. mancherlei Dinge, Manches (man erfährt mandjerlei) u. bisw.
mit dem Gen. des Hw. (der Schick fale manderlei); manchmal, Nw. der
‚Zeit zur Bezeichnung einer mehrma (igen Wiederholung; manches Mal xf-
Mat 1), mehrmals, öfter, dann und wann, zumeilen (ev kommt manch⸗
mal zu uns m. dgl).
Mand od. Mande, auch Man ne, w. M; -en, (angelſ. u. holl. mand,
8*
116 Mandel — Mange
engl. maund, franz. manne), landſch. f. Korb, bef. sin großer, langer
Henfelkorbz; daher der Mandmacher, f. Korbmacher. y
Mandel 1. f., -8, Mw. E., weniger gut w., Mi. -n, (vielleicht
urfpr. Verkl. von Mand, -alfo eig. ein Körbchen ?), eine Zahl von funfjehn
Stück derfelben Art Cein Mandel Eier, Nüffe 2c.5 vier Mandel maden ein
Schock) ; in engerer Bed. ein Haufen von 15 Getreidegarben, die auf dem
Felde aufgefegt find, niederd. eine Hocke; daher: die Mandelkrähe, auch
Mandeltaube, Garbenkrähe, Blaufrähe, eine Art Häher, welcher fi in
der Ernte gern auf die Grtreidemandeln ſetzt; mandelweiſe, Nw., nad) oder
in Mandeln; der Mandelzehnte, Zehnte von den Getfeidemandeln, Gazxbens
zehnte; — mandeln, 3m. 1) ziel. nad; Mandeln zählen; in Mandel
ſetzen; 2) ziellos m. haben, Landw. dad Öetreide mandelt gut, d. i. giebt
viele Mandel; der Mandler, -8, wer dad gefihnittene Getreide in Mans
del ſetzt.
Mandel 2. 10, Mi -n, (vom griech. Zuvydarn, lat. amygdalum, ital.
amandola, mandola, franz. amande zc.), die länglich runde platte Ferne
frucht des Mandelbaumes: füße, u. bittere Mandeln; uneig. wegen manbel-
ähnlicher Form: zwei Drüfen in der Mitte des Schlundkopfes bei Menfchen
und Thieren; — 3fes. der Mandelbaum; die Mandelblune, Küchen—
oder Oſterſchellez die Mandelbluthe, Blüthe des Mandelbaumes ; dad Mans»
velbrod, Zudergebadenes von Mandelteigz die Mandelbutter, mit ge:
ftogenen Mandela vermifchte Butter; das Mandelholz, Holz des Mandel:
baumes; der Mandelkern, die aus der Schale genommene Mandel; landſch.
gem. überh. f. Mantel; die Mandelfleie, der Überreſt der ausgeprefiten
Mandeln, zum Wafchen gebraucht, um die Haut gefchmeidig zu machenz; der
Mandelkoch, landſch. eine Art Mandelſpeiſe (f. Koch); der Mandelkuchen,
die Mandeltorte, dad Mandelmus od. der Mandelbrei, Kuchen, Torte ıc.
mit vielen Mandeln bereitet; die Mandelmilch, ein milchähnliches Getränk von
geftogenen Mandeln und Wafferz die Mandelnufs, eine Art länglicher Hafels
nüffes dad Mandelöl, aus Mandeln gepvefites feines DL; die Mandelfeife,
Seife aus geftofenen Mandeln und wohlsiechenden Olen; der Mandelfpan,
gew. M. Mandelfpane, ein Backwerk von Mandeln, Eiweiß u. Zucker; der
Mandelftein , mandelfbrmige Steine; der Mandelteig, mit Mandeln zu:
bereiteter Zeig; die Mandelweide, eine Urt Weiden, deren Blätter den Man-
delblaͤttern ähneln. Ki X
Mandel 3. w., M. -n, landſch. f. Mange, Mangel, ſ. d.5 daher auch
das Mandelbrett f. Mangelbrettz mandeln, Zw. f. mangen.
Mandelbaum, m., oberd. f. die Kiefer, Fohre.
mang od. manf, Nw. u. Bw. (angelf. amang, engl. among; die Wurzel
von mengen) niederd. gem. f. gemengt, vermifhtz u. als Vw. f. zwifchen,
unter; daher dad Mangfutter, Mengefutter, gemengtes Futter; _ das
Mangkorn, Menge: od. Mifchkorn; die Mangiprache, Menge: od, Mifch:
ſprache.
Mange, w., M.-n, 1) (altd. manko, ſchwed. manga, mittl. Tat.
manga, mango 26.5 grieh. ueyyaror) ehem. überh. Werkzeug, Mafching,
beſ. Kriegswerkzeug; 2) auch die Mangel, landſch. Mandel, (ſchwed. man-
gel, dan, mangle, mittl, lat. mancula, ital, mangano) insbef, eine Ma=
fchine zum Glätten und Glänzen der Zeuge, beſ. des gewaſchenen Leinen:
Mangebaum — Manier 117
zeuges, beftehend in einem mit Steinen befchmwerten, beweglichen Kaften auf*
einigen glatten Walzen, die Nolle, Wälhe, Zeugrolle; — 3fes, das—
Mange- oder Mangelbretf, ein glattes Brett mit einem Griffe, als heit
einer Handmangez dad Mange- od. Mangelholz, die Walzen einer Mange;
— Ableit, mangen oder mangeln, ziel. 3w., vermittelt der Mange
glätten, vollen (Walde); der Manger, - 8, wer mangtz landſch. f. Schoͤn⸗
Arber, 1
n Mangebaum, m., ein oftind, Baum mit eifdrmiger efsbarer Steinfruct,
Mangel, m, =, M. Mängel, (ſchwed, u. dün, mangel, ital, manco,
franz. manque; von dem niederd, und holl, mank, lat, mancus, mangelhaft,
verſtlͤmmelt ; ſchwed. minka, verringern) 1) o. M, die Abwefenheit und das
Bermiffen einer nothwendigen oder ermünfchten Sache (Mangel an einer
Sache haben, leiden des Müller hat Mangel an Wafler, an Wind; es ift
an diefer Waare, an Liebhabern, Käufern ꝛc. Fein Mangel, d, is es fehlt nicht
baranz es zeigt von Mangel an Klugheit; Brod-, Korn, Geldmangel 26.) 5
in engerer Bed, die Entbehrung der nothwendigſten Lebensbedürfniſſe, finnv,
Noth (in Mangel gerathen, mit Mangel kämpfen ꝛc.)) 2) M. Mängel, eine
einzelne Unvollfommenheit oder abwefende Eigenfchaft, finno, Fehler (ſ. d.),
Gebrechen das Haus hat den Mangel, dafs es nicht Licht genug hatz Niemand
ift ohne Mängel); — mangelhaft, Bw., einen Mangel oder Mängel has
bend, finno, unvollfommen, unvollitändig, fehlerhaft; die Mangelhaf-
tigkeit, mangelhafte Befhaffenheit, Unvollfommenheit; — mangeln 1.
ziellof, Zw, m, haben, (altd, mangolon, dan, u, {hwed, mangla, franz,
manquer) 1) Mangel haben, entbehren, vermiffen, m, dem Gen, der
Sache (bibl, fie mangeln des Ruhms; jegt meiſtens vlt, gew, evmangeln);
2) abwefend oder nicht vorhanden fein, zur Volljtändigkeit od. Vollfom=-
„menheit fehlen , finno, abgehen, fehlen, gebvechen, mit d, Dat, der Perfon
(das Geld, die Klugheit mangelt ihm; einige Shaler mangeln an der Summe)
auch unp, ed mangelt mir an einer Sache, an nicht3 ıc.
mangeln 2. oder mangen, ſ. unter Mange,
Mangelrübe, w., landſch. f. Runfelrübe,
Manger 1. f. unter Mange; Manger 2. oder Menger, m, —s, M.
w. €, (altd, mangare, islünd. mangari, engl, monger, lat, mango;, vom
isländ, manga, angelf, mangian, handeln), alt und oberd, f. Händler,
Krämer, beſ. in Zſetz. Eiſen-, Fiſch-, Tuchmanger ıc,
Mangfutter, Mangkorn, ſ. unter mang.
Mangold, ms, Aes, M.-e, verſchiedene Gewaͤchſe: 1) (dän, man-
gold, bbhm. manholt) eine Pflanze mit rübenartigen efsbaren- Wurzeln,
niederd, Beete, oberd, Beiße, Beißkohl, Beißrübe genannt; bef. der rothe
Mangold, rothe Rübe; außerdem weißer, gelber und Meer Mangold;
2) eine Art des Lungenfrautes: Hirfchmangold; 3) eine Art des Gaͤnſe—
fußed: guter Heinrich oder ſchmieriger Mangold; 4) einige Arten des wil=
den Ampfers: der Meerampferz die gemeine Grindwurz, auch Mengelwurz
genannt; 5) eine Art des Wintergruͤns: Wald = od, Holzmangold.
Manier, w., Ms -en (aus dem ital, maniera, franz, maniere, engl,
manner; v, lat, manus, Hand; franz, manier, handhaben), die Art und
Weiſe des Benchmend oder Verfahrens z insbe, gem, f. Geberde (allerlei
"Manieren); f. Lebensart (das iſt eine ſchlechte Manier, Feine Manier 2c.)3 in
118 Mann ——
redenden und beſ. bildenden Künften: die eigenthüͤmliche Behandlungsweiſe
des einzelnen Künſtlers; in engerer Bed. fehlerhafte Eigenthuͤmlichkeit, Un—
natur, Verkuͤnſtelung (entg. Stil); manierlich, Biw,, der guten Lebens—
art gemäß, artig, gefittetz die Manierlichkeit.
Mann, m., - 5, M. Männer (in der bef. Bed, „„Rrieger” auch: Man:
nen; und bef. in Sſetz. oft Leute, fu), Berti das Männchen, ober.
Männlein, Mehrh. in der Volksſpr. Männerchen; (goth, manna, altd.
man, angelf,, engl, ſchwed. man, dan, mand; u d, Sanskr. Wurzel man,
denken; daher Manu, der. Denkende, Stammvater der Menſchen; vergl. mah:
nen, meinen, Menſch); urfpr, (wie das engl, man): übẽerh. Menſch, Perſon
ohne Unterichied des Gefhledhtes (daher: man, Jedermann, Jemand, Nie:
mand zc, ſ. d.), fo noch in einigen Ausdrücken, als: eine Waare an den Mann
bringen; wenn die Noth an den Mann (oder an Mann) geht; mit Mann und
Maus (d, i. mit allem Lebendigen vom Grösten oder VBornehmften bis zum Ge:
ringſten) ; der dritte Mann (beim Spiele u, dgl) f. die dritte Perſon; der ges
meine Mann, als Sammelm, f. Leute geringen Standes u, dgl, m.z gem,
in beftimmterer Bed. eine Perfon männlichen Geſchlechts (entg, Frau, Weib),
beſ. nach zuruͤckgelegtem Jünglingsalter, etwa vom Zöften od. 830ſten Sabre
an (ein junger, ein alter Mann; ein Mann in feinen beften Sahren, d. i.
etwa bis zum 5Often Jahre; ein ehrlicher, ein armer Mann 26,5 Mann für
Mann, d, i. ein Mann mit oder nad) dem andern; bei bloßer Zahlung, ohne
Unterfheidung der Einzelnen nach) ihrer Befonderheit bfeibt Mann, in der
Mehrh. unverändert, 2. B, fie ftanden oder gingen vier Mann hochz
zehn Mann find zu der Arbeit nöthig u, dgl; vergl. Stud); häufig mit
dem Nebenbegriff der fittlichen Wuͤrde, des Ernſtes, der Kraft, der Stand—
haftigfeit (fei ein Mann! ich ftehe meinen Mann; er hat ſich als Mann gezeigt;
bin ich nicht Manns genug ? ich bin Mann dafür, d. i, ich bürge dafürz fprichm.
ein Wort, ein Wort, ein Mann, ein Mann, d, ti, ein redliher Mann halt
fein Wort), und bei, des Muthed und der Tapferkeit (als ein Mann ftreitens
fie fielen als Männer); in def. Bed, ehem, f. Dienſtmann, Rehnäträger,
Bafall (entg. Herr, Lehnsherr) u, überh, f, Nitter, Krieger; Mehrh, Man:
nen;,jest fe Soldat, Nreitbarer Mann, Mehrh, Leute (nicht Männerz
z. B. der Hauptmann befahl feinen Leuten 20.5 ee und feine Leute haben fich
brav gehalten), u. bei Zählungen unverändert Mann ( . o. z. B. taufend Mann
zu Fuß; es find Hundert Mann geblieben) 5 ferner f, Ehemann (entfpr, Fran),
edler: Gatte, Ehegatte, Gemahl (einen Mann nehmen, haben, bekommen;
ihr Mann ꝛc.)3 uneig. Bergw. der alte Mann, das ausgehauene u. wieder
mit Schutt ausgefüllte Feld; der arme Mann, landſch,. in Butter geröftetes
Brod; Tag, der volle Mann, der geſchränkte Gang des völlig ausgewachſe—
nen Hirſches; — das Männchen, M,w. E., ſcherzh. oder vertraulich fi
ein Eleiner 0d, junger Mann; ald Zärtlichkeitswort f. lieber Mann z verächtl.
f. unbedeutender Mann; ferner ein Thier männlichen Geſchlechts (entg.
Weibchen) 5, auch f, die aufrechte Stellung eines Thieres, wenn es ſich auf
die Hinterbeine fest (dev Hafe, das Kaninchen maht Männchen), daher gem,
überh. f. Faxen, poffierliche Geberden; — in vielen Ifes, fteht Mann
1) ald Grundmwort oder zweites Glied, überh. eine erwachſene Perfon
männlichen Geſchlechts bezeichnend (4. B. Berg:, Lande, Edel:, Fuhe:,
Kriegs-, Staats-, Ehren, Biedermann 2c,), im gemeinen Leben häufig zur
—
Mann 1 19
Bildung von Wörtern gebraucht, die einen Mann bezeichnen, welcher mit der
durch das Veftimmungswort benannten Sache handelt (4. B. der Buttermann,
Obſtmann, Milchmann u, dgl.) 3 die Mehrh. folcher Zfeg. lautet immer Männer,
wenn ber Gefchlehtäbegriff das Wefentliche ift (alfo Ehemänner, Lodhtermänner), -
"ober die bezeichneten Perfonen als Einzelmefen gedacht werben, bej, mit dem
Begriff fittlicher Würde od. Außerlicher Vorzlige (alfo: Biedermänner, Ehren:
männer, Staats-, Krieggmänner) ; außerdem gewo. Leite (ſ. d.), weldes
als Sammelbegriff mehr die Gattung ohne Unterfcheidung der Einzelwefen zu:
fammenfafft (5, B. Kriegsleute, Arbeitö:, Berg, Land, Edel:, Hofleute ꝛc.),
und aud) beide Geſchlechter bezeichnet (vergl. Eheleute, Mietheleute, mit Ehe:
männer, Miethsmänner); 2) als erftes Glied in Zfes. lautet es bald
Mann, bald Mannes oder Manns, bald Männer (wenn es auf mehre
geht; — 3ſetz. mit Mann find: dad Mannbuch, landſch. f. Lehenbuch
(0, Mann f. Lehnsmann, ſ. 0.)3 der Mann = Erbe, männlicher Erbe; mann-
feft, @w,, vlt. f. tapfer wie ein Mann, mannhaft; dad Manngeld, landſch.
fs Lehngeld; auch f. jährliches Gehalt vines Dienftmanns ; das Manngericht,
ehem, auch Mannding landſch. f, Lehngerichtz das Manngrab, landſch.,
fo viel Land ein Mann in einem Tage umgraben kann, bef, als Flächenmaß
in Weinbergen; dad Mannlehen oder Manngut, ein Lehngut, worin nur
die männlichen Nachkommen die Erbfolge haben; das Mannreht ‚eben f.
Lehnrecht; der Mannrichter, f, Lehnrichter; die Mannruthe, niederd., der
jeden Einwohner einer Ortſchaft nad der Ruthe zugemeffene Theil eines Dei-
ches, welchen er im Stande erhalten mufsz manı= od. männerfcheu, Bw,,
fcheu vor Männern (ein mannfheues Mädchen); die Mann = od, Männer=
ſcheuz die Mannfucht, heftiae Begierde einer weibl, Perfon nad) einem
Manne, Manntollyeit, Liebeswuth, wenn IE den höchften Grad erreicht;
mannfüchtig, mann= oder männertoll, Bios; das Mannweib, ein
Bwitter (fr, Androgyn) 5; auch ein männlich gefinntes od, mannähnliches Weib;
daher die Mannweiblichkeitz das Mannwerk, oberd, f. Tagewerk eines
Mannes; auch ein Flächenmaß, ungefähre fo viel wie ein Morgen; die
Mannzahl, niederd. f, Kopf od, Perfonenzahl; — mit Man nes, Manns:
das Mannesalter, männlihes Alterz dad Mannsbild, Bild eines Man:
nes; gem, f. männliche Perfon, entſpr. Weibsbild; das Mannsblut, landſch.,
eine Art des Johanniskrautes, das Konraböfrautz der Mannsdaumen, die
Mannsgeftalt, hand, der Mannskopfi,, Daumen, Geftalt 2c; eines
Mannes; mannsdid, -hoch, =lang, Bw., fo die, hoch, lang, wie ein
erwachfener Mann zu fein pflegt; daher die Mannsdide, höhe, länge;
der Mannserbe, Erbe eines Mannlehens; das Mannsgedenken, ſ. v. m.
Ütenfihengedenten, f.d.3 der Mannshut, das Mannskleid, der Manns—
rock, =fhuh ) die Mannstracht ꝛc., Hut, Kleid ze. für einen Mann; das
Mannstlofter , Möndsktofters die Mannes= od, Mannskraft, »ftärfe,
der Mannzfinn uw, dal., Kraft} Stärke, Gefinnung eines Mannes; Pas
Mannskraut, die Küchen- od, Ofterfchelle,. die Schneeblume; die Manns—
leute, gem, f. Männer, männliche Perfonen, auch das Mannsvolk; die
Mannsmahd, oberd. das Tagewerk eines Mähers; aud) ein Flächenmaß, fo
viel wie ein Morgen; der Mannsnamen, Eigennamen für männliche Perfo-
nen; die Mannsperfon, männliche Perfonz der Mannfchild, eine Pflanze,
auch Mannsharniſch, Rabelkraut genannt; der Mannsfchreider, ⸗ſchu⸗
120 Mann
fler ıc., Schneider, Schuſter für Männerz der Mannsitamm ‚ die männz
liche Linie oder Geſchlechtsfolgez die Mannsſtimme, die tiefere und ftärkere
Stimme eines Mannes (Baſs; die hohe Mannsſtimme, fr.’Tenor)z; die
Mannstreu, ein Heilkräftiges Pflanzengeſchlecht: Brach-, Walddiftel, Sun:
dertkopf 2c, (eryngium L.)z; die Mannszucht, die- Zucht, d. i. die Handha-
bung der Ordnung unter dienftpflichtigen Perfonen, bef, Soldaten (fr, Disci-
plin); — mit Männer: die Männerehre; dad Männerheerz der Mäne
nermord; der Männermörder; die Maännerktaft, sjtärte; die Maͤnner⸗
ſchlacht, das Männervolf, ſ. v. w. Mannsvolfz der Männenwerth, u
dgl.m,; — Ableit. mannbar, Bw., fähig einen Mann zu nehmen,
heirathöfähig dem Alter nach (ein mannbares Mädchen)z auch überh, reif zur
Fortpflanzung des Gefchlechts (ein mannbarer Jüngling, das mannbare Als
tee); ehem, aud f. mannfeft, mannhaft als Chrentitel des Adels; die
Mannbarkeit, dad Mannbarfein, die Gefchlechtäreife; mannen, Zw.
1) ziellos, oberd, f. einen Mann nehmen, heirathen; 2) rückz. fi & —,
vlt. f. ſich zum Mann, d. i, Lehnstraͤger eines Undern machen; 3) ziel.
mit Mannfchaft verfehen (ein Schiff), gew. bemannen; männern, zielloſ.
3w, m, haben, landſch. gem,, nach einem Mann verlangen, Luſt zu heis
rathen habenz auch f. männlich, geſetzt, ernfthaft werden; männerig, Bw.,
Männer habend; nur uneig. Pflanz. in den Zfeg, ein:, zweimännerig 2, d, i.
einen, zwei ac, Staubbeutel Habend; mannhaft, Bw,, eines Mannes Art
habend, feft, entfchloffen, tapfer wie ein Mann (mannhaft kämpfen, manns
bafte Leute), ehem. Ehrentitel der Ritter, fpäter der bürgerlichen Kriegsbeam—
ten; die Mannhaftigfeit, das Mannhaftfein, ſinnv. Iapferfeit, Feſtig—
keit 20,5 die Mannheit, die Eigenfchaft, nach) welcher Semand ein Mann
iſt; dad wad den Mann macht, die Zeugungsfähigkeit (einem die Mann—
heit nehmen, d, i. ihn entmannen); aud) f. Mannöfraft, Mannhaftigkeitz
ehem, der Lehnd= und Huldigungdeid; männiglich, unbiegf, Bw, (entft,
aus manno gilih 9d, -lih, d, i, jeder der Männer; vergl, jeglich) meift vlt,
Kanzl, f, jedermann (fund und zu wiffen fei männiglid) 2c.)3 die Maͤnninn,
M.-en, alt und dicht. f. eine erwachſene, weibliche Perſon, Frau, Gat—
tinn; auch eine männlich gefinnte Frau, Heldinn; in einigen von männl,
Hauptwortern auf Mann gebildeten Zſetz. zur Bezeichnung einer weibl, Perfon
von gleiher Eigenſchaft (3. B, Landsmänninn, Schiedbemänninn), od, aud der
Gattinn des durch das männl, Hw, bezeichneten Mannes (z. B, Amtmänninn,
Hauptmänninnz aber von Edelmann, Kaufmann: Edelfrau, Kaufmannsfrau
1 dgl. m); männifch, Bw,, Neu, f einem Mann ähnlich in tadelndem
Sinne, entſpr. weibifh (eine männifche Frau) 5 außerdem in 3jeg. einem Manne
von der bezeichneten Art eigen, angehörig, angemefjen (bergmänniſch, kauf⸗
männiſch) z und mit Zahlw. ein-, zweimaͤnniſch, d. i. einer oder zwei Perſo⸗
nen angemeſſen (ein einmänniſches Bett); — „ Bw., überh. einem
Manne gleich, gehoͤrig, angemeſſen, im Weſen des Mannes gegruͤndet;
insbeſ. 1) dem natuͤrlichen Geſchlechte nach: zeugungskraͤftig, befruchtend,
von Menſchen, Thieren und Pflanzen, entg. weiblich, (das männliche Glied,
Geſchlechtz die männliche Blüthe, welche die befruchtenden Theile enthält;
Sprachl. das männliche Geſchlecht, genus masculinum, welches nicht
nur den Benennungen männlicher Weſen, ſondern auch vieler lebloſen Dinge
zukommt, denen der Artikel der vorgeſetzt wird; Versl. der männliche
u
Manna — Mantel —
Reim, welcher ſich nur über eine betonte Schlufsfilbe erftredt, entg, bem
weiblichen); auch dem männlichen Gefchlecht eigen (männliche Kleidung);
2) dem Alter nachr reif an Jahren, dem Mannesalter angemeffen, entg.
kindlich, kindiſch, jugendlih (das männliche Alter; männlid ausfehenz eine
männliche Geftalt, Stimme 26); 3) der Straft, dem Ernte u, der fittlichen
Wuͤrde, der Entfchkoffenheit oder Tapferkeit nach, finnv. mannhaft, entg.
weiblich, weibifch (männliher Muth, Ernftz ein männlides Betragenz fi)
“ mänhlic wehren ; ein männliche Weib; eine männliche Sprache, Schreibart 2c.) 5
die Männlichkeit, das Männlichfein, die männliche Befchaffenheit in allen
Bed. des Bw.; die Mannschaft, M. -en, eine Gefammtheit von Mänz
nern (die Mannſchaft eines Dorfes, eines Schiffes 2c.), insbef. von ftreitbaren
Männern, Soldaten (junge Mannfhaft, Kriegsmannſchaft)z ehem. u. noch
oberd, auch f. eine einzelne männliche Perfon, bef. fofeen fie lehns- ober
dienftpflichtig ift (das Dorf hat 50 Mannfhaften, d, i. dienftbare männl. Ein:
wohner); ferner f. die Lehnöpflicht, der Lehnseid; u. f. Mannheit, Zeus
gungsfähigkeitz das Mannfen, —6, M. w. E,, landſch. gem. f. Manns-
erfon,
x Manna, ſ., -d, o. M. (von dem hebr. man), Benennung verſchiede—
ner füßlicher Pflanzenſtoffe, insbeſ. ded zähen Saftes, der aus der Manna=
Eiche (im füstichen Europa) und andern Bäumen hervorquilltz bibl. ein vom
Himmel gefallened Nahrungsmittel der Ifraeliten in der Wüfte, Himmels,
Engelbrod; auch: der Samen verfchiedener Gräfer, als der Bluthirfe u,
bef, des Schwaden = od, Mannagrafes; die Mannagrübe, der geftampfte
Samen des Mannagrafes; die Mannabirn, eine faftreihe Winterbirn; der
Mannaklee, ein ftaheliges Strauchgewächs in Mittel:Afien, von deffen Blät-
tern man einen ſüßen Saft, das perfifhe Manna, fammeltz der Manna—
ſchwingel, f. v. w. Mannagras.
Manne, u, M.-n, landſch. f. v. w. Mand, Mande, f. d.
mannbar, mannen, mannhaft, Mannheit, f. unter Mann.
mannigfad und mannigfaltig, x. als mannichfach, mannidfal-
tig (zufolge der Abftammung von dem altd. manag, manac, manec, man
nig, woraus mand) dur) Zufammenziehung entft., ſ. d. und vergl. Menge),
Bw. und Nw., mehrnald oder vielmal geteilt oder verfchieden, von vie—
Verlei Urt, ſinnv. mehrfach, vielfältig (die mannigfaltigen Arten der Thierez
mannigfache Kenntnifje befigen 2c.) 3 ehem. auch mannigfalt (altd. managfalt,
manecvalt) ald Nw. und Bw.; der Mannigfalt, - es, landſch. der faltige
dritte Magen der wiederkaͤuenden Ihiere, Blättermagen; die Mannig-
faltigfeit, dad Mannigfaltigfein, die mannigfaltige Befchaffenheit, Viel-
artigfeitz auch eine mannigfaltige Sache (M. Mannigfaltigkeiten).
männiglich, Männinn, maͤnniſch, maͤnnlich, Mannfchaft ıc, f. un-
ter Dann.
manfchen oder mantjchen, ziellof. Zw. m. haben (ein Schallwort; vergl.
matfchen, panſchen u. a. m.), gem. in einer Flüffigfeit oder etiwad Naffem
mit den Händen wühlen, auch unreinlich damit umgehen „ unrein unter
einander mifchen, fchlecht Fochenz "der Manfch oder Mantfch, — es, gem.,
etwas Gemanſchtes, ein unreined Gemengez der Manfcher, -3, wer
manſcht; die Manfcherei, dad Manfchen ; eine gemanfchte Sache.
Mantel, m., -8, M. Mäntel; Verkl. dad Mäntelchen, (altd.
122 Mantel — Marder
mantal, mantil; ſchwed. und dän. mantel, engl. mantle, franz. manteau ;
von dem lat, mantellum, mantile, urfpr, wohl: Handtuch von manus, und
überh, Tuch), ein weites u, gem. langes Kleidungöſtuͤck für beide Geſchlechter,
welches über der gewöhnlichen Kleidung getragen wird, zum Schuß gegen
Kälte, Regen u, Wind (Regen-, Reifemantel 2c.), bisw. aud zum Schmuck
u als Theil des vollftändigen Anzugs bei feierlichen Gelegenheiten 20, (Trauer⸗
Prediger-, Ritter: Mantel u, dgl, 5 daher der Nantellragen, de Man—
teltaſche, dad Mantelfutter 2u; ſprichw. den Mantel nach dem Winde
hängen, di. ohne fefte Grundfäge fid) in Außerungen u. Handlungsweiſe nad
den Umftänden richten); in weiterer Bed, überh. eine mrantelähnliche Decke,
inöbef, Landw, eine Lage neues Stroh auf, einem alten Strohdahz; Tuchm. das
vordere Ende eines Stüdes Tuch, welches nad der Zubereitung desfelben um
das ganze Stüd -gefchlagen wird (das Mantelende, der Vorſchuſs); bei
Metallgiegern der Theil der Form, welcher dem Gufswerfe die äußere Geftalt
giebt, entg. dem Kern (die Schale); Bauk, die Einfaffung der Feuereffe über
dem Herd, welche den Raud) auffafjt (der Schurz); Zimmerl, bas Zreppen:
haus; Bergw. dad Sahlband, welches den Erzgang umgiebt; Naturk, eine
Art Kammmufdeln mit ungleichen Ohren 5 der ſpaniſche Mantel, uneig.
eine Art Zuber oder Kübel mit einer ffnung für den Kopf, welcher einem
Verbrecher zur Strafe über den Schultern befeftigt wird; — 3fes. der Man⸗
telherr, ehem, Benennung der deutfchen Ordensherren; das Mantelkind,
vlt. f, ein uneheliches Kind (meil die Mutter ein folches bei der nachmaligen
Zrauung unter ihren Mantel. nehmen muffte, wenn es für echt gelten follte) 3
die Mantelfirfche , eine Art braunrother Kirfhen, die unter.ihren Blättern
wie mit Mänteln bedeckt Hängen; der Mantelſack, ein länglicher, gew. leber:
ner, zum Zuſchnüren oder Sufchnallen eingerichteter Reiſeſack, vergl. Felleiſen;
mantelweit, Bw., weit wie ein Mantel; — Ableit. maͤnteln, ziel Zw.
nur in dem abge, bemänteln, ſ. ®.
Mantel, w., M.-n, 1, oberd. f. Föhre, Kiefer; — 2. Schiff, ein
Tau an dem oberen Blode eined Takels, an welchem die Laſt hängt, welche
in die Höhe gebracht wird; daher der Mantelblock, ein Block, um welchen
eine Mantel fährt; das Manteltafel, mit einer Mantel verfehenes Tafel,
Mappe, w., M. -n (aus dem Iat. mappa, Tiſch-, Zellertuchz wegen
der Ähnlichkeit mit einem zufammengelögten Tiſchtuch), eine Schriftentafche,
Papiertafche,
Mar, m., 1, Mahr, |
mar ode mär, Bw, (altd, franz, mür) oberd, F. muͤrbe, veif;
daher maren, ziellof. Zw, f, durch L iogen milrbe werden.
marachen oder maraden, ziel. und rüdz, Zw. (wahrſch. von dem alten
marah, Mähre, Pferd), gem, niederd, f. abmatten, ermüden, abarbeiten
(gleichſ. durch Pferdearbeit),
Maraͤne, w., M. n, f. Muraͤne.
Marbel os. Marwel, auch Mäcbel, m.,-8, od. der Marbelftein, landſch
gem, f, Marmor; bef, Marmerkügelden; maxbeln, iet, Zw. f. marmeln,
marmorivenz; mit Marmorfügeldyen ſpielen.
Märchen, f., ſ. Mährden.- , R
Marder, m., 28, M. w. E. (altd. marter; landſch. gem. auch das
Mahrd; ſchwed. —— bin, maar; angelſ. heat; engl, marten , franz.
——— Marelle — Mark 128
martre; d, d. lat, martes), ein kleines, braunrothes vierfüßiges Rau bthier
aus dem Wiefelgefchlecht, deſſen Fell ein gutes Pelzwerk giebt: der Baum—
oder Feldmarder, auch edler Marderz und der Stein = oder Hauemcırderz
daher die Marderfalle, das Marverfell, der Marderpelz, das Mirrders
gar, Netz zum Marderfangs die Marderwurzel , das Schlangenhol z.
Ä Marelle, w., M. -n (verderbt aus Amarelie), landſch. eirıe Art
großer faurer Kirfchenz auch eine Art Fleiner gelber Aprifofen,
Mareſſe, w., Mi -n, Fiſch. eine Art Fleiner Silebgarne,
Margarethe, ws, nd, M. -n (aus dem grich, ueoyaotıns, Tat, mär-
garita, ‘Perle, melde Wörter jedoch urſpr. deutſch oder doch dem anızelf, me-
regröt, althochd. merigrioz,d, i. Meergries, Meerftein, verwandt ſchei—
nen), ein weiblicher Vornamen, gem. adgek, in Grete, Gretden, od,
3905. in Meta; der Margarethenapfel,die Margareihenbirn, eine Apfel:
u. Bien: Art; die. Maraarethenblume, Mestiebe, Gänfeblumez d ie Mar-
garethennelfe, eine Art in Büſcheln wachſender Gartennelken.
Maͤrgel, m., ſ. Mergel; — maͤrgeln, 3w., ſ. mergeln.
Maria, wi, -&, oder Marie, -nd, M. -n, weiblicher Vornamen
hebr. Urſprungs, Zandfch, gem, verkürzt ins Merge, Mieke, Mätte:, Miedt,
Miez 2c,; insbeſ. Chrifti Mutter; die Jungfrau Maria; daher: ivas Mas
rienbild, das Marienfeft oder der Marientag, jeder dee Iungfr au Maria
gewibmete Feſttagz der Marienapfel, eine Art frügreifer Apfelz das Ma—
rienbad, Scheidek. ein mit Waſſer gefültes Gefäß, in welches ein anderes
Gefäß gefest wird, in welchem etwas deſtillirt werden follz die Marienblume,
Gänfeblume oder Mätiebe; die Mariendiftel, Frauendiſtelz der Marien—
Dorn, gemeine wilde Rofes das Marieneis od, =glas, fd, w. Fremenglas;
der Marienfaden, f. v w. Sommerfaden, ſ. d.z der Marienflachs, Flachs—
krautz dad Mariengloͤckchen, Waldglockenblume; dad Mariengraö, weißer
oder Holunderklee; Aderfpergel; wohlriehendes Darrgras; bandarticy geftreif:
tes Gras, Bandgras, buntes Gras, gem, Margengrasz der Marriengro=
fchen, eine niederd, filberne Scheidemünze, 8 Pfennige an Werth, auf welcher
ehem, ein Marienbild geprägt wars der Mariengulden,, eine Silhermünge
von 20 Mariengroſchen; der Marienkäfer, kleiner Sommerkäfer, gem, auch
Marienhuhn od, =Fälbehen; die Marierrofe, landſch. f. Maßliebe; Pfingft:
od, Gichtroſez Weinrofe, wilde Hageroſe; Pechnelke; Feld: od. Aderröschen 5
Stech- od. Sammetnelke 20.5 der Marienfchub, eine Pflanze, deren purpure
farbige Blume ein ſchuhähnliches Sonigbehältnifs hat, Frauen oder Pfaffen«
ſchuh (eypripedium L.),
Marile, w., M.-n, landſch. ſ. v. w. Marelle, ſ. d.
Mark 1., ſ., -ed, o. M. (altd. marac, marg; oberd. Marg, niederd.
gem, Marks; angelſ. mearh, engl, marrow, ſchwed. märg, dan, marg; v.
dem altd, maro, oberd, mar, mürbe, weich), die lockere, zellige Maſſe in
den Röhren und Höhlen der Thierfnochen u. in der Mitte der Staͤmme,
Afte und Stengel der Gewaͤchſe (es geht oder dringt durch Mark und Bein,
de i. es macht den tiefften, empfindlichften Eindruck; Mark in den Knoch en ha=
ben, d, t. ftark fein); in weiterer Bed, auch der innere ſaftige Theil mamcher
Früchte, als der Zitronen, Pomeranzen, Weinbeerenz uneig. dad Kräftigfte,
Beſte, Nahrhaftejte, die gefunde Lebenskraft (einem das Mark ausfarıgen ;
das Mark des Landes vi. dal.)) — Hfes. die Markhaut, innere Beinhaut ;
124 Mark
aud) fr Neshautz dad Markholz, markiges Holz; landſch. f. Wafferhotunder,
ober. Balleofes der Mark- oder Markskloß, »Fuchen, die Marktorte,
Kloß, Kuchen, Torte aus Rindsmark; der Mark- oder Markstnochen, ein
Mark, enthaltender Röhrknochen; dad Markkraut, Eppich oder Wafjerpeter:
filie; die Markpalme, eine Art Palmen, deren Stamm ein mehlichtes,
nahrhaftes Mark enthält, Mehl:, Sagopalmes die Marfrispel od. Mark—
rispelftaude, oberd,, ein Staudengewächs im ſüdlichen Deutſchland, deutſche
Tamariske; markvoll, Bw., vol Markes; uneig, Eräftig; Lie Markweide,
der Bohnenbaum ; der Markzahn, vit, f. Backenzahnz; der Markzieher, ein
Werkzeug, das Mark aus den Röhrknochen zu ziehenz — Ableit. markicht,
Bw., dem Mark ähnlich; markig, Bw, Mark enthaltend; uneig, Kraft
habend und verrathend, Fräftig (eine markige Rede), bef, in den bildenden >
Künften dem Harten und Trockenen entg, t
Mark 2., w., M,-en, (goth, marka, altd, marahha, marcha; oberd.
March; ſchwed. märke, engl, mark, franz, marche), urfpr, überh, ein ficht=
bared Zeichen, Kenne, Erinnerungszeichen (gew. Marke); in engerer
‚Bed, 1) Örenzzeichen, Örenze eines Landes oder Bezirks (vergl, das Tat,
margo), aud: die Marfung, ehem, das Gemerk oder Bemerk (Dorf:, Felde,
Holzmark) 3 daher der abgegrenzte- Grund und Boden, Bezirf, Gebiet,
Land (in EN, wie Dänemark, Steiermark, die Mark Brandenburg); jest
gew. nur von Fleineren Bezirken, Grundſtuͤcken, Gemeindeguͤtern az
2) ein Gewicht, fofern es mit einem Zeichen verfehen war, insbef, ein Geld-
und Silbergewicht von 16 Loth oder (beim Golde) 24 Karatz ferner eine -
Rechnungsmuͤnze von verſchiedenem Werth, z. B. eine Mark Lübiſch und eine
Hamburgiſche Mark, etwa = 9 Ggr.; eine Mark Bauco, etwa 11 Ggr.; eine
Bremer Mark = 32 Bremer Grote 2,5 — als Gewicht und Münze bleibt
Mark in der Mehr), nad) einem Zahlw. unverändert, z.B, vier Mark Silhersac, 5
— die Marke, M. -n, (oberd, das Marc) oder Mark; daher das Brand:
mark; island, mark, angelf, mearc; franz, marque), ein fichtbares Zei—
hen, Merkmal, Merkzeichen ; insbef, bei Karten= und anderen Spielen u.
dgl, ein Zeichen, welches die Stelle des Geldes vertrittz daher: der Marker
brief, ſ. v. w. Kaperbrief; der Markepinſel, ein Pinfel zum Zeichnen von
Kaufmannsgütern u, dgl,; — marken, 3w., 1) ziel, (altd, marhan, mar-
chon; franz, marquer), mit einem Zeichen verfehen, zeichnen, bezeichnen,
(gew, mit fremdartiger Endung: markiren;z außer ins brandmarfen);
insbef, mit Örenzzeichen verfehen, abgrenzen (gew. abmarken); 2) ziellos,
Hüttenw, dad Erz market, d. is es enthält mehre Mark Silbers im Zentner;
die Markung, das Marken, Zeichnen, Abgrenzenz dad Orenzzeichen,
die Grenze; aud ein abgegrenzter Bezirk, ſ. v. w. Mark (Forſt-, Feld-,
Holzmarkung 26,)3 daher dad Markungsbuch, ſ. v. w. Flur-, Lagerbuch;
— 3ſetz. von Mark: der Markbaum, Grenze, Lachbaum; das Mark—
ding od, = gericht, ehem, Gericht über Grenzſtreitigkeiten; der Markfrieden,
in Weftphalen: die Sicherheit einer Holzmark gegen willkürliche Benutzung;
der Markgenoſs, landſch. der Theilhaber an einer Dark, bef. an einer Holze
mark; die Marfgerechtigfeit, das Recht, eine umfchloffene Feld- od, Holz
mark zu haben, und die damit verbundenen Gerechtſame; die Markgewaͤhr,
eine Summe in kleiner Münze, die eine Mark an Gewicht beträgt; der Mark⸗
graf, (mittl; lat. marchio, woraus das ital, Marchese, franz, Marquis
Markebrunner — Markordnung | 125
entftanden ift) ehem, ein Graf oder Verwalter eines Grenzbezirkes; fpäter der
Fürft oder Beherrſcher einer Markgrafſchaft oder einer Mark (z. B, die Mark:
grafen von Brandenburg, Baden 2c,);5 die Markgraͤfinn, Gemahlinn eines
Markgrafen; der Markgräfler ‚ Wein aus der vormaligen oberen Markgraf:
ſchaft Baden; markgraͤflich, Bw.; die Markgraffchaft oder dad Mark—
grafthum, die Würde u, das Gebiet eines Markgrafen; der Marfgrofchen,
im Erzgebirge eine Abgabe an die Geiftlichen von jeder Mark Silber; in Schle—
fien f. Kauflehen oder Leihfauf bei neu erfauften Bauergütern (wahrſch. von
marten f, markten, Zaufen); dad Markhaͤkel, landſch. f. Waldhammer
zum Beichnen dee Bäume; der Markherr, landſch. der Grundhere einer Holz—
mark; dad Markkoth, nieverd, eine Art Kothe, deren Befiger Markkoͤther
beißen, weil fie ehemals Theil an einer Holzmark gehabt; die Marklinie,
Grenzlinie; die Marklofung, ſ. Lofung, Loszeichen; landſch. aud eine Art
des Räherrechts, das Gefpildereht, die Marklöfung; die Markordnung,
obrigkeiti, Verordnung, eine Feld- oder bei, Holzmark betreffend; der Mark—
pfahl, Grenzpfahlz das Markrecht, Antheitsreht an einer Holzmarkz der
Markrichter, Richter in einer Dorf= oder bef, Helzmark; die Markfcheide,
der Ort, wo zwei Marken od, Bezirke-an einander grenzen; Bergw, die Grenze
zweier Zehen; dad Markjcheiden oder die Markſcheidung, überh, Grenz:
beftimmungs be, Bergw, die Beflimmung der Grenzen einer Zeche über und
unter der Erde mittelft der unterirdifchen Mefskunftz auch die Abmeffung und
Beftimmung der Grubengebäude unter der Erde; die Markſcheidekunſt; der
Markfcheider, wer diefe Kunft verfteht und ausübt z der Markftein, Grenz
ſtein; das Markſtuͤck, Hamburgiſcht und Lübeckiſche Münze, einfad) zu 16,
doppelt zu 32 Schilling; die Markwage, Hüttenw, eine Keine Wage, worauf
man nur eine Mark wägen Eannz die Markwährung, f. v. w. Markgewähr;
die Markzahl, vlt., eine beftimmte, feſtgeſetzte Zahl; — Ableit, v, Mark:
der Maͤrker, —s, die Märkerinn, M. -en, Einwohner einer Mark,
insbef. der Mark Branbeninw (Kurz, Neumärker ꝛc.); niederd, der <keil-
haber einer Holzmark, Marfgenofs (vergl, In-, Ansmärker); ehem, aud)
f. Feldmeſſer; das Märkerding oder =gedinge, das Gericht Uber die Mär-
ter in Sachen der Mark; der Märkermeifter ‚ ber Vorgefegte der Märker,
Markebrunner, m., -8, eine Urt edeln Rheinweins.
marken, 3w. 1, f, unter Mark 2, — 2. (gem. auch marchen) oberd.
fe marften, kaufen, handeln; daher märfeln, zielloſ. Zw, (gem. aud)
mercheln) f. handeln, dingen, feilfchen; bef, in: abmärkeln, vermürkeln,
Märker, ſ. unter Mark. 2. |
Marketender, m., -3, M. w. E,, die Marfetenderinn, M. -en
(aus dem ital, — v. dem lat, mercari, handeln), wer den Sole
daten im Felde Lebensmittel verfauft, FeldErämer, = främerinn, Felde
wirth oder -koch; die Marketenderei, das Gewerbe, aud das Zelt des
Marketenders; marketendern, ziellof. Zw., Marketenderei treiben,
Markfrieden ‚ :9enofs, =gewähr, Markgraf. — Marklofung,
ſ. unter Mark 2. — Markhaut, =holz, markicht, markig, Markkraut,
⸗knochen, -kuchen, f. unter Mark 1,
Markolf, m., -d, M. -e, landſch. f. Holzhaͤher.
Markordnung, - pfahl, recht, =fcheide, »ftein, -ſtuͤck, f. unter
Mar, — Mar halme, zrispel, Markslioß ⸗knochen ꝛtc., ſ. unter Mark t,
126 Markt — marlen
Markt, m., -ed, M. Märkte, (altd. marchat, markat, niederb. das
Marked; engl, marker, dän. marked; franz. marché, v. d. lat, mercatus,
mercari), eine des Dandeld wegen Statt findende öffentliche zahlreiche
Zufammenfunft von Berfäufern u. Käufern, u. die dazu feſtgeſetzte Zeit,
ſinnv. Mefie, (heute ift Markt; Wochen-, Jahr-, Vieh-, Pferhe:, Holz:
markt 20,5 etwas zu Markte bringen, auch uneig. f. vorbringen, mittheilen;
feine Haut zu Markte tragen, d. i. etwas auf eigene Gefahr unternehmen;
uneig, der Markt des Lebens, d. i. ber Verkehr und das lebhafte Treiben der
WMenſchen) 3 uneig. auch f. Verkauf, Berfauföpreid (einem den Markt ver-
derben), u. f. Einfauf, das Eingekaufte (feinen Markt nach Haufe bringen);
ferner der freie Platz, auf welchem eine folhe Handeld » Zufammenkunft
gehalten wird, Marktplatz (am Markte wohnen; der Heu⸗, Roſs-, Sifd-
markt 2c.); auch ein kleiner Ort, welcher das Recht hat, jährlich ein- oder
mehre Male Markt zu Halten, |. v, w, Marktflecken; — 3fes. dad Marft-
amt, Behörde, welche die Marktpreife beſtimmt und Marktſtreitigkeiten ent
fcheidetz die dazu angeftellten Perſonen heißen: Marftherren; die Markt-
fahne, der Marktwifch, dad Marktſchild oder =zeichen, landſch. ein auf
Märkten ausgeſtecktes Zeichen, nach defien Wegnahme erft die Auflaufer Er-
faubnifs zum Einkaufen haben; der Marftfleden, f. 0, unter Markt; die
Marktfreiheit, =gereditigfeit, dad Marktrecht, die Sreigeit oder das
Recht eines Ortes, einen Markt zu halten; der Marktgang, landſch. f.
Marktpreis; auch der marfigängige Preis; das Marktgeleit, obrigkeitl.
Geleit für diejenigen, welche einen Jahrmarkt beziehen 5 das Marktgut, Markt-
‚ güter, Waaren, welche zum Verkauf auf einen-Markt gebracht werden; Der
Maritheifer, Gehätfe der Kauflente zum Paden u. Fortſchaffen der Marfte
güterz die Marktleute, Peute, welche zu Markte tommen, als Käufer oder
Verkäufer; der Marftmeifter, wer bie Aufficht über die Gute und ben Preis
der zu Markte gebragjten Lebensmittel Hat, der Marktvogt; der Marktplatz,
5, oben unter Markt; der Marktpreis, der Preis, um welden eine Waare
auf dem Markte verkauft wird; der Marktfcheffel, ein obrigkeitlich beſtimm⸗
ter und geeichter Scheffel ald Gemäß auf den Märkten; das Marktſchiff,
ein Schiff, welches zu beflimmten Zeiten zum Behuf der Wocenmärkte von’
einem Orte zum andern führe; der Marktichreier, wer ſeine Geſchicklichkeit
in der. Heilfunft, im Zahnausreißen u, dgl, auf Jahrmärkten öffentlich aus—
ſchreiet uneig. überh. wer feine vorgeblihe Geſchicklichkeit und Vorzüge kauf u.
unbeſcheiden anpreift (fr, Charlatan); daher: die Marktfchreierbude, flimme;
die Marktſchreierei; marktfchreierifch, Bw.;5 der Marktftand, der Stand
oder die Stelle eines Verkäufers auf dem Markte; der Marfttag, ein Tag,
am weichen Markt, bef. Wochenmarkt, gehalten wird; der Marktzoll, Zoll
von den Marktwaaren; — Ubleit, marften, ziellof, 3m. mit haben,
(landſch. aud marken), auf dem Marfte Handel treibenz handeln, din—
gen, feilſchen; auf den Markte Geld löfen, einnehmen.
Markung, w., f. marken unter Mark 2, — markvol, Markweide,
=zahn, =zieher, f. Mark 1.5 Markwage, =währung, »zahl, ſ. Marl 2.
marlen, ziel. Sw,, (vielleicht von dem alten merran, holl, marren, hin:
dern, hemmen), nieberd. Schiff. mit einer Lien befeftigen; die Marlien od.
Marling, M.- en, eine dünne, -getheerte Lienz; dad Marlreep od, =fau,
ein dünnes Zau zum Lufholen der Mitte des Segels; der Marlfihlag, Befe-
ftigung der Lien um ein Zau oder Holz. | ’
Marmor — Marſch 1427
Marmor, m., -d, o. M., landſch. gem. auch Marmer, Marmel (altd.
marmul), Marbel (engl, marble), Marmelſtein (vom lat, marmor; griech.
naguegog v.nagwelgw, glänzen, ſchimmern), ein feiner harter Kalkſtein von
verfchiedenen Farben, bisw, als Sinnbild der Härte (ein Herz von Marmor),
ober des Glanzes und der Glätte (Marmorbruſt u. dgl.)3 — Bes. die Mars
morarbeit; die Marmorader, |. Aders marmorartig, Bw. ; das Mar-
morbild; der Marmorblock; der Marmorbruch od, die Marmorgrube;
die Marmorli lie, eine ausländifdje lilienͤhnliche Blume mit weißlichen Adern;
die Marmormühle, eine Mühle, auf welder der Marmor in Platten ges
‚ Schnitten, gefchliffen und geglänzt wird; Die Marmorplatte; die Marmor-
fänles der -Marmorfchleifer; die Marmorfchleiferei;z der Marmor—
ſchwamm, eine Art Blätterſchwamm z — Ableit, marmorn, Bw. (altd.
REN aus Marmor verfertigt, von Marnıor (ein marmorner Zifch 2c,)5
marmoriren, verdeutſcht: marmeln, ziel. Zw., dem Marmor ähnlich ma=
chen, mit Kleden, Streifen, Adern zc, nad) Art des Marmors verfehen (z. B.
eine Gipswand, Papier u. dgl.); daher: der Marmorirer. *
Marner, m., -$, En w. E. (engl, mariner) vit, f. Schiffer, Sets
mann,
Mars, ſa u. m., En M,-. (dän. und holl. mars) niederd. Schiff. ein
auf den Malen befeftigted Bretkergeruͤſt, welches den Matrofen zum Stand»
plag bei verschiedenen Arbeiten und zum Beobadjtungsplag dient, gew. der
Maſtkorb (das große, das Befane, Fockmars)z daher der Marsgaft, Ma:
troſe, der feinen Platz it, feine Arbeit auf dem Mars hat; die Marslaterne,
Laterne am großen Mars des Anfügrerfchiffes eines Gefhwabers; die Mars—
putting, f. Puttings die Marsrah, Segelftange am Marsfegel; der Mars—
rand, der biete eichene Rand, welder das Mars umgiebt; die Marsrege-
ling, das Geländer an der Hinterfeite dev Marfe auf Kriegsfhiffen; dad
Marsfegel, das zweite, über dem Mars befindliche Segel des großen Maftes;
die Marswand, die an dem Mars befeftigte Wand.
Mari 1., m., —es, M. Märfche, (aus dem franz. marche), der Zug
und bef, der regelmäßige, abgemeffene Gang eines Kriegäheeres, od, eines
Soldatentrupps, Kriegs- oder Heereszug; bef. der Abzug, Abmarfch
Gefehl vn —— erhalten); uneig. auch die Reiſe einzelner Fußgänger;
ferner der Weg, welchen ein ziehended Heer zuruͤcklegt, im engerer Bed.
die Tagereiſe; auch ein Tonſtuͤck zus Begleitung des Marſches der Soldaten,
wie aud) feierlicher Aufzüge (Feſt-, Krönungsmarſch u. dgl); marfch! das
Befehlswort an die Soldaten, wenn fie ſich ſchrittweiſe in Bewegung ſetzen
follen: vorwärts, fort! marſchfertig, Bw., bereit zum Marſch, d, i, zum
Abmarſch; wie Marfchordnung 26.5 marfchiren, zielloſ. Zw., fchritt-
weife, regelmäßig und gemeffen gehen, ziehen, reifen als Soldat oder nad)
Art der Soldaten; uneig. überh, f. zu Fuße gehen, reifen (mit fein, wenn
das Biel bemerkt ift, z. B. das Heer iſt nach Polen marſchirt; mit haben,
wenn die Urt der Bewegung und die Zeit angedeutet wird, z. B. wir haben ben
ganzen Zag marſchirt)z inäbef, f. aufbrechen, jich aufmachen, gem, f. fort=
gehen (m, fein),
Marſch 2. w., M. - en, (gem, auch Maſch; angelf, mersc, engl. Hide;
"franz. marais; verw. mit Meer, Moor, Moraft), niederd, ein niedriger,
fetter, geh Landſtrich, meift am Meere oder an großen Flüffen, auch:
c
128 Marſchall — Martin
dad Marfchland, entg, Geeft; daher der Marſchbauer, Marſchlaͤnder,
Bewohner eines Marſchlandes; die Marſchkrankheit, eine in Marſchländern
herrſchende gefährliche Krankheit, Erntefeuche, Stoppelfieber.
Marschall, m., -ed, M. Marfchälle, (altd. marah -scalh, mar-scalec, °
Marſchalk, von marah, mar, Pferd (vergl, Mähre) und scale, Schalt,
Knecht; mittl, lat, marescalcus; franz. mar&chal), ehem, ein Stallbedien=
ter, Stallmeiſterz dann der Oberaufſeher uͤber den Kriegs- und Hofſtaat
eines Fürftenz ſpäter Titel verſchiedener hohen Ämter, als; Reichs = Erz-
marſchall, welcher auf Reichstagen für die Beobachtung der Ordnung forgt;
Feldmarſchall (1, d,)5 Hofmarfchall, der Auffeher über die innere Haushal—
tung des Hofes und die Hofbedienten; Land= oder Reichsmarſchall, der Vor:
nehmfte unter den Land = oder Reichsſtänden, welcher die Außere Ordnung auf
Land: u. Reichstagen aufrecht erhält 26,5 in weiterer Bed, überh, die gemähle
ten Auffeher und Anführer bei öffentlichen Feierlichkeiten, bef. feſtlichen
Aufzügen; dad Marfchallamt, Amt eines Marſchalls; aud) eine Behörde,
welcher ein Marſchall vorgefegt ift (3. B, das Hofmarfhall: Amt); der Mar—
ſchallſtab, ein Stab als Ehrenzeichen dev Marſchallswürde; die Marfchallse
tafel, eine Nebentafel an Höfen, an welcher nicht: tafelfähige Perfonen von
dem Hofmarfchall bewirthet werden; — der Marftall, —es, M. »ſtaͤlle,
(von gleicher Abftammung mit Marfhall), ein Pferdeitall, jedoch nur gebr,
von den Ställen für die zahlreichen Pferde fürftlicher Perfonen oder anfehnlicher
Gemeinheiten; der Marftalherr, auch Marftaller, -8, af der Vor:
gefegte eines Marftalls,
Marker, w., M.-n (altd, martyra, martra; dv, dem Pe naorügıov,
lat, martyrium, Zeugnifs), ein fehr hoher Grad Förperlicher u, uneig. auch
geiftiger Schmerzen, finne. Qual, Beinz urfpr. v. den Qualen der Glau-
benöhelden, welche die Sriftliche Religion mit ihrem Blute bezeugten (Märtyrer);
in engerer Bed, auch f. Folter; martern, ziel, Zw. (altd, marteron, mar-
tolon, niederd, marteln), einen —, ihm Marter anthun od, verurfachen,
finno, quälen, peinigenz in engerer Bed, f, foltern, auf die Folter ſpan—
nen; uneig. in hohem Grade befchweren, beläftigen, beunruhigen 26, (er
martert mid) mit feinen Sweifeln, Vorwürfen u, dgl); der Marterer, -$,
wer einen Undern martertz der Märterer, - 8, die Märtrerinn, M. -en,
(gew. fr, Märtyrer, altd. martyr, martilari, martirer; niederd, Marte-
ler; v. dem griech, uuorvo, Zeuge), wer um ded Glaubens willen unfchuldig
gemartert wird, ein Glaubenszeuge, Blutzeuge, Glaubensheld; üserh,
wer für eine gute Sache 55 leidet (ein Märterer der Wahrheit); der
Maͤrterertod; das Maͤrterthum (Märtyrtfum), der Zuſtand, das Lei—
den eines Marterers; — Zfetz. von martern u, Marter: Die Marterbant,
Folterbankz «der Marterdorn, die Haferrofe; das Martergeräth; die
Martergefchichtez das Marterholz, Marterbank, Kreuz 2.5 landſch. das
Holz des Heckenkirſchbaums; die Marterfammer, Folterkammer; der Mar—
tertod, Tod unter Martern; qualvollee Tod; martervoll, Bw., qualvoll;
die Marterwoche, die Marterzeit, die Woche od. Zeit, in welcher Chriftus
gemartert wurde; bie Woche vor Oftern (Charwoche), in weldyer das Andenken
an diefe Begebenheit gefeiert wird (fr, Pafjionswoche, = zeit), #
Martin, nu, -8, M. -e (mittl, lat. Martinus, v. Mars?), ein mann
Vornamen, gem, verderbt: Märten, Martel, Mirtel 2,; der Martins-
Märtler — Maſchine 129
abend, der Abend vor dem Martinstag (Martini), welcher in ber röm.
Kirche zu Ehren des heil, Martin (F402) am 11, Rov, gefeiert wird; die
Martinsgans, landſch. eine Binsgans, welche am Martinstage dem Grund:
heren gegeben werden muſs; aud) eine gebratene Gans, die man am Martins:
abend zu verzehren pflegt; dad Martinshorn, landſch. ein Buttergebadenes
in Geftalt eines Horns, das am Martinstag gebaden wird; dad Martinskorn,
landſch. f. Mutterkorn; der Martinsſchoſs, Iandic, eine am Martinstag
zu enteihtende Abgabe,
Märtler, m., —8, M. w. E., bei Köhlenbrenneen: abgelöfchte Koh—
lenbraͤnde aus einem ausgebvannt en Kohlenmeiler,
martfchen oder märtfchen, auch marfchen, ziel, Zw. (vergl, morſch),
oberd. f, quetfchen, zu Brei machen.
Marunfe, w., M. -n (wahrſch. verderbt aus malus Armeniaca ; ; böhm.
‚merunky), landſch. eine Art kleiner, gelber Aprikofen (Marelle) 5 eine Urt
großer runder, gelber oder rother Pflaumen (auch Maronte, Malonke).
März, b, als Merz, m., — es (oberb. - en), m. - € (oberd. -en) (von
dem lat, Martius), der Dritte Monat des Sahres, Lenz-, Fruͤhlingsmo—
nat; der Maͤrzbecher, eine Art im März blühender becherförmiger Narziffen 3
das Märzbier, ftartes, i im März gebrautes und erft im Sommer ausgeſchenk-
teö Lagerbier; die Märzblume, verfchiedene im März blühende Blumen, insbeſ.
die Narziſſe; das Schneeglöckchen; der Huflattich 26,5 die Märzente, gemeine
wilde Ente; die Märzfliege, Eintagsfliege; die Märzgerfte, zweizeilige
Futtergerſte z der Noarbect im März laichender Hecht; der Maͤrzſchein,
Neumond im März; der Märzichnee „⸗2thau x; dad Märzveilchen oder
die Maärzviole , das gemeine, im März blühende Veilchen; die Märzwurz
od, = wurzel, ein Pflanzengefchledt (geum L.) mit einer zu Anfang des Früh—
lings gewürzhaft viehenden, als Arzneimittel gebrauchten Wurzel, aud) Nel-
kenwurzel.
Maͤſch, m. ,-ed, (verw. mit dem lat, mas, ital. maschio), ſchweiz.
famentragender Hanf, entg. dem Simmel,
Maſche, m, M.-n, Verkl. das Maͤſchchen, (altd, masca; niederd,
u, dün. maske; oberd, Mäſchen; engl, maslı, mesh), überh, eine Schlinge,
ein Ring, fofern er mit andern verbunden oder verſchlungen iftz daher ehem,
das Glied einer Kette, ein Panzerring 20.5 landſch. f, die Schlingen der Vogel:
fteller, Dohnen 5 gew, in engerer Bed, die mittelft der Stricknadeln gemach—
tenSchlingen eines Strickwerkes, 3. B, eines Netzes, eines Strumpfes 2c,;
uneig. ein aus Mafchen beſtehendes, geltricktes Werk, insbef, die Außen:
wand an den Fifihergarnen: Ledermafchez in der Lauſitz ein Eleiner von Baft
geflochtener Sad: Maſchel; landſch. auch f. Bandfchleife, Druafte, bei.
am Hute (fr: Eocarde); maſchig, Bw., aus Mafchen beftehendz; be. in
Bfeg. wie eng=, weit=, großmaſchig 2c.
Mafchine, w., M.-n (aus dem franz. machine; v, d, lat, machina,
griech, ungern, urſpr. wahrfd;, verw, mit machen), ein Fünfklich eingerich-
tetes Werkzeug „welches, entg. dem einfachen Handwerkszeuge, die Hauptar:
beit felbft verrichtet, Kunſtwerkzeug „Kunſtgetriebe oder = geruftz; maſchi—
nenmäßig ‚ Bro, nad) Art einer Mafchine, ohne freien Willen und vernünf:
nr Einfihtz; der Maſchinenmeiſter, Auffeher über das Maſchinenweſen,
beſ. bei der Schaubühne, beim Bergw. ꝛc.
Seyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 9
130 Mafe — Ma
Mafe, w., M.-n, Berlt, dad Mäslein, (altd, masa), oberd, f.
Maal, Narbe, Bläschen od. Blatter (z. B. Blattermafe)z; überh. Flecken z
auch die Maſel; daher die Mafel= oder gew. Mifelfucht (altd. misilsuht,
mittl, lat, meselaria; ſchwed. massel, Kräge), alt und oberd. f. Ausſatz;
mafel= oder miſelſuͤchtig, Bw, f. ausſützig z landſch. auch f. grämlich, un:
muthig; maſenbloß, Bw., ohne Maſen; die Mas-erle, eine Art des
Ahorns, welche gew. als Hedenftaude wähft, mit ſchön geflecktem (gemafer:
tem) Holje, au der Masholder, — s6 (altd,. mazaltra), die Masliebe
(verſch. von Maßliebe), Eleiner deutfcher Ahorn, Weiß:, Milchbaum ꝛc. genanntz
maſig, Bw., oberd. f. narbig, fleckig, blatterig; — die Maſer, M.-n,
überh, 0. w. Maſe; insbeſ. wolkichte, geaͤderte Flecken im Holz (engl.
measels)z fehlerhafte Flecken auf der Haut, Muttermaͤler ꝛc.; beſ. die
Mafern, eine mit Eleinen rothen Hautflecfen verbundene Kinderfrankfheit,
auch Mafeln, Fleden, Röthein (niederd, Kitteln), oberd, Urſchlechten oder
Urfchlichten genanntz der Mafer, -8, M. w. E. (altd, masar, ſchwed, ma-
sur), ein Auswuchs od, Knorren an Bäumen; Holz mit Mafern, flam—
migen Flecken oder Adern, Maferholz (vergl. Flader); inäbef, der Ahorn,
die Maserle (f. 0,)5 auch die maferige Befchaffenheit des Holzed; die Ma-
ferbirke, eine Birke mit vielen Mafernz dad Maferholz, maferiges Holz 5
mafericht, Bw., maſeraͤhnlich; maferig, Mafer oder Mafern (Maferflede)
habend; maſern, ziel. Zw., mit Mafern, d. i, Enorrigen Auswüchfen, oder
Maſerflecken, verfehen (die Birke mafert-fid 5 ſchön gemafertes Holz).
Maske, m, Mi -n, (aus dem franz, masque; mittl. lat, mascha, mas-
cara), ſ. v. w. Parve 1. (ſ. d.)5 in weiterer Bed, nicht bloß die eine Perſon
unfenntlich machende Bedeckung des Gefichtd, fondern auch die dazu ge—
hörende Bekleidung des Leibes; uneig. die mit einer Maske befleidete Per—
fon ſelbſt; auch f. Verftellung, erheuchelter Schein (ed war nur Mastez
unter der Maske der Freundſchaft 2c.); der Masfenball, «tanz, das Mas
Eenfeft (fr. Maskerade); maskiren, ziel. u. rückz. Zw., mit einer Masfe
verfehen, beffeiden, finno, vermummenz uneig. f. verhüllen, verftellen,
verdecken.
Masfopei, w., M, -e, (ſchwed. matskopi, holl, maatschappye; dem
Stamme nad = Maatſchaft, f. 8), riederd, eine zu einem Endzweck
verbundene Sefellichaft, bei. Handelsgeſellſchaft, Handelsverein.
Maß 1. f., -e8, Mi -e, (got, mars, altd, maz; angelf, mete, engl,
meat, fihtved, matz franz. mets; vergl. Mus und Maft), alt u, noch oberd.
f. Speiſe, Gericht; daher dad Maßleid, vlt. f. Ekel, Überdruſsz maß—
leidig, Bw, f. Ekel empfindend, ſatt, überdrüſſig; die Maßleidigkeit.
Maß 2., ehem, gew. Maaß geſchr., ſ., -ed, M. -e, Verkl. das
Maͤß hen, (alt, maz, mez; niederd, Mat; vergl. d. lat, meta, modus,
modius; f, auch meffen), urfpr, die Grenze, das Ziel einer Ausdehnung
(einem Biel und Maß fegen); gew. 1) überh, die begrenzte Größe od, koͤr—
perliche Ausdehnung eined Dinges, bef. fofern fie nach dem Berhältnifs
einer befannten Größe beſtimmt (gemeffen) wird (das Maß eines Körpers
ſuchen, berechnen, angeben 26,5 einem das Maß zu einem Kleide u, dgl, neh:
men) 3 auch von der Ausdehnung der Zeit, der verhältnifsmäßig beftimmten
Zeitdauer (Zeitmaß, Silben:, Versmaß); uneig, von dem nach einem gemiffen
Verhältnijs beitinnmten Grade der innern Stärfe, (das rechte Maß treffen,
Maß 131
überfchreiten; in allen Dingen Maß halten; bas überfieigt das Maß meiner
. Kräfte; in vollem, in hohem Mafe, ſ. v. w. Grade), bisw. f. Berhältnifs
(einen nad dem Mafe feiner Verbienfte belohnen; mein Dank fteigt in dem
Maße, wie feine Wohlthaten fich vermehren) 5; 2) die befannte, genau be=
ftimmte Größe, nad) welcher die Ausdehnung eines Dinged beſtimmt od.
gemeſſen wird (Ruthe, Elle, Fuß, Zoll, Acker, Morgen, Scheffel, Metze ꝛc.
ſind Maße verſchiedener Artz Tag, Stunde, Jahr ſind Zeitmaße; richtiges
Maß und Gewicht führen; ein falſches Maß haben; bibl, uneig. mit dem Maße,
womit ihr meſſet, ſoll euch gemeſſen werden); die beſondere Art des Maßes
wird durch näher beſtimmende Zufäge ausgedrückt, als: Längen-, Flächen-,
Körpermaß, Zeitmaß, Wein-, Bier-, Kornmaß; Berliner, Dresdner, Rhein:
ländiſches Maß 2,35 3) in engſter Bed. Benennung eines beſtimmten Koͤr—
permaßes (oberd, gew, die Maß), aud) nerkt. dad Maͤßchen oder Mäf-
lein, gem. Mäßel, in verfchiedenen Gegenden von verfchiedenem Umfang;
insbef, zu trockenen Dingen, vorzüglich Getreide, gew, 4 Mese haltendz
ferner zu flüffigen Dingen, wo es das gemeinfte Kleinere Map ift, meift fo
viel wie ein Quart oder eine Kanne (ein Ma$ Bier, Wein, Milch); landſch.
auch ein beſtimmtes Maß fuͤr Holz ‚= Klafter oder Malter; Hüttenw. ein
Maß Roͤſtholz, ein Haufen oder eine Zahl von 9 bis 10 Scheiten 3 — in dieſer
3ten Bed, bleibt Ma nad einem Zahlw. in der Mehrh. unverändert (z. B. drei
Map Weizenz vier Mag Mitch 2c.); — die Maße, IN. -ın (altd, maza, maze;
oberd, die Maß), alt u, oberd, ſ. v. w. das Maß in allen Bed, u, gewöhnlicher als
dieſes im Hochd. vlt. außer in der.Bed, das richtige Verhältnifd, das rechte
Maß, der Grad, die Art und Weiſe, und zwar nur in den abhängigen
Berhältnifsfällen, wo ed nad) alter Biegungsweife gew. Maßen lautet, z.B,
über die Maße oder Maßen (oberd, auch: aus der Maßen), ſ. v. w. über:
mäßig; in der Maße, wie ꝛc., d. i. in dem Grade, oder auf die Weife, fo
auch das zgef. dermaßen (f. d.), und die abfoluten Genitive: einiger Maßen,
gewiffer Maßen, gew, zgef. einigermaßen, gewiffermaßen, d. i. in einigem
Grabe, auf gewiſſe Artz fo aud) folgendermaßen, folder Maßen oder fol=
chermaßen; befannter, befohlener, verlangter, verabredeter Maßen, di,
dem Befehle, der Verabredung ꝛc. gemäß; Landfch, bezeichnet die Maße aud)
ein Flaͤchenmaß, z. B. für Wiefen und Aderlandz; Forftw, eine abaemeffene
Fläche Buſchholzz; Bergw, eine vermeffene Fläche von beftimmter (in verfchie-
denen Gegenden verjchiedener) Größe, weldje zu einer Fundgrube gehört; —
3fes. von Maß: die Maßgabe, die Angabe oder Beftimmung des Maßes,
der Größe, der Art und Weife; das Verhältnifs (nad) Maßgabe der Umſtände)3
die Maßgebung, die Vorſchreibung des Maßes oder der Urt und Weife (ohne
Mabgebung, gew, unmaßgeblich) 5 auch ſ. v. w. Maßgabe, Verhältniſs; der
Maßhecht, Fiſch. ein einjägriger Hecht, der etwa eine halbe Elle Lang iftz
die Maßkanne, der Maßkrug, =topf, das Maßglas, eine Kanne, ein
Krug 26, der ein Maß fafitz die Maßlade, Schuhm, ein Werkzeug in Geftalt
„einer Lade zum Meffen der Fußlängez die Maßliebe, verfchiedene Pflanzen,
namentlich: die Gänſe- oder Marienblume, Zeitlofe; das Tauſendſchön; eine
Art Wucher- oder Goldblume: große Mafliebe, Sohannisblumez die Dotter-
blumez die Kugelblume, ein Staudengewähs im ſüdl. Europaz vergl, auch
Masliebe unter Maſez maßlos, Bw,, ohne Maß, ein Maß haltend,
finnv, unermefslich z die Maßlofigkeit; die Maßnahme od, Maßnehmung,
9*
182 | Maſſe — Maft
das Nehmen od. Beftimmenlaffen d. Maßes; auch f.v, m. Maßregel; derMaßofen,
Huttenw, ein Schmelzofen, in welchem die Arbeit nad) gewiffen Feuerzeiten (alfo
abgemeffen) verrichtet wird; die Maßregel, eine Regel oder Vorſchrift für die
Art und Weife des Verhaltens; in der Mehrh. f, Handlungsweife, Verhalten,
Berfahren (feine Mafregeln nehmen; andere Maßregeln ergreifen zc,) 3 der Maße
ftab, ein mit einer gewiffen Eintheilung verfehener Stab von beftimmter Lünge
zum Meffen, bei Handw, auch Maßſtock; uneig, f, Maß, Verhättnifs; —
Ableit, maßen, Bdw., vlt, Kanzl, f. indem, weil (vergl, immaßen); ma⸗
Ben, ziel, Zw., vlt, f. meffen, Maß geben, mäßigen, urtheilen; nur in
den Zſetz. anmaßen, muthmaßen; mäßig, Bw,, dad rechte Maß haltend,
entg. übermäßig, unmäßig, finnv, enthaltfam (mäßig tanzen, genießen; ein
mäßiger Menſch; eine mäßige Freude), bef, im Öenuffe der Nahrunge&mittel
(mäßig leben, ein mäßiges Mahl); dad gemöhnliche Maß nicht überfchreitend,
finnv, mittelmäßig (eine mäßige Größe, Wärme, Kältez eine mäßige Forde—
zung, Strafe u. dgl); ein beftimmted Maß oder Gemäß enthaltend (ein
mäßiger Krug, d, i, ber ein Maß fafftz fo auch in Zſetz, wie zwei-, viermäßig) 3
dem Maße oder der Maßgabe eines Gegenftandes entfprechend, finnv, ge—
maͤß, angemeffen, nur in 3fes, wie gefeg=, pflicht-, kunſt-, regelmäßig 2c,3
die Mäßigkeit, das Mäßigfein, die mäßige Befchaffenheitz insbef. dad
Maßhalten im Effen und Trinken; auch f. Mittelmäßigfeit (die Mäßigkeit
der Kälte, des Preifes ꝛc.); die Gemaͤßheit in Zſetz. wie Geſetz-, Pflicht,
Regelmaͤßigkeitz mäßigen, ziel. und rückz. Zw., eine Gade-, ihr dad
rechte Maf oder Berhältnifs geben, darin Maß halten, fie einfchränfen,
mildern (feine Freude od, Betrübnifs, feinen Zornz eine Rechnung, eine Strafe,
gew. ermäßigen); gemäßigt als Bm. f. mäßig, die Mitte haltend (eine
gemäßigte Wärme, Luft zc.)5 fich —, feine Begierden oder Leidenfchaften
einfchränfen, beherrfchen, im Zaum halten (mäßige did) im Zorn, im Trin—
ker u, dgl); die Mäßigung, das Mäßigen, Einſchraͤnken, Mildern;
beſ. die Einfehränfung od. Beherrfehung der eigenen Begierden u, Leiden—
ſchaften; der Maßner, —s, Bergw,, wer eine oder mehre Maßen ges
muthet hat, z. U, v. Fundgrübner.
Mafle, w., M. -n (aus dem lat, massa, franz, masse), jeder Körper
oder Förperliche Stoff nach der Menge feiner zufaminenhangenden Theile be: _
trachtet (eine Stein-, Fleiſchmaſſez die Blut-, Luftmaffe 2); der Stoff,
woraud etwas befteht (eine weiche, fefte, harte Maffe 2c,), bef. ein weicher
Stoff, ein Teig, etwas daraus zu formen; Bildh, ein großer Hammer;
uneig. cin aus gleishartigen Theilen oder Gegenftänden beftehendes Ganzes, ein
Haufen, eine Summe (die Erbſchafts-, Vermögenemaffe u, dgl,; das Volk
erhob ſich in Maſſe; Licht: u, Schattenmaffen in einem Gemälde); maflenhaft,
Bw., eine große Maffe bildend, unbehuͤlflich, ſchwerfaͤllig; maffenweife,
Nw., in ganzen Maffen, haufenweifes mafliv, Bw. (franz. massif) ſ. v. w.
maſſenhaft; insbef. ganz aus Stein oder Mauerwerk beitehend (ein maffives
Haus); von Metallen: dicht, voll, nicht hohl; aud) rein, ohne fremden
Zuſatz.
Maſt 1. m., —es, M.-e od, gew. -en, (altd., ſchwed., dän., engl.
mast; angelf, maest; franz. mät), ein dicker, hoher Baumſtamm, mitten
in der Breite eined Schiffed aufgerichtet zur Befeftigung der Gegelftangen,
Segel und Taue, auf; der Maſtbaum; große Schiffe Haben deren drei: den
u Derre T
Maſt — Mataͤtſche 138
großen od, Mittelmaft, Vorder: od, Hodmaf, Hinter: od, Be
ſanmaſt; Zimmerl, aud) der fenüccht ftehende Baum, welder eine Thurn:
fpige bilden Hilft; — 3fet. die Maftbanf, die vordere am Maft befindliche
Bank auf einem Boote; der Maſtenkoker, f. Koker; der Maftkiimmer,
je v. w. Marsgaft; der Maſtkorb, f. Mars; maftlos, Bw., des Maftes
" beraubt, entmaftetz maftenreich, Bw., viele Maften, Schiffe enthaltend;
die Maftenfpur, Schiffb., eine Zufammenfügung von ſtarken Höljern am
Fuße eines Maſtes; der Mafltop, Sciffb., das obere Ende der Maften und
Stengen; die Maflwange, Schiffb. „ ausgehöhlte lange Stücke Holz auf
beiden Seiten des Maftbaums zu deſſen Befeftigung angebracht; das Maſt—
werk, ſämmtliche Maften und Stengen eines Schiffes; — Ableit. maften,
ziel, 3w,, mit einem Mafte verfehen, gew. nur: bemaſten; maflig, Bw,
einen Maft oder Maften habend, bef. in Zſetz. zwei-, dreimaftig,
Maft 2., w., o. M, (angelf, maest, engl, mast, dän, madsk; vergl,
Map 1, Mus; d, goth, matjan, efienz griech, uuordio, naocozeı, kauen),
urfpr, überh. Speife, Nahrung z jest nur 1) das Futter der Hauöthiere,
womit fie fett gemacht werden, insbef. der Schweine, und zwar in engerer
Bed, die Nahrung, welche fie in den Wäldern finden (Holzmaft, z. B.
Eihel:, Buhmaftzc,; oder Erdmaft, ſ. d);3 Jäg. die Nahrung der wilden
Schweine; 2) dad Fettmachen oder Mäften (Schweine in der Maft haben,
in die Maft nehmen, treiben; Ochfen auf die Maſt fteken, d. i, in den Stall
bringen und mäften); 3) auch die Urt und Weiſe und die Zeit ded Fettma—
chend od. Maͤſtens; — maſt, vlt. Bw., gew, maflig, fett, dick, plump,
ſchwer; maften, ziellof, Zw. m. Haben, ein Nahrungsmittel zum Fett—
werden abgeben (Kartoffeln maften gut); auch fs fett werden; die Maſtung,
ſ. ». w. die Malt, fettmachende Nahrung; ein Gehölz, welches viele
Maſt enthält, Maſtholz; auch f. Maͤſtung; maͤſten, ziel. 3w, (altd,
maston, angelſ. mestian, ſchwed. mätta), fett machen, in die Maſt neh—
men; uneig. gem, einen oder ſich —, reichlich nähren, mit Eſſen u, Trinken
pflegen; die Maͤſtung, das Maͤſten; — Zſetz. die Maſtader, eine Blut:
aber, welde ſich in das Gefäß erſtreckt; daher die Maſtaderſtockung, der
Maftaderflufs (fr. Hämorrhoiden); die Maftbuche, Rothbuche, die Mafts
eiche, NRotheiche, ıfofern ihre Frucht den Schweinen zur Maft dientz der
Maſtdarm (von maft, fettz daher auch Fett darm), ein weiter, dicker
Darm im menſchl. und thier, Körper zur Wegſchaffung des Unraths, After:
darm; die Maftfeder, Eurze, fette Federn über dem Steige der Gänſe, welche
man ihnen auszurupfen pflegt, wenn man fie auf die Maft ftelltz der Mafls
fled, landſch. eine durd) übermäßigen Dünger vorzüglich fette Stelle auf einem
Ader; bie Maſtgans, das Maſthuhn, =Falb, die Maſtkuh, der Maft-
05, das Maftichwein, der Maftvogel, das Maftvieh, Vieh, welches
gemäftet wird; das Maftgeld, Geld für die Mäftung , insbef, was dem Ei:
genthümer eines Waldes für die in demfelben zur Maſt getriebenen Schweine
gezahlt wird, auch der Maftfchilling, das-Maftholz, Bäume, deren Früchte
zur Maftung dienen; auch ein dazu benustes Gehölz, die Maftwaldung ;
die Maftlinde, landſch. die gemeine, breitbrätterige Linde; das Maftrecht,
das Recht, die Holzmaft in einem Walde zu benugenz der Maflwurm, Spul:
wurm, der fih im Maſtdarm aufhält; die Maflzeit, Zeit der Viehmäftung,
‚Matätiche, w., M.-n, in Schtefien eine Art Holzflöfe.
134 Materie — matt
Materie, w., M. -n (aus dem lat, materia), überh. Stoff, Grund—
ftoff, Inhalt, Gegenſtand; gem, f. Eiter; materien, Zw. 1) ziellos gem.
f. eitern; 2) ziel, Handw, dad Meiſterſtuͤck verfertigen, auch materiren
(0, d, mittl. lat, materiare, zimmern, künſtlich arbeiten); daher der Mate—
virer, - 8, Verfertiger ded Meiſterſtuͤckks; dee Materienmeifter, Snnungs:
meifter, welcher der Verfertigung eines Meiſterſtücks beimohnen mufe,
Matjeshäring, m., ſ. Maikenehering.
Matkraut, fe, landſch. f. Geißbart, Geißwedel.
Matratze, gem, Madratze, w., M. -n (von dem ital; materassa,
mittl. lat, mataratium, mataricium; engl, mattress; franz. matelas ; verw,
mit Matte 1.), ein mit Haaren ausgeſtopftes und durchnähtes Unterbett,
Haarpfühl, Haarkiffenz daher matratzen , diel. 3w,, mit Haaren oder
Wolle ausftopfen,
Matrofe, m., -n, M,-n (van, matros, franz, matelor; verw, mit
Moat, Maatſchaft, ſ. d.) ein Schiffädienite leiltender gemeiner Seemann,
Bootsmann, Bootsknecht, niederd, auh Schiffsgaſt; Naturk, eine Art
Warzenküfer, deffen Larve das Eichenholz durchbohrt; and) eine Kegeltute,
matſch, Bw., 1) gem. f. zerquetfcht, zerdrücft, zerricben ; 2) uneig,
entfräfter, völlig geſchlagen, in gewiffen Spielen den ſchimpflichen gänzlichen
Verluſt bezeichnend (matjch werden, einen matſch machen; ital, marcio, eig,
faul); daher der Matſch, -ed, Mi -e, gem. eine weiche, zu Brei ges
drückte Maffe, 3 B. zerdrücktes Obſt; aud der von Näffe durchmweichte
Erdboden; 2) das Matſchſein, der vollige Berluft im Spiel; matfchen,
oberd, auch mätfchen, märtfchen, ziel, 3w,, 1) gem. zu Brei zerdrücken,
quetfchenz 2) im Spiele: matjch machen (ital, marciare); matſchig, Bw,
gem. f. breiig, zerquetfchtz naſs und Fothig (matfchiges Wetter),
Matfchaft, w., f. Maatfchaft.
matt, Bw., Comp, matter, Sup. matteft, (mittelhochd. mat, jedoch
nur vom Schadfpiel, und uneig. f, überwunden, verloren, verdorben; aud)
al3 Hw. der mat; engl, wate, ſchwed. matr, franz, mat; urfpr, wahrſch.
todt, vergl, das lat, mactare, mittl, lat, matare, fpan, matar, tödten;
auch megeln 2c,), uͤberwunden, befiegt, bef. im Schachſpiel (einen matt ma:
hen); in weiterer Bed, Eraftlod, entkraͤftet, ſchwach aus befonderen, zus
fälligen und zwar inneren Urſachen, als Krankheit, Hunger u, dgl,; dadurch
verſch. von dem finnv, müde; uneig, nicht den gehörigen Grad der Lebhaf—
tigfeit oder Stärke habend, ohne die gehörige Wirfung auf die Sinne
oder den Geift, ſinnv. ſchwach, fchaal, fade (eine Matte Stimme; das
Bier ſchmeckt matt; ein matter Gedanken, Scherz, eine matte Schreibart) 5
inöbef. Feinen lebhaften Eindruck auf das Auge machend, wenig Licht oder
Glanz habend (ein matter Schein, matte Augen, Farben 2.5 mattes
Gold, das nicht geglänzt iſt; matt gefchliffenes Glas ꝛc.); — 3feg, matt
blau, Bw., blafsblaus der Mattbunzen, Goldarb, ein Bunzen (f. d.) zur
Bearbeitung folcher Stellen einer getriebenen Arbeit, welche matt erfcheinen
follen; dad Mattgold, die Mattvergoldung; matigolden, Bw, |. 05
mattwarm, Bw,, Tauwarmz — Ableit. die Mattheit, das Mattfein
in allen Bed, von matt (dieMattheit der Farben, des Lichtes, eines Gebankens 2c,) 5
die Mattigfeit, dad Mattſein, doch nur von Perſonen, finnv, Müdigkeit,
Kraftlofigkeit, Schwäche, Entfröftung (die Mattigkeit des Kranken); matten,
Matte — mauen 135
3w., 1) ziellos f. matt fein, matt werden gew. ermatten; 2) ziel, im
Schachſpiel, felten f. matt machen.
Matte, w., M. -n, 1, (oberd, Matzen; ſchwed. matta, .angelf. meatta,
engl, mat; lat, matta), eine grobe Decke von Stroh, Binfen, Baſt od,
grober Wolle, als Fußdecke oder zum Einpaden u, dgl. dienend; daher der
Mattenflechter 2.5 — 2, (niederd. Mäde, Mädland, angelf, maed, engl.
meadow, von mähen), oberd,, beſ. ſchweiz. f. Wiefe; daher die Matten
blume, landſch. f. Dotter- od, Butterblume; der Mattenflachs, f. Wollt:
gras, Wiefenwolle; der Mattenferbel, eine Art Kälberkropf, wilde Engel:
wurz; der Mattenfümmel, f. Wieſenkümmel; der Mattenmeier, vlt,
ein Auffeher dev Wiefenz die Mattenfchrede, f. Heufchrede; die Matten
weide, Kleine Feldangerweide; der Mattkern, landſch. f. Sand: cd, Strand:
Käufer, Heiner Brachvogel (weil er fi) gern auf Wiefen aufhält); — Mattes.
(verw. mit Mafje, Materie), überh, dichter Stoff, Körper; insbef, landſch.
die geroninene oder gefäfete Milch (Räfematten als Mehrh. o. E.; holl.
matte); daher mattig, Bw., landſch., eine verdickte Maffe bildend, ges
vonnen (mattige Milch); fpanifche Matte, eine ehemalige vierecfige
fpanifche Silbermüngze, etwa 1 Thlr. 3 gr, an Werth; — Matte 4.,
landſch. f. eine Vertiefung, 3. B. eine fehlerhafte Beule an einem metallenen
Geſchirr; — 5, landic, f. Made, Motte; 6, f. Metze, Mahlmeke;
daher die Mattenfreiheit, Befreiung von der Verbindlichkeit, ſich die Mahl:
metze abziehen zu laffen,
Mattier od, Matthier, m., -3, M. w. E,, eine Eltine braunſchweig.
Silbermünze, 4 Pfennige geltend (worauf ehem, das Bild des heil, Matthias
geprägt geweſen — ſoll).
Matz, m., 1. Sens, Verkl. Maͤtzchen, niedr., der verſtümmelte
männl, EN, Matthäus oder Matthias; auch Namen fir Vogel, z. B.
Stahre (Stahrmas),
Mab, m., 2. -es, M. Mate oder Maͤtze, (von dem vorftehenden EN,
entlehntz n. X, verw. mit dem ital, matto, engl. mad, närriſch, thöricht),
gem, , von beiden Geſchlechtern: ein einfaltiger, dummer Menſch; landſch.
aud) ein unfauberer, fhmußiger Menfchz bei; als Grundwort in Zſetz. wie:
Plauder:, Spiel-, Saumag 26; die Mabtafche, gem., ein weibifcher, fei-
ger Menfch ; — 3, (wahrſch. von matt) Bergw. eine taube Erd= od. Stein-
art; — 4, (ſ. v. w. Matte 3,) landſch., geronnene faure Milch, welche man
auf Brod geftrichen iſſt, Streichkaͤſe, Kaͤſebutter.
Mat, w., M.Sen, gem, oberd, 1, f nackte Schnee; 2. Enorriger
Holzblock, Klotz (ital. mazza, Keule); 3. Hiindinn, Metze (aud) Mi).
Make, w., M. -n, oberd. der Matzen, (hebr. mazzoth), ungeſaͤuer⸗
tes Brod oder "Dfterfuchen der Juden; — landſch. auch ein Eugelfürmiger
Ballen, ein Knäul Seide; daher die Masenfeide ‚ Seide in Heinen Ballen,
Mauchel, w., M.-n, landſch. fe Stachelbeere.
mauchen oder maucheln, ziellof. Bio. (gem. auch mucheln, maufeln 2c. 5
eltd, muhhan, fiehlen, rauben; vergl, Meuchel, munkeln), landſch. f. heim—
lich thun, verbergen, verhehlen, fehleichen , heimlich nafchen, betrügen.
Maue, w., M. -n (heil, mouw) niederd, f. Arme.
manen od, miauen, zielloſ. Zw. (gem. auch mauzen, miauzen, maunzen2c. 5
, engl, mew, franz, miauler), ein Schallwort, dad Gefchrei der Katzen nachahmend.
136 Mauer — Maufe
Mauer, w., M.-n, Verkl. das Mäauerchen, (altd. mura, mure,
nieberd, Müre; ſchwed. mur, dän, muur ; franz. mur vom lat, murus), eine
von Steinen aufgeführte Wand (eine Mauer auffügren, um einen Ort
ziehen; feft wie eine Mauer); in weiterer Bed, überh, ein Mauerwerk, Ge—
" mäuer (Feuer:, Vormauer ꝛc.); — 3fes. dad Mauerband, der Sims an der
Außenfeite einer Hausmauerz der fteinerne Rand an der Futtermauer einer
Seftung; die Mauerblume, gelbe Levfoje, Lack; der Mauerbrecher, in
‚ der alten Kriegsfunft ein Werkzeug zum Durchbrechen der Mauern, beftehend
in einem mit Eifen befchlagenen Balken, der Sturmbock; der Mauer⸗Eppich
an Mauern hinaufrankender gemeiner Eppich oder Epheuz der Mauerfalk,
ein rothbrauner, in altem Gemäuer lebender Falk, Thurm-, Kirchenfalk ⁊c.;
mauerfeſt, Bw, feſt wie eine Mauer; mit Mauerwerk befeſtigt; die Mauer—
flechte, verfchiedene an alten Mauern wachfende Flechtenarten, bej. die gelbe,
und weiße Mauerflehte; der Mauerfraß, das Verwittern und Mürbewerden
der Mauern; das Mauergrün, der Epheu; dad Mauerkraut, verſchiedene
an und auf alten Mauern wachfende Pflanzen, inebef. das Glaskraut, und der
Attichz die Mauerfrone, bei den alten Römern eine Krone mit Zinken in
Geftalt. der Mauer-Zinnen ald Kopfſchmuck ſtadtbeſchützender Gottheiten, und
ald Ehrenzeichen für den, welder zuerft die feindliche Stadtmauer erftieg; der
Mauerlattich, Mauerhafenlattih, Mauerfalat, an Mauern wachfender
Haſenlattich; die Mauerlüde, Brefge; der Mauermantel, Feſtungsb. ſ.
v. w. Futtermauer; die Mauernachtigall, landſch. f. Blaukehlchen; bie
Mauernelfe, eine Art des Gipskrautes; der Mauerpfau, verderbt aus:
Mauer Epheuz der Mauerpfeffer, eine Art der Hauswurz od, des Haus-
Taubes, auf Dächern wachſendz die Mauerraute, eine Art des Milzkrautes,
welche zwifchen alten Mauern wächſt; das Mauerfalz, ein an alten Mauern
anfchiegendes Mittelſalzz die Mauerfchwalbe, die an Gemäuer niftende
ſchwarze Schwalbe mit weißer Kehle, Stein:, Thurm-, Kirchſchwalbe zc, 5
der Mauerfinter, Sinter, welder entfteht, wenn das ins Mauerwerk ge
drungene Waſſer den Kalk auflöftz der Mauerfpecht, eine Art Eeiner, an
alten Mauern binauffletternder Spechte, auch Mauerklette, Mauerläufer etc.;
— Ableit. mauern, ziel, u. ziellof, 3w., Steine mit einem Bindemittel
zufammenfügen und auf diefe Art ein Werk aufführen oder bauen (einen
Thurm, eine Wand 20,5 er mauert gut, ſchlecht 2c.)5 Zfe$. die Mauerbiene,
eine Art wilder Bienen, welche fid) eine künſtliche Wohnung aus Lehm und
Sand bauen; der Mauerhammer, ein Hammer zum Behauen der Ziegelfteine
beim Mauern; die Mauerfelle, |. Kelle; der Mauerkalk, Kalk zum Mau:
ern; der Mauerfand, grober Sand, welher mit dem Mauerkalk vermiſcht
wirds; der Mauerftein, die Mauerziegel; dad Mauerwerk, jedes ge:
mauerte Werk, Gemäuer; Ableit. v. mauern: der Maurer, -8, M. m. E.
(3985. aus Mauerer), landfih. gem, Mäurer, ein Handwerker, welcher
Mauerwerk macht; auch uneig. f. Freimaurer; daher der Maurermeifter,
zgefel, das Maurerhandwerf, =gewerf ꝛc., gem, verfürzt: Mauer—
mieilter, =gefell 20.5 die Maurerei, der Maurerorden, die Maurerhalle ic,
f, Sreimaurerei zc.
Maufe, w. 1. o. M. (dän. mauke; niederd. Mufe), eine Pferdekrank—
heit, beſtehend in einer eiternden Geſchwulſt an den Feſſeln; auch eine Krank—
heit des Weinſtocks; — 2. M. -n, landſch. gem, f. eine zu dick gerathene
Maul ‚137
‘ .
Speife, dicke Suppe; — 3, (vevi. mit Mücke) oberd. Benennung verfchies
dener Infecten, insbef. f. Blattlaus; Schnafe, Muͤcke z; Kornmade 15
— 4, (von mauden, maudeln, oberb, maufeln), landſch. ein verborgener
Ort, wo man etwas aufbewahrt (Dbft in die Maufe legen); ein heimlich
bei Seite gelegter Vorrath (oberd. auch: der Maufen), beſ. von Obft
(eine Mauke Apfel, aud überh. ein zum Mürbewerden hingelegter Haufen) ;
doch auch erfparted und zuruͤckgelegtes Geld u. dgl.
Maul 1., fe, -ed, M. Mäulerz Verkt. dad Maͤulchen, (alt. mul,
fe, und mula, w.; nieberd. Mut, f., u. Mule, w.; dän. u. ſchwed. mule;
isländ. muli und mauli, verw. mit maula, obesd. mauen, Eauen), 1) eig.
die breite Öffnung an der Vorderfeite des thier. Kopfes, welche vornehmlich
zum Aufnehmen der Nahrungsmittel dient, von allen Thieren, welche keinen
Schnabel haben, (das Maul eines Pferdes, Ochſen, Schafes, Hundes ꝛc.)5
befondere Arten des Maules werden durch eigene Benennungen unterjäieden,
als: Schnauze, Rüffel 20.5 vom Menfchen gebraudht man Maul flatt des
edleren Mund nur in der niedr. Volksſpr. od. in hartem, verächtlichem Sinne
(ein großes, weites, breites Maul habenz das Maul verziehen 2c.), beſ. in
vielen uneig. Redensarten des gemeinen Lebens, als: das Maul auffperren od.
aufreißen, d. i. weit bffnen, bef. als Geberbe dummer Verwunderung; einem
dad Maut flopfen, d. i, ihn zum Schweigen bringenz einem ums Maul gehen,
d. i. ihm fchmeicdhelnz einem nach dem Maule reden, d. i. feinen Reben bei:
ſtimmen; ein lofes, bbſes, unnüßes ı. Maul haben, d. i. dergleichen Reden
führen; das Maut aufthun, d. i. frei heraus reden; Fein Blatt vors Maul
nehmen, ſ. Blatt; ein großes Maul haben, d. i. viel reden, großſprechen;
das Maul halten, d. i, ſchweigen; einem über das Maul fahren‘, d, i. mit
Heftigkeit antworten; in der Leute Mäuler Eommen, d. i. zum Gegenftand ihres
Geſpräches werden; einem etwas ind Maul kauen oder ſchmieren, d. i. es ihm
bis jum Überdrufe umſtändlich vorfagen od. deutlich machen; das Maul hüngef,
d. i. durch Schweigen feine Unzufriedenheit Aufern u. dgl. m.3 2) uneig. etwas
einem Maul AÄhnliches, z. B. Pflanz. der häutige Rand um die öffnung der
Büchſe; Tiſchl. die ffnung am Hobel, durch welche das Eiſen geht; vergl.
auch Lwenmaul; ferner gem. f. eine Perſon hinſichtlich ihrer Faͤhigkeit zu
eſſen G. B. zehn Mäuler täglich zu füttern haben; und Zſetz. wie Leckermaul,
Milchmaul ꝛc.), oder ihrer Art und Weiſe zu ſprechen, in Zſetz. wie Läſter—
maul, Lügenwmaul; oberd. auch f. Kuſs, bef. verkt. das Maͤ ulchen (lat.
osculum)5; — 3fep. der Maulaffe (nerberbt aus Maulzoffenz ſchwäb.
der Maulaufz alfo nicht von Affe), gem. wer mit offenem Munde gafft, ein
— gedankenloſer, müßiger Menſchz ſprichw. gem. Maulaffen feil haben,
» 1. gedankenlos und müßig gaffen, auch als untrb. zielloſ. Zw.: maulaffen;
* Maulchriſt, ein Chriſt, mehr feinen Werten als feinen Handlungen nach,
Scheinchriſt; maulfaul, Bw., faul im Sprechen, ungern ſprechendz der
Maulfreund, wer bloß feinen Worten nah, nicht aber in ber That Freund
it, Bangen=y Scheinfreund; die Maulfreundfchaftz maulfromm, Bw.,
nur dem mündlichen Borgeben nad) fromm; das Maulgatter, Schmied, ein
eifernes Werkzeug, den Pferden das Maul damit aufzufperren ; der Maulheld,
wer ſich ruhmt ein Held zu fein, ohne e3 durd) die That zu beweijen, Zungen:
held, Großfprehers der Maulkorb, ein Flechtwerk, welches man beißigen
Thieren um das Maul legt, Beißkorb; der Maulmacher, alt und Landfc.
188 ' Maul — Maulwurf
wer Andern vergebliche Hoffnungen macht (v. der Redensart: einem das Maul
machen, d. i. ihm leere Verfprehungen machen); maulrecht, Bw., gem. f.
mundreht, ſ. d.5 die Maulfchelle (v. Schalt, ſchallen), landſch. auch der
Maulftreich, ein Schlag mit der flachen Hand auf den Mund und die Baden,
Ohrfeige, edler: Backenſtreich; nıaulfchellen oder mit fremdartiger Endung :
maulfchellivren, untrb. ziel. 3w. einen —, ihm Maulfcellen gebenz die
Maulfverre, f. v. w. Mundklemme; die Maultafche 1. (Taſche — Tatfche,
d. i. Schlag; engl. dash; dan. munddask) ſ. v. w. Maulſchelle; 2. ein großer
breiter, einer Taſche ähnlicher Mund u. eine Perſon mit einem ſolchen; 3. oberd.
ein Gebäck; die Maultrommel, f. v. w. das Brummeifen, f. d.z daß
Maulvoll, gem. f. der Mundvollz das Maulwerk, gem. f. v. w. Maul,
Mund, fo fern er zum Efjen und bef. zum Sprechen gebraucht wird (ein gutes
Maulmerk haben, d. i. die Gabe zu reden); die Maulzange, Schmied., eine
Art Zangen, welche ftatt der Kneipen zwei vieredtige Bleche haben; — Ableit.
maulen, ziellof. Sw. (niederd. mulen), 1) durch mürrifches Schweigen
Unmillen od, Unzufriedenheit äußern, finn= u. ftammo. ſchmollenz 2) landfe.
gem. f. munden, gut ſchmecken, behagen; maulig oder. gew. mäulig,
Bw. , ein Maul habend, nur in Zfeg. dick-, große, hartmäulig zc.
Maul?., fr, —es, M. Mäuler, (altd. mul, engl. mule, franz. mu-
let; von dem lat. mulus) vlt. f. die gem. der Maulefel, die Maulefelinn,
oder dad Maulthier, bibl. auch Maulpferd, ein von einem Efel u. einer
Stute, od, von einem Hengft u, einer Efelinn erzeugtes Thier; beftimm-
ter unterfchieden im legteren Falle: Maulefel, im erſteren: Maulthier;
daher: der Maulefels oder Maulthiertreiber, =ftall 2c.; uneig. beißen
Mauleſel diejenigen Wespen, welche weder Männchen, noch Weibchen
find und die meifte Arbeit verrichten müffen.
Maulbeere, w., M.-n, (nit v. Maul; fondern aus d. lat. morum,
griech. 000» entft. mit Verwandlung des r in 13 altd. murberi, mulberi;
holl. moerbesie; niederd. Mulbeere, engl. mülberry), die faftige, füße,
ſchwarze od. weiße Frucht des Maulbeerbaumes (altd. mur- od. mulboum),
defien Blätter den Seidenwurmern zur Nahrung dienen; uneig. nennt man
Maulbeeren: Fleine Fleifchwarzen an der inneren Oberfläche der Augen:
lieder; eine Art Flügelfchneden‘, und Stachelfchnecfen in Oftindienz —
3fet. das Maulbeerblatt, =holz, die Maulbeerhede, = pflanzung ꝛc.;
die Maulbeerfeige, die große, herzformige Sruht des Maulbeerfeigenbaus
mes in Agypten.
maulen, maulfaul, Maulheld, =Eorb, Schelle, =tafche, = werk,
= zange 2c. ſ. Maul 1.— Maulefel, Maulthier , f. Maul 2.
Maulwurf, m., -ed, M. = würfe, (mit von Maul, fondern von dem
goth. mulda, altd. molta, niederd. Molt, Mull, Müll, lodere Erde,
Staub; daher niederd. Molt: oder Mulworp oder -worm; holl, mol,
molworp; engl. mole, molewarp), ein Eleined, in der Erde lebendes
vierfuͤßiges Ihier, welches Eleine Erdhügel aufwirft: Maulwurfshaufen
oder = hügel (niederd. Multhoop, boll. molhoop, engl. molehill); da
Maulwurfsauge, ein Kleines, ſehr blödes Auge, wie das des Maulwurfs;
die Maulwurfsfalle; der Maulwurfsfang, -faͤnger; die Maulwurfs—
grille, Erdgrille, |. d.5 der Maulwurfskaͤfer, Maikäfer; Zodtengräber
oder Grabkäfer.
maunen — Maus 139
maunen, mauneln, aud mauein, ziellof, Zw., obexd, f. langfam fein,
zaubern, zögern, fich befinnen.
maunzen, zielloſ. 3w,, cberd, f. mauen; mwinfeln, Fläglich thun.
Maurache, w., M. -n, aud) der Mauracer, - -8, oberd, f. Morchel.
Maurer, m., ſ. mauern unter Mauer,
Maus, w., M. Mäufez Verl, das Maͤuschen, oberd, Mäuslein,
(altd, mus; nigderd, und dan, muus; engl. mouse; böhm, mys; lat, mus;
griech. wös) ein zahlreiched Gefchlecht Eleiner, hurtiger, langgeſchwaͤnzter
Säugethiere von verfchiedenen Arten, ald: Haus:, Feld», Wald:, Hafdlz,
Waſſer-, Spis:, Spedmaus ꝛc; in engerer Bed, die gew. afchgraue, fehr
felten weiße Hausmaus, (fprichw, die Maus hat mehr als ein Loc, d, i, Eluge
Leute finden mehre Auswege; er fieht fo finfter aus, wie ein Zopf voll Mäufe
u, dgl, m,); die blinde Maus, ſ. v. w. blinde Kuh, ein Kinderfpielz
uneig. ald Liebkoſungswort fuͤr weibliche Perſonen, beſ. verkl. mein Mäus—
chenz ferner: eine kleine Porzellanſchnecke; ein mit kurzen Haaren dicht
bewachſenes Muttermaal; auch f. Muskel (griech, püs, lat, musculus, d, i,
eig. Mäuschen, wegen Ähnlichkeit ber Geftalt), inöbef, der Ballen am Daumen,
u, der Muskel zu beiden Seiten der Nafe des Pferdes; Schiff, eine zingförmige
Erhöhung oben um das Stag (Stagmans) 5; — 3 ſetz. v. Maus, Maufe, Mäufe:
die Mausader, die Ader an der Nafe der Pferde; der Mausadler od, =aar,
gem, Maufer, auh Maus- oder Mäufefalf, eine Art Falken, die ſich
von Mäufen nähren, Bußaar; der Mausbaum, Faul- oder Stinkbaum;
die Maus- oder Mäufebirn, eine Art langer, gelber Kochbirnen; das
Mäufebrod, Feigwarzenkraut; der Mäufe- od. Mausdarm, Vogelkrautz
Gauchheil, Hühnerdarmz der Mäufe- od. Mausdorn, ein Staudengewächs
mit Stadyeln an den Blätterfpisen, Bruſtwurz, Brüſchz au f. Stechpalme;
der Mäufedred, der Keine rundliche Koth der Mäufe; das Mauseichhörn-
chen, der Siebenfläfer; die Mäuſe- od, Mauserbfe, Erve; die Maus-
eule, gemeine Nachteulez mausfahl, =grau, mausfarbig, Bw., von
der afchgrauen Farbe der Hausmaus; vie Mauſe- oder Mäufefalle, eine
Falle zum Fangen der Hausmäuſe; der Mausfifch, eine Gattung Seefiſche;
der Mäufefraß, Beſchädigung durch freffende oder nagende Mäuſe; die
Mäufegerfte, eine Art wilder Gerfte, Taubgerſte, Taubkorn; dad Mäufe-
gift, Gift zur Vertilgung der Mäufe, beſ. Arſenikz dad Mäufe- od. Maus-
gras, eine Pflanze mit fhmalen, grasartigen Blättern und weißen Blümchen,
auch Mäufefhwänzchen, Tauſendkorn 20,5 der Mäufehafer, ſ. v. w. Trespe;
Wind: od, Taubhafer; Müufegerftes dag Mäufeholz, landſch. f. Selänger:
jelieber oder Bitterfüß; und f, Lederholz, ein ameritan, Staudengewähsz der
Mäufe- od. Mauskoͤnig, landſch. f. Zaunkönig; der Mauskopf, Kloſter⸗
wenzel od, Mönchz landſch. f. Dieb (v, mauſen); dad Maͤuſekorn, ſ. v. w. die
Mäufegerfte; dad Mäufekraut, Fadenkraut; einige Arten der Ruhrpflanze;
dad Maufe= oder Mäufeloch, ein von den Müufen gemachtes Loch als Ein-
gang in ihre Schlupfwinkel; dad Mauſe- oder Mäufeneft; das Mäufe-
oder Mausohr, uneig. 1) ein ſchön gebildetes, nicht großes Ohr eines Dferdes,
3. U, v. Haſen-, Efelsohren 26,5 2) gem, verkl. Mausöhrchen od. = öhrlein,
verſchiedene Pflanzen, namentlid: das Vergiſsmeinnicht; die Hafelwurz oder
wilde Narde; einige Arten des Habichtsfrautesz; eine Art des Baldrians; der
Holunderfhwamm oder das Judasohr 2c.; der Maufepfeffer, eine Art des
140 Maufche — maufig
Rofspoleied, als Mäufegift dienendz der Mäufefchwanz ‚, dad Mäufe-
ſchwaͤnzchen „ uneig. ſ. v. w. Mäuſegras; maus- oder mauſeſtill, gew.
maͤuschenſtill, Bw., fo ſtill, wie eine Maus; ver Maͤuſe- oder Maus—
thurm (wahrſch. verderbt aus Mauth-Thurm), ein feſter Thurm am Rhein
bei Bingen; mauſetodt, Bw, (vielleiht von anderm Stamme; niederd.
mursdood), gem, f. völlig todtz; der Mäufewächter, f. v. w. Mausadler;
der Mausweizen, Lolch; der Maufezahn, Maufezähne, uneig, Keine,
ſcharfe Zühne; insbef, die beiden vorderften Schneidezähne im Oberkiefer; die
Maͤuſezwiebel, Meerzwiebelz — Ableit. maͤuſicht, Bw., mausaͤhnlich,
beſ. in Anſehung des Geruches (der Ungerwein ſchmeckt mäuſicht, wenn ſein
Geſchmack an den Geruch der Mäuſe erinnert); mäufeln ‚ ziel, Zw., oberd,
nach Mäufen riechen; maufen, Zw, (niederd, mufen), 1) ziellos, Mäufe
fangen (die Kage maufet gutz bie Kase läſſt das Maufen nicht); daher die
Maufekage (Kinderfpr, Müfe: od, Miefekage), d. i, die maufende Katzez
2) ziel, (in diefer Bed, nit fowohl von Maus abgeleitet, als mit diefem von
gleicher Wurzel ffammend, deren Grundbegriff Heimlichkeit und Stille iftz da=
ber noch oberd, maufen oder-maufden f. leife und heimlich gehen; dän,
musez altd. mosido, Beraubung), gem, et was —, heimlich entwenden,
mit Lift und Geſchwindigkeit ftehlen; Jäg. dad Wild —, d. i. liſtig be=
ſchleichen; der Maufer, 1) wer maufet, ein liftiger Dieb; 2) landſch. f
Doͤbel, Weißfiſch, auch Mäufebeißer,
Mauſche, m., -n, M.-n, oder der Maufchel 1., -3, M. w. E.
(v, dem jüd, EN, Maufhe=Mofet), niedr. verächtl, f, Jude; maufcheln,
ziellof, Zw. mit haben, niedr, jüdifch handeln, ſich benehmen, u, bei. juͤ—
diſch fprechen.
Maufchel 2., m., -d, M w. E., auf Kupferhämmern ein eiferned
Werkzeug zum Richten der Keffel. i
maufen, 3m, 1. ſ. unter Maus; — 2, rückz. Zw., landſch. auch mau⸗
fern, mauftern (oberd, maußen, niederd, muten, mutern, mütern, boll,
muyten, ſchott. moutz franz. muer, engl, mew; ifal, mutarez; althochd.
muzon = d, fat, mutare, überh, verändern, wechfeln), fich —, die äußere
Bedeckung abmerfen und mit einer neuen verfaufchen, nur von Krebjen,
von Seidenwürmern (gew, fid) haufen), und beſ. von Vögeln: die Federn vers
tieren und neue befommen, auch fich federn, raubenz uneig. gem, von
Menſchen: ſich maufen, fic) herausmauftern u. dgl, f. ſich nad) einer Krank
heit wieder erholen; fi) neu und gut Eleiden, herausputzen; die Maufe,
M.-ın, (miederd, Mute, mittl, lat, muta), der Zuftand des Mauſens der
Krebſe u, bef, der Vögel (in der Maufe fein); die Zeit ded Maufend, Maufes
zeitz ein Vogelhaud, in weldes die in der Maufe begriffenen Falken geſetzt
werden; der Maufer, -8, (niederd, Muter, Müter, verderbt: Mutterkrebs),
ein Krebs, welcher ſich maufet od. gemaufet hat z die Maufefeder, Sedern,
welche die Vogel in der Maufe verlieren,
mäufen, ziel. Zw., Schiff, an der ſtehenden Seite eined Befanfegeld
runde Löcher oder Gate machen, welche Maäufegate heißen.
maufig, Bw, der Volkeſpr., nur in der Redensart: ſich maufig mas
hen, di. ſich trotzig, widerfeglih, ungebührlich zeigen, zur —
ſetzen, (gleichſ. das Rauhe herauskehren, wie die Vögel in der Maufe; n, U,
verw. mit dem niederd, mifslich f, unmuthig, zornig.)
maußeln — Meer 141
maußeln, ziellof. Zw. m, haben (gem, auch muffeln), landſch. f. langfam
- und zauderhaft arbeiten; maußlich, Bw., f. zauderhaft, wenig aus—
richtend.
Maute, w., M.-n, od, das Mauterz, Bergw. ein Nierenerz, das
nicht gangweiſe bricht.
Mauth oder Maut, w., M.-en, gem, oberd. Mäut, (goth. mota,
altd. und mittl, lat, muta, poln. myto; urſpr. überh. Gabe, dann Abgabe;
verw, mit Miethe), oberd, f. Zoll von Waaren ; aud) der Ort, das Haus,
wo derfelbe entrichtet wird; daher: der Mautheinnehmer od, Mauthner,
3olleinnehmers mauthfrei, Bw., zolfreis die Mauthfreiheitz die Mauth-
ftatt, Zouftättes mauthen, ziel, Zw., gem. vermauthen, f. dv, w. ver—
zollenz; mauthbar, Bw,, zur Mauth verpflichtet oder geeignet, zollbar.
mauzen, ziellof, Zw., ſ. dv. w, mauen; uneig, gem, f, winfeln, klagen.
Mauzenkraut, f., landih, gem. f. Hundsmelde; der Mauzenz oder
Maunzenftein, landſch. f. Mutterftein, |. d, |
"May, m. ꝛc., ſ. Mais
medern , zielloſ. Zw. mit haben, (oberd, mekezen, mächzen; griech.
unraksır, umrcodeı), ein Schallwort, den zitternden Laut der Ziege nach—
ahmend; der Meder, -8, landſch. f, Bergfinf (wahrſch. von feinem medern:
den Geſchrei).
Meddik, m., -ed, M. -e, auch Meddike, Mettke, Meke, (verkl.
Formen von Made; dan. maddike, fehwed, mark) niederd, gem, f. Regen—
wurm,
Medefüß, fr, —es, landſch. f. Geißbart.
Meer, ſ., Ses, M.-e, Verkl. dad Meerchen, (goth. marei, altd.
meri, mere, isländ. mar, lat. mare, flav, more, franz. mer 26,5 engl,
merc, Sumpf, Ser), überh. eine große Waſſermaſſe auf der Erdoberfläche
ohne merflichen Abfluſs, daher Benennung verſchiedener Yandfeen, als: das
kaspiſche, das todte, das Harlemer Meer 20,5 in beftimmterer Bed, das ganze
große Gewaͤſſer, welches das feſte Land des Erdbodens umgiebt, das
MWeltmeer, die See; (See und Meer unterfcheiden fid, fo, dafs jenes mehr
ben Stoff, diefes die Form und deren Begrenzung bezeichnet; daher fagt man:
feewärts, Seewind, Seemacht, Seereiſe 2c,, entg. landwärts, Landwind ac. 5
aber Merrbufen, Meerenge); auch einzelne, durd näher bezeichnende Zuſätze
unterfchiedene, Theile des Weltmeeres (3. B. das atlantiſche, mittelländifche,
ſchwarze, rothe Meer 20, 5 jedoch die Südſee, Oſt-, Nordfee); uneig, eine
große Maffe, Menge, Fülle (z. 8, ein Nebel:, Duft:, Sandmeer; ein
Meer von Gefühlen, Wonne:, Freudenmeer u, dgl.); — in Bfes. bezeichnet
Meer etwas dem Meere Eigenes, in oder an demfelben Beſindliches, od, über
dasfelbe zu uns Gebrachtes, als: der Meeraal, eine Art großer, im Meere
lebender Yale, Seeaal, Aalſchlange; der Meeradler, See-, Fiſchadler; auch
eine Art Rochen; der Meeraffe, ein Fiſch im rothen Meere und in der Kord:
fee; die Meeramfel, eine Art ſchwarzgrauer, weißgefprengter Amfeln oder
Droffeln, Meerdroffel, Schildamfel; aud) eine Art Lippfifchez meeranwoh⸗
nend, Bw.; der Meeranwohner; die Meeraͤſche oder der Meeralant,
ein Fiſchgeſchlechtz die Meeraſſel, eine Art im Meere lebender Würmer mit
vielen Fühlſpitzen; der Meerball, rundliche Maſſen, die auswendig rauh und
haarig ſind und inwendig Sand und kleine Muſcheln enthalten, im mittelländ.
142 Meer
Meeres meerbeherrfchend, Bw.; der Meerbeherrfcher; der Meerbeißer,
ein blafsgrüner oder fhmugig gelber Seefiſch; die Meerbinde, eine Art
- Bandfifhes der Meerbörs, Seebbrs, z. U. v. dem Fluſsbbrs; der Meer-
braſſen, ein Fiſchgeſchlecht mit langer Rücdenfloffe und fpigigen Zühnen; die
Meerbucht, ſ. Bucht; der Meerbufen, ein Theil des Meeres, welcher ſich
tief in das fefte Land erſtreckt; die Meerdattel, eine Art dattelfürmiger
Steinwufheln; die Meerdohle, eine Art Makrelen; der Meereber, eine Art
Spiegerfiihes das Meerei, eine Art eifdrmiger Meernüffe, ſ. dez die Meer-
eiche, eine Art Meergras im atlantifhen Meere; die Meereichel, eine viel:
Thalige, eichelähntiche Muſchel; die Meerelfter, ein auständifcher, ſtorchähn—
licher Vogel, der von Auftern lebt, Auftervogel; die Meerenge, ein ſchmaler
Strich des Meeres zwifchen zwei Ländern od, Infeln, auch Straße genannt;
der Meerengel, ſ. v. w. Engelfifh 5 der Meerfaben, fadenfürmiges Meer:
gras; die Meerfahrt, Fahrt auf dem Meere, gew, Seefahrt; meerfarben,
meergrün, Bw,, von der fcheinbaren Farbe des Meeres; der Meerfenchel,
eine an den Seefüften wachfende fhiemtragende Pflanze; der Meerfifch, jeder
im Meere lebende Fiſch, gew. Seefiſch, z. U, von Fluſs-, Teichfiſch 2c,3 Die
Meerfrau, dad Meerfraulein, die Meerjungfer, dad Meerwerb, fabet:
hafte Seegeſchöpfe von völlig oder theilweife menfchlicher Geftaltz fo auch: der
Meermann; der Meerfrofch, eine Art großer Fröſche in Amerika; auch
ein Fiſchgeſchlecht: der Froſchfiſch; der Meerfuchs, ein Fiſchgeſchlecht: Spitz
nafez die Meergans, Kropfgansz die Meergegend, Gegend am Meere;
das Meergewaͤchs, jedes im Meere wahfende Gewächs; in engerer Bed, die
Meerftaude oder Hornkoralles der Meergott, die Meergöttinn, die Meer—
gottheit, Fabell., das Meer beherrſchende oder darin lebende Gottheit; das
Meergras, verfhiedene Meergemähfe, namentlich: eine Art Aftermoofe:
Seegras; Tang, Geetang, Waſſerriemen; auch f. Wieſenkraut, Meernelke;
die Meergroppe, eine Art Seefiſche mit Kiemendeckelnz der Meergruͤndel
oder - gründling , ein dem Gründting ähnlicher Meerfiſchz aud) f. Sardelle;
der Meerhahn, eine Art Spiegelfifkes der Meerhafe, ein Fiſchgeſchlecht
mit ftumpfem Kopf und gesähnelten Kiefern ftatt der Zähne: Seehaſe, Lump;
ein im Meere lebender gegliederter Wurm: Sprigling, Seelungez der Meer:
hecht, ein hechtähnlicher Meerfifch; die Meerherrfchaft, Herrſchaft über das
Meer; der Meerhirſch, eine Art Schleie oder Rotzfiſch; die Meerhirfe,
Steinhirfe oder Steinfamen; dad Meerhorn, eine gewundene, einfächerige
Schnee, Meertrompete, Pofaunenfchnede; die Meerhofe, Waſſerhoſe; das
Meerhuhn, eine Art Wafferhühner; au f. Zungenfifh oder Sohle; der
Meerigel, ſ. Seeigel; der Meerjunfer, eine Art Kleiner Lippfifdes das
Meerkalb, j. v. w. Seehund; der Meerfamm, eine Art Serfifche, die mit
gegitterten blauen Streifen gezeichnet find; die Meerkatze, Affen mit langen
Katzenſchwänzen (teil fie über das Meer zu und gebracht werben); Die Meer-
kirſche, Frucht des Erdbeer: oder Meerfirfhbaumes; der Meerfohl, ein
Shotengewähs an den nördlichen Meeren; eine Art Winde: Meerwinde; bie
Meerfrähe, eine Art des Börfes; der Meerkrebs, ſ. Seekrebs; die Meer-
kuh, f. Seekuhz der Meerlattich, das Meergrasz die Meerlerche, ein
Seefifch mit aſchgrauem, grüngeftreiftem Kopfe; eine Art Strandläuferz die
Meerleuchte, ein Ftügelfifh, der bei Nacht Leuchten ſollz die Meerlinfen,
0, E,, ein Kleines Gewächs, deffen runde Blättchen die Oberfläche ftehender
Meer ‘143
Waffer bededen, Eitengrün; die Meermaus, eine Art nadter, gegliederter
Meerwürmer; die Meermelde, eine Art Melde an den nördlihen Meeren;
der Meernabel, eine Art Dedelfhneden mit nabelförmiger Erhöhung; aud)
ein lederartiges Aftermoos auf dem Meeresbobenz die Meernadel, ein Meer:
fiſch, Hornfiſch, Nadelfiſchz auch ſ. v. m, Seenadel, ſ. d.z die Meernelte,
das Wieſenkraut; die Meerneſſel, Schleimthiere im Meere, die ſich an andere
Thiere feſtſetzen; dad Meerneſt, eine Art kugelichter Thierpflanzenz die
Meernufs, eine länglic) runde gewundene Schnedez der Meerochs, eine
Urt großer Rochen; dad Meerohr, einfhalige, ohrfürmige Mufcjelz der
Meerpfaffe, eine Art Helmfifche, deren Augen auf dem Kopfe ftehen, Him⸗
melsgucker; der Meerpfau, eine Art fhönfarbiger Lippfifche im mittelländ,
Meere; dad Meerpferd, |. Seepferd; der Meerpinfel, ein Seethier vom
Geſchlecht der Sandköcher mit mehr ald 300 Füßen und zwei langen Faſerbün—
dein am Kopfe, Meerbartz; die Meerquappe, eine Ast Kabeljau; die
Meerrebe, eine Art der Waldrebez der Meerrettig (wahrſch. niht v. Meer;
fondern von mar, Mähre, Pferd; daher niederd, Marrettig; gem,
-Merrettigz; engl, horse-radish , weil die Wurzel den Pferden gefund ift),
eine Art des Löffelkrautes mit langer, dicker, efsbarer Wurzel von ſcharfem
Geſchmackz dad Meerrind (von Meer f. Moör, Moraft), landſch. f, Rohr:
dommelz; die Meerröhre, Meerſchnecke mit einfacher, röhrenförmiger Schale;
auch eine Art vöhrenförmiger Thierpflanzen im Meere; der Meerfäbel, ein
zu den Meerfchweinen gehörender Fiſch mit langer, ſäbelähnlicher Rüdenfinne,
Säbel-, Schwertfifch; die Meerfau oder der Meerfaufifch, eine Art Hai:
fiſchez der Meerfchatten, eine Art dunkelfarbiger Seefiſchez der Meer-
ſchaum, eig. der weiße Schaum auf dem bewegten Meere; uneig, eine fette,
leichte, gelbliche Erdart im Morgenlande, welrhe zu Pfeifenköpfen verarbeitet
wird; aud) ein nadter Seewurm, &eeblafe; meerfchaumen, Bw,, aus
Meerfhaum gemacht; der Meerfchaumfopf, meerfhaumener Pfeifenkopf z
der Meerſchaͤumer, ehem. f. Seeräuber; dad Meerfchiff, Seefhiffz die
Meerfchlange, im Meere Iebende Schlange; verfchiedene ſchlangenähnliche
Fiſche: Meeraale m Meerſchlangen; die Meerfchleie, eine Art bunter Lipp-
fiſchez der Meerfchmied, eine Art Spiegelfifhes die Meerfchnede, im
Meere lebende Schnecke; die Meerfchnepfe, eine Art Schitöfifche; die Meere
ſchwalbe, eine Gattung Wafferoögel, aud) Mewen genannt, von verfchie:
denen Arten; aud) f. Eisvogel; Bienenfraßz eine Art Helmfifhez der Meer-
ſchwall, die angefchwoliene, bewegte Meerflutyz der Meerſchwamm, im
Meere wachfender Shwamm, ſ. d,5 dad Meerfchwein, gew. =» fchweinchen,
ein aus Amerika über das Meer zu und gebradytes Eleines Säugethier deſſen
Laut dem eines Ferkels gleicht; auch ein Meerfiſch mit einem Rüſſel: Tummler
(Delphin); Braunfiſch; Butzkopf; die Meerſeele, ein ſehr kleiner Meerfiſch;
der Meerſenf, ein ſtacheliges Schotengewächs am Meerſtrande: Stachelſenf;
der Meerſiel, eine Art efsbarer Meerneſſeln; der Meerſpargel, eine an den
Seeküften wild wachfende Spargelartz die Meerfpinne, Krabbe, Garnele;
Tintenfiſchz das Meerftachelfraut, gemeines Salzkraut, Bockskraut; gelber
Fingerhut, Bocksbart; der Meerftint, eine Art Forelenz der Meerftrom,
eine Strömung im Meere; der Meerftrudel od, = wirbel, ein Strudel (ſ. d.)
im Meere; der Meertang, |. Tang; die Meertafche, eine Art Quallen;
der Meerteufel, ein Seefiſch: Meerfroſchz das ſchwarze Wafferhuhnz die
144 Megelkraut — Mehl
Meertulpe, große verfteinerte Meereihel; die Meerwage, ber Hammerfiſch;
das Meerwafler, Seewaffers die Meerwinde, eine Art am Meere wachen:
der röthlicher Winden; der Meerwolf, ein Meerfiſch mit tief geſpaltenem,
großem Rachen: Seewolf, Wolffiſchz aud eine Art Börfes dad Meerwun—
der, eine wunderbare Erfcheinung im Meere, ein fabelhaftes Meergeſchöpf;
in weiterer Bed. jede feltfame, fehr feltene, jonderbare Erfcheinung oder Be:
gebenheitz die Meerwurzel, am Meere wachſende bläulihe Mannstreu; die
Meerzunge, eine Art wohlſchmeckender Plattfiſche, Sohle; die Meerzwiebel,
ein im füdl, Europa am Meereöufer wachſendes Zwiebelgewüchs, deſſen große
Zwiebel als Arzneimittel dient, auch Haspelwurz genanntz daher der Meer—
zwiebeleffig,"=faft 0.5 — Meeres lautet das erfte Glied der Zſetz. nur
dann, wenn eö zu dem Grundworte wirklid im Genitiv-Verhältniſſe fteht,
3. B. der Meeresboden, Boden des Meeres; die Meeresfläche, Oberfläche
des Meeres; ſo auch: die Meeresfluth, Meeresgegend (verih. Meerge—
gend, f. o)3 der Meeresgrund; die Meereskufte od, das Meeresuferz
die Meeresftille, Meerestiefe, Meereswelle od, =woge 2.5 — Ableit,
meericht, Bw., felter, dem Meere aͤhnlich, nach Meerwaſſer ſchmeckend
oder riechend; meeriſch, Bw., zum Meere gehörend, nur in den Zſetz.
über: u, untermeerifd,
Megelkraut, f., eine Pflanze, zum Geſchlecht des Sperberkrautes ge:
hbrend.
Megerkraut, ſ., ein Pflanzengeſchlecht mit ſternförmigen Blättern, Blut—
ſtille, Sternkraut ꝛce; eine Art Malven; auch f. Waldmeiſter.
Mehl, ſ., —es, Di. -e ungebr., (altd, melo, G. melewes; daher alt—
oberd. Melb; angelſ. melev; engl, meal, ſchwed. mjöl, dän. meel; von
mahlen, ſ. d.) überh, etwas Gemahlenes, zu Staub Zermalmtes (z. B.
Ziegelmehl, Wurmmehl, ſ. d.z gegrabenes Mehl, ſ. v; w. Bergmehl) 3 insbeſ.
die in der Mühle zu einem feinen Pulver zermalmten Getreidekoͤrner, Dülz
fenfrüchte 2c. zu Brod und anderen Epeifen gebraugt (Roggen-, Weizenz,
Gerften:, Bohnenmehl 26); — 3ſetz. die Mehlbahn, Müll. die innere Seite
des Laufes mit dem darin befinhlihen Mehlez die Mehlbank, ein Theil des
Müuͤhlengerüſtes über der Dede; der Mehlbasen, landſch. Bergw., ein meh:
lichter Kalkſtein; auch weicher Spedftein; der Mehlbaum, 1) Müll, ein an
der Seite der Zarge angebradtes Stud, worin ſich das Mehlloch befinbetz
2) verfchiedene Gewähfe, namentlich: eine Art des Hagedorns, mit ſilberfar—
bigen, wie mit Meht beftäubten Blättern und vothen, mehlichten Beeren, auch
Mehlbeerbaum, Meerkirſchbaum, Speierlings- oder Sperberbaum 26:
Her Weißdorn, auh Mehldornz der Schlingbaum, aud) Mehlbeerbaum,
Mehlſtrauch, Faulbaumz die Mark» od, Sagopalme; amerikaniſcher u.
afritan, Mehlbaum od. Mehlſtrauch, ein Straud mit einer mehlid-
ten Steinfrucht, die eine zweifächerige Nuſs enthält; Eleiner Mehlbaum,
eine Art des Gerberſtrauches; die Mehlbeere, die mehlichte Beere des Mehl:
baum genannten Hagedorn, des Weißdorns, des Schlingbaums; aud fr
Preißelbeere, wilde Sohannisbeere, Sand: oder Moorbeere, und Vogelbeere;
der Mehlbeerbaum oder -ſtrauch, ſ. Mehlbaum; der Mehlbeutel, der
Beutel, durch welchen dad Mehl in der Mühle gebeutelt wird; die Mehlbirn,
eine Art mehlichter Birnen 5 landfch, aud) f. Mehtbeeres die Mehlblume, eine
Art Shlüffelblumen, deren Blätter unten wie mit Mehl beſtreut — HT
£ Meyhl⸗
mehr Tr
Mehlbohrer, Bergw., ein Bohrer, mit welhem das Bohrmehl aus. bem
Bohrloche gezogen wirds; der Mehlbrei oder dad Mehlmus, aus Mehl ges
tochter Breiz der Mehlvorn, fe Mehlbaum; dad Mehlfaße, ein Faſs zu
Mehl; verkt. das Mehlfaͤſschen , uneig. landſch. f. Mehlbeere, auch Belle
hofe; der Mehlfäfschendorn, eine Art Mispelnz der Mehlfleck, Kü
aus Nudelteig gefhnittene unregelmäßige Stückchen; der Mehlhaͤndler, Bi
mer; der Mehlkäfer, ein Käfergefchlecht mit ganzen Flügelbeden, welches
fi gern im Mehl aufhält, auch Hausfchabe genannt; bie Larve desfelben: der
Mehlwurm; der Mehlkalk, Staubkalk; der Mehlkaſten, Kaften zur Auf:
bewahrung des Mehles; der Mehlkleifter oder =leim, aus Meht und Waffer
gelochter Kleifter, Pappe; der Mehlkloß, f. Kloßz dad Mehlkraut, Geiß:
bart oder Sohanniswedel; dad Mehlloch, Müll. der hölzerne Gang, durch
welchen das zeemalmte Getreide in den Beutel fällt; die Mehlmeife, Afchmeife
mit weißgrauem Kopfes; die Mehlmilbe od. = miete, im Mehle lebende Milbes
die Mehlmühle, new. Mahlmühle, ſ. d.5 die Mehlmutter, landſch. f. das
Mutterkorn; dad Mehlpulver, zu einem Mehl zerriebenes Schiegpulver, 3.
U. v. Kornpulverz der Mehlſack, ein zur Aufbewahrung und Fortſchaffung
des Mehles dienender Sad; der Mehlfand, feiner Sand; die Mehlfchabe,
eine Art Schaben, die fich in Stuben u. bef. im Mehle aufhält, Stubenfhabez
dad Mehlſieb; die Mehlfpeife, iede aus Mehl bereitete Speifes der Mehl-
ſtaub; der Mehlſtrauch, ſ. Mehlbaum; die Mehlſuppe; der Mehlteig;
der Mehlthau (altd. militou, engl. mildew, holl. meltau; oberd. Miltau
f. Mehl = und Honigthau; wahrſch. nicht von Mehl, fondern d. goth. milith,
griech. zelı, lat. mel, Honig, alfo urfpr. = Honigthau, wovon es erft
in neuerer Zeit nad) der vermeintlichen Abſtammung von Mehl unterſchieden
wird), ein weißlicher, ſchleimichter oder ſtaubichter Überzug auf den Blättern
ber Pflanzen, welcher denſelben ſchaͤdlich iſt, verſch. v. dem klebrigen Honigthau,
ſ. d.5 mehlweiß, Bw., weiß wie Mehl; mehlweißer Zeig, bei Pfeffer:
küchlern ein aus Roggenmehl u. Honig gebadener und mit Mehl geroliter Teig;
daher dad Mehlweißchen, landſch. ein Eleiner Honigkuchen von ſolchem Zeigez
das Mehlweiß, öftr. eine an fandigen Orten wachjende Pflanze von harıttrei-
bender Kraft; der Mehlwurm, f. Mehlkäfer; der Mehlzuder, die aus dem
gekochten Zuckerſaft angefchoffenen Zucertheile, Roh-, Küchenzucker (fr. Farin:
zuder); — Ableit. mehlicht, Bw., dem Mehl ähnlich (mehlichte Früchte,
deren Fleiſch mehr troden und körnig, als faftig it); mehlig, Bw. » Mehl
enthaltend, mehlreich; mit Mehl beftaubt, bedecktz
mehr, Nw. und Bw, (aus mehzer zgez. Comparativ vomeinem früh ver:
lorenen Pofitio ma, mah, groß, viel, wozu der Superl. meift, aus meh-iſt
zgez., gehört; goth. mais (vergl. das lat. magis), altd, mer, mera, m£re,
abgef. m&; angelf. ma, isländ. meira, meir, engl. more, dän, meer) gilt
der Bed. nad) für den Comparativ von viel (f. d.) und bezeichnet überh. eine
größere Menge od, innere Staͤrke; insbeſ. fteßt es 1) als Nw. eine größere
Menge oder Anzahl bezeichnend (z. B. funfzig Thaler mehr bietenz feit mehr
als vier Wochen; er ift mehr als dreißig Jahr alt; viermal mehr, viel mehr,
etwas mehr 2c.)5 einen höheren Grad der inneren Stärke, größeren Werth, .
Vorzug (3.8. man mufs Gott mehr gehorchen, ald den Menſchen; mehr gelten,
als ein Anderer; man mufs nicht mehr feinen wollen, als man iftz id) liebe
ihn. mehr, als je; er ift mehr zu bedauern, als ich; je mehr, befto mehr,
Hepfe’s Handwörterb, d. beutichen Spr. 2. Theil. 10
146 mehr
f.je; mehr und mehr, d. i. in immer höherem Grade; das ift nicht mehr
als billig, d. i. es ift nur billig und nichts darüber; es ift mehr ald zu gewiſs,
ſ. v. w. es ift nur zu gewifs, d. i. gewiffer, als dem Nedenden lieb iſt); auch
zum umfchreibenden Ausdrud für den Comparativ eines Bw., wo derfelbe
nicht üblich ift (3. 3. fei Tünftig meines Rathes mehr eingedent), u. bef. wenn
die Vergleihung unter zwei Beiwörtern Statt findet (z. B. er war mehr
todt, ald lebendig; mehr groß, als Eeinz mehr blau, als roth 2c.)5 ferner
zur Bezeihnung einer Wiedechelung, Fortdauer oder Fortſetzung, ſinnv.
wieder, länger, ferner, weiter (z. B. willſt du es mehr thun? er ſündigte
immer mehr), bef. in Verbindung mit einer Verneinung (er hat es nicht
mehr gethan; fo au: niemals mehr, nimmermehrz cs ift Niemand mehr das
ſprich kein Wort mehr; id) habe nichts mehr; es regnet nicht mehr 2c.)3 _
2) hauptwörtlich oder als felbftändiges Sachwort, eine größere Menae
oder Vielheit bezeichnend, entweder für fich allein (3. B. das ift mehr, als
ic) brauche; ich habe oder er gab mir mehr, als ndthig iſt; er befommt nicht
mehr, als du; mehr will ich nichtz er weiß mehr, als ih), oder mit dem
_ Genitiv der Sache (z. B. mehr des Guten; mehr folher Leute; es kommen
ihrer immer mehr; ich habe des Zeuges mehr, als ich brauche) , ftatt deſſen
auch das Bw. non ſtehen kann (z. B. mehr von diefer Waare); 3) al Bwi,
und zwar a) ungebeugt mehr, in Verbindung mit einem Hw. zur Bes
zeichnung einer größeren Menge oder eines höheren Grades (3. B. mehr Geld;
mehr Einfichten u. Kenntniffes mehr Ruhe; mehr Glüd, ald Verftand haben;
bisw. aud) nachgeſetzt, z. B. folche Leute mehr; fo geht's mit andern Dingen
mehr); b) gebeugi: mehrer, mehre, mehred, M. mehre, oder
gew. mehrerer, mehrere, mehrered, M. mehrere (goth. maiza,
‚vergl. d, griech. uellwv; althochd. mero, mittelhochd. mere, merer; u. daneben
althochd. meriro, mittelhocyd. merre, zgez. aus merere), feltner verglei-
Hungsweife (relativ) oder als wirklicher Somparativ (in weldher Anwendung
jedenfalls mehre, mehres zc. vorzugieben iftz z. B. es find heute mehre
Menſchen da, als geſtern; es find Mehre meiner, als deiner Meinungs; ein
Mehres über diefe Sache künftig; Kanzl. des Mehreren, als abfoluter Gen.
f. umſtändlicher, weitläufiger)5 gew. ohne Vergleihung (abfolut) zur
Bezeihnung einer undbeftimmten Mehrheit oder Menge, ſ. v. w. mehr ald
eind, ſinnv. einige, etliche (in welcher Anwendung der herrſchende Gebrauch)
noch immer mehrere 2c. vorziehtz z. B. es waren mehrere (b. mehre) Perfo:
nen da; ich habe mit Mehreren darüber gefprochen 5 ic) hatte ihm Mehreres zu
ſagen; es ift fchon mehrere Male gefchehen. — Will man die Form mehrere
in diefem Falle beibehalten, und nicht überall mit mehre vertaufchen: fo läſſt
ſich zwifchen mehr, mehre und mehrere ein dreifacher Unterfchied der Bed.
feftftellen, 3. B. die Staaten des alten Griechenlands waren mehr Kleine, als
große zu nennen; das alte Griechenland enthielt mehre Eleine, als große
“Staaten, d. i. eine größere Anzahl Eleinerer 2c.5 Griechenland beftand aus
mehreren Keinen Staaten; u.dgl. m.); — mehreft, gew. zge3. mehrft, der
die, das mehrfterc., Superl. zumehr, b, meilt, der meilte ac, ſ. d»
und oben unter mehrs; das Mehr, —es, M. -e, bef. oberd: f. die Mehr—
heit, die größere Anzahl, bef. Stimmenmehrheit (durd das Mehr gewählt!
werden); auch f. Stimmenfammlung, Abjtimmung (zum Mehr fchreiten) 5
— Bfeg. v. mehr: mehrdeutig, Bw., mehr als eine Deutung zulaffend;
*
Mehrbraten — meiden 147
die Mehrdeutigkeitz mehrfach od. » fältig, Bw. u. Nw., mehrmals getheilt,
genommen, wiederholt; die Mehrhaberei, vit. f. Habſuchtz mehrjährig,
Bw., mehre Jahre alt od. dauernd; der Mehrmacher, wer durch nicht immer
rehtmäßige Mittel feine Einnahme zu vergrößern, ſich zu bereichern fucht (Neum.
f- das halbfremde: Plusmacher); mehrmals, (oberd. mehrmalen), Nw.,
mehr als einmal, zu mehren Malen, finnv. öfters; mehrmalig, Bw., mehr:
mals feiend oder gefhehend; mehrfeitig, Bw., mehr als eine Seite habend;
die Mehrfeitigkeit; mehrfilbig, Bw., aus mehr ats einer Silbe beftehend,
entg. einfilbig; die Mehrfilbigkeitz der Mehrtheil, ver größere Theil;
mehrtheilig, Bw., mehre Theile enthaltend oder daraus beftehend; die
Mehrtheiligkeitz mehrentheild, Nwe, dem mehren, d. i. größeren, Theile
nad), ‚finnv. größtentheils, meiftentheilö; der Mehrwerth, der größere Werth,
der Überfhufs an Werth; die Mehrzahl, die größere Zahl cder Menge;
Sprachl. f. v. w. Mehrheit (fr. Pluralis); — Ableit. mehren, ziel. Zw.
(altd, meron) alt u. dicht., mehr machen, der Zahl und Menge nad) ver—
größern, gem. vermehren (bibl. feid fruchtbar u. mehret euch); rückz. ſi ch —,
an Zahl u. Menge, auch an Ausdehnung od. innerer Stärke zunehmen,
wachfen (die Zahl feiner Kinder mehrt fihz feine Einkünfte mehren fi);
Recent. eine Zahl —, mehrfach nehmen (fr. multipliciven); oberd. auch
ziellos: mehren (von dem Hw. das Mehr, f. 0.) f. durch Stimmenmehr-
heit befchließen; der Mehrer, -8, die Mehrerinn, M. -en, wer etwas
mehrt, vermehrt oder vergrößert (dev Mehrer meiner Qual; ehem. im Titel
des deutſchen Kaifers: „allezeit Mehrer des Reichs”, verfehlte Überfesung des
lat. semper Augustus); die Mehrung, 1) dad Mehren, Vermehren;
Rechenk. f. d. fr. Multiplications 2) (wahrfd. von anderm Stamme, verw.
mit Meer, Moor ze.) oberd. f. Abzucht, Abzugsgraben, Schleufez mehrers,
Nw., oberd. f. mehrfach, oͤfters; die Mehrheit, 1) der Zuftand des mehrs
fahen Seins, das mehrfache Dafein oder Vorhandenfein, entg. Einheit z
bef. Sprachl. die mehrfache Zahl (Mehrzahl) eines Wortes dem Begriffe und
der Form nad), in legterem Sinne auch die Mehrheitsformz 2) die größere
Anzahl oder Menge, Mehrzahl, Überzapl, entg. Minderzahl (z. B. bie
Mehrheit der Stimmen).
Mehrbraten, m., r. Mörbraten, f. d.
mehren, ziel. Zw., 1. f. unter mehr; — 2, (verw, mit d. griech. zeoos,
welgouer) vlt. und landſch. f. theilenz daher: admehren f. abtheilen, ab:
finden (abgemehrte Kinder).
mehrfach, Mehrheit, mehrmals ꝛc. — Mehrzahl, f. unter mehr.
meiden 1., ziel. Zw. (altd. midan, angelf. mithan; niederd. miden, da:
her midern, Bw. f. fhüchtern, enthaltfamz altncrd. mida, bewegen,
wahrſch. die Grundbebeutung des Worts), ablaut. Impf. mied, Conj. miede;
Mw. gemieden; einen oderetwad—, eig. ihm aus dem Wege gehen,
fih aus feiner Gegenwart oder Nähe entfernen (die Stadt, das Land meiden
müffen); ehem. auch f. ſich verbergen, verborgen fein; gem. fich davor huͤten,
einer Sache zu entgehen fuchen, ſich deren enthalten, fie unterlaffen,
finnv. vermeiden, fliehen (eines Menſchen Umgang, die Sünde ꝛc. meiden).
meiden 2. ziel. Zw. (verw. mit mähen, isländ. meida) vlt. f. fchneiden,
bef. verfchneiden, entmannen, daher der Meide oder Meiden, -8, vlt. f.
ein verfchnittened Pferd,
10*
148° mein — Meile
meien, ziel. Zw., niederd. f. mähen, ſchneiden.
Meier 1., m., —8, M. w. E., ehem. auch Meyer geſchr. (oberd. Maier,
Mair; von dem lat. major, daher das franz. maire; verw. mit mehr), ein
Vorgefeßter, in verfhiedenen befonderen Bed.: 1) im Mittelalter der oberfte
Pfalzgraf der fränfifchen Stönige (Major domus oder Comes Palatii) 3 auch
f. Haushofmeilter (Bausmeier) 5 2) in Städten chem. eine vornehme, obrige
keitliche Perſon, welche die hohe Gerichtsbarkeit ausübt, finnv. Vogt, Schulte
heiß (franz. maire)3:3) jegt der Borgefeßte der Landwirthſchaft ſowohl einer
ganzen Gegend, als bef, eines einzelnen Landgutes od. Bauergutes, woruber
er gegen einen jährliihen Lohn die Auffiht führt (Hofmeier, Vogt, Feld:
vogt 2c.)3 4) niederd. der Beſitzer eined unfreien Bauerguteö, Zindbauer,
Erbzinsmann, je nad) der Größe feines Gutes: Vollmeier, Halbmeier, oder
Kothſaſſez — Bfes. der Meierbrief, die Urkunde, in welder ein Meier
(Binsdauer) mit einem Meiergute beichnt wird; dad Meierding , niederd. 1)
ein Gericht Über die Meierz 2) ein Vertrag zwifchen einem Gutäheren und
Meier, dad Meiergedinge; das Meiergut, der Meierhof, f. u. Meiereiz
das Meierlehen, f. v. m. Meiergedinge, aud) f. Meiergut; der Meierzing,
ber Zins, den ein Meier dem Gufsheren entrichtet; — Ableit, die Meierei,
M.-en, ehem. der einem Meier, d. i. vornehmen Beamten,’ untergebene
Bezirk; auch das Amthaus eines Meiers (franz. mairie); jest ein kleines,
von einem Meier bewirthſchaftetes Sandgut, bei. als Vorwerk neben einem
Hauptgute, Meiergut, Meierhofz auch ein unfreied Bauergut, Zinsbauer—
gut; die Meierinn, Frau eined Meiers; meiern, ziel. Zw., zum Meier
machen, nur in dem abgel. bemeiern.
Meier 2., m., -6, M. w. E., aud der Meierich, -8, verfchiedene,
wild wachfende Wlanzen, namentlih: das Gauchheilz das Vogelfraut (Bo:
gelmeier); das Lab: oder Megerfraut, auch Meierfrautz das Kraut vom
Mangold oder der Beete; eine Art des Behen, -beerentragendes Behen; die
Beermeldez der fleine Meier, eine Art Tauſendſchön, Eleine Melde, and)
Meierkraut; die Meierblume, Pechnelke; — der Meier 3. eine Urt
Spinnen, der Weberknecht; — 4. (v. d. niederd. meien, fejneiden) ein
aus Holz gefchnittenes Trinfgefäß, nur in dem zgef. Birfenmeier, f.d.
Meile, w., M,-n (altd. und angelf. mila, nieberd, Mile, engl. mile,
ital. miglia 20.5 von dem lat. mille, taufend, milliarium, eine Ausdehnung
von 1000 Schritten), ein großes Längenmaß zur Meffung weiter Ausdeh—
nungen, in verfchiedenen ändern von verfchiedener Größe; insbef. die gemeine
deutfihe Meile: gegen 23000 Parifer Fuß, ziemlich übereinftimmend mit der
geographifchen Meile, deren 15 auf einen Grad gerechnet werden; eine eng=
liche Meile; etwa Z deutfihe Meile zc.; im gemeinen Eeben häufig in Verbin-
dung mit d. Gen. Weges (zwei Meilen Weges 2..); — Bfes. meilenbreit,
⸗zhoch, =lang, =tief, Bw., eine ober mehre Meilen breit, hod) 20.5 Mei
lenweit, Bw., fich eine od. mehre Meilen weit erftredtend, eine od, mehre Mei-
len entfernt; dad Meilenmaß, Längenmefung nah Meilen; das Meilen»
vecht, das Recht eines Ortes, dafs in dem Umkreife einer Meile um denfelben
gewiffe Nahrungszweige nicht betrieben werden dürfen, oudh: der Meilen
zwang; die Meilenfäule, der Meilenftein, Meilenzeiger, eine Säule,
ein Stein, ein Pfahl x. dgl., worauf die Zahl der Meilen von einem Drte zu
einem andern bemerkt iſt; die Meilenzahl ıc.
Meiler — mein 149
Meiler, m., -8, M. w. E. (niederd. Miler; ſchwed. mila, böhm. miljr;
poln, mogila, wend, mohl, Hügel; franz, meule, Schober; vergl, Malter),
urſpr. überh, ein Haufenz jegt nur ein runder Haufen anf einander ges
ſchichteten Holzes, welcher zu Kohlen gebrannt wird: Scheitelmeiler,
wenn er aus Scheiten, Klöppelmeiler, wenn er aus Klbppeln beftehtz
die Meilerdede, die Dede von Erde, womit der Meiler bedeckt iſt; das
Meilerholz, zu Meitern beſtimmtes Hols- die Meilerkohle; der Meilerz
koͤhler, wer. das Holz in Meilern verkohlet, z. U, von Grubenkbhler; die
Meiterftätt, «ftätte, »ftelle, der Platz, wo ein Meiler ſteht oder geſtan—
den hat, |
mein (got), meina, altd, min), alt und dicht. gew. meiner, der Gen.
des perſoͤnl. Fuͤrw. ich, ſ. d. (5. B. vergifs mein nicht; ex fpottet meinerzc.) 3.
in Zſetz mit halb, halben, wegen, willen fteht ftatt mein od, meiner:
meinet: meinethalb, meinethalben, meinetwegen, um meinetwillen,
d. i. wegen meiner, um meiner (felbft) willen; meinethalben u, meis
netwegen drücken im gemeinen Leben oft Gleihgültigteit aus, z. B. meinets
halben mag er kommen, d, i, idy habe nichts dagegen, es ift mir gleichgüttig,
dafs er komme.
mein, meine, mein, zueignendes Fuͤrw. der einheitlichen erften Per⸗
fon, (entft, aus dem Gen, mein des perfont. Fürw. ich; goth, meins, altd,
u, nieberd, min, engl, my, mine, lat, meus), gebeugt: Gen. meines, mei—
ner, meines; Dat, meinem, meiner, meinem; Acc, meinen, meine, meinz
Mehrh. Nom, und Acc, meine; Gen, meiner; Dat, meinen; mir eigen od.
gehoͤrig, mich angehend oder betreffend, von mir ausgehend oder herz
ruͤhrend (3. B. mein Haus, meine Gefunöheit; meine Altern, Kinder; mein
Werk ꝛc.); oft in der Anrede als Ausdruck der Unhänglichkeit, der engen
Verbindung, der Vertraulichkeit (mein Freund, meine Liebe, meine lieben
Freunde, mein Herr; fo audh: mein Gott! als Iebhafter Ausruf); auch zur
Bezeichnung eines entfernteren Zufammenhanges (z. B. mein Land; in meiner
Stadt, d. i. in der Stadt, wo ich geboren bin oder wohne; mein Held, bt,
der Held, von dem id) rede, u, dgl, m.); — als Prädicat einem Haupt: od,
Fürw, beigelegt bleibt mein unverändert, 3. B. das Haus, der Garten ift
mein; biefe Bücher find mein, d. i. gehören mir; nicht aber: gehören
mein! fo aud: fie ift mein; mein ift der Ruhm 20,5 ohne frradjliche Ver—
bindung mit einem Hm, , doc in Beziehung auf ein genanntes od, gedachtes,
lautet es: meiner, meine, meined, M. meinez wofür aud) der,
die, dad meine od, meinige, M. die meinen od, meinigen, gebraucht
wird (3, B, dies ift nicht dein Hut, fondern meiner, oder auch: der meine od,
meinigez find dies deine Bücher, oder meine? auch: die meinen od. meinigen)5
dad Meine oder Meinige, als felbftändiges Hw. f. mein Eigenthum,
Vermögen; ; auch meine Schuldigkeit (das Meinige iſt gerettet; ich habe das
Meinige gethan 2c.); die Meinen oder Meinigen, f. meine Angehoͤ—
rigen, Verwandten; — dad Mein f. das Eigenthum überh,, der perfüns
liche Beſitz (über das Mein und Dein ftreiten); — mein! oberd, u, jüdiſch.
Empſindungswort (auslaff. f. mein Lieber! oder mein Gott!), eine Bitte od,
mit Verwunderung ausgeſprochene Frage begleitend (3.3. mein, fag an! mein!
wie ift das möglich ? u, dgl); — meinerfeit3, Nw,, von meiner Geite, was
mich betrifft,
150 EN Mein — meifchen 1
Mein, m, u. ſ. (goth. main, Schade; iländ, u. altd. mein, m. 5 altoberd,
das Main, niederd, Meen, ſchwed. men) vit. fe Schaden, Schmerz, Ger
brechen, Fehler; Frevel, Verbrechen, Bosheit, Falſchheit; daher vlt,
Bfeg. wie: Meincath, böfer, falfcher Rath; Meinthat, übelthat,
Verbrechen; Meinfpradhe, Läfterung, Schmähungz Meinbote, falfher
Bote; Meinfrieden, Meinkauf, betrügerifher Frieden, Kauf, u, dal, m, ;
jest nur noch gebr. der Meineid,, ein mit Wiffen und Vorſatz geſchworener
falſcher Eid; aud die wifjentlihe LÜbertretung des eidlich Verfprocenen, der
Eidbruchz meineiden, untrb. ziel, Zw., vlt. einen —, ihn des Meineides
beſchuldigen; meineidig, Bw,, eines Meineides ſchuldig; einen geleifteten Eid
vorſätzlich übertretend z auch als Hw, ein Meineidigerz die Meineidigkeit. ,
meinen, ziellof, u. ziel, Bw, (goth. munan, altd, meinan, oberd, mainen,
niederd, meenenz iöländ, meina, ſchwed. mene, engl, mean; von der ſanskr.
Wurzel man, denken; vergl, mahnen, Mann, Menſch; d, gried, urdo, nınyjozw,
lat, me-mini, erinnern; griech. wevos, lat, mens, engl, mind, Geift, Ge:
müth 2c.), urfpr, überh, im Sinne haben, denfen, gedenken, fich erinnern;
jegt insbeſ. dafuͤr Halten, urtheilen nad) perfünticher (Tubjectiver) Anſicht cder
Empfindung, ohne die Wahrheit des Urtheils zu behaupten, finnv, glauben,
denken, vermuthen, (ich meinte, er wäre dein Freund; was meinen Sie
dazu? wenn Sie meinen, d. i, wenn Sie es für gut, vathfam haltenz das will
ih meinen, d. i, dad meine ich allerdings); im Sinne haben, mit feinen
Morten andeuten oder bezeichnen, fagen wollen (wen oder was meinft du
damit? dich meine ich nicht, d. i. auf dich bezieht fic) meine Rede nicht; jo war
es nicht gemeint, d. i. das wollte ic) damit nicht fagenz wie meinen Sie? f,
was fagen Sie?); eine gewiffe Gefinnung gegen Jemand hegen, in Ver:
bindung mit es u. einem Nw. (er meint es gut, aufrichtig, treu ze, mit mir ꝛtc.;
c8 war nicht bbſe gemeint; auch uneig. von leblofen Dingen, 3. B. „der Ofen
meint ed gut”, wenn er heiß ift und ſtark wärmt); in diefem Sinne beſ. die
Mw. meinend und gemeint als Bw, (3. B. ein wohlmeinender Freundz
ein gut gemeinter Rath u, dgl.)5 ferner f. willens fein, wollen, bef, Kanjl,
gemeint ſeinz ehem, fi winnfchen, begehren, gern haben, lieben (4. B.
ich meine fie von Herzen); — die Meinung, M. -en, das (fubiective) Ur—
theil, die perfönliche Anficht von einer Sache (eine Meinung haben, hegen;
einer Meinung feinz ic) bin der Meinung, dafs 26.5 er war nicht meiner Mei:
nung; feine Meinung behaupten, ändern ꝛc.; einem feine oder die Meinung
fagen, d. i ihm fagen, was man meint oder denkt, und bef. ihm Vorwürfe
machen, einen Verweis geben; uber Meinungen freiten 5 gelehrte Meinungen 2c,) 5
der Sinn, die Abfiht, die Öefinnung (das war nicht meine Meinung 5 ic)
that es aus guter Meinung); Kanzl. der Willen, gew. die Willengmeinung ;
3feg. der Meinungsgenof5, wer eines, Andern Meinung theiltz der Meis
nungsglauben , ein nur auf Meinungen gegründeter Glauben, Wahrfchein:
lchkeitöglaubenz der Meinungsfrieg, =flreit, =zwifl, ein Streit 2, über
Meinungen; die Meinungsmwuth ıc. -
Meiran, m., gem. f. Majoran, ſ. d.
meifehen, ziel, Bw, (engl, mash, dän, mädske; verw, mit mifchen), überh.
durch Umruͤhren vermiſchen; gew. nur Brau. das Malz; —, dasſelbe, nad:
dem heißes Waffer darauf gegoffen, mit dem Meifchholz od, der Meiſchkruͤcke
umruͤhren; der Meiſch, -e8, M.-e, (landſch. gem, auch Möſch, Mätſch)
Meife — meift Bu"
dad gefchrotene und mit heißem Waffer vermengte Malz; aud) dad mit
Waſſer und Hefen vermifchte Malzfchrot, woraus Branntwein gebrannt
wird; bſtr. der noch nicht Iautere Wein; der Meifchbottich, das Meifchfafs,
die Meifchkufe, Bottich ꝛc., worin das geſchrotene Malz eingemeifht, di,
mit heißem Waſſer vermifcht wird; die Meifchung, dad Meifchen.
Meife 1. w., M.-n, Verkl. dad Meidchen, (altd, meisa; niederd.
Meeske; angelf, mase; engl, muskin, tit-mouse; franz, m&sange), ein
Gefchlecht Eleiner Singvögel mit dünnem, pfriemenförmigem Schnabel, von
verfhiedenen Arten, als: Blau:, Brand:, Grauer, Hauben:, Kohl-, Rohr:,
Schwanzmeife 20,5 der Meifenfang, das Fangen der Meifen, und der Ort,
wo es gefchieht; die Meifenhütte, Klobenhütte zum Meifenfang; der Meis
fenfaften,, eine Kalle zum Zange der Meifen und anderer Eleiner Vögel, aud)
Meifenfchlag, Vogelklippe; der Meifenkloben, ein Kloben zum Meifen:
fang; der Meifenkönig, die Sumpf: oder Graumeife; auch f. Zaunkönig;
u, eine Art grüner Srasmüden, Mind, Meiſenmoͤnch; die Meifenpfeife,
eine Eleine Pfeife, womit man die Meifen locktz der Meifentanz, ein mit
Sprenkeln behängtes Geftell zum Meifenfang,
Meife 2. w., M.-n (altd. meisa; oberd, Mais; ſchweiz. Mehfe), vlt.
ein Geftell zum Tragen auf dem Ruͤcken, Tragreff.
Meiß, m., —es, M. -e (von dem goth, maitan, altd. meizan, oberd,
maißen, ſchneiden, hauen), landſch. Forſtw. |. v. w. Hau, Öchau, Schlag;
daher: abmeißen, in Meiße theilen.
Meißell. m., -3, M. w. E., Verkl. dad Meißelchen, (oberd,
Maißel; von gleihem Stamme mit Meiß, ſ. d.5 vergl, metzeln, Meſſer zc.),
ein ſchmales Eifen mit langem Heft zum Schneiden, Hauen, Stechen,
Abſtoßen und Aushoͤhlen, bef. mit Hülfe eines Schlägelö, kei Bildhauern,
Tiſchlern, Drechslern, Rlempnern, Schloffern 20.5 der Meißelbohrer, Bergw.,
ein eifernes Werkzeug mit meißelförmiger Schneide zum Bohren des Geſteins;
‚meißeln, ziel, und ziellof, Zw., mit dem Meißel arbeiten, oder etwas aus—
arbeiten, bilden; auch f. fchneiden, befchneiden (4. B. die zu langen Ohren
der Pferde; v. d. vlt. meißen).
Meißel 2. w., M.-n (oserd, der Maifel, ein beim Spinnen zufam:
mengerollter Faden; fih maifeln, vom Zwirn: zufammenlaufen, fi) aufs
rollen), ein Baͤuſchchen od. Wickelchen von gezupfter Leinwand (fr, Charpie),
in die Wunden zu legen, gew. die Wieke; die Meißelmunde, eine Wunde,
zu deren Heilung man Meifeln gebraucht,
meift, der, die, das meifte, Bw. (goth. maists, altd. meist; angelf,
maest, engl. most, ſchwed. mest; gried), zuiysoros, lat, maximus, der größte;
vergl. mehr), der Bed, nad) Superl, von viel, mehr, den hoͤchſten Grad
der Menge und der inneren Stärke) bezeichnend (die meiften Menſchen, die
meifte Zeit, das meifte Geld, das meifte Anſehen 2,); auch als Hw. die Di ei
ften, d. i. die meiſten Menſchen; das Meifte, d. i. die größte Menge,
Zahl, Summe; am meiften als. Nw. f. im höchiten Grade, in der
größten Anzahl; gem, auch f. am häufigften, (3. B. ex leidet am meiſten;
es geſchieht am meiften im Sommer); meift od. meiftens, Nw., dem größten
Theile nach, größtentheild, gemeiniglich (ex ift meift fertig; ich bin meiftens
zu Haufe); meiftentheild, Nw., dem meiften Theile nach, in den meiften
Fällen, gemeinigiih, landſch. auch meiftmals; meiſtbietend, Biw., das
152 Meifter.
Meifte bietend bei Verfteigerungen (etwas den Meiftbietenden verkaufen; une,
meiftbietend verkaufen),
Meifter, m., -8, M. w. E., die Meifterinn, M. - en (altd, meistari,
ſchwed. mestare, engl, master; von meift, wie das lat, magister v, magis,
daher ital, maestro, franz, maltre), überh, wer unter Mehren am meijten
vermag, wer an Macht, Stärfe, Gewalt, Vorzuͤgen Andern Überlegen
ift (den Meifter fpielenz einen für feinen Meifter erklären; feinen Meifter fin
ben; einer Sache Meifter werden, d, i, fie in feine Gewalt bekommen); insbef,
der Vornehmſte, Vorgefegte, Vorfteher in Zſetz. wie Bürgermeifter, Forſt-
Hof-, Jäger-, Keller, Poſt-, Schagmeifter 20.5 der Geſchickteſte, Aus—
gezeichnetſte, vollkommen Unterrichtete und Erfahrene in einer Kunſt oder
Wiſſenſchaft (ein Meifter in feinem Faches eine Meifterinn in der Mufik ꝛc.;
fein Meifter wird geboren), beſ. ein Kuͤnſtler, im Gegenfas des Werkes (Ge:
mälde von berühmter Meiftern; das Werk lobt den Meifter); ein Lehrer im
Gegenfaß des Schülers (Chriftus, unfer Herr u, Meifter; ein Schul, Sprach-,
Sing-, Schreib-, Recenmeifter u, dgl,, jeht gew. Lehrer); ein Hand—
werfer, der ausgelernt u. dad Recht erworben hat, Lehrlinge u. Gefellen
zu halten (Meifter und Gefellen; ein Tiſchler-, Drechsler-, Schneider:,
Schloſſermeiſter 20.); daher aud) bei den Freimaurern : wer den dritten Grad
des Ordens hatz wenn er einer ganzen Loge vorfteht; Meiftervom Stuhl;
landſch. in beſ. Bed, f. Feldmeiſter, Abdecker; — 3fes. die Meifterarbeit,
das Meiſterbild 2c.; das Meiſtereſſen, Handw,, eine Mahlzeit, welche ein
neuer Meifter den übrigen Meiftern giebt, auch dad Meifterbier; das Mei-
fiergeld + die Meiftergebühr, Handw., das Geld, welches derjenige, welcher
Meifter wird, an die Zunft bezahlt; der Meiftergefell, Handw., ein Gefel,
welcher bei der Wittwe eines Handwerkers die Stelle des Meifters vertritt; die
Meifterhand, die Hand und uneig. die vorzügliche Geſchicklichkeit und Kunſt
eines Meifters (ein Kunſtwerk von Meifterhand) ; der Meifterjäger, an Höfen:
geſchickte Jäger, welche dem Range nach auf die Jagdjunker folgen; der Mei—
fterfnecht, der vornehmſte Knecht eines Schafmeifters; ıniederd. der oberfte
Bediente in einer Fabrik; landfch, der Knecht eines Abdeckers; die Meifterlade,
Lade der Handwerker (f. Lade); meiſterlos, Bw., Eeinen Meifter. habend,
ohne Auffeher, unbeherrſcht; das Meifterpfund, ein fchweres Pfund der
Wollweber; der Meiflerpinfel, der meifterhaft geführte Pinfel, die vorzüg-
lie Gefhidlichkeit eines Malers; das Meifterrecht, das Recht, ein Hand: -
werk als Meifter zu treiben; landſch. auch f. Meiſterſtück; der Meifterfanger
od, finger, Meifter od, überh. Mitglied einer zunftmäßigen Singeſchule, der:
gleichen feit dem 14ten Sahrhundert in mehren deutfhen Städten beſtanden;
ihre Lieder heißen Meifterlieder, =fange oder -geſaͤnge; die regelrechten,
Eünftlichen Weifen derſelben: Meiftertöne; die ganze Zunft: Meifterges
noſſenſchaft; der Meitterftreich, ein von der Erfahrung und Geſchicklichkeit
eines Meifters zeugender Streich; dad Meifterftük, überh. das Werk, die
Arbeit eines Meifters, bef. deffen vorzuglichfte Arbeit; Handw. die befonders
künſtliche Arbeit, welde ein Gefell verfertigen mufs, um Meifter zu werden;
der Meifterfiubl, der Stuhl od. Sig des Meifters, beſ. bei den Freimaurern;
der Meiftertag, Handw,, Verfammlungstag der Meifter eines Gewerkes;
dad Meifterwerf, ein meifterhaftes Werk, bef. Schrift: oder Kunſtwerk;
die Meifterwurz oder » wurzel, eine ſchirmtragende Gebirgspflanze mit einer
Melb — Meliffe 158
gewürzhaften, Heilfräftigen Wurzel, Kaiferwurz (imperatoria L.); ſchwarze
Meiſterwurzel, eine boldentragende Pflanze, aud) Oftrih, Oſtranz; der
Meifterzug, ein meifterhafter Zug (f. d); — Ableit. die Meifterei,
landſch. f. Feldmeiſterei, Abdeckerei; meiftern, Zw. (altd. meistron) 1) ziel,
etwas oder einen —, überh. fih zum Meifter dariiber machen ; daher
ehem, f. bewältigen, beberrfchen, bezaͤhmen (feine Begierden, ſich felbft —,
gew, bemeiſtern); jetzt gew. als Meifter mit dem Bewufftfein überfegener
Einfiht beurtheilen, tadeln, beſ. als vermeinter Meifter ungebührlid) ta=
deln (Bott —); ehem, auh etwas — f. verfirtigen, machen; 2) ziellos,
den Meriter oder Lehrer fpielen, lehren, bef. in dein zgeſ. fhutmeiftern z der
Meifterer, -5, wer etwas meijtert, d, i, als Kenner tadelt; meiſterhaft,
Bio. und Nw,, einem Meifter gemäß, eines Meilterd würdig; die Mei—
fterhaftigfeit; meifterlich, Nw. u. Bw., nad Urt eines Meiſters, mei—
ſterhaft; die Meifterfchaft, der Zuftand, die Würde, die vollendete Ge—
ſchicklichkeit und Kunſt eined Meiſters; insbef. der Stand eined Hand
werfemeilterd; aud die Gefamnitheit der Meifter einer Zunft; das Meise
ſterthum, vlt., die Eigenfchaft und Wuͤrde eines Meiſters.
Melb, fe, — es, oberd. fr Mehl (ſ. d,)5 daher der Melber f. Mehle
händler,
Melde, w., M.-n (landfch. gem, Melte, Milte, Melles altd, melda,
dän. meld; verw, mit mild?), ein Pflanzengefchleht, welches Zwitter: u,
weibliche Blumen auf einer Pflanze zeigt, mit verfchiedenen Arten, als: die
eföbare Gartenmelde; gemeine oder wilde Melde, auch Miſtmelde; ftraudhar:
tige Melde im füdlichen Europa (Meerportulak) ; einige Arten des Gänſefußes,
Zwittermelde; ftinfende oder Hundömelde (f, d.) ꝛc.
melden, ziel, 3w. (altd. meldon, angelf, meldian ; ſchwed. mäla, fprechen 5
verw, mit Mal, Mahl, Zeichenz goth. mel, Schrift, meljan, ſchreiben;
Grundbed, anzeigen), überh. etwas mündlich oder fchriftlidy ankuͤndigen,
anzeigen, anfagen, mittheilen, bef, fofern es pflichtmäßig oder ber Sitte ge:
maß aefihieht (den Freunden feine Ankunft melden; mein Hendeisfreund meldet
mir, daſs 26.); anführen, erwähnen (dev Verfaffer meldet davon nichts;
ohne Ruhm zu melden, d. i. der Sache zu erwähnen, ohne mid) zu rühmen;
mit Ehren zu melden, d, i. ohne Verlegung des Anftandes); einen od, fih —,
d. i. feine oder deffen Gegenwart oder Ankunft anzeigen (dev Gaftwirth
meldet die anfommenden Fremden bei der Behörde; ſich bei Jemand meiden od,
melden laſſen, d. i, ihm einen Beſuch anſagen; die Gläubiger melden ſich, d. i,
“geben ſich ald foldye zu erkennen und verlangen ihre Bezahlung); uneig. aud)
von Thieren u. leblofen Dingen f. fein Daſein od. Herannahen zu erfennen
geben (dev Hirſch meldet, Züg, f. er ſchreit; der Winter meldet fih, wenn
das Wetter kalt u. unfreundlid wird; das Fieber meldet fid), u, dergl, m.) 5; —
der Meldebrief, ein Brief, in welchem man einem Andern eine Nachricht
mittheilt; meldenswerth, Bw., werth, gemeldet od, berichtet zu werben; der
Melder, -8, die Melderinn, M. -en, wer etwas meldet; ehem. f.
Ungeber, Berräther (altd. meldari)z; die Meldung, dad Melden, die Anz
zeige, Anſagung, der Bericht, die Erwähnung (einer Sache oder von einer
Sade Meldung thun, d. i, fie anführen, erwähnen),
Meliffe, w., M. -n (w. griech. uedıooe, Biene), sin wohlriechendes
Gewaͤchs, aus welchem die Bienen gern Honig fammeln: Bienenfraut, Ho=
154 melfen — Menge
ker Mutterfrautz daher: das Meliſſenwaſſer; der Meliffengeift,
⸗thee. ꝛc.
melken, ziel. Zw. (oberd. melchen, altd. melchan, ih milcho; angelſ.
melcan, engl. milk, ſchwed. molka; griech. @ueiyeıw, lat. mulgere; urſpr.
wohl ftreichen und ziehen, vergl. das lat. mulcere), ablaut. felten: du milfft,
er milkt, gew. melfjt, melkt; Imperat. felten: milf, gew. melfe; Impf.
molf, Gonj. mölfez Mw. gemolfenz dod auch bloß umend. melfte, ge=
melkt; Kühe, Biegen, Schafe —, durch ein mit Ziehen verbundenes Strei=
hen die Milch aus den Zigen drücken (den Bock melken, ſprichw. f. etwas
Vergebliches thun); uneig. gem. f. auffaugen, arm machen; mit den Fin
gern ftreicheln, betaften, ziehen, zerren, wofür landfd. gem. aud): mel:
kernz une, landſch. f. das zielloje milden (f. d.); melf, Bw. (altd. und
oberd. melch; isländ. mylkr; angelf. melce, engl. milck), was gemelft
wird oder werden fann, Milch gebend, milchend, 3. B. eine melte Kuh,
auch zgef. die Melkkuh, =ziege, das Melkſchaf; Melkvieh, d. i. melkes
Vieh; — Bfee. von melken: der Melkeimer, dad Melkfafs, =gefäß,
= gefchirr, die Melkgelte ꝛc. Gefäße, worein die Milch gemolfen wird; der
Melkihämel, =ftuhl, ein Schämel oder Stuhl, worauf man beim Melten
fist; das Melktuch, ein Tuh zum Durchſeihen der eben gemolfenen Mitch;
die Melkzeit, die Zeit, wo man das Vieh zu melfen pflegt; — Ableit. der
Melter, —s, die Melferinn, M. -en, wer melkt; uneig. f. Stodeule;
in Zſetz. Bodmelter, wer etwos Vergebliches, Thbrichtes thut; Hunde,
Kasenmelfer, wer gern Hunde, od. Katzen ftreichelt; die Melterei, das
Melken, eig. und uneig. in verächtl. Bed.z aud) eine Unftalt, wo gemolfen
und die Milch verwahrt wird, Milcherei.
Melm, m., -e8 (v. malmen), landſch. f. Mulm, Staub, Pulver.
Melnider, m., -8, ein guter böhmifcher Wein von der Stadt Melnid.
Melone, w., Ms-n (aus dem ital, mellone, lat. melo; v. d. griech.
nijrov, Apfel, umkonerov, apfelfdemige Melone, eig. reifer Apfel), die rund=
liche, faftige, ſuͤße Frucht einer zu dem Gefchlechte der Gurfen gehörenden
Pflanze; auch die Pflanze felbit, welche bei uns nur in Miftbeeten gezogen
wird; — 3fes. der Melonenkern, =faft, die Melonenfchale, das Me—
Yonenblatt ꝛc.; der Melonenbaum, ein Baum mit melonenägnlicher Fruxht
in beiden Indien; die Melonendiftel, ein amerifan. Gewächs, welches einen
£ugelförmigen, mit Warzen und Stacheln befegten Körper bildet; der Melo«
nenfürbifs od. Landfch. die Melonenpfebe, eine Art Kürbiffe mit aufrechten
Ranken.
Memel oder Memer, w., M.-ın, niederd. gem. f. Mehlmilbe.
Memme, gew. als Maͤmme, w.,M. -n, eig. niedr. f. Mama (ſ. d.),
Mutter; uneig. eine feige Memme, ein feiger, weibiſcher Menſch;
daher die Memmerei, M. -en, gem. dad mweibifche Betragenz aud) eine
einzelne feige Handlung.
Menderle, w., M.-n, landſch. f. Wollblumez auch eine mit dem
Ehrenpreis verwandte Pflanzengattung.
menen od. mennen, ziel. Zw. (ſ. mähnen 2.) oberd. u. ſchweiz. f. führen,
leiten,
Menerle, w., M. -n, landſch. f. Maserle.
Menge, w., M. -ın (goth. managei, alt. manaki, menigi; d. mähac,
Mengel — Menfch 155
mannig, mand, f. d.), eine unbeftimmte große Anzahl von Dingen einer
Art, eine Bielheit (eine Menge Menfhen, Geldes oder gew. Geld; Geld in
. Menge haben ; die ſchwere Menge, gem. f. eine große Menge); in beftimmterer
Bed. f. dad Volk, die Mafle der Menfchen, der große Haufen; die
Menge au als Nw. f. in Menge, fehr viel (z. B. Bücher, Reichthum zc.
die Menge); das Mengenmaß, ein Maß zur Beftimmung der Menge des zu
meffenden Stoffes.
Mengel 1. f.,-8, nieberd. ein Maß zu flüffigen Dingen, = 4 Quatt.
Mengel 2. w., M. -n oder die Mengelwurz, (verderbt aus Man:
gold), landſch. f. gemeine Grindwurz; Sauerampferz eine Art ded Sam:
frautes,
mengen 1. ziel. Bw. (angelf. mengean, ſchwed. mänga, engl. mingle;
v. dem niederd. mang, manf, f. d.5 wohl gleichen Urfprungs mit miſchenz
vergl. das griech. zulyrum u. uloyo), mehre Dinge verschiedener Art ohne
Drdnung untereinander thun, ſinnv. miſchen; bef. nur von trodenen Din-
gen, deren Beftandtheile ſich nicht mit einander verbinden, daher verfch. von
mischen (Roggen unter Weizen —; gemengtes Getreide, f. v. w. Manglornz
dem Dich fein Futter mengen, di. Hafer, Korn zc. mit Hädfel —; die Kar:
ten mengen 5 fich unter die Zufchauer mengen, d. i. in ihre Mitte begeben) ; oft
mit dem Nebenbegriff der Berwirrung, ded Ungehörigen oder Lnbefugten
(dad Hundertfte unter das Tauſendſte —, d. i. die verfhpiedenartigften Dinge
unfer einander wirren; uneig. fid) in fremde Händel —, d. i. unbefugter Weife
daran Theil nehmen 3, er mengt fid) in Alles u. dgl.); — Bfeg. das Menges
korn, ſ. v. m. Mangkornz der Mengfpath, blätteriger Spath; der Meng-
theil, ein Theil eines Gemenges; — Ableit. der Menger, -8, die Men-
gerinn, M. - en, wer etwas mengt (Sprachmenger u. dgl.) ; die Mengerei,
tadelnd, das Mengen, Bermilchen verfchiedenartiger Dinge; das Mengfel,
-d, M. w. E., Gemenge, Gemiſch; meift verächtl. f. v. wm. Miſchmaſch;
die Mengung, das Mengen; mengeln, landſch. gem. auch mengeliren,
das verki. mengen: allerlei Kleines wiederholt unter einander mengen;
daher: der Mengelhaufen, dad Mengelmus, gem. f. Gemenge, Gemiſch;z
der Mengeling, —es, M. -e, ein gemengtes Ding; niederd, ein von zwei
verfhiedenen Arten gezeugtes Pferd.
mengen 2. oder mengeln, ziel. Zw. (angelf. mangian, isländ. manga;
f. Manger 2.) oberd. f, im Kleinen verfaufen, troͤdeln, höfenz daher der
Menger od. Mengeler, -3, ſ. v. w. Mangers Krämer, Troͤdler, Höfer.
Mennig, m., - 8, o. M., od. Mennige, w. (niederd. Mennje, ſchwed.
mönja; aus dem lat. minium), ein gelbrother Färbeftoff, durch ſtarke Ver:
Ealkung des Bleies bereitet; daher: der Mennigbrennerz die Mennighütte,
smühle; der Mennigofenz mennigroth, Bw.
Menfh, m, -ın, M.-eın, Berk. dad Menfchlein, (urfpr. ein
von man, Menſch, Mann (f. d.) gedildetes Bw.3 got}. mannisks, altd.
mennise, menfhlih; dann als Hw. althochd. mennisco , mittelhochd. men-
nesche, mensche; angelf, mennisc, ſchwed. menniska; niederd. Minsk;
ſanskr. manuscha), dad mit einer vernuͤnftigen Seele begabte, edelfte Ge—
fchöpf der Side, ein finnlich= vernünftiges Weſen, (ale Menſchen müſſen
fterben; Kein Menſch war zu Haufe, d. i. Niemand; der Menſgch aud f. die
ganze Gattung, 3. B. der Menſch Tann denken); insbef, mit dem Nebenbegriff
156 Menfch .
der menſchlichen Schwäche, Gebrechlichkeit, Beſchraͤnktheit (mir find Ale
Menschen, d. i. ſchwache, unvollflommene Wefen), oder im Gegentheil: des
fittlichen und geiftigen Adels der menfchlichen Natur (beftrebe dich, Menſch
zu fein) z bibl. der alte Menſch, d. i. der verderbte Naturzuftand des Menz
fhenz entg. der neue Menfch, der durd) innere Wiedergeburt veredelte Zu:
ftand desfelbenz der innere Menſch, das Gemüth, der Geiftz entg. der
äußere Menfc, der Körpers in engerer Bid. ift der Menfch eine männs
lihe Perlen, wenn man ohne befondere Achtung ſpricht (mer ift der Menſch?
ein hübſcher, junger Menſch, u. dgl.)5; — das Menih, 1)-eın, M,-en,
alt u. oberd. f. eine Perſon, ohne Unterfcied des Geſchlechtes (z. B. ein frem⸗
des Menfh, u. dgl.)3 2) -e6, M. -er, sine weibliche Perjon, bej. eine
junge, unverheirathete, ehem. ‚ohne verächtl. Nebenbegriff; jetzt nur niebr.
und verädtl. f. eine weibliche Perfon niederen Standes, bef. eine Magd
(ein armes Menfh, Dienftmenfh); ein verächtliches, fittenlofes, freches
Weibsbild, ſ. v. w. Hure; — 3fes.v. der Menſch: menſchenaͤhnlich,
Bw., die Menfchenähnlichfeit; das Menfchenalter, ver Zeitraum, in
welchem ein neues Menſchengeſchlecht zur männlichen Reife fommt, eine Zeit von
etwa 30 Sahren, ſ. v. w. Geſchlechtsalter (fr. Generation) ; die Menfchenart,
⸗ gattung, eine eigenthümlide Art oder Gattung von Menfchen, fowohl in
natürlicher Hinfiht (fr. Race), als in fittliher Hinfihtz die Menfchenbildung,
Bildung, Ausbildung, Vervollkommnung des Menfhenz das Menfchenblut,
Blut eines Menfhen (Menfchenblut vergiegen , d. i. einen Menfhen verwunden
oder tödten); der Menfchenfeind, die Menfchenfeindinn, wer die Menfchen
haſſt u. ihren Umgang vermeidet (fr. Mifanthrop); daher menfchenfeindlich,
Bw. u. Nw.; die Menfchenfeindlichkeit ; das Menfchenfleifc) ; der Mens
fchenfreffer, ein wilder Menſch, der andere Menfchen friſſt; auch f. Menſchen—
bei; Aasgeier; der Menfihenfreund, die Menfchenfreundinn, wer allen
Menſchen wohl wi und wohlzuthun fuhtz daher menfchenfreundlich, Bw.,
finnv. wohlmollend, liebreich, leutſelig; die Menfchenfreundlichkeit, men:
ſchenfreundliche Geſinnung, Menfhenliebez die Menfchenfurcht, Furt vor
dem Urtheil oder der Verfolgung der Menfchen, bef. fofern fie die Freiheit im
Denken u. Handeln befhränftz das Menfchengedenfen, das Gedenken, bie
Erinnerung der Menfchen (feit Menfchengedenfen, d. i. fo weit das Gedächtniſs
der Menjchen in die Vergangenheit reicht); das Menfchengefchlecht, alte
gleichzeitig lebenden Menſchen; auch die Gefammtheit der Menſchen überhaupt;
die Menfchengeftalt; menfchengleih, Bw.; die Menfchengröße, f.
Größe; die Menfhengunft, Gunft der Menge; der Menfchenhat, die größte
Art Heififche, welche Menfchen verfihlingen können die Menfchenhand, Hand
des Menſchen, bef. mit Hinfiht auf die Geſchicklichkeit oder Kunftfertigkeit (von
Menſchenhänden gemacht); der Menfchenhandel, Handel mit Menfchen,
Sclavenhandelz der Menfchenhafs, Hafs gegen die Menſchen als folhe (fr.
Miſanthropie); der Menfchenhaffer, f. v. w. Menfihenfeind ; die Menſchen—
: haut; das Menfchenherz, das Herz, bef. uneig. das Gemüth,. die Gefühle
u. Neigungen des Menſchen; der Menfchenhüter, bibl. f. Gottz der Mens
fhenfenner, die Menfchenfennerinn, wer die Menfchen nad) igrer Denk:
u. Handelöweife aus Erfahrung Eennt u. zu beurtheilen weiß; die Menfchens
kenntniſs; das Menfchenfind, alt und fcherz. f. Menſchz die Menfchen-
klaſſe, eine Gefammtheit von Menſchen einer Art, bef. nad) Stand, Bildung
Menſch 157
und Lebensweiſe; die Menſchenkunde, ſ. v. w. Menſchenkenntniſs daher
menſchenkundig, Bw., Menſchenkenntniſs beſizend; dad Menſchenleben,
das Leben des Menſchen auf Erden, beſ. mit Hinſicht auf deſſen Kürze u. Hinz
fälligkeitz menfchenleer, Bw., leer von Menjdes, ſinnv. bde, wüſt; die
Menfchenleere, Leere an Menfhenz die Menfchenlehre, die Lehre ober
Wiffenfhaft vom Menfchen nad feiner körperlichen, geiftigen und fittlidien Na:
tur (fr. Anthropologie); die Menfchenliebe, wohlwollende Gefinnung gegen alle
Menfchen als folhe; die Menfchenmenge, eine Menge, ein Haufen von Men:
fchen ; menfchenmöglich, Bw., gem. f. einem Menfchen irgend möglich; die
Menfchennatur, die leiblic;-geiftige Natur des Menfhen; das Menfchenopfer,
ein in Menfchen beftehendes Opfer; der Menfchenquälerz der Menfchen>
raub, gemwaltfame Entführung von Menſchen; der Menfchenräuber , wer
einen Menfchenraub begeht; das Menfchenrecht, M. Menjchenrechte, die
jedem Menfchen, als vernünftigem, fittlichs freiem Wefen zuftehenden natürlichen
Rechte; die Menſchenſatzung, von Menſchen herrührende Satzung, entg. den
göttlichen Geboten; menfchenfcheu, Bw., die Menfchen ſcheuend, ihren Um—
gang ängfttic vermeidend; die Menfchenfcheu, Scheu vor Menſchen; der
Menfchenichinder, gem. f. Menfchenquäterz der Menfchenfchlag, eine be:
fondere Menfihenart (vergl. Schlag), bei, hinfihtli der Eigenthümlichkeit des
Volksſtammes und der Landesartz der Menſchenſohn, bibl. f. Chriftus, zur
Bezeichnung feiner menfhlihen Natur; die Menfchenfliimme, Stimme eines
Menſchen; ein Orgelzug, welcher diefelse nahahmtz; der Menfchenverftand,
der gewöhnliche, gemeine Verftand der Menfchen (bef. der gefunde Menfchens
verftand) 5; auch der verftändlihe Sinn einer Rede od. Handlung (hierin ift Fein
Menſchenverſtand); die Menfchenweisheit, die Weisheit der Menfchen, bef.
nad) ihrer Unvollfommenheit, entg. der göttlihen; dad Menfchenwerf, ein
Werk von Menfhen gemacht; der Menfchenwerth, die Menfchenwürde;
das Menfchenwohl, die Wohlfahrt der Menſchen; die Menfchenwohnung ꝛc.;
die Menfchwerdung, das Menfhwerden, die Vereinigung der göttlichen Na—
tur mit der menschlichen in Chriſtus; — Ableit. menschen, menfcheln,
zielloſ. Zw., Landfch. gem. f. ſich als Menſch zeigen, ald Menſch fehlen, bef.
unp. es menfchelt bei ihm, d.i. er fehlt oder irrtz das Menfchenthum,
meift vlt,, die Oefammtheit der Menfchen, das Menfchengeichlecht; auch f.
die Menfchennaturz; daher menfchenthünlich, Bw., Neuw. f. der Men—
fchennatur eigen, angehörig, gemäßz die Menfchenthümlichkeit, Eigen—
thiimlichfeit der Menfchennatur, (f. des fr. Humanität); die Menfchheit,
dad Menfchfein, die menfchliche Natur (die Menſchheit Chrifti), bef. die
geiftigzfittliche Wuͤrde des Menſchen; auch f. dad Menfchengefchlecht, bei.
in Anfehung feiner Bildungszuftände (Geſchichte der Menſchheit); menschlich,
Bw. u. Nw., dem Menfchen aͤhnlich, angemeffen, eigen (menſchliche Ge—
ftalt; der menſchliche Körper; menſchliche Gefühle); in der (eingefchräntten)
Natur des Menfchen gegrimdet (Irren ift menfhlih; es ift ihm etwas
Menschliches begegnet, d. i. er hat geirrt, gefehlt 2c.)s der fittlichen Wuͤrde
‚des Menfchen u, dem Bildungszuftande gefitteter Menfchen gemäß, entg.
unmenſchlich (menfchlic fein, denken, handeln 2c.); die Menfchlichkeit, das
Menſchlichſein; die Eigenthlimlichkeit der Menſchennatur; aud eine ein=
jelne darin gegründete Schwachheit oder Unvollfommenheit (M. Menſch—
lichkeiten); beſ. aber Die der fittlihen Würde und dem Bildungsftande
158 Merch — merken \
gefitteter Menfchen entiprechende Denf= und Handlungdweife, entg. Un:
menfchlichkeit, (fr. Humanität).
Merch, m., -ed, M. - € (lat. mergus), oberd. f. Haubentaucher ; Tau⸗
chergans; die Merchente, f. Eis: od. Winterente, Mewentaucher.
Mergel, ehem. au Märgel, m., —s, o. M. (v. Mark (f. d.); maro,
mar, mürbe; altd. mergil, ſchwed. märgel; franz. marne; böhm. merk),
eine aus Thon u. Kalferde beftehende, mürbe, fette, graumeiße Erdart,
zum Düngen gebraucht 5 landſch. au f. Mark; der Mergelboden ; die Mer—
gelerde; die Mergelgrube;z das Mergelland; die Mergelnufs, mit
Steinmarf überzogene erzhaltige Kieskugeln ; der Mergelfchiefer, ſchieferför—
mig verhärteter Mergelz der Mergelfteinz; — mergeln, ziel. 3w., 1) mit
Mergel düngenz 2)inab:, ausmergeln: des Markes berauben, ent=
kraͤften.
Meringel, w., M.-ın, landſch. eine Art feines Backwerkes.
Meringer, m., —s, M. w. ©. (v, ital. marinaro; vergl. Marner),
oͤſtr. und bair., der zweite Schiffmann, welcher am Vordertheil des Schiffes
rudert.
Merk, m., — es, landſch. f. breitblätteriger Eypih, Wafferenpich.
merfen, ziel. Zw. (altd. marhan, merhan; iöländ. marka, angelf. mear-
can, engl. mark; von Mark, Zeichen), eig. mit einem Zeichen verfehen,
zeichnen, f. v. w. marken; uneig. etwas —, es feinen Merfmalen oder
- Kennzeichen nah wahrnehmen, empfinden, finno. bemerken, inne werden,
erfennen (ich merke feing Abficht 5 er merkte nichts; laſs ihn nichts davon mer-
ten; aber nad) gew. Spracdgebr. lafs dir nichts merfen, d. i. Außere nichts,
gieb nichts zu erkennen; r. wäre „laß dich nichts merken’, d. i. made od, ftelle
dich, als merkteft oder wüffteft du nichts); etwas durch genaue Wahrneh—
mung feiner Merfmole im Gedaͤchtniſs behalten (merke, was ih dir ſage;
ich werde mir es merken; ich habe mir den Weg, die Stelle ıc. gemerkt); auf
etwas —, darauf achten, Acht geben, feine Aufmerkfamfeit darauf
richten (mer? auf meine Worte; merke wohl! wohl gemerkt! 2c.); — daB
Merk, -eö, M. -e, gem. f. Zeichen, Marke, Merfmal; Berkt. das
Merkchen, ein Fleined Zeichen; ein Eleiner, Faum merflicher Theil, od,
Raum; der Merks, landſch. f. Aufmerffamkeit, Gedaͤchtniſs; — 3feg.
von merken: merfenswerth, Bw.; dad Merkmal (ſ. Mal 2.), ein Zeichen,
woran man etwas merkt oder erkennt, eine unterfcheibende Eigenfchaft, finnv.
Kennzeichen; der Merkftein, f. v. w. Marfftein;. das Merkwort, ein Wort,
welches man zu merken hat und woran man etwas merkt, Stichwort (f. d.)3
merkwürdig, Bw., werth gemerkt od. beachtet u. im Gedädhtnifs behalten zu
werden, ſinno. denkwürdig, beachtenswerth; die Merkwuͤrdigkeit, das Merk:
'
wirdigfein einer Sache; eine merkwürdige Sache oder Begebenheit (M. Merk:
würdigkeiten), finnv. Oenkwürdigkeitz dad Merfzeichen, ein Zeichen, woran
man etwas merft, einen Gegenftand unterfcheidet, finnv. Merkmal, Kennzei:
chenz insbef. ein Zeichen, welches man ausdrücklich madt, um etwas zu merken,
oder daran zu erfennenz merkzeichnen, unted, ziel. Zw., mit Merkzeichen
verfehen, dadurch, Eenntlic machen (Neuw. f. das fr. charakterifiren) ; — Ab:
Leit. der Merfer, —s, die Merkerinn, M,-en, wer etwas merft, auf
etwas zu achten hatz ehem. in den Meifterfängerfhulen die vier Vorfteber
der Genoffenfchaft, welche die Fehler der Singenden anmerkten; merkbar, Bw.,
Merlan — Mefle 159
mad gemerkt od, wahrgenommen werden kann; die Merfbarkeit; merk»
lich, Bw. und Nw., was fich leicht merken läfft, leicht wahrgenommen
oder empfunden wird (er befindet ſich merklich befferz die Tage nehmen merk:
lich zu) ; die Merklichkeit; merkſam, Bw., vit. f. fähig etwas zu merken,
oder aufzumerfen, vergl. aufmerkſam, oberd. gemerkfam.
Merlan, m, -8, Ms -e, landſch. f. Meerhecht; od. Weißling (franz.
merlan),
Merle, w,M.-en, (lat, merula, franz. merle) oderd. f. Amfelz Ler—
chenfalke, auc der Merling, -d, M. -e; die Merlmeife f. Btaumeife.
Merung, w., M. -en (0. Meer, ſ. d.) öſtr. f. Ubzucht, Kothgrube,
Merz, me, 1. März.
Merz, fe, -ed, aud das Gemerz, (lat. merx, Waare), ſchwäb. f.
Handelfhaftz Waare; insbef. der Handel mit Fettwaren, Mehl, Hanf
u. dgl.; der Merzler, - 8, f. Trödler,
merzen, ziel. Zw. (wohl nit v. März, fondern verw. mit marken, merkenz
vergl. das engl. mark out, ausmerzen), vlt. außer in: ausmerzen (f.d.),
ald untauglich ausſondern; daher: das Merzfchaf, Merzvieh, ausgemerz=
tes Vieh.
Meferich, m., — es, landſch. der achtblätterige Waldmeiſter, auch Mds
fhen, Meuſch.
Mespel, w., f. Mispel.
Meffe, w., M. -n (altd. ſchwed. ital. messa, franz. messe, engl. massz
v. d. mittl, lat. missa, entft. aus den Worten des Geiftlichen „ite, missa est’?
sc. concio, d. is „geht, die Verfammlung ift entlaffen’‘, worauf die Katechu—⸗
menen ſich entfernen), 1) der Iheil des Fathol, Gottesdienſtes nach der
Predigt, nad) deffen Ablefung oder Abfingung der Priefter das Abendmahl ges
nießt, Abendmahlöfeier, Hochamt (die Meffe lefen, fingen 2c.)5 aud ein
die Meffe begleitende®, und überh. ein aus gewiffen biblifchen Sprüchen zu=
fammengefegtes, Firchliches Tonſtuͤck; ferner ein Stirchenfeft, da der wich—
tigfte Theil deöfelben in der röm. Kirche die Mefje ift (daher noh: Kird=
messe, Lichtmeſſe, f.d.); 2) ein öffentlicher, mit befondern Freiheiten
begabter, großer Jahrmarkt, wozu urfpr. die Kirchenfefte Veranlaffung ga=
ben (die Leipziger, Srankfurter 2c. Meſſe; die Meffe beziehen zc.) 3 uneig. ein
zur Zeit der Meffe gemachtes Geſchenk (einem eine Mefje kaufen 2.) —
Bes. das Mefsamt, das Halten der gottesdienftt. Meſſez der Mefsbrief,
ein auf eine Meffe (2) geftellter Wechfelbriefz; das Mefsbuch, 1) ein Bud,
worin die gottesdienftl. Verrihtungen bei der Eathol. Meffe aufgezeichnet find
(fr. Miffale); 2) ein Handlungsbuh, in welches die Mejsgefchäfte eingetragen
werden; die Mefsfreiheit, die Freiheit eines Ortes, eine Handelsmeſſe halten
zu dürfen; auch die einem Orte während der Mefje bewilligten Freiheiten; der
Meföfremde, -gaft, wer der Meffe wegen einen Ort befuchtz Tas Mefs-
geleit, das Geleit der zur Mefje Reifendenz dad Mefsgeräth, das zu einer
gottesdienftl, Meſſe nöthige Geräth; dad Meſsgeſchenk, ein Geſchenk bei Ge:
Vegenheit ter Meſſez das Melsgewand, -hemd, Prieftergewand bei Haltung _
der Meſſe; die Meſsglocke od. das Meſsgloͤckchen, die Glode, mit welcher
zur Mefje geläutet, und befonders das Glbckchen, womit das Beiden der ge-
ſchehenen Verwandlung gegeben wird; dad Mefsgut, M. Mefögüter, f. v. w.
Meſswaaren, für die Meffe beftimmte Waaren; dad Mefsforn, landſch.
\
160, meſſen — Meffer
Getreide, welches dem Pfarrer für den Gottesdienſt (die Meſſe) jährlich entrichtet
wird, Zehent- od. Zinskorn; die Mefsleute, die Meffe befuhende Kaufleutez
das Meſsopfer, die kathol. Meffe, als unblutige Opferung Chrifti angejehenz
der Meispriefter, Meffe lefender Priefterz der Mejswein, bei der gottes-
- dienftl, Meſſe gebrauhter Weinz die Meſswoche, Wohe, in weiche eine
Hondelsmeffe fültz die Mefszeit, Zeit und Dauer der Meſſez — Ableit,
der Mefsner, -8, M. mw. E. (landſch. gem, Mefsmerz n, X, v. mittl, lat,
mansionarius, mesenariusz altd, mesinari), Kirchendiener, welcher das
Mefsgeräth verwahrt, Kuͤſter, Kirchner.
meſſen, Zw. (altd. mezzan; goth. mitan, niederd. meten; angelf, metan,
engl, mete, ſchwed. mäta; lat, metıri 215 vergl, Maß), ablaut, du miffelt,
er miſſet oder miſſt; Imper. miſs; Impf. maß; Gonj. maͤße; ; Mw. ges
meffen; 1) zieltos m. Haben, eine gewiffe Ausdehnung, ein gemiffes Ma
haben (er mifft -6 Fuß, d. i, er ift 6 Fuß groß); 2) ziel, die Ausdehnung,
iden Umfang, die Größe oder Menge eined Dinges unterfuchen u, beftims
ımenz; überh. eine unbekannte Größe mitteljt einer befannten finden und
Ibeftimmen, (die Lange, Breite, Höhe einer Sache, eine Entfernung —; etwas
mit dem Zirkel, mit der Elle, nad) Klaftern ꝛc. —3 den Wein mit der Kanneac,z
raneig. fein Geld mit Scheffeln —3 Silben, Verſe —, d, i, ihr Zeitmaß beftim:
ınen); auch mefjend einfüllen (Getreide in den Sad; Wein in die Kannen —)5
1 meig. auch den Grad der inneren Stärfe vergleihend beftimmen, daher:
ich mit Jemand —, di, die eigenen Kräfte, Eigenfchaften ꝛc. mit
henen ded Andern vergleichen, oder Dagegen verfuchen im Wettftreit, Zwei—
Tiampf ꝛc., es mit ihm aufnehmen; das Mw, gemeffen ald Bw, uneig. f.
eyenau beftimmi, fcharf begrenzt (einem gemeffenen Befehl geben u, dgl.); —
33feg, der Mefsbrief, in Seeftübten ein obrigkeitl, Zeugnifs über die Größe
eines Schiffes; das dafür bezahlte Geld heist Mefsgeld; die Mefsfahne, an
einer Langen Stange befeftigte Fahne der Feldmeſſer; das Meſsfaſs, ein als
SMaf dienendes Faſs; die Meſskanne, Kanne zum Mefienz die Mefskette,
=fchnur, der Mefsriemen, abgetheilte Kette zc, zum Meffen von Entfernungen
ciuf dem Felde; die Mefsfunde od. =lehre, die Wiffenfhaft von der Meffung
zäumlicher Größen oder Entfernungen, bef. auf der Erdoberfläche, überh. fr
(Grbßenlehre (fr, Geometrie); fofern fie ausgeibt u, angewandt wird: Meſs—
Wunftz daher: der Meſskundige, Mefsfünftterz die Mefsruthe, fange,
der Meſsſtab, =flod, abgetheilte Ruthe od, Stange 2c. zum Feldmeſſen; die
Mefsfcheibe, eine metallene Scheibe mit verjüngtem Mapftabe, beim Feld—
meffen gebraucht; der Mefstifch, ein bewegliches Tiſchchen der Feldmeffer, auf
welchem das Werkzeug befindlich iſt, durch welches man nad) den zum Behuf
einer Meffung angenommenen feften Punkten hinſchaut; — Ableit, mefsbar,
Bw., was gemeffen werden kann; die Mefsbarkeitz der Meffer, - 8, M.
w. E., mer etwas mifft, bef. in Zſetz. Feld-, Kornmeffer 21,3 die Meflung,
Dad Meffen,
Mefler, f., -8, M.w. E., Verkl. dad Mefferchen (altd. mezzir,
mezzer; verw, mit mezzon, megen, j. d.) vergl, Meiß, Meißel; niederd, Mes,
Meft, holl. mes), überh. ein Werkzeug zum Schneiden, Stehen, Hauenıc.z
daher chem. eine Urt Waffe zu Hieb und Stich (bbhm. mec, wend, mecz,
Degen); gew, in engerer Bed. ein Schneidewerfzeug, beftchend aus einer an
ber einen Geite geſchärften metallenen Klinge an einem ‚Hefte, zu verfchiedenem
Ge: »
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Meſſing — Metall 161
Gebraud) (Brod:, Feder-, Garten, Kühen:, Scheer-, Schlaht:, Zifh:
mefjer 26,5 einem bas Mefjer an die Kehle fegen, uneig, f. ihn in die größte
Gefahr, Angſt, Verlegenheit’fegen)z; Natur, dad Meſſerchen, eine Art
Eleiner Seecicheln; — 3fes. dad Mefferbefteck oder -geſteck, ſ. Beſteckz
der Meflerfifch, eine Gattung mefjerförmiger Schildfiſchez aud) ein Fiſch vom
Karpfengefhleht: Dünnbaud, Zicke 20.5 dad Mefferheft, die Mefferklinge,
⸗ſcheide, ſ. Heft, Klinge, Scheide; der Meflerrüden, der der Schneide
entgegengefegte breite und fumpfe Theil der Mefjerklinge; die Meflerfchale,
die Schale, womit das Mefferheft belegt iſt; mefjerfcharf, Biw,, fharf wie
ein Meſſer; der Mefjerfchmied, Meffermacher, oberd, Mefjererz die
Meſſerſpitze, die Spige eines Meſſers; auch fo viel man auf derfelden faſſen
kann.
Meſſing, ſ., -ed, o. M. (dän, und ſchwed. messing; angelf, maeslen,
maestling, altnord, messling; oberd, auch Möſch, Meiſch; niederd, Mesken-
von miſchen?) ein aud Kupfer und Zinf od, Galmei gemifchtes, gelbes
Metall; — 3fes. das Meſſingblech; der Meflingbrenner, wer in einer
-
Meſſinghütte das Mefjing brennt od, röftet; der Meflingdrath ; der Meffing-
feiler, Arbeiter in den Gewehrfabrifen, welcher den Befchlag zu den Schäften
ausfeiltz das Meſſinggeſchirr; der Meflinghammer, ein großer Sammer,
mit welchem das Meifing zu Blech geichlagen wirdz aud) ſ. v, w. Meſſingwerk;
die Meffinghütte, f, Hütte; der Meffingkram, handel, -kraͤmer, =händ-
ler; die Meflingplatte, =tafel; der Meflingfchaber, Arbeiter, welcher
das Meſſingblech mitteljt des Schabeifens glänztz der Meffingfchläger, wer
das Meffing unter dem Hammer zu Blech treibt; der Meflingfchmied, ein
Handwerker, welcher alleylei Arbeit. aus Meſſing ohne Anwendung des Feuers
verfertigt, Kaltſchmied; der Meflingichneider, ein Arbeiter, welcher die
Meffingplatten in Zaine zerſägt; der Meflingvogel, eine Art Nachtfalter;
die Meſſingwaare; dad Meflinawerk, eine Anftalt, wo das Mefiing ges
brannt u. bearbeitet wird; der Mejlingzain, ſ. Zain; — Ableit. meflin=
gen, Bw, aus Mefling gemacht; meſſingiſch, Bw., niederd, fi ge—
miſcht, von der Sprache (meſſingiſch reden, d. i. Hoch- u, Niederdeutfch unter
einander mifchen), s
Mefskanne, ⸗kette, Funde, -kunſt, =ruthe, = fange, =tifh, ſ.
meſſen; — Mefsleute, Mefsner, Mejsopfer, = priefler, =waare,
woche, = zeit, 1. Meffe,
Meite, w., M. -n (dem Stamme nad = Mese) Landid, f. ein rundlie
ches, vertieftes Gefäß (def, Salzmefte f. Salzfaſs); ſchleſ. f. Schachtelz in
Frankfurt a. M. ſ. v. w. Metze.
Metall, ſ., -d, Ms -e (v. lat, metallum; griech, wera)..ov ; hebr.
metil), gin dehn= und ſchmelzbarer, ſchwerer u. fehr dichter mineralifcher
Körper, den man in der Natur felten rein od, gediegen findet; edle Metalle:
Gold, Silber, Platinaz unedle: Kupfer, Zinn, Eifen, Blei 2c,3 in engerer
Bed, bei, unedled Metall, zB, zu zarten Blättchen gefchlagenes Meſſing:
Metall oder Metallgoldz auch verſchiedene gemiſchte Metalle heißen
ſchlechtweg: Metall, 3. B. ein Gemenge aus Kupfer, Zinn u, Meffing, welz .
ches die Studgieper anwenden; das Glofengut od, die Glodenfpeifes das Gieß—
erz 26,5 uneig, f. Metallklang, heller Klang der Stimmes — 3fes, die
Metallaſche, zu Aſche gebranytes Metall; das Metallblatt od, -blättchen,
GSey ſe's Handwörterb, d. deutſchen Spr. 2. Theil, 11
%
162 | Metel — Metze =;
zu einem dünnen Blatte gefhlagenes Metal; die Metallblüthe, flodige Theile,
welche ſich auf der Oberfläche verwitternder Erze anfesen ; dad Metallgemifch,
Miſchmetallz das Metallglas, aus metalliihen Körpern gefchmelztes Glas;
der Metallkalk, verkarttes Metallz der Metallkünig, ſ. Königs die Me⸗
tallmutter, Exd: oder Steinarten, in welchen fi) die Metalle erzeugen; der
Metallveiz, der Reiz, welchen Metalle auf Nerven und Muskeln äußern (fr.
Galvanismus) ; dad Metallfilber, Blattfitber, aus Zinn oder weiß gebrann⸗
tem Rupfer geſchlagen — Ableit. metallen, Bw., aus Metall gemacht,
von Metall (metallene Knöpfe u. dgl.); metallifh, Siw., metallähnlich
oder zartig, Metall enthaltend (metallifcher Glanz, Sand ꝛc.).
Metel, m., -8, landſch. eine zum Geſchlecht des Stechapfeld gehoͤ—
rende Pflanze.
Meter, Meterich oder Metram, ſ., -9, landſch. f, Mutterfraut.
Meth, m., ed, M. (von mehren Arten) -e, (altd. metu, meto, angelf,
medo, engl, mead, ſchwed. mjöd, bbhm. meduz urfpr, wohl Honig, - wie
das flav, med, litth, medus, ſanskr. madhu, lat, mel, griech, nie), ein
uralted, aud Honig u. einer andern Flüffigkeit, als Waffer, Wein, Bier ıc.,
wmittelft der Gährung bereiteted Getränf (Weine, Moſt-, Biermeth 2); ins:
beſ. der Waſſermeth; das Methhaus; die Methſchenke; der Methſieder.
Mett, fe, — es, o. M. (verw, mit dem altd, maz, |, Maß 1.2), niederd.
reines, vom Fette abgelondertes Fleiſch, beſ. Schweinefleiſch; daher die
Mettwurft, Wurft aus Mett, d, i, gehacktem Schweinefleifce, Schlackwurſt.
Mette 1. w., M. -n, (oberd, Mettenz altd, mettina, fdjwed, maetta;
v. d, lat, matutinus, morgendlic), matutinae horae 2c,, franz. matines),
der Fathol. Frühgotteödienit vor Tagesanbruch; landſch. auch die evangel.
Frühpredigt, ehem. überh, dad Morgengebetz aud der Gottesdienſt in der
Nacht oder am Abend vor einem Feſte (3. B. Chriftmette); das Metten-
brod , ſchwäb. uneig. die erſte Botſchaft von einer glücklichen Begebenheitz Die
Mettenwurſt, bair., Schmaus, auf dem Lande in der Chriſtnacht nach der
Mette gehalten.
Mette 2. w., M. -n, od, das Mettengewebe, (ſ. Mädchenſommer)
nieberd, die fliegenden Spinnweben im Herbſte, Sommerfaͤden ꝛc.
Mettel, m., -3, M. w. E., landſch. f. Regenwurm.
Mettwurſt, ſ. unter Mett.
Metze 1. w., M.-n, (oberd. der Metzen; altd. mezzo5 goth. mitathsz
angelſ. mittaz von meſſen, ſ. d.), ein Maß zu trockenen Dingen, = 5
Schefjelz im Oberd, aud) ein größeres Maß, meift = + Malter; landſch. aud)
f. Gefäß, Geſchirr überh., gew. Meſte; metzenweiſe, Nw., nad) Metzen;
der Metzkaſten, in Mühlen ver Kaſten, in welchen der Müller feine Mahl:
megen ſchüttet; meben, ziellof, Zw., der Müller mebet, d. i. er nimmt die
Mahlmeße von dem zu mahlenden Getreide; der Mebner, -8, der Mühle,
knappe, welcher dad Metzen verrichtet.
Metze 2. w., M. -n (altd, muzza, niederd, Muse, Hol. morz urfpr,
wohl überh, das weibliche Geſchlecht bezeichnend), eine unzuͤchtige weibl, Per—
fon, etwas milder als Hure; ehem, überh, eine junge Weibsperſon, doch
‚ mit verächtl. Nebenbegriff, als Beiſchläferinnz oberd, auch f. Hündinn, gew.
Pete; uneig, ehem, eine Urt großer Kartaunen, auch) „die faule Magd“ ger
nannt; das Mebenhaus, Hurenhaus,
metzen — Meyer 163
metzen 1, ziellof. Zw., |. unter Mege 1.5 — 2, ziel, Bw, (goth, maitan;
altd. meizan, mezzon; dergl, Meffer, Meißel, d, lat, mactare x), alt u,
noch oberd. f. fehneiden, hauen; ſchlachten; daher: der Metz, -en, M,-en,
wer hautz nur nod) in: Steinmegz die Metze 3. oder Mebig, M. - en,
oberd. f, Fleifchbanf (lat, macellum); — mebeln, ziel. 3w,, das Verdfte-
rungswort von megen: wiederholt fchneiden oder hauen, bef, ungefchickter
Weiſe zerfegenz mit vielen Hieben od. Stichen verwunden, niedermachen
(fe, massacrer) 3 oberd, aud) f. ſchlachten; daher die Metzelbank f, Schladht:
bank; die Mebelfuppe, f. Wurſtſuppe; der Mepler, —s, (altd. mezalari)
f. Schlaͤchter; die Metzelei, M. -en, das Mepeln, Gemetzel (f, d) 3 —
meßgen, (zgez. aus metzigen), ziel, 3m,, oberd,, Vieh fchlachten und
aushauenz daher die Metzge, M. -n, Schlachtſtaͤtte, Fleiſchbank;
der Mebger, -5, die Mebgerinn, M, -en, oberd., Schlächter, Flei—
ſcher; der Mebgergang, hund, =burfche, =Fnecht ıc., f. v. w. Fleiſcher⸗
gang ꝛc.
meucheln, zieltof. u. ziel. Zi, (altd, muhhilan; von muhhil, meudel,
heimlich; vergl, mauchen, maucheln), überh, heimlich , hinterliftig, tuͤckiſch
handeln; heimlich Böfes thun, zu eined Andern Verderben etwas an—
ftiften; einen —, hinterliftig morden; — der Meuchel, —s, M. w. €,
oberd, ein heimtuͤckiſcher Menſch; landſch. auch ein furchtſamer Menſch;
der Meuchelbund, die Meuchelrotte, eine zu Anderer Verderben geſchloſſene
heimliche Verbindung (fr, Gomplot); der Meuchelmord, ein hinterliſtiger
Meife begangener Mord; der Meuchelmörder, die Meuchelmörderinn,
wer einen Meuchelmord begehtz meuchelmörderifch, Bw. und Nw,, einem
Meuchelmorde ähnlich, nad) Art eines Meuchelmörders ; die Meuchelei, M.-en,
eine heimliche, hinterliftige Handlung od. Anftiftungz meuchlings, Ne,
heimlicher und hinterliftiger oder heimtuͤckiſcher Weiſe; — der Meuchler,
-8, die Meuchlerinn, M. -en, wer meucheltz; d. i. heimlich auf Anderer
Berderben finntz auch f. Meuchelmorder; meuchleriſch, Bw, u. Nwi, nad)
Urt eines Meuchlers,
Meute, w., M. -n, urfpr, überh, Berfammlung, Verbindung (verw.
mit Maat; ſchwed. mot, Zuſammenkunft; goth. ga-motjan, angelf, me-
tan, engl, meer, begegnen, zufammentreffen); daher 1) Jäg. eine Anzahl
von 50 bis 60 Jagdhunden zur Hesjagd (franz, meute); 2) gew, die Meu—
terei, M. -en (ſchwed. myteri, engl, muting, franz, Emeute), eine widere
gefegliche, aufrührifche Verbindung, Verſchwoͤrung, Zufammenrottung ;
meuten, ziellof. Zw. (franz. mutiner, ital, mutinare), Meuterei anftiftenz
der Meuterer oder Meutmacher, —s, wer eine Meuterei anftiftet.
Mewe od. Möwe, w., M. -n, Verl. dad Mewchen, (alt, mewaz
angelf, maew, engl, mew, holl, meeuw, franz, mauve, mouette) ein Ge⸗
ſchlecht Waſſervoͤgel mit geradem, löffelähnlichem Schnabel u, kurzen Schwimm⸗
füßen, von verſchiedenen Arten, als: die große bunte, die gemeine graue, die
graubraune gefleckte Mewe 2c,; der Mewenbuͤttel, Strandjäger, eine Art
Mewen; der Mewenſchnabel, uneig. eine Art Patſchfüße mit einem Schna⸗
bel, wie der einer Mewe; die Mewentaube, eine Abart der gemeinen Taube,
Balskrauſentaube.
Maewerle, w., M. -n, landſch. f. Maserle, Masholder.
Meyer, meynen u, ſ. Meier, meinen ꝛc.
Be
-
164 miau — Miene
miau, ein Schallwort, welches dad Gefchrei der Katzen nachahmtz daher
miauen, ziellof, Zw., miau fchreien, ſ. v. w. mauen, mauzen.
mich (goth. mik, altd. mih, niederd. mi, engl, me), der Uccuf. des .
perfönl, Firm. der erften Perſon ich: (ſ. d.).
Michael, gem, abgek. Michel, m., -3 (Gebr. Urjprungs) EN, eines
Erzengels; aud ein männl, Bornamenz gem, Michel als Gattungsna-
men, bef, verachtl, für einen groben und dummen Menichen (ein grober,
dummer Michel; vergl, Hans; ein deutfher Michel, wer nur feine deutfche
Mutterſprache verfteht); das Michaelsfeft, ein chriſtl. Feft zu Ehren des
Erzengeld Michael am 29. Sept. „.welder der Michaelstag (Michaelis, gem,
Michelis oder Michelt) heißt,
michel, Bw, (goth, mikls, althochd. wihhil, island, mikill, angelf, micel,
alteng!, mickle; vergl. das griech. ueyus, weydım ıc.5; lat, magnus), vlt. f.
groß, viel (nur noch in EN. wie Mihelftadt, Meklenburg zu).
Mike, w., M.-n, niederd, 1) überh. etwas Gabelförmiged, 3. B.
Schiffb. ein gabelförmiges Eifen oder Holz, ein gabelförmiger Ausſchnitt; eine
. Stügez ein gabelförmiges Holz an den Pumpenz auch eine kleine Yumpe in
den Häuſern; 2) ein Fleines Brod oder eine Brodfchnitte.
miden, zielloſ. Zw., im Holftein, 1) umſchauen, ind Auge faffen, aus—
erſehen; 2) in Sfeinigfeiten tadeln, ſchmaͤlen, grollen.
Mider, m., -3, M, w. E., landfd), Fleiſch. die Eleinen fetten Ges
daͤrme des Rindviehs.
Midder, w., M.-n, niederd, f. Kalbs- oder Lammsdruͤſe, Kaͤlber—
milch, (vielleicht weil fie mitten vor der Bruſt ſitzt).
Miede, w., M.- 1, dir beiden Zughoͤlzer an den Schäften des Leinwe—
berſtuhls.
Mieder, m., —s, M. w. E., landſch. f. Stockeule.
Mieder, fe, -3, M. w. E., Verkl. das Miederchen, (altd, muo-
dar, muder, oberd. Müederz wahrſch. verw, mit Matte, Mütze, angelſ.
mithan, decken, alſo urſpr. überh. Bedeckung), ein Kleidungsſtuͤck des weibl.
Geſchlechts, beſ. auf dem Lande, welches Bruſt u. Leib bedeckt, das Leibchen.
miegen, ziellof, Zw. (isländ. miga; lat, mingere, meiere; griech. Oyulzew),
niederd, gem, f, harnenz die Miege, f. der Harn; das Mieg=eemfen od,
=emerfen, niederd, f, die rothe oder braune Ameife,
Miete 1., w., -nd, Verkl. Miekchen, fe, niederd, gem, (aus Ma—
tiefen verkürzt) f, Marie,
Mieke 2. w., M. -n (vergl. Mieze, Mischen), gem. f. Katze.
Miene, w., M.-n (engl. mien, franz, mine, ital, mina; vergl, das
fhwed, mynd, Form, mynda, bildenz d, althochd, meino, Zeichen; wahrſch.
verw. mit mahnen, meinen; alfo urfpr, eine Geftalt oder Erfcheinung, die
etwas bedeutet, der Ausdruck bes Geiftigen) , eine Gefichtöbemegung oder
= geberde, ein augenblicklicher oder bleibender Gefichtdzug als Ausdrud einer
inneren Empfindung oder Gefinnung, unwillfürlic) entftehend, oder willkürlich
angenommen (Mienen und Geberden, vergl. d,5 eine freundliche, finjtere ac,
Miene machen; eine fromme Miene annehmen; ſprichw. gute Miene zum böfen
Spiel machen, d, i, bei unangenehmen Gefühlen vergnügt ausfehen) 5; in weite:
ver Bed, überh. die angenommene Geftalt, der äußere Schein (die Miene
haben, d, i. das Anſehen haben, danach ausfehen; Miene machen 2,
Miere — Miethe | 165
buch Ausfehen und Benehmen eine Erwartung veranlaffen, z. B. ber Feind
machte Miene, und anzugreifen) ; uneig. auch von Zhieren u, leblofen Dingen
f. Auöfehen, Unfehen (dev Wein, die Speife hat gute Miene); — der Mie—
nendeuter, mer aus den Mienen auf den Gemüths= u. Geifteszuftand ſchließt;
das Mienenfpiel, das wechfelnde Spiel, der ſchnelle Wechfel der Gefichtöbe:
wegungen.
Miere 1. w., M, -n (ceit. myr, angelf. myra, engl. mire; vergl. d. griech.
wögwos, püögums), niederd. f. Ameiſe; daher Miereneier f. "Ameifeneier, x
= larven.
Miere 2. w., gew. M. Mieren, (die niederd. Korm f. Meier, fd.)
gem. f. rother Hühnerdarm, Vogelkraut; gemeiner Hühnerbifs, Meier—
Fraut.
Mies, m. u. ſ., ed, M.-e, (altd. und angelſ. mios) oberd. gem. f.
Moos, Flechte.
Mies, w., dad Mieschen, die Miefefage, ſ. v. w. Mieze, f. d.
Miefel, m., -8, M. w. €. (v. meißen, ſchneiden), Fafsb. die abe
fallenden Ho ekhen.
Miesmuſchel, w. (griech. zur/Aos, lat. mitulus), eine eföbare zweifcha=
Ulige Mufchel mit-veilhenblauer Schale.
Miete, w., M, -n (dan, mid, engl. mite; franz. mitez;- Nebenform
von Motte, Made, f. d.), ſ. v. w. Milbe (Käfe:, Mehlmiete); landſch. auch
f. Mücke; mietig, Bw., Mieten oder Milben enthaltend.
mietern, aud mutern, mütern, zielloſ 3w., landſch. f. mauſen, mau⸗
ſtern (f. d.) von Krebſen; daher der Mieter oder Mieterkrebs, ein Krebs,
der ſich hält.
Miethe 1. w., M. -n (vergl. das mittl. lat. mota, altfranz. mote, Hü:
gel) landſch. Landw., ein runder, oben zugefpister Garben-, Stroh- oder
Heubaufen, Schober.
Miethe 2. w,, M.-n (alto. miata, mieta, miete3 ſchwed. muta; "an:
gelf. med, engl. Moses poln. myto; Bu; mizdaz; goth. misdo 5 griech.
nıoFös) ehem. überh. Gabe, Geſchenk; Kohn, Belohnung, Bergeltung ;
jest in engerer Bed. dad fuͤr eine gemiethete oder gedungene Sache, bef. für
eine Wohnung, vertragdmäßig zu zahlende Geld, Miethzind (die Miethe
bezahlen); das Berhältnifs zwilchen dem Abmiether und Vermiether und
‚der dasſelbe beftimmende Bertrag (einen in die Miethe nehmen, zur Miethe
wohnen; die Miethe auffagen, kündigen); miethen, ziel. Zw. (altd. mietan,
mieten), um Lohn dingen (einen Knecht, eine Magd, Arbeiter 2c. —); den
Gebraud) einer Sache auf eine gewiſſe Seit gegen vertragsmaͤßige Bezah-
Yung fich verfchaffen (niederd. heuern), bef. fofern man die Sache ohne
weitere Bearbeitung gebraucht, verſch. von pachten, (ein Haus, einen Wa:
gen, ein Schiff, einen Garten 20. —)3 — 3fes. dad Mieth- od. Mieths—
geld, das Geld, welches man dem gemietheten Gefinde zur Befeſtigung des
Vertrages giebt, Miethgrofchen, -pfennig, Handgeld; auch f. Miethzins,
Miethe; der Mieth- od, Miethöherr, die Mieth = od. Miethsfrau, Ei:
genthümer oder Eigenthumerinn einer vermietheten Sachez das Mieth= oder
Miethsjahr ‚ eines der Jahre, auf welche man etwas gemiethet, oder auch ſich
vermiethet hat; der Miethfnecht, Lohn: od. Lehnknecht; die Miethkutſche,
der Miethwagen, Lohnkutfche, gemietheter Wagen; der Miethladei, Lehn:
J
*
166 Miethuhn — Mil ne
fadeiz die Mieth- oder Miethöleute, der Mieth= oder Miethsmann,
die Miethfrau, Perfonen, welche in einem Haufe zur Miethe wohnen; der
Miethlohn, Dienſtlohn des Gefindesz das Miethpferd; die Miethstrup-
pen, fremde, auf gewife Zeit in Sold genommene Truppenz der Mieth= od.
Miethövertrag, fr.-Contract; das Miethvieh, landſch. fremde, gegen
Lohn überwinterte Schafe; miethweife, Nw., zur Miethe, gemiethetz der
Miethwohner, die Miethwohnerinn, wer zur Mietye wohnt; die Mieth-
zeit, Zeit des Miethens; Dauer des Miethverhältniffess der Mieth- oder
Miethszettel, ausgehängter Zettel, auf welchem eine Wohnung zur Miethe
ausgeboten wird; der Miethzins, f. o. Miethez — Ableit. der Miether,
-$, die Mietherinn, M. -en, wer stmas miethet oder gemiethet hatz
der Miethling, -eö, M. -e, eine um Lohn gedungene Perfon, ein Ta—
gelöhner, Knecht ꝛc.; def. uneig. verächtl. wer ſich durch Lohn zu etwas
erfaufen läfft, wer etwas nur des Lohnes wegen thutz die Miethung,
das Mierhen.
Miethuhn, f., landſch. f. die große Waſſerralle.
Mieze, w., M. -n, Verkl. das Miez chen (ſchwed. misge, ital. miciaz
von ihrem Gefchrei; vergl. mauzen), Volks- u. Kinderwort f. Babe,
Miezel, ſ. -8, M. w. E., ſchleſ. f. Kalb. -
Milde, w., M.-n (altd, miliwa, milwe, goth. malo, ſchwed. mal,
dan. möl; von malan, mahlen, malmenz ober”, milben oder milmwen,
zu Staub machen) überh. ein freffended, zermalmendes Inſect, ingbef, ein
Geſchlecht fehr Eleiner achtfuͤßiger Inſecten, die fih im alten Käfe, im
Mehl rc. aufhalten, Miete; landſch. f. Motte; Bücher- und Holzmiade,
Buͤcherwurm; milbig, Bw., Milben enthaltend,
Milch, w., o. M. (alt. miluh, milich; niederd, Melt, angelf. meolc,
engl. milk, dan. melk, ſchwed. mjölk, böhm. mleko 20.5 von melfen, f. d.),
der weiße, füßliche Nahrungsfaft, welcher ſich in den Brüften der Frauen
und den Eutern oder Zißen der ſaͤugenden Thierweibchen anſammelt und
zur Ernährung der Jungen beſtimmt iſt (Frauenmilch, Kuh-, Schafz, Zie—
genmilch 2c.5 füge, ſaure, geronnene, vide Milchz Wangen wie Milch und
Blut, d. i, von zart: weißer und rother Farbe); uneig. verjchiedene milchaͤhn⸗
liche, weißliche Fluͤſſigkeiten oder Stoffe, z. B. der weiße, dickliche Saft,
in welchem die jungen Bienen-Maden liegen; der Samen der männlichen
Fifchez der milchweiße, dickliche Saft mancher Pflanzen, z. B. des %-
wenzahns, der Wolfsmilch 21.5 ein aus oͤligen Fruchtkernen bereitete milch—
ähnlighed Getraͤnk, Mandelmilch); — Zſetz. die Milchader, Adern,
welche den Milchſaft in die große Gekrösdrüſe Leiten; milchähnlich, milchar—
tig, Bw.; der Milchafch, ein Aſch (ſ. d.), in weichem man die Milch ges
zinnen läfftz. dad Milchauge, Heilk. ein Auge, in welchem ſich die wäſſerige
Feuchtigkeit verduntelt hatz der Milchbart, ein aus Mithhaaren (f. d.) be:
ftehender Bart; auch ein junger Menfch, welcher einen folhen hatz ſcherzh.
wer gern Milchfpeife iſſtz milchbärtig, Bw., einen Milchbart habendz der
Milchbaum, landſch. f. Rüfter, Leenes das Milchboot, Naturk, eine Eleine
milchweiße Seemuſchel; der Milchbrei, ein aus Milch und Mehl bereiteter
Brei, Milchmus; das Milchbrod, Bert. = brödchen, ein Weizenbrödchen,
wozu der Teig mit Milch angemacht wirds der Milchbruder, die Milch-
ſchweſter, wer mit einer andern Perſon gleichzeitig aus denfelben Brüften ges
Milch 167
fängt worden iftz die Milchbrühe; der Milchdieb, uneig. f. weißer ober
blafsgelber Schmetterling, Molkendieb, Buttervogel; die Milchdruͤſe, Drü—
fen, in welchen ſich Mitch abfondert; die Bruſtdrüſe der Kälber und Lämmer;
die Milchfarbe, die bläulich = weiße Farbe dev Milch; milchfarben od. »far-
big, Bw.z das Milchfafs, Faſs zur Mid; Milch fäſsch en auch f. Mil:
gloͤckchen ; dad Milchfieber, ein Fieber fängender Perfonen ; das Milchfleifch,
Jartes, weiches Fleiſch, beſ. die Bruſtdrüſe der jungen Külberz die Milchfrau
od. das Milchweib, Milchmaͤdchen, der Milchmann ꝛc., Perſonen, welche
Milch zum Verkauf in die Stadt tragen; das Milchfrieſel, das weiße Frieſel
der Wochnerinnen; dad Milchgefaͤß, Gefäß zur Aufbewahrung der Mil;
Anat. die Saugadern, welche den milhähnlihen Speifefaft abfondernz; Die
Milchgeſchwulſt, von ftodender Milch herrührende Gefhwulft; dad Milche
gloͤckchen, eine Art bunter oder weißer Glockenblumen; das Milchhaar, die
erften wollichten u. weißlichen Barthaare; der Milchharn, krankhafter, weiß:
licher Harnz die Milchkanne, f. Kannez der Milchkern, oberd. f. Milch:
rahm, Sahne (f. Kern); der Milchkoch, ein Badwert aus Milch und Eiern
(fe Koh); dad Milchkraut, verfchiedene Pflanzen, deren Genuſs bei den Thies
zen be Buflufs der Milch vermehren foll, oder die einen Milchſaft enthalten,
insbef. ‚die Kreuzblume, Milchwurzz das Salz- oder Mutterkraut; eine Art
der Wolfsmilch; das gemeine Lungenkrautz die Milchkuh, milchende Kuh;
dad Milchlamm, ein noch faugendes Lamm; das Milchmaͤdchen, f. o.
Milchfrau; die Milchmagd, Viehmagd, welche das Vieh melkt 20.5. die Milch-
malerei , eine Art zu malen, wobei die Farben mit Mild; angerieben werden ;
das Milhmaul, gem., wer gern Milch und Milchfpeifen ifft, Milchbart; der
Milchmeffer, ein Werkzeug zur Prüfung der Reinheit der Milch; die Milch—
mufchel, eine Art Miesmuſchelz der Milchnapf, f. Napf; die Milchpode,
Kuhpocke; dad Milchpulver, zu einem teodenen Pulver eingekochte Milch;
der Milhrahm, f. Rahm, Sahne; milchreich, Bw., viel Milch habene,
gebendz der Milchreiß, in Milch gekochter Neisz das Milchrödel, Löwen
zahnz die Milchruhr, Durchfall Kleiner faugender Kinder; der Milchfaft,
Heilk. der aus ben Speifen fi abfondernde milchichte Nahrungsfaft (fr. Ehylus) 5
"der Milchfauger, eine Art großer ausländifcher Schwalben, welche angeblich
Menſchen und Biegen die Mildy ausfaugen, Ziegenmelker; auch f. Stockeule;
die Milchſaͤure, Scheidek. eine aus dem Milchzucker gezogene Säure; das
Milchſchaf, ein Schaf, welches gemolien wird; der Milchfchauer, ein fies
berhafter Schauer ſchwangerer Perfonen, wenn ihnen die Milch in die Brüſte
teittz der Milchfehorf, ſ. Anfprung ; der Milchſchwamm, ein Kleiner, efö-
barer gelber Blaͤtterſchwamm, Rechling, Pfefferſchwamm; die Milchfchweiter,
ſ. o. Milchbruder; die Milchſiene, ſ. Siene; die Milchſpeiſe, mit Milch
bereitete Speiſe; der Milchſtaar, Heilk. eine Art des Staars, wobei ſich die
Kryſtalllinſe in eine milchichte Feuchtigkeit auflbſ't; der Milchſtein, ein weiß—
grauer Stein, welcher ſich im Waſſer auflbſ't und dasſelbe milchweiß färbt; auch
eine Art milchweißen Marmors; die Milchſtraße, Sternk. ein breiter, Lichter
Streif am Himmel, welcher durch unzählige Sterne gebildet wird, dicht. auch
die Milchbahn; die Milchſuppe, aus Milch gekochte Suppe; gem. verächtl.
f. ein ſchwächlicher, blaſſer Menſch; der Milchtopf; das Milchwaſſer, ſ. v.
w. Molken ; auch die ſilberglänzende Milchfarbe der Perlen; milchweiß, Bw,
ſ. milchfarben; die Milchwurz od, = wurzel, ſ. Milchkraut; auch f. Schwarz⸗
.
x
168 mid — Milz — —
wurzel; ſchwarze Haferwurzel, Schlangenwurzel; der Milchzahn, die Zähne,
welche die Jungen der Säugethiere mit zur Welt bringen od. doch während des
Säugens bekommen u, ſpäter wieder verlieren ; auch die erſten Zühne der Kin:
der; der Milchzucker, ein zuckerartiges Salz, welches man aus der Milch ge—
winnt; — Ableit. milhen, Bw., Milch gebend, f. v. w. das niederd.
melk, (mitchenes Vieh, alt: und neumilchen); milchen, ziellof. Zw. m. haben,
Milch geben, gemolfen werden; verfh. melken, (die Kuh milcht gut);
der Milcher, landſch. auh Milhner, Milchling, ein männlicher Fiſch
mit milhähnlihen Samen (f. o. Milch), entg. Rogenerz milchicht, Bw.,
milhähnlih; milchig, Bw., Mild enthaltend; der Milchling, ein jun—
ges, noch faugendes Thier, Säugling; der Pfefferſchwamm.
mild od. milde, Bw. (altd. milti, milt; angelſ. milde, engl. u. ſchwed.
mild; poln. mily, lat. mollis, griech. zeldıgos; verw. mit d. angelf. meltan,
engl. melt, ſchmelzen, Malz ec.) überh. weich, gelinde, fanft,-entg. hast,
rauh; insbeſ. nad) der koörperlichen Befchaffenheit eines Stoffes u. für den Zaft:
finn: weich, biegfam, geſchmeidig (mildes Leder); muͤrbe, broͤckelig (milde
Bergarten); für das Gefammtgefühl: fanft, angenehm, entg. rauh, heftig
(mildes Wetter, milder Regen, Sonnenſchein 20); für den Gefhmad: ange—
nehm, nicht feharf und ſauer (mildes Obſt, milder Wein); in fittlichem Ver—
ftande: gelind, fanft, Liebreich, gutig, entg. Hart, ftreng (ein milder Sinn 3
eine milde Behandlung 5 milde Sitten; ein mildes Urtheil, eine milde Strafezc.) 5
insbef. f. wohlthätig, freigebig, mildthätig (ein milder Geber; eine milde
Gabe; -feine milde Sand aufthun, d. i. Wohlthaten ſpenden; milde Stiftun:
gen); — fer. mildherzig, Bw., ein mildes Herz habend und darin gegrün-
det; die Mildherzigkeit; mildthätig, Bw., geneigt, Milde zu beweifen,
finnv. wohlthätig, freigebigs die Mildthätigkeitz — Ableit. die Milde,
o.M. (altd. milte) dad Mildfein, die milde Befchaffenheit, bef. uneig., finnv.
Gelindigkeit, Sanftmuth, Mildthätigkeitz daher: mildreich, Bmw., reich
an Milde, liebreichz die Mildigkeit, (altd. miltekeit) f. v. w. Milde, doch
nur in fittlihem Verftande, bef. f. Freigebigkeit; mildiglich, vlt. Nw.-von
mild: auf milde, d. i. wohlthätige oder liebreiche Weiſe; milden, vlt. 3w,,
1) ziellos mit haben, mild, weich werden; 2) ziel. f. mild machen; mil-
dern, ziel. Zw., milder machen, dem Geſchmacke nach (4. 8. die Säure
durch Zucker —)3 dem Grade der inneren Stärkemach, finnv. mäßigen,
ermäßigen, lindern (der Sonnenſchein mildert die Kälte; einen harten Aue-
druck — 3 die Strafe, den Schmerz; —) 5 dem fittlidhen Gemüthe- u. Bildungs:
zuftande nach (die Sitten der Wilden —)s der Milderer, -3, wer etwas
mildertz; die Milderung, dad Mildern, die Ermäßigung, Linderung z
das Milderungs- oder Milderwort, ein mildernder, ſchonender Ausdrud,
den man ftatt eines harten oder sohen gebraucht (fr. Euphemismus). |
Militz, m., -ed, 0. M. (verw. mit dem lat. milium, Hirſe), landſch.
eine Art Nispengrad, weldes in fumpfigen Gegenden wächft und deſſen Blü—
thenrispe der der Hirfe ähnelt: großer Militzz eine Art Schmiele,
Waſſerſchmiele oder =hirfe: ſüßer Milig.
Million, w. M. - en (aus vem franz, million), eine Zahl von taufend
mal tauſend. .
Milz, w., M,- en, (oberd. Das auch der Milz; altd, dazmilzi;z island,
milti, angelf. u. nfederd, milte, engl, u. dän. wilt ; verw. mit mild, weiß),
. 2 —4
minder 169
ein aus ſehr lockerem Zellgewebe und vielen Blutgefaͤßen beſtehendes blaͤu—
lichrothes Cingeweide im menſchl. und thier. Körpery beim Menſchen in ber
linken Unterrippengegend liegend, (die Milz ftiht, d. i. man empfindet einen
ſtechenden Schmerz in der linken Weiche) ; aud) eine geronnene Maffe auf dem
Kopfe der Füllen bei ihrer Geburt, Pferdegift; — 3ſetz. die Milzader,
jede mit der Milz in Verbindung ftehende Schlag: und Blutaderz in engerer
Bed. ein Aft der Pfortader, welcher nach der Milz zu geht; auch ein Aſt der
Hohlader, der von der Vorhand bis zum Kleinen Finger geht u, ehem. in Milz
krankheiten geöffnet zu werden-pflegte; der Milzbrand, eine töbtliche Krank:
heit des Rindviehs, bei welcher die Milz ganz ſchwarz und flüſſig wird; die
Milzentzundung; milzkrank, Bw.; die Milzkrankheit, jede Krankheit
der Milz, bef. die Milzſuchtz dad Milzkraut, eine Art des Farnfrautes,
welche ald Heilmittel gegen MizErankpeit gilt, Milzfarnz; aud f. Hirfd;-
zunge, Mauerraute 21,5; goldner Steinbred; eine Art der Mondraute, Stein:
farn: großes Milzkraut; das Milzftechen, Seitenftechen in der Milz:
gegend; der Milzftrang, ein verfchlungenes Sehnengeäder auf ber linken Seite
des Magenmundesz die Milzfucht, Bauchnervenfuht, Unterleibsfranfpeit u.
- damit verbundene trübfinnige Laıme und Grilfenhaftigfeit (fr. Hypochondrie);
milzfüchtig, Bw., mit der Milzfucht behaftet (fr. hypochondriſch); ein Milze
füchtiger als Hw. (fe. Hypomondrift); das Milzweh, Schmerzen an der
Milz.
minder, Bw., Comp. des vlt. (jedoch im Niederd. noch gebr.) Bw. min,
ein wenig, weldes auch im Althochd. nicht mehr als Bw, vorfommt, (dev
Comp. goth. minniza; altd. minniro, minner, minre, und ald Nw. aud)
min; ſchwed. minne, mindre, dan. mindrez franz. moindre, moins; lat.
minor, minus; griech. nelov);. überh, Fleiner, weniger, geringer; dazu
der Superl. mindeſt, der, die, dad mindefte ze, (goth. minnists, altd. min-
nisto, minnest; lat. minimus; griech. weioros) überh, Eleinft, wenigit,
geringftz insbef, der Forperlichen Größe und Ausdehnung nach: kleiner,
entg. größer, nur alt u, oberd. (z. B, eine mindere Stadt; er ift der mindefte
unter uns); uneig. oberd, dem Alter nach: jünger (fein minderer Bruder,
Yat, minor); der Würde, dem Vorzuge nach: geringer (fi minder ſchätzen,
als Anderes der Mindefte unter ung; mindere Brüder oder Minder:
brüder, frr Minoriten, Benennung der Franciscaner-Mönche); gew. der
Menge oder inneren Stärke nach: weniger, geringerz wenigſt ic, , entg.
mehr, meift (5. B, nicht minderz die mindere Zahl oder Minderzahl, fr,
Minorität, entg. Mehrzahl; mehr oder minder, d, i, in höherem od, ge:
ringerem Grade; er ift minder reich, geſchickt ze, ald du; er hat nicht die
mindefte Einfiht, d. i, nicht die geringfte, gar Feinez ich zweifle nicht im
mindeften daran, f.v.w. nicht im geringften, f. gering; nicht das Min-
defte wiffen, d, i, ‚gar nichts); — Bfeg. der Minderbruder, f, 0,3 die
Minderherrfchaft, ſchleſ. eine Herrſchaft, deren Beſitzer eine Stimme auf den
« Bürftentagen hat, z. U, v, Standesherrſchaft; minderjährig, Bw., noch nicht
das gefegliche Alter zur eigenen Verwaltung feines Vermögens habend u, daher
unter Vormundſchaft ftehend (fr, minorenn); finnv, aber verfchieden ; unmündig,
ſ. d.z entg. groß-, volljährig; die Minderjährigkeit, der Zuftand des Min:
derjährigenz; die Minderzahl, ſ. 0.5 mindeitfordernd, Bw., der Min—
deſtfordernde ıc., wer für eine Arheit, Leiftung u, dgl, das Wenigfte fordert; —
1
170 Mine — Minne *
Ableit. die Minderheit, ſelten, das Minder-, d. i. Weniger- ober
Geringer-ſein, entg. Mehrheit; auch f. Minderzahl (Minorität, z. B. der
Stimmen); mindern, Zw. (altd. minniron) 1) ziel,, minder machen, und
zwar: der Ausdehnung nah: verkleinern, nur oberd, (3. B, Strümpfe —, f.
abnehmen beim Stricken) z gem, der Menge od, inneren Stärke nad), gem, ver—
mindern, find, verringern, entg. mehren; 2) rückz. ſi ch —, weniger od,
geringer werden, abnehmen (dev Schmerz mindert fih); die Minderung,
dad Mindern, die Abnahme; mindeftens, Nw., zum mindeften, aufs
mindefte, wenigſtens. !
Mine, w., M. -n (aus d. franz. mine; ital. mina; engl, mine ; wahrſch.
verw. mit dem franz. mener, oberd,. menen, führen), eine Erzgrube,
ein Bergwerksgang; Krſpr. ein unterirdifcher Gang, um alles dariiber Be-
findliche mittelft angezüindeten Pulvers in die Luft zu fprengen, Sprenggrube,
Pulverfeller (eine Mine graben, fpringen laſſen 2c,)5 uneig. ein heimlicher
Anfchlag, ein Eiinftliches Mittel zur Erreihung eines Zweckes (alle Minen
fpringen laſſen, d, i, alle Mittel anwenden); — 3ſetz. die Minen= oder
Minirbiene, eine Art Bienen, welche ihr Neft in die Erde graben, Höhen:
bienes der Minengang; der Minengräber, Schanzgräber (fr, Minirer,
Mineur); der Minenherd, der Ort, wo die Mine angezündet wird; die
Minenfammer, der hohle Raum der Mine, welcher mit Pulver angefüllt
wird; der Minenofen, eine ungefüllte, noch nicht geladene Minenfammer;
die Minen- od, Minirfpinne, eine Art Spinnen, welche fih in der Erde
ein walzenfdrmiges Neft graben; der Minentrichter, die bei Srrengung einer
Mine auf der Oberfläche entftehende trichterförmige Sffnung; — Xbleit,
die Miner, M. -n G. d. mitt, lat, minera), alt, und in neuerer Zeit von
Einigen wieder eingeführt f, das gew, fr. Mineral, jeder auf od. unter der
Erde befindfiche unorganifche Körper, Stein= oder Erzart, Berggut;
daher die Neuw. das Minerbad, die Minerquelle, das Minerwaller (gem.
fr, Mineralwafjer :d,); die Minerfunde od, =Iehre (fr, Mineralogie); mi-
nerfundig, Bw, der Minerfundige (fr, Mineralog); minerhaft, Bw,,
d. i. minerarfig (fr. mineraliſch) u. dgl: m, 5 miniren, ziellof, Zw., (franz.
miner), Minen graben; daher unterminiren, ziel, mit Minen unter:
graben; der Minirer, -$, Minengräber.
Mingel, f., —s, M. w. E., landfe. ein Weinmaß, weldes 2 Pinten
Hält. NA |
Minte, w., M. -n, landſch. ein vierfpigiged Ding, von deffen Spißen
immer eine in die Höhe fteht, man mag es legen, wie man will,
Minne, w., M. Giest vbllig vlt.) -n, (altd, minna; verw. mit meinen,
mahnen, von der Wurzel man, gedenken; vergl, das jchwed, minne, Willen;
celt. mynno, wollen), alt u, dicht, f. Liebe, urfpr, in jeder Ber, (z. B. Gottes
Minne und des Näaͤchſten Liebe); insbeſ. Geſchlechtsliebe, innige Neigung,
zärtliched Verlangen ; fpäter beſ. finnlicher Liebesgenuſs; vlt, Rſpr. f. Güte,
gütlicher Vergleich; minnen, ziel. Zw. (altd, minnon, ſchwed. minna), vit,
f. lieben ; daher der Minner, -8, die Minnerinn, M. -en, vlt, f, Lieb—
haber, Liebhaberinn; — 3fes. von Minne (meift vlt.) der Minnedichter,
Liebesdichter, ſ. Minnefängerz minnegehrend, Bw,, vlt. f. Liebe begehrend;
das Minneglüd; des Minnelied, Liebeslied; Lied eines Minnefängers;
der Minnelohn od. » fold, Lohn, welchen die Liebe giebt, Liebesgenufsz der
r Minute — mifchen 171
Minnefänger, alt = finger, überh. Liebesdichterz; bef, Benennung ber deut:
ſchen Liederdichter, weldhe vom 12ten bis 14ten Jahrh, zur Zeit der ſchwäbiſchen
" Kaifer aus dem Haufe Hohenftaufen lebten und vorzüglich die Liebe zum Gegen:
ftand ihrer Gefänge machten; daher: der Minnefang od, »gefang z verächtl.
die Minnefängerei od. =fingereiz minneſiech, Bw., vlt, f. liebefrant; —
Ableit. minnehaft, Bw,, vit, f. liebenswuͤrdig; minniglich, Bw. (altd,
minneclich) vft, f, lieblich, anmuthig, liebenswuͤrdig, verliebt,
Minute, w., M. -ın (aus d, lat. minuta, näml. pars), ein Eleiner Theil
eined Ganzen: 1) zeitlich: der 60ſte Theil einer Stundez auch Überh, ein
ſehr kleiner Zeittheil (id bleibe Leine Minute länger) ; 2) räumlich, Größent,
der 6Ofte Theil eines Grades (ſ. d.)) Mal, die Eleineren Theile, wonach
man die Berhältniffe des menfchl. Körpers beftimmt : der 48fte Theil einer
Kopflänges Bauk. der 80ſte Theil eines Models; — das Minutenrad, in
Uhren ein Rad mit 64 Zähnen, weldyes den Minutenzeiger umdrehetz der Mi-
nutenring, der in 60 Theile abgetheilte Kreis auf dem Zifferblatt einer Uhr;
die Minutenuhr, Uhr mit einem Minutenzeiger od, = weifer außer dem
Stundenzeiger,
Minzel.w., o. M, (altd, minza) oberd. f, Münze (eig: v, als diefes),
eine Pflanze,
Minze 2. w., M.-n, Verkl. das Minzchen, Minzel, landſch.
f.v. w. Mieze, Katze; daher auch Minſel, landſch, f. die Kätzchen an Wei—
den, Erlen ꝛc.
mie (goth, mis, altd. mir, engl, me), der Dat, des perfönl, Fuͤrw.
der erſten Perſon: ich (ſ. d.).
Mirte od. Myrte (une, Myrthe), w., M.-n, der Mirtenbaum
od.⸗ſtrauch (v. griech, avgros, lat. myrtus), ein im ſüdl. Europa, in Aſien
und Afrika einheimiſches baum- oder ſtaudenartiges Gewaͤchs mit kleinen,
länglichrunden, immergrünen Blättern von angenehmem Geruch, zu allerlei
Schmuck dienend, beſ. als Sinnbild der Liebe und Treue zum Brautkranz; auch
ein Sinnbild der Trauer u, des Todes; — mirtenartig, Bw.; die Mirtens
beere, die eifdrmige Beere der Mirte; der Mirtendorn, f. Stechdoruz Mäu-
ſedorn; der Mirtenhain, wald ꝛc., die Mirtenheide, eine Art des Wachs—
baumes, ein Sumpfgewächs, deſſen Blätter den Mirtendlättern ähneln; auch:
deutſche Mirtez der Mirtenkranz, die Mirtenkrone; das Mirten-
laub; der Mirtenzweig ıc.
miſchen, ziel, Zw, (altd, miscan; poln, mieszam; Yat, misceo, griech,
uloyo), überh. verfchiedene Dinge oder Stoffe unter einander bringen, fo:
wohl von trockenen, als flüſſigen Dingen, alfo von weiterer Bed. als das finnv,
mengen, (Gerfte unter den Hafer —; gemifchtes Getreide, Obft, Zutterz
die Karten miſchen; Wein mit Wafjer —; auch: Waffer unter den Wein mi-
ſchen; fich unter das Volk miſchen, d. i. in deſſen Mitte begeben); in engerer
Bed, durch Berbindung verfchiedener Stoffe einen neuen herftellen, mi—
ſchend bereiten (Farben, Getränke —; Gift miſchen, d, i, mifchend berei—
ten, oder auch: unter Speifen oder Getränke miſchen; ein gemifchtes Metal,
d. i. ein durch Mifhung bereitetes)z; uneig. fich in eine Sache mifchen, d. i,
unbefugt Theil daran nehmen, vergl, mengenz; mit etwas gemifcht fein,
fi) darein miſchen, d. i. damit wechfeln, darin Eingang finden od. vor—
kommen (unfere Freuden find mit Leiden gemifchtz es mifcht ſich viel Falſches
172 Mifelfuht — mifs
in feine Vorftellungen 26); — 3fes, die Mifchfarbe, aus verfhiedenen ein-
fachen zufammengefegte Farbe; das Mifchfutter, gemengtes Vichfutter, bef.
Wicken u. Hafer oder Gerftes das Mifchgefaß, der MifchErug, ein Gefäß,
in welchem man Verfchiedenes unter einander mifht, bef. Getränke, 3. B.
Waffer u. Wein; das Mifchgetreide, = For; der Mifchtheil, einzelner Be:
ftandtheil eines gemifchten Ganzen (fr. Ingrediens) 5 der Miſchtrank, gemifchter
Trank, bei. Arzneitrank (fr. Mirtur); dad Mifchwort, ein Wort, beffen
Theile aus verfgiedenen Sprachen genommen find; — Ableit. mifchbar, _
Bw., was fich mifchen Läfftz der Mifcher, die Mifcherinn, wer etwas
mifcht, def. in Zfeg. wie Giftmifherz der Mifchling, -ed, M. -e, ein
gemifchted oder duch Miſchung entftandened Ding, z. 8. eine gemiſchte
Steinart, Sprade u. dgl.; oberd. f. Mifhfutter, Miſchkorn; bef. ein von
verfhiedenfarbigen Menfchen erzeugter Menfh Mutatte 2c.); auch ein von
Thieren verfchiedener Art erzeugtes Ihier (4.8. ein Maulefet zc.) 5 der Mifch-
maſch, - ed, M. -e Qriederd. Miskmask, engl. mishmash; franz. micmac;
eigenthuml. verftärkenbe Bildung der Volksſpr. durd Wiederholung der Sfamm-
ſilbe mit dem Ablaut, vergl. Ticktack, Schnickſchnack, Wiſchwaſch u. dgl.), gem.
verächtl. f. ein Gemifch ohne Wahl und Ordnung, finnv, Menafelz daher
mifchmafchen, 8w. gem, f. einen Miſchmaſch machen; die Mifchung,
das Mifchenz das Gemiſchtſein, die Art und Weiſe wie etwas gemifcht
iſt (Miſchung der Farben 26); aud das Gemifch od, Gemifchte ſelbſt; mi—
ſcheln, ziel. 3w,, das verkl. mifchen, landſch. verädhtl, f, mifchen, bef. wies
derholt mifchen.
Mifelfuht, w., mifelfüchtig,, Bw, 1. Mafelfucht 2c. unter Mafe, |
Mispel, w., M.-n, (andſch. auch Mespel, Nespel, Nispel, Hespel,
Wispel zc,; ital. nespola, franz. nefle; poln, mispla; aus d, lat, mespi-
lum , griech, neomıkor, weortin), die rundliche, fleifchige Frucht des Mis—
pelbaumes, welche einen herben Gefhmac hat, und erft wenn fie gefroren
und angefault ift, eſsbar wird; die Mispelbirn, eine Kleine, Längliche, gelb:
Yihrothe Birn; mispelbraun, Bw,, von der braunen Farbe der faulenden
Mispeln.
mifs (altd. missi, missa, misse; angelf, und engl, mis, fihwed, miss;
franz, mes; verw, mit miſſen; island, missa, verlieren; engl, miss, Ver:
Yuft, amiss, übel, falſch; ſchott. miss, Gebredenz- der Grundbegriff der
Wurzel fcheint: trennen, verlegen), ein Nw., ehem, auch felbftändig gebraucht
f. verfehlt, falſch, ungewiſs, unrecht (bei Otfried auch ald Bw, mino misso
dati, d, i, meine Mifjethatenz niederd, noch: Haben ift gewiſs, kriegen ift
mis); jegt im Hochd. nur als erftes Glied in Bufammenfesungen gebr,,
wo es bezeichnet 1) eine Berfchiedenheit, Uneinigkeit, mangelnde Überein—
ſtimmung, bef, fofern fie fehlerhaft, und widrig ift (entfpr. d. lat, dis —5
3, B, mifsgellig, mifsfarbig, mifstönen); 2) Entfernung, Abwendung,
Trennung, VBerfehlung des Ziels, finnv, ab, fehl (3. B. mifsrathen f. v. w.
. ab oder widerrathenz; mifsarten; Miſsgriff, vergl, Fehlgriff); 3) die Abs
weichung von einer Negel, eine Unvollfommerheit, Lnregelmäßigfeit, u,
im fittlihen Berftande ein Berfehen, Unrecht, Fehler, Irrthum, finnv,
übel, ſchlecht, bbſe, unrecht, falfch (3. B, Mifsgeburt, Mifegeftalt, Miſsge—
ſchbpfz mifslaunigz mifsbrauchen, mifshandeln, mifsdeuten, Mifsverftand zc,) 5
4) den Mangel, die Abweſenheit des in dem Grundwort enthaltenen Begriffes,
mifsachten — mifsbrauchen 173
finnv. un —, ent—, nicht (4. B. Mifsgunft, vergl, Ungunftz mifsbilligen, d, i,
nicht billigen; mifötrauen, mifsfallen, mifslingenz; mifsvergnügt 2c.). — Sn
‚allen Haupt= u. Beiwdrtern hat mifs immer den Hauptton (5.8. Mi fe:
trauen, Miföfalen, Mifsverftand, mifshellig, mifstrauifch 2c.)5;. in
Beitwdrtern aber hat mifö entweder 1) den Nebenton, das Zw. felbft
den Haupttonz dergleichen Zw. find der Regel nad) untrennbar u. nehmen
im Mw. Eein ge an (5.8. mifsfallen, es miföfiel, Mw. mifsfallen; mifslingen,
miſslungen; fo uud) mifsrathen, mifshandeln, er hat ihn mifshandelt 2c.) 5
zum Theil aber find die Zeitworter diefer Art zwar untrennbar, fegen aber
im Mw. das ge vor mifs u. legen dann im Mittelworte ben Hauptton auf
mifs (3. B. mifsbilligen) ich miſsbillige, gemifsbilligt; miſsbrauchen, ic)
mifsbraude, gemifsbraudit, doc auch: miſsbrauchtz mifstrauen, ich miſs—
trauete ihm, gemifstraut 2c.); oder 2) mifs hat den Hauptton, das Zw,
jelbft den Nebenton, a) in einigen zielfofen Zw., welde dann der Regel nad)
trennbar find und das ge des Mw., fo wie das zu des Infinitivg zwi⸗—
‚ Shen das Nw. und Zw, einſchalten (z. B. mifstönen, mifsgreifen, mife:
arten, mifshandeln, d. i. ſündigen; alfo mifsgetönt, mifszutönen, mifgge-
griffen, miſsgeartet; id) habe mifsgehandelt 5 die getrennten Formen: ich handle
miſs, es tönt miſs, er ariff miſs ꝛc. find jedoch vlt. und ungebr.); b) in Zw.,
welche nad) dem miſs nod) eine tonlofe Vorſilbe haben; diefe find der
Betonung zuwider untrennbar und erhalten im Mw. Fein ge (5. B. mifg-
behagen, mifsbelieben, mifsgebären, mifsgeftalten; es mifsbehagt oder
mifsbeliebt mir; Mw. mijöbehagt, mifsgeboren, mijögeftaltetz fo auch mife-
verftehen: er mifsverftehtz mifsverftanden 2c.).
miſs a ch ten,- untrb. ziel. Zw. (er mifsachtet mich, Mw. ge miſs achtet; f.
mifs), nicht achten, gering achten, milder als verachten; die Mifsachtung.
mifs arten, trb. ziellof. Zw. mit fein (er ift miſsgeartet; felten: er artet
mifs), ſchlecht arten, ſinnv. aus-, abartenz die Mifsartung.
mifsbehagen, untrb. ziellef. 3m. m. haben (es mifsbehagt mir, hat
“mie miſsbehagt; ſ. mife), ſchlecht oder übel behagen; das Mifsbehagen,
Unbehagen; mijsbehaglich, Bw., Mifsbehagen erregend od. empfindend,
mifs belieben, untrb. ziellof. Zw. m, Haben (vergl. miſs), nicht oder
wenig belieben (e3 mifsbeliebt mir); das Mifsbelieben, mangelndes Belie—
ben, Mifsfallenz mifsbeliebig, Bw., nicht beliebend, mifsfällig. '
mis bieten, trb. ziellof. Zw. m. Haben, bef. obecd, f. zu wenig u. daher
ohne Erfolg bieten (er hat mifsgeboten); das Mifsgebot, ein zu niedriged
Gebot,
mifsbilden, unteb. ziel, Zw. (Mm, mifsbildet oder gemifs bildet; n. X.
weniger r. miföbilden, mifsgebildet), fehlerhaft, übel, unſchoͤn bilden;
die Mifsbildung. i
mifs billigen, untrb. ziel. Zw. (Mi. gemifsbilligt), nicht billigen, für
unrecht. erflären, finnv. tadelnz die Mifsdilligung.
mifsbrauchen, unteb. ziel. Zw. (er mifebrauht dich; Miv. gemife:
braucht oder miſsbraucht; vergl. mife), falfch, der Beftimmung od, dem
Zwecke zumider gebrauchen; auf unrechtmäßige, unerlaubte Weiſe ge—
brouchen (ev mifsbraugt feine Macht zu Gewaltthäfigkeitenz den Namen Gottes
miſsbrauchen einen —, d. i. feine Schwäche, Nachſicht, Leichtgläubigkeit 2c,
ſich zu Nuge machen); der Mifsbrauch, fehlerhafte, zweckwidrige, unrecht=
174 + Mifsbund — mifsfühlen
mäßige Gebrauch (3. B. des Geldes; Miſsbrauch von feiner Macht machen);
aud) eine tadelnswerthe Gewohnheit, ein fchädliches Herkommen (Mife-
bräuche abſchaffen oder abftelen); mifsbrauhlih, Nw. u. Bw., nad) Art
* a. ‚ auf zweckwidrige, unrechte Art (fr. abufine).
has eg m. Be fe, ein zweckwidriges, nachtheiliges
miſs denken, teb. ziellof. Zw. m. haben (Mm. miſsgedacht) it. f. unrich-
tig, denfen, irren,
mifsdeuten, untrb. ziel. 3w. (du miſsdeuteſtz Mw. gemifsdeutet od.
mifsdeutetz ſ. mifs), falfch,.ubel, der Meinung des Redenden cd, Han
delnden zumider deuten cd. auslegen; die Mifsdentung.
Miſsdruck, m., Neuw. f. falicher, fehlerhafter Druck; aud etwas
falſch, ſchlecht od. ohne Erfolg Gedrucktes, daher f. das fr. Maculatur.
miſs duͤnken, trb. ziellof. Zw. mit haben (Mm. mifögebünft), vlt. f.
übel, unrichtig duͤnken; Zweifel, Bedenklichkeit haben.
miffen, ziel. 3w. (altd. missan; vergl. miſs), nicht haben, entbehren,
ermangeln, bef. etwas für notwendig Geachtetes (id) kann ihn, feine Hülfexc,
nicht miſſen oderd. aud mit dem Gen, eines Dinges —); landſch. auch f.
vermiſſen, d. i, den Mangel, die Abwefenheit eines Dinged gemahr ıer=
den, empfinden; oberd. rück. ſich —, f. ſich enthalten; niederd. auch ziel:
los f. ausbleiben, fehlen (das kann nicht miffen).
Miisernte, w., eine fehlgefchlagene, ſchlechte Ernte; miſs ernten,
BA 3m. (Mw. mifsgeerntet), eine ſchlechte Ernte oder Mifsernte
machen.
Miſſethat „w. (in der alten Form erhalten fi. Mifsth atz vergl. miſs;
goth. missadeds, altd. missität, missetät), ehem. überh. f. Verſehen, Feh⸗
ler, Fehltritt; jetzt beſ. bibl. f. Sünde, geſetzwidrige Handlung, beſ. ein
grobes Verbrechen; daher der Miffethäter, die Miffethäterinn, Verbre—
her, Verbrecherinn.
Miſsfall, m., vlt. f. ein unerwuͤnſchter, übler Fall; insbef. eine zu
Frühe Niederkunft. |
miſs fallen, untrb. zielloſ. Zw. mit haben, ablaut. wie fallen, (f. mifege:
fallen; altd. missevallenz es mifsfiel mir; Mw. mifsfalten), nicht gefallen,
Unluft erwecken, entg. wohlgefallen; das Mifsfallen, —s, o. M., die
Empindung des Nichtgefallens, der Unluft, ſinnv. Mifsbehagen, Unzu—
friedenheit, Mifsbilligung, entg. Wohlgefallen, Beifal (einem fein Miſs⸗
‘fallen zu erkennen geben) 3 mifsfällig, Bw. u. Nw., Mifefallen erweckend
(einem mifsfältig werden) 5 Miföfallen empfindend und Aufernd, entg. bei-
fällig (etwas mifsfällig vernehmen 5 mifefälfige Urtheile u. dal.); die Mife-
faͤlligkeit, das Milsfälligfein in beiden Bed.
Mifsfarbe, w., ehem. überh. mannigfaltige Farbe; jegt nur; mider-
fprechende, widrig verfchiedenartige, ob. falfhe, unechte, üble Farbe;
. mifsfarben ob. -farbig, Bw. (altd. missevar, befleckt; bleich, fahl), von
widrig verfchiedener, od. Über, verblichener, blaffer Farbe.
Mifsform, w., fehlerhafte, midrige Form; mifsfürmig, Bw., eine
Mifsform habend; mifs formen, trb. ziel. Zw. (Mw. mifsgeformt), Fehlers
‚haft, widrig formen. x
mifs fühlen, teb. ziel. Bro. (Mm. miſsgefühlt), Neuw. f. unrichtig, falfch
Mifsgang — mifshellig 175
fühlen; das Mifsgefühl, unrichtiged od. mangelndes Gefühl; auch wi⸗
driged, unangenehmed Gefühl.
Mifsgang, mifsgängig, f. mifegeyen.
mi ſs gebaͤren, unteb. ziellof. 3w., ablaut. wie gebären (Mm. mifsgeboren;
vergl. mifs), zu früh gebären, fehlgebärenz aud eine Mifsgeburt zur Welt
bringen; die Mifsgeburt, 1) das unzeitige Gebären, die Fehlgeburt;
2) ein zur Weit gebrachtes Geſchoͤpf ven unregelmäßiger oder unvollfoms
mener Geftalt, Miſsgeſchoͤpf (fr. Monftrum). ’
mifögehen, trb. ziellof. Zw. m. fein, ablaut, wie gehen (altd. missegän,
übelgehen; Mm. mifsgegangen), vit. f. fehl, irre gehen; mifälingen ; uber
ergehen; der Mifsgang, Fehlgang, ſchlechter Fortgang; miſsgaͤngig,
Bw., ſchlechten Fortgang habend.
miſsgelaunt, Bw., ſav. w. miſslaunig, übel gelaunt.
Miſsgeſchick, ſ., widerwärtiges Geſchick, finnv. Unglück,
Mifsgeihöpf, fr, ein fehlerhaft geftaltetes, haͤſsliches Geſchoͤpf.
Miſsgeſtalt, w., fehlerhafte, unregelmäßige, haͤſſliche Geſtalt; auch
eine fo geſtaltete Perſon oder Sache; miſs geſtalten, untrb. ziel. Zw.,
etwas —, haͤſslich, unfoͤrmlich geſtalten; das Mw. miſsgeſtaltet als
Bw. ſ. v. m. miſsgeſtaltig, eine Miſsgeſtalt habend.
Miſsgetoͤn, ſ., dicht. unangenehmes, widriges Getön,
Miſsgewaͤchs, ſ. ein fehlerhaft oder unvollkommen gebildetes Gewaͤchs.
Miſsglauben, m. / vlt. falſcher Glauben, Irr-, Aberglauben; mifs-
glaͤubig, Bw., irr- od. aberglaͤubig.
miſs gluͤcken, untrb. zielloſ. Zw. mit fein (es iſt mir miſsglückt, nicht:
miſsgegluͤckt), nicht gluͤcken, übel gluͤcken, miſslingen.
miſs goͤnnen, untrb. ziel. Zw. (Mw. mifsgönnt; vit. gemifegdnnt), ei—
nem etwas —, nicht gönnen, ungern goͤnnen, ſinnv. beneiden; die Miſs—
gunft, der Zuftand, die Empfindung des Nichtgönnens, Abgunft, finnv.
Neid, Scheelfuhtz miſsguͤnſtig, Bw., Miſsgunſt habend und Yarin
gegruͤndet.
miſs greifen, trb. ziellof. Zw. m. Haben, ablaut. wie greifen (Mm. miſs⸗
gegriffen), falſch oder fehlgreifenz der Mifsgriff, ein falfcher od. verfehl—
tee Griff; uneig. das Ergreifen eines unrechten Mittels, überh. f. Ver—
ſehen, Fehler.
mis handeln, trb. ziellof. Zw. m. haben (Mw. mifsgehandeltz vergl.
miſs), alt, bef. bibt. f. uͤbel, unrecht handeln, fehlen, fündigen; —
miſshandeln, untrb. ziel. Zw. (Mw. miſs h an delt, vlt. gemifs handelt)
einen —, ſchlecht behandeln, thaͤtlich beleidigen, hart oder grauſam mit
ihm umgehen; die Miſshandlung, ehem. f. boͤſe Handlung, Miſſethat;
jegt nur: thätliche Beleidigung, graufame Behandlung,
Mifsheirath, w., eine unpaffende, unvortheilhafte, nachtheilige Hei⸗
rath, beſ. zwiſchen Perfonen ungleichen Standes (franz. mésalliance)3 mi ſs⸗
heirathen, trb. zielloſ. 3w. (Mw. miſsgeheirathet), eine Miſsheirath eingehen.
miſshellig, Bw., (gew. als miſshälligz von Hal), eig. verſchiedenen
Hall oder Ton habend, nicht zuſammenſtimmend (fr. diſſonirend, dishar-
monifh); gew. uneig. f. nicht uͤbereinſtimmend, uneinig, verſchiedener
Meinung, beſ. nicht im Einklang lebend, zwietraͤchtig (entg. einhelligh;
die Miſshelligkeit, mangelnder Einklang, Widerſtreit der Meinungen ic;
|
Uneinigkeit; Streitigfeit od. Streitſache (M. Mifshelligkeiten),
’
170 Muiſsjahr — Mißsſchlag
Miſsjahr, ſ., ein ſchlechtes, unfruchtbares Jahr, in welchem die Felo—
früchte miſsrathen ſind.
miſs kennen, untrb. ziel. Sw., ablaut. wie kennen (Mw. miſskannt), un⸗
recht oder ſchlecht kennen, nicht kennen, ſinnv. verkennenz die Miſs⸗
kenntniſs, ſelten f. unrichtige, ſchlechte Kenntniſs, unkenntniſo.
miſs klingen, trb. zielloſ. Zw, mit haben, ablaut. wie klingen (Mw.
miſsgeklungen), uͤbel, unrein klingen, nicht im Einklange fein; der Miſs—
klang, falſcher, widriger Klang, Übelklang.
Miſslaune, w., uͤble Laune; miſslaunig, Bw., uͤbel gelaunt, miſs⸗
gelaunt.
mifslauten, teb. ziellof.3w. m. haben (Mw. miſsgelautet), uͤbel, widrig
lauten; der Mifslaut, Übellaut; mifslautig, Bw., übel (autend.
mifsleiten, untrb. ziel. 3m. (Mw. mifsleitet, ſeltner: gemiföleitet),
falſch, übel leiten, ſinnv. verleiten; die Mifsleitung.
mifslich, Bw. (v. miſs, ſ. d., u. lid, gleich z alfo eig. ungleid), ver:
fchieden, welche Bed. das goth. missaleiks, altd. missilih, mislich, wirklich
hat), niederd. f. unpafs, miſsmuͤthig; gew. was fehlfchlagen kann, un
gewifs, zweifelhaft, bedenklich, gefährlich (ein mifsliches Unternehmen u.
dgl.; in diefer Bed. vielleiht von miffen f. fehlen, fehlſchlagen gebildet) ;
die Mifslichkeit, das Mifslichfein, die Bedenklichkeit, Gefährlichkeit,
mifsliebig, Bw., alt u. oberd. f. miföbeliebig, mifsfällig.
miſs lingen, untrb. zielloſ. Zw., ablaut. wie gelingen (vergl. lingen ; Mw.
miſslungen; Impf. es miſslang mir), nicht gelingen, ſchlechten Erfolg ha—
ben, ſinnv. miſsgluͤcken, mifsrathen; das Miſslingen als Hw.
Miſsmuth, m., üble, unbehagliche Gemuͤthsſtimmung, finnv. Uns
muth, Schwermuth, Truͤbſinn; miſsmuͤthig, gew. als miſsmuthig,
Bw., Miſsmuth habend und zeigend, ſinnv. unmuthig, ſchwermuͤthig,
verſtimmt, verdrießlich; die Miſsmuͤthigkeit, das Miſsmuͤthigſein.
Miſspickel, m., -5, M. mw. E., Bergw. ein weißer Arſenikkies,
Giftkies.
miſs rathen, untrb. Zw., ablaut. wie rathen (Mm. miſsrathen) 1) ziel.
(von rathen) einem etwas —, ſ. v. w. abrathen, zur Unterlaſſung
einer Sache rathen (er miſsrieth es mir); 2) ziellos m. fein (vom
gerathen, alfo f. mifsaerathen), fchlecht gerathen, nicht gelingen, finnv.
miſslingen, (die Feldfrüchte find mifsrathenz die Arbeit ift mix mifsrathen).
mifsrechnen, teb. ziellof. Im. (Mw. mifsgerechnet), falſch rechnen, ſich
im Nechnen verfehen, fich verrechnen; die Mifsrechnung.
Mifsrede, m., vlt. f. üble Rede; mifsreden, trb. Zw. f. uͤbel reden.
Mifsruf, m., uͤbler, nachtheiliger Ruf (Neuw. f. das halbfremde: Mife-
eredit). _
mißsfchaffen, trb. ziel. 3w., ablaut. wie fchaffen, felten f. bel, haͤſslich
fhaffen; das Mw, mifögefchaffen als Bw. gebr. f. haͤſslich geſchaffen,
mifsgeftalter.
miſs ſchießen, trb. zielloſ. Zw., vlt. f. fehlſchießen; dar Miſsſchuſs f.
Fehlſchuſe.
miſs ſchildern, trb. ziel. Zw., Neuw. f. unrichtig, mifefällig ſchildern.
Miſsſchlag, m., vlt. u. Lande. f. verfehlter Schlag, Fehlſchlag; mifs-
ſchlagen, troͤ. zielloſ. Zw. m. fein, f. fehlfchlagen, miſsrathen. —
mi ſs⸗
miſs ſprechen, trb. ziel. und ziellof. Zw., ablaut, wie fpreden, vit. f.
ru ſprechen, fich verfprechen; Boͤſes fprechen.
Mifsftand, mi,, übler, mifsliher Zuftand; Übelſtand (M. Nifsftände).
mifsftimmen, teb. Zw. 1) ziel. falſch, unrichtig ſtimmen; uneig. in
eine Üble Stimmung verfeßen, bef, das Mi, miſsögeſtimmt als Bw.,
ſ. v. w. verſtimmt; 2) zieltos, eine falfche Stimniung haben, nicht zuſam—
menltimmenz die Mifsftimmung.
mifs thun, trb. zielloſ. Zw., ablaut. wie thun (altd. missetuon), vlt. f.
unrecht thun, fündigen, fehlen; ; daher die Mifsthat, gew. Miffethat, ſ. d.
Miſston, ms, ein unreiner, falſcher, widriger Ton; mifstönen,
trb. ziellof. Bw. m. haben (Mw. mifsgetönt), falſch, unrein, uͤbel toͤnen;
miſstoͤnig, Bi,’ ſ. v. w. mifstönend, uͤbel toͤnend.
miſstrauen, untrb. zielloſ. Zw. m. — gemifstraut, auch
mifstraut), einem —, ihm nicht trauen, Fein Vertrauen od, Zutrauen
zu ihm haben; das Mifstrauen, -8, der Mangel an Vertrauen u, deffen
Hußerung, der Zweifel an der Güte, Fähigkeit, NedlichEeit ec. einer Per:
' fon oder Sache, finnv, Urgwohn, Verdacht (Mifetrauen in etwas cher in
Jemand fegen); mifstrauifch, Bw., Mifdtrauen-hegend, u, darin gegruͤn—
det (ein mifstrauifher Menſch, Blid zc.).
mifstreten, teb. ziellof. Zw. m. Haben, ablaut. wie treten (Mw. mifege:
treten), felten f. fehltreten; der Nifstritt, niederd. f. Fehltritt.
Miſstreue, w., vlt. fe mangelnde Treue, Untreue.
Mifstroft , m, vlt. f. fchlechter, leidiger Troſt; mifs tröften, trb. ziel.
3w., einen —, vlt. f. ihm ſchlechten Troſt geben.
Mifsurtheil, ſ., Neuw. f. unrichtiges, falſches Urtheil; mi fs urtheilen,
trb. ziellof. Zw. (Mw. mifsgeurtheilt) , Neum f. falſch urtheilen.
Mifsvergnügen, fe, die Umluft tiber eine miföfällige Sade, finnv.
Unzufriedenheit, Berdrufs, entg. Vergnügen; mifsbeignügt, Bw., Miſs⸗
vergnuͤgen empfindend, ſinnv. unzufrieden, verdrießlich, traurig.
Mifsverhalten, f., ein uͤbles, geſetz⸗ oder vorſchriftwidriges Ver—
halten; das Miſsverhaͤltniſs, ein unrichtiges, unangemeſſenes, unan—
genehmes, widriges Verhaͤltniſs.
miſs verſtehen, untrb. ziel. Zw., ablaut., wie verſtehen, (Mi, miſsver⸗
ſtanden; vergl. miſs), einen oder etwas —, unrichtig, falſch verſtehen;
der Miſsverſtand, der falſche, unrichtige Verſtand, das Miſsverſtehen
eines Wortes, einer Rede u, dgl; dad Mifsverftändrifs, f ſ. v. w. Mifes
verſtand; auch überh, f. Irrthum, Irrung; Uneinigkeit, Miſshelligkeit,
Spannung.
Miſswachs, mi, td, o. M., fehlgeſchlagener Wachsſthum und uns
gewoͤhnlich geringer Ertrag der Feldfruͤchte, vergl. Miſsernte; auch das
fehlerhafte, unfoͤrmliche Wachſen 3. 8, eines Gliedes, in dieſer Bed, b. der
Miſswuchs.
Mifswende od. Miffewende, w., elt., die uͤble Wendung, das Fehl⸗
fchlagen einer Sache; ehem, auch f. Fehler, Bergehen, Tadel,
Mifswort, ſ., Neuw, f. ein dem Begriff oder Zwecke nicht angemeffe>
ned, auch ein Übel gebildeted, unrichtiged, unangenehmed Wort,
mifsziemen, teb, ziellof, 3, m, haben (Mw. mifsgeziemt), vit. f. nicht
ziemen, uͤbel anſtehen.
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 12 F
—
miſsſprechen — miſs ziemen 177
”
178 mifszieren — Miftel
mifszieren, trb, ziel, Bio, (Mm. mifögeziett), felten f. nicht zieren, ent=
ftellen, häfelich) machen, übel ſtehen; die Mifszierde, ſchlechte Zierde,
Entftellung.
Miſt 1., m., -ed, 0. M. (goth. maihstus, altd, misit, mistz angelf,
meox, mix, engl, mixen, muck, fAwed, mock, mög; niederd. Meſs;
wahrſch. verw. mit miegen, angel, mihan, migan, lat, mingere, harnen,
defien Grundbegriff negen zu fein ſcheint; vergl, miftnafs u, Mift 2,), der
Koth von Menfchen und bef. Tieren, insber. fofern er mit Stroh, Laub
u, dergl, vermifcht zur Dimgung des Erdreichs dient, finno, Dünger, fd
(Pferde, Kuh-, Schafmift z,; ſprichw. das ift nicht auf deinem Mifte ge:
wadfen, di, es ift nicht deine Erfindung, dein Einfall 2c.), landſch. in weis
terer Bed, f. alled Unreine, Schmußige, als: Auskehricht, Gaſſenkoth;
gem, verächtl. f. eine fchlechte, untaugliche Sache; — 3fes, die Miftbahre
0d, =trage, eine Bahre zum Fortſchaffen des Miſtes; der Miftbauer, ein
Bauer, welcher den Mift aus der Stadt holt; das Miftbeet, ein mit Brettern
umfchloffenes und mit Fenftern bededtes ftark gedüngtes Gartenbeet, auf wel-
chem die Gewächfe früher getrieben und bef, zarte Pflanzen aus wärmeren Ge-
genden gezogen werden, Zreisebeetz der Miftbeller, landſch. f. das Murmel—
thierz der Miſtblaͤtterſchwamm, Miftfhwamm od. = pilz, ein auf Mift-
haufen wachfender Hochftieliger Blätterfhwammz; der Miftfin?, Berg: oder
Rothfinkz uneig. gem. f, eine ſchmutzige Perfon, in diefer Bed, auch der Mift-
hammel; die Miftfliege, eine Art Stiegen, welche ſich auf dem Miſt auf:
Halten; die Miftforfe, niederd. f. Miftgabel, eine große eiferne Gabel zum
Faffen des Miftesz; die Miftfuhre, ſ. Fuhre; die Miftgauche od. =jauche
(1. d.)/landſch. auch Miftgalle, = gällen (ſ. Galle 3.), das Miftwafler;
die Miftgrube, Grube, in welche man den Mift fammeltz der Mifthanfen ;
der Mifthof, Landw. ein Hof, wo der Mift gefammelt wird; der Miftkäfer,
jeder im Mifte lebende Käfer; bef. der fchwarze Miftkäfer, Roſs-, Dredkaferz
auch eine Art Speckkäfer; die Miftkarre od. der Miſtkarren, «wagen x. 5
die Miftlache od. = pfiiKe, der Miftpfuhl, eine Pfüge v. zufammengelaufener
Miſtjauche; die Miftmelde, ſtinkende od, Hundsmelde; auch f. gemeine oder
Waldmelde; miftnafs, Bw., eig, nafs wie Mift, landſch. gem, f. völlig durch—
näſſt (gehört vielleicht zu Mift 2.); die Miftftatt oder =flätte, Landw., der
Platz, wo man den Mift aus den Ställen aufbewahrt; — Ableit. miflig,
Bw., Milt enthaltend, mit Mift befudeltz; miften, Zw. 1) ziellos mit
haben, fich feined Kothes entledigen, bef, von größeren Thieren (das Pferd,
der Ochs miſtet); den Milt fortfchaffen (gew. nur ausmiften)z; 2) ziel;
etwas —, als Koth oder mit dem Kothe von ſich geben (But —)5 mit
Miſt duͤngen (den Ader —); der Mifter, - 8, wer den Mift aus dem
Stalle fihafft, damit düngt cz die Miftung, dad Miften, d. i, Aus:
miften oder Düngen; oberd. auch f. Miſthaufen, = plaß.
Miſt 2., m., -ed, o. M. (angelſ. engl. holl. mist; öſtr. die Miſten;
wahrſcheinlich von gleichem Stamm mit Mift 1. Grundbed. die Näffez vergl.
d, griech. öulyAn, Nebel, öulyev, harnen) landſch. f. feuchter Nebel; daher
miftig, Br. fi nebelig; mitten, unperf. ziellof, Zw. f. nebeln,
Miftel, w., Mi -n (altd, mistil, mistel; dan. mistel, engl. mistletoe),
ein Geſchlecht von Schmaroperpflanzen, welche auf Baumzweigen wach-
fen; beſ. die bei uns einheimifhe weiße Miftel, deren Beeren einen zähen
mit 179
Saft enthalten, woraus der Vogelleim bereitet wird; daher: die Miſtelbeere;
die Mifteldroffel, die größte Art Droſſeln, welde gern Miftelbeeren frifft,
auch der Miftler, -8, Miftelfint, Miftelziemer, die Schnarrdroſſel zc.
genannt; der Miftlerftich, bei Vogelſtellern: der Fang der Mifteldroffeln im
Herbfte mittelft einer zahmen, auf welche jene begierig zuftoßen oder ftedyen,
mit, Vw. und Nw. (goth. mich, altd, mit und alg Nw. miti, mite; an:
gelf. midh, engl, with, hol. met, mede, ſchwed. u, dan. med; griech.
uere; von derfelben Wurzel, wie Mitte, miſchen ꝛc., alfo urfpr, auf innige
Verbindung oder Vermiſchung deutend) bezeichnet im Allgemeinen Gefellfchaft,
Verbindung, Gemeinfhaft, Mitwirfung, finnv. nebft, fammt, body
von weiterer Bed. ai diefe, welche bloß ein Außerliches Zufammenfein ausdrü—
den, während mit von dem Begriff eines innigen Zufammenhanges zu dem be:
ftimmteren eines Werkzeuges, Mittels, einer anhaftenden Eigenfhaft ꝛc. fort:
fchreitet. Insbeſ. fteht mit 1) ald Bw, immer mit dem Dat. u. bezeichnet
dann befonders folgende Berhältniffe: a) Gefellfchaft, Begleitung, Theil—
nehmung (4 B. fomm mit mir! mit einem Andern arbeiten, efjen, reifen;
Alle mit einander, finno, Alle zuſammen; etwas mit ſich nehmen; Semand mit
Briefen abſchicken; er ift mit dem Gelde davon gegangen; im gem. Leben auch:
mit ſammt, welches jedoch ein fehlerhafter Wortüberflufs iſt; alfo nicht:
der Mann mit fammt feiner Frau, ſondern: mit, oder ſammt der Frau);
b) Theilnahme, Übereinſtimmung (fid; mit dem Fröhlichen freuen ; mit einem
leiden; Mitleid mit ihm haben; mit Semand gleichen Alters fein; meine Wünſche
ftimmen mit ben feinigen überein); c) Bermifchung, Bermengung (Wein mit
Waffer mifhen; Einen mit dem Andern verwechſeln); d) ein gegenfeitiged
Berhältnifd (mit Semand ſprechen, fpielen, ftreiten; einen Vertrag mit Je—
mand machen, eingehen 20.5 ex fteht mit mir in Verbindung, macht Gejchäfte
mit mir 20.5 ich habe viele Mühe mit ihmz ich halte es mit dem Vater ꝛc.);
e) einen Befis, eine anhaftende Eigenfchaft oder Eigenheit (ein Mädchen
mit. blauen Augen und blondem Haare; der Mann mit dem Degenz mit einer
Krankheit behaftet, mit vielem Berftande begabt fein; mit guten Anlagen ge:
boren fein); daher dient mit aud) oft zur Beifägung einer den Gedanken ver-
vollftändigenden Nebenbeftimmung und drüdt den begleitenden Umſtand, die
Art u, Weife x, aus (mit Fleiß und Eifer arbeiten; mit Schmerzen gebären;
. mit fanften Zone ſprechen; einen mit offenen Armen empfangensz mit Ehren
zu melden; mit Erlaubniß zu fagen; mit Vortheil verfaufen; mit Verluft ſpie—
len; etwas mit Freuden thun; mit Standhaftigkeit fterben 5 einen mit Nachſicht
behandeln; mit gutem Gewifjen 20); H ein Werfzeug, Mittel, einen
Stoff, ſinnv. mittelft, vermittelft, durch (mit der Hand winken; mit dem
Fuße flogen; mit den Ohren hören; mit der Feder ſchreiben mit dem Meffer
fchneidenz; mit der Elle meſſen; mit Geld erfaufen, bezahlen; mit Gottes
Hülfez mit Farben malen; mit Seide ſticken; mit Eifen beſchlagen; mit Bäu—
men bepflanzenz; ſich mit Kenntniffen bereihern, mit Ruhm bedecken 2c.);
g) die Öleichzeitigkeit zweier Vorgaͤnge oder Veränderungen (mit Tages
Anbruch aufftehenz mit dem Schlage eins wird zu Mittag gegeffen; mit den
Sahren Elüger werden; mitdem früheften, d. i. aufs frühefte; mit diefen .
Worten eilte ex fortz mit dem Tode hört alles Leiden auf 2c.); endlich h) dient
mit in mandjen umfchreibenden ober eigenthümlich gewendeten Sägen zur An⸗
knuͤpfung des Gegenftandes einer Handlung (3. B. mit einer Sache fertig
12%
180 Mitältefte — Mitbruder
werben, zu Ende ober zu Stande kommen, finnv. eine Sache vollenden; mit
einem Sohne nivderfommen, d. i. einen Sohn gebären; einen mit einer Sache
beauftragen; komm mir nicht mit deinen Klagen! d. i. bringe fie mir nicht
vor; mit dem Effen auf Jemand warten; mit einer Perfon oder Sache zufries
den fein; es ift aus mit ihm, d. i. er ift verloren; es fteht fihlecht mit ihmz
weg mit folhen Reden! 2); — 2) ald No, bezeichnet mit gleichfalls eine
Geſellſchaft, Begleitung, Gemeinfchaft, Theilnehmung, Genoſſenſchaft,
und ſteht a) als ſelbſtändiges Wort, z. B. mit dabei fein, mit dazu gehd:
ren, etwas mit anhören, mit zur Leiche gehen, es luuft viel Unridytiges mit
unter, d. i. iff darunter gemifht, mit unter, f. hin und wieber, zuweilen,
b. mitunter; b) in Zufammenfesungen, und zwar als zweites
Glied der Zſetz. in Nw. wie tamit, womit, hiermit, fomit ꝛc.; bef. aber als
erftes Glied oder Beftimmungswort mit dem Hauptton in Hw. und Bw.,
wie: der Mitäitefte, Mitarbeiter, Mitbefiger, Mithürge, Mitbürger, Mit:
chriſt, Miterbe, Mitkiäger, Mitmenfh, Mitfhutdner, Mitfchufer, das Mit:
gefhörf, die Mitfhuld; mitfhuldig, mitleidig 2.5 und ganz vorzüglich in vielen
trennbaren Zeitwärtern, ald mitarbeiten, mitbieten, bringen, =efjen, = fahren,
sgehen, =fommen, laufen, =leiden, =lernen, =madyen, = nehmen, = reifen,
: fingen, =fpielen, =wirfen, =wiffen ꝛc. Diefe Zufammenfegungen laffen ſich
durch neue Bitdungen nach dem jedesmaligen Bedürfniffe ins Unendliche vermeh—
ren, ‚und erklären ſich nad) der odigen Begriffsbeftimmung des Vw. ınit duch
ſich felbft; daher im Folgenden nur die allgemein üblichen oder einer befonderen
Erklärung bedürftigen Zſetz. aufgeführt werden. -
Mitältefle, m., wer neben einem Andern dad Amt eines Älteſten bes
kleidet.
mitarbeiten, trb. zielloſ. Zw., mit Andern zugleich arbeiten, Theil an
einer Arbeit nehmen; der Mitarbeiter, die Mitarbeiterinn,
Mitbeamte, =betiente, m., Amt3= oder Dienftgenoffe
Mitbeftagte, m, und w., wer mit einem Andern zugleich beflagt od,
angeklagt iſt, Mitangeflagte,
mitbelegnen, trb. ziel. Zi, einen —, ihm mit Undern zugleich über
diefelbe Sache die Shen ertheilen; daher der Mitbelehntez tie Mitbes
lehnichaft, das Berhältnifs der Mitbelehnten,
- Mitbericht, m., ein in derfelben Sache zugleich mit dent eined Andern
abacfaffter Bericht (fr. Correlation); der Mitberichterftatter (fr. Gorreferent).
Mitbefis, m., gemeinſchaftlicher Beſitz, Beſitz- Antheil; mitbefigen,
trb. ziel. Zw., mit Andern zugleich beſitzen; der Mitbefiker.
Mitbevollmaͤchtigte, m. u. w., wer mit einem Andern zugleich bea
vollmächtigt iſt.
mitbewerben, trb. rüdz. 3w., fih um etwas —, mit Undern zus
aleich bewerben; des Mitbewerber, die Mitbewerberinn, (fr. Gompetent,
Rival),
mitbieten, trb. ziellof, 3w,, aufetwa8d-—, mit Andern zugleich bieten,
mitbringen, trb, ziel. 3m., einen od, et was —, kommend mit fid)
führen oder bei fid) haben, (einem etwas —, d. i. fürihn, ihm zum Ge⸗—
ſchenk ꝛc. bringen):
Mitbruder, m., jeder Nebenmenſch als Bruder betrachtet; insbeſ. ein
bruͤderlich Befreundeter, Amts- oder Geſchaͤftsgenoſſe.
mitbuhlen — mitgehen * 181
mitbuhlen, trb. zielloſ. zw., um eine Perſon od. Sache —, mit Andern
zugleich buhlen; der Mitbuhler „ gew. Nebenbuhler.
Mitbuͤrge, m., wer mit einem Andern zugleich fuͤr etwas buͤrgt; die
Mitbuͤrgſchaft, gemeinſchaftlich übernommene Bürgfdaft.
Mitbuͤrger, m., die Mitbürgerinn, wer mit einem Andern Bürger
derfelben Stadt oder deöfelben Stanted iftz die Mitbürgerfchaft, das
Berhältnifd der Mitbuͤrger; aud die Gefammtheit der Mitbürger,
Mitchriſt, m., die Mitchriftinn, jeder Chrift nach feinem Verhaͤltniſs
zu andern Chriſten.
Mitdiener, m,, wer mit einem Andern zugleich dient.
mitdürfen, teb. ziellof. Zw., gem. auslaff. f. mitgehen, zreifen, =fahrenıc,
dürfen.
Miteigenthimer, m., die Miteigenthümerinn, f. Mitbefiker,
miteilen, trb. ziellof. Zw. m, fein, mit Undern zugleic) eifen, forteilen.
mitempfinden, trb. ziel. Zw., vergl. mitfühlen.
Miterbe, m., die Miterbinn, wer mit Undern an derfelden Erbfchaft
Theil hat, Erbgenoſs; miterben, trb. ziellof. Zw., an der Erbſchaft Theil
haben.
miteſſen, trb. ziel. u. zielloſ. zw., mit Andern in Geſellſchaft eſſen, an
dem Eſſen Theil nehmen; der Miteſſer, die Miteſſerinn, wer mitiſſt;
Miteſſer, uneig. f. Duͤrrmaden (ſ. d.), Zehrwuͤrmer.
mitfahren, trb. zielloſ. Zw. 1) mit fein, in eines Andern oder mehrer
Anderen Geſellſchaft fahren; m. haben, einem —, vlt. f. ihn behan—
deln, ihm begegnen, vergl. mitſpielenz die Mitfahrt, Fahrt mit Anderen;
ehem. f. Mitwirfung, Hilfe,
mitfangen, trb. ziel. Zw., mit Undern zugleich fangen,
mitfechten, trb. zietlof. Zw,, am Ösfechte Theil nehmen; der Mit:
‚ fechter.
mitfolgen, trb. ziellof. 3w., mit Andern zugleich folgen; die Mitfolge,
- dad Mitfolgenz mitfolgig, Bw., vit. f. uͤbereinſtimmend, einftimmig,
mitfceuen, teb. rücz. Zw., ſich —, an Anderer Freude Theil nehmen;
die Mitfreude, Iheilnahme an Anderer Freude,
mitfühlen, trb. ziel, u. zielloſ. zw., mit Undern zugleich 08, gleichmäßig
fühlen; bef, mitfühlend als Bw., finno. theilnehmend; das Mitges
fühl, die Theilnahme an Undrer Gefühl bei Freud’ und Leid (fr. Sympathie).
mitführen, trb. ziel. Zw., einen od, etwad—, mit ſich fortbewegen.
Mitgaſt, m., wer mit Andern zugleich Gaſt iſt.
mitgebaͤren, trb. ziel. Zw., zugleich mit Andern gebaͤren; der, die
Mitgeborene, M. Mitgeborene, gleichzeitig Geborene, Zeitgenoſſen;
Geſchwiſter.
mitgeben, trb. ziel, Zw., einem etwas —, zum Mitnehmen eder
zur Begleitung geben; insbef. einer Tochter bei ihrer Verheirathung ein Heiz
zathögut geben; die Mitgabe, das Mitgegebene, bef. ſ. v. w. die Mitgift,
das Heirathẽgut.
Mitgefangene, m. u. w., Gefangenſchaftsgenoſs.
mitgehen, trb. zielloſ. ** mit einem oder mehren Andern zugleich, in
Geſellſchaft gehen, ſie begleiten; uneig. von Dingen, zugleich mit Andern
fortgeſchafft werden (der Wagen, der Brief 2c, geht mit).
182 mifgenießen — Mitlaut
—— „trb. ziel, und zielloſ. Zw., mit Andern gemeinſchaftlich
genießen.
Mitgenoſs, m., die Mitgenoſſinn, ſ. v. w. Genoſs, Theilnehmer
an etwas.
Mitgefhönf, ſ., ein Gefchöpf nad) feinem Verhaͤltniſs zu andern ſei—
ner Art.
Mitgefel, m., überflüffig f. Geſell; in engerer Bed. ein Handwerfö-
gefell,, fofern er mit einem andern bei demfelben Meifter ift,
Mitgift, w., M.-en, ſ. v. w. Mitgabe, f. d. unter mitgeben,
Mitglied, fe, M. -er, nur uneig. eine Perfon, fofern fie mit andern
zu ein und derſelben Geſellſchaft gehört, alfo gleihf. ein Glied desſelben
Körpers iftz gew. ohne Bezug auf die Anderen f. Glied (ſ. d. z. B. ein Mit:
‚glied der bürgerlichen Geſellſchaft, einer Familie zc, fein); die Mitgliedfchaft,
Neum, f. das Verhaͤltniſs eines Mitgliedes.
5 mithaben, trb. ziel. 3w., gem. f. mitgebracht, genommen, bei fich
aben.
mithalten, trb. ziel. Zw., mit Andern zugleich, gemeinſchaftlich halten,
Theil an etwas nehmen (ein Feſt, eine Zeitung 2c.).
mithelfen, trb. ziellof. Zw., mit Andern zugleidy bei etwas helfen;
der Mithelfer, die Mithelferinnz die Mithülfe,
Mitherr, m., wer zugleih mit einem Undern Herr über etwas iſt;
die Mitherrfchaft; mitherrfchen, trb. zieltof. 3w.; der Mitherrfcher, die
Mitherricherinn (halbfr. Mitregent, = inn).
Mitherausgeber, m., mer etwas zugleich mit einem Andern heraus—
giebt,
mithin, beiordnendes folgerndes Bhw., weldes eine Schlufsfolge aus
einem Urtheil zieht und eine nothwendige Folge bezeichnet, ſinnv. alfo, folg-
lih, fomit, demnach.
Mitjagd, w., das Recht der gemeinchaftlichen Jagd; mitjagen, trb.
ziel. u. zielloſ. zwo., am Jagen Theil nehmen,
Mitkaifer, m., wer mit einem Undern zugleich Kaifer iſt in demſelben
Reiche oder in verſchiedenen Reihen, finnv, N ebenkaiſer.
mitkaͤmpfen, trb. zielloſ. zw., am Kampfe Theil nehmen; der Mit—
kaͤmpfer, Kampfgenoſs.
mitklagen, trb. zielloſ. Zw., mit Andern zugleich klagen, beſ. vor Ge:
richt; daher der Mitklaͤger, die Mitklägerinn.
mitklingen, trb. ziellof, Iw., mit einem andern Tone zugleich klingen;
der Mitklang, ein gleichzeitig vernommener, einftimmender Klang.
Mitknecht, m., wer mit einem Andern zugleich Knecht iſt.
mitfommen, trb. ziellof. Zw., in Geſellſchaft einer andern Perfon od,
Sade fommen.
mitfönnen, trb. ziellof. Zw., auslaff, f. mitgehen, = reifen 2c. koͤnnen.
mitkriegen, trb. 3w. 1, ziellos, am Kriege Theil nehmen; 2. ziel. gem.
f. mitbefommen,
mitfundig, Bw., mit Andern derfelben Sache Fundig.
mitleffen, trb. ziel. Bw., gem. auslaff. f. mitgehen, = reifen ꝛc. laſſen.
mitlaufen, teb. zielfof. Zw. m. fein, in Anderer Gefellfchaft laufen.
Mitlaut, m., ein Sprachlaut, welcher nicht für ſich allein, fondern
mitleben — mitſchicken 183
nur in Verbindung mit einem Selbftlaut deutlich hervorgebracht werden
Fann, z. B. b, d, 9, p, Lac, (fr, Eonfonant); der Mitlauter, -3, das
Schriftzeichen eined Mitlauted.
miitleben, trb. ziellof. 3w., mit Undern in Geſellſchaft oder gleichzeitig
leben ; daher der Mitlebende als Hw. f. Zeitgenoffe,
mitleiden, trb. ziellof. u. ziel. 3w., mit Andern gemeinfchaftlich leiden;
an Anderer Leiden Theil nehmenz der Mitleiver, -3, mer mitleidet, ob,
mit Andern Mitleid hat (ſprichw. beffer Neider, als Mitleidver); dad Mit—
leiden od. Mitleid, -8, o. M., dad Leid, d. i. die fchmerzliche Empfin=
dung Uber Anderer Leid, finno. Mitgefühl, Barmherzigkeit, verſch. Beileid
(Mitleid empfinden, mit Jemand haben ꝛc.); mitleidslos, =voll, mitleidg-
werth od. - würdig, auch mitleidlos 2c., Bw.; mitleidig, Bw., Mitleid
habend und zeigend, zum Mitleid geneigt; au: öffentliche Laften mit
tragend (mitleidige Ortfhaften u, dgl.); die Mitleidigfeit, das Mitleidig-
' fein, die Barmherzigfeitz die Mitleidenheit od, Mitleivenfchaft, der Zu—
ftand, da eine Perfon oder Sache mit andern zugleich leidet, insbef. Heilk.
die Iheilnahme eines Gliedes od, Körpertheiles an dem Erankhaften Zuftand od.
u eines andern; landſch. dad gemeinfchaftliche Tragen bürgerlicher
Laſten.
mitlernen, trb. zielloſ. und ziel, Zw., mit Andern zugleich lernen; auch
eine Sache in Verbindung mit einer andern lernen.
mitmachen, trb. ziel. Zw., etwas —, mit Andern zugleich machen
ober befolgen (einen Gebrauch, eine Mode —); gem. ziellos, an ſinnlichen
Genüſſen, Ausfchweifungen 21. Theil nehmen, unzlichtig fein (er, oder fie macht
mit); daher gem, der Mitmacher, die Mitmacherinn.
Mitmenih, m., jeder Menſch nad) feinem Verhaͤltniſs zu andern zu=
gleich lebenden Menfchen, Nebenmenſch, Nächiter.
mitmuͤſſen, teb. ziellof. 3w., auslaſſ. f. mitgehen, =reifen ꝛc. muͤſſen.
mitnehmen, teb. ziel. 3w., etwad —, mit fich fortnehmen (Geld,
einen Brief); bei. zur Gefellfchaft, Begleitung, Führung (einen Boten,
Führer 2); uneig. gem, einen —, f. enifräften, erfchöpfen (die Krankheit
hat mic; ſehr mitgerommen) ; auch f. tadeln, verfpotten, durchziehen.
Mitpfleger, m., wer mit Undern zugleich Pfleger iſt, 3. B. in Frank⸗
fürt a, M. die Abgeordneten der Bürgerfchaft, welche mit denen des Rathes
gemeinfhaftlich die Einkünfte des Armenhaufes verwalten,
mitplaudern, trb. zielloſ. zw., am Plaudern Theil nehmen.
Mitprediger, m., Amtsgenoſſe eined Predigerd,
mitrafen, teb. ziellof. 3w., mit Andern zugleich rafen.
mitrechnen, trb. ziellof. u. ziel. 3w., mit einem Andern zugleich rechnen;
etwas — zugleich mit andern Dingen in Rechnung bringen,
mitreden, teb. ziellof. zw., mit Undern zugleich reden, am Gefpräche
Theil nehmen; auch ziel. ein Wort —, d. i. fein Urtgeil, feine Meinung aus:
ſprechen.
mitreiſen, trb. zielloſ. Zw. m. fein, am einer Reife Theil nehmen.
mitreiten, teb. ziellof. 3w. m, fein, mit einem oder mehren Andern
zugleich reiten.
mitfammt, Vw. gem. une. f. das einfache mit oder ſammt, ‚f. mit,
mitſchicken, trb.ziel. 3w., mitandern Perfonen od, Sachen zugleich ſchicken.
184 mitſchießen — Mittag
mitfchießen, trb. ziellof. und ziel, zw., am Schießen Theil nehmen ;
etwas —, mit Anderem zugleich fchießen.
mitfchiffen ‚„teb, zielloſ. zw., an der Schifffahrt Iheil nehmen,
mitfchleppen, trb. ziel. Zw., fehleppend mit fich fort nehmen.
mitfchmaufen, trb. ziellof, und ziel. Zw., am Schmaufen Theil nehmen;
etwas — mit anderen Speifen zugleich ſchmauſen.
mitſchreiben, trb. zielloſ. und ziel, 3w., mit Andern zugleich ſchreiben;
etwas — nebſt andern Dingen niederſchreiben.
mitſchreien, trb. zielloſ. zw., mit Andern zugleich ſchreien.
Mitſchuld, w., gemeinſchaftliche Schuld, der Antheil an einer Schuld;
mitſchuldig, Bw., mit Andern gemeinſchaftlich eines Verbrechens ꝛc. ſchul—
dig; beſ. als Hw. die Mitſchuldig en (fr. Complicen); der Mitſchuldner,
Bl, wer mit Andern gemeinschaftlich eine Geldſummeꝛc.
uldig iſt.
Mitfihlier,'m., die Mitfchülerinn, wer zugleich mit einem Andern
diefelbe Schule befucht oder denſelben Unterricht geniegt, Schulgenofs,
mitſchwatzen, trb. zielfof. 3m., am Schwaben Theil nehmen,
Mitfchwefter, w., eine ſchweſterlich befreundete Perfon (vergl. Mit:
bruder).
mitjenden, trb. ziel. Zw., mit andern Perſonen oder Sachen zugleid)
ſenden.
mitſein, trb. zielloſ. Zw., mit einem andern Dinge zugleich vorhanden
ſein (fr. coexiſtiren); gem. auslaſſ. f. mitgegangen ſein; oberd. einem eines
Dinges oder ein Ding —, f. es ihm zulaffen, zugeben, geſtatten.
mitfiegen, trb. zielloſ. Zzw., mit Andern zugleich ſiegen; der Mitſieger.
mitſingen, trb. zielloſ. u. ziel. zw., mit Andern gemeinſchaftlich fingen,
mitſollen, trb. zielloſ. Zw., gem. auslaſſ. f. mitgehen, =reifen ꝛc. ſollen.
mitſpeiſen, trb. zielloſ. u. ziel, 3w., am Speiſen Theil nehmen; etwas —,
mit anern Dinge zugleich ſpeiſen.
mitſpielen, trb, zielloſ. u, ziel, 3w., am Spiele Theil nehmen; etwas
mit Andern zuſammen ſpielen; uneig. einem übel, ſchlecht ꝛc. —, ihm
uͤbel begegnen, ihn ſchlecht behandeln; der Mitſpieler, die Mitſpielerinn.
mitſprechen, trb. zielloſ. zw., mit Andern zugleich ſprechen, am Ge—
ſpraͤche Theil nehmen.
Mitſtand, m., M. Mitſtaͤnde, ein Reichs- oder Landſtand neben
anderen.
mitſtiften, trb. ziel..3w,, mit Andern gemeinſchaftlich etwas ſtiften;
der Mitſtifter, die Mitſtifterinn.
mitſtimmen, trb. 8w. 1) ziellos, mit Andern zugleich ſtimmen, feine
Stimme mit abgeben; 2) ziel. etwas —, mit andern Dingen zugleich
ſtimmen.
mitſtreiten, trb. zielloſ. zw., am Streite Theil nehmen; der Mitſtreiter.
mitt, vbllig vlt. Bmw. (altd. mitti, mitte, z. B. umbe mitten tac, um
Mittag; mittera nahti, der Mitternacht; jetzt nur noch in Ableit. und Zſetz.3
angelf. u. ſchwed. mid, engl. midst; gried,. «.eoos, lat. medius; verw. mit,
f. d.), ebem. f. die Mitte (f. d.) ausmachend oder einnehmend, in der Mitte
beſindlich, wofür jest: mittel, mittler, f. d.
Mittag, m., —es, M. -e.(f, Mitt: Tag, altd. der mitti tag, mitte
mittanzen — Mitte 185
tac, mittertac, ſ. mitt), 1) die Mitte des Tages, die Zeit, wann die Sonne
am höchften über dem Gefichtökreife feht, die Mittagdzeit, 12 Uhr; daher
auch! die 12te Stunde oder der Glockenſchlag 12 (ed geht auf Mittag, wird
bald Mittag fein; zu Mittag effen, d. i. eig. um 12Uhr, uneig. überh. die
Hauptmahlzeit halten, wenn dies aud) einige Stunden fpäter gefchieht) 5 der Gen.
Mittags als Nw. f. am Mittage, zu Mittag; 2) die Himmeldgegend,
in welcher die Sonne zu Mittage ſteht, die Mittagsgegend, der Süden
(das Haus liegt gegen Mittag; der Wind kommt von Mittag ꝛc.); — 3ſetz.
die Mittagsblume, ein Pflanzengeſchlecht, deffen Blumen ſich meift Mittags
Öffnen; das Mittagseffen, das Efjen, weldes man um Mittag zu fi nimmt,
überh. das tägliche Haupteffen; von einfacher Koft auch: dad Mittagsbrod;
ferner: die Mittagsmablzeit, dad Mittagsmahl (f. Mahl 3.), vornehm:
die Mittagstafel; die Mittagsfläche, Erd: und Sternk., eine auf dem
Geſichtskreiſe ſenkrecht ſteſende Ebene, welche durch die Scheitellinie und die
Weltachſe geht; der Mittagsgaſt, wer bei Jemand zu Mittag fpeij’tz die
Mittagsgegend, Südgegend, genauer: die Gegend des Himmels um den
Mittagspunttz die Mittagsgefellichaft, Gefellfhaft zum Mittagsmahl; die
Mittagshige, ⸗gluth, Hige ze. zur Mittagszeit; überh. eine große Hitze;
mittagshell, Biw., hell wie am Mittage; die Mittagshelle; die Mittags:
höhe, die Höhe der Sonne zur Mittagszeit; der Mittagskreis, Erd- und
Sternk., jeder Kreis, welchen man ſich durd) die beiden Pole und den Gleicher
gezogen denkt, da alle unter demfelben Kreife liegenden Hrter zu gleicher Zeit
Mittag haben, auch der Mittagszirkel (fr. Meridian); das Mittagsland,
Südland; der Mittagsländer, Südländer; die Mittagslinie, Sternk.,
die Durchſchnittslinie der Mittagsfläche mit der Fläche des Gefichtöfreifes; dad
Mittagsmahl, die Mittagsmahlzeit, ſ. Mittagseffen; die Mittagspre-
digt, um Mittag gehaltene Predigt, 3. U. v. Früh-, Nachmittagspretigt 20,5
der Mittagsprediger; der Mittagspunft, Stern. der Durchſchnittspunkt
des Mittagsfreifes mit dem Gefihtsfreife nach der Mittagsfeite hin, der Süd—
punkt; die Mittagsruhe, der Mittagsfchlaf, die Ruhe, ber Schlaf um
Mittag, bef. nach der Mittagsmahlzeit; die Mittagsfeite, Südſeite; die
Mittagsfonne, die Sonne zur Mittagszeit, deren Schein und Wärme; die
Mittagsftunde, die Mittagstafel, ſ. Mittagseſſenz der Mittagstifch,
die gewöhnliche Mittagsmahlzeit (vergl. Tiſch); die Mittagsuhr, eine Sonnen:
uhr, welche auf einer nad) Mittag gerichteten Fläche defchrieben iftz der Mit»
tagswind, Südwind; die Mittagszeit, f. 0.5 mittagwärts, Nw., gem.
fübwärts; — Ableit. mittägig, Bw., was zur Mittagszeit ift oder ge—
ſchieht; mittäglih, Bw. u. Nw., 1) was jeden Mittag gefchicht (mittäg:
lic) effen); 2) gegen Mittag liegend, ſuͤdlich (die mittäglichen Länder).
mittanzen, teb. ziellof. 3w., am Tanze Theil nehmen.
Mitte, w., M. feiten - n, (oberd. Mitt, Mitten, niederd. Midde; goth.
midja, isländ. midia, altd. mitti; v. mitt, ſ. d.), der Punft oder Theil
eines Sörperd od. Raumes, welcher von deffen Enden gleich weit entfernt
ift (die Mitte eines Kreifes, des Leibes 2c.5 in der Mitte der Stadt; in der
Mitte zwifchen Zweien ftehen, gehen ꝛc.; einer aus unferer Mitte, d. i, unter
uns, aus unferer Gefellfhaft); auch von der Zeit (3.3. in der Mitte der
Woche, um die Mitte des Sahres); uneig. ein Zultand, ine Befchaffenheit,
welche von zwei Außerften gleich weit entfernt ift (in der Mitte zwifchen
186 . mittel
Furcht und Hoffnung ſchweben; die Mitte haltenz bie richtige Mitte 2c.) 5 alt
und oberd. in Mitten od. zgef. inmitten f. in der Mitte oder mitten in zc,
mittel, der, die, da& mittele od. mittle, Bw. (altd. mittil; vergl. mitt),
in der Mitte befindlich, die Mitte haltend, meift vit. (außer in Zſetz.) und
durd) die Comparativ: u. Superlativ- Form der, die, das mittlere, mittelfte
verdrängt, welche der Bed. nad) nicht verfchieden find, da der Begriff der Mitte
feine Steigerung zuläfftz vergl. die comparativifchen Formen: äußere, innere,
obere, untere, (4. B. der mittele oder mittle Finger, gew. der mittlere oder
mittelfte; der mittele, mittlere oder mittelfte Theil; ein Mann von mittler,
gew. mittlerer Größe, von mittlerem Alter, nit: von mittelfter Größe ꝛc.,
da dies ungefähre Beftimmungen find, die Superlativ : Form mittetft aber
immer die genaue Mitte bezeichnet) 5 mittler Zeit, oder mittler Weile, gew.
mittlerweile, ein abfoluter Gen. als Nw. ber Zeit, ſ. v. w. unterdeffen,
inzwiſchen; — 3fee. v. mittel: die Mittelader, Anat. ein Aſt der Leber:
ader zwiſchen diefer und der Hauptader (fr. Medianader); dad Mittelalter,
1) das mittlere Alter zwifchen der Sugend und dem hohen Alter; 2) der Zeit:
raum der Weltgefhixhte vom Sten bis zum 16ten Jahrh. oder von der Völker—
wanderung bis zur Keformation, 3. U. v. dem Alterthum und der neueren Zeitz
‚die Mittelart, eine Art, welde zwifchen zwei andern die Mitte hält; dad
Mittelband, ein in der Mitte befindliches Band, z. B. an Drefchflegeln das
Vederne Band; am groben Geſchütze das Band zwifchen dem hinteren Frieſe u.
dem Stabe des Mundftüdes, auch der Mittelgürtel; der Mittelbafs, Tonk.
ein Bass für die Mittelbaſsgeige (fr. Violon) und dieſe ſelbſt; der Mittel-
baum, Forftw. ein Baum von mittlerer Größe; der Mittelbegriff, ein zwi:
fen zwei verwandten Begriffen in der Mitte ftehender, diefelben verfnupfender
Begriff, bef. bei Sclüffen: das Mittelglied (lat, medius terminus); das Mit-
telbein, ein zwifchen zwei andern in der Mitte befindliches Beinz die Mittel-
berge, 0, E., Bergw., zwifchen andern in der Mitte liegende Erd: od. Stein:
arten; der Mittelbruch,, Schloſſ. ein Eifenblech in einem Schloffe mit einem
Loche, durd) welches der Schlüffel in die Einrichtung geftect wird; der Mittel-
Deich, niederd., ein Deich, welcher zwifchen einem See: und Haffdeich in der
Mitte liegt; das Mittelding, ein Ding, welches zwifhen zwei andern in der
Mitte Liegt oder die Mitte Hält, alfo weder das eine, noch das andere ift, gew.
verähtl.; die Mittelente, eine Art wilder Enten; auch die Schnarrentez die
Mitteleule, Steineule; der Mittelfalk, Geierfalk; die Mittelfarbe, eine
Farbe, welche zwifchen zwei Hauptfarben die Mitte hält; Mal, Mifchfarbe, Halb:
farbe, Mitteltinte;s das Mittelfeld, das mittlere Feld z. B. eines Wappens;
dad Mittelfell, Anat., ‚ein die Bruſthöhle und Lunge der Länge nad) in zwei
gleiche Theile theilendes Häutchen (lat. mediastinum)z; der Mittelfinger, ver
mittelfte Finger der Hand; der Mittelfries, an Kanonen der Fries zwiſchen
dem Hinter» und Bodenfriefe; der Mittelfuß, ein Fuß von mittlerer Größe;
auch der mittlere Theil des Fußes; der Mittelgalop, ein aus Trab u. Galop
zufammengefegter Gang des Pferdes; die Mittelgattung, eine zwifchen zwei
andern die Mitte haltende Gattung, Gattung von mittlerer Gütez das Mit-
telgebirge, Bergw., das zwifhen dem Vorgebivge und dem hohen Gebirge,
liegende, zum Bergbau geeignetfie Gebirge; die Mittelgeige, ver Heine Baſs
(fr, Violoncello); das Mittelgefchirr, der Theil des Pferdegeſchirres, welcher
die Mitte des Leibe bedeckt; das Mittelglied, das mittelfte von zwei ober
mittel 187
mehren Gliedern; vergl. Mittelbegriff; der Mittelgrund, Mal, der mittlere,
zwifchen Vorder - und Hintergrund liegende Raum (vergl. Grund) 3 der Mit-
telgurt, ein Gurt in der Mitte des Sattelö; das Mittelgut, Gut, d,i,
Waare ıc, von mittlerer Güte; die Mittelhand, der Theil der Hand zwifchen
den Fingern und der Handwurzel; der Mittelhecht, ein Hecht von mittlerer
Größe, Schüſſelhecht; der Mitteihengft, auf Blechhämmern: eine Art ſchwar⸗—
zer Doppelbleche von mittlerer Dide; das Mittelholz, Forſtw. ein aus Mit-
telbäumen beftehendes Gehölz; das Holz von Mittelbäumen; dad Mittelhorn,
ein Sagdhern von mittlerer Größe, z. U. v. Rüden- und Hiefhornz die Mit-
telhülfe, eine feltene Art Scheidenmuſchelnz die Mitteljagd, die Jagd, welche
zwifchen der hohen und niederen die Mitte Hält und das Rehwildbret, Birkwilb-
bret und die Hafelhühner begreift; dad Mitteljahr, ein zwifihen andern Zeit:
räumen in der Mitte Liegendes Jahr; aud) ein Jahr von mittlerer Güte, Frucht:
barkeit, Luftbefchaffenheit ꝛc.ʒ der Mittelfnecht, ein Knecht, der zwifchen
dem Groß: und Kleinknechte ſtehtz das Mittelfrauf, eine Art Kraut: oder
Kopfkohl; dad Mittelland, f, v. w. Zinnenland, f. d.z mittelländifch,
Bw,, zum Mittellande gehörig oder darin befindlich; von Ländern umfchloffen,
daher: das Mittelländifhe Meer, EN. des großen Meerbufens des
Atlantishen Weltmeeres, welcher von Europa, Afien und Afrika eingefcloffen
ift, auch: das Mittelmeer; die Mittelleinwand, aus kurzem Werg ver:
fertigte Leinwand, Wergleinwandz; die Mittellerche, Heide:, Waldlerche;
der Mittelmann, ein Mann aus dem Mittelftande, verfh. Mittelemannz
dad Mittelmaß, ein die Mitte Haltendes Maß, das rechte Maß od, Verhält:
nifs im Gegenfag von zu viel und zu wenig; mittelmäßig, Bw., ein mittle:
res Maß habend, das Mittelmaß haltend (mittelmäß.g groß, reich ꝛc.) 3 in
engerer Bed. mehr ſchlecht ald gut, von geringer Befchaffenheit, finnv, gering,
unbedeutend (mittelmäßige Kenntniffe, eine mittelmaßige Arbeit 2c.); die Mit
telmäßigfeit, das Mittelmößigfein, die geringe Befhaffenheit; der Mittel-
maſt, mittiere Maft auf dreimaftigen Schiffen; das Mittelmeer, f. unter
mittelländiich; dad Mittelmehl, Mehl, welches zwifchen dem Schrot: und
Griesmehle die Mitte hält, After-, Pollmehlz die Mittelmünze, eine Münze,
nad) welcher man in den Salzwerfen zu Halle rechnet und wonach 12 Pfennige
34 Mittelgrofhen, 3Mittelpfennige aber einen Mittelgrofhen
machen; dad Mittelpapier, eine Papier: Art von mittlerer Güte od. Größe;
der Mittelpreis, ein mittlerer Preis, der weder hoch noch niedrig iftz der
Mittelpunkt, der mittelfte Punkt einer Fläche oder eines Körpers, bef, eines
Rreifes od. einer Kugel (fr. Centrum; der Mittelpunkt der Erdez Mittelpunft
der Bewegung, d. i. der Punkt, um welchen fid) ein Körper im Kreife bewegt;
Mittelpunkt der Kräfte, d. i. der Punkt, in welchem die wirkenden Kräfte
vereinigt fine); uneig, der Ort dder Gegenftand, in welchem fid mehre Dinge
oder Thätigkeiten vereinigen oder fich darauf beziehen und davon ausgehen (im
Mittelpunkt der Geſchäfte leben u, dgl); der Mittelrabe, die gewöhnliche
ſchwarze Krähe; das Mittelrad, in Uhren ein Rad, weldes das Steigerad
in Bewegung fest; die Mittelraft, die mittlere Raft (f. d.) an dem Schloffe
eines Feuergewehrs; der Mittelreif, an Kanonen ein Reif, womit das Stück
unter dem Zündloche verziert wird; das Mittelfalz, zufammengefegte Salze,
welche aus der Verbindung der Säuren mit Laugenfalzen entftehen (fr. Neutral:
ſalze); der Mittelfab, Sprachl, ein in der Mitte ftehender, die Verbindung
188 mittel
zweier Säge vermittelnder Satz; der Mittelfchlag, eine mittlere Art, Gattung,
Größe und uneig. überh. Beſchaffenheit (vergl. Schlag); der Mittelfchlamm,
sfchlih, Bergw,, ein Schlamm, Schlid) (f. d.) von mittierer Befchaffenheit ;
die Mittelfchnepfe, eine Art kleiner Schnepfen, Haar-, Rohre, Halb:
ſchnepfe 2c.; das Mittelfchrot, Sig. Schrot von mittlerer Größe; die Mit—
telftadt, eine Statt von mittlerer Größe und Einwohnerzahl; der Mittels
ftand, der mittlere Stand, bef. in Anfehung des bürgerlicyen Ranges und des
Vermögens (im Mittelftande leben; zum Mittelftande gehören) ; mittelftändig,
Bw., in der Mitte feinen Stand habend (Pflanz. eine mittelftändige
Wurzel, aus deren Mitte der Trieb kommt); die Mittelfliimme, Tonk.
‚die zwifchen dem Baſs u, Discant liegenden Stimmen: hohe Mitrelftimme
(At); tiefe Mittelftimme (Tenor); der Mittelftollen, Bergw. ein
Stolten don 30 bis 50 Lachter Tiefe, 3. U. v. Tage: u, Ziefftollenz die Mit»
telftraße, eine zwifchen zweien in der Mitte liegende Straße; gew. uneig. bie
Mitte zwiſchen zwei Außerften Graben od, entgegengefehten Bejchaffenheiten 2c,,
auch der Mittelweg, dicht. die Mittelbahn, (die Mittelftrage halten, die
goldene Mittelftraße 2c.)5 dad Mittelſtuͤck, das mittelfte Stück; überh. ein
Stud aus der Mitte (. B. ein Mittelſtück von einem Fiſche, z. U, v. Kopf und
Schwanz; die Mittelftüce einer Flöte u, dgl.)5 die Mittelftufe, die mittelfte
von drei Stufen (Spradl. f, das fr. Comparativ); auch alle zwiſchen det ober:
ften u, unterften befindlichen Stufen; die Mitteltiefe, die Tiefe in der Mitte
eines Dinges (3. B, eines Faſſes); der Mittelton, ein zwifchen andern in der
Mitte liegender Zonz in engerer Bed. der Ton in der Mitte zwiſchen dem
Grundton u. feiner Quinte, od, die Terz (fr, Mediante)z; das Mitteltreffen,
der mittlere Theil eines in Schlachtordnung geftellten Kriegsheeres (fr. Gentrum) 5
dad Mitteltuch, Tuch von mittlerer Güte oder Breite; das Mittelvich, Vieh
von mittlerer Größe und Güte; fo auch ein Mitteloch8, = pferd, = fhwein,
eine Mittelfuh ꝛc.; der Mittelwall, Teftungsb, der Theil eines Walles zwi—
ſchen zwei Bollwerfen, Zwijchenwall (fr, Courtine); die Mittelwand, mittetfte
Wand; jede zmwifchen den Außenwänden eines Gebäudes befindliche Wand; der
Mittelweg, f. Mittelftraßes der Mittelmegerich, weißer Wegeric), z. U. v,
dem großen Wegerih; das Mittelmerg, das Werg, welches die zweite Hechel
giebt, Hedez die Mittelmolle, die Wolle vom Schwanze und von den Schen—
keln der Schafez aud) Wolle von mittlerer Güte; das Mittelwort, Sprachl.
eine Art vom Beitwort abgeleiteter Wörter, welche an der Natur des Zeitwortes,
und des Beiworted Theil nehmen und zwiſchen beiden gleihfam in der Mitte
ftehen (fr. Participium): das erfte oder thHätlihe Mw., 3. B. liebend,
findend 5 das zweite od, leidentlihe Mw., z. B. geliebt, gefunden 2c. 5 der
Mittelzahn, bei den Pferden: bie zwifchen den beiden Vorderzähnen und den
Edzähnen befindlichen Zähnez bei den Füllen: die Zähne, welche fie nad) dem
dritten Jahre anftatt der Vorſchieber befommenz das Mittelzeichen, Jäg.
das Zeichen einer Hirfehfährte, welches entfteht, \wenn der Hirſch mit dem Hin—
terfuße nicht völlig in die Fährte des Vorderfußes eintritt; Die Mittelzeit,
mittlere Zeit zwiſchen früh und fpät 2c,5 auch f. mittelzeitige Silbez mittel=
zeitig, Bw., Verst. zwiſchen Länge und Kürze die Mitte haltend und daher
im Verſe bald lang, bald Eurz gebraucht (mittelzeitige Silben od. Mittelzeiten) 5
die Mittelzeitigkeitz der Mittelzeug, Zeug von mittlerer Güte dad Mit-
telzeug, Hüttenw. eine Gattung Eifenerz, welches weder brüchig und fpröde,
Mittel — mitten 189
noch zu weich iſt; der Mittelzuftand, ein Buftand, welcher zwifchen zwei
entgegengefedten die Mitte Hält, _
Mittel, f., -8, M. w. E. Verkl. (nur in uneig. Bed.) das Mi ttel-
hen, (alt, mittil; engl. middle, franz. milieu; lat. medium; vergl, mitt),
4) eig. dad in der Mitte zwifchen zwei Dingen Befindliche (alt: ohne alles
Mittel, d. i, unmittelbar); daher der Stoff od, Raum, durdy welchen fid)
etwas bewegt, od. welcher eine Bewegung fortpflanzt (fr, Mediums 3. B.
die Luft ift das Mittel des Schalles 2c.); ferner der mittlere Theil eines Koͤr—
pers oder Naumes, die Mitte (bibl, das Mittel des Landes; im Mittel eines
Thales; bibl, Paulus trat ins Mittel unter fiez zwifchen zwei Dingen das
Mittel halten; ſich ins Mittel fehlagen od, legen, ins Mittel treten, d, i, zwi⸗
fchen zwei ftreitenden Parteien eine Vereinigung zu bewirken ſuchen); uneig.
dasjenige, wodurch etwas bewirkt wird, fofern es gleihfam in der Mitte
liegt zwifchen der wirkenden Kraft und dem Bewirkten; alles was zur Erreis
hung eined Zweckes dient (ein Mittel erfinnen, alle Mittel verfuchen, an—
wenden; der Zweck heiligt nicht das Mittel; Mittel und Wege ꝛc.); in engerer
Bed, ein Heilmittel, Arzneimittel (ein Mittel gegen das Fieber; ein Stär:
kungs-, Schweiß:, Abführungs-, Brechmittel 2c.); Mehrh. die Mittel,
fe Bermögen, Neihthum, Geld (die Mittel zu einer Unternehmung haben;
bei Mitteln fein, vergl, bemitteit)5 2) (in diefen Bed. wahrſch. von anderem
Stammez vergl. Maffe, Maat 26) Bergw. f. Bergarten (taube Mittel,
Flbze, die kein Erz enthalten; ſchwebende Mittel, Erz: od, Steinmaffen,
über und unter welchen die Erze oder Steine ſchon weggebrochen find); alt und
landſch. auch f. eine Öefellfchaft, Zunft (bef, der Bergleute), Verbindung
mehrer Perſonen; — 3fes, mittelfähig, Bw., Bergw. f. zunftfähig ;
mittelfrei, Bw., im deutfchen Staatsrechte f. mittelbar freis mittellos, Bw,,
ohne Mittel oder Vermögen, unbemitteltz der Mittelsmann, die Mitteld-
perſon, wer zwiſchen ſtreitenden Parteien ins Mittel tritt, d. i. fie zu vereiniz
gen ſucht, ſinnv. Vermittler, Schiedemann; — Ableit. mittelbar, Bw.,
durch ein Dazmwifchenbefintliched, durch Mittel bewirkt, in angewandten
Mitteln gegrimdet (mittelbar mit etwas zufammenhangen, mittelbere Ver:
bindung, Hülfezc. 5 es folgt nur mittelbar. daraus) ; insbef. durch ein Dritteß,
Vermittelndes mit einem Andern in Verbindung oder Verhältnifs ftehend
(mittelbare Reichsſtände, welche höheren Reichsſtänden und durch diefe dem
Kaifer unterworfen waren); die Mittelbarfeit, das Mittelbarfein, Ver—
mitteltfein; mittel, r. als das gew. mittelft (eig. der nebenwörtlich gez
brauchte Gen. Mittels) Vw. mit d, Gen., durch das Mittel, mit Hilfe,
f. v. w. vermitteljt (z. B. mittels des Geldes, feiner Klugheit 2.); mitteln,
Zw. ungebr. f. vermitteln; vergl, auch aus⸗, er= u. bemitteln; dee Mittler,
die Mittlerinn, gew, Bermittler, Mittelöperfon, f. d.5 insbef, bibl. heißt
Chriſtus der Mittler, wegen feines Verföhnungstodes; daher auch dad
Mittleramt, der Mittlertod.
mitten, Nw. (altd. mittem, mitten ; urfpr. Dat. 08. Xccuf. des Bmw.
mitt,f. ar 3 B. in mitten den Rings od. alter Dat. des Hw. die Mitte,
3. B. in Mitten der Stadt, jegt: mitten in der Stadt), in der Mitte, immer
mit einem nachfolgenden Vw., wodurch die Bed. von mitten näher beftimmt
wird (3. B. mitten im Hauſe; mitten durch den Flufs, mitten unter euch,
mitten ins Herz); auch von ber Zeit (5. B. mitten im Sabre, mitten im Lefen,
190 Mitternaht — mittrinken
d, i. wahrend des Lefens)z; aud) in Verbindung mit einem Nw, z. B, mitten
entzwei, mittendurd, d. i. in der Mitte entzwei; mitteninne, di,
mitten darin, in der Mitte,
Mitternacht, w., M. nächte, (entft. aus dem Dat, in mitter nacht,
vergl. mitt; altd, mittinaht; oberd. Mittnaht, niederd, Midnagt, engl,
midnight), 1) die Mitte der Nacht, der Glockenſchlag zwölf in der Nachts
in weiterer Bed, der mittlere Theil der Nacht, die Stunde von 12 bis 4,
Mitternachtöftunde, zeit (um, gegen, vor, nach Mitternacht 2c.); 2) die
Himmelögegend, weldyer Mittag entgegengefeßt ift, die Mitternachtsge—
gend, der Norden (dev Wind kommt aus Mitternadht) ; — Bfes. die Mit-
ternachtögegend, Nordgegend; das Mitternachtsland, Nordland; die
Mitternachts= od. Mitternachtfeite, Nordſeite; die Mitternacht(Sftille; _
die Mitternacht@s)ftundez die Mitternachtsuhr, eine Sonnenuhr, welche
auf einer nach Mitternad;t gerichteten Fläche befehrieben iftz der Mitternachts=
wind, Nordwind; die Mitternacht(S)zeitz Ableit, mitternäcdhtig,
Bw., was um Mitternacht ift oder gefchieht (der mitternädhtige Schlaf, b.
als mitternächtliche) 5 mitternächtlich, Bw., 1) was jede Mitternacht ges
ſchieht; auch überh. f. mitternädhtigz; 2) der Mitternacht ahnlich oder ans
gemeſſen (mitternächtliches Dunkel); 3) gegen Mitternacht liegend (ein mit:
ternächtliches Land),
Mittfaften, o. E. (niederd, Midfaften, oberd. auch Mitterfaften), die
Mitte der Faften (5. B. der Sonntag nad) Mittfaften).
Mitthäter, m., die Mitthäterinn, wer an einer That Iheil hat.
mittheilen, trb. ziel. 3w., einem etwas —, ihn Iheil daran nehmen
laffen, es ihm gewähren, geben (dem Armen eine Gabe —; uneig. von lebe
lofen Dingen, z. B. das Salz theilt dem Waſſer feinen Gefchmad mit); insbef,
einem eine Nachricht, einen Gedanken ꝛc. befannt machen, eröffnen;
daher au: ſich einem —, d, i. feine Gedanken, Empfindungen ꝛc. ihm
Außernz; fich — auch f. mitgetheilt werden, auf Andere übergehen (4. B.
feine Betrübniſs theilte fich dem Freunde mit); der Mittheiler, die Mitiheis
lerinn, wer etwas mittheiltz die Mittheilung, das Mittheilen; dad
Mitgetheilte, die mitgetheilte Nachricht (M. Mittheitungen); mittheilbar,
Bw., was mitgetheilt werden kann; die Mittheilbarkeitz mittheilfam,
Bw,, gern mittheilend, zur Mittheilung geneigt; die Mittheilfamfeit.
mitthun, teb, ziel. 3w., etwas-—, in Öemeinfchaft mit Andern thunz
mit andern Dingen zugleich thun,
Mittle, fe, - 8 (wahrſch. Verkl, von Mud, Muth; alfo eig. Müthle),
oberd. ein Getreidemaß — 6 Metzen.
Mittler, m., die Mittlerinn, der Mittlertod ꝛc., f. mitteln unter
Mittel,
mittler, mittelft, der, die, das mittlere, mittelfte, Bwa; mittler-
weile, Nw., ſ. mittel.
mittoben, =tofen, trb, ziellof, 3w,, mit Undern zugleich toben, tofen.
mittönen, teb, zielloſ. zw., mit einem andern Tone zugleich tönen,
mittrauern, trb. zielloſ. Zw., an Anderer Trauer Theil nehmen,
Mittrieb, m., Landw., dad Necht, fein Vieh mit dem eined Andern
gemeinfchoftlich auf defjen Grund und Boden weiden zu laffen, Mitweide,
mittrinfen, teb, ziellof. u. ziel. Zw., mit Andern gemeinſchaftlich trin=
fenz der Mittrinfer, Trinkgenoſs.
Mittfommer — mitzählen - 191
Mittfommer, m, (vergl, mittz engl, midsummer), vlt. die Mitte des
Sommerd um Sohannistagz fo auch: der Mittwinter, die Mitte ded
MWinterd um Weihnachten,
Mittwochen, m, -8, M. w. E,, abgek, der Mittwoch, -8, M. -en,
(ergänze: Tag), n. U, die Mittwoche, M. -n (vergl, mitt), der mittelfte
oder vierte Tag der Woche; der große od, ſchöne Mittwoch, bſtr. ber
Mittwoh nad) Pfingftenz der Erumme Mittwoch, landſch. der Mittwoch
in der Charwoche; dee Gen, Mittwoch als Nw. gebraudt f. am Mitt:
woch, jeden Mittwoch; mittwöchentlich, Nw. u, Bw., alle Mittwochen,
jeden Mittwoch gefchehend.
mitunter, Nw, (gleichſ. mit darunter gemifiht), ſ. v. w. hin und wieder,
dann und wann, zumeilen.
Miturfache, w., eine neben andern Statt findende, mitwirfende
Urſache.
Mitverbrecher, m., die Mitverbrecherinn, Theilhaber an einem Ber:
brechen.
mitverſchworen, Bw., der, die Mitverſchworene, wer ſich mit An—
dern gemeinſchaftlich zu etwas verſchworen, wer an einer Verſchwoͤrung
Theil hat.
‚Mitverwalter, =vermwefer, =vorftcher sc, m., mer zugleich mit An
dern Verwalter, Berwefer, VBorfteher iſt.
mitwandeln, = wandern, trb. ziellof. Z3w., mit Anden i in Gefellfchaft
wandeln, wandern.
mitwafchen, trb. zieltof, oder ziel, 3w., mit Andern gemeinfchaftlich
wäfchenz etwas mit andern Sachen zugleich wafchen.
Mitweide, w., ſ. Mittrieb; mitweiden, trb. ziellof. u, ziel, Zw., mit
Andern gemeinschaftlich Weiden,
mitweinen, teb. zieltof. Zw., mit Andern zugleid) weinen,
"Mitwelt, ws, die gleichzeitig mit und Iebenden Menfchen, 3. U, von
Bor: und Nachwelt.
mitwerben, trb. zielfof. 3w., um etwas. —, mit Andern zugleich
werben; der Mitwerber, gew. Mitbewerber,
mitwirken, teb. ziellof. Am., mit andern Perfonen gemeinſchaftlich
wirken, eines Andern Wirken od. Thaͤtigkeit unterſtuͤtzen, befoͤrdern (er
hat zur Erreichung meines Zweckes mitgewirkt); mit andern Dingen od. Ur⸗
ſachen zugleich wirffam fein (die Freude hat zu feiner Genefung mitgewirkt) 3
der Mitwirker, wer mitwirkt; die Mitwirkung, das Mitwirken,
mitwiffen, trb. ziellof. 3, um etwas —, mit Andern zugleidy darum
wiſſen; dad Mitwiffen, gemeinfchaftt. Wiffen auch die Mitwiſſenſchaft;
der Mitwiſſer, die Mitwiſſerinn, wer mit Andern um etwas weiß.
mitwohnen, trb. zielloſ. ZwB.e, mit Andern zuſammen wohnen; der
Mitwohner, die Mitwohnerinn, landſch. f. Beiſaſſe, Schutzverwandter.
mitwollen, trb. 3w. 1) ziel. etwas —, mit Andern thun wollen od,
en 2) ziellos, auslaff. f. mitgehen, = reifen ꝛc. wollen.
Mitz, w., M. - en, oberd. f. Metze, Mahlmetze; mitzen, Zw. f. metzen.
mitzaͤhlen, trb. Zw. 1) ziel, einen oder etwas —, mit andern unter
diefelbe Zahl begreifen, ſinnv. mitrechnen; 2) ziellos und ziel., Andern
‚zahlen helfen.
192 | Mitzeit — Model
Mitzeit, w., die gegenwärtige Zeitz die Mitwelt, f. d.
Mitzeuge, m., wer mit Undern zugleich Zeuge iftz mitzeugen, trb.
ziellof. zw., mit Andern gemeinfchaftlic) zeugen.
mitziehen, trb. ziel. u, zielloſ. zw., mit Undern zugleich, gemeinfchaft=
lich, in Geſellſchaft ziehen (ſ. d.). j
mobliht, Bw., Gerb. dad Leder ift moblicht, d. i. weich, weil «8
eine uͤberfluͤſſge Gare befommen, d, i, zu lange im Kal gelegen hat.
Mode, w., M.-n (aus dem franz. mode, u. biefes aus d, lat. modus,
Maß, Art und Weife), die im gefellfchaftlichen Leben augenblicklich herr—
fhende Gewohnheit u. Sitte, veränderliche Zeitfitte, Zeitgebrauch, = gez
ſchmack; insbef, die herrfchende Form der Kleidung, alles Schmuckes, der
Geraͤthe ꝛc., Kleidertraht, Trachtfitte 2c. (fich nach der Mode Eeidenz ein
Mann nad) der Modez eine Mode mitmachen, befolgen 5 dies ift aus der Mode
gekommen; es ift Mode, wird Mode, d. i. der Mode gemäß); — Zfeg. der
Modedichter, = fchriftfteller, ein Dichter ze. welcher fi nad dem herrſchen⸗
den Zeitgefehmad richtet, oder welcher gerade Mode ift; die Modefarbe, eine
Farbe, welche dem Zeitgeſchmack gemäß ift, dad Modegeräth, -kleid, der
Movdehut, -fhuh ꝛc., Geräth, Kleid 2c. nad der Modez der Modeges
ſchmack, vorübergehender Zeitgefhmad; der Modehandel, Handel mit
Modewaaren; fo au die Modehandlung, der Modeladenz der Modes
händler, die Modehändlerinnz die Modekrankheit, ſcherzh. eine herr—
fchende, bald vorübergehende Krankheit; uneig, fpöttifh: eine Thorheit oder
Schwäde der Zeit, Modethorheit; der Modenarr, die Modenarrinn, wer
jede Mode genau befolgt u, darauf einen großen Werth legt; der Modeſchnei—
der, ein Schneider, welcher nad, der neueften Mode arbeitetz Der Modeſchnitt;
die Modetracht; die Modeſucht, Sucht, jede neue Mode mitzumachen;
modeſuͤchtig, Bw.; der Modetand; die Modewaare, Waazen, welche
in der Mode ſind; der Modezeug ꝛe.; — Ableit. modiſch, Bw., der
Mode gemäß, nad) der Mode (modiſche Kleider; ſich modiſch kleiden; fr.
modern).
Model, m., -3, M. w. E. (aus d. lat. modulus, Verkl. v, modus,
Map; franz, moule, engl, mould; dem Stamme nah = Modell, aber
von verfhiedener Anwendung), Bauk. ein Maß zur Meffung der Glieder und
Theile der Säulenordnungen; oberd. auch zur Beftimmung der Höhe des Salz:
waffers in der Pfanne; eine Figur, ein Bild bei Näherinnen und Webern
(Model in ein Tuch nähen); eine vertiefte Form zur Geftaltung eines flüffigen -
oder weichen Körpers (Gießmodel, Knopf-, Kugelmodel 2c.); daher dad Mo—
delbrett, Formbrett in Stückgießereien dad Modelholz, ein als Model die:
nendes Holz; der Modelfchneider, Formſchneider; das Modeltuch, bei
Näherinnen, ein Tuch mit.eingenäheten Figuren, Buchftaben zc, als Mufterz; —
modeln, ziel. 3w., 1) nach einem gewiffen Maß od, einer Form bilden,
geftaltenz bef, uneig. mit dem Nebenbegriffe des Kleinlichen und deö Öfteren
. Anderns (etwas nad feinem Sinne modeln); 2) mit Figuren oder Bildern
verfchen, bef. Web. (Zeug, ‚Leinwand modelnz gemodelte Bänder 26.5 gemo-
delte Buchſtaben, d. i. mit zierlichen Zügen verſehene); der Modeler od,
Modler, -8, wer etwas modeltz aud wohl f. Modellmacher.
Model, fe, -08, M. - e (zunächſt aus dem franz. modele, ital, modelloz
vd, lat. modulusz; vergl, Model), jeded nachzubildende Borbild, Mufter,
8,
modeln — mögen 193
z. B. in den bildenden Künften ein nadter menfchlicher Körper (das Modell eines
Malers 2c.)5 in engerer Bed. ein in verjuͤngtem Maßſtabe verfertigtes Vor—
bild von Holz, Thon, Gips 2c. zu einer Kunft = oder Handwerksarbeit (7. B.
das Modell einer Mühle, einer Bildfäule 2c.)5 daher: die Modellfunft, die
Kunft Modelle zu machen; der Modellmarher, ein Künftter, welcher Modelle
macht (fr. Modelleur) ; auch Modellfchneider, »tifchler, wenn die Mobelle
in Holz gearbeitet find; die Modellſammlung; der Modellſtein, eine ver:
fteinerte Bohrmuſchelz — modelliren, ziel. und zielloſ. Zw., Modelle aus
weichem Stoffe machen; abformen, modeln,
modeln, Bm., f. Model; — Modenarr ze. ſ. Mode.
Moder, m., -3, 0. M. (hell. und niederd. Modder, Mudder; Pe
modd, modder; engl. mud; vergl. d. lat. mador, Näſſe, madeo, griech.
avögv, nafs fein; franz. moite, feucht; auch Moor :c.), mit Waſſer vers
mengte, fchlammichte Erde, züher Schlamm ; niederd, f. Straßenfoth z
Bergw. eine ftaubige, oft feuchte Erdmaſſe; auch ein von Faͤulniſs aufgelöf’ter,
Leicht zerfallender Körper; — Zſetz. der Moderbuft, = dunft, =geruch,
dumpfiger Gerud des Moders; die Moderente, nordifhe fhwarze Ente;
Bergente; die Modererde; das Modererz, Bergw., in fumpfigem Boden
gefundenes Eifenerz, Sumpf-, Wiefenerz; derr Moderfleden, Stockflecken
im Tuchez der Moderhamen, ein Hamen zum Heraufziehen des Moders aus
Gräben 20.3 die Modermühle, eine Mafchine in Form einer Windmühle zum
Herausfchaffen des Moders aus Gräben zu; der Moderprahm, ein Prahm
(f. 8.) zum Wegführen des Moders aus Kanälen 20.5 dad Moderwaffer,
Sumpfwafferz; — Ableit. modericht, Bw., moderähnlich (ein moderichter
Gerud 2c.); moderig, Bw., Moder enthaltend, daraus beitehend (mode:
tiger Boden); modern, ziellof. Zw, m. haben, zu Moder werden, dur)
Feuchtigkeit aufgelöf’e werden, verwefen (moderndes Gebein).
Modefchneider ꝛc. — Modewaare, Modezeug; modiſch, ſ. Mode,
mögen, ziel. u. jetzt gew. nur ziellof, — m, haben (goth. magan; alt:
hochd. magan und mugan, zunädhft: körperlich vermögen, verſch. ———
können; Mittethochb: mugen, ich mac 2.5 oberd. mügenz, isländ. meigaz
engl. may; poln. moge; vergl. Macht) umend. und zugleich ablaut. Präf.
id) mag, du magft, er mag; wir mögen 20.5 Gonj. ich möge; Imper.
- felten: möge; Impf. mochte; Conj. möchte; Mw. gemocht; 1) Straft,
Vermögen zu etwad in ſich haben, koͤnnen, vermoͤgen, ehem, ſowohl ziel.
mit dem Acc, (etwas mögen; ich mag das nicht, d. i. vermag), als mit dem
Inf. (bibl. das Land mochte es nicht ertragen; mag aud) ein Blinder dem an-
dern den Weg weifen ?) 3 jest in diefer Bed, vlt. u. nur noch in Verbindung mit
einem Inf, als Hulfsw. der Weife od, ald umfchreibendes Zw. (vergl, dürfen, _
kbnnen, wollen) in folgenden befonderen Anwendungen-gebr.: Urſache haben,
etwas zu thun (du magft dic) vorfehenz er mag ſich nur Huren); Macht, Erz
laubniſs haben, durch Niemand gehindert fein, bef. mit dem Ausdrude der
Gleichgültigkeit oder des Unwillens von Seiten des Redenden (meinetwegen mag
er es thunz er mag fagen, was er wills es mag fein, gefhehen); moͤglich
oder wahrfcheinlich fein, zu vermuthen fein, oft mit dem Nebenbegriff der
Beforgnifs (ſtill! man möchte ung hören; ich fürchte, er möchte kommenz dare
. aus möchte wohl nichts werden), daher oft ald umfchreibenter Ausdrud einer
Bermuthung über eine ungewiffe Sache (es mag recht gut fein) dafs es fo
Heyfes Handwörterb. d. deutſchen Epr. 2. heil, 15
194 Moh
gekommen iſt, d. i. es iſt vielleicht recht gut 20.5 es mochten etwa acht Tage
verfloſſen fein, als ıc. ; eine fo gute Gelegenheit möchte ſich nicht wieder finden) 5
ferner zum Ausdrud ded Wunſches, als umſchreibendes Hülfsw, flir die wün-
ſchende Weife (den Optativ) des Zw. (möge er glücklich werden! möchtet du ge:
fund fein!), in weiterer Anwendung auch eine Abſicht, eine Bitte, einen
Math oder Befehl ausdrudend (ih gab ihm ein Zeichen, damit er ſchweigen
möcjte; er bat mid), dafs ich zu ihm kommen mochte; er mag fi) nur in Acht
nehmen; ſag' ihm, ex möge fegleich gehen)z; daher 2) Neigung oder Luft zu
etwas haben, ſinnv. winjchen, begehren, wollen (ih mag nicht mehr effen,
nichts weiter hören; ich mochte ihm nicht widerfpreihen ; ich möchte wohl wiffen,
was an der Sache iſt; auslaff, ih mag nit, d, i. ich will nicht, habe feine
euſt; er möchte gern, aber er kann nicht) 5 einen oder etwas leiden mode
gen, d. i. gern haben; auch auslaſſ. einen oder etwas mögen f, gern
haben, lieben (id mag ihn nicht; er mag das nicht, näml. leiden, u, niederd.
bef. effenz; fo auch: id) mag nicht mehr, näml. effen), oberd, und-dicht, auch
mit dem Gen,: ich mag deiner, ihrer zc. nicht; — flatt des Mw. gemocht
ſteht in Verbindung mit einem Inf, dem Spradgebrauche gemäß der Inf, mö—
gen (32. ich habe es nicht thun mögen ; id; hätte es wohl fehen mögen 3 aber:
er hat es nicht gemacht u, dgl,; vergl, — können, wollen 20.)5; — Ab—
Leit. die Möge, o. M., niederd, f. das Benmbgen, die Macht, Gewalt;
auch die Neigung, Luft (über feine Möge effen); die Mögenheit, niederd,
f. dad Vermögen, die Kraftz möglich, Bw., überhaupt was fein oder
gefchihen mag oder kann, was Feinen Widerfpruch in fich ſchließt, gew.
in engerem Sinne nur beziehungsweife: was unter gewiffen Umftänden fein
oder geſchehen Fann, finnv. denkbar, glaublich (z. B. es ift nicht möglich,
daſs er mich hintergeht; iſt es möglich! wie war es möglich? Ausdrücke der
Verwunderung; etwas möglich machen oder zu machen ſuchen, d. i. etwas
Schwieriges bewerkſtelligen); oft zur Bezeichnung der Ungewiſsheit (z. B. es
iſt möglich, dafs ich komme, d, i. vielleicht komme ich); ferner mit Beziehung
auf die handelnde oder redende Perfen im Dat: ven Kräften, Verhaͤlt—
niffen ac ir Si nicht widerfprechend (ich will thun, was mir möglich
ift; es war mit nicht möglidy; aud) ohne Hinzufügung des Datios: ich machte
ihm alle möglichen Vorſtellungen u, als Hw, alles Mögliche verſuchen; fein
Mögliches, oder im Superl, fein Möglichſtes thun); moͤglichſt als
Nw. f. fo viel möglich (ich Habe ihn möglichſt gefchont); moͤglichenfalls,
Nw,, auf od, für den möglichen Fall; möglicherweife, Nw,, oder getrennt:
möglicher Weiſe, in fo weit es möglich ift; die Möglichkeit, 1) 0. M,, das
Moͤglichſein, ſinnv. Thunlichkeit, Glaublichkeit, Wahrſcheinlichkeit;
2) M. - en, was moͤglich iſt, eine mögliche Sache (das Reich der Möglich—
Eeitenz gem; es war Feine Möglichkeit 2c,, d. i. es war nicht möglich; das ift
die Möglichkeit! d, i. was möglicher Weife geſchehen Eonnte),
abi m., - ed, M. (nur von mehren Arten) - e, (oberd, Mage, Magen,
Mahen, Magfamenz hiederd. Mahn; v, altd. mago, maho, Gen, mahin ;
ffav, mak; grieh, njzor), ein Pflanzengeſchlecht mit rundlicher Binhe
und — kugelcunder Samenkapſel mit vielen kleinen Samenkoͤrnern,
von verſchiedenen Arten: der wilde oder Feldmohn, auch Klapperroſe, Kornz
mohn 20.5 der ftachelige, Stachel: oder Adermohnz insbef, der Gartenmohn,
deſſen Körner einen einfhläfernden Stoff enthalten; auch f. Mohnfamenz das
Mohr — Moͤhre IR gs
Mohnhaupt vder der Mohnkopf, Samenfapfel des Mohns; die Mohns
kloͤße oder »Flößchen, landſch, gem. Mohnpielen oder = flriezel, eine aus
geriebenem Mohnſamen mit Milch u. Semmeln bereitete Speiſez dad Mohn—
korn, Samenkorn des Mohns; der Mohnkuchen, =fladen, mit Mohn ge-
bacener Rudenz das Mohnöl, aus Mohnfamen geprefites DL; der Mohn-
feft, milchweißer Saft, welcher aus den geristen unreifen Mohnköpfen flieft
(fr, Opium); der Mohnfamen; der Mobnfamenftein, eine körnige Stein:
art, Rogenfteinz; Hirfenfteinz der Mohnftengel; die Mohnfuppe ic.
Mohr 1., m., es, M.-e, (v. franz. moire, altfranz. mohere von
mon, weid) und haire, Saarz engl, mohair, Haartuch), ein dichter, der=
ber Seidenzeug: Seidenmohr, def, mit flammichter oder wolkichter Wäſſe—
zung: gewäfferter Mohrz daher dad Mohrband, gewäffertes Seiden:
band.
Mohr 2.,,m., -en, M.-en, die Mohrinn, M, -en (engl, und dän,
moor; von dem lat, Maurus, ein Mauritenier; vergl, das griech, zuavoos,
dunfel), 1) eig, die braungelben Bewohner von Mauritanien in Nord: Afrika,
fpäterhin überh, alle farbigen Muhamedaner, jest gew, Mauren genannt;
2) die fhwarzen, Fraushaarigen Bewohner des ſuͤdl. Afrifa, Neger,
Schwarze, (ſprichw. einen Mohren weiß waſchen wollen, d, i. dad Unmögliche
verfudhen); 3) uneig, eine Art dunfelfarbiger Schmetterlingez eine ſchwarzbraune
Spindelſchnecke; eine Art Dattelfchnede: die Mohrinnz; weiße Mohren,
unpaffender Namen der Weißlinge oder Kreidlinge (fr, Albinos); minerali-
[her Mohr, Scheidek. ein ſchwarzes Pulver aus Quedfilber und Schwefel ; —
3fes, der Mohrenbauch, eine Eleine Porzellanfchnede, Schlangen: od, Otter:
kbpfchenz; die Mohrenbinde, eine Art Stagelfchneden ; der Mohrenbund,
Kopfbund od, :binde eines Mohren; eine Art runder Seeäpfelz dad Mohren=
gefichtz; die Mohrenhirfe, eine Art des Honiggrafes aus Mauritanien 5
das Mohrenhuhn, eine Art ſchwarzer Faſanen; der Mohrenkopf, Kopf
eines Mehren; uneig, verfchiedene Thiere mit fhwarzem Kopfe, z. B. ein
Pferd, eine weiße Taube mit fhwarzem Kopfe; eine Art Grasmüden, Schwarz:
kopf, Mönd; das Mohrenkraut oder die Mohrenfalbei, ein aus Afrika
ftammendes wolliges Gewächs mit weißen. haarigen Blumen; die Mohrentrone,
eine feltene Walzenfchnede; der Mohrenfiimmel, Königskümmel; das Moh-
renland, ein von Mohren bewohntes Land, bef, Äthiopien; die Mohren-
müße, uneig, eine Art Sägeſchnäbler mit ſchwarzem Kopfe, aud der Moh—
renvogel; der Mohrenpfeffer, Schwarzyfeffer; der Mohrenfklave, Ne=
gerſklave; die Mohrentaube, eine Art fhwarzer Schleiertaubenz der
Mohrenweizen, Kuhweizen; die Mohrmeife, Möndy:, Aſch- oder Grau:
meife; aud) die Schwanzmeiſe (x, Moormeife); — Ableit, mohrifch, Bw.,
den Mohren angehörend, eigen. |
Möhre, w., M.-n, (altd, moraha, ſchwed. mor-rot; angelf, mora,
Wurzel), ein Doldengewaͤchs mit rübenartiger, eföbarer Wurzel, von
verfchiedenen Arten: die gemeine oder wilde Möhre, auch weiße oder
Schweinsmöhre genannt; bef. dir zahme oder Öartenmöhre, aud gelbe
Möhre od. Ruͤbe u. Mohrrübe genannt (niederd, gelbe Wurzel od, bloß:
Wurzel); eine Unterart derfelben ift: die rothe Möhrez die weige Möhre,
f. Paftinakz die fal ſche Mögre oder Mohrrübe, oder dad Moͤhrenkraut,
“eine Art Laſerkraut; der Moͤhrenkoch, Küch. eine mit Möhren bereitete
13%
—
196 Mock — Mommeler
» aufgelaufene Speifez der Möhrenfaft, aus Möhren ausgefochter füßer
Saft,
Mod oder Muck, w., M. -en, oberd, ein trächtines Schwein; die
Mokel orer Model, M.-n, oberd. f. Kuh; dad Modelchen f. Kalb.
mofen, gew. mofeln oder modeln, aud mogeln, ziellof. Zw., landſch.
gem, f. mauchen, maucheln (f. d.), bef. ſich heimlich und durch Betrug
einen Vortheil verfchaffen, 3. B. im Spiele,
Mofer, m., -8, M. mw. E. (holl, moker) niederd. Schiffs. ein ſchwe—
ver eiferner Hammer mit zwei Bahnen; der Moferbetel, ein eiferner Keil
zum Holzſpalten.
Mofrille, w., M.-n, eine Art eingefalzener Fiſche.
Molch, m, - es, M. -e (altd. mol, oberd, Moll, Mallen, Moltwurm cz
wahrſch. von mal, Maal, Flecken), eine Urt ſchwarzer, gelbgeflschter Ei—
dechfen (fr. Salamander); auch eine in Sümpfen lebende brauntich = gelbe,
braungefleckte Eidechle: der Waffermold,
Molve, w., Mulde,
Molken, die, o. E, (landfch, auch: das und der Molken, und die Molke;
v. melkeny ſ. d., Mich, niederd. Melk), der von den Fett- us Säfetheilen
gefchiedene waͤſſerige Aheil der Milch, Milhwaffer, Käfewaffer, oberd,
die Schotten; der Molkendieb, landſch. auch Molkenſtehler, verderbt
steller, auch: der Molk, gem, f, Schmetterling, bef, der weiße Schmetter—
ling, welcher der Milch nachgehen fol, Buttervogel; die Molkenkirfche,
eine Art hellrother und auf einer Seite milchweißer Frühkirſchen; molkicht,
Bw., molfenähnlih, gelblihmweiß; molkig, Bw., Molfen enthaltene,
Mol= over Mohlkraut, f., landſch. f. die Schlüffelblume,
Moll, m, -d, M.-e, 1. ein dünnes wollenes Gewebe mit rauher
Oberfläche; auch ein daraud gemachter Rock (Mollrod)z; 2, oberd, ein Stuͤck
Rindvieh, bef, der Stier,
Molle, w., M.-n, niederd, f. Mulde,
mollig, Bw, (bair. mollet; hell, molligz Tat, mollis), landſch. f. weich,
fanft.
Moͤllſtroh, f. (0. Molt, Mull, Mil), niederd. f. Haͤckerling.
Mollwurm, m., landſch. gem, f. Maulwurf, f. d,
Molm, m., ſ. Mulm.
molſch, Bw, (landſch. auch mulſch, molfchet, molz, malsk 2c,; verw, mit
dem lat, mollis, ınild, fhmelzen zc,), landſch. gem. f. weich, von dem Obfte,
wenn es in Faͤulniſs uͤbergeht.
Molt, m., -ed,. oder Molten, -8, auch die Molt oder Molte, o. M.
(altd, molta, v. malan, mahlen, mulian, müllen, ſ. d.), landſch. f. lockere
Erde, Staub, Mulm; daher das Moltbrett, oberd. f. Streichbrett am
Pflugez der Moltwerf oder -=wurm, f. Maulwurf (f, d.); letzteres auch f.
Molch.
Molte-, Molter- od. Multebeere, w. (vielleiht v. d. ſchwed. multen,
faul, weich), eine Art braͤunlicher Brombeeren, welche in den Torfgegenden
Schwedens, Norwegens und Preußens wächſ't, auch Mault-, Kraſſel- oder
Krätzbeeren, kriechende Himbeeren 2c, genannt,
Mommeler over Mummeler, —s, M. mw. E. (von d, oberd, memmeln,
mummeln f, kauen, wiederkauen) [hwäb, der Stier.
Min — Mönd) 197
Mön, m, -ed, Mi -e, ein zum SKarpfengefchlecht gehörender Fifch.
"Monat, ehem. gew. Monath geihr., m., —es, Mi-e, (v..mano,
man, mon, Mond, f. d.z goth. menoths, altd. manod, isländ. manadr,
angelf. monadh, engl. month, holl. maend, niederd. Maand, Mane, oberd.
das Manetz griech. av, tat. mensis), die Dauer eines Mondmwechfeld oder
die Zeit, im welcher der Mond fich einmal um die Erde bewegt, 29 Tage,
42 Stunden, 44 Minuten: der natürliche od. aftronomifhe Monat, Mon:
dbenmonatz gem. einer der zwölf Jahrsötheile von 30 bis 31 Tagen (der
Februar nur von 28 bis 29 Zagen): bürgerlihe od. Sonnenmonatez
ungenau aud) ein Zeitraum von vier Wochen; — 3 es. monatlang, Bw.,
einen Monat oder Monate lang dauernd; die Monatsblume, verfchiedene
monatlich oder das ganze Jahr hindurch blühende Gewächſe, namentlich die
Maßliebe, und ein Pflanzengefchlecht, zu welchem ber Fieberkfee gehört (Me-
nyanthesL.); fo aud: die Monatsrofe; der Monatöflufs, der monatliche
Blutabflufs beim weibl. Gefhleht, die monatliche Reinigung; die Monats—
frift, die Dauer eines Monats (in Monatsfrift); das Monatsgeld, monat:
lich gezahltes Gelds der Monatöfäfer, Käfer, die nur einen oder einige
Monate leben, z. B. der Maikäferz der Monatönamen, Namen eines Mo:
nats; der MonatSrettig, dad Monatsradieschen, eine Art Rettige und
Radieschen, welche man alle Sommermonate hindurch ſäen kann; die Monat$=
ſchrift, eine monatlich erfcheinente Zeitſchrift; der Monatsſtein, ein Edel:
ftein, in welchen das Zeichen des Monats, worin man geboren worden, gegra:
ben ift, und den man aus abergläubifchen Gründen in einen Ring (Monats:
ring) gefafft trägt; die Monatstaube, gemeine Feldtaube, die mehre
Monate nad) einander brütetz die Monatsuhr, eine Uhr, welche monatlich)
nur einmal aufgezogen zu werden braucht; auch eine Uhr mit einem Monats»
zeiger, welcher die Monatstage anzeigt; monatweiſc, Nw., nad Monaten,
in jedem Monate (z. B. bezahlen); — Ableit. monafig, Bw., einen Mo—
nat dauernd od. alf, gew. nur in Zſetz. wie drei-, viermonatigac,di.
drei 20: Monate dauernd (wofür man gew., aber unr. dreimonatlich ſagt);
monatlic), Nw. u. Bw., in jedem Monate, was jeden Monat gefchieht
(monatlich zahlen; die monatliche Reinigung, au das Monatlide, f.v. w.
der Monateflufs, f. o.).
Minh, m., -e, M.-e, Verkl. dad Mönchlein, (altd. munih,
oberd. Münch, nieberd. Monnit, Monk, ſchwed. munk, engl. monk; fat.
Monachus vom griech, wovezos, alleinlebend; alfo uripr. ein Einficdler), eig.
1) in der griech. und röm. Kirche ein im chelofen Stande lebender und fich
gotteddienftlichen Verrichtungen widmender Stloftergeiftlicher, , Ordens—
geiftliher, Ordengmann, entfpr. Nonne, (oberd. gem. einem ben Mönch
ftehen, d. i. ihm die Kauft mit hervorftehendem Daumen zeigen, aud) f. bes
trügen); uneig. 2) verfchiedene Ihiere, bef. folde, welche einen einer Mönchs—
platte ähnlichen Scheitel haben, 3. B. der Kuttengeier oder Geierkoͤnig; eine
Art Grasmuͤcken; eine Urt Meifen mit ſchwarzem Kopfe, Möndyz, Ach»
meife, Meifenkönig 20.5 eine Art Haififche, Engelfiſch oder Meerengel; eine
aſchgraue Kegelſchnecke: der graue Mind; eine Art Walzenſchnecken:
der braungefledte Mönd, die Mönhskappe %.5 ferner landſch. f.
ein gefchnittenes Ihier, bef. Pferd, ein Wallach; daher auch mönchen,
3w. f. verfchneidenz; 3) verfchiedene Theile von Werfen der Kunft, Werk—
198 Mond
9
zeuge ꝛc., ale: Bauk. die ſenkrechte Spindel einer Wendeltreppe; die Spindel
auf einem Thurme, weldhe den Knopf trägt; Hüttenw. der Stempel, mit wel:
chem die Kapellen in die Ringe (Nonnen) feitgeftogen werden; Wafferb. der
emporftehende Zapfen oder Kolben, womit man einen Teich ab= und zufhugt
(Waffermönd) ; landſch. f. Hohlkreiſelz Buchdr. der Fehler beim Auftragen der
Farbe auf die Form, wenn diefe nicht gehörig gefhwärzt ift und der Bogen
daher nicht vollftändig und gleichmäßig abgedruckt erfcheint, welcher dann
Möoönchsbogen genannt wird; — Zfeg. der Mönchögeier, Geierkönig
(1. 0); die Mönchsfappe, f. Kappe; uneig. eine Art Walzenfchneden; das
große blaue Eifenhütlein, u. m. a. Pflanzen; die Mönchsfirfche, Suden:
kirſchez des Mönchsklofter, Mannöttofterz der Moͤnchskopf, uneig. f.
Löwenzahn (aud) Mönchsblatt oder = platte); Herzerbfe, Blafenerbfe; aud
eine ehem. Münze, 3 Basen an Werth; die Moͤnchskrone, eine Art Difteln
in füdl. Ländern mit einem eföbaren markigen Blumenboden (wollfüpfige Diftel) 3
die Mönchskutte, ſ. Kutte; dad Moͤnchsleben; der Moͤnchsorden, f.
Orden; der Mönchspfeffer, Keuſchbaumz die MönchSplatte, die kahle
Platte, welche den Möndyen beim Eintritt in den Orden auf dem Kopfe ge:
foren wird; der Mönchsring, der Haarring auf den Köpfen der Mönde
(Kranz); die Mönchsfchrift, die edige lateiniſche Schrift der Mönde im
Mittelalter, woraus unfere deutſche Drudfchrift entftanden iftz der Moͤnchs⸗
ſchuh, eine Muſchel im mittelländ. Meeres das Moͤnchsweſen, Altes, was
das Leben, die Einrigtungen ec. der Mönche betrifftz — Ableit. münchen,
3m. 1) ziellos, mönchiich fein, denken und handeln (auh: möndein);
2) ziel. zum Möndye machenz uneig. landſch. f. verfchneiden (f. 0.2)5 die
Mönchelei, moͤnchiſche Handlungsweiſe; die Möncherei, verächtl. f. das
Moͤnchsleben, -weſen; auch f. moͤnchiſche Denfartz das Moͤnchthum,
Moͤnchsweſen; moͤnchiſch, Bw., einem Mönche eigen, angemeſſen,
aͤhnlich.
Mond, m., -ed, M. -e, oberd. -en, M.-en, (goth. mena, altd.
mano, mane, oberd. Man, Monz niederd. Maane, Maand, w.; island.
mani, angelf. mona, engl. moon; griech. won; vergl. Monat), der Ne—
benplanet der Erde, welcher mit feinem von der Sonne tmpfangenen
Lichte bei Nacht leuchtet (dev Mond fcheint, geht auf und unter, nimmt
zu, wenn die ung zugekehrte erleuchtete Fläche fi vergrößert, und ab, wenn
diefelbe nach und nach Eleiner wird; daher: im abnehmenden, od. zunehmenden
Montes vergl. Neu-, Vollmond; unter dem Monde, dicht. f. auf der Erde);
in weiterer Bedeutung heißen auch die Begleititerne (Zrabanten) anderer Pla—
neten: Mondez ferner fteht Mond dicht. f. Monat (altd. manod), in
welcher Bed. die Mehrh. Monden lautet (zehn Monden find vorüber ꝛc.)3
uneig. der halbe Mond, das Bild des fichelförmigen Mondes z. B. im
türkifhen Wappen; Feftungsb. eine Art Außenwerfez der Mond oder
Monden, ein fichelfürmiged Scyabeifen der Weißgerber (Streich-,
Schlichtmond); Naturk, eine Urt mondförmiger Seeſterne; dad Moönds
hen, eine Art Nachtfehmetterlingez; — Test. das Mondauge, ein
krankes Auge, deffen Sehkraft mit den Monde ab: und zunimmt, bef. bei
Pferden; daher mondaͤugig, aud mondblind, landſch. auch monz ober
manäugig, mönig, Bw.z die Mondblindheitz die Mond» oder
Mondsbahn, die Bahn oder der Weg des Mondes um die Erde; mondbes
Mond 199
glänzt, = beichienen, =beftrahlt, »erhellt ꝛc., Bw., vom Monde befdjie-
nen 26.5 der Mondbefchreiber (fr. Selenograph); die Mondbefchreibung
(Selenographie); der Mondbewohner,, =bürger, ein angenommener Be:
wohner des Mondes; uneig. ſcherzh. ein Sonderling, unbeholfeneer Menſch;
der Mond-, Monds- oder Mondenblick, augenblicklicher Schein dee Mon:
des; die Mondfiniternifs, Verdunkelung des Mondes durch den Schatten
der Erde, welche zwiſchen Mond u. Sonne tritt; der Mondfifch, Meerhahn ;
die Mondfläche, fihtbare Oberflähe des Mondes; der Mondflecken, im
Monde wahrgenommene dunklere Stellen ; der Mondflufs, ein mit dem Mond:
auge (f; d.) verdundener Fluſs; mondflüflig, Bw., damit behaftet; monde
formig, Biw., von der fihelähnlichen Geftalt des Mondes vor dem erften und
nad) dem legten Viertel; der Mond= od. Mondenglanz; mondhell, Bw.,
vom Monde erkuchtetz dad Mond = oder Mondenjahr, ein allein nach dem
Mondlaufe beftimmtes Jahr von 12 Mondenmoncten od. 354 Tagen 8 Stun:
den 48 Minuten; der Mondkäfer, ein Käfer mit mondförmiger Zeichnung;
das Mondkalb oder Monfalb (engl. mooncalf, nieverd. Manenkind), ein
Fleiſchgewächs, welches zuweilen in der Bärmutter der Kühe u. der Menfchen
entftehts auch f. unzeitige Leibesfrucht, Fehl-, Mifegeburtz die Mondkarte,
bildlihe Darftellung der Mondſcheibe; der Mondklee, einige Arten des
Schneckenklees; das Mondkraut, eine Art des Zaubenfarns, auch Mond:
farn, =raute, Leberraute, Eiſenbrech zc,5 das Silberblatt; Hungerblümchen;
dad Mond= oder Monvdenlicht, das Licht oder Leuchten des Mondes; der
fcheinende Mond ſelbſt; mondlos, Bmw., ohne Mond, vom Monde nicht er:
helltz die Mondmilch, eine in Bergktüften (ſchweiz. Mondlöcher) ſich fin:
dende feine weiße Kalkerde, Berg:, Himmelsmehl; der Mondenmonat, ſ.
Monat; die Mondnacht, mondhelle Nachtz die Mondraute, ſ. Mondkraut;
der Mondſamen, der mondförmige Samen einer Schlingpflanze: Mondſa—
menkraut; die Mondſcheibe, die erleuchtete Oberfläche des Vollmonds; der
Mondfchein (feltener Mondenfhein), der Schein, das Leuchten des Mon:
des, u. die Zeit, wo er jcheint (eö ift jest Mondſchein); Drechsl. ein Drehftahl
mit mondförmiger Schneidesdie Mondfcheinnachtz die Mondfchnede, eine
gewundene Schnede mit runder Mündung, die Schraube; die Mondfichel,
die Sichelgeftalt des zu: od. abnehmenden Mondes; der Mondftein, landſch. f.
Sraueneis, Spiegelfteins der Mondftrahl; die Mondfucht, eine Krank:
heit, deren Anfälle mit dem Mondwechfel zufammenhangen, und beſ. in be
wuſſtloſem Nachtwandeln im Schlafe beſtehen; mondfüchtig, Bw. ,-mitder
Mondfucht behaftet; ein Mondfühtiger, Nachtwandlerz die Mondfüch-
tigfeit, der Zuftand eines mondſüchtigen Menſchen; die Mondtaube, eine
Art Haustauben, welche mehre Monate binter einander legen; die Monde
oder Mondsuhr, eine ihr, welde die Stunden in der Nacht vermittelſt des
Mondfchattens anzeigtz das Mond- oder Mondöviertel, die erleuchteten
Theile der Mondflähe bei zu: und abnehmendem Monde vor 7 zu 7 Tagen
(erftes, leptes Viertel 2c.); der Mondvogel, eine Art Nachtvögelz die Monds—
wandelung oder der Mondwechfel, landſch. auch die Mondsbruͤche, die
zegelmäßig wiederkehrende ftufenweife Zu: und Abnahme des Mondlichtesz die
Mond = oder Mondszahl, die Zahl der Tage vom legten Neumond bis zum
erften Januar, welche den Unterfchied des Sonnen= und Mondenjahres zu be
rechnen dient (fr, Epakte); der Mondzirkel, ein Zeitraum von 19 Jahren,
200 N Möne — Moos
nad) defjen Verlauf die Neu: und Vollmonde wieder auf diefelben Tage fallen ;
— Ableit. mondlih, Bw., den Mond betreffend, ihm eigen od, aͤhn—
lich (nondliche Dämmerung) ; dicht. aud) f. monatlich.
Möne, w., M. -n (vergl. menen u. mähnen 2.), ſchwäb. ein Öefpann
zum Behuf des Ackerbaues; daher anmbnen f. anfpannen.
mönig, Bw. (0. Mon f. Mond, ſ. d.) landſch. f. mondblind, mondfüchtig.
Monkalb, fe, ſ. Mondkalb unter Mond.
Montag, nu, -ed, M.-e, (niht Mondtag; von dem alten mane,
mon f. Mond; altd. manetag, mäntac; oberd. Man: od. Mäntag; nieder.
und hol. Maandagz eng!. monday), der zweite Tag der Woche, welder
ehem, dem Monde geheiligt war; der blaue Montag, alt und oberd, der
Montag vor Aſchermittwoch (von der Farbe des Altar Umhangs in den Kirchen),
den man zu guter Legt vor den Faften mit Schmaufen zusubringen pflegte (gem.
auch Frefömontag)z; daher gew. Handw. jeder müßig zugebrahte Montag (auch:
guter Montag genannt), u. jeder müßige Tag überh. (vergl. jedoch blau);
der verlorene Montag, landſch. der Montag nad) dem Fefte der Erfcei-
nung Chriftiz der Gen. Montags ald Nw. der Reit f. am Montage;
montaͤglich, Nw. und Bw., jeven Montag, alle Montage gefchehend, ,
Mook, m., es, M.-e, landſch. der Honigkuckuk.
Moor, ſ., —es, M. -e, landſch. auch Möre, (altd. muor, muora;
oberd. Muer; angelſ. mör, engl. moor; isländ. myri; mittl. lat. morus,
mora; verw. mit Meer, Marfch, Moraftz Grundsegriff: Näſſe), ſumpfiges,
fchwarzes Land, wie dasjenige, woraus man Torf ftiht (Hohe, Legmoor,
f. unter lea); — Bfeg. der Mooraal, ein Aal aus fumpfigem Wafferz die
Moorbeere, große Hridelbeerez Preigelbeere; die Moorbirke, Eleine Sumpf:
birke in Nordamerika; die Moorboden; der Moordamm od, =deich, durch
ein Moor geführter Dammz die Moorente, eine Art wilder Enten, Fliegen-,
Madentez die Moorerde; die Mooreule, Sumpfeule; die Moorgegendz
dad Moorgras, in Mooren wachſendes Rietgrasz der Moorgrund; die
Moorheide, eine im Moore wachfende Heide: Art, Sumpf-, Torfheide 20.5
der Moorkolben, landſch. f. Froſchwurm; dad Moorland; die Moor»
quappe, ſ. v. w. Meerquappe; die Moorfchnepfe, Sumpffänepfe, 3. U. v.
der Wardfchnepfes die Moorfeide, gemeines Wollgras; das Moorſpinnen—
fraut, eine auf fumpfigen Wiefen wachfende Grasart mit einfacher Rispe;
der Moorvogel, niederd. f. das Wafferhuhns das Moorvögelchen, die
braune Grasmüde; daß Moorwafler, auf moorigem. Grunde ftchendes
Waffer, Bruchwaſſer; die Moorweide, Rosmarinweidez Friechende oder
Erdweidez — Ableit. moorig, Bw., Moor enthaltend, aus Moor bes
ftehend; mooricht, Bw., moorähnlid).
Moos 1., f., -e8, Mi -2, (altd. mos, mios; oberd. auch Mies, Ge:
mies; angelf. mios, island. mosi, engl. moss, ſchwed. mossa, franz.
mousse; lat. muscus; vergl. d. griech. uooxos, zarter Sproſs), eine Art
zarter Gewaͤchſe mit unkenntlichen Bluͤthen, die an feuchten, kühlen Orten
auf der Erde, auf Bäumen, Steinen ꝛc. wachſen: Erd-, Baum-, Farn-,
Knoten-, Laub-, Leber-, Lungenmoos ꝛc.z landſch. auch eine mit Moos
bewachſene Gegend, z. B. Jäg. ein Moos; niederd. f. Gemuͤſe (Mus), bef.
Kohl; — 3ſetz. die Moosbank, eine mit Moos bewachſene Bank; die
Moosblaſe, eine kleine Blaſenſchnecle; die Moosflechte, Stein-, Brunnen:
Moos — Morchel 201
flechte; moosgruͤn, Bw., grün wie Moos; mit grünem Mooſe bekleidet; die
Mooshummel, eine Art unter dem Moofe niftender Hummeln; die Moos—
fraße od. der Mooskratzer, Gärtn. ein Werkzeug zum Abkratzen des Moofes
von den Bäumen; dad Moospulver, der Bärlappfamen od. das Herenmehlz
die Moosroſe, eine Art Rofen, deren Zweige und Kelhe wie mit Moos be:
wachſen find; der Moosfchimmel, ein milchweißes Staubmoosz die Moos—
fchnede, eine Art Kleiner Erdfhnedenz der Moosſchwamm, ein unter dem
Moofe wachſender efsbarer. Erdfhwamm, landfh. Dorn-, Miesfhwamm,
Dörnlingz; dad Moosveilhen, März oder Schneeglöckchenz — Ableit.
moofen, 3w. 1) ziellos, Moos anſetzen; 2) ziel. mit Moos bedeifen, gew.
bemoofen; moofig, Bw., mit Mood bewachfen, bemooſ't; mooficht,
Bw., moosaͤhnlich.
Moos 2. oder Mob, fe, -ed, M. Möfer, (Nebenform von Moor;
ſchwed. mossa, engl. moss), oberd. fe Moor, Bruch, Sumpfgegend (5.8.
das Donau-Moos, Dadyauer Moos u. a.m. in Baiern) ; — 3fes. der Moo$=
od. Mofelbär, großer Bär in den moraftigen Gegenden Polens u. Litthauens 5
die Moosbeere, f. v: w. Moorbeere (f. d.), auh Moosheidelbeerez
die Moosblume, Dotterbiume, die an feuchten Orten wächſ't; der Moos—
emmerling, Rohrſperling; der Moosgeier, oberd. eine Art Geier, Froſch—
geierz das Mooshuhn, Birkhuhn; der Mooskolben, Kolben des Kolben:
rohres, welches oberd. auch dad Moosrohr heißt; die Moosfuh, der Moos—
reiher, oberd. f. Rohrdommelz; die Moosfchnepfe, eine Art Waldfchnepfen,
die fich in moraftigen Gegenden aufhalten; der Moosſperling, Rohre, Niet:
fperling; die Moosweihe, Sumpfweibe; — Ableit. moofig od. möfig,
Bw., oberd. f. fumpfig, moraſtig; möfen oder. möfeln, ziellof. Zw., oberd.
nach Moor riechen oder ſchmecken.
Mops, m., -6, M. Möpfe, Verkl. dad Möpächen (vergl. tas
engl. mop, fhiefes Maul, häſsliches Gefiht5 mope, dumm und träumerifch
fein), eine Art Hunde von mittlerer Größe mit breiter, ſtumpfer Schnauze,
hangenden Lefzen und von mürrifchem Anſehen; auch: der Mopshund,
Yandfh. Moppel, Möppel, Mopper; uneig. gem. ein ſtumpfnaſiger,
aud ein müreifher, verdrießlinher,, oder ein dummer Menſch; daher das
Mopsgefichtz; mopfig, Bw., gem. f. mopeaͤhnlich, häfslich, verdrießlichz
mopfey, mopfeln, ziel. Zw., landfih. aem. f. prügeln,
Morane, w., ſ. Muraͤne.
Moraſt, m., - ed, M. Moraͤſte, (ſchwed. moras, dän. morads, franz.
marais, ital. marazzo, engl. morass; mittl. lat. maristus; von gleichem
Stamme mit Moor, Marſch 2c.), ſchwarze, fhlammige Erde, tiefer Koth;
eine aus folhem Erdreich beitehende Gegend, Moor-, Sumpfgegend;
der Moraftitein, eine Art Eifenftein, welde man in Moräften findet, Sumpf:,
Mobererz; moraflig, Bw., Moraft oder Moräjte enthaltend, ſumpfig,
ſumpfreich.
Moͤrbraten, gew. unr. Mehrbraten, m. (v. mör, niederd. f. mürbe),
niederd. das zarte, muͤrbe Fleiſch am Ruͤckgrat der Rinder und Schweine,
auch Lenden-, Lammer: oder Lämmerbraten genannt, ſ. d.
Morche, w., M. way landſch. der ſchwarze od. gemeine Nachtſchatten.
Morchel, w., M. -n (oberd. Maurache, Morach, Mörcheling ze. 3 altd.
morhila, ſchwed. re engl. moril, franz. morillez3 wahrſch. von mor,
/
202 | ; Mord
mohr, niederd. murk, ſchwed. mörk, ſchwarz), eine Gattung von Erd-
fhwämmen, deren Hut einen negförmigen Überzug hatz bef. die efübare
Art, wozu die Spis: u. Stodmordein gehören; in weiterer Bed. alle
getrockneten eföbaren Schwaͤmme; Landfch. heißen die Trüffen: Erdmor:
cheln.
Mord, mu, —es, M. -e, (alte. daz mort, niederd. Moord; dän.
ſchwed. bbhm. mord3 goth. maurthr, engl. murder, franz. meurtre, mittl.
lat. murdrum; wahrſch. v. maro, mar, mürbe, morſch; daher fhweiz.
mbrden, mürbden, niederd. murten, mödrten f. ftoßen, malmen;
bair. Merder f. Holzfchlägelz vergl. Mörfer, morſchz verw. mit dem lat.
mors?), vorfäßliche gewaltfame Zodtung eined Menfchen, fofern fie un:
befugt und widerrechtlich ift, verfh. Zodtfihlag, Hinrichtung, (einen Mord
begehen, Bruder, Vater-, Kinder, Selbfimord 20.53 Mord und Zodtfchlug) 5
uneig. die vorfäpliche, boshafte Vernichtung einer Sache (einen Mord an
der Unſchuld begehen 2c.); niedr. wird Mord Häufig als ein Fluchwort ge
braucht, und in Zſetz. zur Bezeichnung von etwas Schrecklichem, Gewalti—
gem, Abſcheulichem, 3.8. ein Mordkerl, Mordlärm, ein Mork:
weg u. dgl. m.; — morden, ziellof. u. ziel. Zw. (altb. murdan, murdran,
engl. murder, isländ. myrda, ſchwed. mörda), einen Mord beachenz einen
Menfchen —, verfäßlih und gewaltſam tödtenz uneig. gewaltfam ver=
nichten,, zu Grunde richten (die Unſchuld, die Freiheit 20.)5; — Bfeg. von
Mord und morden: die Mordacht, Strafe der Acht für eine Mordthat z die
Mordart, das Mordbeil, ehem. |. v. wı Streitartz die Mordbegierde,
=gier, -luſt, =fucht, =wuth; mordgierig, -luſtig, =füchtig, =wüthig,
Bw.; der Mordbrand, ein boshaft angeftifteter Brand, welcher Anderer
Leben gefährdet; der Mordbrenner, die Mordbrennerinn, Brandftifter
in der Abſicht dabei zu rauhen und zu morden; die Mordbrennerei, das
Verbrechen eines Mordbrenners u. deffen Ausübung; morbbrennerifch, Bw.
und Nw., nad Mordbrenner : Artz die Mordgefchichte, der Hergang einer
Mordthat u. die Erzählung davon; das Mordgefchrei, Gefhrei beim Mor:
den; uneig. gem. ein heftiges, ſchreckliches Gefchreis dad Mordgewehr, die
Mordwaffe, Warte zum Mordenz; mordgewohnt, Bw., des Mordens ges
wohnt; der Mordfeller, Feftungsh. Gewölbe unter dem Feftungswall, aus
welchen der Graben beftrichen werden Tann (fr. Kafematte); die Mordnacht,
eine Nacht, in welcher gemordet worden iſt; die Mordraupe, f. vw. Hau:
pentödterz der Mordichlag, Krſpr. eine hohle Metalltugel mit einem platten
Boden, worin ein Zündloch befindlich iſt; Bildh. ein Prellſchlag, wobei der
Meißel abgleitet (in diefer Bed. wohl v. dem obigen landfch. mörden, Merder) 5
der Mordſchwamm, töstender Blätterſchwamm; der Mordftahl, eine
Stahlwaffe, z. B. ein Schwert und bef. ein Dolch, zum Morden; die Mord- _
that, oberd. aud) das Mordſtück, ein Mord; bei. die Mehrh. Mordthaten
gew./als Morde; der Mordvogel, niederd. f. Raub: oder Stoßvagel; —
Xbleit. von Mord: Mordio (v. Mord u. dem alten Empfindt. Do, jo),
ein Ausrufswort, welches das Mordgefchrei, oder aud den Huͤlferuf beim
Morde ausdrückt: Mordio od. Zeter Mordio ſchreien, gem. aud) f. ſehr heftig
fchreien; mordlich oder moͤrdlich, Nw. u. Bw., meift vlt. f. mordähnlich,
mordgleich, mordbewirfend, mörderifch (einen mordlich anfallen; bibl. mörb:
liche Waffen); mordlings, Nw. niederd. f. mordlich, mordlicher Weiſe; —
«“
Morelle — Morgen 203
1
von morben; der Mörder, 3, die Mörderinn, M, -en, (goth. maur-
ihrja, altd. murdreo, oberd. Mürder, niederd. Mördener, engl. murderer),
wer mordet oder einen Mord begangen hat (Vater-, Mutter:, Selbftmör:
der 2c.)5; daher Die Mördergrube , eine Höhle u. in weiterer Bed, jeder Oct,
welcher Räubern u. Mörbern zum Aufenthalte dientz die Mörderhand (durch
Mörderhand fallen, d. i. ermordet werden); moͤrderiſch, Bw., Moͤrdern
eigen, aͤhnlich, nad Moͤrderart (einen mörderiſch angreifen; mörderiſche
Waffen, Gedanken zc.); auch einem Morden aͤhnlich (eine moörderiſche Schlacht,
in welcher viele Menſchen geblieben find); moͤrderlich, Nw. u. Bw., ſ. v. w
moͤrderiſch, beſ. gem. uneig. f. ſehr heftig, ſehr ſtark (mörderlich ſchreien,
trinken u. dgl.).
Morelle od. Morille, w., M.-n (aus d. fr. Am ar elle entſtez vergl.
Marelle) landſch. große, faure Sirfche; auch f. Derzfirfche, und Kitſche
überh.
Morfling, m, ,es, M. -e, landfd. ein Karpfen ohne Milch und
Rogen.
Morgen 1.,m., -8, M.w. E. (goth. maurgins, altd. morkan, morgan,
isländ. morgun, ſchwed. morgon, angelſ. morgen, engl. along oberd.
gem, Morn), 1) die Zeit um Sonnenaufgang, die Frühe des Tay:? (der
Morgen graut, bridit an; am frühen Morgenz einem einen guten Morgen
wünſchen, bieten, ihm guten Morgen ſagen; guten Morgen, als hewbhn⸗
licher Morgengruß) 5 in weiterer Bed. auch die ganze Vormittagszeit; uneig.
der Morgen des Lebens f. die Jugend; der Gen. Morgens als Nw. der Zeit
f. am Morgen; in Verbindung mit einer andern voranftehenden Zeitbeftimmung
auh: Morgen f. am Morgen, früh (Heute Morgen, geftern Morgen) 5
2) die Himmelögegend, wo die Sonne aufgeht, die Morgengegend, der
Diten (gegen Morgen liegen; der Wind kommt von oder aus Morgen); —
fen. die Morgenandacht, das Morgengebet; das Morgenblatt, die
Morgenzeitungz das Morgenbrov, =ejjen, =mahl, Frühſtück; die
Morgendaͤmmerung; die Morgengabe, (eitd. EBENE RS mittl, lat.
morgengaba, morganaticum 2c.), das Gefchent, weldes der Ehemann am
Morgen nad) der Bermählung feiner Gattinn zu maden pflegte; der Morgen
gang, Gang zur Morgenzeitz Bergw. ein Gang, deſſen Richtung nad Mor:
gen gehtz die Morgengegend, der Oftenz auch eine gegen Morgen liegende
Gegend; der Morgengefang, das Morgenlied; der Morgengruß; der
Morgenhimmel, die Gegend des Himmels nach Morgen zu; der Himmel zur
Morgenzeitz das Morgenkleid, die Morgenkleidung (fr. Neglige) 5 die
Morgenkühle; das Morgenland, die von Europa aus gegen Morgen lie:
genden Länder Afiens (fr. der Orient), in encerer Bed. Kleinafien (fr. die Le:
vante); der Morgenlander, die Morgenländerimn, Einwohner des Mor:
aenlandes (fr. Orientalen); morgenländifch, Bw. (fr. otientatifh) ; dag
Morgenlicht, die Helle des Morgens; die Morgenſonne; die Morgenluft,
die kühle Luft am Morgens; der Morgenpunft, der Punkt am Himmel, wo
die Sonne aufgeht, Oftpunktz das Morgenroth od. die Morgenröthe,
Röthe des Himmels beim Sonnenaufgang; auch die Zeit des anbrechenden Ta—
ges; umeig. dicht. f. fchoner Anfang, aufblühende Schönheit, beginnendes
Glück (die Morgenröthe des Lebens u. dgl.)z; morgenroth, Bw,, gelblich-roth,
wie die Morgenröthe; die Morgenruh, der Morgenfchlaf, = fchlummer ;
204 Morgen — morſch
der Morgenfegen, das Morgengebetz die Morgenfeite, Oftfeites die Mor-
genfonne, aufgehende Sonne und deren Glanz; die Morgenfprache, landſch.
die Verfammlung und Berathung der Glieder einer Gefelfchaft, Zunft 2c. am
Vormittage, auch: der Morgenrath, die Morgenrede, das Morgengefprädz
der Morgenftern, der Wandelftern (Planet) Venus, fo fern er vor Sonnen:
aufgang gefehen wird; uneig. ehem. eine Waffe, in einer mit eifernen Spigen
verfehenen Keule beftehend; auch eine Epintelwalze; u. verfdiedene Gewächſe;
der Morgenftillfiand, Sterne. fheinbarer Stiuftand eines Wandelfterns am
Morgen in einem Punkte des Thierkreiſes; der Morgenftrahl, Strahl der
Morgenſonne; die Morgenftunde, eine Stunde der Morgenzeit ; die Morgen:
zeit ſelbſt (prichw. Morgenftunde hat Gold im Munde); der Morgenthau;
die Morgenuhr, auf einer gegen Morgen gerichteten Fläche befchriebene Son:
nenuhr, welche nur-die Vormittagsftunden zeigt; Die Morgenwache, ehem. Arfpr.
die Wache od. Wachzeit gegen Morgen, und die frühe Morgenzeit ſelbſt; mor⸗
genwaͤrts, Nw., oftwärts; die Morgenmweite, Stern. der Abftand des
Aufgangspunktes eines Sternes von dem Morgenpunfte; der Morgenwind,
ein Wind, der aus Morgen, oder auch der Morgens wehtz die Morgenzeitz
— Ableit. morgendlih, Bw. (altd. morganlih), was am Morgen ift
oder gefchieht (dev morgendliche Glanz der Sonne); dem Morgen ähnlich,
Thon, friſch wie der Morgen.
Morgen 2., m., -8, M. w. €. (altd. morgan; urfpr. die Feldarbeit
-eines Morgens bezeichnend, vergl. Tagewerk; alfo = Morgen 1.), ein Yeld-
maß von verfehiedener Größe, auch Acker, Juchart, Mann = od. Tagewerk
genannt (vier Morgen Landes 2c.); in Sachſen hält ein Morgen 150, im
Hanndverfhen 120, in Hamburg 600, in Nürnberg 200 Geviertruthenz in
der Mark Brandenburg ein großer 400, ein Eleiner Morgen 180 Ge:
viertruthenz; das Morgenkorn, eine gewiffe Menge Korn, welche von einem
Morgen entrichtet werden muſs; morgig, Bw., einen Morgen haltend,
gew. nur in Zfeg. wie drei-, viermorgig Ic.
morgen, Nm. der Zeit (altd. morgan, in morgan; oberd, gem. morn;
angelf. to morgen, engl. to morrowz eig. um die Zeit deö folgenden Morgeng,
alfo dem Stamme nad) = Morgen; vergl. das franz. demain v. d. lat. mane,
am frühen Morgen), an dem nächltfolgenden Tage nach dem heutigen,
vergl. geftern, heute (lieber heute, als morgens heute mir, morgen dirz et—
was auf morgen verſchieben; aud) in Verbindung mit einer weiteren nachftehen:
den Zeitbefiimmung, 3. B. morgen frlih, morgen Mittag, Abend 2c.); mor⸗
gend, Bw., was morgen fein oder gefchehen wird (ter morgende Tag 5
morgendes Tages, f. v.w. morgen; meine morgende Abreife ꝛc.); landſch.
auch morgig (der morgige Tag).
Mornell,.m., — es, M. -e, oder die Mornelle, M. -n, der Kibitz;
eine Art Negenpfeifer (Charadrius Morinellus L,), auch Zitronen=, Pos
meranzenvogel, Poſſenr⸗ißer genannrz der langgeſchwaͤnzte Mernell, auch
Seemornell, Seelerche.
morſch, Bw. (von d. altd. maro, niederd. mör, mürbe; vergl. Mörſer,
und das oberd. mürfen, mürſchen, märtſchen f. zerreiben, quetſchen; lat.
marcidus, ital. marcio), durch Faͤulniſs muͤrbe geworden, durch innere
Aufloͤſung Leicht zerbrechlich (Holz, Knochen, Zahn 2c.); gem. als Nw., um ein
ploͤtzliches u, völliges Zerbrechen auszudrücken (3. B. das Bein brad) morſch
entzwei).
Moͤrſer — Moft 205
Moͤrſer, landſch. auch Mörfel,m., -8, M. w. E. (landf, Mörfener,
' Mörfchner, Mortel, Mörtel; niederd. Marter, dän, morter, ſchwed. mortel,
engl, mortar, bbhm. mordir; fat, mortarium, franz. mortierz v, d, oberb,
murfen, mürfen, niederd, murten, mörten, zermalmen; vergl.
morſch, Mörtel), eim tiefes ſteinernes oder metallenes Gefäß, worin man
mittelft einer Keule Mörferkeule, -ſtößel) harte Körper zerftößt od.
zerreibt; ein mörferähnliches grobes Geſchuͤtz, aus welchem Beniben, Gra=
naten, Feuerkugeln 2c, geworfen werden, ein Feuermoͤrſer; Schiff, dad Ge—
haͤuſe der Kompafsrofez der Mörferblod, das Gerüft, in welchem der
Feuermbrſer hängt; der Moͤrſerkuchen, landſch., ein in einer tiefen Form
gebackener Kuden,
Mörtel, m., -8, (altd, morterz oberd, Mörter, Mörtrich, bſtr. das
Mälter; engl, mortar 5 lat, mortarium, franz, mortier; von gleichem Stamme
mit Mörfer, f. d,5 alfo: zerftoßene, zerriebene Maffe), der mit grobem
Sande oder Flein geftoßenen Steinen vermiſchte Kalk zum Mauern,
Speife, Mauerfpeif: (altd. spisa); die Mörtelarbeit, halberhabene Gips—
arbeit (fr, Stuccatur); die Mörtelhaue, eine Haue oder Hade zur Zuberei-
tung des Mörtels; die Moͤrtelkelle, Mauerkelez die Mörtelpfanne, ein
mit Brettern eingefchloffener Raum, in welchem der Mörtel bereitet wird; die
Mörtelwäfche, dünner Mörtel, welcher zwifchen die Steinfugen gegoffen
wirb.
Mos, ſ., Ses, o. M. (auh Mofen, Mofesz aus d, jüdiſch- deutſchen
mesum, Geld, verderbt), niedr. ſcherzh. f. Geld,
Moͤſch, m., —es, M. -e, 1. landſch. f. Sperling; 2, f. Meiſch.
Moͤſch, fe, -es, landſch. f. Meſſing.
Mofchbeere, w., landſch. f. Vogelbeere.
Moöſche, w., M. -n, landſch. auch Mot ſche, Motſchel, Mockel, Meuſch,
Mutſche zc, (vergl, d. griech. 100205, Spröfsling, Junges, Kalb; altfranz.
meschin, meschine, eine junge Perſon, junge Kuh), landſch. f. Kuh, beſ.
eine junge Kuh, die nod nicht getragen hat, Färſe; das Mofchenkalb,
landſch. f. Kuhkalb.
Moͤſchen, m., - 8, niederd. die Moͤſeke, landſch. f. das wohlriechende
Megerkraut.
Moſchus, m., unbiegſ. u. o. M. (mittl. lat, muscus, franz. muscz vom
perſ. mishk), ſ. v. w. Biſam, ſ. d.z daher die Moſchus- od. Moſchroſe,
eine gelblich weiße Roſe von biſamähnlichem Geruch z die Moſchusente; das
Moſchusthier ꝛc., ſ. Biſam.
Moöſelbeere, w., ſ. v. w. Moosbeere; möfeln, 3w., ſ. unter Moos 2,
Mofelwein, m., Wein aus den Gegenden der Mofel,
Moſt, m., — es, M. (von mehren Arten) -e, (altd, most, dän, moost,
ſchwed. und engl, must, ital. mosto, franz. moltz von dem lat, mustum,
scil. vinum, d, i. neuer Wein), der ausgepreffte ſuͤße Saft verfchiedener
Fruͤchte vor der Gaͤhrung (Apfel, Birn-, Weinmoft 2c.); insbef, der Weine
moftz — 3fes. der Moftapfel, Honigapfel, Süßling; die Moftbirn,
Zeigbien, Holzbienz der Moftmefjer, ein Werkzeug zur Beftimmung der
Güte des Moſtes; — Ableit. moften, zieltof. Zw., Moft machen; mofteln,
zielloſ. Zw., 1) f. v. w. moſten; 2) nach Moft ſchmecken (von jungem
Beine); der Moftler, die Mojtlerinn, wer Moft macht, die Trauben
—
206 Moth — Mud
tritt und prefit; moftig, Bw., Moft enthaltend; auch f, das r. mofticht,
dem Moft ähnlich (moftig ſchmecken); der Moftrich oder Möftrich, - es
M.-e, (gem, auch Muftertz ital, mostarda, franz. moutarde), niederd,
der mit Moft oder Weineffig zubereitete zerriebene Senffamen, der Senf.
Moth od. Modt, oberd, Mott, m., - es, o. M. (gem. auch Kamoth,
Koth, Schmusz verw, mit Moder), landſch. f. Torf-, Moor= od, Moder—
Erde; daher dad Motthuhn, landſch., be, niederd, f. Wafferhuhn, Strand:
Läufer,
Motſche, w., ſ. v. w. Mofchez landſch. auch f Stute; daher das
Mötfchel, -8, M. w. E., f. Füllen
Motte, w., M.-n, (niederd, Mutte, engl, moth; v. d, goth, matjan,
effen, wie Made, Miete; vergl, Maß 1.), ein kleines fliegended Infect,
deſſen Larve das Pelzwerk und Wollenzeug zerfrifft, u, diefe Larve felbft;
die Schabe; landſch. auch f. Milbe; die Mottenfliege, ein Nachtſchmetter—
ling, deſſen Larve die Wickelraupe iſt; der Mottenfraß, das Zerfreſſenwerden
durch Motten, u, der dadurch verurſachte Schaden; auch etwas von den Motten
Zerfreſſenes, 3. B, dergl. Kleidungsſtücke; mottenfraͤßig, Bw,, durch Mot—
tenfraß beſchädigtz der Mottenkaͤfer, Pelztäfer; das Mottenkraut, ver:
ſchiedene Gewächſe, welche die Motten vertreiben ſollen, als: der wilde Ros—
marin oder das Mutterkraut; eine Art der Kbnigskerze, Mottenſamen;
eine Art der Ruhrpflanze, Mottenblume?c. »
motzen, moßeln, mößeln, ziellof. Zw., bair. f. zaudern, langfanı fein;
der Motzer, die Motzel, f, eine träge, langſame Perfon,
motzig, Bw, (vergl, Mus, mugen), Bergw, motzige Gänge, d. i, ſolche,
die nicht weit ind Feld ftreichen.
Möwe, w., ſ. Mewe. r
Muh, m, — es, o. M., vlt, f der Schimmel; daher mucheln, auch
müchten, müchteln, meudteln, müdzen, zielloſ. Zw, mit haben,
(ſchwed. mögel, dan, muel, fpan, mocho, Schimmel; lat, mucor, Schim—
mel, mucere, ſchimmlig fein), landſch. gem. nad) Schimmel oder Mober,
überh. verderben, anbrichig riechen od. ſchmecken, vergl, muffen, muͤffen;
müchlig od. muchlig, Bw., verdorben, anbrüchig riechend od, ſchmeckend,
vergl, muffig, niederd. muljterig. F
Mud od. Muds, m., —,es, M. -e, gem, ein fhmwacher, Faum ver=
nehmlicher, abgebrochener Laut, beſ. als Zeichen des Mifsvergnügens, der
Verdrießlichkeit (nicht einen Muck od, Mucks von fi) geben); mucken, ziellof,
Zw. mit haben, (ſchwed. mucka, dan, mukkez; lat, mutire, mussare;
engl, mutter; griech. alte) 1) einen Muck hören laffenz landſch. aud) f.
ſich regen, eine geringe Bewegung machen, zucken, einem verftohlne
Winke geben (oberd. au moden, moceln, heimlich, verftohlen thun;
vergl. maucheln); in diefen Bed, aud) verft, mudfen (er darf nicht muden od,
muckſen; nit gut: muchfenz oberd. mudezen, altd. muchazan, mucki-
zan); 2) gem, fs Mifdvergnügen oder uͤble Laune durch einzelne mürriſche
Laute, durch Stillſchweigen und verdrießliche Mienen aͤußern, maulen, ſchmol—
Yen; 3) landſch. gem. die Sache muckt, od, es muckt mit der Sache, d. i.
fie hat einen verftedten Fehler, geräth ins Stodenz der Muder od, Mudfer,
-8, die Muderinn, gem, 1) wer mudt, d. i. fi muͤrriſch, unwillig,
trohig benimmtz 2) Mucker auch: wer böfe Abſichten unter einem
Muͤcke — Mudde 207
ehicfifchen, lauſchenden Stillſchweigen verbirgt; insbef, f. Heuchler,
Frönmlerz daher die Muderei, Denke u, Handlungsweiſe eines Mus
ckers, Heuchelei; mudern, zielloſ. Zw., landſch. f. fotternz die Mude, .
M.-n, gem, fs uͤble Laune, muͤrriſches Schweigen und Betragen; bef.
eine einzelne launiſche Eigenheit, Grille, fehlerhafte Gewohnheit, ver—
ſteckter Fehler (er hat feine Mucken; einem die Mucken vertreiben; das Pferd
hat Mudenz die Sache hat ihre Muden, d, i, verborgene Schwierigkeiten);
mudifch, Bw., gem, f. Übellaunig, muͤrriſch, Taunenhaft, eigenfinnig,
Müde, w., M.-n, Verkl. das Muͤckchen, (oberd, Mucke, niederd,
Mügge, altd, muccha, angelf. mygge, engl, midge, ſchwed. mygga, island,
my, böhm, maucha, poln, mucha; lat, musca, franz. mouche, griech.
zvia, Fliege), verſchiedene Geſchlechter von Inſecten mit zwei haͤutigen,
durchſichtigen Fluͤgeln, einem laͤnglichen Leib, langen Fuͤßen und einem
ſtechenden Eaugrüffel; insbeſ. die in feuchten Gegenden häufig mit einem
feinen Summen berumfliegenden, fcharfjtehenden Infecten: große Müde,
Schnafe (die Müden fingen, d. i. fummen); und die gegen Abend ſchwarm—
weife in der Luft ſchwebende Heinere Gattung (die Mücken tanzen od, fpielen) ;
oberd, in weiterer Bed, auch f, Fliege, Bremſe und überh, geflüigelted In—
ſect; Zſetz. der Muͤckenbaum, die Schwarzpappel; die Muͤcken- oder
Muͤckente, eine Spielart der Löffelente, Fliegenentez der Muͤckenfang,
Naturk. eine Art des Leimkrautes; auch die Pechnelke, weil an der klebrigen
Feuchtigkeit dieſer Pflanzen die Mücken hangen bleiben; der Muͤckenfaͤnger,
Fliegenſchnäpper; das Muͤckenfett oder -ſchmalz, ſcherzh. f. etwas nicht
Vorhandenes (z. B. einen nad Mückenfett ſchicken, d. i. ihn in den April
fhiden); das Mücenfraut, Flöh- oder Pfeiltraut, welches die Mücken ver:
treiben follz die Mücenmotte, eine Art mückenähnlicher Dämmerungsvdgelz
der Muͤckenſchimmel, f. v. w. Fliegenſchimmel; das Mücdenfehen, eine
Augenfhwäde, indem man beweglihe, ſchwarze Flecden vor den Augen zu
fehen glaubt (franz, mouche volante); der Müdenfeiger od, =feiher (nicht
s fauger!), eig, wer Mücden aus einem Getränfe ausſeigt; uneig. wer es mit
Kieinigkeiten fehr genau nimmt (bibl. Mücken feigen und Kameele verfchluden) ;
der Müdenftachel; der Muͤckenſtich; der Mücdenwürger, eine Art des
Hundekohls, Sliegenfalle; — Ableit. müdlich, Bw, (gew. micklich gefpr,,
u, vielleicht von anderem Stamme) nieberd, f. klein, undeutlich (@. 8. füreiben),
muden, Muder, mudern, muckiſch, mudfen, f. unter Mud,
Mud, n. & Muth, f., -ed, M. -e, landſch. auch das od, der Mutt,
Mütt, Muid, aud die Müdde, Verkl. das Müttlein (altd, mutti,
mutto; angelf, midd, franz. muid; vergl, Maß, Metze, d, lat, modius,
‚ griech. uödıos), oberd, ein Maß 1) fuͤr trockene Dinge, bei. Getreide, etwa
ein Scheffel, in manchen Gegenden aber auch 4 bis 6 Scheffelz 2) für Flüfe
figfeiten, insbeſ. fhweiz. ein Weinmaß = 1 Saum, oder 92 Maß; in
Zirol cin Olmaß, weldes 120 Pfund hält.
Mudde, m. oder Mudder, m., o. M., nieberd. f. Moser, Schlamm;
uneig, f. die Sau; auch ein ſchmutziges Weib; mudden, muddeln, ziel, Zw,,
niederd, gem, mit einem feuchten Tuche Schmuß oder Staub abwifchenz
muddern, Zw, (holl, modderen, engl. muddle) 1) siellos, den Moder
oder Schlamm aufrühren (ein Schiff mırddert, wenn es den Grund aufrührt) ;
2) ziel, von Schlamme reinigen; mudderig, Bio, f. moderig, ſchlammig;
208 müde — muffeln.
muddig, Bw,, niederd. 1) f. ſchlammig, trübez 2) moderig oder faul
ſchmeckend, def. von angefaultem Obſt, ſ. v. w. molſch, in diefer Bed, auch
mudig, gem, mudike.
müde, Bw. (altd, muodi, oberd, müed, niederd, möde, dän. mode, ſchwed.
mod; von mushban, muoan, mühen, ſ. d,; alfo gleihf, abgemüht), durch
Anftrengung, anhaltende Bewegung oder IThätigfeit, Wachen ꝛc. der
Kräfte beraubt und der Ruhe beduͤrftig; ſinnv. matt, ſchläfrig, vergl, d,
(fi müde gehen, arbeiten, fprechen; ein müder Wanderer); uneig. dnrch
oͤftere Wiederholung, anhaltenden Genufs 2c, der Neigung oder Luft zu
etwas beraubt, finnv, überdruüffig, fatt, mit zu und dem Inf, (man muſs
nicht müde werden, Gutes zu thun), oder mir dem Gen. und gem. Acc. der
Sache (des Lebens müde fein; das, r. deffen bin id) müde 26); müden,
ziel, und zielloſ. Zw., vlt. f. mitte werden, milde machen, gew. ermüden 5
vie Müdigkeit, alt aud) die Müde, niederd, Möde, das Muͤdeſein, finno,
Mattigkeit, Scläfrigfeit. |
Muff 1. m, -15, M. Muffe, b. ats Müffe, Verkl. dad Muͤff⸗
Hen, (andſch. auch w. die Muffe; engl. muff, ital, muffolaz vergl, d,
niederd. Maue, hol, mouw, Armel), eine zur Erwärmung der Hände
dienende Pelzhuͤlle, in Geftalt einer hohlen Walze, in deren Höhlung man
die Hände ſteckt, oberd, ein Stützel, Stuser, Schlupfer, Schliefer genannt;
muffeln, ziel. 3w., (engl. muflle) landſch. f. mummen, verhuͤllen; auch f.
betruͤgen; daher der Muffel, -8, f. heuchleriſcher Kopfhänger, Schein—
heiliger.
Muff 2. m., -ed, o. M. (ital, muffa; vergl, Much, mücheln) oberd, f.
Schimmel, Schimmelgeruch, überh. faulichter, uͤbler Geruch; vom
Knaſter jedoch ein dem Tabacksraucher angenehmer Geruch (daher Muffkna—
fter oder bloß Muff f. angenehm riechender Tabak); muffen od. müffen,
auch verft, mufzen, müfzen, zietof, 3w, mit haben, nad Schimmel
oder überh, -verdorben, uͤbel riechen oder ſchmecken (das Mehl, die Butter,
das Wildbret mufft); muffig oder müffig, Bw., ſchimmelig, anbruͤchig,
uͤbel riechend.
Muff 3. m., —es, M. -e, landſch. ein dumpfer Laut, den große Hunde
hoͤren laſſen; auch ein Hund, der immer mufft od, bellt, und gem, ein
muͤrriſcher Menſch; daher muffen und verft, mufzen, zielloſ. Zw, 1) f.
dumpf bellen; uneig. f, murren, maulen, ſchmollen (vergl, muden); der
Muffer, die Mufferinn, wer murrt, ſchmollt; muffig, Bw. f. muͤrriſch.
Muffel, mi, -8, M. w. E 1. (franz, mufle, Schnauze; verw, mit
Mops, Moppel), landſch. gem, ein Ihier, bef. ein Hund mit dicken, herz
abhangenden Lippen; in weiterer Bed, ein hafsliches Geſicht mit herab—
hangendem Maute, Fragengefiht Muffelg efid 1); bef. in den bildenden
Künften: eine Thierlarve; daher muffelig oder muffig, Bw., ein häfelis
ches Geſicht habend; — der Muffel 2., f. muffein unter Duff 1,
Muffel, w., M. -n (franz, mouflez wohl verw, mit Muff 1, und dem
engl. muffle, landſch. muffeln, verhülen) Scheidek. eine gewoͤlbte irdene
Stuͤrze zur Bedeckung der Kapellen; auch ein aus Porzellanerde beftehender
Saften, der in einen Bratofen eingemauert wird,
muffeln, 1. ziel, 3w. f. unter Muff 1.5 — 2. zielloſ. Zw. (oberd. mumpfen,
mimpfen, niederd, mummeln, engl, mumbie, mufile) ein Schallwort, welches
den
*
muffen — Mühle 209
ben dumpfen Laut nachahmt, der beim Kauen mit vollen Backen od. mit
ahnlofem Munde entftcht 5 daher gem. u, verächtl. f. kauen u. effen überh.
muffen, müffen, mufzen, muffig ic f. unter Muff 2. und 3.
Müger, m, -8, M. w. E., landſch. f. die Spitzmaus, Reutmaus.
mub, ein Naturlaut, welcher dad Gebruͤll des Rindviehs nachahmt; daher
muhen, ziellof. Zw. (oberd, muhezen, muchzen, mugen; lat, mugire, griech.
gevrav), mul) fchreien, bruͤllen (die Kuh muht).
mühen, 3w. (alt. muohan, muowan, muojan, müejen, urfpr. bewe—
gen, tann: durch Bewegung ermüden,, plagen; nieberd. moien, mogaenz
vergl. d. lat. movere, bewegen; griech. zoyeiv, arbeiten) 1) ziel. einen-,
gew. bemühen, ihm Mühe machen (bibl. was müseft du den Meifter 2); alt
u. landſch. auch f. Eränfen, Summer verurſachen; 2) rückz. fih-, feine
Kraft anftrengen, gew. fi) bemühen, ſich Mühe geben; alt u. landſch.
auch f. fi) grämen, härmen, bekuͤnmern; 3) unp. ed muͤhet mich, f.
es kraͤnkt, verdrießt mic); die Mühe, M.-n, (atd. mucha, muoja;
oberd. Müe; niederd. Moie, Moitez ſchwed, möda, dän. mode; vergl. d. griech.
10705, zöz90s), Unftrengung der Kräfte, ſowohl des Körpers, wie des
Geiftes keinem Mühe machen; ſich (mir) Mühe geben, d. i. feine Kräfte ans
ſtrengenz fi viele Mühe um, mit, bei etwas geben; viele Mühe auf etwas
wenden ; Keine Mühe fheuen, ſparen; ſich die Mühe nicht verdriegen Laffen z es
koſtet Mühe; es ift nit der Mühe werth, lohnt nicht die Mühe, od. es lohnt
der Mühe nicht, f. lohnen) z alt u. landſch. f. Gebrechen, Befchwerde, Sram,
Sorge, Kummer, Leidenz in der M. die Muͤhen auch hochd. dicht. (die
Mühen des Lebens); — Bfeg. mühelos, abgek. mühlos, Bw., ohne Mühe,
keine Mühe habend cher verurfahendz; die Muͤhloſigkeit; muͤhevoll, abgek.
mühvoll, Bw., viel Mühe habend oder verurfadendz; voll Beſchwerde, Leid,
Kummerz die Mühwaltung, bef. Kanzl. f. mit Mühe verbundene Thätig—
keit, übernommene Bemühung; — Ableit. mühlich, Bw. (attd. müelich),
vlt, ſ. v. w. mühfam, befhwerlich ; die Mühfal, M. -e, b. als das Muͤh—
fal, -e6, M. -e, der Zuftand, da man Mühe hat, od. Befchwerden,
Kummer ꝛc. leidetz auch die Befhwerd?, der Kummer, das Leiden ſelbſt;
mühfelig, Bw., mit Mühfal verbunden, höchſt befchwerlich (eine mühe
felige Arbeit, ein mühfeliges Leben); Mühfal erduldend, Fummervoll, elend
(bibl. kommt her zu mir, die ihr mühfelig und beladen ſeid) z die Muͤhſelig⸗
keit, dad Muͤhſeligſein, die muͤhſelige Beſchaffenheit; auch eine mühe
ſelige Sache, Beſchwerde (M. Mühſeligkeiten); muͤhſam, Bw., mit Mühe
verbunden, Kraftanſtrengung erfordernd (eine mühſame Arbeit); geneigt
und gewohnt Mühe anzuwenden (ein mühſamer Menſch) 3 die Mühfamse
keit, dad Mühfamfein in beiden Bed.
Mühle, w., M,-n, Verl. dad Mirhlchen, (altd. muli, mulin;
oberd. Mül, Müti, auch Mülin, M. Mülinen; niederd. Möle, ſchwed. mölla,
dän. molle, ieländ, mylna, engl. mill, franz. moulin; lat. mola, gried).
gl); von mahlen, f. d.), eig. eine Mafchine od. ein Triebwerk mit Rätern,
Walzen, Steinen 2c. zum Mahlen oder Zermalmen fefter Körper (Kaffee:,
Hanf⸗, Senfmühle zc.), insbef. zum Mahlen ded Getreides zu Mehl, Korn:
od. Mahlmühle (Hand, Waffer:, Wind, Roſs-, Schiffmühle; fpridw.
das ift Waffer auf feine Mühle, d. i. feinen Abſichten gemäß, ihm erwünscht) 5
MU, auch ein einzelner Gang der Mühle; in weiterer Bed, auch ähnliche,
Heyſe's Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2, Theil. 14
210 Muhme — Mulde
bef. von Waffer oder Wind in Bewegung geſetzte, Triebwerke nicht bloß zum
Zermalmen, fondern auch zum Zerfchneiden, Schleifen, Walken u, überh.
zur Verarbeitung verfchiedener Stoffe (3. B. Loh-, Marmor:, Hl⸗, Papier:,
Pulver:, Säge: od. Schneide, Schleif-, Walkmühle 2c.); ferner ein befanns
tes Brettfpiel, das Muͤhlenſpiel (Mühle ſpielen) ʒ und in dieſem Spiele die
Stellung dreier Steine in gerader Linie (eine Mühle haben, bie Müpte auf:
und zumadenz eine3widmühle, Doppelmühle, wo man durch Offnung der
einen Mühe zugleich die andere zumacht); — Z3 ſetz. der Mühlarzt, gem. ein
Müller, welder den Mühlenbau verftehtz der Mühlbach, Bad, welder
eine Mühle treibt; der Mühlburfh, = -fnappe, = fnecht, Müllergehütfe, for
wohl Gefell als Lehrling; das Muͤhleiſen, die eiſerne Achſe, um welche ſich
der obere Mühlſtein drehtz der Mühlgang, f. Gang ; der Mühlgaft, f. v. w.
Mahlgaſt; das Mühlgebiet, in Getreibemühlen das Geftell, auf welchem ſich
der Stein, der Lauf u. der Rumpf befindet; die Mühl- od. Mühlengerechs
tigteit, das Mühlcecht, die Befugnife eine Mühle zu halten; das Mühlges
inne, f. Mahlgerinnez der Mühllauf, die hölzerne Einfaffung, in welder
der Mütitein läuft; der Mühlmeifter, Borgefenter einer Mühle, Müller;
die Mühlmese, ſ. Mahlmetze; der Mühlpfahl, f. Eihpfahlz dad Mühl:
rad, das Waſſerrad, welches eine Mühle in Bewegung fest; der Mühlfteiger,
Berg. ein Steiger, welcher bei den Pochwerken und Zinnwäſchen die Aufſicht
führt; der Mühlftein, ein großer, platter, feheibenförmiger Stein, der zum
Zermalmen des Getreides dient; uneig. landſch. f. Engelgrofchen ; der Mühl-
wagen, ein Wagen, auf welchem Getreide u. Mehl nad) u. von einer Mühle
geführt wird; dad Mühlwafler, ein Waffer, welches eine Mühle treibtz
das Mühlwerk, Triebwerk einer Mühle; — der Muͤhlenanker, ein Anker,
welcher eine Schiffsmühle feſthältz der Muͤhlenbau, die Muͤhlenbaukunſt;
die Muͤhlenordnung, obrigkeitliche Verordnung für die Müller; der Muͤh
lenſchreiber, ein vereidigter Aufſeher bei einer Muͤhlenwage, in welcher das
in die Mühle gelieferte Getreide und das daraus erhaltene Mehl gewogen wird;
das Muͤhlenſpiel, ſ. o. Mühle; der Muͤhlenteich, ein Teich, in welchem
das für eine Mühle nöthige Waſſer ſich ſammelt ;. der Muͤhlenzwang, die
Verbindlichkeit, fein Getreide in einer gewiffen Mühle mahlen zu laſſen ‚und
das Recht, Andere dazu anzuhaltens — Ableit. der Mühler, Mühlner,
oberd. f. Müller, f.d.
Muhme, w., M, -n, Verkl. das Muͤhmchen, (altd. muoma, oberd.
Muem, Maim, niederd. Moje, Möne; Nebenform von Mamaz vergl. d. lat.
matertera von mater), des Vaters oder der Mutter Schwefter, die Bafe,
gew. Tante, auch des Oheims od. der Tante Tochter, Bafe (fr. Goufine) 5
in weiterer Bed. jede weibl. Seitenverwandte; Yandfch. uneig. f. Kinderwaͤr—
terinn (Kindermuhme); Landw. auch eine Auffeherinn ber das Bich (Vieh:
muhme) 3; ehem. auch f. Geliebte, Beiſchläferinn; der Mühmling, -e8, M.-,
alt und noch dftr. f. Bermandter, bef. von mütterliher Seite; die Muhms
ſchaft, vie. f. Verwandtſchaft.
Mühfal, muͤhſam, mühfelig, Mühwaltung, f. unter —
Muid, f. Mud.
Muive, w., M.-n, (altb. muoltra, mulda; oberb. — Multer,
Mueltern; niederd. Melde, Molle, Molge; angelſ. mele; wahrſch. verw. mit
mahlen, Mehl, alſo urſpr. Mehltrog), ein laͤngliches hoͤlzernes Gefaͤß in
Ber
Mulje — Mumme | 21
Geftalt einer halben ausgehöhtten Walze, Eleiner als ein Trog (Bade, Fleiſch—
mulde 2c.) 5 Bergmw. eine muldenförmige Vertiefung in den Ftözen; dad Muls
dengewoͤlbe, Bauf. ein muldenförmiges Gewölbe; auch f. Kreuzgewblbe; die
Muldenmufchel, Napfmuſchel.
Mulje, w., niederd. ein dur) Damme abgefchloffener Hafenraum,
Mull, m., -d8,M. -e, die rothe Meerbarbe (Mullus barbatus L.) ; die
- Kaulquappe, aud Müll, Müller.
Mull od. Mül, f., - ed, 0. M. (landſch. aud Mil, Moll; goth. mulda,
altd. moltaz angel. mold, engl. mould, ſchwed. mullz; vergl. Molt, Mutm,
Gemüt, Maulwurf), kef. niederd. f. lockere Erde, Stauberde, Schutt,
Kehricht; mullen od. müllen, ziel. Zw. (a’td. mulian) landfd. f. zerreiben,
zermalmen, zerquetfchen,
Mulle, w., M. -n, 1. ſchwäb. f. Katze, als Schmeihelmort ; 2, ein Fiſch.
Müller, n., -8, M. w. E. (unächſt von müllen f. mahlen, od. durch
Verkürzung des altd. mulinari, mulnere, oberd. Mülner von Mühle herzu:
leiten; isländ. mylnari, ſchwed. mjölnarez niederd. Möller, engl. miller), wer
zu mahlen oder einer Mühle vorzuftehen verfteht, bef, wenn er zugleich Ei—
genthuͤmer oder Pächter einer Mühle ift, Mühlmeifterz Natur. eine Art
Stachelboͤrſe; die Kaulquappez — 3fes. die Müllerart, eine kleine Art,
welche die Müller ehem. zur Zierde trugen; müllerblau od. müllerfarben,
Bw., weißlich blau, wie ſich die Müller zu Leiden pflegenz der Millerburfch
od. =Fnecht, |. Müptburfh 5 der Müllerefel, ein Ejel, welcher Getreide: u.
Mehlſücke trägt; der Müllerfäfer, eine Art Mehlküfer; auch f. Juliuskäfer,
1. d.5 der Müllerkarren, = wagen; die Müllerwage, ein Werkzeug, womit
man das Waffergefälle zum Behuf des Müplenbaues unterfuhtz der Müller:
wein, die Muͤllerrebe, = traube, eine aus Burgund ffammende Weinfortez —
Ableit. das Müllerchen, - 8, landſch. f. die geſchwaͤtzige Grasmuͤcke; die
Miüllerinn, Ehefrau eines Müllers.
Mülling, m., —es, M.-e, landſch. f. die Elritze.
Mulm, m., Ses, 0. M. (landſch. auch Melm, Mölmz v. mahlen, mal:
men; vergl. Mull, Malm), lockere Stauberde; Bergw. ausgewittertes,
lockeres Erz (Eiſen-, Kupfermulm); auch f. verfaultes, in Staub zerfallendes
Holz, u. f. Faͤulniſs ſelbſt (der Baum hat den Mulm); mulmicht, Bw.,
dem Mulm aͤhnlich; mulmig, Bw., Mulm enthaltend, daraus beſtehend;
verwittert, bröcfelig (mulmiges Erz) 5 faulend (mulmiges Hol;); mulmen,
+ Bw. 1) ziel. zu Mulm machen; 2) zieltos, zu Mulm werden,
mulfh, Bw., f. molſch; mulfig od. mulfiht, Bw., landſch., durch
Froſt u. nachherige Erweichung verdorben (die Trauben ſchmecken mulſicht).
mulfterig, Bw. (engl. mouldy) niederd., ſchimmlicht, nah Schimmel
riedyend oder ſchmeckend, vergl. muffig, müchlig. i
multern, ziellof. Zw. (v. Molt, Mull, f. d,) landſch. ſ. v. w. mulmen,
in Staub zerfallen; multerig, Bw., ſ. v. w. mulmig.
Mumie, w., Mi -n (wahrfd). verw. mit d. arab. muma, Wade, Eopt.
mum, Erdharz), eineinbalfamirter u. ausgetrockneter Leichnam, Doͤrrleiche.
Mumme 1. w., M.-n, landfe. f. ein verſchnittenes Ihier,
Mumme?. w., o. M., ein dickes, ſchweres, dunkelbraunes Bier,
welches in Braunſchweig gehraut wird (angeblich nad) feinem Erfinder, Chrift.
Mumme, 1489).
14*
212 Mumm — Mund
Mumme3., Mummel, Muͤmmel ıc f. unter mummen.
mummeln1. ziellof. 3w. (aud) mumpeln, oberd. mumpfeln 5 holl. momme.
len, mompelen, engl. mumble, mump), nieberd. den dumpfen Raut mu
od. mum hören laffen, wie/die Kühe; undeutlich ſprechen; murmeln, heim⸗
lich und unvernehmlich reden; vorn im Munde oder ohne Zähne kauen,
vergl. muffeln,
munmen od. landfch. gew. mummeln 2. ziel. 3w. (engl. mumm; ital.
mommiare), einhüllen, verhuͤllen, bef. das Gefiht, verkappen, unkennt—
li) machen, gew. nur ein= und vermummenz die Mumme, M.-n,
(holl. momme; vergl. d, engl. mummer, franz. momeur, ein Vermummter)
vlt. f. Larve, Maske (Mummen gehen oder laufen, ehem. f. masfirt einher:
gehen) ; daher das Mummengeficht, e Fleid 20, , das Mummenfpiel, ehem.
die Mummenfchanz (f. Schanze), ein Spiel, eine Yuftoarkeit, wobei man vers
munmt erfheint (fr. Masferade); die Mummerei, M.-en, das Ver—
mummen, Verkleiden, Unkenntlichmachen durd; Larve u. Kleidung; auch
f. Mummenfpiel; uneig. f. VBerftellung, Taͤuſchung; — der Mummel,
—s, M. w. E., gem. ein ertichtered Schreckbild für Kinder und abergläus
bifhe Leute, durch eine vermummte Perſon vorgeſtellt, landſch. auch M ums
mart, Mummanz, Mummelad, Mummelmann zc. genannt, an
andern Orten: Bumann, Bugemann, Wauwau, aud der fihwarze Mann »
Kinderfreffer; — die Mümmel, M. -n, oder das Mümmelchen, -
niederd. f. Wafferlilie, weiße, od. gelbe Sceblume, weiche legtere auch *
Muͤmmelkraut genannt wird (wegen des Verſtecktſeins od. der Bermummung
der Pflanze unter dem Waffer, aus welchem nur die Blüthen Hervorragen).
mumpfen, mumpfeln, zieltof. 3w., oberd. f. mummeln 1., muffeln, ſ. d.
Mund 1., m, — es, M. Münde oder Münder ungebr.; Verkl. dad
Mündchen, Muͤndlein, (gotk. munıhs, altd. muntz dan. u. ſchwed.
mund, island. munnr; angelf. mudh, engl. mouth; verw. mit d. lat. man-
dere, fauen?), 1) eig. der von den Lippen verſchloſſene, Zähne, Zunge us
Gaumen enthaltende Raum zwilchen den beiden Kinnbacken im Geſichte
ded Menfchen, zum Ein: und Auslaffen der Luft, zum Einnehmen der Nah:
rungsmittel u. zur Auslaffung der Stimme u, Bildung der Epradjlaute die
nend, niedr. das Dia [, vergl. d.z in engerer Bed. bloß die äußere Munde
Öffnung und die | Kıppen, (ein Eleiner, fhörer, breiter Mund 2c.; einem das
Brod vor dem Munde wegnehmen, d. i. ihm die Nahrung entziehem; mit trocke—
nem Munde weggehen, d. i. nichts zu effen u. zu trinken befommenz einem ben
Mund wäfferig machen, d. i. ihn lüftern, brgierig nad) etwas machen; dem
Mund nidt aufthun, d. i. nicht reden; den Finger auf den Mund legen, zum
Zeichen des Schweigens 5 reinen Mund halten, d. i. ein Geheimniſs verjchweigenz "
in Aller Munde fein, d. i. der allgemeine Gegenſtand des Geſprächs; die Nach—
richt. geht von Munde zu Munde; einem das Wort aus dem Munde nehmen,
d. i. eben das fagen, was der Andere fagen wollte; etwas immer im Munde
führen, d. i. immer davon fprechen 3 oberd. Kanzl. von Mund aus fi mind:
lid) ; :2) uneig. f. Öffnung, Ein = od. Ausgang, vergl. Muͤnde, Muͤndung,
nur in einigen Fällen, (z. B. der Mund einer Kanone, der Magenmund, Mut:
termund, f.d.); — 3fes. die Mundart, eigenthümliche Spredmeife einer
Gegend od, eines Ortes, die von der Hauptſprache nicht nur in der Ausſprache,
fondern auch in den Wortformen u. Wörtern ſelbſt abweicht (fr, Dialekt; ober
Mund 213
beutfche, nieberdeutfhe Mundart 2c.); mundartifch od, mundar:lich, Bw.,
einer Mundart eigen ober angehörig; der Mundarzt, Hof: Zahnarzt; der
Mundbaͤcker, an Höfen ein Bäder, welder nur für oe herrſchaftliche Tafel
zu baden hatz der Mundbedarf, Bedarf an Lebensmitteln (fr. Proviant)z
der Mundbiffen, ein Biffen, fo groß man ihn gewöhnlich in den Mund nimmt z
die Mundfaäule od, -Faͤulniſs, ine Krankheit des Mundes, wobei das Zahn:
fleiſch ſchwillt und blutet, |. Scharbeckz der Mundfiſch, landſch, f. Atant od,
Jäſez das Mundgut, landic. f. Eſs- od, Mundwaaren; daher die Munds
gutſteuer; die Mundklemme, krampfhafte Zuſammenziehung u. Verſchlie—
Hung des Mundes, der Kinnbackenzwang, gem, die Maulſperrez; der Mund—
koch, an Höfen ein Koch, welcher bloß für die herrſchaftliche Tafel die Speifen-
bereitet; die Mundkuͤche, deſſen Küche, verſch. Hofküche; der od. das Munde
lad, Feine, runde, von Weizenmehl gebadene Scheibdien, deren man fid
ftatt des Siegelladts bedient (fr. Oblaten); das Mundleich (v. Leid) 2.), an
Wafferfünften, die Außerfte Röhre, aus deren Mündung das Waffer aufiteigtz
der Mundleim, aus Haufenblafe bereitster Reim, welchen man mit dem Munde
befeuchtet; das Mundloch, die Offnung oder Mündung eines hohlen Raumes
(3. B. eines Dfens, eines Flintenlaufes); Bergw. der Ausgang eines Stolleng 3
Hüttenw, die obere Offnung des Ofens; an einer Flbte das Loch, in welches
«man bläſ't; der Mundpropf, der Propf, womit die Mündung eines Geſqützes
verwahrt wird; der Mundraub, Schiff. was beim Ein: u, Ausladen efsbarer
Waaren von dem Schiffsvolk zugeftandenermaßen genommen worden; mund—
recht oder = gerecht, Bw., dem Munde reht, angemeffen, anpaffend, zum
Eſſen oder Sprechen; der Mundreif, Keif an der Mündung der Kanonen z
die Mundrofe, Rofenmalve oder = pappel; der Mundſchenk, -en, werfen
Geſchäft es ift, einem Andern das Getränk, bef. den Wein einzufhenfen und
dar zureichen, ein Hofbeamter (Groß-, Obermundſchenk 2c.) ; daher das Munds
fchenfenamt; der Mundfpatel, ein Spatel ver Wundärzte, womit Kindern
die Zunge gelöfet wird; das Mundſtuͤck, 1) der Theil eines Dinges, Werk:
zeuges ꝛc., welder in ben Mund genommen wird (3. B. einer Tabackepfeife,
einer Trompete, eines Hornes 20,5 an einem Pferdezaume das Gebijs); 2) der
Theil, welcher die Mündung enthätt od, ausmacht (das Mundſtück einer Kanone);
3) gem, ſ. v. w. Mund: od. Maulwerk; der Mundtheil,der Theil von Nah:
zungsmitteln, welcher für eine Perfon beftimmt ift (fr, Portion); dad Munde
tuch, ein Tud zum Abwifchen des Mundes beim Effen (fr. Serviette); der
Mundvoll, eig. x. getrennt ein Mund vell 2c, (vergl. Handvoll), fo viel der
Mund auf einmal faſſen Fannz der Mundvorrath, Vorrath au Lebensmitteln
(fr. Proviant); das Mundwaffer, ein den Mund reinigenbes, heifendes od,
ſtärkendes Waſſer; der Mundwein, für die herrſchaftliche Tafel beftimmter
Wein; dad Mundwerk, gem, Maulwerk, |. d.5 der Mundwinkel, die
von den Lippen zu beiden Seiten des Mundes gebitdsten Winkel; — Ableit.
munden, ziellof, 3m. m. haben, dem Munde behagen, wohl ſchmecken
(dev Wein mundet mir); münden, ziellof, Zw. m. haben, in eine Öffnung ⸗
od. Mündung ausgehen, beſ. von Flüſſen f. auéfließen, ſich ergießen (die
Elbe mündet in die Nordſee); die Muͤnde, M. -n, der Ausflufs eines
Fluſſes (def. in EN, wie Angermünde, Swinemünde, Warnemünde; oberd,
das Gemünd, ſ. d.; außerdem gew. Mündung); die Mündung, M. -en,
überd, die Öffnung, der Ein= =.0d Ausgang eines Dinged, dad Munds
214 Mund — munter
loch (3.8, eines Gefüßes, einer Kanone, eines engen Thules 2c.) 5 insbeſ.
der Ausfluſs eines Fluſſes od. überh, eines fliegenden Waffers in einen Fluſs,
einen See oder das Meer; mündig, Bw,, 1. einen Mund habend, nur in
5feg. wie groß:, klein-, rothmündig 2.5 2, ſ. Mund 2,5 mündlich, Nw,
und Bw., mit dem Munde, fofeen derfelbe das Sprachwerkzeug ift, alfo in
gefprochenen Worten, perfönlich und unmittelbar, entg, ſchriftlich (einem
etwas münblich mittheilen 3 eine mündliche Nachricht, ein mündliches Verfprechen) 5 ;
die Mündlichkeit, das Mündlichfein, muͤndliche Berfahrn,
Mund 2. mw, 0, M, (altd, munt, angelf, mund, urjpr, Hand, wie auch
das isländ. mund, verw. mit d. lat, manus, daher noch oberd, das Gemünd,
ein Maß von der Breite der Handfläche), vlt. f. Schutz, Schirm, Fuͤrſorge;
daher der Mund, — es, M. Muͤnder, vlt. f. ein freier, vermögender Mann,
Beſchuͤtzer, Ehemann; dee Bormund, f. d, (altd, foramunto); die vlt,
Mundgeld, Schusgeld, Vogtzins; Mundherr, Shugherr, Gönner;
Mundmann, M. Mundleute, Schugverwandte;s munden, ziel, Zw,
(altd, munton, angelf, mundan, mundian), beſchützen, beſchirmenz die
Mundfhaft, das Verhaltnifs zwifchen dem Schirmheren und den Schug:
befohlenenz; und die noch üblihen Ableit. der Muͤndel, —8, M. w. E.,
von weibl, Perfonen auh die Mindel, u, für beide Befät, dad Muͤndel;
landſch. au der Mündling, das Mündlein, eine unmuͤndige, der Elke
forge eine Vormundes anvertraute Perfon, beſ. ein älternlofes minder—
jähriges Kind im Verhältniis zu feinem Vormunde (fs. Pupille) 5; daher das
Mündelgut, der Mündelrath, das —— (fr. Pupillenrath, = ge:
richt) ; die Mündelfache x; mündig, Bw., im Stande fi) ſelbſt zu be—
ſchuͤtzen, in dem Alter u, Zuftande, ſich felbft gefeglich vertreten u, vertheidigen
au Eönnen, der väterlichen od. vormundfchaftiichen Gewalt entlaffen, groß-,
volljährig (fr. majorenn); in weiterer Bed, überh. fähig ſich ſelbſt zu leiten
u. frei zu Handeln; die Mimdigfprechung od. smachung; die Mündigs
keit, das Mündigfein, die Großjährigfeit.
munten, gew. munfeln, zieltof. 3m. m, baben, (hol, moncken, moncke-
len; oberd, auch maunkeln; isländ, mögla; verw, mit mauchen, meudeln)
landſch. gem, f. trübe fein, dunkeln (es munkelt, als wern es regnen wollte);
heimlich handeln u. bef. reden (man munkelt davon, d. i. man ſpricht heim:
lich davon; ſprichw. im Dunkeln ift gut munfeln); munfen od. munffchen,
oberd, auch f. muͤrriſch, verdrießlich thunz munfelig, Bw., niederd, f, triibe,
nebelig; der Munker, -8, vit, f. Späher, Berräther,
Miünfter, fe (nicht gut m.), -8, M. w. ©. (engl, minster, ſchwed.
mönster 26.53 vom laf, monästerium, altd. munistri, Klofter, Stift), eine
Stiftöfirche als weſentlicher Theil eines Stiftes, Doms, Hauptkirche (5.8
das Straßburger Münfter).
munter, Bw, (altd, muntar), urfpr, Förperlich beweglich, raſch, hurtig,
lebhaft, aufgeweckt, entg, träge, langfam (ein munteres Pferd, Kind 26,5
munter! ald Aufmunterungsruf) 5 in engerer Bed. wach, nicht fchlafend,
nicht fchläferig, (munter werden, d, i, erwachen; einen munter machen ꝛc.)3
in weiterer Anwendung f. gefund, friſch, heiter, lebendig (dev Kranke ift
heute viel munterer; muntere Augen, Gefihtsfarbe u, dgl); geiſtig aufge—
weckt, lebhaft, frohfinnig, luſtig (ein munterer Kopfz ein munterer Gefell-
ſchafter, Scherz u. dgl,); uneig, auch von Farben und Tönen: hell, lebhaft
Münze * muͤnzen 216
(muntere Farben; ein munteres Tonſtück 2c.); die Munterkeit, dad Munter⸗
fein, die muntere Beſchaffenheit; muntern, ziel. Zw. (altd, munteron,
muntrian), munter machen, nur gebr. in aufs, ermuntetn.
Münze 1. w., o. M. eig. r. Minze, f. d. (alt, minza, nieberd, Minte,
dan. mynte, engl. mint; lat. mentha, gried. wlvd«, alv9y), ein wohls
riechendes Pflanzengefchlecht mit röhrenförmigem, vierfach eingeſchnittenem
Blumenblatt, vier Staubfäden von ungleicher Länge zc., von verfchiedenen Arten,
bef. die zahme od. Gartenmünze, die grüne od. Frauenmünze, die Eraufe Münze,
gew. Kraufemünze, f. d., die rothe Münze im füdl. Europa, die Bach-, Fiſch-,
Pfeffer:, Roſs- od. Pferdes, Acker-, Spitzmünze 2c. auch verfchiedene andere,
an Geruch oder Geftalt der Minze ähnliche Pflanzen, 3. B. eine Art des
Bienenkrautes: Bergmünzez die Feld: oder Wafferkreffe: Bachmünze;
das Katzenkraut: Katzen münze; das gemeine Dürrkraut: gelbe Münzerc.;
der Münzbalfam, aus der Münze bereiteter Balſam; aud) f. Frauenmünze.
Münze 2. w., M.-n, (alt. muniza, munze, niederd. Münte, engl.
mint, money, dän. mint, ſchwed. mynt, bbhm. mince, franz. monnaie;
vom lat. moneta) 1) geprägted Metall, und, zwar ein einzelnes gepraͤgtes
Stuͤck, Geldſtuͤck od. Schaumuͤnze (eine Gold-, Silber-, Kupfermünze,
Gedähtnifs:, Denkmünzen 2c.), oder als Sammelwort: Geld, beſ. kleines
Geld (Silber-, Kupfer-, Scheidemünze, Landmünze 2c.5 ſprichw. einen mit
gleiher Münze bezahlen, d. i. ihm Gleiches mit Gleichem vergelten); 2) dad
Haud und die Anftalt, wo Münze oder Geld geprägt wird, die Minze
anſtalt; bisw. auch f. dad Muͤnzrecht; — 3fes. dad Münzamt; der
Muͤnzbeamte or. = bediente; dad Münzeifen, f. v. w. der Münzftempel;
der Münzfälfcher oder = verfälfcher, wer Münzen verfülſcht, 3. B. duch
Befhneiten ; auch f. Falſchmünzer ; die Muͤnzfaͤlſchung, od. = verfaͤlſchung;
der Münzfuß, die obrigkeitl. Beftimmung des Gewichtes u. Gehaltes (Schro:
tes und Kornes) der gangbaren Münze (vergl. Fuß); die Münzgerechtigfeit
od. dad Münzrecht, das Recht Münzen zu prägen; der Muͤnzherr, ein Her,
welcher das Recht hat, Geld zu ſchlagen; ehem. in Reihsftädten ein Auffeher
über die Münzanftalt; der Münz= od. Münzenkenner (fr. Numismatiker);
die Münz= od. Münzenkenntnifs; die Münze od. Münzenfunde, =Iehre,
» wifjenfchaft (fr. Numismatik); der Münzmeifter, Vorgefeste einer Münze;
die Muͤnzordnung, landesherrliche Verordnung über das. Münzweſen; die
Münzenfammlungz; der Münzichlag, das Schlagen, Prägen der Münze;
die Münzforte, Münzartz die Münzftadt, eine Stadt, welche dag Münz—
recht hat, oder in welcher fih eine Münganftalt befindet; die Muͤnzſtatt oder
eftätte, ein Ort, wo Geld geprägt wird, die Münze; der Münzwardein,
Münzprüfer (f. Wardein); dad Muͤnzweſen, Alles was die Münze und das
Münzen betrifft 3 das Münzzeichen, Zeichen der Münzftadt auf den Münzen; —
Ableit. münzen 1. ziel. Zw. (altd. munizon), Metall prägen‘, Münzen
ſchlagen (gemünztes Silver; das Recht zu münzen haben ; uneig. neue Wörter
münzen, d. i. bilden und einführen); der Münzer, -3, die Münzerinn,
wer Münzen prägt; bef. in dem zgeſ. Falſchmünzer.
muͤnzen 2. ziel. Bw. (vergl. das oberd. mündeln, vermuthen; altd,
mindjan, gedenken ; angelf. myntan, halten, beffimmen, fchott. mint, etwas
vorhaben, darauf zielen; engl. mind, Geift, Gefinnungs; vom gothb. munan,
denken, meinen, f. d.) gem. etwas auf einen oder auf etwas muͤnzen,
216 Mur — murmeln
—
d. i. mit einer Handlung od. Rede darauf zielen, es darauf abfehen, im-
Sinne haben (3.8. das war auf mic) gemünztz er hatte es auf dich gemünzt;
darauf war 68 nicht gemüngt).
Mur od. Murre, w., M. -en (wahrſch. verw. mit maro, mar, mürbe,
ſ. d.), in Tirol: Sand und Steingetriimmer,, welched vom Gebirge in
die Thale Ebene niederrollt (trodene Mur), oder von Wetterbaͤchen
herabgeſchwemmt wird (naffe Mur), daher der Murbruch, —
Sandlauwine.
Muraͤne, w., M.-n, verſchiedene eſebare Fiſche: 1) ein dem Aal
ähnlicher, ſehr fchmackhafter Seefiſch, der Meeraal (lat. muraena, griech.
pügewe); 2) ein dem Lachs ähnlicher Fifch in Pommern, Lahemuräne
(Salmo muraenaL ); 3) ein dem Häring ähnlicher weißlicher Fiſch in den
Seen der Mark Brandendurg, Schlefiens und Pommern: (gew. Maräne od.
Moräne genanntz vielleid;t v. Moor 2).
mürbe, Bw. (oberd. mar, mär, mürw; niederd, mör; altd. maro, maraw,
muraw, mürwe; angelf. mearu, mearv; ſchwed. mör, dan. mor, franz.
mür), bröcflig, leicht zerbrechlich, in Folge innerer Auflöfung leicht zer—
fallend, finno. morſch, entg. feft (Holz, Stein); insbef. von eföbaren Dingen,
leicht zu Fauen, ſinnv. weich, locker, entg. hart (mürbes Obſt, Fleiſch, Ge:
bäch; uneig. f. matt, entkraͤftet, gtbrechlich; biegſam, nachgiebig (einen
mürbe machem); die Muͤrbe od. Muͤrbigkeit, das Muͤrbeſein, die muͤrbe
Beſchaffenheit; muͤrben, zielloſ. zw. m. fein, mürbe werden (die Äpfel
mürben ſchon).
Murchel, w., M. -n, landft. f. Kelleraſſel, Kellerwurm.
murken, auch murkeln, murkſen 1. ziel. Zw. (goth. maurgjan, abſchnei—
den, kürzen; lat. murcus, verſtümmelt; mittl. lat, murcare, abbeißen) landſch.
f. ſchneiden, brechen (z. B. den Flachs murkeln, d. i. aus dem Groben brechen),
ſtuͤmmeln; abſchlachten, morden (beſ. murkſen, abmurkſen); daher der
Murk, -ed, M.-e, 1) oberd. ein Stuͤck Brod, ein Brocken; 2) ein
kleiner "unanfehnlicher Menfch, in biefer Bed. gew. Murks; murffig, Bw.,
gem. f. Flein und unanſehnlich.
murks, cin Säallwort, weldes den groben, —— Laut der
Schweine nachahmt; daher murkſen 2. zielloſ. 3w., dieſen Laut hören
laffen; uneig. gem. f. murren, Unzufriedenheit oder üble Laune Außernz der
Murfs od. Murk, landſch. gem. f. ein mürrifcher Menſch, Murrkopf.
Murkftein, m., ein aus Glimmer, Quarz und Öranat geuijgteb
Geſtein, mit Granat gemengter Glimmerfchiefer oder Geftellftein.
murmeln, ziellof, u. ziel. Zw. (ein Schallwort; altd. murmulon, mur-
milon; dan, murmle, engt, murmur, franz. murmurer, lat. murmurare,
griech). roguvosır ; vergl. murren) einen gelinden zitternden Laut, ein dum—
pfes, ſanftes Geraͤuſch hervorbringen od. hören laffen (ein murmelnder Bad) 5
bef. mit gedämpfter Stimme unvernehmlich reden, heimlich von etwas
fprechen (einem etwas ins Ohr —, unverftändliche Worte; man murmelt
davon); ehem. aud) f. murren; der Murmelbach, die Murmelquelle; der
Murmelbraffen, = fifch, eine Art Meerbraffen, welche mit dem Maute Luftz
blaſen ausfteigen Läfjt ; dad Murmelthier, (altd. murmenti, oberd, u. ſchweiz.
Murmentel, Murmentle, Murmeten; ital. marmoutana, franz. marmottez -
wahrſch. nicht v. murmeln, fondern aus mure montano, Bergmaus, verderbt),
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Murner — Muſchel 217
ein in den Alpen lebendes vierzehiges Saͤugethier von der Größe eines Kanins
chens, zum Geſchlecht der Ratte gehörig, welches faft 8Monate des Sahres verfchläft,
Berge, Alpratte, Alpenmaus ꝛc.; uneig. ein träger, ſchlaͤfriger Menſch.
Murner, m., -8, Namen des Katers in „Reineke der Fuchs.“
Murre, w., M. - — 8* fe Marz 2. niederd. f. Kohlentopf, Feuerkieke.
murren, zielloſ. Zw. m. ha ben (ein Schallwort; ſchwed. murra, morra;
vergl. d. goth. maurnan, alte, mornan, engl. mourn, flagen, trauern 5 das
oberd. marren f. Enurren), dumpfe brummende Laute hören laffen, um Un—
willen, Verdruſs, Unzufriedenheit zu Außern (finno. das weniger edle
drummen); überh. fein Mifvergimigen, bef. gegen Vorgefegte, laut wer—
den laſſen (über etwas, gegen Jemand murren); der Murrkopf, gem. ein
gern murrender, verdrießlicher Menſch; murrkoͤpfig, Bw., einen mürriſchen
Kopf oder Sinn habendz die Murrmeife (mot verderbt aus Moormeife)
Sumpfmeife; der Murrfinn, Neigung zum Murren, anhaltende üble Laune;
murrfinnig, Bw.; mürrifch, Bw., Mifevergnügen u. uͤble Laune durch
Murren od. auch durch Milena. Geberden außernd (mürriſch ausfehen),
bef. als herrſchende Gemüthsſtimmung, finnv. verdrießlich, grämlich, uͤbel⸗
launig (ein mürriſcher Menſch, ein mürriſches Weſen).
murſen od. muͤrſen, oberd. murten od. moͤrten, niederd. ziel. Zw. £.
zermalnen, zerreiben, zerftoßen (daher Mörfer, Mörtel, morſch, f. d.).
Mus, weniger r. Muß, f., -ed, M. -e, oberd. auch Müfer, (altd.
muos, muas, Speiſe; oberd. Mues, ſchwed. mös; daher muasen, muefen
f. effen; vergl. Maß 1.), ehem. überh. Speiſe, bef. gekochte Speife, Mahl
zeitz dann ſ. v. w. Gemuͤſez jegt eine zu Brei gekochte Speife (3. B. Lun⸗
genmus), bef. von Obſt (Apfel-, Pflaumen=, Kirſchmus 2c.); in weiterer
Bed, überh. f. Brei; — Zfeg. der Musapfel, Apfel zu Mus, def. eine Art
platt gebrüdter Apfel; der Musfladen, =Fuchen, die Mustorte ; der Mus—
garten, oft. f. Gemüfegarten; dad Mushaus f. Speifehaus ; das Muse
kraut, die Muspflanze, ein Pflanzengeſchlecht, wovon einige Arten zu einem
Mus gekocht und gegefien werden; der Musmenger (vergl. mengen 2,), vlt.
f. Gemüſehändler; das Mustheil, Rſpr. der Theil der Lebenemittel, welcher
nad ſächſiſchem Recht der Wittwe nad) dem Tode des Ehemanns zukommt; das
Muswerk, vit. f. Gemüfe; — Wbleit. mufig, Bw., Mus enthaltend,
viel Mus gebend; muficht, Bw., einem Mus ähnlich, breiartig; mufen
oder mufen, 3w, 1) ziel. ein Sind—, vi, f. füttern; 2) ziellos, oberd. f.
Muß effen,
Mufche, w., M. -n, landf, 1. ein Fleiner Vogel, Fliegenvogel, auch:
die Muſchel (wahrſch. verw. mit Mücke, lat, musca, franz. mouche); 2, ein
Schoͤnpflaͤſterchen (franz, mouche); 3. tair. f. liederlicheWeibsperſon, Hure,
Muschel 1. w., M.-n, Verkl. das Muͤſchelchen, (altd, muscula,
niederd. Muſſel, engt, muscle, dän. muskel, ſchwed. musla; t, lat, musculus,
Muskel u. Muſchel; vergl. d. griech). nis, uurlios, Maus, Muskel, Muſchel),
über, blutlofe, weiche, wurmartige Schalthierez in_engerer Bed, Schal=
thiere mit zwei durch ein Gewinde verbundenen Schalen, verſch. Schnede,
3: B. Ramm:, Perlen, gemeine Mufchel cd, efotare Miesmufcel 26,5 oft das
Thier ohne * Schale (Kat fleiſch mit Muſcheln etc.) 3 noch öfter die Schale
des Thieres allein (verſteinerte Muſcheln, Farbenmuſcheln ꝛc.) ; uneig. ein von
einer Muſchel verfertigtes od, einer Muſchelſchale ähnliches Gefuͤß od. Werkzeug
218 Mufchel — Mufelmeann
(3.3. ber Eieine mufchelförmige Schild an den Gefäßen der Hirfchfänger) 5 Anat,
eine nad) außen gewundene Sinochenplatte an der inneren Fläche des Riech—
od. Siebbeines; der ausgehöhlte Iheil des außeren Ohrs; die weibl, Scham:
theile; — 3 fe. die Mufchelblume, eine ausländ, Wafferpflanze mit eifdr:
migen Blättern; dad Mufchelerz, Eifenerz, welches in Geſtalt von Mufcheln
bricht; der Mufchelfloh, eine Art Schitdfloh in ſtehenden Waſſern; mufchels
frmig, Bw.; das Mufchelgold, mit Honig abgeriebenes Blattgold zum
Malen, in Muſchelſchalen aufbewahrt; fo auh das Mufchelfilber; der Mu—
fhelhut, ein Hur der Pilger, an deffen aufgefrempter Seite eine Mufchel bes
feftigt iſt; der Mufchelkalf, aus Muſchelſchalen gebrannter Kalk; aud ein an
Vrfteinerungen reicher Flözkalk; der MufchelfrebS, ein Seekrebs, welcher in
einer leeren Muſchelſchale lebt, Einfiedierkrebs; die Mufchelmünge, kleine Mu:
fheln, ale Münze dienend in Afrika 2c. 5 der Mufchelfammler ; die Muſchel—
fammlung ; die Mufcyelfchale ; die Mufchelfcheide, eine Art, mit Muſchel—
ſtückchen, Steinchen 2c. bedeckter Seeſcheiden; die Mufchelfeide, ein feidenarti-
ges Gefpinft der Steckmuſchelnz dad Muſchelwerk, ein aus natürlichen oder
nachgemachten Mufcheln zufammengefegter Zierath.
Mufhel 2. w., M.-n, aud Mufhen, Mofchen, Maſchel, Machen,
(mend, miech, mieschk, ruff. und bbhm. moschna, Sad, Beutel; vergl,
Maſche), landſch. ein aus Baft od. Stroh geflochtener farfähnlicher Handkorb.
Mufe I. w., M. -n (griech, Moüo«, Yat, Musa), bei den alten Griechen
u. Römern eine Göttinn der ſchoͤnen Kuͤnſte u, der Wiffenfchaften, Kunſt—
göftinn, deren man gew, neun annahm (die Mufe der Dichtkunſt, der Ge
fhihte, der Sternfunde 2c.), bef. der Tonfunft und Dichtkunſt; uneig, f.
Kunſt u, Wiffenfchaft ſelbſt, def. f. Dichtkunſt (ein Günftting, ein Freund
ker Mufen 3 feine Mufe, d, i, feine Wiffenfchaft oder Kunft, beſ. Dichtkunſt)3
der Mufenberg, verfchicdene Berge in Griechenland (Parnafs, Helikon, Din:
dus), welche für Wohnfige der Mufen galten; der Mufengott, der Vorfteher
und Anführer der Mufen, Apollo; die Muſenkunſt, ſchöne Kunft, beſ. Dit:
Zunft; der Mufenquell oder born, Quelle auf dem Mufenberge Helikon:
Hippofrenez ber Muſenſitz, Wohnfig der Mufenz uneig, ein Ort, wo Künfte
und Wiffenfchaften geübt werden oder blühen, bef, eine Hochſchule (Univerfität,
Akademie) ; der Mufenfohn, uneig. f. Hochſchüler (Student) ; — die Mufik,
M.-en, (engl, music, franz, musique, lat, musica, vom gried), wovon, :
eig. Mufenkunft überh.), Tonfunjtz auch eine einzelne Ausuͤbung derfelben,
ein Ionfpiel, Tonſtuͤck (Mufit machen, eine Mufit aufführen); daher der
Muſiklehrer, die Mufikftunde ꝛc.; mufifalifch, Bw., der Mufif gemäß,
dazu gehörig, geſchickt (ein muſikaliſches Gehör); der Muſik kundig (muſi⸗
kaliſch fein); der Muſiker, -8, ein gebildeter Tonkuͤnſtler (verfh,Mufitus,
ein ausübender Zonfpieler; Muſikant, ein gemeiner Zonfpieler, Spieimann),
Mufe 2. w., M.-n (wahrſch. morgenländ, Uriprungs), ein palmen—
ähnliches Pflanzengeſchlecht in Indien , Piſang (Musa L.),
Mufel, m., -8, Mm. E., auch die Mufel od, Müfel, M. -n, (verw,
mit meißen, Meffer 20.5 vergl, Miefel) landſch. ein von einem Ganzen abs
gehauened od. abgebrochened unfoͤrmliches Stud, Block, Klotz, Schrot,
J. B. die Blöde, woraus Bretter geſchnitten, die Klötze, woraus Scheite ge:
Spalten werdenz daher mufeln, oberd. Zw. f. ſpalten.
Mufelmann, m., die Mufelmänninn, (verderbt aus d. arab, Mo s—
mujen — Muße 219
lem, M, Moslemim, d. i. Anhänger des Islam, Redtgläubige), gem, f,
Befenner der Lehre Muhameds, Muhamedaner, bef, Türken; daher mu—
felmannnifh, Bw., muhamedanifh, tuͤrkiſch.
mufen, 3m, 1, ſ. unter Mus; 2. niederd, f. maufen, ftehlenz; 3, f. ernft=
haft nachdenfen, finnen (engl, muse, holl. muisen).
muſig, müfig, auch mußig, Bw, (v, Mus, Brei?), Hüttenw. dad Zinn
iſt mufig od, dörnig, d. i. nicht rein fließend, kluͤmperig und Fnotig,
Muſik, w., fe unter Mufe 1,
Muskate, w., M.-n (franz. muscade; wahrſch. verw, mit Muscus,
Moſchus), die pfirfihähnliche Frucht ded Musfatenbaumes in Oftindien,
deren nufsähnlicher Kern, die Muskatennuſs, jo wie das den Kern umge:
bende faferige Gewebe, tie Musfatenblume od, »blüthe, als Gewürze die-
nen; dad Musfatenöl, aus Muskatennüffen und - blüche bereitetes Di; die
Muskatenrofe, Mofhusrofes — der Musfateller, - 8 (ital. moscadello,
mittl, lat, muscatellus), ein füßer, gemoürzhafter, ital, Wein, Muskat—
wein; daher Muskateller- oder Muskattrauben; die Muskatellerbirn,
eine wohlf&medende, gewürzhafte Frühbirn; das Musfatellerfraut, eine Art
Salbei in Stalien,
Muskel, m., -5, gew, w., M.-n, (franz. u, engl, muscle; aus d.
lat, musculus, eig. Mäushen, von mus, Maus, f, d.), die weichen Theile
des thier, u, menfchl, Körpers, welche das Fleifch ausmachen ı, durch ihr
Ausdehnen u, Sufammenziehen die Bewegung der. Körpertheile möglich machen,
Fleiſchlappen, Sleifhmäufez die Muskelfafer, die reizbaren Faſern, aus
welchen die Muskeln beſtehen die Muskelhaut, eine die Muskeln umgebende
feine Hautz die Musfellehre (fr. Myologie) ; muskelſtark, auch musfelig,
Bw., ſtarke Muskeln habend (gew. fr. musculds) ; die Muskelſtaͤrke.
Mus ete, w., M.-n, (v. ital, moschetto, franz. mousquet; engl,
musket; mittl, fat, muschetta, altfranz. mouchette, eine Art Wurfpfeile,
v. dem ital, moschetto, franz, mouchet, d. i. Sperber, benannt), chem,
eine Urt Buͤchſe mit einem Luntenſchloſs; jegt die größere Urt der Flinten,
mit welchen die Zußfoldaten bewaffnet find, welche daher Musketiere heißen;
die Musketenkugel; dad Musfetenpulver ꝛc.
Muspel, w., M.-n, vtt, f. Nohrdommel. .
Muß, ſ., r. Mus, ſ. d.
Muſs, ſ., ſ. unter müſſen. |
uße, w., o. M, (altd, muoz, m, oder f,, und muoza, muaze, w.;
oberd, Mueß ; altd, muozon, frei fein, vacare; Grundbeb, freie Bewegung,
Spielraum, daher urfpr, fowohl otium, als licentia; verw, mit muohan,
mühen, |, d.5 goth. motjan, begegnen, motan, vermögen, können, ſ. muffenz
vergl, das mittl, lat, musardus, altfranz, ınusar, ein müßiger Menſch; ital,
musare, franz. muser, mäßig fein; daher amuser, gleichſ. entmüßigen),
freie, gejchäftlofe Zeit zu beliebiger Anwendung, bef. Freiheit von beſtimm—
ten Amts- od. Berufägefchäften (gelehrte Muße z etwas mit Muße verrid:
ten, d. i. ſich binlängliche, bequeme Zeit dazu nehmen); — Zfes. die Muße—
ſtunde; die Mußezeit; — Ableit. müßig, Bw. (niht müffigs. altd,
muozig, müezec; landſch. aud) müßlich), alt u, oberd. f. los, frei, Ietig,
locker (3, B. bair, einen Nagel mügig machen, d, i. los machen ; einen efange:
nen müßig magen, d. i. befreien); auch mit dem Gen. der Sache: eines Dine
220 müffen
ges muͤßig fein, gehen, d. i. deſſen los fein, es vermeiden, fahren laſſen;
jest: Muße, freie Zeit habend, geſchaftlos (eine müßige Stunde, müßige
Zeit); in weiterer Bed. ganz unthätig, nichts thuend, unbeſchaͤftigt (müßig
geben, d. i. nichts thunz ein müßiges Leben führen * auch von Thieren (die
Pferde ſtehen müsig im Stalle) u: uneig. von Sachen f. ungebraucht, unge—
nutzt, unwirkſam (fein Geld müßig liegen laſſen; eine müßige Erkenntniſs;
ein müßiges Wort); der Muͤßiggang, der Zuſtand des Müß ggehens, bef. aus
Trägheit, Unthätigkeit, unbeſcäftigtes erben, Nichtethun (ſprichw. Müßig:
gang iſt aller Laſter Anfang); der Muͤßiggaͤnger, —s, die Muͤßiggaͤnge⸗
rinn, M.-en, wer müßig geht, den Mi; stagang Liebtz müßiggangerifch,
Bw., einem Müßiggänger angemeffen, ähnlich; die Muͤßigkeit, (altd. müe-
zekeiı), dad Muͤßigſein, die Unthätigkeit; muͤßigen, ze, u. rückz. 8w.,
alt u. oberd. f. frei, los machen (einen Gefangenen, einen des Gefängniſſes —);
entledigen, uͤberheben, enthalten Keinen od. fid) eines Dinges—; oberd. auch
bemüßigen); jegt nur in: abmüßigen, ſ. 3.
müffen, ziellof. 3m. m. haben, (oberd. müeßen, ich mueß, niederd. und
holl. möten, ſchwed. motta, engl. must; das altd. muozan, müezen, ich
muoz, goth. u. angelf. motan, ſchott. mot bedenten uripr. Raum haben etwas
zu thun (vergl. Muße); daher Statt haben, dürfen, fönnen, mögen; end—
lic) mäüffen, indem der Begriff des Raumes in den der Leere, des Mangels od.
Bedürfniſſes, der Begriff der Möglichkeit in den der Nottwendigkeit übergeht),
unregelm. Präf. ich muſs, du mufft, er muſs; wir müſſen, ihr müffer od.
muͤſſt ꝛc.; Conj. ich muͤſſe; Jupf. id) muffte, Gonj. muͤſſte; Mw. gemufftz
drückt ais Hülfsw. ber Weife oder als umfihreibendes Zw. in unmittelbarer
Verbindung mit einem Sn finitiv (vergl. dürfen, Eönnen, mögen ꝛc.) 1) die
(objective) Nothwendi 3 eines Seins od. Thuns aus, welche ni Natur
der Sache od. den Umftänden, nicht in dem Willen od. Gebot einer Perfon ges
gründet ift (verfch. follen) alfe: einem Zuitande od. Leiden 26, unvermeid—
lich) unterworfen, zu einem Ihun gezwangen od. genöthigt frin G. B. alle
Menfhen müſſen fterbenz; wer leben will, mufs eſſen; der Schwädere mufs
unterliegen; ich mufs Alles wiſſen, wenn ich beifen foll; aud) auslafl. ohne
Inf 3.8. id) mufs fort, näml. geben, reifen 20.5 er muffte nach Haufe; dag
mufft du nicht, näml, thun); insbef. ein als nothwendige Fuͤgung betrache
tetes zufälliges Ereignife (es muffte ſich zutragen, dafs 2c.3 alle Tage mufte
ſich ein Hindernifsfinden) ; in weiterer Bed. audy 2) eine in d er Vorausſetzung,
Vermuthung, Meinung, dem Wunſch —— einer Perſon ge⸗
gruͤndete, alſo bloß gedachte (Fubjective) Nothwendigkeit G. B. das muſſt
du ja beſſer wiſſen, als ich er muſs wohl krank ſein; jetzt muſs er ſchon da
fein; es muſs wohl nichts an der Sache fein; muſſt du dich um Alles beküm—
mern? d. i. glaubft du es nöthig zu haben 20.5 er muſs Alles wiffen, näml.
feiner Einbildung nady; es müſſe dir gelingen! (Wunſch); du mufit aber auch
Wort halten (Bitte); das mufit du nicht von mir verlangen; ich mufs dich um
etwas fragen, bitten 20.3 ic muſs dir faaen, dafs zc., d. i. ich fühle mid
gedrungen zc.) 5 daher auch einen möglichen Yall, u. f. mögen ſelbſt (er kommt
gewiſs, er müſſte denn eine Abhaltung haben ; wer mufs (mag) es nur gemwefen
fein 2) 5; — ftatt des Mw. gemufft ftedt in Verbindung mit einem Inf, dem
Sprachgebrauche gemäß der Inf. müffen (3. B. ich habe es thun müſſen z er
bat ſich Vieles müſſen gefallen lajfen ; aber: id) habe wohl gemufftz er hat fort
müßig — Mufter 221
gemufft u. dgl, m); — muͤſſen (müeßen) od. gem. müßigen od. bemüs
figen, oberd. u. Kanzl. als ziel. u. rückz. 3w. einen od. ſich zu etwas —,
ihn dazu nöthigen, zwingen, veranlaffen (fid zu etwas gemüßigt fehen ;) —
das Muſs, undiegf. u. 0. M., gem. f. dad Müffen, der Zwang, die
Nothwendigkeit (es ift ein Muſs; fprihm. Mufs ift ein bitter Kraut, od, eine
harte Rufe). a,
müßig, Müßiggang ꝛc. f. unter Muße; müßigen, Zw, 1. f. unter
Muße; 2. ſ. uuter müffen,
Mufter, fe, -8, M. w. E., Verl. dat Muſterchen, (okerd. auch
die Muftirz dv. dem ital. mosıra, fpan. muesira; von mosırare, lat,
monstrare, zeigen; franz. montre v. montrer; niederd. Munfter, holl.
monster) 1) ein nachzuahmendes Vorbild; insbeſ. in finntichem Verſtande:
eine nachjubildende Vorzeihnung, eine Form, ein Modell, bef. zum
Nähen und Stiden (Stid:, Spitzenmuſter 21.3 auch die nad) der Größe und
Form der Theile von Kleidungsſtücken gefchnittenen Papierftüde, wonach die
Kleidungsſtücke zugeſchnitten werden); aud ein Bild, eine Figur, melde
in einen Zeug gewebt oder daranf gedruckt ift (der Kattun hat ein ſchönes
Mufter 2c.); Gärtn, die zierlihen Formen der Luſt- und Blumenſtücke; ferner
in fittlihem Verftande: ein im feiner Urt vollfommener Öegenftand, ein
Borbild, Urbild, (ſich Jemand zum Mufter nehmenz fie ift ein Mufter der
Tugend; gem, auch im entgegengej,. Sinne: ein häfslihes Mujter, d, i. ein
häſslicher, abfcheulicher Menfh); 2) ein Probeitinf, d. i. ein kleines Stud
von- einem Ganzen, um beffen Beſchaffenheit daraus zu erfehen (5. B. Tuch-,
Beugmufter 2c. 3 ſ. Mufterbudy, = Earte) 5 daher auch uneig. f- Probe; — 3 fe.
das Mufterbild, ein nur in der Einbildungskraft, nit in der Wirklichkeit
vorhandenes Mufter (fr. Ideal); dad Mufterbuch, 1) ein Bud, welches Näh—,
Strick- oder Stitmufter enthättz 2) ein Bud mit Probeftüden von Zeugen,
Bändern u. dgl, auch die Mufterfartez 3) f. v. w. Mufterjchrift, = werk,
eine mufterhafte Schrift, ein mufterhaftes (claffiihes) Werkz die Mufters
ſchrift, auch f. Vorfchrift zum Shönfcreisenz der Mufterfchriftfteller, ein
mufterhafter (claſſiſcher) Schriftftelerz muftergultia, Bw., als Mufter gül:
tig, mufterhaft (ein: übelacbildetes Neuw. f. das fr. claff.fh); die Mufters
ſchule, eine Schu!e, deren Einrichtung andern als Mufter dienen fol (fr. Nor:
malſchule) zʒ dad Mufterftück, ein mufterhaftes (claſſiſches) Stück von Schrifts
werfen; dad Mufterwort, Spradi. ein, Wort, welches bef. hinſichtlich feiner
Biegung od. Abrrandlung ald Mufter für andere feiner Art aufgeftelt wird (fr.
Paradigma); der Mufterzeichner, die Mufterzeichnerinn, wer Mufter für
Näherinnen, Stiderinnen, Kattundruder zc. zeihnetz — Ableit. mufters
haft, Bw., zum Mufter geeignet, nur im fittl. u, giftigen Verftande: volle
kommen wie ein Muiter, Nachahmung verdienend (ein mufterhaftes Bez
tragen 2c.); die Mufterhaftigfeitz muflern, ziel. 3w., 1) mit einem
Muſter oder mit Muftern (Budern, Figuren) verfehen (einen Zeug —, ges
mufterter Kattun) ; 2) niederd. f. mit Kleidern verſehen, pußen (in diefer Bed.
wohl = mauftern, maufen, f. d.); 3) nach allen feinen Theilen gerau uns
terfuchen, prüfend beurtheilen (eine Schrift, ein Buch 2c.), bef- die Iruppen,
das Heer —, befihtigen u, Kriegsübungen anftellen laffenz daher der Muftes
rer, -8, mer etwas muftertz die Mufterung, das Muftern, bef. der
Zruppen, die Heer-, Waffenſchau, ehem. Mannzahl (fr, Revüe); der
’
222 | muftern — Muth
Mufterherr, chem. ein mit der Mufterung der Truppen Beauftragter; der
Muſterplatz, Platz zur Mufterungs die Mufterrolle od. der Mufterzettel,
das Verzeichnifs der Soldaten; der Mufterfchreiber, wer den Vorgang und
Befund einer Zruppenmufterung niederſchreibt; auch wer die Mufterrolle führt,
muftern, 1. ziel. 3w., f. unter Mufterz 2. ziellof. 3w. (ein Schallwort,
landſch. auch muffelnz lat. mussitare), niederd. f. fluͤſtern, murmeln.
Muftert, m., -8, niederd. f. Moftrich (f. d.), Senf.
Mustheil, f., f. unter Mus.
Mutede, w., M.-n, landfch. f. die Seepflaume; Seefugel.
muten, mutern oder mütern, ziellof. u. rückz. Zw., niederd. f. maufen
(1, d.), bef. von den Krebfen ; daher der Muter od. Müter, —s, Muters
krebs, gem. verderbt: Mutterfrebs, ein Krebs, welcher neue Scha=
len befommt.
Müterih, m., —es, landſch. f. dad Mutterfraut,
Muth 1. m., — es, o. M., Verkt. (nur in einer Bed. f. u.) dad Muͤt h—
chen, (altd. muot, oberd. Muet 5 goth. morhs, niederd. Mood, isländ. modr,
angelf. fihmed, dän. mod; engl. mood, Hige, Zorn; von muohan, mühen,
fe d., lat. movere, bewegen; Urbeb. Bewegung der Seele, motus animi;
vergl. d. grieh. Yyuos v. Hreıv, in heftiger Bewegung fein), ehem. die empfine
dende und wellende Seele des Menfcyen überh., wofür jest gew. dad Ge—
muͤth, vergl. d., und die befondere Gemuͤthsart oder Gemitheftimmung,
ſinnv. Sinn, Geſinnung (biöl. der Herr verhärtete ihm feinen Muth; daher
noch jest: in trunfenem Muthe; wie ift dir zu Muthe? d. i. in welcher Ge:
müthsftimmung befindeft du dich? es ward ihm dabei nicht wohl zu Muthez
froher, heiterer, guter, luftiger Muth; gutes Muthes fein, d. i, vergnügt,
heiter ſein; daher aud) die Zfeg.: Demuth, Groß:, Lang, Sanft-, Schwerz,
Wehmuth, welche als alte Adjectiv» Formen auf - muoti weiblich find; u. bie
neugebildeten männl. Zſetz. Edel:, Hoch-, Kleine, Mifs:, Über-, Wankel:
muth 2c.); ferner das Begehrungdvermögen od. Gemüth im Zuftande der
Erregtheitz daher ehem. f. Willen, Abſicht, Belieben (alt u. oberd. einer
Sache Muth haben, d. i. gefonnen od, Willens fein, fie zu tbun); u, bef, Ges
muͤthsbewegung, Leidenfchaft, zumal Zorn, Nachbegierde (daher noch:
feinen Muth od. gew. fein Müthchen an Semand fühlen, d. i, feine Leidenſchaft
gegen ihn auslaffen, feine Rache befriedigen) 5 jest gew. in engfter Bed. die
Gemüthsverfaffung, in melcher man aus lebhaften Straftgefühl Gefahren
u. Schmwierigfeiten gering achtet u, einen guten Ausgang erwartet, finne,
Zuverfichtlichfeit, Herz, Herzhaftigkeit, Kühnheit, Iapferfeit (Muth
baben, faſſen; den Muth veriieren, finken laffenz einem Muth machen, ein—
flögen) 5; — 3fes. muthleer od, gew, muthlos, Bw., feinen Muth habend,
ohne Muth, zaghaft, niedergefchlagen ; dir Muthlofigfeit, das Muthlosſein,
die Zaghaftigkeit; muthvoll, Bw., mit Muth erfüut, vielen Muth habendz
muthmaßen, untrb. ziel. Zw. (gleichfam mit dem Muthe d, i. Gemüthe meffen,
ermeſſen), ehem, f. ſchäzen (taxiren); jest: aus wahrſcheinlichen Gründen dafür
halten, glauben, ſinnv. vermuthen (id muthmaße es, ich habe gemuthmaft,
dafs 2c.); die Muthmaßung, das Muthmaßen, die Vermuthung; auch das
Gemuthmaßte oder Bermuthete;s muthmaßlih, Nw. u. Bw., einer Muth:
maßung Ahnlih, gemäß, darin gegründet (ein muthmaßliches Urtheil); die
Muthmaßlichkeit; der Muthwillen, b. ats: -wille (altd, muotwillo), eig.
Muth — mutfchieren 223
der Willen des Gemüthe (animi voluntas), daher ehem, ber eigne, freie Willen,
die Willkür, Neigung, Luft (mit oder von Muthwillen, alt f, freiwillig); jegt
nur : die ungezügelte Luft u, deren Befriedigung bef, zum Nachtheil Anderer, die
Neigung Andern zu ſchaden oder body fie zu neden u, zum Beften zu haben, und
jede einzelne daraus entfpringende Handlung, ſinnv. Frevel, Leichtfertigfeit, Über:
muth (Muthwillen begehen, treiben, üben) ; in milderem Sinn: Eindifsher Uber:
muth, Munterkeit, Luftigkeit ohne böstihe Abſichtz muthwillig, Bw,, ehem,
f. freiwillig; jest: Muthwillen habend, ubend, darin gegründet (ein muth—
williges Kind; ein muthwilliger Streich) 3 auch f. vorfäglid, leichtſinnig (muth—
roillig ſündigen); die Muthwilligkeit, das Muthwiligfein, u, eine muthwillige
Handlung, gew. Muthwillen; muthwilligen, ziel. Zw. einen—, vis fi
eigenwillig, gewaltthätig, wiberrechtlic behandeln ; — Ableit.muthig, Bw,
41) Muth, d. i. Herzhaftigfeit habend, u, darin gegründet od. davon zeus
gend, ſinnv. herzhaft, beherzt, (ein muthiger Menſch, Angrifj); 2) f. lebende
fräftig, lebhaft, aufgewecft, munter (ein muthiges Pferd); in 3feg, lautet
es müthig, 3.3. demüthig, eine, frei-, großmüthig 2c,, auögen, unmus
thigs die Muthigkeit, dad Muthigfein, nur in der 2ten Bed, von muthig,
(3 B. eines Pferdes); muthigen, ziel. 3m,, muthig machen, gew, ermus
thigen; — muthen, 3w. (altd, muoten, oberd, mueten) 1) ziellos m, fein,
oberd, gemuthetfein, f. gefinnt oder gefonnen fein, einen Muth oder
Sinn haben (wohl gemuthet fein, d, i. wohlgefinnt, oder gutes Muthes fein,
vergl. wohlgemutb); m. haben, oberd. f. Luft, Verlangen empfinden und
bezeigen (das Rindvieh muthet, d, i. es ift in der Brunſt; eines Dinges an
Semand muthen, d, i. ihm fein Verlangen danach zu erkennen geben); 2) ziel,
etwas von Jemand —, d. i. verlangen, begehren, darum anfuchen ; vergl,
anz, zumuthen, (ein Geſell muthet das Meiſterrecht, d. i, er fucht bei ter In—
nung darum anz ein Lehn muthen, db, i, den Lehnsheren um deſſen Ertheilung
erfuchen; Bergw. eine Fundgrube muthen, d, i. um die Erlaubnifs zu deren
Bebeuung anhalten); daher: die Muthe od. Muthung, das fürmliche Be—
gehren, dad Anhalten um etwas, (ein Gefell verrichtet die Muthez der Berg:
meifter nimmt die Muthung an 20); der Muther, -8, wer um etwas ans
fucht od. anhält, bef, Bergw. ; das Muthgeld, der Muthgrofchen, Handw.
das bei der Muthung entrichtete Geld; das Muthjahr, Handw, das zur.
Muthung des Meifterrechtes beftimmte Jahr; der Muthſchein, ein Schein,
welchen der Muther eines Lehns vom Lehnhofe erhält; der Muthzettel, Bergw.
die Schrift, in welder der Muther um ein Berggebäude anfucht,
Muth 2. m., -«3, 0, M, (niederd, Mood; vergl, Mudde) landſch. der
Schaum auf dem Biere; auch f. Haferfchleim.
Muth, f., auch Mutt, Mitt, ſ. Mud,
Mutichel, landſch, 1.m., -8, M. w. E., der Baumfperling; —
2.0, M. -n, ſ. Moſche; — 3. f., -8, M. w. €. (auh Mütſchel,
Mütſchelein; v. mugen, ſtutzen), oberd, f. ein Stuͤck Brod, eine Brod—
ſchnitte; fhmwäb, eine Urt Weißbrod; das Mutfchelmehl, zu Mehl zerrie—
benes Brod, ;
mutfchieren,, ziellof, Zw. (v, altd. muzon, nieberd, muten, mutern, lat,
mutarez vergl, maufen), alt u. landſch. f. abwechfelnz die Mutfchierung,
ehem, im beutfchen Staatsrecht, die Abwechſelung mehrer Brüder in der
Regierung. . KT
224 Mutte — Mutter
Mutte, w., M.-n, niederd. 1. f. Motte; 2, Hindernifs, Wider⸗
ſetzlichkeit.
Mutter, m., -8, M. w. E. ſ. Muter unter muten.
Mutter 1. w., M. Mütter, Verkt, das Mütterhen, Muͤtter—
lein, (altd, muotar, muoterz oberd. Muetter; niederd. Moder, Moer;
holl. moeder; ſchwed. und dän. moder; engl, mother; gried. wijrne, lat,
mater, ital. madre, franz. mere :c,), 1) ein weibl, Gefchöpf (Thier od, bef.
Menſch), ſofern es ein Geſchoͤpf feiner Urt gebiert od, geboren hat, entfprs
Vaͤter (Mutter werden, d. i. gebären ; eine Perfon zur Mutter machen, d, is
ſchwängern), beſ. in Beziehung auf dad Kind cd, Junge (fie ift Mutter von
vier Kindern 5; meine Mutter; wie die Mutter, fo die Tochter); insbef, «in
zur Zucht beftimmtes weibl. Hausthier, eud ein weibl, Ihier üserh, in
Bes, wie Mutterpferd, = fhaf, -ſchweinz Mutterfülen, = hafe, =biene 2c. 5
uneig, eine weibl. Perfor, welche Mutterftelle vertritt, tie Gewalt, Fürs
forge, dag Anfehen einer Mutter bat (Stief:, Schwiegermutter; Kinder:,
Wehmutter; Haus:, Pflegemutterz; Landesmutter; landſch. aud eine Pathe
in Bezug auf das Kind; Viehmutter, d. i. Aufieherinn über das Vieh); überh,
eine bejahrte weibl. Perfon, bef, als vertrauliche Anrede (Mutter, Mütter
den; ein altes Mütterchen); in weiterer uneig, Anwendung: eine Sache,
welche einer andern dad Dafein giebt, od. diefelde in fich erzeugt us erhält
(die Exde ift unfer aller Mutter ; die Roth, eine Mutter ter Erfindungen), bef,
Bergw. die Lagerjtätten der Erze (f. Erzmutter; vergl, auch Perlenmutter) 5
2) die Bärmutter (f. d.z griech, zujro@, lat, matrix, ital, madre, franz
mere, engl, mother; daher gem, die Mutter ftößt auf, zur Bezeichnung von
Leibſchmerzen 2c, beim weibl, Gejdleht, für deren Gig man aus Unmiffenheit
die Bärmutter hielt)z daher in weiterer Anwendung ein hohler Naum oder
Körper, welcher ein darein pafjınded oder gehöriged Ding aufzunehmen,
od. auch etwas zu formen beſtimmt iſt (3. 8. der untere Theil einer Form zu
Schwärmern; oberd. ein Ohr von Drath, in welches ein Häkchen eingreiftz f.
auch Schraubenmutter, Schriftmutter) ; — in manden Zfes, ber Volksſpr. hat
Mutter als Beftimmungswort verftärfende Kraft, z.B. mutternadt,
d. i. ganz nackt, wie man aus Mutterleibe kommt; Mutterfind,=menfd,
zfeele, d. i. ein von einer Mutter geborenes Kind, ein wirklider, natürlich
entftandener Menſch, vergl. Menfchenkind (def. Fein Muttermenfd, Feine
Mutterſeele hat es gefehen u. Bgl., d. i. auch nicht ein wirklicher Menfch) 3 daher
mutterfeelenallein, landſch. auch mutterfeligallein, oder bloß
mutterallein, d. i. ganz allein, von allen Menichen verlaffenz andere
3feg. find: dad Mutterband, Unat, Bänder, welche die Bärmutter in ihrer
Lage erhaltenz der Mufterbaum, Foritw, ein Baum, welden man zur Be:
famung im Schlage ſtehen läſſt, Samenbaum; die Mutterbeſchwerde, -krank—
heit, =plage, der Mutterfchmerz, dad Muttermeh, Beſchwerden oder
Krankyeitszuftände des weibl. Geſchlechts, welde von Schwäche der Bauchnerven
herrühren, nad) der gemeinen Meinung aber ihren Sig in der Bärmutter haben;
die Mutterbiene, der Weifel, die Königinn (f o.); tie Mutterblume, die
Blume, weldhe man zum Samentragen ftehen läfftz auch f. Küchenſchelle z Mitd=
blume; der Mutterbruch, Brud oder Vorfall der Bärmutter ; der Mutters
bruder, Oheim von mütterliher Seite; die Mutterbruft; das Muttereifen,
ein Elfen zum Ausdrehen einer Schraubenmutterz; die Muttererbe, 1) die
ge⸗
Mutter 225
gewöhnliche Gartenerdez 2) die Erde, als eine Mutter aller Naturerzeugniffe
betrachtet, x, die Mutter Erde; dad Mutterfieber, ein mit Mutterbes
ſchwerden verbundenes Fieber; der Mutterflufs, weiße Zlufs (f. Fluſs)z das
Mutterfüllen, f. 0.5 dad Muttergewächs, ein Fleiſchgewächs in der Bär—
mutter; dad Muttergut, von der Mutter ererbteö Gut, mütterliches Ber:
mögen; dad Mutterharz, der harzige Saft einer Art des Steineppichs in
Athiopien, ald Mittel gegen Mutterbefhwerden (fr. Galbanum) z der Mutter-
hafe, weibl, Safe, ſ. o.ʒ dad Mutterherz, uneig, die zärtlihe Empfindung
einer Mutter für ihre Kinder; dad Mutterfalb, weibl, Kalb, f. 0,5 das
Mutterkind, ſ. 0.5 auch) ein von der Mutter vorzüglich geliebtes Kind, Schoß—
ind; die DER „Hauptkirche, vornehmfte Kirche eines Kirchfpielsz
der Mutterframpf, Krampf des Muttermundes in der Geburt; dad Mutter=
kraut verſchiedene Pflanzen als Heilmittel gegen Mutterbeſchwerden, beſ. das
gemeine Mutterfraut, auch Mutterfamille, gem, Metram, Met-
teram, Metterich, Meterkraut, Mägdeblume, Fieberfraut genannt (Matri-
caria Parthenium L); ferner f. Kamille; Milchkraut od, Strandifop 5 Bienen-
traut; Feldmünze (wildes Mutterfraut)z; Beifuß; Löwenfuß 2c.; der
Mutterkrebs, weibl, Krebs, Eierkrebs z gem, auch ſ. v. w. Muterfrebs, f.
mutenz der Mutterfuchen, die Nachgeburt, f. d,5 das Mutterlamm,
weibl, Lamm; dad Mutterland, Geburts: od. Vaterland; bef. das Stamm:
land einer Anfiebelung od, Volkspflanzung (Colonie); die Mutterlauge, Scheidek,
eine auge, aus welder die Salztheile bereits geſchieden find, Hedlaugez der
Mutterleib, der Leib der Mutter in Beziehung auf die darin enthaltene Frucht
od, das daraus geborene Kind (das Kind im Mutterleibez von Mutterleibe an,
d, i. von Geburt an); die Mutterliebe, zärtlihe Liebe der Mutter ‘gegen
ihre Kinder; mutterlos, Bw., der Mutter beraubt, ohne Mutter; Mutter-
lofe, Mutterlöschen, gem., eine Art kleiner Fiſche, welche man aus Schlamm
entftanden glaubt; dad Muttermaal, ein Maal (ſ. d.), welches man gleich
bei der Geburt mit auf die Welt gebracht; der Muttermenfch, ſ. 0.5 die
Muttermilch, (uneig, etwas mit der Muttermild) einfaugen, d, i, in zartefter
Kindheit eingeprägt erhalten); der Muttermord, an der Mutter begangener
Mord; der Muttermörder, die Muttermörderinn; der Muttermund,
Offnung od, Eingang der Bärmutter; mutternadt, Bw, ſ. 0.5 die Mut⸗
ternelfe, Samennelfe; der Mutterpfennig, gew. M. Mutterpfennige, von
der Mutter erfpartes Geld, womit fie den Sohn in der Fremde unterſtützt; das
Mutterpferd, Stute, f, 0.5 das Mutterfchaf, weibl, Schaf, fobald es
gelammt hat; die Mutterfcheide, eine Häutige Röhre zwifchen dem Maftdarm
und der Harnblafe im Becken beim weibl. Geflecht; der Mutterſchoß, bef.
mit dem Nebenbegriff der zarten Sorgfalt, oder der Verzärtelung (im Mutter-
ſchoße ſitzen; auch uneig, der Mutterfhoß der Erde); dad Mutterfchwein,
weibl, Schwein, Sau, ſ. 0.5 die Mutterfchrefter, Muhme oder Tante von
mütterlicher Seites die Mutterfeele 26, f. 0,5 der Mutterfohn, gew. verkl.
das Mutterföhnchen, verzärtelter Lieblingsfohn der Mutter; die Mutter=
fprache, 1) die Sprache des Landes, wo man geboren u, erzogen ift; 2)-eine
Stamm = od, Hauptfprache in Beziehung auf die von ihr abftanımenden Zochter:
ſprachen (die lateiniſche Sprache ift die Mutterfprache der italifhen, franzbſi—
ſchen 2c.); der Mutterftaat, ein Staat in Bezug auf jüngere aus ihm ent:
ftandene Staaten; die Mutterfkadt, Geburtsftadt, gew. Vaterſtadt; eine
Hey ſe's Handwoͤrterb. d. deutfchen Spr. 2, hei, "15 °
x
2a Mutter — Müpe
Stadt im Berhältnifs zu einer von ihr ausgegangenen Pflanzftadt: Tochterſtadt;
der Mutterfiein, eine verfteinerte zweifhalige Muſchel, welche den äußeren
heilen der Bürmutter ühnelt, gem; auch Maunzenftein;z die Mutter-
ftelle, Stelle der Mutter (Mutterftelle bei Semand vertreten); der Mutter-
ſtock , ein zur Fortpflanzung dienender Bienenſtock, Pflanz-, Leibſtock 26,5
auch der Hauptſtamm eines Gewächſes, z. B. des Weinſtockes; dad Mutters
theil, der von der Mutter geerbte Theil des Vermögens; die Muttertrompete,
zwei einer Trompete ähnliche häutige Röhren auf beiden Seiten der Bärmutter;
das Mutterveilchen od, die Mutterviole, eine Art Nachtviolen in Italien,
Frauenveilchen; dad Mutterwaffer, der Mutterwein, Waffer oder Wein,
mit Heilfräutern abgezogen od, vermifcht, wider Mutterbefchwerben; der Mut
terwiß, natürlicher, angeborener Witz od, überh, Verftand; die Mutterwurz,
verfchiedene Gewächfe als Heilmittel gegen Mutterbefhwerden: Bärwurz 5 Wohl:
verlei 26,5 die Mutterwuth, Liebeswuth (fr, Nymphomanie); der Mutter-
zapfen od. das Mutterzäpfchen, ein Zäpfchen, welches in die Mutterfcheide
geftect wird zur Beförderung der monatlichen Reinigung, od. Verhütung eines
Vorfalls; der Mutterzimmt, die Rinde des Mutterzimmtbaumes, ſchwächer
als die ehte Zimmtrinde, gegen Mutterbefhwerden gebraucht (fr, Caſſia); —
Ableit. mütterli, Bw., die Mutter betreffend, ihr gehörig, von ihr
herrührend oder audgehend (von mütterlicher Seite verwandt ; das mütterliche
Bermdgen, aud bloß: das Mütterichie); der Mutter ahnlich, angemeffen,
in der Empfindung u, Gefinnung einer Mutter gegründet (mütterlic) lieben,
forgenz mütterlidye Pflege) ; uneig, die mütterlihe Erde, das mätterliche Land
f.v.w, Muttererde, Mutterland, Geburtsland; die Mütterlichkeit, das Muͤt—
terlichfein, die mütterlihe Gefinnungz die Mutterfchaft, Eigenfchaft,
Stand einer Mutter; muttern, Zw. 1) ziel,, vlt, f. faugen; 2) ziellos m.
haben, nad) der Mutter arten, der Mutter ähneln.
Mutter 2. w., o. M, (verw. mit Moder, oberd, Motter, niederd, Mudde),
der dicke Bodenfab mancher Flüffigkeiten, bef. ded Effigs und ded Weines
(den Wein auf der Mutter liegen laffen, d. i. auf den Hefen, auf dem Lager) ; —
dad Mutterforn, die Muttergerfte, (wahrſch. = Moderkorn zc,, weil
diefe ausgearteten Körner eine Wirkung überflüffiger Näffe find und oft eine
moderige Maffe enthalten), ſ. v. w. Brandforn.
Mutter 3. w., vlt. f. Mauth; daher: das Mutteramt, der Mutter:
frevel x,
Muttern, w., ſchweiz. eine Art Roſsfenchel, gutes Futterkraut,
Mus, Mutze, f. unter mutzen 1,
Mübe, wi, M.-n, Verkl. dad Müschen, (niederd, Muse, Müſſe,
ſchwed. mössa, iöländ, mussa, holl, muts; v. dem alten Zw, muozan, muzen,
mugen, bebedten, bekleiden, putzen; ſ. mugen 2.), ehem. überh. eine Kopfe
bedeckung, ſinnv. Hut (3. 8, Bifhofsmüge, Grenadiermüse); jest gew. eine
bequemere, leichtere Kopfbedeckung für beide Gefchlechter, bei. aber für
- männl, Perfonen, finnv, Kappe, für weibl, Perfonen gem, Haube (Pelze,
Reife, Schlaf:, Nachtmütze 2c,)5 uneig, der zweite Magen der wiederfäuenden
Thiere, auch Haube, Garn; Pflanz, die zarte Haut, welche die Spige der
Büchſe an den Laub- u, Eebermoofen bedeckt; das Muͤtzchen, der Haſenklee;
auch eine Art weißlich gelber Schnecken; — muͤtzenaͤhnlich, -artig, Bwss
dad Muͤtzenblech, dünnes Blech zu den Schildern der Grenadiermützen; der
v
muben — Nabe 227
Müsenhändler, ⸗macher; der Müsenfammt, geblümter Sammt zu
Beibermügen; müßig, Bw., mit einer Muͤtze verfehen, nur in Zſetz. wie
rothmüßig, ſchlafmühig.
mutzen 1. ziel, 3m, (verw. mit megen ; lat, mutilare, ital, mozzare) landſch.
gem. f. ſtutzen, abſtutzen, verkuͤrzen, verſtuͤmmeln, (die Bäume —); der
Mutz, —es, M.e, landſch. überh. etwas Verkürztes, Geſtutztes ; insbeſ.
ein Thier, z. B. ein Hund, mit geſtutztem Schwanze (ital, cane mo⸗z0);
ein ungewöhnlich kleiner, auch wohl ein dummer Menſch; ein Hammel
(aud) die Muse, der Mög); ehem, u, noch oberd, ein Furzer Noch, Reitrock;
ein Furzed Oberfleid, Kamiſol, Wamms, bef. deö weibl, Geſchlechts auf
dem Lande (auch die Motze, Muge, der Mugen s5 könnte aud) von mutzen 2,
ſtammen); die Mutze, M. -n, oder der Mugen, -5, M. w. E., ein
langes, ſchmales, vorn u. hinten abgeftumpftes Fahrzeug, als Fähre die:
nend (auch Mutte, Mutje) 5; überh, ein Eleined Fahrzeug, Nachen ; — das
Mutzohr, abgeftustes Ohr, und ein Thier mit ſolchen Ohren,
mutzen 2. ziel, Zw. (niederd. auch muten, mutern, muſtern; entweder
das alte muozan, bekleiden, |. Mützez oder von muzon, maufen (ſ. d.), mu-
tare sc. vestes) alt und landſch. f. putzen, ſchmuͤcken; daher: aufmusgen,
f. d.5 der Musnarr, vlt. f. Pugnarr, Kleidernarr,
Muser od, Müser, m., -$, M. w. E., landſch. die Spigmaus.
Myrte, wi, ſ. Mitte.
N.
N, der vierzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl., und zwar der Zuns
gen= Nafenlaut unter den flüffigen od. ſchmelzenden Mitlauten (I, m, n,
x), hervorgebracht durch Anftemmung der Zungenfpige gegen die obere Zahn:
zeihe,, fo dafs (verfchieden von dem I) der Mundkanal völlig verfchloffen wird,
und der Luftftoß (mie bei dem m) durch die offene Nafe geht; häufig verdoppelt
nad) gefhärften Selbſtlauten, z. B. Mann, können, nennen ꝛc. folgt dem n
ein zu derfelben Stammfilbe gehörendes g, fo verfchmilzt eö mit diefem zu einem
eigenthumlichen Gaumen = Nafenlaut, welder hervorgebracht wird duch An:
drückung der Zungenmwurzel an den Hintergaumen u, Ausſtoßung der Luft duch
die Nafe, z. B. eng’, jung, lange, fingen, Zunge; bdenfelben Laut erhält das
n auch vor einem F, wobei jedoch das k feinen eigenthumlichen härteren Laut bes
wahrtz vergl, Dank, Bank mit lang, bang; denken, finfen mit hängen, fingen 2c, 5
gehören aber die zufammenftoßenden Buchftaben ng, nf verſchiedenen Stamm:
filden an, fo behält jeder feinen felbftändigen Laut, 3. B, angreifen, ein-
gehen, hin=geben, Unz= glaube, an-kleiden, Ein =Elang, Un: Eraut ꝛc. — Das
anlautenbde.n ift in manden Wörtern Uberbleibfel des. alten Verneinungs-
worted ni, fpäter ne, en, und bat daher verneinende Kraftz f. 3. B. nein,
nicht, nie, niemand, nimmer.
na, ein durch Verkürzung von nun entftandener Empfindungslaut der
Volksſpr., be. Ungeduld oder Unzufriedenheit ausdrückend.
Nabe, w., M.-n, (andſch. auch: der Nabel; altd, napa, naba;
niederd, Nave, Navel, angelf. u, ſchwed. naf, engl, u. holl, nave; Grundber
griff wahrſch. Hervorragung, vergl, Nabel, Schnabelz oder Höhlung, v. d,
15*
3
228 Nabel — nad)
alten naben, bohren), die in der Mitte eined Nades hervorragende hohle
Walze, welche um die Uchfe läuft und in welcher die Speichen befeftige finds
in engerer Bed, nur der vordere duͤnnere Theil diefer Walze, z. U. v. dem
mittleren (B od) und dem hinteren (Stoß); der Nabenring, um die Nabe
gelegte eiferne Ringe; naben, ziel. Zw., mit einer Nabe verfehenz ehem,
auch f. bohren; der Näber, -8, M. w. E., Berti, dad Näberden,
ein Bohrer zum Ausbohren der Naben, Nabenbohrerz in weiterer Bed,
jeder Bohrer (altd, maba- ger, wahrſch. v. ger, Speer, f. Gehre 3,5 landſch.
auch Näbiger, Näbingerz niederd, Nävigerz gem, auch Aber, Eber; isländ.
nabar, ſchwed. nafware, angelf, nafegar; franz, navrer, bohren); der Naͤ⸗
berſchmied, Bohrſchmied.
Nabel, m, —s, M. Naͤbel; Verkl. dad Naͤbelchen, (altd. nabalo,
nabeéle; niederd. u, engl, navel; angelſ. nafela, island, nafli, ſchwed, nafle,
dan, navle 2c,5 vergl, d, griech), örupeAög, lat, umbo, umbilicus; f. Nabe),
überh. eine runde, beſ. gewundene Vertiefung oder Erhöhung, z. B. Bauk.
der Schlufs eines Gewölbes; der Brennpunkt in der Uchfe einer Erummen Linie;
die mittlere Vertiefung oder Spige in den Windungen einer Schnede; Pflanz.
der Mittelpunft des Hutes eines Pilzes; die fpigige Erhöhung in der Mitte eines
Schildes 2c, ; in engerer Bed, am thier, u, menfchl, Körper die germundene Ver—
tiefung in der Mitte ded Bauches, welche die Narbe der abgetrennten Nabel:
Schnur iſt; — 3feg, die Nabelbinde, Leibbinde für neugeborene Kinder, um
den Nabel niederzudrücken; der Nabelbruch, ein Bruch in der Nabelgegend ;
nabelförmig, Bw.; dad Nabelfraut, eine in warmen Ländern wachſende
Pflanze mit rundlichen, einem Schilde oder Napfe ähnlichen Blättern, Nabel:
pflanze, nabelfdrmiges Becherkraut 2c, 5 auch f. Bruchkraut od, Durchwachs;
Elachs = od, Leinkraut; eine Art Mannsharniſch; eine Art Steinbrech: Nabel:
fteinbeech, Zrauennabel 2,5; eine Art Wintergrün; der Nabelfamen,
landſch. f. Klebkraut; auch eine Art der Hundszunge: Nabelfamenfraut;
die Nabelfchnede, eine Erdſchnecke; die Nabelfchnur cd, der Nabelftrang,
die hautige Röhre, welche das Kind im Mutterleibe mit dem Mutterkuchen ver-
bindet; — Ableit. nabelig, Bw., einen Nabel habend (nabelige Schneden ;
der nabelige Hut eines Pilzes) ; nabeln, ziel, 3w., mit einem Nabel verfe=
ben, bef, das Mw, genabelt (ein gemabelter Schild); ein Kind —, d. i.
“ihm den Reft der abgefchnittenen Nabelfchnur eindrücken und einbinden.
naben, Näber ıc. ſ. unter Nabe,
nach, Bio, und Nw. (altd. nah, oberd, nacher, nieberd, na, holländ. naar,
urſpr. = nah (ſ. d.), in der Nähe, neben; dann: hinter, zufolge ꝛc.; vergl,
d, griech, zerc, d, lat, post, secundum; d, franz. pres, aupres, apres) ift
im Allgemeinen dem vor entgegengefest, Es fteht 1. ald Bw, immer mit
dem Dat, u, bezeichnet dann 1) die Richtung einer Bewegung in die Nähe
eincd Öegenftandes od, zu dem Gegenftande felbft hin, bef. wenn dieſer ein
Drtift (z. B. nach Leipzig reifen, etwas nad) Frankreich ſchicken; nad) der
Stadt, nad Haufe gehen, zeifen, eilen 2c,; verſch. zu Haufe gehen, fein,
d, 1, zu Haufe herumgehen, fich befinden, — die Richtung auf Perfonen,
als das Ziel einer Bewegung, wird hingegen gew. durch zu bezeichnet; 3. B,
ich ging nach Haufe; aber: ich ging zu ihm ; komm zu mir 2c,) ; insbe], wenn
nicht der Bielpunft, fondern nur die Gegend, wohin eine Bewegung ober
auch ein Gegenftand im Stande der Ruhe gerichtet ift, im Allgemeinen bes
*
nah 229
zeichnet wird, in welchem Balle häufig noch zu hinzugefligt wird (z. B. nad
Abend zu fahren, ſchiffen; nad) dem Walde zu reitenz ber Wind hat fi nad)
Morgen gedrehtz das Haus liegt nad) Süden); ferner in ber beftimmteren
Bed,, dafs die Bewegung im der Abſicht gefchieht, eine Perfon od. Sache
au treffen, zu erreichen, zu faffen, zu holen, verfh. von zu (3. B. nad)
Jemand fchlagen, ftechen, ftoßen z die Hand nad) etwas ausſtrecken; nad) Hut
und Stocd greifen; fidy nad) etwas umfehen, büden 20,5 nad Waffer, nad)
Weine 2c, gehen; verfch. zu Weine gehen 3 einen nad) dem Arzte ſchicken, näml.
um ihn zu holenz verfch, einen zu dem Arzte fhidenz ſprichw. die Kunft geht
nad) Brode) ; daher bezeichnet nach auch uneig. die Richtung des Gemuͤthes
auf einen Gegenftand, eine Begierde, ein Verlangen, Streben, Forſchen ꝛc.
(nad) etwas verlangen, ftreben, trachten, ringen, fragen, forſchen, ſich er:
kundigen 20,5 einem nad) dem Leben trachten); 2) überh, ein Dahinter= oder
Späterfein, Nachftehen, Folgen 2,5 insbeſ. a) räumlich: Bewegung od,
Berharren hinter etwad, gew, hinter, (3. B. Einer ging nad) dem Andern 5
er folgte nad) mirz uneig, etwas nach fih ziehen, d. i. zur Folge haben) ;
b) zeitlich: ein Späterfein, Nachfolgen (nad) dem Effen, nad) der Kirche,
nach dem Tode, nach 5 Uhr 26,)5 c) der Ordnung, dem Range, der Würde
nad), ſinnv. naͤchſt (er ift ber Erſte nach mirz nad) jenem ift mir diefes das
Viebfte) 3 daher 3) uneig, eine Gemäßheit, Angemeffenheit, Übereinftimmung,
finnv, gemäß, zufolge, in welcher Bed, nad aud oft Hinter feinem Hm,
fteht, (3. B. nad) feiner Weife lebenz nad) Stand und Würden, nach Belieben,
nad Wunſch; nad) der Reihe, oder der Reihe nach; meiner Meinung nad,
feiner Natur od, Gewohnheit nad) 3 dem Anfcheine nad) 3 feinen Verdienften nah
meinem Bedünken nad), oder: meines Bedünkend; aber nicht: meines Bedlin-
Eens nad) !); insbef, die Befolgung einer Negel, Richtſchnur, eined Maß—
ftabed, die Nachahmung eined Vorbildes, Mufterd ꝛc. (fich nach den Ge:
fesen richten; nach der Regel gehenz nad) der Natur, nad) dem Leben malen 5
Gott ſchuf den Menfchen nach feinem Bilde; nad) der Vorſchrift fhreiben 3 nad)
dem Gehöre, nad Noten fingen); eine Ahnlichkeit (nach feinenf Water arten;
nad) etwas ausſehen; es ſchmeckt nah Wein, riet nad Veilhen 26.) 3 aud)
ſteht nach f. in Anſehung, in Betreff, wo es meift nachgefest wird (5. B.
den Körper nad) ift er geſund; feinem Alter nach Eönnte er klüger handeln; ich
Eenne ihn nur dem Namen nad); etwas nad allen feinen Theilen, od, allen
Theilen nach Eennen 26.) 5 — 2, ald Nw. ſteht nach 1) ald felbftändiges
. Wort, wo ed ein Hinter= od. Späterfein nah) Raum, Seit, od. Ordnung
bezeichnet, z. B. hinten nach kommen z nach wie vor, od, vorwienad,
d, i. ſpäter wie früher; nach und nad, d. i. langſam hinter einander, all:
mählich, nah gerade, d, i. allmählich, endlich (3. B. nach gerade wird es
Zeitz vergl, gerade); 2) in Zufammenfegungen und zwar a) als erſtes
ober zweites Glied in zgef. Nw, u, Bdw,, als: nachher, nachdem, nachmals;
hernach, demnach, danach, wonach, hiernach ze,5 b) ald erftes Glied mit
dem Saupttone in Hw,, wie Nachbild, Nahfhrift, Nachtiſch, Nachſommer,
Nachricht 26,5 und vorzüglich in vieleh trennbaren Zeitwörtern, melde in
ber Regel den Dat, erfordeen, und in welchen das Nw. nad) die Bedeutungen
des Vw. hat; alfo: Nichtung auf ein Ziel 3.3, naxheilen, = laufen, = ftreben) 3
Dahinter od, Späterfein, folgen (nachgehen, nachkommen, nachtreten, nach—
fegen, nachftehen); Gemäßheit, Ahnlichkeit, Überemftimmung (. 8, nad:
230 | nachachten — Nachbar
bilden, ⸗machen, ⸗-ſprechen, =bruden zc.), Die Zſetz. dieſer Art laſſen ſich
nach dem Bedürfniſſe des Augenblicks ins Unendliche vermehren u. erklären ſich
arbßtentheils durch ſich ſelbſt; nur die allgemein üblichen oder einer befonderen
Erklärung bedürftigen werden im Folgenden aufgeführt,
nachachten, teb, ziellof, Zw., auf etwas achten u. danach handeln (dem
N ihr nachachten) 5 daher die Nachachtung, Kanzl. f. Beobachtung, Ber
olgung,
nachäffen, teb, ziel, und ziellof. Zw., wie ein Ufe ohne Befonnenpeit
nachmachen (etwas —, einem nadäffen); der Nachäfferz die Nachaͤffung.
nachahmen, trb. ziel, u. zielloſ. Zw, (entweder v. ahmen, zielen, viſiten,
engl, aim; oder yon eigenem Stamm, verw. mit d. lat, im-itari, griech. w-
weower; ſchwed. äm, jämn, gleich, ähnlich 5 die altd, Sprache kennt dies Wort
nit und gebraugt dafür gilihison, gleichfenen, f. gleigen 2,, bilidon, bilden
u.a,), ‚eine Perfon od, Sache zum Mufter od, Vorbild feines Thuns neh⸗
men, derſelben ähnlich handein od, ſich benehmen, bef, ſofern es mit Über:
legung geſchieht, verfrh. nahmachen, nadhäffen, mit dem Dat, des perfon-
lihen Gegenftandes (einem in einer Sache nahahmenz er ahmte mir darin
nah; der Natur nachahmen, d, i, die Regelmäßigkeit, Einfachheit 2c, ihres
Wirkens fi zum Mufter nehmen), auch mit dem Acc, der Sache, worin man
einem nachahmt, oder welche man nachbildet oder nachmacht (etwas, aud) einem
etwas —; er ahmt feinem Vater Vieles nad) 5 Stimme, Gang, Schreibart eines
Andern nahahmenz fie ahmt ihr Beifpiel nach; die Natur nahahmen, d. i.
Raturgegenftände treu nachbilden z — ift eine Per ſon der Gegenftand, welchen
man vollftändig und täuſchend mit allen Eigenheiten nachzubilden od. darzuſtellen
(zu copiren) ſucht, ſo ſteht auch dieſe im Acc.z z. B. er ahmt mid nad), di,
er ſtellt meine ganze Perfönlichkeit od. Eigenthümlichkeit nachbildend dar; verſch.
er ahmt mir nach, d. i. er folgt meinem Beiſpiel in irgend einem Stücke; fo
auch: er ahmt den Schiller nach, u, er ahmt dem Schiller nad) 26.) 5 der Nach
ahmer, die Nachahmerinn, wer nachahmt; die Nachahmerei, verägtL,
f. das Nachahmen, die Rahahmungsfucht z die Nachahmung, dad Nach—
ahmen; auch etwas Nachgeahmtes, ein Nachbild ; die Nachahmungsgabe,
⸗ſucht, der Nachahmungstrieb ꝛe.
Nacharbeit, w., nad) einer andern, d. i, fpäter verrichtete Arbeit, entg,
Vorarbeit, 3. B. Bergw, die ledige Schicht nad) der ordentlichen z aud eine
Arbeit, welche nad) einer andern als einem Mufter verfertigt wird; nachare
beiten, teb, ziel, u. ziellof, 3w,, nach einem Andern od. nad) einer andern
Arbeit arbeiten, in Anfehung der Zeit u, Ordnung (einem, od. etwas nachar⸗
beiten, auch f, einer Arbeit nachhelfen, fie verbeffern), oder als nad) einem
Mufter, einem Ziele des Strebens, finnv, nachmachen ‚ = ftreben.
nacharten, trb. ziellof, Bw, m. fein, einem —, ihm der Art od, na>
türlichen Beſchaffenheit nach ähnlich werden (die Kinder arten den Altern nad), -
Nachbar, m, -n, (weniger r. -8), M. -n od. -en, die Nachbarinn, —
M.-en, (mit von nach, fondern von n air und bauen (f. d.) f, wohnen,
alfo eig, ein Nahbauerz altd, nahkapur od, - gibur, nachgebur; angelf,
nehgebur, engl, neighbourz niederd, Naberz altnord, nabui, ſchwed. nabo),
überh, ein Nahmwohnender, Anwohnender; in engerer Bed, Derjenige, deffen
Haus od. Grundſtuͤck unmittelbar an dad meinige grenzt (Baus:, Felde,
Garten: Nachbar); in weiterer Bed, Yandich, alle anfafjigen Sinwohner eined
nachbedenten — Nachbrunft 231
Dorfes; — 3fes, dad Nachbarhaus, dad Nachbarland, die Nachbar-
ſtadt, der Nachbarſtaat ıc., benachbartes, angrenzendes Haus, Land 2c,;
das Nachbarrecht, ein dem Nachbarn zuftehendes Rechts aud das Recht in
einem Dorfezu wohnen od, ſich anfäffig zu maxhen ; der Nachbarsnıann, ſ. v. w.
Nachbar; M. Nachbarsleute, Nachbaren ohne unterſchied des Geſchlechts; —
Ableit. nachbarlich, Bw., benachbart, angrenzend; das Verhaͤltniſs der
Nachbaren betreffend od. darin gegründet (nachbarliche Beſchwerden, Freund—
ſchaft 26,) 5 die Nachbarſchaft, 1) dad Verhaͤltniſs der Nachbaren und die
darin gegründeten Pflichten (gute Nachbarſchaft halten); 2) die ſaͤmmtlichen
Nachbaren und die nahe liegende Öegend (die ganze Nachbarſchaft fpricht da:
von; ee wohnt in meiner Nahbarjhaft) 3 nachbarfchaftlich, Biv,, die Nach—
barfchaft betreffend,
nachbedenfen, teb, ziel, Zw., hintennach od. hinterher bedenken (ſprichw.
vorgethan und nachbedacht hat Manchen in groß Leid gebracht).
nachbellen, trb. zieltof. 3w, einem-—, hinter ihm her belleng einem
Hunde —, fein Bellen nachahmen.
Nachbeſchickung, w., Hüttenw,, wiederholte Befchicfung (ſ. d.) nad)
einer mifsrathenen,
nachbeſſern, trb, ziel, 3w., an einer fertigen Arbeit hie und da beffern
(ein Kunſtwerk — 3 an einer Arbeit etwas —)5 die Nachbeflerung. ,
nachbeten, trb. ziel, Zw., ein Gebet —, nachſprechen; uneig, verächtl.
ohne eigned Nachdenken u, Überzeugung etwas Gehörtes od, Gelefenes nach=
fprechen (einem etwas —); der Nachbeterz; die Nachbeterei; die Nachbe=
fung.
nachbezahlen, trb. ziel. Zw., nach früher geleifteter Zahlung noch etwas
hinzuzahlenz; auch hinterher bezahlen, entg. vorausbezahlen,
Nachbier, je, After, Halb», Dünnbier, vergl, Kofent.
Nachbild, ſ., ein nach einem Ur- od. Vorbilde gemachtes Bild, finnv,
Abbild (fe. Copie); nachbilden, trb. ziel, 3w,, etwas —, nad) einem
Vorbild od. Mufter bilden; in weiterer Bed, f. nachahmen; die Nachbils
dung; der Nachbildner. |
nachbleiben, tu, ziellof. Zw., zuruͤckbleiben; unterbleiben ; übrig bleiben,
überleben.
nachbleichen, teb. ziellof, Zzw., hintennach bleich werden, verfchießen
(dev Zeug ift nachgeblichen). N
nachbliden, trb. ziellof. 3m, ,-einem—, ihm mit Blicken folgen.
nachbohren, trb. ziel, Zw., einem — nad) feinem Vorgange bohren;
etwas—, nochmals bohren, u, dadurch verbeffern.
nachbrechen, trb. ziellof, Zw. 1) m. fein, hinterher brechen, meifer
brechen; 2) m, haben, brechend nachfolgen od. nacharbeiten, bef. Bergw.
nachbrennen, trb, ziellof. Zw., hintennach od, fpäter brennen (Jäg, ein
Gewehr brenntnad, wenn der Schufs fpäter losgeht).
nachbringen, trb. ziel, Zzw. etw a8-—, hinterher, fpäter bringen; uneig.
f. nachholen, einbringen; einem etwad-—, ihm nachfolgend bringen,
nachbruͤllen, » brummen, u, dgl,, teb, ziel, und ziellof, Zw. , britilend,
brummend nachahmen (einem —); hinterher brüllen, brummen (einem
etwas -—),
Nachbrunft, w., Jäg, die fpätere Brunftzeit der ſchwächeren Hirſche.
232 Nachbruſt — nacheilen
Nahbruft, w., Fleiſch. der hintere Theil der Rindsbruſt.
Nachbuͤrge, m., ſ. v. w. Rüde, Afterbürge, ſ. d.
nachdem, 1) Nw. der Zeit f. nach dieſem, b. nachher, hernach (z. 8,
wie wollen es nachdem ſchon fehen)z; 2) unterordnendes Bow, oder Fügewort
a) der Zeit, etwas Vorangegangened anknüpfend, f, v. iv, nad) der Zeit,
ald ꝛc. (3. B. nachdem er dies gefagt hatte, ftarb er) 3 b) des Verhältniffes:
nach Maßgabe deffen, in dem Maße wie (nachdem es Eommt, ſich teifft zc.) ;
bef. in Verbindung mit je: je nachdem, (f. unter je),
nachbenfen, trb. ziellof. 3w,, feine Gedanken auf einen Gegenſtand
richten, etwas denkend betrachten, unterfuchen ꝛc. (einer Sache (Dat,) —3
dem denket nach z od, über eine Sache —) 3 einem Andern —, d, i, feiner Ge=
danfenreihe folgen, entg. vordenken das Mw, nach denkend oft als Bw.
f. gewohnt od, geneigt nachzudenken (ein nachdenkender Mann); dad Nache
denfen, die Überlegung, Befonnenheit (ohne Nachdenken handeln, fein 2c,) 3
nachdenklich, Bw. geneigt u, fähig nachzudenfen (ein nachdenklicher Mann) 5
einem Nachdenfenden ähnlich (nachdenklich ausfehen) ; Nachdenken erfordernd,
bedenklich (eine nachdenkliche Sache).
nachdichten, teb, ziel, u, ziellof. 3w,, nach eined Andern Borgange dich—
ten (einem etwas —),
nachdonnern, teb, ziellof, u. ziel, 3m,, donnernd nachtoͤnen; donnernd
oder mit donnerähnlichem Schall nachfenden (einem Verwünſchungen —).
nachdrängen, trb. ziel, u, rückz. Zw., einen od. fich —, hinter andern
her drängen.
nachdringen, trb. ziellof. Zw. m. fein, eindeingend nachfolgen (das
Waffer deingt nad); mit Eifer verfolgen (dem Feinde nahdringen).
nachdruͤcken, trb. ziellof. u. ziel. Zw., hinterher, nochmals drücken, Durch
einen Druck nachhelfen; nachdruden, trb. ziel. Zw., oberd. f. nachdruͤcken
(vergl. drucken) nad) eined Andern Vorgang drucken, druckend nachbilden
(z. 8. ein Zeugmufter —)5 in engerer Bed. eine Druckfchrift widerrechtlicher
Weiſe und zum Nachtheil ded rechtmäßigen Verlegers wieder abdrucken 5; daher
der Nachdruder, -8, wer Bücher unrechtmaͤßig nachdruckt; der Nach—
Druck, M, =drücke, 1) (0. nachdrücken), nohmaliged Drücken, wiederholter
Druck, 3. B. das zweite ſtärkere Preffen des Weins, u. der dadurch gewonnene
Moſt (VNachſchuſs, Nahlauf); Jäg. das Wicderfäuen des Rothwildes; gem.
ein nachhelfender, verftärfter Druck, bef. uneig. eine angewandte größere
Kraft (etwas mit Nahdrud unternehmen; mit Nachdruck reden; Nahdrud auf
etwas Yegen 26.)5 2) (v. nachdrucken) dad Nachdrucken, insbef. das wider—
rechtlihe Nachdrucken von Druckfchriften (Gefege gegen den Nachdruck);
eine nachgedruckte Schrift (Nadhdrüce verkaufen); nachdruͤcklich, Bw. u.
Nw., mit Nachdruck, Eräftig, derb (eine Sache nachdrücklich betreiben; nad):
drückliche Worte) 5; die Nachdruͤcklichkeit.
nachdunkeln, teb. ziellof. Zw. m. haben, nach einiger Zeit dunkler werden,
nacheifern, trb. ziellof. Zw., einem in etwad —, ſich lebhaft beftreben,
ihm nachzukommen, ed ihm gleich zu thunz der Nacheifer; die Nacheis
ferung; der Nacheiferer. | |
nacheilen, teb. zielioſ. Zw. m. fein, einem —, eilig nachfolgen; die Nach-
eile, dad Nacheilen; landſch. bef. die Verfolgung flüchtiger Verbrecher, u. das
Recht dazu.
Nachen — nachfolgen 288
Nachen, m.,-d,M. w. E. (altd. nahho, nache, angelf. naca ; mittl.
lat. noa, noha, naca; verw. mit d. griedh.veös, lat. navis?), ein Fleiner
Kahn, bef. oberd. u. dicht.; dad Nachenfraut, eine mit dem Löwenmaule
verwandte fibirifche Pflanze mit nachenförmigem Samen,
nacher, gem. oberd, Vw. f. nad).
Nacherbe, m, die Nacherbinn, ein in Ermangelung od, nach Abgang
des Haupterben eingefeter Erbe, oberd. Uftererbe.
nacherhaiten, trb. ziel. Zw., hintennach, fpäter, noch dazu erhalten,
Nachernte, w., Nachlefe nad) der Haupterntez nachernten, trb. ziel,
Sw., nad) Andern, od. Nachgebliebenes ernten,
nacherzählen, trb. ziel. 3m., einem etwas —, ed. nach deffen Vor—
gang erzählen, feine Erzählung wiederholen; der Nacherzähler; die Nach—
erzählung.
on teb. ziellof. u. ziel. Zw., hinterher od. fpäter effenz dad Nach-
effen, die Handlung des Nacheſſens; aud) eine Speife, welche nad) einem
Hauptgerichte gegeffen wird, Nachkoſt.
nachfahren, teb. Zw. 1) ziellos m. fein, hinter her fahren, ſ. d. (z. 8.
mit der. Hand) 5 ſchnell nachfolgen (Jäg. die. Hunde fahren nad, d. i. verfolgen
ein Wild); überh. f. nachfolgen (oberd. einem im Amte —)5 in engerer Bed.
in einem Fuhrwerke od, Fahrzeuge nachfolgen (einem — 5 Bergw. den Berg:
leuten nachfahren, d. i. nad) ihnen einfahren); 2) ziel. etmad—, auf einem
Fuhrwerke oder Fahrzeuge nachbringen (Kiften und Kaften —) 5 der Nach-
fahrer, -8, M. w. E., oberd. f. Nachfolger (gem. abgek. Nach fahr,
M.-en, entg. Vorfahr);5 Bergw. ein Bergbeamter, welcher die Gruben be:
fährt und die Arbeit beauffichtigtz die Nachfahrt, dad Nachfahren; oberd.
f. die Nachfolge in einem Amte ꝛc.; die Nachfährte, f. v. w. Hinterfährte,
nachfallen, teb. zieltof. Zw., hinter her fallen, im Falle folgen,
nachfärben, trb. Zw. 1) ziel.,im Färben nahahmenz nochmals färben;
2) ziellos m. Haben, feine Farbe dur) andere durchfcheinen laſſen.
Nachfeier, w., fpätere Feierz nochmalige Feier nach der Hauptfeierz
nachfeiern, trb. ziel. Zw., fpäter, oder nochmals feiern.
nachflattern, trb. zielloſ. Zw., einem, m. haben, nad) feinem Bei—
fpiele flatternz; m. fein, ihm flatternd nachfolgen,
nachfliegen, teb. ziellof. Zw., einem —, m. fein, fliegend nachfolgen,
nacheilen; m. Haben, im Fluge nachahmen.
nachfliehen, trb. zielloſ. zw., einem-—, fliehend nachfolgen.
nachfließen, trb. zielloſ. Zw. hinter her, od. noch dazu fließen.
nachfolgen, trb. ziellof. Zw. m. fein, einer Perſon od. Sade-,
fi) hinter ihe her bewegen, nad) ihr Fommen (vergl. folgen), u. zwar räum:
lich, od. der Reihe, dem Range nad) (4. B. einem auf dem Fuße —; der Nach—
folgende 20.) 3 zeitlich: nach Jemand Fommen, fpäter eintreten od. erfolgen
(einem im Amte nadhfolgenz der nadfolgende Sohn, näml. dem Alter nad) 5
die Strafe, die Neue wird nachfolgen)z uneig. dem Beifpiele, dem Willen,
der Vorfchrift eined Andern gemäß handeln, ihm nachahmen, fid) nad)
ihm richten (3. B. folge ihm nicht nad) 5 die Nachfolge od. Nachfolgung,
dad Nachfolgen, nad Raum u. Zeit (5. B. die Nachfolge in einem Amte); u.
bef. uneig. dad Handeln und Verhalten nach der Lehre und dem Beifpiel
eines Andern (3. B. die Nachfolge Chriſti); der Nachfolger, die Nachfol-
234 nachformen — Nachgefang
gerinn, wer einem Andern nachfolgt, bef. in einem Amte, einer Würde ıc, —
entg. Vorgänger; auch der Denk: und Handlungsweife nach (Schüler u. Nach—
folger Chrifti); nachfolgends, nachfolglich, Nw., vlt. u. landſch. f. im
Nachfolgenden, meiterhin, hernach.
nachformen, teb. ziel. 3w., nad) einem Mufter formen, nachbilden.
nachforſchen, trb. ziellof. zw., einer Perfon oder Sache —, forgfältig
danach fragen, ſich erfundigen, fie genau unterfuchen; der Nachforfcher ;
die Nachforfchung.
nachfragen, trb. ziellof, Zw., einer Perfon od, Sache —, nach ihr fra-
gen, ſich erkundigen; auch: fich darum befümmernz die Nachfrage, das
Nachfragen, die Erkundigung; der Nachfrager.
Nachfeift, w., oberd. f. eine ausſtehende verfallene Zahlung, ein Reft.
nachfuͤhlen, trb. ziel. 3w., et was — hintennach fühlen; einem et—
was—, mit oder gleich ihm fuͤhlen; dad Nachgefuͤhl, nachbleibendes,
fortdauerndes Gefühl. ö
nachfuͤhren, trb. ziel. 3w., einem etmas-—, ed hinter ihm her führen.
nachfüllen, teb. ziel. zw., nochmals, von neuem, hinzu füllen.
Nachgänger, m., gew. Nachfolger, entg. Vorgänger.
nad)gebären, trb. ziel. Zw., nach Andern, fpäter gebären (ein nachge—
bornes Kind, d. i, ein jüngeres, bef, ein nad) dem Tode des Vaters geborenes) j
die Nachgeburt, ein aus Häuten u, Blutgefäßen deftehender, runder, ſchwam—
michtee Körper, welcher mit der Frucht in der Bärmutter mittelft der Nabel-
ſchnur verbunden ift u, nad) der Geburt aus der Mutter tritt, auch Afterbuͤrde,
Mutterfuchen ic, genannt,
nachgeben, trb, Zw. 1) ziel, etwa& —, nochmals, fpäter, hinzu geben
(noch Geld nachgeben müffen)z uneig, cinemetwad-—, vlt. u. landfch, f,
erlauben, zulaffen, geftattenz einem nichts —, d, i, ihm nicht nachſtehen,
nicht geringer fein; 2) ziellos ohne Caſus oder mit d, Dat, der Perfon, eig,
die Spannung vermindern, nachlaffen (man giebt nah, wenn man ein ge:
fpanntes Seil u, dgl, nachläſſt); daher bef, von feinen Behauptungen, For—
derungen, Anfprüchen ꝛc. ablaffen, fie aufgeben, nicht mehr AWiderftand
Yeiften (er gab mir, meinen Gründen, Forderungen ꝛc. nadhz ſprichw. der
Klügſte giebt nach); uneig, auch von Icblofen Dingen: Feinen Widerſtand
Yeiften, Feine Spannfraft äußern (dev Boden giebt nad, d. i. weicht aus;
die Stahlfeder giebt nah); nachgiebig, Bw., gern u. leicht nachgebend, nur
‘von Perfonen, finnv, gefällig, fuͤgſam; die Nachgiebigkeit,
Nachgeburt, f. unter nahgebären; Nachgefühl, f. nachfühlen,
nachgehen, teb, ziellof. 3w, m, fein, 1) einer Perfon od. Sache—,
hinter ihr her gehen, folgen, nachfolgen, der räumlichen Richtung nad) (einem
auf dem Fuße, einer Spur —3 uneig, einer Perfon —, d, i. fi um fie bemü—
hen, bewerden), der Ordnung od, dem Range nad) (dad Unwichtige muſs dem
Wichtigen nachgehen) z uneig. fein Verhalten danach einrichten, befolgen,
“ gehorchen (oberd, und Kanzl, einem Befehle -);5 2) einer Sache —, fie
zum Siel feines Beftrebend machen, fie vorzugsweiſe betreiben (feinen Ges
fhäften, den Vergnügungen 26, —)5 3) einem —, feinen Öang nachah—
men; nachgehends, Nw., gem, fr nachher, nachmals.
Nachgeſang, m., Schlufsgefang, Schlufsfag in einem Singgedichte
(fr, Epode),
Nachgeſchmack — nachhinken '235
Nachgeſchmack, m., der nad) dem Genuffe einer Sache im Munde zurüce
bleibende Geſchmack.
nachgiebig,, ſ. unter nachgeben,
nachgießen, teb, ziel, Zw., hinterher, noch dazu gießen zIgießend nach⸗
bilden (ein Bild aus Erz); der Nachguſs, dad Nachgießen; der nachge—
goffene Körper.
Nachglanz, m., zurückgelaffener, nachbleibender Slany
nachgleiten, trb. ziellof. Zw., hinterher gleiten, gleitend folgen,
nachgraben, tro. ziellof. 3w., einer Sahe-, ihrer Richtung beim
Graben folgen; grabend auffuchen, (Schägen —); ei nem — nad) feinem
Vorgange graben ; noch mehr, tiefer graben; die Nachgrabung.
Nachgras, fr, Landw,, nachgewachſenes Grad, Grummet.
nachgrübeln, trb. zieltof, Zw, einer Sadhe-, fie zum Gegenftand
des Grübelnd mahen, durch Grübeln zu erforfchen ſuchen.
Nachgrummet, ſ., (f. Grummet), zum dritten Male gehauenes Gras,
nachguden, tub, ziellof, Zw. einem —, gem. f. nachblicken, nachfehen.
Nachguſs, ſ. nahgiegen,
nachhallen, trb. Zw, 1) ziellos, hinterher hallen, hallend folgen; 2) ziel,
hallend nachahmen, zuruͤckgeben, wiederholen (die Berge hallten den Ge—
fang nad); der Nachhall, nachbleibender Hall; auch f. Wiederhall, Echo.
nachhalten, trb. Zw. 1) ziel, et was —, hinterher, ſpaͤter halten (5. B.
eine verfaumte Lehrftunde) 3 2) ziellosm, haben, lange halten, dauern, ſinnv.
anhalten; daher nachhaltig, Bw., fpäter noch anhaltend, dauernd,
Nachhand, w., landſch. f. Hintertheil eines Pferdes, entg, Vorhand.
nachhandeln, teb, zieltof, Zw., fein Handeln nad) etwas einrichten (dev
Vorſchrift, dem Befehle —).
nachhangen, r. als nachhängen (ſ. hangen), trb, ziellof, Bw, m, haben,
einer Sache —, Hang od, Neigung dazu Haben, u, fich derfelben uͤber—
laffen od. hingeben (feinen Gedanken, einer Leidenfhaft, dem Grame —); Jäg.
einem Hirfche —, d, i, ihn mit dem am Hängefeile geführten Leithunde auf:
ſuchen.
nachhauen, trb. Zw. 1) ziellos hinterdrein hauen, hauend verfolgen;
2) ziel, hauend nachbilden (eine Bildſäule); hintennach, noch dazu hauen.
nachheben, trb. ziel, Zw., hebend nachhelfen od, nach ſich ziehen,
nachheizen, trb. ziel, zw., nochmals, noch mehr heizen.
nachhelfen, trb. zielloſ. Zw. einer Sache oder Perſon —, durch
Huͤlfe ihre Bewegung, ihren Fortgang oder Erfolg befoͤrdern; der Nach—
helfer, die Nachhelferinn; die Nachhuͤlfe.
nachher, Nw. der Zeit und Ordnung, ſ. v. w, hernach (ſ. d.), nachmals,
ſpaͤterhin, entg. vorher; nachherig, Bw., nachher ſeiend oder geſchehend,
nachmalig.
Nachherbſt, m., der letzte Theil des Herbſtes, Spaͤtherbſt.
nachhetzen, trb. ziel, Zw, einem etwas —, ed hinter ihm her hetzen.
Nachheu, ſ., Grummetheu, Grummet, ſ. d.
Nachhieb, m., das Nachhauen; ein nachfolgender Hieb, entg. Vorhieb.
nachhinken, trb. ziellof. 3w, m. fein, einem— hinkend folgen; uneig.
verächtl. ihm unvollkommen u, ſtuͤmperhaft nachahmen; fpät u. langſam od.
ſchwerfaͤllig nachkommen ; m, haben, einem-, fein Hinken nachahmen.
236 Nachhochzeit — nachlallen
Nachhochzeit, w., Luſtbarkeit nach dem Hochzeitstage.
nachholen, trb. ziel. Zw., eig. etwas hintennach oder noch dazu holen,
fpäter holen (noch Geld — ; einen Zurückgebliebenen —); uneig, etivad Ver—
fäumted —, ed zum Erſatz fpäter thun, finnv, einbringen, wieder guit
machen; die Nachholung. |
Nachhuͤlfe, w., ſ. nachhelfen.
nachhuͤpfen, trb. zielloſ. zw, eine m —, m, fein, huͤpfend nachfolgen;
m, haben, fein Huͤpfen nachahmen.
Nachhut, w., das Huͤten des Viehs in einer Gegend, wo ein Anderer
bereitö gehuͤtet hat, der Nachtrieb, die Nachtrift, entg. Vorhut z auch der ,
nachziehende Theil eines Heeres, Nachtrab (fr, Arriere-Garde); nachhüten,
trb. ziellof, 3w., nach einem Andern hüten, die Nachhut haben.
nachjagen, trb. Zw. 1) ziellos m, fein, einem-—, hinter ihm her
jagen, beſ. um ihn einzuholen; uneig. einer Sache—, begierig danad)
fireben, fich derfelben eifrig befleißigen (dem Vergnügen —; bibl. der Gerech—
tigkeit 26. —)5 2) ziel, hinrerdrein jagen (einem die Hunde —); die Nachjagd,
niederd, die Verfolgung eines Flüchtigen.
— —— ſ., Spaͤtjahr, Herbſt; auch f. Gnadenjahr (ſ. d.), Witt—
wenjahr.
nachjauchzen, -jubeln, trb. ziellof. 3w,, einem-—, hinter ihm her,
oder nach feinem Vorgange jauchzen‘, jubeln, |
nachkaufen, trb. ziel.3w,, etwa 8—, hintennach, fpäter, noch dazu Faufen,
Nachkind, ſ., oberd, f. Nachkomme.
Nachklage, w., Rſpr. eine Klage, welche nach ausgeklagter Sache
der Beklagte gegen den Klaͤger anſtellt.
nachklettern, ⸗klimmen, trb. zielloſ. zw. einem-—, kletternd folgen.
nachklingen, trb. zielloſ. zw., hintennach klingen, fortfahren zu klingen,
einen Klang nachlaſſen; der Nachklang, ein fortdauernder, nachhallender
Klang; uncig. f. Nachwirkung, Nachahmung; Nachruhm.
nachkommen, trb. zielloſ. 2w., hinterher, hintennach kommen, folgen,
dem Raume nach (er kommt mir nach), auch f. einholen, erreichen (er kann
nicht nachkommen)z der Zeit nach: ſpaͤter kommen, nachfolgen (id werde
nachkommen; die Reue kommt nach); uneig. einer Vorſchrift ze, Folge leiſten,
etwas befolgen, vollziehen (einem Befehle, feiner Pflicht, feinem Verſprechen —) 5
der Nachkomme, -n, bei. M. die Nachkommen, 1) wer nad) und kommt,
d, i. fpäter Lebt, insbef, die von ung adftammenden Perfonen, Sinder,
Sindesfinder ꝛc., entg. Vorfahren (unfere Nachkommen); 2) bisw, auch f,
Nachfolger im Amt, Befis zc,, Erbe; die Nachkommenſchaft, die Ge—
fammtbheit der Nachkommen; der Nachkoͤmmling, - ed, M. Se, ſ. v. w.
Nachkomme, wofür es bef, in der Einh. gebr. wird, doch nur in der Affen
Bed., finno, Abkoͤmmling; die Nachkunft, das Nachkommen.
nachfünnen, trb. zielloſ. 3w., auslaff. f. nachkommen, = gehen ꝛc. koͤnnen.
Nachkoſt, w., ſpaͤter, beſ. nad) der Suppe, genoſſene Speiſe.
nachkriechen, trb. zielloſ. ʒw. m, fein, einem —, ihm kriechend folgen;
einer Sache—, fie kriechend zu erreichen ſuchen.
nachkünfteln, teb, ziel, 3w,, Pünftlicg od. Fünftelnd nachmachen.
nachlallen, trb. ziellof, u, ziel. 3w,, einem-—, ihm im Lallen nach—
ahmen; etwas-, Fallınd nachfprechen.
nachlaffen — nachleſen 237
nachlaffen, trb, 3m. 1) ziel., hinter ſich oder zuruͤcklaſſen, indem man
ſich entfernt (uneig. der Wein hat in dem Beuge einen Fleden nachgelaffen), bef.
beim Tode zurücklaffen, hinterlaffen (er hat nicht viel Vermögen nachgelaſſen;
nachgelaffene Schriften 2c,) 5 ferner auslaſſ. f, nachgehen, =laufen, = fließen
Yaffen, folgen laffen (ex wollte mic) nicht nachlaſſen; Jäg. die Hunde —, di,
fie der Führte nachgehen Laffenz noch Waſſer nachlaſſen); daher etwas feiner
natürlichen Richtung od, Neigung folgen laſſen, es loslaffen (ein Geil, eine
Schraube ꝛc. —);5 einem etmad-, zulaffen, geftatten (man hat ihm Vie—
les nachgelaſſen; es ift ihm nachgelaffen worden); etwas von od, an et—
wa8d-—, feine Anfprüche oder Forderungen zum Theil aufgeben, fahren
laffen, erlaffen (ex hat vom Preife, von der Rechnung zc, einen Thaler nad)
gelaffenz; es ift ihm nichts an der Strafe nadigelaffen worden); vlt. f, unters
laffen (bibl. den Wucher —)5 2) ziellos m, haben, an Spannfraft, Stärke,
Heftigkeit, Eifer 2c, verlieren, abnehmen, ſchwaͤcher werden (die Kälte, die
Krankheit, der Schmerz, fein Fleiß 2c, läſſt nach, hat nachgelaffen); der Nach
laf3, -ed, o. M,, 1) dad Nachlaffen, d. i, das Ablaffen, Abftehen von
etwas (ohne Nachlafs arbeiten); dad Erlaffen, der Erlaſs, die Verzeihung
(einem Nachlaſs bewilligen); 2) das Nachgelaffene, insbef, was ein Verftor:
bener hinterläſſt, finnv, Verlaffenfchaft, auch die Nachlaſſenſchaft; ferner
das Erlaffene von einer Forderung (fr, Rabatt) 5 die Nachlaffung, das Nach-——
laffen in allen Bed.; nachläffig, Bw., eig, an Spannfraft nachlaffend,
nicht angefpanntz gew, von Perfonen, nicht in gehörigem Maße Straft,
Fleiß, Sorgfalt anwendend, finnv, läffig, fahrläffig, träge (ein nad:
läſſiger Menſch, nachläſſig arbeiten, fchreiben, tanzen 26,)5 von Handlungen u,
Sachen, Mangel an Fleiß, Sorgfalt, Achtung gegen ſich feldft u. Andere
verrathend (eine nachläffige Arbeit; ein nachläſſiger Gang; nachläſſige Klei—
dung 2c,) 3 bisw, auch in gutem Sinne f, ungefünftelt, natürlich (nachläfige
Loden) ; die Nachläffigkeit, das Nachläffigfein, die nachläffige Beſchaffen⸗
heit; auch eine nachlaͤſſige Handlung (M, Nachläſſigkeiten).
nachlaufen, teb, ziellof, 3w. m. fein, einem — hinter ihm her laufen,
ihm laufend folgen, bef. um ihn einzuholen 5 uneig, fid) um eine Perfon an=
gelegentlich bemühen, bewerben, gew. tadelnd (den Mädchen —); von Flüffig-
keiten: hinterher od, noch dazu laufen, fließen; der Nachlauf, das Nach—
laufenz dad Nachlaufende, eine nachfließende Flüffigkeit (3. 8. was, wenn
der Branntwein ſchon abgelaufen ift, von dem Lutter nod) gewonnen wird) 5 der
Nachläufer.
nachlauten, trb. zielloſ. zw., hintennach, fpäter lauten; der Nachlaut,
ein nach dem Hauptlaute vernommener Laut,
nachleben, trb. ziellof, Zw., 1) fpäter leben, daher: die Nachlebenden,
f. v. w. Nachkommen; 2) einem, einer Vorſchrift ꝛc. —, gemäß Ieben,
ri handeln, fid) danach verhalten (Lebe jeinem Befehle, feinem Willen zc,
nad),
nachlegen, trb. ziel, ENT fpäter, nochmald, noch hinzu legen (Holz —),
nachleiern, trb. ziel, 3i., einem etwas —, nach feinem Vorgange
leiern (f. d.).
„ nachlefen, trb. ziel, u, ziellof, zw. 1) nochmals Iefen, d. i. ſammeln, das
Ubriggebliebene aufs od. einlefen (nad) der Ernte, der Weinlefe 2c,)5 daher
die Nachlefe, das Nachlefen, die Cinfammlung des nach der eigentlichen
238 nachleuchten — nachquellen
Lefe Übriggebliebenen; auch das in der Nachlefe Eingefammeltes — nach—
leſen 2) einem-—, nad) feinem Mufter, feiner Weife Iefen, ihm im
Lefen nachahmen; ihm im Lefen folgen, d, i. einem Vorlefenden folgen,
indem man ſtillſchweigend mitlief’t (lies nah !); et was —, nachfchiagen und
Iefen (eine angeführte Stelle —); die Nachlefung.
nachleuchten, tcb, ziellof.3w., hinterher leuchten, leuchtend folgen (einem),
nachliefern, trb. ziel, Bw, etwas—, fpäter, noch hinzu liefern; die
Nachlieferung.
nachloden, trb. ziel. Zw., hinter fich her locken, nachzufolgen locken.
nachmachen, teb. ziel, 3w,, einem etwas —, es nad) feinem Bei—
friele, eben fo wie er machen, finnv, nachahmen, nachthun; etwas —,
nachbilden, nad) einem Mufter machen, bef. etwas Natürlihes, Echtes
Fünftlich u. aus unechtem Stoffe nachbilden (nachgemachte Perlen u, dgl.) ;
auch f. ſpaͤter machen, nachholen (eine Schularbeit).
Nachmahd, w., die zweite, fpätere Mahd (ſ. d.)5 landſch. f, Grummet.
nachmalen, trb. ziel. u. ziellof. 3w,, einem-—, nad) feinem Beifpiel
od, feiner IBeife malenz etwas Gemaltes —, malend nachbilden (fr. co:
pirenz ein Bild, Buchſtaben —).
nachmals, oberd, auch nachmalen (vergl, Mal 1.), Nw, der 3eit, in
der Folgezeit, ſinnv. hernach, nachher, fpäterhinz nachmalig, Bw., was
nachmalß ijt od. gefchicht (fein nachmaliges Betragen ꝛc.).
Nachmaft, w., fpätere, oder uͤbriggebliebene Maft.
nachmeffen, trb, ziel, 3w,, etwas Gemeſſenes nochmals meffen, bef, zur
Prüfung der Mefjung eines Anderen; die Nachmeflung.
Nachmittag, m., die Tageszeit zwiſchen Mittag u. Abend; der Gen,
Nachmittags als Nw, f. am Nachmittage, nah Mittag; die Nach-
mittagsfirche, = predigt, ruhe, =flunde, =zeitz der Nachmittags-
prediger; der Nachmittagsfchlaf ıc. ; nachmittägig, Bw., Nachmittags
feiend oder gefchehend (ein nahmittägiger Beſuch); nachmittäglich, Bw.,
jeden Nachmittag gefchehend.
Nachmitternacht, w., der Iheil der Nacht von Mitternacht bis zur
Morgendämmerungz; nachmitternächtlih, Bw., in diefe Seit fallend.
nachmüffen, trb. ziellof. Zw., auslaff. f. nachfolgen müffen,
nachnehmen, trb. ziel. 3w,, hintennach, noch dazu nehmen,
nachordnen, trb, ziel, Zw., etwas oder einen—, ihm feine Stelle
in der Ordnung nach einem Andern anmeifen, verſch. unterordnen; der
Nachgeordnete, ehem, im deutfihen Staatsrecht, ein dem Kreisoberften
an die Seite gefehter Beamter, -
nachpfeifen, trb. zielloſ. u, ziel. 3w., einem, hinter ihm her pfeifen;
nach feinem Beifpiel pfeifen; pfeifend wiederholen (ein Lied),
nachpflanzen, trb. ziel, Zw., fpäter, noch hinzu pflanzen.
nachpfuſchen, trb. ziellof, u. ziel, zw., einem-—, nad feinem Vor—
- gange pfufchenz etwas-—, pfufchend nachmachen; der Nachpfufcher.
nachplappern, plaudern, teb, ziellof. u. ziel, Iw,, einem-—, nad
feiner Weife plappern 2.5 etwa 8—, plappernd od, plaudernd nachfprechen,
nachprägen,, teb, ziel. Zw., et was —, das Geprägte nachmachen,
nachquellen, trb. zielloſ. zw,, hintennach, noch dazu quellen; quellend
folgen, 7
;
nachrafen — Nachricht 239
nachraſen, trb, ziellof. 3w,, einem-—, m, haben, nad) feinem Beis
fpiel od. Vorgange rafenz m. fein, ihm rafend nachfolgen.
Nachraub, m,, fpäterer Raub des früher Zurüchgelaffenen ; ehem, das
Nutzungsrecht der Feldfrüchte, welches der Nachfolger eines verftorbenen Pfar—
rers den Erben desſelben gefiattet (auch Nachr auch).
Nachraum, m., Forſtw. ſ. v. w. Abraum, Afterſchlag; auch das in
einem abgeräumten Gehaue ftehen gebliebene ſchwache Holz; nachräumen, trb,
ziellof. u, ziel, 3w,, einem-—, nad) ihm nochmals räumen; etwas-,
fpäter aufräumen. { |
nachraufchen , trb. zielloſ. zw., m, haben, hintennach raufahen; m,
fein, raufchend nachfolgen.
nachrechen, teb, ziel. u, zielloſ. zw., hinterher, nochmals rechen, harken;
insbef, nachdem die Garben aufgejtellt find, die zurüdgebliebenen einzelnen ähren
. zufammenharken, wozu ein großer Rechen, der Nachrechen,, gebraucht wird,
nachrechnen, trb. ziel, Zw., et was —, nochmals rechnen, beſ. um die
Richtigkeit der Rechnung zu prüfenz rechnend erforſchen, ausrechnen (z. 8,
das Alter einer Perfon); ein em —, nad) feinem Beiſpiele, ihm gleich
rechnen; auch ohne deffen Wiffen, gleichſ. hinter ipm, etwas berechnen
(3. 8. ich kann ihin nachrechnen, wie viel er gebraucht hat); der Nachrechner ;
die Nachrechnung,
Nachrecht, fe, ein erft nach gefchehener Sache in Anfpruch genomme=
ned Recht; landſch. ein Antheil der Jäger, Förfter zc, an den eingehenden
Strafgeldern, k
nachreden, trb. ziel, u. ziellof, 3w,, einem—, ihm im Reden nach»
folgen od. nachahmen, finnv, nachſprechen; etwas —, wiederholen, was
Andere geredet haben, ſinnv. nacherzählenz; einem etwas-, es hinter
feinem Ruͤcken, in feiner Abwefenheit von ihm fagen, ‚bef, Nachtheiliges,
finno. nachfagen (man vedet ihm viel Böfes nah); die Nachrede, nachfol-
gende Nede, Schlufärede, entg. Vorrede; Rfpr, die Antwortfhrift auf die
Widerrede (fr, Duplit); gew. dad Neden od. Urtheilen über Jemand in feiner
Abweſenheit, u, das ihm Nachgeredete, bei. ſofern es Nachtheiliges ift (einen
in üble Nachrede bringen, üble Nachrede vermeiden); der Nachreder ‚ wer
einem Andern etwas (Übles) nachredetz der Nachredner, wer fpäter redet,
eine Nachrede hält oder fchreibt.
nachreifen, teb. zieltof. Zw., fpäter, nad) der Abnahme reifen (Winterobſt).
nachreifen, trb. zielloſ. zw. m, fein, einem-, hinter ihm her reifen,
bef, um ihn einzuholen; die Nachreife, ehem. f. Verfolgung,
nachreißen, trb, 3m. 1) ziellos, fortfahren zu reißen, meiter reißen;
2) ziel. hintennach, noch mehr reißen; reißend, d, i. mit der Reißfeder,
nachzeichnen, > z
nachreiten,, trb. ziellof, 3w, m, fein, einem—, ihm reitend folgen,
bef, um ihn einzuholen 5: ſcherzh., bef.in der Studentenfpr. auch ziel, etwa 8 —,
f. nacharbeiten, Verſaͤumtes nachholen; der Nachreiter.
nachrennen, trb. ziellof, 3m, m, fein, ein em — hinter ihm her rennen,
bef. um ihm einzuholen; uneig, einer Sache —, d, i. eifrig danach ſtreben.
Nachreue, w., hinterher, fpät empfundene Reue.
Nachricht, w., M. -en (wahrſch. urfpr. eine Anzeige, nach welcher man
ſich richten folz daher zur Nahricht!), die muͤndl. od, ſchriftl. Mit:
1
240 nachrichten — nachſchieben
theilung ur. die mitgetheilte Kunde von Vorfaͤllen, Zuſtänden ec. beſ. fofern
die Mittheilung nicht pflichtmäßig, auch nicht bffentlich, ſondern von einer Per:
fon an eine andere gefchieht, verfch, Bericht, Anzeige, Meldung, Bekannt:
machung (einem Nahricht von etwas geben, bringen, ertheilen; gute, fihlechte
Nachrichten haben, bekommen 2c.); nachrichtlich, Nw,, ald Nachricht, zur
Nahrichtz Kanzl, au) f. zur Nachachtung.
nachrichten, trb. ziel, zw., nochmals richten (Säg, das Jagdzeug —, es
vollig in Ordnung bringen, nachdem es aufgeftellt worden); hinter her richten
(Jäg. die Tücher, Garne ꝛc. —, hinter den Treibern aufftellen); fpäter richten,
d, i, verurtheilen, hinrichten; der Nachrichter, Vollzieher eines peinlichen
Urtheild, Scharfrichterz die Nachrichterei, Scharfrichterei,
nachringen, trb. ziellof. 3m, einem-—, nad) feinem DBeifpiele ringen;
einer Perfon od. Sache—, fie ringend zu erreichen fuchen.
nachrinnen, trb. zielloſ. zw., noch dazu rinnenz rinnend folgen.
nachrollen, trb. Zw. 1) ziellos, hinterher rollen, rollend folgen; 2) ziel,
etwas einer Sache —, es rollend Hinter ihr her bewegen.
nachr uͤcken, teb. 3w. 1) ziellos m. fein, hinterher rücken (1. d.), lang—
fam u. geordnet nachfolgen ; 2) ziel. etwas —, ruͤckend hinterher bewegen.
nachrudern, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, rudernd nachfolgen; 2) ziel.
rudernd nachbewegen (das Schiff).
nachrufen, trb. ziel. 3w., einem etwad-—, hinter ihm her rufen;
such nach feinem Borgange rufenz der Nachruf, dad Nachrufen u. das
Nachgerufene; uneig. Worte, die man an Jemand nad) feiner Entfernung od.
nad) feinem Tode richtetz auch der Ruf, das Geruͤcht, welched man zu=
ruͤcklaͤſſt.
Nachruhm, m., der Ruhm nach dem Tode; nachruͤhmen, teb: ziel.
3w. einem etwad-—, ed in feiner Abweſenheit von ihm rähmen, ruͤh—
mend nachfagen.
nachfäen, teb. ziel. Zw., fpäter, noch dazu fen,
nachſagen, trb. ziel. 3w., einem etwas—, dad von ihm Geſagte
wiederholen; es auf fein Zeugnifs wiederſagen; hinter feinem Rücken, in
feiner Abweſenheit von ihm ſagen, finno. nachreden (einem Böfes zc. —).
nachfammeln, trb. ziel. Zw., nach) einem Andern, Übriggelaſſenes ſam—
melnz fpäter noch dazu ſammeln; die Nachfammlung.
Nachlaß, m., f. unter nachſetzen.
nachfchaffen, teb. ziel. Zw. (ſ. ſchaffen) 1. nach eined Andern Beifpiele
ſchaffen; hintennach, fpäter fchaffen, d. i. hervorbringen (Mw. nachge:
Schaffen); 2, einemetwäs-—, forgen, daſs es ihm nachgebracht werde
(Mw. nachgeſchafft). j
-nachfchallen, trb. ziellof. 3w., hinterher, od, hintennach ſchallen; der
Nachſchall, gew. Nahhall, Echo.
nachfchauen, trb. ziellof, Zw., einem-, hinter ihm her ſchauen, nach—
blicken ; oberd. auch f. nach etwaß fehen, nachſehen.
nachſchicken, trb. ziel. 3w., einem Jemand od. etwas — hinter
ihm herfchicken (einen Boten, etwas Vergeſſenes); die Nachſchickung.
nachichieben, trb. ziel. u. ziellof. Zw., nach Jemands Vorgang, hinterher
fchiebenz; fchiebend nachhelfen; der Nachfchub, das Nachſchieben, vef. im
Kegelfpiele: das Schieben nad) einem Andern, 5
nach⸗
nachſchießen — nachſchreiben 241
nachſchießen, trb. Zw., 1) ziel, a. ziellos m. Haben, nad) Jemands
Vorgange, oder hinter ihm her [hießen (einem eine Kugel); Geld—, zu
dem früher hergefchoffenen fpäter hinzugeben, vergl, zuſchießen z3 2) ziellos
m, fein, fid plöglich und fchnell hintennach bewegen, insbef, nachfallen
(die Wand fiel ein u, das Dad) fhofs nad), fehnell nachwachfen (die fpätere
Saat ift der früheren Saat nachgeſchoſſen) der Nahfhufßs, das Nach—
fhießen, ein nachfolgender Schuſs; was nachgefchoffen wird, nadıge
ſchoſſenes Geld; der Nachwuchs; Weinb, f. v. w. Nachdruck, ſ. d,
nachſchiffen, trb. zielloſ. Zw. m, fein, zu Schiffe folgen,
na chlachten, trb, Zw, 1, ziel,, fpäter, noch dazu fchlachten; 2, ziellos
m, fein, bef, nieberd, f. nacharten (ſ. ſchlachten 2.).
nachfchlagen, trb, 3w, 1, 3iel, u, ziellos m, haben, hinterher od, hintens
nach fchlagenz durch Schlagen nachbilden (Geld —, nachprägen) z Bergw.
durch Schlagen, d. i. Graben, nachforſchen, folgen (einem Erze) z3 Tonk.
einen Ton, eine Note —, nach einer andern anſchlagen oder hoͤren laſſen
(auch ziellos: der Ton ſchlägt nach); eine Stelle in einem Buche —, aufs
fuchen u. leſen, ſinnv. aufſchlagen; der Nachfchlag, ein hintennach erfols
gender Schlag; insbef. Tonk. ein nachfchlagender Ton, entg. Vor-, Auf⸗
ſchlagz die Nachſchlagung — nachſchlagen 2, ziellos m, fein, ſ. v. w.
nachſchlachten 2,, nacharten (1, ſchlagen 2.).
nachſchleichen, trb. ziellof. zw. m, fein, einem — ſchleichend folgen,
beſ. um ihn zu belauſchen; uneig. einer Perſon od. Sache —, fie heimlich
aufzuſpuͤren, zu gewinnen, zu erlangen ſuchen.
nachfchlendern, trb. zielloſ. Zw. m, fein, ein em —, ſchlendernd folgen,
nachſchleppen, trb. Zw. 1) ziel, etwas —;hinter ſich her ſchleppen (ein
Schiff); rückz. ſich —, mühfam nachfolgenz 2) ziellos m, Haben, fchleps
pend nachgezogen werden (das Kleid ſchleppt nach) ; uneig, langfam u ſchwer⸗
faͤllig nachfolgen, in der Ton- und Redekunſt.
Nachſchluͤſſel, m., ein nachgemachter Schluͤſſel, Bei-, Diebsſchlüſſel.
nachſchmecken, trb. zielloſ. Zw., einen Geſchmack im Munde zuruͤck⸗
laffenz der Nachſchmack, landſch. f. Nachgeſchmack, ſ. d.
————— trb. ziel, Zw., etwas —, flüchtig und ſchlecht nach⸗
reiben.
nachſchnattern, trb. zielloſ. u. ziel. Zw., einem —, fein Schnattern
nachahmen; etwas —, ſchnatternd nachſprechen.
nachſchneiden, trb. ziel. 3w., nach Jemands Vorgang, hintennach,
noch dazu ſchneiden, ſchneidend nachbilden, ſo auch: nachfchnitzen,
ſchnitzeln; der Nachſchnitt, ſpaͤterer Schnitt; etwas Nachgeſchnittenes,
durch Schneiden Nachgebildetes.
Nachſchoſs, m., 1) ein fpäter aufgewachſener Schoſs, Nachſchoͤſs⸗
ling; 2) abermaliger Schoſs, nachtraͤgliche Abgabe.
nachſchreiben, trb. ziel. Zw., hinterher od. hintennad) fhreiben ; ſchrift⸗
lich nachmelden; nach Jemands Beifpiel oder Vorgang ſchreiben (Einer
ſchreibt dem Andern nad) 5 fchreibend nachbilden (eine Vorfgrift) 3 eined Anz
dern Norte, während er fpricht, niederfchreiben (einen Vortrag 5 ein
nachgeſchriebenes Heft, d. i. ein durch Nachſchreiben angefertigtes) 5 der Nach⸗
ſchreiber; die Nachſchrift, etwas nach dem Schluſs einer Schrift, z. B.
eines Briefes, noch hinzu Geſchriebenes (fr. Poſtſcript)z eine nachgebildete
Hepfes Handwörterb, d, deutſchen Spr. 2. Their 16
242 Nachſchub — nachſinnen
ea entg. Vorſchriftʒ eine dem Vortrag eines Andern nachgeſchriebene
Schrift.
Nachſchub, m., ſ. nachſchiebenz — Nachſchuſs, m., ſ. nachſchießen.
nad; fehütten, trb. ziel. Zw., hinterher, hintennach, noch dazu ſchuͤtten.
Nachſchwarm, m., der zweite Schwarm von einem Bienenſtock in
einem und demſelben Sommer, entg. Vorſchwarm.
nachſchwatzen, trb. ziellof. und ziel. zw., einem —, im Schwaßen
nachahmen; etwas —, ſchwatzend wiederholen.
nachſchwimmen, trb. ziellof. Zw. m. fein, ein ein —, ſchwimmend
folgen.
nachſchwingen, trb. ziel. Zw., etwas und bef. ſich einem —, im
Schwunge hinter ihm her bewegen, im Schwunge folgen.
nachſegeln, trb. zielloſ. Zw. m. fein, einem —, ſegelnd folgen.
nachſehen, trb. Im. 1) ziellos, einem —, hinter ihm her ſehen, ihm
mit den Augen folgen, finnv. nachblicken, -ſchauen; uneig. dad Nach—
fehen haben, d. i. einer vorüsergegangenen Sache, einem verlorenen Gute
gleich]. mit den Augen folgen, d. i. ſich getäufcht oder unbefriedigt fehenz ferner
ſ. v. w. nad etwas fehen, feine Aufmerkſamkeit darauf rihten, nach—
forfchen (fied nah, wo die Kinder find)s 2) ziel. etwas —, deſſen Rich—
tigkeit, gehörige Befchaffenheitzc, unterfuchen (eine Rechnung, die Wäſche —) 5
einemetwad-—, (gleihf. für ihn zurückſehen), etwas Tadelnswerthes,
Unerlaubtee:c, nicht zu bemerfen fcheinen, ungerügt hingehen laſſen, finnv.
überfehen, durch die Finger fehen (Eleine Vergehen kann man den Kindern
nachſehen) 5; insbe. einem aulner —, Frift zur Zahlung gewähren;
die Nachficht, das Nacyfehen, die Unterfuhung (3. B. einer Rechnung) 5
gew. dad ingehenlaffen ? Überfehen r Nichtruͤgen einer Sache, und die
Geſinnung od, Gemuͤthsart, worin es gegründet iſt (Kachſicht mit od. gegen
Semand haben; ihm Nachſicht beweifen 2c.) 5 nachfichtsvoll, Bw.; nachſich⸗
tig, Bw. Nachſicht habend, zeigend, zur Nachſicht geneigt, u. datin gegruͤn⸗
det, ſinnv. mild, guͤtig (ein nachſichtiger Vater; nachſichtige —
die Nachſichtigkeit, das Nachſichtigſein.
nachſenden, trb. ziel. Zw., hinterher ſenden; die Nachſendung.
nachſetzen, trb. Zw. 1) ziel., hinterher, hintennach, ſpaͤter ſetzen (die
nachgeſetzten Worte, ſ. v. w. die nachſtehenden) 5 beſ. uneig. der Ordnung oder
Wuͤrde nah: Jemand einem Andern —, d. i. ihn geringer achten, ſinnv.
zurückſetzen, entg. vorziehen; 2) ziellos m. haben, einem—, ihm in Sisen
(d. i. Sprüngen) nacheilen, ihn verfolgen (vergl. ſetzen) die Nachſetzung,
dad Nachſetzen in beiden Bed.; der Nachſatz, der dem Vorderſatz entfprehende
Sclufsfaß eines ——
Nachſicht, nachſichtig ze, ſ. unter nachſehen.
Nachſilbe, w., nachfolgende Silbe, insbeſ. eine dem Stammworte
angehaͤngte Ableitungsſilbe, Endſilbe, entg. Vorſilbe.
nachſingen, trb. ziel. u. zielloſ. Zw, einem —, nach feinem VBorgange,
hinter ihm her fingen; ihm im Singen nahahmenz; etwas — fingent
wiederholen,
nachſinken, trb. ziellof. Zw., hinterher finfen, finfend folgen.
nachſinnen, trb. ziellof. 3w., einer Sache (Dat.) od. überetwaß-,
ed finnend zu erforfchen fuchen, finnv. nachdenken ; der Nachfinner.
TI — — —
’
-
J
nachſitzen — nadhitellen 243
nachſitzen, trb. zielloſ. Zw., hintennach, fpäter fißen, bef. um Berfäumz
tes. nachzuholen.
Nachſommer, m., Sommerwetter im Herbfte, Spätfonmer,
Nachforge, w., hinterher empfundene oder getragene Sorge, entg.
Vor ſorge.
nachſpaͤhen, trb. zielloſ. zw., einem od, einer Sache —, ihn od.
fie auszuſpaͤhen ſuchen ; der Nachſpaͤher; die Nachſpaͤhung.
Nachſpiel, ſ., ein dem Hauptſpiel folgendes kuͤrzeres Ton= od. Schau=
fpiel; uneig. eine nachfolgende Begebenheit oder Handlung, entg. Vorfpielz
nachſpielen, trb. ziel. u. ziellof. Zw., etwas —, hinterher, hintennach
ſpielen; einem-—, im Spiele folgen oder nachahmen.
nachfpotten, teb. zielloſ. Zw., einem —, hinter ihm her ſpotten; nach
feinem Vorgange fpottenz; ihm mit Berfpottung nachahmen,
nachfprechen, teb. ziel. und ziellof. 3w., etwa 8 —, Vorgeſprochenes
wiederholen (ein Gebet), insbef. Anderer Worte und Gedanken ohne eigenes
Nachdenken wiederholen; einem, feine Sprache nachahmen; der Nach—
fprecher.
nachſprengen, trb. Zw, 1) ziel. hinter her fprengen od. fpringen machen ;
2) ziellos m. fein, einem —, ihm in größter Eile nachfolgen,
nachiprießen oder = |profjen, trb. zieltof. Zw., hinterher auffprießen ;
der Nachſproſs, ein nahgefommener Sproſs.
nachfpringen, teb. ziellof. Zw. m. fein, einem —, nad) feinem Bei-
fpiele ſpringen; ihm fpringend nachfolgen.
nachfpüren, trb. ziellof. 3w., einer Perfon od. Sache —, fie auf-
zufpüren fuchen,
nächft, Nw. u. Vw., der nächfte ꝛc. Bw., nächftens, Nw., f. unter nahe.
Nachftaar, m., Heilk. ein Staar, welcher nach unvollfommener Aus—
ziehung oder Niederdruͤckung ded Staares entfteht,
Nachftachel, m., landſch. f. Legeftachel der Bienen ıc.
Nachſtand, m., f. unter nachſtehen.
nachſtechen, trb. 3w. 1) ziel. ftechend, d. i. mit dem Grabftichel nach—
bilden; 2) ziellos, hintennah, nach Andern ftechen (im Kartenfpiele) 5
Bergw. den Häuern —, d. i. nachfahren; der Nachflich, ein nachgeftochener
Kupferftich.
nachſtehen, trb. ziellof. 3m. m. haben, nach oder hinter etwas ftehen,
folgen, kef. das Mw. nah itehend f. folgend (nadftehende Worte 2c.) 5
uneig. einer Perfon 0, Sache —, dem Werthe oder Range nach ge=
ringer fein, nachgeſetzt werden (id) ftehe ihm nad) 3 das Angenehme mufs dem
Nützlichen nachſtehen); oberd. f. rückſtändig fein (nachſtehende Gelder); der
Nachſtand, ehem. f. Schaden, Nachtheil; oberd. f. Rückſtand, rücftändi:
ges Geld; nachſtaͤndig, Bw., f. rüdftändig.
nachſteigen, trb. ziellof. Bw. m. fein, einem —, fteigend folgen,
nachftellen, trb. 3w. 1) ziel. nach od, hinter etwas ſtellen; auch uneig.
f. v. w. nachfegen, zurückfegen; 2) ziellos einem Ihiere od. Menfchen —,
eig. durch aufgeftellte Fallen, Schlingen u. dgl, zu fangen furchen (Vögeln, dem
Wilde —); uneig. überh, durch Lift in feine Gewalt oder in feinen Befig zu
befommen fuchen (einem Menſchen —; einem Amte— 2c.); die Nachftellung,
das Nachftellen, Auflauern in feindlicher Abficht (M. Nachſtellungen).
16 *
244 nachſterben — Nacht |
nachfterben, trb. ziellof. 3w., einem —, fterbend nachfolgen.
nachfteuern, irb. Zw. 1) ziellos, mit Hülfe des Steuerruderd nach⸗
fchiffen; 2) ziel. nochmals, noch dazu feuern; die Nachfteuer, nachträge
lich entrichtete Steuer; landſch. f. Abzugsgeld.
nachftiden, trb. ziel, Zw., ſtickend nachbilden.
nachſtopfen, trb. ziel, u. zielloſ. Zw., noch hinzu ſtopfen; ſtopfend nach—
elfen.
nachſtoßen, trb. ziel. u, zielloſ. Zw., hinterher, nochmals, noch dazu
ſtoßen; ſtoßend nachhelfen; der Nachſtoß, nachfolgender Stoß; Fechtk.
der Stoß, nachdem man den des Gegners abgewieſen hat.
nachſtreben, trb. zielloſ. Zw, einer Sache —, fie zu erlangen ſtreben
(der Tugend) ; einem —, nach feinem Beiſpiele ftreben, iym nachzukommen
reben,
nachſtreuen, trb. ziel, Zw., hinterher, noch dazu freuen,
nachſtroͤmen, trb. ziellof. Zw. m, fein, firömend od, ftrommeife Folgen,
nachitürzen, trb. 8w. 1) ziellos m. fein, hinterdrein ftürzen, ſtuͤrzend,
d. i. in größter Eil, folgen; 2) ziel. etwad—, hinterher (kürzen, d. i.
ftürgen machen,
nachſuchen, trb. ziellof. u. ziel, 5w,, nach etwas fuchen, «8 aufſuchen;
uneig. etwad oder um etwas —, bei einem Höheren darum anhalten,
finnv, anſuchen; der Nachfucherz; die Nachfuchung, in beiten Bed.; die
Nachfuche, Jäg. das Recht, ein angefhoffenes Wild in einem fremden Gebiete
aufzufuchen,
Nacht, w., M. Nächte, (goth. nahts, altd, naht, niederd, Nagtz angelf,
neaht, engl. nightz altrord, ſchwed. dan, natt; flau, noc; fansfr, naktas,
griech, vüS, vurrös, lat, nox, noctis, ital, notte, franz, muit 26,5 von nah,
nahen, neigen, alfo: die Hereinbrechende, ſich Neigendez vergl, Gnade), die
Zeit von Sonnenuntergang bid Sonnenaufgang, während deren die Sonne
unter dem Geſichtskreiſe ſteht, entg. Tag (Tag und Nacht arbeitenz bie
langen Nächte des Winters: die lange Nacht, f. unter langz uber Nacht, d. i.
die Nacht hindurch); in engerer Bed, nur die Zeit der völligen oder größten
Dunfelheit, ver, Abend, Dämmerung (eö ift Nacht; die Nacht bricht herein,
überfüllt uns 2c.3 bei Nacht, in der Nacht; bei Nacht und Nebel davon gehen,
d. i, unter Begünftigung der Dunkelheit) 5 oberd, auch f. Abend (zu Nacht effenz
vergl, das Nachtbrod, = effen, =mahlz die Faſtnacht) ; mit hefonderer Beziehung
auf Nuhe und Schlaf (der Kranke hat cine gute Nacht gehabtz fchlaflofe
Nücte; einem eine gute Nacht od, ihm gute Nacht wünschen 5 gute Nacht ! gew,
Grußformel vor Schlafengehenz aber nicht: wohlfälafende oder wohlruhende
Nacht!); uneig, f. jede große Dumfelheit (die Nacht des Waldes, eines trüben
Wintertages 2c.), auch ald Bild der Unwiſſenheit, des Todes und Grabe,
des Elends und der tiefen Trauer (af diefem Volke ruht nod) tiefe Nacht 3
Nacht deckt uns die Zufunftz das Reich der Nacht, d. i, das Todtenreich u. dgl.
m); — Nachts od, weniger gut: des Nachts (altd, nalıtes, des nahtes,
eig, ein unregelm,, wie von einem männl, Hw. gebildeter Gen.) als Nw. der
Beit f. bei Nacht, in der Nacht; — 3fes. die Nachtarbeitz der Nachte
arbeiter; das Nachtbeden, ſ. v. w. Nachtgeſchirr; die Nachtblatter, zur
Nachtzeit zuweilen ausbrechende ſchmerzhafte Blatternz die Nachtblume, eine
bei Nacht aufblüpende Blume, instef, eine oftind, ſternförmige Blume der Art
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Nacht 245
(Nyctantdes L.); dad Nachtbrod, Nachteſſen, oberd, f, Abendeſſen (ſ. o.)5
der Nachtdrud (ſ. Drud), ſ. v. w. Alps; die Nachteule, überh. f. Eule (ſ. d.),
beſ. die gemeine braune Eule; auch einige Arten der Nachtfalter: Nachteulchen;
ber Nachtfalter, Nachtſchmetterling (vergl. Falter); der Nachtfroft, nächt—
licher Froft, bef. im Frühling oder Herbſt; dad Nachtgarn, =neb, ein £er:
chengarn, mit welchem Lerchen, 5* 2c. zur Nachtzeit geſtrichen werden;
der Nachtgedanken, nächtlicher, beſ. finfterer, trübſeliger Gedankenz das
Nachtgeſchirr, Geſchirr zum Urinlaſſen, Nachttopf; dad Nachtgeficht, -ge—
ſpenſt, nächtl. Geſicht, Geſpenſtz das Nachtgeſtirn, bei Nacht leuchtendes
Geſtirn, der Mond; dad Nachtgewand, ſ. Nachtkleid; die Nachtgleiche,
die Zeit im Jahre, wo Tag und Nacht gleich lang ſind (fr. Aquinoctium), im
Frühling d, 21. März, u, im Herbſt d. 21. Sept. (Frühlings- und Herbft:
Nachtgleiche); die Nachthaube, eine Haube zur Kopfbedeckung bei Nacht, Schlaf—
haube; dad Nachthaus,-haͤuschen, Schiff, das bei Nacht durch eine Lampe
erleuchtete Behättnife des Kompaſſes; die Nachtherberge; die Nachtigall,
M.-en (v. Nacht u. Gall, Schallz vergl. gellenz; altd, nahtigala, nahte-
gal; ſchwed. näcktergal, engl, nightingale ; die Nadhtfängerinn), ein befannz
tee Singvogel, welher feinen ſchönen Gefang vorzüglich bei Nacht hören läſſt;
man unterfcheidet zwei Arten: den röthlihbraunen Zagefhläger od. Rothz
vogel, u. den mehr grauen Sproffer, Sprofsvogel od. Nachtſchlä—
ger; uneig. ehem, eine Art des groben Geſchützes; der Nachtigall= od. Nach—
tigallenton 20.5 bie Nachtjagd, eine bei Nacht angeſtellte Jagd, Fackeljagdz
bie Nachtkerze, uneig. eine amerikan. Pflanze (Önothera L.); dad Nacht—
kleid, ein Kleidungsſtück, welches man entweder Nachts im Bette, od. auch
Morgens und Abends vor od, nac) dem vollen Anzuge trägt; fammtliche Stücke
. der Art machen die Nachtkleidung od, dad Nachtzeug (fe, das Neglige oder
Des habille) aus; einzelne dazu gehörige Stüde find: die Nachtjiade, das
Nächtkamifol, =mieder, = wamms, der Nachtrod, mantel; die Nachts
haube, =müßeıc.; dad Nachtlager, das nächtliche Lager, ber nächtliche
Aufenthalt, und der Ort, wo man übernachtet; die Nachtlampe, das Nachts
licht, eine Lampe, ein Licht, welches man die Naht über im Schlafzimmer
brennen Läfts die Nachtliebfte, eine Art oftind, Tuberofenz die Nachtluft,
kühle Luft zur Nachtzeit; das Nachtmahl, oberd. f. Abendmahl, bef, das
heil, Abendmahlz der Nachtmahr (f. Maͤhr), auch das Nachtmännchen,
landſch. f. der Alps der Nachtmeifter, Hüttenw. ein Hüttenmeifter, welder
die Schmelzhütten in der Nacht beaufihtigts der Nachtmenfch, Menfchen,
welche bei Nacht follen fehen Eönnen (Albinos); die Nachtmotte, e fchabe, zur
Nachtzeit herumfliegende Motte; die Nachtmüge, eine Müse zur Ko pfoededung
bei Nacht, bef, für Männer, verſch. Nachthaube; uneig, gem, ein trüger, eins
fältiger Menſch, Schlafmütze; der Nachtnebel, ein Fehler des Gefichts, wobei
man in der Dümmerung blödfichrig ifts dad Nachtpfauenauge, ein dem
Pfauenauge ähnlicher Nachtfalter; der Nachtpocher, Bergw., ein Arbeiter,
welcher in dem Pochwerke über Nacht die Aufſicht hat; der Nachtrabe, vers
fchiedene bei Nacht herumfliegende Vögel, namentlih: die Nachteulez eine Ark
Kleiner Reiber: Nacht-, Schild-, Fiſchreiher; bef. die Nachtſchwalbez uneig,
f. Nachtſchwärmer, od, Nachtarbeiter z der Nachtriegel, ein zur Sicherheit bei
Nacht vorgefhobener Riegel; der Nachtrock, f. Nachtkleid; die Nachtruhe,
nädtlie Ruhe, nächtlicher Schlaf; die Nacptrunde, ; Soldaten : Runde zur
246 Nacht
Nachtzeit; der Nachtſchatten (von undeutlicher Abſtammung), 1) ein Pflan:
zengefhleht (Solanum L.) von verſchiedenen Arten, alö: der ſtrauchartige
Eletternde Nachtſchatten (engl. nighr-shade) mit blauen oder weißen,
bef, bei Naht angenehm riechenden Blumen, aber fhaslihen Beeren, auch
Bitterſüß, Mäufeholz, Hinſch- oder Hintſchkraut, wildes Selängerjelieber ge:
nanntz; der gemeine Nachtſchatten mit weißen Blüthenfträußen u, ſchwar—
zen Beeren, auch Säukraut, oberd. Morde genanntz der Enollige Nat:
fhatten: die Kartoffel (1, d,); bee fhHwarzeod, braune Nadhtfhat
ten: die Enollige Braunwurz, das Feigwarzenfraut, u. m. a.; 2) f. Nacht—
fhwalbe (vr. Nahtfhaden); die Nachtjchicht, Bergw. die Schicht (f. d.)
in der Nacht von 8 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens; der Nachtichichter,
Bergw. f. Nachtarbeiter znachtichlafend, Bw., gem. unr. bei nachtſchlafender
Zeit f. zur Beit des nächtlichen Schlafes; der Nachtfchläger, f. o. Nachtigall;
der Nehticntetterling, nur bei Nacht herumfliegende Schmetterlinge, Nacht:
falter; die Nachtfchwalbe, eine Art großer Schwalben, afhgrau mit fhwar:
zen Streifen und mit bärtigem Unterſchnabel, rur bei Nacht ausfliegend, auch
großbärtige Schwalbe, Biegen: oder Kindermelker, Milhfauger, Nachtrabe,
= vogel, = fhaben oder » fihatten genannt ; der Nachtichwärmer, die Nacht-
ſchwaͤrmerinn, wer Nachts herum ſchwärmt oder ſich beluſtigt; die Nacht—
ſchwaͤrmerei; der Nachtſchweiß, nächtlicher Schweiß, beſ. bei auszehrenden
Kranken; das Nachtſiedel od.-ſedel, ehem. f. Nachtlager; das Nachtſitzen,
Aufſitzen und Arbeiten bei Nacht (fr, Lucubriren); der Nachtſitzer ꝛc.; das
Nachtſtellen, Jäg. das Umſtellen eines Gehblzes bei Nacht; das Nachtſtuͤck,
ein Gemälde oder Kupferſtich, auf welchem eine Handlung, Gegend ꝛc. mit
' nädtliher Beleuchtung dargeſtellt iftz der Nachtftuhl, ein ſtuhlähnliches Ge:
räth zu Ausleerungen des Leibes dienend, Leibſtuhl; der Nachttifch, ein Eieiner
Tiſch, ben man Nachts neben dein Bette ftehen hat und beim Aus= und An:
kleiden gebraucht, Pugtifch «fr, Toilette); der Nachttopf, gem, f. Nachtge—
ſchirr, ſ. de; die Nachtuhr, eine Uhr, welche die Stunden in der Nacht
inittelft des Mond: und Sternerlichtes anzeigt; die Nachtviole, eine Pflanze,
beren violenähnlihe Blumen nur bei Nacht angenehm riechen (Hesperis L.);
der Nachtvogel, jeder nur Nachts ausfliegende Vogel, insbef, f. Nachteule,
Nahtrabe, Nachtſchwalbe; auch f. Nahtfalterz uneig. f. Nachtſchwärmer; die
Nachtwache, zur Nachtzeit verrigtete Wache; eine bei Nacht wachende Per: _
fon; aud) die Zeit, welche eine Wade bei Nacht auf ihrem Poften zubringen
muſs, ehem, der dritte oder vierte Theil der Nacht (die Nacht hatte vier Nachts
wachen); dad Nachtwachen; der Nachtwächter, bffentl. angeftellter Wäd:
ter auf den Straßen der Städte bei Nacht; daher das Nachtwächterhorn,
lied 2.5; nachtwandeln, feltener: nachtwandern, untrb; ziellof, 3w, m,
haben, bei Naht herummandeln, bef, ohne Bemwufftfein mit gefdloffenen
Augen als Mondſüchtiger; der Nachtwandler, die Nachtwandlerinn, wer
nachtwandelt, Mondfüchtiger 26,5 der Nachtwanderer, ein Wanderer oder
Sußgänger bei Nacht; der Nachtweifer, Schiff. ein Werkzeug, mittelft deſſen
man die Entfernung des Nordſterns vom Pole miſſt; der Nachtwind, nächtli—
her, kühler Wind; die Machtzeit, die Seit und Dauer der Nacht; dad Nacht-
zeug, 1. v. w. die Nachtkleidung; der Nachtzug, Jäg. das Umziehen eines
Gehölzes bei Naht mit Tüchern 0,5 — Ableit. nachten, zielloſ. Zw, m,
haben, unp. ed nachtet, d, i. es wird Nacht, dunkel, entg. es tagt;
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nachtanzen — nachtreiben 247
auch f, es ift Nacht oder finfterz nächten cder abgek. näct (altd, nähten;
eig. in, dann vor der verflofienen Naht), oberd. Nw. ber Zeit f. geftern
Abend, überh. gefternz; nächtig, Bw., Nächte enthaltend, aus Nächten
beftehend, Nächte dauernd, nur in Zſetz. wie dreinächtig, übernächtig 2c.;
nächtlih, Bw. u. Nw., bei Nacht gefchehend od. feiend (nächtliche Zufam-
mentunft, Stille zc.); der Nacht ähnlih, angemeffen, alfo: dunkel,
ſchauerlich, traurig; die Nächtlichkeit.
nachtanzen, trb. ziellof. 3w., einem —, m. haben, nad) feinem
Beifpiel oder Borgange tanzen; m. fein, ihm tanzend nachfolgen; der
Nachtaͤnzer ꝛtc.
nachten, Zw., naͤchten, Nw., ſ. unter Nacht.
Nachtheil, m., - ed, M. -e, eig. (o. M.) der nachſtehende, ſchlechtere,
geringere Theil oder Zuftand, entg. Vortheil (im Nachtheile fein, ſich im
Naͤchtheil befinden) 5 überh. f. Schaden, Verluſt, Abbruch, Beeintraͤchti—
gung (es bringt mir Nachtheil, gereigt mie zum Nachtheil 2c.); ferner die
Sache oder der Umftand felbft, welcher Schaden, Verluſt ꝛc. bringt (ver:
fihiedene Nachtheite 2c.); nachtheilig, Bw., Nachtheil bringend, finnv.
ſchaͤdlich, entg. vortheilhaftz die Nachtheiligkeit, dad Nachtheiligfein, die
Schaͤdlichkeit.
nachthun, trb. ziel. 3wm., einem etwas —, es nach feinem Beiſpiele
od. Vorgange thun, ihm gleich thun; hintennach thun.
Nachtigall, w., ſ. unter Nacht.
Nachtiſch, m., was an Obſt, Kuchen, Zuckerwerk u. dgl. nach der
eigentlichen Mahlzeit aufgetragen wird (fr. Deſſert)).
nächtlich, Bw., ꝛc. f. unter Nacht.
nachtoben, trb. ziellof. Zw., einem —, m. haben, nad) feinem Bei-
fpiele toben; m. fein, ihm tobend nachfolgen.
‚nachtönen, trb. 8w. 1) ziellos, hintennady tönen, ſinnv. nachhallen;
2) ziel. etwas —, hintennad) ertönen laſſen; in Tönen nachahmen oder
wiederholen,
Nachtrab, m., der hintere Theil eined im Zuge begriffenen Kriegshee—
red, Nachzug, = hut (fr. Arriere: Garde); nachtraben, teb. ziellof. 3w.,
hinterher traben, trabend nachfolgen,
nachtrachten, trb. ziellof. 3w., einem Dinge —, danad) irachten
(ſ. 2).
nachtragen, trb. ziel. 3w., einem etwas —, eig. ed hinter ihm her
tragen, ihm tragend nachbringen; uneig. eine von ihm erfahrene Beleidi—
gung us dgl, im Andenken behalten, um fie ihm gelegentlic) vorzuwerfen od.
ſich dafür zu rächen; et was —, hintennach, noch dazu tragen (nod) Holz —
u. dgl.); uneig. etwas Ausgelaſſenes od, fpäter Hinzugefommenes hinten=
nach eintragen, d. i. einſchreiben (in eine Rechnung, ein Buch 2c.) 5 die Nach-
tragung, dad Nachtragen; der Nachtrag, -ed, M. =träge, was nach—
getragen wird, 3. B. nachgefihoffenes Geld, f. v. w. Nachſchuſs; bef. ein
hinzugefügter ergänzender, erläuternder oder erweiternder Anhang zu einer
Schrift; nachträglich, Nw. und Bw., ald Nachtrag, die Geftalt eines
Nachtrags habend,
nachtreiben, trb. Zw. 1) ziel. einem etwas —, hinter ihm her trei=
ben; eine Bewegung durch Treiben befchleumigen ; niederd. f nachtragen in
248 nachfreten — Nachminter
uneig. Bed.5 2) ziellos m. Haben, nach oder hinter Jemand treiben, d.i.
hüten; m. fein, hinterher treiben, d. i. ſchwimmend fortbewegt werden 5 der
Nachtrieb, die Nachtrift, ſ. v. wm. Nachhut.
nachtreten, trb. ziellof. Bw. m, fein, einem —, hinter ihm her tre=
ten, ihm auf dem Fuße folgen; bei. uneig. f. ftlaviſch folgen oder nach—
ahmen; daher der Nachtreter ꝛc.; der Nachtritt, dad Nachtreten.
nachtrinken, trb. ziellof. u. ziel. 3,5; nach Jemands Vorgangs, hinten-
nach trinken; nach etwas vorher Öenoffenen trinken (Waffer auf, die
Arznei —) ,
Nachurtheil, ſ., ein hintennach gefällted Urtheil, ein Urtheil, zu ne
man duch Schlüffe gelangt, entg. Vorurtheil.
nachwachfen, trb. ziellof. 3w., hintennach, von neuem wachſen;
einem —, ihm im Wahsthume nachfommen, ihn wachfend erreichen ;
der Nachwuchs, dad Nachwachſen; dad Nachgewachſene.
nahwagen, trb. rüdz. 3w., fih einem —, ihm zu folgen wagen,
nachwägen, trb. ziel. Zw., nochmals waͤgen, bei. zur Prüfung der Ride
tigkeit,
Nachwaiſe, w., vlt. u. oberd, eine nachgeborene Waiſe, ein nach des
Vaters Tode geborenes Kind, (empf fehlenswerth f. das fr. Poſthumus).
nachwalzen, trb. zieltof. 3m. m. fein, einem —, nad) feinem Bei—
fpiele, 0d. hinter ihm her malzen, ihm walzend folgen,
nachwaͤlzen, trb. ziel. Zw., hinterher, oder noch dazu waͤlzen.
nachwandeln, =wandern, teb. ziellof. Zw. m. fein, hinterher wandeln
0d, wandern; einem nach wan deln uneig. f. nach feinem Beifpiele han⸗
deln, ihm nacfolgen ; der Nachwandel, der Wandel, d. i. dad Verhal⸗
ten nach eined Andern Beifpiele; der Nachwandler, wer nachwandelt.
Nachweh, fe, bei. M. die Nachwehen, hintennach, 3. B. nad) über:
ftandener Krankheit, insbef. nad) der Niederkunft, empfundene Schmerzen;
uneig. die unangenehmen Folgen eines Zuftandes, Ereigniffes 2c. (4. B. die
Nachwehen des Krieges).
nachwehen, trb. 3w.. 1) ziellos m. Haben, hinterher wehenz 2) ziel.
wehend hinterher treiben (der Wind wehte mir den Staub nad).
Nachwein, mi, ſ. v. w. Lauer (ſ. d.), Lauerwein, Treſterwein.
nachweinen, trb. zielloſ. Zw., einem, hinter ihm her weinen, feine
Betrübniſs über einen Scheidenden, Serfkurbinen 2c. weinend äußern.
nachweiſen, trb, ziel. Zw., einemetwas—, ihm anzeigen, wo «8
gu finden iſt; et was —, duch Aufzeigung von Beweigmitteln, Urkun—
den ꝛc. darthun (fein Recht); die Nachweiſung; der Nachweifer, wer
Nachweiſungen giebt; auch f. ein Regiſter; dad Nachweifebuch (fr. Adrefs:
buch); die Nachweifungsanftalt, = ftube (fr. Intelligenz = Gomptoir).
Nachwelt, we, o. M., die nad) und lebende Menfchheitz vergl. Mitz,
Vorwelt.
nachwerfen, trb. ziel. Zw., einem etwas —, es hinter ihm her
werfen; etwad — ‚ bintennach, noch hinzu werfen,
Nachwillen, m., ein fpäter gefaffter Entſchluſs; insbef. landſch. ein
bem letzten Willen beigefügter Anhang (gut f. das fr. Codicill).
Nachwind, m., ein von hinten wehender, alfo günftiger, Wind,
Nachwinter, m., Winterfälte zur Frühlingezeit.
nachwirken — nadet 249°
nachwirken, trd. ziellof. 3w., hintennach wirken, feine Wirfung fpäter
äußern; die Nachwirkung (4. B. einer Arznei, einer Cur xc.).
nachwollen, trb. zielloſ. Zw., einem, auslaſſ. f. nachfolgen wollen.
Nachwort, ſe, eine kurze Nachrede, entg. Vorwort,
nachwünfchen, teb. ziel. 3w., einem etwas —, ed ihm ald Wunſch
nachfolgen laffen, nachfendenz die Nachwuͤnſchung.
nachzahlen, trb. ziel. 3w., hintennach, fpäter, noch hinzu zahlen.
nachzählen, trb. ziel, 3w., etwas Gezaͤhltes nochmals zählen zur Prü—⸗
fung der Richtigkeit; auch bloß f. zählen; die Nachzahlung ; der Nachzaͤh⸗
ler, Hüttenw. ein Aufſeher, welcher die aus der Grube gezogenen Kübel zählt.
nachzaubern, teb. ziel. 3w., nad) eined Andern Vorgang zaubern;
zaubernd nachbildenz; durch Zauberei nachfolgen machen,
nachzeichnen, trb. ziel. 3w., nach einem Mufter zeichnen, zeichnend
nachbildenz die Nachzeichnung, dad Nachzeichnenz; eine nach einem
Mufter gemachte Zeichnung (fr. Copie)s der Nachzeichner,
Nachzeit, w., felten f. die zufünftige Zeit, entg. Vorzeit,
nachziehen, trb. Zw. 1) ziel, et was —, hinterher, Hinterdrein ziehen;
uneig. zur Folge haben, gew. nad) fid) ziehen; 2) ziellos m. fein, hinter=
her ziehen, im Zuge nachfolgen; üderh, f, nachreiſen, nachfolgen bef, mit
Gepäckz Jäg. dem Wilde —, nachgehen, es aufſuchen; einem —, insbef,
ihm in der Veränderung der Wohnung oder des Wohnortes nachfolgenz
m. haben, hintennach, noch, mehr ziehen (das Zugpflafter hat noch nachge—
zogen); die Nachzucht, was nad) andern, zuletzt gezogen od, aufgezogen
wird, bef, die letzte Zucht, d. i. die letzten Jungen der Bienen vor dem Winter;
der Nachzug, ein nachfolgender 8 Zug, be, ſ. v. w. Nadtrab; der Nach
zügler, wer zum Nachzuge gehört, bef. ein abfichtli im Rüden des Heers
zurücdbleibender Seldat, um zu plündern 26, (fr. Marodeur).
nachzirkeln, teb ziel, 3w,, zirkelnd, ängftlich genau nachbilden.
Naden, m., —s, Mm. E. (altd, hnacho u. ancho; angelf, hnecca,
engl. neck 5 isländ. hnacki, dan, nakke; niederd, Nadez ſchwäb. Anke; verw,
mit Anke, Unkel (f. d.), griech, &yzwv, lat, angulus; und andrerfeits mit
neigen, niden, Genick; Urbed, das Biegfame), der hintere Iheil des Halfes,
fo weit die Haldmirbel gehen, bef. am menſchl. Körper; in weiterer Bed,
überh, Hinterhald u, Ruͤcken (gem, uneig. einem auf dem Nacken liegen, d, i,
ihm zur Laft fein; einen harten od. ſtarren Naden haben, d, i, ffarrfinnig fein,
vergl, hartnädig; einem ben Naden beugen, d. i, feinen Starrfinn brechen) 5
auch f, die langen Nackenhaare beim weibl, Geſchlecht, der Nackenwulſt (fr,
Chignon); dad Nadenhaar, Hinterhaarz der Nadenfchlag, uneig, gem. f.
üble Nachrede, Unannehmlichkeiten (Nackenſchläge —— — nadeln,
zielloſ. Zw., oberd, f. wanken, wackeln,
nacket, gem. zgez. nackt, auch nackend, Bw, (landſch. gem, nadenbig, nadig,
nackicht; goth, naqvarhs; altd. ns nacchut, nacket; angelf, nacod,
eng!, naked; island, naktr, ſchwed. nakot, dan, nogenz niederd, naakt; lat,
audus?), unbefleidet, bis auf die Haut entbloßt, vom menſchl. Körper
(nadt u, bloß; den Nackten kleiden; eine nackte Geftalt; nadte Arme, Bruft 20,3
in der anftändigen Umgangsfpr. lieber durch un bekleidet, bloß erfegt) 5 von
Thieren, Pflanzen, dem Erdboden 2c,, ohne Haare, Federn, Blätter ıc,
über unbewachfen, unbedeckt, finno, Fahl Kein nadter Hund, Vogel; Pflanze
250 h Nadel — naffen
ein nackter Stengel, Halm; dienadte Gerfte, eine Art Gerfte ohne Hülſen;
die nadte Erde, nadte Felſen; ein nacktes Schwert, d. i. ein aus ber Scheide
gezogenes) ; nacktarmig, =beinig ec. Bw,; die Nacktheit (gem, Nadigkeit,
— Nackte), dad Nacktſein; etwas Nacktes, eine nackte Stelle, ſinnv.
löße,
Nadel, w., M.-n, Verkl. das Naͤdelchen, (gotb. nerhlaz altb,
nadala; angelf. nädl; engl, needle; isländ, nal, ſchwed. näl ; niederd. Natel;
von nahan, nähen), die Fleinen fpigigen frählernen Werfzeuge zum Nähen,
Naͤhnadeln (fi mit der Nadel nähren ; etwas mit der heißen Nadel nähen, d, i.
eilfertig und ſchlecht) in weiterer Bed, ähnliche Werfzeuge zu andern Zwe⸗
en, z. B. die Nadeln der Kupferftecher, der Goldſchmiede 21, Strick-, Kom:
pafsnadel; bef. um etwas damit zu befeſtigen: Steck-, Haarnadeln 2c, 5 die
Nadel in einem Flintenſchloſſe, d, i, das ftählerne Stud durd) defien Druck das
Gewehr losgeht; (ſprichw. landſch. etwas bei einem auf der Nabel haben, d, i,
einen Verweis, eine REM zu empfangen haben); die ſchmalen, fpigigen
Blätter der Fichten, Tannen ꝛc., auch Tangeln genannt; Naturk. verfchie=
dene Schalthiere, 3. 8. die gekerbte od, gefrönte, die ummundene Nabel, See—
nadel 20, — 3ſetz. die Nadelbahre, Strumpfw. das Stück des Wirkftuhles,
worin die Nadeln ſtecken; nadelbereit, Bw, Tuchm. völlig fertig zur Bear-
heitung mit der Nabel (Tuch); die Navelbinfe, Eleinfte Binfe, Spiegbinfe 5
das Nadelblatt, nadelförmiges Blatt, Zangel, ſ. 0,5 die Madelbüchfe,
eine Keine Büchfe. zu Näh- und Stecknadeln; der Nadeldrath, Drath, moraus
Nadeln gemacht werden ; die Nadeldrufe, eine in Geftalt kleiner Nadeln an-
gefchoffene Drufe, Spießdrufe ; die Nadelfeder, die Feder eines Slinterfäloffes,
welche die Nadel (ſ. 0,) mit dem Schlagſtücke zuſammenpreſſt die Nadelfeile,
feine, runde Feilen der Goldſchmiede; der Nadelfiſch, dünne, lange Fiſche, beſ.
diejenige Urt, deren Kiemen zuſammengewachſen find, Hornfiſch, Meernadel ꝛc.;
nadelfoͤrmig, Bw.; dad Nadelgeld, eig. Geld wofür man Nadeln kaufen
foll, in weiterer Bed, ein Sahrgeld für Frauen zu Pug und Kleinen Bedürf:
niffen; dad Nadelgras, Alpenwegerich; das Nadelholz, Bäume, melde
ftatt der Blätter Nadeln od, Tangeln haben, z. B. Fiäten, Tannen ꝛc., 3.U, v.
Laubholz; ein aus folhen Bäumen beftehendes Gehblz; der Nadelferbel, ein
dem Kerbel verwandte: Pflanzengefchlecht mit langen, fpisigen Samentdrnern,
Hechelkamm, Schnabelmbhre; das Nadelfiffen, ein Kiffen, Näh- u, Sted-
nadeln darauf zu ſtecken; der Nadelknopf oder =Fopf, der Knopf einer Sted-
nadel; dad Nadelöhr, das hr (ſ. d.), d. i, die Kleine ffnung an dem dickeren
Ende der Näh-, Pack-, Schnürnadeln ꝛc.; der Nadelſchaft, der mittlere,
gerade Theil einer Nadel z. U, dv, der Spitze und dem Kopfe; die Nadelſpitze;
der Nadelftein, vit. fe Polftein, Magnet; der Nadelftich ; die Nadelſtreu,
Landw. die Nadeln des Nadelholzes ald Streu in den Viehftällen, z. U, v. Laub:
und Strohſtreu; der Nadelwicler, ein Nachtfalter, welcher die Fichtennadeln
zufammenwideltz der Nadelwurm, ein nabelförmiger Spulwurm in den Ge: _
därmen verfchiedener Fifhe und Vögel; — Ableit. nadeln, ziel: Zw. felten
f. mit Nadeln verfehen oder befeftigen; Schuhm, f. annähenz der Nadler,
- 3, ein Handwerker, welcher Näh = us def. Stecfnadeln verfertigt, landſch.
Heftleinmader, Spengler; die Nadlerwaare, allerlei kurze Metallmaare,
naffen, napfen, nafzen, naffezen, (engl, nap, angel, hnappian ; vergl,‘
d, griech. Unvog) ziellof. Bw, oberd, f. ſchlafen, ſchlummern, ſchlaͤfrig fein.
|
«
Nagel 251
Nagel, m., -d, M. Nägel, Verkl. dad Nägelchen, oberd, Naͤ—
gellein oder Nägelein, (in beiden Bed, altd, nakal, nagal; ſchwed. nagel;
angelf. nägel, engl, nail; von nagen, f. d,) 1) die hornartige Bedeckung der
äußeren Enden der Finger und Zehen der Menfchen und einiger Thiere, da
die meiften Klawen oder Krallen (f. d.) haben, (die Nägel abfehneiden, mit
den Nägeln Eragen); uneig. Pflanz. der unterfte Theil eines Blumenblatteö;
auch die Länge eined Nageld ald Laͤngenmaß = 2 30ll; ein weißliches Fell
im Auge, auch dad Nagelfell 3 3feg. dad Nagelbein, Anat, f. Shränenbein,
wegen der Ähnlichkeit mit einem Fingernagel ; die Nagelblüthe od, der Nagel⸗
flecken, weiße, woltichte Steden in den Nägeln; dad Nagelgeſchwuͤr, ein
Geſchwür an oder unter dem Nagel; das Nagelfraut, eine Wiefenpflanze
(Illecebrum L.), welche man für heilfam gegen Nagelgefhwüre hält; auch eine
Art Habichtkraut oder Mäufeöhrchen, welche gegen Nietnägel gebraucht wird;
der Nagelmage (ſ. Mage), vlt. Rfpr, ein Verwandter im fiebenten Grades die
Nagelmufchel, eine zweifhalige, walzenfdrmige, an beiden Seiten offene
Muſchel; dir Nagelprobe, Probe des völligen Austrinkens eines Glafes, indem,
FR
wenn man es umgekehrt auf den Nagel fest, nur ein Tropfen darauf flehen
bleibt; der Nagelftein, ein Edelftein von der Farbe der Nägel (fr, Onyr) 5 der
Nagelzwang, der Schmerz, welchen Nietnäget verurſachen ; Ableit. nageln,
ziellof. Zw,, Jäg. mit den Nägeln oder Klauen in den Boden eingreifen
(dev Fuchs Hat genagelt); — der Nagel 2), ein langed, an einem Ende
zugefpigted, am andern meift mit einem Kopf verfehened, gem. eiferned
Werkzeug zum Verbinden und Zufammenhalten, aud etwas daran aufzuhän-
gen, 3. B. Band:, Brett:, Huf-, Latten:, Schloſs-, Schuhnagel 21,3 ein
hölzerner Nagel heißt gew, Pflod, ſ. d.; (einen Nagel einfchlagen; etwas mit
Nägeln befeftigen; anſchlagen 2c,5 etwas an den Nagel hängen, auch uneig, f.
fi nicht mehr damit befchäftigen, es vernachläffigen ; einen Nagel haben, uneig.
f. ftolz, hochmüthig fein); in weiterer Bed, aud die Wirbel an Saiten—
Werkzeugen; im Wirtemberg, der fechzehnte Theil einer Klafter, rveil das
Klaftermaß mit 16 Nägeln bezeichnet iftz fe. der Nagelbohrer, ein Eleiner
Bohrer, die Löcher zu den Nägeln damit vorzubohrenz; das Nageleijen, ein
vierediges Eifen, worin die Nagelküpfe gefchmiedet werden; nagelfefl, Bw.,
durch Nägel befeftigt, bef, in der Verbindung niet: und nagelfeftz; daß
Nagelfeft, der Nagelötag, ehem. ein Fefttag zum Andenken der Nägel, wos
mit Jeſus and Kreuz geheftet wurde; die Nagelfluh oder = flühe (f. Fluh),
ſchweiz. eine Art Mengftein, aus verfchiedenfarbigen Kiefeln durch Jaspis oder
Thon zufammengefügt, auch Nagelfels, Nageltuff (fr. Breccie) ; die Nagel-
fügung „Anat. eine unbeweglihe Beinfügung nad) Art eingefhlagener: Nägel,
wie die der Bühne in den Kinnladenz der Nagelhagel, Gefhüshagel aus alten
Nägeln u, dgl,; der Nagelhammer, ein Hammerwerk, wo Kleine Eiferiftangen
zu Nügeln gefchmiedet werden; dad Nagelherz, eine ftachlige Herzmufgel 3
der Nagelkopf, die Nagelkuppe, = platte; das Nagelmaal, M. Nägels
maale, Wunden oder Narben von eingefhlagenen Nägeln; nagelneit, Bw.
gem, völlig neu, wie ein ungebrauditer Nagel, vergl. funkelnagelneu; der
Nagelroche, eine Art ftahliger Rochen; der Nagelfchmied, ein Schmied,
welcher eiferne Nägel verfertigt, oberd. aud Naglerz die Nagelſchmiede;
die Nagelfchnede, eine Art Stachelſchnecke; der Nagelfhwamm, ein nagel:
formiger Blätterfhwammz; dad Nagelwerk, ein aus Latten zufammenge:
252 nagen — nah
nageltes Bauwerd; — Ableit, nageln, ziel, 3m, mittelft eined Nagels od,
mit Nägeln befeftigen (ein Schlofs an die Thür 2c,); der Nageler od, Nagler,
-8, mer nageltz Tandfch, f. Nagelſchmied; das Naͤgelchen oder gew. Naͤ⸗
gelein, beſ. in der M. gebr., ein nagelfoͤrmiges Gewuͤrz, ſ. Gewuͤrznaͤge⸗
lein; landſch. auch f. Nelke, ſ. d.ez m. gelbe Nägelein f, Goldlack; der Näs
geleinbaum, Gewürznelkenbaum; auch f. ſpaniſcher Flieder, deſſen Blüthen
auch Räglein- oder Nägelchenbiumen heißen; das Nägeleingras, finger:
förmiges Rietgras ; Ackernelkengras 2,5 das Nägeleinkraut, die Nelkenwurz;
bas Hungerblümdhen; die Becherblume; die Nägeleinnufs, f. v. w. Nelken:
nuſs; die Nägeleinfihmiele, eine Art Schmiele (f, d.) mit nelkenähnlichen
Blüthen, kleines Nägeleingras; der Nägelein= od. Naͤgelſchwamm ‚ein
efsbarer Blätterſchwamm mit gewürzhaftem Gerud) faft wie Gewürznägelein,
nagen, ziellof, u. ziel. Bw, (altd, nagan od, gnagan, Smpf, nuog, Wim. .
naganz ſchwed. naga, gnaga; dän. nagge, nogge; angelf. gnaegan, engl,
gnawz; niederd. gnauen, knauen; griech. zwder, zradcır),, urfpr, überh.
Fragen, fchaben (daher: Nagel); jegt in engerer Bed, mit den Zähnen etwas
von einem feften Körper abfchaben, mühfam abbeißen (an einem Knodjen, an »
einer Brodrinde — 5 aud) einen Knochen —5, uneig, am Hungertude (ſ. d.) —);5
uneig. eine anhaltende, allmählich wen gleichf. verzehrende ſchmerz⸗
hafte Empfindung verurfachen (nagender Hunger, Schmerz, Kummer; der
Gram nagt an feinem Herzen); der Nager, -8, wer nagtz bef, ein nagen=
deö Ihier, ſ. v. w. dad Nagethier, Benennung der Säugethiere, welche mit
vier fpisigen Schneidezahnen nagen, z. B. Mäufe, Ratten, Eihhörnden 20.5
dad Nagemaul, landſch. f, der Zander,
nah od, nahe, Bw, u, Nw., Comp, näher, Sup, nächlt, der, die, das
nächte ꝛc. (urſpr. = nad, fd; goth, neho, nehva, altd, nah, nahi;
Gomp, nahor, Sup. nahisto; niederd, nah, näger, nächſt; angelf. —
neh; engl, nigh, near; isländ. naer), überh. wenig entfernt, entg. fern,
weit, u, wie diefe ein durchaus bezuglicher Ausdruf, (nah und fern); eig, dem
Raume nach (5. B. ein naher Ort, das nächfte Dorfz mein nädfter Nachbar;
nahe dabei ftehen; Eomm näher; komm mir nicht zu nahz ein näherer Weg;
der nächſte Weg, d. i. der Eürzefte zum Biel; daher auch in mehren uneig,
Redensarten, z. B. einem etwas nahelegen,d, i. es ihm fehr bemerklich od,
fühlbar maden, ihm deutlich zu verftehen geben, auch ihn zum Born reizen;
daher eberd, nahe Reden f. kränkende; einem zu nahe treten, di. ihn
Eränfen od, beeinträchtigen; ihm ift zu nahe gefchehen, d, i. Unrechtz; es geht
mir nahe, d, i, eö trifft mein Gemüth, befümmert, ſchmerzt mi); der Zeit
nad) (3. B. der Frühling ift nah; in den nächften, d. i. nüchftfolgenden, Tas
gen, au: nähfter Tage, nadhftens, mit nächſtem; mit nächſter
Poſt ſchreiben; er ift dem Tode nahe; ich war nahe daran zc., d. i. im Begriff) 5
dem Außeren od. inneren Berhältnifd, der Berbindung, Verwandtſchaft ꝛc.
nach, entg. entfernt (ein naher Verwandter; mit Semand nah befreundet fein,
in nähere Verbindung treten; ihm nahe ſtehen; ſprichw. Seder ift fich felbft der
Nächſte; ein naher Freund 2c,) 5 der inneren Befchaffenheit nach (diefe Farbe
kommt der gelben nahe; dies kommt der Wahrheit am nächſten; die nächſte Bes
deutung eines Wortes, d, i, die erſte); landſch. ein näherer Preis f, ein ges
zingerer ; der nächte N rei f. der genauefte; etwas näher od. näheren Kaufs
geben; da wohlfeiler; — der Superl, der, die, dad naͤchſte, als Bw, wu
— —— —
uähen 253
|
Hw,, bem Range, der Würde, dem Anfehen nad) unmittelbar einem Andern
folgend (ich bin nach ihm der nüchſte ec.) 5 der, die Näͤch ſte, als Dw, f.v. w.
Nebenmenſch (du fouft deinen Nächften lieben, wie dich ſelbſt); nächft, ganz
nahe, unmittelbar an etwas grenzend, bef, darauf folgend nad) Raum,
Zeit und Ordnung, 1) ald Nw. (3. B, er wohnt hier nüchſt anz die nächſt folz
gende Nacht; der nächft vergangene Tag 2c,, gew. zgeſ. näch ſtfolgend,
nächſtvergangen); oberd, f, vor kurzem, neulich, juͤngſt (z. B. nächſt,
als ich im Garten war); 2) als Bw, m, dem Dat, ſinnv, zunaͤchſt (z. B. er
ſaß nächſt mir; nächſt dir ift er mir der liebſte; nächſt dem oder dem nächſt,
gew, zgef, nah ſtdem, dem nächſt, d, i, unmittelbar darauf, gleich nachher z
nächftend, Nw. der Zeit, in.einer nahe bevorftehenden Zeit, in Furzer Zeit,
in kurzem (er wird nächſtens ommen) 5; — 3f e$. vd. nah, näher: nahehin,
nahezu, Nw., oberd. f. beinahe, ziemlich; nahefaulig od. nahfaulig, Bw.,
Bauk. von Säulen, die nur 64 Model von einander entfernt find; dad Naͤher⸗
recht, das nähere Recht, welches man vor Andern auf eine Sache bei deren
Verkaufe hat, der Vorkauf, das Einſtandsrecht, auch der Naͤherkauf u, oberd.
die Naͤhergeltung; — Ableit, die Nähe (altd, nahi, nahidaz niederd.
Nägde), dad Nahfein, die geringe Entfernung (die Nähe der Stadt, der
Berwandtfchaftz etwas in der Nähe betrachten); ein naher Ort, eine nahe
Gegend (er wohnt in der Nähe); nahen, ziellof. u. rückz. Zw. (altd. nahan),
alt u, dicht. f. nahe Fommen, fich nähern (ee nahete ſich mir, od, nahete mirz
die Zeit, der Tag nahet heran, od, nahet fi); nähern, Bw, 4) ziel, einem
etwas —, näher bringen; 2) rückz. ſich einem od, einer Sache —, ihr
näher od. nahe kommen, gew, als nahen (er näherte fich uns; der Frühling
nähert fichs fich der Vollkommenheit nähern ec.); die Näherung, dad Nähers
bringen, Näherfommenz nahet oder nahend (alt nadet), oberd. Nw. fı
beinahe, wahrſcheinlich.
nähen, ziel, Zw. (althochd, naan, nahan, nawan; mittelhodhd,.naejenz
niederd. neben, neijenz oberd, ndenz verw, mit nah, urſpr. überh, nah vers
binden, zufammenfügenz vergl, d. griech. veo, 7790, lat, nere, fpinnen;
nectere, knüpfen), mit Nadel und Faden zufammenfügen, mit der Nähs
nadel arbeiten, verfertigen (Hemden, Kleider 2c.); Schiff, f. binden (einen
Bloch); bair. gem, f. pruͤgeln; — 3 ſetz. der Nähbeutel, =Faften, =Forb,
Beutel 2c, mit den Geräthfchaften zum Nühen ; das Nähgarn, die Nähfeivde,
der Naͤhzwirn 2.5 das Nähfiffen, ein Kiffen, auf welchem die Näharbeit
feft geftedt wird; der Naͤhkloben cd, dad Nähbrett, ein Hölzernee Werkzeug
der Sattler, womit fie die zufammenzunähenden Theile auf dem Knie zufams
menhalten; die Nähnadel, f. Nadel; das Nähpult, ein Pult mit einem
Nähkiſſen und Nähkaſten; der Nahrahmen, ein Rahmen, worin eine Näh:
arbeit ausgefpannt wird; der Nähriemen, Sattl, fchmale und dünne Riemen
zum Nähen; der Nähring, ein Fingerring der Schneider zc, zum Andrüden
der Nähnadel; die Nähfchule, -ſtunde ıc.; das Nähzeug, alle Nähgeräth—
ſchaften, die Nüharbeit; — Ableit. der Näher, — s, die Näherinn, M.
-en, wer näht, gem. die Nätherinn f. eine weibl. Perſon, die aus dem
Nähen ein Gewerbe macht; die Näherei, 1) dad Nähen, die Art und
Weiſe zu nähen, bef. verädhtl.; das Nähen ald Kunft und Gemerbe heißt
gew. die Naͤtherei, 2) eine genähete Sache, Näharbeitz der Nähling od.
Nathling, —es, Ms -e, oberd, fo viel Zwirn ꝛc. man auf einmal eins
254 nähern — nähren 5
faͤdelt; — die Nath „M. Näthe, (nicht Nahtz vergl. Gluth, Blüthe sc:
von glühen, blühen), 1) das Nähen, die Art und Weife zu nähen 4. 8.
eine Ihöne Nathz die verborgene, platte, Haus-, Bildernath 2c.)5 2) das
Genaͤhete, der Ort, wo zwei Stücke zufammengenäht find (die Nath ift ge
plagtz die Nüthe bügeln, auftrennenz niederd. fprihw. auf die Nath greifen,
aus der Nath Elauben, näml. der Geldtafhe, d. i. das legte Geld zufammen:
ſuchen; einem auf die Nath fühlen, d. i, ihm ausforfchen); in weiterer Bed.
jede fihtbare nathähnliche Verbindung od, Fuge, 3. B. an Schiffen die mit
Werg verftopfte Fuge zwifchen zwei Planken; der Ort, wo zmei Stüde Blech
zufammengenietet find; die Stelle, wo ein Flintenrohr zufammengefchweißt iſt;
Anat. Verbindung von Knochen, die mit ihren ausgezadten Rändern genau in
einander greifen (4. B. Sch ädelnath); Pflanz. eine tiefe Furche an der Haut
» einer Kapfel; der Nathhafen, Kürſchn. ein beim Nähen der Felle gebrauchtes
sangenartiges Werkzeug; die Nathnadel, Schiff. eine große, dreieckige Segel:
nadel; näthig, Bw., eine Nath od. Näthe habend, gew. nur in Zfeg. wie
einz, zweinäthig 2u,; näthern, ziellof. Zw., landſch. f. nähen, bef. um
feinen Unterhalt dadurch zu verdienen; die Nätherinn, die — ſ. oben
Naͤherinn, Naͤherei.
nähern, 3m.; das Naͤherrecht ꝛe. ſ. unter nah.
Nahmen, m., f. Namen,
nähren, ziel. u, rückz. Zw. (das goth. nasjan, altd. nerian, mittelh. nern,
angelf. nerien hat die weitere Bed. erhalten, retten; vergl. geneſen; ſchwed.
naera ; engl. nurse u. nourish; vergl. d. lat. nutrire, franz. nourrir), einen
oder ſich —, mit Speife oder überh. den nöthigen Unterhaltämitteln ver—
fehen umd dadurch erhalten, vergl. ernähren (ein Kind —5 Gott nährt die
Vögel unter dem Himmel; einen mit etwas —, fi) von cd. mit etwas —); von
Sachen auch ziellos: nahrhafte Theile enthalten, nahrhaft fein (Fleiſch nährt
beffer, als Gemüfe) 5 fernee einen —, ihm feinen Unterhalt verfchaffen
(fein Garten, feine Arbeit nährt ihn); ſich —, feinen Unterhalt verdienen
(ſich kümmerlich, von feiner Hände Urbeit 2c. —5 bleibe im Lande und nähre
dich redlich); uneig. Überh. fi unterhalten, in Sraft u, Ihätigkeit erhalten,
befördern (3. B. ein Feuer, eine Leidenfhaft, den Kummer, den Geift, den
Verſtand —, d. i, durch Unterricht und Übung ausbilden) ; — 3 ſetz. nahrlos,
Bw. (qunächft v. d. altd. Hw. nara, nar f. Nahrung), Eeine Nahrung gebend
(Speifen) ; feine Unterhaltsmittel od. Eeine Gelegenheit zu deren Erwerb gewäh⸗
vend (ein nahrlofer Ort, nahrlofe Zeiten); die Nahrlofigfeit ; der Naͤhrſtand,
derjenige Stand der Menfhen, welder fich vorzüglich mit Hervorbringung und
Verarbeitung der Naturerzeugniffe beſchäftigt, insbef. Aderbauer und Hand:
werker, 3. U. v. Lehr: und Wehrſtand; der Nährvater, die Naͤhrmutter,
ſ. v. w. Pflegevater,⸗ mutter; — Ableit. (zum Theil mit Rückumlaut des ä
in a): der Naͤhrer, - 8, die Naͤhrerinn, -en, wer naͤhrt, Nahrung od,
Unterhalt giebt; nabrhaft, Bw. (v. dem alten Hw. nara, nar f. Nahrung),
Nahrung gebend, viel nährende Theile enthaltend (nabrhafte Speifen) 3
landſch. f. fett, ergiebig (den Boden mit Mift nahrhaft machen); viele Mittel
zum Lebenderwerb darbietend (ein nahrhafter Ort); die Nahrhaftigfeit,
das Nahrhaftfein; nährig, Bw., niederd. f. erwerbfam, fparfam, hause
hälterifch (v. närig, fd); nährlich, Bw. u. Nw., felten f. nahrhaft,
einträglich ; landſch. f. dürftig, Fümmerlih, Enapp, kaum (fi nährlich
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Namen 255
bebelfen, nährliche Zeiten 5 es reicht nährlic zus entweder: fo daſs es zur noth:
dürftigen Ernährung genug iftz od. wahrſch. v. nah, ieländ, naer, engl, near,
nearly, genau, knapp); der Nährling, -ed, M.-e, ein zu ernährender
und zu erziehender junger Menſch (Neum. f. das fr. Aumnus) ; nahrfam,
Bw., wenig gebr, f. gut nährend, fehr nahrhaftz um feine Nahrung oder
feinen Unterhalt bemüht (ein nahrfamer Menſch); die Nahrſamkeit; die
Nahrung, M.-en, was nährt, der nährende, den Körper erhaltende
Stoff (Mitch giebt viele Nahrung) 5 alle genießbaren Körper, Speife und
Tranf, ald Sammelm. 0, M. (einem feine Nahrung gebenz ber täglichen Nah:
zung ermangeln); in weiterer Bed. der Lebensunterhalt u, alles dazu Noͤ—
thige (feiner Nahrung nachgehen; einem feine Nahrung entziehen; gute Nah:
rung haben, d. i. fein gutes Austommen) 5 ferner die Mittel und Öelegenheit
zur Erwerbung des Lebendunterhaltd (eine Stadt hat gute Nahrungs die -
Nahrung geht fchleht u. dgl.)5 landſch. aud ein Gewerbe oder Befisthum,
woraus man feinen Unterhalt zieht (mas treibft du für Nahrung? Brau-,
Schenfnahrung u. dgl.); uneig. Alles, was die Fortdauer einer Sache
unterhält, ihr Gebeihen, ihre innere Kraft fördert od, vermehrt (dem Feuer,
einer Leidenjhaft zc. Nahrung gebenz Nahrung für Geift und Herz 2c.) 5 nah⸗
rungslos, Bw., der Nahrung beraubt; nicht genügende Nahrung gewähren,
vergl. nahrlos (nahrungslofe Zeiten); die Nahrungslofigkeitz dad Nahe
rungsmittel, Lebensmittel, Speifen und Getränfez der Nahrungsmangelz
der Nahrungsfaft, der aus den genofienen Speifen im Wagen bereitete näh—
vende Saft, Milchſaft (fr. Ehylus)z die Nahrungsforge, gew. M. Nah-
rungöforgen, Sorgen wegen des Lebensunterhaltsz der Nahrungsftoff, der
in den Speifen enthaltene nährende Stoff.
Namen, m. (b. als Namez ehem. gew. Rahme, Nahmen geſchr.),
G. Namens, M. Namen, (goth. u. altd. namo; angelf. nama, engl.
name; iöländ. nafn, ſchwed. namn 2c.3 gried. Cvoue ; lat, nomen f. gno-
'men; fangfr, naman f. gnamanz v. der ſanskr. Wurzel gna (fpr, dfchna),
griech, 7760, lat, gnosco, nosco, fennenz alfo: das Kennzeichen, Erkennungs⸗
mittel; n. A. von nehmen), jeded Wort, womit man einen Gegenftand
bezeichnet oder benennt, Nenn = od, gem, Hauptwort (3. B. Mensch, Thier,
Pflanze, Stein, Buch, dergl. Namen Gattungs= over Gemeinnamen
heißen, weil fie einer ganzen Gattung von Gegenftänden gemeinfam zufommen 3
das Ding mufs einen Namen haben; etwas beim rechten Namen nennen); in
engerer Bed, die eigenthuͤmliche, unterfcheidende Benennung eines Einzel—
weſens, ein Eigennamen (5. B, Deutfchland, Preußen, die Oder, Berlinz
Johann, Friedrich 20.3 Luther, Göthe ac; ein Gefhlehts:, Tauf-, Vor,
Zu-, Beinamen 2,5 einen mit Namen oder bei feinem Namen nennen; einen
dem Namen nad) Eennen ; den Namen verändern 3 unter fremdem Namen reifen ;
feinen Namen unterfohreiben) 3 bisw. im Öegenfaß der Sache felbft od. der
That (Viele find nur dem Namen nad) Chriftenz er ift nur dem Namen nad,
nicht in der That dein Freund) ; andrerfeits auch f, den benannten Öegenftand,
bef. die Perfon felbft und deren perfönlihes Anſehen, (zu diefer Bed, maden
den Übergang Ausdrüde wie: auf Semands Namen borgen ıc, d. i, als
ob «8 für ihn wäre; in Semands Namen handeln, d. i, fi auf ihn be:
zufend, an feiner Statt, auf fein Geheißz im Namen des Richters; im Namen
Gottes taufenz in Gottes Namen, d, i, unter göttlihem Segen und Bei-
256. | Napf
ſtand; oft mĩſsbräuchlich, um gleichgültige Zulaſſung auszudrücken, 3.3, er mag
es in Gottes Namen thun; fo geh in Gottes Namen! u, dgl, m.; in der älteren
Sprade heißen bie drei Perfonen in der Gottheit: die drei Namenz landſch.
Manns: und Weibernamen f, Manns: und Weibsperfen) 5; ferner f. eine
Geſammtheit gleichbenannter Perfonen, ein Volk, eine Nation ꝛc. (3. B.
er ift ein Feind des chriſtlichen, des deutfhen Namens); der Nuf, die Nach—
rede, die öffentliche Meinung über unfern fittlichen Werth (einen guten
Kamen haben; Semand einen böfen Namen machen; auf einen ehrlichen Namen
halten; fi) einen Namen, einen großen, berühmten 2c, Namen machen) ; —
der Gen, Namend Kanzl, f. im Namen (5. B, Namens des Richters) ; —
3fes. das Namenbuch od, = büchlein, oberd. f. Buchſtabirbuch, Fibelz der
Namenchrift, wer nur dem Namen nad Chriſt ift, Scheinchriſtz fo auch: der
Namenfürkt, =held, =Fünig, u. dgl, m; der Namengeber, wer einer
Perfon oder Sache einen Namen giebt; die Namengebungz; dad Namens
gedicht ‚ ein Gedicht, in welchem die Anfangsbuchſtaben der Verje zuſammen⸗
gelefen einen Namen bilden, -Leiftenverfe (fr, Akroſtichon); namenlos, dicht,
auch namlos, Bw,, ohne Namen, ungenannt oder unbekannt (fr, anonym) 3
auch f. unberühmt z unausfpredlich, unnennbar (ein namenlofer Schmerz); Die
Namenlofigleit; der Namenträger, landſch. aud Namenmeier, in gro:
gen Handlungen ſ. v. w. Buchhalter; dad Namentuch, landſch. ein Tuch, in
welches Mädchen Buchſtaben, Namen, Zeichen ꝛc. ausnähen lernenz der Nas
menwechfel oder =taufch, Verwechſelung der Namen; insbe]. Redek. f. das
fr, Metonymiez der Namenstag, der Tag, deſſen Kalendernamen zugleid)
Semands Zaufnamen iſt; aud) das Namensfeſt, fofern er gefeiert wirds; der
Namenszug, sin Schriftzug, welcher einen Namen vorftellt, bef. die in eins
ander verfhhlungenen Anfangsbuchftaben des Namens; namfundig, Bw., dem
Samen nad) befannt, berühmt ec.; Kanzl.f. namhaft (etwas namkundig machen) 3
auch f. anſehnlich, beträchtlich; — Ableit. namentlih, Nw. u, Bw., mit
Namen, mit ausdruͤckliche Nennung ded Namens; namhaft, Bw. und
Nw., eig. einen Namen habend, bef, ald Nw. einen namhaft machen, d. i.
feinen Namen nennen 5 in engerer Bed, einen berühmten Namen habendz das
her f. nennenswerth, anfehnlich, beträchtlic (4. B. eine namhafte Geld:
fumme, ein namhafter Schaden zc.); oberd. auch f. ausdrücklich, beftimmt
(ein namhafter Befehl); nämlich, Nw. u. Bw. (v. Namen, = namentlid)3
n.%, weniger r. nehmlich v. nehmen), 1) als Nw. die nähere und nament—
liche AUnführung von etwas früher unbeftimmt u, allgemein Angegebenem
einleitend (3. B. es waren mehre Bekannte da, namlih Hr. N. N, 20,5. in dies
fem Fluſſe leben verfchiedene Fiſche, nämlich Hechte, Barfihe, Aale zc.); 2) als
Bw. in Verbindung mit dem Artikel der zc.: der, die, das naͤmliche, d. i.
der vorher genannte, eben derfelbe (die nämliche Sache, der nämliche Menſch;
er ift noch) der Nämliche, d. i. unverändert berfelbe).
Napf, m, -es, M. Näpfez Verkl. das Naͤpfchen (altd. hnapf,
. naph; nieberd, Napp; angelf. hnäpp, ſchwed. napp, ital. nappo, Becher;
vieleicht verw, mit nippen, alfo urfpr. ein Trinkgefäß?), ehem. überh. ein
tiefes Gefaͤß; jegt ein gew. irdenes rundliches Gefäß, welches je nad) dem
verfchiedenen Gebraud bald’ mehr tief, bald mehr breit ift, finne. Schale,
Kumpf, Ah, G- B. Mühe, Suppen:, Spül:, Spudnapf zu; landſch.
uneig. in das Näpfchen treten, di i. ein Verjehen maden, fi bei Jemand
verhafft
napfen — Narr 257
verkafft machen); in ber Naturf, heigen Näpfchen bie Kelche, worin ge:
wiſſe Früchte oder Blumen, z. B. die Eichen, Nelfen 2c,, figenz der Napfs
fuchen, in einer napfähnliden Form gebadener Butterkuchen, Aſch-⸗, Topf:
kuchenz die Napfmorchel, der Becherſchwammz die Napfmufchel oder
efchnedfe, eine Gattung wenig‘ Eegelförmiger Schnecken ohne Windungen,
Schüſſel-, Mulden:, Schalmufhel, Klippkleber 2,5 der Napfftein, napf:
förmige verfteinerte Muſcheln, Schüffelfteine,
napfen, ziel. Zw., im Holftein, f. ftehlen, maufen.
Narbe, w., M.-n, Verkl. dad Närbchen, (altd, narwa; niederd,
Narwe, Narez dan, narv, holl, nerf, erf, ſchwed. narf, ärrz von d, alt:
riederd, naru, engl, narrow, engz verw, mit d, iöländ, naer, engl, near,
nah angelf, nearvjan, verengen; alfo eig, Verengung, Schließung), eine ges
fchloffene, geheilte Wunde und die davon zurtickgebliebine, gem. vertiefte
Spur (Podennarben u, dgl,); ähnliche Vertiefungen auf der dußeren Seite
der zubereiteten Felle, auch f. die ganze Außere Seite einer Haut, auf
welder die Haare waren, die Narbenfeite (entg. Fleiſch- od. Aasſeite) ; Pflanz.
eine Vertiefung an der Spitze des Griffels; ferner landſch. (oberd. Narb,
Näch, Arb) f. die Krampe od. Klammer zu einem Vorlegeſchloſs z der Nar—
benftrich, Weißgerb. das Streichen der Felle mit dem Streicheiſen auf der Nar:
benfeite nach der Zängez narbicht, Bw., narbenähnlih, kraus (das Tuch
narbicht machen); narbig, Bw., Narben od. narbenännliche Vertiefungen
habend (ein narbiges Gefiht,. Leder, Papier); narben, Zw. 1) ziellos m,
haben, eine Narbe bilden, fich zur Narbe fchließen (die Wunde narbt) ;
2) ziel. (auh närben) narbig machen (ein Fell —, d, i. die Haare od, Wolle
abftoßen); genarbt als Bw, f. narbig. -
Narde, w., M. -n (v. dem lat, nardus, griech. v&odog ; eig. morgenländ,
Urfprungs: hebr. nered, perſ. nardin), eine ojtind, Urt ded Bartgrafes mit
einer Ähre (daher auh Spitenarde, d,i, spica nardi’genannt) und einer
langen, gelbsraunen Wurzel von angenehm bitterem Gefhmadz daher dad
wohlriehende Nardenwaffer u. Nardenoͤl; die celtifhe Narde od, der
Nardenbaldrian, eine auf hohen Gebirgen wachfende Art des Balbrians; die
wilde Narde, der Gartenbaldrian ; auch f. Haſelwurz diezahme Narte,
der Schwarzkümmel, aud dad Nardenkraut; das Nardengras , Berften
oder Pfrismengras,
närig, Bw. (v, altniederd. naru, angelf. nearo, engl, near, narrow, eng,
Enapp), ſchwäb. u, nieberd, f. ſparſam, geizig; naͤrlich, Bw. u, Nw. (engl.
nearly) oberd, f. fpärlic), Enapp, kaum.
Narr, m, -en, M.-enz die Närrinn, M. - en; Verkl. dad Närre
hen, (altd, narro; niederd, Nare, dan, nar, ſchwed. narr; vielleicht v. d.
altniederd, naru, angelf, nearu, eng, beſchränkt), überh, wer-der Bernunft
zumider handelt, ein unfluger, alberner Menſch, finnv, Thor, aber härter
und weniger edel als diefes, hisw, auch für das weibl, Gefhleht: der Narr,
neben; die Närrinn, (fei Fein Narr! einen zum Narren machen, haben,
ihn für einen Narren halten, d. i. ihn wie einen unvernlinftigen Menfchen be:
handeln, finnv, ihn zum Beften habenz fich zum Narren machen, d. i. zum
Gegenftande des Gelächters od, Geſpöttes; ſprichw. jedem Narren gefällt feine
Kappe; Kinder. und Narren reden die Wahrheitz ein Narr macht mehre 2c.5
ein guter Narr, wer auf unkluge Weife und zu feinem Nachtheile gutherzig
Heyfe's Bandwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 47
—J Narwall — Naſche
X
iſt; in der vertraulichen Sprache oft ſcherzh. u. ohne Gehäſſigkeit, beſ. Narr:
chen, Närrinn für Kinder und kleine Mädchen) 5 in beſtimmterer Bed, wer
eine unvermünftige, ungeregelte Liebe zu etwas gefaff: hat (ſprichw. gem,
. einen Narren an etwas gefreffen habenz bef. Zfeg. wie Bücher-, Kleider-,
Putz-, Kinder:, Modenarr od.-Närrinn); ferner ein Menfch, der zur Bes
Iuftigung Anderer lächerliche Poffen macht, Luſtigmacher, Poffenreißer,
Handwurft (Gofnarr, Schalksnarr); in engfter Bed, wer des Gebrauchs
feiner Vernunft gaͤnzlich beraubt iſt, ein Verruͤckter, Wahnwitziger; Na-
turk. ein zum Geſchlecht der Gans gehoͤrender Vogel, Einfaltspinſel,
Waſſertoͤlpel; — 3fes. dad Narrenfeſt, ein im Mittelalter um Weihnachten
begangenes Feſt mit allerlei ſeltſamen Poſſen; die Narrenfliege, eine Art
ſchwarzer, rauher Fliegen; die Narrengeſellſchaft oder der Narrenorden,
eine im 16ten Jahrh. errichtete, die Gebräuche der Ritterorden verſpottende
Gefeufaftz; das Narrenhaus, Tollhaus, b. Irrenhaus; dad Narrenheil,
Gauchheilz der Narrenhode, männliches Knabenkrautz die Narrenfappe
oder mühe, Schellenkappe der ehemal, Hof: und Schallsnarrenz uneig. f.
Sturmhut od, Wolfswurz; auch f. verſchiedene Schnedenartenz das Narren=
-Fleid, die aus bunten Flicken zufammengefeste Kleidung eines Narren od, Hans:
wurftes, fo auch: die Narrenjacke; die Narrenkolbe oder der Narrenfol=
ben, ein Kolben (f. d.), wie ihm ehem. die Schalfsnarren trugen; uneig,
landſch. f. Rohr: oder Wafferkolbenz die Narrenpofje, gem, Narrenspoſſe,
bef, M. -n, Poffen eines Narren; überh, närriſche Poffen oder Späße; dad
Narrenfeil, fprigw, am Narrenfeile ziehen, d. i, närriſch handeln; einen am
Narrenſeile führen, d. i. ihn zum Narren haben; der Narrenftein, für Koh:
len gehaltene trockene Beifußwurzeln, denen man alterlei Kräfte zuſchriebz bie
Narrentheidung (f, Theidung), gem, aud Narretei, vlt, fs Narrenpoſſe;
— Xbleit, narren, Bw. 1) ziellos m, Haben, vlt. wie ein Narr handeln,
thöricht handeln; Spaͤße machen, Poffen treiben (gem, aud) närr ſchen);
2) jiek einen —, auch närren, ihn zum Narren haben, necken, aufs *
ziehen; die Narrerei, das Narren, die Neckereiz die Narrheit (gem, auch)
Närrſchheit), der Zuftand u. die Handlungsweiſe eines Narren, finno,
Thorheitz eine närrifche Handlung Narrheiten begehen); narrenhaft oder
narrhaft, gem. närrifch, Bw., einem Narren ähnlich oder angenieffen
(ein närriſcher Menſch, närriſch handeln z ein närrifher Anzug zu); naͤrriſch
insbef. f. poſſenhaft, lächerlich ;, ſeltſam, fonderbar, auffallend (das ift
doch näreifcht); auch f, verruͤckt, wahnfinnig (man möchte närriſch werden).
Narwall, m., — es, M. -e, (ſchwed. narhvall, engl. narwhale, franz.
narval; Nar= Nafe (2), lat, nares, d. i, Hervorragung; Wall,f, Wall
fir), eine Art Wallfifcye mit zwei hersorragenden Zähnen im Oberfiefer,
wovon es aber gewöhnlich nur einen unverfehrt behält, dad See= Einhorn,
Narziſſe, w., M. -n (v, lat, narcissus, gricd, vdozı00og,d, vugzür,
betäuben, wegen des ſtarken Geruds), ein Zwiebelgewaͤchs mit geraden,
- glattem Stengel und einer feheblätterigen , weißen oder gelben wohlz
riechenden Blume, landſch. auch Zeitlofe, Zittelrofe, Oſternlilie, Aprilblume ze.
genannt; der Narzijfeniauch, eine Art des Lauches; die Narzifslilie, ſ.
Liliennarziſſe.
Naſche od. Naſch, w., M. -en, landſch. 1) oberd. f. in Mutterſchwein
(auch Nuſſch); 2) im Holftein, f. Schachtel, Doſe von Holz oder Pappe,
* naſchen — Naſe 269
naſchen, ziel. u, zielloſ. Bw, (altd. nasconz; von hnasc, goth. hnasqvis,
angelſ. hnesc, naesc, engl, nesh, nice, weich, zart, lecker; vergl. d. finn,
naskun, fdmagenz ſchwed, snaska, ſchlingen), aus oder mit Lufternheit
eſſen, bef. wenn es in Eleinen Biffen, heimlich und unerlaubter Weife gefchieht
(etwas, oder von etwas —); uneig, überh, unerlaubt und flüchtig genießen
(die Weiber naſchen gern) ; — 3 fen. der Nafchhunger od, die Nafchluft, die
Luft oder Neigung zum Naſchen; die Naſchkatze, uneig. ſ. v. m. das Nafch-
maul od, = mäulchen, eine naſchhafte Perſonz der Nafchmarkt, au manchen
Orten ein Marktplag, wo Naſchwaaren, Obſt, Geflügel, Wild ꝛc. verkauft
werden; dad Nafchwerf, allerlei Speifen zum Nafchen ; dad Nafchwildbret,
Wildbret, welches über die Grenze in ein fremdes Gebiet übergeht, und dafelbft
geſchoſſen wird, z. 8, ein Naſchhirſch; — Ableit. der Näfcher, —s, die
Näfcherinn, M, -en, wer gern nafchtz die Näfcherei, das Nafchen,
die Neigung und Gewohnheit zu naſchen; etwas zum Nafchen, eine
Leckerei, beſ. M, Näfhereien, ſ. v, w. Naſchwerk; nafchhaft, gem, auch
naſchhaftig, Bw,, geneigt und gewohnt zu naſchen; die Naſchhaftig—
keit; näfchig, oberd, aud genäfchig, Bw., gern nafchend, nafchhaftz die
Näfchigkeit.
Nafe, wi, M.-n; Verkl. das Näschen, (altd, nasa, niederd, Näfe,
angelf, näse u, nosu, engl. nose, island. nös, ſchwed. näsa u, nos; flav,
nos; lat, nasus, ſanskr. nasas), der am Vorderfopfe der Menfchen und
mancher Thiere unmittelbar über dem Munde hervorragende Körpertheil,
welcher dad Werkzeug ded Geruches ift (eine große, lange, Eleine, ftumpfe,
Habichts-, Adler-Naſe 2c, 3 auf die Nafe fallen z durch dieNafe fprechen, ſ. v. w,
näſeln; die Nafe rumpfen, ſ. d.z der Nafe nad; gehen, gem, f. gerade aus,
wohin die Nafe gerichtet iftz es liegt ihm vor der Nafe, d. i, ganz nahe vor
ihm; einem etwas vor der Nafe weg nehmen; ihm die Thür vor der Nafe zu:
maden, d. i. indem er eben hineingehen wollte; aud) in vielen uneig, Redens—
arten des gem. Lebens, z. B. einen mit der Nafe auf etwas flogen, d. i, es ihm
recht fühlbar oder merklich machen; einen bei der Nafe herumführen, d. i. Affen,
anführen; einem etwas auf die Nafe binden oder heftenz ihm eine Nafe drehen,
d, i. ihm etwas weiß madenz einem auf der Nafe fpielen oder herumtanzen,
d, i. ihn geringfhäsig behandeln, zum Beften haben; die Nafe ins Bud) ſtecken,
d, i. mit Aufmerkfamkeit lefen oder lernen; die Nafe hoch tragen, aufwerfen,
d, 1, Stolz, Hohn, Verachtung Außernz entg. die Nafe bangen laffen, mit
einer langen Nafe abziehen, d. i. Demüthigung, Beſchämung, Kleinmuth zei:
gen; daher: eine Nafe bekommen, einem eine Nafe geben, d, i, einen
Verweis); bef, als Werkzeug des Geruchs, daher f. den Geruchfinn oder die
Spürfraft felbft (Jäg. ein Hund verliert die Nafez eine gute, feine Nafe
haben) u, in uneig, Redensarten der Volksſpr. f. Wahrnehmungs: od. Erz
Fenntnifävermögen überh, (3. B, die Nafe überall haben, in Alles fteden, d, i.
fih um Alles befümmern, Alles unbefugt unterfuchen ; einem etwas unter die
Nafe reiben, d. i. es ihm fehr derb zu verftehen geben); auch f. finnliche Be—
gierde (es fticht ihm in die Nafe, d. i. reizt feine Lüfternheit)z; uneig. bef, alt
u, landfch, eine nafenähnliche Hervorragung, 7. B. oberd, u, fehmweiz. ein
vorfpringender Feld, Vorgebirge, eine ins Waffer hineinragende Landfpite
(angelſ. nässe, engl, -ness ; island, u, ſchwed. näs); ein Berggipfelz niederd.
f. Schiffefchnabel; der Hervorragende Theil des Pfluges, der Dachziegeln, des
47#
260 Naſe
Hebels; Hüttenw. die Außerfte Spitze des Gebläſes; Zäg. das Näslein (ver:
derbt: Näſslein, Näſchlein), eine geringe Erhöhung inder Führte eines Hirſches 26, 5
ferner eine mit einer Naſe verfehene Perfon felbft in Zſetz. wie: Breit:,
Stumpf=, Plattnafez oberd, ein eföbarer Fluſsfiſch, größer als ein Häring,
auch Nafe: oder Nafenfifh, Näsling genannt; — 3fes. nasführen,
unteb, ziel, 3w,, gem., einen —, ſ. v. mw, bei der Nafe herumführen, affen,
täufhens das Nashorn, eines der größten vierfüßigen Landthiere mit einem
zurüdigebogenen Horne auf der Nafe, in Afien und Afrika lebend (fe, Rhinos
ceros); der Nashornkäfer, verſchiedene Käferarten mit einem Horn vorn auf
dem Kopfes der Nashornvogel, eine Art Hornvögel in Indien; nas—
ruͤmpfen, unteb, ziellof, 3w,, die Nafe rüwpfen zum Zeichen des Höhne, der
Verachtung 26,5 nafeweid, Bw. (ſchwed, näsvis; vergl. d. lat. nasutus), eig.
weife oder kundig mittels der Nafe, alfo eine feine Nafe, d, i, viel Spürkraft
habend (4. B, ehem, von einem Hunde); jest nur tadelnd: voreilig, unüberlegt
und ohne Befcheidenheit urtheilend oder abfprechend und dadurdy oft beleidigend,
finnv, vorwigig, vorlaut, überklug (ein nafeweifer Rnabe, eine nafemweife
Frage 2); der Nafeweis, —es, M. -e, eine nafeweife Perfon, ſ. v. w.
der ober die Nafeweife; die Naſeweisheit, das Nafeweisfein, die Vorwitzig—
keit; auch eine einzelne Außerung derfelben (M. Nafeweisheiten); — dad Na—⸗
fenband, der heil des Pferdezaumes, welcher über der Naſe des Pferdes liegts
das Nafenbein, der Knochen unter dem Stivnbeine, welcher den oberen Theil
der Nafe bildet; dad Nafenbluten, Biuten aus der Naſe; der Nafenbuch-
ftabe oder -Laut, ein Sprachlaut, bei deffen Hervorbringung der Luftftrom
durch die Nafe geht, z. B.n, m (fr. Nafal); der Nafenbusen, = popel od.
= pöpel, landſch. gem, ber verdickte Naſenſchleimz der Nafenfifch, T. 0, Naſe;
der Nafenflügel, die unteren auswärts gebogenen Enorpeligen Seitenwände
der Nafe, auch Nafenlappenz; das Nafenfreit, (ſ Frett), ein amerikan,
Thier aus dem Geſchlechte der Halbfüchſe mit langer, beweglicher Nafez die
Nafenhöhle, der durch die Naſenſcheidewand getrennte hohle innere Raum der
Naſe; der Nafenkeil, Sattl, ein mit einer Hervorragung verfehener Keil am
Sattel; Hüttenw, ein in den Stichofen über der Form eingemauertes Stück
Eifen; dad Nafenfraut, landſch. f. Lbwenmaul; der Nafenfriecher, eine
Bremfe, deren Larven in den Stirnhöhlen der Rennthiere leben; die Nafen=
kuppe, der unten hervorftehende, gerundete Theil der Naſe; dar Nafenloch,
die Atafenlöcher, die beiden Öffnungen der Nafenhöhlen; der Nafenpopel, f.
Naſenbutzen; der Nafenqueticher, od. die Nafenquetfche, landſch. gem, ein
ſchlechter Sarg mit plattem Dedelz der Nafenring, ein Ring, der einem
Thiere zur Bändigung, od, auch bei wilden Völkern den Menfchen zum Schmud
durch die Nafenfcyeidewand gezogen wird; der Nafenichleim, gem. Ross der
Nafenfchneller, ‘gem, auch -ſtuͤber, ein Schneller gegen die Nafe mittelft
eines an den Daumen geftemmten und losgefchnellten Fingers; die Nafenfpige,
die Äußerfte Spige der Nafe; dad Nafentuch, Schnupf-, Taſchentuch; die
Nafenwurzel, der oberfte Theil der Nafe zwifchen den Augenhöhlenzs —
Ableit. nafen, ziel, 3w., mit einer Naſe verfeben, bef. das Mw. g en a—
fetz uneig. einen — (niederd, näfen), ihm eine Naſe, d, i. einen Verweis
geben; fich —, gem. ſcherzh. fich mit den Nafen berühren, kuͤſſen; nafeln,
zielloſ. Zw., Jäg. mit der Nafe riechen, fpüren, ſchnuppern; durch die
Naſe ſprechen (auch ziel. etwas —); daher der Naͤſelbuchſtabe, -laut,
naſs — Natter 261
ſ. v. w. Nafenbuchftabe 26,1. 0,5 nafig, Bw,, eine Naſe habend, in Zfes.
Mi breit=, Langnafig zc.; der Näsling, —es, M.-e, Naſenfiſch, f. o.
afe, \
naſs, Bw., Comp. naffer, Sup. naffeft, oberd, auch näffer, näffeft, (altd,
naz, niederd, matt; verw, mit d, gried,, voros, Regenwind, verıog, naja, vorte,
Näffez weew, lat, nare, natare, ſchwimmen), von einer Fluͤſſigkeit durch⸗
drungen od, fo damit benetzt, daſs fie dem Auge bemerkbar wird, ein hd:
herer Grad von feucht (f. d.), entg. troden (ein naſſer Bodenz der Regen
macht nafs) ; uneig. gem. f, trunken ob, den Trunk liebend (ein naffer Bruder,
d. issein Säufer) z ferner f. naſs machend, viel Näffe, Regen ıc. bringend
(naffes Wetter, ein naffes Jahr); Kaufm, f. flüffig (naffe Waaren, d. i, Wein,
Bier, Branntwein, DL); das Naſs, —es, 0.M,, dicht, f, Fluͤſſigkeit,
flüffiger Körper; — 3fes. der Nafshaufen, Brau, ein Haufen genäffter
Gerftes naſskalt, Bw., kalt und nafs zugleich (naſskaltes Wetter); das
Naſspochwerk, Hüttenw, ein Pochwerk, wo die Erze naſs gepodt werden; —
Ableit, die Näffe, o.M,, das Nafsfein, die naffe Befchaffengeit, finno.
Feuchtigkeit; auch dad Naffe, Feuchte, Fluͤſſige felbft (ic) der Näffe aus:
fegen; etwas in der Näſſe liegen laſſen 2c.); naflen, ziellof, Bw, m. haben
(nieberd, naten), felten fs naſs fein, Näffe von fich geben; näffen, Zw,
4) ziel, naſs machen, gew, netzen; 2) ziellos f. naſſen; Jäg. f. den Harn
laffen; näffeln, ziel. u. zielloſ. Zw., das verkl. näffen: ein wenig naſs
machen, od, fein; näfslich, Bw,, ein wenig naſs, feucht,
Naflel, w., M.-n, landſch. f Aſſel, ſ. d.
Naſt, m., —es, M.-e (vergl, Knaſt), landſch. f. Aſt, Knorren.
Nath, wi; Naͤther, Naͤtherinn ꝛc. ſ. unter nähen.
Naͤther, m, —8s, M. w. E. (von nähen f, verbinden, flechten ?),
Waſſerb. ein aus Ruthen geflochtener Zaun zur Sicherung eines Damms od.
Ufers gegen das Waffer, ein Strichzaun.
Naͤtſch, m., — es, o. M,, landſch. f. das ſpitzige Rietgras; Borften-
gras od. haarfoͤrmiges Pfriemengras.
natſchen 1. (mit gedehntem a) zielloſ. Zw., ſchleſ. f. mit unangenehmem
Tone weinen; daher der Natſcher, die Natſcherinn.
natſchen 2. (mit geſchärftem a), ziellof, Zw. (ein Schallwort) landſch. f.
fhmasen, vergl. knatſchen.
Matter, w., Mi -n, (goth. nadıs, altd, natara, natere; angelf, nädre,
island, nadr, nadra; lat, natrix, v. nare, ſchwimmen, vergl, naſs; aljo
eig. Wafferfchlangez Landfch. gem, mit Abftoßung des n: Atter, engl, adderz
vergl, Otter), eine Urt Schlangen mit Schildern unter dem Bauche; insbef,
die gemeine Matter, 1 bis 2 Fuß lang und giftig, auch Otter od. Viper ge:
nannt; die gehörnte Natter ꝛe.; der Natterbiſs; die Natterblume, ge:
meine Kreuz= oder Milhblume, auch das Natterzunglein; der Natterhals,
uneig. eine Art Specht mit ſehr gelenkem Halſe, auch der Natterwendel,
Natterzwang, Ditervogel, Wendehals 2c. genannt ; das Natterkraut, Schmeer:
wur; oder fette Henne; Dtterkopfz Pfennigkraut zc,5 die Nattermilch, eine
Pflanze mit Heilkräften gegen den Schlangendijs, deren Wurzel einen milchich—
ten Saft enthält, Schlangenmord; die Natterfchlange oder der Natteraal,
eine Agypt, Schuppenſchlange; die Natterwurz, eine Art Wegetritt mit ſchlan—
genähnlich gekrümmter Wurzel, Schlungen:, Dradenmwurz, Kreböwurzel ac;
4
262 Natur u
auch f, Natterfraut, oder Nattermilch; die Natterzunge, uneig. eine giftige,
verleumbderifche Zunge od. Perfon z eine Art des Farnkrautes mit einem Stengel,
deſſen gelbe Spitze einer Schlangenzunge ähnelt.
Natur, w., M.-en, (althochd. natura neben dem urfpr, deutfchen chnuotz
mittelh, nature; vom lat, natura v. nasci, geboren werden, entftehen), 1) die
- urfprünglich angefchaffene eigenthuͤmliche Art, Befchaffenheit, Einrich—
tung eines Dinges und die in bemfelben unbewuſſt wirkende Bildungskraft (die
Natur der Dinge erforfchen z das Eis ift feiner Natur nad) Ealtz; die Natur des
Menſchen, eines Menſchen; die Naturen find verſchieden; die Natur hilft fi
felbft) ; insbef. die dem Menfchen angeborene eigenthuͤmliche Koͤrperbeſchaffen—
heit (eine gute, ſchlechte, ſtarke, ſchwache, geſunde Natur haben); alt und
landſch. der Geſchlechtsunterſchied und die Zeugungsglieder (die weibliche
Natur; uneig. gem, die Natur iſt ihm dazu zu kurz, d, i, er iſt dem nicht ge=
wachen); auch das aͤußere Verhältnis, in welches der Menfch durch feine
Erzeugung und Geburt verfet ift (das Band der Natur vereinigt Ältern und
Kinder, Gefhroifter ꝛc.)3 ferner die eigenthuͤmliche geiftige und fittliche An—
lage und Befchaffenheit, Sinnes- od. Gemüthdart eines Menfchen (higi:
ger, Kalter, lebhafter zc. Natur feinz die fittlihe Natur des Menfchenz es
widerftrebt meiner Natus ꝛc.); daher überh. das geiftige Wefen (die Natur
Gottes 5 die beiden Naturen in Chrifto: die göttliche und menfchliche), die innere,
voefentliche Befchaffenheit einer Sache (e8 Liegt in der Natur der Sache; die
Natur der Sprade 5 die Natur unferes Verhältniffes u, dgl, m.) 5 in der Theo—
logie ift Natur (entg. der Offenbarung oder Gnade), der Gebrauch der dem
Menfchen als ſolchem anerfihaffenen Kräftes 2) 0, M, die urfprüngliche Art
und Weife zu fein und zu leben mit Ausſchließung alles durch bewufite Thä—
tigkeit des freien Geiftes Hervorgebrachten, daher entg, der Kunſt und mit
dem Nebenbegriff der Unfchuld und Einfalt (im Stande der Natur, der Natur
gemäß leben; der Natur getreu bleiben 3 die Natur ift mit Wenigem zufrieden;
von Natur viel Verftand haben 5 fie ift lauter Natur, d. i. völlig ungekünftelt);
3) 0, M, die durch alle Förperlichen Dinge hindurchwirfende zeugende, ge=
ftaltende und verändernde Straft, als Eins und zwar gew. als ein für ſich
beftehendes Wefen betrachtet (3. B. die Natur wirft nad) unabänderlichen Ge-
fegen; der Gang, der Lauf der Naturz der Stimme der Natur folgen, d. i.
ihren Gefegen ; die Schuld der Natur bezahlen, d. i. ſterben) 4) o. M. der Ine
begriff aller gefchaffenen Dinge, die ganze Schöpfung (Gott und Natur;
in der Natur den Schörfer erkennen; in der ganzen Natur); in engerem Sinne
die irdifche Körpermelt im Gegenfas des Geiftes, daher auch häufig mit Aus:
ſchließung des Menſchen (Menſch und Natur; die drei Reiche der Natur; Natur:
beſchreibung, -—geſchichte ꝛc.), u, entg. den Werken menſchlicher Kunſt, als
Häufern, Städten ıc, (in der Natur leben, d. i, im Freien; die ſchöne, freie
Natur ꝛc.); in den bildenden Künften alle darftellbaren fichtbaren Gegen
ftände, mit Einſchluſs des Menfchen (die Natur nahahmen, nad) der Natur
arbeiten, malen 26,)5 — 3fe$. die Naturbegebenheit od. das Naturereig-
niſs, jedes Ereignifs in der natürlichen Körperwelt; die Naturbefchreibung,
die Befchreibung der Naturkörper, gew. Naturgeichichte, mweldes eig. davon
verfchieden ijt und die Lehre von der Entftehung und den Veränderungen der
Erde und der Naturförper bezeichnet; der Naturbefchreiberz; die Naturbe—
trachtungz der Naturdienft, die Verehrung der Natur als einer allwirken
‘
Natur 263
den Kraftz die Naturerfcheinung, eine Erſcheinung in der natürfichen Welt,
— z3. B. Regen, Gewitter ze. (fr. Phänomen); das Nakurerzeugnifs,.(fe, Na:
turproduct); der Naturforfcher, wer die Naturkbrper und Naturerfceinun:
gen nad ihrem Wefen, ihren Gründen und Gefegen zu erforfchen ſucht; die
Naturforſchung; die Naturgabe, eine natürliche, angeborene Anlage oder
Fähigkeit (fr. Talent); naturgemäß, Biw.; der Natur angemeffenz die Na—
turgefchichte, ſ. Naturbeſchreibung; das Naturgeſetz, Naturgeſetze, die
Geſetze, nach welchen die Naturveränderungen erfolgen; auch die ſittlichen Ver—
nunftgeſetze für unſere freien Handlungen; der Naturglauben, ber natürliche
Bernunftglauben, entg. der, Offenbarung (fr. Naturalismus); der Naturgläu-
bige (fr. Naturalift); der Naturkenner, ⸗kundige; die Naturkenntmifs,
u. (objectiv) Naturkunde, die Wiſſenſchaft von der Natur, ihrer Erzeugniffen
und Erfheinungen im meiteften Umfang, Naturwiffenfdaft; dad Naturkind,
ein Menſch, der im Stande der Natur lebt; der Naturkörper, jedes Natur:
erzeugnifs (fr. Naturalien)z; die Naturkraft, die wirkende Kraft der Natur
überhaupt, und die jedem einzelnen Naturkbrper inwohnende Bildungskraft; die
Naturlehre, die Lehre von den Naturerfcheinungen und : Ereigniffen nad) den
darin wirkfamen Kräften u. Gefesen (fr. Phyſik); der Naturlehrer (fr. Phy—
ſiker); der Naturmenſch, der Menſch im Zuftande der Naturz die Natur=
ordnung, die gefegmäßige Ordnung der Natur; die Nafurpflicht, eine von
der Natur auferlegte Pflicht, z. B. der Altern gegen die Kinder; dad Natur—
recht, ein dem Menfchen als folhem, abgeſehen von der befondern bürgerlichen
Verfaffung, zufommendes Recht, und der Inbegriff diefer Rechte, entg. dem
' bürgerlichen Rechte; das Naturreic), die ganze Natur; die drei Naturreiche,
die drei Hauptklaſſen der Naturförper: das Thier-, Pflanzen» und Mineral:
reich; dir Naturfinn, Sinn für das Leben, die Ordnung und Schönheit der
Natur; dad Naturfpiel, ein Naturförper, den die Natur gleihfam fpielend
bildete, bef. ein folder, der eine zufällige Ähnlichkeit mit Körpern anderer Art
hatz der Naturtrieb, ein in der Natur eines Wefens gegründeter unwillkür-
licher Trieb (fr, Inſtinct; vergl. Kunfttrieb); das Naturvolk, ein im Stande
der Natur, ohne künſtliche bürgerliche Verfaſſung lebendes Volk; naturwidrig,
Bw., der Natur zuwiderlaufend, entg. naturgemäß; die Naturwidrigkeit;
die Naturwiſſenſchaft, ſ. v. w. Naturkunde 'j. o. Naturkenntniſs)5 aud) jede
einzelne darunter begriffene Wiffenfhaft (M. Naturwitfenfhaften); das Natur—
wunder, eine wunderbare Erſcheinung, Einrichtung zc. in der Natur; dir
Naturzuftand; der Naturzwed ꝛce; — Abieit. naturen, ziel, Zw., vlt.,
mit einer gewiffen natitrlichen Eigenthümtichfeit oder, Anlage verfehen (zu
etwas wohl naturet, od. genaturt fein); natürlich, Bw. u.Nw., überh. in der
Natur gegründet, der Natur gemäß od. angehörend; ingbef. 1)won Na—
tur eigen, angelhaffen, -angeboren, im Gegenfag des Angerigneten, Er:
worbenen, Erlernten 2c, (natürliche Fähigkeiten, Triebe; natürliche Bewegun:
gen; die Sünde ift dem Menfchen natürlich; die natürliche Religion, entg. der
geoffenbarten); aud im Gegenfag des Falſchen, finnv, echt, eigen (natürliches
Haar ; die natürliche Geſichtsfarbe) ; in Naturverhältniffen od. Naturgeſetzen
gegründet (Altern und Kinder ftehen in einer natürlichen Verbindung s der na:
türlihe Tod, entg, einem gewaltfamenz natürliche Pflichten und Rechte); finnv,
koͤrperlich, leiblich, zeitlich, entg. geiftig, geiſtlich (das natürliche Leben, -
d. i. das koͤrperliche, thieriſche, entg. dem geiftigenz; der natürliche Tod, d. i.
264 nau — Nebel
der zeitliche, entg. dem ewigen); 2) in der Natur der Sache begründet,
daraus nothmwendig herfließend und folgerichtig zu fihließen (der Wunſch gefund
zu fein, iſt natürlich; die natürlihen Folgen einer Sadhez das ift ganz na=
türlich 3 da er mich oft betrogen hat, fo kann ic) ihm natürlich nicht trauenzc.)5
3) im Stande der Natur befindlich , gearlindet, Daraus hervorgegangen
(dee natürliche Menſch, entg. dem Staatsbürger; die natürliche Freiheit; die
natürliche Erbfolge 3.U. von einer vertragsmäßigenz ein natürliches Kind,
d. i. ein außer der Ehe gleihf. im Stande der Natur erzeugtes) ; be. im Gegen:
fa& des Künftlichen,, verftänsig Berechneten (der natürliche Tag, von Sonnen:
aufgang bis Sonnenuntergang; das natürliche Jahr) 3 abjichtlog, ungekuͤnſtelt,
ungezwungen, ungefucht, einfach, nicht verfünitelt, finnv. das fr. naiv
(ein natürliches Kind; fie hat ein fehr natürliches Weſen; eine natürliche Stel:
lung, Bewegung, Schreibart 2c.); 4) in der Natur ald der allwirfenden
Kraft gegründet u. aus ihren Geſetzen herzuleiten (natürliche Erſcheinungen,
gew. Naturerfcheinungen), entg. unnatürlih, über- oder widernatürlicy (die
natürliche Zauberei; das geht nicht natürlich zu u. dgl. m.); zur Natur, ald
dem Inbegriff der Förperlichen Dinge, gehörend (natürliche Körper, [.v.w. .
Naturkörper); einem Naturgegenftande ahnlich, treu nachgebildet, natur—
getreu (das Bild ift fehr natürlich; eine Rolle fehr natürlich fpielen) 5 die Na=
türlichkeit, dad Natürlichfein, die natürliche Beſchaffenheit in allen Bed. 5
insbef. finnv. Ungezwungenbeit, Kunftlofigkeit, Einfachheit.
nau 1. Bw. u. Nw. (holl. nauw, angelf. hneav; verw. mit nah 2c.5 daher
genau, benaut 2c.), niebderd. f. genau, eng, knapp, Fargz kaum; nauen,
ziel. Zw. (mittelh. nouwen) f. beengen, preſſen, dringen.
nau ?. Nw. (abgef. aus in Au, en ouwe v. ouwe, Au (f. d.) f. Fluſs)
oberd. f. dem Strome nad), ſtromabwaͤrts; daber Zſetz. wienaufahren,
ein Schiff nauführen, nauziehenz die Naufahrt, die Fahrt ſtromab—
wärts, bef. die Fahrt auf der Donau von Ulm bis nad) Ungern, entg. Gegen:
fahrt, Gegenteieb.
Nau, m, —es, M.-e, landſch. f. Dübel.
Nau od. Naue, w., M. -en (alt Nawe; griech. vets, lat. navis) oberd.
Schiff, Laſtſchiff; daher der Naufaprerz die Naufahrt f. Schifffahrt.
nauren, nuren, nureln, ziellof. Zw., ſchwäb. f. ſchlummern, einnicken.
Nebel, m., —8, M. w. €: (altd. nepal, nebul; lat. nebula, griech.
vepeln, dv. v&pos, nubes, Wolke), fichtbarer wäfferiger Dunft in der Nähe
der Erofläche, welcher die Luft mehr oder weniger undurdjfichtig macht, und
wenn er höher in der Luft Schwedt, Wolke heißt (der Nebel fällt, oder ſteigt;
bei Nacht und Nebel davon gehen, f. Nacht); in weiterer Bed. trockne Ne—
bel, nidht=wäfferige Duͤnſte (Sande, Heerrauch, f. d.)5 uneig. etwas
Halbverhüllendes, Verſchleierndes; — Zfes. die Nebelbant, Schiff. einer
Küfte ähnlicher ferner Nebel; der Nedelbogen, ern ar entftehender
mweißgrauer Regenbogen ; die Nebeldede, = hülle, dad Nebelgewand, -kleid,
der Nebelfchleier ꝛc. der Nebel od. etwas Nebelühntiches, fofern es bedeckt oder
verhülltz der Nebeldunft, ferner Nebelz die Nebelferne, die wie in Nebel
gehüllte, nicht deutlich zu erfennende Ferne z der Nebelfleck, Sternk. ein wie
ein weißes Wölkchen erſcheinender Stern, od. mehre, wie in einen Nebel vinge:
hüllte Sterne: Nebelſterne; das Nebelgebilde, die Nebelgeftalt, Gebitve,
Geftalt aus Nebel, Dunſt-, Luftgebitdez nebelgrau, Bw., weißgrau wie
neben 265
der Nebel; die Nebelfappe, eine unſichtbarmachende Zauberkappe, d. i. 3au:
bermantel (Tarnkappe); die Nebelkrähe, afhgraue Krähe mit ſchwarzen Flü—
gen, Kopf und Schwanz, Aſch-, Holzkrähe 2c.; das Mebelmeer, ein weit
ausgebrriteter Nebel, der eine Gegend wie ein Meer bevet; das Nebelreißen,
bair. ein feiner Regenz der Nebelftein, ein trüber, halbdurchſichtiger Halb:
ebelftein (fr. Chalcedon) ; — Ableit. nebelig, sau. neblig, Bw., Nebel
enthaltend, aus Nebel beftehend (Luft, Wetter): nebelicht, zgez. neblicht,
Bw., nebelähnlich; nebeln, Zw. 1) zieltos, meblig fein, bef. unp. ed nes
belt, es fällt oder verbreitet fich ein Nebel; uneig. f. dunfel, unklar fein,
dunkle Vorftellungen lieben; daher ein Nebeler od. Nebler, wer fid) in
dunklen Gefühlen und Vorftellungen gefällt, 2) ziel. in Ableit, u. Zſetz. wie be=
nebeln, umnebeln,
neben, Bmw. u. Nw. (entft. aus d. althochd. in enan, mitteld. en- eben,
neben (vergl. nau 2.), alfo eig. in gleiher Fläche oder Linie; oberd. aud) ne:
bend, niederd. newen, neffen) bezeichnet im Allgemeinen die Nähe eines Din—
ged zur Seite eines andern, im Grgenfag des vor und Hinter, und verſch.
von bei, weldes die Nähe ganz allgemein bezeichnet. Es ift 1) Bmw, a) mit
dem Dat. auf die Frage wo? ein Befinden oder Verweilen dicht zur Seite
eined Gegenftandes anzeigend (3. B. er fist, fteht, Liegt, wohnt 2c. neben mirz
er ging neben mir, oder neben mir her, neben dem Walde hin zc., d. i. er blieb
oder verweilte im Gehen an meiner Seite, an der Seite des Waldes zu. uneig.
neben der Wahrheit vorbeigehen, d. i. fie nicht treffen, nicht fagen); ferner
uneig. einen Zufaß, eine Zugabe zu einem andern Öegenftande, welder
als der vorzüglichere oder die Hauptſache betrachtet wird, ſinnv. außer (4. ©.
bist. du follft Feine anderen Götter haben neben mir; er hat noch verfciedene
Einkünfte neben feinem Gehalte); b) mit dem Acc. auf die Frage wohin?
eine Bewegung oder Richtung dicht an die Seite eined Gegenſtandes an-
zeigend (z. B. er fest, ftellt, legt fi) neben mich; aber: er feste ſich neben
m ir nieder, wenn er ſchon an meiner Seite war und fich nicht erft nad) diefem
Orte hinbewegtez fo auch: der Ball fiel neben mich hin; aber: der Ball fiel
neben mir, d. i. an meiner Seite, zur Erde; man will den Sohn neben feinen
Bater begraben 2c.)5; — 2) ald Nw. ſteht neben nur in 3feg. und zwar
a) ald zweites Glied in Nw. wie daneben, woneben, hiernebenz b) als
erftes Glied in zgef. Nw. wie: nebenan, nebenbei, nebenher (melde beſſer
verbunden, als getrennt „neben her“ ac. geſchr. werden), u. in vielen Hw.
wie Nebenweg, Nebenbuhler, Nebenſache 2c.3 in allen dieſen Zſetz. bezeichnet
neben theils eig. das nahe Befinden zur Seite eines Dinges (z. B. Neben:
bau, Nebenweg), theils uneig. ein außer einem andern Dinge ſeiner Art
Vorhandenes (z. B. Nebenmenſch, Nebenbuhler) beſ. ſefern es ein Minder—
wichtiges, Untergeordnetes iſt, entg. Haupt-, ſ. d. (3. B. Nebenſache,
Nebeneinkünfte 2c.). Hiernach bedürfen die meiſten hieher gehörigen Zſetz. keiner
befonderen Erklärung, als: die Nebenabſicht, entg. Hauptabfiht; nebenan,
Nw., dicht daneben, zur Seite angrenzend (nebenan wohnen zc.); der Neben=
anführerz die Nebenangelegenheitz die Nebenarbeitz die Nebenart;
die Nebenausgabe; das Nebenband, Anat. ein Band, welches den Haupt:
bändern der Knochen zur Hülfe dient; der Nebenbau; die Nibenbedeutung;
die Bedeutung eines Wortes 2c. außer der Bauptbedeutung ; fo aud) der Neben-
begriff; nebenbei, Nw., eig. daneben, zur Seite (3. B. das Zimmer neben:
266. ; neben
bei); uneig, außer der Hauptſache, ald Mebenfache, gelegentlich, ſinnv. neben:
her, beiläufig (etwas nebenbei fhun, verdienen 2c.) ; die Nebenbefchäftigung ;
der Nebenbeweis; das Nebenblatt, Pflanz. ein zwifchen den Blumen fte-
hendes Blatt, gew. an Geftalt und Farbe von den andern Blättern verfchiedenz
daher nebenblätterig, Bw., ein Nebenblatt oder Nebenblätter habendz der
Nebenbruder, f. dv. w. Mitbruder, Nebenmenfhz; der Nebenbuhler, die
Nebenbuhlerinn, wer mit einer od. mehren andern Perfonen zugleich um eine
u. diefelbe Perſon oder Sache buhlt, d. i. fich bewirbt (fr. Rival); daher die
Nebenbuhlerei; nebenbuhlerifch, Bw. 3 der Nebenbürge, f. v. m. Nad:,
Afterbürge; der Nebenchrift, ſ. v. w. Mitchriſt dad Nebending, ein einem
wichtigern nachftehendes Ding; nebeneinander, Nw., r. getrennt: neben
einander, außer in Bier. wie die Nebeneinanderftellung s der Nebenein=
gangz die Nebeneinkünfte; die Nebeneinnahmez der Nebenerbe, entg.
Haupterbe, ſ. d»3 das Nebenfach; die Mebenfrau, eine Frau, welche man
neben der eigentlichen Ehefrau bat, Kebsfraus die Nebengaffe; dad Neben-
gebäude, Seitengebäude,, oder ein dem Hauptgebäude untergeordnetesz der
Nebengedanken; das Nebengefchäftz das Nebengefihopf, f. v. w. Mit:
geſchöpf; der Nebengewinn oder =gewinftz; das Nebengut, ein von dem
Hauptgute abhängiges Gut; Rſpr. ein. augebradhtes Gut, entg. Erbgutz der
Nebenhalm, ein neben ven Haupthalme aus der Wurzel gewachſener Halm;
die Nebenhandlung ; das Nebenhaus, das zur Seite anſtoßende Haus, Nach—
barhausz nebenher, Nw., eig. daneben, zur Seite fi) bewegend (nebenher
gehen, reiten ꝛc); uneig. ſ. v. w. nebenbei, beiläufig, als Nebenfadye (etwas
nebenher thun); die Nebenfammer; die Nebenkirche, eine der Haupt = od.
Mutterkirche untergeordnete Tochterkirchez fo au die Nebenpfarre; die Ne—
benkoſten; der Nebenmann, ein Mann, der ſich zur Seite eines andern .
befindet, bef. als Soldat im Gliedez ein Mann, welchen eine Frau neben ih-
vom rechtmäßigen Ehemann hatz der Nebenmenfch, f. v. w. Mitmenſchz der
Mebenmond, der Widerfchein des Mondes in der mit Dünften angefüllten
Luft, als ein zweiter Mond neben dem wirklichen erſcheinendz fo auch die Ne—
benfonne; die Nebenniere, Anat. ein drüfenartiger Körper Über jeder Niere,
welcher eine röthliche Feuchtigkeit enthält; der Nebenpfad ; der Nebenpfeiler,
Bauk. der Pfeiler zwiihen zwei Bogenftellungen,„ welcher Kragfeine hatz die
Nebenpflicht; die Nebenpforte; der Nebenpunkt, entg. Hauptpunkt, -
f.d.5 die Nebenregel; die Nebenrolle, jede untergeordnete od. minderwich⸗
tige Role in einem Schaufpiel 2.5 di ebenfache, eine der Hauptſache nach—
ftehende, minder wichtige Sache; der Nebenſatz, Sprachl. ein dem Hauptfag
unfergeorbneter, grammatifch unfelbftändiger Satz; der Nebenfchofs oder
-fchöfsling, Gärtn. ein neben dem Hauptfchoffe, d. i. nicht auf dem Schnitte
des vorigen Jahres hervortreibender Schoſs, Wafferfhofsz die Nebenfchuld;
der Nebenfchuldner ; die Nebenfihulter, Kriegsb, der von ter ftreihenden
Wehrlinie abgefhnittene Theil eines Zwiſchenwalles; die Nebenſchuͤſſel; die
. Nebenfeite, entg. Hauptſeite, f. d.5 die Nebenſonne, ſ. Nebenmond; die
Nebenſtraße; die Nebenftube, überh. die zur Seite einer andern anſtoßende
Stube; insbef, eine Eeinere, entg. Hauptſtube ; fo auch dad Nebenzimmer;
das Nebenſtuͤck; die Nebenftunde, eine Stunde, welche man neben den den
Berufsgefhäften gewidmeten zu beliebiger Anwendung übrig hatz das Neben
thor; die Nebenthür; der Nebenton, Tonk. ein neben einem andern liegen:
Neber — nehmen 267
der, ihm folgender Ton (fr, Secunde) ; Sprachl. bie mittlere Betonung einer -
Silbe, mweldye weder den hohen od. Hauptton hat, nod) tonlos iftz dergl. Gil:
ben heißen nebentonig. (3. B. Mond in Vollmond, bar in dankbar 2c.); der F
Nebenumſtand; die Nebenurfache; der Nebenverdienftz der Nebenmweg ;
das Nebenweib, ſ. Nebenfraus der Nebenwind, aus einer Nebengegend
wehender Windz der Nebenwinkel, Größent. ein neben einem andern in ber-
ſelben Grundlinie liegender Winkels der Nebenwohner, Erdk. Erdbewohner
unter gleichen Breitenfreifen, aber entgegengefegten Mittagskreiſen das Neben-
‚wort, Sprachl. das Beftimmmwort des YAusgefagten (Prädicats), welches zum
Zeit= od. Beiwort hinzugefügt irgend einen Nebenumftand ausdrüdt, auch Um:
ftandswort (fr. Adverbium); nebenwoͤrtlich, Bw. u. Nw., dem Nebenmworte
eigen oder ahnlich, nach Art eines Nebenwortes (adverbialifch); dad Neben-
zimmer, f. Nebenftubez der Nebenzwed ıc.
Meber, m., ſ. Näber,
nebft (zgez. aus den in der Kanzl. noch üblichen nebens, nebenft, v.
neben niederd. newens) Bw. mit dem Dat, bezeichnet eine Verbindung, Ge—
meinschaft, Gefellfchaft, finnv. fammt, doch nur als ein Außerliches Zufam-
menfein, verfh. mit, ſ. d. (3. B. ich nebft den Meinigenz die Mutter nebft
der Tochter z er verkaufte das Haus nebft dem Garten).
necken, ziel. Zw. (wahrſch. das verft. nagen, alfo eig. fehaben, beißen,
wie die lat. mordere, rodere in uneig. Bed.z vergl. das ſchwed. nagga, zer:
zeiben u. zanfenz isländ. hneixia, beleidigen) einen —, aus Muthmillen
durch Eleine Beleidigungen, Anzuͤglichkeiten, Spöttereien ꝛc. plagen und
reizen, ſinnv. verfpotten, zum Belten haben (ſprichw. was ſich liebt, das
neckt fih 3 auch ziellos: ex neckt gern) ; der Neder, -8, die Nederinn, M.
-en, wer gern neckt; die Neckerei, anhaltendes, wiederholtes, Necken;
auch eine Handlung, Nede 2c,, modurd man Jemand neckt (M. Nedereien) ;
nedhaft, Bw., wenig gebr., einer Neckerei ähnlich; zum Necken geneigt;
die Neckhaftigkeit; nedifch, Bw., gern neckendz einer Neckerei ähnlich,
fpaßhaft, drollig, poſſierlich; der Neckſtein, Bergw., eine bräunliche Bergart,
die zinnartig ſcheint, ohne eö zu fein, alfo den Bergmann gleichfam neckt.
Meer, w., M, -en (Holl. neer), niederd, Schiff. die Ruͤckſtroͤmung eines
fließenden Wafferd, durch ein Hindernifs, 3. B. eine Sandbank, bewirkt.
Neffe, m., -n, M. -n (alt. nevo, neve; niederd. Nevez angelf, nefaz
isländ. nefi, Bruders engl, nephew; franz. neveu; lat. nepos, Enkel;
verw, mit d. angelf, hneaw, goth. nehva, nah, genau; angelf. nehwan,
heften 2c.5 daher urfpr. uberh, ein Verwandter), Bruderd= oder Schwelter-
ſohn, entfpr. d. weibl. Nichtez alt u. oberd. auch f. Enkel; die Neffen»
gunft od. =begünftigung, ſcherzh. die Nefferei, Begünftigung der näcften
Verwandten (fr. Nepotiemus); die Neffenfchaft, der Stand, das Verhaͤlt—
nifd eined Neffen; die fammtlichen Neffen.
Neffe, w., M. -n ko. d. oberd. niffen, niffeln, reiben; niederd,
nibbeln, engl. nip, nibble, nagen) landſch. f. Blattlaus.
Neger, m, -8, M. w. E., die Negerinn, M.-en (vom franz.
negre, ital. negro; u, biefe v. lat. niger, ſchwarz), Die ſchwarzen Bewoh⸗
ner des ſuͤdl. Afrika, vergl, Mohr.
nehmen „Zw. (goth. niman, altd. neman, isländ. nema, ſchwed. nama,
leit. nemuz ruſſ. imu; lat. emere, ad-imere), ablaut. ich nehme, du
268 | nehmen i
nimmt, er nm wir nehmen 26.5 Imper. nimm; Impf. nahm, Gonj.
naͤhme; Mw. genommen; 1. ziel. überh. faſſen, ergreifen, an ſich bringen,
ſich aneignen; insbeſ. 1) eig. etwasod, einen —, mit der Hand faffen,
od. auf irgend eine Weiſe Förperlich fich nahe bringen od. zu eigen machen
(etwas mit der Hand, in die Hand —; einen bei der Hand —; efwas auf die
Schulter, auf den Rüden, in den Mund ꝛc. —; Hut und Stod —; ein Bud
vom Tische, Geld aus dem Kaften —; ein Kind auf den Arm, aufden She — 5
etwas zu fih nehmen, d. i. einfteden, 3. B. Geld, oder genießen, 5. B.
eine Speife; Arznei nehmen) ; 2) in weiterer Bed. fih in den Beſitz einer
Derfon oder Sache ſetzen, fih etwas aneignen, verfchaffen, es an ſich
bringen, fich geben laſſen, fich deffen bemaͤchtigen (eine Perfon zur Ehe,
zur Frau —, aud) eine Frau nehmen ; etwas in Befig nehmen; Geld für etwas
nehmen; Plag nehmen, d. i. fi fegenz; Unterridyt, Stunden nehmen, db. i.
fie fid) geben laffen 5; eine Abfchrift von etwas —, d. 1. es abſthreiben; das
Maß zu etwas —; uneig. einem das Wert aus dem Munde —, f. Mund;
ich nehme mir die Freiheit 2c.; ſich Zeit zu etwas nehmen, d. i. es nicht über:
eilen), oft mit dem Nebenbegriffe der Öewalt, finnv. wegnehmen, rauben,
ftehlen (einem Andern das Seine nehmen; die Feinde nahmen ihm Allee; ex
nimmt, was er findet; einem die Feeiheit nehmen, ihn gefangen nehmen; ihm
das Leben nehmenz uneig. einem den legten Biffen aud dem Munde nehmen);
auch in vielen umfchreibenden Ausdrücken, welche irgend eine thätliche Veraͤn—
derung, eine Berrichtung ıc. bezeichnen (z. B. die Flucht nehmen, f. v. w.
ergreifenz feine Zuflucht zu Semand —, d. i. zu ihm fliehen; feinen’ Xßeg wo:
hin — 3 Abſchied, Urlaub — 5 Anftand nehmen, etwas zu tkun, f. v. w. an—
ftehen; einen Anlauf nehmen; das Wort nehmen, d. i. anfangen zu ſprechen;
Theil, Antheil an etwas nehmen, |. Theil; id nehme mir ein Herz, d. i. faſſe
Muth; er nahm fid) nicht die Mühe, d. i. bemühete ſich nicht); bisw. auch von
leidentlichen Veränderungen, f. empfangen, erleiden, in einen Zuſtand
gerathen (Schaden nehmen, d. i. erleiden; die Sache nahm eine gute Wendung,
d. i. wendete fih gut; einen Anfang, ein Ende nehmen, d. i. anfangen, enden;
überhand nehmen, ſ. Übergand);. 3) eine Perfon oder Sache in irgend ein
näheres Berhältnils zu ſich feßen, deſſen befondere Natur durch einen Zufag
beftimmt wird (4. B. ein Kind zu Fich nehmen, d, i. in fein Haus aufnehmen z
einen in die Mitte—, an feinen Tiſch —, in die Koft, in die Lehre nehmen z
Semand in jeinen Schutz, in Aufſicht —3 etwas, einen, oder fih in Acht neh:
men, f. Acht; fi (mir) Jemand zum Mujter nehmen; ein Beifpiel an einem,
od. an einer Säche nehmen, d. i. fie ſich zum Beifpiele dienen laffenz ein a
in Pacht — 3 etwas in Arbeit — 3; efwas in Überlegung —; etwas zur Hand —
etwas an fih nehmen, d. i. in Verwahrung z etwas auf od. uber fih —
ſich anheifhig machen, es auszuführen oder zu verantworten); 4) etwas J
Geiſt oder Gemuͤthe wahrnehmen, empfinden, ſinnv. vernehmen, vermer—
ken, verſtehen, auslegen (etwas übel nehmen, ſ. übel z zu Herzen nehmen, ſ.
Herz; etwas genau nehmen; eine Sache für die andere nehmenz ein Wort in
diefem oder jenem Sinne nehmen; wie man’s nimmt, d. i. je nachdem man es
verſteht nehmen Sie es, wie Sie wollen); auch unp. od. dog nur von Sachen
in der Iten Perfon: es (die Sache) nimmt mich Wunder, di. es feheint
mir, fommt mir vor wie ein Wunder, (jo auch ehem, es nimmt mich fremd,
unbillig u. dgl.)5 2. rückz. ſich —, f. ſich benehmen, betragen (er hat ſich
/
Nehrung — neigen / 269
ſchlecht, ungeſchickt ze. babei genommen 2c.); — ber Nehmfall, Spradi. f.
das fr. Ablativ, ein Verhältnifsfall der Latein. Sprache; der Nehmer, -8,
die Nehmerinn, M.-en, wer etwas nimmt, gem. nur in Zfeg. wie Ab-,
Einnehmer 20.5’ nehmlich, Nw. u. Bw., r. naͤmlich, f. unter Namen.
Nehrung, w., M.-en (wahrſch. f. Niederung), in Preußen: eine
an der See liegende niedrige Gegend (3. B. die Danziger Nehrung).
Neid, m., -ed, 0. M. (goth. neiths, altd. nid, nitz niederd. Nied,
angelf, nyth, fehwed. nid; v. angelf. nydan, isländ. neida, altd, neizen,
preffen, drüden, ängften, vergl. Noth und nieten; alfo eig. Ungft, Bedrüdung),
ehem. überh. heftige Gemüthsbewegung, Eifer, Zorn, Haſs, Eiferfudht,
Geiz z jegt nur in engerer Bed. das Mifdvergnügen uͤber die Wohlfahrt u.
die Vorzuͤge Underer, verbunden mit der Begierde, diefelben felbjt zu be=
ſitzen, ſinnv. Mifegunft, Scheelfucht, erfteres_ einen geringeren, legteres
einen höheren Grad des Neides bezeichnendz; — 3feß. der Neidbau, Ripr.
ein Bau, welcher unternommen wird, um einem Andern zu ſchaden; der Neid⸗
hammel, gem., u. der Neidhart, alt u. landſch. (mittelh. niıhart), ein neis
difcher Menſchz der Neidklee, öftr., türkifher Klee, blauer Steinklee, wo—
mit man die Viehftälle räuchert, damit das Vieh nicht beneidet und befchrieen
werde; neidlos, Bw., Keinen Neid empfindend; der Neidnagel, landſch.
auch der Neidhafen, die Neidwurz, f. Nietnagel; neidvoll, Bw., von
Reid erfüllt; — Ableit. neiden, Zw. (altd. nidan) 1) ziellos m. haben,
Neid empfinden (neidend fieht er mein Glück); 2) ziel. Neid Über etwas od,
einen empfinden, einem etwas miſsgoͤnnen, gew. beneiden, mit d. Acc.
der Perfon (er neidet mid) darum), od. dem Arc, der Scheu. dem Dat.
der Perſon (er neidet mie mein Glüd) 5; baher fidenswerth, Bw., werth
beneidet zu werden (ein neidenswerthes Glück); der Neider, —s, die Nei—
derinn, M. - en, wer Andere neidet (ſprichw. beſſer Neider, als Mitleider) z
neidifch, ehem. auch neidig, (altd. nidig, nidec), Bw., Neid empfindend,
hegend, verrathend, finnv. miſsguͤnſtig, (ein neidiſcher Menſchz etwas mit
neidifhen Augen anfehen); neidiſch landſch. auch f. heftig, ftark (neidifch
ſchlagen; eine neidifche Külte u. dgl.).
Neife, w., M-n, ſchwäb. f. Nuſsſchale; neifen, neifeln (auch näu:
fen zc.) ziel. 3v., fe Nüffe, Hülfenfrüchte 2c, aus der Schale nehmen,
neigen, 3m. (altd. als ziel. Zw. hneigan, neigen, er neicte sich; goth.
hnaivjan, isländ. hneigia; von dem jest untergegangenen ziellofen ablaut. altd.
hoigan, nigen, Impf. naig, neic, 3.8, er neicÄhr, d. i. neigte ſich vor
ihe; Mw. genigen; goth. hneivan. iständ, hulga, angelf. hnigan ; vergt,
nicten 5 griech. vever, lat. nuere) 1) ziel, nad) unten bewegen, wenden, beu—
gen, aus der aufrechten Stellung finfen laſſen (feinen Körper, das Haupt —3
die Bäume neigten ihre Wipfel); in weiterer Bed, und uneig. F, irgend wohin
richten, lenfen (fein Ohr, das Herz zu etwas —; den Willen eines Andern
zu etwas — 26,)5 2) rüdz. fi) —, ſich beugen, insbef. fich vor Jemand —,
aus Höflichkeit, ſ. v. w. verneigen, verbeugenz fich zu Jemand —, d. i. ſich
zu ihm menden, ihm geneigt werden oder ſein; ſich zu einer Sache —,
Neigung, Luft dazu befommen (vergl, geneigt, als Bw.); ferner von
Sachen: [ich neigen f. geneigt werden oder fein, eine Richtung nach
unten erhalten oder haben (das Haus, der Thurm zc, neigt fich, d, i. ſenkt
ſich; eine Fläche neigt ſichz zwei Linien neigen ſich gegen einander, wenn fie ſich
J
270 nein — Nelke
allmählid) einander nähernz die Sonne neigt fi, d. i. ſinkt) ; uneig. fich ſei—
nem Ende oder Untergange naͤhern (der Tag neigt ſichz mein Leben neigt
ſich 2c.)3 3) ſelten zielfos m, haben f, Neigung, Hang zu etwas haben (er
neigt bahin, zum Böfen 20.) ; die Neige 1) o. M. dad Sinken, das zu = Endes
gehen, die Abnahme, ter Berfall (der Wein, der Vorrath zc, geht auf die
Neigez fein Vermögen geht auf die Neige; es geht mit ihm auf die Neige, d. i.
zu Ende); 2) M. -n, Fluͤſſigkeit aus einem geneigten od. gelüfteten Faſſe,
u. überh, der in einem Gefäße noch uͤbrige Reſt von einer Flüffigfeit (von
der Neige trinken 5 verfchiedene Neigen zufammengießen) ; uneig, überh. f, Neft,
Überreft (die Neige der Lebensfreuden) ; die Neigung, M.-en, dad Nei—
genz felten das Sich- Neigen, gew. Berneigung, Verbeugungz das Ge—
neigtfein, die Richtung nad) unten, die Abweichung von der wagerechten
Lage (die Neigung eines Haufes, des Bodens; die Neigung der Magnetnadel,
fr, Inclination); uneig, die Richtung des Willend auf etwas, ein zur Ges
wohnheit gewordened, bleibended Verlangen nach etwas, ſchwächer als die
finnv, Hang, Trieb, Begierde, Leidenschaft (Neigung zum Wohl:
thun, zum Böfen, zum Trunk; gute, böfe Neigungen ꝛc.); in engerer Bed,
die wohlwollende od. verlangende Richtung ded Gemüthes gegen Jemand,
ſinnv. Oeneigtheit, Zuneigung, Liebe (Neigung gegen eine Perfon empfinden 5
eine Ehe aus Neigung).
nein, Nw, (entfl, aus ni-ein, n-ein, vergl, N; alfo eig. = nid ein,
fein, d, i, gar nichts vergl. d. lat, non, altlat, nenu = ne- unum; vergl,
aud) nihil, gried, oudev als Eräftigere Verneinung f. non, oüz; oberd. nain;
mittel= u, niederd. nä, nee), der einfache Ausdruck der Verneinung auf eine
Frage oder Bitte, — auch als Hw. das Nein G. B. er hörte von
Allem nur das Nein); bisw. als Empfindl. Unwillen, Unglauben, Ver—
wunderung ꝛc. ausdrückend (nein! das iſt zu arg; nein! das glaube id) nicht ze),
neifen oder neißen 1., auch neufen, nöfen, nefteln zc., ziel, Zw,
(sltd, neizan, neizen; vergl, Neid, nieten) landſch. f. bedruͤcken, quaͤlen,
belaͤſtigen; verdrießen.
neiſen oder neißen 2., auch neußen, ziel, Bw, (isländ. hnysa; holl.
neuselenz engl. to nose; verw, mit Nafe), oberd. f. wittern, riechen, ſpuͤren,
wahrnehmen, merken.
Nelke, w., M. -n Ggez. aus Nägelke, d. i, Nägelchen, Nägelein,
f. d, unter Ragel) 1) ein nagelfürmiges Gewürz: Gewuͤrznelke, Gewuͤrz⸗
naͤgelein, fd.35 2) (von der Ähnlichkeit des Gerude) ein befanntes inländi=
ſches Pflanzengefchlecht u. deffen wohlriechende Blumen, be, die Garten—
nelfen, landſch. auch Grasblumen genannt, von verfihiedenen Arten, z. B.
die Bart:, Donner-, Feder:, Jungfer-, Sandnelfe ꝛc.; hohle oder einfache,
und gefüllte oder volle Nelken; die ſtolze Nelke, büſchelige Federnelkez wilde
Nelke, eine Art der Lichteofez ſ. auch Korn-, Mauer:, Meernelke; —
3fes, nelkenartig, Bw.; der Nelkenbaum, Gewürznelkenbaum; auch
ein immergrünes Gewäachs auf den Kanariſchen Inſeln, Koblbaumz; das Nel—
kenblatt; die Nelkenbluͤthe, Blüthe des Gewürznelkenbaumes; daher die
Neltenblütbfarhe; nelfenbraun, Bw., röthlih braun, wie die Gewürz:
nelken; der Nelkenflor, f. Flor; dad Nelkengras, Näglein = oder Adernel:
kengras; Sandnelke; das Nelkenkraut, die Nelfenwurz, landſch. f,Mürzwurz ;
die Nelkenlaus, ein am Stengel der Nelken lebendes grünes Inſect, Mauke;
’
h nennen — Nerv 271
i die Nelkennufs ‚ eine an Geſchmack und Geruch Gewürznelken ähnliche Nuſs
von einem Baume auf Madagaskarz der Nelkenpfeffer, die dem ſchwarzen
Hfeffer ähnliche Frucht der Gewürgmirte, Wunderpfeffer, Englifhes Gewürz;
die Nelkenrinde od, der Nelfenzimmt, die röthlid) = braune zufammengerollte
Rinde eines in Brafilien ꝛc. wachſenden Baumes; das Nelfenröschen, bie
Stechnelke; der Nelkenftein, verfteinerte Stacheln von Seefternen oder See—
igeln; der Nelkenſtengel; der Nelkenſtock, eine einzeine Gartennelten-
*
Pflanze.
nennen, ziel, 3w, (o. Namen, ſ. d., durch Lautverähnlichung oder Aſſi—
milation f. nemnen; goth, namnjan, altd, nemnan, nemman, namta
ginamt; nennan, nanta, ginant; angelf, nemnian; isländ. nefna ; ſchwed.
naemnaz engl. name; niederd, ndmen 5, lat, nominare), umend, u, zugleich
ablautend (od, vielmehr mit Rückumlaut): Impf, nannte, Eonj. nennete; Mw,
genannt z (oberd, au nennte, genennt), 1) eine Perfon od. Sache mit
einem Namen belegen, ihr einen Namen geben, beilegen, mit doppeltem
Acc. des Gegenftandes und der Benennung (bibl, Gott nennete das Licht Tag,
und die Finfternifs Nacht; er nannte mid, feinen Freund, feinen Vater 2c, 5 das
Kind wurde nad feinem Vater genannt; etwas ſchön nennen, d. i. ihm bie
Eigenfchaft der Schönheit beilegen); 2) eine Perfon oder Sache bei ihrem
Namen rufen, mit ihrem Namen bezeichnen, erwähnen, anführen (einen
bei od, mit feinem Namen —; ich kann ihn nicht nennen; er freute fi, als er
feine Mutter nennen "hörte; er nennt fich Peter, d, i. er heißt ſoz Karl, ge:
nannt der Große, d. i. mit dem Beinamen 20,5 oben, vorhin, mehr genannt,
d, i, erwähnt, beſprochen; jo genannt od, zgef, fogenannt, als Bw, bei
einer üblichen oder herkömmlichen Benennung, deren Richtigkeit man nicht ge:
radehin anerkannt, z. B. die fogenannten Großen der Erde); oberd, auch f,
beſtimmen, feſtſetzen (daher ein Genanntes f, ein feftes Gehalt); u. f. er=
3
wählen, ernennen (3. B. in Nürnberg ehem, die Genannten f. Gemeinde:
bevollmächtigte, Glieder des großen Rathes); — 3 fep. der Nennfall, Sprachl.
der Verhältnifsfal (Cafus), welchek den Gegenftand benennt, von weldem et:
was gefagt wird, der erſte Fall (fr, Nominativ); der Nennwerth, der Werth,
welchen eine Sache, z. B. eine Münze, dem Namen nad) hat (fr, Nominalwerth),
entg. Sachwerth 5 dad Nennwort, Spradi., jedes Wort, weldhes einen Ge-
genftand oder’ eine Eigenfchaft benennt (fr, Nomen), insbef, die Benennung
eines felbftändigen Gegenftandes, aew. Hauptwort (fr, Nomen substantivum,
oder bloß Subftantioum); — Ableit, nennbar, Bw., was genannt oder
mit Worten ausgedrückt werden kann; die Nennbarkeitz der Nenner,
-6, Rechenk. die Zahl eines Bruches, welche anzeigt, in wie viel Theile
dad Ganze getheilt iſt, z. B. in 3 die Zahl 3, entg, Zähler; die Nennung,
das Nennen,
ner, Endf. (eine neuere unorganifche Nebenform von er, ſ. d.) zur Bildung
männlicher Hauptwörter, welche männl. Perfonen bezeichnen; die mit
dem zu thun haben od, in irgend einer Verbindung ftehen, was das Stammwort
ausfagt (z. B. Falkner, Glödner, Kirchner, Zöllner, Harfner, Söldner, von
Falke, Glode, Kirche, Zoll ꝛceʒ Redner, Bildner, Klempner, Lügner f. Reder,
Bilder 2c, v, reden, bilden 2c )
Nerv, m., en, M.-en, aud die Nerve, M. -n (v, lat, nervus,
griech. veügorv, Sehne, Schnur ꝛc.) 1) ehem, u, noch in der Volksſpr. f. Sehne,
272 | Merz — Neffel
Flechfe, Spannader, Gelenkband, insbeſ. die am Röhrbein hinunterlaufende
Sehne des Pferdebeinedz dicht, f. die Bogenfehnez die Saite eines Tonwerk:
zeugesz 2) gew. die aus dem Gehirn u. Ruͤckenmark entipringenden , dur)
den ganzen Störper fich verzroeigenden, weichen, weißen, marfigen Fäden
oder Fafern, welche der Sik der Empfindung und der Bewegung find.
(z.B. Seh-, Geruchsnerven, der dreiäftige Nerv 2c.)5 ihrer Geftalt wegen
vergleiht man fie mit Bäumen, und unterfcheidet daher: Nervenftämme,
-üfte, :zweige 263 andere Zſetz. find: dad Mervenfieber, ein Fieber,
welches von einem krankhaften Zuftande der Nerven herrührt; fo auch die
Nervenkrankheit, Nervenfchwäche; nervenkrank, -ſchwach, Bw.; dad
Nervengeflehtz dad Nervengras, landſch. f. Sandrohr; der Nerven⸗
fnoten, mehre zu einem Kndul vereinigte Nervenzweiges die Nervenlehre,
= bejchreibung (fr. Neurologie) 5 das Nervenmittel, Heil: oder Stärkungs-⸗
mittel für die Nervenz der Nervenreiz, von den Nerven empfundener Reiz;
der Nervenfaft, eine in den Nerven angenommene ſehr feine Flüffigkeit, die |
man für den Sig der Empfindung u. des Lebens hätt, auch der Nervengeiftz
die Nervenfalbe, nervenftärkende Salbe; nervenfpannend, = ftarfend, Bw, 5
die Nervenftärkung ; die Nervenwarze, kleine Warzen am Ende der Zungen:
und Nafen: Nerven, welche der Sitz des Gefhmades und Geruces finds der
Nervenwurm, Fadenwurm, beſ. Haut-, Beinwurm; der Nervenzufallicz
— Ableit, nerven, ziel. Zw., wenig gebr,, mit einer Verve od, mit Merz
ven verfehen, entg, entnervenz ein Pferd nervet ſich, wenn ed mit den
Eifen der Hinterfüße den Nerven der Vorderfüße befchädigtz nervig, Bw.,
(fe. nervös), Nerven habend, bef. ſtarke Nersen habend, Fräftig (Kauft,
Körper 2c.); uneig. Fraftvoll, ftarf, nachdruͤcklich, bündig (nervige Sprache,
Schreibart), in legterer Bed. auch nervicht.
Nerz, m, —es, M. -e (auf Nörz, Nürz, Nurz), landfh. fe Sumpf:
ofter,
Nespel, w., landſch. f. Mispel, 1. d.
Neſſel, w., M.-n (altd. nezzila, angelſ. netele, engl, nettle, niederd.
Nettelz vom Sanskr. nadh, brennen, griech. zr/io, lett. neesu, jucken), ein
Pflanzengeſchlecht, deffen meifte Arten mit zarten Stacheln befeßt find,
welche bei leichter Berührung einen brennenden Schmerz verurfachen, da—
her auch: Brennneſſel; verſchiedene Arten find: die gemeine große, die Eleine
jährige Neffetz die hanfartige, in Sibirien; bie Römifhe, im ſüdl. Europa;
die taube Neffel, ein der Brennnefjel ähnliches, aber nicht brennendes Pflan=
zengeſchlecht; die todte Neffel, auch Hanfneſſel, Hohlzahn, Katzengeſicht
denannt; — 3 ſetz. der Neſſelbaum, ein in Südeuropa einheimiſcher Baum,
Bohnen =, Zirgeldaum (Celtis L.); das Neſſelblatt; das Neffelfieber, = frie=
fel, die Neffelfrankpeit, =Tucht, ein Fieber, wobei Eleine, dem Nefjelbrand
ähnliche Bläschen auf der Haut entſtehenz der Neflelfink, das Braunkehlchen;
das Neffelgarn, ein chem. aus ven faferigen Stengeln der großen Brennnefjel
arfponnenes feines Garn; jest uneig. feines Baumwollengarn 3 der Neſſel⸗
hopfen, ſ. v. w. tauber od, Fimmelhopfen; der Neſſelkoͤnig, landſch. f. Zaun⸗
tönigz die Neſſellaus, auf Neſſeln lebende Blattlaus; der Neſſelſchmetter⸗
ling, =vogel, =fpanner, = [pinner, verſchiedene Schmetterlingsarten, welche
ihre Eier auf Neffein legen 5 die Neffelftaude, ein Staudengewächs mit fügens
ähnlich gezühnten Blättern in Sicilien; das Neſſeltuch, ein feines Gewebe
aus
F
j
Meffeling — nett / 273
aus Neffelgarn, f.d.3,; — Ableit, neffeln, ziel, Zw., einen—, mit
Meffeln brennen, fchlagen; dad Neffeln, ſ. v. w. Neffelpeitfchen,
Neffeling od. Nefteling, m., -ed, M. -e, eine Sarpfınart, Ukelei,
Albele.
Neſt, ſ., Ses, M. -er, Verkl. dad Neſtchen, Neſtlein, (altd. u.
engl. nest, ſchwed. naesta; lat, nidus; v. nähen (ſ. d.), angelſ. nestan; vergl,
Neſtel, Netzz alſo etwas Zuſammengefügtes, ein Geflecht), 1) eine aus
weichen Stoffen bereitete Lagerſtaͤtte mancher Thiere, insbeſ. der Vögel,
einiger Infecten und Eleinerein Säugethiere, vorzüglid um ihre Jungen darin
auszubeden oder zu werfen (ein Vogel-, Basen: :,\Raupen:, Rattenneft zc )s
aud die im Nefte befindlichen Eier oder Zungen Kein Neft Vögel, Miufez
das Neft ausnehmen); gem. ſcherzh. f, Bett (lange im Nefte liegen) 5 u, f. eine
- Schlechte Wohnung, ein Eleiner elender Ort (diefe Siadt ift ein elendes Neftz
bef. auch in Zfeg. wie Selfen:, Diebs-, Raubnejt 2c.); 2) in weiterer Bed,
ein Haufen dicht verbundener. Stoffe, 3.38, Bergw. eine Menge bei einander
befindlichen Erzes ; Die oben auf dem Stopfe zuſammengeſchlungenen Haare,
das Haarneſt, Zopfneft, die Nejtel der Frauenz — 3ſetz. das Neſtei, das
Ei, welhes man beim Ausnehmen der Eier des zahmen Federviehs im Nefte
liegen Läfft, damit neue dazu gelegt werden; die Meftfeder, die erften haarich—
ten Federn der jungen Vögel; das Neftfüchen od. »Füchlein, (niederd. Neft:
küken), bas in einem Nefte voll Eier zuletzt ausgebrütete Küchlein, landſch.
auch der Neſt quakz uneig, fherzh. das jürgfte Kind unter mehren; tie Neſt—
raupe, in ganzen Neftern beifammen lebende Raupen z die Nejttaube, eine
aus dem Neft genommene Taube, die noch nicht auögeflogen it; nefterwe.fe,
Nw., in ganzen Neftern cder Haufen (das Erz bricht neftermeife, ſ. 0,)5; —
Ableit, der Neftling, 6, M, 8, jeder noch im Neft befindliche, noch
nicht flügge Vogel, insbeſ. Säg, ein folder junger Raubvogelz auch der juͤngſte
Vogel einer Pi dad Neſtkuͤchlein.
Neſtel, w., M,.-n (altd. nestila, nestil; ſchwed. nast, nestla, angelſ.
nostle; vergl. Neſt, Netz), beſ. oberd,, 1) etwas Geflochtened, daher: dad
Haarnejt der Frauen (fr Neft 2)5 2) etwas Verbindendes, daher: eine
Schnur, ein Riemen, ein Band, Senkel, bef. zu Befeftigungen an Klei-
dungsftüden (Schnürz, Schuh-, Hofenneftelzc.)s die Neftelnadel, eine Schnür—
nadel; auch die ſtarke Nadel, mit welcher das Haarneſt feft geftect wird, Nefts
nadel; der Neftelftift, Stift am Ende einer Neftelz der Neſtelwurm, oberd,
f. Bandwurm; nefleln, ziel. Zw. mit einer Neſtel verfehen, od. bifejtigenz
der Neſtler, - 8, ober. ein Handwerker, welder Neſteln macht od. bez
fhlägt, Neſtelmacher; in engerer Bed. ein Beutler,
nett, Bw, (fhwed, naette, engl. near; v. dem ifal, netto, franz. net,
u, diefe aus d, lat. niteo, glänzen, nitidus), bef, in der Volkefpr. üblich f.
glänzend, rein, fauber, zierlich (fich immer nett halten; ein nettes Kleid 2.) 5
huͤbſch, ſchlank, gefällig, angenehm (ein netter junger Menſchz ein nettes
Mädchen); rein, d. i. von allem Ungehörigen oder Überfluͤſſigen befreit,
genau, beftimmt (ein netter Ausdrud, nette Schreibart z Kaufm, fr. netto);
die Nettheit oder gew. Nettigfeit, das Nettfein, finnv. Reinheit, Sau⸗
berkeit, Zierlichkeit; Genauigkeit; nettlich oder netlich, Bw, (v. nett. f.
genau; oder v. niederd, neten f. genießen ?), öſtr. f. waͤhleriſch beim een,
ekel, niederd, köriſch.
Sey ſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2, Theil, 18
/ E 2 |
274 Ne — neu
Netz, ſ., ed, Mi -8, Verkl. dad Nebhen, (goth, nati, altd, nezzi,
netze, angel, island, engl, net, ſchwed. naet,. lat, nassaz; v. nahan, nd:
ben (f. d.), vj79eıw, mectere, isländ, hnyta, angelſ. cnittan, Tnüpfenz vergl,
d. niederd, knütten; Knoten, Neft, Neftel ꝛc.), ein aus Faden verfertigtes
weit mafchiged Geſtrick, def; zum Fange von Fiſchen, Vögeln und andern
Thieren, ſinnv. Garn (Fiſch-, Jagd-, Vogel-, Lerchennep 2c,; das Netz aus:
werfen, ſtellenz uneig, einen ins Netz locken, ihm das Netz über den Kopf wer-
fen, d. i, ihn mit Liſt fangen oder feſſeln) 5 uneig, in thier, Körpern eine von
Gefäßen netzfoͤrmig durchkreuzte Haut, die Netshautz aud f. Darmhaut,
u, f. Zwerchfell; neß= oder gitterförmig gezogene Linien, 3, 3, auf Land:
Karten, od, um mittelft derfelben eine Zeichnung, einen Rifs 2c, zu madhen ; —
3fes. der Nekbaum , Maur, die in der Mauer befeftigten Bäume eines Ge
rüſtes; der Netzbruch, ein Bruch (ſ. d.), wobei das Neg in die Leiften od, in
den Hodenſack teittz der Nebflügler, Infecten mit häufigen, netzförmig ge
äderten Flügeln; nekfürmig, Bw.; die Netzh aut, ſ. 0, Netzz das Neb-
jagen, Jäg. eine Jagd, wobei das Wild in aufgeftellte Netze getrieben wird;
die Netzmelone, eine Art Melonen, deren Schale wie mit einem Neg überzo—
gen iſtz die Nebfchlange, eine amerifan. Schlange mit negähnlichen Fledenz
die Netzſchnecke, eine Stachelſchnecke mit negförmiger Zeihnungz das Neb-
fehen, ein krankhafter Zuftand der Augen, wobei man ein ſchwarzes Netz zu
fehen glaubt; der Netzſtricker, die Netzſtrickerinn, wer Nese ſtrickt.
netzen, ziel, Zw. (altd. nezzan, nezzen, von naz, naſs), nafd machen,
näffen, gew, benehen, finno, feuchten, (die Finger, das Papier —; fein
Lager mit TShränen —); die Netze, landic, dad, womit man nebt, u B.
fchlef. der Speichel, womit man beim Spinnen den Faden netztz die Negung,
das Neben; das Nebfafs, Tuchm. ein Trog, worin das geſchorene Tuch an:
gefeuchtet wirds; die Netzkammer, Brau, eine Kammer, worin das Malz an: - |
gefeuchtet wird; der Netzkeſſel, Färb. der Keffel, in welchem die Zeuge geneft |
werben ; der Nekftänder, Papierm. ein Ständer mit Alaunwaffer, worin das |
Papier genäfft wird, —
neu, Bw, u. Nw. (goth. niuis, altd, niuwi, niuwe, niu; angelf, nive,
engl, new; isländ. u. dän. nyz3 niederd. nij, nige ; lat, novus, franz. neufz
griech. veos), überh, erſt feit Furzer Zeit vorhanden, vor Furzem gefchehen
oder fertig geworden, beginnend, finne. jung, friſch (ſ. d.), entg. alt
(3. B. ein neues Haus, Bud); ein neues Pferd, d, i. das man erſt feit Eur-
zem befist, verſch. ein junges; neue Häringe, d, i. erſt vor Eurzem gefan:
gene oder eingefalzene, verfh, frifche, ſ. d,5 neuer Wein, d, i, diesjähriger;
eine neue Einrihtung, Mode; der neuefte Geſchmack; das neue Jahr, dt,
das beginnende; der neue Mond, f. u, Neumond; ein neuer Beamter, König,
Prediger, entg, dem borigen, altenz ein neuer Freund, d, i. den man nod)
nicht Lange hat; die neue Welt, d, i. Amerika 5 eine neue Begebenheit, Geſchichte,
d, i. eine kürzlich vorgefallenez die neue oder neuere Gefdhichte, gew, von
der Reformation an gerechnet, 3. U, dv, der alten und mittleren); insbeſ. noch
unbekannt, noch nicht empfunden oder erfahren, (etwas Neues erzählen‘
was giebt es Neues? die Sache ift mie nicht neu); auch f, unerfahren, under
mandert (er ift in diefer Sache noch neu; vergl, Nenling); vorher nicht da
gewefen, anderd befchaffen als vorher (eine neue Lehre; neue Einfidten,
Kenntniffe z neue Kräfte fammeln, neuen Muth faffen 5 bas wäre etwas Neues!
neu 275
das ift mir ganz neu, d, i, fremd, auffallend; bibl, ber neue Menfd, di,
der gebefferte, fittlich gereinigtez ein neues Leben anfangen, d. i. ein anderes,
befferes); ungebraucht, unabgenußt, in unverfehrtem Zuftande (ein neues
Kleid; eine Sache wieder neu machen, d, i, ihre erfte Geftalt und Beſchaffen—
heit wieder herftellen); aufö neue, von neuem (nidt! neuen), ald
N, gebr. bezeihnen ein abermaliged Beginnen, eine Wiederholung (von
neuem anfangen, aufs neue krank werben u, dgl. m.); dad Neurg, landfd, f.
der Neumond; Zäg. f. friſch gefallener Schnee oder Thau; die Neuen,
die noch lebenden Menfchen oder die Menſchen der neueren Zeit, entg, bie
Atenz — 3fes. neubaden oder neugebaden, Bw., neu oder frifch ges ,
baden (Brod); uneig, ſpbttiſch: Eurzlich erft zu etwas ernannt oder erhoben
(ein neugebacner Edelmann u, dgl.); der Neubau, der neue Anbau eines
Drtes,- einer Gegend ꝛc. (fr. Golonie) 5 der Neubauer, -8, M, w. E,, An:
fiedler (fr. Golonift) 5 die Neubegier, od, = begierde, das Iebhafte Verlangen,
Neues und Unbekanntes zu erfahren, def, bloß um der Neuigfeit und des finn-
lien Vergnügens willen, verfh, Wifsbegierdez ein höherer Grad vor:
wisiger Neubegier ift die Neugier od. Neugierde; daher neubegierig, neu⸗
gierig, Bw., Neubegier oder Neugier empfindend, zeigend, darin gegründet z
die Neugierigfeit, das Neugierigfeinz der Neubekehrte (fr, Profelyt); der
Neubruch, ein neu ausgebrochenes, d, i, gerobetes und urbar gemachtes Land,
auch dad Neugereut, Neureuf ꝛe.; neudeutſch, Bw., heutiged Deutſch,
entg. altdeutſch; neuerdings, Nw., in neuer Zeit, neuerlich, vor Kurzem;
auch f. von neuem; der Neufaͤnger (wahrſch. verderbt aus Neufinder),
Bergw. wer einen neuen Gang gefunden und aufgenommen hatz der Neu—
franke, Franzoſe; neufraͤnkiſch, Bw. f. franzſiſchz neugebacken, Bw.
ſ. neubacken; neugeboren, Bw., eben oder kürzlich geboren (wie neugeboren
fein, d. i. neue Kräfte, friſchen Muth empfinden) ; die Neugier 26, ſ. Neube⸗
gier ; der Neuglauben, ein neu aufgefommener Glauben (fr, Neologie) 3 neu⸗
glaubig, Bw,, einen neuen Glauben habend; auch f. neubekehrt der Neu—
grieche, die Neugriechen, die heutigen Griechen, entg. Altgriehen; daher
neugriechifch, Bw.;z neuhochdeutich, Bw., ſ. hochdeutſchz das Neujahr,
das beginnende Jahr, der Anfang, bei, der erfte Tag eines Jahres (heute ift
Neujahr; das große Neujahr, landfch, f. das Feſt der heil, drei Könige, der
6te Jan.) 3 daher der Neujahrstagz die Neujahrsnacht; das Neujahr
feft, =lied, =gefchenf; der Neujahrswunfch, ein Glückwunſch zum neuer
Jahre; auch eine Eleine Schrift, ein Blatt, worauf derfelbe ſich befindet; das
Neulicht, . v, w. Neumond; der Neumarkt, Benennung von Marktplügen
in verſchiedenen Städten, entg. Altmarktz; neumodig od, neumodiſch, Bw.,
der neuen Mode gemäßz der Neumond, der Zuftand des Mondes und die Zeit,
wo er uns die dunkle Seite zufehrt und nun wieder zuzunehmen beginnt, entg.
Vollmond; die Neuftadt, der neuere Theil einer Stadt, entg. Altftadtz auch
EN, ganzer Städtez neupermählt, Bw., fo eben erft vermählt, beſ. als Hw.
die Neuvermähltenz der Neuvogel, landſch. f, die Schneeammer (v, das
Neue f. der Schnee, f. 0,);5 dad Neuwort, ein neu gebildetes oder einge:
führtes Wort (fr, Neologismus); — Ableit, die Neue, ungedr, f. Neu
heit; Jäg. ſ. v. w, das Neue (f. d,); neuen, 3w, 1) ziel. neu machen, nur
in erneuen gebr,; 2) ziellos in der Bienenzucht: die Bienen’ neuen, d. i.
fangen an zu arbeiten; neuern, Zw. 1) ziel, wieder neu machen, nur in
18*
276 neun
erneuern gebr.z 2) ziellos, Neues, Unbekanntes oder Ungemöhnliched
einführen (3. B. er neuert in der Sprache, in der Kunft 2c.) 5; der Neuerer,
-8, wer neuertz die Neuerung, das Neueren; dad neu Eingeführte, dir
neue Gebrauch, die neue Einrichtung, M. Neuerungen (3. B. in der Sprade,
in der Verfafjung ꝛc.) daher: die Neuerungsluft, -ſucht, netterungss
luftig, = füchtig, Bw.z die Neuerungsſcheu; der Neu, ngsftifter 20.5
neuerlich‘, Nw., in neuerer Zeit, unbeftimmt und ohne einen Zeitpunkt zu
bezeichnen (3. B. es waren neuerlich viele Unruhen; ich habe ihn neueriich nicht
geſehen) neulich, Nw. u, bisw. Bw., vor kurzem, einen nur nid;t genau
angegebenen Zeitpunkt bezeichnend, finnv, Fürzlich, unlaͤngſt, jüngft (ich
habe ihn neulic) gefehen; fein neuliches Schreiben 2); die Neuheit, dad
Neuſein, die neue Befchaffenheit (3. B. eines Haufes, Kleides 2c.); inöbef,
das bisherige Unbefanntfein (die Neuheit einer Lehre, Behauptung ꝛc.) 5 Die
Neuigfeit, felten f. Neuheitz gew. eine neue Sache, Nachricht, Bege—
benheit, M, Neuigkeitenz daher der Neuigkeitskraͤmer, die Neuigkeits—
kraͤmerinn, wer Neuigkeiten zu erfahren ſucht u, wieder ausframt; der Neu—
ling, —es, M.-e, wer in einer Sache noch) neu, d. i. unerfahren ift,
neun, 9, Grundzahlw. (goth, u, altd, niun; angelf. nigon, engl, ninez
niederd, negenz ſchwed. nio, dän. ni; lat, novem; grieh, Zurda), unbeugfs
(3. 3, neun Uhr; es hat neun (nidt neune) gefhlagen; mit neun Kindern z
alle neun (Kegel) werfen 2c.), außer bisw. im Dat, wenn es chne Si, fteht:
neunen (3. DB, eine Zahl von neunen; Einer aus Neunen) die Neun, M.
-en, die Zahl od. das Zahlzeichen 95 — 3fes. die (ungebr, das) Neun
auge, ein aalförmiger Fluſefiſch mit fieben in einer Linie am Halle herunter
Viegenden augenähnlichen Luftlöchern, auch Bricke; der Neunbatzner, oberd,
eine Münze von neun Batzenz das Neuneck, eine von neun geraden Linien
eingefchloffene Fläche mit 9 Eden; neunedig, Bw., neun Eden habend;
neunfach od. neunfältig, Niv. u, Bw., neunmal genommen (das Neunfadhe zc.)
das Neunheil, Yandfh. f. Bärlapp; neunjahrig, =ftündig, =tägig,
⸗ woͤchig, und felten -=monatig, Zw., was neun Jahre, Stunten 2c, alt ift
ober dauertz verſch. neunjährlich, -ſtuͤndlich, =täglich, = wöchentlich,
s monatlich, Bw., was alle neun Sahre 2c, wiederkehrt; neunmal, Nw.,
od. neun Mal, in neun Wiederholungen, zu neun Malen; neunmalig, Bw.,
neunmal gefchehend 5 neunmännerig, Bw,, Pflanz. von Gewädfen mit neun
Etaubfüden, deren Staubbeutel und Fäden unter fih nicht verwachfen find;
neunpfündig, Bw., neun Pfund ſchwer; neunfilbig, Bw., aus neun
Silben beftehend; neunflimmig, Bw,, Tonk. für neun Stimmen gefetz
der Neunſtrahl, eine Art Scefterne mit neun Strahlen; neuntheilig, Bw,
aus neun Theilen beftehendz; der Neuntödter, ein Kleiner Raubvogel zum
Falkengeſchlechte gehöbrig, von dem man fabelte, dafs er täglich erſt neun Thiere
tödte, bevor er eines verzehrez; man unterfcheidet den bläulich grauen großen
Neuntödter, und den Eleinen N, od, Dorndreher; neunzehn, 19, unbeugfe
Grundzahlw,, neun umd zehnz daher: der, die, das neunzehnte, Ord—
nungẽzahlw.; neunzehntens, Nw., zum neunzehntenz das Neunzehntel,
- 8, der neunzehnte Theil; neunzehnfach, =jährig, »jahrlich 2c.; neuns
zehnmal, =malig ꝛc., wie neunfach, =jübrig ec. ſad.z neunzollig, Bw,
neun Zoll lang, dit 2. — Ableit, v, neun; der Neuner, -8, M. mw. E.,
neun Einheiten zu einem Ganzen vereinigt, beſ. ein Neunpfennigſtück; aud)
| Nibbe — nicht 277
"ein Mitglied einer aud 9 Perfonen beftehenden Behörde; meunerlei, une
beugf. Bw., von neum verfchiedenen Arten oder Befchaffenheitenz; der, die,
dad neunte, (Ordnungszahlw. von neum der neunte Monat, zum neunten
Mate); neuntehalb, unbeugf. Zahlw., das neunte halb, d. is acht und ein
halb; das Neuntel, -8, der neunte Theil eines Ganzen; neuntens,
Nw., zum neunten; neunzig, unbeugf. Grundjahlm., 90, zehn mal neun
(nur im Dat, gebeugt, wenn es ohne Hw. ſelbſt als ſolches ſteht, 3. B. einer
von Neunzigen u, dol.)3 8ſetz. neunzigfach, = jährig, »jährlich, = mal,
= malig ıc. wie neunfad), neunjährig 26 ſ. d.3 Ableit. der Neunziger, -&,
ein aus 90 Einheiten beitchendes Ganzes; Mitglied eined Vereins von
90 Perſonen; gem. aud eine Perfon von 90 Jahren, mweibL die Neuns
zigerinn; neunzigerlei, unbeugf, Bw., wie neunerlei, ſ. d.z der, die, dad
neunzigfte, Ordnungszahlw. von neunzigz dad Neunzigftel, -8, der neun—
zigite Theil; neunzigftend, Nw., zum neunzigften,
Nibbe, w., M.-n, (engl, nib, holl. meb; vergl. nippen), nieberd,-f,
Schnabel; Naſe; daher nibbeln, ziel, Zw, (engl, nibble), mit dem Schna—
bel picken; benagen.
Nichel, m., —8, o. M,, landfch, f. Raden, Kornraden.
Nicht, m., -ed, o. M. (aus d. griech. övuzires verderbt ?), Hütten;
ein weißer, feiner, mehlichter Körper, welcher beim Schmelzen des Zinks in
Geftalt weißer Flocken in die Höhe fteigt, Hütten», Weiß-, Augennicht,
Zinkblumen, Galmeiflug.
nicht (goth. ni-vaihts, althochd. ri-wilt, neowilit, neohbt; mittelh.
nieht, nihtz angelf, naviht; niederd, nid), nig; oberd. nit, netz engl. not 3
entft, aus dem einfahen Qerneinungsworte nı, welches im Altd, auch allein f,
unfer nicht fteht, und dem Hw. wihr (vgl, it, Wicht), Ding, Weſen; alſo
urfpr, verneinendes Hw. oder Fürw. = fein Ding, nidtsz vergl, d. engl. no-
thing, franz, ne-rien (d, i, rem) 1) alt u. noch oberd, verneinendes Fürw. fr
nichts, mit vollftändiger Biegung: Gen. nichtes (3. B. mittilh. daz im nih-
tes gebrast, d. i., dafs er Feines Dinges ermangeltez daher fpäter nichts
f.u.); Dat. nicht e, nicht en (altd, niwihtu, nihtu), daher noch: zu nichte
in: etwas zu nichte machen, d. i. es zu Nichts machen, zu Grunde richten,
zerftören, vernichten; und mit nichten, als ftarfe Verneinung f. gar nicht,
durchaus nicht, keinesweges; 2) verneinendes Nw. (fon in der älteren
Sprache aus der vorigen hauptwortl. Bed, an die Stelle des bloßen ni, ne
rüdendz vergl, nein), nur in Verbindung mit einem andern Worte oder einem
ganzen Sase, verſch. nein, welches für ſich allein verneint; — nich £ verneint
entweder 1) das Prädicat des Satzes felbft; dann fteht es, wie jedes andere
Nw. a) wenn das Prüdicat ein Zw, ift, im Hauptfage nach, im Nebenfase
aber vor demfelben (z. 3, er ſchläft nicht; fie denkt nicht. an ihn; es gefällt
mir nicht; ich verſtehe ihn nicht; er kann nicht fchlafen 2c.5 aber: da er nicht
ſchläft; weil fie nicht an ihn denkt z dafs es mir nicht gefällt 2c.)5 b) wenn das
Prüdicat ein Beiwort ift, immer vor demfelben (5.3, er ift nit groß;
weil er nicht groß iſt z mer nicht groß iſt 2c.)5 oder 2) mich t verneint irgend
ein einzelnes Wortim Sage; dann mufs ed immer v.or demfelben ftehen
(3 B. nit ip, fondern duz nicht Männer, fondern Weiber; hiernach unters
ſcheide man: nicht der Verluſt ſchmerzt ihn, und: der Verluft fchmerzt ihn nichtz
er ift immer nicht zu Haufe, und: er iſt nicht immer zu Haufez er thut oft
%
278 nicht
nicht, was er fol, er thut nicht oft, was er fol, und: er thut oft, was er
nicht ſoll -es beliebt mir nieht, zu effen, und: es beliebt mir, nicht zu effen,
u, dgl. m.); — die ehem, übliche u, noch landſch. Verbindung von nicht mit
einem andern verneinenden Worte in bejahendem Sinne gilt jet für ſprachwi⸗
drig (alſo nicht: es war Niemand nicht daz er hat Fein Vermögen nicht
mehrac.) 3 fo auch der Gehraud) des nicht nach Zw., die ſchon eine Verneinung
enthalten, wie: abfehlagen, verbieten, hindern, zweifeln ꝛc. (alfo nit: es
ft ihm verboten, nicht zu ſprechen; ih zweifle, daſs er nicht kommt;
fondern : — zu ſprechen, — dafs er kommt 2c,) 5 durch die Verbindung von nicht
mit einer andern Berneinung entfteht vielmehr ein bejahender Satz (4.8,
es iſt nichts in der Welt, was nicht veränderlich wäre, d. i. Alles ift verän-
derlich; es ift mie. nit unlieb, hat mir nicht mifsfallen ꝛc. wodurch
jedoch das Gegentheil nicht beftimmt behauptet, alfo weniger gefagt wird, als
durch: esift mir lieb, hat mir gefallen); — bei Fragen wird nichtgebraudt, _
wenn man eine verneinende Antwort erwartet, obwohl man eine Bejahung
wünſchte (3. B, wilft Du nicht mehr eſſen? wollen Sie nicht mitgehen?); oft
ader auch, wo man mit Zuverficht eine bejahende Antwort erwartet (3. B. hap’
ich es nicht vorhergefagt 2 ift ed nicht wahr? auch bloß: nit wahr? oder
nicht fo2); fo auch biöw, bei Musrufungen, wo das nicht jedoch in der
Regel überflüffig und ſtörend ift (3. B. wie ſchön ift (nicht) die Eintracht unter
Brüdern! wie unglücklich ift (nicht) der Menſch ohne Hoffnung! 20.) 5 — ver:
ftürkte VBerneinungen find: gar nicht, ganz undgarnidt, durchaus
niht, ſchlechterdings nicht, nicht im geringſtenec.z nicht doch!
drückt ein Verbot oder einen nachdrücklichen Widerſpruch aus; nicht allein
oder nur — ſondern auch werden als anreihende (copulative) Bindemwörter
gebraucht. — Sn 3 ſetz. beſ. mit Verbal-, Hauptwdrtern od, hauptwbrtlich ge⸗—
brauchten Infinitiven verneint nicht den Begriff des Grundwortes oder drückt
den Mangel desſelben aus, ſinnv. un-z z. B. die Nichtachtung, mangelnde
Achtung, ſinnv. Geringſchätzung, weniger als Verachtung; der Nichtchriſt,
Nichtdenker, Nichtgelehrte (ungelehrte); der Nichtkenner ꝛtc.; das Nichtich,
Philoſ., die außer dem Sch vorhandene vernunftloſe Körperwelt; der Nicht—
leiter, Naturl. jeder Körper, welcher die in ihm erregte Eteftricität nicht fort:
leitet, d. i, anderen nicht mittheilt, entg. Leiter, vergl. leiten; das Nichtfein,
Nichtthun, Nichtwiffen ; Nichtwollenz die Nichtzahlung u. dal, m.; —
Ableit, nichtig, Bw., Feine Wirklichkeit und Weſentlichkeit habend
(nichtige Schatten, Traumbilder zc.)5 Feine Kraft und Gültigkeit habend,
unfräftig, ungültig, leer (nichtige Verfprehungen, Entſchuldigungen, Anz
fhläge; etwas null und nichtig machen) 5 Feinen od. geringen Werth habend,
eitel, vergänglich, hinfällig (der nichtige Leitz das nichtige Erdenleben u,
dgl.)3 die Nichtigkeit, das Nichtigſein in allen Bed,, ſinnv. Unwirklichkeit,
Unguͤltigkeit, Werthlofigkeit, Eitelkeit, Vergaͤnglichkeit; auch eine nich—
tige Sache, M. Nichtigkeiten (z. B. an Nichtigkeiten hangen) 5 — nichts, un:
biegſ. verneinendes Fürw. (aus dem Gen, nihtes zgez. und feiner Bed, nad) an
die Stelle des nicht eingerückt, ſ. dez gem, oberd, niſcht, niederd, nicks), ver:
neint das etwas, ſ. v. w. nicht etwas, u, drüdt mithin dad Nichtvorhanz
denfein jegliched Dinged aus, jedoh nur von Sachen, entfpr, dem perfönl,
Niemand (id) habe, fehe ac, nichts, weiß nichts davonz ed kann nichts aus
der Sache werden; es ift nichts daran, f. daran; aus nichtd wird nichts; ich
' Nichte — nicken 279
wuffte von nichts; mie nichts, die nicht s, gem, f. ohne Rückſicht auf mic
und did), d. i. ohne ſich durch etwas irren zu laffen, mit Gleichgültigkeit und
Leichtigkeit) ; verflärft: garnichts, durchaus, ſchlechterdings nichts;
näber beftimmt durch Dinzufügung eines zum Hw. erhobenen Beiwortes, 4. B.
nichts Gutes, nichts Neues ac. 5 nichts deſto weniger, als entgegenfeßendes
Bdw., d, i, um nichts weniger, finnv, dennoch, deſſen ungeachtet; häufig in
weiterer Anwendung f. fehr wenig (3. B. er hat nichts gelernt, weiß nichts;
etwas für nichts achten, d. i. fehr gering); das Nichts als Hw, 1) ein
Nichtvorhandened, Unwirkliches, Unding (das ift ein Nichts ac); 2) der
Zuftand ded Nichtſeins; das Nichtdaſein (Bott ſchuf die Welt aus dem Nichts;
in das Nichts zurückſinken); — 3ſetz. nichtsnutz, nichtsnutzig od.-nuͤtzig,
Bw., keinen Nutzen habend, zu nichts taugend; gem, auch der Nichtsnutz f.
ein nichtsnutziger Menſch; die Nichtsnutzigkeit; das Nichtsthun, Müßiggehn;
der Nichtsthuer; die Nichtsthuerei; nichtswuͤrdig, Bw., keine Würde,
keinen Werth habend; insbeſ. ohne allen ſittlichen Werth, in hohem Grade ver—
derbt und laſterhaft (ein nichtswürdiger Menſch); die Nichtswuͤrdigkeit, das
Nichtswürdigſein, die ſittliche Verderbtheit; auch eine nichtswürdige Sache oder
Handlung (M. Nichtswürdigkeiten).
Nichte, w., Mn, Verkl. dad Nichtchen, (durch die im Niederd.
gewbhnl. Verwandlung des fin ch entſt. aus Nifte v. Neffe, 1.8.5 landſch.
Niftel; Tat. neptis, franz, niece), ded Bruders od, der Schwelter Tochter,
entfpr, Neffes oberd, auch f, Enfelinn,
nichtig, nichts ꝛc. f unter Bit,
Nick J. m. f. unter nicken; 2, ſ. niederd. f. Genick, f. d.
Nikell. m., -8, o. M., ein ſehr Feuerbeftändiges , ftrengflüffiges
Metall von graulichweißer Farbe, theils gediegen, theils vererzt, theils ver—
kalkt gefunden; gereinigt heißt es: Nickelmetall, Nickelkoͤnig.
Nickel 2.m, -5,M, mw, &, (engl. nag ‚heil. negge 5 mittl. lat. naccusz
v; angelf. hnaegan, engl. neigh, mieheen;. od. verw. mit neigen, niden, alfo
Kleinheit bezeichnend ?), gem. Nudſch. ein’ kleines Pferd; oberd. ein Fleiner,
bef. eigenfinnigerMenfh, Murrkopf; uneig. gem. eine häfsliche, (hmugige,
Viederliche Weiböperfon (ein häſslicher Nidel u. dgl.).
Nikel 3. m., -8, M. w. E. (verw. mit Nagel?), oberd. f. Spike,
ſpitzer Pfahl G. B. Feuernickel, ein zugefpigter Steden zu einem Knaben:
fpiel) 3 ſchweiz. ein Hohlkreiſel.
niden, ziellof. 3w. m. haben, (Ud. hnicchan, ſchwed. nickaz vergl.
d. lat. nictare), das Verdfterungswort v. neigen (1. d.): fich wiederholt nei=
gen (die nickenden Ähren, Halme zc.); gem. in engerer Bed. den Kopf wiedere
holt oder auch fchnell und Furz neigen, insbe]. als Zeichen eines vertraulichen
Grußes, der Bejahung oder Zuftimmung (einem nicken; fie nickte mir freund:
lich z auch wohl ziel. einem Beifall, Dank ꝛc. —)5 auch f. ſitzend fchlummern,
weil man dabei mit dem Kopfe niet (vergl. einnicken); der Ni, - 8, M, -e,
landſch. f. eine nickende Bewegung mit dem Stopfe, bef. ald bedrutfame Ge:
berde; niederd. überh. f. Neigung, Kippe; der Nicker, -8, wer nickt;
landſch. auf f. v. w. Nick; ein leichter Schlummerz die Nickhaut, eine
dunne, bewegliche Haut unter dem oberen Augenliede mehrer Thiere, womit
fie beſ. im Schlafe das Auge verwahren, Blinzhautz der Nickſtuhl, ein Lehn⸗
ſtuhl, in welchem man ſchlummert; die Nickſtunde, Schlummerftunde,
230 Nickert — nieder
Nickert, m., ſ. Nix.
Nickiſch, m., — es (auch Niekſchz wohl von niden?) landſch. f. das
ſpitzige Rietgras.
nie, verneinendes Nw. der Zeit (aus dem Berne: nungsmw. ni, ne und dem
Nw. ie, je (1. d.) zoeſ. 3 goth. ni-aiv; altd. nio, nie), zu feiner Zeit, verft,
niemald, nimmer, entg. je, (ich habe ihn nie gefehenz das wird nie gefches
ben 2c.).
niebeln od. nibeln, ziellof. unp. Zw., oberd. f. nebeln, fein regnen,
nied oder nid (altd. nidaz die Wurzel v. nieden, nieder) ſchweiz. Vw.
m. dem Dat. f. unter, unterhalb, entg. ob (nid dem Wald),
nied, Bw., fchweiz. f. angenchm.
Niedel, m., -8, oberd. u, bef. ſchweiz. f. Milchrahm, Sahne,
nieden, Nw. (altd. nidana, nidane, nidenz angelf. neothan, island.
nedan, dän. neden) vlt. u. diht. f. untenz daher: hienieden, fd.
nieder, Nw. u. Bw, (altd. nidar, niderz niederd. nıdder, neer; island,
nedar, ſchwed. neder; angelſ. neoihor, engl. nether) 1) Bw. nur ald Eigw.
gebr. (mie hinter, inner, ober, unter 2c.): der, die, dad niedere, ein
niederer ꝛc. eig. unten befindlich, dem Erdboden oder dem Mittelpunfte
der Erde näher, als ein anderee Gegenſtand, entg. ober, body, finnv. nie=
drig, f. d. (ein niederes Haus, eine niedere Gegend, Stufe 20.5 wegen der
einem Compar. ähnlichen Form des Wortes wird der Comp. niedrer, der nies
drere gar nicht, der Sup. niederft, niederfte felten gebraucht; gew. fteht
dafür: niedriger, niedrigft, z. B. die niederfte, gem. niedrigfte Stufe);
uneig. der Wuͤrde, dem Range nach geringer, als Anderes feiner Art (3. B.
die niedere Saad, f. d.5 niedere Schulen, Geiftlichkeit, Gerichtsbarkeit; die
niedere Schreibart, entg. die höhere 2c.) ; in fittlihem Verftande f. niedrig,
unedel, gemein (ein niederer Eigennug, Stolz 20.); — 2) Nw. eine Bewes
gung nach unten bezeihnend, finnv. unterwärtd, abwärts, entg. auf, in
die Höhe: a) felten als felbftändiges Wort (nur in: aufund nieder gehen,
laufen 2c. f.v.w. auf und abıc 5 u, ausfaff. z. B. nieder mit ihm! d. i. werft
ihn nieder); b) gew. in Zſetz. und zwar ald zweites Glied der Zfeg. in
den Nm. danieder, hernieder; bef, aber als erſtes Glied oder Beftimmunges
wert mit dein Hauptton in Hw. u. Bw., 3. B. Niederfand, niederdeutfch 2c.
entg. ober —, und vorzüglid in vielen trennbaren Iw., wo es cine Bewe—
aung 08, Richtung nad) unten od. auch das Bewirken einer folchen Bewegung
durch die in dem dw. enthaltene Thätigkeit bezeichnet, entg. auf—. Die meiften
Bee. dieſer Art erklären ſich hiernach hin!änglich durch fich felbft, als: nieder—
beugen (auch uneig. f. befümmert, muthlos machen, demüthigen), niederbe=
wegen, = biegen, = bliclen, = blinfen, = bohren, = bringen, = buͤcken, =dräns
gen,-dringen, niederdritcfen (auch uneig. ſ. v. w. unterdrüden, od. niederbeugen),
niedereilen, = fliegen, = fließen, = fluthen, führen, = girken, = gleiten, = hal
ten, = bangen, hängen, niederhauen (d. i. durch Hauen zu Boden ftrerten),
niederhocken (f. boden), niederjagen (jagend nieverwerfen od, bis zum Nieder:
“ fallen jagen), nirderfämpfen (kümpfend zu Boden werfen), niederfauern (fe
Tauern), niederflappen, = Elettern, = Enieen, = follern, = Eriechen, =Eriimmen,
langen, =laufen, =Teiten, = Ienfen, =locfen, = mähen, = meßeln, neigen,
eplumpen, zpreffen, =raufchen, regnen, zrinnen, niederrollen (ziel. u.
ziellos, ſ. vollen), niederrutfchen, niederfäbeln (ſäbelnd zu Boden werfen),
—
Niederbord — niederholen 281
niederſchaffen, ⸗ſchallen, =fchauen, »fcheinen, -ſchicken, —ſchieben,
⸗ſchleichen, =fchlendern, = fchleudern, -niederſchlingen, -ſchlucken (gem. f.
hinunterſchlingen‚-ſchlucken), niederſchmettern (ziel. u. ziellos, f. ſchmettern),
niederſchreiten, -ſchuͤtten, -ſchwanken, -ſchweben, = fchroemmen, -ſchwen—
fen, -ſchwingen,-ſehen,-ſenden, = fenfin, -ſinken, nieberfprengeh Giel. u.
ziellos, f. fprengen), niederfpringen, =fprigen, sfprühen, =fpülen, = ftampfen,
efteigen, = ftellen, = [trahfen, = ftreichen, -ſtrömen, = fhülpen, ‚= tauchen,
etaumeln, =thauen, = tragen, = träufen, =triefen, = tropfen ꝛc., niedertreis
ben, zwacjfen, =walzen, =wälzen, = wandeln, = wandern, niedermehen
(ziellos, von oben herab wehen; ziel. wehend niederwerfen), niederwuͤhlen,
niederwuͤrgen (würgend niederwerfen; gem. auch f. hinunterwürgen), nieder—
zerren, = ziehen, ezitlen, = zucken u. a. m. — Nur die folgenden Zfeg. bedür—
fen, bef. wegen mehrfacher od. uneig. Bed., einer genaueren Erftärung.
Niederbord, m., Schiff. ein niedriger Schiffsbord ; gem. ein Ruderſchiff
mit niederem Borde, entg. Hochbord, ſ. d.
niederbrechen, trb.3m. 1) ziellos m. fein, brechend nieberfalfen ; ; 2) ziel.
brechend zu Boden ſtuͤrzen, finnv. abbrechen, niederreißen (ein Haut).
niederbrennen, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, durch Brand dem Boden
gleich werden, finno. abbrennen; 2) ziel. durch Berbrennen zerflören, ein=
aͤſchern.
niederdeutſch, Bw., dem niedriger liegenden, noͤrdlichen Theile Deutſch—
lands eigen oder angehoͤrend, dort einheimiſch, entg. ober-, hochdeutſch, (die
niederdeutſche Sprache, Mundart, auch die plattdeutſche oder niederſächſiſche
genannt); daher ein Niederdeutſcher, eine Niederdeutſche, die Niederdeut—
ſchen, als Hw.; Niederdeutſchland, f., -8, das nördliche, niedriger lie⸗
gende Deutichland, entg. Obrrteutfhland.
Niedere, w., M. -n, oderd. f. Niederung, niedrig Tiegende Gegend,
niederfahren, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, fich fchnell niedermwärts be=
wegen; 2) ziel. durch Fahren niederdruͤcken od. zu Beden werfen; die Nies
derfahrt, das Niederfahren in zieltofer Bed; auch der Ort, wo man nik=
Tg entg. Au’fahrt.
niederfallen, teb. zieltof. Zw. m. fein, zu Boden, auf die Erde fallen; j
vor einem —, ſich vor ihm niederwerfen, auf die Kniee werfen; Jäg. von
dem aufgetricbenen Geflügel f. fich niederſetzen; der Niederfall, das Nies
derfallen; niederfällig werden, oberd. f. einen Rechtsſtreit verlieren.
Niederfolge, w., landſch. die Berbindlichfeit der Unterthanen und Lehns⸗
leute, dem Lehnsherrn in niederen, d. i. geringern Fällen zu folgen, entg..
hohe oder Hceresfolge,
niedergeben, trb. ziellof. 3w. m. fein, niedermärtd gehen od. fich be—
wegen; v. der Sonne ſ. v. w. untergehen; der Niedergang, das Nieder—
gehenz der Untergang der Sonne, und die Himmelsgegend, wo fie untergeht
(vom Aufgang bis zum Niedergang) 5 ehem, die Höllenfahrt Chrifti.
Niedergericht, fe, 1) f. v. w. Untergericht, entg. Obergericht 2) Jäg.
ein niedered Gericht zum Vogelfange (f. Gericht 1.).
niedergefchlagen, Bw., f. unter nieberfchlagen.
Niederhemd, f., niederd. f. Unterhemd.
niederholen, trb. ziel. Zw., Schiff. f. miederzicehen; der Niederholer,
Schiff. ein Tau, mit welchem man etwas niederholt.
282 Niederholunder — niederreißen
— od. = holder, m., niedrig wachſender Ackerholunder,
Attich.
Niederjagd, w., ſ. v. w. die niedere Jagd, ſ. Jagd.
Niederkleid, ſ., landſch. f. Unterkleid, Weſte u. beſ. Beinkleid.
niederkommen, trb. zielloſ. Zw. m. fein, niederwaͤrts kommen, ge—
langen, ſich niederlaſſen; gew. in engerer Bed. in dns Wochenbett kommen,
entbunden werden (fie iſt mit einem Knaben niedergekommen); die Nieder—
Funft, das Nieder- od. Herabkommen; das Entbundenmwerden, die Ent—
bindung (fie erwartet ihre Niederkunft; eine ſchwere Niederkunft zc.).
Niederlage, w., ſ. unter niederlegen.
Niederland, ſ., -d, M. =länder und ande, überh. ein nitdrig lies
gendes Land, entg. Oberland; insbeſ. die Niederlande als EN. die 17 am
Niederrhein u. an der Norbſee gelegenen chem, niederdeutfchen Landfchaften,
welche jest das Kbnigreich der Niederlande (Holland) u. das Königreid) Belgien
ausmahenz der Niederländer, die Niederländerinn, Einwohner eines
Niederlande, entg. Oberländerz Einwohner der Niederlande, bef. f. v, w.
Holländer; niederländifch, Biw., einem Niederlande eigen, angebörig 2c.,
entg. oberländiſchz den Niederlanden eigen, dort einheimiſch, bef. f. v. w.
holländifch (niederländifche Sprache, Malerei ꝛc.).
niederlafjen, trb. ziel. u. rückz. zw., et was on. einen —, d. i. deffen
Bewegung nach unten bewirken, niedergehen od, finfen laffen (3. B. einen
Vorhang, einen oder ſich an einem Geile); ſich —, f. ſich ſetzen, nieder—
feßen; u. uneig. an einem Orte feine Wohnung, feinen Aufenthalt neh—
men, ſich anbauen oder anfiedelnz vie Niederlaffung, das Niederlaffen;
das Sich = Niederlaffen, die Anfiedelung; auch ſ. v, w, der Niederlafs,
—es, M. =läffe, eine durch die Niederlaffung Mehrer angebaute Gegend,
ein Pflanzort, Anbau (fe. Colonie).
niederlegen, trb. ziel. zw., auf den Boden, zu Boden, niederwaͤrts
legen (eine Laft, einen —, d. i. zu Boden ſtrecken, erlegen) z in engerer Bed,
einen od. fich — ind Bett legen, ſchlafen legen; etwa 8 bei Jemand —,
in Verwahrung geben (fr, deponiren) ; Waaren an einem Orte —, zur Auf—
bewahrung Binlegenz”uneig. ein Amt, die Regierung zc, —, ſich derfelben
freiwillig begeben ; die Niederlegung, das Niederlegen in allen Bed.z die
Niederlage, 1) das Niederlegen, gew. die Niederlegung ; 2) das Nieder-
nelegtfein, oder Niederliegen, daher landſch. f. Bettlägrigkeitz insbeſ. das
Geſchlagen- od. Befisgtwerden eines Kriegsheeres (eine Niederlage erleiden) 3
3) ein Ort, wo Vorräthe, beſ. Waaren, niedergelegt und aufbewahrt
werden, Vorrathöhaus (fe. Magazin); auch das Net, od, die Verbindlich—
keit, etwas an einem Orte nieberzulegen, das Stapelrcht, Krahnredhtz —
niederliegen, trb. Bw. 1) ziellos m, haben, zu Boden, auf der Erde
Yiegenz gelagert, geſenkt fein; insbeſ. Franf, bettlägrig fein; uneig, ohne
Lebhaftigkeit fein, gew. danieder liegen; 2) sie, etwa —, durch Liegen |
niederdruͤcken.
niedermachen, trb. ziel, Zw., niederwaͤrts richten, niederlaſſen (3. B.
die Krempe eines Hutes, eine Tiſchklappe 2c,) 3 insbeſ. f. niederhauen, nieder—
ſtechen, toͤdten (die Kriegsgefangenen wurden niedergemacht). *
niedern, ziel. Zw., vlt, f. niedrig od. niedriger machen, zu Boden ſtuͤrzen.
nieberreißen, trb. ziel. Bro, niederwaͤrts, zu Boden reißen (einen Aft);
niebebreiten — nieberftürzen 283
urch Zertrümmerung dem Boden glei machen, einreißen (ein Haus) 5; die
Niederreißung. -
niederreiten, trb. 3w. 1) ziellos m, fein, niederwärtö, hinab reiten;
2) ziel. reitend niedertreten, umreiten.
niederrennen, trb. 3w. 1) ziellos m, fein, nieberwärtd rennen ; 2) ziel,
rennend zu Boden werfen, umrennen.
niederfchießen, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, fich plöglich und ſchnell
niedermwärtd bewegen; 2) ziel, mit einem Schuffe zu Boden ftrecfen (einen
Bogel)z; durch Schüffe der Erde gleich machen (ein Haus mit Kanonen —),
niederfchlagen, trb. Zw, 1) ziel, niederwärtd, zu Boden fehlagen (der
Regen fchlägt die Blüthen nieder; einen Baum —, d, i, füllen); niederwaͤrts
richten, niederlaffen, fenfen (eine Klappe —z den Blid, die Augen —) 5
Scheidek. einen in einer Fluͤſſigkeit aufgelöften Körper —, d. i, durch Hin:
zuthun eines dritten, welcher das Aufiöfungemittel ftärker anzieht, bewirfen,
dafs er fich als ein Niederfchlag zu Boden ſetzt (fr. präcipitiren) 5 ferner
uneig. f. dämpfen, beruhigen, mildern (die Säure im menſchl. Körper — 3
ein niederfchlagendes Mittel, d. i. welches die Wallung des Blutes mindert) 5
plöglich zu nichte machen, aufheben, unfräftig machen, widerlegen (eine
Sorderung, einen Rechtsſtreitz eine Hoffnungz einen Beweis —)3 einen —,
ihn muthlod machen, in Traurigkeit verfeßen, beugen; daher nie der—
gefhlagen als Bw, f.muthlos, traurig, gebeugtz dieNiedergefchla-
genheit, Muthlofigfeit, Iraurigkeitz 2) ziellos m. fein, plößlich und
heftig niederfallen (er fchlug auf der Straße nieder) 5; m. haben, niedermärts
ſchlagen, 3. B. Tonk. beim Tactſchlagen; der Niederfchlag, das Nieder:
Schlagen (ziellos), ein niederwärtd gerichteter Schlag, bef, Tactfchlag, entg.
Aufſchlag; Scheidek. der aus einer Flüſſigkeit ald Bodenfaß auögefchiedene
Körper (fr, Präcipitatz f. o. nieberjchlagen) ; die Niederfchlagung, das Nie-
derfchlagen (siel.) in allen Bed,, 3.8, des Kupfers aus dem Kupferwaffer,
einer Forderung ꝛc. \
niederfchreiben, trb. ziel. Zw., ſ. v. w. auffchreiben, zu Papiere Dringen,
fchriftlich niederlegenz; die Niederfchreibung.
niederſetzen, trb. ziel. Zw., etwas od, fih—, niederwärtö, auf den
Boden, auf einen Stuhl 2c, feßen, Binfegenz uneig. ein Gericht, eine Be—
hörde u. dgl, —, d, i. ernennen, einfegen, anordnen; die Niederfegung,
das Niederfegen, eig. u: uneig.; der Niederfoß, ſ. v. w. Bodenſatz; nieder-
fißen, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, oberd. f. ſich niederfeßen; 2) ziel, durch
Sitzen niederdruͤcken (ein Polſter).
niederſtaͤmmig, Bw., einen niedrigen Stamm habend, entg, hoc:
ftämmig, }
niederftechen, trb, Zw, 1) ziellos m, haben, niederwaͤrts ftechen ; 2) ziel,
mit einem Stiche oder mit Stichen zu Boden ſtrecken, tödten,
niederftoßen, trb. 3m. 1) ziellog m. haben, niederwärts ſtoßen; 2) ziel,
ftoßend zu Boden werfen, mit Stößen oder Stichen tödten, ſ. v. w. nie:
derſtechen. Br /
niederſtrecken, trb. ziel, zw., einen oder fi —, zu Boden ſtrecken,
auf den Boden hinſtrecken; bef. todt zu Boden ſtrecken, erlegen,
niederftürzen, trb, 3m. 1) ziellos m. fein, niederwärts, zu Boden
ſtuͤrzen; 2) ziel. einen od, etwas —, zu Boden, hinabftürzenz; ſich —,
\
284 niederthun — niemals
J
heftig niederwerfen, mit großer Gewalt niederwaͤrts bewegen (die Waſſer
ſtürzten ſich nieder.)
niederthun, trb. rüdz, Zw., ſich —, Jäg.f, ſich niederlegen.
Niedertracht, w., vlt. f. Niedertraͤchtigkeitz; niedertraͤchtig, Bw., eig.
ſich niedrig tragend, daher oberd. f. niedrig, klein, kurzbeinig (niederträch—
tige Schafe 2c,) u. uneig. f. gemein, von niederer Abkunft; demuͤthig; herab—
laffend (ein niederträhtiger Herr); chem. aud; f. niedergefhlagen, unglücklich;
jest hochd. nur im fittl. Verſtande: niedrige Gefinnung habend, ehrlos, ohıre
Ehrgefuͤhl und Selbſtſchaͤtzung; die Niederträchtigkeit, das Niedertraͤch⸗
tigſein; eine niedertraͤchtige Handlung (M. Niederträchtigkeiten).
niedertreten, trb. Zw. 1) ziellos, an einen niederen Ort treten; Mziel.
niederwaͤrts, zu Boden treten (die Schuhe, das Gras ꝛc.).
niedertrinfen, trb. ziel. Zw., et was —, gem. f. hinuntertrinken;
einen — zu Boden trinken, ihm bis zum Niederfallen zutrinken.
Niederung, w., M.-en, eine niedrig liegende Gegend.
Nieverwand, f. (v. Wand, Gewand, ſ. d.) vit, f. Unterffeid, Beins
Tleider,
niederwärt3, Nw., nach unten jur, ſinnv. ab=, unterwaͤrts.
niederwerfen, trb. ziel. Zw., etwas,einen od. fih —, niederwaͤrts,
zu Boden werfen; oberd. Ripr. f. in Verhaft nehmen; die Niederwerfung.
niedlich), Bw. (alt. niet, nietsam ,. angenehm; von nicton, nieten,
erfreuen, beluftigen 3 niederd. nike), Plein und zierlich, ſinnv. huͤbſch, artig,
nett (Vogel, "Mädchen, Hut 2c.); alt u, landſch. von Speifen f. ſchmackhaft,
lecker (fr. deticat); die Niedlichkeit, das Niedfichfein, die Actigkeit, Nettigs
keit; aud eine niedlihe Sache (M. Niedtichkeiten),
niedrig, Bw. (v. nieder, ſ. d.5 nieberd, neddrig, ſchwed. nedrig), eig,
der Erdoberfläche oder dem Mittelpunfte der Erde verhältnifämäßig nahe,
näher als andere Dinge fiiner Art, oder als gewöhnlich, finnv. niedır, entg.
hoch (3. B. ein niedriger Berg, Baum; ein niedriges Haus, Land ꝛc.; nie:
driger Wafferftandz; mit dem Kopfe niedrig Liegen 2c.) 5; uneig. überh. nicht
hoch, insbef, von Tönen: tief (ein niedriger Zon, eine niedrige Stimmung);
vom Preife: gering (ein niedriger Preis, niedrig fpieien); der Wurde, dem
Range, dem Anfehen, der bürgerlihen Stellung und Uchtung nad) ge=
ring, finno. umedel, gemein (aus niedrigem Stande, von niedriger Geburt,
Herkunft, ıb. aus niederem Stande 2c. wegen ber in niedrig überwiegen:
den fitilichen Bed.; ein niedriges Wort, di. ein der Pbbelſprache angehören:
des, unanftändiges; eine niedrige Schreibart, d. i. eine pöbelhafte, verſch.
niedere); bef. in fittlihem Verſtande: von gemeiner, unedler Geſinnung,
ohne ſittliche Wuͤrde (ein niedriger Menfd 5 niedrige Geſinnungen, Geiz ꝛc.)3
bibl. aud) F. demuͤthig (miedriges Gemüthes fein); die Niedrigfeit, dad Nie—
drigfein in eig. u. uneig. Bed. (5. B. eines Berges, der Stimme, des Preifes,
des Standes, der Gefinnung ꝛc.); niedrigen, ziel. Zw. vlt. f. niedrig machen,
erniedrigen; die Niedrigung f. Erniedrigung; landſch. f. Niederung,
Niefel, w., M.-n, landſch. f. Feifel, 1. d.
niefeln, zielloſ. Zw., oberd. f. naͤſeln; ſchnaufen, ſchnobern.
Niele, w., M.-n, landſch. f. der Schlingbaum.
niemals, verneinendes Nw. (oberd. auch niem al, niemalen), das vers
fürkte nie (fe d. u. Mal s unter Mal 1.): zu Feiner (vergangenen od. zulünfs
r Niemand — niefen 285
tigen) Zeit, entg. jemals, (3.3. ich habe ihn niemals gefehenz; das wird
niemals geſchehen 2c.).
Niemand, verneinendes perfünl. Fürw. der Zten Perfon, o. M. (aus dem
alten Verneinungsworte ni und ieman, Jemand zgef.; altd. nioman, nieman,
niemen), fein Mann od. Menfch, finnv. Seiner, entg. Semand, (5. B
ed war Niemand da); Gen. Niemands (z. B. die Nacht ift Niemands Freund);
die Übrigen File bleiben am beften ungebeugt; denn die Formen Nieman:
dem, Niemanden verftoßen gegen die Bildung tes Wortes, vergl. Jemand,
(alfo ich will Niemand ‚etwas davon ſagen; ich kenne hier Niemand); in ber
Volksſpr. wird niemand auch als Bw. mit einem hauptwörtlich gebrauchten
Eigenfhaftsworte im fühl, Gejgieht verbunden (3. B.c5 war niemand Fremdes
ba, b. feine fremde Perfon).
Niep, m., -ed, M.-e, landſch. Zudm. eine fehlerhafte Stelle in
einem Quche, wo an ber einen Seite der Einſchlag mit der Lade nicht fo feft
angeſchlagen iſt, als an der andern, der Vorſchlag.
niepe od. nieper, aud nipp, nippe, niederd. Bw. f. genau, fcharf, hell,
Elar (nur vom Geficht und Gehör gebraudt).
Niere, m, M. -n, Verkl. das Nieren, (altd. nioro, niero, i8län$.
nyra, fchmeb. njura, dan. nyre, poln-nerka; griedy. vepgös; lat. ren), im
thier. u. menſchl. Körper zwei in der Lendengegend-liegende und zur Abſon—
derung des Harns dienende roͤthliche fleifchige Iheile-von Bohnengeftalt (bibl.
als Sig der Empfindung und der Begierden, z. B. du prüfeft Herzen und Nie:
ven); in weiterer Anwendung Bergw. Erze und Bergarten von rundlicher,
nierenaͤhnlicher Geſtalt (z. B. Kiesnieren), auch kleine, mit Erztheilen auge:
ſchwüngerte Klüfte (verſch. Nefter, ſ. d.)5 — 3fes. der Nierenbaum, ein
amerifan. Baum mit nierenförmigen Nüffenz der Mierenbecher, Anat. eine
häutige Röhre, melde das Nierenwärzchen umgiebtz der Nierenbraten, der
heil des Rückgrats, wo die Nieren gefeffen haben, als Braten zugerichtetz
insbef. Kalbsbraten vom Hinterviertel mit den daran befindlichen Nieren; die
Nierenentzundung (fr. Nephritis); das Nierenfett, das die Nieren um:
gebente Fett; nierenfürmig, Bw.; der Nierengries, = fand, in den Nie:
ren erzeugter Gries (f. d.); die Nierenkartoffel, länglich runde, nierenähn—
liche Kartoffel; nierenkrank, Bw.; die Nierenkrantheit, = befchwerde,
der Nierenfchmerz, das Nierenweh; die Nierenfchnitte, M,-n, Küg.
mit gehadten Nieren belegte und in Schmalz gebadene Semmelſchnitte; der
Nierenftein, ein in den Nieren entftehender fteinartiger Körper (vergl. Blafen= )
fein); Naturk. ein zum Specjtein gehörender, thonartiger, grüner Stein,
Lendenftein 5 die Nierenftolle, Küch. zerlaffenes und in Geftalt einer Stolle
erkaltetes Nierenfett, deſſen man fih an Speifen bedient; das Nierentalg,
das Zalg, weiches die Nieren des Rindviehs umgiebt; die Ni erenwarze, Anat.
Wärzchen, welche von ben Harngefäßen der Nieren gebildet werden; nieren—
weile, Nw., in Nieren od. in Nierengeftatt (ein Erz bricht nierenweife, ſ. o.).
niefche, oberd. Bw. f. fanft od. allmählich abhaͤngig.
niejeln, ziellof. Zw. 1. (0. Nafe), landſch. f. naͤſeln; 2. fränk. f. fachte ur
fein regnen, rieſeln.
niejen, ziellof. 3m. m. haben, (oberd. aud) nieftenz altd. niusan, isländ.
hniosa, ſchwed. njusa, nysa, dän. nyse; angelf. niesän, engl. neese, sneezez
verw. mit Nafez ehem. ablaut. Impf. noͤs; jegt nur umend. niefete, geniefek
286 nießen — nieten
od, genieſſt), in Folge einer durch Reiz der Geruchsnerven bewirkten krampf⸗
haften Zuſammenziehung der Muskeln die Luft mit heftiger Erſchuͤtterung
dur) die Nafe ausftoßenz das Nieſekraut, verſchiedene Niefen erregende
Pflanzen, bef. der Bertramz das Gnaden= od. Gihtkrautz; wildes Niefe:
Eraut od. wildes Knabenkraut, bei. ven Pferden ſchädlichz falſches Niefe:
Eraut, der Mauerpfeffers das Niefemittel, ein Niefen erregentes Mittel;
die Niefewurz od. Nieswurz, verfchiedene Niefen erregende Pflanzen, insbef.
ſchwarze Niefewurz, bef. im ſüdl. Europa, auch Chriftwurz, Hlrbschen,
Bärenfuß, mit fünfblätterigen Blumen; weiße Nieſewurz, mit ſechsblätte—
rigen Blumen und einer ſehr ſcharfen, gefährlichen, ſelbſt tödtlichen Wurzel,
auch Wendewurz; wilde N., eine dem Knabenkraut ähnliche Pflanze; fal ſche
N., eine Art Feuerrbschen; die Reifblume; der Nieſer, -8, wer nieſet;
gem, auch ein einmaliges Nieſen.
nießen, ziel. Zw. ablaut. wie genießen, (goth. niutan, isländ. niota,
angelf. neotan, altd. niozan, niezen), im Hochd. völlig vlt., doc) noch oberd.
f. genießen, f. d.5 daher der Nießbrauch, der Genufs od. Gebrauch des Er:
trages einer Sache, auch: der Geniegbraudy, die Nugung, Nusniefung (fr.
Ufusfeuctus)z nießbrauchen, untrb. ziel. Zw., etwas —, den Nießbrauch
davon haben z der Nießbraucher, - 8, auch) der Nießherr; der Nießbrauchs⸗
befiß; das Nießbrauchsgut ꝛc.; nießbar, Bw. u. Nw., als Nw. auch
nießbarlich, oberd. f. genießbar; aud dem Nießbrauche nach od, darin ge=
gruͤndet (ein Gut nießbarlich befigen) 5 Lie Nießbarfeit, ſ. v. w. der Nieß⸗
braud).
Niet, ſ., ſ. unter nieten, \
Niete, 10, M -n (v. dem Hol. niet, nicht), ein nichtd gewinnendes
Loos.
nieten, ziel. u. rückz. Zw. (altd. nioton, nieten; isländ. hnioda ; Grundbed.
preſſen, drückenz; daher Noth, ſ. d. u, vergl, Neid) 1) mittelft eined Nies
te3 (1, u,) befeſtigen, inöbef, indem man dad Ende deöfelben breit oder Erumm
ſchlägt; daher oberd, f. ſchlagen, prügeln; niederd, f. mit dem Kopfe oder mit
’
den Hörnern ſtoßenz 2) rückz. fich —, oberd, f. fi anftrengen, bemühen, '
beftreben, abmühen (daher die Niete, ſchwäb. f. das Beftreben, u. das Mw.
genietet als Bw., vlt. f. erfahren, geübt); ſich eined Dinges nieten
od. genieten, alt u, oberd. fi fich ‚deffen erfättigen, «8 genug bekommen;
auch fid) daran vergnügen, ergößenz; dad Niet, -ed, M.-e, Verkl. dad
Nietchen, (iederd. Need), ein Nagel od, Pflock, womit etwas befeftigt
wird; in engever Bed, ein ftumpfer metallenee Stift, welder zur Verbin:
dung zweier Theile durch diefelben getrieben u, an den Enden breit gehämmert
wird (nietz und nagelfeft, duch Niete u, Nägel befeftigt)3 landſch. auch
die abgezwickten Spitzen der Hufnägelz das Nieteifen, ein Eifen zum
Ummnieten der Hufnägel ; der Niethanmer, ein zum Nieten gebraudter Ham:
mer; der Nietnagel, 1) ein Nagel, defjen Spige genietet, d, i, breit gehäm—
mert wird; 2) (vd. nieten in ber Grundbed, drüden, daher fehmerzen), ein
mit dev Wurzel im Fleiſch figendes ſchmerzendes Faſerchen von dem Fingernagel
od, der aufgejprungenen Haut am Nagel, auch Noth-, Neidnagel (franz
les envies), das Nagelftroh 2c,5 der Nietpfaffe (ſ. Pfaffe), Schloſſ. eine Art
Meißel, welchen man auf die Niete fegt, um fie mit Hammerſchlägen breit zu
ſchlagen.
Nifel — Nifchel 287
Nifel od, Niffel, w., landſch. ſ. v. w. Feifel,
niffen, niffeln, ziel, 3w, (vergl, das niederd. nibbeln, engl. nibble,
nagen) oberd. f. reiben, wetzen.
Niftel, w., M.-n, (altd, nift, niftila; angelf. u. isländ. niftz fat,
neptis; v. Neffe, f. d.), alt u, landſch. f. Nichte; die Niftelgerade, vie
Gerade (ſ. d,), d. i. das Geräth, welches die nächſte Blutsverwandte mütterlicher
Linie von ihrer verftorbenen Muhme, Bafe oder Nichte erbt.
Nikawitz oder Nikowitz, m., -ed, M. -e, (v. böhm. ikawez) bſtr. f.
Bergfink.
Nilling od. Noͤlling, m., — es, M.-e, landſch. f. Iltiſs (ſ. d).
Nilpferd, ſ., (vom Fluſſe Nil in Agypten) ſ. v. w. Fluſspferd, f. d.
Nimbſch, m., -e8, o. M., landfch. f. das ſpitzige Rietgras.
nimmer, verneinendes Nw. der Zeit 1) altd. (niomer, niemer, nimer,
entft. aus nio, nie, und mer, alfo eig. nie mehrz niederd. nummerz engl.
never ; vergl. immer), zu Feiner (vergangenen oder bef. zukünftigen) Zeit, nie,
niemals, durchaus nicht (bibl. Hochmuth thut nimmer gut); 2) (entft. aus
ni- mer; ſchwäb. nime) alt u. oberd, f. nicht mehr, nicht wieder (bibl. wenn
nimmer Holz; da ift, verlöfchet das Feuer; er Eommt nimmer u. dgl. m.)5
nimmermehr, Nw., das verft. nimmer (wobei die Bed. des mer innimmer
vergefjen ift), fihlechterdings zu Eeiner Zeit (Liebe hört nimmermehr aufs ich
werde es nimmermehr zugeben; nun und nimmermehr, d. i. weder jegt,
noch zu irgend einer andern Zeit); auch f. durchaus nicht, auf Feine Weife (dad
Eann ich nimmermehr glauben) 5 3fe$. der Volksſpr. find: -der Nimmerfroh,
Nimmergenug, Nimmernüchtern zc. d. i. wer nie froh if, nie genug hats
der Nimmerfatt, unbiegf., wer nie fatt wird, ein Unerfättliherz; Naturk,
f. Kropf: oder Sackgans; amerifan. Baumpelifan; der Nimmerstag, gem.
ſcherzh. auf Nimmerstag, d. i. niemals,
nindert od. niendert, verneinendes Nw. (althochd. nioner, mittelh. nien-
En v. ioner, iender f. irgend) alt u. oberd. f. nirgend, nirgends ; durchaus
nicht.
nippen, ziellof. u. ziel. Zw. (alt u. oberd. nipfen, nipfeln; nicberd. nibfen,
nippern 3 verw. mit d. nieberd. Nibbe, engl. nib, holl. neb, Schnabel; nibbeln,
engl, nibble, benagen; nip, kneipen) von Vögeln: mit der Spite des
Schnabels hacken, od. trinken; daher: mit wenig geöffneten Lippen und
in Eleinen, abgefeßten Zügen trinken (ee nippt nurz Wein aus einem
Glaſe —) 5 uneig. ſchwäb. f. fticheln, necfen, plagen (daher nippig f. ned:
ſüchtig); der Nipp, —es, M, -e, gem. f. ein einmaliges Nippen (einen
Nipp tun); ſchwäb. f. Stof, u. uneig. Nippen, M. f, verſteckte Bosheiten.
Nipps, m., -ed, M, -e, landſch. f. Knipps, Knirps, f.
nirgend oder nirgends, auch nirgendwo, (nicht gut: nirgendswo),
verneinendes Nw. des Ortes (altd. niergen, nirgen; aus ni, nicht, u. iergen,
“ irgend zgeſ.; niederd. nergen, nargens), an Feinem Orte, entg. irgend,
irgendwo, (überall und nirgends fein). R
niirren, ziellof. 3w. m. haben, niederd. f. Fnirren ; Enurren (von Rasen).
Niiche, w., M,-n (aus d, franz. niche, v. nicher, niften, alfo gleidf.
eine neftartige Höhlung), eine Wandvertiefung, Blende, Bilderbiende,
Niſchel od. Niefchel, m., -8, M. w. E,, landſch. gem, verächtl. oder
ſcherzh. f. Schopf, Kopf.
288 mM — Nobbe
niſs, Nachſ. (goth. assus, in-assus; althochd. massa, nissa, nassi, nissi,
nussi; mittell. nisse; angelf. nes, nessez engl. ness; oberd. nufe) bildet
weibliche und gew. fühlihe Hauptwörter 1) felten ven Beiwör—
tern (nur Finfternifs, Geheimnifs, Wildnife); 2) gew. von Zeitwdrtern,
bef. zielenden mit ven Vorfilben be, er, ver, und zwar theils a) von dem Stamme
dee Infinitivs (3. B. Verdammniſs, Bedrängnifs, Fäulniß, Bildniſs,
Kenntnifs ft. Kenn: nifs mit eingeſchaltetem Wohllauts-t, Erlaubnifs, Ärger:
niſs, Hindernifs, Verzeichniſs zc. von verbammen, beträngen, faulen, bilden,
Tennen, erlauben 26,) 5 tbeitö b) von dem 2ten Mittelwort (5, B. Bewandts
nifs, Gedächtniſs, Gefänanifs, Geftandnifs, Begängnifs, Vermächtniſs 2c. von
bewandt, gedaht, gefangen, geftanden 2c.)5 diefe Hauptwörter bezeichnen
1) einen Zuſtand oder eine Befchaffenbeit, felbftäntig gedacht, ſinnv. heit,
keit (z. B: Kinfternifs, Bedrängnifs, Beforanifs, Betrübnifs, Verderbnifs,
Verhältniſs); 2) eine Handlung, dod mehr von ihrer Außerlihen (objectiven)
Ceite, alfo als Begebenheit der Geſchehenes aufgefafft, verſch. ung (vergl,
Begräbnifs und Begrabung; Verfäumnifs und Verſäumung;; Verlbbniß und
Verlobung; Erlaubnifs, Ereignifs, Empfängnifs, Zeugnifs 26.)5 daher aud)
3) den wirfenden oder gewirften, hervorgebrachten Öegenftand felbft, dem
Begriffe des Mittelwortes entfprechend (3. B. Hindernifs, d. i. das Hindernde;
Benältnifs, Gefängnifs, d. i. das Behaitende, Fangende; Gedächtniſs, d. i.
die gedenfende Kraft; Bildnifs, Geftändnifs, Vermächtniſs, Verzeichniſs, d. i.
das Gebildete, Seftandene, Vermachte, VBerzeichnete); — die Mehrzahl der
Wörter auf nifs St im Hochd. ſächl ich, z. B. das Argernifs, Bildnife,
Bündniſs, Gedähtnifs, Hindernifs, Eraebnif ıc. (8. -niffes, M. -niffe);
eine Kleinere Anzahl weiblich, z.B. die Vertammnifs, Fäulniſs, Finfter-
nifs, Eriaubnifs, Betrübnifs ac. (M. -niffe); im Oberd. aber werden fie faft
fämmtlich weiblich gebraucht.
Niſs, w., gew. nur in der M. Niſſe, (altd. niz, isländ. nyt, angelf,
hnitu, engl. nit, ſchwed. gnet, dan. gaid; niederd. Netez wohl nur Neben⸗
form von Nufs: ein Eleiner runder Körper), die Eier der Läufe in den Haas
zen; auch f. die Eier der Bienen, Maden; niffig, Bw., Niffe habend,
voll Niſſe; oberd. gem, f. ärmlih, armfelig, elend, filzig, vergl. lauſig.
Niſſel, m., -8, od. Niffelfalat (landſch. aud) Niefe:, Nüſschen-, Nüfs
likraut) oberd. f. Feldſalat, Furzer Fruͤhſalat.
Niſſer, m, -$, M. w. E., oberd, eine Art Bremfen, welche das Kinds
vieh plagen.
niften, aud verkl. nifteln, ziellof. Zw. m. haben (niederh, neften 5 oberd.
auch geniften, gniftenz engl. nestle, ſchwed. näsılaz v. Neft, ſ. d.), fein
Neſt machen, bauenz im Nejte wohnen u, brütenz uneig. fih an einem
Octe feftfeßen und aufhalten, doch nur vor Übeln, vergl. einniften, (die
Bosheit niftet oder niftelt in feinem Herzen).
Nie, m, —es, Me -e, gew. die Nire, M. -n (altd. mihhus, niches,
island, nikr, ſchwed. nök, engl. nick, holl, necker; landſch. auch Nidertz
v. d. altd. neihhan, neichen, benegen, ergießen; vergl. den Fluſsnamen
Neckar), fabelhafte boͤſe Waffergeilter, melche oft Menfchen zu ſich herunter:
ziehen folenz die Nirblume, f. v. w. Srofhbifss gelbe Seeblume, aud) Nix—
wurzel genannt; das Nirhaar, der Fuchsſchwanz.
Nobbe, w., nobben, Zw., niederd. f. Noppe, noppen, ſ. d. 5
noch,
= noch — Nonne 289°
noch, 1) Ni. (goth, nauh, altd, noh5 niederd, nog3 aus dann-aud
od, nu-aud verkürzt, od,mit nah, nähen, d,i, zufammenfügen, verwandt ?)
a) verftärkend, eine Hinzufügung, VBermehrung, Steigerung bezeihnend
(3. B. er gab nod) etwas dazu; hierzu kommt noch, dafs 20,5 noch ein Malz
noch eins! nämlich möchte id) ſagen; bleibe nod) eine Stundez wenn man aud
noch fo vorſichtig ift 20, 5 bef, zur Verſtärkung des Comparativs, z. B. noch
größer, noch länger; das macht ihn mie noch lieber 2c.); b) als Nw. der Zeitz
dauer, die Fortdauer einer Handlung oder eined Zuſtandes bis zu dem
gegenwärtigen Augenblick od, einem beftimmten Zeitpunfte bezeihnend, f. v, w.
bis jetzt, bis dahin, entg. nicht mehr (3. B. er lebt noch, ift noch gefund 2c. 5
damals lebte er noch; es ift noch frühz er Fam, als ich noch fchlief5 er wird
noch heute od, heute noch Fommenz; noch nicht, entg. fon, z. B. er ift noch
nicht da); bisweilen in die Bed, von dennoch, deſſenungeachtet übergehend
(3. B. wer kann da noch zweifeln! d, i. nad) Allem, was vorhergegangen oder
gefagt ift)5 2) fhlehthin ausfchliegendes (erclufives) Bbw, (got, nih, Tat,
nec, neque; altd, noh, aus ni-auh entſt., alfo ſ. v. w. auch nicht? ober
urfpr, eins mit dem bejahenden Nw. und nur durd) Weglaffung deö ni ver:
neinende Bed, erhaltend; vergl, Fein), entfpricht einem vorangehenden weber
(mofür alt u, dicht, auch noch feht) und verneint eine nachitehende Sache
oder Behauptung (weder diefes, noch jencöz er ift weder reih, noch armz
ich wünfche weder Reichthum, nod Ehre 2c,5 bisweilen fteht noch auch nad
einem andern Qerneinungsworte, 3. B. ich will dih nicht verlaffen, noch
verfäumen 5 ich habe es niemals gefehen, no d) davon gehört u, dgl, m.); —
nochmals, Nw,, nod einmal, finnv, abermals; nochmalig, Bw., was
nochmals ift od. gefchieht, abermalig, wiederholt,
NoE 1. m. u. ſ. —es, M.-t, (altd, hnach, Scheitel, Gipfel; isländ,
hnükr, Bergfpige; oberd, Knod, Hügel) 1) ober. der Nock, ein aus
dem Waſſer hervorragender Bügel‘ oder Feld; 2) niederd, Schiff, das Nock
(Hol. nok), das Außerfte Ende der Rahen; die beiden oberen Eden an einem
viereckigen Segel.
Nock 2. oder Nocken, m, M.-en, auch die Node, M.-n, (tal,
gnocco; vergl, Anode) oberd. eine Art feiner Mehlkloͤße.
nöhlen oder nölen, ziellof, Zw. (wahrſch,. entft, aus d, oberd, nötteln,
ndtteln, fi hin und her bewegen; niederd, ndteln, neteln, zaubernz
v. altd, hnurten, fhütteln, ſchwingen, isländ. nudda; vergl, nufhen, nuf:
fein), gem, bef, niederd, f. zaubern, zauderhaft arbeiten, fprechen ꝛc., Die
Seit verlieren,
nollen od. nullen, oberd,, u. nolfen, nulfen, nülfen, nünfen, nieverd,
zielloſ. u. ziel, Bw, f. ſaugen; verächtl.f. trinken; daher der Noller, Nuller,
Nulker, Sauger; Saugbeutel.
Nonne, w., M-n, Bert, dad Noͤnnchen, (altd. nunnaz oberd,
Nunn, Nunnenz angelf, niederd, dün, nunne, engl, nun; mittl, fat, nonna,
eig, Mutter, wie nonnus, Vater, Pater; vergl, d. ital, nonno, nonna,
Großvater, Großmutters griech. vavves, vevın, Oheim, Muhme) 1) eine im-
ehelofen Stande in einem Kloſter lebende und fich gottesdienftlichen Vers
richtungen widmende weibliche Perfon, bef, in der rom, Kirche, Kloſter-,
Drdenöfrau, verſch. Kloſterſchweſter (ſ. d.), entfpr, Mönch 5 uneig, 2) verfchies
Hey ſe's Handwörterb, d. deutſchen Spr. 2, Theil. 19
‚290 Nöpel — Nord
dene Thiere, insbe, ein weißlicher Taucher mit ſchwarzem Kopfe, Eisente
(weiße Nonne); eine Art Nachtfalter; Landw. ein verſchnittenes Mutters
ſchwein; auch eine verfchnittene Stute (vergl, Mönd); 3) verfchiedene
hohle Werkzeuge od, Iheile v. Werfen der Kunft (vergl, Mutter u, Mönd),-
insbef, Hüttenw. der Ring, worein bie Kapellen mit dem Mönde gefchlagen
- werden; Hohlziegel mit auswärts gefehrter Höhlung; Fleiſch. ein trichterför—
miges Werkzeug zum Füllen der Würfte, u, dgl, m, — Bes. das Nonnen
brod, ein in Nonnenklbſtern haufig gebadenes Zuckerbackwerk; das Nonnen»
fleifch, gem. ſprichw. es ift ihr fein Nonnenfleiſch gewachſen, d. i. fie hat Feine
Anlage und Neigung zum Nonnenleben; die Nonnengans, Baumgans; das
Nonnenglas, landſch. f. Arzneiglasz; dad Nonnenklofter, Frauenklofter 5
das Nonnenkraut, Erdrauch; das Nonnenleben; dieNonnenmeife, 7
landſch. f. Sumpfe, Monchmeiſe; die Nonnennelke, zahmer Schwarzkümmel;
der Nonnenorden, ſ. Orden; der Nonnenſchleier; die Nonnentaube,
Schleiertaube; der Nonnenteig, Küch. ein Teig aus Mehl, Milch, Wein,
Eiern und Salz zu Buttergebädz die Nonnentracht, = weife, = zelle ıc.; —
Ableit. nonnen, ziel, Zw., vlt, f. verfchneiden; nonnenhaft, Bw,, einer
Nonne ähnlich oder angemeffen.
Nöpel, m., -8, fränt, f. Apfel= od. Birnmoſt.
Noppe od, Nobbe, w., M.-n, (verw. mit Knubbe, Knopf 2c.), Feine
Knoten oder Fnopfähnliche Erhöhungen an IBollenzeugenz überh, f, Erz
höhung, Berhärtungz noppen 1. ziel, 3w., 1) Echwed. nappa, engl, nap,
hol. nypen) überh, kneipen, zwicken, vupfen, insbef. ein Tuch u. dgl, —
die Wollfnoten mit dem Noppeifen, einer Eleinen Zange, abzwicken; auch
Noppen an den Zeugen verfertigen, mit Noppen verſehen; von den Pfer:
den: mit den Zähnen ſchaben; 2) (niederd, nuppen, holl, noopen; isländ.
hnyppa) oberd. f. v. w, fnuffen, d. i. mit der Fauft ſtoßen, überh, ftoßen,
plagen; der Nopper, -8, wer noppt; oberd, gem, f, Stof.
noppen 2. od, noppeln, ziellof, Zw., oberd, f. ſich ſchnell auf und nie⸗
der bewegen, auf und nieder huͤpfen.
Nord, m., -ed, o. M. (altd. nord, islünd. nordr, engl, north; franz.
nord), {) die Himmeldgegend, weiche dem Mittag oder Suͤden entge=
gengefegt ift, Mitternacht, Norden (der Wind kommt ausNord oder Norden 5
Nord zum Dften, Nord zum Weften, Schiff, der Kompafeftrich, welcher
114 Grad von dem Nordpunfte nad) Often, oder nad Weften liegt); 2) der
aus Mitternacht wehende Wind, Nordwind; der Norden, —s, o. M.,
(urfpr, ein Nw. alt, nordana, nordan, angelf, northan, von Norden her)
1) die mitternaͤchtliche Himmelsgegend, ſ. v. w. Nord 1) u, jet gebräuch—
Yicher als diefes (das Haus Liegt gegen Norden 5 ſich nad) Norden wenden); 2) der
nördliche Theil unferer Erd = Halbfugel, beſ. die nördlichen Länder von
Europa (im Norden von Europaz die Mächte des Nordens), auch der noͤrd—
liche Theil irgend eines Landes (der Norden von Deutfchland 26.)5 — 3fep.
v. Nord: Nordafrika, -Amerita, ⸗Aſien, » Europa ꝛc., das nördliche
Afrika 2.5 Norddeutfchland, das nördliche Deutſchland; norddeutſch, Bw. 5
der Norddeutfche 2c. 5 die Nordgegend; die Nordgrenze; die Nordfante,
Schiff. das nördliche Ufer eines Fluffes 2c,; der Nordkaper, eine Art Wall:
fiſche, am häufigften in der Gegend des Nordfaps bei Norwegen, Eiswallfifh,
Eisfiſchz and f. Butzkopf (f, d.), Sturmfiſchz der Nordländer ‚ die Nord⸗
’
Nörfling — Noͤßel 291
laͤnderinn, Bewohner eines im Norden gelegenen Landes; norbländifch, Bw.,
zu einem nördlichen Lande gehörig, demſelben eigen; dad Nordlicht, eine bef,
in Eälteren Gegenden häufig zur Nachtzeit am nördlichen Simmel fichtbare feus
wige-Lufterfcheinung (niederd,. Nordblufe); dad Nordmeer, ein im Norden
gelegenes Meer; die Nordmewe, der große Sturmvogel; der Nordnordoft,
der Kompaföftrih, mwelher 22% Grad vom Norbpunfte nad) Dften liegt, und
Fi ein aus diefer Gegend wehender Wind; der Nordnordweft, der Kompaſsſtrich,
welcher 223 Grad vom Nordpunkte nad) Weften liegt; der Norboft, 1) die
4 mittlere Himmelsgegend zwifchen Nord und Oft, nad einem Bw, gew. Nord⸗
a often (dev Wind kommt aus Nordoften); 2) ein aus biefer Gegend wehender
Wind, f. v. w. Nordoftwindz; der Nordoſtering, Schiff. die Abweichung
der Kompaſsnadel von Norden nach Oſten; nordoͤſtlich, Bw. aus Nordoſten
J kommend od. dahin gerichtet; der Nordpol, der äußerſte Punkt der Erdachſe
gegen Norden, entg. Südpol; der Nordpunkt, der Punkt der Nordgegend,
3 welcher genau in der Mitte zwifchen dem wahren Morgen und Abend liegts der '
- Nordfchein, |. v. w. Nordlicht; aud der in den Sommermonaten am nörd:
lichen Gefichtsfreife zurückbleibende ſchwache Schein der untergegangenen Sonne
(fr. Zodiakal-Licht); die Nordſee, ein Theil des atlantiſchen Weltmeeres, nörd:
ih von Deutfhland, auch: das deutfche Meer; die Nordſeite; der Nord⸗
fern, Polftern ; der Nordfturm, Nordwind, aus Norden wehender Sturm,
Wind; nordwaͤrts, Nw,, nad Norden gerichtet, nad) Norden zu; der Nord—⸗
weft, 1) die mittiere Himmelögegend zwifchen Nord und Weft, nach einem Vw.
gew. Nordweften (der Wind kommt aus Norbweften); 2) ein aus diefer Ge:
gend wehender Wind, f.v.w. Nordweitwind ;-die Nordweitering, Schiff. die
Abweichung der Rompafenadel von Norden nad Weſten; nordweftlich, Bw.,
aus Nordweften Eommend, oder dahin gerichtet; — Ableit. nordifch, Bw.,
zum Norden, d. i, zum nördlichen Theile der Erde gehörend, demfelben
eigen (die nordifhen Reiche; eine nordifhe Kälte) 5 nördlich, Bw. u. Nw.,
gegen Norden liegend od. vaher kommend, nad) od. aus Norden (die nörd—
lichen Länder; Schweden Liegt nördlich von Deutſchland; der Wind ift nördlich 2c),
Noͤrfling, m., —es, Ms -e, (vergl, Orf) oberd, ein efbarer Fluſsfiſch,
Goldfarpfen, Goldbraffen.
nörgeln „zielloſ. Zw. m. haben (ein Schallwort, vergl, Enurren, fehnar:
den), landſch. gem. f. murren, brummen, ſich mifsvergnügt od, verdrieglich
zeigen.
Nork, m., -es, o. M., Naturk. Glimmerſchiefer mit Schoͤrl.
Noß, ſ., Ses, M. Noͤßer, (altd. nôz, nozili, isländ. naut; ſchwed.
dõt, engl. neat, Rind; dän. nod, Stück Vieh; verw, mit nießen, Nugen),
ober: u. mitteld, ein Stuͤck zahmes Vieh (ein Pferde, Rinds-, Schafnoßz
die gefallenen Nößer; bei Zählungen aud) in der Mehrh, unverändert, z. B.
er befist taufend Noß Schafe ꝛc.).
Nößel, ſ. -8, M. mw. E., Verkt, das Noͤßelchen, (niederd, auch
D£el, woraus RE Nbößel (= ein Dgel) entft.; ©. d. isländ. ausa,
ſchwed. ösa, nieverd, Bfen, ſchöpfen lat, haurire; vergl. hören, Ohr; alfo
eig, ein Schöpfgefäß, überh, Gefäß; daher in der Laufis: Noffelftangen,
bie Stangen, an welchen die Zuber getragen werden), ein Maß zu. flüffigen
und trocknen Dingen, die Hälfte einer Kanne oder eined Maßes, oberd,
ein Seidel, Schoppen; uneig. in Thüringen ein Feldmaß: ſo viel Land als
19%
202 Noſſel — Noth
man mit einem NRGhßel Getreide befüetz in den Salzkothen zu Halle ein größered
Maf = + Quart od. 82 Pfannen; in Sachſen ein Holzmaß = „I, Klafterz
nößelmweife, Nw., nad) od, in Nößeln,
Noffel oder Nöffel, w., M. -n (vergl. Naſſel) oberd, f, Aſſel; Ohr⸗
wurm.
Noſſelfink, m., ein Vogel von braunfahler Farbe mit weißlich gefäumten |
Federn, zu den Bruftwenzeln od, Grasmüden gerechnet, der Todtenvogel.
Note, w., M.-n, Verkl. dad Nötchen (v, d. lat, nota, Kennzeichen, |
Merkmal), 1) eine Anmerkung, Bemerfung (ein Buch mit Noten verfehen, |
entg, der Tert); 2) ein Furzer fchriftlicher Aufſatz, fofeen er etwas beurkun⸗
det oder an etwas erinnern ſoll, insbeſ. eine zu bezahlende Rechnung; ein
Schein, eine Verſchreibung (Banknote); ein geſandſchaftliches (diploma
tiches) Schreiben, eine Meldung, Erktärung u, dgl, enthaltend; 3) Tonk.
Zeichen zur Darftellung der Töne, Tonzeichen (nah Noten fingen, fpielen 3
uneig, es geht wie nad) Noten, 8, i. abgemeffen und geläufigs Geigen=, Baſs⸗,
Klaviernoten ꝛc.z ganze, halbe, Viertel-, Achtelnoten 2c, dem Zeitmaße nad)
unterſchieden); M. Noten auch f. geſchriebene od. gedruckte Tonſtuͤcke; —
Zſetz. das Notenblatt, -buch; der Notendruck, -drucker; die Noten⸗
druckerei; der Notenhandel Mufikalienhander) ; der Notenkopf, der runde
dicke Theil einer Note, z. U. v. Notenfchwanz, d. i. der an dem Kopfe anges|
feßte dünne Strihs die Notenlinien, fünffache Linien, zwiſchen denen man |
die Noten fehreibt, auch der Notenplan; das Notenpapier; dad Notens
pult, ein Pult, auf weldes man die zu fpielenden oder zu fingenden Noten |
Yegt; der Notenfihreiber, -ſtecher; der Notenflein, Sandftein mit notene |
ähnlicher Zeichnung, ein Naturfpiel; — Ableit. die Notel, M. -n, (v. tat.
norula), ein kurzer Aufſatz; aud eine Vertragsbedingung oder = Befchräne
fu / |
ng.
nöteln oder neteln, ziellof. Zw., (doll. neuteln), niederd. f. zaudern, f. |
nöhlen. N
Noth, we, M. (nur in einzelnen Fällen) Nöthe, (goth. nauths, isländ. |
naudz alth. nötz angelf. nead, engl, need; ſchwed. nöd, niederd. Nood 3
von nieten (f. d.), drüden, prefien), eig. Drang, Gedränge, Enge,
Klemme (nod) oberd.); daher äußerer oder innerer (fittlicher) Smang, Ge—
walt, Nothwendigfeit, Drang der Umftände (die Noth hat ihn dazu getries |
benz; wenn Noth an Mann gehtz im Fall der Nothz ohne Noth, d. i. ohne
dringende Urfache) z der Zuftand ded Bedurfniffes, finnv. Nothdurft (etwas |
aus Noth thun; ſprichw. Noth Eennt Fein Gebot, Noth bricht Eifen ; zur!
Roth, zur Befriedigung des Bedürfniffes, Faum, knapp, 3. B. es reicht zur
Roth Hinz er hat zur Noth zu eben u. dgl. m.); Bedruͤckung, Bedrängnifs,
Pein, Leiden, Kummer, Mangel, Armuth, Krankheit u. Schmerzen
(viel Noth haben, Noth leiden, d. i. Mangel; in der Noth, in großer Noth,
aud in Nbthen feinz einem feine Noth klagenz einen aus der Noth retten 5 |
ſprichw. Noth Ichrt beten; in Kindeönöthen fein, f. unter Kinds bie f chwere
Noth, gem. f. die Fallſucht, niedr. als Fluch, Verwünſchung ꝛc. dafs dich die
ſchwere Roth! nämlich treffe); insbeſ. f. Gefahr, Lebenögefahr (Feuers-,
Waſſersnoth; ein Schiff befindet ſich in Noth z es hat Feine Noth, d. i. es iſt
keine Gefahr vorhanden). z Anſtrengung, Mühe (viel Noth mit Jemand oder
etwas haben z mit genauer Noth davon kommen u. dgl., d. i. mit Mühe, faum)z
Noth 293
von Möthen od. gem. zgef. vonnöthen als Nm. u. Bw. f.nöthig, noth-
A wendig; alt u, oberd. auch bloß ndthen als folgerndes Bow. f. barum noth:
wendig, deſshalb alfoz noth ald Bw., doch unbiegf., alt f. nöthig, noth—
wendig, erforderlich (bibl. Eins ift mötß 3 Geduld ift ihm noth; es thut noth
f. es ift nöthigz ehem, auch Comp. nöther, Sup. nötheſt); — 3fee.
der Nothanker, der größte Anker, welder nur in dringender Noth ausgewor:
fen wird; der Nothbau, Bau zur Abwendung einer Gefahr, oder nur auf
kurze Zeit für das dringendfte Bedürfnifs z der Nothbehelf, etwas womit man
ſich in der Noth oder zur Noth behitftz nothbruͤchig, Bw., Bergw. 'eine
- Stufe nothbrüchig machen, d. i. fie zerfchlagen, um ihre innere Beſchaffenheit
zu erfehen; der Nothbrunnen, landſch. Wafferbehäitniffe, in welde bei
Feuersnoth Waffer geleitet wird; der Nothdamm, =deich, ein aus Noth
einftweilen verfertigtee Damm ꝛc. bis zur Vollendung des Hauptdammes ; das
Nothding, »geding, = gericht, ehem, ein Geriht, in einem außerorbents
lichen, dringenden Falle gehalten; nothdringen, vit. Zw. der Kanzl. f. zwins
gen; Mw. ehem. untrb. genothdrungenz jest trb nothgedrungen
als Bw. u. Nw. f. gezwungen, genöthigtz daher die Nothgedrungenheitz
die Nothdurft, 1) (fubjectiv) der Zuftand des Bedürfens, finnv. Noth, Be—
bürfnifs (eö reicht zur Nothdurft Hinz nad Nothdurft zu leben haben z ſich der
‚Nothdurft Anderer annehmen 3 oberd. auch f. Mangel, z. B. Nothdurft leiden),
in engerer Bed. das Naturbebürfnifs der Leibesausleerung (feine Nothdurft
verrichten); 2) (objectiv) der Gegenftand des Bedürfens, inäbef. vlt, Kanzl.
das zur Sache Nöthige, Erforderliche (die Nothdurft beobachten 2c.)5 gew. das
"zum Lebensunterhalt Unentbehrliche (einem die Nothdurft verſchaffen, des Leibes
Nothdurft ec.)3 nothduͤrftig, Bw., Nothdurft habend, bedürftig (nothdürf—
tig leben; oberd. eines Dinges nothdürftig fein); gew. kaum für das Bedürfs
niſs hinreichend, nur der Noth abhelfend (fein nothdürftiges Auskommen haben)3
die Nothduͤrftigkeit, das Nothdürftigſein einer Perſon od. Sache; der Notha
erbe, Rſpr. ein Erbe, welchem man fein Vermögen zu hinterlaffen gewiffer:
maßen genöthigtift, 3.3, ein Leibeserbe, entg. einem fremden Erben; die
Notherbichaft, der Theil der Erbſchaft, weichen man den Geinigen zu vers
machen geproungen iſt; der Nothfall, ein dringenter, zu etwas nöthigender
Tall (für od. auf den Nothfall 2c.); das Nothfeuer, ein Feuer als Nothzeichenz
ein aus Aberglauben bei anftectenden Seuchen angezundetes Feuer, durch welches
men das Vieh treibt; die Nothfrift, landſch. Rfpr. eine ohne die höchſte Noth
nicht zu verfäumende Friſt (fr. peremtorifcher Termin) ; nothgedrungen, Bw.,
fo, nothdringen dad Nothgeld, für einen Nothfall zurückgelegtes Geid, fo
audi: der Nothgrofchen, = pfennig; daß Nothgeſchrei, Geſchrei um
Sülfe in der Noth; die Nothhaft, M. -en, vlt. f. ein Nothfall, welcher
als rechtmäßige Entſchuldigung giltz der Nothhelfer, die Nothhelferinn,
wer in der Roth oder aus der Noth hilft, (in der röm. Kirche: die vierzehn
Nothhelfer, 14 Heilige, welde in allen Nöthen vorzuglid angerufen wers
den); die Nothhülfe, Hütfe in der Noth oder im Nothfalles das Nothjahr,
ein theures Jahr, Mangeljahr; der Nothfnecht, ein Knecht, deffen man ſich
F einftweilen aus Noth bedient; uneig. gem, eine Perfon, deren Hülfe man nur
aus Noth in Ermangelung einer befferen gebraucht (Jemands Nothknecht fein) ;
" nothleidend, Bw., Mangel leidend, hülfsbedürftig, bef. aud als Hw. (einen
BHpenen unterſtützen; nothlos, Bw. u. Nw., meift vlt. f. feine Koth
ai,‘
294 7 Noth
habend, unnöthig , ohne Noth; diederd. f. unverklagt, nicht vor Gericht ver:
folgt; die Nothlüge, Verläugnung der Wahrheit um einer mit ihr ftreitenden
höheren Pflicht willen; gem. jede Lüge, um ſich aus einer Verlegenheit zu zie—
hen; der Nothnagel, 1) f. v. w. Nietnagel (f. d.); 2) ein Nagel, deffen man
fi aus Noth in Ermangelung eines befjeren bedient, daher uneig. gem. eines
Andern Nothnagel fein; der Nothpfennig, f. Nothgeld; das Nothrecht, ein. |
Recht, zu deffen Ausübung man gezwungen wird; eine Befugnifs, die man
im Nothfalle hat, z. B. die Nothwehr; das Recht in Klagen über angethane
Gewalt, beſ. über Nothzucht; nothreif, Bw., Landw. durd) große Hitze vor
dem völligen Ausgewachfenfein gereift; die Nothſache, eine nothwendige, od.
durch einen dringenden Nothfall herbeigeführte Sache 5 die Nothfchlange, ehem.
eine Art groben Gefhüses (vergl. Feldſchlange); der Nothſchuſs, ein Schufs
ald Nothzeihen, beſ. auf Schiffen; der Nothitall, 1) ein Geftell od. Gerüft,
worin unbandige Pferde zum Stillftehen gezwungen werden; 2) (v. Stall f.
Gefelle, Gehülfe) vlt. f. Nothhelferz; der Nothitand, Zuftand der Noth, bes
drängte Lage; der Nothflein, Kragftein; der Nothftern, ehem. f. Schweif:
ftern (fr. Komet); die Nothtaufe, Taufe eines in Lebensgefahr ſchwebenden
Kindes ohne die, üblichen Feierlichkeiten, auch wohl durch eine nichtgeiftliche
Perfon, oberd. Jähtaufe; nothtaufen, untrb. ziel. 3w., ein Rind —, ihm
die Nothtaufe ertheilen; der Noththeil, Pflittheitz die Nothwehr, Gegen:
wehr, zu welcher man durch Noth, bef. Lebensgefahr, gezwungen wird; noth=
wendig, Bw. (von wenden; alfo eig. was die Noth abwendet?), durch die
Umftände dringend erfordert, ſinnv. unentbehrlih, unerlafslich, ftärker als
nöthig (die Sahe, das Geſchäft ift nothwendig; ich mufs nothwendig aus—
geben, u. dgl. m.) 5 in bejtimmterem Sinne: was feiner Natur nad) nicht anders
fein oder gefchehen fann, was den Grund feines Geins in ſich felbft hat, entg.
zufällig, fowohl in natürlichem als ſittlichem Verſtande (das Feuer mufs noth:
wendig brennen 3 wer den Zweck will, mufs notwendig aud) die Mittel wollen); -
die Nothwendigfeit, das Nothwendigſein (3. B. eines Geſchäftes, eines Mit—
telö zu einem Zmwede); auch dag Genüthigtfein (verfege mic) nicht in die Nothz _
mendigfeit 2c.) j etwas Nothwendiges (die Nothwendigkeiten des Lebens); das
Nothzeichen, ein Zeichen, melches man in einer Noth oder Gefahr giebt, um
Andere zur Hülfe aufzufordern 5 nothziehen, untrb, ziel. Zw., vlt. f. zwingen,
insbef. nothzüchtigen; die Nothzucht, ehem. jeder einem Andern angethane
Zwang; jest nur f. gewaltfame Entehrung od. Schändung einer Perfon, ehem.
auch Nothzug, Nothzogung, Nothzwang, Nothnunft, auch bloß
Nothz nothzüchtigen, untrb. ziel. 3w., ehem. überh. f. einem Gewalt ans
thunz jest nur f. gewaltfam entehren, ſchänden, alt auh: nothzogen,
nothzwängenz der Nothzüchtigerz; die Nothzüchtigung; — Xbleit,
nothen, ziellof. Zw., vit. f. noth fin; ſchwäb. f. in Noth feinz daher der
Nother, ſchwäb. wer in Noth iſt; nöthen, ziel. Zw. (alte. notan, nöten),
alt u. oberd. f. noͤthigen, zwingen; ſich —, f. ſich Gewalt anthun, ſich
bezwingen; der Noͤther, vlt. wer Andere noͤthet; oberd. wer ſich ängſtlich
anſtrengt, ohne etwas auszurichten (ſchwäb. Notheler) z nothhaft, Bw.,
vlt. f. nothleidend, ſich in Noth befindend; landſch. in einer dringenden
Noth gegründet und darum rechtmäßig (eine nothhafte Entſchuldigung);
nothig, Bw., alt u. oberd. f. voll Noth, armfelig, dürftig; daher die
Nothigkeit f. Armuth, Armfeligkeitz nöthig, Bw., was man braucht
-
3
r ’ notteln — Nudel 295
oder bedarf, finno. erforderlich, weniger als nothwendig (eine nöthige Sache;
die ndthige Nahrungs; das Nöthige, Nöthigfte als Hw.; etwas für nöthig hal:
ten, nöthig findenz etwas ndthig haben, d. i. brauchen, bedürfen); oberd.
g
;
auch (dev Urbed. v. Noth gemäß) f. gedrängt, dichtz knapp, klein; nöthis
gen, ziel. Zw. einen —, dur Gewalt, dringende Umjtände ıc. zu etwas
bewegen, finnv, zwingen (den Feind zum Rüdzuge —; das Wetter nöthigt
mich, zu Hauſe zu bleiben; ich bin genbthigt, fehe mich gendthigt 2c.3 ehem.
insbef. f. nothzüchtigen); durch Gruͤnde, Vorſtellungen, Bitten ꝛc. zu etz
was bewegen, auffordern, aufmuntern (einen zum Eſſen, zum Trinken 6, —) 5;
daher niederd. f. zu Gaſte bitten, einladen ; der Noͤthiger; die Nöthigung ;
nothlich, vie. Nw. f, mit Noth, zur Noth.
notteln od. nötteln, ziellof. Zw. (altd, hnutten; isländ, nudda; vergl.
d. lat, nutare) oberd. f. fich hin und her bewegen; rüttelm (an etwas —).
Nöttin oder Nötting, w. (verw. mit Otter, Natter?) dfte. die große
Erdfröte,
November, m., -d, M. w. Er, (lat. November, d. i. eig. ber 9te
Monat nad) dem altröm, Kalender), der elfte Monat des Jahres, Winds,
Winter- od, Reifmonat,
nu, Nw., gem bef. niederd, f. nun, |. d.5 dad Nu als Hw. f. ein Augen⸗
blick, fehe Furzer Zeitraum (im Nu, in einem Nu).
nüchtern , Bw. (oberd. nüechter, niederd, nogternz ſchwed. nyckter; altd.
nuohturn, nohturnz v. 9, lat. nocturnus, nächtlichz daher Nocturna sc,
hora, die legte der 4 kanoniſchen Stunden, in welche die Nacht in den Kiöftern
eingetheilt war, mit der Morgenröthe endend; n. U. von dem goth, uhtvö, altd,
tohta, angelf. uhta, isländ, u. ſchwed. otra, holl. u. niederd. ucht, die frühe
Morgenzeit, mit Vorfegung des zu n verfürzten Vw. en (vergl. neben) ; daher
boll. nuchte, nuchten, frühmorgens), 1) deöfelben Morgens oder überh,
Tages noch nichts gegeffen und getrunfen habend (ih bin noch nüchtern; ein
nüchterner Magen) 5 uneig. f. unfchmackhaft, fihaal, ſchwach, Fraft= und
geiſtlos (ein nüchterner Einfall, Wis, ein nüchternes Gedicht u. dgl. m.) 3 2) in
engerer Bed, nicht betrunken, Feinen Rauſch habend od. vom Naufche wie—
der befreit (er ift felten nüchtern ; wieder nüchtern werden); daher uneig. überh.
f. mäßig (ein nüchternes Leben führen) ; u. in geiftigem u. fittl. Verſtande: fich
feiner ſelbſt vollkommen bemufft, befonnen, feidenfchaftlos, Flar u. ruhig;
die Nüchternheit, (olt. auch die Nüch ter e), das Nüchternfein in allen Bed,
auch uneig, f. Mäßigfeitz Befonnenheit zc.
Nuck, m., —es, M. Nude, od. die Nuͤcke, M. -n, niederd. f. Mucke,
Tuͤck (ex hat Nude od. Nüden)z daher nudifch od. nüdifch, Bw. f. tuͤckiſch,
heimtuͤckiſch; muͤrriſch; nuckern, niederd, Iw. fe murren, brummen,
nudeln, ziellof. Zw. oberd. f, faugen, an der Mutterbruft fpielen.
Nudel, m, M.-n, Berl. dad Nudelchen, (verw. mit Knoten,
Knödel, lat. modus, nodulus; isländ. hnoda, hnudla, fneten) überh. eine
meilt länglichrunde, Maffe von Teig, auf mancherlei Art als Speife zuberei:
tet, ſinnv. Kloß (z. B. oberd. Dampf-, Milch-, Schmalznudeln 2c.)3 insbeſ.
gerollte Teigſtuͤcke zum Maͤſten der Gaͤnſe (Stopfaudeln); gew. duͤnne,
fadenaͤhnliche Teigſtriemen zur Suppe od. als eigenes Gericht (Fadennudeln,
Nürnberger Nudeln); niederd., in der Mark Brandenburg, f. Kartoffeln;
‚Holftein. f. kleine Pfeifen; oberd, uneig. f. ein rundes, dickes, fleiſchiges
296 nüffen — nun
Kind od. dergl. weibl, Perfonz — Bfeg. dad Nudelbrett, Küc. ein Brett,
auf welchem der Nudelteig mit dem walzenförmigen Nudelholz dünn gerollt
und dann zu Nudeln gefchnitten wird; die Nudelform, eine eiferne Form mit
vielen Löchern, durch welche die Nudelmacher ven Nudelteig prefiens der Nu—
delfuchen; das Nudelmehl; die Nudelfpeife, -ſuppe ꝛc.; die Nudel—
fpriße, fprigenförmiges Werkzeug zur Bereitung der Fadennudelnz — Ableit.
nudeln, ziel. Zw., ınit Nudeln ftopfen, mäjten (eine Gans); uneig. gem.
t. überreichlich füttern od, nähren (ein Kind); oberd. auch) f. Ensten, etwas
Weiches mit den Händen druͤcken (ein Kind).
nüffeln, zielfof. Zw. (vergl. niefeln; isländ, nef, Nafe) landſch. gem. f.
naͤſeln, ſchnuͤffeln.
nuͤlen, (nuͤelen), Bw. oberd. und ſchweiz. f. wühlen, ‚ authöhlenz daher
der Nüler, -8, f. Fughobel, Schindelhobel; die Nuͤlmaus, Leine Feld:
der Erdmaus, Wähle, Scharrmaus,
nulfen, nütken, niederd. Zw., f. nollen.
null, Nw. (v, lat. nullus, franz, nul, kein), nur in der Verbindung null
und nichtig: nicht vorhanden, nicht Statt habend, ungültig (etwas
null und nichtig machen, für null und nichtig erklären); die Null, gem, auch
Rulle, M.-en, (v. dem latein. nulla, sc, res), dad Zahlzeichen O, wel
ches für fich allein nihte giltz uneig. eine Perfon ohne Bedeutung, Werth, Anz
fehen, ein Lückenbüßer.
Nummer, w., M,-n (aus d. lat, numerus), eine Zahl und ein Zahl—
zeichen, bef, zur Bezeichnung eines Gegenftandes in einer gezahlten Reihe oder
enge (die Nummer eines Haufes, eines Looſes u. dgl.); uneig, auch der mit
einer Nummer bezeichnete Gegenſtand felbft 5.8, ev wohnt in Nummer 10;
Nummer 6 ift herausgekommen, d. i. das mit diefer Nummer bezeichnete Loos);
nummern, (gew. fr. numeriren), zählen, Zahlen ſchreiben und aus—
ſprechen; mit Nummern bezeichnen (benummern).
nun, Nw. u. Bw. (gem. nu; goth. altd. ſchwed. dan. ꝛc. nu; engl. now3 .
griech. vür u. wir, vÜ; fat. nunc) 1) eig. als Nw. der Zeit: im gegenwärtigen
Augenblick, in der gegenmärtigen Zeit, ſinnv. jet, jedoch mehr als diefes
mit Hinfiht auf die obwaltenden Buftände oder Umftände (nun kommſt du zu
ſpät; was ift nun zu thun? d. i, unter den gegenwärtigen Umftänden; was
nun? von nun anz nun und nimmermchr, ſ. d.)5 2) als Nw, u. Bw. in mans
herlei andern Bedeutungen, welche fammtlic aus dem urfprünglichen Zeitbe:
griff fließen ; insbef, eine Folgerung ausdrückend od, den libergang von einem
Gedanken zur dem andern vermittelnd (wenn id nun Recht habe 2c. wenn dem
nun fo ift, jo 2.5 nun traf es fid) aber, dafs. 2c.); urſaͤchlich od. einen begrün:
denden VBorderfaß einleitend, Innv. BA, da (nun eö fo weit gefommen ift, läſſt
ſich nichts he ändern); eine Frage, Ausrufung, Aufforderung, Aufmun—
terung, die Äußerung eines Entfehluffes u. dgl, einleitend od. begleitend
(nun, wie ſteht's? was haft du mir nun zu fagen? wie nun, wenn es fo
wäre? nun, vorwärtö! nun, nun, übereile dich nur nicht! /mäßigend, ober
beſänftigend nun, wie lange foll ic) warten? nun, fo will id) es thunz nun,
fo ſei's! 20.) 5 verfichernd, einräumend, zugebend (nun ja! nun gut! das ift
nun freilich, ſo; es ift nun einmal nicht anders); 3) (aus niuwan, d. i. nit
als, entftanden) alt u, oberd, f. nur, außer, außgenommen; — nunmehr,
nunen — nufchen 297
Nw., das verft. nun, volltönender und feierliher als num, jetzt; nunmehrig,
Bw., was nunmehr ift od, geſchieht, finnv, jetzig, gegenwärtig. i
nunen, naunen, nauneln, ziellof. Bw, oberd, f. fchlafen, fchlummern,
bef, bei Tage (vergl. d, engl, nooning, holl, noen-slaepken, Mittageruhe),
nuͤnnen, nuͤnken, ziellof. Zw. niederd. f. faugen, ſ. v. w. nollen (f, b.)5
Nuͤnne od, Nunne, w., f. ein ſaugendes Kind; Nuͤnke, Nuͤneke, w,, f.
die Mutterbruſt; ein Saugflaͤſchchen.
nur, Nw. u. Bdw. (altd. niware, neware, newer, niur, entſt. aus ni
wär, d. i. wäre es nicht, oder es wäre denn; vergl, d, lat, nisiz oberd, nuer,
nurtz aud) numme, nummen, nun, aus dem altd. niwan, nicht als, zgez.)
bezeichnet im Allgemeinen 1) eine Ausfchliegung, Ausnahme, Einſchran—
fung, ſ. v. w. nichtd ald, Niemand als, nichtd weiter, nicht mehr als,
finnv. allein (3. 8, er hatte nur einen Freund; es Eoftet nur wenige Grofchenz
höre nur ein Wort; nur id) war gegenwärtig; es Famen ihrer nur Zwei; nur
er bekam nichts; er thut es nur aus Eitelkeit; das macht ihn nur ftolz, d, i.
es bewirkt weiter nichts, als dafs er’flolz wird; warte nur bis morgen, d. i.
nicht länger als 20.5 daher aud) fürs ebenerft, faum, 3.8, id war nur
fertig geworden, als er kam; — man ſtellt nur dem Worte, auf welches fi
die Einfchränfung bezieht, fo nahe wie möglich, in der Regel unmittelbar vor
basfelbez die veränderte Stellung ändert daher oft den Sinn; 3.8, nur ic)
habe ihn gebeten, ich habe nur ihn gebeten, ich habe ihn nur gebeten, u, del, m.);
2) feeht nur als entgegenfegended und einfchränfendes Bow, (z. B. ich
wünfchte e8 wohl; nur kann ich's nit), u, in Verbindung mit dafs als ein
fchränfendes Fuͤgewort, einen Vorbehalt ausdrüdend (z. B. wie du willft z
nur dafs id) nicht mifsverftanden werde); 3) ald Nw, in mancherlei feinen Be:
deutungen, mehr zur Färbung der Rede dienend, als für den Inhalt des Ge:
dankens wefentlich, insbef, eine Zulaffung begleitend, bef. wenn fie mit Gleich:
gültigkeit od, Unwillen ausgeſprochen wird (3. B. thue eö nur! geh du nur hin}.
er Tann nur kommen); eine nachdrückliche Ermahnung, Aufmunterung, »
Warnung, Bitte 3. B. thue es nur auch! handle nur danach! nur fort! nur
heraus damit! nur nicht zu weitläufig! fieh nur, was du gethan haft! dafs du
nur die Zeit nicht verfchläfft! warte nur! nimm es nur nicht üsel! u, dgl, m.)5
einen mit Zweifel od. Beforgnifs verbundenen Wunſch (3. B. wenn er nur
wieder gefund wird! wenn er nur zu Haufe iſt! möchte er nur kommen! 2c.);
in Verbindung mit wer, was, wo, fo vielzc, dient nur zur Verallge⸗
mæeinerung ‚oder unbeſchraͤnkten Ausdehnung des Begriffs, ſinnv. irgend
(3. B. wer nur kommt, wird gut aufgenommen; er bekommt, was er nur
verlangt 3 wo ich ihn nur antreffez fo viel ich nur Fann, u, dgl. m.),
Nufh, Nueſch, m., 8, M. -e od. die Nufche, M, -n (altd. nuosci,
nuosca, nuosche), oberd. f. Ninne, Öerinne, Kanal, Trogs
Nufh, w., M.-en, (vergl, Naſch) oberd. f. Mutterfchwein,
nufcheln oder nufeln, nüfeln, ziellof. Zw. (vergl. nieſeln, näfeln) oberd. f.
durch die Nafe od. überh. unverftändlich fprechenz auch verdrießlich reden.
nufchen od, nufeln, oberd. nufjen, nuſſeln (mit weichem ff), niederb,,
ziellof. Zw., 1) eig. mit der Nafe in etwas herumwuͤhlen (engl. muzzle);
dann in etwas herumfuchen, bef. langſam und wählerifch effenz 2) überh.
etwas langfam u. zögernd verrichten, zauderhaft arbeiten, f. v. wı nöhlen,
ſ. d.z daher der Nufcher od, Nufieler f. Zauderer.
298 Muffe
Nuſs, w., M. Nuͤſſe; Verkl. dad Nüfschen, (altd. hnuz, nur
isländ. hnot, angelf. hnut; engl. u, niederd. nut, M. Nöte} dän. nodd,
ſchwed. nöttz fat. nux, franz. noix), verfchiedene rundliche Früchte mit
harter Schale (u B. Erd», Musfat-, Zirbelnuſs 20,5 Buchnuſs; landſch.
auch Eihen-, Mandelnüffe); in engerer Bed, die Dafelnufs (f. d.) und die
Waͤlſche od. Wallnuſs (f. d.), (iprihiw; eine harte Nufs f. eine mühfamey/
ſchwierige Sache; in einer Nufs, d, i. in einen Heinen Raum zufammengedrängt,
Yat, in nucez in die Nüffe gehen, gem. f, verloren gehen, durchgehen); Pflanz,
derjenige Samen, welcher mit einer harten, nicht auffpringenden Schale bes
kleidet iſtz in weiterer uneig. Bed, ein rundlicher Körper od, eine runde Erz
höhung, 3. B. verhärtete Stückchen Thor im Sandfteinez an Feuergewehren
das rundlihe Eifen, auf welchem die Federn ruhen; eine hohle Kugel als Ge:
winde am Mefstifjez eine eiformige Walze an einem Schloffez vergl. auch
Pfeffernuſs; ferner eine rundliche Vertiefung (vergl. Nuth, Nuſch), z. B. die
Kerbe od, Rinne einer Armbruſt; aud) die Kerbe am Pfeil, mit welcher er auf
die Sehne gelegt wird; Jäg. das Geburtsglied einer Hündinn, Wölfinn 20,5 —
3feg. dad Nufsband, Schloſſ. ein Thlirband, deſſen beide Theile mittelft
einer Nufs zufammenhangenz; der Nufsbaum, ein Baum, welder Nüffe
trägt, bef. der Wallnufebaum ; daher das Nuſsbaumholz; der Nufsbeißer,
Namen verfhiedener Thiere, insbeſ. f, Nuſshäher ; Kernbeißer 5 kleine Hafelz
maus; auch ein Afterrüffelkäferz dad Nufsblattz der Nufsbohrer, die
Larve eines Rüffelläfers, welche in den Hafelnüffen lebt die Nufsdolve, ein
Doldengefhleht mit großer, in zwei Nüffe getheilter Frucht; die Nufsfarbe,
heilbraune Farbe der Hafelnuffes daher nufsfarben od, nulsfarbig, Bw.,
f. v, w. nuſsbraun; das Nufsgras, eine fpanifche Grasart mit einer zwei—
fächerigen Samennufs ; der Nufshäher, =hader, = fnader, die Nuſskraͤhe ic.
ein f[hwarzbrauner, weißgefledter Häher, welcher fid von Nüffen und ähnlichen
Früchten nährt, auch Zannenhäher od, = Erähe, Ecchen häher, landfh. Harruſch,
Markolph 2,5 dad Nufsholz, ſ. v. w. Nuſsbaumholzz der Nufsfamım, eine
Art Stachelſchnecken in Oſtindien; der Nufskern, ſ. Kern; der Nufsfnader,
wer Nüſſe knackt; der Nuſshäher; ein Werkzeug zum Aufknacken der Nüſſe;
dad Nuſsoͤl, aus Nüſſen gepreſſtes DL; die Nuſspfirſich, eine frühreife,
kleine, weiße Hrſih deren Kern wie ein Nuſskern ſchmeckt; die Nuſsſchale,
ſowohl die grüne fleifhige, als def. die harte holzihte Schale der Wall: und
Haſelnüſſez die Nufsftaude od, der Nufsflrauch, die Hafelftaude, ſ. d.
nuffeln, 3w., J. nufchen.
nuffen od. nußen, ziel. Zw. (altd, chnussan, angelf, cnyssan), obesd, f.. -
ſchlagen, ſtoßen, pruͤgeln, puffen.
Nuͤſsleinſalat, m., oberde ſ. v. m. Niſſelſalat,
Nuſt, m, —es, M.-e, ſchwäb, der Guſs — in Fi Küche,
Nufter od, Nuͤſter muß, -8,M w. © (erderbt aus Pater⸗
nofter), gem. oberd, der Nofenfrang zum Beten; überh. eine Storallen= od,
Perlenſchnur (Balsnufter) 5 daher nuſtern, ziellof, Zw., f. den Roſenkranz
beten,
Nufter oder Nüfter, w., M.-n, gem. niederd, f. Naſenloch; hochd.
Schriftſpr. nur von den weitgedffneten Nafenlöchern fchnaubender Pferde und
Rinder; das Nüftergat, Schiff. die vieredigen Einſchnitte, durch welche das
Nuth — nuben 299
Maffer zu den Pumpen läuft, nüftern ober nuftern, zielloſ. Zw., hieberd, f.
mit der Nafe unterfuchen, ausfpüren; oberd, f. leife reden, fluͤſtern.
Nuth, w., M.-en, (ltd, nuat, nuot; oberd. Nuct), bei Holzarbeitern,
eine rechtwinkelige Ninne, in welche ein einpaffender Theil gehoben wirds
daher der Nuthhobel (vererbt Nothhobel), ein Hobel, mit weldem bie
Nuthen ausgehobelt werden; der Muthenreißer, ein Werkzeug der Glafer
zur Eröffnung od, Erweiterung der Nuchen eines Fenſterrahmens.
nutfchen oder nutſcheln, ziellof, u. ziel, Zw. (ein Schallwort, vergl, lut—
fhen), landſch. gem. f, ſaugen, beſ. an etwas Saftigem; der Nutfch, — es,
M.-?, etwas, woran man faugtz der Nutfchbeutel, das Nutſchkaͤnn⸗
chen, Nutfchläppchen, ſ. Lutſchbeutel, Kinderbutte,
nutzen od. nüßen, Zw. (altd. nuzan, v, dem ablauf, niuzan, genießen,
Impf. nÖz, nuzumes, abgel,; angelf, nyttian, isländ, nytia, nytaz niederd,
nutten), 1) ziellos m, haben u, dem Dat, der Perfon, ald Mittel zum
Zweek brauchbar fein, finnv, dienen, taugen, helfen, Vortheil gewähren;
in diefer Bed, gew, ni ben (es nügt mir nichts; wozu nügt es? was nützt dir
bein Klagen? 2c.)5 2) ziel, etwas —, ed ald Mittel zur Erreichung eines
Zweckes anwenden, gebrauchen, benußen, VBortheil daraus ziehen; in
dieser Bed, gew, nu tzen (eine Sache gut nugenz ein Landgut, fein Geld 2, —3
jeden Vortheil, die Gelegenheit 2c, —3 dem herrſchenden Sprachgeſetze nad)
follte umgekehrt nutzen ziellos, nügen zielend fein, alfo: der Garten nugt
mir; ich nüge den Garten u. dgl,, wegegen jedody der Gebraud) ftreitet) ; —
nutz oder nuͤtz, nuͤtze, Bw., Comp. nuͤtzer, Sup, nuͤtzeſt, (altd, nuzzi,
angelſ. nyt, isländ. nytrz niederd. nutte, hol, nur), nuͤtzend, brauchbar,
nuͤtzlich (das iſt zu nichts nutz od, nützez auch: es iſt nichts nutz, u, ehem. kein
nutz od, kein nütze; als gebeugtes Eigw. völlig vlt, z. B. bibl. ſehr nütze Leute,
u, dgl. m.) — der Nuß, — es, vlt. f. der Nutzen; nur noch gebr, in: ſich
etwas zu Nutze machen, d. i, es zu feinem Vortheil anwenden, u. in den
gef. Eigennutz; der Nutzen, -8, o. M,, die Brauchbarkeit, die vor—
theilbringende Belchaffenneit einer Sache (die Sache Hat einen vielfachen
Nusen, ift nit ohne Nutzen); dad Gute felbjt, der VBortheil, Gewinn,
Ertrag, welchen eine Sache gewährt Gutzen bringen; es gereicht ihm zum
Nutzen; ich fehe dabei nicht auf meinen Nusen) 5 insbef. der durch den zweck⸗
maͤßigen Gebrauch eines Beſitzthums gewonnene Ertrag (großen Nutzen
aus einem Landgute ziehen; etwas in feinen Nutzen oder zu feinem Nutzen ver:
wenden ꝛc.)) — 3fes. die Nutzanwendung, die Anwendung einer Sache zu
feinem Nugen 5 gew. nur in fittl, Verftande : die Anwendung einer Lehre u, dgl.
zur Belehrung und Beſſerung; der Nubgarten, ein Garten, aus welchem
man Nugen zieht, entg, Luftgartenz; das Nutzholz, Holz, welches zur Ver:
arbeitung, zum Bauen 2c, gebraucht wird, entg. Brennholz; fo auch die,
Nußeiche, entg. Brenneiche, u, dgl. m.z nußlos, Bw, ohne Nutzen, insbeſ.
was feinen Nugen gewährt, weil man Eeinen daraus zu ziehen ſucht, ſinnv.
ungenugt, verſch. unnüg (3. B. er ließ die Gelegenheit nuglos vorlibergehen) ;
die Nuslofigkeitz die Nutznießung, der Genufs des Ertrages einer Sache
ohne Eigenthumsrecht, ſ. v. w. Nießbrauch; der Nutznießer, Nießbraucher; —
Ableit, nutzbar, Bw., was Nutzen bringt, oder genutzt werden Fann,
ſinnv. brauchbar; nur von Saden, fofern fie Vortheil od. Gewinn bringen
Tonnen, verſch, nützlich, (ein nugbarer Bodens das Schaf ift ein nutzbares
800 O — ob
Thier); die Nutzbarkeit, dad Nutzbarſein, die nutzbare Befchaffenheit;
nutzig, nüßig, Bw., Nutzen habend, gewährend, nur in den Zfeg. nichts⸗
nugig, gemeinnügig; nuͤtzlich, Bw, Nusen, Bortheil, Gewinn bringend,
finnv, dienlich, vortheilhaft, förderlich, heilfam ꝛc., entg. ſchädlichz im
weiteften Umfange ber Bedeutung, ſowohl zeitliche, als geiftige cder fittliche
Bortheile gewährend (ein nugliches Gewerbe; fein Geld nüslid anwenden; eine
nügliche Arznei; ein nügliches Budyz nützliche Lehren 2c.); die Nüslichkeit,
das Nüslichfein z auch eine nüßliche Sache (M, Nüslichkeiten) 5 die Nusung,
dad Nuten, der Gebrauch einer Sache, um VortHeil od. Gewinn daraus
zu ziehen, in engerer Bed. f. Nutznießung; aud der Ertrag oder Gewinn
felöft, die Einfünfte von einer Sache (die Nusungen eines Gutes od, von einem
Gute); daher der Nutzungsanſchlag u. dgl. m,
D,
D, der funfzehnte Buchft. des ABC, ein Selbſtl., deffen Laut zwifchen
a und ur in der Mitte Liegt; gefhärft in Wort, fonft, Gott, Stod,
follzc., gedehnt in todt, Brod, loben, Obſt, Mond; die Dehnung
ausgedrückt 1) durch 00 in Boot, Loos, Moor, Moos; 2) gew, durch
oh in Bohle, Bohne, bohren, hohl, Ohr, Sohn c.z D-(b, alö
De), d, Umlaut von o (nicht Doppellaut), gefhärft in Götter, Stöde,
öfter, köſtlichz gedehnt intödten, Ofen, höhlen, Söhne,
o, oh, 1) ein Empfindl, als natürlicher Ausdruck mannigfaltiger Iebhafter
Gemüthsbewegungen, beſ. der Derwunderung, Freude, ded Bedauerns, der
Sehnſucht, der Klage, des Unwillens ꝛc. (4. B. o, wie ſchön! o, herrlich!
o, wie ſchade! o weh! o ih Armer! o Himmel! o, nicht doch)3 auch zur
Verſtaͤrkung einer Bejahung oder Verneinung (o ja} o nein!); 2) ein Na—
turlaut, welcher ſtill zu halten od, zu ſtehen gebietet, be. den Pferden zuge—
rufen, auch: oha.
ob 1. (altd. oba, opa, ſanskr. upa, Nebenform von über) 1) Nw. £
oben (ſ. d,), daruͤber, als feldftändiges Wort völlig vlt., aber in Zſetz. vor—
Tommend, wie Obdach, Obhut, obfhweben, obwalten ꝛc. (f. d.) und den Aus:
drüden der Kanzl, obbemeldet, -befagt,=:berührt, -zerwähnt, ge
nannte. f, oben bemeldet, befagt 26,5 2) Vw. mit dem Dat. f. über, und
wie diefes auch f. jenfeit, während, wegen (lat. ob); nur alt, landſch. u,
dicht. (z.B. ob dem Haupte ſchweben; Hftreich ob der Ens z ob dem Mahlez
bibl, 05 dem Glauben kämpfen; dicht, er erzurnte ob ſolchem Frevel z vergl,
darob),
ob 2, Bdw. (goth. jabai, altd, ibu, ipu, oba, obe ꝛc., wenn, ob3 aus
dem alten Nw. des Ortes i, goth, ja, gebildet, alfo etymologifh = d. Lat, ibiz
niederd, of, oftez island, ef; angelf, gif, engl, if; dan, om), ein Fügewort
der Gegenftandsfüse (vergl, dafs), welches einen Sat; ald Gegenftand des
Zweifels oder der Frage darftellt, alſo Ungewiſsheit od, bloße Möglichkeit
ausdrückt (4. B, ich weiß niht, ob er es thun wird; man fragte ihn, ob er
fich wohl befindez ich erfundigte mih, ob er angekommen feiz oft mit Beifü—
gung eines Gegenfages durch oder, 3. B. ich frage dich, ch du willft, oder
nicht z ic) Eonnte nicht erfahren, ob ex noch lebt, oder todt iſt) z nad) als bes
Obacht — ober 501
deutet od f. ©, 10. wenn (3.3, mir ift, als ob id) Hunger hätfez es fieht fo
aus, als ob ed regnen wolltez er ftellte fich, als ob er nichts fähe)z fo auch in
ben Zſetz obgleih, obfhon, obwohl, fd,
Obacht, w., o. M. (v. ob 1. und Acht), alt u, oberd, f, Acht, Achtung,
Aufficht auf od, über etwas (etwas in Obacht nehmen) 5 daher: beobachten,
Obdach, fi, -2d, ein Dad) über etwas; gew, ein mit einem Dache
verfehener Ort, bedeckter Aufenthalt, Derberge (etwas-unter Obdach bringen,
ein Obdach finden),
oben, Nw. des Ortes, (v. ob 1,3 alte, obana, opana, ſchwed. ofwan,
dan, oven, oppe; niederd, bawen, holl. boven, angelf, bufan, engl, above),
mehr von dem Mittelpunfte oder der Oberfläche der Erde entfernt, überh,
auf oder tiber der Grundfläche eined Dinged, in der Höhe, entg. unten,
(oben in der Luft, auf dem Berge, im Haufez oben liegen, oben wohnen z
versch, hinauf, ſ. d., alfo nit: oben gehen, f. hinauf gehen!); aud), in
Verbindung mit den Bw, von und nad), und mit bis (von oben bis untenz
nad) oben hin; etwas bis oben anfüllen) 3 insbef, in dem oberen Theile einer
befchriebenen oder bedruckten Seite, daher überh, f, früher, vorhin, im
DVorigen, nur von Schriften, entg, unten (wie ich ſchon oben gefagt habez bie
oben erwähnte Sache u, dgl, m.)3 — als erftes Glied in folgenden Zſetz. mit
Bw, u, Nw,: obenan, Nw,, an der oberften, erften, vornehmften Stelle
( 2. figen, ftehen 20); obenauf, oder oben dazauf fein, uneig. f. alle
Schwierigkeiten überwunden habenz obenaus oder oben hinaus wollen, d. i,
hohe Dinge unternehmen, ehrgeizig und hochmüthig ſein; obenein oder oben=
drein, Nw,, überdies noch, als ein Übriges oder Überflüffiges (etwas obenein
gebeitz ee wurde noch obendrein gelobt) ; obenhin, Nw,, auf der Oberfläche
hin, oberflählih, ungenau, ungründlich (etwas obenhin machen 2.) 3; — daB
Obenwerk, Schiff. der über dem Waffer befindliche Theil des Schifftörpers; —
Ableit. obig, Bw,, oben befindlichz bef. uneig, f. im VBorhergehenden
angeführt. (der obige Sag u, dgl.)5 aud) dad Obige ald Hw. (im Obigen ꝛc.).
ober (v. 0b, oben abgel, wie außer, inner, hinter zc. von aus, aufen, in,
innen, hinten 26) 1, Vw. mit dem Dat. alt u, oberd, f. uͤber, oberhalb (ex
wohnt ober mir u, dgl,);5 2, Bw. in der Form eines Gompar. nur als Eigw,
gebr.: der, die, dad obere, ein oberer; Sup, oberft, oberjte ꝛe.3
oben friend, oben befindlich, entg. unter, unterft, (die obere Seite,
Fläche; die oberen Zimmer; das obere Stockwerk, von zweien; ein oberes Stod=
werk, d. i, eines der über dem Erdgefchofs befindlichen ; das oberfte Stockwerk,
das höchfte unter mehren; das Oberfte von der Milch, d. i. die Sahne; das
Unterjte zu oberft kehren); insbef, eine hoͤhere Stelle der Erdfläche einneh—
mend, höher gelegen, entg. nieder (das obere Deutfchland, die obere Stadt),
bei, in Ifeg, mit Länder- u. Slufsnamen, z. B. Oberdeutfhland, Ober:
fahfen, Ober:Ungarn, :Stalien, der Oberrhein zc,z uneig, dee
Würde, dem Nange, der Macht nad) höher, entg. nieder, unter (die
oberen Stände, Klaſſen; die oberfte Stelle einnehmen; tie obere Gerichtöbars
keit; die oberfte Gewalt ; die oberen Götter, entg. den niederen u. Halbgöttern)5
ein Oberer, dee Obere, die Oberen oder Obern als Hw. f. Bors
gefeiste, Obrigkeit (mit Bewilligung der Obern); der Ober, -8, M. w. E.
in der beutfchen Karte: dad dem Range nach auf den König folgende Kar—
tenbild (was in der franzöf. Karte die Dame ift); der O berfte, die Obers
302 ’ oben.
ften, überh. die Bornehmften, höchften Vorgeſetzten (bibl. die Oberften
der Gemeinde 2c.) 5 insbef. der Oberfte, od. gem. Oberſt, -en, (ehem. Obrift,
Obrifte gefhr.), in einem Kriegsheer der Erfte unter den Hauptleuten, Der
Anführer eined Regimentes. — Als erftes Glied in vielen Zfeg. mit Hw. u.
Bw., die größtentheils Feiner befonderen Erklärung bedürfen, bezeichnet o ber
entweder räumlich die höhere Lage, den oben befindlichen Theil, oder uneig,
höhere Würde u, Macht, entg. nieder, unterz als: die Dheracht, hd:
here Acht (verderbt: Aberacht, f. d.); der Dberalte od. Oberältefte, Landis.
der Obermeifter oder Altefte eines Handwerks; dad Oberamt, ſ. Amtz der
Dberamtmann; der Oberarm, obere Theil des Arms bis sum Elbogenz der
Oberarzt; der Oberauffeher; die Oberauflicht; der Oberbau, der Bau
über der Erde, entg. Unter = od. Grundbau; der Oberbaum, Forſtw. f. v. w.
Hauptbaum z der Oberbefehl; der Oberbefenlshaber ; das Oberbergamt;
der Oberbergmeifter, = berghauptmann, = bergrath ꝛc.; das Oberbett,
Deckbett; das Oberblatt, das breite Leder des Pferdegeſchirrs über dem Kreuze;
das Oberblech, das Eiſenblech, womit die Wagen-Achſen oben belegt wer:
den; der Dberboden, der obere Boden eines Gebäudes; DOberdeutfchland,
das höher gelegene, ſüdliche Deutfchland, z. U. v. Nieder» und Mitteldeutſch—
landz oberdeutfch, Bw., zu Oberdeutfchland gehörig; die Oberdeut—
fhen, als Hw., Einwohner Oberdeutfchlands; der Dbereinnehmerz der
Dber- Enke, ſ. d. z der Oberfeldherr; die Oberfläche, die obere Fläche
eines Körpers, entg. Unter= oder Grundfläche; gew. überh. die äußere Fläche,
das Außere, entg. dem Inneren (die Oberfläche einer Kugel, der Erde 2c.) 5 uncig.
die Außenjeite, das zunächſt ins Auge Zallende einer Sache, entg. der Tiefe od.
dem Grund (bei der Oberfläche ftehen bleiben 2c.) 5 oberflächlich, Bw., auf
der Oberfläche befindlich oder dazu gehörend 5; beſ. uneig. f. ungrundlid, nicht
genau und tief eindringend „ finnv. flach, ſeicht (etwas oberflächlich behandeln z
oberflädliche Kenntnifte zu.) z daher die Oberflächlichfeit, mangelnde Tiefe,
Ungründlichkeit, Flachheit 2c.; der Oberfürfter, f. Förſter; die Oberfürs
ſterei, defjen Amt, Wohnung und Bezirk; der Dberforftmeifter, Ober—
landforftmeifter, ein vornehmer, über einen großen Forſtbezirk geſetzter Forft:
beamterz; der Oberfuß, 1) der Theil des Fußes nach dem Knöchel zu, die Fuß:
wurzel3 2) die obere Fläche des Fußes, entg. der Sohle; Lad Dbergericht,
eine höhere, andern übergeordnete Gerichtsbehörde, entg. Untergerichtz der
Dber- Gerichtsherr, ein Gerihtöherr, der die höhere Gerichtsbarkeit hat;
das Obergeſchoſs, entg. Unter: oder Erdgeſchoſs; die Obergewalt; das |
Obergewehr, Gewehre, welche in die Höhe gerichtet getragen werden, als |
Slinte, Spies u. dgl. 3. U. v. Unter: od. Seitengewehr; der Obergurt, Sattl.
der Gurt, welcher zur Befeſtigung des Sattels über denfelben gegürtet wird z
oberhalb (v. Halbe, d, i. ©eite), Vw. mit dem Gen., auf der oberen a
"Seite, nad) oben zu, entg. unterhalb, (oberhalb des Berges, der Stadt,
der Brüde ac); die Oberhand, eig. der obere Theil der Hand, die Hand:
wurzelz auch die obere Flaͤche der Sand, entg. der inneren. Band uneig. f. über: |
Yegene Macht in einem Streite (die Oberhand gewinnen, behalten 2c.) 5 aud) die
Stelle zur rechten Hand, als die vornehmfte (einem die Oberhand geben); das
Dberhaupt, die oberfte, herrfchende Perfon in einem Lande od, über ein Volk;
dad Oberhaͤus, der obere Theil des Hauſes; in England die Verfammlung
der vornehmften Neiheftände (Oberparlament), entg. Unterhaus; die Obere
ober 503
haut, die oberfte od. Außere Haut (fr. Epidermis); die Oberhefen, f. Hefen;
dad Oberhemd, ein feineres Hemd, weldes über dem gröberen Unterhemd
getragen wird; der Dberherr, der höchſte Herr unter mehren; aud) überh. f,
Herrſcher, Fürftz oberherrfich, Bw., dem Oberheren gehörig oder zukom—
mend; die Oberherrlichkeit, die oberfte Herrlichkeit (ſ. d.)5 die Oberherr=
Schaft, höchſte Herefhaft oder Gewalt; vberherrfchaftlich, Bw. 5 der Obers
hirt, uneig. ein geiftlicher Vorgefegter; dad Oberhofgericht, der Oberhof-
meifter u. dgl. m. ſ. Hofgericht, Hofmeifter zc. unter Hof; das Oberholz,
Forſtw. 1) hoch aufgewachſenes Holz, Stammholz, entg. Unterholz 5; 2) das
obere Holz, die Afte dev Bäume, entg. dem Stammholz; der Oberjäger;
der DOberjägermeiiter, Dberlandjagermeifter, der oberfte Sägermeifter eines
Landes; der Oberfämmerer, die Oberfämmerei, f. Kämmerer 26.5 der
Oberkammerherr; der Oberkellner: der Oberfiefer, f. Kiefer 1,5 der
Dberfirchenrath ; die Oberklaue, Jäg. die Eleinen Klauen oder Hornfpigen
an den Läufen des Roth: und Schwarzwilds; das Dberfleid, ein Kleidungs:
ſtück, welches man über andere trägt; auch ein Kleidungsſtück, melches den
oberen Leib bedeckt; der Oberkörper; das Oberland, der höher gelegene
Theil eines Landes, entg. Niederlandz; der Oberländer, die Oberländerinn,
Bewohner des Oberlandes; oberländifch, Bw., zum Oberlande gehörig, dort
einheimifch; die Oberlaſt, die Ladung auf Flößen und im oberen Theile der
Schiffe, entg. Unterlaft; oberläftig,, Bw., Schiff. zu viel Oberlaft habend ;
der Oberlauf, Schiffb. das oberſte Verde eines Schiffes; das Oberleder,
an Schuhen zc, das Leder, welches den oberen Fuß bedeckt, entg. Hinterleder
und Sohle; dad Dberlehen, ein von dem oberften Lehnsheren unmittelbar ab:
hängiges Lehen, z. U, von Afterlehen; der Dberlehrer, ein andern vorgefester
Lehrers; auch ein Lehrer in höheren Schulen od. Schulklaffen, entg. Unterlehrerz
der Oberleib, der obere Leib bis in die Bauchgegend ; die Oberlippe, ſ. Lippez
die Sbermacht, die oberſte, herrſchende Macht, verſch. Übermachtz; der Obers
mann, gem. wer in einem Streite die Oberhand. behältz bei den Soldaten:
wer andern in Reihe und Glied zur rechten Hand ſteht; aud ein Schiede=
zihter, gew, Obmannz der Obermeifter, der einer Innung vorgefegte Hands
werksmeiſter; die Oberpfarre; der Oberpfarrer, =prediger; der Ober—
priefter ; der Dberrichter, der höhere oder vorgefegte Richter; Richter in
einem Obergericht; oberrichterlich, Bw.; der Oberrift, f. Rift; der Obers
rock, ein Roc, der Über andere Röcke gezogen wird, entg. Unterrodz; das obere
Kleidungsſtück, entg. der Weſte; verſch. Überrodz; der Oberfaß, Vorderſatz
eines Schluſſes; die Oberſchale, Fleiſch. das obere Stück Ziem von der Keule
des Rindes; die Oberſchar, Bergw. der rückſtändige Raum, welcher noch ge:
muthet werden Fann (f. Schar); der Dberfchenf, oberfte Mundſchenkz der
Dberfchenkel, obere Theil des Schenkels; oberfchlächtig, Bw., Mühlenb.
durch die Schwere des von oben herabfallenden Waſſers getrieben, — auch
oberſchlaͤgig, entg. unterſchlächtig (ein oberſchlächtiges Waſſerrad) ; die Obers
ſchule, eine Höhere Schule; der Ober-Schulrath; der Oberſitz, der höhere
Sig, die Oberſtelle; der Oberftaller, ſ. Staller; der Oberftallmeifter; der
Dberfteiger, Bergw., f. Steiger; die Oberftelle, höhere oder vornehmfte
Stelle, Vorrang oder Vorzug; die Oberflimme, die höchſte Singftimme (fr.
-Discant, Sopran); der Oberftrich, Sprachl. f. das Auslafungs: od. Küre
zungszeihen (fr, Apoſtroph) 5 die Oberftube; der oder gew. das Obertheil,
ER SEC
504 | | obgleich — Sblei
der obere Theil eines Dinges; dad Oberverdeck; der Obervogt; der Ober»
vormund; die Obervormundfchaft; obertvärts, Nw., nach oben gerichtet,
entg. unterwärtd ; das Sberwaffer, Schiff. das Fluſswaſſer, welches aus
höheren Gegenden ins Meer fließt; uneig. Oberwaffer haben, d. i. die
Oberhand od. das Übergewicht haben; die Oberwelt, alles auf und über der
Erdfläche Befindiihe u. Gefchehende, entg. Unterwelt; der Oberwuchs, Torftw.
4) die Afte eines Baumer, das Oberholzs; 2) alles in die Höhe wachfende oder
gewachſene Holz, entg, Unterholz 5 der Oberwundarztz; der Oberwurf, Säg.
der obere Kinnbaden eines wilden Schweines; der Oberzehnter, f. Zehnter; —
einige Zfeg. werden mit oberſt gebildet, z. B. der Oberfihofmeifter ; der
Oherftwachtmeifter, ſ. Wahtmeifters; — Ableit. das Obers, (d. i. das
oben Befindliche) oberd. f. Rahm, Sahne auf der Milch; die Oberfchaft,
pit., der Stand, die Wuͤrde, das Anſehen eines Oberen; auch f. Obrigs
keit; die Obrigkeit (v. obrig neben ober, wie übrig neben über; oberd.
Oberkeit, niederd. Owerhed, ſchwed. öfwerhat), ehem. f. überlegene Ge—
walt, Oberherrſchaft, Oberherrlichkeit; jest die Gefammtheit der einem
(def. ftadtifhen) Gemeinmefen vorgefeßten gebietenden und in Nechtöftreis
tigkeiten entfcyeidenden Perfonen (der Obrigkeit gehorchen; geiftliche, welt
liche, Hohe, niedere Obrigkeit); au eine einzelne vorgefegte Perfon (M.
Obrigkeiten); obrigkeitlich, Bw., der Obrigkeit gehörig, zufommend, von
ihr ausgehend (die obrigkeitliche Gewalt, ein obrigkeitlicher Befehl 2c.).
obgleich, obſchon, obwohl, alt u. cberd. aud) obzwar, Bdw. (sgef. aus
ob f. wenn und glei) 2c.5 vergl, ob 2. und gleich 3), als einräumende
(concefjive) Fügewörter von —— weſentlich verſchiedener Wed. gebr. f. wenn
gleich, wenn ſchon, wenn auch, wenn zwar, wiewohl; entweder einen
Nachſatz einleitend (z. B. er hat es gethan, obgleich oder obſchon zc, es ihm ver:
boten war), oder einen Vorderfag, mit nachfelgendem fo — doch od, dennoch
im Nad;fage (obgleich er arm ift, fo lebt ex doch zufrieden 2c.); in obgleich
und obſchon (feltener in den übrigen) werden die Theile der Zfes. häufig
durd) ein dazwifchen tretendes Für, oder Hw. getrennt (3. B. ob erz leich arm
ift 20.5 ob ich gleich gefagt habe 2,5 ob die Menfchen gleich fterben müffen, b.
obgleich die Menfchen 2,5 bibl, ob ic) ſchon wandere im finftern Thal z ob bu
wohl ſolches alles weißt; b. obwohl du zc.).
obhaben, trb. ziel, Zw. (v. ob 1.) vlt. oberd, f auf fich haben (in ber
fprahmwidrigen Redensart: meine vbhabenden Pflichten u, dgl, f, die Pflichten,
die ic) auf mir habe).
obhalten, trb. ziel, 3w. (v. ob 1.) vlt, f. ſchuͤtzen, vertheidigen; der Ob—
halt f. der Schuß, die Bewachung.
obhanden, Nw. u. Bw, (gleihf. auf der Hand) oberd, f. vorhanden,
obherefchen, trb. zielloſ. Zw, (9. ob 1), alt und dicht, f. über etwas
herrſchen.
Obhut, w. (v. ob 1), der Schuß, die Aufſicht uͤber etwas, vergl,
die Hut,
obig, Bw., f. unter oben.
Dblaft, w., M. -en, vlt, Kanzl. f. obliegende Laft, Verbindlichkeit.
Oblei, w., M.-en (aus d. lat, oblata verderbt), landſch. f. jedes in Les
bensmitteln cd, Geld beftehende Geſchenk an Klöfter u. geiftliche Stiftungen
(daher das Obleihaus, Verwahrungshaus für ſolche Gabenz der Obleie
f[hreiber,
obliegen — obftehen 305
fhreiber, wer darüber Rechnung führt); in manchen Gegenden auch Geld:
abgaben von dem Befis einer Sache od. für eine Vergünſtigung.
obliegen, trb. zielof. Zw. (v. ob 1.) 1) m. fein, vlt. f. die Oberhand
gewinnen, den Sieg davon tragen, entg, unterliegen (bibl, du haft’ gekäm—
pfet und bift obgelegen) 2) m. haben, einer Sache (Dat.)—, ſich der—
felben anhaltend befleißigen (z. B. den Wiffenfaften —) 5 es, eine Sacheꝛc.
liegt mir ob, d. h. ift mir auferlegt, ich bin dazu verpflichtet od. ver—
bunden ;: daher die Obliegenheit, M. -en, das Auferlegte, die Verpflich-
tung, Pflicht,
Obmacht, w., die Macht über etwas, überlegene Macht, Übermacht.
Obmann, m. (v. ob 1.), alt u. landſch. f. Auffeher, Vorgefehter, Borz
fitser eines Gerichts; Sieger; jegt noch gebr. f. Schiedörichter,
Obrigkeit, w., f. unter ober; — obfchon, f. obgleich.
obfchweben,, trb. ziellof. 3w. m. haben (v. ob 1.), meift vlt, daruͤber
ſchweben, uneig. f, vorhanden fein, drohen (die obſchwebende Gefakr).
obfehen, teb. zielloſ. Zw., vlt. f. die Aufficht Uber etwas habenz die
Obſicht f. Aufficht.
obſiegen, trb. zielloſ. Zw. m. ha ben u, dem Dat, (v. ob 1.), über Je—
mand od. etwas ſiegen (einem Feinde, den Leidenſchaften ꝛc. —) 3 der Obfie«
ger, die Obſiegerinn, ſ. v. w. Sieger 20.5 obſieglich, Bw., oberd. ob⸗—
ſiegliches Urtheil erhalten, d. i. vor Gericht ſiegen.
obſorgen, trb. zielloſ. Zw. m. dem Dat., oberd., für etwas Sorge
tragen; die Obſorge, f. Sorge fuͤr etwas, Fuͤrſorge.
Obſt, fe, es, o. M. (altd. opaz, obaz, obez; oberd. Obes, Obs;
niederd. Awetz angelf. olat, holl, oolt; poln. owoc), ein Sammelw.: eſs—
bare Früchte aller Artz in engerer Bed, diejenigen Baumfrüchte, deren
Samen mit einem efsbaren Fleifch umgeben ift, ats: Apfel, Birnen,
Kirfhen, Pflaumen ze. (Kerns, Steinobft, ſ. unter Kern); — Bfeg. die
Obſtart, forte; der Obſtbaum, Fruchtbaum; der Obftbrecher, Obfte
hamen, Gartenwerkzeuge zum Abbrechen des Obſtes; der Obftbrei od, das
Obſtmus (fe. Compote); die Obſtdarre, f. Darrez die Obfternte; der
Obſteſſer; der Obſteſſig, aus Obſtwein bereiteter Eſſigz die Obftfrau,
das Obſtweib, mit Obft handelnde Frauz der Obſtgarten; der Obfigärte
ner; der Obfthandel; der Obfthändler, die Obſthaͤndlerinn; das Obft«
jahr, ein Jahr hinſichtlich feiner Fruchtbarkeit an Obſt (ein gutes od, ſchlech⸗
tes Obſtjahr); der Obſtkaͤfer, eine auf Obftbäumen lebende Käferartz die
Obſtkammer; der Obftkeller; der Obftfuchen, mit Obft gebadiener
Kuchen; die Obftfunde (fr. Pomologie)z; der Döftkundige, Obftfenner
(fr. Pomolog); der Obſtmarkt; der Obfimonat, September; der Obft-
moft, aus Obft geprefiter Moft, weldyer nach der Gährung Obftwein (fr.
Eider) Heißt; die Obſtmotte, eine Art Motten, deren Larven ald Würmer
im Obfte leben; die Objtpflanzung; obftreich, Bw.; die Obftzucht ob.
Obſtbaumzucht u; — Ableit. der Obſter od. Obftler, die Obfterinn,
Obſtlerinn, oberd, f. Obſthaͤndler, -inn; Obſthuͤter od. =wächter,
obftehen, trb. ziellof. Zw. (v. ob 1.), einem-—, vlt. f. widerftehen,
Miderftand leiſten; der Obſtand, oberd. aud) die Obftatt, alt u, landſch.
f. Widerftand (einem Obftand od, Obftatt halten); auch die Widerfiand
leiſtende Partei (fr. Oppofition),
Deyfe’s Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2, Theil. 20
306 obwachen — Ochs
obwachen, trb. ziellof, Zw. (v. ob 1,) vlt., über etwas wachen, dafür
forgen,
obwalten, teb, ziellof. Zw. m, Haben (v. ob 1.), über etwas walten,
gebieten, herrſchen (m. u Dat., z. 3, einem Volke —)5 ger, umeig. mit
Einflufd vorhanden od, gegenwärtig fein, beitehen, vergl, herrſchen (die
obmwältenden Umftände, Urfaden 2); der Obwalter, felten f. Gebieter,
Herrfcherz die Obwaltung.
obwendig, Bw, (vergl. aus-, inwendig), vlt. f. oberwärts befindlich.
obwohl, obzwar, Bdw,, ſ. obgleich.
Ocher, Oder od. Dfer, m., -5, 0, M. (aus dem lat. ochra, griech.
özow, verw. m. ©xo0s, blafs, gelblich), ein erdiger Metallfalt (Metall:
Oxyd: Eifen:, Blei, Kupferocher ꝛc.)3 in engerer Bed. f, Eifenocher: Berges
gelb, Gelberde, eine braungelbe Malerfarbez daher die Ocherfarbe, das
Ochergelb; ocherfarben, ochergelb, Bw.; die Ochererbfe, eine in Sta:
lien, Spanien ꝛc. wachfende Erbfenart. 5 fi
Ochs od, Ochſe, m., -ım, M. Sen, Verkl. das Sch schen, Och s—
lein (goth. auhsa, altd. ohso; niederd. Oſſez angelſ. oxa, engl, ox, ſchwed.
oxe; islünd. uxe, jedes Laſt- u. Zugthier fanskr. ukschan, von der Wur⸗
zel vah, lat, vehere, griech. özeiv, ziehen, fahren; vergl, Wagen), das
männliche Rind (f. d.), entg. Kuhz in weitefter Bed, von den verfchiedenen
Arten diejes Thiergeſchlechts, 3. B. der wilde Ochs, Auer:, Büffel:, Bifam:
ochs; in engerer Bed. der zahme od, gemeine Ochs, ſowohl in feiner unver:
fehrten natürlichen Befhaffenheit, zur Fortpflanzung dienend (auch Stier,
Zuchtochs, Brül:, Brummochs, Bulle ꝛc. genannt), als auch bef. verſchnit⸗
ten, als Zugthier dienend und zur Maft beffimmt (Zugochs, Maft:, Schlacht:
ochsz; ſprichw. die Ochfen hinter den Pflug fpannen, d, i. eine Sache verkehrt
anfangen; da fiehen die Ochſen am Berge, d. i. man weiß ſich nicht zu rathen
und zu helfen; bibl. du follft dem Ochſen, der da drifcht, das Maul nicht ver:
binden, d. i. dem Arbeiter den Genufs bei der Arbeit nicht wehren) 5 uneig.
gem, ein Scheltwort für einen plumpen, groben, od. dummen Menfhenz—
3feg. dad Ochſenauge, das Auge eines Ochfen od, ein demfelben ähnliches
großes, flieres Auge; uneig. Küch. ein auf zerlaffene Butter gefchlagenes und
darin gebadenes Ei, Spiegelei; Bauf, eine runde od, länglich-runde Fenſter—
offnungs landſch. f. das große Gänſekraut; die Feldfamille od. das Kuhauge
(f.d.)5 aud das Goldhähnden, eine Art des Zaunkönigs; ochfenaugig, Bw,
Ochſenaugen habend; der Dehfenbauer, ein Bauer, welcher Feine Pferde,
fondern nur Ochfen hältz die Dehfenblume, blauer Kuhweizen (f. d.), auch
Ochſenweizen, Rinderweizen 20.5 dad Ochſenbrech, die Hauhechel (f. d.),
auch Dchfenbruch, =Fraut 2c.z; die Ochfenbreinfe, Rindviehbremſe; der
Ochſendarm, uneig, eine Röhrenfchnede, aud Kuhdarm; ochſendumm,
Bw., gem, fo dumm wie ein Ochſe; dad Ochſenfell; das Ochſenfleiſch;
die DOchfengalle, uneig. die runden, in der Mitte erhabenen Gläfer in Eleis
nen Laternenz der Dchfenhandel; der Ochfenhändter ; die Ochſenhaut;
dad Ochſenherz, uneig, eine Art herzförmiger Gien = od, Breitmuſcheln; der
Ochſenhirt; das Ochſenhorn, uneig. Bauk. eine Art Zonnengewölbe; der
Ochſenhuf, die Ochſenklaue; das Ochfenfalb, männliches Kalb, Bul:
lenkalb; der Dchfenfopf, der Kopf eines Ochſen od. ein demfelben ähnlicher
Kopf 3. ©, eines Pferdes; uneig, Natur, eine Art Poſaunenſchnecke; gem, f
Ockelei — Sder | 307
Dummkopf; in Berlin ehem, Namen des Arheitshaufes, weil es das Zeichen
eines Ochfenkopfes führte; der Ochſenmarkt; der Ochfenftall; der Ochfen-
ziemer, das getrocknete Zeugungsglied eines Ochfen, als Peitfche gebraucht;
die Ochfenzunge, Rindszunge; uneig. eine Pflanze, deren längliche, rauhe
Blätter Ähnlichkeit mit einer Ochfenzunge haben (anchusa L.), von verſchiede—
nen Arten, worunter die ehte rothe Ochſenzunge, ein Färbekraut; —
Ableit, ochfen, ziellof, Zw., landſch. f. rindern, ſ. d.z Studentenfpr, f.
arbeiten; ochienhaft, Bw., einem Ochfen ähnlid, plump od, dumm
wie ein Ochs; die Ochſenhaftigkeit; ochſig, Bw. u, Nw., gem. ſ. v. w.
—— — landſch. niedr. f. in hohem Grade, ſehr; der Schsler, -ß,
oberd. f. Ochfenbauerz; der Ochsner, -&, landſch. f. Ochſenknecht.
Ockelei, w., ſ. Ufeleiz — Ocker, m., ſ. Oder,
Od, ſ., -d, M.Se (altd, ôt, goth. aud, altnord, audr, angelf, ead),
vlt. f. Eigenthum, Beſitz, Gut; day, der Ddzins, vlt. f. Zins von liegen⸗
den Gründen; odig, Bw. (altd, otag, odec) f. reich, beguͤtert; vergl,
Kleinod,
öde, Bw, 1, (altd. odi, ode, goth, authis, altnord. audr; dän. ı,
ſchwed. öde), ehem, überh. leer, hohl; jest: wuͤſt, unbewohnt, unbe=
baut, einfam und verlaffen (eine dde Gegend, einen Acer öde liegen Lafjen)5
uneig, ehem, f. eitel, nichtswuͤrdig; oberd, f. Ieer od, hohl im Magen,
ekel, übel (daher: bdehn, oberd, ziellof, Zw. f. efeln, ekelhaft, widerlich
\ fein); u. f. abgeſchmackt, ſchlecht; nicht aufgeräumt, unfreundlich (ein
oder Menſch); 2) (au od, ode; oberd. Ödi, angelf. adhe, eadh; vergl.
d. lat. otium; mit dem vorftehenden ein Wort, indem die Bed. leer, vacuus,
in leicht, Facilis übergeht), vlt. f. leicht, möglich; die de, M.-n, das
Sdeſein, der Zuſtand der Leere, die Einſamkeit, Berlaffenheit; eine
öde Gegend, Wildniſs, vergl. Einoͤde; oͤden, ziel. Zw. (altd. odjan;
oberd. auch Ödnen, digen), alt u. landſch. öde od, leer machen, gew. ver=
oͤden; oberd. auch f. verbrauchen, vermindern, verſchlimmern; die Odung,
dad Sden, Odemachenz eine oͤde Gegend, unbebaute Landſtrecke.
Odel, m., -8, oberd. f. Miſtgauche, unreines Waſſer.
Sdem, m., -8, o. M., oberd. u. dicht. Nebenform v. Athen, f. d.
oder 1., beiordnendes Shi. (goth. aitthau, altd. edo, eddo, oda, odar;
altnord. edha, angelf. odhdhe; ſauskr. ura, lat. aut; niederd. edder, Dr,
engl. or; fpätere Nebenform: altd. alde, alder, noch ſchweiz.z ſchwed, eller),
dient im Allgemeinen zur Sonderung zweier od. mehrer möglichen Fälle,
Behauptungen 0d. Benennungen, insbef, 1) mit ausſchließend entgegen⸗
ſetzender Kraft (disjunctiv), ſo daſs die Annahme des einen Falls den andern
aufhebt (z. B. er muſs ſehr unwiſſend, oder ſehr boshaft ſein; er mag wollen,
oder nicht; gieb mir die Waare, oder das Geld); zur ſtärkeren Hervorhebung
des Gegenfages geht in diefer Bed. gew. entweder (f. d.) voran (5.8. er ift
entweder krank, oder verreif’tz entweder ich, oder du 20.53 oder aber, verft.
f. das einfahe oder, ift vit. u. überflüffig); 2) erläuternd od. mehre Fälle,
usdruͤcke ıc. verfnüpfend, von denen einer für den andern gefest werben
kann (3. B. nicht Ieder kann Herr fein oder Andern befehlen; eine Waife oder
in älternlofes Kind). 4
I oder ?., Bdw., oberd. in einigen Gegenden gem. f. aber,
Diver, w., M. -n, landſch. f. Holzbirn, Knoͤdel.
|
20 *
308 Ddermennig — offen
Dpermennig, m., — es, ob. 1m. (gem. auch Odbermenges aus dem
lat, agrimonia verderbt), ein Pflanzengefchlecht mit fünf eingeferbten Blus
menblättern und zwölf Staubfäden: Agrimone; die gewöhnlichſte Urt heißt
Leberklette.
odmuͤthig, Bw. (Gederd. oodmödig, holl. ootmoedig) alt u, niederd.
f. demuͤthig.
Sdung, w., ſ. unter ddez — Odzins, f..unter Od.
Ofen, m., -d, M. Ofen; Verkl. dad Ofchen (altd. ovan, ofan,
altnord, ofn, angelſ. ofen, engl. oven, dän. ovne, niederd. Aven; vergl,
d, griech. Zrvös; goth. auhns, ſchwed. ugn, finn, uhni; wahrſch. von dem
Stamme des fansfr, agni, lat. ignis, litth, ugnis, euer, mit Übergang
des Gaumenlauts in den Eippenlaut, vergl. Neffe, Nichte), ein eingefchloffes
ner feuerfefter Raum, um Feuer darin anzumachen und zu unterhalten,
zu verfchiedenem Gebrauch (3. B. Back-, Brate, Brenn-, Schmelz, Ziegel,
Kalk-, Glasofen 26,5 der Hohe Ofen, ſ. unter hoch); in.engerer Bed, ein
Stubenofen zur Erwärmung der Luft in einem Zimmer (ein eiferner, blecher—
ner, Kachel-Ofen 21,5 den Ofen heizen; einen Dfen fegen, d. i. aufbauen;
den Ofen hüten, hinter dem Dfen fisen, boden zc,, d. i. fid) gern am warmen
Ofen aufhalten, daher f. froftig, mäßig u, bequem fein); uneig, eine noch nicht
mit Pulver angefülte Minenkammer; oberd. ein emporragendes, durchklüf—
tetes Zelfenftük, eine Felshöhle; Naturk, glühender Dfen, eine Art
Schraubenfhneden: Goldmund; und eine Art Pojaunenfhneden: Schwanz:
hornz — 3fes. der Ofenanker, eiferne Schienen zum Zufammenhalten der
Ofenkacheln; das Dfenauge, ein Loch unter der Vorwand des Schmelzofeng,
durch welches man das geſchmolzene Metall ausfliegen läßtz die Ofenbanf,
eine Bank an ober hinter dem Ofen; die Dfenblafe, ein in den Stubenofen
‚ oder deffen Brandmauer eingefegtes Eupfernes Gefäß (ſ. Blafe) zu warmem
Waffer, auch: Ofenkeſſel, Ofentopf; der Ofenbrand, fo viel auf einmal
in einem Ofen ‚gebrennt wird (z. B. ein Ofenbrand Ziegel, Töpfe 2c,); der
Dfenbruch, Hüttenw, was ſich in einem Dfen anfegt u, herausgebrochen mer:
den muſs; die Dfengabel, ein gabelfürmiges Eifen, das Holz im Ofen zurecht
zu legen; der Ofenheizer; der Dfenhoder (vergl. Hoden), wer immer hin
ter dem Ofen fist, auch Ofenſitzer, Ofenbruder; die Ofenkachel, 1.
Rachel; die Ofenkrüde, ſ. Krüde 1.5 dad Ofenloch, die Mündung, od,
auch das Rauchloch des Ofens; der Dfenmeifter, Hüttenw. Auffeher über
einen Schmelzofen; die Ofenröhre, j. Röhre; der Ofenſchirm, ein zur
Abwehr der Hige vor den Ofen geftellter Schirmz der Ofenſetzer, ein Töpfer,
welcher Ofen fest; der Dfenftaub, Hüttenw, der Hüttenraud;, der ſich über
den Schmelzofen anlegt; der Ofenwiſch, Bäd, ein Strohwifh an einer -
Stange zur Reinigung des Ofen; — Ableit, der Dfener od, DOfner, -B,
alt u. oberd, f. Ofenſetzer.
offen, Bw. u, Nw. (altd, ofan, offan, wahrſch. Mm, v. einem Zw, ufan
v. ber Wurzel uf; verw. mit Uf, auf; altnord. opinn, angelf, u. engl, open;
f web. öppen, dän. aaben, niederd. apenz vergl, d. lat. aperio, apertus),
überh, nicht eingefchloffen, nicht verfchloffen od. zugemacht 4. B. die Thür ift
offen, das offene Fenfter, ein offener Zopf, mit offenem Munde, eine offene
Wunde; einen mit offenen Armen empfangen, das ift mit ausgebreiteten, alfo
freudig und liebreich: das offene freie Feldz eine offene Stadt, d. i. bie Feine
i
\
offen | 309
Mauern und Thore hat, in engerer Bed, eine unbefeftigtes ein offener Wagen,
d. i, ein unbedeckter; ein offener Brief, d. i. ein unverfiegelter; mein Haus
fteht ihm offen, d. i. er hat darin freien Zutritt; uneig, offne Kaffe bei Jemand
babenz den Himmel offen fehen, d. i, die höchfte Glückſeligkeit echoffen od. em⸗
pfindenz — offen und auf unterfcheiden ſich dadurch, dafs erfteres ein ſelb⸗
ftändiges Bw. und Nw. ift, lesteres hingegen nur in trennbarer Zſetz. mit Zw.
als Nw, gebraucht wird, und zwar, wo es uberh. mit offen finnv. ift, immer
in 3w,, die eine Thätigkeit oder Veränderung ausdrücken, fo dafs es die Er-
Dffnung einer Sache dur den in dem Zw. ausgebrüdten Vorgang bezeichnet,
z. B. aufmaden, = brechen, = fhließen, fchneidenz während offen das ſchon
Gedffnete 09, überh. Unverſchloſſene ausdrückt; 3. B, mache die Thur aufs aber:
die Thür fteht offen, verſch. v. er fteht früh aufs die Thür blieb offen,
weil fie Niemand zumachte; aber er blieb lange auf, auslaff, f. aufgerichtet,
außer Bette; die Knospe briht auf, d. i. Dffnet ſich; er brach den Brief auf;
"aber ic) fand den Brief offen u, dgl. m.5 vergl. auf); in einzelnen beſtimm⸗
teren Bed. insbef, f. unbedeckt, entblößt (die offene Bruft z offener Froſt, de i.
ohne dafs die Erde mit Schnee bedeckt ift)5 unbefeßt, unaudgefüllt (ein offe—
ner Platz)3 unverſtopft (offener Leib, d. i, gehörige Leibesausleerung) 5; mit
weiter geöffnetem Munde ausgefprochen (Sprachl. das offene e, d, i. das
dunkle, dem & ſich nähernde in geben ꝛc., entg. dem gefchloffenen od. hellen
in jeder 2c,)5 ferner uneig. f. erledigt (ein offenes Lehen, eine effene Stelle),
frei (kandw. die offene Zeit, während welcher die Wieſen, Ader ꝛc. mit
dem Vieh betrieben werden dürfen), unbefchränft (ein offener Wechſel,
der auf Feine beftimmte Summe geftellt ift), öffentlich (offene Tafel haltenz
offene Fehde; auf offener Straße 2c.); in geiftigem und ſittlichen Verſtande:
| —— leicht us ſchnell begreifend (ein offener Kopf); frei, unver—
ftellt und unverſteckt, nicht zurückhaltend und verfchloffen, ſinnv. auf-
—9* freimuͤthig, offenherzig (eine offene Miene, ein offenes Weſen, offen
ſprechen) ; — Bfes. der Offenbaſs, eine hölzerne Orgelpfeife von 16 Fuß;
die Offenfloͤte, eine acht- und vierfüßige Orgelpfeife; offenherzig, Bw,
ein offenes Herz, d, i, eine aufrichtige Gefinnung habend und darin gegründet,
ſinnv. freimüthig, entg, zurückhaltend und verftellt (ein offenherziger Menfch,
ein offenherziges Bekenntniſs); die Offenherzigfeit ‚, finnv, Aufrichtigkeit,
Sreimüthigkeit; offenfundig, Bw., öffentlich od. allgemein befannt, land»
kundig (fr. notorish); die Offenkundigkeit; das Offenftüf, Gärtn. ein
offenes Luſtſtück (j. d.)5; — Ableit, offenbar ‚ Bw, (eig. wohl Zſetz. aus
offen und bar, d. i. bloß, nicht Ableit. durch die Nachſ. bar, welche fonft
mit feinem Bw. verbunden wird; hiernach erklärt fich aud eher die abweichende
Betonung, daſs nämlich der Hauptton auf bar liegt), eig, das verft. offen:
unbegrenzt, unbedecft (die offenbare See; landſch. offenbarer Froft fi offener
od. Barfroft)z; gew. uneig, fiir Jeden fichtbar oder erfennbar, allgemein
| dafür erfannt, nicht verborgen od. heimlich, augenfcheinlich (eine offenz
bare Lüge; es ift offenbar richtig 2c. 3 ein offenbarer Feind); auch f. befannt,
offenfundig (bibl, vieler Herzen Gedanken werden offenbar werben); offenbars
lich, vie. Nw. f. offenbar, öffentlich ; offenbaren, ziel. Zw. (Mw, geoffen«
bart od. offenbart), einem etwas oder ſich —, überh, offenbar
machen, befannt od, erfennbar machen (Gott hat fi dem Menſchen duch
feine Werke offenbart), in engerer Bed. etiwad Geheimes, Verborgened abs
310 | oft
ſichtlich und vollftändig befannt machen, finnv. anzeigen, entdecken, er⸗
öffnen, and Licht bringen (ein Geheimnifs offenbaren; ſich einem offenbaren,
d. i, feine geheimen Gedanken u. Gefühle); insbeſ. übernatürliche Wahrheis
ten, Religionölehren 2. bekannt und erfennbar machen (die geoffenbarte
Religion); die Offenbarung, dad Offenbaren, die Bekanntmachung,
Entdedung von etwas Geheimem od. Verborgenem; dad Geoffenbarte felbit
(die Offenbarung des Johannes); insbef, die geoffenbarte Religion, und die
heilige Schrift als göttliche Eingebung betrachtetz daher: der Dffenbas
tungsglauben, der DOffenbarungsgläubige 25 die Offenheit, das
Dffenfein, nur in uneig. fittl, Bed., finnv. Aufrichtigfeit, Offenherzigkeit,
entg. Zurückhaltung und Verftellungs öffentlich, Bw. u,Nw. (altd. offanlih,
offenlih), offen d. i. vor aller Augen feiend od. gefchehend, Allen ſicht—
bar u. in,weiterer Bed. wahrnehmbar, od. zugänglich, entg, geheim, ver:
borgen (auf Öffentlicher Straße; fich nicht Öffentlich zeigen; ſich Dffentlich hören
lafienz etwas Dffentlich bekannt machen; ein Öffentlicher Ort, Garten; ein
Öffentliches Haus 2c.)5 fich auf die bürgerliche Gefellfhaft, die Gemeine,
den Staat beziehend od. damit zufammenhangend (ein öffentliches Amt be
kleiden z ein Öffentliches Gebäude; die Öffentliche Ordnung); die Offentlich-
feit, das Öffentlichfein od. = Gefchehenz aud f. v. w. Offenkundigfeit
(die Sffentlickeit nicht fcheuen) 5 öffnen ‚ del. u. rückz. Zw. (altd. offanon,
offenen), et was —, machen, dafs ed offen fei, edler als die finnv. aufs
machen, aufthun, entg. fließen, (3. B. die Thür, ein Fenſter, eine
Flaſche, einen Brief, den Mund, die Augen 26. —; uneig, einem die Augen —
d. i. ihm Einfiht in etwas od, Kenntnifs davon verfchaffens eine Ader—
ſchlagen; ein Geſchwür, einen Leihnam—, aufihneidenz die Laufgräben —
fie durch Graben verfertigen); ſich —, -in ziellofer Bed. f. offen werden,
aufgehen, aufgemacht werden (die Blume öffnet fi, d. i. entfaltet ſich;
die Thür Dffnete fih, d. i. fprang auf, od. wurde aufgemacht; der Himmel
bffnet jich, wenn fich die Wolken trennen) ; uneig. einem etwad—, ihm
den freien Zugang, Genuſs, Gebrauch gewähren od. geftatten (die Vor:
rathshäuſer dem Volke dffnen; ein Feld, eine Wieſe u. dgl.—, d. i. zur Vieh:
weibe geftattenz fich eine Bahn —; dem Lafter Thür und Thor ffnenz; einem
fein Herz —, d. i. feine Gedanken und Empfindungen offen mittheilen);, ehem.
auch f. verſtaͤndlich, deutlich machen (bibl. die Schrift öffnen); der Offner,
-d, ein grober Kamm der GSeidenweber, dur welchen die Kettenfäden ges
zogen werben; Die Öffnung, M.-en, die Handlung des Offnens (die
ffnung der Thür, eines Briefes 2c. gew. das Off nen); ber 3uftand des
Offenſeins (nur von ber Leibesbffnung, 3. B. Feine Offnung haben, d. i ver:
ftopft fein); die offene Stelle eined Dinges, ſinnv. Loch, Mündung (in
der Mauer eine Öffnung laſſen, die Offnung einer Flaſche 2c.).
oft, Nw. der Zeit, Comp. öfter (nicht dfterer!), Sup. oͤfteſt, am
öfteften (nicht dfterft 2c.!) (goth, ufta, altd. ofto, ofte, Comp. oftor,
ofter; angelf, u. engl. oft, often, ſchwed. ofta, dan. ofte, altnord. opt),
überh. mehr als einmal, mehrmald, wiederhofentlich (ich denke daran, fo
oft ich ihn fehes wie oft war er hier? ich fehe ihn öfter, als dich, jenen aber
am öfteftenz; öfter, ald man glaubt ꝛc.); in beftimmterer Bed. vielmald, in
vielfachen Wiederholungen, finno. häufig, welches jedoch mehr auf die
Menge oder Mafje geht, oft hingegen immer auf zeitliche Wiederholung (vergl.
[4
m
een u — fe
oh — ohne 311
es regnet oft, wobei body nicht viel Regen zu fallen braucht, und: es fallt häu—
figer Regen; ich habe das oft gefehen, erfahren 20.5 mehr als zu oft, d,i.
Öfter ald man wünſcht; ſprichw. unverhofft kommt oft); der Gomp. öfter
wird als Nw. aud ohne ausdrüdliche Vergleichung f. ‚oft, mehrmald, mehr
ald einmal gebraucht und in demfelben Sinne auch öfters (3. B. ich habe ihn
fchon bfter od. bfters befucht); ferner ift öfter Bw, (ohne Gomparativ : Beb.,
wie inner, außer 2c. von innen, außen; ft. des altd, oftig) f. oft feiend od,
gefchehend, mehrmalig (öftere Berfuhe machen, feine Öfteren Reifen 20.5
zum dfteren, als Nm, f. oft, mehrmals); oftmals, alt u. oberd. auch
oftmalen, dftermals, Nw., zu Öfteren Malen, f. v. w. oft, öfters;
oftmalig, Bw., oftmals feiend ‚oder gefchehend (feine oftmaligen Befuche,
T. v. w. Öfteren).
oh, Empft,, f. o.
Oheim, alt u, landſch. auch Ohm, Ohm, m., —es, Mi -e (altd.
ohein, nieberd. Ohm, verkt. Ohmeenz angelf. eam; arab. am; vielleicht
verw. mit Ahn; vergl. das lat. avus, avunculus), des Vaters oder der
Mutter Bruder, ſ. v. m. Onkel; chem. u. noch niederd. (Ohm, Dhme)
auch fr Neffe, Nichtez die Kaifer nannten fonft die weltlichen Kurfürften:
Oheim; die Ohme, M.-n, vit. bibt. f. Muhme; die Obeimfchaft od,
Ohmſchaft, der Stand, das Verhältnifs eines Oheims; die Verwandt—
ſchaft; landſch. auch f, Geſellſchaft, Zunft
SH, k, FD. |
Ohm 1: Man f. Oheim; — Ohm 2., w., ohmen, ohmig ꝛc. f.
Ahm ꝛe. — Ohm 3., m, landſch. f. Spreu vom Getreide,
Dhmblatt, f., landſch.f. Klette.
Ohmchen, fe, -5, M. w. E., landſch. f. Heimen, Hausgrille.
Ohmkraut, fe, eine Eleine rauhe Pflanze, auf trocknen Feldern wach—
fend, ein gutes Schaffutter (aphanes arvensis L.), auch Ackerſinau, Frauen—
mäntelchen, kleines Nadelfraut 20.5 dad gemeine Kreuzkraut.
‚ohne, Vw. u, Nw, (goth, inuh, altd. anu, ano, ane, urſp. ald Nw, u,
Bm. f. v. w. aufer, ausgenommen, ohne einen beftimmten Fall zu fordern 5
altnord, an; oberd. än, one; niederd. anez griech. &vev) 1) Bw, mit dem
Ace. Mangel, Abweſenheit, Ausſchließung bezeichnend, entg. mit (z. B.
er kann ohne dich nicht leben; ohne mich, ohne meine Hülfe kann es nicht ge:
ſchehen; er ift ohne Freund; es waren zwanzig Perfonen da ohne die Kinder,
b. mit Ausſchluſs der Kinder, die Kinder nicht gerechnetz bef. vor Wörtern in
der Mehrh, od. vor Sammel: und Begriffswörtern mit Weglaffung des Artiz
feld, 3. B. ein Baum ohne Blätter; ohne Geld, ohne Sorge, ohne Fehler,
ohne Ende, ohne Unterlafs, ohne Zweifel, d. i. fo dafs nicht daran zu ziveis
fein iſtz ohne Anſehn der Perfon, ohne Unterſchied; ohne Umftände! er ift
ohne Rettung verloren, d. i. ohne gerettet werden zu Tonnen; ohne weite:
zes, d, i. ohne weitere Umftändez durch Hinzufügung von alle obJeinige
wird der Begriff des ohme verftärkt, z. B. ohne alle Barmherzigkeit, ohne
einigen Verzugz nicht ohne f. mit drückt eine nad) Umftänden bald mil-
dernde, bald nachdrückliche Bejahung aus (z. B. nicht ohne Nutzen; ich ſchied
nicht ohne Beforgniffe 2c.); ehem, auch mit d. Gen. (daher zweifelsohne
vlt. f. ohne Bweifelz eines Dinges ohne fein f. entbehren, einer Sache ohne
werden f. los werden, vergl, anwerden), u. landfch, gem, mit d. Dat. (5. B.
312 Ohnvogel — Ohr
ohne großer Gefahr; ohnedem, unr. f. ohnedies); 2) ale Nw. u. Bhw. von
derfelben Bed., insbef. a) landſch. u. Kanzl. ed ift nicht ohne, auslaff. f. es
ift nit ungegründet, läſſt fich nicht leugnenz b) vlt. f. außer, ausgenoms
men (bibl, es ift Eein Erbe ohne du und ich; wo ift ein Gott ohne der Herr ?);
c) gew. in Verbindung mit dafs, od. mit zu und einem Infinitiv, den
Mangel eined Thuns od, Umftandes, eine Unterlaffung ꝛc. bezeichnend
(z. B. er Fam, ohne dafs er gerufen war, cd, ohne gerufen zu fein; er ging,
ohne ein Wort zu fagenz er reif’te ab, ohne dafs ich es wuffte ꝛc.); — 3feg.
mit-ohne als regierendes Bro,: ohnedies. od, ohnehin (niht ohnedem,
f. 0.), Nw., ohne diefes, wenn diefes auch nicht wäre, finnv, außerdem (5.8.
ich Hätte es ohnedies od, ohnehin gethan)z der Ohnehofe, M. -n, Neuw. f.
das franz. Sansculotte, vergl. Barſchenkler; der Ohnefopf, ein Ding ohne
Kopf; der Ohneſorge, Volksſpr. f, ein Mensch ohne Sorge (Hans Ohne:
ſorge); — die Zfeg. mit ohn als nebenwörtliches Beftimmungswort, z. B.
ohndenflih, ohnerachtet, obngeadtet, ohngefähr, ohn—
längſt, obnfhwer x. find vlt, und durch undenklich, uneradtet,
ungeadhtet, ungefähr, unlängft, unſchwer erfest (f. d. u, vergl,
un); ausgenommen: die Ohnmacht, Abweſenheit od, Mangel der Macht,
Kraftlofigkeit, Schwäche (die Ohnmacht feiner Feinde); gew. in engerer Bed.
der Krankpeitszuftand, wobei ein Menſch auf einige Zeit vollig kraft- und be:
mwufitlos wird (in Ohnmacht fallen, liegen); ohnmächtig „Bw., überh.
machtlos, kraftlos; insbef. von einer Ohnmacht befallen (ohnmächtig fein,
werden)s die Ohnmächtigfeit, das Ohnmädtigfein in: beiden Bed.5 —
Ableit. ohnen od. ohnigen, ziel. Zw., völlig vlt. f. befreien, berauben,
entbehren; ohnig, Bw.,, völlig vlt. f. befreit, beraubt,
Dhnvogel, m. (geich. övorgörelos, d. i. Klapperefelz alſo nicht von
ohne, fondern wahrſch. verw. mit d. griech, övos, Efel), oberd, f. Kropf-
sand, Vielfraß, auch Efelfchreier genannt.
oho od. hoho, ein Ausruf, um Stillftehen od. Innehalten zur gebies
ten; aud als Empfl. zum Ausdruck des Widerſpruchs, des Zweifels od.
ungläubigen Spottes. x A
Ohr, ſ., -es, M. -en, Verkl. das Ohrchen, Ohrlein (goth. auso,
altd. ôra, ore, altnord, eyra, angelſ. u, engl, ear, ſchwed. dera, dän, öre,
holl. oor; griech. oös, lat. auris, franz. oreille; vergl. hören, goth. hausjan,
altd. horjan mit d. lat. haurire, ſchöpfen), dad Werkzeug ded Gehörfinnes
bei Menfchen und Thieren (day Außere, das innere Ohrz lange Ohren haben;
einen beim Ohre zupfen; die Ohren Elingen, faufen, braufen, gellen mir,
d. i. ich vernehme in den Ohren einen Elingenden, faufenden 2c. Schall; gem.
einen hinter od. an die Ohren fchlagen, d. i. ihm eine Ohrfeige geben; fi) auf
das Ohr legen, d. i. ſich fchlafen legen; ſich hinter den Ohren Fragen, alö Ges
berde der Verlegenheit; es ift mir zu Ohren gekommen, d. i. id habe gehört,
erfahren 20,5; uneig. fprihw. Redensarten find: einem das Fell über die Ohren _
. ziehen, gem. f. ihn um alles das Geinige bringen; bis über die Ohren in
Schulden fteden, d. i. im höchſten Grade verfihuldet fein; es hinter den. Ohren
haben, d. i. Elüger od. fchlauer fein, ald man zu fein fcheintz fich etwas hinter
die Ohren fchreiben, d. i. es ſich forgfültig merken; hinter den Ohren noch nicht
troden fein, d. i. noch fehe jung und unerfahrenz die Ohren hangen lafjen,
d, i. muthlos und niedergefhlagen fein; die Ohren ſpitzen, d. i. genau zuhören
Ohr 313
od, horhenz; einem beftändig in den Ohren liegen, d. i, ihm immer von ber=
felben Sache vorreden; einem bie Ohren Eigeln, d. i. ihm etwas Angenehmes
od, Schmeichelhaftes ſagen z tauben Ohren predigen, d, i, Menfchen, bie nicht
hören wollen, ermahnen; ein offenes Ohr finden, d. i, geneigtes Gehör; id)
bin ganz Ohr, d, i. ich höre aufmerkfam zus thue die Ohren auf, d, i. höre
zu, u. dgl, m,)3 uneig. verfchiedene ohrähnliche Dinge, Hervorragungen
od. Vertiefungen, 3. B. die Ede od, der Anfag am Schloffe einer Schnede;
Landw, zwei längliche, krumme Hölzer an einem Hakenpfluge; auch das
Strichbrett eines Pfluges; Bauk. ein Fleines Gewölbe in und an einem größe:
ven; Sciffb. der über: od, ausgebaute Theil eines Schiffes; die Zapfen einer
Kanonez die krummen Widerhafen an der Büchfe eines Rades; die umgebo=
gene Ede des Blattes eines Buches (Efelsohr); das rauhe Ohr, eine
Art Stahelfchnedenz das Ohr der Diana, eine Art Flügeljchneden 5; —
Bfeg.v. Ohr: der Ohrbock, landſch. gem. ein Geſchwür hinter dem Ohre,
auch Ohrdrüfe, Ohrenbeule 20,5 Anat, ein Theil deö Außeren Ohres: die vor—
dere Ohrede, od. dad vordere Ohrblatt, z. U, v. dem hinteren Ohrblatt
od, dem Gegenbock; tie Ohrdruͤſe, die größte Speicheldrüſe, unter dem
äußeren Ohre liegend; die Ohreule, eine Gattung Eulen mit ohrähnlich em=
porragenden Federn zu beiden Seiten des Kopfes: die große Ohreule od.
der Uhu, die mittlere, wdieEleine Ohreulez die Ohrfeige (wahrich.
nicht v. Feige ald Frucht, fondern verw. mit fegen 2c.3 altd, orslac, niederd.
Ohrbatſche 2c,), ein Schlag mit der flachen Hand an das Ohr oder auf die
Bade, gem. auch Maulfhelle, edler: Backenſtreichz ohrfeigen, untrb. ziel.
Zw., einen —, ihm Ohrfeigen geben; der Ohrfinger, Kleine Fingers; der
Dhrflügel, der obere abſtehende Theil des äußeren Ohresz ohrfürmig, Bmw. 5
das Ohrgehänge, od. =gehenk, gem. auch die Ohrbammel od. = bom=
mel, wenn es ein bloßer Ring ift: der Dhrring, zierlihe Gehänge von edlem
Metall, Perlen, Ebelfteinen u, dgl., als Schmud in den Ohren getragen;
dad Ohrgemwölbe, f. 0. Ohrz der Ohrfäfer, f. v. w. Ohrwurm; das
Ohrkiſſen, ein kleines Kopfkiffen, worauf man das Ohr legt; in einer Kut-
The ein Kleines Winkelkiffenz; der Ohrlack, Mal, eine Art Lad, welche ehe-
mals in Geftalt von Ohren zu uns gebracht wurde, z. U, v, Holz: u. Plattladz
dad Ohrläppchen, der unterfte, gerundete, herabhangende Theil des menſchl.
Ohres, landſch. au der Ohrzipfel, oberd. gem. das Ohrwaſchel z das
Ohrloch, die Augere Höhle des Ohres; ein in das Ohrläppihen geſtochenes
Loch zum Tragen eines Ohrgehänges; der Ohrlöffel, ein Löffelhen zur Rei:
nigung des Ohres, oberd. der Ohrgriebel, -griffel;z eine Art Stachel:
ſchwämme; eine Art Schraubenfchneden;z das Ohrmaal, in Schäfereien:
ein Maal od, Kennzeichen in den Ohren der Schafez die Ohrmufchel, die
innere muſchelfbrmige Höhlung des Aufßeren Ohresz; eine Art Bohrmufceln z
der Ohrring, ſ. Ohrgehängez die Ohrfchnede, eine dem Menſchenohr
ähnelnde Schnedenart, Meerohr, Seeohr 20,5 die Ohrtaube, eine Art Zur:
teltaubenz der Ohrwurm, ein glängendbrauner Käfer mit einer Zange am
Schwanze, von welhem man wähnt, er krieche gern in die Ohren, auch Zan—
genkäfer, Ohrkneiper, =bohrer, Ohrengrübler zc, genannt,
(prichw. „er ift fo freundlich wie ein Ohrwurmdhen, 4 weil diefer Käfer fehr
ſchnelle, gefhmeidige Bewegungen mat); aud eine Art Affeln mit zangen-
fürmigem Schwanze; Jäg. eine Ohrenkrankheit der Iagbhundes die Ohrs
314 She — Dftober
zange, eine Zange mit zwei Widerhafen an der Spige jeber Kneipez — von
Ohren; das Ohrenband, Anat. verfhiedene Bänder in der Gegend
des Ohres; die Dhrenbeichte, Beichte einer einzelnen Perfon, dem
Beichtvater ins Ohr gefagt, 3. U. v. der allgemeinen Beichte; der Ohrenblaͤ—
fer ‚ die Ohrenbläferinn, wer Jemand nachtheilige Dinge von Andern heim:
lic) mittheiltz daher: die Ohrenbläfereiz das Ohrenbraufen, =faufen,
=Flingen, das Braufen 2c. in den Ohren (f. 0, Ohr); der Ohrendrath, ein
nad) dem Ohre eingebogener Drath, um Ohrgehenke daran zu tragen, ohne
die Ohrläppchen zu durchſtechenz der Ohrenkitzel, ein Kigel in den Ohrenz
uneig, die Begierde nad Neuigkeiten 5 aud was die Ohren Eigelt, d, i. was
man gern hörtz die Ohrenmorchel, eine Art runder Mordeln, verſch.
Spitzmorchelz der Dhrenräumer, Ohrlöffel (ſ. 0,); die Ohrenſchlange,
eine kleine dunfelgraue Schlange, bie gern in die Ohren der Menſchen kriechen
fol; dad Ohrenſchmalz, eine gelbe, fettige Maſſe, die fi) in dem Gehör:
gange abfondertz der Ohrenfchmaus, uneig. ein Genufs für das Ohr, vi.
den Gehdrfinn; der Ohrenfchmerz, wenn ex heftig ift auch: Ohrenzwang,
die Ohrenklemme; der Ohrenſchwamm, ein ohrförmiger Becherſchwamm,
das Sudasohrz der Ohrentaucher, eine Art Taucher mit einem großen Ge:
derbüfchel neben jedem Auge, der gedhrte Taucher; der Ohrenzeuge, wer
etwas bezeugt, was er ſelbſt gehört hatz — Ableit. öhren, ziel, Zw,, mit
Ohren verfehen, nur das Mw. geöhrt ald Bw. gebr, (5. B, ein ſchön ge:
ohrtes Pferd; ohrig od. ührig, Bw., Ohren habend, nur in Zſetz. wie
große, lang-, dickohrig 2c,; der Ohrling, -ed, M.-e, Ohrwurm.
Ohr, fe, -8, M.-e, Verkl. dad Shrchen, Öhrlein (Nebenform
von Ohr; engl, ear, niederd. Ohfe, sken, ſchwed. hösja, holl. heuse),
eine rundliche Offnung, in einzelnen beftimmten Anwerdungen, namentlich;
dad Ohr einer Nadel, Nadelöhr (1, 8.);5 einer Senfe, eines Beiled xc,:
das Loch, in welchem der Stiel ſteckt; aud der Henkel, die Handhabe an
Zöpfen u, a. Geſchirren ein Fleiner Ning od, rundgebogener Drath, zur
Befeftigung dienend, 3.B. an Münzen ein am Rande befeftigter Ring, mit:
telft defjen fie an einem Bande um den Hals gehängt werden können ; an Kind:
pfen die angelötheten kleinen Ringe, mittelft deren fie an Kleidungsſtücke ge-
näht werden; insbef. ein rundlicher Drathring, in welchen ein Haken eine
greift, zur Befeftigung von Kleidungsftücden u. dgl, 5 oͤhren, ziel. Zw. mit
einem Ohre verſehen (eine Nähnadel ꝛc.).
Ohre od, Ohre, w., M.-n, landſch. f. der Ahorn,
Dhfe, w., Mn, niederd. f. Öhr, ſad.
Ohſt od. Doft, Ohſtmonat, m., vlt. u. landſch. gem. f. Auguſt, Ernte—
monat; ohften, 3m. f. ernten; daher: der Ohſtknecht, das Ohftwet-
ter, die Opftzeitw.dgl.m.
Dfelei, w., ſ. Ukelei; — Oker 1., m., ſ. Oder.
Dfer?., m, -?, M. -n (wahrſch. verw, mit Ede, ſ. d.), niederd. der
fpige Winkel; den der untere Theil des Daches mit dem Boden bildet,
und diefer Theil des Bodens felbft ; in Hamburg heißt der ganze oberfte Haus:
boden: Ofen.
Dftober, m., -3, M. w. E. (von dem lat. October, v. octo, acht,
weil es urfpr. ber adyte Monat war), der zehnte Monat ded Jahres, Wein—
od, Windmonat,
——
Öl, ehem. gew. Shl, fe, -ed, Ms -e (goth, alev; altd. olei, "oli;
niederd. Dlje; altnord. olia, angelf. ele, engl. oil, ſchwed. olja; böhm.
oleg, franz. huilez; lat. oleum, grich. «or; das deutjche Wort ſchwer—
Yid) aus dem Latein. hergeleitet, fondern mit diefem von gleiher Wurzel: al,
daher altnord. ala, lat. alere, nährenz alfo: nährente, fette Stüffigteit 3
vergl. das angelf. eala, engl. ale, ſchwed. oel, nieberd, hl f. Bier), eine
fette, brennbare und im Waffer nicht auflöslihe Flüffigkeit, aus thie:
riſchen u. bef, Pflanzen: Stoffen gezogen; (man unterſcheidet: flüchtige od.
wefentlide Dle, 3. B. das Alant:, Anis:, Dil:, Fenchelbl 26,5 fette
od. milde Dle, 3. B. das Ameifendt, Eierbl, der Thran ac., und bef, aus
Pflanzenftoffen: das Baum:, kein, Mandel:, Nuſs-, Rübdl 2c.53 brenz:
liche od, ſtinkende Dle, 3. B. Bernftein u, Hirſchhornbl)3 in engerer
Bed. gew. dad ÖL, deffen man fidy an Speifen bedient: Baumoͤl; oder
zum Brennen, meift Ruͤb- od. Leinoͤl (Öl preffen, ſchlagen, d. i. es duch
Preſſen od. Stampfen aus Früchten od. Samenkbrnern gewinnen; in Sl ma:
len, d. i, mit Dlfarben 5 ſprichw. HI ing Teuer gießen, d. i. eine Leidenſchaft
noch heftiger aufregen, ein Übel ärger machen); uneig. verfchiedene dem Si
ähnliche, aus Erd- od. Steinarten kuͤnſtlich bereitete od, natürlich er=
zeugte Flüffigfeiten (Erd: ‚ Steindl, Vitriol-, Weinftein:, „Kupferdt 2c,) 5
— 3fes. das Dlbällchen, ein Eleiner Ballen der Kupferdruder zum Abs
wifchen der Kupferplattenz der Ölbaum, ein im ſüdl. Europa wachfender
Baum, aus defien Früchten das Baumdi geprefit wird, Dlivenbaum, feit
alter Zeit ein Sinnbild de? Friedens und des ftillen häuslichen Glücdesz; der
wilde HElbaum, ein in Böhmen, Spanien ꝛc. wachſender Baum mit oli-
venägnlichen Früchten (böhmifcher Sltbaum); auch f. Lebensbaum; das Sl⸗
baumharz, . u. Olftraud) ; die Ölbeere, die Frucht des Ölbaums , gew,
Olivez der Dlberg, ein mit Ölbäumen bewachfener Berg, bef. der durch
Chriſti Leidensgefchichte befannte Berg bei Serufalem; das Slbild, ſ. Öige:
malde; die Olblaſe, eine kupferne Blaſe, worin die Maler das DI zu Fir⸗
niſs, die Kupferdruder ihre Schwärze aus Nuſsbl kochen; das Dlblatt, ein
Blatt vom Slbaumez dad Olblau ‚ Mal, die beite Schmalte, weil ſie mit
einem lfirniſs aufgetragen werden kann; die ldruſen 9 E. (vergl, Dru:
fen), der dide Bodenſatz des Hles: die Ölhef enz auch die Überbleibſel der
ausgepreſſten Oliven: Dltrefterz die Slfarbe, mit Lein⸗, Nufe- od. Mohnbl
od, einem daraus gefottenen Firnifs angemachte Malerfarbe; das Slfaſs;
die Olflaſche; der Olflecken od, -fleck; der Olgarten, ein mit Ölbäumen
bepflanzter Garten ; ölgelb, Bw., von der grünlich gelben Farbe des Dles;
das Olgemaͤlde, ein mit Ölfarben gemaltes Bild; der Olgoͤtze, vieleicht
urfpr. ein Götzenbild, welches man mit DL zu falben pflegtez baber im Senne:
bergifchen ein mit Hl beiriefter Sampenpfoften 5 gew. uneig. ein bummer, trä=
ger Menfchs der Ölyandel; der Ölhändler; die ‚Dlhauf, eine Art mit
Hlfienife überftrichenes Pergament; die Olhefen, ſ. Sldruſen; das Ölyorn,
ein hornförmiges Dlgefüßz Naturk, die größte Art Schrauben» od, Mond:
ſchnecken z der Olkaͤfer, Maiwurmz die Olkelter, ſ. v. w. Hlpreſſe; das
Dlfind, bibl. f. ein Geſalbter; ber Olkitt, ſ. Kittz der Olfrug, ein
Krug zu Sl; der Slkuchen, mit DI gebadener Kuchen z aus Oltreftern ges
formte Kuchen zum Viehfutter (kein, Hanfkuchen r2c.)3 eine Art Stachel⸗
— die Öllampe, ſ. Lampe; die Olleſe, Oliden-Erntez der Öls
316 Dlantbaum — Oper
maler, der mit Hlfarben maltz die Ölmalerei, das Malen mit Dlfarben ;
aud ein Olgemäldez die Olmühle, eine Stampfmühle, in welcher ÖI ge:
Thlagen wird; der Olmüller, Eigenthümer einer Ölmühle, auch Olſchlaͤ⸗
ger; die Olpalme, eine Palmenart, aus deren Früchten das Palmbi ge:
wonnen wird; die Ofpreffe, 1. Preffes der Olrettig, eine Art Rettige in
China, aus deren Samen HI geprefit wird; das Ölröschen, Yandfh. f,
CHriftwurz, ſchwarze Nieswurz; der Dlfamen, Rüb- od, Leinfamen; der
Slſtein, ein mit Erdbi durchdrungener Stinkſtein in Tirolz auch ein mit DI
zu befeuchtender Wesftein; der Olſtrauch, ein Strauchgewächs in Brafilien,
welches das fogen, Slbaumharz liefern ſollz der Olzucker „ mit Zucker ange:
riebenes flüchtiges Ol; der Olzweig, Zweig von einem Slbaum, als Sinn:
bild des Friedens; — Ableit, Ölen, ziel, Zw., mit Oi verfehen, trans
fen, beftreichen (den Salat; ein Schloſs —, mit Di fhmierenz gebltes Pa:
pier); mit DI falbenz daher: die letzte Olung, in der Eathol. Kirche die
Salbung eines Sterbenden mit geweihetem Hle; ölenzen, zielloſ. 3w., vlt,
f. nad) Ol riechen od. ſchmecken; der Olerer, -8, dftr. f. Seifenfieder;
oͤlicht, Bw., dem Öle ähnlih; oͤlig, Bw,, Öl enthaltend, gebend;
mit Ol vermengt, beftrichen,, befleckt.
Dlantbaum, Ditbaum, m., landſch. f. Ahlbaum, Traubenfirfch-
baum,
Olb, Olbs od. Olbſch, m., -ed, M. -e (altd. albiz, alpiz, altnord.
alft; v. d. altd, alba, altnord, elf, Fluſs), Alt u, noch ſchweiz. f. Schwan.
Dibend, Dlbent od. Dlfent, ſ., -*d, M. -e (goth, ulbandus, altd,
olpenta, w.; angelf. olfend; aus d, griech. Mepas, Elephant, entft.), vit.
f. Kameel; aud andere große Thiere.
Dleander, m., —s, M. w. E., die Lorberrofe (f. d,)5 wilder
Dieander, Schotenweideric), A
Dleib, f., -S, M.-e, 08, verkl. Dleibel, im Elſaſs f. Überbleibſel.
Dlive, w., Mi -n (v. d, lat, oliva; franz, olive), die länglichrunde,
gelbgrüne Frucht ded Olbaumd, Olbeere; daher: die Olivenfarbe; oli=
venfarben od. olivengrün, Bw.; das Dlivenerz, =Fupfer, olivengrünes
Kupfererz; olivenfürmig, Bw.; der Dlivenfern, uneig. eine Art Rollen:
od, Walzenfchneden; dad Dlivenöl, Baumbl; der Dlivenftein, olivenför:
mige Steine.
Dig, DIE, w., M.-e, landſch. f. Zwiebel.
D lm, m., -es, Ms -e, 1, altu, landſch. f. Molch (ſ. d)3 — 2. niederd,
f. Mulm, Faͤulniſs; daher olmig, olmerig, Bw, f. mulmig, faulend;
olmen, zieltof. 3w. f, faulen, modern. ’ b
Dlfenih, fr, —s (landſch. auch Olsnich, Dlferih, Ölnich, Alſenach,
Slswurz; wahrſch. verderbt aus d, Lat, selinum), eine zum Geſchlecht der
Silge gehörende, in Thüringen wild wachſende Pflanze (selinum silvesire L.).
Dltbaum, m., f. Olantbaum; — Oltwurz, w., landſch. f. Want.
Dmat od, Omahd, fi, Ses, o. M. (altd. amad, oberd, auch Amat,
Dmd, Omdz v, Mahd, mähen), oberd. f. Grummet, Nachheu. ’
Onkel, m., -8, M. w. E. (aus tem franz, oncle, u. dieſes verkürzt
aus dem lat. avunculus), f, v, w, Ohein.
Oper, w., M.-n (0, d, ital, opera, unter welchem Namen diefe Schaus
Tpielgattung im A6ten Sahrh, in Stalien aufkamz eig. überh. Wert, Kunſt—
i Opfer 317
wert, v. d. lat, opus, dem Ötegreiffpiel entg.), ein Singfpiel, mufifali=
ſches Schaufpiel, di. ein dramatiſches Gediht, das entweder burdgängig
fingend und unter Mufikbegleitung vorgeftellt wird: große Operz oder in
welchem Gefpräh und Gefang abwechſeln: Singfpiel in engerem Sinne,
Liederfpiel (fr. Operette) 5 daher der Operndichter; dad Opernhaus; der
Dpernfänger, die Opernfängerin; der Opernguder od, das Opern-
glas, eine Art kleiner Ferngläfer, ‘
Opfer, f, -d, M. w. E. (altd. opfar, opphar,opher; altnord. offr, fejwed.
u. dän. offer; v. d, lat. offerre, darbringenz daher engl. offering; franz, of-
frande v. offrir), jede der Gottheit od, auch einem Gösen als Zeichen der
Verehrung, ded Danfed ꝛc. dargebrachte Gabe, die chem, an einem ge—
weiheten Ort, auf einem Altar 2c. niedergelegt, od, auch verbrannt wurbe (ein
biutiges od. Schladhtopfer, d. i. ein lebendes Geſchöpf, welches der Gottheit
gefchlachtet wurde, entg. unblutige Opferz Brand», Dank-, Suhnopfer ꝛc.)5
uneig. Gebete od. Geſaͤnge zur Verehrung der Gottheit (Dank:, Mokgen-,
Asendopfer)s in weiterer Bed. jedes der Kirche und den dabei angeftellten
Personen dargebrachte Geſchenk, 3. B. das Beiht:, Tauf-, Mefsgeld ıc,
(daher: zum Opfer gehen, landſch. f, das Mefögeld auf dem Altar darbringen),
uneig. jede Sache od. Perfon, die für eine andere gleich]. dargebracht,
d, i, hingegeben, aufgeopfert wird, od. ſich felbft dafür hingiebt, d. i.
untergeht od, doch ein Ubel erleidet (3. B. er ift das Opfer der Freiheit gewor-
den; die Gerechtigkeit fordert ein Opfer; einem fein Liebſtes zum Opfer brin=
gen); Alles, deffen Beſitz oder Genuſs man fich um eines Andern willen
verfagt (ich habe ihm viele Opfer gebracht u. dgl.)5 opfern, ziel. Zw. (altd,
epharon, opferon; angelf. ofirjan), etwas —, ald ein Opfer darbrin=
gen (ein Thier, Früchte 26,5 uneig, Gott feinen Dant—); Geld. ald freiwil=
lige Gabe an die Kirche od, für den Öeiftlichen darbringen, bef, auf der
Altar legen; uneig. um eined Andern willen hingeden, preiögeben, fih
einer Sache begeben, vergl. aufopfern (einem etwas, fein Liebftes, fein
Glüdz,—); der Opferer, -8, wer opfertz die Dpferung, das Opfers —
3feg. v. Opfer u, opfern: der Opferaltar, =herd, =tifch, Altar ꝛc. auf
welchem geopfert wird; der Opferbrauch od. gebrauch; das Opferfeftz
dad Opferfeuer, die Opferflamme; das Opferfleifch, Fleiſch des Opfer-
thiers; die Opfergabe, als Opfer dargebrachte Gabe; das Opfergefäß,
»geräth ec.ʒ das Dpfergeld, der Opferpfennig, geopfertes Geld (f, 0.) 5
nieberd, auch ein Handgeld, welches man dem Gefinde giebt, das man behalten
will; der Opferfaften, Opferftod, ein Kaften in der Kirche, in welchen dag
Opfergeld gelegt wird; der Opferkelch, der Kelch mit dem Weine zum
Abendmahl; der Opferfuchen, Kuchen, welche ehem, der Gottheit geopfert
wurden; dad Opferlamm, ein Lamm als Opferthierz; uneig. Chriſtus als
unſchuldiges Opfer für die Menfchheit; dad Opfermahl, der Opferfchmaus,
Feſtmahl beim Opfer; der Opfermann, niederd, f, Kirchner, Küfter, der
das Opfergeld in Empfang nimmt; das Dpfermeffer, der Opferftahl, zum
Opfern gebrauchtes Schlachtmeſſer; der Opferpriefter, die Opferprieftes
rinn, das Opfer verrichtender Priefter 2,5 die Opferfchale, Schale zur
Auffangung des Blutes der Opferthiere, od, zur Darbringung eines Trank—
opfers; das Opferthier, jedes geopferte od, zum Opfer beftimmte hier z
318 Oppenwall — ordentlich
der Opfertod, Tod eines als Opfer fallenden Gefchöpfes, bef, eines ſich auf:
opfeenden Menfchen, R ;
DOppenwall, m., nieberd, Waſſerb. dad Ufer, von welchem der Win
herweht.
Drant, m, — es, o. M., eine Pflanze, auch Dorant, wildes Loͤ—
wenmaul, Staͤrkkraut ꝛc. (antirrhinum orontium L.); auch der gemeine
Doſt od, Wohlgemuth (origanum vulgare L., griech. öolyavov, woraus
wahrſch. das deutfche Wort verderbt ift),
Drden, m., -8, M. w. E., (0, d. lat, ordo, ordinis, Reihe, Orb:
nung, Stand; engl, order, franz. ordre), überh. ein Stand, d, i. eine
Sefammtheit von Menfchen derfelben Urt (fcherzh. der Männer:, Weiber-,
Zunggefellen: Orden 26,)5 in engerer Bed, eine durch gewiffe Geſetze, Re—
geln od. Vorſchriften zu einem Ganzen verbundene Gefellfchaft od. Vers
brüderung (geiftiihe, Mönchs-, Nonnenordenz weltlide, Ritterorden 2c,) ;
eine zu gewiffen Zwecken verbundene geheime Geſellſchaft mit eigenthüm—
lichen Gebräuchen, Sinnbildern, Abzeichen (3. B. ber Freimaurer: Orden) 5
cuc das aͤußere Abzeichen einer ſolchen Gefellfchaft, u, insbeſ. ein von
einem Fürften ertheiltes Ehrenzeichen, in einem Stern, Kreuz u. dgl, be:
ftehend, welche man auf das Kleid geheftet od. an einem Bande trägt (einen
Orden haben, tragen; der Orden des goldenen Vließes, der ſchwarze u, rothe
Adlerorden u. dgl, m.)5; — 3fes. dad Drdensalter, das zur Aufnahme in
einen Orden erforderlie Alters das Drdensband, ein Band als Ordens:
od, Ehrenzeihens der Drdensbruder, die Drdensfchweiter, Mitglieder
von Orden, bef. geiftlihen; fo auch das Drdensglied, der Ordensmann,
Ordensleute od. =perfonen 2c.; der Drdensgeiftliche, ein Fathot. Geift-
licher, der zugleich Glied eines geiftlichen Ordens ift, z. U. v. Weitgeiftlicher 5
die Ordensgeiftlichfeit, die Gefammtheit der Ordensgeiſtlichenz das Dr-
denskleid, die Ordenskleidung; das Drdensfreuz, ein Kreuz als Or—
denszeichen Der Drdensmeifter, der Borgefeste eines Ritterordens; die
Drvendregel, die Regel od, der Snbegriff der Vorſchriften für die Mitglieder
eines Ordens; der Ordensritter, Mitglied eines Ritterordens; das Or—
denszeichen, das Ehrenzeichen eines weltlichen Ordens.
ordentlich, Bmw: u. Nw. (oberd. ordelich, ordlichz altd, ordenlich, v. d.
althochd. ordo, m., ordena, w., d. i. Ordnung, Neihenfolgez bibl, Or:
den f. Ordnung: nad) dem Orden ihres Alters; ſchwerlich aus d. lat. ordo
entlehnt, fondern mit diefem urverwandt, d. i. von gleicher Wurzel), überh.
der Ordnung, Neihenfolge, geregelten Einrichtung gemäß od. diefelbe
befolgend, finnv. geregelt, regelmäßig, entg, unordentlich (etwas or:
dentlich legen, ftellen ze. 5 etwas ordentlich erzählenz eine ordentliche Haushal-
tung, Wohnung, d. i, eine gehörig eingerichtete 3 eine ordentlich gehende Uhrz
ein ordentlicher Menſch, der in feiner Lebens- und Handlungsweiſe eine gewiffe
Ordnung beobachtet; ordentlich leben, d. i mäßig und regelmäßig, nicht aus—
ſchweifend 2c.) 5 insbef, der gefegmäßigen Einrichtung, Befchaffenheit, Vers
faffung gemäß od. dazu gehörend, finnv. regelmäßig, verfaffungsmäßig,
entg, außerordentlich (die ordentliche Obrigkeit; ein ordentlicher Lehrer,
Richter 2c.), daher auch f. gewoͤhnlich (feine ordentliche Mahlzeit haltenz or—
dentlicher Weife 2c.)5 der gewöhnlichen Form gemäß, finnv, foͤrmlich, ge=
hörig, vollftändig (eine ordentliche Hochzeit z das Licht ift nicht ordentlich
Orẽego — Orf 319
gepugt) 3 daher im gemeinen Leben auch häufig f. recht, wahrhaft, wirklich,
in hohen Grade (4. B. das heißt ordentlid) getrunken! fie fagte uns orbent:
liche Grobheitenz er nahm es ordentlich übel; es ift ordentlid) Ealt, u. dgl. m.)5
die Ordentlichkeit, dad Ordentlichſein, die ordentliche Beſchaffenheit; —
ordnen, ziel. 3w, (altd. ordinon, ordenen; lat, ordinare), die Folge
eined Mannigfaltigen od. einer Mehrheit von Dingen nad) einer ge—
meinfchaftlichen Regel beftimmen, u, jedem einzelnen feine gehörige
Stelle anmeifen (eine Bücherfammlung, die Truppen, mehre Perfonen nad)
dem Alter, der Größe, dem Range 2,5; feine Gedanken über etwas, den
Stoff zu einee Schrift 2..—), überh. mit einer höheren Negel uͤbereinſtim—
mend einrichten, gefehmäßig beftimmen, finno. regeln, anordnen, Iei=
ten (feine Begierden ordnen; Gott ordnet die Schickſale der Menfchen); alt u.
Landfch, auch f. verordnen, befehlen (bibl, wie ich ihnen geordnet habe), und
f. einfeßen, ernennen (bibl, Gott hat geordnet die Herrfchaftenz id) ordne
dich zum Diener 26,)5 der Ordner, -8, die Ordnerinn, mer etwas ord—
netz Neuw. f. Vorfteher (fr, Director); die Ordnung, M. -en (altd, or-
dinunga), 1) felten die Handlung ded Ordnens, gew. dad Ordnen, die
Unordnung; 2) dad Geordnetfein, überh. die Art und Weife, wie etwas
geordnet ift, die Folge od, Reihe der Dinge od, Theile in Raum und Zeit
(die Ordnung der Worte in einer Rede; eine gute od, ſchlechte Ordnung z die
Ordnung eines Zuges 2c,)5 insbeſ. die richtige od, regelmäßige Folge od.
Stellung, u, in weiterer Wed, jede geregelte, gef = od, vorfchriftmäßige
Einrichtung, entg. Unordnung (die Truppen in Ordnung ftellenz; eine Samm-
lung, feine Uhr, feinen Anzug in Ordnung bringen, halten 26.3 die Ordnung
lieben; ſich an eine gewiffe Ordnung gewöhnenz die Ordnung der Natur, d. i.
die gefeginäßige Folge ihrer Veränderungen; die bürgerliche Ordnung); Bauf,
das feftgefeßfe Berhältnifs eines Ganzen und feiner Theile (die Säulenord:
nungen); 3) die geordneten Dinge felbft, eine geordnete Gefammtheit,
finnv. Klaſſe (die Schüler der erften Ordnungz die Ordnungen der Naturkör-
per u. dgl); 4) die Regel od, der Inbegriff der Vorſchriften fir die Ein—
tihtung, dad Verhalten od, die Handlungsweiſe (Gottes Ordnungz die
Lebensordnung bie Brau:, Feuer-, Gerihts-, Hof-, Kleiver:, Markt:
Ordnung u. dgl, m.); Bes. ordnungsgemäß od. ordnungsmäßig, Bw,
der Ordnung gemäß; ordnungslos, Bw., ohne Ordnung; die Ordnungs⸗
liebe, Liebe zur Ordnung; ordnungsliebend, Bw.; der Ordnungsſinn,
der. Sinn für Ordnung und die Neigung dazu; ordnungswidrig, Bw., der
guten Ordnung zwoiderlaufend; die Drdnungszahl, das Orbnungszahl-
wort, Sprachl. die von den Grundzahlen (f. d,) abgeleiteten Zahlwörter,
welche auf die Frage ber wie vielfte? einzelnen Dingen in einer Reihe ihre
beſtimmte Stelle anweifen (3. B. der erfte, zweite, dritte 2c.).
Drego, mu, -8, o. M. (verderbt aus d. lat. origanum creticum)y
nieberd, der Fretifche Doft, zu Salat und ald Gewürz gebraucht. ’
Drelbaum, m, , landſch. f, Mehlbeerbaum,
Drengel, m., -8, o. M., landſch. f. Manndtreu (eryngium L., aus
welchem lat, Namen Orengel verberbt ift).
Orf, m, —es, M.-0, od, die Orfe, M. -n (andſch. auch Urf, Erf,
Orbe, DOrfling, Nörfling genanntz lat, orphus, griech. Sgpos), der Gold—
320 Orgel — Ort
braſſen od. die Goldforelle; die weiße Orfe, in Sachſen: ein dem Orf
ähnlicher weißer Fiſch.
Orgel, w., M.-n, Verkl. dad Orgelchen (althochd, organa, w.,
mittelhochd. orgen, orgil; engl, organ, franz. orgue, mittl, lat, organum
vom griech. Sgyaror, Werkzeug und insbef, Tonwerkzeug), ein aus vielen
Pfeifen zufammengefegted Tonwerkzeug, in weldem die Töne mittelft des
durch Blafebälge in die Pfeifen gebrachten Windes durch Niederdrüden der Ta—
ften eines Griffbrettes hervorgebracht werden, beſ. zu kirchlichem Gebraud) (bie
Orgel fpielen, ſchlagen) ; aud der erhöhete Drgelplag in der Kirche; in
weiterer Bed, ähnliche Tonwerkzeuge im Kleinen (Hand, Drehorgelz f.
auch Waffervogel); uneig. ein aus mehren Flintenläufen von verfchiedener
Länge zufammengefehtes Geſchütz, Orgelgeſchütz; — Bfes, der Drgels
bau, der Bau einer Orgel, und die Kunft Orgeln zu bauen; der Orgels
bauer, wer Orgeln baut, Orgelmacher; der Drgelklang, =ton ꝛc.; die
Drgelpfeife, eine der ftufenweife abnehmenden hölzernen u, zinnernen Pfei—
fen der Orgel; uneig, Schiff. die in einem Hafen reihenweife eingerämmten
Pfähle; eine Art Scheidemufhelz das Drgelfpielz der Orgelfpieler (fr,
Organift)z; der Drgelftein, eine Art aus Röhrchen zufammengefester Stern-
Eorallenz die Orgelſtimme, ein einzelnes Pfeifenwerk einer Orgel; dad
Orgelwerk, das Innere einer Orgel, u, die Orgel ſelbſtz Naturk, eine Art
Röhren od, Pfeifenkorallen z der Drgelzug ‚ ein Zug an der Orgel, durch
welchen eine Orgelflimme mit dem Zaftenwerf in Verbindung gebracht wird
(das Orgelregifter); — orgeln, ziellof. Zw., gem, f. die Orgel fpielen, doch
gew, nur von dem Spielen einer Drehorgelz; uneig, orgelähnliche Töne her—
vorbringenz der Drgeler, -8, mer orgelt.
Drkan, m., 28, M, -e (ital, orcano, franz. ouragan, engl. hurri-
canez fol aus einer amerifan. Sprache herftammen), ein heftiger, reißen—
der Sturm, Wirbelwind, Windsbraut.
Orle, w., Mı -n, landſch. f. Erle,
Orlog, m., ⸗8, M. -e (altd, urliugi, urliuge, urlig, ſ.3 angelſ. or-
lege, altnord. orlög, ſchwed. örligz; vw, uru.liegenz urſpr. überh, ver:
hängniſsvolle Entſcheidung, Scidfal, bei. Kampf, Krieg), altniederd. f,
Krieg, inöbef. ein großer, fürmlicher Krieg, entg. einer Fehde; daher daß
Orlogſchiff, vie Orlogsflotte, niederd, f. Kriegsfhiff, Kriegsflottes orlo—
gen, zieltof, Zw. f. Krieg führen,
Ors, fe, sd, M. -e (mittelhochd. ors, Streitroſs; engl, horse) völlig f
vlt. f. Roſs, Pferd.
Ort 1., m. Gberd. ſ.), -d, M. Orte u, Örter (ſ. u), Verkl. das
Srtchen (altd. ort, ſ., Rand, Grenze, Spitze, Ede, Anfangz3angelſ.
\ord, altnord, oddr, ſchwed. ortz wahrſch. verw, mit dem lat. ora) 1) alt
md noch landſch. fe Spike, Eike, Schärfe (M. gew. Orter), insbef,
\iederd. f. Winfel, Ecke (um den Ort gehen, d. i. um die Ede; daher:
- Sırthaus, Ortftein, f. Eckhaus, Edftein), bef. eine ind Waſſer ra=
gende Landſpitze (daher EN. wie Daggerort, Leerort 2,)5 oberd. vierortig
f. vieredigs ſtumpf-, rehtortig 2c. f. ftumpfs, rechtwinklig 26,5 Bergw.
die Spitzen an den Bergeifen: Drterz auch cin ſpitziges Werkzeug, bef.
die Ahle der Schuhmacher (M, Orte); 2) der Anfangs= od. Endpunkt,
YUnfang oder Ende, gleihfaus meift vlt, u. landſch. (z. B. Bergw. das Ende
jedes
Drt 321
jedes wagerecht getriebenen Berggebäudes, M. Örterz vor Ort arbei:
ten, d.i, am Ende ber Grube; alt.: bis zu Tages Ort, d. i, bis zum Ans
bruch des Tages; er fagt es ihm von Ort, d. i. vom Anfange anz bes Lebens
Ort, d. i. Ende, u. dgl. m.); 3) gew. ein Punft im Raume, od. ein bes
grenzter Theil ded Raumes, bef. infofern ein körperlicher Gegenftand benfel:
ben einnimmt od. einnehmen kann, verfh. Raum, finnv. Pla, Stelle
(lege es an jenen Ort; ein jedes Ding an feinem Orte; es findet ſich nicht am
rechten Orte; ein bequemer Ort; etwas an allen Orten fuhen, auch: aller
Drten, f. an allen Orten, überall; einem Beit und Ort der Zufammenkunft
beſtimmen; uneig, etwas an feinen Ort geftellt fein laffen, f. v, mw. es dahin
geftellt, d. i, ununterſucht, unentfchleden laffenz etwas am unredhten Orte an-
bringen, d. i. unpafslich, zur Unzeit); in beftimmterer Bed. der Theil od, die
Gegend einer Schrift zc., wo ein Sat, ein Ausſpruch ꝛc. ſich befindet,
verſch. Stelle, weldes zugleich den Sag od. Ausfprud) felbft bezeichnet (5.8,
davon ift an einem andern Orte die Rede gewefenz am angeführten Orte 2c.) 5
bei den Markfcheidern: jeder Punkt in der Grube, fofern er durch eine ſenk—
zechte Linie auf der Erdoberfläche angegeben wird: der od, das Ort, au
die Drtungs ehem, f f. Himmelsgegend (bibl. die vier Winde aus den vier
Hrtern des Himmels); alt u. noch oberd. u, ſchweiz. eine Landes— ⸗Abtheilung,
ein Bezirk (M. Orte und Drterz fr. Provinz, Canton); bef. ein von
Menfhen bewohnter begrenzter Raum, Wohnplatz, Wohnſtaͤtte von
weiterem od. engerem Umfange — daher ſowohl Staͤdte, Flecken, Doͤrfer,
als einzeln liegende Schlöffer, X Landhaͤuſer 2c. bezeichnend (in meinem Orte;
mein Geburts⸗, Wohnort 2c.; ein feſter, ein offener Drtz der Prediger des
Ortes; die umliegenden Hrter; hieſigen Orts, d. i. am hieſigen Orte; hieſiger
Orten, d. i. in hieſigen Orten); auch ein von Menſchen zu beſtimmten
Zwecken — Raum, fei es ein offener Platz, od, ein Gebäude, ein Saal
u. dgl. (3.3. öffentliche Drter, Luft:, Vergnügungsdrterz Aue ee Hrter
u. dgl. m.); uneig. aud) f, eine —**— od. Behörde, o. M., 6.3. etwas
gehörigen Ortes anbringen, d. i. bei der rechten Behörde; es iſt höhern Orts
befohlen worden; ich meines Orts, d. i. ich für meine Perſonz — für bie
Mehrheitsform von Ort in allen unter 3) vereinigten Bedeutungen gilt im All—
gemeinen die Regel: Orte ift mehr zufammenfaffend (collectiv), Orter ab:
fondernd od. vereinzelnd (disjunctiv) und ſteht daher mehr für einzeln gedachte,
beftimmt begrenzte Plätze, bef. Wohnplätze; 3. B. man kann nicht an allen
Orten zugleich fein; aber: ich kenne verſchiedene Hrter dieſes Landes; — 3ſetz.
v. Ort: dad Ortband (niederd. Oortband; verderbt: Ohrband), das hohle
Blech unten an der Spitze einer Degenſcheide (x. Ort f. Spige); der Ortbe—
fhreiber (fr. Topograph); die Ort» oder rterbeſchreibung, Beſchrei⸗
bung der Örter, d. i. Städte, Flecken, Dörfer ıc. (fr. Zopographie), verſch.
DOrtöbefchreibung, ſ. u.; das Ortbrett, landſch. f. das Außerfte Brett, Geiz
tendrettz der Ortfäuftel, Ortpaufchel, ein Fäuſtel, deffen die Bergleute
ſich bedienen, wenn fie vor Dit arbeiten (f. o); die Ortfeder, Ortfpule,
die Feder am Ende des Flügels, Eckfederz; der Drthab od. Orthaber, vr. f.
Urheber, Anfänger, Stifterzs Anführer, Befehlshaber; der Drthäuer,
Berg. ein Bergmann, welder vor Ort arbeitet (1. 0.)5 dad Ortland, im Ds:
nabrück. ein Stud Land eines Einzelnen, weldes an bie Gemeiniweie ſtößt,
alſo: Grenzland; das Ortmaal, vit, f. Grenzzeichen; der Drtpfahl oder
Heyfes Handwörterb. d. deutfhen Spr. 2, Iheii, 21
322 Ort
Ortpflock, bei den Markſcheidern ein Pfahl, welcher einen in der Grube be:
findlihen Ort auf der Erdoberfläche bezeichnetz dad Ortſcheit, (v Ort f.
Ende), das bewegliche Holz, an welches die Stränge der vor den Wagen zu
fpannenden Pferde befeftigt werden, auch der Schwengel, Vorſchlag 2c. ge
nannt; dad Drtfchid (v. Ort f, Spise, u, Schid f. Geſchick, f. d.), Bergw.
eine Kluft, welche nad) einem fpigen Winkel über einen Gang ſtreicht, verſch.
Kreuz: od, Querkluft; ortfchidig, Bw, Ortſchicke enthaltend; ortichief, Bw.
landſch. f. ſchiefwintligz; die Ortfemmel, niederd., zwei mit den Eden zu:
fammenhangende runde Semmeln, Edfemmeln, 3. U. v. Schicht- od, Reihen:
ſemmeln ; der Ortſtein, landſch. f. Eckſtein; Grenzſtein; auch ein feſter eiſen⸗
ſchüſsiger Sandſtein, Eiſenkloß; ortweiſe, Nw., nad einzelnen Hrtern, Ort
für Ort; der Ortziegel, landſch. f. Eckziegelz — von Orts: die Ortsbe—
ſchaffenheit; die Drtöbefchreibung,, Beſchreibung eines einzelnen Ortes;
der Drtögeiftliche, = pfarrer, pprediger; die Ortsgeſchichte; die Orts⸗
gelegenheit, ſ. Gelegenheit; der usfinn, der Sinn, d. i, die natürliche
Fähigkeit, die Ortsverhältniffe aufzufaffen und feftzugalten; — Ableit, der
Drtel, —s, M. m. E., oberd, die Pfrieme od. Ahle der Schuhmacher; die
Spibe am Bergeiſen (vergl, o. Ort 1.); orten, zielloſ. 8w. (altd, orton,
begrenzen) völlig vlt, f. einen Ort haben, einnehmen; fich erſtrecken; einen
Winkel bilden; ſ. auch u. Ort 2.5 oͤrtern, ziel, Bm. (gem. extern)
1) Handw. die Enden der Bretter ꝛc. abfägenz; daher: die Orterban,
die Drterfäge, Tiſchl.z 2) vlt. f. endigen, entfcheiden; mod) oberd. (auch
Brteln) f, genau unterfuhen, von allen Seiten betrachten; daher: er:
brternz ortig, Bw, 1) landſch. f. Ecken, Winkel habend, eckig, in Zſetz.
wie recht⸗, ftumpf=, ſcharfortig (f. 0,)5 2) oberd. orfig od, ort, fa unges
rade der Zahl nad) (ort oder eben, d. i. ungerade oder gerade; vielleicht auch
in diefer Anwendung urfp. u. eig. eckig, d. i. uneben, entg. eben); örtlich,
Bw., einen Ort betreffend, davon ausgehend, darin gegründet (fr. localz
Örtliche Verhältniſſe, ein brtliches Bedürfniſs); einen beftimmten Ort eins
nehmend und araul befchränft (ein brtliches Übel, eine drtlihe Krankheit
u, dgl.); dad Ortliche als Hm. f. die Ortsbeſchaffenheit; die Ortlichkeit,
das Ortlichſein; die Örtliche Beſchaffenheit (fr. Localität) z3 die Oriſdaft,
M.-en, ein aus mehren Wohnungen beſtehender, von Menſchen be—
wohnter Ort, bef. kleine Drter, als: Dörfer, Weiler 20,5 landſch. z. B.
fhweiz. auh f. Landſtrich, Bezirk (fr, Canton); die Ortung, M. -en,
Bergw. eine Ecke, ein Winkel eined Berggebaͤudes; auch die Zeichen,
welche in Grubengebäuden in das friſche Geftein eingehauen werben.
Dit 2m u. ſ., ed, o. M,, auch Ortels (engl. orts, Brocken,
Überbleibſel von Speiſen; irland, orda, Überreſt), niederd, f. was das
Vieh vom Futter liegen laͤſſt und verfchmähtz daher: das Ortſtroh, übrig
gelaffenes Futterſtroh orten od. verorten, auch Örden, Dren, ziel. Im.
(n. A. v. Ort 1, f. Winkel, alfo eig. in den Winkel der Krippe fchieben), aus
° dem Futter od. den Speifen nur dad Befte ausfuchen und das Übrige lie
gen laſſen.
St 3. m. uf, Jes, M. Orte (nad) einem Zahlw. aber unverändert
Ort), landfch. f. ein Viertel (Quart), der vierte Iheil von Gewichten,
Münzen und Mapınz insbef. 1) niederd, der vierte Iheil eines Quent—
chens: Ort od, Drtchenz 2) in verſchiedenen Gegenden: der vierte Theil
Drte — Oft 323
eines Thalers, Guldens, Groſchens; ein Ortöthaler (niederd, r. Ort
Thalers) oder Reichsort = 6 gGr.; ein Ort- oder Ortögulden =
15 Kreuzer (oberd. auch Ortler, Drterer); ein Ortögrofihen —
3 Pfennige, in Meklenburg 43 Pfennig; 3) niederd. der vierte Theil einer
Kanne oder rings Maßes; in den Hallifhen Salzwerken ber vierte Theil ei-
ner Pfanne _ . x
Drte od. Orte, w., M. -n (auch Urte, Irte, f. d.z u. vergl. Ort 2,
und Wirth), oberd. u. bef, ſchweiz. f, die Nehnung des Wirths, die Zeche;
daher der Drten= od. Drtengefell, f. v. w. Irtengefell, f. d.
orten, 3w., f. unter Ort 1. u. 2,5 örtern, örtlich, Ortſchaft zc.
fr. Ort 1.
Orvelkraut, f., landſch. eine Art ſchoͤner großblättriger Taubneffeln.
Dfche od, Oſch, w., M, -ın, oberd, f. dv. w. Eiche 2., f. d.
Dfe, w., M. -n, 1) ſ. v. m. Ohſe, Ohr, f.d.3 2) landſch. die
Dachrinne; dad unterfte Ende ded Daches, wo das Regenwaffer abläuft;
auch: das ablaufende Waffer ſelbſt; 3) ſchwäb. ein Schöpfgefäß ; öfen,
ziel. Zw, (ſchwed. ösa, lat. haurire; vergl. Ohr, hören), landſch. f. ſchoͤpfen;
erfchöpfen, aufbrauchen, Irer, öde machen (au: bſigen, erbſen, ver:
dien 2c.); das Osfaſs, Schöpfgefäß, Gelte; Schiff. hölzerne Schaufel
zum Ausſchöpfen des Waſſers; das Osgat, Loch im Schiffe, durch welches
das Waffer ausgeſchöpft wird.
Dfel, w., M. -n, landſch. f. die noch glimmende Lichtſchnuppe;
auch f. glühende Aſche.
Del, fe, -5, landſchaftl. f. Nößel, ſ. ,
Oſt, m., -«3 (felten), o. M. (altd. ost, angelf, u. engl. east, franz.
est, verw, mit d. lat. ortus v. oriri), 1) die Dimmeldgegend, in melcher
die Sonne aufgeht, Morgen, Dften (der Wind kommt aus Oft od. Oftenz
Oft zum Süden, Oft zum Norden, Schiff. der Kompafeftrich, wel:
her 114 Grad vom Oſtpunkte nad) Süden, oder nad Norden liegt) ; 2) der
aus Morgen wehende Wind, der Oftwind; der Offen, -&, o. M, (urfpr,
ein Nw. altd, ostana, ostan, von Often herz jedoch auch der od, daz ostan,
f. oriens) 1) die öftliche Himmeldgegend, f.v. w. Oſt 1) und jet ge:
bräudlicher als diefes (3. B. das Haus Liegt gegen Oftenz ſich nad) Often wen-
| den 26.); 2) der von Europa aud öftlich gelegene Theil der Erde, die More
genfänder (fr. der Orient); auch der öftliche Theil irgend eines Landes (der
! Often von Deutfhland) ; — 3feg. v. Of: Dftafrifa, -Afien, -Europa 2e.,
das Bftliche Afrika 2c. ; die Oftgegend; die Oſtgrenze; Oftindien, f., -$,
‚ das von Europa aus öſtlich gelegene Indien in Afien, entg. Weftindienz daher
‚ der Oftindier; oftindifh, Bw. ; der Oftindienfahrer, ein nach Oftindien
ſegelndes Handelsſchiff; die Oſtkante, Schiff, das öſtliche Ufer eines Fluſſes 3
das Oſtland, ein gegen Oſten liegendes Land, Morgentand; daher der Oſt—
länder, die Oſtlaͤnderin; oſtlaͤndiſch, Bw.; die Oſtlinde, landſch.f.
Stein-, Wald: od. Sandlinde; der Oſtnordoſt, der Kompafsftrih, welcher
224 Grab vom Oſtpunkte nad; Norden liegt, und ein aus diefer Gegend we:
hender Wind; der Oſtpunkt, |. v. w. Morgenpunkt; die Oftfee, der Theil
des Atlantifchen Meeres zwifhen Schweden, Deutfdland und Rufslandz die
Dftfeite; der Oſtſuͤdoſt, der Kompaſsſtrich, weiher 224 Grad vom Oft:
punkte nad Süden liegt, und ein aus diefer Gegend wehender Windz der Oſt⸗
———
324 | Oſt — Hftern
vogel, Strandpfeifers oftwärts, Nw., nah Often gerichtet, nah Oſten
zu; der Oftwind, aus Often wehender Wind; — Ableit. oͤſtlich, Bw. u,
Nw., gegen Oſten liegend, oder von Oſten fommend (die öſtlichen Länder;
Deutſchland Liegt Dftlid von Frankreich; der Wind ift öftlich ꝛc.); — in Zſetz.
war ehem. dad jegt vlt. Bw. offer üblid) (altd, ostar, nach Oſten hin); daher:
oſter halb, Nw. f. oſtwärts; das Ofteriand, DOftermeer, bie Ofter-
fee, der Ofterwind, DOfterwald u. dgl. m. f, Oftland, Oſtmeer 20.3
und noch Dfterreich, ſ., -8, od. zgez. Oftreich (altd. ostarrichi) ald EN,
eines deutſchen Staates; daher der Dftreicher, die Oftreicherinn; oͤſt—
reichifch , Bw.
Dfter, w., M.-n, landſch. f. Auſter.
Dfterluzei, w. (aus dem griech. u. let. aristolochia, d, i. geburtbe:
fördernd, verderbt), eine in ſtreich, Frankreich 2c, wachfende Pflanze mit
ſtark riechender, bittrer Wurzel, welche Brechen erregt, Hohlwurz, Herz—
wurz.
Bſtein die, o. E. (altd. Östra, w., gew. nur M. ostrun, ostarun,
®. ostrono, D. ostrom, ostoronz angelf, u. engl, easterz holl, oosterz
verw, mit Oft, Aufgang), das Felt der Auferftehung Chriftiz bei den Su:
den dad Felt ded Auszugs aus Uegypten (hebr. Paſſa od. Pafhaz daher
nieberd, Pasten, Pausken, oberd. aud Paſch, Paſchen, franz. Päques);
Dftern ifteig. Mehrh., wie Pfingften, Weihnachten ꝛc. (3. B. die Oftern
find nahe, auf Fünftige Oftern), wird jedody häufig mit Weglaffung des Arti—
kels u, bef. nach einem Vw. als Einheit’ betradtet (z. B. Oftern ift nahe,
füllt gewöhnlich in den April; der Sonntag vor Oftern; nad), zu, um Oftern
u. dgl. m); — in Bfe. lautet es nur Ofter: der Dfterabend, der Abend
vor Oſtern; die Dfterbiume, verfhiedene um Oftern blühende Pflanzen: bie
gemeine Küchenſchellez der Kleine Ziegenbart; die gelbe Schlüſſelblume; bie
Narziſſe 20,5 die Maßliebe: das Oſtexblümchenz der Dfterdienstag,
Dienstag nach Oftern; das Dfterei, buntgefärbte und gefuchte Eier, womit
man ſich am Ofterfefte zu beſchenken pflegt; Natur, eine Urt eiförmiger Herje
muſcheln; die Oſterfeier; das Oſterfeſt; der Ofterfeier= od. Ofterfeft-
tag, aud) bloß Oftertag; das Oſterfeuer, am Ofterfeft od. Ofterabend an:
gezündetes Freudenfeuer; der Dfterfladen, »Fuchen, aus Weizenmehl und
Waffer gebadene dünne Kuchen der Iuden (jüd. Mazze); überh. zu Oftern
gebadene Kuchen; die Dftergrenze, der Tag, auf weichen der erſte Vollmond
nad der Frühlingsnachtgleiche fällt, welcher bie Zeit des Ofterfeftes beftimmt,
das den nächften Sonntag darauf gefeiert wird; das DfterFälbchen, ſchleſ. f.
Sonnenkäfer oder Blattlauskäfer; die Ofterferze, der Ofterftod, Wachs—
kerze, welche in kathol. Kirchen während der Ofterzeit brennt z Oſterkerze
auch f. Kbnigskerze, Wollkraut, auch: das Oſterkraut; das Oſterlamm,
das Lamm, welches ehem. die Juden an ihrem Oſterfeſte mit beſondern Feier—
lichkeiten zu eſſen pflegten; die Oſterlilie, landſch. f. die gelbe Narziſſe z der
Oſtermarkt, die Oſtermeſſe, Markt oder Meſſe, um Oſtern gehaltenz ‚der
Oſtermonat, April; der Oſtermontag, Montag im Oſterfeſte, der zweite
Oſterfeiertag; die Oſternacht, Naht vor Oſtern; die Oſterpalme, landſch.
die Blüthenkätzchen der Weiden; die Oſterſchelle, weiße Windblume; der
Oſterſonntag, der erſte Ofterfeiertag; das Oſterveilchen, landſch. f. das
dreifarbige Veilchen od. Stiefmütterchen das Oſterwaſſer, in der Oſternacht
Oſtgegend — P 325
geſchöpftes Waſſer, welches ſchön machen folls die Oſterwoche, Woche des
Oſterfeſtes; die Oſterzeit ꝛc.ʒ — Ableit. oͤſterlich, Bw. (altd. ostarlih,
auch ostrig), was um Oſtern iſt od. geſchieht (die öſterliche Zeitz bſterliche
Beichte, in der kathol. Kirche) 3 chem. uneig. f. Freude bringend, erfreulich,
Oſtgegend, -grenze eꝛc. — Oſtwind, f. unter Oft,
Othem, m., -8, landſch. f. Odem, Athem, ſ. d.
Dtte, w., M. -n, der Otten- od. Otterbaum, landſch. f. die Erle.
Otter 1., w., M.-n, (oberd. Atter, Ader, niederd. u. engl, adder;
angelf, aetter, aettor, Schlange, Gift; verw. mit d. altd. eitar Gift?), Be—
nennung aller giftigen Schlangenarten in Europa, deren Bauch mit Schil—
dern beſetzt iſt (vergl. Natter)5; — 3ſetz. die Ottergalle; das Ottergift;
das Dtterngezücht, ſ. v. w. Schlangenbrut; bibl. uneig. f. boshafte, ſchünd—
liche Menfhenz; das Dtterföpfchen, einem Otterfopf ähnelnde Muſchel, als
Münze dienend, Münzmufchel, Muſchelmünze; auch eine andere Art Porzel:
lanſchnecken; f. Wafferjungfer; eine Pflanze mit ährenformigen, blauen Blu:
men, deren Samen einem Otterkopfe ahnelt: Natterkopf, Natterfraut, Schlan—
genhaupt 2.5 der Otterflich, Stih, Biſs einer Otter ; der Ottervogel od,
Dtterwindel, f. v. w. Natterhals; die Otterwurz, Natterwurz.
Dtter?., w., M.-n, od der Otter, -3, M. w. E., (altd, otrar,
oberd, Otter, m,; altnord,. otr, angelf, oter, otor, engl, otter, dan, odder,
ſchwed. utterz litt}, udra; wahrſch. verw. mit dem isländ. uddr, Keuchtigkeitz
lat, udus, feucht fansfr. uda, Wafler), ein im Waſſer Iebendes Saͤu—
gethier mit vier Schwimmfüßen, welches ein ſchönes Pelzwerf giebt, von mehren
Arten: Fish, Fluſs-, Meer-, Sumpfoiter; — 3fes. der Dtterbalg,
dad Dtterfell, die Otterhautz der Dfterfang; der Dtterfänger; der
Dtterfuß, uneig, eine Kammmuſchelz der Otterhund, eine Art Dachshunde
zum Otterfangz die Otterjagd ıc.
Otto, m., -d, M. die Ditone, (oltd. Otto, Odo, wahrſch. v. Öt,
Od (f. d.), alfo: der Begüterte), ein deutfcher männl, Taufnamez, daher
Dttilie, -nd, weibl. Taufname. N
Drelbaum, m., landſch. f. Mehlbeerbaum,
Drhoft, f., -ed, M. -e, (aus dem Holl. okshoofdt, ſchwed. ox-hufwud,
d. i, eig, Ochfenkopf; engl. hogshead, d, i, Schweinskopf; vielleicht von ehem,
üblichen Zeichen der Gebinde), ein größered Fluͤſſigkeitsmaß, bef. zu Wein,
— 14 Ohm, 6 Anker, od, 60 Stübchen; vach einem Zahlw. in der Mehrh.
unverändert (z. B. zehn Orhoft Wein),
P.
P, der ſechzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl,, und zwar der haͤr—
teſte Lippenlaut, verſchieden von b, mit welchem cr in mundartlicher Aus:
ſprache häufig verwechſelt wird (vergl, packen, backen; Pein, Bein; Paar,
bar; platt, Blatt); im Althochd. vertritt das p in der Regel die Stelle unſe—
res b (3. B. pim, prehhan, pruodar für bin, brechen, Bruder); in mans
hen Wörtern ſchwankt auch jest der Gebrauch zwiſchen b und p (3.8. Banner,
burzein, Budel, neben: Panner, purzeln, Pudel); verdoppelt wird das p
nad gefhärften Selbfilauten (5. B. Kappe, Treppe, Lippe, dop—
pelt, Schuppe), Über pf, ph ſ. u. |
326 paar — Pacht
paar (engl, pair, franz. paire, ital. paro, ſchwed. böhm. par; v. d. lat.
par, gleich, geſellt, ein Paar) 1) als Bw. von der Zahl: gleich, gerade,
durch 2 theilbar, entgeg. unpaar (paar oder unpaar fpielen, ein bekanntes
Kinderfpiel; felten al Eigenw, gebeugt: eine paare Zahl, gew, eine gerade) 5
oberd. auch f. zufammengehörend, ein Paar ausmachend (diefe Handfhuhe
find nicht paar u. dgl.); 2) ale Hw, das Paar, -d, M,-e, Verkl. dad
Paͤrchen, oberd. Pärleinz zwei zufammengehörige Dinge einer Art (4.8. -
ein Paar Augen, Ohren, Arme 2c,;,ein Paar Schuhe, Strümpfe, Schnallen
2,5 ein Paar Ochfen, Pferde 2c., d. i. ein Geſpann; fo aud) ein Paar Tän—
zer, d.i. Zänzer u. Tänzerinn); in engerer Bed. zwei zur Fortpflanzung
der Gattung verbundene Geſchoͤpfe beiderlei Geſchlechts (z. B. ein Paar
Tauben od, ein Taubenpaar; ein Brautpaar, Ehepaar ꝛc.; ein Paar ob, ein
Pärden werden, d. i. ſich Heirathen); in weiterer Bed. zwei neben einander
geordnete Gegenftände (4. B. fie folgten einander in Paaren, zu Paaren od,
paarweife gehen, d. i, immer zwei und zwei; daher zu Paaren treiben,
d. i. eig. in Ordnung bringen, die gefiörte Ordnung mit-Geroalt wieder her-
ftellen, uneig. f. bändigen, überwältigen; — nad einem Zahlworte bleibt
Paar in der Mehrheit unverändert, z.B. ſechs Paar Tauben, 12 Paar
Strümpfe 20,3 außer wenn es auf Menfchen geht, 3. B. der Geiſtliche hat
heute zwei Paare getraut; vier Paare Tänzer 2c.5 im gemeinen Lehen mwitd
es oft auch in der Einh, ungebeugt gebraucht, z. B. von ein Paar ſchönen Au—
gen ft, von einem Paare fchöner Augen); 3) ein Paar ob. gew. einpaar,
als unbiegf. Bw, f. einige wenige, bef. in der Sprache deö gemeinen Lebens
(5. B. ein paar Thaler, Worte ꝛc.; feit ein paar Zagen, d. i. feit einigen
Tagen; vor ein paar Stunden 2c.); — 3ſetz. paarweife, Nw. in Paaren,
je zwei und zwei; — Ableit. paaren, ziel. 3w., zwei Dinge einer Art
zu einem Paare verbinden ; paarmeife zufammenftellen (Pflanz. zwei Ähren,
zwei Trauben find gepaart); in engerer Bed, zur Fortpflanzung der Gat—
tung vereinigen; ſich —, f.v. w, begatten; uneig. f. innig verbinden (bei
ihm paart ſich Gefühl und Verftand) , die Paarung, das Paaren,
Pabſt, b. Papſt, f. d.
Nacht, m., -d, M. (felten) Paͤchte; in Niederd. gem. die Pacht,
M.-en, (alt w. oberd. auch pfahte, Pfachtz v. d. lat, pactum, Vertrag),
ehem. u. noch oberd. überh. ein Vertrag (fr. Pact, Gontract), aud) ein Ges
ſetz; gew. in engerer Bed. ein Vertrag, worin man einem Andern die
Nutzung einer Sache gegen eine Geldfumme auf eine gewiffe Zeit übers
läfft, u. der Niebrauch einer Sache vermöge eines folchen Vertrags (der
od. die Pacht eines Ackers, Gartens, der Jagd, Fifcherei, der Zölle 2c.; etwas
in Pacht nehmen; einem etwas in Pacht geben); auch f. dad Pachtgeld (3. B.
das Gut bringt 1000 Thaler Pacht; die Pacht bezahlen 2c.)5 — Bfesg. der
Pachtbauer, ein Bauer, welcher ein Bauergut in Pacht hatz der Pacht:
brief, die Pacht-urkunde, der Pachtvertrag; dad Pachtgeld, der Pacht:
ſchilling, Pachtzins, das Geld, welches der Pachter dem Eigenthümer ver—
tragsmäßig entrichtet; dad Pachtgut, der Pachthof, die Pachtmühle,
-weide, u. dgl, m.; der Pachtherr, Eigenthümer einer verpadhteten Sache;
dad Pachtjahr, eines der Jahre, auf welche ein Pacht gefchloffen iftz die
Pachtleute, Perfonen, die etwas in Pacht Haben; pachtweife, Nw., als
Pacht, nach Art oder vermöge eines Pachtes; — Ableit. pachten, ziel, Bw.
Packen 327
etwas —, in Pacht nehmen, ſinnv. miethen, ſ. d, (die Zblle, die Jagd,
ein Gut, ein Wirthshaus 2c, —); der Pachter od, Pächter, s, die Paͤchte—
rinn, M, -en, wer etwas, beſ. ein Landgut, pachtet, od. in Pacht hat, der
Pachtinhaber; pachtlich, Bw. u. Nw,, ald Pacht, nad) Urt eines Pachtes.
paden, ziel, Zw. (altd, pahhan, urfpr, = baden, nur ziel, : machen, dafs
etwas badtz d, i, fefthalten, feſtmachen; angelf, bacan, ſchwed, packa,
engl, pack; vergl, d, griech, 7770, lat. pago, pango) 1) ergreifen und feſt—
halten, mit den Händen, Klauen od, Zähnen, finnv. faffen (der Adler packt
feine Beute gem, einen beim Kopfe —, einen Dieb —)z uneig. f, faffen, ers
greifen (Entfegen pacdt den Wandrer); 2) mehre Dinge feft zufammen-
legen, zufammenfügen, entweder in ein Behältniſs od. unter einen gemein;
chaftlihen Verband (Waaren in eine Kifte, Kleider in den Koffer, Häringe
in eine Zonne, Bücher in einen Ballen 20.5 auch fagt man: ein Faſs, ei:
nen Koffer, eine Kifte zc. paden, f. padend anfüllen); 3) uneig. ſich —,
gem, u. verächtl, f. ſich aufmachen und fchnell hinwegbegeben (pade dic)
nah Haufe, pade dich fort 20,)5 — der od, das Pad, -ed, Mi -e,
Verkl. dad Päckchen od. Paͤcklein; auch der Paden, -8, M. w. E.,
und mit fremdartiger Endung: das Paket, -ed, M.-e (franz. paquet,
ital, pacchetto) 1) mehre zufammengepacte und durd) einen Umfchlag
od. eine Hülle verbundene Dinge (ein Pak, Päckchen, Padet Bü:
her, Briefe, Waaren 2c.5 mit Sad und Pad fortziehen, d. i, mit Habe und
Gut); Tandfh. auch eine beftimmte Menge, z. B. ein Pad Tücher —
10 Stud; 2)da8E Pack, uneig. gem. u, verächtlich: ein Sammelw, f. nie—
drige, unfittliche Leute, fchlechtes Gefindel (Diebs-, Lumpenpad 2c.); der
Pack, oberd, f der Trofs bei einem Heere (franz, Bagage); — 3 ſetz. der
Packan, Volksſpr. wer feft anpackt, bei, ein großer Hund; das Pad: od,
gew, Padetboot, ein Fahrzeug, welches als Wafferpoft Briefe, Packete und
Perfonen befördert; dad Padeifen, in Salzwerken Eleine eiferne Spaten zum
Ausftechen des Salzes aus den Körben, auch: der Packſpaten; der Pad-
efel, dad Padpferd, Efel, Pferd, welche Gepäd tragen; das Packgarn,
der Packzwirn, Garn od, Zwirn zum Zunähen der Packe; dad Padgeräth
(fr, Bagage); dad Packhaus, der Packhof, öffentliche Gebäude, wo die
aus und eingehenden Waaren auf: und abgepadt und bis zur Entrichtung ber
obrigkeitlichen Abgaben aufbehalten werden; die Packhuͤlle (fr. Emballage) 3
die Packkammer, Kammer zur Aufbewahrung bes Gepäds, bef, in Poſthäu—
fern; die Padleinwand, dad Padlinnen, grobe Leinwand zum Paden,
au: dad Packtuch; die Packnadel, große Nähnadel zum Zufammennähen
der Packhülle; dad Packpapier, grobes u. ftarkes Papier zum Einpaden 5
der Padfattel, ein Sattel, welder Laftthieren aufgelegt wird; die Pad
feide, ungefärbte u. noch nicht völlig zugerichtete Seide, welche in.Paden ver:
ſendet wird; der Packſtock, = Enüttel, =bengel, das Padfcheit, ein ftar-
fer Stock zum Feftziehen der Padftride und zum Klopfen der Ballenz der
Packwagen, Wagen mit Gepäck; dad Packwerk, Wafferb, ein aus Reis:
bündeln und Würften verfertigtes Werk gegen das anſpülende Waffer am Uferz
das Padzeug, allerlei zum Einpacden dienende Stoffes — Ableit. der
Pader, -8, wer packt, di. anpackt, bef, Säg. ein großer ftarfer Hund
(Saupader), oder Waaren ein= und aufpackt; die Paderei, anhaltended
Packen; die Päderei, M. - en, zufammengepadte Dinge, Gepaͤck.
328 packern — Palme
packern, zielloſ. Bw, (ein Schallw,) niederd. f. traben, mit kurzen Schrit—
ten laufen.
Pad, m., -ed, M.-e, 1) (vergl. Pfote) niederd. f. Fußſohle; 2) f.
Mad; pabden, pabdeln, padjen, auch pedden, ziellof. Zw. nieberd, f.
mit kleinen Schritten gehen, laufen, bef, von Kindern; das Padgericht,
in Osnabrück f. Gaugeriht (v. pabden, gehen, mweil bis zur Entſcheidung
viele Gänge nöthig waren).
Padde, w., M.-n, (v. pabden, f. 0.) niederd, f. Siröte (engl. pad-
dock ; vergl. Schildpatte) 5 auch Froſch; uneig. das Auffchwellen ded Rind—
vichd, eine Krankheitz das Paddengras od, Pädergras f. Quecke; Krö:
tenbinfe; der Paddenhecht f. Märzhechtz der Paddenftuhl f. Kröten: od,
Miſtblätterſchwamm.
paff, ein Schallwort, welches einen gedaͤmpften Knall nachahmt, wel—
cher, wenn er feiner iſt, durch piff, wenn er gröber und ſtärker iſt, durch
puff ausgedrückt wird (piff, paff, puff) ; daher paffen, zielloſ. Zw. gem, f.
en Schall paff hören laſſen od. hervorbringen; insbeſ. mit dem Munde
beim Tabackrauchen; daher auc gem. verädtl, f. Taback rauchen,
Mage, m., -en, M, -en, niederd. f. Pferd, be. ein altes, ſchlechtes
Bauernpferdz die Pagemünze f. Pferdemünze.
Paguge, m., ſchweiz. f. Bürenflau.
gab, ein Empfindt. ftolge Beratung oder Öfeichgültigfeit ausdrückend,
Daiß od. Pois, w., M.-en (wahrſch. verderbt aus Paufe, alt:öftr,
Paws f. Rait), oberd, Bergw. eine halbe Schicht; bair. aud) f, eine Weile,
eine Zeitlang»
Palaſt, b. ars Pallaft, m., -3, M. Palaͤſte, (v. lat, palatium, Na:
men eines Hügels des alten Noms, auf weldhem die Wohnung der Kaifee
ftand; mittelhohd. palas, vergl. Pfalz; ital, palazzo, franz. palais, engl,
palace), ein großes prächtiged Wohnhaus, bef. eines Fürſten, vgl. Schlofs,
Dale 1., w., M. -n (vergl. Peltez engl. peel, franz. pelure, Schale;
verw. mit pellis, Fell?), niederd, f. die Hilfe od, Schale der Huͤlſen—
Früchte; haher palen, ziel. Zw. (auch pellen, boll, pellen, engl, peel,
franz. peler) niederd, f. aus den Huͤlſen [treifen, läufeln, ausfernen (Erb:
fen, Bohnen 2, —); die Palerbfe, niederd, f, grüne Schotenerdfe.
Dale 2., w., M. -n (lat, pala, franz, pelle, Schaufel), ſchweiz. f.
Brodſchieber, Backſchaufel.
Pallaſch, m., -d, M. —e (ein ſtav. Wort; ruf, palasch, Säbel),
cin Tanges Schlachtſchwert der Reiterei mit breiter, einſchneidiger Klinge.
Pallaſt, f. Palaft.
Palle, w., M.-n, niederd. Schiff. hölzerne od. eiferne Sperrfegel,
welche den Rüclauf der Spillen verhindern; daher niederd, gem. zu Pall
fesen f. feft fegen, pall ftehen f. unbeweglich ſtehen.
Palme 1., w., M.-n, od. der Palmbaum (franz, palme, engl,
alm; v, d, lat. palma), ein in heißen Ländern einheimifches zahlreiches
Baumgefchlecht mit geradem, einfahem Stamm ohne Alte und Zweige,
mit einer immergrünen Blätterfronez verfchiedene Arten find: die Dattelz,
Kokos, Mehl:, De, Schirm:, Wein, Iwergpalme 2c.; die Palme, aud
f. der Palmzmweig od. dad Palmblatt, ehem. das Ehrenzeichen eines Giegers,
aud) ein Sinnbild des Friedens (Sieges:, Friedenspalmen); — Bfes. der
‘
I
r
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pw pe— 9
Palmbohrer, eine Art Rüffelküfer in Sütemerita, auch: der Palmmurm;
dad Palmeichhörnchen, eine Art Kleiner grauer Eichhörnchen in warmen
Ländern; die Palmenblüthez die Palmenpiftel, Stehpaimes Mäuſe—
dorn; der Palmenhain, = wald; der Palmefel, im der röm. Kirche: ein
geſchnitzter Eſel, welder am Yalmfonntag das Ehriftusbild tragend herumge:
fahren wird; das Palmgewaͤchs, palmenähnlihe Gewächſe mit aftlofem
Stiel und einer Blätterkrone; die Palmgraupe, das graupenförmig zuberei-
tete Mark der Mehl: oder Sagopalmez der Palmkaͤſe, die jungen Blätter
der Dattelpalme, welche man eingemacht genießt; der Palmkohl, ale Ge:
müfe:genoffene Blätter ber Dattel- u. Kokespalme; das Palmmehl, Mehl
aus dem Marke der Sagepalme; das Palmoͤl, aus Palmfrüchten geprifites
Dt; der Palmfonntag, der Sonntag ver Oftern, an welchem dem in Jeru—
falem einziehenden Chriftus Palmen auf den Weg gefreut wurden; die Palm—
weihe, Weihe ber Palmzweige am Palmfonntag in der. rim, Kirche; der
Palmwein, aus dem Saft der Palmbäume, bereiteter Wein; die Palm—
woche, die Wode vom Palmfonntage bis zum Ofterfeftes der Palm-
zweig, P0
Palme 2. w., M.-n, verfchiedene inlaͤndiſche Gewaͤchſe, nament:
lich: der Chriſt- u. Mirtendorn, u, der Maͤuſedorn, beide auch Stech—
palme genannt; landſch. f. die Schwarzpappels
Palme 3. mus M.-n, (oberd. der Palmz wahrſch. nur von Palme1,
auf diejenigen einheimifhen Gewüchſe übertragen, die fhon um die Ofterzeit
Knospen zeigen und deren man ſich daher am Palmfonntage ftatt echter Palm:
zweige bedient), die wolligen Bliüthenfnogpen der Weiden, Erlen, Ha=
feln x. auch Ofterpalmen, Palmfätschen genannt; in Weinländern: die
Augen od. Sinodpen des Weinſtocks; niederd. überh. f. Knospe; — der
Palmhonig, der Honig, welchen die Bienen in der Palmzeit von den Palmen
od, Blüthen eintragen; die Palmweide, Saal: od. Buſchweide, deren Zweige
man vorzüglich ftatt der wahren Palmen in ber röm, Kirche gebraucht z der
Palmzweig, ein Weidenzweig mit Blüthenkätzchen.
Palme 4. w., Mi-n, (ital, palmo, franz. palme; v, lat. —
griech. zuAzzın, die flache Hand), eine Spanne ald Laͤngenmaß in Italien 2cz
niederd, Schiff. ein Laͤngenmaß zur Beftimmung der Die der Rundhölzer,
in Hamburg = 424 Linien Parifer Maß,
palsfen, plasfen, pulöfen, ziellof. Zw., nieserd. Schallw. f. plätfchern,
Halter, m., -8, M. mw. E., od. Palſternack, landſch. f. Paftinafe,
Dalte, w., —* =; oder der Palten, -83, M. mw. E. (aud
Putte), niederd, f. Lappen, Flicken; daher palterig, Bw., (engl. pal-
try, dän. palted) f. zerlumpt, zerriſſen.
Pamel, m., -$, od. Pamken, ſ., -d, M. mw. E. (vergl. das franz.
paumelle, Gerfte u, d. bair. Pummnudel, mit Hefen bereitete Mehlfpeife),
nieberd, bef. in Pommern: aud feinem Noggenmehl gebackenes Hefenbrod;
eine Urt Weißbrod od. Semmel.
Pampe, w., M.-n, od. der Pams, Pamps, sberd, Pampf, —-es,
M. -e, landſch. gem. f. ein dicker Brei, eine zu dick gerathene Bruͤhe;
pampen, oberd, pampfen, ziellof. Zw., gem, f. ftopfen, ſich mit‘ Spei-
fen volljtepfen (ogt. fhlampampen ); daher ein Pampbruder, eine Pamp-
ſchweſter, gem. f. Treffer, Schlemmer.
330 pampeln — Pantoffel
pampeln, ziellof. Zw., Landfch. f. baumeln, hin und her ſchweben.
pampern, aud) pempern, pimpern, pumpern, ziellof. 3w., oberd. Schallw,,
welche einen durch Stoßen, Klopfen, Fallen ꝛc. verurfachten helleren od,
dumpferen Schall nachahmen.
Pams, m., -rd, M. -e (vergl. Pans zc.), bair. verächtl. f. Bauch,
Dickbauch, Wanſt; uneig. f. Kind.
Pamuchel od. in Preußen Pamochel, m., -8, M. w. E., eine Urt
Stockfiſche.
Panele, m., M. -n, od. dad Paneel, -ed8, M. -e, (engl pane,
pannel, vieredige Scheibe, Feld), be. niederd,, die bretterne Bekleidung
des unteren Iheiled der Wände in einem Zimmer, das untere Wandge—
täfel, Taͤfelwerk. j
Panier, f., -18, M.-e, (sunädft v. dem franz. banniere, ital, ban-
diera, mittl. lat. banderia, und dies von d. deutfchen Band) f. v. w. Pan⸗
ner, Banner? Haupt-, Heerfahne.
Panne, w., M. -n (vergl. Wanne), bei den Falfenjägern die große
Schwungfeder der Falken.
Pans od. Panfh, m., es, M.-e, aud der Panfen, -8, ob. die
Danfe, Panze, M, -n (engl. paunch, franz. panse, holl. pens) f. v. w.
Banſen, ſ. d.z auch f. Wanft, Dickbauch, Schmeerbauch; niederd, uneig.
die Panſe f. ein ungezogenes Kind (vergl. Pams).
panſchen od, pantſchen, oberd. auch paͤntſchen, ziellof. Zw. m, haben
(ein Schallw., vergl. manſchen), gem,, in einer Fluͤſſigkeit mit den Hänz
den wuͤhlen, Flüffigfeiten unter einander rühren oder mifchenz oberd,
auch f. Schlagen, bef, Kinder mit der flachen Hand (vergl. patfchen); der
Panſch od. Pantſch, -eö, od. die Panfche, Pantfche, gem. f. ein wider:
liches, unreinliches Gemenge; uneig. eine unangenehme DBerlegenheit,
Klemme, Gedraͤnge (in die Panſche kommen).
Panſter, f., 2s, M. w. E. (auch Panzer geſchr, und mittl. lat. lo-
rica genannt, alſo wahrſch. urfp. = Panzer), Mühlenb. ein hohes unter—
ſchlaͤchtiges Waflerrad, welches zwei Mahlgänge treibt: dad Panfterrad;
daher die Panftermühle; das Panfterzeug, das Panfterrad mit feinem
Zubehör.
Panter, m., —8, M.w. E., niederd, ein dünnes, flaches Holz, wo:
mit mande Schullehrer die Kinder auf die flahe Hand ſchlagen; auch f.
Schlag.
Panther, m. (m. A. f.), -8, M. w. E., od. dad Pantherthier (v.
gried). n&v9ng, lat. panthera), ein in Afrika und Afien lebendes Raubthier
von der Größe eines Bullenbeigers mit ſchön gezeichnetem Felle, auch Parder,
Pardel genannt, verfh. vom Leoparden; daher das Pantherfell ꝛc.; die
Pantherkatze, ein etwas Eleineres Raubthier in Süd-Amerika: amerikanifche
wilde Kate od. Bergkatze; der Pantherftein, weißer Jaspis mit gelben
Flecken.
Pantoffel, m., -8, M. w. E od, gem, weniger r. nz; Verkl. das
Pantoͤffelchen; (mittl, lat: pantofla, ital. pantufola, franz, pantoufle,
engl. pantofle, böhm, pantoffelz niederd, u. ſchwed. toffel, isländ. tapla;
von dunkler Abkunft), eine Art bequemer Hausfchuhe mit kürzerem Obesle--
der, auch wohl ohne Hinterleder, Halbfehuhe, von Männern und def, von
————— oo
Pantiy — Papagei 531
Frauen getragen (daher ſcherzh. ſprichw. unter den Pantoffel kommen, unter
dem Pantoffel ftehen, d, i. unter der Herrfchaft ver Frau, welcher der Pan-
toffel als Waffe dient); das Pantöffeldhen, uneig. landfe, f. der Ma—
rienſchuh (f. d.)3 auch eine Art Klippfleber (Mönchsſchuh); der Pantoffels
baum od. Pantoffelholzbaum, die Korkeiche, aus deren Holze (Pantoffel—
holz) unter anderm auch Pantoffeln geſchnitten werden; dad Pantoffeleifen,
Schmied. ein Hufeifen von eigenthümlicher Form; pantoffelförmig, Bw.;
der Pantoffelmacher; die Pantoffelmufchel, pantoffelförmige Muſcheln;
das Pantoffelfchwarz, aus Korkrinde gebrannte ſchwarze Farbe; — pan-
toffeln,, ziel, Zw., Lohgerb. Leder auf Pantoffelholze reiben,
Pantſch, m., pantichen, 3mw,, f. panfchen.
Panze, w., od, Panzen, m., 1. f.v. w. Panfe, Panfen, 1. Pans;
2, bair. der Panzen, -8 (auch Panz, Ponz, Punz, Punzen), ein Faſs,
bef, ein folches, welches 2 Eimer und etwas darüber hält,
Panzer, m., -d, M. w. E. 1. landſch. gem. f. Banſen; Wanftz 2. f.
v. w. Panfter,
Panzer 3. m. (alt u. oberd. f.), -8, M. mw, E. (mittl, lat, panceria,
ital, panciera ; ſchwed. pansar, böhm, pancyr, poln, pancerz; wahrſch. nicht
deutfchen Urfprungs), eigentlich ein Geflecht aus Metallringen, chem, ald
Theil der Bewaffnung über den Leib od. einzelne Theile desſelben gezogen 3
insb. eine folche Bedeckung des Numpfed, ein Panzerhemd, Panzerrock;
in weiterer Bed. jede feite, gegen Hieb und Stich ſchuͤtzende Bekleidung
des Leibes, finnv. Harnifh, Kuͤraſs; Jäg. eine aus Leinwand und Fiſch—
bein gemachte Bekleidung der Jagdhunde bei der Schweinsjagd’z ſchweiz. ein
MWammed, Kittel (Banzer); au dad Schild der Schildfröten und an-
dere panzerähnliche Bekleivungen; — 3ſetz. panzerfegen, untrb. ziel. Zw.,
plt., eig, den Panzer fegen, d. i, pusenz uneig. einen —, ihm einen derben
Verweis geben; der Panzerfifch, eine Gattung von Fifchen, deren Körper
mit Enohenharten Schuppen od, einem beinartigen Panzer bedeckt iſt; der
Panzerhahn, Seehahn mit rauhem, ſtacheligem Körper; der Panzerhand-
ſchuh, das Panzerhemd, die Panzerhoſe, der Panzerrock, die Pan—
zerſchuͤrze, drätherne od. blecherne Theile der Panzerrüſtung; die Panzer—
kette, eine Kette zum Schmuck mit länglichen, nach Art der Panzergelenke
gebogenen Gliedern; die Panzerklinge, eine Art ſtarker Stoßklingen, um
damit durch einen Panzer zu floßenz Degen mit ſolchen Klingen hießen ehem.
Panzerrenner, Panzerſtecher; das Panzerthier, f. v. w. Gürtelthierz
— Ableit. panzern, ziel. 3w., mit einem Panzer beffeiden ; uneig, ſich
gegen etwas ruͤſten, waffnen, ſchuͤtzen.
Papa, m., -5, M. (felten) -$ (ein Naturwort, perf. papa, baba;
griech. nanas, nanmes; lat. franz. engl. 2c, papa), Kinderwort f. Vater,
entſpr. Mama, gew. nur als Anredewort.
Papagei, m., — es (auch -en), M. -e (auch -en), Verkl. dad Papa⸗—
geichen, (niederd, Papegoje; mitt, lat, papagallus, ital. papagallo, alt:
franz. papegaut, ſpan. papagayo, engl. popingayz; aus dem arab, babagha,
welches aber in ben vorftehenden Umbildungen als Pfaffenhahn (papa-gallus)
od. Pfaffenhäher (papa-gay) verftanden zu fein ſcheint; darauf deutet auch der
franz. Namen perroquet, engl- parrot, vom lat. parochus, fpan, perroque,
Pfafje), ein in Afien, Afrika und Amerika einheimifches zahlreiches Geflecht
332 \ papeln — Papier
von Waldvoͤgeln, mit dickem, gekrümmtem Oberſchnabel u. kürzerem Unter:
ſchnabel, welche leicht Wörter nachplappern lernen u. meiſt ſehr ſchönes buntes
Gefieder haben, alt. u. oberd. Sittich, im gemeinen Leben als Anrede- und
Liebkofungswort auch abgek. Pape, Papchen; uneig. f. die Mandelfrähez
auch eine Urt Seefiſche mit fhönen bunten Farben, der Papageifiſch; pa—
pageienmäßig, Bw. u, Nw., nad) Art der Papageie (3. B. fhivagen) 5. die
Dapageiente od, derPapageitaucher, eine Art grönländiſcher Taucher mit eis
nem Papageifchnabel und [hwarzen, geld geftreiften Federn; die Papageife—
der, uneig, —— dreifarbiger Sammtblumen, das Papagei—
Frauf; papageigrum, „Färb., aus Blau und Gelb gemifhtes Grün;
die Papageinatter, eine Art bunter Nattern in Kanada; der Papageiſa—
men, Saflorfamen, den die Papageien gern freffen; der Papageifchnabel,
uneig. Naturk. eine Art Tulpen; eine verfteinerte Mufchel; eine Art Hornfi:
fe; die Papageitaube, eine Art bunter Tauben auf der Thomasinfel,
papeln od. papern, oberd. pappeln, pappern, ziellof, und ziel, Bw,
(vergl. babbeln; engl, babble, franz. babiller), gem. f. plappern, kindiſch
ſchwatzen, plaudern; oberd. auch f. liebfofen, ſtreicheln; der Papelhans
od. Paperhans, gem. f. Schwätzer; papelig lig od. paperig, Bw., f. ges
ſchwaͤtzig, plauderhaft; oberd, auch f. zartlicy, verzaͤrtelt.
ſPapier, fir —es, M. -e (von mehren Arten, od. auch f. Schriften,
Brieſſchaften ꝛc.), Berk. dag Papierchen, (franz. papier, engl. paperzc.z
vom lat. papyrus, gried. mazugos, d. i. die ägyptiſche Papyrusftaude, einer
der älteften Schreibeftoffe), eine aus Pflanzenjtoffen verfertigte Maffe in
Geſtalt dünner biegfamer Blätter, beſ. um darauf zu ſchreiben (Baumwol:
len, Strohpapier zc. 5 5 vorzugsmweife 2a aus leinenen, zum Theil auch wol:
lenen od. feidenen, Lumpen bereitete Qumpenpapier, von verfehiedener Be-
ſchaffenheit und zu verfchiedenen Zweden (Schreib, Poft: od, Brief, Drud:,
Löſch-⸗, Pad, Buder:, Seidenpapier 20.3 ein Buch, Ries, Ballen Papier 20,5
Papier machen; das Papier leimen, f.d.); ein Papier (M. Papiere), ein
Stuͤck od, Blatt Papier von Kunbefkinenfee Größe, bef, ein befchriebenes od,
bedrucktes einzelmed Blatt, Brieffchaften, Rechnungen, Scheine, Auf—
füge, Handſchriften u. dal. (ed findet fi) nidit unter meinen Papierenz
Staatöpapiere ꝛc.)3 uneig. Naturk. dag Türkiſche Papier, verſchiedene
Schnedenarten; das eingerollte Papier, eine Art Blafenfchnedenz; —
3fes. der Vapierbaum, die weiße Pappel; auch eine Art Mautbeerbäume
in Japan, aus deren Baft Papier verfertigt wird; die Papierblume, ſ. v. w.
Flocken- od. Strohblume, ſ. d.5 die Papierdüte, ſchweiz. das Papierhäus-
lein, ſ. Dütez die Papierform, die drätherne Form der Papiermaher, mit
welcher die Papiermaffe gefhöpft u, zu Bogen geformt wird; dad Papier—
geld, Papierzettel od. Scheine, welche die Stelle des baren Geldes vertreten;
der Papierhandel, die Papierhandlung; der Papierhändler ; die Paz
pierhaube, Natur, eine Art Pofaunenfhnetenz ter Papierkäfer, ein dem
Papiere ſchädlicher Schabläferz die Wapierlaterne, eine Laterne von ölge—
tränftem Papier; die Papierlaus, Bücherlaus der Papiermacher, Pa—
piermuͤller; die Papiermuͤhle, ſ. Mühle; die Papiermaſſe, die breüchte
Maſſe der zerſtampften Ara woraus Papier gemaht wird; aud eine
ähnliche Maffe zu Dofen, Larven u, dgl. m,, Papierteig (franz. papier
mache); dad Papieröl, von verbranntem Papier zurüchleibende braune
papp — Pappel 333
Feuchtigkeit; die Papierrolle, f. Rollez uneig. Naturk, eine Art fehr dünner
durchſcheinender Blafenfhneden, f. v. 10. das eingerollte Papier, f. 0,5 die
Dapierfchere, eine lange Schere zum Schneiden des Papiers; dad Papiers
fhnigel, f. Schnitel; die Papierflaude (Papyrusftaute, f. o.), ein ägyp⸗
tifches Staudengewächs, aus deſſen innerer Haut im Alterthum Papier bereitet
wurde; — Ableit, papieren, Bw., von Papier, aus Papier gemacht
(papierne Tapeten u, dal.); der Papierer, -8, oberd. f. Papiermacher.
papp, ein Naturlaut der Kinder, welcher in der Kinderſpr. ſowohl zur Be:
zeihnung des Effens, als auch ded Sprechend bientz daher: die Pappe
(andſch. auch Pappe), M.-n, od, der Papp, —es, M.-e, 1) Volke:
und Kinderfpr, f. ein dicker Mehl- oder Scmmelbrei (Kinderpappe 5 lat. papa,
ital. pappa, engl, pap); Buchb. dicker Mehibrei ald Kleiſter; Schiffb. ein
Gemifc von Harz, Talg, Schwefel, Ihran und zeritoßenem Ölafe,
womit die Schiffe beftrichen werden, um fie gegen Würmer zu verwahren 5
2) eine dicke, fteife und fefte Papiermaffe Pappendedel) zu Bücherein=
bänden u. allerlei andern Arbeiten (Papparbeiten); pappen, ziellof. u. ziel,
3w., 1) Brei effen, überh. effen (von Kindern; aud) pappeln); 2) mit
Pappe od, Kleiſter befeftigen, kleiſtern; 3) in Papp arbeiten, aus Papp
verfertigen; pappeln, ziellof. u. ziel. 3m. 1) f. v, w. pappen 1); 2) f. v.
w. papeln (1.d.)5 ſchweiz. überh. f. undeutlich ſprechen; päppeln, ziel. Zw.,
landſch. gem. f. auffuͤttern, beſ. ein Kind ohne Muttermilch ernähren; uneig.
f. zartlich, ſorgfaͤltig behandeln, pflegen (daher aufpäppeln, verpäppeln ꝛc.);
— 3ſetz. von Pappe; die Papparbeit, Arbeit aus Papp (f. Pappe 2.),
z. B. ein Pappkaften, eine Pappfchachtel u, dgl. m. 5 der Papparbei-
ter, wer Papparbeiten madjtz der Pappband, Bud:Einband von Pappz
der Pappdedel od. Pappendedel, ein Deckel, bef. Buchdeckel od. «Schafe
von Pappz aud überh. f. Pappe 2); der Wappenmacher, ein Papierma-
der, welcher vorzugsmweife Papp madtz der Nappenftiel (vielleicht aus Pfei⸗
fenftiel verderbt ?) gem. für eine unbedeutende Kleinigkeit, eine werthlofe
Sache (das ift Fein Pappenftiel! u, dgl.)5 — Ableit. pappen, Bw., von
Papp, d. i. Pappendedel, gemacht (pappene Käſtchen) z pappicht, Bw,
gem. einer Pappe, d. i. einem Brei aͤhnlich.
Pappel 1., w., M.-n od. der Pappelbaum (niederd, Pöppel, engl.
poplar, franz. peuplier, vom lat, populus), ein Geſchlecht von Bäumen
mit längliyen, hangenden Blüthenfäschen und mechfeläweife ſtehenden
‚ Blättern; verfchiedene Arten find: die ſhwarze od. Shwarzpappel,
aub Pappelweide, fhwarzer Alberbaum, Sarbaum, Wollenbaum,
Rheinweide zc, genanntz die italiänifche od, lombardiſche Pappel,
eine Abart der vorigen; die weiße od, Weißpappel, auch Silber, Schnee:
pappel, Weißbaum, weiße Eipe, Aber, Albele 2c, genanntz bie kleine od,
Bitterpappel, gem, Espe, auch Flatterpappel, Zitterbaum, Faulefche,
niederd. Beberefche genannt; die Balfampappel u.a. m. — 3 ſetz. daß
Pappelblatt; die Pappelblüthe, das Pappelholz; die Pappelfnospe,
die Laubknospe der Schwarzpappel, woraus dad Pappeloͤl, ein fhmerzftillen:
des Mittel, und die Pappelfalbe bereitet wird; der Pappelnager, ‚eine Art
Rüſſelkäfer; die Pappelpflanzungz der Pappelfchwärmer, eine Art Düm-
merungsvögel; der Pappelfpinner, eine Art Nachtfalter; der Pappelftein,
334 Pappel — Pardel
ein Kupfergrun (f. d.)5 der Pappelwald; die Pappelmeide, f. v. w.
Schwarzpappel; aud) die gemeine weiße Weide,
Pappel 2., w., M. -n, verſchiedene Gewaͤchſe (von der Ähnlichkeit
ihrer Blätter mit denen des Pappeldaums fo benannt, oder von verfchiebener
Abftammung?), insbe, die Malve (ſ. d.), auch das Pappelfraut od. die
Pappelblume genannt; der Eibifh: wilde od. weiße Pappelz eine
oftindifche Pflanzger Sammtpappel; die Schweißwurzel: Rofspap:
pelz — der Pappelfäfe, der plattrunde, käſeförmige Samen der Malve;
die Pappelrofe, eine mit dee Malve verwandte Pflanzengattung.
pappeln, päppeln, pappen, 3w.; pappen, pappicht, Bw, zu f.
unter papp. j
Papſt (b. als Pabft), m., —-es, M. Väpfte (altd. babisı, babest,
babst, niederd. Paweft, Pauftz ital. papa, franz. pape, engl. pope; v.d.
lat. papa, Vater, als Ehrennamen eines Biſchofs), das geiftliche Oberhaupt
der römifch=Fatholifchen Kirche, der oberfte Biſchof; — 3fes. die Vapft-
krone od. Papſtmuͤtze, die dreifahe, in eine Spise ausgehende Krone der
Püpftez uneig. Naturk. eine Art Spindelwalzen, u. eine Art Flügelſchnecken;
die Papftmeide od. wiede, landſch. 1) der Vogelkirſchbaum, auch Papft-
baum genannt; 2) der Schling- od. Mehlbaum; die Papftwürde ıc.5; —
Ableit. päpftifh, Bw-, zum Papftthum gehörend od, darin gegründet,
meift verächtl. (fe. papiſtiſch); papftlich, Bw., dem Papſte gehörig, eigen,
angemeffen (der päpftliche Stuhl; die päpſtliche Würde); ver Päpftler, -8,
verächtl, ein Anhänger des Papftes od. ded Papitthumd (fr. Papift); die
Päpftlerei, Unhänglichfeit an dad Papſtthum; das Papſtthum, die
päpftliche Würde und Herrſchaft; die römifch= Fatholifche Kirche, fofern
fie unter päpftlicher Herrſchaft ſteht.
Paradies, fe, -d, M.-e (altd. paradis, franz. paradis, engl. para-
disez zunächft aus dem lat, paradisus, grieh. egadsıoos, ein Thiergarten,
Baumgarten, aus dem Perfifchen entichntz ſanskr. paradesa), der urfprüngs
liche, überaus anmuthige Wohrplatz der erfterfchaffenen Menfchen, der
Garten Eden; uneig. ein höchft fhöner und angenehmer Ort, Luftgars
ten, Wonnegefilde; aud der Aufenthalt der Ocligen nad) dem Tode;
— 3feg. der Paradiesapfel, 1) eine Art Zitronen, Adamsapfelz 2) eine
Art vother und weißer ſchmackhafter Apfelz der Paradiesbaum, landſch. f.
wilder Olbaumz die Paradiesfeige, die mehlartige, ejsbare Frucht einer
Art der Mufe (f. d.) od. des Pifangs in Oſtindien; auch dies Gewächs felbftz
der Paradiesfiich, eine Art. Fingerfiihe; dad Paradiesholz, 1) Holz ber
Aloe; 2) das koſtbare, wohlriehende Holz eines oftind. Baumes; dad Para-
dieskorn, Paradiesförner, ein pfefferförmiges Gewürz, der Samen eines
“ oftind. u. afrik. Gewächfes (fr. Kardamomen); der Paradiesrabe, eine Art
Fliegenfänger; der Paradiesvogel, ein zahtreihes Geſchlecht fehr fihön gefies
derter Vögel mit anßerordentlid) langem Schwanze in Oftindien, Neu-Gui—
nea 26, auh Waradieshäher genannt; — Abteit. paradiefiih, Bw.,
dem Paradiefe ähnlidy od. angemeffen, überaus anmuthig (eine paradies
fiibe Gegend).
Parchent, m., ſ. Barchent. — pardauz, f. bardauz,
Pardel, m, -8, M. w. E. 1, auch Parder (alt Pard, lat, pardus,
pardalis, griech. rugdarıs), f. v. w. Panther, ſ. d.5 2, ein zum Stibige
—
|
EBENE
Dardune — Partei 335
gefchlechte gehörender Vogel, grauer Kibitz, Brachvogel; der Pardervo—
gel, der grüne Regenpfeifer,
Nardune, w., M.-n, Schiff. lange, ftarfe Taue zur Befeftigung der
Stengen und Bramftengen an beide Borbe des Schiffes.
Pariſen od, Parifer, die, o. E. (preuß. Pares ken, vom litth, pares-
kay, eine von Lindenbaft geflochtene Fußbekleidung der ehemaligen Litthauifchen
Bauernz alfo niht von Paris) in Berlin: warme Pantoffelfehuhe von
Filz oder grobem Wollenzeuge.
Park, m., -ed, M. -e (zunächſt vom franz, parc, engl. park entlehnt;
aber urfpr, deutſch, v. althochd. perkan, park, d.i. bergen, barg; vergl,
Pferch, Burg), ein eingehegter Wald, gew. ein Ihier= od, Wildgarten,
auch ein Luftwäldchen, Luftgehölz, waldähnliche Gartenanlage; Krfpr,
der Aufbewahrungsplak für das grobe Geſchuͤtz, Geſchuͤtzplatz (Artillerie:
Park); auch das aufbewahrte Geſchuͤtz ſelbſt.
Parſch od, Paarſch, m., -Aes, M.-e, landſch. f. Boͤrs, Barſch, ſ. d.
Part, m, (andſch. auch ſ. od. w.), —es, M. Se (niederd, -en) (vom
franz. part, lat, pars), gem, f, Theil, Antheil (z. B. eine Waare in drei
Parte theilen; Part an etwas haben; öfter. Part od. Parte geben f, mittheilen,
Nachricht geben); auch f, die freitende Partei (dev Gegen: od, Widerpart);
parten, 3m. (hol. parten), landſch. gem, 1) ziel. f. theilen, abtheilenz
2) ziellos m, haben f, Iheil an etwad habenz daher der Parter, -8
(engl. parter, partner) nieberd. f. Iheilerz Iheilhaber; der Partfrämer,
landſch. ein Kleinhändler, der in einer Bude einzelne Waaren verkauft,
Partei (ehem, Partey, nicht gut Parthei gefär.), w., M, -en (vom
franz, la partie entlehnt, der Bed. nad) jedod, mehr dem franz. le parti ent:
ſprechendz engl. party), über. Iheil, AUbtheilung, ger. nur in folgenden
beftimmteren Bedeutungen: eine Abtheilung od. Gefammtheit von Men
fhen einer Art od. Berrichtung (4. B. Jagdpartei, d. i. die zur Jagd od,
Jägerei gehörende Perſonen; Krſpr. ein Soldatenhaufen , fr, Detachement,
z. B. ftreifende Parteien; auf Partei ausgehen, f, Beute machen) , in engerer
Bed. eine Geſammtheit gleichgefinnter Perfonen im Gegenfag Derer, welche
entgegengefegte Meinung hegen, im allgemeinften Sinne und ohne gehäffigen
Nebenbegriff, verfh, von Rotte, Secte, action, Complot (bie Geſell⸗
haft war in mehre Parteien getheiltz Staats- Glaubens: oder Religions—
parteienz; von einer Partei zur andern übergehnz eines Andern Partei hal:
ten, nehmen, ergreifen; fih zu einer Partei fehlagen, d. i. dafür er:
klären; in einer Sache Partei nehmen, d. i. ſich für eine, od. die andere
Meinung erklären; fich eine Partei machen, d. i, einen Anhang); insbef,
mehre Perfonen, oder auch sine einzelne Perfon, fofern fie mit Undern
in einem Rechtsſtreit begriffen find, od. auch eine gerichtliche Verhand—
lung, einen Bertrag u. dgl. abſchließen (die Parteien vor Gericht laden, hö—
ten, vergleichen 2c. 5 die Hagende Parteiz die contrahirenden Parteien 2c.); —
Z3ſetz. der Parteifuͤhrer, dad Parteihaupt, Anführer einer Parteiz der
Parteigaͤnger, wer ſich zu einer Partei ſchlägt, od, einer Partei anhängtz
Keſpr. Seldaten, die auf Partei, d. i. Beutemahen (j. 0,) auszugehen be-
flimmt find, Freibeuter; der Parteigeift, die herrſchende Neigung, Parteien
zu ſtiften, od, einzelnen Parteien anzuhangen und fie zu begünftigen ; parteis
los, Bw,, zu Eeiner Partei gehörend, Feine Partei nehmend, finnv, unpar:
336 parten — Paſs
teiiſch (fe, neutrat) ; die Parteilofigkeit (fe. Neutratität); die Parteifucht,
die Sucht, eine Partei zu haben od, zu fliften, im höchſten Grade: Partei—
wuth; verih. Parteienwuth, d. i. die Wuth der Parteien gegeneinander z
parteifüichtig, Bw., Parteiſucht habend u. zeigendz — Ableit. parteien,
rückz. Zw., ſchweiz. ſich —, f, ſich in Parteien theilen; Partei wider Je—
mand nehmen; parteiiſch od. parteilich, Bw., einer Partei zugethan,
entg. parteilos; gew. in engerer Bed. ungerechter Weiſe, aus Vorliebe,
Vorurtheil, Eigennutz ꝛc. fuͤr oder gegen eine Partei eingenommen, entg.
unparteiiſch (ein parteiiſcher Richter, ein parteiiſches Urtheil 2c.);5 die Par—
teilichkeit, das Parteiiſchſein (z. B. eines Richters); auch eine parteiliche
Handlung (M. Parteilichkeiten); die Parteiung, Spaltung in Parteien,
Entzweiung, Uneinigkeit.
parten, Z3w.; der Parter, ſ. unter Part,
Partenblatt, ſ., landſch. f. der große Wegerich od. Wegebreit.
Partiſane, w., Mi -n (zunäüchſt aus dem franz. pertuisane, ital, par-
tigianaz urfpr, aber deutfh von Barte (altd, parta) und Eifen; alt: bie
u, das Parteifen, ſchwed. bardisan, niederd, Bardefan, engl. partisan), eine
ehemalige Waffe, beftehend in einem langen Spieße mit einem zweiſchneidigen
Beil (einer Barte) unter dem Stedeifen, ein Sinebelfpieh, eine Art Delle
barte (vergl. d.), £
Parude od. Parüde, w., M.-n, alt und landſch. f. Perücke.
parzen od, barzen, Zw. (aud) pörzenz ein Intenfioum von beren, tragen,
heben; vergl. geberden, em-por 2c.) oberd, und ſchweiz., ziellos f. hervorra—
gen, ſtrotzen; rückz. fich —, f. fi) ſtraͤuben, brüften, geberden.
Paſch, m., —es, M. -e (oberd. Päſche), wahrſch. v. d, niederd. pafs,
gleid,es Maß habend, pafiendz od, von par, paar, mit ausgefloßenem ı?),
im Würfelfpiet der Wurf, wenn zwei od. drei Wuͤrfel gleichviel Augen
zeigen, Gleichwurf; oberd, auch f. Wuͤrfel; daher pafıhen 1., ziellof. Zw.
mit haben, einen Paſch werfen; landſch. gem, f. würfeln, mit Wuͤrfeln
fpielen; der Pafcher, f. Wuͤrfler.
yafchen 2., ziel, Zw. (auch päſchen;z vergl. d. bair. paufhen, pu=
fen, Geld ac. unterfhlagen ; wahrſch. v. d. franz. passer, mitt!. lat. pas-
sare), bef. overd. verbotene Waaren heimlich einführen, ſchwaͤrzen, nie:
derd. ſchmuggeln; überh. heimlich und verbotener Weiſe handeln; der
Paſcher, -s, Schmugglerz die Pafıherei.
pafchen 3., ziellof. Zw., öfte, Schaltwort ſ. patſchen, Elarfchen.
pafchen 3., zielloſ. Bw, m. haben (v. ital, paciare), ſchweiz. f. Frieden
machen, fich verföhnen,
Paſe, w., M.-n, in Hamburg: in leinene Beutel gefüllte Wurſt,
Beutelwurſt.
Paſs 1., m., -es, M. Paͤſſe (entlehnt aus d. lat. passus, ital. passo,
franz. pas, Schritt ec.) 1) ein gewiſſer Schritt oder Gang der Pferde, in
dem fie Vorder: und Hinterfuß auf einer Seite zugleid, erheben, der Paſs⸗
gang, Antritt, Dreiſchlag; der halbe Paſs, cin Gang, der halb Paſs,
halb Zrab iftz daher: der Paſsgaͤnger, ein Pferd, weiches den Paſs geht;
2) uneig. landſch. f. ein eintretender Umland, vorfommender Fall (in die:
fem Paſſe mag es gelten u. dgl. 5 ital, passo)5 3) ein Engweg, enger Durch⸗
gangz bef. aus einem Lande in ein anderes (ein Engpaſs; die Päſſe befegen) 3 \
— —
Paſſe — paſſen 337
Schiff. eine Meerengez 4) der Durchgang, dad Durchreifen durch einen
Ort (freien Pafs haben; einem den Pafs abfchneiden, verbauen 26); daher
aud) f. Pafsbrief, Pafszettel (franz. passeporı), ein obrigfeitlicher Frei—
brief, Geleitbrief, Reiſeſchein zu ungehinderter Fortfegung des Weges; da:
her das Pafsamıt, Amt, weldes Päſſe auöfertigt; der Pafsfchreiber, wer
Päſſe ausfertigt. — Pafs 2. f. unter paffen 1.
Paſſe 14. w., M.-n, Schiff Fleine Kanonen, deren man fid) auf den
Maftlörben und auf Heinen Schiffen bedient; — Paffe 2. ſ. unter paffen 2.
Naffelbeere, w., landſch. f. Ulpen= od, Berg-Johannisbeere, Ber—
beriöbeere,
paͤſſeln, pafcheln od. päfteln, zitllof. u, ziel, Zw. (auch bäfcheln, bäftenz
vergl, d. engl. busy, geſchäftig, bustle, gefchäftig fein, fchwed. pussa), oberd, f,
tändelnd arbeiten, Fleine Handarbeiten machen, ohne fie handwerksmäßig
erlernt zu haben.
pafjen 1. Zw. (fhwed. passa; verw, mit d, altd. paz, baz, baſs, gut,
beffer, d, i. angemeffenz vergl. unpafs), 1) ziellos mit haben, angemeffen
fein, das gehörige Maß haben, mit dem Dat. (das Kleid, der Hut xc.
pafjt mir; der Dedel paft nicht auf das Glas) ; uneig. f. ſich fchicken, fügen,
geziemen (das paſſt, wie die Fauſt aufs Auges dies Wort pafjt nicht in den
Bufammenhang 5 es paſſt nicht für ihn 2c,) 5 niederd. f. gefallen, anftehen, ge= -
nehm fein (ed paſſt mie nicht) ; 2) rückz. ſich -, ſich ſchicken, pafslich, gezie=
mend fein (das paſſt fich nicht) 3 3) ziel, paffend machen, angemeſſen einriche
ten, anpafjen (einen Dedel auf das Glas, einen Pfropf aufdie Flafche) 5 niederd,
f. meffen, def. mit dem Zirkelz — paſs, unbiegf. Bw, gem. bef. niederd, f.
das rechte Maß habend, pafjend (das Kleid ift mir pafs)z der Paſs, -eB,
M. Päffe, gem. bef. niederd, 1) ein Maß od. ein abgemeffenes Ding (da:
her: ein Paſsglas, ein in abgemefjenen Zwifchenräumen, welche man Päſſe
nennt, mit Riefen verjehenes hohes Trinkglas; ein Glas mit drei, vier Päſſen;
einen Paſs austrinken 2c,)5; ehem. in der Tonk. f. Taft (nad) dem Paffe tan:
zen); auch ein Gewicht (daher noch in einigen Salzwerken: der Waffer-
paſs); 2) in engerer Bed. das rechte Maß (die Schuhe find mir zu Paſs
gemacht, d. i. paffend) ; Die rechte, gelegene Zeit, bequeme ©elegenheit
(das kommt mir zu Paffe, franz. a propos); landfch. uneig. auch der gute
Geſundheits- od. Gluͤckszuſtand (wohl zu Pajs fein, f. fid) wohl befinden z
vergl. unpafs); — Dfes. die Paſsform, zufammengepaffte Formen der
Kattundruder; die Pafsfarte, Schiff, eine Seekarte, auf welcher man mit
einem Bietet (Paſſer) die Entfernungen meffen kann; die Pafsfugel, eine ge:
nau in das Rohr paffende Büchſenkugel, entg, Laufkugelz — Ableit, der
Paſſer, -8, nieberd, f. Zirfelz auch f.v. w. Pafsform; pafelic), Bw.,
paffend, angemeffen, fchicklich, geziemendz; die Pafslichkeitz pafslich,
Bw., landſch. f. erträglich, leidlih, mittelmäßig (fe: paſſabelz wohl eher
mit d, fr. pajjiren als mit paffen zufammenhangend).
paflen 2, ziellof. Zw, mit haben (engl. pass 3 v. d. ital, passare, franz.
passer, alfo eines Stammes mit Paſs 1. u. d. lat, passus, Schritt; eig. et:
was vorübergehen laffen, dann: unthätig fein, warten 2), 1) im Karten:
fpiel: dad Spiel nicht unternehmen, befjere Karten abwarten (franz, pas-
ser); 2) gem, überh, auf etwas warten, lauern (auf einen —3 darauf kann
ich nit paffenz vergl, aufpaffen, verpaffen); auf etwas achten,
- Heyfes Handmwörterb, d, deutfchen Spr. 2, Theil, 22
538 Pafjer — Pathe
Acht geben, aufmerfen (einem auf den Dienft paffen, d. i. auf feine Hands
lungen genau achten, um ihm zu fehaden, wenn er etwas verfieht); nieder,
auch Pafs geben, f. Acht geben; die Paffe, 1) 0. M, Kartenip. das
Paſſen (die Paffe haben, d. i, paflen) ; gem. f. die Yauer (auf der Paſſe fte:
hen); 2) M.-n, in Mühlen, ein Werkzeug zum — der Muͤhle.
— Paſsform, Paſsglas, ſ. unter paſſen 1. — Paſsgang,
Paſsgaͤnger, f. Paſs.
Paſshanf, m., landſch. f. Baſthanf, Hanf, wie er aus der Breche kommt.
paſſig, Bw. (vergl. d, franz. passer, ital. passare, durchſtechen, durch—
preſſen; fs au Pofamentier), Handw. mit erhabenem od. vertieftem Bild-
werk verfehen, figurirt, entg. glatt (paffig drehen, b. i. dreshfeln 2c,),
Paßkarte, -kugel; pafslich, pafslich, f. unter paffen 1. is
Daftel, m., -8, landſch. f. Farberwaid, Scharte,
Daftete, w., M.-n, Berlt. das Paftetchen, (ehem. aud) die Pa—
fteiz; mitt. lat. pastata, franz. päte, engl. pasıyz v. d, mittl. lat. u. ital.
pasta, franz. paste, päte, Teig), eine in einen Kuchenteig gebackene
Fleifch = oder Fifchfpeife, cin Fleiſchkuchen, cine Teig- oder Backfpeife
(Fleiſch- Hühner-, Tauben:, Wild-, Fifhpaftete ꝛc.); niederd, die ganze
Paſtete uneig. f. das ganze Ding, die ganze nickt naher bezeichnete Sache;
der Paftetenbäder, die Paſtetenbäckerin; die Paftetenbäderei; das
Daftetenbrod, Küch. der Teig einer ausgebadenen Paftetez aud) eine Art
Zwieback; die Paftetenform; der Vaftetenkranz od. =rand, der Teigrand
einer Paftete, der Paftetenofen, ein Eleiner Badofen zu Yafketen; der Pa⸗
ſtetenteig zc.
Paſtinake, w., M. -n, od. der Paſtinak, -ed, M. -e, (andſch.
gem. auch Paſternak, Palſternak, Paſtnach, Paſtenei ꝛc.3 — bei: pasti-
naca), ein Doldengewaͤchs, deſſen weiße, fleiſchige und ſuͤße Wurzel als
Gemuͤſe genoſſen wird; beſ. heißt dieſe Wurzel ſelbſt: Pa ffinafe od,
Naftinakwurzel; wilde Paftinake, landſch. f. die wilde Möhre; Waf:
ferpaftinakf. Wafferpeterfilie,
paten, ziel. Zw, (hol, psoten ; vergl, impfen, welches aus in-paten,
impten entftanden zu fein fheint), niederd. f. pflanzen; die Date, M, -n,
nieberd, f. Pflanze, junger Baum, bef. ein Setzling von Weiden od, Pap-
peln; die Patbohne, Waterbfe, f. Saatbohne, » Erbfe.
Pathe, m., -en, M. -en, und von einer weibl. Perfon: die Pathe,
M.-n, 05. aud Pathinn, M.-ın, (aus dem lat, pater, Vater entft.;
vergl. Gevatter), 1) ein Taufzeuge in Beziehung auf dad Tauffind, verſch.
Gevatter (5. B. ex ift mein Pathez fie ift feine Pathe od. Pathinn; fränk. Tob,
weibl. Todaz oberd. und ſchweiz. God, Göte); 2) der Täufling oder das
Tauffind in Bezug auf die Iaufzeugen, in diefer Bed, bef. das Verkl. dad
Pathchen od. Paͤthchen; in der röm. Eathol. Kirche heißen auch die
Zeugen bei der Firmelung, und die arfirmelten Perfonen in Bezug auf
diefe Zeugen: Pathen; — der Pathenbrief vd. -zettel, ein mit Sprü:
hen u. guten Wünſchen befchriebener, auch wohl mit Sinnbildern verzierter
Bettel, in welchen das Pathengeld gewidelt wird; das Wathengeld, das
Geld, welches die Pathen dem Täuflinge ſchenken, aud der Pathengrofchen
od. = pfennig; das Pathengeſchenk, Geſchenk des Pathen an ben Täufling;
—
DE En ZT
Patrolle — patſch 339
die Pathenftelle, tie Stelle, das Verhältnifs eines Pathen (Pathenftelle ver:
treten, d. i. Pathe fein).
Matrolle, w., M.-n, 1, (verderbt aus d. franz. banderole), die mit
einer Quaſte verfehene Schnur an einer Trompete; 2. auch Patrulle, gem,
f. Patrouille (zunächſt von dem franz. patrouille, ehem. aud) patouille, ent:
lehnt, welches jedoch wahrfch. von beutihem Stamm ift, vergl, d. nieberd.
pabden, pedden, mittl. lat. battire, gehen), die unıhergehende Solda—
tenwache, Schaar= oder Streifwache.
Patrone, w., M.-n (mittl, lat, patronus, franz, patron, Mufter,
Vorbild; wahrſch. bildlide Anwendung v. patronus, Patron, d, i. Schusherr
26), Handw, fe Modell, Mufter, insbef. die gezeichneten Mufter der Weber,
u, die Vorzeihnungen der Formfchneider ; gem. Krfpr, die Pulver- od. Schufse
hülle, das Schuſsfutter; aud die Papierhülfe fammt der Pulverfüllung,
die Ladung od.der Schuſs; Buchdr. die Papierftreifen, welche auf den Bud):
druderrahmen gelegt werden; die Patron- od, Patronentafche, Taſche
der Soldaten für die Patronen, Ladungs-, Schufstafhe,
patch, ein Naturlaut, welher den Schall nehahmt, den flache Kör-
per im Fallen od. Aufeinanderfchlagen hervorbringen (ſinnv. klatſch), oder
auch den Schall, welchen das Gehen im Waſſer verurfachtz daher pat—
fchen 1., 3w. der Volksfpr. (engl, pash, pat, beat; dän. baske; altd.
battan, angelf, beatan, lat. batuere, mittl. lat, battare, franz, battre,
griech. nerdoosır, ſchlagen) 1) ztelos mit haben, durd Fallen, Schla=
gen, Treten ꝛc. den Schall patfch hervorbringen (2. B. es regnet, daß es
patſcht; mit der Hand patfchen, oberd, f. ſchlagen, Elatfhenz im Waffer, im
Kothe —)5 uneig. oberd, f, ungeſchickt oder unvorfichtig gehen, fid) unge=
fchieft benehmen, fehlen; 2) ziel, f. fchlagen be. mit der flahen Hand
(ein Kind —); durch Schlagen nieder= oder zufammendrücken (die Tenne
—, eben fehlagen) 5 daher auch ſchweiz. ſich — (od. bätſchen), f. zuſam—
menfallen, zufammenbacden, fid zu einen Klump zufammenballen;
der Patſch, -8, M. -e, gem: f. ein Schlag, bef. mit der flahen Hands
ftehendes Waſſer od, Koth, worin man patſcht; ſchweiz. (auch Bätſch) f.
Klumpen, zuſammenklebender Buͤſchel; bair. auch f. eine Ungeſchicklich—
keit, vw. f. ein ungeſchickter Menſch; die Patſche, M. -n, Verkl. das
Patſchchen os. Paͤtſchchen, Volkes u. Kinderſpr. ein Werkzeug zum
Schlagen, z. B. ein breites, flaches Holz an einem ſchiefen Stiele zum Feſt—
fhlagen der Tennen, der Sartenbeete 20.5 niederd, auch f. Ruder; bef. die
Hand, auch der Handfhlag, auf): Patfhhand, Patſchhändchen;
eine Fluͤſſigkeit, welche patfcht, wenn man darin geht, bef. Straßen
koth; daher uneig. gem, f. eine Berlegenheit, Unannehmlichfeit (in die
Patſche kommen u, dgl); — 8ſetz. der Patfchfuß, Shwimmfug der Waffer:
vögelz ein Waffervogel mit folhen Füßen; patfchfüßig, Bw., Patſchfüße
habend; die Patichhand, f. 0:5 patſchnaſs, Bw,, gem. f. fehr naſs; —
Ableit. der Patjcher, -8, wer patfchetz oberd. verächtl. f. Fuß, Schub;
uneig. f. ein plummper, ungeſchickter Menſchz aud eine Ungefchicklichkeit
(vergl. Pati); patſcheln, ziellof, u. ziel, Zw., das verkl. patſchen, insbef.
in etwas Naſſem gehen od, ſich herumbewegen; mit den Händen ftrei=
⸗ ein); paͤtſchen, zielloſ. zw., im Brandenb. f. rudern (f, o,
atſche).
22%
340 patfchen — Paufcht
patfchen 2. od. batfchen, ziel, Zw., (engl. patch; auch bagen, pa&en),
ſchweiz. f. flicken, Lappen auf einander nähen,
Patſcherpe, w., M.-n, (xvahrſch. ſlav. Urfprungs) landſch. gem. 1) f.
Vogelfirfhe (auh Scherbke); 2) f. Schlingbaum (auch Petfcherpe,
Scherpe).
Patt od. Patz, m. -ed, M-e (vergl. das oberd. Batzen, Patzen,
ein Klumpen von weichem Stoffe), niederd. f. Grind; daher der Patt- od.
Patzkopf, f. Grindkopf.
Patte, w., M. -n, Eranz. patte), Aufſchlag am Kleide, Ta—
ſchenklappe.
patzen, ziel. u, zielloſ. zw., oberd. ſ. v. w. patſchen, ſchlagen.
patzig, Bw. (landſch. auch pratzig, protzig), niederd. f. ſtolz und trotzig,
grob und beleidigend im Reden; die Patzigkeit, das Patzigſein.
pauen 1., zielloſ. Zw. (ein Schallwort), niederd. in feinem, klaͤglichem
Tone reden, wie ein klagendes Kind; auch von dem Geſchrei der jungen
Truthuͤhner; in Hamburg f. zanken, widerbellen; daher die Pauke,
niederd. f. ein Kind, das immer Elagt und heult,
: pauen 2. ziellof. u, ziel. Zw., niederd, f, in Koth treten, mit den Füßen
neten.
Pauke, w., M.-n, (wahrſch. v. d. altd, piokan, pouc, biegen, bog,
wegen ber gewolbten Geftaltz ali:oberd, auch: Puk, Baukel, Bunge, fihwed,
pukor), ein Feffelfürmiges, metallened, oben mit einem Felle befpanntes
Tonwerfjeug, welches, mit Stöden geſchlagen, einen ſtarken, dumpfen Schau
giebt (au Keffelpaufe od, Keffeltrommel genanntz die Paufen fchlagen zc,) 5
uneig, ein walzenfürmiged Gefäß, bef. zum Kaffeebrennen (Saffeepaufe od,
-trommel); bei den Orgelbauerns eine Orgeljtimmez Anat. der Theil des
innern Ohres, wo der Gehörgang nad) innen endet; — paufen, zielloſ. u.
ziet, 3w,, die Paufen fchlagenz gem, in weiterer Bed. und als Schallwort
überh. f. ſchlagen mit Hervorbringung eines dumpfen Schalles, aud) f. prüs
geln (einen derb pauken, durchpaufen u, dgl. m.) 5 niederd, auch f. ſchwatzen,
plaudern; fehelten (vgl. pauen) der Paufer, -8, wer pauft, ein Pau—
kenſchlaͤger; niederd. f. Schwäßer, bei. wer einem Andern nad) dem Munde
fhwagt (Maulpaufer); die Paukerei; M. -en, gem. f. Schlägerei;
Studentenfpr, f. Zweikampf; — 3feg. v, Paufe: das Paufenfell ‚, bas
über eine Paufe gefpannte Fellz Anat. ſ. v. w. das Trommelfell im Ohre;
die Paufenhöhle, Söhlung im Ohres der Paukenſchall; der Pauken—
ſchlag; der Paukenſchlaͤgel, Paukenſtock; der Paufenwirbel, Wirbel
od, Schraube zum Spannen des Paufenfells; ein gewirbelter Paukenſchlag.
Pauluhn od. Pageluhn, f., (aus Pau f, Pfau und . zgeſ.) nie:
derd. f. Pfau,
Pausback, Pauſch ꝛc. ſ. Bauſch.
Pausblume, w., landſch. f. Schlüffelblume,
yaufchen od. päufchen, ziel. Zw., Bergw. f. fihlagen, zerſchlagen,
Hein fchlagen (Erz, Schladen); aud f. ſchmelzen, ausfchmeljen (ausge:
pauſchte Schladen, die fhon mehrmals ausgeſchmelzt find und fein Erz
mehr enthalten); der Päufchel, -8, M. w. E., ein ſchwerer Hammer
im Bergbau,
Paufcht, m., -ed, M,-e, Papierm. f.v, w. Buſcht, fd.
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Pauſe — Pech) 541
Pauſe, w., M.-ın (niederd. Poos, Pofes Bergw. Pofe, Bofe; v. d.
lat. pausa, u. biefes von d, griech, mavcıs v. navew, aufhören machen), daß
Aufhoͤren, die Unterbrehung, der Stillftand od, Nuhepunft, die Raſt;
bef. Zont, dad Innehalten, die Nuhezeit, und dad Zeichen dafıır:
Schweige- od. Ruhezeichen (eine ganze, halbe Paufe 2c.) ; paufiren, ziel:
lof. Zw. (mittl, lat, u, ital, pausare) eine Paufe machen, innehalten.
paufen u. verft. pauften, ziellof. 3w., landſch f. baufen, baufchen, ſ. d—
Pautkebeere, w., preuß. f, Kratz- od. Ihaubeere,
Navian, m., -e&, M.-e (ital, babuino, franz. babouin), eine Art
kurzgeſchwaͤnzter, großer Affen in Afrikas uneig. ein HAfslicher, auch wohl
ein geiler Menſch; Schiff. der Bootswädhter.
Pech, fr, -d, Ms -e (ungebr.) (wohl v. d, lat, pix, griech. loo« ent:
lehntz altd. peh, angelf. pic, engl, pitch, ſchwed. beck, nieberd. Pi),
ein verdichted, klebriges Harz von fchwarzbrauner Farbe, aus Fickten- od,
Kienſtbcken gefotten (ſprichw. wer Ped) angreift, befudelt ih); uneig, Stuben:
tenfpr. f. Ungluͤck, Miſsgeſchick; — 3fes. der Pechbaum, ein pechgeben—
der Baum, def, die gemeine Kiefer; die Pechblende, Bergw,, ſchwarze
Blende, aus Eifen, Zink, Schwefel und Xrfenik beſtehendz der Pechbren-
ner, wer Pech aus dem Harze od. den Kienftöden brennt, aud Pechhauer
genannt; der Pechdrath, zufammengedrehete und mit Pech beftrichene Fäden,
deren fi) die Schuhmacher zum Nähen bedienen; dad. Pecherz, Bergw.
ſchwarzes, glänzendes Kupfererz; die Pechfadel, ſ. Fackel; die Pechflechte,
eine in Schweden auf Klippen wachſende ſchwärzliche Flechtenart; das Pech—
holz, Forſtw., jedes Holz, aus welchem Pech gebrannt werben kann, Harz-,
Nadelholz; die Pechhütte, eine Hütte, in welcher Pech gebrannt wird; die
Pechkappe, =haube, -mübße, eine inwendig mit Ped) überzogene Kappe,
um damit den Kopfausfchlag abzureißen; uneig. eine Eleine ſchwarze Kappe,
welche man unter dem Hute trägt; die PechFohle, eine Art fefter und fetter
Steinfohlen, Schmieder, Glanz-, Harzkohle; auch ein ſchwarzes, glänzen:
des, derbes Bergpech, ſchwarzer Bernftein; der Pechkranz, ein aus brenn-
baren Stofien geflodhtener, mit Pech Überzogener Kranz, zur Erleuchtung,
oder im Kriege zum Anzlinden von Gebäuden 2c, gebraucht; die Pechnelke,
eine Wiefenpflanze mit röthlichen oder weißen, nelfenähnlichen Blumen, auch
Pechblume, Gauchnelke, Kuckuksblume ꝛc.; eine verwandte Pflanze mit ro:
then, ährenformigen Blumen mit einer Eebrigen Feuchtigkeit, Kiebenelke,
Müdenfangz aud) eine Art bes Leimkrautes; der Pechofen, der Ofen in ei:
ner Pehhütte, in welhem das Pech gebrannt wird; das Pechoͤl, ein mit
Wein aus dem Peche gezogenes DL, ald Heilmittel in Nervenkrankheiten ge:
braucht; das Pechpflafter, aus Pech beveitetes Pflaſter; pechſchwarz, Bw,
fo ſchwarz wie Pech, ſehr ſchwarzz der Pechflein, eine in der Gegend von
Meigen fi findende Steinart von verfsiedenen Farben; die Pechtanne,
“ Fichte, Harz: od. Rothtannez die Pechtonne, eine mit Pech und brennbaren
Stoffen angefülte Tonne zur Erleuchtung oder als Feuerzeichen bei Nacht;
der Pechtorf, der beſte ſchwarze Torf; — Ableit. pechen, Bw. 1) ziel:
los, Pech machen, brennen (oberd, auch pecheln, picheln)z; wie Pech
kleben; 2) ziel. mit Pech beſtreichen, uͤberziehen, verkleben, gew. pichen;
der Pecher, Pecherer, Pechler, - 8, landſch.f. Pechbrenner; pechicht,
342 pedden — Peitſche
Bw., pechaͤhnlich; pechig, Bw., Pech enthaltend, mit Pech beſchmiert
oder beſudelt.
pedden, ziel. und zielloſ. Zw., niederd. f. treten, gehen, vergl, padden.
Meddig od. Peddik, m., -e6, 0. M. (angelj. pitha, engl, pith), nie:
derd. f. das Innerſte, Mark; bef. Forſtw. das Mark im Holze; der verhär-
tete Eiter in einem Geſchwüre.
Peden, die, o. E., landſch. f. Quecken, Gradwurzeln, vergl. Pad-
dengras.
Pegel, m., -8, 1) alt und landſch. ein Maß; insbeſ. Waſſerb. dad an
einer Brücke od. Schleufe eingehauene Merkzeichen der Wafferhöhe, der
Maffermefferz ehem, niederd, ein Maß zu Fluͤſſigkeiten, ein halbes Nößel;
auch ein Ring im Innern einer Kanne zum Abmefjen des Trunkes; 2) in Dam:
burg: mittelmäßige Alte der Bäume als Brennholzz — pegeln, zielloſ.
Zw., 1) die Tiefe des Waſſers meffenz 2) gem. niederd, f. faufen (auch:
pihen, picheln)z daher der Pegler, -3, f, Saͤufer.
Neil, ſ., -e8, M. -e (wahrfh. = Pegel, aus welchem Peil zgez.),
Schiff. ein Merfmal der Waſſerhoͤhe; peilen, Schiff. f. meffen, unterfus
chen, 3. B. die Meerestiefe mit dem Senkblei, die Höhe der Sonne über ber
Mittagslinie ze. , der Peilkompaſs, ein Kompafs zur Unterfuhung der Tage
entfernter Gegenſtände; der Weilftock od, dad Peilholz, ein Stab zum Meften
der Waſſerhbhe.
Deilkefpiel 2c. f. Beilkefpiel.
Nein, w., 0, M. (altd, pina, niederd, Pien, angelf. pin, engl. pain,
franz. peine; vom Yat. poena, griech. own, Entgelt, Strafe); ehem. f.
Strafe (vergl. Pon), inöbef. Leibeöftrafe, Marter, Folterz daher jest:
heftiger Schmerz, Dual des Körpers od. der Seele (Pein empfinden, eis
nem Pein verurfahen 2c.)5 niederd, auch f. Mühe, Anftrengung, Arbeit;
— 3feg. die Peinbank, Folterbankz peinvoll, Bw., fhmerz:, qualvollz
— Ableit. peinen, ziel. Zw. (altd. pinon, niederd, pienenz angelf, pi-
nian), alt und landſch. f. ſtrafen, plagen, quälen, gem. peinigen; oberd.
auch f. antreiben, bemühen; ſich —, f. fich anftrengen, beftrebenz pei⸗
nigen, ziel. Zw., einen —, ihm Bein verurfachen, ſinnv. quälen, mars
tern, foltern; daher die Peinigung, dad Peinigen; der Peiniger, - €,
die Peinigerinn, M, -en, mer peinigtz ehem, bef. der Henker; peinlich,
Bw., 1) Rfpr. Leibes- und Lebensſtrafen betreffend (fe, criminal od, cri-
minell; das peinliche Gericht, weldes über Leben und Tod richtet; pein—
liche Gefege; einen peinlich anflagen, d.i. auf Leib und Lebenz die peinliche
Frage, ehem. die Befragung eines Beklagten durch die Folter, fr. Tortur);
2) großen Schmerz verurfachend, fehr fchmerzhaft (ein peinliher Zod) 5
def. dad Gemuͤth quaͤlend, große Unluſt verurfachend (eine peinliche Lage) 5
3) uͤbertrieben ängftfich und bedenklich, ſchwierig und mühfelig (ein pein:
licher Menſch, peinlich fein, arbeiten 26,)3 die Peinlichfeit, dad Peinlich-
fein in den Bed. 2) u. 3); ehem, auch die peinliche Gerichtäbarkeit, das
Halsgericht.
Peitſche, w., M -n, Verkl. dad Peitſchchen (iederd. Pietske,
ſchbed. piska, böhm. bie, poln, bicz), ein Werkzeug zum Schlagen, be—
frehend aus einer Schnur, die an einem Stocke befeftigt ift, bef. zum
Untreiben der Thiere dienend, vergl. Geifel, Karbatſche (Buhrmanns:, Hetz-
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Peitſchker — Pelz 343
Hundepeitſche 26,5 mit der Peitſche Enallen, klatſchen) Bergw, ein breites,
flaches Holz, womit die Rupferblehe gleich gefhlagen werden; uneig. Na:
turk. ein langer, ſchmaler Fiſch, der einen Enurrenden Laut von ſich giebr,
daher: Knurrpeitfche od. gem, Knurrpietfche, aud Meer: od, Stein:
peitſchez — Bes. dad Peitfihengefnall; der Peitfchenhieb; der Peit—
ſchenknall; der Peitfchenflab, =fiiel, -ſtock 2c.; die Peitfchfchlange,
eine fihöne, unſchädliche, über ſechs Fuß lange und fehr dünne Schlange in
Alien, Afrika und Amerika; — peitſchen, ziel, u. zielof. Zw., (niederd.
pietöfen, flav.. bic, bicz; wahrſch. ein Schallw. wie patfchen), mit der
Peitſche Schlagen (ein Pferd, einen Hund), od. knallen; in weiterer Bed,
klatſchend an etwas ſchlagen (die Wellen peitſchen das Ufer od. an das Ufer);
eine Flüſſigkeit anhaltend ruͤtteln (den Wein peitſchen, d. i, mit Hauſenblaſe
umerütteln, um ihn klar zu machen), der Peiticher, -8, wer peirfcht,
Peitſchker od. Peitzker, m., -8, f. Beißker.
Det, w., ſchweiz. f. Petze.
Pekeſche od. Pikeſche, w., M. -n (wahrſch. ſlav. Urſprungs), ein pol—
nifcher Überrock mit Schnüren und Quaften befest.
Delle, w., M. -n (bel. pelle, engl, peel; verw. mit d, lat. pellis,
Hautz vergl. Pale, palen), landſch., bef, ſchweiz. u, brandenburg, f. Schale,
Hülfe, insbeſ. die Auferfte grüne Scale der Nüſſe, die Hülfe der Schoten
u, die Schale der Kartoffeln ; daher Dellfartoffeln f. Kartoffeln in der
Scale; pellen, ziel, Zw, (engl. peel, franz, Beled), landſch. f. ſchaͤlen, der
Schale berauben,
Peltfchen, die, o. E., landſch. gem, f. dad Beilfraut od, die Vogel:
weide.
Pelz, m., —es, M.-e, Verkl. das Pelzchen (altd. pelliz, pellez,
angelſ. pylce, engl, pelt, ſchwed. pels, franz. pelisse; vom lat. pellis,
verw. mit Fell, Filz), in weitefter Bed. Haut, Dede, Bekleidung, bef.
eine weiche, dicke, filzichte Decke, z. B. der Schimmel, die Sahne, in ein:
ander gefchlungenes Moos u. dgl. m. ; in engerer Bed. eine mit weichen Haas
ren Dichtbewachfene Thierhaut (3. B. des Schafes, des Bären); uneig. gem,
überh, f. die Haut eined Ihiered od. Menſchen, u. der Leib felbit G. B
einem auf den Pelz fihiegenz einem den Pelz ausklopfen od. wafchen, gem, f.
ihn fchlagen ; einem den Pelz waſchen und ihn nicht naſs machen, d. i. ihn mit
übertriebener Schenung behandeln) 53 insbef. als Stoffnamen o. M. mit Bei—
+ behaltung der Haare gegerbte Ihierhaut, Pelzwerk, Rauchwerk (einen
Rot mit Pelz futtern)z; ein aus Pelzwerf geinachter oder damit gefutterter
Rock od. Mantel (einen Pelz anziehen, tragenz ein Schaf, Fuchs-, Wolf:,
Zebelpelz 20.)5 — Bet. dad Pelzfutter, Unterfutter von Pelzwerk; der
Pelzhandel; der Pelzhaͤndler; der Pelzbandfehuh, die Deigkappe,
zmüße, der Pelzkittel, toller, = Tragen, mantel, —rock, —ſchuh,
eftiefel ꝛtc. , verfchiedene aus Pelz verfertigte oder damit — Keidungs:
ftüdez der Pelzkäfer, der Käfer, deffen Larve die Pelzmotte, eine dem.
Pelzwerk ſchädliche Motte, iftz der Pelzkamm, ein eiferner Kamm der Kürſch—
ner zum Reinigen des Pelzwerks; der Pelzfern, ein Pflanzengefchlecht in
Afrika und China mit wolligen Iweigen, Blättern und Samenfernenz die
Delzmeife, Schwanz: od. Bergmeife; die Pelzraupe, mit dichten Haaren
bedeckte Kaupez der Pelzſammt, langhariger Sımmt zum Kleiderfutter,
344 pelzen — Perle
Felbel; die Pelzwaare; das Pelzwerk, Sammelmw, o. M,, Pelze und bar:
aus verfertigte Kleidungsftüdes — Ableit. pelzen, ziel. Zw. 1) ſchweiz. f.
die Haut von etwas abziehen, ed fchinden, fehälen (einen Hafen, Kar:
toffelnz; vergl, pellen) 2) oberd, gem. f. den Pelz fchlagen, einen pritgeln
od. werfen (engl, pelı); uneig. auch f. ſchimpfen, ſchmaͤhen; der Pelzer,
-8, landſch. wer pelzt; niederd. f. Pelzarbeiter, Kuͤrſchner; pelzicht,
Bw., pelzaͤhnlich, haͤutig, zaͤh (pelzichte Birnen 2c.); pelzig, Bw., mit
einem Pelze uͤberzogen; Naturk. mit dichten Haaren beſetzt.
pelzen, ziel. Zw. 1. ſ. Pelzs 2. (altd. belzen; vielleicht von Pelz in der
weiteren Bed. Haut, Rinde) oberd, f. pfropfen, impfen, indem man das
Pfropfreis zwifchen die Rinde und das Holz einfegt 5 in weiterer Bed. f, pflan=
zen, ſetzen; uneig. f, erzeugen; daher: das Pelzbein, = mefler, Werk:
zeuge der Gärtner zum Pelzen; die Pelzſchule, eine Baumſchule von ges
pelzten Bäumen; das Pelzwachs, Baumwachs zum Verkleben der Stelle,
wo ein Baum gepelzt iftz der Pelzer, -&, wer pelzt, landſch. f. Baum—
gärtnerz auch f. ein junged Stämmchen, auf weldes ein Impfreis ge:
fest ift.
pemmeln, zielloſ. 3w,, landſch. gem, f. tandelnd herumlaufen,
Pendel, fe, -3, M. w. E. (ehem, Pendul geipr.; franz, pendulez '
v. d, lat. li etwas Hangendes, Schwebendes), ein Schwing od.
Schwunggewicht, d. i. ein an einem feften Punkt fo aufgehängtes Gewicht,
daf es fich in gleihlinigen Schwingungen hin und herbewegt (fr. auch Perpendi—
kel), bef. an einer Uhr, welche daher eine Pendeluhr heißt,
Penich, m., -8, landſch. f. Fench, fd.
Nenn, m, es, M.-e (engl. pin; vergl. Pinne), niederd. f. hölger-
ner Nagel, Zapfen, Pflock; hoͤlzerner Thürriegel; pennen, ziel, Zw.
f. mit hölzernen Nägeln verſehen; verriegeln.
Denfel od. Pemfel, m., -8, M. w. E., landſch. f. Pinfel, f. ®.
Denterbalfen, m., Schiff. Bi lofer Balken, deffen man fich bedient,
um den Anker auf den Bug zu feßen od. zu Eippen, was man aufpentern
nennt; der Penterhafen, ein Hafen zum Aufpentern od. Kippen des Ankers,
Peping od. Pepping, auch Pipping, Peperling, m., -ed, M.-e
(engl, pippio), eine Art fehr feiner, wohlſchmeckender Apfel, Aa dir
Rußling genannt.
Pergament, f., -ed, M. -e (ehem. Pergamen ; landſch. zgez. Perment,
Pirment, Pirmat, Permut u, dgl. m,5; franz, parchemin 3 'onm lat, charta
pergamena, mittl. lat, pergamentum, von der Stadt Pergamum in Aften,
wo es zuerft bereitet fein fol), ald Schreibeitoff zubereitete, gefchabte und
getrocknete Ihierhaut, Schreibleder, Hautpapier, Lederpapier, ehem.
auch Buchfell genanntz auch eine Handfchrift, Urkunde u, dgl, auf Pers
gament (ein Pergament); — 3feg. der Pergamentband, Einband eines
Buches aus Pergament; dad Pergamentband, Anat, pergamentactige
Bandadern od, Sehnen; die Pergamenthaut, Anat. pergamentähnliche
Häutchen in menſchl. u. thier. Kbrpern; der Vergamentmacher, = fchaber
2.5 — Ableit. pergamenten, Bw., aus Pergament gemacht; der
Dergamenter, -8 (oberd, Permenter, Pirmenter 2c.), landſch. f. Perga=
mentmacher,
Derle 1., w., M-n, Bert. dad Perfchen (althochd. perala (neben
— —
— er
man mn
Perle 345
merigrioz, lat, margarita, vgl. Margarethe), mittelh, diu berl, verkl.
daz berling nieberd, Berelz ſchwed. perla, engl, pearl, franz. perle; viel
Veiht von Beere? vergl, d. lat, gemma, bacca), rundliche, weiße, matte
glänzende Auswuͤchſe in den Schalen der Perlenmuſcheln, als ein koſtba—
rer Schmuck dienend (daher auch uneig, f. eine Sache od. Perfon von vorzüglis
chem Werthe); echte Perlen, entg. den unechten od. falfdyen Glas-
od, Wachöperlen, weldhe auch Wefferperlen genannt werden (Perlen fiſchen,
d, i. die Perlenmufcheln aus der Tiefe des Meeres heraufholenz; Loth, Zahl-,
Kerten:, Staubperlen, verfch. Perlenarten)z; in weiterer und uneig. Anwen—
dung: verfchiedene rundliche Maſſen, 3. B. die Eraufen Auswüchſe un der
fogen, Rofe des Hirſchgeweihs; verhartete Feuchtigfeit im Auge; beim Ein-
ſchenken von Getränken auffteigende Luftbläschen; Thautropfen, Thränen u.
dgl.; Landfch. f. dad Heupferd od, die Waſſerjungfer (vermuthtidy weaen der
glänzenden Augen); das Perlchen, eine Urt Blafenfchnecke: weißer
Kürbifs, u. eine Urt geſaͤumter Porzellanſchnecke; — 3fes. die Perl-
afche, reinfte Pottafche; die Perlbirn, eine Art Eleiner, länglicher Septem-
berbirnen, Honigbienz die Perlbohne, eine Bohnenart mit kleinen, faft
zunden, weißen Bohnen; die Perleule, Schleiereute mit perlförmigen Fledenz
die Perlfarbe, grau: od. bläulich-weiße Farbe der Perlen; daher perlfarben
od. perlfarbig, Bw.; der Perlfifch, ein ſchmackhafter Weißſiſch in Oftreich 5
die Perlfliege, eine Art.Eleiner Flor- od, Stinkfliegen; das Perlgras, ein
auf unfruchtbaren Hügeln wachfendes Futtergras, bef. das Hafergras; die
Derlgraupe, Eleine ganz runde, periförmige Graupen, oberd. Perlgerfte;
die Perlhirfe, Steinhirfes dad Perlhuhn, eine Art afrifan, Hühner mit
perifarbigen Flecken auf ſchwarzem Gefieder; der Perllauch, eine Art Lauch
mit vielen Kleinen perlähnlichen Zwiebeln; die Perl= od. Perlenmufcel,
jede Muſchelart, in welcher fi Perlen erzeugen, bef. die Perkmuttermufchel,
ſ. u.ʒ die Perlmutter od. Perlenmutter, gew. Perlemutter genannt,
die innere glänzende Schale der Perlmuttermufchel, zu allerlei Eleinen Kunſt⸗
arbeiten gebraucht; die Perlmuttermuſchel, die Art Miesmuſcheln, welche
die ſchönſten und koſtbarſten Perlen liefert; die Perlmutterſchnecke, eine
Schneckenart mit unregelmüßig gewundenem Gehäuſe, deren Schale inwendig
wie Perlmutter glänztz der Perlmutterſtein, ein perlmutterähnlicher Alaba:
ſter; der Perlreiher, braſiliſcher Reiher; das Perlſalz, Scheidek. Harnſalz
vom zweiten Anſchuſſez der Perlſand, mit runden Quarzkbrnern gemiſchter
Sand; die Perlſchrift, feinfte Oruckſchrift; der Perlftein, ein Trapp mit
Kalkſpathkbrnern ; der Perlzwirn, feiner Zwirnz — die Perlenaufter,
Perlmuſchelz; die Perlenbank, Felſenbank im Meere, an welcher fi Perl:
mufcheln finden; der Perlenfang; der Perlenfänger od, =fiicher, =tau=
her, =fucher; die Perlenfifcherei; der Perlenfranz, die Perlenkrone,
Kranz, Krone mit Perlen befestz das Perlenkraut od. Perlfraut, wilder
Steinfamen, Steinhirſe; Aderipergel; das Perlenfupfer, in Körner ge:
goffenes ſchwed. Kupfer; der Perlenfamen, die Eeinften Perlen, Staub: od,
Samenperlen; der Perlenfchmud; die Perlenſchnur; der Perlen—
ſchwamm, gefprentelter röthlihgrauer Fliegenſchwamm; der Perlenfticer,
die Perlenftiderinn, wer mit Perien ſtickt; die Perlenftiderei; dad Per-
ienthierchen, eine Art Flimmertbierhen, das Knopfthierhen, mit bloßen
Augen nit erkennbar; der Perlenvogel, sin perlfarbiger Schmetterling;
346 | Derle — Perfon
die Perlenwarze, Eleine halbrunde Auswüchſe in den Perlmuſcheln, von ge:
ringerem Werthe alö die Perlen; — Ableit. perlen, ziellof. 3w. m. ba:
ben, Eleine Luftbläschen auffteigen laffen (der Wein perlt im Glaſe); dicht.
perlähnliche Tröpfchen bilden od. zeigen (dev Thau perlt auf der Rofez das
Laub perit vom Thaue); Perlicht, Bw., perlähnlich,
Perle 2. w., M.-n, landſch. ein mit Löchern durchbohrted Brett,
z. B. die durchlöcherte Scheibe des Butterfaffes,
Perrüde od. Perüde, w., M.-n, Verkl. dad Pecruͤckchen, (auf
Perrude, und ehem, Parude; vom franz. perruquez engl, peruke, peri-
wigz ein Wort von dunkler Herkunft), eine aus fremden Haaren verfertigte
Kopfbedeckung, Haarhaube, Haarmuͤtze (Beutel:, Knotenz, Stutz⸗
Schwanz:, od, Zopfperrücke 2c,); der Perruͤckenbaum, f. Fürberbaum ;
der Perrüdenfopf, Perruͤckenſtock; ein hölzerner Kopf od, runder Kiog,
auch ein bloßes Geftell, die Perrüce darauf zu feßen od, zu hängen; uneig. ein
alberner, ſteifer Menſchz der Perruͤckenmacher; die Perrudenfchachtel,
Schachtel zur Verwahrung der Perrüden; die Perruͤckentaube, Hauten: od.
Säleiertaube,
Ders, m., — es (altfranz. pers, aus d. mittl, lat, persicus, blauge:
färbt), oberd, f, farbiged Baummollenzeug, Kattunz; perfen, Bw., f.
Fattunen,
Perſch od. Perfing, m., zes, M, -e, auch: Perske, Perſchke,
Poͤrſchke, w. M.-n, landſch. f. der Bord od. Bars, f. d.
Derfig od. Perfih, m., —es, M.-e, landſch. f. Pfirſich.
Perfon, w., M.-en, Berl. dad Perſoͤnchen (v. d. lat. persona,
eig. Maske, Rolle; franz. personne, engl. person), 1) überh. ein Menſch,
ohne Rückſicht auf das Gefchleht, ald ſelbſtbewuſſtes, willenäfreied Einzel—
wefen, entg. der felbftlofen Sache (z. B. dreißig Perfonen; die Perfon bezahlt
einen Thaler; eine männliche, weibliche Perfon, gem. Manns: , Frauen: od.
Weiböperfonz in Perfon, in eigner Perfon, d. i, ſelbſt; ich für meine
Perfon, d. i. was mic ſelbſt betrifft); 2) ein Menfh nach gewiffen be=
fonderen Beziehungen: a) nad) Geftalt, Größe, Wuchs, Außerer Bil-
- dung (eine anfehnliche, od, unanfehnliche 2, Perſon; einen von Perfon
fennen, d. i. feiner äußeren Geftalt nah; er ift Elein, groß, ſchön ze. von
Perfon); b) dem bürgerlichen und gefellfchaftlichen Berhältniffe, dem
Stande, Range nach ꝛc. (die Perſon anſehen, d. i. in der Beurtheilung u,
Behandlung Anderer ſich durch ihre Außeren Verhältniſſe beſtimmen laſſen;
ohne Anſehen cd, Unterſchied der Perſon ſtrafen, richten u. dgl.); insbeſ. von
Derfonen von Nang u. Unfehen f. Menfch, Leute gebraucht (4. B. hohe,
fürftlide Perjonen, eine Standes-, Raths-, Gerichtsperfon 2c.); aber aud)
mit dem Nebenbegriffe der Geringſchätzung, bef. von weiblichen Perfonen
(z. B. was will die Perfon?)5 ce) der ganzen aͤußeren und inneren Eigen-
thuͤmlichkeit nach, bef, fofern diefelde im Schauſpiel Fünftlerifch dargeftellt
wird, ſinnv. Rolle (ein Schaufpiel mit ſechs Perfonen 5 eine Perfon gut fpie:
len od, darftellen; ftumme Perfonen, Nebenperfonen, die im Schaufpiel
auftreten, ohne zu reden; uneig. auf Verhättniffe des Lebens Übertragen:
feine Perfon gut, od. ſchlecht fpielen; eine lächerliche Perfon machen cd, ſpie—
ten, d. i. fich lächerlich benehmen)z; 3) jeded felbftändige und vernünftige,
od, ald folches gedachte und vorgeftellte Weſen (z. B. in der Fabel treten
| Peruͤcke — Peft 347
Thiere als Perſonen auf; Tugenden, Laſter u. dgl, als Perſonen aufführen z die
drei Perſonen in der Gottheit: Vater, Sohn und heiliger Geift); 4) Sprachl.
dad dreifad) verſchiedene Berhältnifd, in welchem der Gegenſtand der
Nede zu daten ſteht, je nachdem er entweder der Redende felbft iſt (erfte
Perfon, z. B. ich ſchreibe), oder der Ungeredete (zweite Perfon, z. B.
du Liefeft), oder endlich ein Dritter, von welchem geredet wird (dritte Perjon,
z. B. er, fie, es Lieft); — Bfeg, die Perfonendichtung, Dicht: u. Re:
dei., Darftellung lebloſer Gegenftände als Perfonen (fr. Perfonification oder
Profopopdie); der Perfonennamen, diejenigen Haupt: oder Nennwörter,
welche Perfonen bezeichnen, entg. Sahnamenz das Perfonen= od. Perfon-
wort, ſ. v. w. perfönliches Fürwort (fr. pronomen personale, f, Fürwort),
diejenigen Fürwbrter, melde die 3 ſprachlichen Perfonen (f, o. 4) ausdrücken
(ch; du; er, fie, es; M, wir, ihr, fie); — Ableit. perſoͤnlich, Bw.
u. Nw., die Perſon betreffend, ihr angehoͤrend, oder fie angehend (per:
fönliche Beleidigungen , perſönliche Feindſchaft, perfünlihe Eigenfhaften, Ver:
hältniffe 2c.) 3 insbef. in dem Weſen der Perfon als fittlich= freien Einzel—
weſens gegruͤndet (perfönliche Rechte und Pflichten) ; als Nw, ſ. v. m. in
Perſon od. von Perfon (f. 0.5 3. B. perfönlid) erfcheinens Jemand perfänlich
kennen); Sprachl. perfönlide Fürwörter, f. o. Perſonenwort; per:
fünlide Zeitwbrter (fr. verba personalia), ſolche die mit den Fürwör—
tern ich, du, ex 2c, verbunden die 3 fprachlichen Perfonen ausdrüden, entg. unperz
föntidje Zw. (f. d.); die Perfünlichkeit, dad Perfönlichfein, die Eigenfchaft
der felbftbewufften und willensfreien Perſon; die befondere Eigenthuͤm—
lichfeit einer Perfon (eine anziehende Perfäntichkeit); dad Berhältnifs, die
Rage und Umſtaͤnde einer Perſon (bef. in der Mehrh, Perfönlidkeiten,
fe, Perfonalien ob. Perfonatitäten) ; insbef, auch feindfelige, gehäffige An—
griffe auf die Perfon, perfönliche Anzuͤglichkeiten (Perfönlichkeiten bei einem
Streite einmifchen).
Peruͤcke, w., ſ. Perruͤcke.
Peſel, m., As, M. w. E., im Brandenb. der Peſerich, —es, M.
-e (holl. pees, engl, pi⸗-le; = Fiſel), niederd. gem, f. das männliche
Glied, beſ. der Ochſenziemer.
Perl, w., M. -n, auch Pifel, Püfel, niederd. f. Stube, Gemach.
Peſt, w., M. -at, (v. d. lat. pestis; daher franz. peste, engl. pest),
eine bösartige; anfterfende und ſchnell tödtende Krankheit, finnv, Seuche,
landſch. aud dad Sterben (auch die Peftilenz, v. lat, pestilentia), bei
Menſchen und Vieh (die Peſt herrfht od, wüthet in einem Lande; die Rinder:
peſt 26; daß dich die Peft! näml. befalle, gem, Verwünſchung); in engerer
Bed. die morgenländifche (orientaliſche) Peſt, welche Giftbeulen erzeugt und
in wenigen Stunden tbdtet; uneig. f. eine hoͤchſt ſchaͤdliche, verderbliche
Sache (unſittliche Menſchen find eine Peſt der Geſellſchaft); — 3fes. peſt⸗
aͤhnlich, peſtartig, Bw. (z3. B. eine peſtartige Krankheit); die Peſtartig—
keit; der Peſtarzt, Arzt für Peſtkranke; die Peſtbeule, -blaſe, -blatter,
‚edrüfe, Beulen, Drüſen ꝛc., welche bei Peſtkranken ausbrechen; der Peft-
dampf, -hauch, -qualm, verpeſteter, verderblicher Dampf ꝛc.; der Peſt⸗
eſſig, mit Kräutern zubereiteter Eſſig als Schutzmittel vor Anſteckung durch
die Peſt; der Peſtgeruch; peſtkrank, Bw., von der Peſt befallen; der,
die Peſtkranke ats Hw.; das Peſtmittel; der Peftwogel, auch Pefti-
348 Peftel — Petſchaft
lenzvog el, eine Art Seidenſchwänze mit weißlich gefaumten Federn, welche -
nad) dem Volksglauben durch ihre Annäherung eine bevorftehende Peft ankün—
digen, Todtenvogel, Neſſelfinkz die Peſtwurzel, eine mit der Kreuzwurzel
u, dem Huflattid verwandte Pflanzengattung (tussilago petasites L.); auch
f. Geißraute, (beide auch Peftilenzwurz genannt); — Ableit. pefthaft
u, (felten) peftifch, Bw., peitähnlich, peftartig.
Peftel, w., M.-n, Landw. Zaunpfähle mit Löchern, durch welche
die Latten oder Stangen geftedit werden.
Peter, m., -5, M. w. E., Berl. Peterchen (mit lat. Endung
Petrus, z.B. der Apoftel Petrus; v. d. griech neroos, Stein, Fels), ein
männficher Taufnamenz; Volksſpr. ein dummer Peter, fi dummer
Menſch (vergl. Hane); — 3fes. der Petermann od. das Petermännchen,
1) eine rheinländiſche Münze mit dem Bilde des Xpoftels Petrus, in Aachen
— 4% Pfennigez ein großes Petermännden cd, ein Peterbagen,
im Zrierifhen = 5 Kreuzer od. 3 gewöhnliche Petermänndyenz 2) eine Art
groben Wollenzeuges 5; 3) Naturf, verfchiedene Seefifche, namentlich: her Sta:
cheldrache u. ſ. v. w. der Petersfiſch od. Meerſchmied; dad Peterskorn,
landſch. f. Dinkelz Lolch od, Mäuſehafer; das mittlere Zittergras; das Pe—
terskraut, f. Glaskraut; herbſtlicher Löwenzahn; eine Art Heckenkirſchen;
eine Art Sohanniskrautz; der Abbifs od. Teufelsabbifs ; die Kreuzwurz 26 5
der Petersſchluͤſſel, landſch. f. Schlüſſelblume, Himmelsſchlüſſelz u. f.
Mondraute; der Petersvogel (auch St, Peter genannt), Schiff. f. Sturm:
od. Ungewittervogel (weil er nahe über dem Waffer flatternd gleihfam wie
der Apoftel Petrus darauf zu gehen ſcheint) die Peterswurz, eine Art des
Zohanniskrautes in Sibirien, Kanada 2c.; — Ableit. das Peterlein, - 8,
auch der Peterling, - es, landſch. f. Peterfilie, auch f. Sartenfchierling
od. Gleiße.
petern, auch pettern, pittern, ziellof. Zw., Tandfch. gem. f. mit den
Fingern: in etwas grübeln oder ſtoͤckern (3. 8, in der Nafe), an etwas
zupfen, ſpielen, Fünfteln.
Peterfilie, w., o. M. (gem, Peterfiliez oberd, Peterlein, Pe:
terlingz niederd. bloß Silk; lat. petroselinum, vom griech, mergooekıvor,
d. i. wörtlich: Steineppic), ein Doldengewächs, deffen Blätter und Wur—
zel in den Küchen gebraucht werden, insbef. die gemeine, ſchmalblaͤttrige
Peterſilie, auch Öarteneppich genannt; andre Arten find: die fraufe 9,5;
die englifches die breitblättrige od, ſtarkriechende P., Wafferpe:
terfilie; wilde Peterfilie od, Hundspeterfilie, landſch. f. Schier—
ling, Gleißez Bergpeterfilie, eine Art des Bogelnefies, ſ. d.; 8ſetz.
dad Peterfilienblatt, -kraut, die Peterfilienwurzel ꝛc.; der Peterfi-
lienwein, eine Art Weinftöde, deren Blätter dem Peterfilientraut ähneln,
Petſchaft, fe, -ed, M.-e, alt und landſch. auch dad Petfchier, —-es,
N, -. (gem, auch Pitfhaft, ehem. Bitſchig, Pitſchet ein flav, Wort aus
dem böhm, peczet erft im Löten Jahrh. ins Deutfche übergegangen, und dur)
Umwandlung der Endung in [haft ein deutfches Anfehen gewinnend), ein
Werkzeug von Metall od. Stein zum Siegel (ein Petſchaft ftehen); das
Petſchier (nicht leicht Petſchaft), auch der Abdruck des Petſchafts,
dad Siegel; der Petſchaft- od. Petſchierring, Siegelring; der Petſchaft⸗
od. Petfchierftecher,, wer in Petſchafte Namenszuge, Wappen ıc. ftihtz das
Sp
—— ———
— üüü—
DEF
— —
» »
Petſche — Pfaffe 349
Petſchierwachs, oberd. f. Siegellack; petfchieren, ziel. Zw., landſch. f.
iegeln.
Wette, w., M.-n, landſch. gem., def. auf der Elbe, f. Steuer od,
Ruder; perfchen, zielof. Zw., f. rudern,
Petſchel, fe, -8, M. mw. E., ſchleſ. f. dad Kalb.
Petſchier, ſ., ſ. Petſchaft; — pettern, 8w., ſ. petern.
Peg, m., —es, M. -e (angelſ. bes, isländ. besse), Benennung des
Bären, bef. als EN.
Pepe, w., M. -n (auch Betzze, Bätze geſchr.z angelf, bice, engl.
bitch, franz, bichon, ſchwed. byckjaz vergl, das böhm. pes, poln, pies,
Hund), eine Hündinnz uneig, gem, eine verächtliche, Tiederliche Weibs—
erfon.
i Nebel, fe, -d, M. m. E, (bair. der Bätz, das Bäplein), oberd. f.
Schaͤfchen, Lamm.
Peunt, w., M. -en, (altd, piuntz vergl, d. engl, pound, umzäunter
Play für das Vieh, angelf, pyadan, einfäliegen) oberd. f. ein eingezaͤuntes
Grundftück,
Peuſchel, ſ., -8, (eig. Bäuſchlein, v. Baufh, f. d.) oberd. f. Ein—
geweide, bef, von Fiſchen.
pf, ein in der hochd. Sprache und in noch weiterer Ausdehnung in der
oberd. Mundart vorfommender, aus der Verbindung des P mit dem Lippen:
Laut f erwachfener zufammengefeßter Mitl., welcher fih im Althochd. (mo
jedoch gew. ph tafür gefest wird) aus einem urfprünglichen (gothifchen od. la:
teinifchen) p entwidelt hat, aber nicht in die niederd, Mundart übergegangen
ift, welche überall p od. pp an die Stelle des hochd. pf ſetzt. In der Aus:
ſprache muß das pf von dem f und v durch den ſchärfer pfeifenden Laut unter:
fhieden werden (vergl, Pfand, Pfarre, Pfeil, Pflaume, mit fand,
Barre, feil, Beilden, Flaum). Es findet fih anlautend in:
Pfad, Pferd, Pfliht 2c.: in- u. auslautend-nur nad) gefhärften Selbſt—
Yaufen und nad m, felten nad r, z. B. Apfel, Eopfen, Kopf, Kampf,
Schimpf, flumpf, Karpfen ꝛc.
Pfacht, w., altoberd, 1) f. Pacht (f. d.), Geſetz, Satzung; 2) (fhweiz,
aud das Pacht) f. die Eiche, d. i, das Eichen, das Eichmaß, uneig. überh,
das rechte Maß; pfachten, ziel. Zw. oberd. 1) f. pachten, verpachtenz
2) Guch pfächten) f, eichen, abmeffen, prüfen,
. Pfad, m,, -es, M. -e (alt. phad, fad, pfatz nieberd, Pad, Pab-
weg; angel, paad, engl. pathz griech, n«ros, Pfad, aureiv, gehen; vergl.
d. nieberd. pabden, pedden), ein fchmaler Fußweg, Fußſteig, auch Fuße
pfad; dicht. uneig. überh. f. Weg (der Pfad des Lebens u, dgl); — 3feg.
das Pfadeifen, Bergw, ein umgebogenes Eifen in der Haspelftügez pfadlos,
Bw., ohne Pfad, unwegſam; die Pfadfchau, oberd, die obrigkeitliche Be—
fichtigung dev Wege; — Ableit, pfadig, Bw., oberd, f. wegfam, gang—
barz pfaden, ziellof. Zw. 1) vlt. f. gehen; 2) ſchweiz. f, einen Pfad ma—
hen, den Weg bahnen.
Pfaffe (oberd. Pfaff), m., -n, M. -n, Verkl. dad Pfaͤffchen,
Pfäfflein, (altd. phaffoz niederd. Pape, angelf. papa, flav. pope; vom
lat. papa, griech. nenzes, Vater, ehem, Ehrennamen der Geiftlihen), ein
Geiſtlicher, Priefter, insbes, ein Fathol, Priefter, oberd, in engerer Bed.
350 ' Pfahl
ein Weltgeiſtlicher, verſch. Mönch, feit der Reformation nur in verächtl.
Sinne; auf niederd. Hochſchulen ehem. f. Student (vie fogen, Füchſe hießen
Halbpfaffen); Handw, ein Geſelle, welcher einen Beiftlichen vorftellt,
wenn ein Lehrling zum Gefellen gemacht wird (Gefellen:, Schleifpfaffe); uneig.
Naturk, f. die großbartige Schwalbe, Nachtfchwalbe; das ſchwarze
Blashuhn, Waſſerhuhn; der Dompfaffe, f. d.5 der Fliegenſchnaͤpper:
dad Pfäffchenz eine Art Helmſiſche: Meerpfaffe; Handw, ein Zapfen bei
den Braueen (vergl, Mönch, Nonne); Schloſſ. eine Urt Meißel (Niet:
pfaffe, Pfaffendorn); — 3fes, ver Pfaffenbaum, der gemeine Spin:
delbaum, deffen Holy Pfaffenholz, die einer vieredigen Iefuiter-Müge Aynliz
hen Beeren aber Pfaffenhütchen, =Fappe, zmüße, =röschen ꝛc. heißen; '
die Pfaffenbeere, landſch. f. ſchwarze Sohannisbeere, Gichtbeerez die Pfaf—
fenbinde, landſch. f. Sieberwurgel; das Nfaffenbifschen, Pfaffenſtuͤck,
der Pfaffenfchnitt, gem, das befte, ſchmackhafteſte Stück von einem Braten
od, einem Fiſche; die Pfaffendiftel, landſch. f. Lbwenzahnz das Pfaffen-
hoͤdlein, landſch. 1) f. das kleine Schöllkrautz 2) verderdt f. Pfaffenhütchen,
0,5 die Pfaffenmuͤtze, 1) ſ. Pfaffenbaum; 2) Bauk. eine Art Handram:
me; 3) Kriegsb. ehem. ein abgeſondertes Befeſtigungswerk; der Pfaffen—
pfennig, ehem, fr Blech- ob. Hohlmünze; die Pfaffenplatte, f. Patte;
uneig. f. Löwenzahn, defjen weißer Sructboden, wenn der Samen davon abge—
blafen it, einer Möndsplatte ähnelt, auch dad Pfaffenfraut, Pfaffen-
röhrchen gehannt; der Pfaffenfhuh, f. v. w. Marienſchuh, f. d.z der
Pfaffentrug, das Pfaffenwefen 1.5; — Ableit. das Pfaffenthum,
-8, Stand, Würde, Weſen der Pfaffen; auch f. v. w. die Pfaffheit,
alt u. oberd, f. die Geſammtheit der Pfaffen, die Priefterfchaft, Geiſtlich—
Feit, beſ. Weltgeifttichkeitz die Pfafferei, gem. veräghtl, f. Denf- u. Hands
lungsweiſe der Pfaffen; pfaͤffiſch, Bw., verächtl. f. pfaffenaͤhnlich, der
Denkweiſe der Pfaffen gemäß; pfaͤfflich, Bw., alt oberd, f. den Pfaffen
gehörig, geiſtlich, bef. weitgeiftlich 5 der Pfaͤffling, ⸗es, M. -e, gem. ein
Anhänger der Pfaffenz eine Upfelart (Ulmer Pfäffling).
Pfahl, m., -es, M. Pfähle, Verkl. das Pfählchen, (altd. pfalz
niederd. Paal, angel. pal, engl. pale, ſchwed. pale, franz. pal, ital, palo;
vom lat, palus), ein unten zugefpißted, gem. rundes Holz (länger, als
ein Pflock, kürzer und dicker als eine Stange), weldes zu verſchiede—
nen Zwecken in die Erde gefhlagen wird (Pfähle einrammen, ein Zaun von
Pfähtenz ein Zaun, Grenze, Brücken-, Schanz, Schandpfahl zu; vorge
ſchuhete Pfähle, Bergw. mit eiferner Spige beſchlagene; in meinen vier
Pfählen, uneig. f. in meiner Wohnung; ein Pfahl im Fleiſche, d. i. ein
empfladliches Leiden, eine drückende Beſchwerdey; — Zfeg. der Pfahl:
bauer, landſch. ſchuzverwandte Bauern, die als innerhalb der Grenzpfähle
des Dorfes wohnhaft angefehen werden; der Pfahlbaum, Forſtw. ein zu eis
nem Pfahle brauchbarer Baum, fo auch: die Pfahleiche; die Pfahlbohle,
Bauf, eine ftarke, gleid) einem Pfahle zugefpigte Bohle; die Pfahlbrüde,
eine auf Pfählen ruhende Brücke, Jochbrücke; der Pfahlbürger, landſch.
ein Bürger, welcher außerhalb der Stadtmauern, aber innerhalb der Bann—
pfähle der Stadt wohnt, ein Vorftüdterz dab Pfahleifen, ein zugefpistes
Eifen , womit die Löcher für hölzerne Pfähle vorgeftoßen werden; das Pfahl—
gericht ‚ ein Gericht, welches fi nur über einen Hof in eines Andern Gebiet
»
er
en
— —
Pfaid — Pfand ———
erſtreckt, Zaungericht; der Pfahlgraben, ein mit Pfählen beſetzter Gra—
ben; der Pfahlmaſt, Schiffb. ein aus einem Stücke gemachter Maſt; die
Pfahlmuͤhle, eine auf eingerammten Pfählen ſtehende Waſſermühle; der
Pfahlſchwanz, Bergw. das obere, breite Ende eines Pfahles; das Pfahl—
werk, ein aus neben einander eingeſchlagenen Pfählen beſtehendes Werk, beſ.
Feſtungswerk; die Pfahlwurzel, die ſenkrecht in die Erde gehende Haupt:
wurzel vieler Bäume, Herz⸗, Zapfen-, Pfeilwurzel; der Pfahlzaun, ein
aus eingeſchlagenen Pfählen beftchender Zaun; — Ableit. pfaͤhlen, ziel,
3w., 1) mir Pfählen verfehen (den Wein, einen Hopfengarten); 2) auf eis
nen Pfahl ſpießen (einen Verbrecher),
Pfad, w., M. -en, (gem, Pfad, Pfoad gefpr.; goth. paida, altd,
pheit, pfeite; fanstr, pata, finn, paita), altd. f. Kleid überh.; noch oberd,
1) f. Roc, Mannsrodz 2) f. Hemd (Leibpfaid)z daher der Pfaidler,
-8, in Wien f, Kleiderhändler, Troͤdler.
Pfalz —J— w., M.-en, (altd. phalanza, pfalenze, palenz, = Palaſt,
ſ. d., vom lat, palatium, mittl. lat. palantia) 1) ehem.f. Scdlofs, Palaft,
5 8. ein Rath- od. Gerichtshaus; insbeſ. die verfihiedenen Palaͤſte der
ehemal, deutfchen Könige, weiche bald hier, bald dort im Reihe Hof hiel:
ten (daher Pfalzſſtadt, eine Stadt mis einer Eaiferlihen Pfalz); 2) da&
zu einer Faiferl. Pfalz gehörige, dem Kaifer unmittelbar unterworfene
Gebiet; daher noch als EN. die Dberpfalz, ein Theil von Baiern, u,
die Unterpfalz od. Pfalz am Rheine; davon: der Pfälzer, -8, die
Pfälzerinn, Einwohner der Pfalz; pfaͤlziſch, Bw., zu der Pfalz gehoͤ—
vend, dort einheimifch; — Bes. das Pfalzgericht, ehem. f. Hofgericht;
der Pfalzgraf (alt. phalinzgravo, lat. comes palatinus; vergl. Graf),
4) der Verwalter, Landpfleger und Eandrichter einer Faiferl. Pfalz; fpäterhin
eine erbliche fürftlihe Würde (z. B. die Pfalzgrafen am Rhein) ; 2) feit Kart IV.
ie ein bürgerlichen Perfonen, Gelehrten zc. von dem Kaifer ertheilter Titel,
mit geringen Vorrechten verbunden; die Pfalzgrafinn, Gemahlinn eines
Pfälzgrafen; pfalzgräflih, Bw., die Pfalzgraffchaft (f. gräflich 26);
die Pfalzgrafenbirn, eine f[hmadhafte Bien mit röthlicher Schale, auch
Pfalzbirn, Pfalzgrafer genannt,
Pfalz 2., w., pfalzen, 3w., landſch. f. Balz, balzen, f. d.
Pfaͤmmet, fr, —es, M.-e, fhmeiz. ein Tagewerk; der zugenteffene
Theil, beſ. an Speife und Trank; aud) der Wirthshaustiſch.
Pfand, fe, -es, M. Pfänder, (altd. fant, pfant, niederd, Pand,
ſchwed. pant, engl, pawn, mitit, lat. pannum; verw. mit Bann, binden ?
vergl. auch das lat. pigaus), was zur Sicherung der Unfprüche dient, die
Einer auf den Undern bat, bef. zur Buͤrgſchaft für eine cingegangene
Verbindlichkeit, gew, nur von Sachen, da man für Perfonen das Wort
Geifel (f. d.) gebraucht (einem etwas zum Pfande gebenz fein Pfand Ilöfenz
Pfänder fpielen, f. u. Pfänderfpielz uneig, fein Leben, feine Ehre zum Pfande
fegen; Kinder heißen Pfänder der Liebe, als thätige Beweife und Verfis
Gerungsmittel derfelben); in engerer Bed. eine Sache, die dem Gläubiger
zur Sicherung feines Darlehns gegeben wird, gew. nur von bewegli:
den Dingen, da mar für unbewegliche Güter lieber Unterpfand (fr.
Hypothek) gebraucht (Geld auf Pfänder leihen, verleihen; ein Pfand ift ver:
fallen, wenn es nicht zur beftimmten Zeit eingelöpt ift und daher Eigenthum
Sa8:. 7. Pfaͤnich — Pfanne
des Gläubigers bleibt); niederd. auch f. Stuͤck, Iheil, Antheil (daher das
Deihpfand, ein Theil eines Deiches, weldyen Semand in gutem Stande zu
erhalten verbunden ift); — 3ſetz. der Pfandbrief, eine Urkunde, worin
Semand ein unbewegliches Guf zur Sicherung feiner Schuldforderung angewie—
fen wird, auch die DINMHSUERteIINNgE der Pfandbürge, aud) Pfands :
mann, ehem, f. Geifel, Leiftbürges der Dfanbveich, niederd. ein in Pfäns
der, d. i. Theile (ſ. o.), eingetheilter Deich; der Pfandgläubiger, ein
Gläubiger, der auf ein Pfand geliehen hatz das Pfandhaus, ein Dffentliches
Haus, in welhem Geld auf Pfänder ausgeliehen wird, Beihhousz der Pfand⸗
herr, Inhaber eines Pfandes, aud Pfandhaber, zinhaber; das Pfandlehen,
ein Lehengut, weldes man als Unterpfand befigtz die Pfandlöfung, Einlö⸗
ſung eines Pfandes; das Pfandrecht, das Recht zu einer Forderung ver—
möge eines Pfandes, welches man in Händen hat; der Pfandſchatz, ſchweiz.
eine Geldſtrafe, bef, für unterlaſſene Frohnarbeit; der Pfandſchein, ein
Schein über ein übergebenes Pfand; der Pfandſchilling, 1) die Geldſumme,
welche man gegen ein Pfand aufgenommen hat; 2) das Strafgeld, welches
ein Gepfändeter zu entrichten hat; 3) das Geld, welches der Richter für die
Einwilligung in die Verfhreibung eines Pfandes erhält; die Pfandfchuld,
eine Schuld, bei weldyer der Gläubiger dur ein Pfand gefichert iftz; der
Pfandjchuldner, wer auf ein Pfand Geld gelichen hatz dad Pfandfpiel
od, gew, Pfänderipiel , ein Gefelfchaftöfpiel, bei welchem begangene Fehler
durch erlegte Pfänder gebüßt und diefe nachher auf fcherzhafte Weife wieder eine
gelöft werden; der Pfandflall, ein Stall, in welchem gepfändetes Vieh bis
zur Einlöfung aufbehalten wird; pfandmweife, Nw., in Geftalt eines Pfan-
des, ald Pfand; — Ableit. pfandbar, Bw:, was ald Pfand dienen
Tann; pfandlich, oberd, pfändlid, Bw, u, Nw,, ald ein Pfand, durch
ein Pfand bewirkt (etwas pfandlich befisen, pfandliche Sicherheit) 5 >
Pfandſchaft, die Eigenfchaft eines Dinges fofern es ein Pfand ift;
Pfand ſelbſt; pfänden, ziel. Zw. — 4) einen —, ihn durch Abnehmung
eined Pfandes zur Leiltung einer Berbindlichfeit, zum Schadenerfag *
zwingen; et was —, es zum Pfande nehmen, als Pfand behalten, bis
Schadenerſatz geleiſtet wird (Vieh —); zum Pfande geben, einſetzen, gew.
verpfaͤnden; daher: das Pfaͤndegeld, das Geld, womit eine gepfändete Sache
eingelöfet wird; das Pfaͤnderecht, das Recht, Jemand zu pfänden; pfaͤnd⸗
bar, Bw., was gepfaͤndet werden kann; der Pfaͤnder, -8, wer einen
Andern pfändet, ‚def. der Flurſchuͤtz, Feldhuͤter, landſch. auch der Pfaͤn—
demann; die Pfaͤndung, das Pfaͤnden; pfaͤndern zielloſ. Zw., landſch.
f. Dänder fpielen,
Pfanich, m., — es, landſch. f. Fench ʒ uf. denchel.
Pfanne, w., M. -n, Verkl. dad Pfaͤnnchen, Pfaͤnnlein, (altd.
phanna, ie 3905. aus phatena vom lat, patena; nieberd. u. angelf,
panne, engl. pan, ſchwed. panna, flav. panew) 1) ein flach vertiefte Ge—
fäß, 3. 8. die Mörteipfanne.der Maurer, die Länglic) vieredigen, kup—
fernen Gefüge, in welden das Bier gefotten wird (Braupfannen), fo wie
die ähnlichen blechernen Gefäße in Salzwerken, in denen die Soole zubereitet
wird (Siede-, Sog:, Wärmpfannen, gew, von beftimmter Größe;
in den Salzwerken zu Halle hält eine Pfanne 5 Zober Soole), in Blehhütten:
eiferne eingemauerte Kaften, worin das Zinn gefchmelzt wird 20,5 insbef. in
/
Pfarre 858
ben Küchen: viereckige od, gew. runde blecherne od, irdene Gefaͤße von gerin—
ger Tiefe (Brat:, Schmorz, Kuchenpfanne ec. ; fprichw, uneig. einen Feind in die
Pfanne hauen, di. niederhauen, vergl, den niederd. Ausdrud: einen in
Kochſtücke hauen); 2) in weiterer Anwendung eine flach eingebogene od. vera
tiefte Flaͤche und ein mit einer ſolchen Flaͤche verſehenes Ding, insbeſ. die
Vertiefung, in welcher ſich der Zapfen einer Welle umdreht (Sapfenpfanne);
die flachrunde Vertiefung am Schloſſe eines Feuergewehrs, in melde das Zünd—
Eraut gefhurtet wird (SZSündpfanne); die Hohlziegel, niederd. auch die fla=
hen Dachziegel (Dahpfannen); Anat, die halbkugelfoͤrmige Vertiefung
am Ende mander Knochen, in welder fid) das Eugelige Ende eines andern
Knochens bewegt und dadurch ein Gelenk bildet, def. die Pfanne des Bedens
im Hüftbeinez niederd, f. Hirnſchale (Bregenpanne); das Pfännlein cd,
gem, Pfändel, Pfändle, oberd. f. ein zum Weinen verzogener Mund;
dad Pfaͤnnlein, auch landſch. f. der gelde od, feharfe Hahnenfuß; das
Pfaͤnnel, —s, Hüttenw. runde eiferne Schalen, in welche das abges
ſtochene Werk zu Pfännel ſtücken gegoffen wird; — 3fes, der Pfannen=
baum, ein Baum, woran die Salzpfannen hangen; dad Pfannenblech,
Blech, woraus Pfannen gemacht werden, fo auch: das Pfanneifenz; der
Dfannenbod (ſ. Bo 3.), ein Geftell, die Salzpfannen darauf zu fegen; der
Pfannendeckel, Dedel einer Pfanne, insbeſ. der ftählerne Dedel auf dee
Bündpfanne eines Schießgewehrs; dus Pfannengeld, Abgabe für die Auss
übung der Braugerechtigkeit, eig. für Benugung der Braupfannez der Pfan—
nenhafen, Hafen, worin die Salzpfanne hängt und welde in die Pfannen
haspen eingreifen; der Pfannenfnecht, Küch. ein Werkzeug, worin der
lange Stiel einer Pfanne wie in einer Gabel ruht; der Pfannenkuchen od, gew.
Pfannkuchen, verfhichene in der Pfanne gebackene Kuchen, insbef, niederd, f.
Eierkuchen; in andern Gegenden, z. B, in Berlin, ein länglichrundes, gew. mit
Mus gefülltes, in Schmalz gebadenes Backwerk, oberd, Krapfen (f, d,), bair,
Pfänzlein, Pfänzel; dad Pfannenloch, Ofenloch unter der Salzpfanne;
der Pfannenmeifter, Auffeher über die Pfannen in Salzwerfenz der Pfan—
nenfihmied, ein Handwerker, welcher Pfannen fhmiedetz der Pfannen»
fein, die kalkartige Maſſe, welche fid) beim Salzfieden in den Pfannen anfegt,
Salzſtein; der Pfannenſtiel, Stiel einee Küenpfannez uneig. landſch. f,
die Schwanzmeifez der Pfannenziegel, Hoblziegel; der Pfannenzuder,
Buder, welder fi in der Kühlpfanne als eine lodere Rinde anſetzt; das
Dfannwerf, Beſitz u. Benusung eines Salzkothes als ein Gewerbes; daher
pfannwerfen, untrb. ziellof, 3w., ein Salztoth befigen und.nugen; —
Ableit. der Pfänner, -6, wer Salzguͤter beſitzt; in engerer Bed, wer
ein Koth und die dazu gehörige Saljpfanne beſitzt und auch die Soole An:
derer: darin verfieden läßt, aub Pfannherr genanntz Die Pfännerei,
-M.-en, ein Koth mit einer Pfanne als Antheil eines Pfaͤnners; auch
f. v. mw. Die Pfaͤnnerſchaft, die ſaͤmmtlichen Pfaͤnner eines Ortes; dad
Pfaͤnzel, Pfänzlein, ſ. o. Pfannkuchen.
Pfarre, wi, M.-n, oberd. auch die Pfarrei, M.-en (altd. pfarra,
niederd. Parre, engl. parish, franz. paroisse; vom lat, parechia, Kirch-
fpiel, und diefes wahrſch. aus d. griech, zaooızla entft.), die Stelle eines
Geiftlichen od, Pfarrers (f. u), bef. hinſichtlich der ihm anvertrauten Ge:
- meinde und der damit verbundenen Einkünfte (eine gute, einträgliche Pfarre 2c.)3
Heyfes Handwörterb, d. deutſchen Spr. 2, Theil, 23
1115 7 pfarzen — Pfau
aud die Wohnung ded Pfarrerd; der Pfarrer, -8, M. mw. E. (gem,
abgek. Pfarr, niederd, Parrer, Parr), ein Geiftlicher, fofern er einer
Gemeinde vorſteht und die gortesdienftlichen und kirchlichen Handlungen in der:
felben verrichtet, be. oberd. auch als Anredewort und Titel (Herr Pfar:
ver), wofür mittel: u, niederd. gew. Prediger u. das fr, Paſtor; auch der
Pfarrherr; die Pfarrerinn od. Pfarrfrau, deffen Gattinns — SfeR.
von Pfarre: der Pfarrader, dad Pfarrfeld, land, gut, -holz, die
Pfarrhufe, ewiefe u, dgl. m., zu einer Pfarre gehörender Ader, dergl. Land,
But zc. 5 dad Pfarramt, der Pfarrdienſt; das Pfarrdorf, ein Dorf, in
welchem ein Pfarrer angeftelt ift und wehnt; die Pfarrfrohne, -fuhre,
Frohnen und Zuhren, welche die Pfarrgenoffen für ihren Pfarrer thun müffen 5
das Pfarrgebäude, haus, die Pfarrfcheune zc., zu einer Pfarre gehb—
zende Gebäudez die Pfarrgebühr, dem Pfarrer für feine Amtsverrichtungen
zu enteichtende Gebühren 5 die Pfarrgemeinde; der Pfarrgenofs, Glied ei:
ner Pfarrgemeinde, auch das Pfarrkind, u, M. die Pfarrleute; die Pfarr-
firche, die Hauptkirche einer Pfarre, die Kirche des Pfarrdorfes entg, der
Tochterkirche od, dem Filialz das Pfarrlehen, die Befugnifs, einen Pfarrer
zu berufen und anzuftellen, auch das Pfarrrecht, der Pfarrſatz, die Pfarr—
verleihung (fr. das Patronats: Recht); dad Pfarrvieh, das Vieh des Pfar:
rers, fo auch: die Pfarrfühe, =pferbe, -ſchafe 2c.z die Pfarrmohnung,
der Pfarrzehnte, =zind, dem Pfarrer. zu entrihtender Bing; — Ableit.
‚pfarren, zielloſ. Zw., landſch. in eine Pfarre gehören (4. B. das Dorf N.
pfarrt nad) B,, d. 1. ift dahin eingepfarrt, vergl. einpfarren) 5 pfaͤrrig, Bw,
ſchwäb. u. ſchweiz. f. eingepfarrtz uneig, eine Geldſchuld habend.
pfarzen od. pfärzen, ziel, Zw. (engl. parch), cberd, in Schmelz
röften.
Pfatſch, m, ſchwäb. f. Path; pfatfchen, pfatſcheln, 3m. f. .
patfchen, plaͤtſchern.
Dfatt, fe, —es, M.-e (vergl, Fette), alt und landſch. f. Einfriediz
gung, Zaun,
Pfau 1., m., — es (alt u. oberd. -en), M. -e, od. gew. -en, (altd.
phao, phawo, oberd. Pfaw, Pfab, niederd, Pau, Pauluhn (ſ. d.), angelf.
pawa, dan, paa, engl. peacock; ital, pavone, franz. paon; vom lat,
pavoz griech, zeos), ein zum Hühnergefchlecht gehörender, aus Afien
ftanımender, großer Vogel mit fhönem, goldſchillernden Gefieder, einem
Federbufihe auf dem Kopf und einem langen, bunten, mit augenförmigen
Flecken bezeichneten Schweif, welchen der männliche Pfau od. Pfauhahn
fächerartig aussreitet („ein Rad ſchlagen“)z der weibliche Pfau, die Pfau—
henne, feltner die Pfauinn, ift faft ganz grau und hat keinen Langen
Schweifs auch eine Art Lippfiihe (Meerpfau); Sternd, ein füdliched
Sternbildz — 3feg. dad Pfauenauge, augenähnlider, ſchöner Fleck auf
den Enden der Federn des Pfauenfhweifesz verfihiedene ſchöne Schmetterlinge‘ '
mit ähnlichen Fledenz eine Art Lippfifche mit einem ähnlichen Flecken auf dem
Schwanze; eine Art Marmor mit rothen u. braunen augenförmigen Fleden
auf grauem Grunde; dad Pfaueneiz die Pfauenfeder, uneig. ein Stüd
des Enorpeligen Theild vom Gewinde der Perlmuſcheln, aud der Pfauen—
ſtein genannt 5 eine Art Aftermoos; dad Pfauenfleifihz der Pfauenfamm,
eine Art Orüſenblume; der Pfauenkopf; der Pfauenſchwanz od. Pfauen-
Pfau — Pfeffer 355
fchweif, uneig. f. die Pfauen- od. Pfautaube, f. d.z ein dunkelrother u. brau:
ner Zagfalterz ein indifches Staudengewähs mit dem Ritterſporn ähnlichen
Blüthen; ein in bunten Farben fpielendes verwittertes Kupfererz; ein Stahl:
waffer, auf deffen Oberfläche ſich eine bunt ſchillernde Haut anfestz ein dem
Pfauenſchweif ähnliches Feuerwerksſtück; der Pfauenfpiegel, das breite,
fhönfarbige Ende der Deckfedern des Pfauenfchweifes ; uneig, verfchiedene ſchöne
Schmetterlinge; der dreimal getheilte Zweizahn oder Wafferdoftz5 das gemeine
Flohkraut, auch Pfauenkraut genannt; der Pfauenftolz, Stolz auf Schön-
heit und Außerlihe Vorzüge; der Pfauenwedel, ein Wedel von Pfauenfedern 5
die Pfauenzunge 2c.; — der Pfaufafan, eine Art Fafane mit himmel:
' blauen, augenfürmigen Fleden auf den Flügeln und grünen Fleden auf dem
Schwanzez der Pfaufifch, Meerpfau; die Pfaufliege, Wafferjungferz der
Pfauhahn, die Pfauhenne, f. 0.5 dad Pfauhuhn, der junge Pfau; die
Pfauhennes;s Pfauhühner, f. Pfauen überh.; die Nfaunelfe, eine Art
fhönfarbiger wilder Nelken; ftolze Nelke, hohe Feder: od. Bufchneltez der
Pfaureiher, ein afrikanifcher Reiper mit einem röthlichgelben Buſch auf dem
Kopfes die Pfautaube, eine Art Tauben mit breitem, fücherförmigem
Schmwanze.
Pfau 2., m, -ed, o. M,, landſch. verderbt f. Cpheuz daher Mauer-
pfau, ſ. d.
pfauchen, zielloſ. Zw., landſch. ſ. v. w. fauchen, pfuchzen, fd,
pfauſen, pfauſten, pfauzen, zielloſ. Zw. (Schallwörter), oberd, f, bla—
ſend ed, ſchnaubend athmen; aufgeblafen fein; ſchmollen, trotzen.
Pfebe, w., M.-n, (altd. pfedemo, gem, oberd. Bäbene; vom lat.
pepo, u, dieſes vom griech. menwv, eig. reif, mürbe), eine Art Kuͤrbiſſe
mit lappigen Blättern und glatter, vielfamiger Frucht, aud der Pfebenfür-
biſs genannt; oberd. überh. f. Kürbifs, Melone,
Dfeffer, m., -8, 0. M., (nicderd- Peper, engl. pepper, dän, peber,
franz. poivre 20.5 v. lat. piper, griech, mexedı; ſanékr. pipali), die ald ein
fharfes Gewürz dienenden runden Beeren verfchiedener ausländifchen Ge—
wächfe, bef. des gemeinen Pfefferftrauches in Oftindien, welche, wenn fie
reif find, den weißen, und wenn fie unreif find, den Shwarzen Pfeffer
geben (ganzer, geftoßener Pfeffer z ſprichw. wäre er doch, wo der Pfeffer
wählt, d. i, weit von hierz uneig, gem. ein Schlag aus dem Pfeffer, d. i.
ein ftarfer, heftig brennender Schlag) 5 landſch. auch eine mit Pfeffer ftark
gewürzte Brühe, und eine mit foldyer Brühe zubereitete Speife (Hafen:
pfeffers fprihmw, da liegt der Hafe im Pfeffer, d. i, darin liegt der wahre
Grund der Sache) 5 ehem. in weiterer Bed, f. jedes Gewuͤrz; andere auslän=
difche Pfefferarten find: der lange Pfeffer in Oftindienz; der indiſche
oder fpanifhe Pfeffer, mit tutenförmigen, rothen Schoten, deren Sa—
mentörner einen fharf brennenden Gefhmad haben, auch Taſchen-, Scoten-
pfeffer 20. genonnt; der Bogelpfefferin Amerika, eine Art des fpanifchen
Pfeffersz; der falfche indifhe Pfeffer, eine Art des Nachtſchattens auf
der Inſel Madeira; der jamaifhe Pfeffer od. Nelfenpfeffer in Ja—
maika; der japanifhe Pfeffer 20,5 aud) verfchiedene einheimifche Ge—
wächfe wegen ihrer brennenden Schärfe, z. B. der Froſch-, Mauerz,
Schwanz-, Stein-, Wafferpfefferz bef, die ſchwarzen Beeren des Keuſch—
baums: deutſcher Pfeffer; — 3ſetz. der Pfefferbaum od. -ſtrauch,
"93%
356 pfeifen
die Pfefferftaude, ſ. 0.5 auch f. Kellerhals, ſ. d.3 der wilde Hfeffer:
baum, eine Art des Sumachs in Oftindien; die Pfefferbruͤhe; die Pfefz
ferbuͤchſe, das Pfefferfaſs od. -faͤſschen, ein kleines Tifchgeräth zu geſto—
fenem Pfeffer; der Pfefferfraß od. =freffer, Pfeffervogel, ein ſchön ges
fiederter brafilifcher Vogel mit fehr großem, fügenähnlich gerändertem Schna=
‚bet, Hohlſchnäblerz die Pfeffergurfe, mit zerftopenem Pfeffer und Effig ein-
gemachte Eleine Gurken; das Pfefferholz, landſch. f. das Holz des Spindel»
baumes u, diefen Baum felbft, auch Pfefferröslein (werderbt aus Pfaffenholz,
Pfaffenröslein, ſ. Pfaffe); auch f. Keufgbaum, Mönchspfefferz dad Pfef—
ferkorn; das Pfefferkraut, eine Art Kreſſe von pfefferähnlichem Geſchmack
in England und Frankreichz auch f. Saturei, niederd. Kölle, Kbllen, auch
Wurſtkraut genannt; der Pfefferkuchen, ein Backwerk aus Mehl, Honig
und Pfeffer od, anderm Gewürz, auch Honigkuchen, oberd. Lebkuchen; der
Pfefferkuͤchler, Pfefferkuchenbäcker ʒ der Pfefferkuͤmmel, Gartenkümmel,
römiſcher Kümmel; die Pfeffermuͤhle, kleine Handmühle zum Mahlen des
Pfeffers; die Pfeffermuͤnze, eine Art der Münze (ſ. Münze 1 ) von ſcharfem
Geſchmack; daher das Pfeffermuͤnztuͤchlein, mit Pfeffermuͤnzoͤl angemachte
kleine Zuckerplätzchen; die Pfeffernuſs, ein nuſs⸗ oder würfelförmiges Gebäck
aus Pfefferkuchenteigz das Dfefferöl, aus dem ſchwarzen Pfeffer gezogenes
gelbliches Dis der Pfefferfehwanm, eine Art efsbarer Blätterſchwämme mit
beigendem Saft, auch Pfefferling od, Pfifferling, Bitterling genanntz
der Pfefferflein, aus Kleinen Körnern zufammengefepter Kaltftein, Rogen-
fein; der Pfefferſtrauch od, die Pfefferſtaude, der Strauß, auf welchem
der Pfeffer wächſtt; — Ableit, der Pfefferling, ſ. o, Pfefferſchwamm;
pfeffern, Zw. 1., ziellos m. haben, wie Pfeffer brennen (es pfeffert auf
der Zunge), uneig, landſch. fe weh thunz 2) ziel. mit Pfeffer wuͤrzen (eine
Speife) 5 uneig, f. einer Sache unangenehme Schärfe od. Nachdruck geben
(ein Schlag ift gepfefferts gepfefferte Worte u. dgl.) ; ſchwäb. am Zage der
unfhuldigen Kinder, welher der Pfeffertag heißt, mit einem Rüthchen
Schlagen, wie die Knaben den Mädchen thun, um Feine Gefchenfe (vielleicht ur-
ſprünglich Pfefferkuchen 2c,) von ihnen zu erhalten,
pfeifen, ziellof, u, ziel, Zw. (mittelhochd. pfifen, Impf. pfeif, Mw. ge-
pfiffenz; niederd, pipen, ſchwed. pipa, engl, pipe; ein Schallwort, vergl,
piepen), ablaut. Smpf. pfiff, Gonj. pfiffe, Mw. gepfiffenz einen feinen,
hellen Ton hören Taffen od. hervorbringen (der Wind pfeiftz die Kugeln pfei—
fen in der Luft; Vögel, Mäufe 2c. pfeifen; mit dem Wunde pfeifen, indem
man durch die enge Oeffnung der zugefpisten Lippen die Luft ausſtößt); nie:
derd, uneig, f. mit feiner, ſchwacher Stimine reden, bef. Elagenz in engerer
Bed. auf einer Pfeife (ed. Beinen Flöte) blafen (ſprichw. wer gern tanzt,
dem ift leicht gepfiffen, 8, i. wem etwas Vergnügen madt, der ift leicht zu
befriedigen; auf dem legten Loche pfeifen, gem, f. in den legten Zügen liegen,
dem Untergang nahe fein); etwas —, d. i. ed mit dem Munde pfeifend
od. auf einer Pfeife hören laffen (ein Lied, ein Stückchen); oberd. gem. f.
feine Nothdurft verrichten; daher wohl uneig. einemetwas —, gem, f. das,
was der Andere wünſcht oder erwarfet, nicht thunz — Bfeg, bie Pfeife
ammer, Hedenammer, gefleckte Ammerz die Vfeifdroffel, eine Art Drof:
feln, größer alö die Sangdroffel, die einen pfeifenden Laut von ſich giebt, Zip:
broffel; die Pfeifente, eine Art wilder Enten, die im Auffliegen und Fallen
Pfeil 857
einen pfeifenden Ton hören laſſen; der Pfeifholder, landſch, f. Kirſchvogel,
Dirolz der Pfeifholter (aud) Pfeffolter, Pfeiffolt?) landſch. f. Schmetterling z
die Dfeiflerche, Pieplerdes — Ableit. der Pfeifer, -$, (altd, phifari)
wer pfeift, insbef. wer die Pfeife zu blafen verfteht (Sad, Querpfeifer 26.) 5
alt u, landſch. überh. f. Spielmann, Mufifant (Kunft:, Stabtpfeifer) ;
Naturk. verfchiedene Vögel, welche einen pfeifenden Ton hören laſſen; eine
Art Sechahn, die Meerleier; auch die Raupe des Rüſſelkäfers, welche die
Rübfamenfhoten aushöhlt (wohl von Pfeife f. Nöyre); die Pfeiferei, ver:
ächtl. f. dad Pfeifen; — die Pfeife, M, -n, Verkl. das Pfeifchen,
(altd, phifa, pfifez engl, Afe, pipe; niebderd. Pipe, ſchwed. pipa, dän.
pibe) 1) ein röhrenformiged Tonwerkzeug, weldes vermittelft der eingebla-
fenen Luft einen pfeifenten Ton giebt, z. B. Flöten, Schalmeien, Orgelpfei—
fen (f. d.); gew. nur die Fleineren Tonwerkzeuge diefer Urt, welche einen
fharf gellenden Zon geben, und zur Begleitung der Trommel bei den Solda-
ten, zum Kinderfpielzeug u. dgl. dienen (Balm:, Rohr-, Schnurr-, Quer-,
ı Sadpfeife ꝛc.; fprihw. nad) eines Andern Pfeife tanzen, d. i. fich nach jeinem
Willen bequemen; Pfeifen ſchneiden, weil man im Rohre fist, d. i. die Gele
genheit nugen); 2) in weiterer Anwendung überh, eine Möhre od, ein mit ei=
nee Möhre verfehened Ding, 3. B. die Bellen in den Wahöfcheiben, bie
Röhre eines Eeuchters, eine Brunnen: od. Wafferrbhre, Wafferleitung (niederd,
Pipe); die Röhrknochen der Menſchen u, Thiere; Gärtn. ein mit einem Auge
verfehenes, von einem Scyöfsling abgeftreiftes ringfürmiges Stüd Rinde, wel
ches auf ein anderes Neis aufgejhoben wird, um einen Baum zu pfeopfenz
auch f. Fächſer, Shöjsting ; bef. dad röhrfürmige und mit einem Kopfe ver:
fehene Werfjeug zum Tabackérauchen, die Tabackspfeife (eine thönerne
Hfeifez eine Pfeife ftopfen, anzunden, rauden 2c.)5 — 3feg. der Pfeifen
befihlag, Beſchlag eines Pfeifenkopfes; der Pfeifenbohrer, Drechsl, ein
langer Bohrer zum Ausbohren der Pfeifenrbhrez das Pfeifenbrett, ein
burdjlöchertes Brett, worin die Orgelpfeifen ſtecken; ein Geftel für die Ta:
backspfeifen; der Pfeifendeckel, Deckel eines Pfeifenfopfes; das Pfeifen-
holz, ein Holz, woraus Pfeifen geſchnitten werden, bef, das Holz des Pfei:
fenſtrauches Tandfch. aud) f, die Sahlweide od. Hohlweide; der Pfeifenkno—
“chen, Röhrknochen, auch bloß Pfeife, 0.); der Pfeifenkopf, Kopf einer
Tabackspfeifez der Pfeifenmacher, wer Tabackspfeifen, bef. von weißem
Thone macht; der Pfeifenmetgel, eine Art Mergel in Geftalt aufrechtſte—
hender Orgelpfeifen; die Pfeifenmufchel, einſchalige, ungewundene, pfei:
fenühnliche Schneckez der Pfeifenraͤumer, ein Werkzeug zum Ausräumen '
der Tabackspfeifen; das Pfeifenrohr, Rohr einer Tabackspfeife; die Pfei—
fenſpitze, das gewöhnlich hörnerne Mundſtück einer Tabadspfeifez der Pfei⸗
fenſtiel, der Stiel od, auch ein abgebrochenes Stück einer thönernen Tabacks—
pfeifes der Pfeifenſtopfer, wer die Pfeifen ſtopft; auch ein Wetkzeug, den
brennenden Taback in der Pfeife feftzudrüdenz der Pfeifenſtrauch, landſch.
f- fpanifher Holunder, aus deſſen Holz man Pfeifenrögre macht; der Pfei-
fenthon, ein weißer, feiner Thon, aus welhem Zabadspfeifen gebrannt
werden; dad Pfeifenwerf, ein aus Pfeifen zufammengefegtes Werk, bef, Or:
gelwerk; — Ableit. von Pfeifer pfeifen, ziel. Zw. (nur umend, pfeifte,
oepfeift), Gärtn. mittelft einer Pfeife (f. o.) pfropfen 08, veredeln. NL
X Pfeil, m, es, M.e, Verkl. dad Pfeilchen, (altd. pbil, pil,
\
358 Pfeiler — Pfennig
niederd. Piel, ſchwed. pil; vom lat, pilum, Wurffpieß), ein Geſchoſs, be—
ftehend in einem leichten, hölzernen, an einem Ende befiederten, an dem
andern zugefpigten und gew. mit Widerhafen verfehenen Stabe, welcher von
einem Bogen abgefchnellt wird (ſchnell wie ein Pfeitz feine Worte dringen
wie Pfeile ins Herz 2c.); uneig. dicht. f. die Sonnenftrahlenz; Stern, ein
Eleined Sternbild nördlid, über dem Adler; Naturk. eine Art Spinnenfifch
it fpisem Kopfes — 3fes, die Pfeilblume, eine oftindifche Pflanze mit
pfeilförmigen Beuteln an den Staubfädenz der Pfeildrache, eine Gattung
des Seedrachen mit langem Stachel auf dem Rüden; der Pfeilfiich, eine Art
Hecht mit pfriemenförmigem Maule; pfeilfürmig, Bw.; dad Pfeilfutter,
der Köcher; die Pfeilhöhle, Anat, eine Höhte’in dem Hirnhäuthen, der
Mfeiladergangz das Pfeilfraut, verfhiedene Pflanzen mit pfeilförmigen
Blättern, inöbef. eine Art des Wegetritts (polygonum amphibiumL.)z eine if
Flüffen und Seen wachſende Pflanze (sagittaria L.); die Pfeilmaus, Spring:
maus; die Wfeilmufchel, eine vielfchalige, faft walzenförmige Muſchel chne
Gewinde, lange Spitzmuſchel; die Pfeilnath, Anat, eine Nath in der Hirn:
ſchale; die Pfeilnatter od, Schlange, eine Art ſich ſehr ſchnell bersegender
Schlangen in Surinam; die Pfeilſchnecke, eine Art länglicher Blaſenſchnecken,
der bunte Bohrer, das Springhörnden, der Strohhalm; pfeilfihnell, Bw.,
ſchnell wie ein Pfeil, ſehr fhnellz die Pfeilfchnelle, fehr große Geſchwindig—
keit 5 der Pfeilſchwanz, ein Thier mit pfeilfbrmigem Schwanze, insbe, eine
Art Schmetterlinge, deren Raupen einen pfeil= od. hornähnlichen Fortfaß auf
dem Hinterleibe habenz das oftind. fliegende Eihhornz eine Art Rochen mit
einem Stachel am Schwanze; die Spisente; eine Art Eeiner Taucher; der
Hfeilftein, ſ. v. w. Fingerftein; die Pfeilwurz oder »wurzel, eine ſüd—
amerikanische Pflanze, deren Wurzel als Nahrungs= und Heilmittel dient
(engl, arrow -root)5 die Pfeilwurzel, auch f. v. w. Spieß-, Pfahlwur:
sel, ſ. d.
Pfeiler, m., -3, M. w. E., Verkl. dad Pfeilerchen, (altd, philari,
niederd, Piler, engl, pillar, ſchwed. pilare, franz, pilier ꝛc. vom mittl.
lat. pilare, altlat. pila), eine eckige, aus Stein gehauene od. gemau—
erte Stuͤtze, entweder frei ſtehend, oder zum Theil in eine Wand eingemauert
(Wandpfeiler), verſch. Säule; auch der ſchmale Mauerraum zwiſchen
zwei Fenſtern; Bauk. der Schaft einer Säule, entg. dem Fuß u, Gebalk;
Bergw. dad Geſtein, welches man in den Gängen zur Tragung des Hans
genden ftehen läfftz der Pfeilerftein, Säulenſteinz die Pfeilerweite, die
Weite zwifchen zwei benachbarten Pfeileenz pfeilern, ziel. Zw., mit Pfei—
lern verſehen, unterſtuͤtzen.
Delle, m, M. -n, (auch die Pfrille) oberd. f. Elritze, ein Fiſch.
Pfelle od. Pfeller, m., -, M. w. €, (altd. pheller, phellol, pfelle,
pfelʒ vergl. d. lat, palla, pallium) alt oberd. ein koſtbarer Seidenſtoff, u,
ein daraus verfertigter Rock, Mantel u, dgl,
Nfennich od. Pfench, m., - «8, oberd. f. Fuchsſchwanz, Send, f. d.
Pfennig, alt u, oberd. Pfenning, m., -ed, M.-e, (altd, pfantinc,
pfending, phenninc, pfenninc; dan, pendig, angelf, penig, pening,
engl. penny, ſchwed. penningz die Altefte Form pfantine macht die Abftam-
mung von Pfand wahrfcheinlichz eö bezeichnet urfpr, jedes bewegliche Gut,
welches als Pfand dienen kann, dann bef, ein Gelbftückz vergl, jedoch auch das
Pferch 359
* \
Tat, pendo, wägen, zahlen), 1) ehem. f, Geldſtuͤck, Muͤnze überh. 4, B.
Schau-, Denk-, Blechpfennig 2c, f. s münzez vergl, aud) Weißpfennigz in
biefer allgem, Bed. ward es ehem, zur Unterfcheidung bejtimmter Münzforten
mit verfchiebenen beimdrtlichen Bufägen verbunden, welche dann zu felbftän:
digen Hauptw, wurden, 3.8. Gulden aus: gulden Pfenningz Heller aus
Haller Pfenningz Grofchen aus groß Pfenning (denarius grossus); Kreuzer
aus Kreuzer: Pfenning 2c.)5; daher noch uneig. f. Geld uͤberh. in Bfeg. wie
Beiht:, Noth-, Behrpfennig ꝛc.; in weiterer Bed, ehem, auch f. Geldes—
werth, Vermögen, Waare (daher noch bei Steuern u, Xuflagen, der vierte,
fünfte 20, Pfennig, d. i. der 4te, Ste Theil des Vermögens od, Werthes der
liegenden Gründe); 2) jegt gew. eine kleine Fupferne Scheidemünge von ver:
fchiedenem Werth, meift = „; Grofhen, zZ Kreuzer, od. 2 Heller (einen bei
Heller und Pfennig bezahlen, d. i. völlig, ohne den aeringften Abzug) 3 uneig,
Naturk. gewiffe verfteinerte Schnecken (auch Pfennigfteine fr, Heli—
eiten), u, verfteinerte, faft runde Mufcheln (fe, Chamiten); 3) ein Gewicht
= 4 Quent, od. 2 Heller; landfd, aud ein Gold- und Silbergewicht =
yir Mark od. 13 Loth; — Bfes. dad Pfennigerz, ein Eifenerz, welches in
Stümpfen in flahen Stücken gefunden wird; der Pfennigfuchfer, gem. f.
ein ſchmutzig geiziger Menſch; dad Pfenniggeld, vit. f. Geldftod, Haupt:
geld (Capital); auch f. Binfen, Gefälle, Abgaben; das Pfenniggewicht,
Hüttenw. eine Art des Probirgewichtes, wo die Mark in 156 Theile getheilt
wird; dad Pfennigkraut, eine Art des Weiderichs, deffen Stengel mit Hei:
nen runden Blättern gleich Pfennigen befest ift, Wiefengeld, Wiefenkraut,
Egelkraut; aud) die Feldtafche, u. der Bauernfenf, wegen ihrer runden, fla=
hen Samenſchoten; bie Pfenniglinfe, Gartenlinfe,; die Pfennigmarf,
Hültenw. die in 156 Theile getheilte Mark, ſ. Pfenniggewidts der Pfennig
meifter, alt u, landſch. f. Einnehmer, Schagmeifter, Kaffenverwalter; die
Pfennigſchenke, eine geringe Schenke od. Kneipe; der Pfennigftein, f. o.
Pfennig; der od. dad Pfennigwerth, gem. verkürzt: Pfennwerth,
Pfennert, —es, alt u, oberd,. was einen Pfennig werth iftz in weiterer
Bed. was Geld werth od. verkäuflich ift, eine Waare, bef. eine geringe Waare
(3. B, in Nördlingen ein kleines Brod, in Nürnberg ein Maß: Pfennfert)z
daher pfennwerthen od. pfennferten, oberd, Zw. f. im Kleinen Faufen
oder verkaufen; pfennigwerth, aud pfenniggut, pfenniggültig, Bw,
oberd. f. geldeswerth, vollgüttig; — Ableit, der Pfenniger, -$, eine
Minze, welche eine gemiffe Anzahl Pfennige gilt, nur in Zſetz. wie Acht-,
Sechs-, Vierpfenniger,
Pferch, m, —es, M. -e, od. die Pferche, M, -n, (mittelhochd.
pferrib, vem althodd, parric, parc, mittl, lat, parcusz von bergen, altd.
perkanz vergl. Park), ein mit Hürden eingefhloffener Raum auf einem
Brachfelde, in welchem man eine Schafheerde übernachten läſſt, um das Land
zu düngenz überh, ein eingefriedigter oder eingezaunter Raum; auch die
Art und Weiſe, ſolche Pferche zu machen, und mittelft derfelden das Land
zu büngen, heißt: die Pferche, vw. in der Landw. heißt der zuruͤckbleibende
Dinger, u. in weiterer Anwendung aller Koth der vierfüßigen Thiere:
Pferch; — Bfes. die Pferchhütte, der Pferchkarren, Hütte od, Kar:
ren, worin der Schäfer bei dem Pferch übernachtet; dad Pferchlager, bie in
dem Pferche gelagerten Schafe; die Gefammtzahl der Schafe bei einem Gute;
360 | Per
u.
der Pferchichlag, das Auffälagen ver Pferde; — Ableit, pferchen,
ziel. u. zielloſ. zw., einen Pferch machen; mit Pferden beziehen und da=
durch duͤngen (einen Acer); in einen Pferh einfließen (die Schafe), das
ber uneig, überb. in einen engen Raum zufammendrängenz ten Pferch od.
Koth von fich laffen, miſten.
Pferd, fe, -d, M. -e, Verkl. dad Pferdchen, (niekerd. Peerdz
mittelh. pfaerit, pferit, pfert, bef. Reitz od. Reifepferd; erſt im Mittelhochd.
aus dem mift!. fat, paraveredus, Nebenpferd, v. veredus, Pferd, bef, Peft:
pferd, entftandenz bie ältere Sprache gebraucht dafür hros, Rofs, u, marah,
vergl. Mähre 2), ein befanntes, fehr nuͤtzliches, zum Neiten, Ziehen
und Laſttragen dienendes vierfüßiges Säugethier mit ungefpaftenen Hufen,
einer Mähne und einem langhaarigen Schwanze, auch Roſs, Gaul ꝛc. ge
nanntz doch ift Pferd im Hochd. die allgemeinſte, keinen Nebenbegriff erthals
tende Benennung der ganzen Ihiergattung 3 das ungefihnittene männliche Pferd
heist Hengftz das entmannte: Wallach; des weibliher Stute; das
junge: Füullenz (ein Ader:, Kutſch-, Reit, Zug-, Poſt-, Hand:, Eat:
telpferd 20.3 ein wildes, ein zugerittenes od. eingefahrenes Pferd; Pferde hal-
ten; die Pferde anfıhirren, an- od. ausjpannen 2,5 zu Pferde reifen, b.i,
reitend; uneig. fprihw, fid vom Pferde auf den Efel fegen, d. i. feinen Zu:
fand verſchlimmern; die Dferde hinter den Wagen ſpannen, d. i. eine Sache
verkehrt anfangenz fid aufs hohe Pferd fesen, d. i. fid ein ſtolzes Anfehen
geben; auf einem fahlen Pferde betroffen werden, f. fahl); auch f. Pferd und
„ Reiter zufammen, (5. 8. ein Gefolge von zehn Pferden, d. i. zehn Begleitern
zu Pferde); uneig. heißen die großen, grünen Heuſchrecken: Bferdchen,
Gras- 0d, Heupferdchen; — in Bfes, bezeichnet Pferd, wo es nicht in
feiner eig. Bed. ftcht, häufig das Größte feiner Urt (5. B. Pferdeameife,
Pferdenufe)z; bisw, aud) etwas Schledhtes, Geringes, nur für Pferde,
nicht für Menſchen Braudbares: die Pferdeameiſe, die größte, ſchwarze
Ameiſez die Pferdearbeit, eine mit Pferden zu verrichtende Arbeit, eine Ar:
beit für Pferdes daher uneig. eine ſchwere, mühfame Arbeit; der Mferdearzt,
ein Arzt f. Pferde; fo auch die Pferdearznei, die Pferde-Arzneikunde;
der Mferdebändiger; der Pferdebauer, ein Bauer, welcher Pferde hait,
z. U. v. Ochſenbauer; die Dferdeblume, Löwenzohn, Wachtelweizen; die
Nferdebohne, große Bohne, Feig-, Feld-, Futter-, Rofsbohne 2c., wovon
die Sıuhohne eine Abartz die Pferdebremfe, zwei Gattungen von Bremfen,
deren eine ihre Eier auf die Schultern und an die Kniee, die andere an bie
" ‚Lippen der Pferde Yegtz die Pferdedede, ſ. Schabradez der Pferdedieb;
der Pferdediebſtahl; der Pferdedienft, ein mit Hferden zu leiftender Dienft,
bef. Frohndienſt, Pferdefrohne; die Pferdedille, eine ſchlechtere Art Dilez
der Dferdefenchel, Roſs- od, Waſſerfenchelz das Pferdefleiſch; die Pfer—
defliege, eine Art Viehbremſe, welche befonders die Pferde plagt; der Pfer⸗
defuß, uneig. Naturk, eine Gienmuſchel; dad Pferdefutter; dad Pferdes
geräth, ⸗geſchirr; das Pferdegift, Alles, was für Pferde ein Gift iſtz beſ.
ein platter, halbrunder, weicher Körper, welchen die Füllen auf der Zunge
mit auf die Welt bringen und ſogleich verſchlucken follen, auf Pferdemilz
genannt; dad Pferdegras, wolliges Honiggras, Rofsgras; dad Pferdes
auf, ein Bauerngut, zu deffen Beftellung menigfiens ein Paar Pferde gehals
ten werden müffen; dad Pferdehaar, ein Haar od, (ald Sammelwort) Haare
4 F * Pferſich — Pfingſten 561
von einem Pferdes insbeſ. die langen Haare der Mähne und bes Schmeifes,
f während man die kürzeren des Leibes Nofshaare zu nennen pflegt; pferde
haaren, gew. als -bären, Bw., von Pferdhaaren gemaditz Dir Dferdes
- hai, die größte Art des Haies; der Pferdehandel; der Pferdehaͤndler;
der Pferdehirſch, Brand-, Roſshirſch mit langen Haaren am Halfe; der
Mfervehuf, f. Huf; uneig. Naturk. eine Urt des Waffernabeldz eine Gien—
muſchel (f. Pferdefuß); der Pferdejunge od, =bube, Pferdefnecht, Hüter
und Wärter der Pferde; die Pferdefaftanie, wilde od. Rofekaftaniez der
Pferdekopf; die Pferdelaus, auf Pferden lebende Laus; fliegende
Pferdelaus, f. Lausfliegez der Pferdelenker; der Pferdemarkt, f.
> Markt; pferdemäßig, Bw. u. Nw., einem Pferde gemäß, wie ein Pferd
(pferdbemäßig arbeiten, gem, f, viele und ſchwere Arbeit thun); der Pferde=
miſt; die Pferdemühle, von Pferden getriebene Mühle, gew, Rofsmühlez
\ die Pferdemünze, wilde Münze, Rofsmünze, niederd. Pagemünze 20,5 auch
die kleine Feld; oder Ackermünze; die Pferdenufs, die größte Art Wallnüſſe;
die Pferderaupe, ein raupenähnliches Waffer - Infect mit einem röhrfbrmigen
Küſſelz der Pferdefamen od. die Pferdefant, Roſs- od. Waſſerfenchel z der
Merdefhwanz, edler: Pferdefchweif od. Roſsſchweif; Pflanz. das Kan-
naeoakrautz aud der Schachtelhalm, das Schaftheu ; der Dferdefchwefel, der
— gedöfte und unreinffe Schwefel, als Pferdearznei gebrauhtz die. Pferde—
ſchwemme, ſ. Shwemme; der Pferdeftallz der Pferdeftein, ein fteinar-
tiger Korper, welcher ſich zuweilen in dem Magen, den Gedärmen, od, der
Gallen! und Harnblaſe der Pferde erzeugt; der Dferdeverleiher od. = ver-
miether, wer Neitpferde für Geld verleiht; bie Pferdewurz, eine Art der
Eberwurz, weiße Rofswurg, wilde Artiſchocke; das Nferdezeug, Pferdege⸗
ſchirr; die Pferdezucht, Vermehrung und Aufziehung der Pferde; — Ab:
— Leit, pferdeln, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. nach Pferden riechen; der Pferd-
ner, -d, oberds f, Pferdebauer, ſ. d.
Pferſich, m., —es, M.-e, oberd. f. Pfirſich, f.d.
pfetzen od, pfitzen, ziel. Zw., alt u. oberd. f. fetzen (ſ. d.), ſchneiden od,
reißen; beſ. kneipen (niederd. pegen)z daher der Pfetzpfennig, landſch,f.
Geizhals, Knicker.
pfiefen od. pfeifen, ziellof. Zw., ſchwäb. f. ſchwellen, aufſchwellen;
auch f. ziſchen; der Pfies od, Pfeis, ed, M.-e, ſchwäb. f. Geſchwulſt.
Pfiff, m, ᷑es, M.e (von pfeifen), das Pfeifen, u. beſ. ein durch
Pfeifen hervorgebrachter einzelner Ton; aud ein dadurch gegebenes Zei—
chen (3. B. der Hund verficht dem Pfiff); daher uneig. eine feine Bit, eim
verſteckter Kunftgeiff, Rank; bair. auch f.v, w. Pfifferling 2.3 vfiffig,
Bw., f. ſchlau, liſtig, verfchmißt, durchtrieben; die Pfiffigkeit, Schlau—
heit ꝛc.; aud ein liſtiger Streich; der Pfifſicus, (mit latein. Endung),
ſcherzh. f. ein pfiffiger Menfh, Schlauferf.
Dfifferfraut, ſ., landſch. f. Tauſendguͤldenkraut.
Pfifferling, m., —es, M. -e, 1. ſ. v. w. Pfefferling, Pfeffer—
ſchwamm, fd — 2. (von pfeifen, ſ. d.) gem. oberd. f. thieriſcher Koth;
daher uneig. fi eine geringfügige, werthloſe, unbedeutende Sache (keinen
Hfiferling darum geben; vergl, Dred).
Pfingften, die, o. E. (altd. imfchustim, mittelh, pfingesten, nieberd.
Pingſten, ſchwed. pingest; franz, pentecötez aus dem griech. werınzoori,
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862 ; Pfinztag — Pfirſich
d. i. der funfzigſte, näml. nude, Tag), das chriſtl. Feſt zum Andenken
der Ausgießung des heil, Geiſtes, 50 Tage nad) Oſtern gefeiertz eig. nur
Mehrh., wie Oſtern, Weihnachten ꝛc. (3. B. kalte Pfingftenz die Pfingften
fallen fpät 2c.), häufig jedoch mit Weglaſſung des Artikels und beſ. nach einem
Bmw. als Einheit betrachtet (z.B. Pfingften ift vorüber; auf, bis, nad,
um Pfingften 20.)5 — in 3feß. lautet es nur Pfingft: der Pfingftabend,
der Abend vor Pfingftenz dad Pfingſtbier, landſch. Bier, welches die Ein:
mwohner eines Ortes oder die Glieder einer Zunft um Pfingften gemeinſchaftlich
auftrinken; u. die Zufammenfunft zu diefem Zwecke, auch die Pfingftgilde
genannt; die Pfingfiblume od. Pfingftrofe, Königs: oder Gichtroſe (fr.
Päonie); der Pfingfifeiertagz; das Pfingſtſeſt; das Pfingfthuhn, ein
dem Grundheren zu Pfingften dargebrachtes Zinshuhn; ber Pfingftmonat,
der Monat, in welchen Pfingften zu fallen pflegt, Maiz der Pfingſtmon⸗
tag, der Montag im Pfingſtfeſte, zweite Pfingſtfeiertagz die Pfingſtnacht,
Nacht vor Pfingſten; der Pfingſtochs, ein geputzter Ochs, welcher zu Pfing—
ſten feierlich auf die Gemeinweide getrieben wird, welche nun wieder beweidet
werden darf (daher uneig. geputzt wie ein Pfingſtochs, d. i. geſchmacklos mit
Putz überladen); dad Pfingſtſchießen, Scheiben: od. Vogelſchießen um Pfing—
ſten; der Pfingſtſonntag, der erſte Pfingſtfeiertag; der Pfingſttag, f.v. w.
Pfingſtfeiertag, deren 2 bis 3 find; der Pfingſtvogel, landſch. f. die Gold:
amfel; die Pfinaftweide, =wiefe, der Pfingftanger, eine bis Pfingften
gehegte Gemeinweide; die Pfingſtwoche; die Pfingfizeit 20.5 — Ableit.
pfingſtlich, Bwi, felten f. was um Pfingften iſt oder geſchieht; wer
Pfingſtling od. Pfingftel, -&, bair, ein Strohmann, welder am Pfingft:
monfag von den jungen Leuten feierlich) herumgetragen wird, auch Pfingft:
Lim mel genannt.
Pfinztag od. Pfinstag, m. (miht Pfingfttag! altd. phinztac, d, i, der
5te Wochentag, von dem griech. zevre, fünf, gebildet, wie Pfingften von
tevrnroors; neugried. 9 eumen; in der röm. Kirchenſprache: Feria quinta,
quinta-sabbati), oberd. f. Donnerstag.
Pfipps, m., ſ. v. w. Pipps, ſ. d.
pfirren, ziellof. 3w, m. haben, (ein Schallwort) ſchweiz. f. ſich wie ein
Kreifel herumdrehen, wirbeln; uneig. fih in gefhäftigem Müfiggang
unruhig bewegen; die Pfirre, M. -n, ſchweiz. f. der Kreiſel; uneig, eine
unrubig gefchäftige und doch nichts ausrigtende weibl. Perfonz auch die ge
ſchäftige Unthätigkeit.
Pfirſich od. Pfirfiche u. gem. age. Pfirſche, w., M. -enz auch der
Pfirſich, -ed, Me -e (oberd. der Pferſich, Pferfings aus dem ital, persica,
3905. pesca, und dieſes aus dem lat. persicum malum, d. i. perfifcher Apfelz
niederd. Päske, franz. peche, engl, peach), die runde, fleifchige, ſehr
faftige und ſchmackhafte Frucht des Pfirſichbaumes, welder zum Geſchlecht
des Mandelbaumes gehört und aus Perfien ftammt, zunächſt aber aus Stafien
in unfere Gärten gefommen iſt; dad Pfirfichblatt, uneig. eine Art Venus:
mufcheln auf Domingo, welde gefhliffen eine ſchöne rothe Farbe habenz die
Pfirſichbluͤthe, die bläulichrotbe Blüthe des Pfirſichbaumes z daher pfirfich-
blüthen, Bw., ſ. v. w. pfirfichblüthfarben od. sroth; der Pfirfihbrannt-
wein, über Pfirſichkerne abgezogener Branntwein (fr. Perfico); der Pfirfich-
fern, der in einer fteinharten Schale befindliche, angenehme bittere Kern der
ER ED
*
pfispern — Pflanze 363
Pfirfihz dad Pfirfichkraut, einige Arten des Wegetritts, deren Blätter Pfr-
fihblättern ähnelnz der Pfirfichftein, der Pfirfihkern mit der fteinharten
Shalez Natur, ein Naturfpiel von ähnlicher Geftaltz die Pfirfichweide,
eine Art Weiden, deren Blätter Pficfihblättern ähneln, Pfahl:, Bufdhweide ıc.
- pfispern, ziellof. Zw., oberd. f. fispern od. wispern.
Pfiſter od. Pfifterer, m., -8, M. mw. E. (vom lat. pistor), oberd, f,
Bäcker, bef. ein Mundbaͤcker an Höfen und in Klöfternz die Pfifterei, od,
abgek, die Pfifter, (at, pistrina) f. Bäckerei, Backhaus; pfiftern, ziellof.
3w., f. Backen, Bäckerei treiben,
pfit, ſchweiz. Empfindt, f. pfui.
pfißen, pfitfhen, pfutfchen, zielloſ. Zw., oberd. Schallwörter, welde
eine mit dem Laut pfiß, pfitſch verbundene fchnelle Bewegung ausprüdenz
dann überh. f. ſich ſchnell od, plöslich bewegen, fchnell entweichen (z. 8.
aus der Hand —)5 uneig. mit Lachen, Geheimniffen u. dgl. herauspfitzen,
auch -pſitzern, d. i. plöglic) herausbrechen, herausplatzen; der Pfitz, ſchwäb.
f. Sprung; alle Pfig f. alle Augenblickez der Pfitzauf, ſchwäb. f. ein in
die Höhe gehendes Eiergebäck; aud ein unftäter, unruhiger Menſchz der
Pfitz- oder Pfitfchpfeil (vergl. Flitzpfeil), f. ein vom Bogen abgeſchoſſe—
ner Pfeil,
Pflanze, vo, M. -n, Berk, dad Pflängchen, (altd, phlanza,
ſchwed. planta, engl, plant, franz. plante; vom lat, planta), ein organi=
ſcher Naturförper, welcher Leben ohne Empfindung und willfürliche
Bewegung hat, jedes Gewaͤchs; in engerer Bed, gem, ein Gewaͤchs, wel—
ches faftige Stengel ımd Blätter od. Kraut hat, alfo alle Gewähhfe mit
Ausſchluſs der Bäume, Sträuder, Moofe und Schwämme; bef. ein junges
Gewaͤchs, auch ein junges Baͤumchen, fofern es verpflanzt werben fol,
(Pflanzen ziehen, fegen, verfesen 26); uneig. auch f, ein Sind (Ehepflanzen;
ein ſchönes Pflänzchen, bef. pöttifch in üblem Verftande); — Bfeg. die
Pflanzenaſche; die Pflanzenbefchreibung; die Pflanzenerde, für das
Wachsthum der Pflanzen geeignete Erde; mit verweieten Pflanzentheilen wer-
mifchte Erde, Gartenerde; die Pflanzenfarbe, aus Pflanzenftoffen gezogene
Farbe; der Pflanzenfloh, ein Eieines, flohähnliches, auf Pflanzen lebendes
Snfectz der Pflanzengarten, ein Garten für ausländiſche Gewächſe (fr, bo:
tanifcher Garten); der Pflanzenkenner od, »Fundige (fr, Botaniker); die
Pflanzenkenntniß, =Tunde, -lehre, =wiffenfchaft (fr, Botanik); das
N flanzenleben, das empfindungs » und bewuſſtloſe Leben der Pflanzen (daher
uneig. von Menſchen: ein Pflanzenleben führen, d. i. nichts thun, als ſich er:
nähren, f&lafen 2c. fe. vegetiren) die Pflanzenmilch, der milhartige Saft
mander Pflanzen; dad Pflanzenreich, der Inbegriff aller organifhen Erb:
gewächfe, das Gewächereich; der Pflanzenfaftz das Pflanzenfalz, aus
Pflanzen gezogenes Salz; die Pflanzenfaure (fr. vegetabitifhe Säure) 5 der
Pflanzenftein, vecfteinerte Pflanzen oder PflanzentHeile (fr. Phptolithen)
Steine mit pflanzenähnlichen Zeichnungen (fr, Phytomorphen) 3 der Pflanzen-
floff, jeder Beſtandtheil der Pflanzen; dad Pflanzenthier, Thiere, welche
an Geftalt, Fortpflanzung und Wachsthum den Pflanzen ähneln, 3.8, die
Korallen, (fr. Boophyten); — Ableit, pflanzen, ziel. 3w., eig. junge
Gewaͤchſe von einem Orte nad) einem andern verfeßen und zum Wachfen
in der Erde befoftigen (Bäume, Blumen, Kohl ıc. —)3 durch Bepflanzen
364 —— Pflaſter
anlegen (einen Weinberg, einen Garten —); uneig. f. ſenkrecht an einem
Orte befeftigen, aufſtecken od, aufitellen und richten (die Kane auf den
Thurm; die Kanonen auf den Wall —); an einen Dre bleibend verfeßen od,
niederfeßen (eine Familie an einen Ort —, gew, verpflanzen; fih an ei—
nen Ort hinpflanzen, ſcherzh. f. hinfegen, niederlaffen); in fittlichem
Berftande den Grund zu einer bleibenden Wirfung legen (einem gute Ge:
finnungen w. dgl. ins Herz pflanzen); 3fes. v. pflanzen: der Pflanzort,
ein Ort, wo Menſchen ſich niedergelaffen und angebaut haben (fr. Eolonie),
wenn es eine Stadt ift: die Pflanzftadtz ein ganzer Staat: der Pflanz=
ſtaat; daher: der Pflanzftädter, Pflanzbürger, Einwohner, Bürger ei:
ner Pflanzftadt; die Pflanzfchule, ein Platz, auf welchem junge, fünftig
zu verpflanzende Gewächſe, bef. Bäume, gezogen werden, auch Pflanz:
garten, Baumſchule 2.3 uneig. eine Anftalt, in welcher junge Leute zu
'einem Eünftigen beffimmten Berufe erzogen werden (4.8. eine Pflanzſchule für
Prediger, Schullehrer 2c. fr, Seminarium); daher der Pflanzfchüler, 3ögs
ling einer Pflanzſchulez — Ableit. der Pflanzer, -8, 1) wer etwas
pflanztz aud ein Werkzeug zum Pflanzen, Pflanzſtock, Pflanzholz;
2) wer eine Pflanzung anlegt od, befißt G. B. in Weftindien)s auch wer
fi) an einem unbewohnten Orte niedergelaffen und angebaut hat (fr. Co—
Lonift)z; der Pflänzling, —es, M. -e, landſch. ein junger, aus dem
Samen gejogener Daum, ein Pflanzreisz uneig. ein junger Menſch,
fofern er von Semand aufgezogen iftz die Pflanzung 1) die Handlung des
Pflanzen? (o. M)3 2) M. -en, ein bepflanzter od. überh. angebauter
Drt (eine Baumpflanzung), eine. Niederlaſſung, ein Pflanzort, f. d. (fr.
Gotonie); — pflänzeln, rückz. Zw., ſich —, oberd, f ſich jugendlich zie—
ren, putzen, ſchmuͤcken.
Pflaſter 1., ſ. -8, M. w. E., Verkl. das Pflaͤſterchen, (an:
gelf. u. engl. plaster, ſchwed, plaster, holl. plaester, franz. emplätrez alle
von dem lat, emplastrum u, diefes v. griech, Zumluorgov v. Zumhaoosır, aufs
fchmieren), eine zähe, teigartige Maffe, welche man auf Leinmand, Le
der u. dgl. ſtreicht, um fie als Heilmittel auf einen kranken Körpertheil
zu legen, durch größere Dichtheit und Zähigkeit von der Salbe verfchieden,
(das Pflafter aufftreihen; Wunde, Zuge, Blaſen-, Cenfpflafter, englifches
Pflafter 2.)5 def. auch dad mit einer folchen Maſſe beftrichene Stuͤck Rein
wand ꝛtc. felbft (ein Pflafter auflegen, es abnehmen); landſch. auch f. Moͤr⸗
tel od. Gips zum Überziehen der Wände und Decken (engl. plaster; franz.
plätre)5; — der Pflafterfäfer, die fpanifche Fliege (ſ. Stiege) 5 der Pfla⸗
ſterſpaͤtel, ein Spatel der Wundärzte zum Pflafterftreihen; der Pflafters
fireicher, verächtl. f. Wundatzt; — pflaftern 1., ziellof. u. ziel, Zw., ein
Pflaſter legen’; mit einem Prlafter-belegen, gew. bepflafternz eine
Büchſenkugel —, d. i, ein mit Talg beftcichenes Läppchen unter dies
felbe legen.
Pflaſter ., fe, —8, M. w. €, (alt. phlastir, niederd. Plafter;. ital,
piastro, lastro und mittt. lat, lastra, Pflafterftein ; wahrſch. verwandt mit
platt, 58), ein mir platten Steinen, u. überh. mit Steinen feft be—
legter Fußboden, bef. der mit Steinen ausgeſetzte Boden der Straßen
(das Strafenpflafter; das Pflaſter legen, aufreißen 2c. 5 das Pflafter treten,
d, i, mäßig in den Straßen umhergehen; es ift hier ein theures, eim heißes ꝛc.
pflatfchen — pflegen 365
Pflafter, d. i. ein theurer Aufenthaltsort); — dad Pflaftergeld, Wege:
geld zur Unterhaltung des Pflafters entrichtetz die Pflafterramme od. der
Nflafterftögel, Handramme zum Pflafternz der Pflafterftein, ein Stein,
welcher zum Pflaftern beftimmt od, ſchon gebraucht iſt; der Pflaftertreter,
verächtl. ein Müßiggänger, der fi auf den Straßen herumtreibtz — pfla—
fiern 2., ziel. 3w., mit Pflafterftiinen belegen (einen Hof, eine Strafe
26); der Pflafterer, -8, wer Steinpflafter legt, auch Pflaſterſetzer,
Steinſetzer.
pflatſchen, pflaͤtſchen, pflaͤtſcheln, oberd, Zw. f. platſchen, plaͤtſchern.
Pflaum, m., — es, oberd. f. Flaum.
Pflaume, wi, M.-e, Verkl. das Pfläumchen, (niederd. Plumme,
engl, plum, ſchwed. plommon, dän. blommeé; landſch. gem. auch Prume,
franz. prune, vom lat, prunum, gried). mgoüzwov, mit \bergang des r in 1)
die runde od. länglichrunde faftige Frucht ded Pflaumenbaumes od.
Pflaumbaumes, von verfhiedenen Arten nach Form, Farbe und Geſchmack,
z. B. die jpanifche od, ſchwarze Pflaume, die gelben Spillinge, die Hunds-,
Katharinenz, Eierz, Herrenpflaume, die runde Königspflaume 2c. 5 in enges
ver Bed. nennt man nur die runden und die größeren eirunden Arten
Pflaumen; die kleinere längliche, außen dunkelblaue, inwendig honiggelbe
Art hingegen: Bwetfchen (f. d.); der Pflaumenbaumfpinnet, ein Nadt:
falter, defjen Larve auf den Pflaumenbäumen lebt; die Pflaumenblüthe; der
Pflaumenkern, der kleine, platte in einer ſteinharten Schale eingeſchloſſene
Kern der Pflaumen; mit dieſer Schale: der Pflaumenſtein; der Pflau—
men- od. Pflaumkuchen; das Pflaumenmus, ſ. Mus; der Pflaumen⸗
ſchmetterling, eine Art Schmetterlinge, die ſich gern auf Pflaumenbäumen
aufhalten; die Pflaumentorte; die Pflaumpalme, eine Art oſtind. Pal-
men mit eifdeniger, pflaumenähnliher Frucht.
pflegen, ziellof, u. ziel. 3w,, (altd. phlekan, pilegen, in jeder Bed.
ablaut, Prüf, ich pflige; Impf. pflac, wir pflägen; Mw. gepflegen; nies
derd, plegen; angelf. pleggan, island, plaga, ſchwed. plaega, engl. plyz
urſpr. überh. arbeiten (daher Pflug?), als Gefchaft treiben, üben, leiftenz
daher Pflicht), jest gem. bloß umend, Impf. pflegte, Mw. gepflegt; nur
in einzelnen Bed. (f. u.) noch ablaut, ich pflege, (du pflegſt ꝛc.; oberd, du
pflichſt, er pflicht) 5 Impf. pflog (alt pflag), Gonj. pflöüge, Mw. gepflo=
gen; 1) mit d, Gen. der Sache, ftatt deſſen jegt in manden Fällen auch der
Accuſ. gebraudit wird: a) ausuͤben, handhaben, verwalten, die Auf—
fiht über etwas führen (eines Amtes pflegenz des Volkes, des Landes pfle-
gen 2c.); b) üben, halten, unterhalten, einer Sache obliegen (Rathes
mit Semand —, der Freundfhaft —5 auch mit dem Acc, Rath, Freundfcaft,
Unterhandlungen pflegens feiner od. feine Gefundheit —)5 c) ‚gebrauchen,
genießen, fich einer Sache Kingeben, widmen (dev Ruhe, der Liebe, der
Woluft —; in den Bed. b) u, c) gew, ablauf. 3.8. er pflog mit ihm
Rath; gepflogene Unterhandlungenz er hat der Ruhe gepflogen 2c.)5
d) Sorge tragen fie die Erhaltung, das Förperliche Wohlbefinden, die
Bequemlichkeit 2c. einer Perfon od. Sache, ſinnv. warten (3,3, feines
Leibes od, feinen Leib —, eines Kranken od, gew, einen Kranken pflegen; einen
Schoßhund — 26)5 2) ziellos mit, haben: gewohnt fein, jedod nicht bloß,
wie diefes, von empfindenden und vernünftigen Weſen, fondern auch von Sa—
366 Pflicht
chen f. gewöhnlich fein, immer in Verbindung mit zu und einem Infimi-
tiv (3. B. er pflegt nad) Tiſche zu ſchlafen; er pflegte zu fagen 2c.5 fo pflegt
es zu gefchehenz; nad) einem Gewitter pflegt die Luft fi abzukühlen); — Ab:
Leit, die Pflege, o. M., 1) überh. die Handlung ded Pflegens, insbeſ.
die Verwaltung, Handhabung, Ausübung, Auffiht und Sürforge
G. B. die Rechtspflege, Amts-, Landes, Armenpflege zc.) 3; in engerer Bed,
oberd, die Verwaltung eined Guted oder Landbezirfes, und das Gut od,
-der Bezirk felbft-(aud das Pflegamt und oberd, die Pflegei); landſch.
auch überh. eine Gegend, ein Landftrich in Beziehung auf den Ertrag und
die Nugbarkeit (z. B. ein in der beften Getreidepflege gelegenes Gut; fo aud)
Ader:, Bienenpflege 20.); 2) die Erhaltung, Aufzsehung und Verforgung
von. Perfonen, auch Ihieren od, Pflanzen (die Pflege eines Kindes; ein Kind
in der Pflege haben; vie Pflege der jungen Bögel, der Blumen 2c.)5 in enge:
ver Bed, die Sorge für das Förperliche Wohlbefinden, die forgfältige
Wartung (Pflege eines. Kranken, Alten 2); — 3feg. v. Pflege: ber
N flegamtmann, oberd. der Amtmann einer Pflege oder eines Pflegamtes
(f. 0.)5 pflegbefohlen, Bw., Jemandes Pflege od. Aufſicht anvertraut (auch
als Hw. mein Pflegbefohlener zc.); pflegbedürftig, Bw.; die Pflegeältern,
Eheleute, welde ein fremdes Kind in ber Pflege haben, einzeln: der Pflege⸗
vater, die Pflegemutter; das Kind aber: das Pflegekind, der Pflege—
ſohn, die Pflegetochter; dad Pflegegericht, oberd. ein der Verwaltung
eines Andern Anverfrautes Gerichts der Pflegefchreiber, oberd. der Gerichts:
fcreiber in einem Pflegamtez der Pflegevogt, oberd, f. Pfleger, Vormund;
— der. Pfleger, -8, die Pflegerinn, M, -en, 1) meift vlt f, Verwal⸗
ter, Auffeher, Vorfteher (bibl. Richter und Pfleger; Landpfleger); oberd.
def. f. Amtmann, Schlofsvogt, Öerichtöverwalter u, dgl.; auch f. Vor—
mund u. Fürforger (fr. Curator); 2) gew. wer für einen Andern durch
Huͤlfsleiſtung, Handreihung und Wartung ſorgt (der, Pfleger, die Pfle—
gerinn eines Kranken, eines Kindes 2c.); pfleghaft, Bw., landſch. f. ver
pflichtet, leibeigen; pfleglich, Now, u, Vw., vlt. f. einer Flugen Verwal⸗
tung gemäß (4. B. einen Wald 2c, pfleglich nugen); oberd. f. gewöhnlich;
der Pflegling, -ed, eine der Pflege eined Andern anvertraute (männt. oder
weibl.) Perfon, bef. ein Pflegefindz; die Pflegniſs, vlt. f. die Pflege,
dad Pflegamtz die Pflegfchaft, 1) dad Verhaͤltniſs od, die Obliegenheit
eined Pflegerd, die Verwaltung, Fuͤrſorge; 2) der Bezirk eines Pfle—
gers, die Pflege (f.d.)5 die Pflegung, ungebr. f. dad Pflegen, gem, die
Berpflegung.
Pflicht 1., w., M.-en, (attd. pfliht, M. pflihtez ſchwed. u. niederd,
pligtz engl, plight, Pfand; von pflegen, f.d.5 daher ehem, auch f. Pflege,
Sorge, Gewohnheit, Umgangs noch oberd. f. Pflege in der Bed. Gegend,
Landfhaft), Alles, was man zu Üben oder zu Feiften ſchuldig iſt, fei es.
nad) äußerem menfchlihen Recht und Gejeg, oder nad) inneren ſittlichen Beweg—
gründen, alfo von weiterem Umfang der Bed. als die finnv, Schuldigkeit,
Obliegenheit, Verbindlichkeit natürliche, bürgerliche, Amts-, Berufes
pflichten, Pflichten gegen uns ſelbſt, gegen Gott ꝛc.; feine Pflicht thunz feine
Pflichten beobachten, erfülien, od, unterlaffen, verabfäumenz ſich od. einem et=
was zur Pfliht machen; eine heitige, eine angenehme, eine ſchwere Pflichtz
die eheliche Pflicht, d. i. die eheliche Beiwohnung) z landſch. f. Steuern, Abs
— — — — —
— — — — — —
| Pflicht — Pflock 367
gaben, Gebuͤhren (wer Pfarrer fammelt feine Pflicht; Pftihteier, Pflicht:
foren ac dei, Abgaben an Eiern, Korn); auch f. ein feierliched Verſpre—
«hen, wodurd man fid) zu etwas verbindlich macht, bef, das Geluͤhde der
Treue; einem die Pflicht leiftenz in Pflicht ſtehen; einen in Eid und Pflicht
nehmen 20); — 3feg. pflihtbrühig, Bw., feine Pflicht brechend, eid—
brüchig; pflichtfrei od. pflichtlos, Bw., keine Pflichten zu erfüllen habend,
der Pflicht entbundenz; pflihtlos auch f. pflihtwidrig, pflichtbrüchig; das,
Pflichtgebot (dad unbedingte Pflihtgebot, fr. der Eategorifche Im:
perativ); dad Pflichtgefühl, das Gefühl oder lebhafte Bewufftfein der zu
erfüllenden Pflicht; pflichigemäß, pflichtmäßig, Bw. u. Nw., der Pflicht
gemäß od, angemefjenz die Pflichtmäßigkeitz der PflichtgenofS, ehem, ein
Einwohner ohne Bürgerrehtz; die Pflichtleiftung; pflichtfchuldig, Bw,
durch die Pflicht. auferlegt oder erfordert (die yflihtfhuldige Treue); der
Pflihttag, vis f. Gerichtstag; der od, dad Pflichttheil, Rſpr. der Theil
des Vermögens, welchen ein Erblaffer den nächſten Blutsverwandten nad) den
Gefegen hinterlaffen muſs, oberd. die Notherbſchaft; pflichttreu od, pflicht-
‚getreu, Bw., feiner Pflicht treu; die Pflichttreuez entg. pflichtvergeffen,
Bw., die Pflichtvergefenheitz die Pflichtverletzung; pflichtwidrig,
Bw., der Pflicht zuroiderlaufend; die Pflichtwidrigkeit; — die Pflichten=
lehre, die Lehre von ten Pflichten, fittlihe Rechts- und Tugendlehre; —
Ableit. pflichtbar od. pflihtig, Bw., zu gewiffen Reiftungen, Dien—
ften, Abgaben 20. verbunden (pflihtbare Güterz yflichtige Unterthanenz
bef. auch in den Zſetz. dienft:, ſteuerpflichtig 2c.); die Pflichtigkeit, das
Pflichtigſein; pflichtlich, Bw., Neuw. f. einer Pflicht aͤhnlich, in der
Pflicht gegruͤndet.
| Pflicht 2., w., M. -en (niederd, Plicht, Hol. plegı), Schiff. auf
Flußſsſchiffen ein Fleined, die Stelle einer Koje vertretendes Behältnife,
. in welches man durch ein viereciges Loch feigt, das mit einem Deckel oder einer
Lufe zugedeckt wird; insbef, die Hinterpflicht, die Schlafftelle; die Vor:
ber: cd, Vorpflidt, die Vorrathsfammer, die Steuerpflicht, das
Halbverdeck am Hintertheile; daher: der Pflichtanfer, der in der Außerften
Roth gebrauchte Hauptanker, der gew. an der Steuerbordfeite liegt,
+ pfliefen, zielof. Zw., landſch. f. zifchen, bef. von Gänſen.
pflispern, ziellof. Zw., landſch. f, fluͤſtern, wispern.
pflitſchen, zielloſ. Zw., landſch. 1) (vergl. pflatfchen) f. plaͤtſchern im
WBaſſerz2) ſ. v. w. pfitzen, pfitſchen, ſ. d.5 daher der Pflitſchpfeil,
Pflitſchbogen f. Flitzbogen.
Pflitter, m., -8, ſchwäb. f. Naͤſſe; pflitterig, Bw. f. waͤſſerig,
weich; weichlich; pflittern, zielloſ. Zw.,_f. leicht in Thraͤnen ausbre—
F auch f. kichern; pflitzen, f. weinen.
Plock 1., m., -es, M. Pfloͤcke, Verkl. dad Pfloͤckchen, (niederd.
Augge, ſchwed. plugg, engl, plug, wahrſch. verw. mit dem goth, bliggvan,
ſchwed. plagsa, ſchlagen z niederd. pladen, heften), ein Eleiner, kurzer
Pfahl oder hoͤlzerner Nagel, etwas daran oder damit zu befeſtigen; auch die
Kleinen hölzernen Nägel der Schuhmaderz Bergw, dasjenige, womit man ein
zum Sprengen gebohrtes Loc), nachdem es geladen ift, wieder ausfüllt, gew,
Lehm; daher der Pflodbohrer, Bergw. ein Bohrer, womit das Zündloch
durch ben Pflock gebohrt wird; das Pflockſchießen, Bergw, ehem, d. Spren-
368 Pflock — Pflug
gen des Gefteinss der Pflodfifch, eine Art Wallſiſche mit einem großen
Höder nach dem Schwanze zus; — pflöden, ziel, Zw., mit Pflöcken bes
feftigen oder verfehen; der Pfloͤckort, (vergl. Dit), Shuhm. das fplkige
Eifen, mit welchem die Löcher zu den Pflöcken in die Aofüge gefchlagen werden,
Pflock 2., m., -es, M. Pfloͤcke, od. die Pflode, M.-n, vum |
Flafe, ſ. d.
Pflote, w., M.-n (auch Pflaute, Pflautſch), ſchwäb. f. eine plumpe,
ſchmutzige Hand; der Pflotſch, f. ein plumper, träger Menſch; pflote
ſchig od. pflotzig, Bw., f. plump, träge, |
pflüden, ziel, Zw. (niederd, plüden, angelf. pluccian, engl, pluck,
ſchwed. plocka; verw. mit Flode) 1) mit den Fingerfpigen abreißen od, aus=
ziehen, ſinnv. zupfen, rupfen (ein Huhn, eine Gans ıc. —, auf ſolche Weife der
Federn berauben; fpridw. uneig. ein Hühndyen mit Jemand zu pflücden haben,
d. i. eine Heine Streitfahe abzumachen)z auch f. ausleſen, Flauben (Salat,
Tolle ꝛc. —)3 dicht. Töne pflüden, d. i. auf einem Saiten: Inftrument mit
den Fingerfpigen hervorbringen 2) mit den Fingern abbrechen, bef. Blu:
men und Obſt; auch in Eleine Stücke zerbrechen oder zerlegen (Küch. ge—
pflückte Semmeln, ein gepflücter Seht); dad Pfluͤckſel, -&, etwas Elein
Gepflücktes od, Zerpfluͤcktes.
Pluder, m, -8, M. w. E., landſch., die Haferfchlehe.
pfludern, zielof, Zw., ſchwäb. f. flattern; eilig Handeln,
Pflug 1., m., —es, M. Pflüge, (alt. phluog, pfluoc, altnord,
logr, nieberd. angelf, ſchwed. plog, engl, plough, ypoln. plug; wahrſch.
von pflegen (f. d,) in der urfpr, Bed, arbeiten, insber, das Feld bearbeiten),
das Ackergeräth zum Durchfurdyen ded Bodens (ſprichw. die Pferde Hinter
den Pflug fpannen, d. i. eine Sache verkehrt anfangen; das ift mein Ader
und Pflug, d. i. mein nothwendigſtes Erwerdsmittel); auch ein befpannter
Pflug u. eine damit zu leiſtende Frohne; landſch. jo viel Acker als ein Land:
mann das Jahr über mit einem Pfluge beftellen kann, ungefähr eine Hufez in
weiterer Bed. Waſſerb. ein Feilfürmiged Werkzeug, den Schlick aus einan—
der zu treiben; — 3feß. der Pflugbalken od. Pflugbaum, das deichſel-⸗
ühnliche Holz, welches das Pflugeifen trägt, der Grendelz das Pflugbeil,
ein Eleines am Pfluge hangendes Beil, deſſen man fid) im Nothfall bedient;
der Pflugbürger, Pfahl: od. Ackerbürger; der Nflugdienft, die Pflug
frohne; das Dflugeifen, ein langes, vorn gefrämmtes fehneidendes Eifen,
dicht vor der Pflugfhar in dem Pflugbalken befeftigt, das Erdreich zu zer:
Schneiden, aud das Pflugmeffer, landſch. Pflugſech (f. Seh); der Pflug-
hafen, ein Häfen zum Pflügen, ſ. Hakenpflugz der Pflughalter, wer beim
Pflügen die Pflugfterze halt, z. U. von dem Pferdelenker; das Pflughaupt,
das unterfte Holz des Pfluges, als der Haupttheil (landſch. gem, P —
Pflughbt); die Pflugkehre, -wende, das Umwenden mit dem Pfluge
und der Ort, wo es geſchieht (vergl, Kehr); die Wflugnafe, der Theil de
Pfluges, wo das Streichbrett und bie Griechſäule vorn an einander ftoßenz
der Pflugochs, =ftierz das Pflugpferd; das Pflugrad; das Pflug-
recht, das Vorrecht des Pflugesa deſſen Entwendung ſchärfer beftraft wird,
als ein anderer Diebftahlz; landſch. auch die Eintheilung des Ackers in drei Ar= |
ten; auch f. der Rain; die Pflugreute, ein mit Eifen beſchlagener langer
Stock, womit der Pflüger die an das Streichhrett ſich anhängende Erde ab»
v
Plug — pfnutfchen | 369
ftöpt, auch die Pflugſcharre, der Pflugfchorrerz die Pflugfchar (ſ. Schar),
das vorn jpisige, hinten breiter werdende Eifen, weld;es die burd das Pfluge
eiſen aufgeriffene Erde heraushebt und auf die Geite legt; uneig. Naturf. eine
Gattung Spiegelfilhe; eine Art Miesmufhelnz der Pflugfchaß, eine Abgabe
des Landmanns nad der Zahl dev Pflüge, welche er hält, aud der Pflug»
ſchoſs, dad Pfluggeld; der Pflugſchnabel, Flammenreiher (f. d.); die
Pflugſterze (ſ. Sterze), die beiden langen Sterzen, an welchen der Pflüger
den Pflug handhabt und niederdrücktz verſch. die Pflugftürze, das Streich—
brett am Pfluge, Pflugdretts das Pflugſtoͤckchen, das Holz am Pfluge, an
welchem die Räder befeftigt find, aud das Pfluggefteilhenz das Pflug⸗
wetter (ſ. Wetter), das lange Holz am Pfluge, welches vorn die Wage trägt;
— Xbleit. pflugbar, Bw., was gepfluͤgt werden kann, zum Acker—
bau tauglich; pfluͤgen, ziel, u, zielloſ. Zw., das Erdreich mit dein Pfluge
aufreißen, mit dem Pfluge bearbeiten, finno. ackern (mit Ochſen, mit
Pferden —; ein Feld —; ſprichw. mit fremdem Kalbe pflügen, f. Kalb); in
engerer Bed, zum letzten Male unmittelbar vor der Saat pflügen, z. uU, v.
brachen, ftürzen, ftreichen, felgen; uneig. Schiff. der Anker pflügt, wenn
er nicht feſt hält, fondern dem Schiffe folge und den Meereögrund aufreißtz
dicht. das Meer pflügen, d. i. mit den Schiffe durchſchneiden, furchen; der
Pflüger, -8, wer pflügt, der Ackersmann.
Plug 2, m., -8, M. Pfluͤge (niederd, Plog, holl. ploeg), niederd.
f. ein Haufen Leute, die unter einem Auffeher eine gemeinfhafttihe Arbeit
verrichten, 3. B. beim Zorfgraben, bei Deicharbeiten; in weiterer Bed, überh,
f. Menfchenhaufen, Rotte, Partei, ſchlechtes Gefindel,
pflügig, Bw., Tuchm. bezeichnet die fehlerhafte Befchaffenheit an Tuͤ—
chern von gemengten Farben, wenn ganze Knoten von einer Farbe unter den
andern erſcheinen.
pfnaufen, pfnufen, pfnaften, pfneiſchen, pfniefchen, pfnüfchen
pfnachfen, pfnogen, ziellof. 3w. (Scallwörterz vergl, das griech, zuen),
oberd. f. ſchnauben, ſchnaufen, durch die Naſe hauchen, ſchwer athmen,
keuchen; daher der Pfnaſt, oberd. f. Dampf, Hauch; — insbeſ. pfnei—
ſchen ats ziel. 3w., Jäg. f. durch den Geruch der Speiſe anlocken, koͤ—
dern; auch den Jagdhunden das Genieß (ſ. d.) geben, welches auch die
Pfneiſche od. das Gepfneiſche heißtz pfnieſchen od, pfnuͤſchen f. nieſen;
pfnotten od. pfnotzen f. ſchmollen, maulen,
pfneiſten, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. funken, funkeln; der Pfneiſten, -8,
f. Funken; pfneiſtig, Bw. f. haſtig. a
Pfneller, m., -8, od. der Pfnill, -ed, M. -e, ſchweiz. ein am Stall
angehängter Bretterverfchlag zur Aufbewahrung des Heues.
pfnittern, zielloſ. zw. (auh pfniggen) ſchweiz., bei verftopfter Nafe
mit Gewalt die Luft durch diefelbe ausſtoßen; auf f. Fichern (hair,
pfnuchezen). h
pfuofert, Bw., ſchweiz. f. narbig, blatternarbig, knorrig.
Pfnuͤſel, m., -8 (f. pfnaufen),. ſchweiz. f. Schnupfen; pfnuͤſeln, ziel:
of. Zw. ſ. verfchnupft, durch die Nafe reden; — pfnufen, pfnüfchen,
3w. f. pfnaufen,
pfnutichen, ziellof, Zw., dandſch. gem, f. ſchluchzen.
Heyfes Handwoͤrterb. d. deutſchen Spr. 2, Theil. 24
370 pfodeln — Pfragner
pfodeln, pfoßeln, ziellof. 3m, , ſchweiz. f. fhlottern; pfodelig, Bw.
f. J
Pforte, w., M. -n, Verkl. dad pfoͤrtchen (altd. phorta, porte,
niederd. Poorte, ſchwed. ae von dem lat. porta), überh. f, v, w, Thür,
Thor, bef. in der höhern Schreibart und uneig, (z. B. die Pforten des Him:
mels, der Hölle, des Grabe u, dgl); im gem. Leben in engerer Bed, ein
kleineres Nebenthor, eine Nebenthuͤr für Fußgänger; in weiterer Bed, jede
Öffnung, Durchgang, Engpafd, 3. B. die Weſtphäliſche Pfortes Schiff.
die Öffnungen für die Kanonen (Stück- oder Gefhüspforten, aud
Pfortgate, ſ. Sat); die hohe od, Dttomanifhe Pforte, eig. ber
Palaft des türkiſchen Kaifers, dann defien Hof, u. das ganze türkifche Reich;
— 3fes. die Pfortader, Anat. eine der drei großen Blutadern, welche das
Blut von den Verdauungswerkzeugen in die Leber führt; die Pfortlufe,
Klappe, weldje eine Stüdpforte des Schiffes verfäließt; das Pforttau, Taue,
mit welchen die Stüdpforten geicloffen werden; das Pfortengericht, landſch.
ein Gericht, welches in den Klöftern vor den Thoren gehalten wurde; — Ab:
Veit. der Pfortner, As, die Pförtnerinn, M. -en, wer an einer
Pforte Wache Hält, Thorwaͤchter, Ihorwärter in großem Häufern (franz. |
Portier) u. bef, in Klöſtern.
Pfoſch, m., —es, M.-e (verw, mit d, lat. pascere?), Züg, f, Fraß,
Futter od. Koͤder für wilde Thiere; der Pfofchherd, eine Art Vogelherd
auf bloßem Rafen, entg. Bufchherd,
Pfoſche, w., M.-n, obere. f. Steckruͤbe, Scherrübe,
Pfoſe, w., M. -n Grielleicht von pfauſen, ſchwellen), ſchwäb. f.
Pflaume.
Pfoſte 1., w., M. -n, oder der Pfoſten, -3, Mw. E., Verkl.
dad Pfoͤſtchen, (ſchwed. u. engl. post; vom lat, postis), ein fenfrecht
ftehender Stüß= oder Tragbalfen, z. B. die Brüdenpfühle, Thür- und
Senfterpfoften, Bettpfoften 26,5 insbef. die Ihürpfoften, daher auch f. Thür
und Thor ſelbſt; in weiterer Bed. überh, ein dickes Brett, eine ſtarke
Bohlez oberd. auch f. Stange, 3. ®. Bohnen: und Hopfenſtange.
Pfoſte 2., w., ober der Pfoften, -$, gew. nur M. Pfoften od. Po⸗
fien, (franz. — wahrſch. v. ap boffen, engl. push, franz. pousser,
ſchlagen, ftoßen), oberd. F zerhacktes Blei, Stücke von Bleifugeln, gro—
bes Bleifchrot zum Schießen.
Dfote, w., M. -n, Berk. das Pfotchen, (niederd. Pote, Hol,
poote, franz. patte; von aaa Stamme mit Fuß, niederd. u, Hd foot3
gried). nous, mod-05 2.), eig. die Fuͤße der Fleineren vierfüßigen Thiere,
bef. wenn fie mit Zehen verfeben find (3. B. die Pfoten des Hundes, der Katze;
auch Hammel, Haſenpfoten) z in engerer Bed. nur die Vorderfüße ſolcher
Ihiere (der Hund giebt die Pfote; das Eichhbrnchen hält feinen Fraß mit den
Pfoten); verächtl. oder fherzh. aud von den Füßen der Menfchen (große
Pfoten habenz einen auf die Pfoten treten), u. f. Hand (einen auf die Pfote
Eopfenz; ſchmutzige Pfoten u, dgl.); dad Pfötchen, auch f. die zufammene
gehaltenen Fingerfpisen (ein Pföthen machen), u. fo viel als man mit den '
Fingerfpigen einer Hand auf einmal faffen Fannz pföteln, ziel, Iw.,
Neuw. fe mit den Pfoten oder der Hand Fragen od, ſtreicheln.
Pfragner od, Fragner, m, -8, Mm. E. (wahrſch. v. fragen, wie 7
Aula pfreng — Pfründe 871
Frätſchler v, frätſcheln, ſ. d.z vergl. das dün. vrage, mäfeln), oberd. ein
Kleinfrämer, Höfer, Lebensmittile, Gemüfer, Obſthaͤndler.
pfreng, Bw., oberd. f. eng, —— pftengen ziel. Zw. (nieberd. u.
hol. prangen) f. einengen, preffen, — die Pfrengniſs, Pfrangſal,
f. Beſchwerung, Nöthigung.,
Pfriem, m., es, M.-e, auch der Pfriemen, -8, M. w. E., u
die Pfrieme, Mi-n, (altd. phrimo, niederd. Preem, — * priem, ſchwed.
pren; vergl, d. lat. —— Spieß, u. das altd, bram, Stachel; bremen,
ftechen 2c, unter Brom, Bremfe), überh. ein langer, ſpitziger Sorper, re
her f. Sinfter, Hafenheive: Pfriemen od, das Pfriemenkrautz ind
def. die dünnen zugefpißsten Eifen der Sattler, Riemer, Schuhmader ꝛc.
zum Durchftechen des Lederö, auch Ahle, Drt genannt, wenn fie dünn und
gebogen find; uneig. Landfch. ein fehmales, fpig zulaufendes Stück Landes;
Naturk. verfchiedene Schneckenarten; — pfriem- od. pfriemenfürmig, Bw.
lang, dünn und zugefpigt (3. B. ein Blatt); dad Pfriemengras, Borften:
gras; Federgras; das Pfriemhorn, die Pfriemfchnede, eine Art
Schraubhbrner.
Pfrill, m., Aes, M. -e, oder die Pfrille, M. n, oberd, f. Elritze, ſ. d.
Pfropf, m., -5, M. Pfroͤpfe, auch der Pfropfen, -3, M. w. E.,
Verkl. das Pfroͤpfchen, (niederd. u, ſchwed. propp, engl, prop), ein
Stuͤck einer gew, weicheren Maffe, womit eine Offnung verftopft wird,
von weiterer Bed. ald Kork (ſ. d.), von engerer, ald Stöpfel, welder
auch von Glas, von Stein zc. fein kann (3. B. der Pfropf auf einer Flaſche,
gew. ven Korkholz; der Pfropf von zufammengeprefftem Papier, Werg ꝛc.,
welchen man auf die Ladung eines Schiefgewehrs fegtz der Ranonenpfropf,
ein rundes Stüd Holz, womit die Mündung einer Kanone verſchloſſen wird
20); der Pfropf, landſch. auch f. das Pfropfreis; der Pfropfzieher,
ein Werkzeug zum Ausziehen der Korfpfropfen aus den Flaſchen; — pfrop⸗
fen, ziel. Zw. (niederd, proppen, ſchwed. proppa) 1) in eine Offnung hinein
zwaͤngen od. ſtopfen (einen Kork auf die Flaſche, Kleider in den Mantelſack etc.)3
etwas voll—, gedrängt anfüllen, vollitopfen (einen Korb, Kaftenzc. mit
Wäfhe voll —; gepropfe voll, gem, f. gedrängt voll; fich voll pfropfen, d. i.
übermäßig mil Speife anfüllen) ; in engerer Bed, mit Propfen verfchliegen
Glaſchen —);5 2) ein Reis von einem veredelten Baum in den Spalt ein=
ſetzen, welchen man in den Stamm eined Wildlings gemacht hat, und
diefen dadurch veredeln, vergl, impfen, pelzen, fowohl ziellos (3. B. in den
Spalt, in die Rinde, in den Kerb —), als ziel. (ein Reis pfeopfen; einen
Baum —, di; pfropfend veredeln; ein gepfropfter Baum); uneig. Zimmerl.
an ein ſchadhaft gewordenes Zimmerholz ein friſches Stück anſetzen; das
Pfropfbein od.-beinchen, der Pfropfmeißel, das Pfropfmeſſer, Werk:
zeuge der Gärtner zum Pfeopfenz dad Pfropfreis, ein jähriger Schöſſting
mit Knoepen, der auf einen andern Stamm gepfropft wird; die Pfropffäge,
Baumſäge zum Abfügen der Stämme, auf welche gepfropft werden ſoll; die
Pfropfſchule, Baumfchute von gepfropften Stämmen; dad Pfropfwachs,
Baumwachs zum DVerkleben des Spaltes, in welchen gepfropft iſt; — der
Bar wer pfeopft, fei ed Flafchen oder Bäume,
Pfründe, w., M. n (altd. phruonta, fruonda, pfrundez vom mittl.
24*
372 pfuchen — pfui
lat, praebenda, d,i. das Darzureichende; daher auch das altfranz, prou-
vende, hol. provande), eig, überh. Nahrungsmittel, welche vertragsmaͤ—
1 fig gereicht werden (daher noch bair, was die Altern ſich zum Lebensunterhalt
ausbedingen, wenn fie den Kindern das Hausmwefen übergeben); insbef. der
Unterhalt, welchen Jemand aus einer Stiftung Iebenslänglih erhält, .
daher eine Stelle in einem Verpflegungs- oder Urmenhaufe ꝛc.; gem. in
engerer Bed. ein mit Einfünften verbumdenes geiftliches Amt, eine eins
träglihe Stelle in einem geiftlihen oter Ritter: Orden; der Pfruͤndenkauf,
die Erkaufung einer Pfründe (fr, Simonie)z das Pfruͤndgeld, das in einer
Pfründe einkommende Geld; das Pfruͤndgut, ehem. ein Gut, welches Je—
mand zur Pfründe angewieſen iſt; — pfruͤnden, Zw, 1) siel, einen —
ihn vertragsmaͤßig ernähren; ihm eine Pfruͤnde verleihen; 2) ziellos, al⸗
Pfruͤnde eintragen (die Abtei pfründet gut) z3 der Pfruͤndner, landſch. auch
Pfruͤnder, —8, wer eine Pfruͤnde hat.
pfuchen, pfirchezen, pfuchzen, zielloſ. Zw. (v. dem oberb, Naturlaut
pfuh, pfuch), oberd, ſ. v. w. fauchen (ſ. d.), von Kagenz auch f. Feu-
hen; niefenz heimlich lachen.
Pfudeiſen „ſ., Bergw., ein gekruͤmmtes Eiſen in ven Scheren ber
Haspelſtützen.
Pfuhl, m., -es, M. Pfuͤhle u. Pfuhle (altd. pfuol, niederd. Pohl,
Puhl, angelf. pul, engl. pool, ſchwed. pölz; verw. mit dem lat. palus,
Sumpf), ſtehendes, unreined Waſſer, größer und tiefer als eine Pfüse,
einee als ein Sumpf, ſinnv. Lache G. B. Regen», Miſtpfuhl 2c.)3 bibl.
uneig. der feurige Pfuhl, f. die Hölles — der Pfuhlfiſch, in einem
Pfuhle lebender Fish, bef. Karpfen: Pfuhlkarpfenz; die Pfuhlfchnepfe,
Sumpf, Riethſchnepfe; pfuhlen, ziellof. Zw., landſch. f. nach dem Pfuhie
riechen od. ſchmecken; pfuhlicht, Bw., pfuhlähnlid.
Pfuhl, ſ.,-es (vergl. d. griech. — Koth), ſchweiz. f. Aus kehricht; da⸗
her verpfuhlen, Zw, f. unnütz durchbringen, verſchwenden ; die Pfuh—
lerinny eine ſchlechte Haushälterinn od, Köchinn.
Pfuͤhl, m. (oberd. auf f.), -2d6, M.-e, Verkl. das Pfuͤhlchen,
(td, phulwo, oberd. aud) Pfulben, Pfülbe, Pfülb, Pfulg, Pfulgen; nie
derd. Pohl, engl. pillow, vom fat. pulvinar, pulvinus), überh. f. Bett=
kiſſen, Polfterz insdef, dasjenige Bettſtuͤck, welches wiſchen dem groͤße⸗
ren Unterbett und den kleineren Kopfkiſſen die Mitte hält u. ſowohl unter
den Kopf, als unter die Füße gelegt wird (Kopf-, Fußpfühl); uneig, Bauf,
ein jedes runde, einen halben Streisbogen bildende Glied, oberd. der Pfuhl
genannt, aud) der Wulft (lat. torus); Krfpr, ein Stück Holz, welches auf
den Nichtriegel zur Unterftüsung des Bodenftüds einer Kanone gelegt wird,
Nuhlbaum, m., Bergw. der Baum, woran ſich der Korb eines Göpels
befindet; die wagerechten Balken, in melde die Haspelftügen eingezapft ſind;
das Pfuhleifen, Bergw. Erumme Eifen, in welche die eiſernen Knöpfe des
Rennbaumes befeſtigt ſind.
pfui, Empfindl. (oberd. pfei, pfuch, niederd. ſchwed. franz. A, engl. fy,
faugh, tat. phy, griech geil), natüclicher Ausdruck des Widerwillens,
Ekdls, Abſcheues, durch ein Wegblaſen od. heftiges Ausſtoßen der Luft, (pfui,
wie häßlich! pfui, ſchäme did! auch mit dem Gen, pfui der Schande! u. dal.
—
nn
Pfumpf — Pfund 873
m.) 3 pfuien, ziellof. Zw., gem. f. pfui über etwas außrufen, feinen Efel
darüber aͤußern.
Pfumpf, m., -es, M.-e, ſchweiz. eine Furze, dicke, unbehuͤlfliche
Perſon; die Pfumpfnafe, fränk. f. Stumpfnafe.
Pfund 1., f., -ed, M.-e, jedoch nad einem Zahlw, in der Mehrh.
unverändert, 3, B. zehn Pfund zc. (altd. phunt, funt, pfuntz goth. niederd,
ſchwed. dan. pund, engl. poundz vom lat. pondo, Pfund, pondus, Ge:
wit, v. pendere, herabhangen laffen, wägen), 1) cin beſtimmtes Ges
wicht von verfchiedener Schwere, insbeſ. dad gewöhnliche oder Kramer—
pfund = 16 Unzen od, 32 Loth (z. B. ein Pfund Brod, Fleiſch, Butter ꝛc.;
etwas nad) Pfunden verkaufen); dad Upothefer= od. Medicinalpfund =
42 Unzen od, 24 Loth; ald Gold: u. Silbergewicht ehem. f. v.w, eine Mark
= 8 Unzen ober 16 Loth; dad ſchwere od. Schifföpfund, ein Gewidt von
ungefähr 3 Bentnernz 2) eine gewilfe Menge gemuͤnzten Geldes, ehem.
als wirklihes Gewicht: ein Pfund Schillinge, Pfennige zc, d. i.: fo viele als
auf ein Pfund oder eine Mark gehen, gem. 20 Schillinge od. 240 Pfennigez
jetzt noch als Rechnungsmuͤnze, z.B. ein Pfund Flämiſch, in Hamburg
= 21 Thaler; im Wirtemberg. ein Pfund = 20 Shillinge od. 120 Pfens
nige; in England: ein Pfund Sterling 6 Thaler Gold; 3) oberd. in
weiterer Bed. eine Zahl von 240 Stuͤcken jeder Art von Dingen (z.B. ein
Pfund Bäume, Semmeln, Krautföpfe, Nüffe u. dgl. m.) z öſtreich. ein
Pfund Holz, d. i. 120 mäßige Reiſigbündel; 4) uneig. (dem griech. zuhavros,
Talent nacdhgebildet, d, i. eig. Gewicht, dann dus Zugewogene, vom Schickſal
Zugetheitte) bibl, f dad dem Menfchen zugetheilte Maß natürlicher Fähig=
feiten, Anlagen, Naturgaben (fein Pfund vergraben, d. i. feine Fähigkeiten
unausgebildet und ungenutzt laffenz entg. mit feinem Pfunde wuhern); —
3feg. der Pfundapfel, die Pfundbirn, =Fartoffel, nufs, Arten ſehr
großer u. ſchwerer Apfel, Birnen 20,5 das Pfundgewicht, ein Gewicht von
einem Pfunde: der Pfundflein, wenn eö ein Stein iſt; das Pfundholz,
ausländiſche Holzarten, welche pfundweife verkauft werden ; das Pfundleder,
ftastes Sohlenleder, welches nad) Pfunden verkauft wird; die Pfundfchagung, -
ſchweiz. ein Flächenmaß od, eine Strede von 80 Klafternz pfundweife, Nw.,
nad Pfunden (z. B. verkaufen); der Pfundzoll, in Seeſtädten: der Zoll,
welcher von den Schiffefradhten nach Schiffepfunden entrichtet wird; das Ge:
baude, wo dies gefchieht, Heißt dad Pfundhaus; die zur Erhebung diejes
Zolles angefegte Behörde: die Pfundkammer; der Einnehmer bei einer jol-
hen: der Pfundſchreiber; — Ableit, pfunden,, ziellof. 3m. , vit. f. ein
od. mehre Pu wiegen; pfünden, ziel. Zw. f. waͤgen; der Pfunder od.
Pfundner, -3, altoberd, eine Münze, ein Pfund od, 240 Pfennige gelz
tend; auch ein Öetränfmaß ; der Pfünder, -8, 1) in niederd, Seeftädten,
wer Kaufmanndgüter wägt; 2) was ein Pfund fehmer iſt; in Zfeg, wie
Sechs⸗-, Zwölfpfünder 2c. eine Kanone, die eine Kugel von fo viel Pfunden fchießtz
pfündig, Bw., ein od. mehre Pfund wiegend, bef. in Zſetz. wie zweiz, dreis,
fehö:, zwanzigpfündig 20.5 pfündiges Zinn od. Pfundzinn, di, uns
reines Zinn, welches eine gewifje Anzahl Pfunde Blei im Zentner enthält (58
zehn-, zwanzigpfündiges Zinn); pfündige Pfennige, d. i. pfundweife
gerechnete, od, auch ſolche, von denen die beitimmte Zahl ein volles Pfund auss
machte (wichtige Pfennige),
374 Pfund — Philipp
Pfund ?., fe, -d, M.-e, Bergw. ein rund audgefchnittened Holz, -
in welhem der Erumme Zapfen des Verghaspels fih umdrehtz das Pfund-
holz, Bergw. Höfzer, die in die Halbgerinne gelegt werden, F
Pfund 3., ſ., Ses, M.-e, Jäg. ein Schlag, ein Streich mit dem
Weidemeſſer zur Beitrafung von Fehlern gegen die Weidſprache.
Pfundgeld, ſ. (nicht von Pfund, fondern von dem lat. fundusz vergl,
Fundſchoſe), oderd. f, die Kauf- und Unnehmelehen ven unfreien Grund:
ſtücken.
Pfuſche, w., Mi -n (vergl. foß, niederd. fuſſig f. locker, faferig) thü—
sing. ein ſich nicht gehörig ſchließender, flatterig bleibender Kohlkopf; der
Pfuſchenkohl, in kleinen, ungeſchnittenen Kbpfen eingemachter Weißkohl.
pfuſchen, Zw., (oberd. pfutſchen, vergl. pfitzen, von dem Naturlaut
pfuſch, pfutſch, welcher ein Ziſchen, auch eine ſchnelle, augenblickliche Be—
wegung ausdrückt) 1) ziellos, gem. f. einen ziſchenden Schall hören laſſen
(das Schießpulver pfufcht); 2) ziellos u, ziel, etwad in Haft, eilfertig und
Hichtig verrichten, insbeſ. ſchlecht und ſtuͤmperhaft, aud ohne Beruf und
Berechtigung arbeiten (in ein Handwerk, in eine Kunft pfuſchen; auch: eine
Arbeit —)5 der Pfufcher, -8, 1) der zifchende Laut des Schießpulverß,
def. wenn es unwirkjam von der Pfanne abbrenntz daher gem, uneig. f. Feh—
ler, Verſehen; 2) wer pfuſcht, d. i. eilig und ffümperhaft arbeitet, ſinnv.
Stuͤmper; in engerer Bed, wer ein Handwerk ‚oder eine Kunft ausuͤbt,
ohne es gehörig erlernt zu haben, ein nicht zunftiger Handwerker; die Pfu—
fcherei, das Pfuſchen; eine gepfufchte Atbeit; pfufcherhaft, Bw, u.
N, nach Art eined Pfuſchers; die Pfufcherhaftigkeit; pfufchern, 8w.,
gem. f. ein Pfuſcher fein, als Pfuſcher arbeiten.
pfufen, pfuͤſen, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. v. w. pfaufen, pfiefen, f. d.
Pfuͤtze, w., M..-n, Verkl. dad Pfuͤtzchen, (altd. puzza, ſchwed.
puss; niederd. Pütte, isländ. pytt, engl, pitz vom lat, puteus, Brunnen,
ebem. überh. ftehendes Waffer) ein kleines unreined ſtehendes Waſſer, ein
Fleiner Pfuhl, finnv. Rache; ehem. (wie noch das niederd. Pütte, Püttje)
auch f. Brunnen, Pumpe; Zſetz. der Pfuͤtzeimer, die Pfuͤtzkanne,
⸗ſchale, Bergw. Gefäße zum Ausſchbpfen bes Grubenwaſſers; die Pfuͤtzmade,
Würmer, die ſich an Miſtpfützen aufhalten, zum Köder beim Fiſchfange brauch—
bar; pfuͤtznaſs, Bw., gem. f. völlig durchnäſſt, wie aus einer Pfütze gezo-
gen; ‚die Pfuͤtzenwanze, dünne, ſchmale Waſſerwanzez — Ableit.
pfuͤtzen 1., ziel. 3w,, gem. u. Bergw. f. ſchoͤpfen, pumpen (niederd, püt-
ten, franz. puiser); pfüßicht, Bw., einer Pfuͤtze ähnlich; pfuͤtzig, Bw.,
Pfuͤtzen enthaltend, fumpfig, ;
pfüßen 2., ziellof, Zw. , ſchweiz. |. v. w. pfißen, f.d.5 beſ. f. zerplaßen,
ringen,
" a 'ein zufammengefegtes Schriftzeichen für den einfachen Lippenhauclaut f,
im Altd. häufig für f, ff, pf gebraucht, jegt nur noch in griechiſchen Wörtern
(3. B. Philipp, Phiofophie, Elephant), ferner in Epheu, Kampher u.
einigen bdeutfchen Eigennamen, als: Weftphalen, Adolph, Rudolph,
wofür aud Einige ſchon Weftfalen, Adolf zc. fhreiben.
Philipp, m., -8, M. -e, ein aus dem Griech. (plAuzos) entlchnter
männl, Vornamen), welcher eig. Pferdefreund bedeutet; der Philippsthas
fer, ein ſpaniſcher Thaler = 1 Thir. 12 9Gr.
picheln — Pieke 875
picheln ot, pichen 1., zielloſ. Bw, (f. v. w. pegeln, f. d.) landſch. gem.
f. ſaufen.
pichen 2. , ziel. Zw., ſ. v. w. pechen, f. d. (3. B. Fäffer pichen); Forſtw.
Baͤume —, ſ. v. w. harzenz die Pichleinwand, mit Pech überzogene eins
wand; die Pichnelfe, ſ. v. w. Pechnelkeʒ; das Pichwachs, Tandfd;. dag
grobe Wachs, womit die Bienen die Rigen der Stöde verfhmieren, Stopf-,
Vorwachs 2c.
Pick, Pickart, Pie, ſ. unter piden.
Pidel, m. od.f., -8, M. w. E., Verkl. dad Pickelchen, (vergl,
b. oberd, Peckel, Pecken f. Gebrehen, Fehler) niederd, f. kleiner Fleck,
Eleined Gefhwür, Hitzblaͤschen auf der Haut,
Pidelbeere, w., landſch. f. Heideldeere (f. Bickbeere); auch f, Preis
ßelbeere.
Pickelfloͤte, w. (. d. ital, piccolo, Hein), kleine Querpfeife mit fel—
nem, hellem Ton.
Pickelhaͤring, m. (Hol. pekelhaaring, engl, picklo-herring, d. 1, eig,
Potel:Häring, eingefalzener Häring, wahrfh, als eine Lieblingsfpeife
des Volks und zugleich wegen des ſcharfen Gefhmads auf den witzigen Luſtig—
macher Übertragen; vergl, Hanswurſt, das franz. Jean Potage, das engl.
Punch u, Jack Pudding) auf der ehemal, deutſchen Bühne der Luſtigmacher,
Poffenreißer, Handmurft.
Pickelhaube, w., r. Bicfelhaube, ſ. d.
picken 1., siel, u, ziellof. Zw, (v. dem fhellnahahmenden Naturlaut pick;
mittelhochd. bicken, holl, beckenz; ſchwed, picka, engl, peck, franz. pi-
quer), überh. hacken, mit etwas Spitigem hauen; insbef. mit dem
Schnabel hacken; den Schall pick, pick hören laſſen, Teife fchlagen (eine
Taſchenuhr pickt); der Pi, -d, M. -e, gem, f. ein leichter Hieb oder
Stoß mit etwas Spitzigem; der Schlag iiner gehenden Uhrz oberd, auch f,
Groll, heimliher Widerwillen (fonft auch: Piek, Pieke); der Pidart, .
—es, M.-e, landſch. f. Rohrdommel, weil fie Menſchen und Thieren nad)
den Augen piden fol; die Pide, M.-n, ein eifernes, ſpitziges Werkzeug
zum Picken, Ausbrechen od. Behauen der Steine, landſch. auch der Pickel;
niederd, überh. f. Hacke; der Pier, „8, wer pickt; pideln, Zw., fanft
picken, leife berühren; pickern, Zw. gem. f. wiederholt picken.
picken 2., zielloſ. Zw. (von Pech) oberd. f. kleben, haften.
Pickenick od. Picknick, m., 5, M. -e (aus dem franz. piquo-nique),
ein gemeinſchaftlicher Schmaus, wozu Jeder feinen Beitrag an Speiſen
giebt, ein Zuſchuſsmahl.
Pickroſine, w., die befte Sorte fpanifcher Nofinen, Tange Rofinen.
Piek 1., m, -d, M.-e, Schiff. Benennung gewiffer Taue; baher
piefen, ziel. Zw., die Nahen an der einen Seite aufholen us an der ans
dern niederlaffen; — Piel 2, w., M. -en, Schiff. die unterfte u, hin—
terite Abtheilung oder der Naum im Schiffe dicht am Hinterfkeven ; daher
das Piekholz, gabetförmige Hölzer zunächſt bei dem Vorder» und Hinterfte:
ven; die Piefpforte, Schiffb, eine Hinten in der Piek gemachte Pforte.
Pieke od. Pike, w., M. -n, (Gunädft aus dem franz, pique, engl.
pike, ſchwed. pickz verw, mit piden), ein Spieß mit einem langen
Schafte, womit ehem. die Fußſoldaten im Kriege bewaffuet waren, welche
376 | Piel — Pille
daher auch Piekeniere od. Piekenträger hießen; baher in der franzöf,
Spielfarte: Piek (pique), die Farbe, deren Beichen dad Eifen einer
Pieke iftz auf Gröntandfahrern: gekruͤmmte eiferne Haken; landſch. ein
Laͤngenmaß von etwa 2 Klaftern; uneig. gem, (auch) der Piek, Pic) f.
Groll, heimlicher Hafs (eine Pieke auf Semand haben).
Piel, m. od. Viele, w., M. Viele, Vielen (wahrſch.— Pfeil), nie:
derd, die Bee in der Haut fisenden zarten Federkielez daher die Piel-Ente,
Pielke, M.-n, landſch. f. junge Ente, junge —
Pielkefpiel, Ktafel, niederd. f. Beilkeſpiel ꝛtc. ſ. d.
piep od. pip, ein Schallwort, welches einen feinen, helfen Ton nad:
ahmt, 3.8. den Ton junger Vögel, beſ. Hühnerz daher der Piep, -e&,
M.-e, gem. ein einzelner Laut diefer Art; piepen, verkl. piepeln, auch
piepſen (lat, pipare, pipire, griech. mınzllo), zielloſ. Zw. den Laut piep
hören laffen (ein piependes Küchlein); uneig: gem. f. mit feiner Stimme
fprechen od. weinen; von Kindern: weinerlich fein, verzaͤrtelt od. kraͤnk⸗
lich ſein; niederd. f. pfeifen; — die Piepgans, eine piepende junge Gans;
der Piephahn, das Piephuhn, Kinderfpr. f. Hahn, Huhn; uneig. f. ein
piependes, weinerliches Kind; piepjung, Bw., hamburg. f. ſehr jung; die
Pieplerche, die kleinſte Lerchenart, Heuſchreckenlerche, Heidelerche zc., auch
der Pisperling; der Piepmatz, landſch. gem. f. ein kleiner piepender Vogel;
der Piepſack, niederd. f. Dudelſackz auch ein oft piependes Kindz — der
Pieper, -85 wer piept; der Pieperling, — es, niederd. f. ein verzaͤrtel⸗
ter Menſch; piepig, Bw., niederd. gem. für oft piepend, weinerlich,
kraͤnklich.
piff, ſ. paff.
Pilger, m., —s, M. w. E., alt auch der Pilgrim, -8, M.-e;
weiblich: die NPilgerinn, M. - en (ehem. auch der Pilgramz altd, piligrim,
ſchwed. pelegrim, engl. pilgrim, franz. p@lerin’; vom ital. pelegrino, und
diefes aus dem laf. peregrinus, der Fremde, eig, Wandrer), ehem. f. Frem⸗
der, Außländerz ein Fußreifender, Wandrer; gew. in engerer Bed, wer
nach einem entfernten Undachtdorte wandert, ein Wallfahrer, Waller;
— 3fes, die Pilgerfahrt, Wallfahrt; die Pilgerflafche, Kürbiſsflaſche
eines Pilgerss der Pilgerhut, Muſchelhut (f. d.) der Pilger; die Pilgerklei=
dung, der Pilgermantel, vod rc; das Algerien, uneig. das menfih:
liche Leben überh. mit einer Wanderung verglichen; der Pilgerömann, ſ. v.
w. Pilgerz das Pilgermaͤdchen; die Pilgerſchaar; der Pilgerſtab, ein
langer Stab oben mit zwei Knöpfen, wie ihn die Pilger führen; überh. f.
Wanderftab; die Pilgertafihe, Neifetafche der Pilger; — Xbleit, die
Pilgerſchaft, felten Pilgrimfhaft, der Zuftand eines Pilgerd od. eis
ner Pilgerinnz aud) f. Pilgerfahrt, Wanderung nad) einem Gnadenorte;
pilgern, ziellof. Zw, mit fein, und ohne Angabe des Ziels od. des durchpil—
gerten Raums mit haben (5. B, er hat den ganzen Tag gepilgert), eine Pilz
gerfahrt unternehmen oder darin begriffen fein, wallfahrten; überh. f.
wandern (uneig. durchs Leben —).
Hille, w., M.-n, Verkl. dad Pillchen (engl. pill, franz. pilule;
vom lat, pilula, Kügelchen, Büllchen, v. pila, Ball), Urzenei in Geftalt
von Kuͤgelchen, Arzeneikuͤgelchen, welche oft vergoldet od. verfilbert werden,
und die man ganz hinunterfchludt; uneig, f. etwas Unangenehmes, Widri—
pillen — Pimpinelle | 377
ges, ein Verweis, Vorwurf (z. B. einem eine Pille zu verſchlucken geben,
d. i. ihn eine bittere Bemerkung, 'einen Verweis anhören laſſenz bie Pille
vergolden od. verfilbern, uneig. f. den Vorwurf od. Verweis durch Einkleidung
verſtecken); die Pillenblume, eine Pflanzengattung mit runden Honigdrüfen
im Kelchez der Pillendreher, gem, verächtl. f. Apotheker; der Pillenfarn,
eine Art Farntraut, deffen weibliche Befruhtungstheile in Geftalt Eleiner Pil—
len an der Wurzel figen (pilularia L.); die Pillennefjel, eine Neſſel-Art mit
kleinen kugelrunden Fruchtkätzchen im füdl, Europas die Pillenfchachtel; der
Pillenteig, teigartige Maffe, aus welder Pillen geformt werben,
pillen, 3w., f. billen.
Pilot, m., -en, M.-en (zunächſt entlehnt aus d, franz. pilotez ital,
piloto, holl. piloorz vieleicht deutfhen Urfprungs, von Loth, Senkblei,
vergl, Lootfez od, v. bem niederd, pilen f, peilen (f, d.), meffenz; zufammen-
geſetzt aus pilen u, Loth Fann es nicht fein), der Steuermann, auch f.
2ootfe, Lootsmann, f. d.5 Naturk, ein Fleiner Fiſch, welcher den Hai be:
gleitet u. ihn zu feinem Raube zu leiten fheint,
a w., M. -n, landfd, 1) f. Bilfez 2) f. Srieche, Pflaumen:
ſchlehe.
Pilſenſchnitt, m., Landw. das von einer kleinen Larve herrührende Bleich—
werden und Abſterben einzelner Kornaͤhren.
Pilz, m., ed, M, -e, Verl. dad Pilzchen (altd, buliz, v. d. Yat,
boletus, griech. BoAlrys) ; eine Gattung fleifchiger, lederartiger oder hol-
zichter Gewächfe mit einem meift gerundeten Kopfe, der auf einem Stiele auf:
fist, Erdſchwaͤmme; in engerer Bed, nur die efebaren Schwaͤmme; in
enafter Bed. der Loͤcherſchwamm; (in die Pilze gehen, d. i, eig. in den Wald
gehen, um Pilze zu fuchen, uneig, f. davon gehen, verloren gehen); Pilzicht,
Bw., pilzähnlich, zäh und ſchwammicht; pilzig, Bw., Pilze enthaltend,
mit Pilzen bedeckt,
Pimpe, w., (vergl. Pampe) niederd. f. Mehlbreiz der Pimper, -8,
öftr. eine in Schmalz gebackene Mehlſpeiſe.
pimpeln, ziellof. Zw., landſch. gem. f. weichli und weinerlich Flagen,-
verzärtelt feinz auch f. bimmeln, d. i. mit Fleinen Glocken laͤuten; pimz
pelig, Bw., f. weichlich, verzärteltz — die Pimpelmeife (von ihrer fei-
nen Stimme, oder von Pimpe, Mehl, wegen ihres weißen Kopfes; holl.
pimpelmees), die Eeinfte Art Meife, Blau-, Mehlmeife,
pimpern, zielloſ. Zw., oberd. Schallw,, f. pampernz daher: die Pim—
pernufs (niederd. au Pimpelnufs), verfhiedene nufsähnlide Früchte, de:
ven loderer Kern in der Schale Elappert, inöbef, 1) die Frucht des Pimper—
nufsbaumes (staphylea L.) im füdl, Europa, auch Klapper-, Judennuſs,
wilde Piſtazie; 2) die Frucht der echten Piftazie in Aſien; 3) niederd, auch f,
Haſelnuſs. —
Pimpinelle, w., M.-n (andſch. gem, auch Pimpernelle, Bibernellz franz.
pimprenelle;3 mittl, lat, bipinella) 1) eine als Heilmittel gebratichte
Pflanze mit einer Wurzel von ſcharf brennendem Gefchmad und einer eifdrmi-
gen Frucht; verfchiedene Arten: die Stein:, und die Bod:Pimpinellez
2) eine Art der Becherblume, ein gutes Futterkraut; die Pimpinellrofe,
eine Art niebrigwachfender Rojen mit gelblichen oder blafsrothen einfachen Blü—
J—— Pin —pinne
then, kleinen runden Blättern, welche denen der Pimpinelle ähneln, u. vielen
Stadeln. ;
Pin, m., -e6, M. -e (vergl. das lat, pinus, Fichte), oberd, f, Fich⸗
tenzapfen, Fichte,
Pinaſſe, w., M.-n, (franz, pinasse, engl, pinnace, ital. pinaccia;
vergl. Pine), eine Urt fchnellfegelnder Schiffe, Jachtſchiff; auch eine
Art Schaluppe,
Pinelmeife, w., landſch. f. v. w. Pimpelmeife, Blaumeife.
Pinetſch od. Binätſch, m., —es, landſch. gem. f. Spinat,
Pinge, w., M.-n (vergl. das bair. Pinke, Blatternarbe; und dag
ſchwed. bunke, Gefäß u. Beule) Bergw. eine keſſelformige Vertiefung od,
Grube, bef, von einem eingefallenen Berggebäude herrührend.
Pingel, w., M. -n, niederd. f. Klingel, Schelle, kleine Glocke;
pingeln, Zw., f. klingeln, mit Fleinen Glocken läuten,
Pinie, w., M.-n (vom lat, nux pinea5 v. pinus, Fidte), die Zir—
beinufd (aud) Pignole od. Piniole, u. gem. Pinnüfshen, Pini-
hen genannt), die efsbaren, mandelähnlichen Samerferne in den Zapfen des
Ninienbaumes od. Zirbelbaumes, einer Kieferart im füdl, Europa, welcher
Baum aud Pirie heißt,
pin, ein Schallw., welches den Schall ded Feuerfchlagend nachahmt,
u, mit pank verbunden aud) den Schall des Schmicdene (pink, pant);,
daher der Pink 1., -eö, M, -e, gem. f ein Schlag mit dem Stahl an
den Stein; pinfen, 8w. gem. f. Feuer anfchlagenz aud f. auf dem Am—
bof3 haͤmmern (niederd, pinkepanken).
Pink 2. od, Pienf, m., -en, M. -en, oberd. f. Fink (f. d.); der
Dinkert, —8, M. -e, bei den Vogelftellernrein Lockfink.
Pinke 1., w., M. -n, (engl. pink, franz. pinque), ein plattes,
großes Laftfchiff mit einem langen, hohen Hintertheile,
Pinke 2., w., M.-n, landſch. eine Art Fleiner Qachfe; aud ein Aal,
Pinkel, m., -8, M. mw. E. (vergl. das oberd, Pünkel, Binkel
(1. d.) f. bauſchige Maſſe, Bund, Bündel; angelf, u. ſchwed. bung, pung,
Bündel), niederd. F. der Majtdarm (auch: der Pinken, Pinkeldarmz Pin:
tel und Panßen f. das ganze Eingeweide)z; auch eine Urt Wiürfte, zu denen
man ſich des fetten Rinder : Maftdarms bedient.
pinfeln, zielloſ. Zw., niederd. Kinderwort f. piffen.
ginfen, 3w,, ſ. unter pinfz — Pinfert, ſ. unter Pink 2.
Pinne, w., M.-n, Verkl. dad Pinnchen Gengk, pin, dän, pind,
fat, pinna), bef. niederd. f. Finne (ſ. d.) in folgenden Bed, 1) ein Fleiner
fpißiger Nagel, eine Zwecke; Drechsl. der fpigige Zapfen in den Pfeifen der
Drehbank; Kleine fpisige Stäbe der Feldmeffers Schiffb. jeder in ein Loch ein-
gelaffene Sapfen; 2) die duͤnne, fchmate Seite des Hammers; 3) Natur,
eine lange, ſpitzige Mufchel, Stecfmufchel ; 4 Jäg. dir ſtarken Schwung—
federn der Falfen (lat. penna); — der Pinnebaum, der mit Pinnen be:
fhlagene Bruftbaum an den MWebftühlen der Sammtweberz der Pinnham—
mer, f. Finnhammer; das Pinnholz, niederd. das Holz des Faulbaums,
woraus die Schuhmacher Pinnen machen; der Pinnenwächter, eine Axt klei—
ner Krebſe, welche in die Schale der Stedmufcheln Eriehen und diefe gegen
— —
Fr ven n-,
4 P
— —
Pinfel — Pipps 879
eine Art Seekatzen vertheidigen ſollen; — pinnen, ziel, Bw., Schiff, zwei
Hölzer vermittelft eines Zapfend zufammenfügen,
Pinfel, m, -#, M. w. E., Berk, dad Pinſelchen (andſch. gem,
auch Penfel, Pemſel; ſchwed. pensel, engl, pencil, franz, pinceau; v. d.
lat, penicillus od. penicillum, d. i. eig. Schwänzchen, das verkl. penis),
3) ein Borften= od. Haarbuͤſchel an einem Stiele befeftigt zum Auftra—
genzeiner Fluͤſſigkeit (3. B. Leim-, Kleifterpinfel), u. bef. zum Malen (Ma:
ferpinfel; den Pinſel gut zu führen wiſſen); daher-uneig, die Urt der Pinfel-
führung und des Malens uͤberh. (3. 3. ein markiger, kräftiger, weicher ıc,
Pinfel); 2) uneig, ein einfältiger Menſch (Einfaltspinfel), als bloßes millens
lofes Werkzeug in Anderer Händen; auch eine Urt Meerfchwalben; 3) (nie:
derd, Peſel, ſ. d., Pint) Zäg. das männliche Glied des wilden Schweines
und des Rehbocks, aud des Wallfiſches; — Abb pinfelförmig, Bw. ;
der Pinſelkoͤcher, eine Art Seeköcher; das Pinſelmoos, eine Art Korallen:
moos, mit borftenartigen Äſtchen befegt; der Pinfelfchwanz, ein pinfelför:
miger Schwanz; ein Thier mit folhem Schwanze, insbef. eine Art Vielfuß;
der Pinfelftiel, der hölzerne Stiel eines Pinfelsz der Pinfelftrich, ein Strich
mit dem Malerpinſel; der Pinſeltrog, Eleiner bieherner Trog, mit DI an:
gefüllt, zum Reinigen der Malerpinfelz — Ableit. pinfelhaft, Bw., eis
nem Einfaltspinjel ahnlich od. angemeſſen; die Pinfelhaftigkeit; pin-
feln, zielof. u. ziel, 3w,, den Pinfel handhaben, führen; etwas —,
mittelft eines Pinfeld beſtreichen; verägtt. f, malen, fchlecht malen; der
Pinſeler, -#, wer pinfelt, ſchlecht malt; die Pinfelei, M. -en, 1) dad
Pinfeln, Schlecht-Malen; aud eine fchlechte Malerei; 2) das Benchs
men, od, auch eine einzelne Handlung eines Einfaltepinfels.
pinfen od. pinjeln, ziellof. Zw. (ein Schallw., vergl, winfeln) niederd. f.
ächzen, ſich mit weinerlicher Stimme beflagen; auch f. Fnaufern, genau
Dingen ; daher der Pinfeler, -8, wer weinerlich klagt; ein Knauſer.
Pint, m., -d, M. -e, niederd. gem. 1) f. Spise (vergl. Pinne); 2) f.
dad männl, Glied (f. Pinfel)5 daher das Pinthen, -8, eine Art ded“
Runzelſchwamms, Giftſchwamm, Giftmorchel, Hirſchbrunſt (phallus
impudicus L.).
Pinte, w., M.-n (andſch. auch der Pintz engl, pint, franz, pinte,
ital. pinta), landſch. ein Fluͤſſigkeitemaß, etwa eine Kanne haltend,
pip, pipen, pipig zc., f. piep ıc.
Pipe, w., M.-n, 1) niederd. f. Pfeife (ſ. d.), Roͤhrez 2) (mitt. at,
u. fpan, pipa, ital. pippa, engl, pipe; wegen der rührenartigen Form),
eine Art langer ſpaniſcher Wein- u, Olfäffer; auch als Flüffigkfeitämaß,
gew. 5 Eimer oder 300 Maß haltend; der Pipenflab (niederd, Pipftavez
oberd. auch Pfeifholz genannt), gefpaltenes Eichyenholz zu den Dauben der Pi:
gen u, a, Fäffer, —
Pippau, m., -es, o. M., landſch. cine dem Habichtskraute verwandte
Pflanze, unechtes Habichtekraut; auch f. Löwenzahn,
Pippe, w., M. -n, vit. f. Zapf, Zapfen; daher dad Pippenge-
haͤuſe, Bergw. das metallene Hahnenftüd an einem Wafferfäulenwerke,
Pipping, 1. Peping.
Pipps od. Pips, m., -ed, M. -e (altd. phpfis, ſchweiz. Pfiffi, oberd.
Pfipps, Pfiz, Zipf, niederd. aud Pipp, Zipps; ſchwed. pipp, engl. pip,
380 Piraas — Plache
franz. p&pie, mittl, lat. u. ital, pipitag aus dem lat, pituita, ‚Söhleim);
eine Krankheit des Federviehes, bef. der Hihner, beftehend in einer Ver—
ftopfung der Drüfen und Verhärtung der Zungenfpise (einem Huhne den Pipps
reißen, d. i, die verhärtete Zungenhaut abziehen) 5 uneig. f. der Keim zu einer
tödtlichen Krankheit; ſcherzh. f. eine Franfhafte od. fehlerhafte Eigenheit;
pippfig, Bw. (alt. u, landſch. pfisig, pfifig), den Pipps habend; pippfen,
zielloſ. Zw., den Pipps haben.
Piraas od. Pieraas, aud Piraf gefhr., f.u-m., -ed, M. Piräfer
(vd. Has, f.d., f. Köder, u, dem holl, pir, pier, Regenwurm), niederd,
gem. f. Negenwurm, fofern er ald Köder am Angelhafen dient.
Nirol od, Pirolt, m., -ed, M. -e (Schallw. den Ruf des Vogels nad):
ahmend), die Golddroſſel od. Goldamfel, der Pfingftvogel.
piladen, ziel. Zw., niederd. gem. einen —, f. plagen, quälen, peinigen,
pifchten od. piften, zielof. Zw. (landſch. auch biſen, biſchen), gem.
‚ den aut pfcht od. pft hören laffen, um Stillſchweigen zu gebieten od, einem
zuzurufen (einem pifchten),
pispern, zielloſ. u. ziel, Zw. (ein Schallw., oberd, pfuftern, niederd,
auch puftern) gem, f. leiſe flüffernz der Pisperling, -*8, M.-e, landſch.
f. die Pieplerche.
piffen, ziellof, u. ziel. Zw. (ein Schallw., landſch. auch piſchen, pifelnz
ſchwed. pissa, engl. piss, franz. pisser, ital. pissare), gem. f. harnen,
fein Waffer laffen 08. abfchlagenz die Piffe, niedr. f. der Harn, Urin;
der Piffer, -8, wer piſſt; die Piſsback, Schiff., ſ. v. w. Backpiſs, f.d, |
unter Badz der Pifstopf od. niederd, Piſspott, niedr, f. Nachttopf, Nacht: .
geſchirr.
Piſsgurre, w., M.-n, oberd, f. Beißker, eine Art Weißfiſche.
Piſtole 1., we, M, -n, au das Piſtol, -8 (v. ital, pistola, franz,
pistolet, engl. pistol; vielleiht v. dem lat, pistillum, Stempel, Mörfer:
keule, wegen der Ahnlichen Geftaltz n. X. von der Stadt Piftoja in Stalien,
wo die Piſtolen erfunden fein follen), ein kurzes Schießgewehr, welches mit
einer Sand gehalten und abgefeuert wird, oberd. Fauſtbuͤchſe, ehem. Fauft=
ling genannt; die Piftolenholfter, f. Holfter; die Piftolenfappe od, der
Hiftolenmantel, eine Tuch- od. Lederkappe zur Bededung des Schaftes der
Piſtolen in der Holfterz die Piftolenfugelz; der Piltolenlaufz der Piſto—
lenfchufs.
Piftole 2., w., M. -n (0. d. franz, pistole, angeblich von Piftoja
in Stalien, wo fie zuerft geprägt fein follen), eine franz. u. ſpan., auch
deutiche Goldmuͤnze, welche 5 Thaler in Golde gilt (gem. Lonisd’or).
Piſtole 3., we, M.-n, Papierm, ein Gefäß, mittelft deſſen beim Pa:
pierichöpfen die Wärme in der Arbeitsbutte erhalten wird,
Pitſchaft, 1. Petichaft.
Pittauer, m., -d, M. w. E., (franz. buror) landſch. für Rohre
dommel.
pitzeln, Zw., f. bißeln.
Pitzer od. Pizer, m., -8, landſch. f. die Schweinmelde.
Plache, w., M. -n (verw, mit flach, blach, ſ. d.z vergl. d. niederd.
Plack, Placke, d. lat, pläga, u, d, griech. 2u), oberd. 1) f. Flaͤche,
Ebene; 2) (gew. Plahe, Blahez auch Plane, f.d,5 ſchwed. plags)
Plachmahl — Plage 381
grobed Tuch oder grobe Leinwand zum Einpaden, als Dede Über Wagen
u. dgl, 5; bef. die auf der Jagd zum Umſtellen einer NBaldpartie dienenden
Tücher (daher Plachenknechte, die Jäger, welche diefes Jagdzeug zu beſor—
gen haben); landſch. aud weite, aus verfhlungenen Striden gemachte Nege,
Plachmahl, f., Hüttenw. das durchfchwefelte Silber, welches bei der
trocknen Scheidung des Goldes vom Silber gewonnen wird.
Pak, m., —es, M. -e, od. der Pladen, -8, M. ME, (vergl.
Plache) niederd. ein flaches Ding, insbeſ. ein Lappen, liefen, Stuͤck
Zeugz ein Fleck od. Flecken, Klecks; die Plade, M, -n, Bauf. eine
gegoffene eiferne Platte zur Bekleidung der Hinterwand eines Ramins ; Landw.
ein flaches Stuͤck Land; pladen 1., niederd, Zw. 1) ziellos f. flecken,
ecke machen; Flecke bekommen; 2) ziel. f. flach u, breit machen, feſt
fchlagen (3. B. Wafferb. eine Art Dämme u. Deiche machen, indem man bie
aufgefhüttete Erde mit Waffer begießt, feft ftampft und mit dem Plackſcheit
feftihjtägt, welde Art des Dammes ein Pradwerk heißt); anheften, an—
Eleben (ein Papier, ein Bild an die Wand) ; daher niederd. das Plackat, -es,
M. Se (gem; wegen der fremdartigen Endung Placat gefhr.), eine öffentz
lic) angefchlagene obrigfeitl. Verordnung oder Bekanntmachung; der
Placker, -8, niederd. f. Flecken; uneig. gem, f. Fehler, Verſehen, Ver—
ftoß (oberd, Blader); aud ein Wandleuchter (franz. plaque) ; pladerig,
Bw., niederd. f. fleifigz pladeln, siel, 3w,, mit Eleinen Stecken od, Lap⸗
pen verſehen, beſetzen.
placken 2. od. plackern, zielloſ. Zw., (Schallw., niederd. auch plick—
placken), einzelne, unordentliche Schuͤſſe abfeuern, ſtatt dafs fie zu glei—
cher Zeit fallen ſollten (beſ. bei den Ubungen der Soldaten); daher der Placker,
-8, ein einzelner, fehlerhafter Schuſs.
pladen 3., ziel, Zw, (das verft. plagen, ſ. d.), gem. f. fehr plagen,
quälen, einem bart zufigen (die Unterthanen —); aud) rüdz. fi —, f. fi)
abmuͤhen; der Plader, -8, wer Andere plackt od, plagtz die Plackerei,
M.-ın, das Packen, die Erpreffung, Scherereiz die Beichwerde, bes
ſchwerliche Arbeit.
Pladde, m, M.-n, niederd. f. Fetzen, Lappen.
pladdern, ziellef. Zw. (vergl. platſchen, plätſchern), niederd. Schallwort,
weiches das Geraͤuſch des herabfatlenden, ausgegoffenen, oder bewegten
Waſſers nachahmt (z. B. es regnet, dafs es pladdertz im Waffer pladdern
20.); auch f. plaudern; pladdernaſs, Bmw, , gen, f. ganz durchnäſſt.
Page, w., M.-n fhwed, plaga, engl. plague, ital, piaga; wahrſch.
verw. mit d. lat, pläga, griech. Anz, alfo uripr. Schlag, Hieb, Wunde,
franz. plaie), ein drücfendes, läftıges Übel, finnv. Dual, Peinz insbef,
allgemeine Unglücköfälle, als Strafgerihte Gottes angefeben (Tandpla:
gen, ald Theurung, Peſt 20.5 bie ägyptiſchen Plagen) plagen, ziel. Zw.
( chwed. pläga, engl, plague; griech. mAjoosıw, mittl. lat. plagare, fnlagenz
vergl, auch bläuen, Flegel u. d. lat. Nigere), einen —, ihm große Be—
ſchwerde verurſachen, finnv, beläftigen, quälen, peinigen (von od, mit et:
was geplagt feinz einen um etwas —; auch ſich mit einer Sache —, d. i. bez
mühen, quäten)z bibl. mit einer Plage ſtrafen, züchtigen; der Plage—
geift, ein Wefen, eine Perfon, welde Andere plagt, ſtärker: der Plages
teufel; der Plager, -8, die Plagerinn, M, -en, wer Andere plagt,
—⸗
382 Plagge — Plane
Plagge, mi, M. -n (vergl, Plack, Placke), nieberd, ein ausgeſtochenes
flaches Raſenſtuͤck, eine Erdſcholle (Gras, Heideplaggen); der Plaggen—
maier (d. i. Mäder), wer Plaggen hautz plaggen, Zw, 1) ziellos f, Plag-
gen hauen od. ſtechen; 2) ziel. mit ‘Plaggen belegen,
plampen od, plampeln, zielloſ. Zw., ſchweiz. f hin und her fhwanfen,
baumeln (3. B. von einer Glodez; mit Haben); uneig. m, fein, fich lang=
fam und ſaumſelig bewegen, nachläffig und müßig einhergehen, ſchlen—
dern; in diefer legtern Bed. au: plämpeln u. plampern od. plempern;
plampen, alt aud) f.plaudernz (vergl, verplempern); — die Plampe
od. Plämpe, M.-n, landſch. gem, etwas Herabhangended, das hin und
ber ſchwankt; bef. ein Furzer Degen mit breiter Klinge (landſch. auch Plite,
Plaute)z; der Plampel cd. Plämpel, -5, M. w. E., ſchweiz. f. das
Pendel einer Uhrz uneig. ein träger, fchlaffer Menſch; ein fchaales, kraft—
loſes Getränk, ſchlechtes Bierz daher plämpelig, Bw., f. ſchaal, un=
ſchmackhaft.
plan, Bw. (vom lat. planus), eig. eben, flach; gew. uneig. f. allgemein
verſtaͤndlich, deutlich, faſslich (ſich plan ausdrücken, eine plane Schreibart) ;
daher der Planſpiegel, ein ebener Spiegel, entg. Hohlſpiegel 2,5 planen,
ziel. Zw. (gew, mit frembartiger Endung planiren), ebenen, glätten (eis
nen Plag, ein Metall); daher der Dlanhammer Planirhammer), ein
Hammer zum Glätten des Metals; die Plankugel (Planirfugel), ein
Werkzeug zum Ebnen der Bleche zu Uhrgehäufen; — der Plan, -e, M.
Plane u. Pläne, 1) eig. (lat. planum, franz. plaine, engl. plain), die
Ebene, Fläche; daher oberd. f, Fußboden, Erdboden (auf dem Plane lie-
gen) ; in engerer Bed. ein zu einem gemiffen Zwecke beftimmter od, brauch—
barer ebener Plaß unter freiem Himmel (z. B. Bleich-, Fecht-, Kampf—,
Schieß-⸗, Zanzplan 2.)5 ehem. bef, f. Kampfplat, Schlachtfeld (den Plan
behalten, auf dem Plane fein 26,)5 Forſtw. ein mit Baumen bemachfener
ebener Plab (daher: das Holz planmweife verkaufen, d. i. nad) Plägen von
beftimmter Größe); in allen diefen Bed. gem, M. Plane; 2) (M, gew.
Pläne; franz. plan) der gezeichnete Grundriſs einer Gegend, einer Stadt
“ oder eined Gebäudes (den Plar von einer Gegend aufnehmen); aud der
Grundrifd od. Entwurf zu einem zu errichfenden Gebäude, einer Anlage
u. dgl.; daher in weiterer uneig. Bed. überh, f. Entwurf zu einer Urbeit od,
Unternehmung jeder Art, fei er aufgezeichnet oder nur in Gedanken gemacht
(den Plan zu einem Schaufpiere u. dgl. maden, entwerfen; einen Plan aus:
führen; er hat mehre Pläne im Kopfe; alle meine Pläne find geſcheitert; auch
verkl. ein Plänchen); — 3ſetz. der Planhirſch, Jäg. ein Hirſch, wel:
cher bei einem Kampfe mit andern den Kampfplas behauptet, auch Platzhirſch;
planlos, Bw. u. Nw., feinen Plan habend, ohne regelmäßigen Plan (plan:
ios Handein); die Plenlofigfeit: entg. planmäßig, Bw., einem Plane
emäß, nad einem Plane; die Planmäßigkeit, der Planmacher, die. |
9 ’
N lanmacherinn, wer gern Pläne macht; planvoll, Bw., viele Pläne im
Kopf abend; -planweife, Nw., f. 0.5 — der Planer, —s, M. Pläner,
landſch. f. breite, flache Steine, Platten, ;
HM ane, w., M.-n, landſch aud der Plan (r. Plahe, Plache,
ſ. d), landſch. f. grobed Tuch, grobe Leinwand, fofern fie ald Decke,
bef. über einem Wagen, dient; Jäg. leinene Tuͤcher zum Umftellen eines Ge:
—
plangen — plappern 383
hölzess Bergw. grobe Tücher von Zwillich, auf denen der grobe Schlich ge:
flauet wird 5 daher der Planenherd, Hüttenw, das Geftelle, auf welches die
Planen zu dieſem Zwecke gelegt werben,
plangen, ziellof. Zw. (aus beslangen, alt. pelangen, f, langen, ver:
langen , 2985), Öftreih. unp mich plangt um etwas, f. mich verlangt,
ich bin lüftern danach; daher der Planger, 8, f. Luͤſternheit, unzeiti—
ges Verlangen; plangig, Bw., f, luͤſtern, naͤſchig.
Planke 1., w., M. -n, (ſchwed. planka, engl. plank, franz. planche, lat.
planca; verw. mit Plad, Place, ſ. d.) 1) ein dickes Brett, eine Bohle; 2) eine
Bretterwand, bef, ein Bretterzaun od. =Verfchlag (landfh. auch Pleiche,
Bleiche genannt); daher der Planfengang, Schiffb. eine Reihe aneinander:
gefegter Stücke von Planken 2c.5 das Plankeifen, ein Werkzeug des Schiffe-
zimmermanns, mit deſſen Schneide das Werg beim Kalfatern in die Fugen der
Planken getrieben wird; dad Plankwerk, ein aus Planken beftehendes Werkz
planfen, ziel. 3w., mit Planken befleiden, od. einfließen (einplanten).
Planke ?., w., M.-n (aud) der Plan), nieberd. ein kleines Fluͤſ⸗
ſigkeitsmaß — + Nöfel od, g Kanne,
planfen, 3w. 1. f. unter Plante 1,5 — 2. (Schallw,) bair. f. ſchwatzen,
auöplaudern; plänfeln; zielof. Zw. oberd. f. wiederholt erklingen, od. erfchals
len laſſen; insbef. einzelne, ſchnell aufeinander folgende Schüffe thun (vergt,
pladen 2,), u. von der Reiterei: in Fleinen Haufen herumſchwärmen u.
einzelne zerftreute Angriffe machen (auch: plänfern, n. A. blänfern);
daher der Plänkler, -8, wer plänfelt, Vorpoſtenfechter; die Plänfelei,
M. -en, das Plänfeln, ein kleines Handgemenge, Vorpoftengefecht.
planlos, planmäßig, Planfpiegel, planmeife zc. f. unter plan.
planfch od. plantſch, ein Naturlaut, welher den Schall eines fallen-
den ed, anfchlagenden weichen od. flüfjigen Körpers nachahmt (vergl. patſch,
platſch)j daher ver Planfch, -ed, M, -e, gem, ein folder Schall; plans
fihen od. plantfchen, auch planfchern, ziellof. Zw., diefen Schall hören
laffen dd. verurfachen, ſinnv. plätfchern, panſchen, pladdern ꝛc. G. B.
es regnet, daß es planfcht; im Waffer planfchen); oberd. etwas plantjchen,
f. ausplaudern; dev Planfcher, -&; die Dlanfcherei ıc.
Planſche od. Plantjche, w., M.-n (aus dem franz. planche, fpan.
. plancha), in Münzen u, bei Metallarbeitern f. eine Metallplatte (Gold-, Sit
„ berplanfihe 2c.) ; daher der Planſcheneinguſs, eine eiferne Form, in welder
das Silber zu vieredigen Platten gegoffen wird, der Planfhenhammer, ein
ſchwerer Hammer, die Sitberplanfihen dünner zu ſchlagen.
pläntern,. ziel, Zw. (v. altd. plentan, engl. blend, vermiſchen, verwir:
von), Forſtw. ee Waldung —, miſchweiſe, planlos aushauen od, lich⸗
ten; die Plaͤnterwirthſchaft, der gemiſchte Waldbetrieb.
plappen, zielloſ. Zw., ſchweiz. Schallw. f. klatſchen, platſchen, von dem
anſchlagenden Waſſer ec., auch f. hin und her wanken, wackeln im Gehen.
plappern, zielloſ. u. ziel, Zw. (ein Schallwort 3 niebderd, blabbern,
blubbernz gem. aud) papern; papeln 2c.5 engl, blab, ſchwed. pladdra, Lat,
blaterarez vergl. plaudern), fchnell, viel und gedanfenlos ſprechen, ſinnv.
plaudern, ſchwatzen, klatſchen; bef. nur die Sprachlaute bervorbringen, "ohne
ſich des Sinnes derfelben bewufft zu fein (Eleine Kinder, Papageien 2c, plays
pern); der Plapperer, -8, gem. auch dad Plappermaul, die Plapper⸗
384 Plappert — platt:
tafche, der Plappermatz, Plapperhans u. dgl. m., eine gern plappernde
Perfonz die Plapperei, M. -en, das Plappernz dad Geplappertez
plapperhaft, Bw., gern plappernd; die Plapperhaftigkeit, dad Plap-
perhaftfein,
Plappert, oberd. auch Plapphart, Plappharter, m., ſ. v. m.
Blaffert.
Plarer, m., -8, M. w. E., Hüttenw. der Schmelzer in einer Ei—
ſenhütte.
Plarre, w., M.-n, oberd. der Plaͤrren, —s (auch die Flarr, Flär-
ven), landſch. eine breite Narbe od. Wunde; große Blatter, bef. eine
Blatterkrankheit des Rindviehs.
plarren, oder blarren, zielloſ. Zw. (niederd. plieren, plüren, engl.
blear), oberd. f. mit truͤben od. zuſammengezogenen Augen ſehen, blin—
zeln; daher die Plaͤrre, (auch dad Geplärr; franz. berlue) oberd, f. Ne—
bel od. Dunkelheit vor den Augen, Triefaͤugigkeit; das Plaͤrrauge (nie:
derd, Plüroge), f. Triefaugez plärräugig, Bw., (engl. blear- eyed) f,
triefaugig; blinzelnd.
plärren, zielloſ. u. ziel. 2w. (ein Schallwort; altd. blören, niederd. bla:
ven, blarren, engl. blare; vergl. d, lat. plorare, franz. pleurer), in
widrigen Tönen fhreien, weinen, fingen (ein plärrendes Kind; einem die |
Ohren voll—, ein Lied — 20); die Plärre, M. -n, od. das Plärrmaul,
gem. verächtl. f. ein großer, weit geöffneter Mund; der Plärchahn,
Kampfhahn od. Brausbahn,
Plaͤſch, m., — es (vergl, Plad, Planſche), oberd, f. Lahn, geplattes
ter Drath.
Pätengras, ſ., landſch. f. die Quecke.
plätern, zielof. w., (vergl. pladdern) nieberd. f. plaudern; der Pläter,
-5, f. der plaudernde Mund, das Plappermaul,
platfch, ein Naturlaut, welcher den Schall eines fallenden weichen
Körpers od. eines Schlages in eine Fluͤſſiakeit nachahmt (vergl, planfd)3
daher der Platich, -es, gem. ein folder Schall, od. ein damit verbunde—
ner Fallz platfchen, ziellof. Zw. (niederd. plasfen; vergl. d. griech. mAurcooe),
gem., den Schail platſch hören laffen od. hervorbringen; plätfchen, ziel:
lof. u. ziel. Zw., landſch. gem. f. platfchen machen (ins Waffer —, d. i. mit
der Hand flagen, dafs es platſchtz die Thür —, d. i. ſtark zuſchlagen) 3 gew.
u. edler die Wiedecholungsform plaͤtſchern, ziellof. Zw. m. haben, (nicderd.
plaftern, plattern), den Schall platſch wiederholt hören laffen od, herz
Vorbringen, nur vom fanften Rauſchen des anfchlagenden cd. bewegten Waf-
fers (die Quelle plätfigert, mit der Hand im Waſſer plätfern u. dgl. m.);
ach: Scherben od. flabe Steinen ſchräg über eine MWafferflähe werfen, fo
daſe fie mehrmals hüpfend abprallen, ein Kinderfpiel, das Plätjcherfpiel
genannt; — der Platfeher, —8, landſch. f. Enterich.
platt, Bw., Comp. platter, Sup. platteit, (ſchwed. platt, Mat, engl.
flat, dän. Hadz; franz. plat, ital, piatto, griech. nAarös; altlat. plotus,
Platifußz verw, mit Blatt, Fladen ꝛc.), in die Breite ausgedehnt u. nicht
erhaben, finnv. flach, welches mehr der Vertiefung, platt hingegen der Er:
höhung entg. ift, (ein platter Stein 20.5 etwas platt drücken, ſchlagen 2c. ;
das platte Land, d. i. bad ebene, nicht bergige, entg. dem Gebirge, au |
platt 385 -
%
entg. der Stadt; auch weniger erhaben, als gewöhnlich (eine platte Stirn,
Naſe; ein plattes Dach; platte Stickerei ze.) ; oberd. auch f. flach, weniger
tief (eine platte Schüffel) ; auch f. im platten Lande üblich, insbef. f. platt:
deutfch (platte Sprache, platt fprechen) ; uneig. fich nicht über dag Gemeine
erhebend, finno. fchlecht, unedel, alltäglich, niedrig (ein platter Ausdruck, Witz;
ein platter Menfch) ; oberd. auch f. verſtändlich, plan; niederd. f. ohne Falſch
u. Umfchweife, geradezu, gänzlich, durchaus (einem etwas platt abſchlagen;
eö ift platt unmöglich, vergl. platterdings; Schiff. den Wind platt vorm Laken
haben, d. i. gerade im Nüden); — 3fes. der Plattbaum, ein zum Vogel-
ftellen bis an den Gipfel entäfteter Baum, an welchem Leimruthen befeftigt wer=
ben, Beldbaum; der Plattboden, Naturk. ungenabelte Kreifelfchnede; die
Plattdecke, Bauf. ebene Zimmerdecke, z. U. v. einer gewölbten, einer Felder
decke 2c.; plattdeutſch, Bw., f. v. w. niederdeutfch (f. d.) entg. dem ober-
und hochdeutſch (das Plattdeutfch, d. i. die plattdeutfche Sprache); der
Pattehrke, -n, eine Art nordamerikan. Taucher, deffen Füße nahe am Bürzel
fiehen, auch Arſchfuß; die Platterbfe, Kichererbſe; der Wlattfifch, Fifche
mit plattem Körper, Schollen, insbef. die Platteife, ſ. u.; der Plattfuß,
1) die Fußſohle; 2) ein platter Fuß ohne gehörige Einbiegung der Fußſohle; u.
ein Menfch mit foihen Füßen; Naturk. eine Art Eegelförmiger Meereicheln;
plattfüßig, Bw., Plattfüße Habend; das Plattgarn, plattes Leinengarn
zum Stopfen: auch f. Plattneg; der Platthuf, ein ungewöhnlich platter, breis
ter Huf; platthufig, Bw., Platthufe habend; der Plattfopf, ein platter
Kopf, eig. u. uneig. f. Flachkopf; plattköpfig, Bw.; die Plattlaus, Filze
laus; das Plattloth, Schiff. eine bleierne Platte, das Zündloch der Kanone
zu bedecken; die Plattnafe, eine platte, ungewöhnlich breite Nafe; auch ein
Menſch od. ein Thier mit folder Naſe; plattnafig, Bw.; das Plattneg,
ein Neg der Vogelfteller, mit welchem der Plattbaum (f. 0.) umſtellt wird; die
Dlattrofe, landich. f. Mauerpfeffer; das Plattfchiff, ein Schiff mit plattem
Boden; der Plattfchnabel, ein platter Schnabel; eine Gattung mit dem lies
genfänger verwandter Vögel in Amerika; der Wlattfpiegel, f. v. w. Plans
fpiegel; der Plattftampfer, Hutm. eine meffingene Platte, den abgeformten
Hut glatt zu drücken; ter Plattſtein, breite Steine, mit welchen ein Fußweg
(fr. Zrottoir) an den Häufern entlang gelegt iſt, Schritt= od. Trittftein; der
Mattſtich, ein platt liegender Stich im Nähen od. Sticken; das Plattſtuͤck,
Tuchm. die obere Scheide am Rahmen; Zimmer!. die über den Ständern liegende
verbindende Schwelle; der Plattwirbel, eine Kegeltute an den Küfien von
Guinea; der Plattwurm, eine Gattung platter Würmer, die im Waffer leben ;
der Nlattziegel, flacher Dachziegel, entg. Hohl-, Kehlziegel ꝛc; — platz
terdingd, Nw., gem. bef. niederd. f. fehlechterdings, durchaus (z. B. id) will
es platterdings nicht 2c.); — Ableit. v. platt: die Platteife, Mi-n,
(au ber Platteiß, niederd. Platteiste, böhm. plateys, plateysck; mittl.
lat. platessa, griech. nAavet; engl. plaice; das -eiße ift alfo nur Endung),
eine Art Schollen od. Pattfifche in der Nordfee, Halbfifch, Goltbutte; die
Nlattheit, das Plattfein, die platte Befchaffenheit (4. B. eines Landes):
uneig. f. Gemeinheit, Niedrigkeit (3. B. des Ausdruckes); auch eine einzelne -
platte Äußerung (M. Plattheiten; fr. Platitüde) ; das Platting, -es, M. -e,
Echiff. plattes Tauwerk; der Plattling, -es, M.-e, Neu. f. ein platter
Menſch, Plattkopf; — die Platte, M. -n, Verl. das Plätthen,
Deyfes Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 25
ı
388 plaß
(ſchwed. plät, engl. plate; mittl. Tat. plata), 1) eine ebene Fläche, zB.
der flache, kahle Gipfel eines Berges od. Felfens ; der Scheitel od. Wirbel
des Kopfes, bef. wenn er von Haaren entblößt ift (eine kahle Platte, od. fchlecht:
weg eine Platte haben, ſ. v. w. Glase); 2) ein platter Körper (4. B. eine
Steine Marmor-, Metallplatte; die Kupferplatten der Kupferftecher, die Holge
platten der Holz- und Formſchneider ꝛc.): in engerer Bed. heißen fleinerne
Platten ſchlechthin: Platten (den Fußboden mit Platten belegen; eine Tiſch—
platte, d. i. ein fteinernes Tiſchblatt); insbef. Bauk. ſowohl das obere platte
Glied am Säulenknaufe, als auch das untere des Fußgefimfes; in den Münzen:
die, runden, zu prägenden Metallſtücke; Hutm. der obere, platte Theil des _
Hutkopfes; der platte Kopf eines Nageld; chem. das aus einer Platte gemachte
Bruftftüc eines Harnifches (Bruftplatte); landſch. eine flache Schüffel (auch
das Platt: franz. le plat); niederd. auch f. Schurz, Schürze (gew. Plate);
3) (v. platten) ein Werkzeug, um etwas platt zu machen oder zu plätten,
ſ. v. w. Platt- od. Plätteifen, ſ. d.; Zſetz. v. Platte: die Plattenfeile,
Schloſſ. eine Art feiner Feilen; der Plattenhammer, in Eifenhämmern ein
Schwanzhammer zum Schmieden der Eifenplatien, aus welchen Gewehre gemacht
werden; det Plattenſchlaͤger, wer Platten aus Metall ſchlägt; — die Plaͤtte,
M.-n, 1) gem. das Plattſein, Geglättetſein; 2) ein plattes Ding, ine=
bef. bair. ein plattes Schiff Poftplätte, cine Art Jachtſchiff, eine Fähre;
3) f. das Plätten; — platten, ziel. Zw., platt machen, abflachen od. ebe= .
nen, gew. abplatten (z. B. die Erdfugel ift an den Polen geplattet od. abge=
plattet); platten, ziel. 3w., völlig platt drücken und glätten (z. B. Gold-
und Silverdrath zu einem dünnen, glänzenden Lahn quetichen; Zimmert. zwei
Balken platt auf einander nageln) ; insbeſ. Wäſche —, d. i. mit dem Plätt—
eifen platt bügeln; der Plaͤtter, -$, die Piätterinn, M. -en, wer plättet,
fei es Drath, od. bef. Wäſche; das Plättbrett, ein. Brett, Wäfche darauf
zu plätten; das Plaͤtteiſen, der eiferne Bolzen, welcher glühend in das Werk
zeug zum Wild: Plätten geſteckt wird: auch das ganze Plättwerkzeug, die
Platte (f. 0.), verſch. Bügeleifen; der Plaͤtthammer, ein Glätthammer der
Radler; die Plättmühle, ein Triebwerk mit zwei ftählernen Walzen zum Plätz
ten des Drathes, auch in Papiermühlen zum Glätten des Papiers; der Plätt«
teller, eine Unterlage von Thon od. Metall, das heiße Plätteifen daranf zu
fielen; der Wlätttifch, ein Tiſch, auf weichem Wäfche geplättet wird; Die
Prättwäfche, Wäſche, welche geplättet werden muſs, z. U. v. Roloälhe; —
plätteln, ziellof. Zw. (auch plaßgen), oberd. u. ſchweiz., mit flachen
Steinchen (Plättlein) od. Kleinen Eifenplatten nach einem Ziele werfen,
ein Rnabenfpiels platten, ziel. Zw., Vögel mit Leimruthen an einem Platt>
baume (f. 0.) fangen; landſch. auch f. plätten (Drath); daher der Plattner
od. Plaͤttner „s, f. Drathplätter; chem. auch der Verfertiger der Bruſt—
harniſche aus eiſernen Platten, Harniſchmacher; plaͤttſchen @Letfchen),
ziel. Zw., oberd. f. platt ſchlagen od. drücken.
platz, ein Naturlaut, welcher den Schall nachahmt, den ein falender od,
mit flacher Hand gefchlagener platter Körper bewirkt (vergl. platſch), u.
bef. den Schall der zufammengeprefften, fich plöglich ausdehnenden u. einen
Ausgang gervinnenden Luft; von einem gröberen Schale auch: plauz, ploß,
plug, von einem feineven: plitz; der Platz 1., -e8, M. Plage u. Pätze,
gem. ein ſolcher Schall (es that einen Platz, — mit einem Plage ꝛc.);
Platz 887
auch ein Schlag mit der flachen Hand od. einem breiten Werkzeuge (einem
einen Platz, Pläge geben) ; Forſtw. die Stelle an einem Baume, wo berfelbe
durch einen Dieb als ein zu fällender bezeichnet iftz auch als Ausdrud der Ges
ſchwindigkeit, des Augenblidlichen (etwas auf den Platz, od. gew. Plotz
od. Plug, ſchaffen, d. i. im Augenblick); platzen, zielloſ. Zw. (altd. plestan,
niederd. plaſſen engl. plash) 1) m. Haben, den Schall platz hören laſſen
(ich höre etwas plagen, es hat geplagt; es regnet, dafs es plast) od. hervor—
bringen (3. B. mit der Knallbüchfe —, landſch. f. Enallen); 2) m. fein, mit
diefem Schall, u. in weiterer Anwendung auch ohne hörbaren Schall, plöglich
zerfpringen, zerreißen, berſten (die Blaſe ift geplagt; die Kaftanien plagen auf
den Kohlen; die Rinde eines Baumes, eine Nat) u. dgl. plaktz gem. fo viel
efjen, dafs man plagen möchte; vor Lachen plagen wollen) ; gem. auch f. heftig
und mit Geräuſch niederfallen (ev plagte auf den Boden); plößlicy und mit
Ungeftüm zum Vorfchein kommen (ev plagte ins Zimmer herein) ; mit etwas
herausplagen, f. d. vergl. Losplagen; landfch. auch f. prahlen; —
3feg. d. plagen: die Platzbuͤchſe, ein ausgehöhltes Rohe mit einem Stöps
fel, welches mittelft dev zufammengeprefften Luft einen Knall giebt, auch Klatſch⸗
od. Knallbüchſe; das Platzgold, -pulver, =filber, die Platzkugel, ſ. v. w.
Knallgold, Knallpulver ꝛc., |. d.; das Platzgras, -kraut, ſ. v. w. Berfts
gras; der Platzkäfer, eine Art Laufkäfer, welcher bei der Berührung einen
platzenden Schall aus dem After von ſich giebt; der Platzregen (niederd.
Plaſsregen), ein heftiger, in großen Zropfen fallender Regen ; plagregnen,
untrb. ziellof. Zw., ein Neuw. f. heftig u. in großen Tropfen regnen 5; — Ab⸗
Leit. die Platze, gem. f. das Platzen, Zerplatzen (dafs du die Plage kriegteſt!
eine niedrige Verwünſchung); auch f. Platzbüchſe; der Plaker, -8, gem. f.
ein Platz, plagender Schall; wer plagt, landſch. uneig. f. Prahler; plägen 1.
Zw. 1) ziel. felten f. plagen machen (eine Blafe —, eine Nath plägen); gew. mit
der flachen Hand od. einem breiten Werkzeuge fchlagen (ein Kind auf den
Hintern —); Forſtw. einen Baum —, mit der Art anbauen, um ihn zu
zeichnen (vergl. 0. Pla); 2) ziellos, den Schall plaß hervorbringen, Enallen
(mit einer Knallbüchfe plägen) ; die Plaͤtze, M. n, Bergw. eine Haue zum ,
Sprengen dei Steine; Küch. ein breites, ſtarkes Meffer, mehr zum Hauen
als zum Schneiden; Jäg. die vorderen Schlägel einer wilden Sau ; der
Plaaͤtzer, -S, wer plätzt; ein Schlag mit der flachen Hand ꝛc.
Platz 2. m., -e8, M. Pläge, Verkl. das Plätzchen, (von platt),
4) Goln. placek, vergl. laden u. d. lat. placenta, griech. miezoös) eift
platter, dünner Körper, nur in der engeren Bed. ein dünner, get. runder
Kuchen (oberd. auch dev Plägen; z. 8. ein Eier-, Ofterplas, Zuderplägchen ;
vergl. auch Pleg),; 2) (miederd. Plafs, ſchwed. plats, engl. place, franz. place,
ital® piazza, poln. plac), a) ein ebener Theil der Erdfläche (ein freier, grüner
Platz 2c.), bei. fofern er zu gewiffen Sweden, Zufammenfünften, Verrich⸗
tungen od, Vergnügungen beſtimmt ift, ſinnv. Plan (4. B. ein öffentlecher
Has, Markts, Schaus, Spiele, Lanze, Reite, Schieß-, QTummel:, Kampf:
plas); insbeſ. f. Kampfplag, Schlachtfeld (den Platz behaupten .. auf dem
Plage bleiben, |. d.), u. landſch. f. Zanzplag in Dörfern (daher söerd. Platz⸗
burfhen u. -mädchen, f. gepuste Tänzer u. Tänzerinnen; der Platz⸗
meifter f. Vortänzer u. Anordner des Tanzes; PlagEnchte, deſſen Ge—
hülfen); Forſtw. ein beftimmter Theil der Erdfläche mit dem darauf befind:
1
25%
388 plaudern — Plauze
lichen geſchlagenen Holze (funfzehn Schock Scheite machen einen Platz); b) in
weiterer Bed. ein begrenzter Theil des Raumes, welchen ein Gegenſtand
einnimmt od. einnehmen kann u. ſoll, ſinnv. Ort, welches jedoch den Raums
theil mehr als Punkt, Platz hingegen nach ſeiner Ausdehnung bezeichnet, (da⸗
her auch Platz öfter mit Raum, als mit Ort vertauſcht werden Eann), u. Stelle,
welches mehr den Ort in einer beftimmten Kangordnung od. Reihe bezeichnet (z.B.
einem Platz machen; Plag füretwas od. Jemand laſſen; es ift an diefem Tifche
für zehn Perfonen Platz; Plagnehmen: d. i. fich ſetzen; dies ift mein Platz;
einem feinen Pla& anweifen, ihn von feinem Plage verdrängen; einen Pla& be=
legen; das Echaufpielhaus hat über taujerd Pläse, d. i. Raum für mehr als
taufend Perfonen; alle Plätze find befest 2c.); uneig. f Statt, Raum (4. 8.
Semands Bitte Plag finden laſſen, d. i. fie bewilligenz ber Wahrheit, der
Billigkeit ꝛc. Platz geben); auch f. Berufsftelle, Amt, gew. Stelle (eines
Andern Plag einnehmen, an deſſen Pla Eommen zc.); c) ein von Menfchen
bewohnter Ort, Stadt, Tleden, Feſtung ꝛc., bef. in der Kriegs- u. Kauf _
mannsfpr. (ein offener, ein feiter Platz; ein Handeleplag ; es find wenig Waa-
ven auf dem Plage, d. i. im Orte 2c.); — Bfes. der Platzbaͤcker, eig. ein
‚Bäder, welcher nur Pläse bäckt; landſch. ein Bäder, der Fein ordentliches
Backhaus hat und nur ſchwarzes Brod baden darf; der Plashalter, gem.
Statthalter; der Platzhirſch, ſ. Planhirſch; der Platzknecht, Platzmei—
ſter, ſ. o.; das Platzrecht, landſch. f. Grundrecht; — Ableit. plaͤtzen 2.
zielloſ. zw., Jäg. f. Platz machen, von dem Rehbock, wenn ex da, wo er.
ſich niederlaſſen will, Moos und Raſen wegſcharrt; plaͤtzig, Bw., Forſtw.
ein plätziger Hau, ein ſolcher, wo nur hin und wieder kleine Striche od. Plätze
abgeholzt werden. >
plaudern, ziellof. u. ziel. 30. (oberd. auch plodern, blodern, niederd. pludern,
plabdern, ſchwed. pladdra, bladdra, lat. blaterare, ein Schallw. vergl. plap⸗
pern), viel und ſchnell reden, beſ. von unwichtigen Dingen und bloß zur Unter⸗
haltung, finnv. ſchwatzen; überh. vertraulich mit einander reden; auch mit
tadeindem Nebenbegriff f. zur Unzeit und auf flörende Weife Gefpräche führen
(4. B. in der Schule, in der Kirche —); etwas Anvertrautes Andern 'ges
ſprächsweiſe mittheilen (von etwas plaudern, u. bef. etwas ausplaudern);
der Plauderer, -8, die Plauderinn, DM. -en, eine gern plaudernde Pers
fon, wofite auch die mehr od. weniger gem. Zfes. das Plaudermaul, der
Plauderhans, mas, -ſack, die Plaudertafche ꝛc; die Plauderei, das
Plaudern; auch das, was man plaudert, der Gegenfland des Geplauders
(M. Plaudereien); plauderhaft, Bw., gern plaudernd, find. ſchwatzhaft,
geſchwätzig; die Plauderhaftigfeitz die Plauderfiunde, eine zum Ber
plaudern geeignete u. beftimmte Stunde.
pläudern, ziel. Zw., (ogl. pludern) landſch. f. fücheln (fich mit dem Hute =).
Plaute, w., M.-n, landfch. gem. 1) f. Bruſtſchild, Platte (f. d.) ;
2) ein Eurzer, breiter Degen, |. v. w. Plämpe (f. d.), verächtl. überh. f.
ein großer, unförmlicher Degen (landſch. auch Plose, Plinte).
plauz, ein Naturlaut, welher einen dumpfen Schall nachahmt (vergl.
plag); daher ver Plauz, -e8, gem. ein folher Schall; auch ein denfelben
hervorbringender Fall od. Schlag.
Plauze, w., M.-n, 1) Bergw. eine Art Zwitter, welche auf dem Zinn⸗
walde in fandigem Gefteine bricht; 2) landfch. gem. f. Eingeweide.
a Dleihe — Plonen 389
Pleiche, auch Bleiche gefpr., w., M.-n, landfch. f. Planke, Bretterivand.
Pleit, m., -8, M. -e, (au) Plaid, Ploit geſchr.; altſächſ. pleo,
pleoh, engl. plea,, franz. plaid, holl. pleyı) altniederd. f. Rechtsftreit
(Procefs) ; pleiten, ziellof. Zw. (auch ploiten, plechten; holl. pleyien, engl.
plead, frang. plaider) f. einen Rechtsſtreit führen, rechten (fr. proceffiren).
plempern, 3w. |. plämpern.
plengen, zielloſ. Bw. , nieberd. f. fehleppen, ſchwere Arbeit thun.
plentein, 3w. 1. f. plänfeln; 2. (goth. us-pliggvan) oberd. f. ſchleu—
dern, werfen, treffen; mit dem Plenkel dreſchen; der Plenkel, -8, oberb.
der Schwengel einer Glocke; eine Art Drefchflegel, deſſen Schlagholz unbes
weglich an dem Stiele befeſtigt iſt.
Plente, w., M. -n, ſchleſ. ein alter Weiberrock.
Plenten, m., -8, (aus dem ital. polenta verderbt), oberd. f. Mus aus
Bucweizenmehl; ter Buchweizen felbft.
plentern, Zw., 1. f. pläntern; 2. nieberd. f. verfchl eubern, unnüß ver:
thun (vergl. plämpern).
Pletſche, w., M.-n, (v. platt, Blatt), landſch. f. ein platte, breites
Ding, insbef. oberd. ein großes, breites Pflanzen-, bef. Kohlblatt (gem.
Blätſche); aud ein breites Maul, verdrieglich herabhangende Lippen (f. v.
w. Flatſche, Flabbe); in der Lauſitz: ein breites Holz zum Balljchlagen ;
ſchleſ. ein bauchiges, flaches irdenes Gefäß.
Pletz, m., -8, M. -e, od. der Pleben, -8, M. w. E., (altd. plez,
plezzo), oberd. f. ein dünnes Stüd, ein Schnitten, eine Scheibe (4. B
von einem Apfel, einer Rübe 2c.); ein Fleck auf der Haut; ein Fled od. Fli⸗
den von Zeug (vergl. Bletz); daher pletzen od. blegen, ziel. Zw., f. fliden.
Pi, m., -e8, M. -e, niederd. f. Sliden, Eleines Stud: uneig. überh.
f. Kleinigkeit; daher die Plickſchuld, f. eine Kleine Schuld.
Plimm, m., -e8, M.-e, ein weißer, feſter Eifen- od. Stahlftein
in Steiermark.
plinfen, ziellof. Zw., Tandfch. f. blinken, blinzen, mit den Augen winfen.
Dlinfe od. Plinze, w., M.-n, landſch. eine Art dünner zufammenges
rollter u. in Butter gebadener Eierkuchen; das Plinſenblech, = eifen, die
Plinfenpfanne, der Plinfentiegel, flache blecherne u. ivdene Gefäße zum
Plinfenbaden. #
plinfen od. plinzen, Zw. landſch. f. blinzen.
Plinte, r. Plinthe, w., M.-n, (franz. plinthe, engl. plinth; vom
griech. mA os), Bauk. die Unterplatte, ‚vieredige Unterlage bef. des Säu—
lenfußes.
Plite od. Pliete, w., M. -n, niederd. 1. etwas Plattes od. Breites,
insbeſ. ein breiter, kurzer Degen (ſ. v. w. Plämpe); daher uneig. in Ham—
burg f. ein jähzorniger Menſch; eine Urt kleiner Plattfiſche; hannöv. eine
Brodſchnitte; 2. ein Schlag, eine Wunde; 3. eine unzüchtige Weibsperfon.
Pitt, m., Jes, M.--e, od. der Plittfiſch, landſch. 1) f. Ukelei;
2) f. Bleibe. | f
Mloje, w., M.-n (Holt. pleye; aus d. lat. plica, franz. pli), nieberd.
f. alte; plojen, ziel. Zw., f. falten, in Zalten legen.
Dlonen, die, o. E., (vergl. Plunder, niederd. Plunnen, f. £umpen, Lap⸗
pen), landſch. f. Eingeweide.
390 plören — plump
plören, ziel. Zw., nicderd. f. unter einander fchüitten; daher Pıidrwein,
f. vermifchter Wein. 2 —
Pott, m., Aes, M.-e, (das altlat. plotus, plautus) landſch. f. ein
breitfüßiges Thier, Patſchfuß.
Plotz, 1. m., -es, (auch Plus u. oberd. Pflauz, Pflutz; vergl. Platz 1.),
gem. der Schall, welchen ein platter, ſchwerer Körper im Fallen verurfacht;
auch als Ausdruc der Gefchtwindigkeit, des Augenblidlichen, bef. auf den
Plotz, gem. f. im Augenblick, auf der Stelle; daher plößlich, Nw. u. Bw.,
(oberd. auch plitzlich; ſchwed. plötslig, holl. plotselyk), im Augenblick ges _
fhehend, ganz unvermuthet, auf einmal, (plöstich erben, ein plöslicher
Tod); die Plöglichkeit. ,
Ploß 2. m., -e8, M.-e, od. die Plotze, M. -n,roberd. f. Plante,
Plämpe, ſ. d. —
Ploͤtze, w., M.-n, landſch. auch der Ploͤtz, es, M. -e, (auch Bles,
Blötz; mittl. lat. Mora), eine Art platter Weißfiſche, Rothfeder.
plogen od. bloßen, 3w., (vergl. Blotter f. verdickte Flüſſigkeit,
Sahne ꝛc.), ſchwäb. f. Butter ausrühren, Butter machen.
plößlich, f. unter Plotz 1.
pludern 1. ziellof. Iw. (oberd. plodern; altd. plodan, auflöfen), weit,
ſchlapp und faltig fein, fehlottern; daher die Pluderhoſe, gew. M. -hoſen,
(poln. pludry), Lange, weite u. faltige Beinkleider, wie fie ehemals üblich waren.
pludern 2. ziellof. Zw. bair. f. flattern mit mühfamem Flügelfchlage ;
auch den Schall einer aus engmündigem Gefäße gegoffenen Flüffigeeit hören
laſſen; der Pluderer, -$, bair. ein Geſchirr mit großem Bauch u. engem
Halſe.
Plumbe, auch Pluͤmpe, w., M. -n, ſchweiz., eine große kupferne
Glocke, dergleichen die Älpler den ſchönſten Kühen zur Zierde anhängen.
Plume, w., M.-n, (lat. pluma, franz. plume, engl. plume), niederd.
f. Slaumfeder, Fettfederz die Pluͤm-Ente, eine Art amerikan. wilder Enten
mit zwei lang herabhangenden haarigen Federn auf dem Kopfez das Pluͤmen—
ſchwänzel, -8, eine Art Droſſeln in Braſilien mit wolligem Rücken u. Schwanz
u. einem haarigen Kamme.
iR od. plumps, ein Naturlaut, welcher den Schall eines fallenden,
ſchweten Körpers nachahmt, bef. wenn derſelbe ins Waffer fällt; der Plump
od. Plumps, -es (oberd. auch Plumpf), ein folcher Schall od. Fall; plump,
Bw., Comp. plumper, Sup. plumpſt, (engl. plump, holl. plomp), von
großer Maffe und roher Form, unförmlich did und fchwerfällig (ein plumper
Körper, plumpe Hände, Füße, Stiefel u. dgl.); unbehülflih, tänpifch, töl-
pifch, ohne feine Bildung, Gemwandtheit u. Geſchmack (ein plumper Menfch,
ein plumpes Benehmen); auch durch Grobheit od. Unfittlichkeit beleidigend
(eine plumpe Antwort, plumpe Späße);, die Plumpheit, das Plumpfein einer
Perfon od. Sache ; auch eine plumpe Außerung, Rede, Handlung (M. Plumps
heiten); plumpen, ziellof. Zw. (ſchwed. plumpa, engl. plump)-1) gem. den
Schall plump hören laffen, m. haben (es hat geplumpt) ; mit diefem Schalle
fallen, m. fein (er ift ing Waffer geplumpt ; auch plumpfen, oberd. plumpfen,
pflumpfen 2c.); 2) ſich plump bewegen, (er plumpt einher), plöglich u. auf
ungefchicte u. unbeholfene Weife zum Vorſchein Eommen (in das Zimmer
plumpen; mit etwas heraus —, d. i. es plump u. geradezu hevausfagen) ;
\
Bir 0 plander — Plut 391
3) landſch. f. pumpen; die Plumpe, M. -n, landſch. f. Pumpe; —
3fe#. die Plumphofe, ſchweiz. f. Pump = od. Pluderhofe; die Plumpfeule
od. der Plumpftoc, große, ſchwere Stangen dev Fiſcher, womit fie „ins
Waſſer plumpen“, um bie Fifche ins Netz zu treiben; der Plumpfad, (auch
Klumpfad), ein zufammengedrehetes Tuch, um damit bei Spielen Schläge aus-
zutheiten ; daher auch win Spiel mit dem Plumpfad; uneig. gem. f. ein plum⸗
per Menſch.
Plunder, m., -$, 0. M. (vergl. d. niederd. Plunden, Plunnen,
“ Plunnken f. Lumpen, Lappen, holl. plunje), alte, abgenugte Kleidungs⸗
ſtücke, Wäſche u. dgl.; in weiterer Bed. überh. altes, untaugliches Geräth,
u. uneig. verächtl. f. jede geringfügige, fehlechte Sache; alt u. noch oberd. f.
Kleidung u. Geräth, Habfeligkeiten, Gepäd ꝛc. ohne verächtlichen Nebenbe—
griff; — 3fes. die Plunderfammer, der Plunderfaften zc., eine Kamz
mer, ein Kaften zur Aufbewahrung von altem Plunder; der Plunderfram,
allerlei Plunder; u. der Handel damit, Trödelfram; der Plundermann,
Landfch. gem. Plundermaß, Lumpenfammter; der Plundermarkt, Trödel
markt; der Plunderwagen, oberd. f. Wagen mit Gepäck, Hausrath zc.
(fe. Bagagewagen); — Ableit. pluͤndern, Zw. (ſchwed. plundra, engl.
plunder) 1) ziel. dev Kleidung, des Hausgeräthes, überh. der beweglichen
Güter gewaltſam berauben, zunächft im Kriege (einen befiegten Feind, ein
Haus, eine Stadt — ; auch ohne Zielw. die Soldaten haben geplündert 2c.); in
weiterer Anwendung überh. f. berauben, ausrauben (eine Kaffe, Bücer- u.
Kunftfammlungen u. dgl. ; eine Buhlerinn plündert ihren Liebhaber, indem fie ihm
das Seinige ablockt; uneig. einen Schriftfteler, ein Buch —, d. i. ausfchreiben
u. das Ausgefchriebene für Eigenes ausgeben) ; 2) ziellos m. haben, oberd. u.
Schweiz. mit Gepäd u. Habfeligkeiten fortziehen, insbef. bei einer Feuersbrunſt,
oder beim Umzug in eine andere Wohnung ; daher auch f. ausziehen, eine ans
dere Wohnung beziehen; der Plünderftod, ein von Raubbienen bewohnter
Bienenſtock; der Plünderer, -8, wer plündertz die Plünderung, das
Nluͤndern; daher die Plünderungsfucht; plünderungsfüchtig, Bw. ze. ;
die Plünderei, M. -en, anhaltendes ‘od. wiederholtes Plündern.
Plundermilch, auch Plumpermilch, w., niederd. f. dicke, geronnene
Mil.
Plunz, m., -e8, M.-e, od. der Plunzen, -8, (veral. plugig, u. das
alte blonen f. ftrogen), Landfch. gem. f. Klumpen, dide Maſſe, Wanft ;
die Plunze, M. -n, oberd. f. Blutwurſt; verächtl. f. Weibsperfon.
plüren, zielloſ. Zw., niederd. ſ. v. w. platren, ſ. d.
Pluͤſch, m.,-e8, M.-e, (zunächſt aus d. franz. peluche, ital. peluccio;;
engl. plush; aber verw. mit d. niederd. plufen, plüfen; daher auch niederd. "
Plüs), ein fammtartiger, aus Leinen u. Seide 0d. Kameelhasr gewebter
Zeug, Halbfammtz daher plüfchen, Bw., aus Plüſch gemacht.
plufen od. plüfen, ziel. u. ziellof. Zw. (holl. pluisen), niederd. f. fäfeln,
zupfen, zaufen, rupfen, pflüden (z. B. Hühner —; die Wolle, des Taus
werk — aus einander zupfen); Lofe fein, flattern, ſchlottern; pluftern, ziel.
3w,, das verſt. plufen, niederd. f. zerzaufen, knüllen, durchwühlen u. verwirren.
plutſchen, zielloſ. Zw. , ‚öfte. f. ffammeln, mit fehwerer Zunge fprechen,
AMlutz, m., -e8, ſ. v. w. Plotz, ſ. d.; plußen, ziellof. Zw., Tandfch.
gem. f. einen Plus hören laſſen; mit dumpfem Schalle fallen.
392 Plutzer — pochen
Plutzer od. Pluͤtzer, auch Plotzer, m., -8, M. w. E. (überh. etwas
Aufgedunſenes) oberd. f. Kürbiſs, Melone; ein als Flaſche dienender ausge:
höhlter Kürbiſs; ein weitbäuchiges irdenes Gefäß, ſteinerne Flaſche; plutzig
od. pluͤtzig, Bw. (gem. auch plüſſig, pluſtrig, plüſs; ſchwed. plösa, anfüllen),
niederd. f. aufgeblaſen, gedunſen, voll u. dick (ein plutziges Geſicht, plutzige
Hände ꝛc.).
Poͤbel, m., -8, o. M. (alt auch: Popel, Pepel, das Pöſel, Böfel ; v. lat. po-
pulus, franz. peuple, engl. people, Volk), das gemeine Volk, der große Haufen,
nur mit verächtiichem Nebenbegriff in Anfehung feiner Rohheit und mangelnden
Bildung; daher uneig. f. Perfonen von gemeiner, niedriger Denkungsart,
unedler Handlungsweife, faylechten Sitten (es giebt Pöbel in allen Ständen ;
vornehmer Pöbel 2c.); — Z3ſetz. der Pöbelhaufen; die Pöbelherrfchaft,
die in den Händen des Pöbels befindliche Herrfchaft od. höchfte Gewalt (fr. Och—
lokratie); der Poͤbelkaͤfer, gemeine Lauftäfer; pöbelmäßig, Bw. , f. v. w.
pöbelhaft; die Pöbelfprache, Sprache des niedrigften Volkes; fo auch das
Möbelwort: das Poͤbelvolk, gem. f. Leute, die zum Pöbel gehören; — Ab—
Leit. die Wobelei, ein pöbelhaftes Benehmen; auch eine einzelne pöbelhafte
Handlung od. Außerung (M. Pöbeleien) ; pobelhaft, Bw., dem Pöbel an:
gemeffen, gleich od. ähnlich (ein pöbelhafter Menſch; ein pöbelhaftes Betra—
gen 2c.); die Pöbelhaftigkeit. -
pochen, Zw. (altd. pohhan, oberd. puchen, nicderd. pucken, boken;
ſchwed. boka, holl. beuken, poln. pukan) 1) zielloes m. haben, dumpf
ſchallen, Elopfen (ich höre pochen, es pocht; das Herz pocht); mit Hervor—⸗
bringung eines dumpfen Schalles gegen etwas flogen, fehlagen, Elopfen (an
die Thür — ; im Schaufpielhaufe —, d. i. zum Zeichen des Mifsfallens mit den
Füßen od. mit Stöden auf den Boden ftoßen); uneig. vlt. f. ungeftüm u. laut
zanfen (bibt. mit feinem Nächften pochen); einem —, ihm ungeffüm u. tro>
gig drohen; auf et was —, ein übertriebenes Vertrauen darauf mit Stolz
äußern, darauf trogen (z. B. auf fein Glück, feinen Reichthum ꝛc. —); dag
Pochſpiel (f. u.) ſpielen; 2) ziel., felten einen —, f. ſchlagen; ehem. un:
eig. f. bedrücken, quälen (bibl. das Volk pochen und plagen); etwas —,
zerftoßen, ftampfen (das Erz in den Pochwerken); — der Poch, - 88, M. -e,
gem. f. Schlag (Poche Eriegen) ; die Woche, M.-n, landſch. ein Werkzeug
zum Pochen od. Kiopfen z. B. ded Flachſes, der Leinwand zc. ; der Pocher, -$,
wer pocht, bef. ein Arbeiter in einem Pochwerke; uneig. wer auf etwas pocht,
- ein troßiger Prahler; die Pocherei, gem. f. wiederholtes Pochen; — Zfeb.
das Pochbrett, Spielbrett ‚zum Pochfpiel; das Vocheifen, ſchwere vicr—
eckige Eifen an den Pochftempeln, mittelft deren das Erz gepocht wird; das
Pocherz, Bergw. Erz, welches gepocht werden mufs; dag Pochgerinne »d.
der Pochgraben, das Gerinne, duch welches das nöthige Waffer auf den
Pochkaſten geleitet wird; die Wochheie, Bergw. ein hölgerner Schlägel (ſ. Deie);
der Pochherd, der geebnete Platz, auf welchem das gepochte Erz gewafthen
wird, aud die Pochbank; der Pochjunge, in den Pochwerken befchäfiigte
Bergjungen; der Pochkaſten, der bretterne Kaften, worein das Erz gefchüttet
u. worin es durchgepocht wird; der Pochfnecht, ein Arbeiter in einem Poch—
werke; die Pochlafche (f. Lafche), Seitenbretter an den Pochtrögen ; das Poch⸗
mehl, das fein gepochte Erz oder Gefteinz die Pochmühle, |. v. w. das
Pochwerk; das Pochrad, Wafferrad, welches die Pochftempel in Bewegung
Pocke — Poiße 393
fest; bie Pochſaͤule, hölzerne Säulen, zwifchen denen bie Pochftemper fich
bewegen; die Pochfchlage, ein großer eiferner Hammer, womit die gewaſche—
nen Erze vollends Elein gepocht werden, aud) der Pochhammer; der Poche
ſchlamm, das Elein gepochte Erz, wenn es aus dem Pochtvoge in den Schlemm⸗
graben gelaufen ift; das Pochfpiel, ein Brettfpiel mit Karten u. Würfeln;
der Pochfteiger, ein Steiger (f. d.), welcher die Aufficht über ein Pochwerk
hat; der Pochitempel, die mit den Pocheifen befchlagenen hölzernen Stampfen,
mitteljt deren die Erze in dem Pochtroge Elein gepocht werden; die Pochwelle,
die Welle des Pochrades; das Pochwerf, ein Hüttenwerk, in welchem das
Erz mittelft vom Waſſer getriebener Stempel gepocht wird; auch das Erz, wel-
ches gepocht werden fo!l.
Pocke, w., M.-n (engl. pock, verw. m. Bud, Budel, Erhöhung ;
def. in Nicderd. üblich, in Oberd. unbekannt), eine Blatter, Eiterbeule; bef.
M. die Poden od. die Pockenkrankheit, f. v. w. die Blattern, z. 8.
Schaf⸗, Kuh-, u. insbeſ. Menfchen= od. Kinderpodenz; — 3fes. das Pocken⸗
blatt, landſch. f. Wafferampfer; das Pockengift, Blatterngift; die Pocken—
grube od. =narbe, Blatternarbe; podengrübig, Bw. , blatternarbig ;
das Pockenholz, od. Btatterholz, Franzoſenholz; pockenkrank, Bw., auch
als Hw. ein Podenfranfer, der, die Podenkranke ꝛc.; die Podenraute,
Geißraute, Fleckenkraut; der Pockenruͤcken, ein Art Hornfifche, deren Rüden
mit Wärzchen befegt ift; der Pockenſtein od. Blatterſtein, eine Art des Grün—
fteins (fr. Variolit); die Pockenwurzel, Chinawurzel. — Ableit. poden,
ziellof. Iw., niederd. f. die Pocken bekommen; podig, Bw., die Poden
habend.
Pockel, w., M.-n, vit. f. die Buckel.
Pofel, m., -8, 0. M. (etwa das oberd. Pofel, Pöfel f. Pöbel?), landſch.
gem. f. fchlechte, unbraudpbare Waare, Brad, Schofel; öfte. f. eine
Menge, ein Gewimmel (4. B. ein Pofel Schafe) ; daher pofeln, ziellof. Zw.,
oberd. f. in Menge hervorbrechen, quallen.
Dofefe, od. Bofeſe, r. Pafefe, w., M.-n, (aus d. ital. pavese,
franz. pavois), 1) chem. eine Art großer Schilde von Eiſenblech; 2) oberd.
Küch. ſchildförmige, mit Kalbehien od. Pflaumen u. dgl. gefüllte, gebackene
Semmelſchnitten, Nierenfchnitten. f
Pogge, w., M.-n, (vergl. Padde), niederd. f. Froſch; Kröte; daher:
das Poggenauge, eine Art ſchädlicher Pilze; der Poggendeich, Wafferb.
ein kleiner Sommerdeich ; das Poggengras, die Krötenbinfe; der Poggen-
ſchott, (d. i.⸗ſchuſs), niederd. f. Froſchleich; der Poggenſtuhl, f. Erd:
ſchwamm, Pilz.
Pohl, m., -es, (aus d. franz. poil, Haar) bei den Sammtwebern 1) dag
Haar des Sammtes, aud) der Flor genannt; 2) die Rolle, worauf die Pohl:
fäden gewicelt werden; die Pohle, M. -n, die obere Kette am Stuhle,
welche den Pohl des Sammtes macht; der Pohlarm, zwei höfgerne Arme
über dem Hinterbaume, welche die Pohle tragen; der Pohlfaden, Kettenfaden
einer Pohle; der Pohlkamm od. =fchaft, Schaft, in welchen die ‚Kettenfäden
einer Pohle eingereiht werden, — pöhlen, ziel. Zw., Gerd. der Haare berau⸗
ben, gem. abpöhlen (ein Fell).
Poiße, m., -n, M.-n, (vergl. d. ſchwäb. Bofch, junges Rind; Tat.
* bos), landſch. gem. f. ein im Alter gefchnittener Zuchtoche.
x
394. Pok — Pole.
Pok, m, -es, M. -e, (holt. pook; vergl. d. lat. pugio, Dolch, pungere,
ftechen, picken 2c.) niederd. f. Dolch, Meffer; Stich, Wunde; daher poken,
3w. , f. ſtechen.
Pokal od. Pocal, m, -e8, M. -e, (franz. bocal, ital, boccale, wohl
von.bocca, Mund; nicht v. d. lat. poculum, welches ital. poculo Yautet),
ein großer Becher, Doppelbecher, Doppelglas.
Poͤkel, m., -$, 0.M., (niederd. Pädel, Holl. pekel, oberd. Picchet,
engl. pickle; wahrſch. verw. mit Büch, Buk, engl. buck, Lauge; vergl.
beuchen, büfen; n. X. von einem gewiffen Wilhelm Böker, ald dem Erfin—
der des Einpöfelns, im 14ten Jahrh. ?), Salzwaffer, Salzbrühe über ein
gefalzenem Steifch oder Fiſchen; püfeln, Zw. 4) ziel. in Salz od. Salzwaſſer
legen, einfalzen, gew. einpöfeln; 2) ziellos m. haben, in Salzwaſſer ver
wandelt werden (das Salz pöfelt ſchon, d. i. fchmilzt auf dem Fleifche); vom
Salz durchdrungen werden (das Fleiſch pökelt gut) ; das Poͤkelfleiſch, einge:
falgenes Fleiſch; der Poͤkelhäring (vergl. Pickelhäring), eingefalzener Häring ;
verſch. Bückling; der Poͤkelhecht, Salzhecht; der Poͤkelrogen, eingefalzener
Fiſchrogen (fr. Kaviar).
Pol, m., -e8, Me⸗e, (franz. u. engl. pole; v. lat. polus, griech.
‚nöh0g v. new, nol&o, umdrehn; alſo eig. der Drehpunkt), die beiden End—
punfte der Achfe, um welche fidy eine Kugel dreht, Angelpunkte; insbef.
die beiden Endpunkte der Erdachfe: der Nord- u. Südpol; am Magnet
die beiden einander entgegengefegten Punfte, welche die ſtärkſte Anziehungs-
Eraft äußern, u. von denen, wenn der Magnet frei hängt, der eine ſich nach
Norden, der andere nad) Süden wendet; — Bfes. der Polbär, Eisbär;
die Pol=- Ente, eine Art Patfchfüße um Spisbergen ; der Polfuchs, eine Art.
in der Nähe des Poles Iebender Füchfe, die im Sommer graublau, im Winter
weiß find; (gew. Polarbär, zente, =fudhs); die Polhöhe, der Bogen
der Mittagskreifes zwifchen dem Pole und dem ‚Gefichtskreife eines Ortes; der
Dolkreis, (gem. Polarkreis od. zcirkel) Erdk. die Kreislinie, welche man
fich um jeden der beiden Erdpole mit einem Halbmeffer von 232 Graden gezogen -
denkt, und der von diefen Kreifen eingefchloffene Raum; der Polſtein, Neuw.
f. Magnet, ſ. d.; der Polſtern, (gew. Polarſtern), der dem Nordpol am
nächſten ſtehende letzte Stern im Schwanze des kleinen Bären, Nordſtern, ehem.
auch Meerſtern, als Leitſtern dev Seefahrer; die Poluhr (gew. Polaruhr),
eine Sonnenuhr, welche auf einer Fläche beſchrieben wird, die ſowohl durch die
Weltpole, als auch durch Oſten u. Weſten geht.
Polack od. Polak, m., ſ. Pole.
Polake, w., M. -n, (ital. polacra, franz. polacre, polaque, engl.
polaque), eine Art dreimaftiger Schiffe, bef. im mittländ. Meere,
Polchen sd. Pölchen, m., -$, M. w. E., preuß. eine ehem. polnifche
Kupfermünze, = # poln. Grofchen. od. ZI; poln, Gulden.
Nolder, m., -$, M. w. E., 1. (holt. polder; wahrſch. verw. m. dem
niederd. Pool f. Pfuhl, Sumpf), niederd. eine durch Eindeihung dem Meere
od. einem, Fluffe abgewonnene Niederung; — 2. Schiffb. die über den
Schanddeckel hervorragenden Enden der Inhölzer, um welche das Tauwerk
belegt wird (auch: Pöller).
Pole, m., -n, M. -n, die Polinn, M. -en; gem. auch: der Po—
lad, -en, die Poladinn, M.-en, (poln. Polany od. Polak), die flas
Ey ,
Polei — KPolfter 395
vifchen Eingeborenen u, Bewohner des Landes Polen, f., -8; dee Polad,
auch ein aus Polen ſtammendes Thier, bei. Pferd; ein gefchnittenes Huhn;
uneig. gem. f. Schläge auf den Hintern, bef. mit einer kurzen ledernen Peitfche
(einem einen Polacken geben) ; auch der Ueberreft eines Trunfes im Gtafe, u,
des Tabads in einer nicht ausgerauchten Pfeife; polnifch, landſch. gem. auch
polifch (weiches eig. richtiger ift, von Pole. gebildet, wie preußifch, ſchwebiſch x.
von Preuße, Schwede), den Polen eigen, aus Polen ftammend, zu Polen
gehörig (die polnifche Sprache; polnifche Pferde); oberd. auch f. feltfam, fon-
derbar (das kommt mir polifch vor); der polnifhe Bod, ein Marterwerk-
zeug (f. Bock 3.); Naturk. dev polnifche Hammer, eine Art Kammmuſcheln;
die polnifhe Müsge, eine Art Korallen; der polnifche Säbel, eine Art
Sceidemufchein. 4
Polei, m., -e8, o. M. (dän. poley, engl. poly, böhm,-poleg, ital.
pulegg}o, v. lat. pulegium, puleium, v. pulex, Floh, alfo eig. Flohkraut,
wegen feiner Wirkung gegen die Flöhe), eine flarkriechende, bitter und ge '
würzhaft fchmedende Pflanze, zur Gattung der Münze gehörend; wilder
Polei, f. Feldmünze, Bergmünze, Quendel.
Polente, Polfuchs, Polhoͤhe, ſ. unter Pol.
politzen, ziel. Zw., Goldarb. eine Arbeit vor dem Glänzen (od. Poliren)
mit Bimsſteinen ſchleifen.
Polizei, w., o. M., (franz. police, engl. polity, lat. politia, v. griech.
nolrrelie, Staatsverwaltung), die Handhabung der Ordnung und beſ. die
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe u. Sicherheit in einem Staate od. einer
Stadt (es herrfcht hier eine gute Polizei); die damit beauftragte Behörde, f.
v. w. das Polizeiamt, die Poldeidehoͤrde, die Geſammtheit der Polizei⸗
beamten; daher auch: der Polizeidiener z das Polizeigericht; polizei⸗
mäßig, Bw., den Polizeigeſetzen gemäß, entg. polizeiwidrig, denſelben zu⸗
widerlaufend; die Polizeiordnung; der Polizeireiter, ein reitender Polizei⸗
diener; der Polizeirichter; die Polizeiſache ꝛc.; — polizeilich, Bw., die
Polizei ka dazu gehörig od. davon ausgehend.
Noll, m., -e8, M.-e, landſch. f. ein verfchnittener Eber; ein unge:
ſchickter, unbehülflicher Menſch.
Poll 4. m., Aes, M.-e, od. die Pole, M. -n, (engl. poll, Kopf),
niederd. f. Kopf; Federbuſch auf dem Kopfe von Vögeln; Gipfel von Bäumen
u. Pflanzen ; daher pöllen ‚ ziel. Zw., (engl. poll), niederd. f. Eöpfen, des
Gipfels berauben.
Noll 2. m. od. f., -e8, o. M., 0d. das Pollmehl, (landſch. auch Pohl⸗,
Pulmehl, u. die Poehl; vergl. d. lat. pollen, feines Mehl), Landfch. f. die
mittlere Gattung des Mehts, Mittel-, Halb-, Aftermehl.
Pollak, m., -e3, M. -e, (vergl. das oberd. Bolch f. Kabeljau),
ein dem Kabeljau ähnlicher Fiſch (Gadus pollachius L,), auch: gelbes od.
weißes Kohlmaul.
Poͤller, m. 1. f. Böllerz 2. f. Polder 2. — Pollmehl, f. Poll 2.
polnifch, Bw., f. unter Pole; — Polftein, Polftern,, m., f. Pol.
Polſter, m., u. gw.f., -$, M.w. E., Verkl. das Polſterchen,
(altd. der polstar, bolster; oberd. Bolfter u. Pfulfter; isländ. palster,
ſchwed. u. engl. bolster; wahrfch. verw. mit bol 2), überh. ein mit Zeug od.
Leder überzogenes Feder = od. gem. Hanrkiffen, bef. wenn es auf einem Sig,
396 Pölten — Pomeranze
einer Lehne ze. befeftigt ift (ein Stuhl-, Wagen, Eopha=Polfter 2c.); in
weiterer Bed. auch Strohmatten od. Strohwiſche, welche man, um Reibung
zu verhüten, zwifchen harte u. ſchwere Körper legt; Mühlenb. f. Unterlage
überh.z die Polſterbank, tas Polfterbett, ver PVolfterfeffel, — ſitz,
ſtuhl zc., mit Polftern verfchene Bank, Ruhebett, Seffel 20.5; dee Polfter-
ritter, alt Tpottweife f. ein auf dem Polſter veitender, d. i. ein weichliches Leben
führender Ritter; polflern, ziel. Zw., mit Polftern verfehen, befcylagen
(einen Stuhl, einen Wagen 2c. — ; uneig. mit Fleiſch od, Fett gepolfterte Glicder 2c.).
Pölten, m., -$, landſch. gem. ein Mannstaufnamen (verderbt aus d.
griech. Dippolytus).
poltern, zieliof. 3w. m. haben (en Schallw., oberd. auch poldern, pols
lern, niederd. pultern, bullern, bollern, f. d.; ſchwed. bullra), ein ſtarkes
und dumpfes, rollendes od. doch anhaltendes Getöfe hören laffen od. erre—
gen (ich höre es poltern; wer poltert fo? an die Thür poltern, d, i. ungeftüm
ſchlagen od. ſtoßen); gem. überh. f. lärmen ; insbef. ungeſtüm u. haftig reden,
bei. im Eifer od. Zorn, zanfen (ev poltert beftändig) ; in Kupferhämmern :
die aufgetieften Keffel 2c. mit dem Polterhammer gleich ſchlagen; auch m. fein,
ſich polternd ürgendwohin bewegen (ev ift in die Stube, von der Treppe hin-
unter gepoltert ꝛc.); der Polterer, -8, wer poltertz bef. ein leicht aufbraus
fender u. dann ungeftüm eifernder u. zankender Menſch; — 3fes. der
Molterabend, der Abend vor einer Hochzeit, wahrfch. weil in dem Hochzeit—
hauſe nicht ohne Gepolter Alles aufgeräumt wird, fodann auch wegen der Volks—
fitte, vor der Hausthür altes Gefchirr polternd zu zerbrechen u. fonftiger lär—
menden Luftbarkeiten; der Poltergeiſt, nach dem Volksaberglauben ein unfichtbar
im Hauſe polternder bösartiger Geift, niederd. Rumpelgeiftz auch ein lärmender,
polternder Menſch; der Polterhammer, -ſchlägel, die Polterfchlage, ein
hölzerner Hammer in Kupferhämmern u. bei Kupferfchmieden; die Polterfams
mer, eine Karnmer, in welcher man abgenustes Hausgeräth verwahrt, Rum—
pelfammer ; die Poltermeſſe, Landfch. die am grünen Donnerstage und Char—
freitag gelefene kathol. Meſſe (vergl. Pumpermette) ; die Polternuſs, landſch.
f. große Wallnuſs mit verhältnifsmäßig Eleinem Kern, Pferdenufs.
Polz, m., -ed, M. -e, (wahrfch. verw. mit dem lat. fulcio ſtützen;
od. = Bolz?), öfte. f. Pfeiier, Stüge; daher: pölzen, ziel Bw. (gem.
pelzen) f. fügen (bef. unterpölgen).
Pomade, w., M.-n, (aus d. franz. pomade, ital. pomata, v. pomo
franz. pomme Apfel, weit man fie ehem. mit Apfelfchnitten bereitete), eine aus
Fett und wohlriechenden Stoffen bereitete Salbe für die Haut (Lippenpomade)
u. bef. für die Sdaare, Haarſalbe, Haarwachs ; Studentenfpr. f. Bequemlichkeit,
Ruheſucht, Leichtigkeit.
Domeranze, w., M. -n (werberbt aus d. ital. pomo d’arancio, neu—
Tat. pomum aurantium, Goldapfel, franz. orange), die runde, goldgelbe,
angenehm bitter ſchmeckende Frucht des Pomeranzenbaumes, ver mit dem
-" Zitronenbaume zum einer Gattung gehört; daher: das Pomeranzenblatt;
die Pomeranzenblüthe zc.; die Pomeranzenbirn, eine rundliche, faftige
Birnen-Art; bie Pomeranzenfarbe; pomeranzenfarben, = farbig od.
= gelb, Bw. (fr... orange); der Pomeranzenkürbifs, eine Art Eleiner Kürbiſſe;
die Pomeranzenlaus, eine Art Schitdläufe, Zitronenlaus; das Pomerans
zenölz; der Poimeranzenfaftz; die Pomeranzenfchale; der Pomeranzen-
\
Pommer — Por ‘597
ſchnäbler, eine Art Droſſeln mit pomeranzengelbem Schnabel; der Pome—
ranzenfhwamm;, ein ‚auf ber Oberfläche pomerangengelber Blätterſchwamm;
der Pomeranzenvogel, ein Zagfalter.
Pommer, 1. m., -n (nit -$), M. -n, wer aus dem Lande Pom—
mern, -8, gebürtig if; weibl. die Pommerinn, M. -en; (nicht gut:
Pommeraner, Pommeranerinn); pommeriſch, gem. abgek. pom-
merſch, Bw., aus Pommern ſtammend od. dort einjeimiſch; — Pommer
2.m., -8, M. w. E., oberd. (gem. Pummer) f. Spitzhund; ein Rauſch;
eine Schalmei; eine dicke, doch regſame weibl. Perſon.
Pommeſine, w., M. -n, (vom franz. pomme de Sine) landſch. f.
Anfelfine.
Pomochel od. Pomuchel, m., -$, M. w. E., (wahrſch. flav. Ur:
fprungs) , preuß. f. Dorſch.
Pomp, m., -e$, 0. M. (v. lat. pompa, u. diefes v. griech. moumı,
Sendung, Geleit, Aufzug), feierliches Gepränge, bei. bei Aufzügen; überh.
f. große Pracht, Prunf; pomphaft, Bw., mit Pomp verbunden, finnv.
prächtig, prunfvoll, hochtrabend, (fr: pompös) ; die Pomphaftigkeit.
Dompe, w., M.-n, 1. f. Pumpe; 2. Landfch. f. Eſelsgurke (wahrſch
von dem Schall beim Aufplagen; vergl. pumpen).
Pompelblume, w., landſch. f. Löwenzahn; Nofenpappel.
Pompelmus od. Pompelmufe, w., M. -n, (engl. pumplenose),
eine Art oftind. Apfelfinen, welche die Größe eines Menfchenkopfes exreichen.
pompen, ziellof. Zw., ſchwäb. Schallw. f. pumpen (T. d.); daher der
Domper, -$, f. ein Schlag ; die Trommel.
Pomphoſe, w., ſ. Pumphofe.
Povanz, m., -238, M. -e, (landfch. aach Popel, Popelmann, u. Pö—
pel, Hullepöpel, f. eine vermummte Perfon, u. Pöpel auch f. Schleier,
Kappe zur Berhüllung des Geſichts; einpöpeln, verpöpein f. einhüllen,
vermummen; vergl, Mummel), ein Schreckbild, womit man Kinder in Furcht
ſetzt; Tandfch. auch f. Zeufel; uneig. überh. f. Schredbild, ein eingebildeter
od. vorgefpiegelter Gegenftand des Schredene.
Popel od. Pöpel 1. m., -8: pöpeln 1. 3w., f. unter Popanz.
Poͤpel od. Vopel 2. m., -8, 0. M., landſch. gem. f. eine zufammenhan:
gende, dicke Maſſe; insbef. verdickter Nafenfchleim ; zäher Eitet aus einem
Geſchwürz fumpfiger Boden; fhwäb. ein Knäuel Garn; poͤpeln od. po—
peln 2., ziellof. Zw., gem. f. mit dem Finger in der Naſe ſtören; Landich.
auch f. Kinderei treiben, tändeln.
Popo, m., -8, 0. M., gem. bef. niederd. Kinderfpr. f. der Hintere.
Poppe od. Poper, w., M. -n, oberd. f. Kügelhen, Körnchen, Kno:
ten, Bläschen; bef. Digblätterchen, Finnen im Geficht (lat. populaz vergl.
Pocke, Piel); das Poppelchen, -$, niederd. f. die gelbe Seeblume.
poppeln, ziellof. Zw. (auch pofeln, pobeln, pfopfern ; engl. bubble, holl.
bobbelen), oberd. f. aufwallen, wirbeln, fprudeln (das Waſſer poppelt im
. Sieden aufz der Rauch poppelt aus dem Ofen) ; vergl. auch puppern.
Por, od. Bor, w. (v. peran, beren, tragen), alt f. die Höhe (daher
‚empor, f.d.); die Porkirche, Porfcheune, f. v. w. Emporkirche, = fcheune
( d.); die Porlaube, landſch. f. eine in der Höhe befindliche Laube, ein fol
cher bedeckter Gang an einem Haufe (vergl. Laube); porſchuͤſſig, Bw., Bergw.,
7 a Porgel — Porzellan
auf der Oberfläche der Erde angefchofen, am Tage liegend (Erz); der Pors
wifch od. Borwifch, landſch. ein Borſtwiſch an einem langen Stiel zum Fegen
in der Höhe.
Dorgel, m., -$, landſch. f. Portulak. .
Porree, m., -8, o. M. (zunächſt. v. d. franz. porrée; ital. porro, late
porrum; oberd. Pori, Porn, Pfarren; niederd. Burree), fpanifcher od. zah⸗
mer Laud).
Porſch, m., -08, o. M. (verw. mit beren, em- -por, Borfte ze. ; ; alfo
eig. etwas Emporragendes, ſich Sträubendes), verfchiedene Gewächfe, insbef.
‚ eine firauchartige fehr flark riechende Pflanze, mit rosmarinähntichen Blättern,
wilder Rosmarin, (Ledum palustre L.) aud) weiße Heide, Mottenz od.
Mutterkraut ꝛc. genannt (landſch. Porft, niederd. verderbt: Poft, Poftfraut
Schweine, Küh-, Sumpfpoft 2.); die Mirtenheide (f. d.z auch Porſt);
Bärenklau (auch Porft, preuß. Bartſch); Kellerhals; landſch. auch f. Heiz
delbeerfraut (auch Porß); — der Pörfchel, -8, M. w. E., ſchleſ. f.
Spige, Gipfel, beſ. Wipfel eines Baumes ; pörfchefn od. hörfeln rückz.
Zw., ſich —, f. ſich borſten, aufſträuben; uneig. ſich ſperren, ſträuben,
toiberfegen ; — der Pörfchkohl (auch Berſchkohl), landſch. f. Wirſing.
porſchuͤſſig, Bw., ſ. Por; — Porſt, m., ſ. Porſch.
Dort, m., -e8, M.e (aus d. franz. port; lat. portus), alt u. dicht.
f. Hafen.
Porte, w., M. -n, niederd. f. Pforte (1. 8.); Schiff. f. Schießloch;
Fiſch. der Eingang einer gewifjen Art Fifchergarne.
Portulak, m., -08, 0. M. (v. lat. portulaca, porcilaca; ital. auch
porcellana, engl. purslain), ein Gartengewächs, welches als Salat genofjen
wird, landſch. verderbt: Burzel⸗ od. Bürzelkraut, Bürgelkraut, oberd. Grenfel.
Porwiſch, m., f. unter Por.
Porzellan, b. als Porzellän, f., es, M. (v. mehren Arten) -e, (vom
‚ital. porcellana, da das erfte chinef. Porzellan von Italien aus zu uns gebracht
"wurde; franz. porcelaine, engl. porcelain; wahrſch. urfpr. Namen einer
Schnecke (ſ. Porzellanfchnede), deren milchweißem Glanze die Porzellanmaffe
ähnlich ift), eine im Feuer halb verglafete, milchweiße Maffe aus reinem,
weißem Thone, Kiefel od. Quarz u. etivas Gips, zu allerlei Gefchirren u.
Kunſtarbeiten, Edelthon, Weißirden, (chineſiſches, japaniſches, Meißner,
Berliner Porzellan zc.); auch als Sammelw. f. Porzellangeſchirr, Gefäße aus
Porzellan (viel Porzellan haben); unechtes od. Halb-Porzellan, por—
zellanähnliches Steingut (fr. Fayence); — 8ſetz. porzellanblau Bw., Färb:
fehr bleichblau; die Porzellanerde od. der Porzellanthon, eine feine, weiße
Thonerde, woraus Porzellan verfertigt wird; das Porzellanglad, ein weißes
Schmelzglas; die Porzellanglätte, die Stüffigkeit, in welche-das Porzellan
vor dem völligen Ausbrennen getaucht wird, um ihm den glasartigen Überzug zu.
geben der Porzellanhandel, die Porzellanhandlungz der Porzellan-
händler; die Porzellankapfel, Kapfel aus Porzellänmafje, worin das Por
zellen in den Brennofen gebracht wird; die Porzellanfrabbe, eine Art Kleiner
Seekrabben, Fliegenkrebs; der Porzellanmacher (fr. = Fabricant),, inöbef.
der Porzellanformer, =dreher, = brenner ꝛc.; der Porzellanmaler, wer
auf Porzellan malt; die Porzellanmalereiz; die "Porzelanmaffe; die Porz
zellanfchede, eine Art Scheren (f. d.) mit bläulichen od. röthlichen Flecken auf
m ! a? Poſament — Poße 8399
weißem Grunde; die Porzellanfchnede od. =mufchel, auch Porzellane,
Venusſchnecke, Muttermufchel (lat. porcellana, concha cyprea), eine Art ein=
facher, gewundener, meift eirunder Schnecken mit einer fchmalen u. langen ge=
zähnten Öffnung in der Mitte; die Porzellanwaare 20.5 — Ableit. por=
zellanen, Bw., aus Porzellan verfertigt, 3. B. porzellanene Zeller; gew.
durch Zſetz. mit Porzellan erſetzt, als: Porzellanteller, =fhüffer,
znapf, zgefäß, -geſchirr «. |
Pofament od. Paffement, f., -ed, M. -e, (franz. passement, ital.
passamano; wahrſch. v. passare, passer, durchziehen, näml. die Fäden),
vlt. f. Borten, Schnüre u. Ahnlichye Arbeiten aus gefponnenem Gold u. Sil—
ber, Seide, Wolle 2c., zum Befegen von Kleidern 2c. dienend; daher der Po—
famentirer, -8, M. w. E., od. gew. Pofamentier, -8, M. -e,
(franz. passementier) ter bergleichen Arbeiten verfertigt, Bortenwirker,
* Bortenmader.
Poſaune, w., M. -n, (altd. pusunes busine, bosune; niederd. Ba—
ſune, hol. bazuin, ſchwed. basun, altfranz. buisine; verderbt aus d. lat.
buccina, bucina; grich. Pvxcım),, ein trompetenähnliches Blafe = Inftru:
ment, ehem. aus einer einfachen metallenen Röhre mit weiter Öffnung beftehend,
jest aus einey gewundenen Röhre, deren bewegliche heile in einander ftecten und
auf und ab gefchoben werden, um die Höhe und Tiefe des Tones hervorzubringen
(die Pofaune od. auf der Pofaune blafen; in die Pofaune flogen, uneig. f. gro=
» fen Lärm machen, um Auffehn zu erregen); auch ein Orgeltegifter, welches
Pofaumentöne nachahmt; der Pofaunenbais, ein Bafs, welcher Pofaunen-
töne nachahmt ; auch ein Orgelzug; der Pojaunenbläfer (fe. Pofaunift)'; das
Mofaunenhorn, eine Art Stachelfehneden, deren ſich die Indier als eines
Blashorns bedienen; die Pofaunenfchnede,- ein Befchlecht einfächeriger ge—
wundener Schnecken, Meerhorn, Seetrompete 2.5 der Pofaunenton 20.5 —
pofaunen, zieltof. u. ziel. Zw., eig. auf der Pofaune blafen; gew. uneig. f.
mit lauter Stimme reden, laut verfünden, prahlend befannt machen (def.
auspofaunen); der Pofauner, -8, felten f. Pofaunenbläfer ; uneig.
wæer etwas laut verfündet, ein Prahler. x
Dofe, w., M.-n, 1. niederd. f. Federkiel, Federſpule; insbef. die unz
gefchnittene Schreibfeder; auch die gefärbten Federfpulen als Auffäge auf
Thonpfeifen; — 2. (oberd. die Boße od. der Boßenz vergl. Boſe; wahrfch.
v. boßen f. fchlagen, bläuen) Landfch. f. ein Bündel Flachs; — 3. niederd. u.
Bergw. (vergl. Paufe); eine abgemefjene Dauer bis zu einem Ruhepunkte
G. B. eine. Poſe läuten); auch von Krankheits-Anfällen; Bergw. ein Zeitraum
von 4 Stunden Arbeit, die Hälfte einer Schicht; bair. (Poi s) f. Meile,
Weilchen.
poͤſeln , zielloſ. Zw., (vergl. päſſeln, poßeln, puſſeln), niederd, f. mühſam
u. emſig arbeiten, bef. ohne etwas zu Stande zu bringen.
poſen, ziellof. Zw., nieberd. f. waten, im Wafjer, Schlamm ac.
oß, m., -es, M. -e, oberd. ein Mühlfnecht, welcher geringe Arbeiten
verrichtet; der Poßel, Poßler, —s, oberd. f. ein Gehülfe zu geringen Ar—
beiten, Handlanger, Zaglöhner; poßeln od. pofteln, (auch pöſeln, pöſchelnz
vergl. päſſeln), oberd. Zw. f. Eleine Arbeiten verrichten.
Poſſe, w., M. -n, (oberd. auch dev Boß, niederd. Buße, Puse; ſchwed.
puss, holl. poetsz vergl. d. ifal. pazzo, Narr; wahrfch. verw. mit böfe,
400 Poſſekel — Poſt ——
- altb. pösi, bösi, d. i. urſpr. eitel, nichtig, albern, täuſchend zc.; daher
altd. giposi f. Poſſen, läppiſche Dinge; u. Yoffen ehem. f. feltfame Figuren,
Larven, Fragen ꝛc.), eine ſcherzhafte, Lächerliche Geberde od. Rede zur Be:
luftigung; überh. f. gemeiner Spaß od. Scherz, ſinnv. Schnaf, Schwanf,
Schnurre (Pofjen machen, treiben, reißen, f. d&); auch ein kurzes, nur auf
Lachenerregen berechnetes Luftfpiel, ein Poffenfpiel, (fr. Farce); der Poſ—
fenmacher, Pofjenreißer, Luſtigmacher, Luftige Perſon in Poffenfpielen u.
dgl.; die Poffenreißerei, das Poſſenreißen; pofjenhaft, Bw., einer Poffe
ähnlich, nach Art einer Poffe zum Lachen reizend (Bewegungen, Geberden,
Reden) ; geneigt u. geſchickt, Poſſen zu machen (ein poffenhafter Menfch) ;
die Poſſenhaftigkeit; poffierlich, Bw., (v. dem alt. Zw. poffiren, luſtige
Geberden machen), durch lächerliche Geberden, u. überh. durch ſpaßhaftes
Weſen beluftigend, weniger hart u. verächtl. als poffenhaft, finnv. drollig,
ſchnakiſch, ſchnurrig, neckiſch (dev Affe ift ein poffiertiches Thier; ein poſſier—
licher Menſch; ein poſſierlicher Einfall 2e,); die Poſſierlichkeit, das Voffier:
lichfein einer Derfon od. Sachez — ber Pofjen, -8, M. w. E., ein muth:
williger Streich, eine bösliche Nederei, die man an einem Andern verübt, u.
der demfelben dadurch zugefügte Schaden, Arger, Verdruſs, gem. Schaber:
nad, (einem einen Poffen fpielen, ihm etwas zum Poffen thun, f. v. w. zum
Trog)s; poffeln, Zw., ſchweiz. f. Heine muthwillige Streicye fpielen.
Doffekel, m., —s, M. w. E. (o. poffen, boffen f. fchlagen, ftoßen),
Handw. ein großer, fihwerer Hammer, bef. Schmiedehammer.. -
Poſt, m., -e8, od. das Poſtkraut, landſch. verderbt f. Porſch, ſ. d.
Doft, w.1., M.-en, Verkl. das Pöſtchen, (. d. ital. posta, u
diefes v. d. lat. ponere, ſetzen, ftellen, alfo: der Anfag), eine zu etwas bes
ftimmte od. für etwas ausgegebene Summe Geldes, fofern fie in Rechnung
geftellt wird (eine Geld-, Schuldpoſt 2c.5 die verfchiedenen Poften, eintreiben,
zufammenrechnen 20.5 auch der Poften); in weiterer Bed. biew. eine be—
ftimmte Zahl od. Maffe von Dingen einer Artz oberd. Münzw. 300 Mark
Silber; bei Steinmegen: eine auf einer Steinplatte jtehen gebliebene Maſſe,
woraus eine erhabene Arbeit gehauen werben foll; dag Poftblei, Hüttenw. fo
viel Blei, als in einer Schicht auf einmal ausgefchmelzt wird; das Pofterz,
eine gewiffe Menge von Erz einerlei Gehaltes, wie es der Schichtmeifter in die
Hütte Liefert.
Poſt, w.2., M.-en, (v. d. franz. la poste, mitfl. lat. u. ital. posta,
v. d. lat. ponere, a positis equis benannt, alfo eig. die Aufftellung der Pferde,
die Station, bezeichnend), die öffentliche Anftalt zur Fortfchaffung von Brie—
fen, Gütern und Perfonen, das Sendamt, (in Frankreich feit dem Löten,
in Deutfchland feit dem 16ten Sahrh.), auch die Fuhrwerke oder Fahrzeuge,
u. die reitenden oder gehenden Boten, deren man fich dazu bedient (die fah—
rende, reitende, b. Fahr-, Neitpoft, Fußbotenpoft, Briefpoft, Eil= oder
Schnellpoft; ordentliche od. fr. ordinäre, welche zu beftimmten Zeiten vegelmäßig
abgeht u. anbemmt; u. außerordentliche, fr. Extra-Poſt od. Eigenpoft, d. i—
Poftpferde zu eigner Verfügung z die Poft geht ab, kommt an; Briefe 0d. Sachen
auf die Poft geben, mit dev Poſt od. durch die Poft befördern, ſchicken 2e.5. mit
der Poſt reifen, ſich auf die Poft fegen, d. i. auf einen vegelmäßig gehenden
Poſtwagen ; Poft nehmen, d. i. Extrapoftpferde); auch f. das Poftgeld (die,
Poft bezahlen); das Pofthaus (auf die Poft gehen, ſchicken 2.); eine Poftrafte
le Poft 401
(fe. Station; ber Ort ift drei Poften von hier entfernt); eine mit der Poſt er: _
haltene Nachricht, u. in weiterer Anwendung überh. f. Nachricht, Botfchaft,
Kunde (eine gute, ſchlechte, Trauer-, Friedenspoft u. dgl. m.5 Poftentras
gen, oberd. f. Nachrichten, Briefchen 2c. bin u. ber tragen, Neuigkeiten vers
breiten, Elatfchen) 5; — 3fes. das Poſtamt, 1) ein Amt bei dem Poftwefen ;
2) die Gefammtheit der Poftoeamten eines Ortes, und deren Verſammlungshaus;
‚der Poftbeamte, wer ein Poftamt bekleidet, der Pofibediente, wenn es ein
“geringeres Amt ift; der Poſtbote, ein gehender od. reitender Poftbedienter, wel⸗
cher Briefe und Padete befördert; auch wer die mit der Poſt angefommenen
Briefe 2c. weiter trägt, Briefträger; poftfrei, Bw., frei von dev Verbindlichkeit,
Poftgeld zu bezahlen; durch Vorauszahlung des Poftgeldes für den Empfänger
koſtenfrei (fr. franco ; einen Brief poftfrei od. bloß frei machen, fr. frankiren) ; die
Moftfreiheit, das Befreitfein vom Poftgelde; der Poftführer, Schirrmeifter, wels
cher den Poftwagen geleitet; das Poſtgeld, das Geld, welches man der Pofk
für Beförderung von-Briefen, Padeten ze. od. auch als Poftreifender zu ente
richten hatz der Poſthalter 1) wer die Pferde für die Poft hält u. hergiebtz
2) wer an einem Eleinen Orte dev Poft vorfteht, der Poftwärterz die Poſt—
halterei, das Amt, die Anftalt u. Wohnung des Poſthalters; das Pofthaus,
das Haus, wo die Poſten ankommen und abgehen und die Poftgefchäfte verrichtet
werden; das Poſthorn, ein metallenes Tonwerkzeug in Geftatt eines Eleinen
Waldhornes od. einer Kleinen Trompete, welches die Poſtknechte führen u. blafenz
Naturk. Namen verfchiedenee Schneden; das Poftfameel, das fhnelle eins
höckrige Kameel, Lauffameel (fr. Dromedar) ; die Poſtkarte, 1) die Eifte der
mit einer Poſt abgehenden und anfommenden Briefe; 2) eine Landkarte, auf wels
cher die Poftftraßen und Stationen verzeichnet find; der Poftknecht, ein fahr
render oder reitender Poftdiener, Poſtfuhrmann, = kutfcher, od. Poftreiter
(fr. Poftillon); die Poftkutfche, eine Kutfche als Poſtwagen; der Voftenlauf,
Gang der Poften in Anfehung der Wege und der Zeit des Abgehens und des Ans
kommens; die Poftmeile, Meite, wonach die Poftftraßen eingetheilt find und
das Poftgeld berechnet wird; der Poſtmeiſter, Vorſteher des Poftwefens in
einer Stadt; die Poftordnung, die gefammte Einrichtung des Poftwefens in
einem Staate; das Poftpapier, ſ. v. w. Briefpapier; pojtpapieren, Bw.,
von Poftpapier gemacht; auch fein wie Poftpapier; das Poſtpferd, ein Pferd
zur fahrenden od. reitenden Poſt; die Poftrafte, Neuw. f. das fr. Station,
d. i. ein Ort, wo die Poft raftet und bie Pferde wechfelt; der Poſtrath, ein
beim Poftwefen angeftellter landesfürſtlicher Rath; die Pofträthinn, deffen
Gattinnz die Poftreife, eine Reife mit der Poftz der Poftreifende (fr. Pafe
fagier); der Poftfchein, Beſcheinigung über das an ein Poftamt entrichtete
Gerd; das Poſtſchiff, ein Schiff, welches regelmäßig zu beftimmten Zeiten
Briefe, Waaren und Perfonen befördert, auch der Poſtkahn, das Padetbootz
der Poftfihreiber, Schreiber bei einem Poftamt (fr. Poft- Seeretär); die Voft«
firaße, der Poſtweg, die Landſtraße, welche die Poften befahren; die Poſt—
ftube, Geſchäftsſtube in einem Poſthauſe; der Pofttag, der Tag, an welchem
an einem Orte Poften anfommen oder abgehen, in Anfehung der zu empfangenden
od. abzufendenden Briefe; pofttäglich, Nw. u. Bw., an jedem Pofttage; die
Poſttaube, f. v. w. Brieftaube; der Poftverwalter, Vorſteher des Poftwer
ſens an Keinen Ortenz der Poſtwagen, Wagen zur Fahrpoſt; ber Poſtwaͤr⸗
ter, ſ. Poſthalter; das Poſtweſen, die gefammte Anftalt u. EIERN der
sr e's Handmwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 26
x
402 Poften — Pracht
Poſten in einem Lande od. Orte; der Poſtzug, ein Zug zufammengehörender
Pferdes — Ableit. poften od. pofteln, ziel. u. zielloſ. Zw., oberb. u. ſchweiz.,
einen hin u. her ſchicken, od. aud) hin u. her laufen, um etwas zu beforgen.
Doften, m., -8, M. mw. E., 1. f. v. w. die Poft 1.5.2. (v. dem franz.
le poste, ital. posto, engl. post; von d. lat. ponere, ftellen) der Drt, wo⸗
hin Jemand zu einem beftimmten Zwede geftellt wird, der Stand, bef. im
Kriegsweſen (der Soldat darf feinen Poften nicht verlaſſen; feinen Poften behaup⸗
ten, vertheidigen.2c.); auch der Soltat od. die Mannfchaft, welche auf einen
Poſten geftellt ift (ein Wachtpoſten, Vorpoften zc.); uneig. f. Amt, Sielle, Anz
ſtellung (einen Poften bekommen, bekleiden 20; ein guter, einträglicher Poften 2c.) 5
3. Jäg. ein Zeichen mit dem Jagdhorne (f. Sagdpoften); poftiren, diel 3w.,
auf einen Poſten ſtellen, hinſtellen; anſtellen.
Poſterz, ſ. unter Poſt 1. — poftfrei 2c. — Poftzug, ſ. Poft 2.
Pote, w., M.-n, niederd. 1) f. Pfote; 2) Schiff. die einzelnen Taue,
woraus ein Sprüt befteht; die Eleinen Kniee, woburd der Gangbord eines
Kahnes mit der Futterung verbunden wird.
pötern, ziellof. Zw. (gew. verpöternz vergl. d. laf. putere, putrere,
griech. ausm) niederd. f. faulen, fchimmeln, verwefen; die Farbe verlieren.
Doticherbe od. Poticherpe, w., M. -n, landſch. f. Zraubenfirfche.
Pott, m., -e8, M. Potte u. Pötte, (gem. auch Putt; ſchwed. porta,
dän. potte, holl. engl. franz. pot; vergl. Butte) niederd. f. Zopf; aud ein
Flüſſigkeitsmaß, ſ. v. w. Kanne; fchweiz. ZI 0d. 5 Ohm; Iandfch. auch f.
Kaulquappe; — die Pottafche, (daher das franz. potasse) das aus Holz
oder Pflanzen gezogene Laugenfalz (weil man die Lauge in Töpfen od. Keſſeln abs
rauchen läſſt), auch Keffelafche, Waidafche genannt; der Pottafchenfieder;
die Pottafchenfiedereiz der Dottfiich, eine Gattung Wallfifche, in deren
Kopfe ſich der Wallretb findet (wahrfch. wegen feines dicken, topfähnlichen Kopfes
fo genannt; franz. Cachelot); der Potthafen od. = halter, niederd. eiferner
Haken zum Aufpängen eines Topfes über dem Herde; der Pott kaͤſe, niederd.
alter, fauler Käſe, der in einem Topfe gähren muſs; der Pottjer od. Poͤttjer,
-8, auch Pottbäcker, niederd. f. Töpfer.
Pottweide, w. (wahrſch. v. potten, putten f. putzen, lat. putare, bes
ſchneiden), landſch. die gemeine weiße Weide, die alle drei od. vier Jahre ges
köpft werden fann, Kopfiweide.
poß, gem. Empfindl. der Verwunderung (po& taufend! potz Henker! pog
Big! potz Wetter! u. dgl. m. wahrfch. in Folge religiöfer Scheu aus Gotte,
d. i. Gottes, verderbt).
prachen 1. ziellef. u. ziel. Zw., (wahrfch. = brechen), landſch. f. harzen
(Bäume).
prachen 2. od. gew. prachern, ziellof. Zw. (v. bredenf. ſchallen, vergl.
Pracht, prangen, fprechenz verw. mit d. lat. precari?), nitterd. f. betteln, uns
abläffig bitten; der Pracher, -8, die Pracerinn, M. -en, (fhweb.
prackare) f. Bettler, Armer; die Pracherci, das Prachern, die Bettelei,
Armfeligkeit; pracherifch, pracherhaft, Bw., f. betielhaft, armfelig; die
Mracherherberge, der Prachervogt ꝛc.; f. Bettlerherberge, Bettelvogt.
Pracht, w., 0. M. (alt u. oberd. der praht, braht, Pracht, von preh-
han, brechen, d. i. brechen, krachen; u. glänzen, hervorleuchten, vergl. ans
brechen; daher Pracht (alt und Landfch. auch Prächt) uripr. Krach, Lärm,
‘
pradeln — prägen 403
Geſchrei bedeuter, vergl. d. lat. Iragorz; dann Glanz, ſchwed. prakt, vergl. b.
‘engl. bright, glänzend, franz. braguer, prahlen; aud) prangen, prunfen 2c.),
heller Schein, Glanz, blendente Schönheit (des Mondes ftile Pracht; die
Pracht der Natur, der Blumen, der Sterne 2c.); bef. Glanz in fchönen Kleis
dern, Schmud, Hauszeräth ze. mit dem Nebenbegriff einer gewiffen Feierlich—
Zelt, ſinnv. Gepränge, Pomp, Prunk, doch gew. ohne tadeinde Bed. (viele
Pracht zeigen; es herrscht hier eine königliche Pracht; das war eine Pracht!) ;
feiten f. Prachtliebe, Üppigfeit (fi der Pracht ergeben 2e.); — Zfep. die
Prachtausgabe, eine aufs glänzendfte gedruckte Auegabe eines Cchriftwerkes;
der Prachtbau, das Prachtgebaude ꝛc.; das Prachtbett, ein mit Pracht
bereitetes Bett, beſ. zur Schauſtellung ciner Leiche, Prunkbett (fr. Paradebett);
das. Prachtgefaͤß, = gewand, u. dgl. m.; ter Prachthimmel, ein mit.
Pracht gefchmüdter Trag-, Thronhimmel 2c.; der Prachtkaͤfer, cin Sefctcht
von Käfern mit prächtig glänzenden Farben, inebef. der grüne, und der braune
Prachtkäfer; der Prachtfegel, Neum. f. das fr. Obelisk; das Prachtkleid,
prächtiges Kleid, Staatskleid; die Wrachtliebe, Neigung Fe Pracht; ftärker:
die Prachtluſt; und entfchieden mifsbilligend: die Prachtfurcht; daher die Bw.
prachtliebend, prachtluftig, prachtfuchtigz die Prachtlilie, eine ſehr fchöne,
der Lilie ähnliche Blume in Malabar ıc. (zloriosa L.); die Prachtnelfe, Pfaus
nelfe; prachtvoll, Bw., voll Pracht, in hohem Grade prächtig; das Pracht—
werk, ein prächtiges Werk, insbef. ein dergl. gedrudtes Schrift- od. Kupfers
wert; das Prachtzimmer, ein prächtiges Zimmer, Prunfzimmer ; — Ableit.
prächtig, Bw., Pracht habend u. zeigend, höchſt glänzend, Eoftbar ges
ſchmückt, Bon, pracht-, prunkvoll (prächtige Kleider, Geräthe zc.; ein
prächtiges Haus; prächtig wohnen, leben zc.); felten f. prachtliebend, hoffärtig,
üppig; in weiterer Anwendung überh. f. vorzüglich ſchön, wohlgefällig u. an:
genehm, finnv. herrlich, vortrefflich, auch) in Anfehung geiftiger Vorzüge (ein
prächtiger Menſch; ein prächtiges Schauſpiel; das ift mächtig! 2c.); die Präch»
tigkeit, das Prächtigfein, die prächtige Beſchaffenheit; prachten, zielloſ.
Zw., vlt. f. Geräuſch verurſachen; Pracht zeigen, Aufſehen erregen; praͤch—
ten od. brächten, zielloſ. Zw., oberd. u. ſchweiz. f. drechen, reden; beſ. laut
reden, ſchreien; großſprechen, prahlen; predigen; der Praͤchter, -8, f. Schreier,
Prahler; praͤchteln, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. übertriebenen Aufwand machen.
pradeln, Zw., ſchweiz. ſ. v. w. d. niederd. praten, prateln, |. d.
praͤgeln od. brägeln, bregeln, oberd. u. ſchweiz. Zw. (vergl. d. griech.
PouLev, fiedenz Podzer, praffeln), 1) ziellos, ein Schallwort, weldes den
Schal des bratenden Fleifches, wie auch des fiedenden Waſſers nachahmt
(e8 prägelt), auch den Schall herabfallender Hagelkörner, od. des haufenweife
herabfallenden Obftes; ferner f. murren, brummen, zanfen; 2) ziel. f. in
Fett braten od. röſten (auch priezeln, f. d.; Erbfen prägen, d. i. mit
Butter zubereiten; daher Prägelerbfen); haufentweife herabwerfen (Oft) ;
der Prägel od. Brägel, -8, M. w. E., ſchweiz. f. ein Haufen Kleiner,
meift geringfügiger Dinge; dickgekochte, mit Butter angerichtere Hülſenfrüchte;
eine Art Brei von Mehl u. Früchten; Blatternarben in Menge, auch ein blats
ternarbiger Menſch; ein unangenehmes Geſchäft, Zank, Lärm.
prägen, ziel. Zw. (oberd. prächen, präcken; ſchwed. pregla; vergl. das
holl. u. niederd. prangen, oberd. pfrengen f. drüden, preffen), ein: ‘od. aufdrüs
den, durch Aufdrüdung eines Stempels ıc. bilden, verfertigen, eig. nur
26 *
404 prahlen — prallen
von Münzen, Geld; uneig. f. bilden, machen (neue Wörter u. dgl.); u. etwas _
gleichfam tief eindrüden, fo dafs es haftet u. bleibenden Einfluſs ausübt (einem
od. fich etwas ins Herz, ins Gedächtniſs —; vergl. einprägen); das Präges
eifen, Münzw., ein langer ftählerner Stempel, in welchen das Gepräge für,
die Kehrfeite der Münze eingefchnitten ift: verfch. der Prägeftod , ein Eurger
dicker Stempel, mittelft defjen die Bildfeite der Münze geprägt wird; der Praͤ⸗
ger, —s, wer prägt; insbeſ. dev Münzarbeiter, welcher die Scheitemünzen mit
dem Prägeeifen prägt; die Prägung, das Prägen.
prahlen, ziellof. 3w. m. haben (v. der Wurzel prah, brechen, wie Pracht,
f. d., prangen 2.5 oberd. progen, brogeln, engl. brag, ſchwed. prala, groß
thun) 4) niederd. f. laut fprechen, fehreien (franz. brailler); 2) alt. f. glänzen,
prangen (die Treſſe prehlt am Hut); 3) gew. |. v. w. groß thun u. bef. groß
fprechen, fich wirkiicher 0d. vermeintlicher Vorzüge übermäßig und auf unbefcheiz
dene Weife rühmen (er prahlt mit feinem Adel, mit feinem Gelde, mit Gelehr—
ſamkeit ꝛc.); — 3fes. der Prahlhans (ſ. Dans), gem. f. Prahler; der
Prahlſalat, eine Art Kopfſalat mit großen, ſchönen Köpfen von grüner, gelber,
od. rother Farbe, landſch. auch der Prahler od. Prahl genannt ; die Prahl-
ſucht, Sucht zu prahlen; prahlfüchtig, Bw.; — Ableit. der Prahler,
-8, die Prahlerinn, M. -en, wer prahlt, auch Großprahler, Großfprecher;
die Prahlerei, das Prahlen, die Neigung und Gewohnheit zu prahlen ;
auch einzelne Außerungen dieſer Neigung (M. Prahlereien); prahleriſch,
Bw., einem Prahler angemeſſen, einer Prahlerei ähnlich (prahleriſche Worte,
Handlungen 2c.); prahlhaft, Bw., zum Prahlen geneigt, gern prahlend (ein
prahlhafter Menſch); auch |. v. w. prahlerifch (prahlhafte Verſprechungen 26.);
die Prahlhaftigkeit, die Neigung u. Gewohnheit zu prahlen; die prahle-
riſche Befchaffenheit.
Prahm, m., -es, M. -e, landſch. auch der Prahmen, -8, M. w. E.,
u. die Prahme 1., M. -n, (niederd. u. holl. praam, engl. pramez; von
Bram, Rand?; bair. Farm, verw. mit Fähre?), ein plattes Fahrzeug
ohne Kiel zum Überfegen von Menfchen, Wagen, Vieh ꝛc. über ein Waffer ;
auch jede Fähre, die einen Nand od. niedrigen Bord hat; landſch., z. B.
brandenb., ein Haufen Kalkſteine, welcher 2% Fuß lang, 7 Zuß breit und
2 Zuß hoch ift (wahrſch. als Ladung für einen Prahm); die Prahmſpritze, eine
auf einem Prahm angebrachte Sprige, um fie auf dem Waffer gebrauchen zu fönnen.
Prahme 2.w., M.-n, (vergl. Bram 1., Brom, u. das lat. ramus),
landſch. f. Nanfe, el. Hopfentanke, *
prallen, zielloſ. Zw. (ein Schallwort ; vergl. prellen) 1) m. haben, den
Schall hören laffen od. hervorkringen, den ein angefpannter fchnellkräftiger
(etaftifchen) Körper verurſacht, wenn er mit Heftigkeit gegen einen andern
getrieben wird (ich höre etwas prallen, es hat geprallt); 2) mit fein, prals _
lend anfchlagen u. zurückgeſtoßen werden (dev Ball prallt an die Wand; bef.
ab= und zurüdpralten); uneig. auch von den Lichtftrahlen, dem Schall zc.
f. fi) brechen und zurückgeworfen werden; der Prall, -es, M.-e, der
Schall, od. der Stoß eines prallenden — auch der Praller od. Pralls
ſtoß; prall, Bw., Comp. praller, Sup. prallft, ſtark ausgedehnt u. ange:
fpannt u. dadurch zum Prallen geſchickt, ſpann- od. ſchnellkräftig (fr. elaſtiſch;
ein pralier Ball, ein pralles Kiffen, pralle Baden; das weiche u. pralle Moos);
uneig. f. jäh, ſteil; die Prallheit, das Prallfein; prallig, Bw., landſch. f.
prammen — prajfeln j 405
| l
- prall; def. Bergw. fi jäh, fteil (ein pralliges Gebirge); — Bfes. d. prallen:
die Prallkraft, die Kraft od. Fähigkeit zu prallen, Spann=, Schnelltraft (fr.
. Elaftieität) ; prallfräftig, Bw., Prallkraft befigend (elaftifch); der Prails
ſchuſs, r. als Prellſchuſs, ein Schufs, bei welchem die Kugel auf einer Fläche
an⸗ und von berfelben abprallt (fr. Ricodhet- Schufe) ; der Prallftein, ein ſchräg
aufgerichteter Stein an einem Haufe zc., um das Anfahren zu verhüten; der Prall-
triller, ein kurz und fchnell gefchlagener Triller ; prallweich, Bw. , weich und
prall zugleich (elaftifch) ; die Wrallweiche, pralle Weichheit (z. B. eines Kiffene).
prammen oder prampen, verft. pramfen, premſen; auch prangen
ziel. Zw. (holl. prangen; oberd. pfrengen; vergl. d. lat. premere), niederd. f.
drüden, preffen, voll flopfen,. hinein pfropfen; die Pramme, M. -n,
f. ein Eindrud; Bergw. Prome, ſ. d.; der Prang, - es, M. -e, f. Drud,
prampieren, ziellof. Zw., niebderd. gem. f. Lärm machen, toben, ſich vor
baut äußern.
Drange, w., M.-n, od. der Prangel, -8, niederd. f. großer Stod,
Stange, Prügel.
prangen 1. ziel. Zw. |. prammen; 2. ziellof. 3w. m. haben, (mie Pracht,
prahlen 2c. von der Wurzel prah, brechen, fchallen u. glänzen; engl. prank ;
vergl. prunfen) 1) vit. f. reden, Worte machen, bitten (vergl. das niederd.
prachern); 2) durch Aufere Vorzüge, Glanz, Schönheit, Schmud ıc. in
die Augen fallen (Rofen und Lilien prangen ; in fchönen Kleidern prangen) ;
uneig. auch durch innere Vorzüge, Thaten zc. ausgezeichnet fein, finnv. glän:
zen (fein Namen prangt in der Gefchichte u. dgl.); mit etwas —, f. es zur
" Schau tragen, fich damit brüffen, ſinnv. prahlen, prunken; oberd. aud) f.
ſich zieren, Umftände machen (4. B. bei Tifche —, aus Ziererei nicht zugreis
fen) ; und von Kindbetterinnen f. Befuche annehmen (Prang=Bifiten); der
Prang, -e3, landſch. f. das Prangen, Gepränge; der Pranger 1., -$,
wer prangt od. prunkt; ber Prangtag od. Prangertag, oberd. f. Frohn⸗
leichnamstag. k
Pranger 2.m., -8, M. w. E. (alt auch Brangen, poln. pranga; vergl.
d. niederd. Prange; wahrfch. nicht von prangen f. zur Schau geftellt fein;
fondern von prangen 1., oberd. pfrengen, drücen, Elemmen), ein Pfahl,
eine Säule, u. überh. jeder Drt, an welchem ein Miffethäter mit Eifen
geſchloſſen zur Schau öffentlich ausgeftellt wird, Schandpfahl, Halseifen,
Schandbühne (einen Dieb an den Pranger ftellen; uneig. einen an den Pranger
ftellen, d. i. ihn öffentlich befhimpfen, der Schande preis geben).
Pranke, w., M.-n, f. v. w. Branke, Brante, ſ. d.
präfchen od. prätfchen, zielloſ. u. ziel. Zw. (ein Schallw., vergl. praffeln,
praten, u. das ſchwäb. brätichen f. plaudern) landſch. gem. f. laut und rüh—
mend fprechen, prahlen; auch zanfen, lärmen; der Prafch, -e8, f. der
Lärm, das Geräuſch. *
Praſer, m., -$, M. w. E., alt auch: der Prafem, —s, u. in Zſetz.
bloß Pras (z. B. Chryfopras; von lat. prasius, griech. T0OLOS, von Te«ooN,
Lauch), ein glasartiger Edelſtein von lauchgrüner Farbe, der Lauchfkein.
Praſs od. Praft, m., 1. ſ. Braſs; 2. f. praffen.
praffeln, zieltof. 3m. m. haben, (ein Schallw. landſch. auch präffeln,
prageln, oberd. braſcheln, brafteln, brazeln 2c; altd. praston, brasteln, bra-
ur.
eln; ſchwed. pressla, angel. brastian, engl. brusile; vergl, praffen), einen
1X
.
406 praſſen — predigen,
wiederholten krachenden Schall hören laſſen, wie wenn ein harter, ſpröder
Körper bricht, dürres Holz, Stroh u, dgl. brennt, od. kleine harte Körper in
Menge auf eine harte Fläche fallen (die Reiſer praffeln im Teuer; auch: das
Feuer, die Flamme praffelt; die Steine, die Hagelkörner 2c. fallen praffelnd
nieder , auch manche Donnerſchläge praffeln) ; das Praffelgold, ſ. v. w. Knallgold.
praffen, ziellof. 3w. m. haben, (ein Scallw., dän, brase, fchwed.
braska, praffen, brask, Geräuſch; vergl. prafchen, praſſeln, und Braus),
eig. raufchen, lärmen, toben; gew. nur ein geräufchvolles, üppiges und
verfchwenderifches Leben führen, in Saus und Braus leben, bef. im Ge: *
nufje von Speifen und Getränken ſchwelgen, fhlemmen; der Praſs, —-es,
alt u. landſch. f. Geräuſch, Lärm (auch Praft, Prafch); Gafimahl, Ges
lag, Schmaus; Aufwand, Verſchwendung; der Praffer, -8, die Praf-
ferinn, M. -en, wer prafft, ein Schwelger ic. ; die Prafferei, M. -en,
das Praſſen, die Schwelgerei; ein üppiges, verfchwenderifches Gaͤſtmahl;
der Prafsnidel, -8, holften. f. ein Schmausfeſt, Gelag; prafsnideln,
Zw., f. ſchmauſen, ſchmarotzen.
praten, prateln, praͤteln, zielloſ. u. ziel. Sp. (holl. praten, engl. prate,
praitle; ſchwed. prata, dän. prate, ſchweiz. pradeln- plaudern; präde
ten, laut reden; öſtr. prachten, plaudern, prechteln, zanken; wahrſch.
von brechen; vergl. Pracht, prahten, fprechen), nicderd. f. plaudern, ſchwatzen,
plappern; daher der Prat od. Praaf, f. Geſchwätz, Gerede; die Prate,
M.-n, od. der Prätel, -S, f. Mund, Plaudermaul.
pratien, ziellof. Zw. (bair. fih brogen, ftolz thun; vergl. barzen), landſch.
f. trogen, übermüthig fein; pratzig (oberd. bragig, brogig), Bw., landſch.
f. ſtolz, übermüthig, vergl. paßig.
Drake od. Brage, w., M.-n, oberd. f. Lage, Klaue, Pfote; breite,
plumpe Hand.
praufchen, zielloſ. Zw. (vergl. pruften), landſch, f. fchnauben, fchnaufen.
predigen, ziellof. u. ziel. 3m. (altd. predigon, bredigon, ſchwed. praedika,
engl. preach, franz. pr&cher; von dem lat. praedicare, öffentlich befannt ma=
chen, Laut verkünden), NMeligionslehren öffentlih und mündlich vortragen,
Kanzelvorträge halten (in der Kirche, vor dev Gemeinde —; Gottes Wort — 2c.) ;
in weiterer Bed. überh. laut und mit Nachdrud lehren od. verfündigen (die
Zugend —; fprichw. tauben Ohren —, d. i. Unachtfame vergeblich lehren u. ers
mahnen; uneig. Alles predigt uns das Dafein Gottes, d. i. bezeugt 2c.); auch
mit üblem Nebenbegriff: auf langweilige und läſtige Weife u. in anmaflid)
lehrendem Tone reden u. ermahnen (ev predigt den ganzen Zag u. dgl.); —
der Prediger, —s, wer predigt, ein Verkündiger, beſ. der Neligion (ein
Sittenprediger, Prediger der Wahrheit ze.) ; ein öffentlic) angeftellter Lehrer u.
Diener der chriftlichen Neligion, bef. ein evangelifcher Geiſtlicher, Pfarrer
(Stadt-, Lande, Dorfprediger; vergl. Prieſter); die Predigerinn, M.-en,
Gattinu eines Predigers; Zſetz. das Predigerhaus; die Predigerflugheit
(fr. Paftoral= Klugheit); der Predigermantel; der Predigerftand; die
Predigerfielle; der Predigerſtuhl, die Kanzet; die Predigertracht; die
Predigerwittwe; die Predigerwohnung 2c.; der Predigermond, aud
bloß Prediger, Benennung der Dominicaner-Mönche, deren urſprüngliche Ber
flimmung das Predigen war; daher ihr. Orden? der Predigerordenz ihre Kits
hen und Klöſter: Predigerficchen, - öfter; — die Predigt, M. -m
%
pregeln — Preis 407
(oberd. Predig, altb. prediga, pridiga), eine von ber Kanzel herab gehaltene
oder zu haltende geiftliche Rede, Kanzelrede, Kanzelvortrag (eine, Predigt
fchreiben, halten; in die Predigt od. zur Predigt läuten; landſch. in die Pres
digt gehen, d. i. in die Kirche zum Gottesdienſt; Feſt-, Weihnachts, Faſten-,
Buß-, Strafpredigt2c.; nicht von der Kanzel herab gefprochene geiftliche Vor—
träge heißen Reden, z. B. Abendmahls=, Beicht-, Trau-, Leichenrede zc.);
in weiterer Red. eine nachdrüdliche Nede, Ermahnung, ein Verweis, oft
mit üblem Nebenbegriff (einem eine Predigt halten 2c.) ; das Predigtamt, das
Amt eines (evangelifchen) Predigers; der Predigtband, das Predigtbuch,
ein Band, ein Buch, weiches Predigten enthält; die Predigtfammlungz der
Mredigtftuhl, f. v. w. Predigerſtuhl, Kanzel.
pregeln, 3w., f. prägeln.
Preibuſch, m., landſch. f. Kannenfraut, Schachtelhalm.
Preis 1. m., -e8, M. -e, ittelhochd. pris, ſchwed. pris, engl. price,
pri⸗e, praise; franz. prix; alle v. d. lat. pretium, Werth, Lohn), 1) ber
Werth, bef. der Geldmwerth einer Sache im Handel und Wandel (ein billiger,
niedriger, hoher, der genauefte Preis einer Waare; diefe Waare fteht hoch im
Preiſe; die Preife fteigen od. fallen; ben Preis erhöhen, od. hevabjegen, ermä⸗—
figen) ; 2) der Lohn, die Belohnung (einen Preis auf Jemands Kopf fegen;
etwas um Eeinen Preis thun), inebef. eine dem Sieger oder demjenigen, welcher
eine Aufgabe am befriedigendften Löft, beftimmte und zugetheilte Belohnung
(dev Preis in Ritterſpielen; einen Preis für eine Arbeit ausfegen ; den Preis das
von tragen, erhalten, gewinnenz einem ben Preis zuerfennen, ertheilen zc. ; der
erfte, der zweite Preis 2c.); 3) (0. M.) Werthfchägung, Lob, Nuhm u. bef.
befjen laute Verkündigung (bibl. Fafs meinen Mund deines Ruhmes und Preifes
voll fein; zum Preife deines Volkes); vlt. auch) f. Auferer Vorzug, Schmud,
Zierath; — 3fes. die Preisaufgabe, Preiäfrage, eine Aufgabe od. Frage,
auf deren befriedigendfte Löfung oder Beantwortung ein Preis gefegt iſt; der
Preisbewerber , wer ſich um einen ausgefegten Preis bewirbt ; die Preisbes
werbung; der Preisgefang, ein preifender Gefang, Lobgefang; die Preis—
ſchrift, eine Schrift, mit welcher man eine Preisaufgabe zu löſen und den aus—
gelegten Preis zu verdienen ſucht; bef. die Schrift, welche wirklich den Preis das
von trägt (eine gekrönte Preisfchrift);, das Preisſtuͤck, eine Arbeit, bef. ein
Kunftwerk, welchem ein ausgefegter Preis ertheilt wird; das Preisverzeich-
niſs, Verzeichnifs der Preife von Waaren u. dgl. (fr. Preis-Courant) ; preis⸗
werth, gew. preiswürdig, Bw., 1) des Preifes würdig (preiswürdige Waas
ren); 2) werth, gepriefen zu werden, finnv. lob=, ruhmmürdig (eine preiswür—
bige That); die Preiswürdigkeit, in beiden Bed.5; — Ableit. preifen 1.
ziel. Zw., (mittelhochd. prisen, ich priste; gepriset, alfo nicht ablaut.z
vergl. d. franz. mepriser = mifepreifen), chem. r. umend. ic) preifete, ges
preifet (3. B. bibl. auf daſs fie von den Leuten gepreifet werden), jetzt ablaut. Impf.
pries, Gonj. priefez Mw., gepriefen; chem. f. fchägen, werthſchätzen, ans
dern Dingen vorziehen; auch den Preis einer Sache beftimmen, fie ihrem
Werthe nad) fhägen (eine Waare —); jegt gew. einen od. etwas —, deffen
Merth od. Vorzüge laut verfünden, eine Steigerung der finnv. loben, rüh—
men (Gott loben und preifen; ein gepriefener Mann; jeder Krämer preifet feine
Waare, vergl. anpreifen); rühmend anerkennen od. für etwas erklären (einen
als Wohlthäter preifeny einen glücklich preifen) z oberd. auch f. zieren, [hmüden ;
408 ‚Preis — preffen
der Preifer, -8, wer etwas oder Jemand preiſet; preislich, Bw., was
zu preiſen iſt, preiswürdig; landſch. überh. f. vorzüglich, ſtattlich; ac als
meift vlt. Titehwort für Behörden (vergl. hohpreislich).
Preis 2. m., -e$, (ital. presa, franz. prise, engl. prize; v. d. lat.
prehendere, franz. prendre, faffen, nehmen), vlt. f. Fang, Beute, Alieg,
was der Willkür Anderer überlaffen wird; nur noch in der Form eines Neben⸗
wortes üblich in der Redensart: einem etrvas od. Jemand preis geben,.
db. i. c8 ihm zum Raube geben, zu willkürlichem Gebrauch) überlaffen (eine
Stadt den Soldaten —, ſich den Laftern — ⁊c.); oberd. auch? etwas preis
machen, d. i. es fich gewaltfam zueignen (vergl. die Yandich. Ausdrüce: eine
Sache Beute machen, Boute geben); das Preisfchiff, vlt. f. ein erbeutetes
Schiff.
Preis 3. m., -es, M. -e, auch die Preife, M. -n, Verkl. das Preis:
den (gem. au Priefe, Prieschen), Landfch. f. Saum, Riemen; ins—
be. der haarige Streif, welcher den Pferdefuß über dem Huf umgiebt (der Saum,
die Krone) ; bei Nätherinnen die breiten Säume od. Einfaffungen an Hemd—
ärmeln u. dgl.; — daher: preifen 2., ziel. Zw., oberd. f. fehnüren; der
Preisriem, vlt. f. Schnürriemen ; der Preisichuh, f. mit Riemen gebundes
ner Schuh, Schnürſchuh; der Preisziegel, landſch. f. Ort=,, Edziegel.
Nreißelbeere, w., n. X. Preifelbeere, 1) eine Art rother Heidels
beeren von angenehm fäuerlichem Geſchmack, daher fie mit Zuder eingemacht ges
geffen werden, Tandfch. auch Prausbeere, Kronsbeere, Cteinbeere, Mehl-,
Rauſch-⸗, Bocköbeere zc. genannt; 2) landfch. f. Sandbeere, Bärentraube.
prellen, ziel. 3w. (das Factitivum von prallen, f. d.), machen dafs et=
was pralft, mittelft der Schnellfraft forttreiben, ſinnv. fchnellen (3. B. einem
Ball —; einen Fuchs —, eine graufame Jagdbeluſtigung, welche darin be=
fteht, dafs man einen Fuchs auf einem ftraff angefpannten Tuche oder Nege wie—
derholt in die Höhe ſchnellt und wieder auffängt) ; uneig. gem. f. einen hinters
gehen, liftig anführen, in feiner Erwartung täufchen, betrügen, beſ. einem
Geld abloden, ihn übertheuern; der Prell, -e8, 0. M. landſch. gem. f.
die Fläche eines prall gefpannten Körpers, bef. Säg. die Länge der ausgefpann-
ten Zagdleinen, Tücher und Nege; die Prelle, M.-n, das Prellen (einem
Fuchſe die Prelle geben) ; auch das Tuch, womit es gefchieht (einen Fuchs auf
die Prelle laufen Laffen); der Preller, -$, 1) wer prellt, eig. (4. B. Füchſe),
u. uneig. wer einen Andern anführt, übertheuert; 2) ein prellender Stoß
od. Schlag, Prallſtoß, -ſchlag z Kıfpr. eine Art Geſchütz, das 37 Zentner
wiegt und 28 Pfund ſchießt; die Prellerei, das Prellen, nur uneig. f. Be:
trügerei, Überliftung, Übertheurung (M. Prellereien); ; — ber Prellhammer,
auf Eifenhämmern ein 2 Zentner fehwerer Hammer mit walzenförmiger Bahn ;
das Prellneß, ein Neg zum Prellen der Füchſe; der Prellfchlag, ein zurück—
prallender Schlag z. B. der Bildhauer, b. Prallfchlag; der Prellfchufs,
r. Prallſchuſs, ſ. d.
Premſe, w., ſ. Bremſe 2.; premſen, Zw., ſ. bremſen, prammen.
Preſch, m., -es, landſch. Porſch.
Preſenning, w., M. -en, Schiff. getheertes Segeltuch, womit man
Sachen, Lufen u. andere Öffnungen bedeckt, um fie gegen das Eindringen des
Näſſe zu ſichern. *
preffen, ziel. Bw. (altd. presson, engl. press, franz. presser; nieberd.
preffen 409
parßen, holl, parsen, persen, ſchwed. persa; vom lat. premo, pressi ⁊c.;
pressare), ſtark drücken, bef. zufammendrüden (die Schuhe prefien mich);
der Saal war geprefit voll u. dgl.) ; in engerer Bed. mittelft einer Preffe zu=
fammendrüden od. ausdrüden u. überh. zubereiten (Papier, Tuch —; ben
Saft aus dem Obfte, den Zitronen ze. —, Wein, OL preffen); uneig. gleichſ.
einengen, beflemmen, ängftigen (die Bruft, das Herz ift mic geprefit; dem
geprefiten Herzen Luft machen); drängen, beträngen (die Noth prefit ihn);
gewaltſam hervortreiben (der Schmerz preſſte ihm Thränen aus den Augen);
eintreiben (Gerichtskoſten u. dgl.), zu etwas nöthigen, zwingen, mit Gewalt
fortneymen (Matrofen, Soldaten —, mit Gewalt zum Dienfte nehmen); —
preis, Bw., landſch. f. feſt angedrüdt, genau anfchliepend, Enapp (ein Klei-
dungsftück liegt prefs an); die Preffe, M. -n (engl. press, franz. presse; nies
derd. Parße, holl. pars), 1) überh. ein preffender od. drückender Körper, z. 8.
in Windmühlen ein fehwerer hölgerner Bogen, welcher auf das Kammrad drüdt,
wenn die Mühle ftill ftehen ſoll; bef. ein Werkzeug, eine Mafchine zum Pref:
fen, um dadurch etwas zufammenzudrüden, glatt zu machen, od. zu zerdrücken
(die Buchbinder-, Buchdruder-, Tuch, Wein-, Olpreſſe 2c.; vergl. Kelter;
etwas unter die Prefje legen, bringen ꝛc.); in engerer Bed. die Buchdruderpreffe
(ein Buch unter die Preffe geben, d..i. deuden laſſen; das Bud) ift noch unter
ber Preffe, d. i. im Drude-begriffen, es kommt eben aus der Preſſe zc.), daher
auch uneig. f. der Bücherdrud überh. (die Freiheit od. Beſchränkung der Preffe,
u. dgl.); 2) das durch die Preffe Bewirkte, insbeſ. der Glanz, welchen dag
Tuch ducch die Preffe erhalten hat (dies Tuch hat viel Preffe, hat die Preffe
verloren 2c.); oberd. auc der ausgepreffte Moft (die erfte Preffe oder der
Vorlauf; die Legte Preffe oder der Nachdruck); 3) uneig. gem. f. Enge,
Gedränge, Klemme, VBerlegenheit (in der Preffe fein; einen in die Preffe neh—
men, d. i. in die Enge treiben); der Preſſer, -$, wer prefft; uneig. wer
Andere drängt od. zu etwas nöthigt; landſch. insbef. ein Gerichtsdiener, wel
her- Gerichtskoſten, Abgaben zc. eintreibt (fr. Executor); die Preffung, felten
f: das Preffen; prefsbar, Bw., was zufammengeprefft twerden kann (4. 8.
die Luft; fr. compreſſibelj; — 3feg. von preſſen u. Preffe: die Prefsbanf, .
Papierm. ein ftarkes Brett in der großen Prefje, welches unmittelbar auf den
Buſcht drückt; der Prefsbuum, der ftarke Hebel, womit eine große Preffe an-
gezogen jwird (Kelterbaum) ; der Prefsbengel (vergl. Bengel), an Buchbin-
der⸗ u.,Buchdruderprefien das Holz, mittelft defjen die Schraube der Preffe zus
gezogen wird, auch der Prefsfchwengel; das Prefsbrett, Bretter, zwifchen
welchen etwas geprefft wird, b. Buchb. u. Tuhm.z der Prefsglanz, der
durch Preffen bewirkte Glanz eines Zeuges 2c.; der Prefshaspel, Papierm.
ein Haspel zum Zuziehen der großen Preffe; die Preſshaut, tiber Senfkörnern
geprefite, körnichte Haut von Pferden, Eſeln zc. (fr. Chagrin) ; der Prefsfopf,
Küch. Klein gehadtes, gekochtes und in einer Form geprefites Fleiſch von Rinde-
und Schweinsköpfen; der Prefsmeifter, Buchdr. der Druder, welcher die
Preffe mit dem Bengel zuzieht; der Preſsmoſt, aus Obſt gepreffter Moft, z.
u. v. Weinmoft; die Prefsfchraube, die Schraube an einer Preffe; die Prefs-
thuͤr, Prefsbretter dev Tuchmacher; der Prefswein, ausgeprefiter Wein, 3
U. dv. dem von ſelbſt ausgelaufenen; — von Preffe f. Bücherdruck (ſ. 0.) s
die Prefsfreiheit, unbeſchränkte Drudfreipeitz entg. der Prefszwang, Eins
ſchränkung des Bücherdrucks. f .
410 preſshaft — Priefter
prefshaft, Bw., derderbt aus breſthaft, ſ. d. (alſo nicht n. preſſen).
Preſsling od. Brösling, m., -es, M.-e, landſch. f. Erdbeerktaut,
Knackbeere.
Preußen, f., -$, (neulat. Borussia, aus Porussia entſt. von dem flav.
po=bei, an, u. Russia, Nufeland; alfo: das an Rufsland grengende Land),
1) das Land an der Oftfeefüfte zwifchen Polen u. Ruſsland (Oft und Weftz
preußen nebft dem Großherzogthum Poſen; 2) in weiterer Bed. der ganze preus
ßiſche Staat, welder außerdem die Provinzen Brandenburg, Pommern, Schle—
fin, Sahfen, WVeftphalen, Jülich- Kleve- Berg, Niederrhein umfaſſt; der
Preuße, -n, M.-n, tie Preußinn, M. -en, Eingeborene u. Einwoh:
rer von Preußen 1); überh. Unterthanen tes preuß. Staats; preußiich,
Bw., aus Preußen (in beiden Bed.) ſtammend, dazu gehörend, dafelbft
einheimifd). .
Prezel, w.,gb- Brezel, ſ. d.
pricken, ziel. Zw. (angelſ. priccan, engl. prick) niederd. f. ſtechen;
prick, Bw. f. ſcharf, genau (prick ſehen); der Prick, es, M.-e, f. Stich,
Punkt (auf den Prick, d. i. ganz genau); die Pride, M.-n, 1) f. Stachel,
Aalgabel; 2) f. Bride, Neunauge (wahrfh. von den 7 Punkten od. Augen
Pricke genannt); der Pridel, -$, M. w. E., f. ein Eleiner Stachel;
prideln, ziel. u. zielloſ. Zw., das verkl. priden, wiederholt Eleine Stiche
machen, ftiheln; eine twiederholtem Stechen ähnliche Empfindung hervor—
bringen (es pridelt auf der Haut, auf dev Zunge 2c.); uneig. überh. ſtark reizen,
einen empfindlichen Eindrucd machen (pridelnde Reden, |. vw. Stichelreden);
die Prickelei, das Prideln.
priechen od. preichen,, zielloſ. Zw. niederd. f. ſchwer athmen, keichen.
Priel, m.u.f., -e8, M. -e, niederd. f. Sommerlaube, Gartenhaus,
Gefellfäyaftszimmer.
Prieſter, m., -8, M. w. E., die Priefterinn, M.-en, (niederd. Pre⸗
fter;; ieländ. prestur, ſchwed. praest, angelf. preost, engl. priestz franz.
pretre, ital. prete; vom lat. presbyter, und diefes von d. griech. mgsopi-
7005, der Ütere, als Ehrennamen eines Geiftlichen; vergl. Pfaffe u. Pater),
eine zu öffentlichen gottesdienftlichen Verrichtungen berufene Perſon, im
weiteften Sinne von jeder Religion gebr. (heidniſche, jüdiſche, chriftliche Pries
ſter 26), in engerer Bed. bef. ſofern fie Opfer verrichtet; daher iſt fr evanz
geliſche Geifttiche die Benennung Prieſter nicht üblich. (außer Landfch. bef. nie⸗
derd.) ; in der römifchen Kirche aber, wo die Mefje für ein Opfer gilt, heißen
diejenigen Geiſtlichen, welche Meffe lefen, das Abendmahl verwalten ꝛc.
Priefter (Mefspriefter)s — 8ſetz. das Priefteramt, das Amt u, die Würde
eines Priefters; der Priefterbetrugz die Priefterehe, die in der röm. Kirche
ehem. erfaubte, -jegt verbotene Ehe der Priefter; das Prieſtergewand, =Eleid,
der Priefterrod, = mantel ꝛc.; das Mriefterhemd, ein weißes, weites,
einem Hemd ähnliches Obergewand der Priefter und Prediger (Chorhemd) ; die
. SPriefterherrichaft (fr. Hierarchie); ber Priefterhut, Hut eines Priefters ;
uneig. Kriegsb. eine Art von Hornwerken bei einer Feſtung; der Prieſterorden,
ſ. vaw. der Prieſterſtand, verächtl. die Prieſterkaſte, Prieſterzunft; der
Prieſterſtaat, ein von Prieſtern beherrſchter Staat (hierarchiſcher Staat); auch
der Anzug, Schmuck eines Prieſters (fr. Ornat); die Prieſterwahl, Erwäh—
zung eines Prieſters; die Prieſterweihe, feierliche Einweihung zum Prieſteramt;
Priete — pritfch 411
die Prieſterwuͤrde; — Ableit. prieſterlich, Bw., dem Prieſter eigen,
angehörig, ähnlich; die Prieſterlichkeit, die Eigenſchaft od. Art u. Weiſe
eines Prieſters; die Prieſterſchaft, 1) die Eigenſchaft, Würde eines Prie⸗
ſters; 2) gew. die Geſammtheit der Prieſter einer Kirche, eines Landes ꝛtc.;
das Prieſterthum, die Würde und Macht eines Prieſters.
riete, w., M. -n, Bauk. zwei lange Stangen an der Zugramme,
zwifchen denen der Gang des Bocks geleitet wird.
priezeln, prozeln, ziellof. u. ziel. Zw. (auch bräzeln, prägeln, vergl. d.),
landſch. Schallw. das Geräuſch des Bratens, insbef. der zerlaffenen Butter
in einem Ziegel, nachahmend; etwas —, in zerlaffener Butter braten oder
baden; das Priezelgebadene, auf ſolche Art bereitetes Backwerk.
prillefen,, nicderd. Zw. f. mit den Händen rollen (Teig, Wache); dag
Prilleken, -8, niedeid. etwas mit den Händen Gerolltes, bef. ein in der
Pfanne gebadenes, gew. gefülltes Backwerk, Pfannkuchen, Kräpfel.
Primel, w., M.-n (v. lat. primula veris, die erfte des Frühlings), eine
der erften Frühlingsblumen: Schlüffelblume, Himmelsſchlüſſel.
Prinz, m., -en, M.-en, Verkl. das Prinzen, (zunächſt v. dem
franz. prince, ut. diefes verkürzt aus d. lat. princeps, der Erfte, Fürft; ital.
prineipe); weibl. die Prinzeffinn, M. -en (v. d. franz. princesse, mit
überflüffig Hinzugefügter deutfcher Endung), od. abgek. die Prinzefs, M. -en;
überh. jede fürftliche Perfon ; gew. in engerer Bed. nur die Kinder und Ver—
wandten eines regierenden Fürſten (kaiſerliche, Eönigliche, herzogliche zc. Prinz
zen u. Prinzeffinnen; der Erb-, Kronprinz; Prinzen vom Geblüt, |. d.); Jäg.
der Lehrmeifter in Bezug auf feine Lehrlinge: der Lehrprinz; Naturk. zwei
Schmetterlingsarten: der Prinz u. bie Prinzeſſinn; — 3feg. v. Prinz:
das Prinzmetall (angeblich nach feinem Erfinder, einem pfälziſchen Prinzen
Robert, genannt; n. U. aus Bronze Metall verderbt), eine gelbe Metall»
mifhurg, aus einem Theile Zink und 3 Theilen Kupfer bereitet; der Prinzen⸗
erzieher, »führer, -hofmeiſter, -lehrer; vie Prinzenfarbe, Färb. gold⸗
gelbe Farbe, Königsfarbe; die Prinzenflagge od. =fahne, in den Niederlan—
den: eine Flagge auf dem Dintertheile der Schiffe, weiche nur gewiſſe Schiffe
führen dürfen ; der Prinzenkopf, landſch. f. eine Art ſchönen Kopffalates ; —
Ableit. prinzlich, Bw., einem Prinzen Ähnlic), angemeffen, gehörig;
die Prinzlichkeitz Sfeg. v. Prinzeffinn: der Prinzeffinnapfel, ein
länglicher, weißgelber, fehr ſchmackhafter Apfel; tie Prinzeffinnbohne, Kriech-,
Zwergbohne; Jungfernbohne; die Prinzeſſinnkirſche, eine fchöne, bunte Knor—
pelkirſche; die Prinzeffinnfteuer, eine zur Ausftattung einer Pringeffinn ers
hobene Steuer.
Priſe, w., M.-n, Verkl. das Prischen, (aus d. franz. prise, von
prendre, nehmen) 1) fo viel man von einer Sache zu einem gewiffen Ges
brauche auf einmal nimmt, bei. ein Griff mit dem Daumen, und Zeigefinger
(eine Prife Taback); 2) der Fang, Raub, die Beute, bef. ein erbeutetes
Shiff, (etwas für eine gute Prife erklären).
pritjch, ein Naturlaut, welger den Echall eines flachen Schlages, od.
auch des Zerbrechens nachahmt; daher landſch. gem. f. entzwei, verloren, fort,
weg (eö ift pritfch 5 vergl. d. ferb. precz, weg); der Pritfch, -es, M. -ß,
gem. ein mit Geräuſch verbundener Schlag ; priffchen, ziellof. u. ziel. 3w.,
. (auch britſchen, nieberd. Grigen) landſch. mit klatſchendem Laute flach füllen,
U
412 Privet — Probe
fallen machen od. ſchlagen; insbeſ. mit der Pritfche fchlagen; bie Thür auf:
und zufchlagen, oft aus- und eingehen (beftändig pritfchen) ; oberd. f. Flats
fhen, ausfhwagen; einen —, landſch. f. fortjagen, auch feinen Zweck
vereiteln, ihr verderben, um das Seine bringen (er ift gepritfcht) ; bie
Dritfche, M. -n, (auch Britfche, niederd. Brise, dän. brixe, hol. bridse,
nur in der erften Bed. mit pritfch zufammenhangend, in den übrigen v. Brett
ftammend) 1) ein breites flaches Schlagholz, Schlag-, Klapperbrett (4. B.
‚ bie Pritfche des Hanswurftes) ; Landfch. auch. ein Schlag mit der flachen Hand;
2) ein Brett od. eine Brettererhöhung, worauf man fißt od. liegt; insbef.
das Sitzbrett hinten an einem Rennſchlitten; eine breite hölzerne Legerftatt in
Wachtſtuben 2c.; 3) landſch. f. eine Scheibe, Schnitte (von Apfem, Rüben
u. dgl.); der Pritfchmeifter, od. Pritfchenmeifter, chem. bei Schüigenger
felfchaften ein hanswurftmäßig gekfeideter und mit einer Pritfche bewaffneter Die-
ner, weldjer den getroffenen Ort der Scheibe zeigt, und die Ordnung auf dem
Schießplatze erhält; oft zugleich ein Gelegenheits= od. Stegreifsdichter, Reim—
ſchmied.
Privet, ſ., -e8, M.-e (alt Privat, Profeiꝛc.; aus d. mittl. lat.
privata, heimlicher Ort; franz. prive, engl. privy), landſch. f. das heim:
liche Gemach, der Abtritt.
Probe, w., M.-n, Verkl. das Pröbchen, (niederd. Prowe, ſchwed.
prof, ’engl. proof, ital. pruova, franz. preuvez v. d. mittl. lat. proba,
‚von probare, prüfen) 1) ein angeftellter Berfuch zur Erforfchung der Be:
fchaffenheit od. Güte einer Sache oder Perfon, ſinnv. Prüfung, Unterfuchung
(eine Probe mit etwas anftellen, machen ; zur Probe fingen, fpielen, predigen ac. ;
die Probe beftehen, d. h. in einem folchen Verſuche gut befunden werden; eine
Farbe Hältdie Probe, wenn fie bei angeftellten Verfuchen unverändert bleibt;
einen aufdie Probe ftellen, d. i. ihn in Umftände verfegen, in welchen er
feine wahre Befchafferheit zeigen muſs; einen Arbeiter auf die Probe oder auf
Probe nehmen 2c.); Recent. eine Nechnung, durch welche man die Richtige
Eeit einer andern prüft; 2) dasjenige, woraus man die Befchaffenheit einer
Sache erkennt, das Probeftüd, Probezeichen, bei. ein Theil eines Stoffes,
woraus man die Güte desfelben erkennt (Waarenproben, eine Tuch-, Zeug>,
Weinprobe 20. ; Bergw. Eleine Erzmaffen, woraus man den Gehalt des Erzes
beurtheilt); auch Handlungen, Leiflungen, wonach man auf die Befchaffen:
heit einer Perfon ſchließt (Proben feiner Gefhiclichkeit, feiner Kenntniffe ze.
abtegen) ; 3) das Kennzeichen der Güte einer Waare, 3. B. das dem Tuche
angehängte geftempelte Stück Blei; das Zeichen auf Silyerwaaren u. dgl. m. ;
4) ein Werkzeug zur Unterfuchung der Befchaffenheit einer Sache, auch ein
Mufter, eine Form (f. Kugelprobe; Probemaß u. andere Zfeb.); 5) bei Drathe
ziehen: grobe Proben, eine befondere Art Orath, woraus die Kleinen Draths
yöllchen zum Sticken verfertigt veerden,; — proben, ziel. Iw. (engl. prove,
franz. prouverz vom lat. probare), etwas —, eine Probe damit anftellen,
es verſuchen, meift vlt. außer in dem abgel. erproben (f. d.); außerdem gem.
prüfen, od. mit frembartiger Endung : probiren, b. verfuchen, prüfen, ers
forfchen, Eoften (ein Pferd, ein Gewehr, eine Feder, den Wein, ‚eine Speife),
insbef. den Merth od. Gehalt unterfuchen (das Erz, Gold, Silber 2c.); auch
von Handlungen, Unternehmungen ꝛc., deren Möglichkeit prüfen, einen Vers
ſuch damit madyen; — BTeg. v. Probe, proben, probivenz die Probearbeit,
Probſt — Profos ** 418
der Probeband, ein Muſterband, nach welchem andere gebunden werden; das
Probeband, Faſsb. ein ftarkes Band, nad) welchem den Fäſſern die gehörige
Weite gegeben wird; das Probeblatt, ein als Probe dienendes Blatt, d. i.
- um daraus auf bie Befchaffenheit anderer Blätter derfelben Art zu ſchließen (4.8.
ein ſolcher Kupferdrud, ein Blatt einer Zeitfhrift u. dgl.); das Probeblei,
gew. Probirblei , ‚filberhaltiges Blei zum Probiren der Erze gebraucht; der
Nrobebogen, Buchdr. ein abgezogener Drudbogen, um danad) die Befchaffen=
heit des Druds zu beurtheilen und denfelben zu berichtigen; der Probedrud, ein
als Probe dienender Schrift- oder Bilddrud; probefeſt, Bw., die Probe
beftedend ; das Probegewicht, gew. Probirgewicht, das Gewicht, wonach
der Gehalt der Erzproben beftimmt wird; fo auch: Probirzentner, =marf,
epfund ꝛc.; probehaltig, Bw., die Probe aushaltend od. beftchend ; die
Probehaltigkeitz der Probehammer, gew. Probirhammer, Beraw. ein
* Hammer zum Zerfehlagen der Erzproben ; das Probejahr, ein Sahr, in wel
chem eine Perfon od. Sache auf der Probe ift, Prüfungsjahr, bef. in Klöftern
(fr. Noviciat) ; die Probekunſt, gew. Probirkunft, Hüttenw. die Kunft, den
Gehalt der Erz= und Bergarten zu erforfchen; der Probelehrling, ein Lehr-
ling, welchen man auf der Probe hat; das Probemaß, landſch. f. Eichmaß;
ſo auch der Probefcheffel, das Probeviertel 2c.; probemäßig, Bw., der
Probe gemäß, die Probe haltend; das Probemehl, gew. Probirmehl, püt-
tenw. die feingeftoßene Erz= od. Bergart, womit die Probe angeftellt wird; die
Probenadel, gew. Probirnadel, goldene u. filberne Nadeln, welche an den
Probirftein geftrichen werden, um danach die Feinheit anderen Goldes od. Silbers
zu beurtheilen, Streichnadel; der Probeofen, gew. Probirofen, Hüttenw.
ein Schmelzofen, in welchem. die Erze probirt werden ; die Probeplatte, gew.
Probirplatte, eine meffingene Platte, deren fich die Zinngießer wie eines Proz
birfteines bedienen; die Probepredigt, eine Predigt, welche ein Predigtamte="
bewerber zur Probe hält; die Probefchrift, eine zur Prüfung der Geſchicklich—
keit verfertigte Schrift ; der Probefchufs, ein Schufs zur Prüfung eines Feuer-
gewehres, od. auch der Geſchicklichkeit des "Schügen; das Probefilber, in den
vorſchriftsmäßigen Verhältniffen gemifchtes Silber, das mit der Probe, d. i. dem
Zeichen feiner echten Befchaffengeit, verfehen iftz der Probeftein, gew. Pro—
birſtein, ein fchwarzer, harter Schieferftein, deffen die Gold- und Silberar—
beiter fich bedienen, um den Gehalt des Goldes und Silbers zu prüfen, indem
fie es daran ftreichen, Prüf-, Streichftein, auch uncig. f. jedes Mittel, die Ber
ſchaffenheit einer Sache zu erkennen; das Probeſtuͤck, ein als Probe dienenz
des Stück von einem Ganzen; auc) eine Handlung oder Leiftung, um Jemands
Beſchaffenheit, Geſchicklichkeit ꝛc. daraus zu erkennen; die Probewage, gew.
Probirwage, Hüttenw. eine genaue Wage zum Abwägen der Erzproben ; die
Probezange, gew. Probirzange, eine lange Zange der Erz= Probirer, auch
die Probirkluft; die Probezeit, die Zeit, während welcher Semand auf der
Probe ift od. geprüft wird; — Ableit. der Prober, gew. Probirer, mer
Proben macht, insbef. Berge u. Hüttenw. ein verpflichteter Beamter, wel—
cher die Erz: u. Bergarten probirt, d. i. ihren Gehalt mitteljt der Schmelzung
erforfcht ; die — od. Probirung, ſelten f. das Proben, Probiren.
Prob ſt, m., b. Propſt, ſ. d.
— Zw., landſch. f. brodeln, — .d
Profis, od. Profoß, m., -e3, M. -e (zunächſt aus d. franz. prevost,
414 progeln — Prob
prevöt, und diefes v. d. lat. praepositus, vergl. Propft), ehem. überh. ein
Vorgefegter, insbef. ein Unterrichter auf Dörfern, bei Kriegsheeren: der Feld⸗
richter, Feldgewaltiger; gew. der Stockmeiſter, Aufſeher der Verhafteten,
beſ. bei einem Heere; landſch. auch f. Bettelvogt, Büttel.
progeln od. brogeln, auch progen, rückz. Zw. (vergl. prahlen, prangen),
fi —, oberd. f. prahlen, groß thun; der Progler, —s, f. Prahler.
Prolle, m., -n, M.-n, (cſhweiz. Brolli), ſchwäb. f. ein dicker Menſch,
fettes Kind; prollig, Bw., f. dick. (auch holl. prollig; vergl. prall). =
Nrone cd. Prohne, w., M.-n, (vergl. Bram, Brame 2.) landich. der
mit Laubholz bewachſene Rand eines Feldes.
Dronne, w., M. -n, (landfch. auch Pramme, Prammer), Beraw. der Ri,
welcher bei Gewinnung der Erze mit dem Bergeifen in tas Geftein gehauen
wird; pronnen, Zw., Pronnen machen, u. fo das Geftein gewinnen.
Prophet, m., -en, M.-en (aus d. griech. zgogrjens, lat. propheta;
daher. goth. praufetusz das althochd. Wort dafür war forasago, wizsago),
ein Weisfager, Wahrfager, Seher und Verkündiger der Zukunft (ein Uns
glüdeprophet, Wetterprophet ze.) ; in beftimmterem Sinne begeifterte und erz
leuchtete Männer, welche als Religions- und Sittenlehrer des alten jüdiſchen
Volkes auftraten, insbef. die Verfaffer von 16 Büchern im U. T. (die vier
großen, und zwölf Eleinen Propheten); — Zſetzz. die Prophetengurfe, eine
Art Eugelrunder, ftacheliger Gurken in Arabien; auch der Prophetenapfel;
der Prophetenfuchen, in Sachſen u. Thüringen: eine Art dünner, hartge—
bacener Kuchen, Blaſenkuchen; — Ableit. die Prophetenfchaft, die Eigen:
ſchaft od. Würde eines Propheten; die Prophetinn, M. -en, Weisſagerinn,
Seherinn; prophetiſch, Bw., einem Propheten eigen od. angemeffen, von
ihm ausgehend; bie Prophezei, M. -en, (aus dem lat. propheria; franz.
prophetie) vlt. f. Prophezeiung, MWeisfagung; daher prophezeien, ziel.
Zw. (griech. zgopnrevew), zukünftige Dinge vorherfagen, weisfagen, wahr:
fagen (Gtüd, Unglüd ꝛc.); die Prophezeiung, das Prophezeien; das, was
man prophezeit (M. Prophezeiungen).
Propſt (e. als Probſt), m., -e8, M. Pröpfle, (aus d. lat. praepo-
situs, d. i. der Vorgefeßte, zgez.; altd. probista, probest, brobst, pro-
vost; niederd. Praweft, engl. provost, franz. prevör; vergl. Profos), ehem.
überh. ein Worgefegter, Vorſteher, Auffeher (daher noch landſch. der Lehnz
propft, Xorgefegte eines Lehnhofes; oberd. Holzes, Wein-, Kaftenpropft, d. i.
Auffeber über das Holz, den Weinbau, den Getreidefaften, u. dgl. m.); gew.
ein Vorgefegter über geiftliche Derfonen, ein höherer Geiftlicher ; inebef.
der Vorgefegte eines Klofters (auch weibl. die Pröpftinn), od. eines Dom:
ſtiftes (Dompropſt); auch f. kathol. Pfarrer süberh.; in der evangel. Kirche:
der Vorgefegte der Geifklichen eines gewiſſen Bezirks, Obergeiftliche, Pfarr:
auffeher,; Feldpropft, der Vorgefegte der fämmtlichen Teldprediger; dag
Propftding, chem. das Gericht eines Propftes od. einer Propftei; die Propftei,
M. Sen, die Würde, auch der Bezirk und tie Wohnung eines Propftes ;
daher: der Propftei-Ader, =» Garten, die Propiteiwiefe u. dgl.; dag
Propſtei- od. Propftgericht, ein Gericht, in weichem ein Propft den Vorfig
hatz der Pröpftling, -e8, M. -e, öſtr. f. ein dicker, fetter Menſch.
pröteln od. prötteln, etlof. Zw., niederd. f. murren.
Protz (od. Brog), m., -e8, M. -e, bair. f. die Kröte,
proßen — prüfen 415
proßen 1. ziel. 3w., Kıfpr. ſchwere Gefhüge mit Mühe fortbewegen,
bef. in den Zſetz. ab⸗, aufprogen; daher die Probfette, eine Kette, mit
welcher die Kanone auf den Progmwagen befeftigt wird; der Proßnagel, ein
ftarker eiferner Nagel, welcher durch den Schwangriegel = Kanone und der Achfe
des Progwagens gejtecdt wird; das Protzrad, bie vorderen Räder an den Kanos
nenwagen; der Proßwagen, zweirädriger Karren zur Fortfchaffung einer Kanone,
proßen 2. ziellof. Zw. (auch brogen, brozen; wahrfd. v. einem alten
proß, broz, f. breit, gedunfen, aufgeblafen,; vergl. o. Pros f. Kröte, das
altd. proz, oberd. Broß f. Knospe, Sprofje; hol. prat, trogig, flolg5 prat-
ten, trogen; angelf. prut, ſtolz), oberd. f. breit machen, weit öffnen (die
Augen, das Maul); mürrifch u. unmillig fein, trogen, maulen (aud) protz⸗
maulen); fih —, f. ſich aufblähen, ſtolz thun; proßig, (od. broßig,
niederd. pragig), Bw., oberd. f. trogig, mürriſch, aufgebläht, prahlerifch ;
auch f. ſtarr, fteif, unbiegfam (von Gewächſen 2c.).
Proviant, m., -e8, 0. M. (ehem. die Proviantz ital. provianda, mittl,
lat. providenda; alfo v. lat. providere, beforgen, anfhaffen: der anzufchafz
fende Vorrath; vergl. Provifion), der Mundvorrath, Zehrungsvorrath,
Lebensbedarf, die Lebensmittel, bef. für Kriegsheere, Feſtungen, Schiffe zc. ;
daher das Proviantamt, landſch. eine obrigkeitl. Behörde, welhe für die Les
bensmittel in einer Stadt forgt; das Provianthausz; die Proviantfammer
(auf Schiffen) ; der Proviantmeifter, wer für Herbeifchaffung und Aufbewahs
rung der Lebensmittel forget; der Proviantwagen, Brod- u. Lebenemittels
Wagen bei Kriegsheeren ; dag Proviantweſen ꝛc.; proviantiren, ziel. Zw.,
mit Mundvorrath verforgen, gew. Verpravutenfieen:
prozein, od. brogeln, auch bruzeln, landſch. Zw., f. priezeln.
prudeln 1. zieilof. Zw. (niederd. pruddeln) landſch. gem. f. brodeln (f. d.),
fprudeln; der Prudel 1., -8, f. Broden, Brodem; aud) f. Sprudel; Jäg.
f. Sumpf, Pfütze.
prudeln 2. ziellof. u. ziel. Zw., niederd. f. flüchtig u. obenhin arbeiten,
z. B. die Speifen ohne Sorgfalt und Reinlichkeit zubereiten; eine Handarbeit
f&hleht, unfauber, verworren machen; auch f. beſchmutzen, verunffalten; der
Prudel 2. -8, f. eine ſchlechte, verworrene, unfaubere Arbeit; der Pru-
deler, -3, mer prudelt.
prüfen, ziel. 3w. (niederd. proven, pröven; mittelhochd. prueven, beurs
theilen, darthun, aus d. ital. provare, franz. prouver, und tiefe v. d. lat.
probare; vergl. Probe, proben), die Befchaffenheit, den Werth einer Sache
od. Perfon unterfuchen, erforfchen (bibl. prüfet Alles und das Gute behaltet;
einen Gag, eine Lehre —, einen Freund —, fich felbft prüfen); felten von kör—
perlichen Dingen, gew. verfuchen, probiren, Foften (das Gold, einen Wein ac.) ;
in engerer Bed. Jemands Kerntniffe durdy Fragen u. Aufgaben unterfuchen
(einen Schüler, einen Lehrling ze. —, fr. eraminiven); alt und oberd. auch f.
empfinden, gewahr werden, erfahren (franz. Eprouver); der Prüfftein,
ſ. v. w. Probirftein, bef. uneig.; der Prüfer, -$, die Prüferinn, wer
prüft (fr. Examinator) ; der Prüfling, -e8, M.-e, Neuw. f. ein zu prüs
fender Lehrling ec. (fr. Eraminandus); die Prüfung, M. -en, das Prüfen,
'die Unterfuhung der Befchaffenheit einer Sache, u. insbef. der Kenntnijfe
einer Perfon (fr. Eramen; eine Prüfung anftellen; die Prüfung beftehen); in
“weiterer u. uneig. Bed. folhe Umftände u. Echidfale, durch welche bie ſitt⸗
416 Prügel — Prunk
liche Befchaffenheit eines Menfchen auf die Probe geftellt wird und offenbar
werden mufs (einem eine harte Prüfung auferlegenz fchwere Prüfungen beſte—
hen 2c.); daher das Prüfungsmittel, die Prüfungsftunde, der Prü-
fungstag, die Prüfungszeit, eig. und uneig.
Prügel, m., -$, M. w. E. (alt u. landſch. Brügel, Brigelz wahre).
verw. mit Riegel u. Brüde), 1) überh. f. v. w. Knüppel, Knüttel, Baum:
Aft od. dünner Baumſtamm, dider unförmlicher Stod, insbef. fofern er
gum Schlagen dient (mit dem Prügel drein fehlagen 2c.); daher 2) ein Schlag
mit einem Prügel od. überh. Stode, Stockſchlag (einem Prügel geben; Prüs
gel austheilen, befommen; eine Tracht Prügel 2c.) ; prügeln ‚ ziel. Zw.,
1) einen Menfchen od. ein Thier—, mit einem Prügel fchlagen, überh. heftig
fohlagen; 2) oberd. mit einem Prügel oder mit Prügeln verfehen (einen
Hund —, ſ. v. w. knüppeln; Brüden, Wege u. dgl. —, mit Äſten od. Rnütz
teln belegen) ; die Prügelei, M. -en, das Prügeln, bef. ein anhaltendes,
gegenfeitiges Prügeln, eine Schlägerei; die Prügelnath, eine über einem
Prügel gefertigte Nath, Teppichſtich; die Prügelfuppe, niedr. f. eine Tracht
Prügel; der Prügelmweg, die Prügelbrüde zc., ſ. v. w. Knüppelweg, =brüce.
Prull, m, -e8, M.-e (vielleicht aus Prudel 2. zgez.), niederd. f. etwas
Nichtswürdiges, Schlechtes; der Prüfer, -8, f. ein Knider.
Prume, w., M. -11, (lat. prumum) landſch. gem. f. Pflaume.
Prümmel, m., 8, M. w. E. niederd. f. Broden, Krümel; prüm:
meln, 3w., f. brüdeln, zerbrödeln.
prünen od. prienen, ziel. Zw., niederd. f. ungefchiet u. fchlecht nähen;
die Prünerei, f. nachläffige Näherei, Stümperei.
Prungnagel, m., Färb. die Winde od. der Haspel, womit das Tuch
aus der Küpe gewunden wird.
Prunk, m., - 08, 0. M., (ehem. auch Brunf; altd. prunc, holl. pronk;
von gleichem Stamme mit prangen, Pracht 2c., |. d.5 ehem. nur im Niederd.
üblich, jegt in der hochd. Sprache ganz geläufig), das Prangen, der helle
Glanz; niederd. bef. f. Kinderftaat, Pus (daher die Prunkmacherinn f.
Putzmacherinn) ; gew. tadeind: Übertriebener Glanz, im Übermaß zur Schau
geftellte Pracht, Eitelfeit verrathender Schmuck (Prunk in Kleidern, Prunt
in Worten, f. v. w. Schwulft); auch f. feierlihes Gepränge, Staat (fr.
Parade), bei. in 3fes wie Prunkbett, = gemach, >» pferd od. -roſs, -ſaal,
= zimmer, wagen u. dgl. m. (fr. Paradebett, -gemach 2c.); in andern Zſetz.
bedeutet Prunk überh. äußere Schönheit, Glanz; z. B. die Prunfblume,
blüthe; die Prunkbohne, eine Art großer Bohnen mit ſchönen Blüthen,
bunte Bohne, türkiſche Bohne 2c.; dag Prunkgebaͤude, — gefaͤß, =gefchirr
u. dgl. m.; die Prunkliebe, Liebe zum Prunk; übermäßige und zur Schau
getvagene Prachtliebe; prunkliebend, Bw.; prunklos, Bw., ohne Prunf,
ſchmucklos und einfach; die Prunkloſigkeit; prunkvoll, Bw., mit vielem
Prunk verbunden ; die Prunfrede, fehmucvolle, Hochtönende Rede ohne ent—
fprechenden inneren Gehalt; der Prunkredner; die Prunkrednerei; die
Prunkſucht; prunffüchtig, Bw. u. dgl. m.; — Ableit. prunkhaft,
Bw., mit Prunf verbunden, prunfvoll; dem Prunk ähnlich, nach Prunk
ausfehend ; — prunfen, ziellof. Zw. m. haben, (boll. pronken), niederd.
überh. f. glänzen, prangen; hochd. nur tadend: durch Prunk, dußeren
Glanz, Schmud ıc. die Augen auf ſich zu ziehen fuchen u. den innern Uns
"
Prünziegel — puddeln 417
werth verdecten (in fchöwen Kieidern —, auch: mit etwas —) ; ber Prunfer, -8,
die Prunferinn, M. -en, wer prunkt; niederd, bef. wer übertriebenen
Staat macht, ſich über feinen Stand und fein Vermögen pußt.
Prünziegel, m., eine Art platter Dachziegel.
Prüfel, m., -8, M. w. E. (verw. mit Sproffe, oberd. Broß; broßen
f. fproffen), Säg. die unterftien beiden Enden eines Hirſchgeweihes; auch der
Dobel am Baume eines Schlufsfattels.
prüften, ziellof. Zw. (ein Schaltw., landſch. auch prußen), niederd. gem.
f. laut u. heftig niefen (uneig. einem etwas-—, d. i. nicht thun, was er
wünſcht); auch mit dem Munde fprudelm, vorzüglic) beim Ausbruch eines
lauten Gelächters, das man zu unterdrüden juchtz von Kagen f. v. w. fauchen,
pfuchzen. ;
Prutt, fe, -es, 0. M. (vergl. d. oberd. brütten f. fieden, Eochen; Brütt
fe) Brühe), landſch. der Bodenſatz des gekochten Thrans, zu Schmicrfeife
gebraucht.
Palm, m., -8, M.-e, und gew. (bef. in zufammenfaffender Bed.)
-en, (alt= und niederd. Salm, ital. salmo, engl. psalm, franz. psaume,
. lat. psalmus; vom grich. yeruosz; Gaitenfpiel, Lied, v. weikeır, zupfen,
die Saiten fehnellen), eig. überh. Lied, Geſang; in.engerer Bed. die größten-
theils dem König David zugefchriebenen geiftlicyen Gefänge in der Bibel; au
überh. ein erhabenes Lied zum Lobe Gottes; das Pjalmbuch, das bibt.
Buch, welches die Pfalmen Davids enthält (dev Pfalter)5 landſch. auch f. Ge:
fangbuch,; (niederd. Salmbuch); der Pfalmdichter, » fanger (fr. Pſalmiſt); —
der Pfalter, -$, (lat. psalterium, v. gricch. yeirıjgıov) 1).ein fehr altes,
harfenähnliches Saiteninſtrument; 2) das Pſalmbuch (altd. saltare, niederd.
Salter, ital. salterio); 3) uneig. der faltige dritte Magen der Wiederfäuer,
Blättermagen, aud das Bud) genannt; 4) ein langer Roſenkranz mit
15 Abfägen.
Pſittig od. x. Pfittih, m., -e8, M. -e, (auch Sittig; mittelhochd.
sitech; vom lat. psittacus, grich. yirrexos, olrrazos) alt und landſch. f.
Papagei; daher pfittihgrün, Bw., f. papageigrün.
pt, ein Naturlaut, durch welchen man Stillfehweigen gebietet, oder auch
einem Gehenden ein Zeichen giebt, ſtille zu ſtehen; daher pſten od. pilten als
3w., ſ. pifchten.
puchen, 3w., landſch. gem. f. pochen (f. d.); daher ver Puch, f. Schlag,
Stoß; Blod; die Pucht 1.M. -en, Forſtw. ein Blod, wie er zu Poch⸗
od. Puchitempeln brauchbar it, von 30 bis 40 Zoll im Durchmeffer u. 15 bis
230 Ellen Länae. 4 oh
Pucht 2. w., M. -en, (. v. w. Bucht 2., ein Verfchlag ꝛc.), ein Tro⸗
denboden in Salzwerken; die Puchttreppe ‚- eine Treppe, welche auf bie
| Pucht führt.
puck, ein gem. Schallw., welches einen dumpfen pochenden Schall
nachahmt (vergl. pick); daher: der Puck, gem. ein ſolcher Schall; pucken,
ziellof. Zw., einen ſolchen Schall hören laffen; und bef. das veröfterndes
pudern, niederd. f. wiederholt pochen, leiſe Elopfen od. ſchlagen.
Pudel, m., -8, M. w. E. 1. niederd. f. Budel, 1. d. — 2. niederd.
‚eine Art Sifchnege, Reuſe.
puddeln, niederd. Zw., |. pudeln; puddig, pubdelrund, Bw. (vergl. d.
Hey ſe's Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2. heil. 27
418 Dudel — Puder
oberd. butt, Butte) niederd. f. dick u. rund; die Puddenwurſt, (franz. boudin,
holl. beuling), niederd. eine dicke Wurft, Biutwurft; uneig. ein dicker, fetter
Menſch; der Pudding, -28, M. —e (gem. niederd. Pudden, Budden; engl. -
pudding), ein in ein Zeintuch gefchlagener und darin gekochter dicker Kloß
von Mehl, Brod, Fleifch oder andern Beftandtheilen; der Puddingſtein,
Wurfttein, eine gemengte Steinart.
Pudel 1. m., -$,M. w. E. (au) Pfudeh, landſch. f. Pfuhl, Pfütze;
daher die Pudelfchnepfe, f. Sumpfichnepfe; — Pudel 2. ze. f. unter pudeln.
pudeln, 3w. (vergl. butt, Butte, puddig; Grundbegriff: rund, Eugelig,
kurz und did) 1) ziel. u. ziellos, oberd. f. rollen, wälzen; Kegel fchieben ;
uneig. einen—, ihn ſchonungslos, fehlecht behandeln, vergl. hudeln; auch
f. ſchelten, aushunzen, (man erklärt es in diefer Bed. gew. „wie einen Pudel
behandeln‘!); 2) ziellos, niederd. (gew. pubdeln), im Gehen mwadeln,
wie dicke Perfonen, Eleine Kinder, die zu gehen anfangen, und kurzbeinige Thiere,
watſcheln (gem. niederd. auch wuddeln); 3) Bäd. das Brod pudelt, wenn
es beim Baden ſtark aufläuft od. Enollige Auswüchfe befommt; 4) beim Kegel
fhieben einen Fehlwurf thun (f. u. Pudel 3.); uneig. überh. einen Fehler, ein
Berfehen machen; — Pudel 2. w., M. -n, bair, f. das lange Brett einer
Kegelbahn, auf welchem die Kugel fortrollt (daher: die Pudelbahn, der
Pudelplag zc.); überh. f. Kegelbahn; uneig. die lange Tafel, auf welcher
ein Kaufmann feine Waaren auslegt; — Pudel 3.m., -$, M. w. E., ein
Fehlwurf beim Kegelfchieben, wenn die Kugel durchgeht, landſch. auch ein
Loch, (vielleicht von dem ungehinderten Fortrollen der Kugel bis ans Ende der
Bahn); uneig. gem. überh. f. ein Fehler, Verſehen; — Pudel 4. m., -$,
M. w. E., niederd. ein Eurzes Stück- od. Lagerfaß zum Wein; in Liefland:
eine Schachtel aus Baumrinde (von der rundlichen Form; vergl. Butte, But—
tel); — Pudel 5. m., -8, M. w. E., od. der Pudelhund; Verkl. das
Pudelchen (von der dicken, vundlichen Geftalt und dem wacdelnden Gange;
n. A. v. Pudel 1., alfo f. Pfuhlhund, Wafferhund, canis aquaticus L.), eine
Art Eurzer, Eraushaariger od. zottiger Hunde; uneig. dichtes, Eraufes oder
kurzgelocktes Kopfhaar, eine chem. übliche Haartraht (Pudelkopf); bair.
eine Art Halstraufe der weibl. Perfonen (das Pudel, Halspudel); Zfep-
pudeldid, Bw., gem. did wie ein Pudel, od. zum Pudeln dic‘, ———
(f- pudeln 2); die Pudelmuͤtze, eine zottige Peltzmütze; pudelnaͤrriſch, Bw.,
gem. f. im höchſten Grade närriſch, drollig, ſpaßhaft (von Pudel, oder von
pudeln 1), wälzen); die Pudelraupe, eine Art rauher, zottiger Raupen.
Puder, m., -$, o. M. (engl. powder; aus d. franz. poudre, u. dieſes
aus d. lat. pulvis, pulveris verderbt) ; überh. f. Pulver, feines Mehl, daher
niebderd. ehem. f. fein geftoßenes Gewürz; gew. in engerer Bed. feines Stärke
mehl, womit man chem. die Haare zu beftreuen pflegte, Haarmehl, Haar:
ftaub; — 3feg. der Puderbeutel, ein lederner Beutel, worin man den
Puder verwahtt; der Puderblaͤſer, ein faltiger Beutel mit vorgeſpanntem
Siebe, durch welches der Puder an das Haar geſtäubt wird; der Pudermantel,
ein Mantel, den man beim Pudern umhängt; der puderquaſt, ein Quaſt,
womit man ben Puder auf das Haar ſtäubt; die Puderſchachtel ꝛc.; der
Puderzuder, fein geftoßener Zuder; auch der rohe, noch ungeläuterte braune
gelbe Zucer, Mehl-, Sandzuder (fr. Moscovade); — Ableit. puderig,
puff — Pulle 419
Bw., mit Puder beftäubt; pudern, ziel. Zw., mit Puder beſtreuen oder
beftäuben, (das Haar, ſich —).
puff, ein Schallwort, weiches den dumpfen, groben Schall eines Falles
od. Stoßes u. bef. den Knall eines Feuergewehrs nachahmt (vergl. paff);
der Puff, -8, M. Püffe, (oberd, Buff, ſchwed. und engl. puff), 1) gem.
ein dumpfer Schall od. Knall; ein mit einem ſolchen Schalle verbundener hef—
tiger Stoß od. Schlag, bef. mit der geballten Fauſt (Püffe austheilen, bekom—
men; einen guten Puff vertragen Eönnen, auch uneig. gem.'f. eine heftige Er:
fhütterung u. dgl.); oberd. im Brettſpiel der Wurf, wo alle Würfel diefelbe
Zahl zeigen; auch f. das Pufffpiel, f. u; 2) (als nachahmender Naturlaut
ber ſchnellen ufientwidelung, des Blaſens 2c.) etwas Aufgeblafenes | Auf:
gefhwelltes, Gedunſenes; insbef. bauſchige Theile an Kleidungsftücen,
3. B. an den Ärmeln, aud die Puffe, M.-n (franz. pouf, engl. puffing);
ſchweiz. ein durch Kunſt erhöheter Bufen; ein Leibchen, eine Weite; gem. fchweig.
f. ein Rauſch (auch Buffer); 3) in Halle: das gemeine Stadtbier (vergl. d.
engl. bub); puffen, zielloſ. u. ziel. Zw. gem., den Schall puff hören laſſen
od. hervorbringen (das Gewehr pufft; fchlagen, dafs es pufft; mit einer Flinte
puffen u. dgl. m.); uneig. niedr. es pufft, f. es läſſt fi) hören, es hat Nach—
druck; einen —, ihn mit der Fauſt ftoßen od. fchlagen (oberd. buffen) ;
oberd. auch f. einem Thiere die Haut abziehen, es fhinden, was größtentheils
durch Fauſtſtöße gefhicht (ausbuffen); u. f. Puff fpielen; 2) (engl. puff,
franz. bouffer; bouffir) vit. f. aufblafen,] aufſchwellen; Puffen machen,
mit Puffen verfehen (die Urmel eines Kleides —3 f. Puff 2)5 oberd. buffen,
büffen, f. Eräufen, pugen); — 3fes. der Puffärmel, Bauſchärmel;
die Puffbohne, ein Gewächs mit großen Bohnen in dien, aufgeblafenen Hül-
fen, große Bohne, Feld-, Feigbobne; das Puffbrett, Spielbrett zum Puff:
fpiel, einem Brettfpiel, welches mit zwei Würfeln und 30 Steinen von zwei
Spielern gefpielt wird, Pochſpielz — Ableit. der Puffer -8, wer pufft,
Püffe giebt; ein Kleines Eurzes Schießgewehr, Sack-, Taſchenpiſtole;
oberd. f. Schinder, auch ein ſtumpfes Meffer, defien derfelbe fich bedient
(Buffer); niederd. eine Art großer und dider Kuchen; puffern, ziellof. Zw.,
landſch. f. wiederholt puffen; puͤffeln, ziel. Zw., ſchweiz. f. tüchtig prügeln.
pufen, ziellof. u. ziel. Zw. (vergl. das engl. poke u. poach) niederd. f.
Elauben, zwaden, fhaben, Fragen; auch f. Kleinigkeiten ftehlen, Kleine
Diebereien begehen; daher die Pukerei, f. ein geringer Diebſtahl.
Pule od. Pulle, w., M. -n, Verkl. das Pulchen, (franz. poule, lat.
pullus), landfch. f. Huhn, Henne; der Pulhahn, f. Hahn.
pulen, pulfen, pülfen, auch polen, ziellof. u. ziel. 3w., (engl. pull),
nieberd. f. rupfen, zupfen, pflüden, Elauben, kneipen, zerren, zaufen; pul-
Een aud) f. fhmerzen, brennen bef. mit einer pochenden Empfindung ; der
Puler, -$, f. ein Klauber, mühfamer Arbeiter; pulig, Bw., woran viel
zu Elauben ift, mäbhfam; — der Pull od. Poll, Aes, M. -e, niederd, f.
Kopf, bef. ein Eraushaariger, Schopf; Federbufch mander Hühner.
Pulle 1.w., M.-n, (au Bulle; hol. pull, engl. bowl; lat. am-
pulla), niederd. gem. f. Slafche, bef. eine bauchige Flaſche od. Kanne; auch
eine Bierfanne mit einem Klappdeckel: Puͤllkanne; pullen 1. ‚, 3w., f. aus
ber Flaͤſche trinken, faufen; der Pullmeifter f. Säufer.
Pulle 2. w., landſch. f. Harn; pullen 2. Zw. f. harnen.
27%
420 Prulroſs — Pulver
Pulroſs, f., -e3, M. -e, landſch. eine Art Strandläufer, der Pardel.
Puls, m., - 08, M. -e (v. d. lat. pulsus, alfo eig. Stoß, Schlag), 1) der
Schlag der Pulsadern, Aderfchlag, bei. in der Gegend der Handwurzel; auch
diefe Pulsader felbft in Anfehung diefer fchlagenden Bewegung (einem nach dem
Yulfe, an den Puls fühlen, greifen, gew. ihm den Puls fühlen, auch uneig.
f. ihn prüfen, ausforfhen; der Puls fchlägt oder geht ruhig, langfam, ges
ſchwind 2c.); 2) landfh. f. das Glodengeläut (mittl. lat. pulsatio, pultio)
von einer Paufe bis zur andern (einen Puls, zwei Pulfe läuten 20.); —
3feg. v. Puls 1): die Pulsader, Schlagader (fr. Arterie) ; der Pulsmeſſer,
od. die Pulswage, ein Werkzeug zur Meſſung der Schnelligkeit des Pulfes ;
der Pulsfchlag, Schlag der Pulsader; — Ableit. pulfen, ein Neuw., gew.
mit fremdartiger Endung pulfiren, ziellof. Zw., fehlagen, Elopfen, beſ. von
dem Blute in der Pulsader.
puͤlſchen od. pulsken, zielloſ. Zw. (vergl. palsken), niederd. ©
plätfehern, fpülen, Waffer ausgießen.
Pult, f. (andſch. aud) m.), -e8, M. -e, Verkl. dag Pultchen, (aus d.
lat. pulpitum zgez.; daher auch das Pulpet), ein Öeftell mit einer ſchrä—
gen, abhängigen Fläche, um daran figend od. gew. ftehend zu arbeiten (ein
Lofer, Schreib, Noten, Nähpult 2c.; ein Stehpult); Kriegsb. eine Art eines
doppelten bedeckten Ganges; das Pultdach, Bauf. ein aus einer abhängigen
Bläche beftchendes Dach, einhängiges Dad).
Pulte, w., od. Pulten, m., niederd. f. v. w. alte (1. d.); pulterig,
Bw., f. v. w. palterig-
Pulver, f., -3, M. w. €. (aus d. lat. pulvis, pulveris, der Staub),
überh. ein in Eleine Theile zerriebener od. zermalmter trodener Körper (z. B.
Räucherpulver ꝛc.; oberd. f. zerftoßenes Gewürz); insbef. ein Arzeneimittel
od. auch ein Gift in diefer Form (3: B. Magens, Bruft:, Abführpulver, Zahn⸗
pulver ꝛc.) ; auch eine auf einmal zu gebrauchende abgemeffene Gabe eines
Urzeneipulvers (ein Pulver, zwei Pulver einnehmen ꝛc.; in diefem Sinne auch
verkl. ein Pül verchen; einem ein Pülverchen beibringen, d. i. ein Giftpulver) ;
in engerer Bed. das Schießpulver (Pulver und Blei; ſprichw. Fein Pulver riechen
können, d. i. feige, des Krieges ungewohnt fein; Eeinen Schuſs Pulver werth
fein, d. i. nicht das geringfte; er hat das Pulver nicht erfunden, d. i. er ift ein
einfältiger Menſch); fchlef. auch f. Zunder, u. uneig. f. eine geringe, untaug—
lihe Sache; — 3Te$. die Pulverbüchfe, =flafche, das Pulverhorn, Ges
fäße, in welchen man Schießpulver bei fic führt; der Pulverdampf, =raud),
der Rauch von abgebranntem Schießpulver; das Pulverfafs, die Pulvertonne,
eine Tonne mit od. zu Schießpulver; dag Pulverhaus, der, Pulverthurm, _
Gebäude zur Aufbewahrung von Pulvervorräthen (fr. Pulver Magazin); das
Pulverholz, verfchiedene Gefträuche, deren, Holz, zu Kohlen gebrannt, zum
Schießpuloer brauchbar ift, bef. der Faulbaum; die Pulverfammer, der Raum
in einem Schiffe, wo das Schießpulver verwahrt wird; Krſpr. der Ort. einer
» Mine, wo das Pulver hingefest wird; auch der J—— Raum in den Feuer⸗
mörfern und Haubitzen, in welchen das Pulver geladen wird; derPulverfarren,
= wagen, zweirädrige Wagen, auf welchen den Kanonen das Pulver nachge=
fahren wird; das Pulverforn (f. Korn); das Pulvermaß, ein Maß zum Ab-
meſſen des Schießpulvers zu einem Schufje; die Pulvermuͤhle, eine Anſtalt zur
Bereitung von Schießpulver (vergl. Mühle); der Pulvermuͤller, Vorſteher einer
Hummel — Pumpe 421
Pulvermühle, Pulvermacher; die Pulverprobe, Krſpr. ein Werkzeug, bie
Stärke und Güte des Schießpulvers zu verfuchen, der Pulverfad, ein mit
Pulver gefüllter Sack, bef. Krſpr. folche Säde, die aus Mörſern gefchoffen wer—
den; uneig. an Feuergewehren die Stelle hinten an der Schwanzſchraube, wo das
Pulver die größte Gewalt ausübt; der Pulverſchwamm, mit Pulver einge:
riebener Feuerſchwamm; die Pulverwurft, Kıfpr. ein langer, mit Pulver ges
füllter Schlauch zur Entzündung dev Minen; — Ableit. pulvericht, Bw.,
- pulverähnlich; pulverig, Bw., Pulver enthaltend, daraus beftehend; pul-
vern ob. plılvern, Zw. 1) ziel. in Pulver verwandeln, zu Pulver zermal-
men (mit fremdartiger Endung: pulverifiren); mit Pulver, oberd. mit
Gewürz betreuen; oberd. mit Schiefpulver fprengen; 2) ziellos m. haben,
fchweiz. und oberd. f. losbrennen, ſchießen; uneig. ſich leidenfchaftlich äußern,
heftig losziehen, zanken; pulvern auch oberd. f. Arzneipulver gebrauchen,
einnehmen; pulverlen od. pülverlen, ziellof. 3w., oberd. und ſchweiz. nach
Scyiefpulver, od. nad) Gewürz riechen od. ſchmecken. ar
Pummel, m., -8, M. w. E. 1. oberd. f. Zuchtftier, Bulle; 2. nieberb.
f. ein Eleineg Kind, ein dider Menfch (vergl. Pumpel); 3. niederd. eine Art
Weißbrod, Semmel.
Pummnudel, w., bair. eine Eugelförmige, mit Hefen gegohrene Mehl:
fpeife, Dampfnudeln.
pump, pump$, ein Naturlaut, welcher den dumpfen Schall eines fal-
lenden ſchweren Körpers nahahmt; der Pump od. Pumps, -es, M. -e,
gem. 1) ein folcher dumpfer Schall; Pumps inebef. f. eine hörbar abgehende
Blähung; 2) Pump, niederd. f. Stößel, Stampfer; 3) ein plumper, gro:
ber Menſch (oberd. Pumpf); 4) oberd. u. Studentenfpr. f. Borg (etwas auf
Pump nehmen; |. pumpen 1.75 pumpgrob (od. pumpfgrob), Bw., bair. f.
fehr grob; die Pumphofe, landſch. gem. f. Pluderhofe; der Pumpftiefel,
gem. f. plumpe weite Stiefel; — pumpen 1. od. puntpfen, ziellof. u. ziel.
Zw. 1) gem. f. einen dumpfen Schall hören laſſen od. hervorbringen ; mit
einem folchen Schall Fallen od. ſchlagen (oberd. pumfen); 2) oberd. und
Studentenfpr. f. borgen (etwas—, einen anpumpen, wahrfc. uneig. wie:
bei Semand anklopfen); — Ableit. der Dumpel, Pümpel, -$, M. mw. E.,
landſch. gem. f. ein dies, Furzes Ding; ein dicker, plumper Menfc) ; nie—
derd. f. Stößel, Stampfer; pumpeln, niederd. 8w. f. ffampfen, im Mör—
fer ftoßen; pumpern (vergl. pampern) ziellof. Zw., das Veröfterungswort
v. pumpen, gem. wiederholt od. anhaltend dumpf fchallen, od. durch Stoßen,
Klopfen zc. ein dumpfes Getöfe hervorbringen ; der Pumperer od. Pumper,
-8, ein folher Schall; die Pumpermette, in der kathol. Kirche die Metten
in der Charwoche, in welcher man ftatt des Glockengeläutes mit hölzernen Klap—
pern pumpert, auch: Poltermeffes der Wumpermittwoch, bair. f. Mitt-
woch in der Charwochez der Pumpernickel 1., -$, bair. ein Eleines dickes
Kind; aud) ein altes Volkslied. j
Pumpe, wi, M.-n, (andſch. gem. auch Prumpe; ſchwed. und engl.
pump3 ital. pompa, franz. pompe, böhm. pumpaz von dem Schallw.
pump, ‘od. dem niederd. Pump f. Stößel, Stämpfel?), eine Mafchine, welche
dazu dient, durch Auf- und Niederdrücen eines in einer Röhre befindlichen Kol—
bens eine Flüffigkeit, bef. Waſſer, in die Höhe zu ziehen, Mafferpumpe,
Pumpbrunnen; ſ. auch Schiffpumpe, Luftpumpe; an Windbüchſen: die Röhre,
1
422 | Pumpermette — Punkt
durch welche bie Luft in die Kugel oder den Kolben der Büchfe gepumpt wird;
pumpen ?2., ziellof. und ziel. Zw. (landfch. gem. plumpen), die Pumpe in
Bewegung fegen, u. dadurch eine Flüffigkeit in die Höhe heben od. aus einem
Ranme ſchaffen (Waffer aus dem Schiffe, die Luft aus einem Raume —); —
Z ſetz. v. Pumpe: der Pumpenbohrer, ein Bohrer zum Bohren ber Brunnen
röhren z landſch. auch f. Pumpenmacher; das Pumpenfeuer, ein Luftfeuer,
welches wie das Waſſer aus einer Pumpe herausfährt; dag Pumpengeſenk,
Bergw. ein GefenE zu einer Pumpe, eine od. zwei Fahrten tief ; eine tiefere
Grube der Art Heißt ein Pumvenfchacht; ver Pumpenkaſten, der hölzerne
Verfchlag, in welchem eine Pumpe ftcht; der Pumpenmacher, Brunnen
macher, Röhrmeifter; der Pumpenfchub, das Holz an dem Pumpenfchwengel;
auch f. Pumpenfauger; der Pumpenfchwengel, der Schwengel (f. d.) an
einer Wafforpumpe ; der Pumpenfood, = pott od. = topf, Schiff. der niedrigfte
Raum im Schiffe, wo die Pumpen ſtehen; die Pumpenſtange, die eiferne
Stange, an welcher der Pumpenfauger befeftigt iftz der Pumpenſtock, die
Pumpenröhres das Pumpenwerk od. Pumpwerk, ſ. Saugwerk.
Pumpermette, pumpern, Pumpernickel 1. f. unter pump.
Pumpernidel 2. m., -8, 0. M. (angeblich entft. aus den Worten eines
Srangofen: „bon pour Nickel,” gut für Nidel, d. i. für den Knecht, oder das
Pferd?), Benennung des groben weſtphäl. Schwarzbrodes, welches aus zweis
mal gefchrotenem und nicht gefiebtem Roggen gebaden wird, in Wejtphalen ferbft
nur grobes Brod genannt.
Pumphofe, Pumps, pumpfen, ſ. unter pump; — Punct, f. Punkt.
Pund od. Punt, m., -es, M. -e (au Bunten;z altd. phundz franz.
bondom), ſchweiz. f. Spund.
Pune, w., M.-n, (auch Pue;z vergl. d. lat. pus, griech. nvov, Eiter),
niederd. f. Blutgeſchwür. e
Pung od. Punge, m., -en, M. -en, auch) der Pungel, -8, M. mw. E.
(ſchwed. u. dan. bung, pung; mittl. lat, punga, puncha, pochia; daher
frang. poche, engl. pocket, Taſche; verw. mit parken (f. d.), lat. pango ıc.),
niederd. f. Bündel, Pad, voller Beutel od. Sad; pungeln, ziellof. Zw.,
nieberd. f. einen f[hweren Pad tragen, .
Punkt, m., -e8, M. -e, Verkl. das Pünktchen, (v. dem lat. punc-
tum v. pungere, ftechen; franz. pointz niederd. Punt, Spige), eig. ein
Stich mit einer feinen Spite (niederd. Prick); daher 1) gew. ein Fleiner Fleck,
bef. ein mit der Feder u. dgl. gemachter Eleiner Fleck (oberd. Tüpfel, niederd.
Zippel, Stippe), z. B. ber Punkt Über dem i; in dev hebr. Schrift die Vocal—
Zeichen, welche über und unter die Gonfenanten gefegt werden (eine Bibel mit
Punkten); insbef. dag Unterfcheidungszeichen, welches das Ende eines Satzes
bezeichnet (dev Schlufspunkt), und auch bei einem abgefürzten Worte fteht
(Abkürzungspunkt); uneig. ein vollftändiger Sag einer Nede, weil er am
Schluſſe mit einem Punkte bezeichnet wird; in weiterer Anwendung : jeder bes
ſtimmte Abfchnitt, Theil, Umftand, jede einzelne Beftimmung einer Schrift,
Verhandlung u. überh. jeder Sache (die Punkte eines Vertrags; die Hauptpunfte,
Nebenpunkte einer Echrift, des chriſtl. Glaubens 2c.; einen Punkt berühren;
über einen Punkt ſtreitig fein; er ift im Punkt der Ehre empfindlich 2c.); 2) ein
fehr Eleiner, den Sinnen kaum bemerfbarer Raumtheil (es fehlt kein Pünkt—
hen daran, eö trifit auf den Punkt zu, d. ti. ganz genau); Größent. Anfang
Puns — Puppe 423
und Ende einer Linie, ohne alle Ausdehnung gedacht (ber Anfangs-, Endpunft) ;
überh. ein genau beftimmter Ort im Raume (Stand-, Ruhepunkt; Mittels,
Schwer, Scheitelpunft 2c.); auch ein beſtimmter Eleinfter Zeittheil (Zeitpuntt ;
es ift auf den Punkt zwölf Uhr, od. bloß: es ift Punkt zwölf, d. i. genau zwölf;
auf dem Punkt fein, etwas zu thun, d. i. im Begriff fein); — 3feß. ber
Punktfarn, eine Gattung Zarnkräuter, deren Befruchtungstheile in Punkten
auf der unteren Fläche der Blätter figen, Tüpfelfarn; die Punktkoralle, mit
zarten Punkten verfehene Korallen; der Punktſtein, Körnerftein, Granit ; das
Punktthier od. =thierchen, fehr Eleine, nur durch Vergrößerungsgläfer ſicht⸗
bare Thiere, die im Waffer leben, auch: der Punftwurm; punftweife,
Nw., in Punkten, Punkt für Punkt d. i. den einzelnen Sägen oder Beſtim⸗
mungen nad); — Ableit. pünftlic), Bw. u. Nw., auf den Punkt od. nad)
allen Punkten, fehr genau, vollfommen regelmäßig (es trifft pünktlich zu;
einen Vertrag pünktlich haltenz pünktlich anfangen, d. i. genau zu ber beftimms
ten Zeit; ein pünktlicher Mann, d. i. der fid) genau an Zeit u. Ordnung bindet) ;
die Pünktlichkeit, das Pünktlichſein, die Genauigkeit, ftrenge Ordnung ;
punkten, od. gew. mit fremdartiger Endung punftiren, ziel. 3w., etwas-—,
mit Punkten verfehen (z. B. hebräifche Schrift; die Haut —, mit Punkten
zeichnen, bemalen; Heilk. einem Wafferfüchtigen Stiche in die Haut machen, um
das Waffer abzuzapfen); durch Punkte darftellen od. machen (einen Kupfer
ftih — ; ein Blatt in punktirter Manier zc.); in der Sterndeuterei: verborgene
Dinge durdy gemachte Punkte erforfchen (auspunftiren); das Punftir-
rad, ein mit feinen Spigen verfehenes, an einem Stiele bewegliches Rädchen,
womit man eine Linie durch Punfte andeutet.
Puns od. Punz, m., -e8, M. -e, nicderd. f. Haarneftel, Haargeflecht.
Punſch, m., -es, M. (nur von mehren Arten) -e, (v. dem engl. punch,
welches aus dem indifchen panscha, perfifch pendsch, fünf, ftammen fo,
wegen der 5 Beftandtheile), ein urfpr. oftind., aus Arak od. Rum, Zitronen:
faft; Zuder und Waffer, auch wohl mit Thee, bereitetes Getränk, ſowohl
Kalt, ald gew. warmz daher: der Punfchbecher, das Punfchglas, der
Punfchlöffel, der Punfchnapf 2c.; der Punfchgeift, ein geiftiger Auszug
aus den Stoffen, woraus Punfch bereitet wird (fr. Punſch-Extract od. -Eſſenz);
das Punfchpulver, ein Pulver, welches die Hauptbeftandtheile des Punfches
“enthält, punfchen, ziellof. Zw., Punſch trinken.
Punz, m. 1., -es, M. -e, ſ. Puns; 2. -en, M. -en (auch der
Punzen, Panz, Panzen, Ponz), bair. ein Faß, bef. als beftimmtes Maß.
Punzen, m., -$, M. mw. E., f. Bunzen.
Pup, m., — es (vergl. Pumps), niederd. gem. f. eine hörbar abgehende
Blähung; pupen, ziellof. Zw., f. Blähungen ftreichen laſſen; feine Noth:
durft verrichten.
Pupin, m., -e3, M.-e (engl. puflin), eine Art Mewe mit rothen
Patſchfüßen auf der Infel Man, Erdmewe.
Puppe, w., M.-n, Verkl. das Püppchen, (ſchwed. puppa, engl.
puppet, baby; lat. u. ital. pupa, franz. poupée; verw. mit Bube?) 1) ein
Eleines Kind, bef. Eleines Mädchen, nur als Schmeichelwort; gew. das nachs
‚gemachte Körperliche Bild eines Kindes, als Spielwerk für Eleine Mädchen,
oberd. eine Docke; auch bewegliche und bekleidete Menfchenfiguren zum Pup:
penfpiel (f. u.); 2) in weiterer uneig. Bed. eine walzenförmige Maffe, 3. 8.
424 puppern — Purpur
landſch. f. Schilf⸗ oder Rohrkolben; Fiſch. ein fenkrecht auf dem Waſſer ſchwim⸗
mendes Holz od. Binſenbüſchel, woran der Köder befeſtigt iſt; bei Seidenwebern
ein Bündel dünner Bindfaden am Kegelſtuhle, u. dal. m.; insbeſ. die walzen⸗
oder eiförmige Schale, in welche die Haut der Raupe od. Larve fich ver
wandelt, und aus welcher fpäter das völlig ausgebildete geflügelte Infect auss
kriecht; auch das Geidengefpinft oder = gehäufe, in welchem ficy die Puppe der -
Seidenraupe befindet (fr. Gocon); — 3fes. der Puppenfram, kleiner Handel
mit Kinderpuppen und ähnlichen Spielwaarenz auc) f. v. w. Puppenzeug; der
Puppenkraͤmer, die Puppenfrämerinn; der Puppenraͤuber, ein. gold-
grünlich glängender Käfer, welcher die Puppen der Infecten frifft; das Pup—
penfpiel, ein Schaufpiel mit beweglichen Figuren, die an Fäden oder Dräthen
gelenkt werden, ftatt der handelnden Perfonen (fr. Marionetten); uneig. eine
Eindifche,, Eleinliche Befchäftigung ; der Wuppenfpieler, wer Puppenfpiele aufs
führt; der Puppenſtand, der Zuftand eines Inſects als Pupre; das Pup:
penzeug, Kinderpuppen nebft Zubehör ; insbe. Kleidungsftüde für Puppen; —
Ableit. puppen, 3w., 1) ziellos mit haben, Landfch. f. Puppen machen;
mit der Puppe fpielen; 2) ziel., landſch. f. einhüllen, wideln, windeln;
ſich in eine (Infecten:) Puppe verwandeln (nur: fich ein= od. verpuppen);
Fiſch. mittelft des an der Puppe (f. 0.) befeftigten Köders fangen. b
puppern, ziellof. Zw. m. haben, (oberd. poppern, pfopfern), gem. f.
ſich ſchnell und oft wiederholt hin und her bewegen, zittern, beben, lebhaft
Elopfen (3. B. dad Herz puppert); pupperig, Bw., gem. f. übermäßig
beweglich.
pur, Bw. (e. d. lat. purus), gem. f. rein, unvermifcht, unverfälfcht,
Elar, lauter (pures Wafferz die pure Wahrheit); niederd. auch als Nw. f. ganz
und gar, durchaus (z. B. es it pur aus). Inn
Puͤrdel, m., -8, M. w. E., landſch. f. Schmiedehammer.
-
Purpeln, die, o. €. (engl. purples, das Scarlachfieber, von purple,
Purpur), landſch. f. die Mafern, Rötheln.
Purpur, m., -$, o. M. (franz. pourpre, engl. purple; v. lat. pur-
pura, griech. roopüor, daher auch im Altd. weibl.), eine hochrothe, an das
Violette grenzende Farbe, im Alterthum aus dem Safte der Purpurfchnede
bereitet u. ſehr koſtbar, jest aus der amerikan. Scharlachſchildlaus (fr. Coche—
nille) bereitet; in weiterer Bed., bef. dicht. f. jede hochrothe Farbe (der Purpur
des Himmels, der Wangen, der Lippen 2c.); auch f. purpurfarbene Gewänder,
bef. ein purpurfarbener Mantel als Zeichen Eöniglicher Würde und Macht; in
engerer Bed. das purpurfarbene Gewand der Gardinäle (mit dem Purpur be—
Eleiten); — 3fes. die Purpurammer, eine Axt purpurfarbener Ammern in
Meriko; die Purpurblume, eine Art Feder= Aloe in Nordamerika; dev Pure
purbraffen, eine Art Braffen mit purpurfarbigen Schuppen; die Purpurs
dohle, eine Art Dohlen, das Männdyen purpurfarbig, das Weibchen dunkel⸗
braun; die Purpurfarbe; daher purpurfarben, purpurfarbig, Bw., ſ.
v. w. purpurroth, purpurn; das Purpurgewand, Purpurkleid; das Pur⸗
purhuhn, ein prächtiger Waſſervogel in Südaſien; der Purpurhut, ein pur—
purrother Hut, dergleichen die Cardinäle tragen; der Purpurklepper, eine
Art purpurfarbiger Dickſchnäbler; die Purpurklette, eine purpurfarbige Baum—
klette in Virginien; das Purpurkoͤpfchen ‚ eine Art Baumkletten mit ˖ purpur⸗
farbigem Kopfe in Indien; auch eine Art wilder Enten; der Purpurmantel,
se u u 2 —
purren — put 425
ein purpurfarbener Mantel, als Zeichen der höchſten Würde; die Purpurmotte,
ein purpurfarbener Nachtfalter; purpurroth, Bw.; die Purpurröthe; die
Yurpurfchnede, verfchiedene Schnedenarten, deren Saft purpurroth färbt;
insbef. die echte Purpurfchnede, von welcher im Alterthum der Purpur
bereitet wurde; der Pılrpurvogel, 1) ſ. v. w. Purpurklette; 2) eine Art
vierzehiger bunter Vögel mit kahler, purpurrother Stirn in Dftindien u. Ame—
vita; — Ableit. purpurifch, Bw., dicht. Neuw. f. purpurähnlicy, pur:
purroth ; purpurn od. purpern, Bw., purpurfarbig; von purpurfarbenem
Stoffe (ein purpurnes Gewand); purpuen od. purpern, ziel. Zw., dicht.
Neuw. f. purpurroth färben; rüdz. ſich —, purpurcoth werden (die Wange
purpurt fich u. dgl.).
purren 1. ziellof. Zw. (ein Schallw.; auch burren, pfurren), -oberd. f.
brummen, braufen, Enurren, ſchnarren; — 2. ziellos u. ziel. (holl. porren),
niederd. f. Elauben, mit einem fpigen Dinge in etwas wühlen; ſchüren, auf:
rühren; zerren, anregen, reizen; Schiff. die zur Ablöfung der Wache beftimme
ten Matrofen aufweden. ;
Purren, m., -8, M. w. E., landfch. f. ein großes Stück (4: B. Brod).
Puͤrſch, pürfhen, T. birfchen.
Nurzel od. Pürzel, purzeln, pürzeln, Purzelbaum, ſ. Bürzel ıc.
Pufe, Puſekatze, ſ. Buſe; daher pufeln, ziel. Zw., niederd. die Kage
ſtreicheln, überh. ſtreicheln, liebkoſen; das Puͤsken, -8, niederd. f. Moll
gras, MWiefenwolle.
puffeln (mit ſanft gefprochenem ff), ziellof. Zw. (vergl. päſſeln), landſch.
f. fehr beweglich und gefchäftig fein, ohne viel auszurichten.
puflen, ziel. Zw. (auch poffenz oberd. buffenz ſchwed. pussa; engl.
buss) landſch. gem. f. Füffen; dev Puſs, od. das Puffel, f. Kufs. .
Puftel, w., M. -n (v. d. lat. pustula), Higbläschen,. Eiterbläschen,
Finnen auf der Haut.
püften, zielloſ. u. ziel. Sw. (dän. puuste, ſchwed. pusta; vergl. baufchen,
baufen, griech. gvoar), niederd. u. ſchweiz. f. blafen, ſtark hauchen, ſchnaufen;
die Puſtblume f. der Löwenzahn, deſſen gefiederter Samen fich leicht abblaſen
läſſt; das Puſtrohr, f. Blaſerohr; — der Püfter, -8, M. w. E., f. ein
kleiner Blafebalg;z auch ein Blaſerohr; der Bofiſt; puͤſterflicken, niederd.
Zw., eig. Blaſebälge flicken, überh. ſchadhafte Dinge ausbeſſern ; uneig. an ſich
ſelbſt gleichſam flicken, beſtändig Arznei nehmen; der Puͤſterich, - e8,, M. -e,
landſch. f. Blaſebalg; Namen eines altnordifchen Gögenbildes; püftern,
ziellof. u. ziel. Zw., f..den Blafebalg gebrauchen; das Feuer damit anfa=
hen; — puftern, zielloſ. Zw., f. flüftern, ins Ohr raunen; puſtig, Bw.,
f. von Luft aufgeblafen, überh. gedunfen, geſchwollen, rundlich, fieiſchig;
auch vor Matttigkeit ſtohnend, unpäfstich. BERN
put od. putt, in der Volkefpr. das Lockwort, womit man die Hühner,
bef. die Truthühner, ruft (die Stimme der Jungen nachahmend) ; daher die
Pute 1.M. -n, das Puthuhn, niederd. f. das Truthuhn, wälfche Huhn;
uneig. gem. f. eine dumme weibl. Perſon; Puthuhn u. beſ. verkl. Putz
Hühnchen, in der Kinderfpr. auch f. Huhn, "Bühnen; der Puter, -8, M,
w. E., Puthahn, Puterhahn, f. Truthahn, wälfcher Hahnz — daher:
der Puten= od. Puterbraten; der Putenjunge, das Putenmädchen;
der Putenjunfer, gem. verächtl. ein einfältiger Landjunker; die Puten-
426 Pute — pußen
zucht 20.5; — putern, zieltof. u. ziel. Zw., nieberd. f. geſchwind und uns
deutlich reden, auch dabei mit dem Speichel fpruteln; ſchwäb. f. fchelten.
Pute 2. od. Putje, w., M. -n, (engl. powr), niederd. f. Schlammbeißer,
ein Fiſch.
„_ Püte, w., M. -n, in Salzfiedereien die von den Salzkörben abtriefenden
Zaden od. Pfeifen.
Puter, Puthahn ꝛc. f. unter put.
putjen, niederd. Zw. 1) ziellos, f. v. w. padjen (f. unter Pad); 2) ziel. f.
zur Eile antreiben, forthegen, aufhegen.
Puͤtſche, w., M. -n (verw. mit Butte), oberd. ein Eleines Faſs als
Salzmaß.
putfchen od. pütfchen, zieliof. und ziel. Zw. (much butfchen , bütfchen ;
wahrſch. v. d. Naturlaut putfch, f. v. w. patfch; vergl. d. engl. butt, push,
franz. pousser) oberd. u. fchweiz. f. floßen (mit dem Kopfe, mit den Hör-
nern 2c.) ; anftoßen (mit den Gtäfern); anprallen, anfchlagen (vom Waffer).
Putte od. Pütte, fv., M. -n, nieverd. 1) f. Pfüse (f. d.), Goffe,
Rinne, 2) ein Ziehbrunnen (hol. put, lat. puteus, franz. puits); 3) im
Deihbau eine Grube, aus welcher die Erde ausgeftochen iſt; auch das Maß,
nad welchem diefe Erde berechnet wird; putten, püften, 8w., niederd.
1) Waffer aus einem Ziehbrunnen fchöpfen, überh. f. ſchöpfen (franz. puiser);
2) Erde zur Deicharbeit ausgraben.
Putting, w., M. -en, Schiff. diejenigen großen, ſchweren Kettenglie:
der, welche ſich zu unterft an den Wandtauen befinden.
Pus 1. f. unter pusen; — Puh 2. m., -e8,-M. -e, od. die Puße,
M.-n, niederd. f. Poffe, Iuftiger, loſer Streich; daher der Pusenmacher,
f. wer Poffen, Iuftige Streiche ꝛc. macht; putzig, Bw., f. noffierlich, drollig.
Pübe, w., M.-n (w. putten, pütten, f. d.), Schiff. f. Waffereimer,
Schopfeimer.
Putzel, m., -$, Bad. der in Geftalt Eleiner Klöße aufberwahrte Sauer:
teig (vergl. d. oberd. Bugen, Bozen, Bauzen, d. i. Klümpchen, Enollige Teigform).
Putzen, m., -$, M. w. E., ſ. Buß, Busen; insbef. Hüttenw. ein
Klumpen zufammengpfinterten Erzes.
putzen, ziel: Zw. (ſchwed. putsa; urfpr. wahrſch. fehneiden, ſtutzen; vergl.
Buß, und das latein. putare, befchneiden, pugen, amputare zc.) 1) durch
Wegſchneiden oder überh. Megnehmen des Schäblichen, Überflüffigen oder
dem Auge Mifsfälligen reinigen, fäubern (Bäume, den Bart—; das Licht —,
die überflüffige Schnuppe wegnehmen, damit es heller brenne; die Nafe—,
ſ. v. w. ſchnauben, fehneuzen) ; ſchweiz. f. fehneiden, verfchneiden (bef. ein
Schwein—), in weiterer Bed. f. tödten, umbringen; entkräften, befiegen
(daher uneig. gem. den Feind pugen, d. i. ihm großen Abbruch thun); einen—,
gem. f. ihm einen derben Verweis geben; 2) einer Sache od. Perfon auf irgend
eine Weife ein angenehmes, zierliches Anfehen geben, finnv. verfchönern,
glänzend machen, blänken (Schuhe, Stiefel; Sitbergefhier, ein Gewehr
u. dal.; bie Vögel pugen fich, wenn fie mit dem Schnabel ihre Federn ftreichen) ;
insbef. die Mauer, ein Haus .—, d. i. mit Kalt bemwerfen und bvenfelben
ebnen; einen od. ſich —, mit reinen und zierlichen Kleidern fhmüden
(eine gepugte Dame 2c.) ; — der Puß, -es, o. M., das Putzen (jest geht der
Yug an); das Gepugtfein, finno. Staat (im ſchönſten Pug erfcheinen) ; was
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putzig — Quad 427
zum Putzen dient, daher Maur. der Kalküberwurf an den Wänden ; bef. zier—
liche Kleidungsftüde und Nebenzierathen, als Spigen, Bänder u. dgl., zum
Pus= Anzug, verfh. Schmud; — 3fep. v. Pug: der Pußhandel, Handel
mit Pugwaaren ; der Pushandler, die Pughändlerinn; die Putzhand—
lung, der Putzladen 2c.; der Pußfopf, f. v. w. Haubenkopf; die Puß-
macherinn, eine weibl. Perfon, welche Kleiderputz, bef. Hauben, Damenhüte
u. dgl. macht; die Pußfchachtel, Schachtel zur Aufbewahrung von Pugfachen;
die Putzwaare 20.5; — von pugen: das Puseifen, Maur. ein beim Ab—
pugen gebrauchtes gebogenes Eifen; das Putzgemach, zimmer, die Pub-
ftube, 1) ein Zimmer, in welchem man fich anpugt; 2) ein gepugtes, ausge—
ſchmücktes Zimmer, Staats-, Beſuchzimmer; das Putzholz, Schuhm. ein
Holz zum Glätten der Abfäge; das Putzmeſſer, niederd. f. Bart-, Scher—
meſſer; der Putznarr, die Putznaͤrrinn, tadelnd, wer übertriebene Neigung
hat, ſich zu pugen; die Putzſchere, Lichtpuge, Lichtfchere; die Putzſucht;
pusfüchtig, Bw. ; der Pußtifch, ein Tiſch, an welchem man ſich pust (fr.
Toilette); die Pußzange, eine Zange der Seidenweber zum Abkneipen ber
Faſern; das Putzzeug, Pubgeräth, alles was zum Putzen dient; — Ableit.
von pugen: die Putze, M.-n, ein Werkzeug zum Pusen (nur in: Licht:
puse); auch f. Schnuppe; der Pußer, -$, wer etwas pußt (bef. in Zſetz.
wie Stiefel, Bartpuser 2c.); uneig. gem. ein derber Verweis; puͤtzeln, ziellof.
u. rückz. Zw., ſchweiz. f. gern pugen; fich übermäßig pugen.
pußig, Bw., f. unter Pu.
Puzen, m., -8, M. w. E., Buchdr. der Fleck, der beim Abdrud eines
Bogens durch einen unreinen Buchſtaben entfteht.
Q.
O, ber ſiebzehnte Buchftabe des ABC, ein Mitl., welcher ganz den Laut
des K (1. d.) hat, und (fchon im Goth. u. Altd.) die Stelle des K nur da vertritt,
wo ber Laut w darauf folgt, welcher jedoch dann nicht durch w, fondern dur u
ausgedrückt wird. Das q ſteht mithin nie für fich allein, fondern immer
mit nahfolgendem u, u. qu, welches nur im Anfang einer Silbe u. vor
einem Setbftl. jtehen Eann, lautet wie Ew, 5. B. Dual, Quelle, Quitte. In
einigen Wörtern wechfelt qu mit € (z.B. queman, Eommen), oder mit w
G. B. quabbein und wabbeln); in andern wechfelt q mit t (d), 3 (3: B. quer,
alt. duerah, mitteld. twerch, zwerch; Quehle u. Dwehle od. Twehle).
Quaal, f. Dual.
Duabbe 1. w., M.-n, f. Quappe; — die Quabbe 2. od. Quabbel,
.n, (holl. quab) niederd. f. die Wamme des Rindviehs; auch f. hervor⸗
ragendes Fett, fettes Fleiſch; die Quaͤbbe od. Quebbe, M.-n, meklenb.
eine moorige, ſumpfige Stelle; quabbeln, zielloſ. 3w. m. haben, niederd.
ſich zitternd od. ſchlotternd hin und her bewegen, auch wabbeln, ſchwappen,
ſchwappeln (von Fett, von gallertartigen Körpern, moorigem Land ze.) 3
‚ quabbelig, Bw., (engl. squab), leicht quabbeind, ſehr fett und weich,
ſchlotterig (ein quebbeliger Bauch zc.).
Quad, m., (d. quech, qui, f. d. u. vergl. Küchen), oberd. f. Küchlein,
428 Quackel — quaf
in dem zgeſ. Neftquad, ſ. v. w. Neftüchen (f. d.); auch f. dad letztgeborene
Kind (ver. das Quadeldhen).
Duadel, w., M. -n, niederd. f. Machtel. ‚ale
quadeln, zieltof. Zw. m. haben, (Nebenform von wadeln, ſ. d.; ſchwed.
hweka, angelf. cwacian, engl. quake, zittern), niederd. f. wadeln; bef.
uneig. f. wanfelmüthig, unbeftändig fein, leichtfinmig, unbedachtfam reden °
u. handeln (holl. quakken, quakkelen); bef. etwas v.erquadeln, f. ver
tändeln, Leichtfinnig verthun; auch f. ſchwatzen; die Duadelei, f. Wankel-
muth, Unzuverläffigkeit; Tändelei; der Duadeler, Quackler, -8, f. ein
leichtfinniger, unbeftändiger Menfch, auch f. Schwäger zquackelig od. qua-
‚Eelhaft, Bw., f. leichtfinnig, unzuverläffig ; Eindifch tändelnd.
Quackenkraut, f., landſch. f. Zaunmwinde, große Winde.
Duadfalber, m., —s, M. w. E., die Duadjalberinn, M. -en,
(engl. quack, quacksalver: ſchwed. quacksalvare; von quafen, quäken,
engl. quack, fehreien, u. Salbe, alfo: der feine Salben laut anpreift), ein
Nfufcher in der Heilkunſt, Marktſchreier; uneig. verächtl. ein ungeſchickter
u. zugleich prahlhafter Arzt; quadfalbern, untrb. ziellof. Zw. m. Haben,
ein Duadfalber fein u. als folcher die Heilfunft üben (preuß. bloß: quadelm,
engl. quack); die Duadfalberei, M. -en, das Quadfalbern; Behandlung
und Heilmittel eines Quackſalbers.
quad od. quaad, Bw. (landfch. auch quadlig, quadſchz holl. quadt; celt.
gwaeth; vergl. das engl. bad) niederd. f. böfe, übel, ſchlimm; quadartig,
Bw., f. boshaft, bösmtig, argliftig; die Duadheit, f. Bosheit; Unwillen,
Zorn, Haſs; die Quadpogge (f. Pogge), nicderh. f. Kröte. -
Duaddel, w., M.-n, (and Awiddel, hamburg. Auarl), niederd. f.
Blatter, Neffelbrand, rother Fleck auf der Haut von einem Stiche u. dgl.
Duadder, f., niederd. f. Queder, 1. d.
quaddern, zielloſ. u. ziel. Zw., niederd. f. quatfchen; manfchen, kneten;
brandenb. f. plappern, fehnattern.
Duader, m., -&, M. w. E., od. der Quaderftein, das Quaderſtuͤck,
au) die Quader, HM. -n (vom latein. quadrus, a, um, vieredig ; quadra,
ein viereckiges Stück od. Ding), ein vieredig zugehauener Bruchſtein.
quak, ein Naturiaut, welcher das Schreien des Froſches nachahmt (Sriech.
#008); daher quaken, zielloſ. Zw. (landſch. auch quackſen, quarren; engl.
quack; lat. coaxare), den Laut quak hören laſſen (dev Froſch quakt); auch
von dem ähnlichen Geſchrei der Enten; niederd. auch f. ächzen, ſtöhnen, krei—
ſchen, ſchreien; die Quakente, eine Art beſtändig ſchreiender Enten, auch
Quaker⸗, Klang-, Schallente, Schreier 2. genannt; die Quakkroͤte, eine
Art großer Kröten in Surinam; der Quakreiher, eine Art Reiher, welcher
Nachts mit rauher Stimme ſchreit, Nachtreiher, Nachtrabe; der Quaker, -8,
wer quakt, ein quakendes Thier, Froſch; auch eine herzförmige Venus—
muſchel; — quakeln, zielloſ. Zw., das verkl. quaken, einen dem Quaken
ähnlichen Laut von ſich geben; auch gem. f. kindiſch plaudern, plappern (vergt.
quackeln); der Duakler, -$, wer quafelt; — quaͤken, ziellof. zw., (vergl. _
quieken), einen dem Quaken ähnlichen, aber feineren u. helleren Laut von
ſich geben, Jäg. bef. von dem Schreien des Fuchſes; gem. mit widerlich ſchar⸗
fer Stimme fehreien, weinen, od. fingen; der Quäfer 1., -8, wer quäkt,
—
*
Quakelbeere — Qualm . 429
ein quäßendes Thierz insbef. eine Finken Art, auch der Quaͤkfink, Berg-,
Schneefink zc. genannt ; die Quäferei, gem. das Quäken.
Duakelbeere, w., weftphät. f, Wachholderbeere ; der Quakelbuſch, f..
Wachholderſtrauch. |
quafeln, quafen, quäfen, Quaͤker 1. f. unter qua.
Quaͤker 2. 00. Duafer, -8, M. w. E., die Quaͤkerinn, M. -en,
(engl. quaker, v. quake, zittern, alfo eig. Zifterer, daher engl. aud) trem-
blers genannt), Anhänger der von Johann For 1650 in England geftifteten
Religionsgefellfchaft, weiche fich göttticher Eingebungen rühmen, wobei fie in ein
heftiges Zittern gerathen ; daher: die Duäfergemeinte, Duäfergefellichaft ;
der Quaͤkerglauben; quäferifch, Bw., dem Lehrbegriff und den Sitten
der Duäfer gemäß.
Dual, w., M. -en, (altd. quala, v. dem alt). ablaut. Zw. quelan,
Schmerz leiden; Praes. quilu, mittelh, kil, Impf. qual, kal, Part. quolan,
quoln; isländ. quöl, ſchwed. qwalz; vergl. das angelf. cvealm, cvilm, Tod,
evellan, engl. kill, tödtenz; u. das altd. u. fehwed. wal, Tod, Mord; f. auch
Qualm), heftiger, anhaltender Schmerz des Leibes oder der Seele, u. daß
was Schmerz od. anhaltende Befchwerde verurſacht, ſinnv. Pein, Plage,
Marter (Qual empfinden, leiden; einem alle Qualen anthun; es ift mir eine
Dual ꝛc.); qualvoll od. qualenvoll, Bw., voll Qual, viel Qual verurfahend
od. empfindend, mit vieler Qual verbunden (ein qualvolles Leben); — quälen,
ziel. Zw. (altd. queljan, quelan, quelen, bloß umend.; fchwed. qwalja),
einen-, ihm Qual anthun, verurfachen, ſinnv. peinigen, martern
(Shiere— ; von Furcht, Angft ꝛc. gequält werden) ; in weiterer Bed. große
Befchwerde, Laſt, Anfttengung verurfachen (einen od. fich mit einer Arbeit,
mit Vorwürfen, Sorgen, Gedanken zc.—); gem. bef. f. mit Bitten beläftigen,
anhaltend und dringend bitten (die Kinder quälten mich, es ihnen zu erlau—
benag.); der Duälgeift, Quälteufel, ſ. v. w. Plagegeift, f. d.5 der Quäs
ler, -8, die Quälerinn, M. -en, wer Andere quält (z. B. Thierquäler) z
=
die Duälerei, das öftere od. anhaltende Quälen ; etwasQuälendes (M. Quä—
Yereien), bef. eine befchwertiche, mühfame Arbeit, große Anftrengung u. dal.
Dual, m., -e8, 0. M. (v. quellen ſ. d.), vlt. f. das Quellen, die Kraft
u. der Trieb des Hervorquellens; ein hervorquellendes Maffer.
Dualle, w., M.-n, (Holl. Schleim, Rotz; vergl. Qualſter), gallertar:
tige Seethiere, einem Klumpen zähen Schleimes ähnelnd (Medusa L.)z; das
Duallenboot, eine ungenabelte Schnirkelſchnecke, welche die Behaufung ver—
fchiedener Quallen zu fein fcheint.
Dualm, m., -e8, o. M. (ſchwed. qwalm; altd. u. holl. walm, angelf.
velm, vylm; von wallen, alfo. eig. etwas Wallendes; vergl. Quelle u. Welle)
1) dicker, betäubender Dampf oder Rauch; auch große erſtickende Hitze;
landſch. f. Betäubung, Ohnmacht, Bewufftlofigkeit, Winterfchlaf der
Thiere; ferner f. Ekel, Übelkeit (engl. qualm; altd. u. landſch. auch dualm,
Zwalm; daher dwelmen, niederd. f. benebelt, betäubt fein); niederd. auch f.
Untuft, Mifstrauen, Verwirrung; 2) altd. f. Verderben, Untergang (vergl.
Dual, weldhes mit Qualm von gleichem Stamme zu fein fcheint, fo dafs der
Grundbegriff von Qual wallende Gluth, erſtickende Hitze if); das Qualm⸗
bad, gew. Dampfbad; qualmen, ziellof. Zw. m. haben, Qualm erzeugen,
430 Dualfter — Quarf
verurfachen, ſinnv. dampfen (ſchlechtes DI qualmt ; beim Tabackrauchen qual-
men); qualmig, Bw., Qualm erzeugend, voll Qualm.
Dualfter, 1. m., - 8, 0. M. (angelf. geolster, gillestre; vergl. Qualle u.
Galle 3. u. 4.), gem. dider, zäher Schleim im Halfe oder auf der Bruft; der
Dualfterbaum, landfch. f. Vogelbeerbaum ; Mehlbaum (vielleicht wegen der
ſchleimigen Beſchaffenheit der Beeren); qualfterig, Bw., Qualfter enthaltend,
ſchleimig; qualſtern, zielloſ. Zw., gem. f. zähen Schleim auswerfen.
Qualſter, 2. m.,-s, M. w. E., niederd. die ſtinkende grüne Baumwanze.
Quandel, m., -8, M. w. E., od. der Quandelpfahl, die Quandel—
ruthe, -ſtange, bei den Kohlenbrennern: die Mitte des Meilers u. die ſenk—
rechte Stange in derfelben; die Quandelkohle, die Kleinen Kohlen, welche
mitten ım Meiler liegen; der Duendelfteden, der Knüppel, welcher zwifchen
die Kiöge am Quandelpfahle gelegt wird. *
Quandelbeere od. Quendelbeere, w., die Frucht des Quandelbeer—
baumes od. Quandelbaumes, eine Art Mispeln, die in der Schweiz auf
felſigem Boden wachſen, auch Fluhbirn, (ſ. d.) genannt.
Quant, m., -e8, M. -e. 1) (holl. quant, ein Spielgeſell, Handels—
freund), niederd. f. ein liſtiger, od. poſſierlicher Menſch, Schalk; 2) f. der
Schein, u. was man nur zum Schein thut (hannöv. vor Quant, dai.
zum Schein); daher quantsweiſe, Nw. (holl. quantsuis, fehwed. quanswisz
verg!. gewandsweife) niederd. f. zum Schein, verftellter Weife (etwas bloß quants—
weife thun 2c.); quanten, holftein. Zw. f. unerlaubten, betrügerifchen Hans
del treiben (vergl. holl. quanıselen, Waaren umfegen; fehweiz. verquanten
f. verhehlen, verbergen, heimlich verkaufen); quänteln od. quäntern, niederd.
3, f. etwas zum Schein thun, nicht im Ernſt handeln; wenig ausrichten;
verquänteln,: f. verfchleudern (engl. squander); der Quaͤntler, -$,
niederd. wer quäntelt; wer Waaren od. Geld verfchleudert.
Duänzel, m., -8, M. w. E. (auh Quenſel;z wahrſch. von wenden,
gleich]. Gewändfel), Bergw. der bewegliche eiferne Bügel an dem Kübel, woran
das Bergfeil befeftigt wird, das Gelenke,
Duapp, m., -08, M. -e (vergl. Quabbe, quabbein), niederd. f. Beutel,
Schlauch, hangender Bauch; fchlauchähnliche Falte; daher quappig, Bw.,
f. einen Schlaudy bildend, baudig, runzelig; — die Duappe, M. -n,
14) (doll. u. engl. quab) nicderd. ein in füßem Waſſer lebender dickbäuchiger
Fiſch, Aalraupe, Ruppe; 2) landic. f. die junge dickköpfige u. geſchwänzte
Froſchbrut, Kaul- oder Kielfrofh, Froſchwurm, Didkopf ꝛc.; f. auch
Kaulquappe.
quargeln od. quergeln, zielloſ. Zw. (vergl. d. altd. querca, ſchwed. qvarka,
Gurgel), bair. f. fehreien; daher das Gequargelf. Gefchrei.
Quark, m., -e8, o. M. (verw. mit wirken f. Eneten ?), 1) der dicke Fäfige
Theil der geronnenen Milch, nachdem die Molken davon gefchieden find, Käſe—
quark, Schmier: od. Streichkäfe, auch Käfebutter genannt; 2) weicher Koth
(mittelhochd. twark) u. in weiterer Bed. jede Unreinigkeit; uneig. verächtl. fe
eine werthlofe, geringfügige Sache (in jedem Quarke rühren; den alten Quark _
aufrügren); — 3fes. das Quarkbrod, eine mit Quark (1) beftrichene Brod⸗
fehnitte; dag Quarkfaſs, ein Faſs, worin der zu Käſe beftimmte Quark ge
Schüttet wird; die Quarkhaͤnge, ein hangendes Gerüft zum Trodnen des
Quarkes u. der daraus geformten Käſe; der Quarkkaͤſe, (von Andern unr.
quarken — Quarz 431
Duargkäfe gefchr. und durch „Zwergkäſe“ erklärt), aus Quark ohne Rahm
bereiteter Räfe, auch Kuh-, Bauernkäfe genannt; der Quarkkloß, aus Quark,
Mehl, Eiern u. Butter bereitete Ktöße; die Duarfnudel, aus Quark, Mehl
u. Eiern bereitete Nudeln; der Quarffad, ein Sad, in welhen der Quark '
gefchüttet wird, damit die Molken davon ablaufen; — Ableit. quarkig, Bw.,
Quark enthaltend, dem Quark ähnlidy kothig.
quarfen, ziellof. Zw. (vergl. quargeln), landſch. f. quafen, quarren.
quarren, ziellof. Zw., (ein Schallw. landfch. auch verft. quär zen; vergl.
kirren, kurren, Enurren 2c.), einen Enarrenden, murrenden Laut hören laffen,
bef. von dem Murren oder halblauten Weinen eigenfinniger oder unzufriedener
Kinder ; niederd. auch von dem Laute der Blähungen in den Gedärmen, u. von dem
Duafen, bef. aber dem leiferen röchelnden Gefchrei der Fröſche; landſch. auch
von dem Laute der Schnepfen,; die Quarre, M. -n, gem. f. ein quarrendes
Kind, eine mürrifche Perfon (fprichw. die Pfarre mit der Quarre befommen,
d. i. eine Pfarre od. uneig. Überh. ein Amt zugleich mit einer Frau befommen,
bef. unter der Bedingung, eine gewifje Perfon zu heivathen) ; der Duarrer, -$,
die Quarrerinn, M.-en, mer quarrt, murtt.
Duart, f., 8, „ M. -e (doch nach einem Zahlw. unverändert, z. B. vier
Quart; — v. d. lat. quartus, a, um, der, die, das vierte; quarta pars,
der vierte Theil), überh. der vierte Theil eines Ganzen, ein Viertel, Viertel:
maß; insbef. ein Flüffigkeitsmaß — 4 Stübchen, auch eine kleine Kanne, ein
Mag oder Quartier genannt (1 Berliner Quart enthält 64 Cubikzoll oder
—Kubikfuß); daher die Quartflaſche, eine Flaſche, weiche ein Quart
hält; in Niederd. auch ein Getreidemaß — 4 Laft; auch der vierte Theil eines
Papierbogens, ein Viertelbogen (ein Buch in Quart, fr. in quarto, d. i. in
Viertelbogengröße) ; daher das Duartblatt, ein Viertelbogen = Blatt.
Duartier, fi, -28, M. -e (aus dem franz. quartier, aber mit deutfcher
Ausipr. ; mittl. lat. quarterium) 1) überh. der vierte Theil eines Ganzen,
insbef. ein beftimmtes Maß für trockne und flüffige Dinge, f. v. w. Quart
(f. d.); in Schlefien 2 Quart (Quartierdhen); im Hannöver. auch f. eine
Viertel Elle; Schiff. Mn vierte Theil von 24 Stunden ald Dauer der Wache big
zur A6löfüng ; Gärtn, die Abtheilungen der Luftftüce; bef. der vierte Theil od.
überh. eine Abtheilung, ein Bezirk einer Stadt, Stadtviertel, Stadtbezirk;
daher 2) f. Aufenthalts= od. Wohnort, (wenn nicht in diefer Bed. das franz.
quartier vielmehr von dem beutfhen warten, altfranz. guarder ze, herz
ftammt ?), zunächft von Soldaten: das Einlager (bei einem in Quartier ftehen,
liegen, die Winterquarticre beziehen; vergl. Hauptquartier), dann überh. f.
Herberge, Nachtlager, Wohnung (einem Reiſenden Quartier beftellen; ein
gutes Quartier haben) ; uneig. Krfpr. f. Schonung des Lebens (einem Quartige
geben, um Quartier bitten, gew. fr. Pardon); 3) (wahrfch. von anderem Stamme;
vergl. Köder 2. u. Queder) Schuhm. der hintere Theil eines Schuhes, das Sets
fenleder; ; bei Nätherinnen: breite vieredige Querfäume, 3. B. am Halfe u. den
Ärmeln der Hemden; — der Quartiermeifter, bei Kriegesheeren: der Einlager=
beforger, Raftmeifter; auf Schiffen: der Auffeher der Schiffswachen, Schirm:
mann; quartieren, ziel. Zw., einen einlegen, einlagern, ihm Wohnung
geben, gew. nur in den zgef. ein= u. ausquartieren.
. Quarz, m., -08, M. (von verfchiedenen Arten) -e, (wahrſch. von Warze,
gleich]. Gemwarz, wegen der Kryftall= Erhöhungen auf der Oberfläche), eine
432 Quas — quatich
harte, halbdurchfichtige Steinart, aus Kiefelerde beftehend, gew. mit Kryftallen
auf der Oberfläche; daher: die Quarzdruſe, f. Drufe; der Quarzflufs,
ein farbiger Quarz; der Duarzfand, mit Quarztheilen gemifchter Sand;
quarzig, Bw., Quarz enthaltend, daraus beftehend;. quarzicht, Bw.,
quarzähnlich.
Duas, m., -08, 0.M. (au) Quaſt; flawon. kwass), alt u. niederd. f.
Gaſtmahl, Schmaus, Schwelgerei, Fraß; quafen 1. ziellof. Zw. (auch
quaßen, quöfen), nieberd. f. unmäßig effen, freffen, ſchmauſen, fchlemmen ;
auch unreinlich effen (daher: verquafen f. aufzehren, verfchlemmen); der
Duaswurm, niederd. ein frefiendes Geſchwür im Schwanze des Rindviehs, dev
Schwanzwurm.
Duafe, w., M. -n, 1. niederd. f. ein dünnes Reis von einem Baumez; — -
2.7.0. w. Quefe. ’
quafen 2., auch quasken, quaffeln (mit fanft’gefprochenem ſſ), zielloſ. u
ziel. 3w. (vergl. Fofen), niederd. f. plaudern, fihwagen, albern od. läppiſch
vedenz daher: der Duafer, Quaſſeler, -S, f. Schwäßer; die Quaferei
od. Duaffelei, das Gefhwäs. -
Quaſt, m., -e8, M. -e, oder die Quaſte, M. -n, Verkl. das Quaͤſt—
chen, (niederd. Queft, ſchwed. qwası, dän. kvest; das holl. quast, fchwed.
qwist bedeuten Aft, Zweig, weiches die Urbebeutung des Wortes zu fein ſcheint;
vergl. Knaft), ein herabhangender Büfchel von Fäden od. Franfen zur Vers
zierung von Kleidungsſtücken, Vorhängen, Trompeten ze. ſinnv. Troddel, (f. auch
Bett, Puderquaft) ; niederd. auch f. ein dider Pinſel; u. f. ein Eleiner Befen
von Heidekraut (Geidequaſt); auch die Neisbündel der Fiſcher; quaften od.
quäfteln, ziel. Zw., niederd. mit einem Quaſt reinigen ; auch f. pinfeln.
Duadwurm, m., f. unter Quas.
Duatember, m, -8, M. w. E, (aus dem mittl, lat. quatempora, und
diefes aus dem lat. quatuor tempora, d. i. die vier Zeiten, verderbt; alt auch
Kottember, niederd. Quatertamper u. bloß Tamper), das Jahresviertel, Vier:
teljahr (bef. in Beziehung auf zu entrichtende Abgaben); der erſte Tag eines
neuen Vierteljahrs (Auatembertag); eine vierteljährlich zu bezahlende
„Abgabe Auatembergeld); landſch. auch die vierteljährlich eintommende
Steuerfumme ; in der Eathol. Kicche vier ſtrenge Faſttage am erften Freitage
jedes Vierteljahrs; die Duatemberfleuer, landſch. eine vierteljährlich zu ent»
richtende Gewerbefteuer. ;
quatfch 1., ein Naturlaut, welcher den Schall einer fallenden, gejchla=
genen, od. gedrückten weichen und zähen Maffe nachahmt; daher der Quatſch,
-08, M. -e, gem. ein folcher Schall, od. ein damit verbundener Fall oder
Schlag; insbeſ. f. Ohrfeige (au: eine Auatfche); ſchwäb. f. weicher Koth;
quatichen, ziellof. Zw. (niederd. quatsken, quasfen ; ital. squasciare, engl.
squashz vergl. quetfchen), gem. 1) m. haben, den Schall quatſch hören laf
fen (die Schuhe quatfchen beim Gehen, wenn Waffer darin iſt; einen fchlagen,
dafs es quatfcht); 2) m. fein, mit dem Schall quatfch fallen, od. treten
(in den Koth, od. im Rothe —); quatſchig, Bw., gem. f. quatfchend, Fothig;
quatfcheln, ziellof. Zw. m. haben, gem., das verkl. quatfchen, bef. von dem
Schall, der durch Schütteln einer Flüffigkeit in einem Gefäße entfteht ; auch
ſ. v. w. quabbeln, |. d.; u. oberd. f. watfcheln, wackeln (in diefer Bed. auch
quatteln); quatichelig, Bw:, quatfchelnd; ſ. v. w. quabbelig.
quatfch — queilen 433
quatſch 2. Bw. u. Nw. (entweder Schallw., vergl. ſchwatzen u. quafen 2.5
oder aus quadiſch, quadſch entft. v. quad, f. d.), landſch. gem. f. albern, ab:
gefchinadt, Läppifch, verworren (quatfch ſprechen, quatfches Zeug 2c.).
Duatte, w., M.-n, landſch. f. die Larve des Maikäfers, der Engerling.
Duebbe, w., f. Quäbbe.
queck, Bw. (altd. gueh, quech ; vergl. keck), vit. f. lebendig, lebhaft, f.
quick; daher: queden, nieberd. Zw. (hol. quicken, leben, fi bewegen ;
engl. quicken, beleben; vergl. erquicen) 1) ziellos f. ſich vermehren, fort-
pflanzen, ſtark wuchern; 2) ziel. f. ernähren, aufziehen; die Quede, M.
-n (niederd. der Aucek, Quitſch; angelf. cvice, engl. couch - od. quick-
grass, ſchwed. qweka), überh. Graswurzeln, wuchernde Graspflanzen; bef.
eine fehr fchnell wuchernde weizenähnliche Grasart, auch das Duedengras,
der Queckweizen, Hundeweizen, Weizengras 2c. genannt (triticum re-
pens L.); daher: die Duedenegge, ein eggenähnliches Werkzeug zur Vers
tilgung der Queden ; der Queckenhaken, ein Hakenpflug zu demfelden Zwecke;
der Queckenſaft, der blutreinigende Saft: der Queckenwurzeln, als Heiltrank
Duedentran? genannt; quedig, Bw., Quecken enthaltend, voll Que
den; — die Queckbeere, (auch Quitſchbeere, Quitſche), landſch. f. Wogel-
beere, Eberefchenbeere (wahrfch. wegen der großen Menge der Beeren); der
Queckholder, Landfch. f. Wacholder (f. d.)5 die Quecktrespe, eine Art der
Trespe mit quecenähnliher Wurzel; — das Duedfilber, ( gleichſ. lebendiges,
bewegliches Silber; niederd. Quidfülwer, engl. quicksilver; lat. argentum
vivum), ein von Natur flüffiges, filberweißes Halbmetall, weiches nächft dem
Golde die größte Schwere hat; uneig. als Bild dev Lebhaftigkeit, Unftätigkeit,
Unruhe (3. B. er ift wie Queckſilber; er hat viel Queckſilber, d. i. unruhige
Beweglichkeit); Zſetz. das Queckſilbererz, quecdfilberhaltiges Erz, Bergw.
Quickerz; der Queckſilberkalk, verkulttes Quedfilber (fchwarzer, od. vother
Quedjilberkalt) ; dee Queckſilbermohr, ſ. Mohr 3); das Queckſilberoͤl,
Scheidek. zu einem OL zerfloffenes ſchwefelſaures Quedfilder; das Queckſilber—
pflafter, die Queckſilberſalbe, Pflaſter od. Salbe, mit Queckſilber bereitet;
Ableit. quedfilbern, Bw., eig. aus Quedfilber beftehend od. gemacht;
gew. uneig. f. fehr lebhaft, unſtät, flüchtig.
Dueder, f., -$, M. w. E. (gem. auch Quadder, Quarder; von quer,
od. verderbt aus Quartier? f. d.), ‚niederd. f. ein Querfaum, eine Einfaffung
gewiſſer Kleidungsftüde mit einem Saume od. Bande (Hoſen-, Hemdqueder),
oberd. Preis, Preischen (ſ. Preis 3.).
Düehle 1. w., M.-n (oberd. Auehel, niederd. Dwehle; landſch. auch,
Zwehle; altd. duahal, duahila; vom goth. ıhyahan, altd. duahan, twagen,
zwagen f. wafchen), landfch. ein langes, ſchmales Leinentuch zum Abtrock⸗
nen, ein Handtuch (Hand-, Küchenquehle ze.) ; oberd. f. Tiſchtuch.
Duehle 2. w., M. -n (Nebenform von Kehle, 1. d.), Bergw. eine
Rinne zur Ableitung des Waffers in den Stroffen.
queicheln, ziellof. u. ziel. Zw., ſchleſ. u. preuß. f. weichlich fein; weich⸗
lich machen od. halten, verzärteln ; queichlich, Bw. f. weichlich, ſchwächlich.
Dueif, m., od. die Queife, M. -n, niederd. f. Vorwand, Entſchul⸗
digung, Ran.
queilen, zieliof. Zw., thüring. f. Elagen, weinen, von Kindern; auch
von Hunden: widerlich heulen. n 4
Heyſe's Handwörterb. d. beutfchen Spr. Zr. Theil. 28
434 quellen — Quendel
quellen, Zw. (verw. mit Wall, wallen, Welle) 1. ziellos m. fein (altb.
quellan, quellen; Präſ. quille, Impf. qual, Nw. gequollen), ablaut.
quillſt, quillt; Imper. quill; Impf. quoll (oberd. auch quall, nieberd. quull),
Gonf. quölle; Mw. gequollen (niederd. gequullen), überh. aufwallen, ſich
aufwölben, von innen her ausdehnen; insbef. 1) durch Feuchtigkeit ausge:
dehnt werden, finnv. ſchwellen (die Erbſen ꝛc. quellen im Waſſer; die Fenſter—
rahmen find durch die Näffe gequollen); in weiterer Anwendung durd; eine innere
Kraft fi) ausdehnen und hervordrängen (die Augen quellen ihm aus dem
Kopfe; das Haar, der Bufen quillt hervor) ; 2) gew. von Flüffigkeiten: her⸗
vordringen, zum Vorſchein kommen Thranm, Blut ꝛc.); in engſter Bed.
von dem Waſſer, welches aus der Erde hervordringt, ſinnv. entfpringen
(dad Waffer quillt aus der Erde, aus dem Berge ꝛc.; bei einem die Zeitdauer
angebenden Zufas m. haben, 3. B. es hat den ganzen Zag gequollen) ; uneig.
f. feinen Urfprung, feinen Grund in einem Gegenftande haben, entftehen,
hervorgehen, vergl. fließen (aus Gott quillt Licht und Leben) ; — 2. ziel. und
dann r. bloß umend. (du quellſt zc.; ich quellte, gequellt), machen,
dafs etwas quillt, d. i. fich durch Feuchtigkeit ausdehnt (Erbfen, Samentör:
ner 2c. in Waffer—); Landfch. das Maffer —, d. i. e8 durch Hemmung des
Abfluſſes anwachfen Laffen, auffchwellen, ftauen (auch qualten); — bie
Duelle, M. -n, od. mehr dicht. der Duell, -es, M.-e, Verkl. das
Quellchen, (niederd. auch Welle, angelf. vell, vill, engl. well, dän. quäl,
ſchwed. källa), ein aus der Erde anhaltend hervorquellendes Waffer, und
der Drt, wo es entfpringt, landſch. auch Spring, Born (z. B. die Quelle eines
Baches oder Flufies; eime Heilquelle ze. ; dicht. der Quell oder die Quelle der
Thränen, d. i. das Auge) ; in weiterer Anwendung auch f. den aus der Quelle
entftehenden Bach, u. fe Quellwaſſer; uneig. Alles, was den Dafeins:
od. Erkenntnifsgrund eines anderen Dinges enthält (4. B. Gott ift der Quell
0d. die Quelle alles Lebens 2c. ; der Ackerbau die ficherfte Quelle des Wohlftan:
des; die Quellen der Gefchichte, d. i. glaubwürdige Berichte, Urkunden zc., aus
denen die Gefchichte gefchöpft wird; eine Nachricht aus guter Quelle haben; an
der Quelle fein, figen 20.); — 3feg. v. Quelle: die Quellbinfe, eine
Art an Quellen wachfender Binfen, auch Duellfemfe; der Duellbrunnen,
ein Brunnen, defien Waffer aus einer Quelle Eommt; das Quellgras, bie
Wafferfchmiele, der Duellgrund, eine naffe, fumpfige Niederung, die verbor⸗
gene Quellen hat; das Duellmoos, im Waffer wachfendes Moos, Fluſsmoos;
das Duellfalz, aus Salzquellen gefottenes Salz; der Quellfand, mit Waſſer
getränfter feiner Sand in einer quelligen Gegend; das Quellwaſſer, Waſſer
einer Quelle, z. U. dv. Brunnen-, Fluſswaſſer 20.5; — queflenmäßig, Bw.,
den Quellen, d. i. Geſchichtsquellen, Urkunden ꝛc. gemäß ; quellenreich, Bw.,
viel Quellen enthaltend; das Quellenftüd, Gärtn. ein Luſtſtück, in welchem
Waffer quellen; — Ableit. quellig, Bw., Quellen enthaltend; — 3feg.
von quellen 2.: der Quellſtock od. Duellbottich , in den Malzhäufern ein
großer Trog od, Bottich, in welchem die Gerfte gequellt wird.
Duendel 1. m., f. v. w. Quandel, ſ. d.
Duendel 2. m., -8, 0.M. (landfch. auch Quindel, Quenel, Gundel,
Gundling, Kundelkraut 2c.; altd. und mittl. lat. quenula; vom fat. cunila,
griech. zov/An), eine Pflanze, deren Blätter und Blüthen einen gewürzhafs
ten Geruch haben, von verfchiedenen Arten: wilder Quendel, auch Kelds
1}
Quendelbeere — quer 485
Thymian, Feldkümmel, Saturei 2.5 Zitromenquendel, mit zitronenähne
lichem Geruch; gemeiner, auh römifcher od. wälfcher Quendel im
ſüdl. Europa, auch Thymian; der Quendelöl, aus dem Quendel gezogenes
flüchtiges Öl; die Quendelwolle, auf dem Quendel wachfende Flachsfeide.
Duendelbeere, f. QDuandelbeere.
Duene od. Quiene, w., M. -n (ehem. überh. Weib, altd. chena; vergl.
dad dän. quin, quinde; engl. queen, queanz griech. zur; von gleichem
Stamme mit Kind, |. d.), niederd. f. eine junge Kuh, die noch nicht ge-
kalbt hat, Färſe; auch f. Hausmutter, und als Scheitwort f. altes Weib,
Here. ä
quengeln, ziellof. Zw. (wahrfch. von quienen, queenen), gem. bef. niederd.
f. weinerlih u. weichlich Elagen, ſich Über Kleinigkeiten befchweren, Um:
ftände oder Schwierigkeiten machen; auch ſich kindiſch, albern betragen,
tändeln; ſich weibifch verzärtelt zeigen, der Duengler, -8, die Queng-
lerinn, wer quengelt; die Duengelei, M. - en,. das Quengeln, weiner:
liches Klagen, Umftändlichkeit, albernes Betragen.
Duent, f., -e8, M. -e, gem. verkl. das Quentchen, (Landfch. auch
Quint, oberd. Quintlein, Quintelz niederd. Quentin; mittl. lat. quintellum ;
v. d. lat. quintus, a, um, der, die, das fünfte: alfo urfpr. wohl; der fünfte
Theil eines Gewichtes) ein Gewicht, welches zZ Loth beträgt und in Niederd,
in 4 Ort oder Pfennige, in andern Gegenden in 4 Denare od. 8 Heller getheilt
wird; in der Mehrh. nach einem Zahlw. unverändert (3. B. zwei Quent oder
zwei Quentdjen).
quer, Nw. u. Bw. (Nebenform von zwerch, vergl. d. althochd. duerah,
mittel). twerh und quert; oberd. auch querich, gew. zwerch; niebderd. auch
dweer, dwars ; engl. queer und thwart), der Breite nach, in die Breite,
d. i. in einer Richtung, welche eine als Länge angenommene Linie rechtwinklig
durchſchneidet (3. B. einer queren Hand, eines queren Fingers breit; gem. als
Nw. quer Über den Weg, Über das Feld ꝛc. laufen, auch: quer feldein,
od. zgeſ. querfeldein (nicht aber querfeld ein; vergl. feldein) laufen;
ein Dolz quer Über das ander> legen; gem. auch über quer od, überzwerch) ;
uneig. vlt. u. landſch. f. verkehrt, widerfinnig (gem. verquer); die Quere,
0. M., die Richtung nach der Breite, od. überh. die eine andere Ereuzende
Richtung (in die Länge und in die Quere, etwas in die Quere legen; ing Kreuz
und in die Quere, d. i. nach verfchiedenen, einander durchkreuzenden Richtungen ;
uneig. einem in die Quere kommen, d. i. ihm in den Weg Eommen, hinderlich
ſein; eö geht mir Alles der Quere, d. i. verkehrt, wider meine Abficht) ; que=
ren, ziel. Zw. (vergl. quieren), alt u. landſch. f. wenden, insbef. in die Quere
richten; ſich —, fich in die Quere erſtrecken, ſich kreuzen, widerſprechen; —
3feg. von quer: die Queraxt, Zimmerl; eine Art in Geftalt eines T mit zwei
Schneiden, deren eine mit dem Stiele gleichlaufend ift, die andere aber in die
Quere geht, oberd. Swerchart? der Querbalfen, ein in die Quere Iaufender
Balken, (4. B. an einem Kreuze ze.) ; die Querbank, eine im Verhättnifs zu
andern quer ſtehende Bank; chem. im fürftlichen Rathszimmer zu Regensburg
die Bank für die proteftantifchen Bifhöfe; der Querbügel, der in die Quere
gehende Bügel an einem Degengefäße; querfeldein, Nw., f. o. umter quer;
die Querflöte, Querpfeife, eine in die Quere an den Mund geſetzte Flöte
oder Pfeife; daher der Querpfeifer, wer die Querpfeife bläft; der Quer—
25 *
436 Querder — querlen
flügel, Säg. ein quer durch den Wald gekauener Flügel od. Etekweg; der
Duergang, ein in die Quere gerichteter Gang oder Weg; die Quergaſſe,
Duerfiraße, cine Gaſſe od. Straße, welche eine andere rechtwinklig durch—
fchneidet; das Duergeflein, Bergw. das Geftein, weiches quer zwifchen den
Gängen ftcht; der Quergiebel, Seitengiebel eines Haufes ; das Querhaus,
ein Haus mit Quergiebeln, deilen längere Seite an der Straße liegt; auch ein
Haus, das quer zwifchen andern ſteht; das Querholz, ein in die Quere ges
hendes Holz; die Querkluft, Bergw. eine Klufc, welche quer über deu Gang
freicht, Kreuzkluft; der Querkopf, uneig. ein verfchrt und widerfinnig den⸗
Eender u. handelnder Menſch; daher querföpfig, Bw., widerſinnig od. eigen-
finnig dentend u. handelnd; die Querföpfigkeitz die Querleifte, eine quer
an od. über etwas befeftigte Leifte; die Querlinie, eine in die Quere Taufende
Liniez die Quernacht (gem. Dwernacht), niederd. f. eine Nacht, ſofern fie zwiz
ſchen zwei Tagen liegt und beide gleichſam mit einander verbindet, daher ein Zeitz
raum, der wenigftens eine Nacht in fich fchließt (über die Quernacht, d. i.
binnen 48 Stunden); die Duernath, eine in die Quere laufende Nath; die
Duerpfeife, ſ. Querflöte; der Querſack, ein in der Mitte aufgefchligter
Sad, der quer Über der Schulter getragen, od. über den Rüden eines Laftthiers
gehängt wird, fo dafs er nach beiden Seiten herabhängt, oberd. Zwerchſack;
der Duerfattel, ein mit einer Rückenlehne verfehener Sattel, auf weichem man
in der Quere figend reitet, Weiberfattel; der Querſaum, ein in die Quere
0d. Breite gehender Saum, vergl. Dueder; der Querſchlag, Bergw. ein
Schlag, d. i. eine Öffnung, welche durch dad Quergeftein zwiſchen zwei Gruben
getrieben wird; die Querfiraße, |. Quergaſſe; der Querſtrich, ein in die
Duere gehender, eine andere Richtung Ereugender Strich (uneig. einem einen
Querſtrich machen, d. i. ihm etwas vereiteln); auch das Schriftzeichen —,
der Gedankenſtrich (f. d.); die Duerwand, eine in die Quere zwoifchen anderen
Wänden laufende Wand; der Duerweg, ein in die Quere laufender Weg ;
der Querwind (niederd. Dwerwind), ein von der Geite kommender Wind;
auch ein Wirbelwind; der Querzwickel, ein Zwidel, deſſen Mafchen quer über
die andern Mafchen des Strumpfes gehen.
Duerder, m., -$, M. mw. E., landſch. 1) f. eine Art Eleiner Neunaugen
oder Briden, Kieferwurm ; 2) f. Köder, Lockſpeiſe für Fifche.
Duere, queren, Querflöte zc. — Querlinie, f. unter quer.
querlen od. quirlen, Zw. (oberd. zwirlen, zwirbeln ; engl. twirl; von
queren f. wenden, umdrehen) 1) ziellos f. fich fehnell im Kreiſe drehen oder
überh. umherbewegen (3. B. landfch. gem. im Haufe herum querlen); 2) ziel.
etivas in eine drehende, wirbelnde Bewegung feßen, bef. mittelft eines
Querls vermifchen (Eier—; Mehl in die Suppe —), der Querl od. Quirl,
-08, M. -e, Berkt. das Querlchen, (ehem. aud) Querrei, landſch. Quer⸗
del, Quirdel, Quirgel; oberd. Zwirbel), ein Küchenwerfzeug zum Querlen
. von Flüffigkeiten, beftehend in einem Stab, deſſen eines Ende ein Kranz kurz
abgefchnittener Zacken umgiebt, durch Drehen des Stiels zwifcken den flachen
Händen in Bewegung gefegt, gew. ein -abgefchälter und geftugter junger Fichten—
oder Kiefernfchofs; deher Forſtw. überh. ein Schofs folcher Bäume; Pflanz.
der Eranzförmige Stand mehrer Blüthen rund um den Stengel; auch ein einem
Rechen ähnliches Werkzeug der Papiermacher; querlfürmig, Bw., Pflanz.
die Geftalt eines Querls habend.
Quern — quid 437
Duern od. Querne, w., M.-en (goth. qvairmus, altd. quirn; angelf.
cweorn, cwearn, engl. quern, ſchwed. quarn, dän. quaernz von queren,
wirren, d. i. drehen; vergl. querlen), alt u. niederd. f. Mühle, bef. Hand:
mühle; der Querner, -8, f. Müller,
Quernacht ꝛc. — Querzwidel, f. unter quer.
Duefe, w., M. -n, (landfch. auch Quaſe; ver. mit quetfchen), nieberd.
ein durch Drüden oder Duetfchen entftandenes Blut od. Wafferbläschen
in der Haut.
queften, Zw., f. quäften unter Quaft.
Dueftenfraut, f., landfc. f. die Ackerhauhechel (anonis arvensis L.).
queftern, ziellof. Zw., oberd. f. hin und her gehen, unruhig umherlaufen
(vergl. querlen).
Quetſche, w., M.-n, 1. landſch. f. Zwetfche; 2. Tandich. f. ein Bün⸗
del diinner Bäume, Bretter ıc. (wahrfch. von quetfchen f. zufammenprefien) ;
3. f. quetfchen,
quetfchen, ziel. Zw. (altd. quezzon; niederd. quetfen, auch quetten, qued⸗
den, quettern f. drücen, ausdrücken; holl. quetsen; angelf. cwysan, engl.
squeeze. squash, fehwed. qwesa; vergl. quatfchen u. d. lat. quatere, quas-
sare), einen weicheren Körper plößlic) zufammendrücen, bef. wenn es mit einem
quetfchenden Schalle verbunden ift; überh. breit od. platt drüden, zerdrücken,
durch Drüden verlegen (Hanf-, d. i. zwifchen Walzen zerdrücken; das Metall,
mit dem Hammer ausdehnen; fich (mir) den Finger quetfchen); auch quetfchend
ausprefjen (den Saft aus den Trauben, aus einer Zitrone —); Bergw. f. zer⸗
fchlagen, in Stüde ſchlagen (dle Gänge —, d. i. das Erz aus den Gängen); —
3feg. die Duetfchbirn, eine Art großer, weicher Birnen, welche zerfpringen,
wenn fie vom Baume fallen; das Duetfcheifen, die Zange od. das Brenneifen
der Perrückenmacher; der Duetfchhammer, ein Hammer zum Ausdehnen des
Metall in Münzen ꝛc.; das Quetfchwerf, Bergw. geringes, weitläufig liegen-
des Erz, z. U. v. Scheidewerk ; die Duetfchwunde, eine durch Quetfchen entftan=
dene Wunde; — Ableit. Pie Quetfche, 1) 0. M. gem. f. Kiemme, Be:
drängnifs, WVerlegenheit (in der Quetfche fein); 2) M. -n, ein Werkzeug zum
Quetſchen; der Duetfcher, —s, wer quetfcht; auch ein quetfcyendes Ding
(f. Nafenqueticher) ; die Duetfchung, das Quetſchen; die gequetfchte Stelle,
Quetſchwunde (M. Quetfehungen).
qui, Bw. (alt u. landſch. auch qued, f. d.5 altd. queh, quech, angelf.
evic, engl. quick, ſchwed. qwick, dän. qwigz daher erquiden, f. d.5 verw.
mit be-wegen, wach, wecken, weben, lat. vivere, vivus), landfch. f. lebhaft,
rege, munter, friſch; der Quick, -e8, o. M., landſch. f. Queckſilber; bei
Metallarbeitern das in Scheidewaſſer getödtete Queckſilber zur Vergoldung; daher:
quicken, 3w., mit Queckſilber bearbeiten, nur in: abquiden, ver—
quiden (f. d.); dag Duid od. Queck, -e8, o. M., niederd. f. lebendiges
Vieh, fowohr als Sammelwort, als auch von einzelnen Thieren (2. B. Horn:
qued); — 3feg. die Quickarbeit, Hüttenw. Reibung u. Mifchung des Goldes
mit Queckſilber; der Quickborn, niederd. eine Lebendige Quellez der Quick—
brei, durch Quecfilber aufgeröftes Metall; das Quickerz, Bergw. f. Qued-
ſilbererz; das Quickmetall, mit Quecfilber veumifchtes od. aufgelöftes Metall;
die Quickmuͤhle, Hütten. eine Mühle zum Abquicen des Silbers; der Quid-
\
438 Quickenbaum — Quitſch
fand, niederd. f. Triebſand; der Quickſteert (v. Steert f. Schwanz), nie-
derd. f. Bachftelze.
Duidenbaum, m. (vergl. Queckbeere, Quitſche), landſch. f. Vogel:
beerbaum.
quidern, zieflof. Zw., ſchleſ. f. Eichen, hell u. fein Lachen.
quidezen, zieltof. Zw., oberd. f. zwitſchern.
Duiddel, w., f. Quaddel.
quiek, A quak, quietfch), ein Naturlaut, welcher einen hellen, feinen
Thierlaut nachahmt; quiefen od. quiekſen, ziellof. Zw. (vergl. quäken, engl.
squeak), einen folchen Schall hören laſſen, hell und fein fehreien, von
Schweinen, Enten zc.), auch von Kleinen Kindern; quiefig, Bw., landſch.
gem. f. oft und viel quiekend, mweinerlich.
Quiel, m., Ses, o. M. (v. quillen, quellen), niederd. f. Geifer; quielen,
zielloſ. Zw. f. geifern, den Speichel fließen laffen; — die Duiele, M.- -N,
vlt. f. Welle, Fluth.
quienen, zieltof. Zw. (holl. quenen, dän. quinie, angelf. cwinan; celt.
cwin, Klage; verw. mit weinen), niederd. f. Elagen, kränkeln, hinſiechen;
die Quienſucht, niederd. f. Schwindſucht.
quieren 1. ziellof. Zw., brandenb. f. quienen; 2. ziel. Zw. (v. quer; f.
queren), Landfch. den —— Acker in die Zuer⸗ pflügen, hakenpflügen;
auch quer über den Acker eggen.
quietſch (vergl. quiek), ein Naturlaut, welcher einen feinen, durchdrin—
genden Schall nachahmt; daher der Quietſch, es, M. -e, gem. ein ſolcher
Schall; landfch. f. Dompfaft, Gimpel, aud) der Quietſchfink; quietſchen,
zielloſ. Zwv., gem. f. einen durchdringend hellen, widrigen Laut hören laſſen.
quillen, zielloſ. Zw., alt u. landſch. f. quellen, |. d.
Quilfter, m., -8, M. w. E. niederd. f. ein Büfchel.
quinkeln, ziellof. Zw., niederd. f. hoch und fein fingen ; zwitſchern.
Quint od. Quintlein, ſ., oberd. f. Quentchen, ſ. d.
Quinte, w., M.-n (v. d. lat. quinta, die fünfte), Tonk. der fünfte
Zon vom Srundton; die fünfte Saite eines Tonwerkzeuges, überh. die feinfte
und höchfte Saite, auf der Geige die vierte; Kartenfp. fünf auf einander fol-
gende gleichfarbige Blätter; Fechtk. die fünfte Stoßart; daher die M. Quin:
ten, uneig. (gleich]. Sechterftreiche) f. Liffige Streiche, Ränke, Kniffe (vergl.
Sinte) ; der Duintenmacher f. Ränkemacher.
Quirl, m., quirlen, 3w., ſ. Querl ıc.
Zuispelbinſe w., landſch. f. das gemeine Wollgras, Flachsgras.
quiſten, ziel. Zw. (goth. qvisijan, fragvistjan, vertilgen; verw. mit
wüften, lat. vastare, ital. guastare, franz. gäter; engl. waste), niederd. f.
vergeuden, verfchleudern, ducchbringen, verthun (gew. verquiften); der
Duift, -e8, od. die Duifte, o. M. (doll. quist), niederd. f. Aufwand, Ver:
fhwendung, Verluſt, Schaden, Nachtheil (in die Quifte gehen, f. verloren
gehen); die Quiſterei, niederd. f. Verfchwendung.
Duitfh, w., M. -en, f. Quecke; — Quitfche od. Quiße, w., M.
-n (auh Quitfchen: od. Quigenbeere, Quid= od. Quedbeere, f. d.)
landſch. f. Wogelbeere, Eberefchenbeere ; der Quitfcben= od. Quißenbaum,
(engl. quickbeam, quickentree) f. Eberefche.
quitihen — R 439
quitfchen, quitſcheln, quitfchern, zielloſ. Zw., landſch. f. quietfchen,
zwitfchern.
quitt, Bw. (holl. quyt, engl. quit, franz. quitte, ſchwed. qwitt; Neben:
form von wett, f. d., ver. mit viduus, Wittwe ıc. ; nicht vom lat. quietus)
gem. f. frei, los, jebig, m. dem Gen. (deö Eides quitt fein), von etwas
befreit, einer Sache beraubt, verluflig (aller Sorgen—, der Freundſchaft
quitt fein 2c.); insbef. Feine VerbindlichEeit gegen einander habend, einander
nichts ſchuldig (mir find quitt); quitten, ziel. Zw., (engl. quit, frang.
acquitter), vlt, f. quitt machen, einen von Verbindlichkeiten frei fprechen ;
nieberd. ſich —, f. fich feiner Pflicht entledigen, feiner Verbindlichkeit nach-
kommen; jest gew. quittiren, ziel. Zw. 1) gem. f. verlaffen (einen —, franz,
quitter); etwa8—, aufgeben, ein Amt zc. niederlegen, abdanken; 2) ei-
nem etwas od. über etwas—, ben Empfang einer Zahlung fhriftlich be—
fheinigen; die Quittung, M. - en, ein Schein über empfangene Zahlung,
Empfangfchein.
Quitte, w., M.-n, (altd. chuttina, oberd. Kütten, landſch. auch Kutte,
Quette zc.; holl. u. nieberd. Quee ; verberbt aus d. lat. malum cydonium,
griech. zuöwrıov von der Stadt Cydon auf der Infel Kreta), die apfel= oder
birnenförmige, äußerlich wollidhte und, wenn fie reif ift, goldgelbe Frucht
des Duittenbaums, welche gekocht und eingemacht gegeffen wird (Apfelz,
Birnquitte, zwei Spielarten); die wilde Quitte, ein Art Mispeln,
Zwergmispel, Duittenmispel; der Quittenapfel, die Quittenbirn, den
Quitten en Geftalt u. Farbe ähnliche Apfel u. Birnen = Art; der Quittens
branntwein, mit Quittenfaft bereitete Branntwein, das Quittenbrod, mit
Zucker eingefottenes und getrocknetes Quittenmus; quittengelb, Bw., gelb
wie eine Quitte, fehr gelb; der Quittenhänfling, landfch. auch der Quit⸗
ter, -8, eine Art Hänftinge mit gelber Kehle u. Bruſt; der Quittenkern,
der Längliche Samen der Quitten ; die Duittenpfirfich, eine Art gelber Pfirs
fihe; der Quittenwein, aus gegohrenem Quittenfaft bereiteter Obftwein.
quittern, ziellof. Zw., niederd, mit feinem Laute lachen, kichern.
—— Quittung, ſ. unter quitt.
uitze, w., f. Quitſche.
quoſen od. quoͤſen, ziel. Zw., niederd. f. quetſchen, zermalmen, lang-
ſam kauen.
Quubbel, w., M. -n, quubbelig, Bw., ſ. v. w. Quabbel, quab⸗
belig, ſ. d.
quurkhalſen, zielloſ. Zw. (auch worghalſen; vergl. würgen), niederd. fich
würgen wie Jemand, dem etwas im Halſe ſteckt.
R.
‚ ber achtzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl., welcher zu den flüf-
figen od. fhmelzenden Mitlauten (L, m, n, x) gehört und durd) zitternde
Bewegung der Zunge gegen den Gaumen hervorgebracht wird; häufig verdoppelt
nach gefchärften Selbftlauten, 3. B. harren, Herr, irren, knurren ꝛc. Das r ift
verwandt mit | und wechfelt zuweilen mit diefem (f. &) ; im Ins und Auslaut vieler
en ann
440 ra — Rabe
Wörter ift c8 aus urfprünglichem fentftanden (4. B. goth. mis, thus f. mir,
dir, goth. raus, altd. rör, Rohr; goth. auso, altd. Öra, Öre, Ohr; goth.
basi, niederd. Befing, altd. peri, Beere; altd. er was, er war), u. wechſelt
‚ noch jegt mit f in Bildungen von demſelben Stamme ; vergl. z. B. frieren (altd.
friusan), for und Frieſel, Troft; verlieren (altd. varliosan), verlor und Vers
luft, tiefen und Türen. Im Anlaut hatten manche Wörter im Goth. und älter
ſten Aithochd. vor dem rein h od. w, welches in der heutigen Sprache abges
worfen ift, 3. B. goth. hrains, hröpjan f. rein, rufen; goth. vrikan, nieberd.
wrefen, alth. rehban, rächen.
ra, Schiff., ein Zuruf des Steuermanns beim Zickzackſegeln (Faviren),
wenn das Schiff gewendet und auf die andere Seite gelegt werden fol.
Na, m. (auch Reef, Rewe; altd. hrao, hreo, re, f. Leichnam), nie—
derd. f. Leib, Rücken.
Raa, w., f. Nah. 1“
Raback, f., -8, M. -e, niederd. f. ein altes Elapperiges Geſtell,
Geräth, Schrank zc., ein verfallenes Haus; rabacken, zielloſ. Im. (ein
Schallw.) niederd. f. raffeln, Elappern, klopfen; rabackern, zieltof. Zw.) f.
ſcharf traben. * ar
rabbeln, zielloſ. und ziel. Zw., niederd. f. plaudern, ſchwatzen, unver:
fändlich reden; daher die Nabbelei, f. das Schwagen, Geſchwätz; der
Rabbler, auch die Nabbeltafche, f. Schwäger, Plaubertafche.
Rabe, m., -n, M. -n (alth. hraben u. rabo, mittelh. raben; oberd.
Rab, Rapp, niederd. Rawe, angelf. hraefn, eng‘. raven, altnord. hratn,
ſchwed. rafnz von der Wurzel hra, kra, Erähen, fehreien; vergl. das ſanskr.
karava, lat. corvus, griech. zoge&), ein Wogelgefchlecht, zu welchem die
Krähe, der Heher, die Dohle, die Elfter 2c. gehören; gew. in engerer Bed.
die größte Gattung diefes Geſchlechts mit ganz ſchwarzem, glängendem Ge—
fieder: der fchtwarze Nabe, auch Kolk-, Kohl-, Aas-, Steinrabe ꝛc. genannt
(fehlen wie ein Rabe; ein weißer Rabe, fprichw. f. eine große Geltenheit) ; ſ.
auch Wafferrabe, Miftrabe, Kappe; Sternk. ein Sternbild auf der
großen Waſſerſchlange; Naturk. auch eine Art Schnirkelfehneden; — 3fee.
das Rabenaas, ein Aas für Raben; uneig. niedr. Schimpfw. f. verworfene,
Yafterhafte Perfon, auch Rabenvieh; die Rabenart, 1) eine zum Rabenges
Schlecht gehörende Vogelart ; 2) die den Raben natürliche Art, insbef. f. harte,
vteblofe Behandlung der Kinder von Seiten der Ältern, weil man den Raben an—
dichtete, dafs fie ihre Jungen verliehen; daher Rabenaͤltern, Rabenvater,
Rabenmutter, f. harte, graufame Altern; das Naben - Ei, uneig. f. Bofift,
Kugelſchwamm; die Nabenfeder, = fpule, der Rabenkiel, Schmwungfeder
des Raben, zum Schreiben, Zeichnen 2c. gebraucht; das Nabenfell, uneig.
verächtl. f. eine ſchwarze Haut, eine alte häfsliche Weibsperfon; der Naben
fuß, uneig. f. Strand» oder Waſſerwegerich (auch Krähen-, Rappenfuß ze.) ;
‚eine Art Hirfegras oder Schwaben ; das Nabenhaar, vabenfchwarzes Haar;
der Nabenheller, » pfennig, =baken, chem. ſchweiz. Seller, Pfennige,
Bagen mitgeinem Naben im Gepräge (vergl. Rappe); die Rabenkraͤhe, eine
ganz fehwarzblaue Krähe, Kleiner als der Rabe, auch kleiner Rabe, fchwarge
Krähe, Aaskrähe 2c. genannt; der Rabenſchnabel, uneig. eine Art Stachel-
ſchnecken; eine wundärztlihe Zange mit langer, gefrümmter Spige, womit Split
ter aus Wunden gezogen werden; Schiff. ein hakenförmiges eiſernes Werkzeug,
Kabe — Rachel 441
das Werg aus ben Fugen des Schiffes zu ziehen; Schmied. ein vorn Längeres u.
dickeres Hufeifen für Pferde mit Stelzfüßen; rabenſchwarz, Bw., ſchwarz wie
ein Rabe, glänzend ſchwarz; die Nabenfchwärzez; der Nabenftein, 1) der
Richtplatz, das Hochgericht, weil der Leichnam des Hingerichteten eine Speife
der Naben wird (od. vielleicht verberbt aus Rewenftein, von hreo, hr£,
Gen. hrewes, Leichnam; ſ. Rä); 2) ein vabenfchwarger Fingerftein (auch
Rappenftein).
Raͤbe, w., M. -n, (altd. raba, lat. rapa), oberd. u. fehweiz. f. weiße
Rübe.
Rabiſch, m., -e8, M.-e, (m. A. Rawifh, Robiſch; ein flav. Wort:
böhm. rabusse, ferb. rabosch), oberd. u, Bergw. f. Kerbholz, ſ. d.; der
Rabiſchmeiſter, vit. Bergw. der Steiger eines Berggebäudes, der die Kerb⸗
hölzer in Verwahrung hat.
Rabisgras, f., landſch. f. Nafenfchmiele.
Rabrader, m., -8, landich. f. Neuntödter.
Rah, w., M.-en, landſch. f. Spinne.
Rachbeere, w., ſ. Rechbeere.
Rache, w., o. M. (altd. rähha, räche; oberd. der Rachz goth. vrakja,
Verfolaung; angelf. vrace, engl. wreak, holl, wraak; f. u. rächen), urfpr.
Verfolgung, Verbannung ; Strafe (bibl. die Rache ift mein; ich will ver-
gelten) ; jest die Begierde, ein erlittenes Unrecht, eine Beleidigung 2c. durch
ein dem Urheber zugefügtes Übel zu ahnden, u. die ahndende Vergeltung
ſelbſt, (etwas aus Rache thun; vor Rache glühenz auf Rache finnen, nach
Rache dürften; Rache an einem nehmen od. tiben); Zſetz. der Nachdurft od.
Nachedurft, die Nachgier, Rachluſt, Rachſucht, das heftige Verlangen,
die Begierde nad) Rabe, Rach ſucht insbef. fofern es eine anhaltende Keiden-
ſchaft iſtz rachdurftig, = gierig, luſtig, =füchtig, Bw., Rachgier, Rad
fucht 2c. hegend u. zeigend; der Rachegott, die Nachegöttinn, das Böfe
rächende Gottheiten, alte Fabell. insbef. Nemefis u. die Furien; der Rachgrimm,
mit Grimm verbundene Rachgier; rachgrimmig, Bw., Rachgrimm hegend ;
das Rachopfer; ein aus Rache vollgogenes Opfer; ein Menfch, welcher der
Race aufgeopfert wird; das Rachſchwert od. Racheſchwert, ein zur ftras
fenden Vergeltung dienendes Schwert; uneig. bibl. ein Strafgericht Gottes; —
rächen, ziel. 3w. (goth. vrikan, Impf. vrak, angelf. vrecan, verfolgen, ſtra⸗
fen; noch niederd. gew. wräfen, wreken; altd. rehhan, rechen, ablaut. ich
riche, Impf. rach (daher Rach e), Mw. gerochen; jest nur umend. ich räche,,
rächte, gerächt, vlt. gerochen; oberd. auch rechnen; fehwed. wraeka, engl.
wreak), ehem. f. firafen, beſtrafen, ahnden (bibl. der Herr, der oberfte
Rächer, wird's rächen) ; jegt ein erlittenes Unrecht, eine Beleidigung 2c. per:
fonlidy vergelten (einen Schimpf, einen Mord — ; etwas an einem —, d. i. dafür
an ihm Nache nehmen); fich (Acc.) an einem-—, fich felbft durch Vergel—
tung Genugthuung verfchaffen; einen —, das ihm zugefügte Unrecht an
dem Beleidiger ahnden (ex iſt durch mich gerächt 5 ich bin gerächt (nicht: ges
vochen), d. i. das mir zugefügte Übel ift dem Urheber vergolten); Ableit. der
Rächer, —s, die Raͤcherinn, M. -en, wer etwas rächt, vergilt,. das
Unrecht ahndet; rächerifch, Bw., rächend, Nache übend.
Rachel, w., M. -n (vergl, Wrack, brechen), ſächſ. f. Spalte, Rifs,
Furche im Erdboden.
|
442 Rachen — Rad
Rachen, m, -8,M. w. €, (altd. hrahho,; racho, rache, angelf. hraca,
holl. raak; wahrfch. von dem röchelnden Laut, dev ſich im Rachen bildet), überh.
der hintere Zheil der Mundhöhle, der geöffnete Schlund; insbef. der Schlund
und das ganze Maul großer Xhiere, bef. der Raubthiere (dev Rachen des Löwen,
bes Haifiſches 2c.; einem Pferde den Rachen ftehen, d. i. die hinten im Rachen
liegende Ader öffnen) ; niederd. verächtl. für den Mund der Menfchen, bef. ein
großer, weit geöffneter, gieriger Mund (den Rachen auffperren, einem den
Rachen füllen ꝛc.) z uneig. f. fürchterlicher Abgrund, Schlund (bibl. der Rachen
der Hölle) ; — rächfen, auch rädfen, rädezen, ziellof. Zw. (nieberd. vaden,
harkenz altd. rachison: angelf. hraecan; vergl. röcheln, Erächzen, d. lat.
ructare, griech. 2geiyew), oberd. f. räuspern, Speichel oder Schleim mit
Erächzendem Laut ausmwerfen.
rad, Bw. (der Stamm des goth. rakjan, altd. rechjan, reden, ausdeh—
nen) oberd. f. flraff, gefpannt; fleif u. müde vom Gehen, Arbeiten a0.5 —
das Rad, -e8, M.-e, 1) (engl. rack, holl. rak; vergl. das hol. reke,
Reihe) niederd. ein Geftell an der Wand, worauf man Bücher, Geräth u. dal.
ordentlich in Reihen aufftellt, auc) zum Anhängen von Kleidern (Kleiderrad) ;
2) Schiff. ein Werkzeug, womit die Rah an den Maft befeftigt wird, und
welches zugleich zum Aufziehen u. Niederlaffen derfelben dient; daher die Nad-
Elampe (f. Klampe), Rackklote (f. Klote); das Racktau, das Tau, mit
welchem das Rad um die Rah und den Maft befeftigt wird.
Rack, m., -e8, M.-e, od. der Kader, -$, M. w. E., auch die
Racke od. Rake, M. -n (wahrich. Nachahmung des Gefchreis; niederd. auch
Rook, oberd. Ruch, f. d.), landſch. f. mehre zum Rabengeſchlecht gehö—
rende Vögel, insbeſ. die Mandelkrähe (blaue Rate), die Dohle, der
blaue Holzhäher, die Saatkrähe, auch der Nabe felbft.
radeln, zielloſ. Zw., landſch. f. widrig fehnarrend tönen (von Tonwerk⸗
zeugen).
vaden od. rafen ‚ ziel. u. ziellof. Zw., (altnord. raka, fehaben, angelf.
racjan, engl. rake, fcharrenz franz. racler; vergl. Rechen), niederd. f.
ſcharren, raffen, fegen; ſchmutzige Arbeit verrichten, im Kothe wühlen,
fudeln; daher: der Nader 1. -8, M. mw. E., landſch. niederd. 1) f. Schin-
der, Abdeder, Henker; Abtritträumer; 2) verächtl. f. Hund (in diefer Bed.
vielleicht von anderem Stammez vergl. Brad, angelf. race, Jagdhund ;
mittl. lat. racha, ſchwed. racka, Hündinn, v. ſchwed. racka, laufen?) ; oberd.
überh. f. ein ausgemergeltes, unnüges Stud Vieh: Pferd, Rind x. ;
3) niedr. Schimpfiw. für einen höchſt verächtlichen, verworfenen Menfchen ;
oberd. auch f. Geizhals, Filz; die Rackerei, niederd. f. Unfläthigkeit; rackerig,
Bw., niederd. fe ſchmutzig, unfläthig ; zornig, aufgebracht; radern, ziellof.
Zw., niederd. f. Unrath wegfchaffen; ſchmutzig geizig fein; fich—, ober. f.
fic mit niedriger Arbeit quälen, abmühen (vergl. abradern).
Kader 2. m. ſ. Rad. — Rackete, w., f. Rakete.
Rad, f., -e8, M. Räder; Verkl. das Rädchen, M. gem. Räderchen,
taltd. rad, rar; lat. rota, daher ital, ruota, franz. roue; verm. mit dem
altd. hradi, radi, angelf. rath, holl. rad, ſchnell; cd. mit ridan, drehen,
frümmen, woher reid, kraus?), ein freisförmiger Körper, bef. wenn er um
feine Achfe beweglich iſt (z. B. ein Mühl-, Waffer-, Brunnen», Wagenz,
Spinn⸗, Spulrad ze. ; die Räder in einer Uhr 2c.); in weiterer uneig. Bed. auch
4
Rad 443
eine Kreislinie, Kreisbewegung (3. B. landſch. im Zange: ein Rädchen machen,
f. im Kreiſe herumtanzen; ein Rad fchlagen, d. i. ſich mittelft der ausgeſtreckten
Arme u. Beine im Kreife überfchlagend fortbewegenz; ber Pfau fchlägt ein Rab,
wenn er feinen Schweif Ereisförmig ausbreitet) ; in engerer Bed. bef. ein Wagen:
rad (die Räder ſchmieren; Tprichw. das fünfte Rad am Wagen fein, d. i. völlig
überflüffig); ferner ein vadformiges Hinrichtungswerfzeug, mit welchem einem
Verbrecher die Glieder zerfchmettert werden, und diefe Art der Todesſtrafe
felbft (mit dem Rade vom Leben zum ode bringen, d. i. rädern; zum Rade
verurtheilen;- er verdient Galgen und Rad; einen Verbreger auf das Rab flech—
ten, d. i. feine Gebeine, nachdem er gerädert ift, auf einem anderen Rabe bes
feftigen) ; — 3fes. v. Rad, Rade: die Radachfe, ſ. Achfe; der Radarm,
ſ. v. mw. die Speiche, bef. an Mühl-, Kunſt-, und Wafferrädern; die Rad—
od. Nadebärge, (auch Radbäre, =beren, =werge 20.5 v. dem gem. Bärgef.
Bahre, Trage), landſch. eine Art Schubkarren, beftehend in einem offenen
Kaften mit Handhaben und einem Rade zum Fortfhieben, Kaftens, Hohlkarren ;
der Radbohrer (gem. Radebohrer), ein Löffelbohrer zum Ausbohren der
Radnaben ; radbrechen od. gew. radebrechen, untrb. ziel. Zw. (Impf. rades
brechte, Mw. geradebrecht), eig. mit bem Rabe zerbrechen, rädern; gew. uneig.
f. verftümmeln, miſshandeln, zerftücdeln (die Worte, eine Sprache u. dgl.);
der Radbrunnen, ein Brunnen mit einem Schöpfrade ; die Radfelge, f. Felge;
das Radfluder (f. Fluder), Hüttenw. das Gerinne, weldes das Waſſer auf
das Waſſerrad leitet; radfürmig, Bw., die Form eines Rades habend (2. B.
Pflanz. eine Blumenkrone); das Radgarn (gem. Radegarn, Radege
fpinft), Zuchm. grobes mwollenes Garn, welches auf einem großen Rade ges
fronnen ift; der Radfaften, das Bepältnifs, in welchem fich die Räder eines
Triebwerkes bewegen; der Radmacher od. gew. Rademacher, Wagenräder:
verfertiger, Stellmaher, Wagner; die Radnabe, f. Nabe; der Radnagel,
Nägel mit ftarken Kuppen zur Befeftigung der eifernen Schienen auf die Felgen
der Räder; die Radſcheibe, Schiff. ein ſcheibenförmiges Rad, welches in einem
Blocke umläuft, zur Aufhebung von Laften; die Radſchiene, eiferne Schienen,
welche auf die obere Fläche der Radfelgen genagelt werten; die Nadfpeiche,
f. Speiche; die Nadfperre, Wagenfperre, Hemmkette (ſ. d.); die Radfpur,
das Geleife (f. d.) der Wagenräder ; der Radſtock, gem. Radeftod, b. den
Wagnern: ein ausgetäfeltes Loch in der Erde, in welchem das Rad befeftigt
wird, deſſen Nabe ausgebohrt werden ſoll; der Nadftößer, gem. Rade-
ftößer, 1) ſ. v. w. Prallftein; 2) eine Art Nabenbohrer; die Nadftube,
bef. Bergw. der Raum, worin ein Kunft= 0d. Wafferrad hängt; der Nadftuhl,
das Gerüft, worauf ein Kunftrad gelegt wird; die Radwelle, |. Welle, —
v. Räder: die Naderfeile, zarte Keile der Uhrmacher zum Ausfeilen der
uhrräder; der Raͤdergroſchen (auh Nädelgrofchen), ein Kaifergroichen
mit einem Rade im Gepräge; fo auch: der Raͤdergulden, niederrhein. Gulden
von 24 Groſchen od. 72 Kreuzer; der Raͤderpfennig (od. Rädelpfennig),
ehem. in Mainz geprägte Pfennige; die Näderforalle, eine Art Staudenkos
ralle; der Raͤderkuchen, eine Art Seefcheiben mit eingeferbtem Rande; der
Raͤdermacher, Spinnräderverfertiger; oberd. auch f. Radmacher (f. 0.);, der
Raͤderſtein (auch Rädelftein), radförmige Theile verfteinerter Seefterne ;
das Näderthier, ein zu den Wirbelwürmern gehörendes Aufgufsthieechen, wel—
ches überaus beweglich iſtz das Raͤderwerk, ein aus Rädern beftebendes Merk
444 Rade — Radies
(das Raherwerk einer Uhr 2c.); — Ableit. das Nädel, -8, gem. oberd. f.
Rädlein, Rädchen, kleines Rad; ehem. uneig. ein Kreis oder Ring von
Menfchen, welche zufammen fiehen; daher der Raͤdel- od. gem. Raͤdels⸗
führer (alt au) Rad», Rädleinführer, Rädelmeiſter; vergl. d. engl. ring-
leader), der Anführer eines aufrührifchen Haufens; überh. der Anftifter u. An-
führer eines böfen Unternehmens; der Raͤdelgroſchen, =pfennig ꝛc. ſ. o.
Rädergrofchen; der Raͤdelkreuzer, oberd., von Ferdinand I. geſchlagene Kreuzer,
auf welche zwei radförmig Über einander liegende Kreuze geprägt find; —
raͤdeln, ziel. Zw., landſch. f. im Kreiſe drehen; auf ein Rädchen wickeln
(aufs und abrädeln); räderig, Bo., Mäder habend, mit Rädern verfehen,
nur in den gef. zwei=, vierräderig 2c.; raͤdern, ziel. 3w., mit Nädern ver:
fehen (berädern) ;. mit den Rädern zerbrechen (unter einen Wagen gerathen u.
gerädert werden) ; be. mit dem Rade (f. 0.) hinrichten (einen Verbrecher —) ;
uneig. f. verflümmeln, radebrechen (f. o.); heftig u. fchmerzhaft erfchüttern
(ic kin wie gerädert); Rädker, m., -8, Tandfch. f. Radmacher, u. f.
Rädermacher (f. o.).
Rade, w., niederd. f. Gerade, ſ. d.
Nadel, f., landſch. f. der Raden, ſ. d.
Rädel, m., -8, M. w. E., 1. Hüttenw. ein ſtarker vierfantiger Baum,
an welchen der Pochitenpel prallt, menn ex von der Radwelle in die Höhe gehoben
wird; daher die Raͤdelſaͤule, eine ſtarke Säule mit vieredigem Loche, durch
welches der Rädel gefhoben wird; — Raͤdel 2. landſch. f. gemeiner Lolch,
Schtwindelhafer (mahrfh. von raden); — 3. f. v. w. Räder, ein Sieb (f.
u. räden).
Kädel, f., Rädelsführer zc. f. unter Rad; — rädeln, 8w., 1. f.
unter Rad; 2. |. räden. -
Raden, m., -$, o. M. (eltd. rato, rat, radan 21.5 oberd. Rat, Raten,
Natel; niederd. Rade; wahrſch. v. raden f. reuten), ein befanntes, auf
Kornfeldern wachfendes Unkraut mit weißen, fleifchfarbenen, oder rothen nelkens
ähnlichen Blüthen (agrostema githago L.), auch Korn-, Aderraden, Radens
korn, Kornnelke, Nelkenröschen, Trespe, Lolch zc. genannt; landſch. auch
f. Unkraut überh.; die Radendiſtel, Krausdiſtel, Mannstreu.
raden 1. zielloſ. u. ziel. Zw. (auch rodenz oberd. raten), niederd. f.
reuten, ausrotten; von Unkraut ſäubern; daher die Radehacke od. «baue,
eine Hacke zum Ausreuten, Reuthaue, Karft.
raden 2., auch räden u. gew. radeln, raͤdern 15 ziel. Zw. (landfch. auch
rädern, veitern, vetern, reutern; altd. ritaron, fieben ; ridon, altnord. rida,
zittern; vergl. rütteln u. das niederd. vätern), alt u. landſch. f. fieben, mit
dem Siebe reinigen (Getreide, gepochtes Erz 2u.); der Räder, —s, M.
w. E. (landfch. auch Rädel, Raidel, Reiter; altd. ritra, ritera, 1,
ängelf. hriddel), f. Sieb; landſch. aud) eine Perfon, welche fiebt; daher der
Kädermacher, f. Siebmacher; die Raͤderſtange, in Pochwerken eine Stange
an einem Siebwerke; die Näderwelle, Müll. eine ſenkrecht ſtehende Welle,
welche die Erſchütterung des Beutels in bem Mehlkaften bewirkt, Sichtwelle; das
Raͤderwerk, ein Siebwerk in Pochwerken.
rädern 2., 3w., Nädergrofchen, = gulden, Räbderftein, «thier, werk,
f. unter Rad.
Radies (nicht gut Radieß gefchr.), m., -e8, M. -e (nicht -er), ober
Radlig — Rah 445
gew. verkt. das Radieschen, -$, M. w. E., (niederd. auch Reddies ; aus
dem franz. radis, ital, radice, vom lat. radix, Wurzel), eine Art des Rettigs,
einer u. von weniger ſcharſem Geſchmack, als der gemeine Rettig, mit rother
oder weißer Schale, füßer Rettig.
Nadlig, m., -e8, M. -e (wahrſch. von raden 1.), landſch. f. Haken:
pflug, Rührhaken. .
Radmacher, snagel ıc. — Radwelle, f. unter Rab.
Raff, m., -e8 (r. -en; verw. mit Neff, Rippe), urfpr. überh. ein langer,
ſchmaler Körper od. Streif; daher alt und oberd. f. Balken, Spatzen, bef.
Dachſparren (altd. ravo, bair. Rafen; vergl. d. engl. roof); niederd. die aus⸗
gefchnittenen, gefalgenen u. gedörrten Flofefedern der Heil= oder Hillbutte,
eines nordifchen Fiſches; (dev ganze in Streifen gefpaltene Fiſch heißt: Raff
und Rekel, f. d.).
Kaffel, w., 1. (verkürzt aus Geroffelwurg, u. diefes verderbt-aus d.
(at. caryophyllata) Landfch. gem. f. das MWaffer : Benedictkraut ; — Raffel,
2., raffeln, 3w., ſ. unter vaffen.
raffen, ziel. Zw. (altd. rafsjanz engl. raff, ſchwed. rifwa, rappa, nieberd.
rapen, rappen; vergl. d. lat. raperez fcheint von einem vlt. ziellofen Zw. raf-
fen, ieländ. hrapa, ſich fchnell bewegen, auszugehen), ſchnell u. begierig mit
den Händen zufammenfaffen und an ſich reißen (bef. in den Zſetz. auf-, weg-,
zufammenraffen zc.); überh. fehnell und gewaltfam ergreifen und fortreißen
(dev Tod rafft Alle zu füch); ITes. das Naffholz, im Walde zufammengeraff-
tes od. aufgelefenes Holz, Leſeholz; der Raffzahn, (gem. aud) Rab⸗, Kapps
zahn), Landfch. f. Schneidezahn der Thiere, bef. der Pferde; gem. auch f. lange,
hervorragende Zähne bei Menfchen; raffzahnig, Bw., Raffzähne habend ; —
Ableit. raffeln, Zw. 1) ziel. das verkl. vaffen, an fich reißen; mit der
Raffel (f. u.) reißen; ſich —, gem. f. raufen; 2) ziellos, oberd. f. ſich ſchnell
u. mit Geräufch bewegen; Elappern; auch f. fehnattern, ſchnell fprechen,
flüftern, vaunen (auch väffeln); die Naffel, M.-n, ein Werkzeug zum
Raffen; insbef. die Kämme, womit die Samenfnoten des Flachſes von
den Stenge'n geriffen werden; Fiſch. eine Art runder Fifchgarne (franz. rafle);
der obere Kinnbaden der Hirfche; auch f. Klapper; gem. verächtt. f. Mund;
auch ein altes klatſchendes u. zänkiſches Weib.
ragen, ziellof. Zw. m. haben, (mittelhechd. ragen, latein. rigere; von
der Wurzel rak, rach, rag, ausgedehnt, ſtarr; vergl. Rah, räh oder reh,
recken zc.) alt und oberd. f. geftredt, ſtarr od. fteif fein (4. B. vor Froft, vor
Zrägheit ꝛc.) ; jest im Hochd. ſtarr hervorftehen od. emporftarren, über die
Fläche od. über andere Dinge fich erheben (in die Höhe ragen; die Bergipigen
ragen in die Wolken; auch uneig. er ragt über Alle, d. i. zeichnet fich vor Allen
aus; bef. in den Zſetz. heraus-, hervor, emporragen 2c.); — die Ragewurzel
od. Ragwurz, wohlriechende Stendelwurzel; der Ragezahn, alt f. ein aus
dem Munde hervorftchender Zahn, Raffzahn.
Nah od. Nahe, w., M. -en, (nicht gut Ras geſchr.; altd. raha, raja,
mittel. rahe; oberd. Nahen, Rachen, wahrfch. verw. mit ragen, reden, altd.
rachjan, ausdehnen; ſchwed. ra, dän. raa), alt u. oberd. überh. Stange,
Ruthe; insbef. Schiff. die Segelftange ; in engerer Bed. bef. die große Rah,
‚welche das unterfte Segel am Hauptmafte trägt; das Rahband, Eurze Taue
zue Befefligung des Segels an die Rah; der Rahhaken, Enterhaten an den ,
446 raͤh — Rahmen
Nocen der Rahen eines Branders; das Nahfegel, ein an einer Rah befeftig-
tes Segel. &
räh od. rähe, oberd. Bw., die Nähe, Rähkrankheit f. reh, Rebe.
Nähe, m., -n, M.-n, niederd. f. Rüde, großer Hund.
Rahm I., m., -e8, o. M. (verw. mit d. alten ram, Ziel, ramen, zielen
(vergl. berahmen 2.), alfo: das Äußerfte, Oberfte; oder mit ge=rinnen?)
1) dee oben ſchwimmende fettefte Theil der Mitch, Milchrahm, Sahne
(oberd. Raum, niederd. und holl. room, angelf. ream, engl. cream, franz.
er&me; vergl. d. lat. cremor); in weiterer Anwendung jede ſich von einer
Flüffigkeit ſcheidende und auf deren Oberfläche anfegende dickliche Maffe
(4. B. Kalle, Weinfteinrahm) ; 2) landſch. f. Ruß, oberd. überh. f. Schmug,
bef. an der Haut (mittelh. roum , oberd. Kam, Rom); niederd. (Raam) auch
f. Rauchfang in Bauerhäufern (daher der Rahmkehrer f. Schornfteinfeger ;
frang. ramoneur); — fe. von Rahm 1): die Rahmkanne, der Rahme
topf, der Nahmlöffel, f. v. w. Sahnenkanne, =topf, Löffel; der Rahme
käſe, Sahnenkäfe; der Nahmfuchen, mit Rahm beftrichener Kuchen; der
Rahmſack, ein leinener Sad, durch weichen der Milchrahm in das Butterfaß
gedrückt wird; die Nahmfpeife, aus Milchrahm bereitete Speife; —- von
Rahm 2): der Rahmbaum, Landfch. ein Querholz in der Feuermauer, woran
das Fleiſch in den Rauch gehängt wird; das Rahmholz, niederd. Nutzholz zu
Tifchlerarbeiten, weldyes die Bauern im Rauchfange zu trocknen pflegen; —
Ableit. der Rahmel, -8, oberd. f. ein fhmusiger Menfch; der Rähmel, - 8
(oberd. das Rähmlein), landſch. was fich von den Speifen in den Kochgefchir-
ven anſetzt; daher rähmeln, ziellof. Zw., f. ſich anfeken (ſich anrähmeln) ;
auch brandig riechen, wie Speifen, die fich an das Geſchirr angelegt haben;
rahmen, 3m. 1) ziellos, Rahm anfegen (die Mitch rahmt); 2) ziel. den
Milchrahm abnehmen; oberd. rußig machen (bef. berahmen); rahmig, Bw.,
oberd. f. rußig, ſchmutzig.
Rahm 2., m., f. Rahmen.
Rahmapfel, m., die mit einem Ned überzogene apfelähnliche Frucht einer
Urt des Flafchenbaums in Südamerika (annona reticulata L.).
Rahmbeere, w., landſch. f. Brombeere.
Rahmen, m., -8, M. w. E., landſch. abgek. der Rahm, -e8, M.
Rahme u. Rähme; Verkl. das Rähmchen, (altd. ramo; oberd. die Rahm;
angelf. rima, Rand, Einfajjung 5 engl. rim u. frame; verm. mit Bram 2.,
Rand, Grenze), 1) überh. ein langer, ſchmaler Streif, bef. ein folches
Brett, 3. B. niederd. die Seitenbretter eines Schiffes ; ein hangendes Brett in
Kellern u. Speifefammern zum Aufftellen von Efswaaren; am Rhein: gefchwer
felte Leinwandftreifen, welche als Einfchlag in den Wein gehängt werden: Kähme
hen; Schuhm. Streifen von Rindöleder zwifchen der Brandfohle u. dem Abſatz;
2) landſch. ein Brettergeftell (z. B. Bücherrahm; oberd. auch die Rähm,
Rem); 3) gew. eine verhältnifsmäßig ſchmale Einfaffung (z. B. Bilderz,
Fenſter-, Spiegel:, Näh-, Stickrahmen ꝛc.; etwas in einen Rahmen fallen ;
ein Bild unter Glas und Rahmen bringen; der Rahm einer Säge, d. i. bie höl-
zerne Einfaffung, das Geftell; Tiſchl. die fenkrechten Einfafjungen der Füllun—
gen: Rahmenz die wagerechten: Rahmftüde); — Sfeg. die Nahe
menfohle, Schuhm. eine um einen Rahmen genähte Sohle; der Rahmen—
hub, =ftiefel, Schuhe, Stiefer mit ſolchen Sohlen; das Rahmenftüd,
rahmen — Rain 447
Fleiſch. ein Stück Fleiſch vom unteren Buge eines Rindes; Schloff. die oberfte
u. unterfte Querftange an einem eifernen Geländer; das Rahmeiſen, Buchdr.
zwei Gifen in ben Rahmen zum Feftfchrauben dev Schriftfeiten,; der Rahme
hobel, Tiſchl. ein Hobel zum Ausftoßen zierlicher Rahmen ; die Rahmnäberci
od. =nätherei, Rahmſtickerei, das Ausnähen od, Sticken von Zeug, welcher
in einen Rahmen gefpannt ift; die Rahmſchnur, Schnüre an den Rahmen der
Seidenweber; die Nahmftatt, Tuchm. der Ort, wo die Tuchmacherrahmen fte=
hen; dag Rahmſtuͤck, Bergw. die Querhölger, auf welchen in der Rabftube
die Welle mit dem Rade liegt; Tiſchl. f. 0. — Ableit. rahmen, ziel. Zw.
mit einem Rahmen verfehen, gew. einrahmen.
rahmen, 3w., 1. f. unter Rahm; 2. f. unter Rahmen ; — 3. ziel. u. ziel:
108 (altd. ramjan, ramen, zielen, trachten; isländ. ramma, dän. ramme
vergl. berahmen 2.), niederd. f. zielen, treffen, beſtimmen, entfcheiden,
muthmaßen, auf etwas denken oder finnen (daher Rahm f. Gedanke,
Muthmaßung, Wahn); Jäg. die Hunde rahmen den Hafen, d. i. fie holen
ihn ein und fangen ihn od. nöthigen ihn, einen andern Weg einzufchlagen ; daher
der Rahmhund, ein Hund, mit welchem man den Hafen rahmt.
rähmen, rückz. Zw., nieberd. f. fich heben, bäumen (:in Pferd rähmt fich).
Nahmenfohle, =fhuh, -flüd, f. unter Rahmen; — Rahmeiſen,
«hobel, =nätherei, = fchnur, = ftatt, -ſtuͤck, |. unter Rahmen; — Rahm:
holz, -kanne, =löffel zc. ſ. Rahm.
rahn od. vahnig, Bw. (alt rän, Holl. ran, rank; vergl. rank, Range),
oberb. f. ſchlank, ſchmächtig, dünn u. biegfant ; die Rahne 1. od. Rahnig—
feit, f. Schlankheit; rahnen, ziel. Zw., f. dehnen, fireden.
Rahne 2., w., landſch. Forſtw. f. Windbeuch.
Rahſegel, ſ., ſ. unter Rah.
raideln, ziel. Zw. (von dem altd. ridan, isländ. rida, angelf. vrithan,
engl.‘ writhe, drehen, flechten; daher reid, kraus), oberd. f. drehen, im
Kreife bewegen ; zufammendrehen, binden; aufwideln, Eräufeln (die Haare) ;
daher: der Naidel, -8, M. w. E. (au Raitel, Reitel, Ratel, Ra
telfcheit), ein Eurzer, dider Stod, Prügel, Knüttel zum Zufammen:
drehen der Stride um Maarenballen u. dgl. (Packraideh; überh. jedeg
Holz von ähnlicher Geftalt; landſch. auch ein junger, gerade aufgefchoffener
Baum (Baumreitel).
Kain, m., -ed, M. -e, (niederd. Reen, ſchwed. ren; von dem altd.
hrinan, rinan, angelf. hrinan, berühren; vergl. Rand, Rinde zc.), ein
fchmaler Strich Landes, welcher ald Grenze zwifchen zwei Adern unge:
pflügt bleibt (Grenz-⸗, Feldrain; den Rain abpflügen) ; oberd. auch der abhän-
gige Uferrand eines Fluffes ꝛc., Uferhang; in weiterer Bed. die Grenze. einer
Dorfflur; auch f. freier Grasplak, Anger (Gemeindes, Scießrain 2c.); rai—
nen, oberd. Zw. 1) ziellos f. grenzen (gew. anrainen); 2) ziel, f. abgrenzen,
theilen (bef. abrainen; verrainen, d. i. vermarfen 2c.); 3) rückz. uneig.
fid) zu od. an Jemand —, d. i. ſich ihm nähern, an ihn halten, anſchmiegen; —
3fes. v. Rain: der Rainbalfen, Landw. ſchmale Streifen Landes, die man
beim Pflügen des Aders aus Ungefchiclichkeit ungepflügt gelaffen ; der Rain
baum, Grenzbaum; die Rainbeere, landſch. f. die Beere des Kreuz = oder
Wegedorns; die Nainblume, eine auf dürren Rainen wachfende Art der Ruhr⸗
pflanze mit goldgelben, wohlriechenden Blumen ; landſch. auch f. Maßliebe, Ans
448 raiten — Ram
gerblümchen; dee Rainfarn (niederd. Rainſaam), eine dem Farnkraut ähn-
liche, auf Rainen und Dämmen wachſende Pflanze, auch Weinfarn, Wurm⸗—
kraut 2c. (lanacelum L,); der Rainkohl, eine Art des Ackerkohls, wilder‘
Hohl, Haſenkohl; dee Rainſchwamm, ein Kleiner hellbrauner, efebarer
Schwamm, weldher nach einem Regen auf Rainen und Biehweiden aufſchießt,
Nägleinfhwamm, Krefsling ; der Rainſtein, Grenzftein; die Rainweide,
f. v. mw. ber Hartriegel, f. d. (verſch. Rheinweide).
raiten od. reiten, ziel. Zw. (goth. rachjan, zählen; rathjo, Zahl, Rech—
nung; verw. mit Rede, reden, |. d. u. mit d. lat. reri, ratio), alt u. oberb.
f. rechnen, Nechnung flellen od. ablegen; glauben, erachten, muthmaßen;
daher das Naitamt, buch, die Raitkammer zc. f. Rechnungsamt, -buch,
⸗kammer; das Naitholz, Kerbholz; der Raitpfennig, Rechenpfennig ; die
Raitung, f. Rechnung; der Naiter, f. Rechnungsführer.
Raiweizen, m., landfch. f. Labkraut (auch Raiwitz, Raimigen).
Rak, ſ., ſ. das Rad unter rad.
Rak, m., Rake, w., f.der Rad, die Nade.
Räkel, m., f. Rekel. i
taten, niederd. Aw. 1. (holl. raaken; verw. mit reden, reichen) 1) ziel. f.
rühren, berühren, treffen (uneig. leicht geraket fein, d. i. empfindlich, reiz⸗
bar); 2) ziellos f. fommen, gelangen, gerathen (3. B. aufs Trockne ); —
2. f. raden.
Rakete 1. w., M. -n, Verkl. das Raketchen, (v. ital. ragg:o, rag-
getto, vom lat. radius, Strahl; engi. rocket), eine mit Pulver gefüllte
walzenförmige Papierhülfe, welche als Luftfeuer angezündet in die Höhe ſteigt
und knallend zerplast, ein Strahlfeuer, Brandfleiger; Bergw. eine mit nafjem
Pulver inwendig befehmierte Papierhülſe, welche in das mit Pulver gefüllte Bohr:
Loch geftet wird, um das Pulver zum Sprengen anzuzünden; Zfes. die Ra⸗
ketenhuͤlſe, der Raketenſatz, das Pulver, womit die Rakete gefüllt wird;
der Raketenſtab od. ſtock, der Stab, an welchen die Rakete zum Abbrennen
befeftigt wird.
Pakete ?. w., M.-n, od. das Nafet, Nafett, -e8,.M. -e, (aus d.
ital. racchetta, franz. raquette), Schlagnes zum Ballfpielen, Ballnes.
Kalle, w., M.-n, landſch. auch dev Rall, (neulat. rallus, grallus;
eng!. rail; wahrſch. von ralten in der Bed. ſich fchnell bewegen), 1) ein auf
Adern und Wiefen lebender, fehr fehnell laufender Vogel mit unangenehm
fehnarrender Stimme, auch Grass, Wieſenläufer, Wiefenknarrer od. ⸗ſchnarcher,
Wachtelkönig, Schnarrwachtel, Schnarre, Schnarker, Schreck, Schrickec. genannt;
die graue Ralle, f. die gefleckte Meerſchwalbe; 2) ſ. v. w. Relle, Rellmaus,
ſ. dae; — der Rallenreiher, eine Art Reiher, oben braunroth, unten weiß.
rallen, zielloſ. 3w., landſch. bef. niederd. (vergl. d. holl. rallen, rellen,
plaudern; engl. rally, franz. railler, fehergen), überh. fich lebhaft bewegen,
umberlaufen; daher lärmen, toben (niederd. aud) valken);, plaudern, ſcher⸗
zen, Muthiwillen treiben, ſchäkern, ausgelaffen luftig fein (fähweiz. vahelens
bair. vollen); fehwäb. f. rammeln, von den Katzen; daher der Rälling, f.
Kater; niederd. Schiff. von den Wellen: über einen feichten Grund vollen;
daher. die Rallung, die von der Tiefe her auf der Höhe des Walles od. einer
Platte noc) fortlaufenden Wellen.
Ram 1. m. (altd. hram, angelf. hraemn, isl. brafu), alt u. landſch. f. Rabe.
Ram — rampfen | 449
Nam 2. m., es, M. -e, Bergw. eine Art Zwitter (Eifen«, Wolfcam).
samen, 3w., ſ. rahmen.
ramenten, niederd. ziellof. Zw., öfte. ramaten, f. lärmen, poltern.
Ramkenwurzel, w., landſch. f. die Enollige Braunmurz.
Kamm 1. m., -08, M. -e (oberd. Gen. des Rammen ; altd. ram, M.
remmi; engl. und boll. ram; vielleicht verw. mit dem isländ. ramr, ſtark;
vergl. vammen, vammeln) 1) ober= und nicderd. f. Widder, Schafbock (aud)
Rammer, Rammel, Rammbod); daher dag Nammenhödlein, landſch.
f.. Seigiwarzenfraut ; das Rammshorn, f. Widderhorn; der Rammskopf,
Widderkopf; ein Semfttsen ähnlicher Pferdekopf, die Rammsnaſe, eine ber
Widdernafe ähnliche gewölbte Nafe eines Pferdes; — 2) landfch. auch verfc)ies
dene andere männliche Thiere, insbef. der männliche Haſe Rammler),
das männl. Kaninchen; der Kater; der Stier.
Kamm 2. m., -e8 (eahefe. auß Krampf verkürzt), niederd. f. Krampf.
rammen, gieltof. u. ziel. Zw. (engl. ram; vergl. Ramm 1.), flogen, beſ.
in engerer Bed. mit einem ſchweren Klog fenkrecht ſtoßen od. fchlagen (Pfähle
in die Erde —); daher der Nammblod, »Elo& od. die Ramme, M. -n,
(landfh. auch die Rammeh, das Werkzeug zum Rammen, beftchend aus
einem fchweren Klose, welcher entweder mit den Händen geführt wird (Hands
ramme, Sungfer), befonders um die Pflafterfteine feft zu ftoßen, oder in einem
Gerüfte mit Striden in Bewegung gefegt wird, um Pfähle in die Erde zu trei-
ben; der Nammbod, 1) f. v. w. Rammblod; 2) f. Ramm 1.5 der Name
mer, -$, wer rammt; — trammeln, 3m. 1) ziel., das Veröfterungswort
von rammen: mehrmals, wiederholt rammen oder floßen (Pfähle in bie
Erde —); durch wiederholtes Stoßen bewirken (in Ifes. wie einrammeln, vers
rammeln,2c.); 2) rüdz. ſi ch —, Bergw. f. zufammenfloßen, fich vereinigen
(die Gänge rammeln fich, wenn fie fi) völlig mit einander vermifchen) ; 3) ziellos
m. haben, landfch. gem. f. ein Geräufch, Getöfe machen (ſchwed. ramla;
daher der Rammelabend, landſch. f. Polterabend), ſich ungeftüm bewegen,
hin und her werfen (3. B. im Bette); von Hafen, Kanindyen, Schafen uno
Katzen f. ſich begatten (altd. rammalon), landſch. auch vom Rindviehz daher
der Rammelochs, Landfch. f. Zuchtochs, Stier; die Nammelzeit, Begatz
tungszeit; der Nammel, -8, M. w. E., der Schafbock (f. Ramm 1.);5
ſchwäb. gem. eine mannfüchtige Weibsperſon; Bergw. der Ort, wo mehre
Zwittergänge zufammenfommen, gew. eine Art Zwitter od. Zinnftein; der
Kammler, -$, das Männchen der Thiere, deren Begattung man Ram:
meln nennt, bef. der männliche Haſe; rammelig, Bw., landſch. gem. f.
läufifch ; liederlich.
Rammshorn, =Fopf, =nafe, f. unter Ramm 1.
Ramp, m., Ses, (vergl. Rummel und das franz. ramas), niederd. f. eine
Vielheit od. Menge verfchiebener Sachen (im Rampe, d. i. in Bauſch und
Bogen) ; daher rampen, ziel. 3w., f. im Baufc und Bogen faufen.
Rampe, w., M.-n, 1. (aus dem franz. rampe), eine gelind aufſtei—
gende Fläche, Un: od. Auffahrt vor einem Wall, einem Palaft ꝛc.; — 2. bei
d. Kammmachern: die abfchiefernden Theilchen am Horne, welche abgeſchnitten
werden müſſen.
rampfen, ziel. Zw., oberd. f f. vaffen, zerren; die Rampfe, f. Hauswurz.
Hauslauch; die Kampfel, M.- -n, ſchwäb. f. grobe Perfon.
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. 29
450 ramfeln — Rang
raͤmſeln, ziellof. 3m. (von Ramm, Bock?), oberd. f. übel riechen, nad)
Schweiß riechen; der Ramſel, -8, 1. (landſch. auch Ramfer, Ramfenwurz,
Rams, Ramiſch ꝛc.), eine Art wilden Knoblauchs von fehr unangenehmem Ge=
ruch, Waldknoblauch; auch f. Knoblauchkraut; 2. (von anderem Stamme)
die gemeine Kreuzblume, Mithblume (Ramfelblume).
Ramfen, m., -$, landſch. f. Hahnenkammklee.
Rand, m., -e6, M. Ränder, Verkl. das Rändchen, oberd. Rändlein
(altd. rant, M. rendiz ſchwed. u. engl. rand; isländ. röndz verw. mit Kain,
Rinde 2c.), die äußerſte Grenzlinie od. = fläche, der begrenzende Saum od.
Umfang eines Dinges (der Rand einer Wiefe, eines Beetes, Grabens, Ab—
grundes 2c.; uneig. am Rande des Grabes ftehen, d. i. dem Tode nah fein; ber
Rand eines Gefäßes, Glafes, Topfes, Zeller 2c.; der Rand eines Blattes,
eines Buches, d. i. das die Schrift umgebende, unbefchrieben od. unbedrudt ges
biiebene Papier; daher: einen Rand brechen, durch Einbiegung des Papiers
die Grenze des Randes bezeichnen; etwas auf od. an den Rand ſchreiben; ſprichw.
das verfteht fi) am Rande, d. i. von felbft, gleichfam ald Randbemerfung) 5
uneig. f. da8 Ende einer Sache (mit etwas od. mit Semand zu Rande kommen;
eine Sache zu Rande Ran) — 3feg. die Nandanmerfung, =bemer-
fung, = erklärung 2c. (fr. Gloffe, Marginalien); der Nandanmerfer, =bes
merker, ⸗ſchreiber (fr. Gloſſator); der Randboden, ein Werkzeug, um die,
Bienen in einen Korb zu faſſen; das Randdorf, brandenb. Benennung der
Dörfer, welche am Rande von Moräften liegen; der Randfiſch, die Bleihe od.
Plöge; das Randholz, Schiffb. zwei krumme Hölzer, die unten an den Hin=
terfteven, oben an zwei Ständer ftoßen; der NandEnoten, eine dem Lungen=
Eraut ähnliche auständifche Pflanze (limeum L.); die Randmotte, eine Art
Nachtfalter; das Randmuſter, Schuhm. f. v. w. der Rahmen, |. d&.5 bie
Randſchrift, Schrift auf dem Rande, bef. die Umfchrift einev Münze; die
Ranvichhffel, Schüſſel mit aufrecht ftehendem Rande; randftandig, Bw.
(Neuw.) Pflanz. am Rande ſtehend; randflielig, Bw. (Neuw.) Pflanz. am
Rande mit einem Stiele verfehen (ein randftieliges Blatt); das Randſtuͤck, das
Stück, welches den Rand eines Dinges ausmacht; ein Stück vom Rande (z. B.
eines Kuchens); — Ableit. ränden od. gew. rändern, raͤndeln, ziel. Zw.,
mit einem Rande verſehen (eine Münze); raͤndig od. randig „Bw., einen
Rand habend, gew. nur in Zſetz. wie breit=, fehmalz, hochrandis 20.5; das
‚ Randfel, -8, niederd. f. ein Kothſaum am Rocke.
Ranft ‚m; -es, M. Ränfte, Berk. dns Nänftchen, (altd. ramft;
oberd. Rampf, Rampft; v. d. alten rimpfen, rampf, zufammenziehen, eine
ſchrumpfen, vergl. rümpfen), bef. oberd. f. Minde, insbe. Brodrinde, Krufte,
auch Baumrinde, feſte Erdrinde ; in weiterer Bed. f. Nand.
Rang, m., -es, M. Ränge, (engl. u. hol. rank; zunächft aus dem franz.
rang —— aber urſpr. deutſch, verw. mit Ring, ringen, rang, und dem
landſch. rangen f. ranken, dehnen; urſpr. eine Ausdehnung in die Länge, daher
oberd. Rang, Rangen f. fortlaufender Berghang), eig. |. v. w. Reihe, z. B.
die über einander befindlichen Reihen der Schaufige in Schaufpielhäufern (im ers
ften, zweiten zc. Range figen) ; uneig. der Grad der Größe (Kriegsfchiffe vom
erften, zweiten, dritten Range 2c.); der Grad der Mürde, des Anfehens
oder Standes in der bürgerlichen Gefellfchaft (ein Mann von hohem Range) ;
in engerer Bed. hoher Stand (ein Menn von Rang); auch f. Vorrang, Vorzug
Range — Rangmade 451
(einem den Rang geben, laſſen, ftreitig machen, ihm den Rang ablaufen, d. i.
den Vorzug vor ihm gewinnen); — 3feg. ranglos, Bw., ohne (hohen) Rang;
bie Rangordnung, Stufenfolge des bürgerlichen Ranges; das Nangfchiff,
Linienſchiff; rangſtolz, Bw. ; der Rangftolz; der Rangftreit, die Rang»
fireitigfeit, die Rangſucht; rangfüchtig, Bw.
Range, w., M.-n, 1. Landfch. f. Sau; — 2. (oberd. auch Rande,
"Randen, Ranne), Iandfch. f. rothe Rübe, Mangold; u. bef. f. Runkel—
rübe, f. d. — 3. f. unter rangen.
rangen, ziellof. Zw. (vergl. Rang, rank, Ring ꝛc.), landſch. 1) f. fich deh—
nen, ſtrecken, ranken; 2) (auch rangeln, wanfeln, wrangen; engl. wrangle)
f. ringen, ſich balgen; überh. im Spiele wild toben, lärmen; die Nange,
M.-n, landfch. f. Grenze, Rain; der u. die Range, M. n, gem. nie
derd. f. ein hoch aufgefchoffener junger Menſch; ein muthwilliger, bösar—
tiger Bube (niederd. auch Rengel); der Rangen, -$8, (auch Rang, f. d.,
Rank, Ranken), oberd. f. Höhenzug, fortlaufender Berghang, Halde.
Rangordnung, =flreit, = fucht zc. f. unter Rang.
ranf, Bw. (v. ringen d. i. fi) dehnen, winden, wie ſchlank von fehline
gen; holl. u. engl. rank; ſ. v. w. das oberd. rahn), niederd. f. ſchlank und
biegfam, lang und dünn, hoch aufgefhoffen ; von Schiffen: zur fchmal ger
baut; — der Rank 1., -e8, M. Ränke, (oberd. in allen Bed. auch Rant),
eig. eine Wendung, Krümmung (fo noch oberd. der Rank eines Weges) ; gem.
uneig. f. liſtiger Streih, Umtrieb, Ausflucht, Kunftgriff (ait? ein kluger
Rank u. dgl.), bei. ein heimlicher Kunftgriff zu unerlaubten Zweden u. zu
Anderer Nachtheil, gew. nur in der M. Ränke gebr. (fr. Intriguen; mit
Ränken umgehen, Ränke machen, fchmieden ze.); daher der Raͤnkemacher,
Ränkeſchmied (fr. Intriguant) ; ranfevoll oder rankvoll, Bw.; — die
Ranke, M. -n, aud) der Ranken, -8, M. w. E. (ſchwed. ranka), überh.
ein dünner, ſchwanker Zweig od. Stengel; insbef. fehnurähnliche, gewun—
dene Zweige verfchiedener Gewächfe, als der Weinreben, des Hopfens, der
Kürbiffe, Gurken, Bohnen, des Epheus ꝛc., womit fie ſich anfchlingen u. fefte
halten; daher der Rankenbaum, Gärtn. f. Geländerbaum ; das Rankenge—
waͤchs, ein mit Ranken verfehenes Gewächs; die Rankenwurz, Enotige
Braunwurz; ranfig, Bw., Ranken habend, mit Ranken verfehen; —
ranken, ziellof. u. rücz. Zw. (vergl. rangen, verrenken 2c.) 1) oberd. f. fich
ftredden, dehnen, ſchmiegen; heftig bewegen (gem. auch) rankern); 2) gew.
ſich ſchlängelnd fortbewegen, in gewundener Richtung wachſen; auch Ran:
Een treiben u. ſich mittelft derfelben anfchlingen (dev Epheu, die Bohnen zc.
ranken, od. ranken ſich an Bäume, Stangen ıc.).
Rank 2. m., aud der Ranke, Ranken, M. Ranken (wahrſch. von
gleihem Stamme mit rank, Rang zc.), oberd. f. Rand, Ranft; ein großes
Stück Brod (aud Renten, Runken); der Ranken (M. Ränken) auch f.
Knochen, Fußknochen; ein mageres Stüd Vieh, mageres Kind (vergl. Range).
Rank 3. m., -e8, od. das Rankkorn, (auch der Rang, Rangen; von
ringen?), ein erbfenförmiges Gewächs, ‚welches die Schweine zuwenen in
großer Hige am Gaumen befommen, wobei fie taumelnd werden und fterben,
auch Klamm, Klemme, Gerftenforn genannt, _
Ranke, ranken ıc. f. unter ranf.
Rankmade, w., die Larve des Bienenfäfers, Riehlwurm.
29#
452 Ranne — Rapp
Ranne, mw. od. Ranrübe, f. Range 2.
Kant, m., -e8, M. Ränte (vergl. d. engl. ranı), oberd. f. v. w. Rank
(1): Wendung, einmalige Bewegung ; Anfchlag, liftiger od. muthmilliger
Streich; lärmender Muthwillen, Getöfe; ranten, oberd. Zw. (engl. ranı)
1) ziellos f. muthwillige Streiche treiben; 2) rüdz. ſich —, f. groß thun,
ſich brüften ; auch f. nadhfinnen, ſich ängſtigen, ärgern ze. (bef. fich abranten).
Nante, w., M. -n (vergl. Ranke, Range) bair. f. Schöfsling, ſchlanker
Fichtenſtamm, Stange.
Ranunkel, w., M.-n (v. d. lat. ranunculus d. i. eig. Froſchkraut, von
rana, Froſch), der Gartenhahnenfuß, eine ſchöne vielfarbige, aber geruch—
lofe Blume.
Ranze, w., M. -n (wend. ranza; vergl. Range 1. Nachahmung des
grungenden Rautrs?) landfd. gem. f. die Su.
Ranzen, landſch. auch Ränzel, m., -8, M. w. E., Verkl. das Nänz
hen (aiederd. Renzel, holl. rentser, ſchwed. ränsel), ein Reiſeſack, Reife
bündel, eine Art Eleiner Felleifen, weldye man auf dem Rüden trägt; uneig.
gem. f. Leid, Bauch, Wanſt; landſch. auch f. Budel, Höcker, Rüden.
tanzen 1. zieltof. u. rückz. Zw. (altd. r. ransen, rensen; verw. mit Lden⸗
nen? vergl. das ſchwäb. ver Ranz f. das Rennen) gem. f. heftige Bewegungen
machen, fidy ungeftüm hin und her werfen G. B. im Bette —, vergl. ram
meln); lärmen, ſchäkern;z fich liederlich herumtreiben (Herumranzen, ſchwäb.
rantſchen) ; von Hunden u..vierfüßigen Raubthieren: läufifch fein, nad) der
Begattung verlangen; ſich —, oberd. f. fich unanftändig dehnen, ſtrecken
vor Schläfrigkeit, Faulheit zc. (auch franzen; vergl. raagen); die Nanzzeit,
Begattungszeit der Hunde 2c.; ranzig 1. Bw., zum Ranzen, d. i. zum
Herumlaufen, 05. zur Begattung geneigt (eine ranzige Hündinn).
ranzen 2. ziellof. Zw. (lat. rancere), verdorben u. übel riechen; ranzig 2.
Bw. (doll. ranst, gagl. rank, franz. rance, lat. rancidus), verdorben und
widrig riechend u. ſchmeckend, nur von Fettigkeiten, Ol u. dgl.; die Mans
zigfeit, ranzige Befchaffenheit.
Nayert, m., -8, M. -e, auf Kriegsſchiffen: das Geftell einer Kanone
(auch Rampert, Rollpferd).
rapp, Bw. (ſchwed. rapp, holl. rap; vergl. d. lat. rapere, rapidus),
niederd. f. ſchnell, raſch, behende; rappen oder rapen, ziel. Zw. (vergl.
rappfen), bef. niederd. f. raffen, ſchnell bewegen, hurtig ergreifen od. zufame
menfaffen ; der Rappfihnabel, niederd. f. ein vorfchnell redender, nafeweifer
junger Menfch ; der Raypzahne ſ. Raffzahn; der Napper, -8, die Raps
perinn, landſch. wer das gemähete Getreide zufammenrafft; euich der ver:
eidigte Metzner in den Mühlenz der Rapps, - es, Müll. das Getreide, wel—
ches zwifchen den Mühlſteinen figen bleibt u abgerafft wird (Abrafft).
Rapp 1. oder Rappe, m., -en, M. -en, 1) oberd. f. Nabe; 2) ein
. tabenfchwarzes Pferd ;. 3) (der Rapp oder Rappen) eine fchmweiz. Eleine
Scheidemünze, auf welche ehemals ein Rabenkopf geprägt war (vergl: Nabens
heller) = 1, Bagen; der Nappenfuß, f. Rabenfuß; das Rappenfuͤßlein,
eine Heine Pflanze; der Mäuſeſchwanz.
Rapp ?.m., -en, M. -en (landfch. auch der Rappen, alt Rappe;
mittl. lat. grappus, franz. grappe), oberd. f. die entbeerte Weintraube , der
Zraubenfamm (f. Kamm 3); der Raͤpps, es (auch Rapp, Rappesz
—
Rappe — Rapunzel 453
mittl. lat. raspeium, ital. raspato, graspato, franz. räpe) landſch. f. Beer:
wein, d. i. Wein, ber zur Verftärkung auf frifche Trauben gegoffen ift u. mit
diefen nochmals gegohren hat.
Rappe, m., -n, M. -n, 1. f. Rapp 1.— 2. (auch Rapen, Rapfenz
wahrfch. v. rappen, vaffen, wegen feiner Raubgier), ein in füßem Waffer le
bender, etwa zwei Fuß langer Raubfiſch, auh Rappfifch, Raubalant
genannt.
Rappe, w., f. unter rappen.
rappeln, ziellof. u. rückz. Zw. (ein Schallwort), laut u. wiederholt fchallen,
wie harte Körper, welche gegen einander bewegt werden, ſinnv. Elappern,
raffeln (z. B. von Nüffen) ; ein ſolches Geräufch hervorbringen (mit Nüffen,
mit dem Gelde, mit den Zellern zc. vappeln) ; gem. ſich —, f. fich ſchnell be-
wegen, eilen, ficy tummeln; uneig. gem. f. nicht bei geſundem Verſtande,
ein wenig verrückt fein (ev rappelt; u. bef. unp. es vappelt bei ihm, ob. ihm
im Kopfe); die Rappel, M. -n, landſch. f. Klapper, Raffel; ter Rappel,
-8, 0.M. (aud) der Rappe) gem. f. Verwirrung des Verftandes, Ver:
rücktheit z dei Rappelkopf, ein verrückter verſchrobener Hopf oder Menſch;
rappelkoͤpfig od. landſch. rappelkoͤpfiſch, Bw., f. verrückt; gem. auch f.
jähzornig, aufbrauſend, ungeſtüm; von Pferden: den Koller habend; rappelig
Bw. den Rappel habend, verrůckt.
rappen, ziel. Zw., 1. ſ. unter rapp; — 2. (franz. raper) landſch. f. reiben,
ſchaben; mit einer Rappe verſehen, auf der Oberfläche rauh machen (daher,
eine Wand berappen, ſ. d.; oberd. ſich räpfen, ſich mit einer rauhen Kruſte
überziehen); die Rappe, M.-n, 1) (franz. rapc) niederd. f. ein Reibeiſen,
insbeſ. ein Werkzeug zum Reiben (Rapiren) der Tabacksblätter zu Schnupftaback;
2) (oberd. Rapfe, Räpfe, auch Raspe; franz. rape) eine Pferdekrankheit,
wobei die Kniee anſchwellen und oft grindig werden; landſch. überh. f. Räude,
Krätze.
Rappfink, m., landſch. f. Grünfink; — Rappfiſch, m., ſ. Rappe 2.
Rappier, ſ., ——— - 2 (zunächſt aus dem franz, rapiere, Raufdegen,
entlehnt; aber urfpr. deutfchen Stammes, von rappen, raffen, vaufen), ein
Fechtdegen zur Übung, ohne Schneide u. an der Spige mit einem Iedernen Balz
fen verfehen, Fechtel, rappieren, ziellof, u. rückz. Zw., mit einem Rappier
fechten, fechteln.
rapps (vergl. rapp), ein Naturlaut zur Bezeichnung einer ſchnellen Bewe⸗
gung, eines Raffens (es ging ripps rapps); rappfen, zielloſ. u. ziel. Zw.,
(vergl. grapſen), gem., das verſt. rappen, raffen: eilig an ſich raffen, ſchnell
ergreifen; die Rappſe od. Rappuſe (nicderd. and Rebbes, Ribbes;
ſchwed. rabbus; franz. grabuge, Gezänk), gem. f. ſchnelles, ungeftümes. Er-
greifen, gewaltfamer Raub; Verwirrung durch ungeſtümes Zugreifen (etwas
in die Rappufe geben, d. i. preis geben; in die Roppuſe geratben 2c.). \
Rapps, m., -08, 1. f. unter app; — 2. fi v. w. der Nappel, |. d. —
3. f. Raps.
Raͤpps, m., ſ. unter Rapp 2.
Raps, m., -e8, od, der —— die a landſch. f Rib⸗
ſamen f. d.
Rapunzel, m., *s, landſch. auch w. 0. M.,auh das Räplingchen,
oberd. Rapünzlein (v. dem neulat. rapunculus, r. rapuncula, als Verkl.
454 raren — Rafen
v. rapa, Rübe), verſchiedene Gewächſe, deren Blätter und Wurzeln als Salat
gegeffen werben, insbef. eine Art der Glodenblumen in der Schweig, Frank
reich ꝛc. Nübenrapunzel, Rapunzelglodenbiume (campanula rapunculusLL,);
eine bei ung wild wachfende Pflanze, großer, weißer Rapunzel, Kreuzwurz,
Feldſalat 2c. (phyreuma L.); eine Art des Baldrians, Eleiner Rapunzel,
Aders, Feld-, Lämmerfalat od. = lattic) (valeriana locusta L.).
raren, niederd., raͤrren, reren, ſchweiz. u. oberd., zielloſ. Zw. (Schalw.; .
altd. reran, angel]. rarian, holl. reeren, engl. roar) f. brüllen, biöfen, vom
Rindvich, fchreien wie ein Eſel; verächtl. von Menfchen f. brummen, ſchreien,
laut weinen; ſchweiz. aud) f. Enarren, Elappern, rauſchen.
raſch, Bw. u. Nw., Comp. rafcher, Sup. raſcheſt, nicht: räfcher, väfcheft,
(alid. rasc, Nw. rasco, isländ. rösk; oberd. als Bw. auch refch, röſch, rifch,
niederd. u. ſchwed. rask, risk, engl. rash; vergl. das angelf. hraes, raes,
der Lauf, ſchwed. rasa, laufen, u. das deutfche Rofs), überh. ſchnell, eilig,
inäbef. fofern die fchnelle Bewegung von innerer Kraft, Friſche, Lebhaftig-
keit ausgeht (vafche Bewegungen machen; ein vafches Pferd, ein vafcher Wind,
ein raſches Feuer, d. i. ein Lebheft brennendes; rafch mit dem Munde fein, ein
rafcher Sinn, d. i. der fchneil entfchloffen ift, vafche Entjchlüffe) ; die Raſch⸗
heit, das Raſchſein, die Schnelligkeit, Lebhaftigkeitz raſchen, vlt. Zw. f.
raſch fein, eilen (nur noch in: überrafchen) ; oberd. f. flüchtig auflefen, zu—
fammenraffen; vie Raſchel, M. -n, (ſchweiz. Rafchi) landſch. gem. f. eine
ſich überei'ende, unbedachtfame weibl. Perfon.
Raſch, m., -e8, M. (von mehren Arten) -e (niederd. Raſs, engl. raslı,
franz. ras; verkürzt aus Arras, AUrrafch, fo genannt von der Stadt Arras
in Frankr., wo diefer Stoff zuerft verfertigt wurde), ein Feichter, lockerer Wol-
lenzeug; daher der Rafhmacher, Rafchweber.
raͤſch, Bw., ſ. röſch.
raſcheln, ziellof. 3m. m. haben (ein Schallw. der Volksſpr.), ein leiſes
Raufchen od. Raſſeln hervorbringen (im dürren Laube, im Stroh —).
Keen, m., -8, M. mw. E. doch ungebr. (niederd. Wrafen, Wrofen und
Gruſe; Rafenift nur neudeutfh, u. wahrfch. nicht aus Gras, fondern aus
dem altd. waso, noch landſch. Waſen (f. d.) durch Übergang des w in r ente
fanden), dichtes, Eurzhalmiges, den Erdboden bededfendes Gras; das mit
ſolchem Grafe bewachfene Erdreich, def. einzelne ausgeſtochene flache Stüde
foldjes Erdreichs (Nafen ftechen, d. i. ausgraben und ausheben; mit Rafen be=
legen 20.); — Bfeg. die Raſenbank, der Raſenſitz, der Rafenhügel,
splaß u. dgl. m., mit Rafen belegte od. bewachfene Bank, dergl. Sig, Hügel,
Platz; die Raſeneiche, eine einzeln auf einem Nafenplage wachjende Eiche,
entg. Waldeiche; der Nafeneifenftein, Eiſenerz, welches unter dem Raſen
auf Wiefen gefunden wird, auch bloß Nafenerz, Rafenflein, Wiefenerz ze. ;
der Raſenhopfen, eine geringere Hopfenart, die man in Grasgärten an die
Bäune pflanzt, Weiden-, Heden=, Grashopfen 2c.; der Raſenkux (f. Kur),
Bergw. Antheil an einem noch ungebauten Bergwerke; der Rafenmeifter,
landſch. f. Abdecker, Schinder (weil er fein Gefhäft auf dem Raſen od. Anger
verrichtet) ; der Nafenpaken, die Nafenplagge, ſ. Pas, Plagge; die Ra—
fenfchmiele, eine Art hochwachſender Schmielen ; die Nafenfemfe, od. »binfe,
eine auf Rafenplägen wachfende Semſenart; das Raſenſtuͤck, ein Stüd mit
Gras beivachfener Erbe; Gärtn. ein mit kurz gefchnittenem Grafe bewachfenes
\
trafen — raſſeln 455
Luſtſtück; der Nafentorf, Zorf, welcher fich gleich unter dem Rafen findet,
j. U. v. Pech= u. Sumpftorf; — Ableit. rafig, Bw., mit Raſen bedeckt.
raſen, ziellof. 3w. m. haben (urfpr. fich ungeftüm bewegen, vergl. das
isländ. u. fehwed; rasa, angel. räsan, Laufen, ftürzen, toben; f. auch rafch, und
vergl. das franz. rage), gem. f. laut und ungeflüm lärmen, toben (im Hauſe
herum rafen, der vafende Pöbel) ; ſich zügellofen Nusfchweifungen überlaffen
(er hat in jeiner Jugend viel gerafet) ; in heftiger Leidenſchaft fein u. vernunft-
widrig handeln, wüthen (vor Zorn raſen; ein rafender Menſch; das Mw.
vafend auch ald Bw. von Gedanken, Handlungen ze. f. ungeflüm, unfinnig:
ein vafendes Unternehmen u. dgl.; u. gem. als verfrärkendes Nm. f. in hohem
Grade, übermäßig: er hat raſend viel Geld 2c.); in engerer Bed. der Ver:
nunft vollig beraubt fein, irre reden, toben (z. B. in hitzigen Krankheiten),
ald Toller od. Wahnfinniger wüthen; der Raſer, die Raſerinn, ungebr.,
wer rafet, gem. der, die Nafende; die Naferei, der Zuftand des Nafens ;
eine Handlung eines Rafenden; die Nafewurzel, Tollkirſche, Bilfentraut.
Raͤsling, m., —es, M. -e, f. Räßling unter räß.
Raspe, w., M. -n, 1. eine Pferdefrankheit, ſ. v. w. die Nappe, ſ. d.5 —
2. landſch. f. Rispe; — 3. f. Flughafer, Mäufehafer.
Raspel, w., M.-n (engl. rasp, ital. raspa, franz. räpe), eine grobe
Feile mit fcharf hervorragenden Spigen, beſ. zur Bearbeitung von Holz,
Horn ze. ; uneig. Naturk. ein aufterartiges Schalthier (Feile); aud eine Art
Schwimmfchneden (das Reibeifen) ; raspeln 1., zieltof. u. ziel. Zw. (ſchwed.
raspa, engi. rasp, ital. raspare, franz. räper; wahrfch. ein Schallw.), mit
der Raspel arbeiten od, bearbeiten; — 3fes. der Raspelboͤrs, eine Art
Börs mit rauhen Schuppen; das Naspelbrod, hartgebadenes Weizenbrod,*
deffen Rinde mit einer Raspel abgericben ift, der Naspelhauer, Feilenhauerz
das Raspelhaus, Arbeitspaus, Zuchthaus, wo die Züchtlinge Färbehölzer
raspeln müſſen; der Raspelſpan, beim Raspeln abfallender Span.
raspeln 2. od. raspen, ziel. Zw. (altd. raspon; vergl. rappen, rapſen),
oberd. f. raffen, eilfertig ſammeln.
räß, Bw. (altd. räz, räzi, raeze, heftig, ſcharf, wild), oberd. u. ſchweiz.
f. ſcharf, ſchneidend (ein Meſſer); von ſcharfem, zuſammenziehendem Ge:
ſchmack, herbe, ſauer (räßes Obſt, Wein), verſalzen; grell, durchdringend,
vom Schalle; heftig, muthig, hitzig, geil (von Menſchen und Thieren); daher
der Räßbrunnen, f. Sauerbrunnen; die Raͤße, f. Schärfe; räßen, ziel-
loſ. Bw. f. ſcharf ſchmecken; räßlich, Bw., ein wenig räß od. ſcharf; der
Raͤßling, f. Moosſchwamm, ſ. d.
raſſeln, zielloſ. zw. m. haben (ein Schallw. oberd. raßeln, ſchwed.
rassla, engl. rustle u, rattle, niederd. ratteln, räteln, landſch. auch raſtern;
vergl. rafchein u. praffeln), den anhaltenden Schall hören laffen od. hervor—
bringen, welcher durch ein fehnelles, zitterndes Aneinanderfchlagen harter,
Elingender Körper entfteht (eiferne Ketten raffeln, der Wagen raffelt auf dem
Cteinpflafter; mit den Ketten raſſeln) ; auch.f. fich raffelnd bewegen, vafjelnd
hefabfallen ; landſch. auch f. fchnarchen, Erächzen, vöcheln (niederd. rotteln);
die Kaffel, M. -n, niederd. Rattel, Natel, Rätelding) ein Werkzeug zum
Raffeln, eine Knarre od. Schnarre z. B. des Nachtwächters, welcher daher
Landfch. der Raſſelwächter (niederd. Ratelwacht) Heißt; das Raſſelgold,
456 Raſt — rathen
Rauſchgold; die Raſſelmaus, Rellmaus, Siebenſchläfer; der Raſſeler, -8,
wer taffelt ; landſch. f. Espe, Zitterpappel.
Raſt, m., -es, 0. M., Krſpr. das vorlegte Zeichen mit der Trommel
zum Aufbruch eines Kriegäheeres (den Raft lagen; wahrſch. — die Raft 1),
fofern es eine gewiſſe Zeit od. Weile bedeutet).
Raſt, w., M.-en, 1) (goth. rasta, altd. raste, isländ. röst, ſchwed.
rast, Wegftrede, Meile) alt u. oberd. (fchweiz. der Raft) eine beftimmte Ar—
beit, nad) welcher man ruhen kann (fr. Penfum) ; überh. eine gewiffe Zeit
od. Weile (niederd. Rus); insbef. eine Strede Weges, nach deren Zurüd-
legung man austuht (fr. Station), eine Meile (in diefem Sinne gew. die
Rafte); 2) (altd. resti, resta, rest, fchwed. rast, engl. rest, niebderd. und
holl. rusı) die Ruhe nach vorangegangener Arbeit od. Bewegung (weder Raft
noch Ruhe haben; ehem. die Sonne geht zu Raft, d. i. geht unter); auch der
Theil eines Werkzeuge, woran ein anderer ruhet, d. i. in feiner Bemegung
aufgehalten wird, bef. bei den Büchfenmachern gewifje Theile an der Nufs des
Gewehrfhloffes: Vorder-, Mittel», Hinterraſt (au Ruben); raft-
los, Bw., ohne Raft, nicht ausruhend, ruhelos (vaftlos thätig, ein raftlofer
Geiſt); die Raſtloſigkeit; raſten, zielloſ. Zw. (altd. restjan, restan,
resten, engl. rest; niederd. ruſten), auf eine Zeitlang ausruhen, ſich erholen,
verſch. ruhen; niederd. auch f. ſchlafen; ſchweiz. hingegen (nach Raſt 1) in an⸗
haltender Bewegung begriffen fein; der Raſttag, Ruhe- od. Erholungstag,
bef. auf Reifen und Märfchen (einen Rafttag machen, halten).
Kafter, m., -$, das Leipziger Stadtbier, weil ehem. ein eiferner Rechen
(fat. rastrum) mit einem Glaſe vor den Bierfchenfen hing.
raftern, ziellof. Zw., niederd. f. raffeln, lärmen, fchreiend ſprechen;
der Raſterer f. Lärmmacher, Schwätzer.
Ratel, w., M. -n, 1. ſ. Raſſel; — 2. auch das Ratelſcheit, ſ. Raidel.
raten, räteln, ziellof. Iw., niederd. f. raffeln, klappern; plaudern; da=
her die Mäteltafche, f. Maudertaihe; die Rätelwacht, f. Raſſelwächter, |. d.
raten od. ratten, ziellof. Iw., niederd. f. rotten, verrotten, faulen;
daher die Kate (auch Rote) f. das Faulen; die Fluchsrofte.
ratern, rätern, ziellof. Zw. 1. (vergl. rütteln, u. räden, rädern), niederd.
f. zittern; 2. ſ. v. w. täteln.
rathen, ziel. Zw. (altd. rätan, räten, Impf. riat, riet; Mw. räran,
gerätenz; altniederd. rädan, isländ. räda, angelf. raed, niederd. raden), ab-
laut. ich rathe, du räthft, er räth, wir rathen 2.5; Impf. rieth, Conj. riethez
Mw. gerathen; urfpr. wahrfh. wohin gelangen, kommen, ein Ziel, erreichen
(daher gerathen in feinen verfch. Bed.); daher jegt 1) im Geijt zu erfaſſen
fuhen, das Wahre und Nichtige zu treffen ſuchen, fei es nad) bloßer Ver—
muthung durch Ungefähr, od. durd Nachdenken u. Überlegung (vathe, wen ich
meine, was ich denke, wie alt ich bin u. dgl.; hin u. her rathenz ein Räthiel—),
auch das Mahre wirklich treffen, b. errathen (ein Räthſel —; er hat es
“gerathen, b. exrathen); 2) einem eine Verhaltungsregel ertheilen, um _
feine Handlungsweife zur Erreichung eines Zweckes zu beftimmen, Rath
geben (einem etwas— , ihm zum Beften rathen; wen nicht zu rathen ift, dem
ift nicht zu helfen; bisweilen mit dem Nebenbegriff einee Drohung, z. B. id
rathe dir, dafs du folgft); insbeſ. einen durch) guten Rath unterflügen, daher
auch f. helfen (ich weiß mir nicht zu vathen) ; daher das Mw. gerathen ale
rathen 457
Bw.f. rathfam, heilſam, dienlich (ich Halte; es für gerathen, es fcheint mir
gerathener 20.); — der Rath, -es, M. Räthe, doch nur in einigen Bed.
üblich, (altd. rät, isländ. räd, angelf. raed), urfpr. wohl das Erreichte, Ge:
mwonnene, ob. das gur Erreichung eines Zweckes Dienende; baher insbeſ. 1) vlt.
das zum Bedarf oder Gebrauch Vorhandene, Lebensmittel, Geſchirr, Werk⸗
zeuge ꝛtc. (fo noch in: Vorrath, Hausrath, Geräth; entg. Unrath, d. i. das
undienliche, Schädliche); in weiterer Anwendung f. Vermögen, Macht und
Mittel zur Erreichung eines Zweckes od. zur Wegſchaffung eines Übels,
Hülfe, Abhülfe (daher die Redensarten: das Seinige zu Rathe halten; kommt
Zeit, kommt Rath; Rath ſchaffen; dafür ift Rath; hier ift Fein anderer Rath ;
dazu Tann Rath werden; alt: es ift eines Dinges Rath, d. i. es kann umgans
gen, vermieden werden; eines Dinges Rath haben, d. i. ein Mittel, eine Ab⸗
hülfe dafür haben, es entbehrer Können, vergl. entrathen); 2) Uberlegung,
Erwägung, auch Beſprechung mit Andern, um feine Handlungsweife da⸗
nad) einzurichten, ſinnv. Berathung, Rathſchlagung (mit fich ſelbſt od. mit
Jemand zu Rathe gehen, Rath halten, Rathes pflegen; einen zu Rathe ziehen),
u. der fo gewonnene Entfchlufs, der Rathſchluſs (eit. Raths werden f. einen
Entſchluſs faffen; oberd. feines eigenen Rathes leben; bibl. der Rath Gettes;
Gott ftürzet der Verkehrten Rath 2c.) ; ehem. auch das Vermögen zu liberlegen,
Einficht, Kiugheit (bibt. der Geift des Raths; groß von Rath); 3) eine einem
Andern vorgefchlagene Verhaltungsregel zur Erreichung eines Zweckes, ein
Rathſchlag (einem Rath geben, ertheilen, ihm einen guten Rath geben; einen
um Rath, bitten, fragen, fich bei Jemand Raths erholen; einem mit Rath u.
That beiftehen; einen Rath befolgen ze.) ; — in allen diefen Bedeutungen ift die
M. Räthe nicht gebräuchlich ,; +) eine berathende, d. i. überlegende und be=
fchließende Verfammlung mehrer Perfonen (M. felten Räthe; Rath halten,
im Rathe figen), bef. eine öffentliche berathende Behörde, die Gefammtheit
ihrer Mitglieder und deren Verſammlung (fr. Collegium ; der hohe Rath, geheime
Rath, Staats, Krieger, Stadtrath; einer aus dem Rathe; eine Sitzung des
Rathes; vor dem Rathe erfcheinen) ; I) ein einzelnes Mitglied eine Raths—
behörde, überh. ei Stantsbeamter, welcher dazu berufen ift, in öffentlichen
Angelegenheiter Math; zu ertheilen, oft ein bloßer Titel (ein Geheimerrath,
Staats-⸗, Hof- Gerichtes, Kammer-, Kriegsrath zc. M. Räthe; der iuftige
Rath, ehem. f. Hofnarr); — 3ſetz. von Rath: rathfragen, untrb: ziel.
3w., eifen—, ihn um Rath fragen (bibl. der König, rathfragte die Älteſten);
der Rathgeber (altd. rärgebo, oberd. Rathgeb), die Rathgeberinn, wer
eip! m Andern Rattrertheilt; das Rathhaus, das öffentliche Gebäude in einer
Stadt, in welchem der Rath feine Verfammlungen hält, Stadt-, Bürgerhaus ;
rathlos, Bw., ohne Rath, fich nicht zu rathen wiffend, hülflos; die Rath—
lofigfeit; der Rathmann, vit. f. Rathgeber; in einigen Städten f. Raths—
herr, Mitglied des Stadtrathes; Landfch. der Beifiger eines Land- oder Dorfge—
richtes; der Nathfchlag, die Berathung, und der in Folge derfelben gemachte
Anfchlag od. Plan; auch der Semand ertheilte Rath (T. v. w. Rath 3), bef. die
M. Rathfchläge f. das nicht gebr. Räthe); rathfchlagen, untrb. zielloſ.
3m. (abgel. von Rathſchlag, nicht zgef. aus Rath-ſchlagen; daher umend.
rathſchlagte, gerathichlagt, nicht ablaut. wie fchlagen), fich berathen,
zu Rathe gehen, Überlegen, erwägen (über etwas —, mit Semand—); die Rath:
ſchlagung; rathfchlägig, Bw., vit. aber brauchbar f. im Rathſchlagen geübt,
458 vathen |
zu rathen wiſſend; der Rathſchluſs, ein mit Überlegung gefaffter Befchlufs ; bef.
eine göttliche Entfchliefung od. Beftimmung (die Rathſchlüſſe Gottes); — von
Raths: rathöbedürftig, Bw., des Nathes bedürfend; die Rathsbeduͤrftig⸗
keit; der Rathsbote, Rathsdiener, Bote, Diener eines Rathes, beſ. Stadt—
rathes; die Rathsenge, in einigen Städten: der engere Ausſchuſs des Stadt-
rathes; rathsfaͤhig, Bw., fähig, ein Glied eines Stadtrathes zu werden; das
her die Nathöfähigkeitz die Rathsflagge, auf Flotten die Flagge, mittelft
beren bie Schiffebefehlähaber zur Berathung auf dad Hauptſchiff berufen werden ;
das Rathsglied, Mitglied einee Rathes; das Rathshaus, ein dem Stadt:
rath gehörendes od. unter deſſen Gerichtsbarkeit ftehendes Haus, verfch. Rath—
haus, |. o.; der Rathsherr, Mitglied eines Rathes, bei. des Stadtrates,
landſch. auch Rath- od. Rathsmann (M. Rathsleute), Rathsfreund,
Rathsperſon, Rathsverwandter (ſ. d.); daher der Rathsherrnſitz, die
Rathsherrnſtelle, -wuͤrde zc.; uneig. iſt Kaths herr Namen eines patſch⸗
füßigen weißen Waſſervogels; rathsherrlich, Bw., einem Rathsherrn eigen
od. angemeſſen; der Rathskeller, ein dem Stadtrath gehörender öffentlicher
Wein- od. Bierkeller; der Rathsmeiſter, ehem. in manchen Städten: der
vornehmfte Rathsherr, der Vorgefegte des Stadtrathes; der Rathsſchluſs,
der Beichlufs eines Rathes, bef. eines Stadtrathes (verfch. Rathſchluſs, f. o.),
Landfch. auch der Rathsverlaſs; der Rathsſchreiber, Schreiber eines Rathes,
Stadtichreiber ; die Rathsſitzung, »verfammlung; die Nathöftelle, Stelle
eines Rathsgliedes; auch eine von dem Stadtrath abhangende Stelle ; die Raths—
ftube, das Rathszimmer, der Rathsſaal, Verfammlungszimmer eines
Rathes; der Nathetag, Verfammlungstag eines Rathes; der Rathsver—
wandte, Iandfch. ein Mitglied eines Stadtrathes; in engerer Bed. nur die Glie—
der des äußeren oder weiteren Rathes, wozu auch Handwerker gehören Eönnen,
verfch. v. Rathsherr; die Rathswage, eine dem Stadtrath gehörige öffentliche
Wage, Stadtwwage; die Rathswahl, Wahl neuer Mitglieder eines Rathes; —
Ubleit. von Rath: räthig, Bw., vlt. f. Rath habend, Andern mit Rath
dienend ; oberd. eines Dinges räthig werden, d. i. darliber bevathen, oder
befchtießen, — von rathen: der Rather, -8, wer etwas räth od. zu erra=
then ſuchtz wer Nath- ertheilt, gew. Nathgeber; räthlich, Bw., 1) was
anzurathen ift, finnv. rathſam, dienlich, heilfam; 2) wer das Geinige zu
Raͤthe hält, ſparſam, wirthſchaftlich (ein räthlicher Mann; räthlich mit etwas
umgeben); die Raͤthlichkeit, Sparfamfeit, Wirthlichkeit; rathſam, Bw.,
was anzurathen iſt, heilſam, dienlich; alt u. landſch. auch ſ. v. w. räthlich 2),
ſparſam; das Räthſel, -8, M. w. E., Verkl. das Räthſelchen, (alt.
radisli, ratsal u. ratisca, ratnussa, ſpäter retersche, Räterſch; angel. rae-
dels, engl. riddle), eine durch Rathen zu löfende Aufgabe, gew. in einem
Morte beftehend, deffen Bedeutung auf eine dunkle od. bildliche Weife umfchrieben
ift (Näthfel aufgeben, errathen od. öſen) ; uneig. f. dunkle, ſchwer begreiflihe _
Ausdrücke, Außerungen, Sachen (in Räthfeln fprechen; er od. fein Betragen
ift mir ein Räthſel ec.); rathfelhaft, Bw., einem Näthfel ähnlich, ſchwer
erklärbar, dunkel, unbegreiflicy (eine räthfelhafte Sprache, ein räthſelhaftes
Betragen 2); die Nätbfelhaftigkeit, raͤthſeln, ziellof. Iw., Neuw. f.
cäthfelhaft fprechen, Räthſel machen, aufgeben; auch f. Näthfelhaftes er
forfchen u. erklären; die Räthfelei, das Räthſeln; — Zſetz. von Räthfel:
ratſch — ratzen 459
der Räthfeldeuter, dichter, der Räthſelreim, —ſpruch, =ton, das
Räthſelwort; rathfelvoll ıc.
rätſch, ein Naturlaut, welcher einen rauhen, fehnarrenden Schall nach⸗
ahmt, bef. den Schall, welcher beim Zerreißen eines Körpers entficht (es ging
ritſch ratſch); daher ratfchen, ziellof. Zw., landſch. gem. f. fehnarren (bie
Ennten ratfchen), bef. den Laut x fehnarrend aussprechen; ſchwatzen, plaudern;
niederd. f. in etwas einen Riſs machen; vätfchen, landſch. 3w., 1) ziellos
(auch väticheln), f. v.m. ratfchenz oberd. auch f. Elappern; 2) ziel. f.
Hanf od. Flachs brechen; bie Ratiche od. Rätſche, M. -n Iandfch. gem.
ein Werkzeug zum Raiſchen die Schnarre od. Raſſel (der Nachtwächter) ;
eine Klapper, bef. die Thurmklapper, welche in ber Charwoche ftatt der Glocken
gebraucht wird; Rätſche auch f. eine ſchwatzhafte Perfon; die Flachsbreche;
die Ente, bef. die gemeine wilde Ente: Rätfchente.
Hatte 1. w., M. -n, landſch. f. der Rochen.
Ratte 2. od. Rage, w., M.-n (altd. der rato u. diu ratta; oberd, der
Ras; niederd. u, dän. rote, ſchwed. rarta, angelf. raet, engl. u. franz. rat,
mitt(. lat. rattus, ital. raıto; verw. mit dem lat. rodere, nagen, und dem
deutfchen rotten, vaden?), ein zum Geſchlecht dev Maus gehörendes Nagethier,
größer ald die Maus und mit langem, kahlem Schwange, von verfchiedenen Ar—
ten; Haus-⸗, Feld, Wafler-, Wald, Bufchratte od. =ragez in weiterer Bed.
auch Benennung einiger andern Nagethiere, ſ. Ratz; — 3fes. ratten-
od, ragenfahl, rattengrau, Bw., von der fahlgrauen Farbe der Ratten;
die Ratten = od. Ratzenfalle, f. Falle; der NRattenfängerz das Ratten:
sift, -kraut, -pulver, Gift zur Vertilgung der Ratten, bef. Arſenik ; der
Rattenkönig, „ mehre mit den Schwänzen in einander verwachfene Ratten; das
Kattenfraut, 1) Rattengift; 2) Schaben= od. Mottenkraut; der Ratten—
fuchen, vergiftete Kuchen zur VBertilgung der Ratten; der Nattennfeffer,
f. v. w. Mäufepfeffer ; der Nattenfchwanz, Schwanz einer Ratte; uneig. ein
langer, dünner und kahler Schwanz, z. B. eines Pferdes (Rattenfhweif);
auch eine Pferdefrankheit, wobei die Schwanzhaare ausfallen; eine Birnenart
mit langen Stielen; das Zweiblatt od. Vogelneft, ein Gewächs mit langen Fa⸗
fern. an den Zwiebeln; Tuchm. fehlerhafte Runzeln, welche das Tuch beim Kräus
fein bekommt.
ratteln, zieltof. Zw. (engl. rattle) niederd. f. raffeln, klappern; die Nattel,
M.-n, f. Raffel, Ratſche; — rattern, ziellof. Zw. (vergl. ratern), gem.
Schallw. zur Nahahmung eines härteren, heftiger fehütternden Schalles,
als raſſeln.
Rättich, m., -es, (auch Röttich, Rätſchel, Rötſchel ꝛc.), landſch. f.
Flöhkraut.
Ratz, m., -ed, M.-e, 1) oberd. f. die Ratte od. Nabe; Ba verſchie⸗
dene andere Nagethiere, insbeſ. das Murmelthier (Berg-, Alpenratz); die
Haſelmaus, und beſ. die Bilchmaus od. der Siebenſchläfer (daher gem. wie
ein Ras ſchlafen; ein Schiafrag f. ein ſchläfriger Menſch, Langſchläfer);
Yandfch. auch f. Iltiſs.
Nabe, w., u. alle Zfeg. ſ. unter Ratte.
Rabe, w., M. .n, im Henneberg. eine bauchige hölzerne —
*
—
Schleifkanne.
ratzen, zielloſ. Zw., landſch. Schallm. f. raſſeln, Eragen, nagen; raͤtzen,
| —————————· — — —
460 | Raub
Zw., Säg. 1) ziellod, von den Hafen: einen ſchnarrenden Laut hören laffen ;
2) ziel. einen Haſen —, durch Nachahmung diefes Lautes loden.
Raub, m., -e8, 0. M. (altd. raub, roup, altfächf. röbh, röf; nieberd.
Roof; angelf. reaf, Beute u. Kleid, fo auch das mittl. lat. rauba, daher ro—
man. roba, franz. robe, Kleid, u. derober, berauben), 1) überh. das Maffen,
ſchnelle Ergreifen; daher f. Schnelligkeit, Eile, Eilfertigkeit (nur in den
Redensarten: etwas auf den Raub thun, auf den Raub eſſen, d. i. fehr eilig;
Bergw. auf den Raub bauen, d. i. eilfertig und obenhin); gew. das fehnelle u.
gewaltfame Anfichreißen (viele Thiere leben vom Raube), bef- die widerrechtz
liche u. gewaltfame Bemächtigung fremden Eigenthbums, verſch. Diebftahl,
welcher heimlich und mit Lift gefchieht (einen Raub begehen, auf Raub ausgehen;
Straßenz, Kirchen, Menfchenraub zc.); 2) was zufammengerafft od. gerzubt
wird (oberd. der Beftand eines Feldes an einzuerntenden od. geernteten Früchten,
vergl. Nach raub) ; gem. die Sache, deren man fich mit Gewalt bemäd):
tigt, ſinnv. Beute (auf den Raub lauern, den Raub freffen, theilen 20.5 ein
Raub des Todes werden); vauben, ziel. Zw. (goth. raubon, altd. roubön,
altfäch]. robbon, riederd. vowen, angel. reafjan und hreafjan, engl. rob,
ſchwed. röfwa; lat. rapere, fpan. robar, franz. ravir 20.5 vergl. raufen,
raffen), überh. etwas mit Schnelligkeit und Gewalt an ſich reifen (der Wolf,
der Fuchs, der Adler raubt), def. fich widerrechtlich und mit offener Gewalt
fremden Eigenthums bemächtigen, verſch. fehlen, entwenden (auf den Land:
ftraßen —, Vieh, Menfchen— ; geraubtes Gut) ; uneig. f. nehmen, entziehen
(einem die Hoffnung, die Ruhe, die Ehre ꝛc. —); SKartenfp. die als Trumpf auf:
gedeckte Karte nehmen u. die nicdrigfte derfelben Farbe dafür hinlegen; — 3feb.
v. Raub u. rauben: der Raubaal, f. v. w. Aalraupe; der Naubalant, ein
Fiſch, T. Kappe; die Naubbegier od. = Begierde, die Begierde zu rauben;
ein höherer Grad derfelben: die Raubgier; der höchſte Srad: die Raubſucht;
daher raubbegierig, raubgierig, vaubfüchtig, Bw., Raubgier od. Raub:
fucht habend u. davon zeugend; die Raubbiene, f. v. w. Heerbiene, |. d.5
der Raubfalk, Geierfalß; der Raubfiſch, ſ. Raubthier; die Raubfliege,
eine Art Fliegen, welche ſich von Inſecten nähren; das Raubgebaͤude, Bergw.
ein Berggebäude, welches auf den Raub (f. o.) u. nicht mit gehöriger Schonung
gebaut wird; der Raubgenoſs, Theilnehmer am Raube; das Raub, efindel,
raubendes Gefindel; die Naubgier, ſ. Raubbegier; der Raubkaͤfer, eine Art
Käfer mit großen Freſszangen, von Inſecten lebend; die Raubkrähe, Yandfch.
f. eine Art gang ſchwarzer Krähen; der Raubmord, ein mit Beraubung vers
bundener Mord; der Raubmoͤrder, wer einen Raubmord begeht; das Raub—
neft, uneig. (vergl. Neft) ein Aufenthaltsort von Räubern, be. verächtl. f.
Raubſchloſs; das Raubſchiff, ein zum Sceraube. gebrauchtes Schiff; der
Kaubichiffer, Seeräuber, das Raubſchloſs, im Mittelatter, ein Schloſs,
deffen Befiger die Nachbarn und Vorüberziehenden beraubte; der Raubſchuͤtz,
Wilddieb; das Raubſegel, auf den Elbſchiffen, das an der Raubſtange
befeſtigte Segel quer vor dem Maſtbaume; der Raubſtaat, ein Staat, der ans
dere Staaten an Menfchen u. Gütern beraubt, bef. in Nord= Afrika; det Haube
ftollen, Bergw. ein Stollen, durch welchen man Andern die Anbrüche zu ents
ziehen fucht; ‚die Raubſucht, f. Raubbegier; das Raubthier, ein fleifchfrefr
fendes Thier, weiches zu feiner Nahrung andere Thiere vaubt, auch das Raub—⸗
wild, als Sammelm., und von befonderen Thierklaſſen: der Naubfifch, der
vaubeln — Rauch 461:
Raubvogel ıc.; — Ableit. von Raub: raubig od. raubig, Bw., vlt.
f. räuberifch ; geraubt; raublich, Nw. u. Bw., vlt. f. einem Raube ähnlich,
als Raub; — von rauben: der Räuber, -8, die Räuberinn, M. -en,
wæer raubt, in allen Bed. auch uneig. (3. B. er ift der Räuber, meiner Ruhe) z
bef. wer mit offener Gewalt Menſchen raubt od. beraubt (ein Straßen-, Kir⸗
chen⸗, Seeräuber 2c.); uneig. ein vom Docht eines Lichtes ſich abfondernder
‘ Faden, welcher das Licht ſchmelzt u. ablaufen macht; auch ein überflüffiges
Reis an einem Baume, welches demfelben Säfte entzieht; Zfeg. der Räuber—
anführer, = Hauptmann; die Räuberbande,-horde, ⸗ſchaar zc.5 die
Räuberhoͤhle; das Raͤubervolk zc.; Abteit. die Räuberei, M. -en, eine
täuberifche Handlung, ein Raub, bef. in der Mehrh. (Räubereien begehen) ;
räuberifch, Bw. (oberd. auch räubifch), einem Räuber ähnlich od. gemäß,
einem Raube ähnlich (ein räuberifcher Menfch, räuberifche Handlungen) ; Bergw.
räuberiſch bauen, d. i. eilfertig, obenhin; räuberiſche Bergarten, die
im Schmelzen die guten Erze rauben, d. i. verzehren.
raubeln, 3w., f. rauen; — Räubling, m., f. Raup.
rauch, Bw., bef. oberd. Nebenform von rauh (ſ. d.), jedoch gew. von en=
gerer Bed., nämlich: mit Haaren, Wolle od. Federn bewachfen, entg. glatt,
Kahl; Forſtw. rauches Holz od. Nauchholz, f. Laubholz, bef. Bäume, bie
noch im Laube ſtehen; — 3fes. die inögemein mit ra uch, nicht mit rauh ges
bildet werden, find: der Rauchapfel, landſch. f. Stechapfel, Stachelnuſs;
der Nauchbart, Naturk. der Schleimaal, Fiſchwurm, ein Wurm mit Fäden
am vorderen Ende; die Rauch- od. Nauhbeere, eine Art haariger Stachel:
beeren; die Rauch- od. Nauhbuche, Hagebuche mit rauher Rinde; auch f.
die gemeine Rothbuche; der Rauchfärber, ein Kürfchner, welcher Pelzwerk
färbt; der Nauchfroft, ſ. Rauhreif; der Rauchfuß, landſch. f. das Waldz,
Holz⸗ od. Schneehuhn; die Trommeltaube; der xguhbeinige Falke; rauchgar, #
Bw., mit Beibehaltung der Haare gar gemacht (rauchgare Felle); dag Rauch»
grad, eine Art des Vieh- od. Rispengrafes; der Nauchhafer, Landw. rauher
Hafer, Barthafer ; auch) eine Art des Rispengraſes; der Rauchhandel, Handel
mit Rauch = od. Pelzwerk; daher der Nauchhandler; die Rauchhandlung;
das Rauchholz, ſ. 0.5 der Rauchkopf, eine Art Königzfifher mit rauhem
Kopfe; eine Art goldgelber Falken ; landſch. f. ein runder Borſtwiſch an langem
Stiele; das Nauchlever, eine Art Corduan, auf der Fleifchfeite rauh gemacht
u. gefhwärzt, auch das Rauchſchwarz; daher rauchledern, rauchſchwarz,
Bw.; die Rauchlinde, landſch. f. die gemeine breitblätterige Ulme; die Rauch—
feide od. Rauhſeide, rauhe, wollichte Seide (fr. Florettfeide); das Nauchs
‚ werk, Pegwerk ; Jäg. alles Wild mit haarigem Fell; Forſtw. die laubigen
Baumzweige; rauchwerfen, Bw., von Rauch- od. Pelzwerk gemacht; raud)-
werfen, ziel. 3w., Forſtw. einen Baum —, der Üfte beraubenz der Rauch—
werker, Kürfchner; — Ableit. die Rauche, f. Rauhe; rauchen, 3m:
f. rauhen.
Rauch, m., -e8, o. M. (aitd. rauh, rouh, xouch; v. riuhhan, riechen
(f. d.), Impf. rouh; daher ehem. auch f. Geruch, isländ. raukr, reykr, ans
gelf. rec, roec, altfähf. roc, niederd. Roof, dän. rog, engl. reek), überh.
- aufiteigender Dunſt von brennenden, fiedenden od. heißen Körpern, ſinnv.
Dampf, Duft, Qualm; gem. in engerer Bed. der trodene Dampf, welcher
von brennenden Körpern aufiteigt (mo Feuer ift, da ift auch Rau; in Rauch
462 Rauch |
aufgehen, d. i. verbrennen; Fleiſch zc. in den Rauch hängen ; nad) Rauch fehmee
den, riechen; einen Rauch mahen, d. i. räuchern) ; oberd. auch f. Mäucher:
werk (fo au in: Weihrauch); was fih vom Raudye im Rauchfange
anfest, Ruß (Hüttenvauh, Kienrauch zc.); landſch. uncig. f. Nauchfang,
Herd, Feuerftätte, Wohnhaus (z. B. oberd. eigenen Rauch haben, Rauch und
Brod haben; in diefer Bed. auh M. die Rauche, z. B. in der Laufis, wo
die Abgaben nach Rauchen oder Feuermauern beftimmt werden) ; 3feg. ber
Rauchfang, jeder Kanal, durch welchen der Rauch abzieht, bef. f. Feuer-
mauer, Schlot, Schornftein, ſ. d.; auch f. Feuerftätte, Wohnhaus; das
Kauchfanggeld, 1) Bezahlung für die Reinigung des Schornfteins; 2) landſch.
eine Abgabe von den Häufern nach der Zahl der Rauchfänge entrichtet, auch
Rauchfangſteuer, Rauchfteuer, =geld, =pfennig, -pfund, ſchatz;
der Rauchfangkehrer, Schornfteinfegers die Nauchfarbe, die ſchwarzgraue
od. ſchwarzgelbe Farbe des Rauchs; daher rauchfarbig, rauchgrau, Bw.;
rauchgeld, Bw., ſchwärzlichgelb, wie eingeräucherte Dinge; das Rauchhuhn,
ein Zinshuhn, ald Abgabe von der Feuerftätte an den Grundheren zc. gegeben ;
das Rauchloch, ein Loch, durch welches der Rauch abzieht (z. B. in einem
Ofen); das Rauchopfer, in Weihrauch beftchendes Opfers; die Rauchpoft,
eine Art Poft, d. i. Anftalt zur Mittheilung von Nachrichten vermittelft eines
gemachten Rauches; die Nauchfäule, fäulenförmig auffteigender Rauch; die
Rauchſchwalbe, ein Art Schwalben, welche in Rauchfängen und Küchen niften,
Bauern, Küchenfchwalbe; der Rauchftein, ein ſchwarzgelber Edelftein (Rauch:
topas) ; die Rauchwolke, in wolkenähnlichen Mafjen auffteigender dicker Rauch;
die Rauchwurz, Braunwurz; Ableit. rauchicht, Bw., rauchähnlich,
nach Rauch (z. B. ſchmecken); rauchig, Bw., Rauch enthaltend, voll Rauch
(eine rauchige Küche)); — rauchen, Zw. (altd. als zielloſ. Zw. riuhhan, ſ.
riechen, während das der Form nach entſprechende rauhjan, rouchan Rauch
machen, räuchern bedeutet; isländ. reykia, niederd. roken, angelſ. recan, engl.
reek) 1) ziellos m. haben, als Rauch aufſteigen (nur in: verrauchen) ; gew.
Rauch von fich geben, u. zwar in weiterer Bed. f. dampfen (frifches Brod,
eine warme Speife raucht; er arbeitet, dafs ihm der Kopf raucht, d. i. ſichtbar
ausdünftet) ; in engerer Bed. trodenen Rauch (f. d.) von ſich geben (brennen-
des Holz raucht, der Schornftein raucht), auch unp. es raucht, d. i. es ift
Rauch vorhanden, es giebt Rauch (ed raucht in der Stube; uneig. gem. es
raucht im Haufe, f. der Mann hat eine böfe Frau); 2) ziel. etwa s —, in
Rauch od. Dampf verwandeln, rauchen laffen, vlt. außer in Zabad rauchen
(eine Pfeife —3 auch bloß: rauchen, z. B. er raucht gern, flark 2c.); oberb.
auch f. räuchern; Ifes. (in denen rauhen zum Theil die Bed. räudhern
hat): das Rauchfaſs, ein Gefäß, worin man Räucherwerk anzlindet, Räucher—
faſs; das Rauchfeuer, ein noch rauchendes Feuer, z. U. v. Kohlenfeuer; auch
ein des Rauches wegen angezündetes Feuer; das Nauchfleifch, ſ. Räucher—
fleiſch; die Rauchkammer, f. Räucherkammer; die Rauchfohle, noch raus
chende, nicht ausgebrannte Kohle; die Nauchkugel, f. v. w. Dampflugel,
fe d.5 der Rauchmeifter, an Höfen: wer die Aufficht über das Räuchern des
ZFleiſches 2c. hatz unter ihm ſtehen die Rauchknechte; die Nauchnächte, M.
(gem. Raunächte), oberd. die zwölf Nächte u. überh. die Zeit zwifchen Weih—
nachten u. dem heil. Dreifönigstag (wahrfch. von dem um diefe Zeit üblichen kirch—
lichen Beräuhern der Wohnungen); die Rauchpfanne, f. Räucerpfanne ;
—
— BE cn
Raude — raufen 468
die Rauchftube, ein räucherige Stube, eine Stube, in welder Tabad geraucht
wird; der Rauchtaback, Tabak, welcher geraucht wird, das Rauchwerk,
f. Räucherwert; Ableit. räucheln, ziellof. Zw., oberd. nach Rauch riechen
od. [hmeden; ber Raucher, -8, wer (Zabad) raucht; raucherig od. gem.
räucherig, Bw., von Raud) angegriffen, gefärbt od. durchdrungen (Wände;
Speifen, die nach Rauch fchmeden od. riechen); — rauchern, Zw. (alt und
landſch. auch rauchen, räuchen) 1) ziellos m. haben, einen Raud machen,
insbeſ. durch Verbrennung wohlriechender Stoffe einen angenehmen Geruch ver=
breiten (3. B. mit Bernftein—, in einem Zimmer—), ehem. auch als Zeichen
gottesdienftlicher Verehrung: Opferrauch machen (dem Herrn, den Göttern —) ;
2) ziel. etwas—, dem Rauche ausfegen, von Rauch durchziehen od. mit
Rauch fich erfüllen laſſen (Fleiſch, Schinken ze. —, geräuchertes Fleiſch; Briefe
räuchern, die aus einem verpefteten Lande kommen; ein Zimmer räuchern, mit
wohlriechendem Rauche); Z ſetz. das Räucherfafs, die Räucherlampe, die
Raͤucherpfanne 2c., Geräthe zum Räuchern mit Räucherwerk; das Näucher:
fleifch, die Raͤucherwurſt 2c., geräuchertes Fleiſch, dergl. Wurft; die Raͤu⸗
cherfammer, eine Kammer, in welche ber Rauch aus dem Schornſtein geleitet
wird, um Fleiſch 2c. darin zu räuchern; die Raͤucherkerze od, das Raͤucher⸗
ferzchen, aus wohlricchenden Stoffen verfertigte Kleine Kegel, weldhe man
anzündet, um zu räuchern; das Raͤucherkraut, Räucherpulver, in Kleine
Theile zerriebene wohlriechende Körper zum Räuchern; das Raͤucherwerk, alle
zum NRäuchern dienenden wohlricchenden Stoffe; Ableit. der Näucherer, -8,
wer räuchert die Näucherung , das Näuchern.
Raude, w., M. -n (vergl. rauh, Krufte 2c.), landſch. die rauhe Rinde,
Kruſte, der Schorf über einer Wunde; die Raͤude, (altd. hrüda, rüda,
hriudi; isländ. hrüdrz oberd. Raude), eine Ausſchlagskrankheit, wobei die
Haut rauh und grindig wird, bef. bei Hunden u. a. Thieren, auch die Kräße,
Schabe od. Schäbe genannt; in weiterer Bed. auch eine Krankheit der Bäume,
* da die Rinde rauh wird u. höfpringt u. der Baum abſtirbt; räudig, Bw., die
Räude habend, Frägig (ſprichw. ein räudiges Schaaf ſteckt die ganze Heerde
an); die Raͤudigkeit, das Räudigfein. -
rauen, raumen, auch rauweln, raubeln, zieiloj. 3w. (altd. ruwen;
vergl. rauh u. das lat. ravus, raucus), oberd. u. ſchweiz. f. knurren, fchnurren
(von Kagen); heulen, winſeln, weinerlich bitten (um etwas —; einem etwas
abraumeln, d. i. durch Elägliches Bitten von ihm erhalten).
taufen, ziel. Zw. (altd. rauljan, roufan, isländ. hraufa; goth. raupjan,
angelf. hriopan, ſchwed. repa, nieder. repen; wahrfch. von gleicher Wurzel
mit vauben; vergl. zupfen), dünne od. faſerige Körper ziehen, reißen, aus:
reißen (die Haare aus dem Kopfe —; auch: einen bei oder an den Daaren oder
dem Kopfe—; den Flachs —, d. i. aus der Erde ziehen, auch die Samenkapſeln
mit der Raufe abreißen, gew. räufeln, riffeln, niederd. repeln; ein Huhn,
eine Gans ꝛc. —, gew. zupfen) ; in engerer Bed. einen —, ihn an den Haa:
ven reißen; ſich —, bei einer Schlägerei einander an den Haaren reißen;
überh. f. handgemein werden, ſich fchlagen (cberd. bloß: raufen, ziellos) 5
uneig. f. heftig ſtreiten, kämpfen, zanken; — 3fes. der Raufbold, (f.
bold), -e8, M. -e, wer Schlägereien liebt und fuht; der Naufvegen, ein
langer Degen mit großem Stichblatt, Raufer, Schläger; auch f. Raufbold; der
Raufbandel, eine Schlägerei, Balgerei, bef. wenn darüber Klage vor Gericht
464 Raugraf — taub
entfteht; das. Raufholz, ein hölgernes Werkzeug der Weißgerber zum Aus⸗
zaufen der Daare von den Fellen; die Raufſucht, die Sucht, fich zu raufen od.
zu ſchlagen; rauffüchtig, Bw.; die Raufwolle, die Wolle welche den Schas
fen ausgerauft wird od. ausgeht, z. U. v. Schurwolle; die Raufzange (ver
derbt: Roffzange), in Eifenhämmern: eine ftarke Zange, mit weicher das Eifen
gefafit und vor den Hammer getragen wird; — Ableit. die Raufe, M.-n,
1) ein großer feſtſtehender Kamm, mittelft deffen die Samenfapfeln des
Flachfes abgerauft werden, auch die Raufel, Riffel, Reffel genannt (nie
derd. Repe, Repel); 2) in den Ställen eine über der Krippe längs der Wand
befejtigte Leiter, hinter welhe Heu, Stroh u. a. Futter geſteckt wird, welches
das Vieh zwifchen den Eproffen hervorrauftz 3) die Zeit, wo die Gänfe ge—
rauft werden, Naufzeit; raufeln, ziel. Zw. (auch viffen), landſch. den
Flachs —, ſ. v. w. raufen (f. o.); der Raufer, -S, wer rauft; bef. wer-
ſich gern mit Andern vauft, ein Schläger, Raufbold; auch f. Naufdegen ;
die Rauferei, M. -en, eine Schlägerei, ein Handgemenge.
Raugraf, m., die Naugräfinn, (eig. wohl Raupgraf xc.), chem. Titel
einiger längft ausgeftorbenen gräflihen Familien am Oberrhein, wahrſch.
von der rauhen Beſchaffenheit ihrer Bezirke, daher au) Wildgrafen genannt
(mittl. lat. comites silvestres).
rau), Bw., Comp. rauher, Sup. rauheſt, (altd. rüh, angel. rüh, rug,
reoh, engl. rough; niederd. rug, ruwe, rowe; holl. ruig, rouwz vergl.
raud), u. d. lat. ravus, raucus), Über). auf der Oberfläche uneben, mit
Eleinen harten, meift ſcharfen Erhöhungen verfehen, entg. glatt (ein rauher
Boden, Weg, eine rauhe Haut; ein rauhes Land, d. i. wüſtes, unangebautes 5
rauhes Futter, Landw. f. Heu, Gras, Stroh, entg. dem glatten Ger
treide); inedef. mit Haaren, Borften, Federn u. dgl. bewachſen, entg.
nackt, kahl (in diefer Bed. auh rauch, f. d.)5 uneig. von der Kehleu. Luftröhre:
troden, nicht glatt (einen rauhen Hals haben), u. von der Stimme: nicht hell
Elingend, heifer, grob (rauhe Töne ꝛc.); von der Luftbejchaffenheit: einen
- fcharfen, unangenehmen Eindruck auf das Gefühl machend, entg. mil,
fanft (ein vauher Wind, rauhe Witterung, ein rauher Himmelsſtrich u. dgl. m.);
in fitelichem Verftande: ohne feinere Bildung, ohne Sanftmuth und Scho—
nung, unfanft, finnv. hart, grob, roh (rauhe Sitten, Worte, ein vauher
Mann 20); — 3feg. die Rauhbeere, ſ. Rauchbeere (unter rauch); bie
Kauhborfien, od. Rauhhaare, die Schweinsborften, wie fie ungefondert
in Binden verkauft werden; die Rauhbuche, |. Rauchbuche (unter vauh) ;
der Rauhbuckel, eine Art Seeraupen mit 20 rauhen Schuppen auf dem Rüden ;
das Rauheifen, f. Roheifens das Nauhfutter, f. v. w. rauhes Futter
(ſ. 0.); der Rauhhobel, Tiſchl. ein Hobel, welcher das Gröbfte vom Holze
wegnimmt, entg. Schlichthobel; der Nauhhonig, Honig, welcher, fo wie er
aus den Stöcen gebrochen ift, mit den Wachsſcheiben in Tonnen geftampft wird,
. daher auch Zonnenhonig, z. U. v. Seimhonig; der Rauhkopf, Borſtwiſch, f.
Rauchkopf (unter rauch) ; der Naubhreif od. Rauhfroſt, ein Reif, weicher fich
bei nebligem Zroftwetter bef. an die Gewächfe anfegt; der Raubjchleifer, ein
Schleifer, welcher nur grobe Sachen, als Irte, Beile zc. fhleift; die Rauh—
wade, ein kalkartiger, löcheriger, rauh anzufühlender Stein, Tof, Zuffteinz
der Raͤuhweizen, eine Weizenart mit Grannen an den Ähren; der Rauh—
zehnte, f. d. w. Garbenzehntez — Ableit. rauhen, Zw. 1) ziel. rauh
Kaufe — raum 465
machen (das Tuch —, bie kurzen, in ber Walke loder gemachten Haare vor
dem Scheren herauskratzen; Leder—, auf der Fleifchfeite rauh madjenz vergl.
Rauchleder unter rauch); 2) ziellos od. rückz. von den Vögeln f. v. w. ſich
mauſen oder mauſern, ſ. d. (die Vögel rauchen oder rauhen ſich; daher die
Rauhzeit, Mauſezeit); die Rauhe, 1) der Zuſtand des Rauhens der
Vögel, gew. die Mauſe; 2) ſelten f. die Rauhheit od. Rauhigkeit, das
Rauhſein, die rauhe Beſchaffenheit (eines Weges, der Stimme, der Sitten ꝛc.).
Kaufe, w., M. -n, (lat. erüca, franz. roqueite, engl. rocket), ein
Schotengewächs (sisymbrium L,) von mehren Arten, ald: die Brunnfreffe;
die wilde R.; morgenländifhe R.; fpanifche R. (Nefeda); die Winterraufe od.
. Winterkreffe, der gemeine Wegefenf.
raum, Bw. (goth. rüms, isländ, rümr, altd. rümi; angelf. niederd.
ſchwed. rum, holl. ruin) , vlt. f. geraum, räumig (die raume See, f. die
weite, hohe; Schiff. vaumer Wind, d. i. der Backſtagswind, der zum Segeln
vortheilhaftefte) ; niederd. auch von der Zeit f. völlig, reichlich (4. B. es ift
raum ein Sahr) 5 -— ber Raum 1., -e8, M. Räume, (goth. rüms, altd.
rümi, rüm; niederd. Rum, engl. room, hol. ruim ;- urfpr. wohl, wie noch
im Oberd., das Entfernen, Wegnehmen, Räumen; dann das Entfernte, Weg:
gefchaffte, daher noch Abraum f. Schutt, Unrath; endlich der durch Weg-
ſchaffung von etwas frei gewordene Plas), die reine Anfchauung der unbe:
grenzten Ausdehnung der Materie, abyefehen von dem erfüllenden Stoff,
od. das Leere, worin wir die körperlichen Dinge als neben einander befind⸗
liche wahrnehmen (der leere Raum; die Weltkörper ſchweben in dem unendlichen
Raume, der Luftraum ꝛc.); ein begrenzter Raumtheil (jedoch immer als Aus—
dehnung, nicht als Punkt gedacht, ſinnv. Platz (f. d.), verſch. Ort; z. B. der
Raum zwiſchen zwei Körpern; die weiten Räume eines Gebäudes, der Hof—
raum ꝛc.), insbeſ. ſofern er einen Körper aufnehmen u, dieſer ſich darin ge-
hörig ausdehnen oder bewegen Fann (vielen, feinen ꝛc. Raum Haben; die
Menfchenmenge hatte nicht Raum genug; einen großen Raum einnehmen; Raum
machen, Raum lafjen), oder fofen er noch unausgefüllt, aber zur Aufnahme
eines Stoffes beftimmt ift (dev Raum eines Faſſes, einer Flaſche; der Schiffes
raum, d. i. ber zur Aufnahme der Ladung dienende Raum unter dem Verdecke);
uneig. f. die Bedingung der Wirklichkeit, die Möglichkeit der Verwirklichung,
ſinnv. Statt (einer Bitte Raum geben, d. i. fie Statt finden laſſen, erhören;
einem Wunfche, einem Gedanken, einer Leidenfhaft Raum geben, d. i. nach⸗
hängen, fie nicht unterdrücken); — 3feg. der Raumanker, Schiff. ſ. v. w.
Nothanker, weil er im Schifferaum aufbewahrt wird; die Raumeiche, landſch.
in weiten Smoifchenräumen zerſtreut wachfende Eichen; das Raumloch, Heine
Öffnungen in ten Koblenmeilern, durch welche der Rauch hinauszieht, auch
Räume; — Ableit. raͤumig, Bw., Raum enthaltend, viel Raum
habend, gew. geräumig; raumlich, Bw., 1) altd. (rümlih) und landſch. f.
räumig; 2) einen Raum einnehmend od. ausfüllend, körperlich ausgedehnt;
den Raum angehend od. betreffend; die Raͤumlichkeit, das Räumlichfein,
die körperliche Ausdehnung; das Raumverhältniß; die Raͤumte, Schiff.
die hohe od. offene See (Seeräumte, Seeraum; auch bloß Raum); — rau:
men, ziel. 3. (altd. rümjan, rümen, oberd. raumenz angeif. rümjan,
ſchwed. yma), 1) etwas entfernen, wegfchaffen u. dadurch Raum machen
(Schutt, Holz, Steine —, die Bücher vom Tiſche); uneig. ausdem We ge-—,
Heyſe's Sandwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. .30
466 Raum — Raupe
f. befeitigen Ginderniſſe, Schroferigkeiten), hihterliftig tödten (einen Menfchen) ;
2) einen Drt od. Platz —, duch Megfchaffung der darin befindlichen
Dinge leer. od. frei machen, bef. von dem Unnügen reinigen (eine Brandftelle,
einen Keller, Stall; einen Brunnen, Hafen zc. —, von Schlamm reinigen;
die Tabackspfeife —); auch f. geraumer machen, erweitern (ein Loch durch einen
ftärkeren Bohrer) ; uneig. einen Ort —, f. denfelben verlaffen u. dadurch
Anderen Platz machen (einem das Zimmer —; efn Land—; der Feind muffte
das Feld räumen); ehem. auch ziellos f. Raum machen, fich entfernen, ver-
lieren, daher noch Schiff. der Wind räumt, d. i. wird günftiger; der Räu—
mer, -$, wer einen Drt ausräumt oder reinigt (Hafen-, Grabenräumer ꝛc.);
ein Werkzeug zum Räumen (Kanonen=, Pfeifenräumer); auch ein Bohrer
zum Räumen (f. 0.), Raumbohrer z die Räumung, das Räumen (. 8.
eines Hafens, des Landes 2c.); der Raumbrief, ehem. ein Befehl, das Land
zu räumen; dag Räumeifen, wein eifernes Werkzeug zum Ausräumen einer
Öffnung, z. B. bei den Bergleuten; die Näumnadel, ein fpigiger Drath zum
Reinigen der Zündlöcher der Schießgewehre.
Raum ?. m., -es, oberd. f. Rahm; (f. d.), Sahne; raumen, 3w.
f. rahmen.
Raumundkraut, f., landſch. f. Güldenfteinbrech, Leberkraut.
raunen 1. ziellof. u. ziel. Zw. (altd. u. niederd. runen, angelf. runjan,
ſchwed. runa, engl. round; vergl. Rune), leiſe fprechen, flüftern, mur—
meln, mit dem Nebenbegriffe der Deimlichkeit (einem etwas ins Ohr—); chem,
auch f. heimliche Anfchläge machen (bibl. wider Jemand raunen) ; der Rau—
ner, -$, (altd. runari), wer raunt; rauneln, ziellof. 3w., oberd. f.
raunen; ſchmeichelnd ſchnurren (von Kagen), brummen; raunzen, zielloſ.
Zw. (altd. rünazjan, runezon;z vergl. grungen), oberd. f. in flüfterndem,
weinerlihem Zone reden; Eläglidy bitten; heulen, ſchreien (von Kagen) ;
raunzig, Bw., bair. f. weinerlich; erbärmlich, ſchlecht.
raunen 2. zielloſ. Zwv. m. haben (vergl. das altd. run, Gang, Bewegung;
runs, Runſe od. Rünſe, rennen 2c.), Säg. von den Hafen: hin- und her-
laufen und fpringen.
raunen 3. ziel. Zw., vlt. f. fchneiden f. runen.
Raunſche, w., landſch. f. Nange, Mangold.
Raup, m., -en, M. -en, auch die Raup, Raupe 1., M. en, und
der Raͤupling, -e8, oberd. 1) f. ein einjähriges Rind; 2) Raup auch:
ein ungefchliffener Menſch (Rüpe), Taugenichts, Lotterbube, Auffchneider,
Noffenreißers daher Raupen, M. o. E., f. Schnurren, Poffen, Schwänke,
Zoten; Grillen, feltfame Einfälle (gem. Raupen im Kopfe haben); die Rau:
perei, f. Poffenreißerei, muthwillige Rede ed. Handlung, Büberei.
Raupe 2. w., M. -n, Verkl. das Räupchen, (altd. rüpa, rüpe;
niederd. Rupe; engl. grub; verw. mit d. lat. eruca, od. mit repere, angelf.
creopan, nieberb. Erupen, f. kriechen?), die wurmähnliche, aber mit Füßen
verfehene Larve vieler geflügelten Inſecten, bef. der Schmetterlinge (Neftz,
Ringelz, Kohlraupe ze.) 3 landſch. uneig. ein Eleines, noch kriechendes Kind; —
3feg. der Naunenfraß, das Abfrefien des Laubes durch die Raupen und der
dadurch verurfachte Schaden ; das Raupengras, eine Art Glanzgras, falfches
Lieſchgras, ein gutes Schaffutter; der Raupenjäger, ein auf Bäumen lebens
der Käfer, der auf Raupen Sagd macht ; der Raupenklee, od. das Raupen«
| Raupe — raufchen 467
fraut, f. v. w. Krebsblume; das Raupenneft, ein dem Spinngemwebe ähn«
liches Gewebe, in welchem bie Raupeneier fich befinden; die Raupenſchere,
eine Schere an einer langen Stange zum Abfchneiden ber Raupennefter von den
Bäumen, auch das Naupeifenz der Naupenftand, der unvolltommene Zur
ftand eines Infects als Eviechende Raupe; uneig. der unvollkommene Zuftand des
Menfchen auf Erden, dag Naupenleben; der Naupentödter, verfchiedene
Thiere, welche die Raupen tödten, bef. ein wespenähnliches Inſect, welches
feine Eier in die Haut der Raupen legt; auch f. Purpurdohle; — Ableit.
raupen, ziellof. u. ziel. 3w., die Raupen von den Gewächfen abfuchen, u.
diefe dadurch reinigen; der Rauper, -6, wer raupt.
Raupe 3. w., o. M. (wahrfh. =Rappe als Pferdekrankheit), eine
Krankheit des Viehes, bef. des Rindviehs, wobei die Haut an den Füßen auf:
fpringt und triefend wird u. die Haare ftarr und fteif werden.
Rauſch 1. m., o. M. (vergl. das niederd. rusk, engl. rush, Binfe; goth.
raus, Rohr), landſch. f. die Preißeldeerftaude;, die Mirtenheide; der gemeine
Lolch od. Kuhweizen, auch das Rauſchkorn; die Rauſchbeere, landſch. f.
die große Heidelbeere; auch ein Kleines Staudengewächs, in Sumpfgegenden
wachfend, von zwei Arten: die weiße und die ſchwarze Raufchbeere, auch
Raufchbeerheide, Affenbeere, Steinheide 2c. (vielleicht von vaufchen, ober
Rauſch 4.9); das Rauſchgruͤn, 1) landſch. f. die Moos = od. Sumpfbeeren⸗
ftaude; 2) eine aus den Beeren des Kreuzdorns verfertigte grüne Caftfarbe,
Saft-, Blafengrün.
Rauſch 2., m., -e8, o. M. (verw. mit raus?) landfch. f. Brand an
den Gewächfen, bef. am Weinftod (Laubraufc).
Rauſch 3. m., -es, M. Näufche (verw. mit Graus, Gries?), oberd.
Bergw. das vollfommen Elar gepochte und ausgefiebte Erz.
Rauſch 4. m., -e8, M. Räuſche, Verki. das Räuſchchen, (nieder.
Rufe, isländ. russ, ſchwed. rüs; urfpr. wohl heftige, Iebhafte Bewegung,
verw. mit vafch?), oberd. ein fchneli aufloderndes Feuer; ehem. ein fchneller,
heftiger Anfall od. Angriff (im erften Rauſche, d. i. in der erften Hitze); jegt:
ein vorübergehender Zuftand von Aufregung u. erhöheter, aber nicht mit
Elarer Befinnung verbundener Lebenskraft, bef. durch geiftige Getränke her-
vorgebracht, ein geringer Grad der Trunkenheit (Einen Rauſch haben, fich
einen Rauſch trinken, den Rauſch ausfchlafen, im Rauſche des Vergnügen 2c.) ;
daher raufchig, Bw., alt und oberd. f. trunfen, beraufcht; raufchen 1.
zielloſ. zw., einen Rauſch verurfachen, gem. beraufchen (dev Wein vaufcht
oder beraufcht).
raufchen 2., ziellof. Bw. m. haben, (ein Schallm. altd. ruzjan, ruzon,
ſchnarchen ruzen, rüschen; vergl. d. oberd. vaußen f. fehnarchen u. ſchweiz.
f. brüllen; niederd. rusken, angelf. hristlan, engl. rush, rustle, ſchwed. rusa,
holl. ruischen), einen dumpfen, rauhen, anhaltenden Schall hören laffen,
wie das bewegte Laub der Bäume u. das ftark firömende Waffer, finnv. braufen,
faufen, viefeln, raſcheln 2c.5 in meiterer Bed. überh. Geräufh machen (ein
vaufchendes Tonfpiel, rauſchende Vergnügungen), ſich mit Geräuſch bewegen
(fie raufchte durch den Saal; So bef. in Zſetz. dahers, heranz, vorbeiraufchen 26.) ;
landſch. insbef. f. gähren (von geiftigen Getränken) ; nad) der Begattung ver:
langen, brunften (von den Säuen); dicht. auch ziel. f. mit Geräufch zu er:
kennen geben (fie vaufchten ihm Beifall) ; der Raufch 9., -e8, M. - e, oberd.f.
30*
*
468 MRauſchgelb — Raͤute
das Geräuſch; insbeſ. ein rauſchender Wafferfall;, — 3fes. das Rauſch⸗
gold, zu dünnen Blättchen geſchlagenes Meſſing, welches bei jeder Bewegung
rauſcht, Kniſter-, Flittergold; die Raufchpfeife, -flöte, das Rauſchwerk,
ein Orgelzug von raufchendem lange; , bag Rauſchſilber, verſilbertes Meſſiag,
zu dünnen Blättern geſchlagen.
Rauſchgelb, f., -e8 (gem. auch Roſs- od. Ruſsgelb, wahrſch. ver—
derbt aus d. ital. rosso, roth), geſchwefelter Arſenik, auch rother Arſenik,
Bergroth genannt, beſ. als Malerfarbe.
Rauſchgold, =pfeife, =filber zc. ſ. unter rauſchen; Rauſchgruͤn unter
Rauſch
raͤuspern, zielloſ. u. rückz. Zw. (ein Schallw., oberd. auch räuſpeln, niederd.
ruspern; vergl. raspen, raspeln), mit rauhem, krächzendem Laut Schleim ıc.
aus dem Haufe heraufzubringen fuchen, niederd. auch harken, vaden, quarren
(gew. fich räuspern).
Raute 1.w., M. -u (altd. rüta, oberd. auch der Raut, niederd. Aue,
Nude, angelf. rude;z griech. ovr:,, lat. ruta, franz. rue), ein Pflanzenge-
fhlecht von mehren Arten, als Berg-, Garten-, Kreuzraute zc. ; insbef. die
gemeine od. ſtark riechende Naute von fcharf bitterem Geſchmack, zerfchnitten
auf Butterbrod gegefien u. als Heilmittel gebraucht ; auch f. verfchiedene andere
Gewächfe, als: das gelbe Harnkraut; der gemeine Erdrauch; wilde Raute,
das Eleine Johanniskraut; Edelraute, eine Art des Wunderkrautes ꝛc.;
daher der Rautenbalſam, Rauteneffig, das Nautenöl, = wafler, aus
der ſtarkriechenden Raute bereiteter Balfam, Eſſig ꝛc.; das Nautenblatt;
der Rautenkranz (f. auch Raute 2.); der Nautenftrauch ; der Rauten—
wein, mit Raute angemadjter Wein.
Haute 2. w., M. -n, Verkl. das Räutchen, (ſhwed. rer, rura, i$länd.
reitr, Viereckz angelf. reorhe, Kranz, Kreis; Grundbed. fcheint Umfaffung,
Einſchließung einer Fläche), 1) ehem. überh. ein Viereck, eine vieredige Fläche ;
daher noch niederd. f. Tenfterfcheibe ; auch die Vierede auf den Spielkarten
in der deutſchen Karte (daher: der Nautenkönig, =bube, das Rauten
bauszc.z franz. carreau); die vierediigen Zelber eines Damen= od. Schach—
brettes; die gefchliffenen Flächen an Edelfteinen ze. ; 2) in engerer Bed, Größent.
ein gleichfeitiges , aber fchiefwinkliges Viertel, gefchobenes Viereck (fr.
Rhombus); eine längliche Raute, ein ſolches Viereck, an welchem nur
die gegenüberftehenden Seiten gleich find (fr. Rhomboides); 3) (von der urfpr.
allgemeineren Bed. Umfaffung, Neif) die Krone oder der Laubfranz in dem
Sächſiſchen Wappen (durc Mifeverftand auch Rautenkranz genannt, ob—
wohl mit Raute 1. nichts gemein habend) ; 4) (vielleiyt von anderem Stamm,
aus Ruthe verderbt?) Tifcht. der erhabene Theil zwifchen den Hohlkehlen,
der Stab; — 3fes. rautenfürmig, Bw., die Form der Raute, d. i. eines
RER Vierecks habend; das Nautenglas, ein rautenförmiges od. mit
angeſchliffenen Rauten verſehenes Glas; dag Rautenkoͤrbchen, eine Art Ar
chenmuſcheln, vautenförmige Arche; der Rautenftein, ein Edelftein, auf wel
chem Rauten gefchliffen find; das Nautenviered, die Nautenvierung, f. v.
w. Raute 2); Ableit. rauten, ziel, Zw. (Neuw.), mit rautenförmigen
Flächen verfehen (einen Edelſtein —, fr. facettiren).
Raͤute, w., M.-n (nur Nebenform von Raute 2.), Schloff. der ringför-
—
ER u N
v
raͤutern — Rebhuhn 469
mige Griff eines Schlüffels; der Näutenrichter, ein eifernes Werkzeug, mit
welchem der Räute des Schlüffels die Geftelt gegeben wird.
räutern, ziel. 3w., landfch. f. v. w. rädern 1.
Name, w., M.-n, (altfächf. raua, wahrſch. v. rauh; holl. roof, rappe).
nieberd. f. die Krufte, der Schorf auf einer Wunde od. einem Geſchwür.
Rebacker, zafche, saug2, f. unter Rebe,
Nebbelmurm, m,, landſch. f. die Maulwurfsgrille. .
rebben, ziellof. Zw. m. haben, (niederd, repen, reppen; vergl. d. nieberd.
veppen f. raffen, fehnell beivegen, d. oberd. ſich reben f. fich rühren u. das
angelf. repan, hreppan, treffen, berühren), landſch. gem. f. nach der Begattung
verlangen; befpringen, zur Fortpflanzung befruchten, von größeren Thieren
(der Hengft, der Stier rebbet).
Rebe, w., M.-n, Landfch. bef. oberd. auch ber Rebe, Reb, -en, (altd.
repa, reba, ſchwed. ref, Ranke; böhm. rywa; wahrfch. von ber Wurzel rab,
ſanskr. rabh, berühren, faſſen; vergl. audy das isländ. rik, Faden, nieberd.
Reep, Seil, angelf. raepan, binden), ehem. überh. f. Ranke, Sprofs,
fchlanfer Zweig (daher noch Gundel-, Waldrebe); jest in engerer Bed.
die langen, biegfamen Zweige od. Ranken des Weinftods (Weinrebe; bie
Reben befchneiden, anbinden 2c.) 5 in engfter Bed. nur die jungen diesjährigen
Sproffen des Weinſtocks (die Neben Iefen, d. i. aufnehmen und ———
in weiterer Anwendung f. Weinſtock, u. in Zſetz. auch f. Weintraube (z. B
Rebenſaft 2c.); oberd. auch f. Meinberg, Weingarten bibl. uneig. f. Spröfg-
ling, Abkömmling eines Gefchlechtes 20.5 die indifche Rebe, eine auslän—
diſche Schlingpflanze (Hundswinde 2c.); — Zfesd- (im Hochd. gewöhnlich mit
Reben, im Oberd. mit Reb gebildet): der Rebenacker (Nebader), das
Rebenfeld, mit Weinftöden bepflanztes Feld; die Rebenaſche (Nebafche),
Aſche von verbrannten Weinſtöckenz; das Nebenauge (Nebauge), Btüthen-
Enospe an den Weinreben ,; der Rebenbaum, ſchwäb. f. Weibenbaum; der
Nebenberg, =hain, « huͤgel (Rebhain, -hügel) T. v. m. Weinberg; bie
Mebbinde, landſch. f. Waldrebe; das Nebenblatt (Mebblatt), Weinblatt ;
die Rebendolde , eine in Sümpfen wachfende giftige Doldenpflanze —
L.); der Rebengang , ein mit Weinreben eingefafiter Ganz; das Reben—
geländer,, ein Geländer, an welchem Wein gezogen wird; das Rebenholz
(Rebholz), Holz des Weinftodes; das Mebland, ober. mit Reben bewach⸗
fenes od. zum Weinbau brauchbares Land; das Rebenlaub (Neblaub), Wein
laub; der Nebmann, M. Rebleute, — Winzer; das Rebenmeſſer
(Nebmeffer), Meffer zum Befchneiden der Weinftöcde; der Nebmonat, vlt. f.
‚September; der Nebenpfahl (Rebpfahl), Weinpfahl; rebenrecht od. reb-
recht, Bw., oberd. vom Wein, echt, unverfälfcht, wie er von der Rebe kommt ;
der Nebenfaft, 1) der Saft, welcher im Frühjahr aus den befchnittenen Reben
Läuft; 2) f. Weinz der Rebenfchnitter, landſch. f. Hirfchkäfer; der Neben
ftecher,, ein Kleiner Rüffelkäfer, welcher die jungen Rebenfproffen ab! neipt, auch
Rebwurm; der Rebenſtock (Rebſtock), Weinſtock; die Nebenthräne, auch
das Mebenwaffer od. Rebwaſſer, f. v. w. der Rebenfaft 1).
veben, vüdz. 3m. (vielleicht nur durch Übergang des gin b aus regen
entft. ; vergl. rebben), oberd. ſich —, f. fich regen, rühren; rebig, Bw.,
f. rege, rührig, munter.
Rebhuhn , 0. A. der Ausſpr. gemäß Repphuhn, f. (altd. rephuon; bite |
470 Kechbeere — rechnen
derd. Rapphohn, ſchwed. rapphona; oberd. gem. Ropf= od. Rupfs Hüenlein; nicht
von Rebe, fondern wahrfch. von dem Gefchrei, vergl. Rabez n. X. von bem ſchwed.
rapp, gelbgrau, od. v. reben, reppen, fich fchnell bewegen), eine Art grauer
u. ſchwärzlicher wilder Hühner, wenig größer als eine Taube, fchlecht fliegend,
aber fehr fchnell Taufend, Feldhuhn, Ackerhuhn; uneig. verfchiedene Schalthiere,
bef. eine fchöne Art der Pofaunenfchnede; eine Art Porzellanz od. Venusſchnecke (das
Beine Rebhuhn) ; die Rebhuhnfchnepfe, eine dem Rebhuhn ähnliche Schnepfenart;
der Rebhuhnſtein, ein Stein, der wie die Bruft eines Rebhuhns gezeichnet ift.
Nechbeere, w. (auh Rachbeere), landſch. f. die Beere des Kellerhalfes,
u. bie wilde Sohannisbeere. |
Rechen, m., -8, M. w. €. (altd. recho, altnord. reka, angelf. raca,
engl. rake; vom goth. rikan, farameln, aufhäufen, vergl. d. altnord. raka,
niederd. raken, fcharren, angelf. racjan), bef. oberd. f. das in Niederd. -
üblichere Harfe, |. d.z oberd. ehem. auch f. Egge; uneig. wegen Ühntichkeit
der Geftalt: ein an der Wand befefligtes langes und ſchmales Holz mit
Pflöcken zum Aufhängen von Kleidern u. dgl. (Kleiderrechen); an Zeichen,
Waſſermühlen zc. ein aus flarken Balken beftehendes Werk mit vielen eng
an einander ſtehenden Sproffen, durch welche das Wafler abflieht (Teicye,
Mühlrechen); Papierm. ein bretterner Kaften, in welchem der fein gefchnittene
Zeug mit einer Rührftange flüffiger gemacht wird; in Uhren der ſchmal gezähnte
Theil, in welchen die Zähne des Stellrades eingreifen; der Rechenbohrer, ein
Bohrer zum Bohren der Löcher für die Zähne eines Rechens; der Nechenftiel,
Rechenzahn, u. dgl. m.; rechen, ziellof. u. ziel. 3m. mit dem Rechen
arbeiten, od. etwas bearbeiten, harken.
Rechenamt ꝛc. — Rechenunterricht, f. unter rechnen.
Rechling, m., -e3, M.-e, landſch. f. Börs od. Bars (wahrſch. wegen
feiner ſtachligen Floſſen, welche einem Rechen ähnlich find).
rechnen, ziellof. u. ziel. Zw. (zgez. aus rechenen, welches ehem. in rechen
verkürzt wurde; goth. rahnjan, isländ. reikna, niederd. refenen, reken, engl.
reckon, ſchwed. raekna, dän. regna; das der Form nach entfprechende althochd.
rechanön heißt anordnen, einrichten, u. feheint verw. mit rahha, Sache, Urs
fache, rahhön, fagen; vergl. zählen u. erzählen, engl. tell; das oberd. raiten
u. Rede, ratioz das griech. Aoyos u. Aoylkeosaı), zählen, der Zahl nach bes
ſtimmen (etwas an den Fingern herrechnenz eines zum andern rechnen; die Zeit
nad Sahren zc.—); aus gegebenen Zahlen od. Größen andere unbekannte
fuchen (rechnen lernen; auf der Tafel, im Kopfe—); mit Jemand, Rech:
nung halten, abrechnen; in weiterer Bed. einen od. etwas mit unter eine
Zahl od. Klaffe begreifen (ich vechne ihn zu meinen Freunden, od. unter meine
Freunde; er rechnet fich zu den Gelehrten), in Anfchlag bringen (meine Mühe
will ich nicht rechnen); anfchlagen, fchägen, dafürhalten (ich rechne es mir für
eine Ehre; er rechnet es für nichts); auf einen od. etwas-—, ſich ver—
taffen, bauen, etwas mit Sicherheit erwarten (ich rechne auf ihn, auf feine
Hülfe; darauf Eann ich nicht rechnen); — Zfeß. deren erftes Glied nicht rech—
nen, fondern rechen (ald Etamm von rechen- en) lauten mufs: das Rechen
amt, f. Rechenkammer; das Rechenbrett, ein zur Erleichterung des Rechnens
durch Linien, Fäden od. Rinnen nad) Maßgabe der Zifferftellen in Fächer ger
theiltes Brett, auch Nechenbanf, »tafel, =tifc) genannt; das Rechenbuch,
ein Buch, welches Anleitung zum Nechnen giebt; auch ein Buch, in welchem
rechnen 471
man zur Übung vechnet; ber Rechenfehler, ein im Rechnen begangener Fehler;
die Rechenhaut, ehem. f. Pergament; die Rechenfammer, eine Bchörbe,
welche Einnahme u. Ausgabe berechnet u. verwaltet, u. bef. Über die Rechnungen
anderer Behörden bie Aufficht führt; auch Rechnungskammer, Reden:
amt, oberd. Raittammer, landfch. Rechene i genannt; der Rechenknecht,
ein (mechanifches) Hütfsmittel zur Erleichterung des Rechnens; die Rechen⸗
kunſt, die Fertigkeit zu rechnen, u. der Inbegriff der Regeln, nach welchen es
geſchieht (fr. Arithmetik); der Rechenkuͤnſtler (fr. Arithmetiker); der Rechen—
lehrer, wer im Rechnen unterrichtetz der Rechenmeiſter, wer die Rechenkunſt
vollkommen verſteht, u. darin Unterricht ertheilt; landſch. auch der Vorgeſetzte
eines Rechenamtes; der Rechenpfennig, Marken aus Meſſing oder anderm
Metall zum Rechnen auf dem Rechenbrett oder zu Spielen, Zahlpfennig; die
Rechenſchule, eine Schule, in welcher das Rechnen gelehrt wird; der Rechen—
fchüler 20.5 der Nechenftab, das Rechenftäbchen,, Eleine Stäbe, auf welche
das Einmaleins gefhrieben ft, zur Erleichterung ded Rechnens; der Rechen—
flift, ein Schieferftift zum Rechnen auf einer Schiefertafel; die Nechenftunde,
Unterrichtsftunde im Rechnen; die Nechentafel, 1) eine Schiefertafel zum
Rechnen; 2) f. Rechenbrett; 3) das Einmaleins; der Nechentifch, f. Rechens
brett; der Rechenunterricht, Unterricht im Rechnen; — Ableit. die Rechenei,
das Recheneiamt, oberd. f. Rechenkammer, Redyenamt ; vie Rechenſchaft,
ehem. f. Rechnung, Abrechnung; jest: die pflihtmäßige Berichterſtattung
von unferm Berhalten od. Verfahren und ven Gründen desfelben (einem
Rechenschaft geben, ablegen; Nechenfchaft von Semand fordern, ihn zur
Rechenfchaft ziehen); der Rechner, -8, die Rechnerinn, M. -en, wer
rechnet; wer die Rechenkunſt verſteht (ein guter Rechner u. dgl.); oberd. wer
über Öffentl. Einnahmen u. Ausgaben Rechnung führt; die Nechnung, M. -en,
(altd. rechanunga, Anordnung), das Nechnen, die Art und Weife zu rech—
nen (0. M.; 3, B. die Zahlen-, Buchftabenrehnung, Kopfrehnung zc.); dag
Ausgerechnete, die Berechnung in einem beftimmten einzelnen Falle, d. i. bie
mitteift der Rechenkunſt aus gegebenen Zahlen gefundene Zahl und die ganze Reihe
ber Bahlen, durch welche die Findezahl fich ergeben hat (eine Rechnung machen,
durchſehen ꝛc.; es find Fehler in der Rechnung, die Rechnung ijt nicht richtig 2e.); -
in engerer Bed. das Verzeichnifs der Einnahme u. Ausgabe und die Berech—
nung über beider Verhältnifs (die Rechnung führen, halten, Rechnung ablegen),
insbef. das Verzeichniſs gelieferter Güter, Waaren, Arbeit ıc. und die Ber
rechnung der dafür zu empfangenden Summe (etwas in Rechnung bringen,
fiellen ; einem die Rechnung machen; die Rechnung bezahlen; auf Rechnung Faus
fen, d. i. ohne -fogleich zu bezahlen; für eigene Rechnung, d. i. fo dafs es für
mich felbft berechnet wird; uneig. ſprichw. die Rechnung ohne den Wirth machen,
d. i. fic) verrechnen, mehr ſchuldig werden, ald man denkt; ein Strich durch
die Rechnung, d. i. Vereitelung einer Erwartung od. eines Planes); das Wer:
hältniſs Deffen, welcher von anvertrautem fremden Gute Nechnung zu
führen hat (ein Gut auf Rechnung verwalten ; auf Rechnung figen); in weiterer
Bed. das Dafürhalten,, die muthmaßlide Beſtimmung, mwahrfcheinliche
Hoffnung (nad) meiner Rechnung mufs er heute kommen; fich auf etwas Rech—
nung machen ; feine Rechnung bei etwas finden, d. i. feine Erwartung nicht ge-
täufcht finden, Wortheil dabei haben) ; landſch. auch f. die monatliche Reinigung
des weibl. Geſchlechts; Zfeg. der Rechnungsabſchluſs; die Rechnungsart,
472 j recht
die Art und Weije zu rechnen, bef. die vier Haupt-Rechnungsarten (fr. Species):
Zufammenzählen (fr. Addiren), Abziehen- (Subtrahiren), Vervielfältigen (Mut:
tiplieiven), Theiten (Dividiren) ; das Nechnungsbuch, ein Buch, in welchem
Über Einnahme und Ausgabe Rechnung geführt wird, verfh. Rechenbuch;
der Rechnungsfehler, ein in einer Rechnung begangener Fehler; der Rech—
nungsführer, wer über Einnahme und Ausgabe Rechnung führt; die Rech—
nungsfammer, f. Rechenkammer; die Rechnungdmünze, eine nur in
Rechnungen angenommene, nicht wirklich geprägt vorhandene Münze, fo auch
das Rechnungsgeld; der Nechnungsrath, ein bei einer Rechenkammer an-
geftelltev Beamter; das Nechnungswefen, alles, was zuf — der
Einnahme und Ausgabe gehört.
recht, Bw. u. Nw., jetzt ohne Steigerung, nicht aber in der älteren Sprache,
(goth. raihts, altd. rebt; Comp. rehtor, rehter, Sup. rehtist, rehtest;
altſächſ. reht, angelſ. reht, riht, engl. right, ſchwed. rätt; ſanskr. riju, lat.
rectus; bon der Wurzel rih, daher richten; oberd. richt, Nw. f. gerade;
vergl. das griech. 6-gEyzıv, ſtrecken u. d. lat. regere), 1) urfpr. gerade, ber
räumlichen Richtung nad) (daher noch oberd. recht ſtehen, f. aufrecht; ein rech⸗
ter Winkel, deſſen Schenkel ſenkrecht auf einander ſtehen, entg. ein ſchiefer
Winkel); überh. angemeſſen, paſſend, übereinſtimmend, gehörig, insbeſ.
in Anſehung der Richtung (in Zſetz wie ſenkrecht, fcheitel-, wage-, waſſer⸗
recht 2c.), oder der Beſchaffenheit des Gegenſtandes im Verhältniſs zu feinem
Zwede (dad Kleid ift mir recht, d. i. paflend; in alle Sättel recht fein, uneig.
f. fi) in Alles zu ſchicken wifjenz der rechte Weg; die rechten Mittel anwenden;
etwas am rechten Orte, zur rechten Zeit, auf die rechte Art thun; die rechte
Seite des Tuches, entg. die verkehrte od. Linke; der rechte Gebrauch einer Sache;
den rechten Ausdrud wählen, das rechte Wort gebrauchen 2c.); auch der Em—
pfindung, dem Wunfche od. Verlangen einer Perfon gemäß, finno. genehm
(das ift mir recht, d. i. gefällt mir, ftieht mir an; man kann ihm nichts vecht
machen; mir ift Ulles recht; du kommſt mir eben recht, d. i. erwünfcht, zu
rechter Zeit; daher auch als Ausdruck der Billigung od. des Beifalls: recht fo!
fo recht!) 5 bef. der Sache oder der Mahrheit gemäß, finnv. richtig, wahr,
wirklich, echt, entg. unxecht, falſch (vecht urtheilen, rechnen, hören; fehe ich
recht? eine Sache im rechten Lichte betrachten, bei ihrem rechten Namen nennen; »
der rechte Glauben; der rechte Vater, die vechte Mutter, gem. f. ber mahre,
leibliche Vater zc., entg. dem Sticfoater; fo auch: rechte Kinder, entg. Stief-
tinder; gem. auch als felbftftändiges männ!. od. weibl. Hw., 4. B. da bift du an
den Rechten gekommen; die ift mir die Rechte 2c.); dem Gefege, dem
Rechte, der Billigfeit gemäß, finnv. rechtmäßig, gerecht, erlaubt (die rechte
Frau, d. i. rechtmäßige Ehefrau; das ift nicht recht; thue recht und ſcheue Nie—
mand; es iſt recht und billig; es gefchieht ihm recht, d. i. nad) Verdienft; das
geht nicht mit rechten Dingen zu, d. i. nicht auf rechtmäßige, erlaubte Art, ob.
„nicht auf natürliche Art); auch f. genau, pünktlich, völlig, ganz als Nw. (4.2.
ich weiß es felbft nicht recht; fie find nicht vecht einigz diefer Wunſch kommt
recht aus dem Innerften meines Herzens, etwas recht aus dem Grunde verſtehen;
nicht recht bei Verftande fein); daher häufig einen hohen Grad der inneren
Stärke bezeichnend, als Bw. (z. B. er hatte eine rechte Freude darüber, d. i.
eine ‚große; das ift eine rechte Plage für mich; da wäre er ein rechter Narr;
auch für fich allein als ſächl. Hw. etwas Rechtes fernen, d. i. vorzüglich viel;
7
|
v
recht 418
es iſt nichts Rechtes ꝛc.), u. bef. als verftärkendes Nw., finnv. fehr (4. B. ich
bin recht begierig darauf; recht Luftig fein; es «ft recht kalt; ich fehe es recht
gern; ein recht guter Menſch, ein recht glücklicher Vater, gem. unr. ein rech—
ter guter Menfch u. dgl.); — 2) dem Link entg. (alt u. oberd, auch gerecht;
im Alt: u. Mittelhochd. in diefem Sinne nicht gebr., fondern ftatt deſſen zesewe,
zeswe, goth. taihsvo, verw. mit teihan, taih, altd. zihan, zeihen ; vergl.
d. griech. de&uös, lat. dexter mit delxw) bezeichnet recht die ſtärkere u. ge:
mandtere Seite des menfchl. Körpers, wie auch die entfprechende Seite des
tier. Körpers, und alles an diefer Seite Befindliche, vergl. link (4. B. die
rechte Hand, auch) auslaff. ald Hw. die Rechte, 3.8. mit erhobener Rechten ze. ;
fprichw. deine rechte Hand foll nicht wiſſen, was die Linke thut, d. i. du ſollſt
im Stillen Gutes thun; ex ift feine rechte Hand, d. i. er Leiftet ihm unentbehr:
liche Dienfte; zur rechten Hand, ober bloß rechter Sand (Gen.), d. i. zur
rechten Seite, 3. B. das Dorf liegt vechter Hand, ſich vechter Hand wenden zc. ;
bie rechte Seite, der rechte Arm, Fuß, das vechte Auge 2c.; der rechte Flügel
eines Gebäudes, eines Heeres ꝛc.); — 3feg. das Rechteck, Größent. ein
Viereck mit vier rechten Winkeln, insbef. ein folches, in welchem nur die gegen-
überliegenden Seiten gleich Yang find (fr. Rectangulum, verſch. Quadrat); rechts
eckig, Bw., rechte Ecken habend, ein Rechteck bildend; der Rechtfuchs ein
rechter, d. i. wahrer oder echter Fuchs, d. i. ein röthliches Pferd von der ge—
wöhnlichen Art, z. U. v. Licht-, Roth-, Schweißfuchs; rechtglaͤubig, Bw.
den rechten od. wahren Glauben habend und in demſelben begründet (ein recht=
gläubiger Chrift, eine vechtgläubige Lehre; fr. orthoder); die Rechtgläubig-
feit, (fr. Orthoborie); rechtläufig, Bw., Sternk. in der gewöhnlichen Rich
tung von Morgen gegen Abend laufend (ein rechtläufiger Planet) ; rechtlinig,
Bw. Größent. ſenkrechte Linien u. daher rechte Winkel habend (eine rechtlinige
Figur) ; rechtſchaffen, Bw. (alt u. oberd. auch rechtgeſchaffen; niederd.
rechtſchapen, entz. wahnfchapen), ehem. überh. recht befchaffen, die richtige od.
gehörige Beſchaffenheit abend, ordentlich, tüchtig (3. B. bibl. ein rechtfchaffener
Samen, rechtfchaffene Früchte der Buße; gem. ed wird nichts Rechtfchaffenes
daraus; er hat etwas NRechtichaffenes gelernt); jest gem. in engerer Bed. wer
aus Gefinnung und Neigung recht und pflichtmäßig handelt, u. was in folcher
Gefinnung und SHandlungsweife gegründet ift, finnv. ehrlich, redlich, bieder,
brav; gem. auch zur Bezeichnung eines hohen Grades als Nw. f. fehr (4. B
rechtſchaffen arbeiten, einen vechtichaffen prügeln u. dgl); die Nechtfchaffen-
beit, das Rechtfchaffenfein, die Redlichkeit ꝛc. (z. B. eines Menfchen, feiner
Gefinnungen 2c.); die Rechtfchreibung, das Schreiben der Wörter einer
Sprache mit den gehörigen Schriftzeichen, auch die Wiffenfchaft, die Anleitung,
und die Fertigkeit richtig zu ſchreiben (fr. Orthographie); rechtfeitig, Bw.,
f. v. w. rechtlinigz die NRechtfprechung, das richtige Ausfprechen dev Buch—
ftaben u. Wörter, u. die Anleitung dazu (fr. Orthoepie); das Rechtthun, das
rechtmäßige u. vechtichaffene Handeln ; vechtwinfelig od. rechtwinklig, Bw
einen rechten Winkel od. rechte Winkel habend; die Rechtwinkligkeit; recht:
zeitig, Bio. u. Nw., zur vechten Zeit feicnd 0; gefchehend ; die Nechtzeitig-
keit; — Ableit. rechtd, Nw. von recht 2): nad) od. auf der rechten Seite,
zur rechten Seite, entg. links (fi) vechte wenden, rechts figen, liegen ac.) ;
mit der rechten Hand (z. B. rechts fchreiben, effen u. dgl.; gem. auch rechts
‚fein, d. i. fich vorzugsmeife der vechten Hand zu feinen Verrichtungen bedienen) ;
474. Recht
zgeſ. mit Nw. u. Vw. z. 3. rechtsher, von der rechten Seite her, rechtöhin,
nad) der reiten Seite Hinz rechtsum, nach der rechten Seite herum od. hinum;
die Nechtöfchnede, eine Schnede, deren Schale von der Linken zur rechten
Seite gewunden ift, entg. Linksſchnecke.
Recht, f., -e8, M. -e, oberd. u. Kanzl. auch: des Rechten od. Rech—
tens, M. bie Rechten, (altd. rehr, angelf. riht, engl. right, ſchwed. rätt;
das als Hw. gebrauchte Bmw. recht), überh. das Nechtfein u. das, was recht
ift, insbef. 1) fubjectio od. als perfönt. Eigenfchaft: das Angemeffene, Ge:
bührende, Gehörige (einem fein Recht anthun, gewähren, widerfahren laſſen;
oberd. f. die monatl. Reinigung des weibl. Geſchlechts: fie hat ihr Recht 2e.);
die Übereinffimmung der Worte oder Handlungen Semands mit der Sache
felbft od. mit der Wahrheit, nur in der Einh. u. ohne Artikel (4. B. einem
Recht geben, d. i. erklären, dafs feine Rede od. Handlung recht feiz fo au:
Kecht behalten, Recht baben) ; das Vermögen, die Befugnifs zu etwas und
der darauf gegründete Anfpruch (das Recht des Stärkeren, die natürlichen
Rechte des Menſchen; die Rechte des Blutes, des Herkommens 2.5; Jeder hat
das Recht, ſich zu vertheidigen; fein Recht behaupten, vergeben, fich nehmen
laſſen ꝛc.), bef. die Herrfchaft und Macht über etwas od. der Anſpruch auf
etwas als ein Eigenthum (ein Recht Über etwas, an od. auf etwas od. einen
haben); in engerer Bed. eine gefeglich begründete Befugnifs, ein auf Gefegen
beruhender Anſpruch (das Recht ift auf meiner Seite; einen bei feinen Rechten
fchügen, ihm zu feinem Rechte verhelfen; das dingliche, od. perfönlide
Recht, d. i. das Recht, welches man Über eine Sache, od. über eine Perfon hat;
das Recht über Leben und Tod); 2) objectiv od. ald Sache: was recht ift oder
als recht gilt, das Gefeg od. die Gefege (es ift in den Rechten verordnet ; es
ift Rechtens, d. i. den Gefegen gemäß; von Rechts wegen, kraft ber
Geſetze; das Necht verdrehen, d. i. die Gefege falfch auslegen und anwenden) ;
bef. der Inbegriff der Gefege, u. die Wiffenfchaft derfelben, ſowohl in der
Mehrh., ald auch in der Einheit als Sammelw. (z. B. das göttliche, kirchliche,
bürgerliche, römifche, deutfche Recht 2c.; das Naturs, Völker, Staats, Land:
recht; fich der Rechte befleißigen, den Rechten widmen, die Rechte verſtehen,
d. i. die Rechtswifenfchaft) ; die Handhabung u. Ausübung der Gefege, die
Gerechtigkeit und dag gerichtliche Verfahren (einem das Recht verfagen; Ges
walt geht hier für Recht, od. auch vor Recht, d. is dem Rechte vor; Gnade
für Recht ergehen laſſen; einem fein Recht thun ; etwas durchs Recht erhalten,
d. i. auf gerichtlichen Wege; dev Weg Rechtens, fi. des Rechts, ſ. o.)3
dag Urtheil od. der Ausfpruch eines Richters od. Gerichts (Recht ſprechen ze.) ;
3) alt u. oberd. auch f. Gericht, verfammeltes Gericht, Gerichtsfigung (vor
Necht erfcheinen, zu Recht gehen ze.) ; — 8ſetz. v. Recht: rechtfertig, Bw.
(Holl. u. niederd. rechtfeerdig u. vechtfardig ; ſchwed. rärtfärdig), vlt. gleich]. zum
Rechte fertig, daher f. gerecht, rechtfchaffen Crechtfertige und fromme Raths—
herren); rechtmäßig, echt (wechtfertige Anfprüche) ; daher die Nechtfertigkeit,
vlt. ; rechtfertigen, untrb. ziel. Bw., 1) ehem. einen, f. Gericht über ihn
halten, ihn gerichtlich verfolgen; auch den gerichtlichen Ausſpruch an ihm vollz
ziehen, ihn beftwafen, bef. hinvichten (einen vom Leben zum Tode —); uneig.
auch f. unferfuchen, prüfen (einen Reifenden —, eraminiren); 2) jest: einen
od. etwas —, für recht od. ſchuldlos erklären, beweifen, dafs Semand: recht ges
than habe, ihn von dem Vorwurf und Verdacht des Unrecht völlig reinigen und
Recht 475
loeſprechen, verſch. entſchuldigen, d. i. die nicht geleugnete Schuld durch
Milderungsgründe verringern, (einen Angeklagten —, ſich ſelbſt —, fein Benehs
men, Verfahren ꝛc. —3 Gottesgel. „ber Sünder wird gerechtfertigt,“ d. i.
mittelſt der ihm zugerechneten Genugthuung Chriſti von aller Sündenſchuld los—
gefprochen) ; ber Rechtfertiger, wer Jemand rechtfertigt ; die Rechtfertigung,
das Rechtfertigen, u. die Gründe od. Mittel, durch welche es gefchieht, (z. B. eine
Rechtfertigungsfchrift); ehem. auch f. Rechtöftreit (Procefs) ; der Rechthaber,
die Rechthaberinn, wer immer Recht haben und behalten will: die Nechts
haberei, das anmaßliche Benehmen deffen, der immer Recht haben will; recht»
haberifch, Bw.; rechtliebend, Bw., Recht u. Gerechtigkeit liebend; rechtlo3,
Bw., des Rechtes ermangelnd, ungefeglich, unrechtmäßig (ein rechtlofes Ver—
fahren) ; der Rechte od. Rechtswohlthaten beraubt, nicht unter dem Schutz ber
Geſetze ftehend (ein vechtlofer Menſch); die Nechtlofigkeit, das Rechtlosſein
in beiden Bed. des Bw.; rechtmäßig, Bw., dem Rechte, den Gefegen ges
mäß (vechtmäßige Mittel anwenden, eine vechtmäßige Ehe, Strafe 2c.); bie
Rechtmäßigkeit, das Rechtmäßiafeinz; — 3ſetz. v. Rechts: das Rechts—
amt, Gerichtsamt; der Nechtsanfpruch, ein rechttich gegründeter Anfpruch ;
rechtöbefliffen, Bw., der Rechte, d. i. der Rechtswiſſenſchaft befliffen «(ein
Rehtsbeftiffener, fr. Studiosus juris); die Nechtöbehörde, eine das
Recht Handhabende Behörde, Gerichtsbehörde ; der Nechtöbeiftand, ein Bei—
ftand vor Gericht oder in einer Rechtsſache (fr. Curator); rechtsbeſtändig,
Bw., nad. den Rechten od. vor Gericht beftehen könnend (z. B. ein Vergleich) ;
die Nechtsbeftändigfeit; der Rechtsdreher, =verdreher od. » verfehrer,
wer bie Gefege falfch auslegt und anwendet (fr. Chicaneur); die Nechtödreherei,
(Shicane) ; der Nechtsfall, ein gerichtlich zu entfcheidender Fall; die Rechts:
frage, eine das Recht betreffende, od. durch das Recht zu entfcheidende Frage ;
der. Rechtsgang, der Gang der Sachen vor Gericht; Landfch. auch f. Rechts—
handel; die Rechtögelehrfamfeit, chem. Nechtögelahrtheit, auch die
Rechtskunde, die Wiffenfchaft od. Kunde von den Rechten und Geſetzen, ins-
bef. als fubjectives Wiffen ; hingegen die Nechtswifjenfchaft, Rechtslehre,
mehr gegenftändlich cd. als objective Wiffenfchaft (fr. Surisprudenz) ; rechts⸗
gelehrt, rechtsfundig, Bw., in den Rechten gelehrt, derfelben Eundig; bef.
als Hw. ein Nechtsgelehrter, Rechtskundiger (fr. Surift) 5 der
Nechtögrund, ein auf dem Gefeg beruhender Grund; rechtsgültig, Bw.,
nad) den Gefegen, vor Gericht gültigz die Nechtögültigkeit; der Rechts—
handel, eine vor Gericht gebrachte Streitfache (fr. Procefs); rechtshängig,
Bw., bei dem Gerichte anhängig u. noch unentfchieden; der Rechtskniff, ein in
einer Rechtsſache gebrauchter Kniff (f. d.); die Nechtskoften, Gerichtskoſten;
rechtskräftig, Bw., die Kraft eines Rechtes od. Geſetzes habend (ein rechte-
Eräftiges Urtheil); die Nechtslehre, ſ. o. Rechtögelehrfamkeit ; der Rechts—
lehrer, ein Lehrer der Rechtswiſſenſchaft; das Rechtsmittel, ein in den Ges
fegen gegründetes oder durch diefelben verordnetes Mittel; die Nechtspflege,
die Handhabung des Rechts; die Rechtsſache, eine vor Gericht gehörige oder
angebrachte Streitfache (fr. Proceſs); der Rechtsſchluſs, der Schlufs in einer
Rechtsſache; die Nechtöfprache, die Kunftfprache der Rechtögelehrten; der
Rechtöfpruch, ein nach den Gefegen erfolgter Ausfpruch ; der Rechtsftand,
das Gericht, deſſen Gerichtsbarkeit man unterworfen ift, auch die Rechtsſtatt;
rechtsſtändig, Bw. der Gerichtebarkeit unterworfen; der Rechtsſtreit, eine
476 Reck — reden
vor Gericht geführte Streitfache (fe. Procefß) ; auch ein Streit über eine die Ge⸗
ſetze betreffende Sache; der Rechtsſtuhl, eine Recht ſprechende Behörde; der
Rechtsverdreher, ſ. Rechtsdreher; die Rechtsverdrehung; das Rechts—
verfahren, rechtliches Verfahren; Rechtsgang; die Rechtsverfaſſung; vie
Rechtsverhandlung; rechtsber tandig Bw., der Rechte od. Geſetze kundig,
auch als Hw. ein Rechtsverſtändiger; die Rechtswiſſenſchaft, ſ.
Rechtsgelehrſamkeit; die Rechtswohlthat, ein als eine Gunſt geſtattetes
Rechtsmittel; der Rechtszwang, ſ. v. w. Gerichtszwang, f. d. — Ableit.
rechten, zielloſ. Zw. (ehem. auch rechtigen), vor Gericht ſtreiten, einen
Rechtsſtreit führen; um das Necht feeiten, u. in weiterer Anwendung tiberh.
mit Worten ſtreiten, hadern (mit Jemand um etwa3—); rechtlich, Bw. u.
Nw. dem Rechte gemäß, rechtmäßig (xechtlich handeln, eine rechtliche Denkart,
Sache, Forderung); von Perfonen: das Recht liebend, rechtſchaffen, redlich
(ein rechtlicher Mann) ; auch die Rechte od. das Gericht betreffend, darin gez:
gründet, davon’ausgehend, gerichtlich (im rechtlichen Verſtande, eine rechtliche
—
Entſcheidung u. dgl.) ; landſch. auch f. ehrenwerth, anſtändig, geziemend, ordent⸗
"ich; die Rechtlichkeit, das Rechtlichſein, die Rechtmäßigkeit, Redlichkeit;
rechtfam, Bm., vlt. f. dem Nechte gemäß, rechtmäßig.
Red, f., -e8, M.-e (verw. mit veden?), landſch, ein Geftell, Gerüft,
vergl. Ri und die Rede; in der Zurnkunft: eine auf Ständern twagerecht
ruhende runde Stange zu Hang- u. Springübungen (Retübungen).
Recke, m., -n, M.-n, au der Neden, -8, M.w. E., 1) (altd.
hrechjo, recheo, recho, angelf, vreca, von vrecan, goth. vrikan, verfolgen,
verbannen, vergl. rächen; daher das engl. wretch, ein Eiender), völlig vit. ein
Verbannter, Verwieſener, Landflüchtigerz 2) (altd. recho, isländ. reckr,
Held, neben rackr, ſtark; in diefem Sinne vielleicht von reden), ehem. f.
junger Mann, männlicher Held; noch alterthümlich f. viefenhafter Held,
Rieſe.
Recke, w., ſ. unter reden.
reden, ziel. 3w. (goth. rakjan, altd. rachjan, rechjan, reechen, altnord.
rakna, angelf. racan, ſchwed. recka; vergl. reichen, ſtrecken, u. d. lat. regere,
porrigere),- überh. dehnen, ſtrecken, ausdehnen (das Leder—, es mit Zangen
Yänger u. breiter ziehen; fich — ; einen Verbrecher auf der Folter —; das Eifen
mit dem Sammer—); alt. u. gem. f. ausſtrecken, hinreichen, aufrichten, er=
heben (bibl. die Hand gen Himmel —, den Kopf in die Höhe —; oberd. die Hand
reden, d. i. zum Handfchlag — * — Zſetz. die Reckbank, niederd. f.
Folterbank; reckhalſen, untrb. zielloſ. Zw., niederd. f. den Hals ausſtrecken,
einen langen Hals machen, um etwas zu ſehen; auch den Hals vorſtrecken, um
etwas. hinunter zu ſchlucken ; der Rekfchragen , ein Werkzeirg der Seidenweber
zum Ausreden der zu halbfeidenen Zeugen nöthigen Wolle; das Reckſchmieden,
Dehnen des Eifens; das Nedzeug, das zum Reiten, bef. Foltern dienende .
Geräth; — Ableit. tie Nede, M. -n, 1) das Reden, 3. B. ehem. bie
einmalige Aufziehung dee Folterfeiles; 2) ein Werkzeug zum Neden, 3. B. bei
den Riemern zum Ausdehnen des Leders; 3) ein geredites od. ausgedehntes
Ding, 3. B. niederd. f. Stangen, Latten verſchiedener Art; auf Krieger
fchiffen: wagerecht liegende Bretter an den beiden inneren Seiten der Kajüte; auch
Latten an beiden Seiten des Schiffes, im welche Löcher ausgefchnitten find (Ge:
wehrs, Kugelreden); brandenb. eine Recke (od. Reke) Leinwand, 12 od.
Reckholder — reden 477
16 Ellen; nieberd. auch f. Rinde, Borke eines Baumes; u. f. eine Einzäu:
nung, Umhegung, beftehend aus einer Reihe durch Querftangen verbundener
Pfähle (auch Reckwerk, Rick genannt; vergl. das fehweiz. der Reden, bie
Redete f. Reihe). >
Reckholder od. Rechholder, m., -8 (altd. recholdir; nicht von reden,
fondern wahrfch. verw. mit riechen, rauchen, angelf. r&can, als Räucherwerk),
oberd. f. Wachholder; landſch. aud) f. Holunder.
reden, zielfof. u. ziel. Zw. (altd. redjön, redön, redinön; altfächf
rethion, rethinon, ſchwed. redaz vergl. angel. raeda, engl. read, Iefen;
die finnliche Grundbed. fcheint reihen, an einander fügen, daher Worte fügen ze. 5
vergl. das griech. 0», 200, onum, ontog ıc. lat. reor 2c. mit low, lat. sero,
ich reihe, daher sermo, Rede), feine Gedanken durch zufammenhangende
Worte dußern, immer als Ausdrud eines Gedachten, verſch. von ſprechen,
wozu die Dervorbringung von Spradhlauten hinreicht (nur der Menfchtann reden;
aber der Papagei kann Wörter fprechen Iernen), und von fagen, welches
die Mittheilung eines beftimmten Inhaltes bezeichnet, (über od. von etwas mit Je—
mand veden; ex läfft nicht mit fich reden, d. i. nimmt Eeine Vorftellungen od.
Vernunftgründe an; einem das Wort reden, d. i. zu feinem Beften reden; einem
ins Gewiffen reden, f. Gewiſſen; einem nach dem Munde reden, d. i. in feinem
Sinne reden od. fo wie er es gern hört; Thiere redend einführen, d. i. fie wie
Menfchen reden laſſen, z. B. in der Thierfabel; redende Künfte, deren
Darftellungsmittel die Sprache ift, entg. bildende K.); in.engeree Bed. einen
öffentlichen, feierlichen Vortrag, eine Rede halten (vor dem Volke, auf der
Kanzel; er hat ſchön geredet 2c.); uneig. durch fichtbare Zeichen Vorſtel⸗
lungen u, Gedanken augdrüden u. in Underen erweden, bef. das Mw.redend-
als Bw. f. ausdrudsvoll, bezeichnend, finnv. fprechend (ein redendes Bild,
vebende Mienen; ein redendes Wappen, d. i. ein Wappen, welches den Namen
Defien ausdrückt, der es führt); das Reden, häufig als Hw. (z. B. einem
das Reden verbieten ; viel Redens von etwas machen u. dgl. m.); — die Rede,
M.-n (alt. redja, reda, redina, f. Rede und Vernunft, Verftand, Sinn,
wie das griech. A0yos = ratio u. ratio; goth. rathjo, Rechnung, Rechenfchaft,
das lat. ratio; altnord. raeda, ſchwed. reda, angelf. raed, red) 1) das Ver:
mögen zu reden, die Sprache, u. bef. die Art und Weiſe des Redens, Rede—
od. Sprechweife (0. M., z. B. eine vernehmliche, od. undeutliche Rede haben ;
- die gebundene, u. die ungebundene Rede, fr. Poeſie und Profa, f.
binden); das Neden, die Handlung des Redens u. die gefprochenen Worte
(gleichfalls 0. M.; z. B. davon ift nicht die Rede, d. i. davon wird nicht ger
ſprochen; das ift der Rede nicht werth; die Rede fiel darauf, d. i. man Fam
darauf zu reden; die in Rede ſtehende Sache, d. i. die Sache, von welcher ges
redet wird; einem in die Rede fallen, d. i. feine Worte unterbrechen); dag Ge
redete, der Gegenſtand od. Inhalt der Rede (vergifs deine Rede nicht, d.i.
vergifs nicht, was du fagen wollteſt; er achtet nicht auf meine Rede; unnüge
Reden führen); insbeſ. ehem. f. Erzählung, Geſchichte; jest noch f. Gerücht,
Gerede (es geht die Rede, dafs er todt ſei; landſch. auch: in die Rede Eommen,
einen in die Rede bringen 2c.); Nechenfchaft, Verantwortung (einen zur Rede
ſtellen od. fegen, d. i. ihn zur Verantwortung ziehen; einem Rede ftehen, d. i.
ihm antworten, od. Rechenſchaft ablegen; fo auch: Nede und Antwort geben) ;
ein feierlichen, förmlicher Vortrag (eine Rede halten, eine geiftliche 0d. Kanzel:
1
—
478 ‘ reden
Rede, Schul-, Abſchieds-, Leichen-, Lobreden zc.); 2) alt u. noch niederd. f.
Vernunft; Urfache, Grund, Beweis (f. 0.5 3. B. niederd. was man thut,
mufs man mit Reben thun, d. i. mit Vernunft, aus Gründen; ich habe meine
Reden dazu, d. i. meine Urfachen) ; — 3feg. v. reden u. Rede: bie Redeart,
od. Redart, die Art und Weiſe zu reden, die Ausdrucks- oder Sprechweiſe,
auch Redeweiſe; bisw. auch f. Mundart; verſch. die Redensart, eine eins
zelne beftimmte Wortverbindung,, ald herkömmliche Ausdruntsform od. Formel,
die nicht immer buchftäblich verftanden wird (7. B. was befehlen Sie? Ihr ges
horfamer Diener; daher: das find Redensarten, d. i. leere Worte, bie
nicht fo gemeint find); das Redebild, ſ. Figur; der Redefluſs, 1. Fluſs;
die Nedeform, die Form od. Art u. Weife der Wortverbindung in der Rede,
Sasform (verich. Sprachform) ; Sprachl. insbef. f. das fr. Modus, f. Rede:
mweife; die Redefuͤgung, Tügung ganzer Säge in der Rede, Gagfligung
(verſch. Wortfügung) ; die Redekunſt, die Kunft der Rede, d. i. des mind»
lichen od. fchrifttichen Vortrags, in engerer Bed. die Kunft des fchönen redneriſchen
Vortrags, bef. von der objectiven Seite: der wiffenfchaftlich geordnete Inbegriff
allee Grundfäge und Ausübungsregein diefer Kunft (fr, Rhetorik; verſch. Bered⸗
famkeit, ſ. d.)5 in weiterer Bed. jede ſchöne Kunft, deren Darftellungsmittel
die Sprache ift (die fchönen Redekünſte, f. v. mw. die redenden Künfte,
f. 0. u. vergl. Kunſt); der Nedefünftler, ein Künſtler in der Rede; insbef.
wer die Redekunſt verſteht u. übt (fr. Rhetor, Rhetoriker); der Redeprunk,
efhmud, ⸗ſchwulſt, ſ. Prunk 20.5 der Redeſatz, ſ. Sag; redefchen,
Bw., Scheu zu reden habend u. zeigend; die Redeſcheuz der Nedefchwung,
Schwung, Erhabenheit der Rede; der Medetheil, ein Theil der Rebe, bei.
jedes Wort nad der Gattung, welcher es ald Glied der zufammenhangenden Rede
angehört, die Wortart, Wortgattung (Haupt-, Bei-, Zeitwörter ꝛc. find ver-
ſchiedene Redetheile; verfch. Sprachtheil; der Redeton, die Hervorhebung
eines Wortes od. Sasaliedes durch befonderen Nachdrud der Stimme, nad) dev
jedesmaligen Abficht des Redenden (fr. rhetoriſcher Accent; verfch. Silben - und
Wortton); die Redeuͤbung, Übung im münblichen, bef. redneriſchen Vortrag;
die Redeweiſe, ſ. v. w. Redeart, ſ. o.; Sprachl. insbeſ. die Denkform, unter
welcher von einem Gegenſtande etwas ausgeſagt wird, die Ausſageform (fr. der
Modus; die Redeweife der Wirklichkeit, fr. Indicativ; — der Möglichkeit fr.
Conjunctiv; — der Nothwendigkeit, fr. Imperativ); das Nedezeichen, ein
Zeichen dew Rede, bef. zur Andeutung des Nedetons, Leſezeichen; — Ableit.
von reden: der Neder, -8, wer redet, nur in Ifeg. wie Afterreder, Nach—
reder, Bereder 2c. (verfch. Redner) ; die Nederei, M. -en, gem. f. das Ge-
rede; der Redner, -8, (altd. redinari, von redinon gebildet), wer die Gabe
der Rede befigt und übt (ein guter, ſchlechter Redner fein); in engerer Bed.
wer eine feierliche Nede vor einer Verfammlung hält (dev Redner ſprach gut,
Lange 2c.), u. bef. wer den Beruf hat, dergleichen Reden öffentlich zu halten
. B. ein Kanzelredner, Volksredner 2c.); daher: die Nednerbühne, f. Bühne
(fe. Tribüne) ; die Nebnergabe, f. Gabe; die Nednerkunft, die Kunft des
Redners, Redekunſt; auch ein einzelnes Kunftmittel des Redners (alle Redners
künſte anwenden); der Kednerftuhl, der erhöhete Sig des Redners; die Red—
nerei, Neuw., verächtl. f. die rednerifche Ausdrucks- od. Vortragsweiſe;
redneriſch, Bw., einem Redner und deffen Kunft gemäß (ein redneriſcher
Bortrag 2c.); rebfelig, Bw. (vergl. felig), geneigt viel zu reden, in hohem
Nee — rege 479
Grade gefprächig, oberd. auch redſprächig; die Redſeligkeit, das Red—
feligfein, die Gefprächigkeit, oberd. Redſprächigkeit; — Ableit, von
Rede (in der Bed. ratio, Vernunft, f. o.): reblic), Bw. (altd. redolih,
redilih, redelich; auch in demfelben Sinne redihaft ; niederd. redelik), 1) alt
u. niederd. f. vernünftig, verftändig; billig, geziemend, rechtmäßig (4. 8.
redlich arbeiten, fich vedlich halten; redliche Kinder, eine vedliche Ehe, d. i.
rechtmäßige) ; 2) jegt f. ehrlich, aufrichtig, rechtlich, rechtſchaffen, wacker ıc,
(edlich Wort halten, redlich bezahlen ; vedlich an Semand handeln, vedlich feine
Meinung fagenz ein redlicher Mann, Freund); die Medlichkeit, das Ned:
lichfein, finnv. Ehrlichkeit, Nechtfchaffenheit zc-
Nee, m, 1. Rä.
Reede, w., f. Nehde.
Reep, f., -e8, M. -e (goth. raip, Riemen; angelf. rape, engl. rope,
holl. reep; dän. reeb; das hochd. Reif, f. d. und vergl. Rebe), niederd. f.
Seil, Strick, Tau; ein Reep Holz, f. ein Faden oder Klafter Holz;
der Neepfchläger, niederd. f. Geiler; die Neepfihlägerei, f. das Seiler:
gewerbe, u. die Seilerwerkftatt; reepen, 8w. f. Holz meflen mit einem Seil
od. einer Kette; dev Neeper, -$, niederd. f. Seiler, Holzmeffer, beeidigter
Holzſetzer.
Reff, ſ. —es, M. -e, 1. (engl. reef, reeft, holl. rif, reftz angelſ. rift,
Segel u. überh. Hülle, Bedeckung), niederd. ein kleines Segel, welches bei
ſchwachem Winde an das große gefegt wird, Beifegel; bisw. auch f. Fell, Haut
(daher Middelreff, engl. midriff, Zwerchfell; vergl. R& u. das altd.. href,
angel. hrif f. Unterleib, Bauch); — 2. (verw. mit Raff, Rippe) überh. ein
fic) in die Höhe und Länge ausdehnendes Ding ; insbef. niederd. f. eine lange
Sandbank od. Klippenreihe, hochd. gew. Riff (vergl. das lat. ripa, Ufer;
ſchwed. ribe, Geekante); Schiff. ſchmale Streifen von Segeltuch, weiche quer
über manche Segel gehen und mit Löchern verfehen find, durch welche die Reff—
bänder laufen, d. i. dünne Stricke, mittelft deren die Segel zum Theil einges
zogen (eingerefft) werden; — 3. (vielleicht nur weitere Anwendung von
Reff 2., näml. ein aus ſchmalen langen Körpern beftehendes Ding), ein Geftell
von Stäben od. Brettchen, in welchem man Laſten auf dem Rüden trägt
(ein Tragreff; altd. ref, f. sarcina, clitella): oberd. auch f. Saumfattel
(Scumeeff), u. f. Naufe für das Vieh; ferner die gabelförmige Vorrichtung
an den Senfen, mittelft deren das Gemähete auf die Seite geworfen wird; ehem.
auch f. Gerippe; — 3fes. das Neffband, f. Reff 2.; der Reffträger, wer
ein Reff (3) auf dem Rüden trägt, u. bef. wer in einem folchen allerlei Eleine Waas
ven zum Verkauf herumträgt; — Ableit. reffen, ziel. Zw., niederd. Schiff.
1. ein Neff (1) oder Beifegel an das Segel fegen; 2. (von Reff 2.) das
Segel zum Theil einziehen, binden (einreffen; engl. reef, holl. reeven).
treffen 3. ziel. Zw., altoberd. f. rupfen, zupfen; reffeln, ziel, u. ziellof.
3w. (holl. ravelen, engl. ravel), niederd. f. fafen, fafern, fich zerfafern.
rege, Bw. (gem. oberd. auch regig, vegicht; vielleicht von einem alten Zw.
rigan, rag, ſich bewegen; daher: ragen, Riegel, und vielleicht auch Regen?
altnord. riga, bewegen; vergl. auch reden u. das lat. regere), ſich beivegend,
in Bewegung gefeßt od. begriffen (vege werden, fein; Jäg. das Wild rege
machen, d. i. aufjagen); beweglich, thätig, emfig (rege Hände; das rege
Volk der Umeifen) ; uneig. von Empfindungen, Leidenfchaften zc. in Thätigkeit
480 Regel
geſetzt u. ſich äußernd (die regen Triebe; Zorn, Eiferfucht ꝛc. bei Semand rege
machen, ſinnv. weden, aufregen; feine Einbildungsfraft wurde rege); regen,
ziel. u. rüdz. Zw. (altd. regan, tegen, niederd. rögen), bewegen, jedoch eig.
von einer ſchwachen, erjt beginnenden und bald unterbrochenen Bewegung, finnv.
rühren (weder Hand, noch Fuß regen können; er darf fich nicht regen; es regt
fich Fein Lüftchen, d. i. die Luft ift ganz ruhig); auch uneig. von Gemüthebes
wegungen: entſtehen, fich Außern (die Liebe regte fih in feinem Herzen); in
weiterer Anwendung: ſich —, f. ſich lebhaft, miunter bewegen, thätig, ge=
ſchäftig fein (Biol. veget euch auf Erden; Jung und Alt regte fich); oberd. uneig.
f. erwähnen, in der Rede berühren (die oben geregte Sache; gew. anregen,
beregen); — Xbleit. die Nege, 1) das Negefein, die Bewegung, Re—
gung; 2) bei Vogeiftelleen: das Geftell, an welchem fie den Lodvogel regen,
d. i. aufs und niederbewegen, auch: das Gerege, und wenn es aus hohen
Stangen beſteht: die Hohe Rege, Stangenrege; die Regung, eig. dag
Regen od. Sich-Regen, die Bewegung (z.B. ohne Regung daliegen) ; uneig.
dns Entfiehen od. die erſte Außerung einer Gemüthsbewegung, u. die ſich
äußernde Gemüthsbewegung felbit (die Regungen des Herzens, ver Liebe ꝛc.);
regungslos, Bw., ohne Regung; die Regungsloſigkeit; regfam, Bw.,
geneigt fich zu regen, fich leicht und viel bewegend, beweglich, Iebhaft,
thätigz die Regſamkeit, das Regfamfein, die Beweglichkeit, Thätigkeit.
Kegel, w., M.-n, (ehem. Regul geſchr.; angelf. regul, altnord. regla;
vom lat. regula, franz. regle), urfpr. u. noch landſch. ein Nichtfcheit (Lineal) ;
gew. uneig. eine Vorfchrift od. Richtfehnur des Verhaltens od. Verfahrens
in einem gewiffen Falle (einem gute Regeln geben; eine Regel befolgen, beob=
achten 20.5; inder Regel, d. i. gewöhnlich, regelmäßig; Klugheitss, Lebens—
regeln; eine Maßregel; Sprache, Kunftregeln 2c.); auch der Inbegriff aller
Regeln od. Vorfchriften einer Art (3. B. die Kegel des heil. Franciscus; Orz
dens=, Klofterregel); — Zfes. das Regelbuch, ein Buch, welches Regeln
enthält; vegellos, Bw., jeder Regel ermangelnd, nicht nach Regeln einges
richtet, mehr ald unregelmäßig (feine Sprache ift vegeilos) ; Keine Regel beobach—
tend (ein regelloſer Menfch, ein vegellofes Leben ze.) ; die Negellofigfeit, des
Regellosfein; auch ein vegellofes Verfahren; regelmäßig, Bw., der Regel ge-
mäß, die Regeln beobachtend (ein regelmäßiges Viereck; die regelmäßige Biegung
eines Wortes; regelmäßig gebaut ꝛc.); insbef. f. ordentlich, pünktlich, nach bez
ſtimmter Zeiteintheilung (vegelmäßig leben, eſſen, fchlafen, aufftehen 2c.; ein
vegelmäßiger Menſch) ; auch f. gewöhnlich, in der Regel; die Negelmäßigkeit,
das Regelmäßigfein, die regelmäßige Befchaffenheit, Richtigkeit, Ordnung; dev
Regelpriefter, ein Drdensgeiftlicher (f. d.), ehem. auch Regler, entg. Welt
griefter; regelrecht, Bw., genau mit den Regeln übereinftimmend, bef, von
Werken der Kunft (etwas vegelvccht einrichten; ein regelrechtes Gedicht) ; der
Regelſchmied, fpöttifch: wer Regeln macht; die Regelſchweſter, zum Franz
eiscaner «Orden gehörende weibl. Perfonen, die nicht beifammen wohnen, auch
verheirathet fein Eönnen u. fid) nur an Sonn= u. Feiertagen verfammeln; regel:
widrig, Bw., der Regel od. den Regeln zuwider. Taufend; die Regelwidrig⸗
feitz der Regelzwang, der Zwang, welchen die Regeln auflegen; — Ableit.
regeln, ziel. 3w., etwas —, nach Regeln einrichten, in Ordnung bringen,
ordnen (feine Handlungen nach den Geſetzen —; auch ſich —); bef. das Mw.
geregelt als Bw. f. regelmäßig eingerichtet, abgemefjen, geordnet (ein
Kegel — Regen 481
geregeltes Verfahren); der Regler, -8, wer etwas regelt; auch f. Regel⸗
priefter, ſ. de; die Negelung, regelmäßige Einrichtung, Anordnung.
Negel 2., m., niederd. f. Niegel, Querholzz daher: die Regeling,
M.-en, Schiff. lange hölzerne Niegel, dur Stügen (Regelingftügen)
x
getragen, die ein Geländer um den Schiffsbord bilden.
regen, 3w., ſ. unter rege.
Regen, m., -$, M. w. E., (goth. rign, isländ. regn, altd. regan, an
gelf. regen, engl. rain; vergl. das isländ. rak, Feuchtigkeit, u. d. gr. Pofzeır,
lat. rigare, negen, wäſſern), die Lufterfcheinung des Devabfallens der wäſ—
ferigen Dünfte in Zropfengeftalt (Staub-, Platz-, Gewitter, Strich, Lande
regen 20.5 ſprichw. aus dem Regen in die Traufe Eommen, d. i. indem man
einem Kleinen Übel zu entgehen fucht, in ein größeres gerathen); auch uneig.
eine große Menge herabfallender Dinge (z. B. Blüthenregen, Steinregen
u. dgl. m.); — Bfeg. der Negenbach, Gieß-, Feldbach; der Negenbogen,
der farbige Bogen am Himmel, welcher durd) die Brechung der Sonnenſtrah—
len in.den Regentropfen entftcht; daher: die Negenbogenfarben; regenbo—
genfarbig, Bw.; die Negenbogenhaut, die Haut im Auge, welche zwifchen
der Hornhaut und dem Strahlenkörper liegt (fr. Iris); der Negenbogenftein,
ein in Regenbogenfarben fpielender Stein, bef. klarer Quarz ; regendicht, Bw.,
den Regen nicht durchlaffend; das Regenfeuer, in Geftalt eines feurigen Res
gens herabfallendes Kunftfeuer; die Negengalle, ſ. Galle 2.; das Regen—
geftirn, ein Regen antindigendes Geftirn, insbef. das Giebengeftien (gr: Ple⸗
jaden); der Negengufd, heftiger Regen; der Regenhut, die Regenkappe,
das Negenkleid, der Negenrod, Negenmantel zc., Hut, Kappe, Kleid zc.
zum Schuß gegen den Regen; die Negenkrinne od. rinne, an Säulen eine
kleine Rinne unter der Kranzleifte zur Ableitung des Regenwaflers ; das Re—
genloch, der Regenwinkel, gem. die Gegend, aus welcher gewöhnlich die
Regenwolken Eommen; das Negenmaß, der Negenmeffer, ein Werkzeug zur
Meflung der Menge des gefallenen Regens; der Negenpfeifer, cin Vogelges
fchlecht von verfch. Arten, welches den bevorftehenden Regen durd) einen pfeis
pfenden Laut verfündigen joll, insbei. der grüne R., auch Grillvogel, großer
Brachvogel, grüner Kibig zc. genannt; der od. das Negenfchauer, ein plög-
» licher, aber kurz dauernder Regen; auch f. v. w. Regendach, Schutzdach an eis
nem Haufe (vergl. Schauer); der Negenfhirm, ſ. Schirm; die Negen-
ſchnepfe, eine Art großer Schnepfen; der Negenftrom, ein reißender Regen:
bach; der Negentropfen; das Negentuch, ein Leinenes Tuch, womit ſich die
Frauen in mandjen Gegenden vor dem Regen fügen; der Regenvogel, ein
Vogel, welcher den Regen ankündigt, bef. eine Art Schnepfen: Wind:, Wetters
vogel, auch Regenwolf; das Regenwaſſer; das Negenwetterz der Regen:
wind, ein Wind, welcher Negenwolfen auftreibt ; der Negenwurm, Exd-
wurm, welcher nach dem Regen häufig zum Vorfchein kommt; die Negenzeit,
die Zeit, während welcher es regnet; — Ableit. regenhaft, gew. regne-
tisch od. regnicht, Bw., zum Regen geneigt, mit Regen verbunden
(vegnerifches od. regnichtes Wetter 2c.); regnen, Zw. (goth. rignjan, altd.
reganön, regenen, abgek. regen) 1) unp. ziellos: e8 regnet, d.i. es fallt
Regen (es hat geregnetz Gott läſſt regnen über Gerechte und. Ungerechte 2c.)5
auch ziel. es regnet Steine ꝛc.; es vegnete Feuer und Schwefel, uneig- es regnet
Vrügel, Verweife ꝛc.ʒ 2) perfönt. f.dicht und in Menge herabfallen (Blüthen
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. 31
482 regieren — KRegifter
regnen von den Bäumen u. dgl.), u. f. Negen fallen laffen, machen dafs es
regnet (die Wolfen regnen; Gott regnet zc.).
regieren, ziel 3w. (von d. lat. regere, franz. regir; oberd, reigieren; vgl.
das ältere reichfen, richjen f. herrfchen; ferner: regen, reden, recht, richten),
eig. etwas in der Nichtung feiner Bewegung beftimmen, finnv. lenken, lei:
ten (die Pferde, den Wagen, das Schiff ꝛc.); daher das Verhalten freier
Weſen beftimmen, finnv. beherrfchen, verwalten (fi von Semand regieren
laſſen; fich felbft regieren; Gott regiert Alles); in engerer Bed. als Staats:
Dberhaupt beherrfchen (Land und Leute regieren), gew. ohne Zielwort, finnv.
berrfchen, walten (der regierende König; gut, Schlecht regieren 20.5 ſprichw.
geftrenge Herren regieren nicht lange); auch uneig. wie herrfchen f. die Ober-
band haben, im Schwange gehen (anftedende Krankheiten regieren hier);
Sprachl. einen Verhältnifsfall (Cafus) regieren, d. i. erfordern, nach ſich
ziehen; niederd. als ziellof. Zw. f. toben, lärmen, poltern; — Ableit.
der Regierer, -S, wer regiert, der Beherrfcher, nur in Verbindung mit
einem Gen. (3. B. Gott ift der Regierer aller Dinge), außerdem gew. der Re—
gent, -en, Herrfcher, Machthaber; die Regierung, das Negieren, bie
Lenkung, Leitung (z. B. der Pferde, des Wagens zc.), Herrfchaft, Verwal-
tung (die göttliche Regierung); in engerer Bed. die Ausübung der höchften
Stantögewalt (die Regierung antreten, niederlegen 2c.; unter der Regierung
des vorigen Königs); eine verwaltende Kandesbehörde, auch der Drt, wo
fie ihre Sisungen hält, das Negierungsgebäude (ein Mitglied der Regie
rung; auf die Regierung gehen 2c.); 3fes. die Negierungsart, Regie—
rungsform, -kunſt; eine Negierungsfache, -forge zc.; der Regierungs—
beifiger (fr. -Aſſeſſor), Negterungsrath, Mitglied der Regierungs-Be-
hörde 20.5; — das Regiment, 03, M. -er, (v. d. lat. regimen, fpäter re-
gimentum, franz. regiment), ehem. f. Regierung, Verwaltung, Herrfchaft
* (bibl. das Regiment Gottes; gutes Regiment halten, u. dgl.); jest gew. eine
Heerfchaar, Kriegsfchaar, Truppenabtheilung von 2 bis 3000 Mann Fuß:
vol, od. gegen 1000 Mann Reiterei; daher: der Regimentsfeldfcherer,
Kegimentsrichter, -Quartiermeifter 2c.; auf Negiments-Koften od.
-Unkoſten leben, uneia. f. auf gemeinfchaftliche.
Kegifter, f., -8, M. w. E. (mittl. lat. registrum, aud) regestrum, re:
gestorium, aus regestum gebildet, u. diefes vom lat. regerere, eintragen, ein⸗
fchreiben), überh. ein Verzeichnifs (ein Waaren-, Geſchlechts-, Sündenregi«
fter 2e.; im ſchwarzen Regifter ftehen, d. i. in böfem Rufe; ins alte Kegifter
gehören, d.i. veraltet, aus der Mode gekommen fein, nichts mehr gelten); insbef.
ein nach der Buchftabenfolge geordnetes einem Schriftwerke angehängtes
Snhaltsverzeichnifs (Sach, Namen>, Wort-Regifter 2c.); auch ein Rechnungs⸗
od. Handlungsbuch, in welches die Sachen od. Namen nad) der Buchftaben-
folge eingetragen werden; Bergmw. die Rechnung über Einnahme, Ausgabe u.
Vorräthe eines Berggebäudes; ferner eine Reihenfolge od. Gefammtheit
mehrer Dinge einer Art, z. B. die zu einer Stimme gehörenden DOrgel-
pfeifen, ein Orgelzug (ein Regifter ziehen, einftoßen; alle Regifter ziehen);
Drechsl. alle zu einer Art Arbeit gehörenden Dinge; Scheidek. ein Luftzug,
db. i. mehre mit einer einzigen Bewegung zu Öffnende u. zu verfchließende
Öffnungen des Schmelzofens; — 3ſetz. der Regiſter-Ofen, Schieberofen;
das Regifterpapier, großes, ftarkes Papier zu Rechnungsbücern; das Re—
nm:
=
ZZ
eh a au
regnen — Rehling 483
gifterfchiff, das Hauptfchiff einer fpan. Sitberflotte, auf welchem die Verzeiche
niffe aller Ladungen ſich befinden; aud ein fpan. Handelsſchiff mit Eöniglicher
Erlaubnifs zum Handel in Amerika.
regnen, regnerifch, regnicht, |. unter Regen.
regfam, Negfamteit, Regung, f. unter rege.
Reh, f., -es, M.-e, (altd. reh, rech, w. reiaz isländ. rä, angelf. räh,
engl. roe, ſchwed. rä), eine zum Hirfchgefchlecht gehörende Thierart, Eleiner
als der Hirſch; insbef. das Weibchen, welches genauer die Rehziege, Reh—
geiß, auch Nike genannt wird; das männliche Reh heißt: der Rehbod;
das Zunge: das Rehkalb, auch Nebzicklein, die Rehkieze ꝛc.; — das
Rehbein, Bein eines Rehes; auch ein demfelben ähnliches Pferdebein; reh—
blatten, unteb. ziellof. Zw., Säg. auf einem Blatte den Ruf der Rehziege
nachahmen, um die Rebe zu locken; der Rehbraten; die Rehbrunft, ſ. Brunft;
die Nehfarbe, bräuntichgelbe Farbe der Rebe; daher rehfarben od. rehfarbig,
Bw.; das Nehfleifch; der Rehfuß, Fuß eines Rehes, und ein demfelden nach—
gebildeter Fuß an Tiſchen, Stühlen 2c.; rehfüßig, Bw.; die Nehfeule od.
der Rehſchlägel, der Schenkel eines Rehes, bef. ald Braten; das Nehleder,
zubereitete Rehhaut; rehledern, Bw., daraus verfertigtz das Rehnetz, eine
Urt Nege zur Reh und Fuchsjagd; der Nehfchröter, eine Art Hirſchkäfer;
der Rehfpießer, ein halbjähriges männl. Reh, wenn es fein Geweih befommt;
das Nehwild, Rehwildbret; der Nehziemer, |. Ziemer.
Reh, w., M. -en, (vergl. Rab), Schiffb. eine ſchwanke Latte, die bei dem
erften Bau des Schiffes auf die Inhölzer gefpitert wird; der Nehbaum,
Bergw. der Rundbaum, die Haspelwelle.
reh od. rehe 1., Bw. (altniederd. hre; oberd. räh, rach, rag; vergl. ragen,
Rah, u. das lat. rigere, rigidus), ftarr, fteif, bef. in den Muskeln und Gelen:
Een (ein rehes Pferd); oberd. u. ſchweiz. auch f. roh, rauh, heifer (lat. raucus);
fharf, herbe, ranzig von Gefchmad; die Nehe, (landfch. Rähe, Röhe ꝛc.),
die Steifheit der Fuße, eine Krankheit der Thiere, bef. der Pferde; die Reh—
ader, eine Ader der Pferde, welche geöffnet wird, wenn das Pferd cch ift; die
Rehheide, od. das Rehkraut (wahrſch. von veh, ftarr), landſch. f. Färbegin—
fter, Pfriemenkraut.
reh od. rehe 2., Bw., (entft. aus reed, veede, bereit), niederd. f. fertig,
gar (vom Flachs u. Hanf.).
Rehde, w., M. -n, (auch Reede, nicht gut Rhede gefchr.; niederd. auch
Reide, engl. road, franz. rade; von dem niederd. reed, reede, bereit; ree—
den, isländ. rada, ſchwed. reda; bereiten, fertig machen), eine Gegend im
Meere od. Strome unweit des Ufers, wo ausgerüftete Schiffe zur Abfahrt
bereit, und angefommene ficher vor Anker liegen (ein Schiff legt fih auf“
die Rehde, liegt auf der Rehde 2c.); niederd. uneig. f. ruhiger Aufenthalt an
einem Orte; rehden (od. reeden), ziel. Bw. niederd. f. bereiten, fertig ma-
chen, in Stand fegen; be. ein Schiff ausrüften: ausrehden; der Rehder,
-$, wer ein Schiff ganz od. zum Theil ausruftet, der Schiffsherr; die Reh—
derei, Schiffsausrüftung ;. auch eine Gefellfchaft von Rehdern; die Reh—
dung, Schiffsausruftung, und was dazu gehört: das Tau- und Takelwerk.
rehe, Rebe, ſ. reh; — Rebfarbe ꝛc. — Rehleder, ſ. Reh.
Rehling, m., -e3, M. e, landſch. 1) f. v. w. Ma Pi f. Pfeffere
a ————————
484 Rehnetz — reiben
ſchwamm (f. d.), Pfifferling, (wahrſch. von reh 1. ſcharf ze., wegen des bei»
ßenden Geſchmacks).
Rehnetz ꝛc. — Rehziemer, ſ. Reh.
reiben, ziel. Zw. (altd. riban, Impf. reib, reip, Mm. riban, geriben; nie»
derd. riwen, wriwen; hol. vryven; isländ. xifa, ſchwed. rifwa; engl. rub; vergl.
das griech. roipeıv, lat. tero, trivi 2c.), ablaut. Impf. rieb, Conj. riebe; Mw.
gerieben, etwas —, auf deffen Oberfläche einen Körper drückend hin und
ber bewegen (eine Hand mit der andern—; ein krankes Glied mit warmen
Tüchern —; ſich (mir) die Hände, die Augen, die Stirn ꝛc. —; das Küchenges
ſchirr —, oberd. f. ſcheuern); auch etwas od.fich felbft auf od. an einem Kör—
per drücdend hin und her bewegen (Salz in das Fleiſch —; einem etwas un-
ter die Naſe —, uneig. gem. f. ihn an etwas Unangenehmes, einen Fehler ze.
derb erinnern; die Schweine reiben fich an den Bäumen; uneig. fich an einem
reiben, d. i. ihn neden, verfpotten); ferner durch Reiben zubereiten, zurichten
(den Flachs —, ſchaben), bei. Elein machen, zerreiben (etwas zu Pulver —;
Brod, Zucer, Farben 2..—); oberd. auch f. drehen, wenden, winden G. 8.
einem den Degen aus der Hand— ; naffe Wäſche ausreiben, d. i. ausringen,
auswinden; den Arm ausreiben f. verrenken; den Schlüffel im Schlofs umrei—
ben, f. umdrehen 20); — 3fes. die Neibahle, ein Bohrwerkzeug der
Drechsler u. Kupferfchmiede (verderbt Reiwalle); der Reibaſch (in Franken
verderbt: Riebes, Riefus) od. Neibenapf, ein Gefäß, worin etwas mit einer
Reibkeule gerieben wird; das Meibebreft od. der Reibeſtock, Maur. ein glat-
tes Brett zum Ebnen der frifchen Kalkwand; der Neibe- od. Reibhammer,
Keibepäufchel, Hüttenw. ein Hammer mit halbfugelrunder Bahn zum Klein»
reiben des zu probenden Erzes; das Neibe- od. Neibholz, überh. ein Holz
zum Reiben; Schiff. walzenförmige Hölzer am Bauche des Schiffes, welche
eine Beichädigung desfelben durch Reiben an andere Schiffe verhüten; das
Reibeiſen, überh. ein eifernes Werkzeug, mit 0d. auf welchem etwas gerieben
wird; insbef. ein gebogenes Blech mit durchgefchlagenen Löchern, an deren
ſcharfen Rändern andere Körper Elein gerieben werden; die Meibe od. Neib-
keule, eine hölzerne Keule zum Zerreiben anderer Körper; die Neibepfanne,
fchale, Pfanne, Schale zc., etwas darin Klein zu reiben; das Neibe- od.
Keibfcheit, landw. das Querholz über den Deichfelarmen eines Wagens, weil
der Langwagen fich darauf reibt; der Neibe- od. Reibſtein, Mat. der Stein,
auf welchem die Farben fein gerieben werden; der Neibtabad, gröbtich geries
bener Schnupftaback (fr. Rape'); das Neibe- od. Neibzeug, jedes Werkzeug
zum Reiben; bei. Naturl. das, womit ein eleftrifcher Körper gerieben wird; —
Ableit. die Reibe, M. -n, 1) ein Werkzeug zum Zerreiben anderer
Körper, f. v. w. Neibeifen, Reibekeule ıc.; 2) (v. reiben f. drehen) oberd. f.
Drehung, Biegung eines Weges zc., Wendung im Fahren; auch was umge-
dreht wird: der Hahn am Kafs; eine Schraube od. ein Wirbel an’ Fen-
ftern, Thürpfoften ꝛc. (auch der Reiber); ein Nennfchlittenz der Reiber,
-8, die Reiberinn, M. -en, wer etwas reibt (z. B. Farbenreiber 2c.);
ein Werkzeug zum Neiben, insbef. verkt. das Reiberchen, Landw. ein
Strohfeil zum Auflodern und Reinigen der ausgedrofchenen Frucht zwifchen
den Zähnen eines Rechens befeftigt ; landſch. auch f. Wirbel am Fenfterze.;
die Neibung, das Neiben, bef. von Körpern, die fich gegenfeitig an einan«
e | reich — Reich 485
ber reiben (fr. Friction); der Reibiſch, -e3 (von reiben f. fcheuern), landſch.
eine Art Kannenfraut (1. d.): Roſs- od. Pferdeſchwanz.
reich, Bw. (goth. reiki, altd. richi, riche, altniederd. riki, nieberd. riek, an«
gelf. ric, engl. rich, franz. riche, ital. ricco; im Altd. bef. mächtig, vermögend,
\erhaben, vornehm; Grundbegriff: Erſtreckung, Ausdehnung, von der Wurzel
rich, ſaͤnskr. rie; vergl. reichen), Überflufs, Fülle deffen, was den Begriff
einer Sache ausmacht, in fich enthaltend und gewährend (eine reiche Ernte,
ein reiches Bergwerk, reiche Almoſen; eine reiche Ladung, ein reich beladenes
Schiff; eine reihe Sprache; reiche Reime, f. unter Reim; reicher Segen, Troft
u. dal. m.); überh. Überflufs an etwas habend od. befigend, insbef. an
Dingen, die ald Güter angefehen werden, entg. arm, (rei) an Geld und
Gut, an Verftande, an Kenntniffen, an Erfahrung 2e.); als Grundwort in
3 ſetz. drüdt reich überh. Menge, üÜberfluſs an der bemerkten Sache aus,
z. B. kunſtreich, lehr-, lieb-, geiſt-, huld-, troſtreich 2c.; fifche, wafler-, volk-,
ſchiff⸗ wort⸗, zahlreich, ec.ʒ in engerer Bed. Überfluſs an zeitlichen Gütern
habend, beſ. an Gelde, ſinnv. bemittelt, vermögend, wohlhabend, welche
einen geringeren Grad anzeigen, u. begütert, welches mehr auf Beſitz von
Grundſtücken ze. geht; entg. arm, dürftig (ein reicher Mann, eine reiche
Erbinn 2c.;. ein reiches. Klofter 2c.5 ſehr gew. als Hw. der, die Reiche, ein
Reicher x., die Reichen); auch Uberflufs an zeitlichen Gütern ges
während, od. davon zeugend, Eoftbar, (eine reiche Erbichaft, Heirath 2c.;
ein reiches Kleid, ein reiher Shmud); — 3ſetz. das Keichfrifchen, -8,
das Friſchen (f. d.) veichhaltiger Kupfer; reichhaltig, Biw.; reich an Inhalt
od. Gehalt, vielen Gehalt habend, finnv. gehaltreih (reichhaltige Erze; eine
reichhaltige Schrift); die Neichhaltigfeit; der Reichkrämer, in Schlefien:
ein Krämer, der mit Spezereien, Eiſenwerk, Blei u. dal. m. handelt; dag
Reichſchmelzen, Hüttenw. das Schmelzen reicher Erze; der Reichweizen,
eime Art Eörnerreihen Weisen; — Ableit. reichen, reichern, ziel. Zw.
(altd. zichan, richen) pit., reich, mächtig machen, (jest nur: bereichern);
die Reichheit (altd. richeit f. Macht, Anfehn, Reihthum), wenig gebr. f.
das Neichfein; reichlich, Bw. u. Nw. (altd. rihlih, Nw. rihliho, herrlich,
glänzend) eig. reich ausfehend, von Reichthum zeugend; überh. in genug—
famer Menge, hinlänglich, zureichend (einen reichlich beſchenken; fein reich.
liches Auskommen habend); ‚die Neichlichkeit, das Reichlichſein; der Reich—
thum, -es, 1). 0. M. der Überflufs, die Fülle, u. der Zuftand des überz
flüffigen Befiges, bef. zeitlicher Güter, entg. Armuth (Reichthum an Kennts
niffen, an Gedanken 2c.; der Reichthum der göttlichen Gnade; fein Reichthum
macht ihn ſtolz); 2) M. -er, die im UÜberflufs vorhandenen Dinge und
Güter felbft (ein Reichthum ift unermefstich; Reichthümer fammeln, befigenc.).
® Reich, f., -es, M. -e, (goth. reiki, altd. richi, riche, altniederd. u. isländ.
riki, ſchwed. rike; von gleichem Stamme mit reich, reichen 2c.), 1) die Macht,
Herrſchaft, Negierung („dein ift das Reich 2c.”; fein Reich Hat num ein
Ende 2c.); 2) das Gebiet od. der Umfang der Herifchaft, der Inbegriff
der beherrfchten Dinge (das Reid) Gottes, eingetheilt in: das Reid) der
Natur, der Gnade, u. der Herrlichkeit od. das Himmelreich; im N. I. ift das
Reich Gottes insbef. die Chriftenheit, u. die chriſtl. Erkenntniſs u. Gefinnung;
das gehört in mein Reich, uneig. f. es kommt mir zu); gew. das beherrfhte
Land (+ B. Frankreich, d. i. das Gebiet der Franken); ehem. überh. f. Gegend
486 Reich
Bezirk (daher: Ofterreich, d. i. die öſtliche Gegend, entg. Wefterreich); in en»
gerer Bed. dag einem König oder Kaifer unterworfene Ländergebiet (das
römifche, das türkische, ruſſiſche Reich 2c.; ein Königreich, Kaiſerreich; ehem.
auch herzogriche, wofür jest nur: Herzogthum; ein Erb-, Wahlreich 2c.); chem.
insbef. das deutfihe Neich (zum Reiche gehören; die Stände des Reiche), u.
in engfter Bed. das zum alten Reiche der fränkifchen Könige gehörende Ober:
deutfchland mit Ausfhlufs von Böhmen u. Schlefien, bisw. auch nur die Ge—
genden am Rhein u. Main (ins Reich reifen; Briefe aus dem Reich 2c.);
umeig. die faämmtlichen Unterthanen, od. auch nur die Stände eines Rei—
ches, insbef. des deutfchen Reichs, u. deren Berfammlung (das Reid) zufam-
menberufen; etwas an das Reich bringen); 3) uneig. der Inbegriff alfer
Dinge einer Urt (4. B. das Erdreich, der Erdförper mit Allem, was ihm an-
gehört: das Luft-, Waſſerreich; Geiſterreich; das Naturreich, eingetheilt in Thier-,
Pflanzen: u. Stein od. Mineralreih); — 3fes. der Reichsabſchied, ſ. Ab—
fchied ; die Reichsacht, vom Kaifer od. einem Reichsgericht ausgefprochene Acht?
der Reichsadel, von dem Reichsoberhaupt ertheilter, durch das ganze Reich gül-
tiger Adel; auch die Gefammtheit derer, welche im Befig eines folchen Adels
find; der Reichsadler, der, Adler als Reichswappen; das Reichsamt,
ein hohes Hofamt im eyemal: deutfchen Reiche; die Reichsämter wurden uns
terfchieden in: Neichserzämter u. Neichserbämter; ihre Inhaber hießen:
Reichsbeamte, z. B. der Reichsſchatzmeiſter, Neichsfchent, Neichstruche
ſeſs 20. ; der Reichsapfel, eine Kugel mit einem darüber befindlichen Kreuze,
ald Sinnbild der kaiferlihen Gewalt; der Reichsbauer, ehem. ein unmittel-
bar dem Kaifer und Reich untergebener Bauer, Einwohner eines Reichsdor—
fe3; der Reichsbürger, Bürger eines Reiches, und insbeſ. einer freien Reiche-
ſtadt; die Reichsfolge, Nachfolge in der Herrſchaft, Thronfolge; reichsfrei,
Bw., Keinem außer dem Kaiſer und dem deutſchen Reiche unterthan; die
Reichsfreiheit; der Reichsfreiherr, ein dem Kaiſer und Reich unmittelbar
untergebener Freiherr (fr. Reichsbaron); reichsfreiherrlich, Bw.z der Reichs—
fürſt, ein Fürſt des Reichs, beſ. ein ſolcher, der als Glied des ehemal. deutſchen
Keiches nur dem Kaiſer unterworfen war; die Reichsfürſtinn; reichsfürſt—
lich, Bw.; der Reichsfuß, der im deutichen Reiche angenommene Münzfuß;
das Neichögericht, ein höheres Gericht; beſ. ehem. ein Gericht, welches den
Ständen des deutfchen Reichs Recht ſprach; dergl. der Neichshofrath am
Eaiferl. Hoflager, und das Reichskammergericht in Weslar waren; die
Reichsgeſchichte, Geſchichte eines Reiche, beſ. hinſichtlich dev Staatsbegeben—
heiten; das Reichsgeſetz, ein für alle Glieder des Reichs verbindliches Ge—
fetz: Reichsgrundgeſetz, wenn es zugleich das Weſentliche dev Staatsverfaſ—
fung beſtimmt; der Reichsgraf, ehem. ein dem deutſchen Kaiſer und ae
unmittelbar unterworfener Graf; die Reichsgräfinn; reichsgräflich, Bio-;
der NReichsgulden, im ganzen Reiche gültiger Gulden; der Reichöhandel,
- eine das ganze Reich betreffende Angelegenheit, Neichsfache; das Reichsheer,
das von den Antheilen der Reichsftände gebildete u. unterhaltene Kriegsheer
des ehemal. deutichen Reiche (gew. die Reichs-Armee); der Neichshofrath,
ſ. 0. Reihegericht; die Reichshülfe, die von dem gefammten Reich bewilligte
Hülfe an Geld oder Truppen; dag Reichskammergericht, ſ. o.Reichsgericht;
der Reichskanzler, f. Kanzler; das Neich$kleinod, gew. M. die Reichs—
Eleinodien, Kleinodien (f. d.), welche als Zeichen der höchſten Gewalt in’ einem
reichen A487
Reiche dienen (fr. Reichs-Inſignien); der Reichskrieg, ein Krieg, am welchem
das ganze (deutfche) Reich Theil nimmt; das Reichsland, M. gem. Reiches
lande, dem dentfchen Reich unmittelbar unterworfene Länder; aud) die Länder
der weltlichen Reicheftände, entg. den Kirchenländern; dag Reichölehen , ein
von dem Kaifer und Reiche abhängiges Lehen; die Reichsmünze, im (deut:
ſchen) Reiche gültige Münze; das Meichsoberhaupt: der Reichspfennig—
meifter, ehem. im deutfchen Reiche: der Vorgefegte einer Reichskaſſe; die
Reichspflege, chem. ein dem Kaifer u. Reich unmittelbar gehörendes Gebiet
(vergl. Pflege)s der Neichspfleger, Verwalter eines ſolchen Gebietes; die
Reichspoſt, ehem. kaiſerliche Poft, z. U. v. den Poften der Reicheftände; da—
her das Reichspoſtamt, der Reichöpoftmetfter zc.; der Keichsrath, eine
dem ganzen Reich vorgefegte Vertvaltungsbehörde, chem. insbe. die verfammel-
ten Gefandten und Bevollmächtigten der Reichsftände in Regensburg; auch ein
Mitglied einer folhen Behörde; der Meichsritter, chem. ein dem Kaifer
und Reich unmittelbar untergebener Ritter; die Neichsritterfchaft, deſſen
Eigenfhaft und Würde; die Gefammtheit der Reichsritter ; der Reichs—
ſchluſs, ein von den deutfchen Reichsſtänden auf einem Reichstage gefaflter
Beſchluſs; der Reichsfchultheiß ed. Reichsvogt, chem. ein Beamter in den
deutfchen Reichsftädten, welcher im Namen des Kaifers die peinliche Rechtes
pflege handhabte; die Heichsftadt, eine Stadt, welche als felbftändiges Glied
des Reiches dem Kaifer unmittelbar unterworfen war (eine freie Reicheftadt) ;
daher der Reichsftadter, die Neichsftädterinn; reichsſtädtiſch, Bwe; der
Reichsſtand, ein Glied des Reiches, welches auf den Reichstagen Sig und
Stimme hatz daher reichsftändifch, Bw.; die Neichsftandfchaft, die- Ge:
rechtſame und Befugniis eines Reicheftandes; der Reichstag, die berathende
Berfammlung der Reichsſtände, Reichsverſammlung; der Reichsthaler, ein
in einem ganzen Reiche gültiger Thaler, insbef. in Deutichland ein Thaler von
24 guten Grofchen od. 30 Silbergrofchen; der Neichöverwefer, wer ftatt
des höchften Dberhauptes die Regierung eines Reiches verwaltet; im ehemal.
deutfchen Reiche diejenigen Kurfürften, welche bei einer Sihronerledigung ze. die
Eaiferl. Gewalt theihweife ausübten (fr. Reichsvicarii); das Reichswappen ıc.
reichen, 3w. (altd. reichjan, reichön, reichen; oberd. raichen, niederd. res
Een; isländ. reikia, engl. reach; verw. mit dem lat. regere, por-rigere, u. dem
griech. Og&yeır; vergl. veich), 1)ziellos m. haben, fich ausdehnen, erſtrecken
(das Waffer reichte mir bis an die Bruft; meine Arme reichen nicht fo weit),
inbef. mit einem Theile des Körpers, vorzüglich mit der Hand bis an et-
was hinlangen (ich kann fo weit, To hoch nicht reichen); auch in Anfehung
der Wirkung ſich bis zu etwas erſtrecken (meine Augen reichen nicyt fo weit;
Gottes Güte reicht foweit 2c.), der Zeit od. Dauer nach (bibl., die Drefchzeit
foll reihen bis zur Weinernte 2c.); uneig. der Menge oder Ausdehnung
nach zu etwas genügen,hinreichen, ausreichen, hinlänglich ſein (das Tuch
reicht zum Rode; das Geld wird nicht reichen 2c.); auh mit etwas —, d. i.
genug daran haben, damit ausfommen; 2) ziel. einem etwas—, ent-
gegenftreden, hinhalten (die Mutter reicht dem Kinde die Bruſt; einem die
Hand — ; uneig. einem hülfreihe Hand —, d. i. ihm behülflich fein); bef. et=
was mit der Hand darbieten, darreichen, auch überh. geben (einem das
Abendmahl; einem Armen ein Almofen u. dal.); alt und noch ſchweiz. auch
f. aus der Entfernung bernchmen, holen, langen: — die Neichgabel, Landw.
EEE EEE 2 TEE WE EEE
488 reichhaltig — Reif
eine eiſerne Gabelan langem Stiele, um Heu, Strohrc. damit in die Höhe zu reichen, _ '
Heugabel; die Reichung, das Reichen, die Darreichung (3. B.desAbendmahle).
reichhaltig, reichlich, Reichthum ꝛc. ſ. unter reich; — Reichsab—
ſchied ꝛc. — Reichswappen, f. unter Reich.
reif, Bw., Comp. reifer, Sup. reifſt, (altd. vi, riphi, rife, altniederd.
ripi, niederd. riep; angelſ. ripe, neben rip, Ernte, ripan, mähen, ernten;
verw. mit raffen, vaufen 20.2), der Größe und Güte nach zu vollfommner
Ausbildung gediehen, finnv. zeitig, eig. von Früchten und Gewächſen (reifeg
Obſt, Getreide; reifes Holz, d. i. welches die gehörige Dichtigkeit hat); in
weiterer Anwendung überh. vollkommen ausgebildet od. entwickelt (ein reifes
Mädchen, d. i. ein erwachſenes, mannbares; das reife Alter; ein reifes Ges
ſchwür, das aufbrechen will; ein reifes Urtheil); uneig. genugfam vorbe—
reitet (eine Sache ift reif; zur Strafe reif fein u. dgl. m.); — Xbleit. die
Reife (altd. riti), der Zuftand des Neiffeins od. der volltommenen Aug:
bildung (zur Reife gelangen, kommen, gedeihen 2c.); reifen, Zw. (altd.
xifjan, rifen) 1) zielfos, reif werden, zur Reife gelangen, eig. u. uneig.
(m. fein, wenn die vollfommene Erreichung des Zuftandes der Reife—,
mit haben, wenn die Annäherung an denfelben ausgedrüdt werden Toll;
3 B. das Obſt, Korn ze. ift gereiftz das Korn hat fchon gereift; dev Jüng—
ling ift zum Manne gereift 2c.); 2) ziel. reif machen, zeitigen (die Hitze hat
das Getreide früh gereift); reiflih, Nw. u. Bw., auf reife Art, nur in
uneig. Anwendung f. mit Verwendung der gehörigen Zeit und Sorgfalt
(eine Sache veiflich erwägen; nad) reiflicher Ueberlegung 2c.).
Neifl. m., -e8, M. (jelten) -e, (oberd. auch der Reifen; niebderd.
Riep; altd. hrifo, rifo, rife; isländ. und angelf. hrim, fchwed. rim, engl.
rime; vergl. das’ griech. z0VoS, zovuos, Froſt, u. d. lat. pruina, franz.
frimas), gefrorener Than od. Mebel, der die Gegenftände mit einer weißen
Kinde überzieht (es fällt Reif; mit Reif bededt 2c.); uneig. der feine, weiße
Staub, der den Samen und die Fruhthülle mancher Gewächfe bedeckt; auch
die weiß-graue Farbe der Haare; der Reifmonat, der Monat, in welchem
viel Reif zu fallen pflegt: der Ilte Monat des Jahres (franz. frimaire); reifen,
ziellof. unp. Zw. m. haben: es reift, d. i. es fallt ein Meif, (es hat gereift 2c.).
Reif 2. m., -es, M. -e, (oberd. auch: des Reifen, die Reifen), Verkl.
das Reifchen, Neiflein, (altd. reif, oberd. Raif; goth. raips, Riemen;
angel. rap, isländ. reip, fchwed. rep; nicderd. Reep), 1) urfprünglich ein
Riemen, Seil, Tau (vergl. Reep); daher landich. ein Längenmaß, gew.
ſ. v. w. ein Klafter (ein Reif Holz; auch ein Ellenmaß für Leinwand 2c.);
eine fich in die Lange erſtreckende Erhöhung, ein erhabener Rand G. 8.
Schloſſ. der mit: dem Rohre des Sclüffels gleichlaufende Rand des Bartes),
od. eine folche Vertiefung, Rinne (gew. Riefe); 2) gew. ein gefchlunges
nes, umfchließendes, zufammenhaltendes Band; daher chem. ein Wing,
‚ Fingerring (Fingerreif, Reiflein), jest noch die ringförmige Verzierung an
Säulen, Kanonen u. dgl.; in engerer Bed. die hölzernen od. eifernen Bän—
der, welche die Dauben der Fäffer u. ähnlicher hölzernen Gefäße zuſam—
menhalten, Fafsreife, Tonnenbander, (Reife um ein Fafs legen; durch einen
Reif Ipringenz den Reif treiben od. fchlagen, ein Kinderjpie); — BTeb.
die Reifbeuge, Faſsb. ein ftarkes an einer Säule befeftigtes Brett , die Neife
darüber zu beugen; das Reifholz, zu Faſsreifen brauchbares Holz, Bandholg,
Keigen — reihen ' 489
auch Reifftäbe, -flangen, -fleden; das Reifmeſſer, Schnittmeffer mit
zwei Handhaben zum Schneiden der Faſsreife; dev Neifrod, chem. ein Wei-
berrod von ungeheurem Umfang mittelft darin befeftigter Fiſchbeinreife; das
Keiffehlagen, Schlagen od. Treiben des Reifes, als Kinderfpiel; niederd.
(Reepfchlagen) das Verfertigen von Geilen u. bei. Schiffstauen; baher der
Reifſchläger, die Reiffchlägerei, ſ. Reepfchläger 2c.; die Reifzange, od.
ziehe, ein zangenförmiges Werkzeug der Falsbinder, womit der Rand des
Faffes zufammengezogen wird; — Ableit. das Reifel, —s (v. Reif f. Rand)
Zäg. der Rand, welcher entfteht, wenn der Hirſch mit dem hinteren Zuße ger
rade in die Fährte des vorderen tritt; der Neifling, -es, M.-e, (vergl.
Rebe) landſch. ein Nebenſchöſsling, Wafferfchofsling an einem Baume;
reifen, ziel. 3w. 1) mit einem Nande od. mit ringförmigen Erhöhungen,
auc mit länglichen Vertiefungen u, Ninnen verfehen, auch reifeln, gem.
riefen, viefeln; 2) mit Reifen binden (ein Fafs); das Neifeleifen od.
Neifelholz, ein Werkzeug, womit die Riemer u. Sattler Eleine Reife u. Fur
chen in das Leder drücken; der Meifer, -8, wer etwas reift od. rieft; niederd.
(Reeper) f. Seiler (altd. reifari); daher die Neiferbahn, f. Seilerbahn.
Reigen, m., f. Reihen; — Neiger, m., |. Neiher.
Reihe, w., M. -n, (altd. riga, rige,. niederd. Riege, holl. xy, reck,
ſchwed. raecka; wahrfch. von gleichem Stamme mit reichen, recht, richten 2c.;
Grundbegriff: Erſtreckung, Ausdehnung), 1) mehre in einer Linie neben
einander befindliche oder auf einander folgende Gegenftände (eine Reihe
Häufer, Bäume, Zähne, Soldaten ꝛc.; eine bunte Reihe ſ. bunt; ein Becher
geht in der Reihe herum; die Reihe fchließen, d. i. der legte in der Reihe fein),
uneig. überh. eine Gefammtheit geordneter Dinge (z. B. die Reihe der irdi—
fchen Gefchöpfe 2c.); in engerer Bed. f. Schriftzeile, (eine Reihe ſchreiben);
Landich. f. Häuſerreihe, Gaſſe; 2) das Geordnerfein in eine Linie, überh.
die geordnete Aufeinanderfolge, die Drdnung (nach od. in der Reihe gehen,
fisen, ftehen 2c.; die Reihe trifft mid), kommt an mic), ift an mir; auch:
ich bin an der Reihe, komme an die Reihe 2c.); 3) landſch. überh. f. Linie,
Ausdehnung in die Länge, u. ein fich in die Länge erftredender Körper,
insbe]. alt und oberd. f. fchmaler Gang zwifchen zwei Häuſern; die Vertie—
fung am menfchlichen Körper, wo ſich der Bauch an die Schenkel fchließt;
die Leifte (des Zifchlers, der Näherinn 2c.; auch der Reihen); der Rift
(. 8.) am Fuße, chem. auch f. Wade, Schienbein (altd. riho, m., oberd.
der Reihen); — 3ſetz. die Neibenfolge, der Neihengang, die Folge,
der Gang nad) der Reihe; dev Neihenfchulze, landſch. ein Schulze, welcher
dies Amt bekleidet, wenn ihm die Reihe trifft, z. U. v. Erbſchulze; die Rei—
henſemmel, aneinandergereihete Semmeln, Zeilen, Schichtſemmel; reihen⸗
weiſe, Nw. nach der Reihe, in Reihen (z. B. Bäume pflanzen); das Reih—
gras, eine Art des Vieh- und Rispengrafes; auch „die Quecke; — Ableit.
reihig, Bw., aus Reihen beftehend, gew. nur in Zſetz. wie zweiz, dreireihig 2;
reihen 1., ziel. 3w. 1) in eine Reihe ordnen, zu einer Reihe verbinden
(Perlen—); 2) (altd. rigen u. rihen, Impf. reig od. rech, Mw. gerigen)
mit weiten Stichen nahen, heftenz chem. überh. f. ftechen, ſtecken, erſtechen;
der Neihdrath, Faden zum Reihen od. Heften.
reiben 2. ziellof. 3w. m. haben, ein Schallwort (vergl. fchreien, Exähen,
u. d. lat. rugire) I) fchreien, vom Fuchſe; 2) Jäg. von den Waſſervögeln:
490 | Reihen — Reim
nad) der Begattung verlangen, (vergl. d. oberd. raihen, rähen, reihern,
vom Geflügel: das Weibchen treten; überh. f. geil, wollüftig fein).
Reihen, od. Reigen, m., -$, M. w. €. (mittelh. der reige, reie; oberd.
SRaijen, niederd. Riegen; urfpr. wohl nur eine Nebenform von Reihe, f. d.)
NM) das Antreten mehrer Perfonen zum Tanz, u. der Zanz felbft, fofern
er in Reihen od. im Kreife gefchieht, Reihen- od. Reigentanz, Kreistanz,
(den Reihen führen, d. i. Vortänger fein); 2) ehem. eine Zanzweife, ein
Zanzlied, überh. Lied, Gefang (z.B. Bergreihen, Gefang od. Sangweiſe
. der Bergleute, Kuhreigen, |. d.); reigen (oberd. raijen), altd. Zw. f. tanzen.
Keihenfolge, zc. — reihenweife, f. Reihe.
Keiher, m., -3, M. w. E. (oberd. Reiger od. Raiger; niederd. Reier
od. Regger; landſch. auch Reggel, Reigel, Aigel 2c.; altd. reigir, m. u. reigira,
w.; mittelh. reiger; daneben auch heigir, heigro, vergl. Häher; urfpr. wahrſch.
hreigir; angelf. hragraz; ſchwed. haeger; franz. heron, engl. heron, hern; —
von reihen 2., fchreien?), ein fchlanfer, langhbalfiger und langbeiniger
Sunnpfoogel: der gemeine blaue od. graue Neiher, Fifchreiher, landſch.
auch Heergans, Tode, Focker ıc. genannt; in weiterer Bed. das ganze
Sumpfvogelgefchlecht, zu welchem außerdem der Kranich, Storch, die Rohr—
dommel 2c. gehören; das Neiherlein od. Neigerlein, -8, eine Art Sand-
od. Strandläufer; — 3ſetz. die Neiherbeize, Jagd auf Reiher mit ‘ab-
gerichteten Falken (vergl. Beize); der Reiherbuſch, -ftrauß, -ftug, Feder
bufch von den langen Reiherfedern: der Neihermeifter, an Höfen der Auf-
feher bei der Reiherbeize; das Reiheröl, zerftoßenes u. verfaultes Reiherfleifch,
als Fifchköder dienend; der Reiherſchnabel, uneig. eine Pflanze, die zu den
Storhfchnäbeln gehört; das Meiherfpiel, ein Kartenipiel mit 36 Blättern,
die mit Thierbildern und römifchen Zahlen bezeichnet find.
Keim 1. m., -e8, M. -e; Bert. das Neimchen, (niederd. Riem; alte.
rim, bisw. hrim, urfpr. Reihenfolae, Zahl; dann Zufammenftimmung; vergl.
d. altd. garimjan, angelf. riman, zählen, u. altd. giriman, zufammentreffen,
treffen, contingere; — das roman. rima, franz. rime 2c. ift vielleicht cher aus
dem lat. rhythmus, gr. duFwos entftellt), überh. Zuſammenklang, Gleich—
Elang, Webereinftimmung der Laute in zwei od. mehren Wörtern (4. B.
Stabreim, f. d.); in engerer Bed. die Art des GleichElangs, wo die
Wörter von ihrem legten betonten Silbenlaute an völlig gleich lauten,
u. diefe gleichlautenden Silben od. Wörter felbft (männlihe Reime,
wo nur eine betonte Schlufsfilbe gleichlautet, z. B. Glück, zurück; weiblidye
R., die fich über zwei Silben, eine betonte und eine tonloje, erftreden, z. B.
geben, erheben; ſchwebende Reime, die zwei betonte Silben umfaffen,
3.B. Ehftand, Wehftand; gleitende Reime, d. i. dreifilbige, eine betonte u.
zwei tonlofe Silben umfaffend, z. B. reinigen, bejcheinigen 20.5 veiche Reime,
d. i. Reimmwörter von verfchiedener Bedeutung, deren Reimfilben ſich voll-
. Eommen gleichen, alfo auch mit Einſchluſs des dem Reimvocal vorangehenden
Gonfonanten, z. B. Wunden, überwunden; reine Reime, d. i. völlig gleich
Elingende, z. B. Glück, Stück; fcheiden, leiden ꝛc.; unreine R., die zwar
ähnlich, aber doch verfchieden lauten, z. B. Glüd, Blick; Freuden, leiden 2c.);
auch ein einzelnes Reimwort (3. B. einen Reim auf Menfch ſuchen 2c.%; ferner
mehre Verszeilen u. ganze Gedichte mit gereimten Versenden, Neimverfe,
Neimgedichte, bef. verächtl. (ev Ichreibt Reime 2c.); — reimen, Zw. 1) ziel-
Keim — rein 491
los m. haben, od. rüdz. fih —, einen Gleichklang od. Neim ausmachen
od. bilden (4. B. Baum-u. Raum reimen miteinander, od. reimen ſich; Buch
reimt auf Tuch, od. reimt ſich auf Tuch 2c.); in weiterer Anwendung überh.
f. zufammenftimmen, angemeffen fein, paffen, fih ſchicken (fi zu etwas
reimen; wie reimt fich das? 2c.; vergl. ungereimt, u. das altd. giriman, f. o.
Reim); 2) ziel. ein Wort als Reim finden u. gebrauchen (4. B. Opis reimt
Bahn auf Mann); Reime od. Reimverfe, Reimgedichte machen, verächtl.
f. dichten überh. (meift ohne Zielw., z. B. er reimt immierfort); in weiterer
Anwendung: paffend vereinigen, in Uebereinftimmung od. Zufammenhang
bringen (eins mit dem andern reimen; das Tann ich nicht zufammen rei
men 20.); — 3fe$. von Reim u, reimen: die Reimart, -form, -ftellung zc.;
reimfrei od. reimlos, Bmw., ohne Reime, nicht gereimt (verſch. ungereimt);
das Neimgedicht; das Reimgeſetz od. -gefaß, auch der Reimſatz, chem.
f. Abſatz (Strophe) eines Reimgedichtes; die Reimkunſt, Kunft zu reimen;
der Reimfchmied, verächtl. wer Reime ſchmiedet, ein Reimer; die Reimfilbe,
die Silbe, welche den Reim enthält; der Neimfpruch, ein Spruch in gereim-
ten Verſen; das Reimwort, das reimende od. als Reim dienende Wortz die
Reimzeile od. der Reimvers 2c.; — Ableit. von reimen: der Reimer, -8,
die Neimerinn, wer reimt; verächtl. f. fchlechter Dichter, Versmacher,
auch der Reimler; die Neimerei, das Neimen, Versmachen; auch verächtl.
f. ein fchlechtes Neimgedicht (M. Reimereien).
Reim 2. m., -3, auch Neimel, Neimen, (vergl. das nicderd. Riem f.
Bierfchaum: isländ. hrim ze. f. Reif 1.), oberd. f. Meif, d. i. gefrorener Thau;
mweißlicher Staub od. Duft am Obfte; daher reimeln, Zw. f. reifen; be-
reimen, bereimeln zc. mit Reif überziehen.
rein 1., Bw. (oberd. rain, niederd. een; goth. hrains, altd. hreini, reine;
isländ. hrein, angel. rein, ſchwed. ren; Grundbegriff: gefondert, gefichtet;
vergl. das griech. zodveir, fondern, u. das altd. hrinan, berühren, angrenzen,
woher: Rain, Grenze 2.) 1) von jedem fremdartigen, zumal fchlechteren
Zufaße frei, unvermiſcht, unverfälfcht, ſinnv. lauter (reines Waffer, reine
Luft, reines Gold 2c.; reiner Wein; einem reinen Wein einfchenten, uneig. f.
ihm die Wahrheit fagen; ein reiner Spiegel, d. i. der Eeine Bläschen zc. hat;
eine reine Haut, d. i. ohne Fleden, Pufteln zc.; eine reine Sprache, d. i. die
nicht durc Fehler od. Fremdheiten entftellt iftz reines Deutſch ſprechen od.
fchreiben; eine reine Stimme, d. i. eine gleichförmig und Elar tönende; ein
reiner Ton, d. i. der nicht ſchwankt, weder zu hoch, noch zu tief ift; daher:
rein fingen 2c.; ein Wort rein ausfprechen); auch f. geordnet, berichtigt, in
den Ausdrüden: etwas ins Reine od. aufs Reine bringen; mit etwas
od. mit einander aufs Reine kommen; ferner in geiftigem VBerftande: uns
gemifcht, ungetrübt, von allem Fremdartigen frei (eine reine Liebe, reine
Freude; die reine Wahrheit; reines Pflichtgefühl; eine reine Lehre, d. i. die von
Irrthümern frei ift 20.); inöbef. von allem Sinnlichen, Erfahrungsmäßigen,
Angemwandten getrennt, unfinnlich, unangewandt, fr. theoretifch (eine reine
Anfchauung, die reine Vernunft; die reine Größenlehre, entg. der angewandten);
2) in engerer Bed. frei von Schmuß od. Fleden, unbefchmust, unbefledt,
finnv. fauber, entg. ſchmutzig (reine Hände, reine Wäfche, Betten, Teller; fich
rein waſchen; die Stube, die Schuhe, die Kleider 2c. rein machen; den Mund
rein halten; uneig. reinen Mund halten f. verichwieaen fein, nichts verrathen; rei⸗
492 rein
ned Papier; ein reiner Druck, ohne Flecken, undeutliche Stellen 20.5 etwas
ins Reine ſchreiben; die Straßen rein halten, auch uneig. von allen verdächtie
gen Perfonen, Landftreichern 2c.; fo auch: fein Haus rein halten, d. i. alle
nicht ganz unbefcholtenen Perfonen, ald etwas Verunreinigendes, fern halten);
uneig. von widriger Krankheit frei (veines Vieh, reine Schafe, d. i. gefunde,
enfg. dem unreinen od. Schmiervieh), bibl. insbei. von Thieren, welche als
gelund u. ohne Fehl gegeffen werden dürfen; ferner in fittlihem Verſtande:
von Fehlern, Vergehungen, Verbrechen frei, unbefledt, ſchuldlos, uns
fhuldig Ceine reine Jungfrau; ein reines Gewiffen, reines Herz; fich vein
wiflen; einen rein fprechen, d. i. für unfchuldig erklären; ſich rein brennen,
d. i. fi) für unfchuldig auszugeben ſuchen; reine Hände haben, uneig. f. kein
Verbrechen begangen haben; ein reines Leben u. dal. m.); 3) in weitefter Bed.
von allen Gegenftänden frei, leer, ledig G. B. reine Bahn machen, d. i.
Alles aus dem Wege räumen; reinen Tiſch machen, d. i. Alles aufeflen; rein
ausgehen f. leer ausgehen); daher als verftärfendes Nw. f. vollig, durchaus,
ganz und gar (etwas rein ausleeren, austrinfen; rein unmöglich; rein nichts,
gem. f. gar nichts); oberd. auch f. fehr (4. B. es ift rein Ealt u. dgl.); —
3fes. der Reingeiſt, völlig gereinigter Wein: od. Branntweingeiftz rein—
gläubig, Bw., einen reinen Glauben habend; die Neinfchrift, eine ins
Keine gefchriebene Schrift (fr. Mundum); das Neinvieh, veines, d. i. gefunz
des Vieh, bei. Schafvich ; — Ableit. die Meine (altd. — hreine),
alt u. dicht. f. die Neinheit, das Reinſein, die reine Befchaffenheit, in
allen Bed. von rein (3. B. die Reinheit der Luft, der Stimme, einer Zehre,
des Herzens 2c.); ehem. auch die Neinigfeit, mit demfelben Umfang der Bed.,
jest nur in fittlihem Verſtande (z. B. die jungfräuliche Reinigkeit, Reinigkeit
des Herzens 2c.); reinen (altd. hreinnan, reinön), alt u. dicht. f. reinigen,
ziel. Zw., rein machen, in allen Bed. des Wortes, finnv. läutern, ſäubern,
pugen ꝛc. (z. B. die Luft, den Zuder, Gold, Silber 20.5 die Kleider, Schu—
be 2c.; die Bücher vom Staube; die Sprache reinigen, näml. von Fehlern u.
Fremdheiten; ein Land von Räubern ꝛc.; ſich von einem Verdachte reinigen,
d. i. feine Unſchuld darthun); der Reiniger, —8; wer etwas reinigt G. 8.
Spradhreiniger); die Reinigung, das Reinigen (z. B. des Zimmers, der
Sprache, des Herzens 20.5; die monatliche Reinigung, |. Monatöflufs); der
Reinigungseid, ein Eid, durch den man fich von einer Befhuldigung reinigt
(fr. Purgatorium); das Reinigungsmittel, ein Mittel zur Reinigung, insbef.
ein Abführungsmittel (fr. Purganz); die Neinigungswinde, verichiedene Ars
ten der Winde mit abführender Kraft; veinlich, Bw. u. Nw. rein (d. i. ſau⸗
ber, nicht ſchmutzig) ausſehend; das Neine, die Sauberkeit liebend, dazu
geneigt, (ein reinlicyes Zimmer, reinliche Kleider, fich reinlich halten; ein
reinliher Menſch) die Reinlichkeit, das Reinlichfein (eines Zimmers, einer
Derfon, 2c.).
rein- 2. (entſteht aus althochd. ragin, regin — von der Wurzel rag, hervors
"ragen, daher goth. raginon — lat. regere, herrfchen, goth. ragin, Rath) hat
als erftes Glied in zgef. EN. theils überhaupt verftärkende Kraft, theils bes
zeichnet es geiftige Überlegenheit, Rath, Klugheit; z. B. Reinhold (alto.
Raginolt), Reinmar (altd. Reginmar, fehr berühmt) u. a. m., bei. Neinz
hard (altd. Reginhart, Reinhart), d. i. fchlauer Rathgeber, altd. Beinamen
des Fuchſes in der Thierfabel (daher das franz. renard, Fuchs); niederd. verkl.
Rein — reifen 493
Meinefe, -n3, als EN. des Fuchſes in dem berühmten niederd. Gedichte
Reineke de Vos; Jäg. in engerer Bed. der. männliche Fuchs; landich. auch)
f. Storch.
Nein, m., ſ. Rain.
Kein od. Neine, w., M. -en, (altd. rina), verkt. das Neinel od. Neins
del, öberd. f. Gefäß, Geſchirr, insbef. Napf, z. B. Milchnapf, Ziegel,
Bratpfanne, Blumentopf ıc.
Reinanf, m., -en, M. -en, od. die Neinanfe, M. -n., gem. zgez.
der Renk, -en, auch der Renken, od. die Menke, (altd. rinanch), ein edler
Fiſch in den baierfchen Seen, be. dem Würmfee, auch Blau: od. Weiße
fellchen genannt (salmo Wartmanni, Bloch).
Neindel, NReinel, f. Neinz — Reineke, f. unter rein 2.
reinen 1. ziel. 3w. f. rein 15 — 2. ziellof. Zw. Jäg. f. traben, vom
Fuchs u. Wolf. (vergl. rennen); der Reiner, -8, landſch. f. das Rennthier.
Reinheit, reinigen, reinlich, Neinfchrift zc. T. rein 1.
Reis, m., f. Reif.
Reis, ſ. -e3, M., -er; Verl. das Neischen, M. gem. Reiferdhen,
(althochd. isländ. angel. hris; mittelh. u. ſchwed. risz niederd. Ries; vielleicht
verw. mit dem altd. risan, risen, fich erheben (vergl. reifen), welches je
doch nicht mit h anlautet;z alfo: das Aufiproffende; vergl. das lat. surculus
von surgere), eindünner, ſchwanker Baumzweig, finnv. Sprofs, Spröfsling,
Schöſsling, (Birken, Beſenreiſer; dürre Reifer); auch ald Sammelw. f. mehre
Reiſer zufammengenommen (. B. die Birken geben viel Reis); Forſtw. auch
ein ganz junger Baum; Zäg. eine lange, dünne Stange; — Zſetz. der
Reisbaum, ein Baum mit Reifen, die mit Vogelleim beftrichen find zum
Bogelfang; das Neisbund od. -bündel, aud die Neiswelle, zufammenge-
bundene Reiſer; das Neisholz, in Reiſern beftehendes Holz, Bundholz; auch
Bäume, welche viele Reiſer haben, u. eine mit folhen Bäumen bewachfene
Gegend; der Neislauben od. die Neislaube (vergl. Lauben), öfter. eine Art
einer Weißfiiche mit einer blauen Geitenlinie, die ihren. Rogen an Sand,
Steine, Reifer 2c. legen; das Reiswerk, allerlei Reiſer; ein von Reisbüns
dein gemachtes Werk, z. B. zur Befeftigung eines Ufers; — XAbleit. das
Reifig, r. Neifich od. Reificht, -e8, 0. M. (altd. risach, xisech, oberd.
Reiſach) Sammelw. f. v. w. Neifer, Neisholz (Reifid) ſammeln, brennen 2c.);
Bäume und Sträucher, welche viel Neifer haben, Bufchholz, u. eine
damit bewachfene Gegend.
Reifche, w., M. -n., (vergl. Reufe), landſch. ein Tragkorb.
reifen, ziellof. 3w. m. fein u. haben, (oberd. raifen; goth. raisjan, ur-
raisjan, altd. reisön, reisen, isländ. reisa, urfpr. aufrichten, aufregen; rüften,
ordnen; dann: fich erheben, fich aufmachen, bef. ins Feld ziehen; ' abgeleitet
von dem ablaut. Zw. althochd. risan, reis, garisan, mittelh. u. niederd. risen,
altoberd. reifen, welches urfpr. überh. ſich bewegen; ferri, bedeutet; dann
insbe. fowohl: fteigen, fich erheben, isländ. risa, goth. ur-reisan, angel.
arisan, engl. arise; als: fallen, finken, angelf. reosan, hreosan; daher noch
Shiff. die Sonne reifet od. niederd. vifet, f. ſteigt; oberd. die Blätter
reifen vom Baumeif.-fallen, u. dgl. m.), überh. fi) aufmachen u. fortbe-
wegen, ſich entfernen (daher noch gem. er kann nur reifen, d. i. gehen, fich
fortmachen); gew. in engerer Bed. ſich nach einem entlegenen Orte begeben
494 reifen
auch überh. durch größere Räume von Ort zu Drt ſich fortbewegen, gew.
nur von Menfchen, die nicht in großen Haufen zugleich fich fortbewegen, in
welchem Falle ziehen, marfdiren zc. gebraucht wird, (zu Lande, zu Waffer,
zu Fuß, zu Pferde, zu Wagen reifen; in die Fremde, durch od. über. einen
Ort —; gern, viel reifen ꝛc.; auch mit dem Accuſ. des Weges, welchen man
zurücdlegt, 3. B. einen andern Weg, diefe Straße, täglich 6 Meilen reis
fen 20.5; — mit fein, wenn eine Beziehung auf Ort oder Raum Statt hat,
z. B. er ift über Land, nad) B., durch N. zc. gereift; wir find diefelbe Straße
gereifet;z mit haben, wenn das Reifen mehr als Thätigkeit des Subjectes
und in Beziehung auf die Zeitdauer fteht, z. B. er hat viel gereiſſt; lange
gereiftz das Mw. gereif't ſteht jedoch als Bw. auch f. der gereifet hat, 3.8.
ein gereifter Mann); der, die Neifende, ein Reiſender, M. Neifende,
die Neifenden, Mw. von reifen, gew. als Hw. gebraucht, wer reifet, bef.
wer berufsmäßig Neifen macht, z. B. ein reifender od. Hand⸗
lungsdiener, ein veifender Handwerksburſche; — die Neife, M. -n., (altd.
reisa, oberd. Rais), die Handlung des Neifens, fowohl allgemein gefafft,
al3 auch mit beftimmter Begrenzung: der Gang oder die Fahrt von einem
Ort nad) einem entferntern, (auf der Reife od. auf Reifen fein; die Reife
antreten; wo geht die Reife hin? glückliche Reife! eine Reife machen, unter-
nehmen, antreten 2c.; meine Reife von A. nad) B.; eine Land», Waffer-,
Luftreife, Fußreife, Geſchäftsreiſe 2e.; eine Zagereife); ehem. in engerer Bed.
f. Heerfahrt, Feldzug, Kriegszug; in weiterer Bed. die einmalige Bewe—
gung von einem Punkte zu einem andern, u. was durch eine folche Be-
wegung befördert od. bewirkt wird, daher ein gewiffes Maß G. B. eine
Keife Steine, Kalk zc., d. i. eine Fuhre; eine Reife Holz, d. i. eine Schiffe:
ladung; in Halle: eine Reife Soole, d. i. fo viel auf einmal aus dem Brun-
nen gezogen wird; Web. eine Reife Zeug, Leinwand zc., d. i. ein Gewirk vom
Kamme an bis zum Baume; eine Reife Röhren, d. i. fo viel Röhren, als erfor-
derlich find, um das Waffer eine gewiffe Strede weit zu leiten); landſch. überh.
f. Mal (z. B. oberd. auf die Rais, d. i. diefes Mal; niederd. eine Reife,
d. i. einmal; zwei Reifen, d. i. zweimal 2c.); — 3feg. von reifen u. Reife:
der Neifebedarf, Alles, was man zu od. auf der Reife bedarf, bef. alle Rei
fegeräthfchaften; der Neifebefchreiber; die Neifebefchreibung; das Reife-
bett, ein Bett, welches man auf Reifen mit fich führt, auch |. v. w. Feldbett;
das Reifebuch, Keifeband- od. -taſchenbuch, ein Buch, welches für Rei
fende wiffenswürdige Dinge enthält; das Reiſebündel, 1. Bündel; veifefertig,
Bw. zur Abreife bereit; der Neifegefährte od. -genoſſe, die Reiſegefähr—
tinn, -genoffinn, f. Gefährte 2c.; das Neifegeld, das zu der Reife nöthige
od. beftimmte Geld; ehem. aud) f. Sold, Löhnung der Soldaten; u. f. Kriegs-
fteuer; das Neifegepäd, -geräth, Gepäck, Geräth, welches man auf der
Reife mit fic führt; reifegerecht, Bw. Jäg. in der Jagd des Eleinen Wildes
geſchickt, auch feldgerecht, entg. hirſch- u. holzgerecht; die Neifegefellichaft,
eine Gefellfchaft von Reifenden; auch f. v. w. der od. die Reiſegeſellſchafter,
Begleiter eines Reiſenden (z. B. meine Reiſegeſellſchaft); der Reiſejäger, Jäg.
ein gemeiner Jäger, der nur das Heine Wild jagt u. ſich dabei weiter herum⸗
bewegen (reifen) muſs, insbeſ. der Feldjäger, Flug- od. Federſchütze 2e.; daher
die Neifejägerei; die Reifefarte, Landkarte für Reifende, Poftkarte; der
Reifekaften, die Reifekifte, der Reifekoffer zc., Behättniffe für die Reife:
Zn I un
Reisholz — reißen 495
bedürfniſſe; das Reiſekleid, ein Kleid, welches man auf der Reife trägt; fo
auch: die Neifekleidung, u. insbeſ. der Reiſehut, die Meifefappe ob.
-müße; der Reifemantel, od, -[huh 2c.; die Reifekoften, f. Keften;
die Reiſeluſt, das Vergnügen, welches das Reifen gewährt; die Neigung,
das Verlangen zu reifen; daher: reifeluflig, Bw. Luft zum Reifen habend;
der Neifemarfchall, ein Marſchall (f. d.), welcher feinen Herrn auf der Reife
begleitet; der Meifepfennig, ein geringes Reiſegeld; der Reiſeſack, die
Reiſetaſche, ein Sad, eine Zafche, worin man Reifebedürfniffe mit fich führt,
Ranzen, Mantelſack, Felleiſen; die Neifefucht, übertriebene Reiſeluſt; der
Keifewagen, ein Wagen, deffen man ſich zum Reifen bedient; chem. auch
f. Heer⸗ od. Kriegswagen; das Neifewetter, das Wetter, welches man wäh—
vond der Reife hat (gutes, ſchlechtes R.); das Neifezeug, alles Reiſegepäck
u. <geräth; der Neifezug (fr. Karavane); — Ableit. v. reifen: der Nei-
fer, -8, felten f. der Neifende; wer oft od. immer reift; reifig, Bw.,
vlt. f. zur Meife bereit, reifefertig; insbef. zum Kriegszug gerüfter, zum
Kriegsheer u. bef. zur Neiterei gehörig (reifige Pferde, ein reifiger Knecht;
der reifige Zeug, d. i. die Reiterei); daher als Hw. ein Reifiger, der Neifige,
M. Neifige, die Reifigen, gerüftete Krieger, bef. zu Pferde, Weiter
(7. B. Reifige und Fußvolk).
Reisholz, Neifich od. Neifig, NReislaube, Reiswelle ıc. |. Reis; —
reifig, der Reifige, f. reifen. ®
Heiß, m., -e8, 0. M., (niederd. Nies, franz. ris; aus dem griech. u. lat.
oryza, welches aus dem arab. aruz ftammt; vergl. das perl. rizeh, Saat;
fanstr. ridsch, fäen), eine fehr weiße u. nahrhafte Getreideart der wär-
meren Länder; deutſcher Reiß, f. v. w. Bart oder Reißgerfte; ſchleſi—
ſcher Reif, das Mannagras; — Zfeg. die Reißammer, eine Art erd—
farbiger Ammern in Nordamerika, auch der Neißdieb od. Neißvogel ge-
nannt; der Neißbau, Anbau des Reißes; die Neißblume, das feinfte Reiße
mehl; der Neißbranntwein, aus Reif gebrannter ftarker Branntwein (fr.
Arrak od. Rad; der Neißbrei od. das Reißmus, von Reiß gekochter Brei;
der Reißdinkel, eine Art des Speltes, Sommerfpelt; die Reißgerfte, f. v. w.
Bartgerfte, auch die nackte Gerfte; der Reißkoch, landſch. ein Backwerk von
Rei (vergl. Koh); das Reißkorn, verkl. Reißkörnchen, uneig. Naturk.
eine Art Porzellanfchneden; das Reißkraut, Glied- od. Eifenkraut; der
Reißkuchen; der Reißmäher, uneig. Naturf. eine Art Dickſchnäbler in China,
Java 2c., der den Reißfeldern großen Schaden thut, auch Reißfreſſer, Reiß—
vogel genannt; das Neißmehl; der Reipfchwaden, reifartiges Glanzgras in
Virginien u. Süd- Europa; die Reißfpeife; das Reißftroh ꝛc.
Reißaus, Neißblei, =brett, =eifen 2c., f. reißen.
Keißelbeere, w., landich. f. Preißelbeere, f. d.
reißen, 3w. (altd. rizan, rizen, Impf. reiz, Mw. rizan, gerizzen; niederd.
riten; das goth. und angelf. vritan, engl. write, isländ. rita bedeuten nur:
entwerfen, fchreiben), ablaut. Impf. tif, Gonj. riſſe; Mw. geriffen; 1)
ziellos a) m. fein: mit dem eigenthümlichen Schalle, welchen das Wort
ausdrüdt, plöglic den Zufammenhang feiner Theile aufgeben, bef. von
zähen Körpern, wenn fie zu ſehr ausgedehnt od. angefpannt werden, verſch.
brechen, beiten, plagen zc. (ein Faden, ein Strid, eine Saite, ein Zeug reißt,
iſt geriſſen; uneig. wenn alle Stricke reißen, d. i. wenn alle Hülfsmittel vergeb⸗
496 reißen .
lic) find), bisw. auch von feften Körpern (3. B. der Erdboden reift, d. i. birft,
bekommt Riffe); mit großer Gewalt und Schnelligkeit fich fortbewegen,
bei!das Mw. reißend, als Bw. u. Nw. (ein reißender Strom; eine Waare
geht veißend ab, d. i. fehr Schnell; bibl. die Plage riſs unter die Sfraeliten,
d. i. drang mit Gewalt in fie ein; vergl. einreißen); b) m. haben: an
einem Körper ziehen od. zerren, um ihm zu zertrennen od. fortzuberegen
(an einer Sache —; der Sturm riß an dem Baume); daher uneig! von hefti-
gen ziehenden Schmerzen (ein reißender Schmerz; die reißende Gicht; gew. '
unp. es reißt mir im Leibe, in den Gliedern, es hat geriffen 2c.; u. als Hw.
das Meißen in den Gliedern, Gliederreißen 20.); 2) ziel. a) etwas fchnelf
und gewaltfam trennen, bef. durch eine plößliche zu große Ausdehnung,
welche den Zufammenhang der Theile aufhebt (Papier, Zeug ze. in Stüde rei:
Ben, entzwei reißen; fi) an einem Nagel ꝛc. —, reißend verwunden; Federn
reißen, d. i. die haarichten Theile von den Kielen abziehen; daher: geriffene
Federn; reißende Thiere, d. i. wilde Thiere, die ihren Raub zerreißen), in
einzelnen Anwendungen aud) durch Schneiden, Spalten, Hauen, Graben,
Pflügen (z. B. den Wein reißen, d. i. das über der Erde befindliche Holz der
Weinſtöcke abfchneidenz einen Karpfen—, der Länge nad) durchfchneiden; einen
Hengſt —, verfchneiden; Holz, Latten—, fpalten; einen Baum reißen, Forftw.
ſ. v. w. lachen 2; einen Acker —, auf, umreißen, d. i. zum erften Male pflü-
gen); daher ehem. insbef. etwas auf einer Fläche entwerfen, fchreiben, zeich-
nen, weil dies urfpr. durch Eingraben od. Einfchneiden geſchah (noch jest:
einen Plan reißen, ein Rifs, f. d., u. die zgef. Abs, Auf-, Umriſs, Reißblei, fe
der 2c.); b) etwas durch ftarkes Ziehen bewegen, gewaltfam von feinem
Orte forts od. weg-, nach- od. an fich ziehen (die Saiten reißen; einen vom
Stuhle, mit fi) fort, zu Boden —; einem etwas aus. den Händen, einem die
Kleider vom Leibe, das Herz aus dem Leibe —; ſich (mir) die Haare aus dem
Kopfe—; der Sturm reißt Bäume aus der Erde; etwas an ſich reißen,
uneig. f. es ſich gewaltfam aneignen; einen aus der Noth reißen, d. i. ihn
- fchnell daraus befreien; etwas aus dem Zufammenhange reißen, d. i. trennen,
abfondern); auch rückz. fich—; f. ſich fchnell und mit Gewalt trennen, ent—
fernen (fi) von etwas—, aus Semands Armen reißen; uneig. ſich aus der
Unthätigfeit —); fih um etwas —, raufen (won Mehren, die gleich bes
gierig nach einer Sache ftreben und diefelbe einander ftreitig machen); ©) uneig.
etwas plöglich laut werden od. gleichfam hervorbrechen laſſen, unvermus
thet vorbringen (nur in den gem. Redensarten: Pofjen, Wise, Zoten reißen;
oberd. auch: Keime reifen, d. i. aus dem Stegereif machen; vergleiche das
grisch. enfaı yorır, Yat. rumpere vocem); — 3fe$. das Reißaus, unbiegf.
(eig. der Imperativ reiß aus! d.i. flich! von dem ziellofen Zw. ausreißen,
f. d.) nur in Reißaus nehmen, gem. f. davon laufen, entfliehen; das
Reißblei, Wafferblei, woraus Bleiftifte zum Reigen (d. i. Zeichnen, ſ. 0.) ge:
macht werden; das Meißbrett, ein glattes Blatt, auf weldies das Papier
zum Zeichnen gefpannt wird; das Neißeifen, ein Zirkel mit fpisigen Haken,
um Linien damit in Holz zu reißen; die Neißfeder, ein federähnliches metallenes
Werkzeug, Scharfe Linien damit zu ziehen; aud) eine metallene Hülſe, in welcher
ein Zeichenftift. befeftige wird; der Neißhafen, Schloff. ein Meißel zum Auf
reißen der Zapfenlöcher; der Reißkamm, der gröbfte Kamm der Wollarbeiter; .
die Reißkohle, Kohle zum Zeichnen; die Neißlatte, geriffene Latte, z. U. u
teißern — reiten 497
einer gefchnittenen; das Meißmeffer, ein zweiichneidiges Meffer der Goldfchld-
ger zum Zerfchneiden der Metallplatten; der Reißnagel (niederd. Rietnagel),
f. v. m. Neid od. Nietnagel, ſ.d.z die Reißſchiene, ein dünnes, ſchmales Brett,
Linien damit od. danad zu reißen; der Reißſtift, Zeichenftift; das Neißzeug,
die fämmtlichen zum Reifen od. (mathematifchen) Zeichnen nöthigen Werkzeuge
nebft dem Behältniffe, worin fie bewahrt werden; der Reißzirkel, ein Zirkel
zum Reißen, deſſen einev Schenkel durch eine Reißfeder erfest werden kann; —
Ableit, der Neißer, -$, die Neißerinn, M. -en, wer etwas reißt, gew.
nur in Zſetz. wie Poffenreißer zc.; auch verſchiedene Werkzeuge, z. 8. ein eis
fernes Werkzeug der Korbmacher zum Spalten der Weiden; Maur. ein Pinfel
zum Zeichnen der jcharfen Einfaffungslinien (Vorreißer).
reißern, ziellof. Zw., Jäg. von den Sagdhunden: Altes befhnäufeln od.
beriechen.
Reißfeder, haken, kamm, f. reifen; — Reißfrefler, -gerſte, ſ. Reiß.
Reißke, m.. -n, M. -n, od. der Reißker, -8, M. w. E., (auch Reizker,
Reitſcher, Rietfchke 2c.; wahrſch. ſlawiſchen Urfprungs, böhm.ryzec, poln.rydz),
landſch. bef. in Meißen und Schlefien: ein efsbarer ziegelfarbener Milch:
fhwamm mit gelbem Saft, einem eingedrücdten Hut und kurzen roth—
flecigen Stiel, auch Tännling, Herbftling, Förchling, Röthling, Nehling,
nieberd. Röte genannt.
Reißkoch, -Forn, =Fraut xc., 5. Reis; — Neißkohle, -latte, ſ. reißen.
Keißling, m. -e3, M. -e, ein Nachtfchmetterling mit weißen, ſchwarz
gepunfteten Flügeln, Birkenfpanner, Birkenvogel.
Reißmäher, mehl, -ſchwaden, =fpeife, -ftrob, |. Reiß; — Neißmeffer,
nagel, —— -ftift, zeug, zirkel, ſ. reißen.
Reiſte, w., M. -n, (altd. rista, riste; niederd. Riſte, Riſſe; holl. rist), ein
Büſchel — ob. Hanf, fo viel man auf einmal durch die Hechel zieht;
auch ein Eleines Gebinde gehechelten Flachfes, zufammengedreht und verfchlun-
gen, landſch. auch Haute, niederd. Knocke genannt, deren 30 einen Kloben machen.
Reit, f., niederd. f. Nied, Niet.
veit, Bw., (goth. raid, altd. veiti, reite, niederd. reede. vergl. Rehde), völ⸗
lig vlt. f. bereit, fertig, geordnet; daher: die Neite, Hofreite, M. -n,
(oberd. Hof-Rait od. =Raiten; auch Riet, Hof-Riet), landſch. der geebnete
Hofraum bei einem landwirthfchaftlihen Gebäude.
Reitamt, buch, =beamte, f. reiten; — Neitbahn, reitbar zc., T. reiten.
Keite, w., f. reit; — Neitel, reiteln, f. raideln.
reiten ; Zw. (altd. ritan, riten, Impf. reit, Mw. garitan, geriten; nie-
derd. riden; isländ. rida, angelf. ridan, engl. ride, d. i. reiten u. fahren, fo
auch das holl. vyden; Grundbegriff wahrfch. Bewegung; vergl. d.- altd. ridon,
nord. rida, zittern, f. u. reitern; alfo überh. ferri, vehi, daher das altd. reita,
reiti, Wagen, Fuhrwerk; dann insbef. equo vehi), ablaut. Impf. tritt, Conj.
ritte; Mw. geritten; 1) ziellos m. fein u. haben, a) urſpr. überh. ſich
fortbewegen (daher noch: der Hund reitet auf dem Hintern; der Maulwurf
durchreitet das Land, d. i. durchwühlt 2c.; die Motten durchreiten die Bücherze.
vergl. die Zſetz. Reitkröte, =laus, maus 2c.); oberd. bef. f. gleiten, rutfchen
(3. B. von einem Felfen herunter), u. f. fahren (zu Wagen, auf dem Waſ—
fer—); chem. überh. f. reifen (welches freilich gift zu Pferde geihah), bei.
einen Feldzug, eine Heerfahrt unternehmen; b) jest in. engerer Bed. auf einem
Heyfe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. 32
498 reiten
Thiere, bef. einem Pferde, gew. mit gefpreizten Beinen figend fich fort-
begeben (z. B. auf einem Pferde, einem Efel ze. reiten; gem. ohne Nennung
des Thieres: gut reiten, reiten lernen, ein reitender Bote 2e.5-auch mit einem
Hw. im Acc. welches die Art u. Weife, oder die Richtung u. Ausdehnung des
Reitens ausdrüct, z. B. Schritt reiten; diefen oder jenen Weg —, feine
Straße —, fünf Meilen reiten 1.5; — in der Regel mit fein; mit haben
nur, wenn v8 ohne Ortsbeftimmung in Beziehung auf Zeit, Kunft od. Abficht
fteht; alſo: ich bin nad) N., über die Brüde geritten; er ift ausgeritten; wir
find den nächſten Weg geritten; abes: ich habe diefen Morgen geritten; er hat
Yanae, geſchwind, geſchickt od. ungefchickt ꝛc. geritten); uneig. mit gefpreizten
Beinen auf od. über etwas fisen od. ftehen, gleichviel ob man fich fortbe-
wegt, oder nicht (auf einem Steden= od. Wiegenpferde—; auf einer Bank, auf
der Wurft—, f. Wurft; immer m. haben); aud) f. fich begatten, von mans
hen Thieren; Schiff. ein Schiff reitet, wenn es bei hohler See od. ftarfem
Winde vor Anker liegend ftampft; 2) ziel. ein Thier —, d. i. zum Reiten
gebrauchen, auf demfelben reiten (z. B. er hat einen Schimmel geritten;
dies Pferd ift noch nie geritten worden; gem. uneig. der Teufel —, landſch.
auch) die Noth, das Unglüd zc. reitet ihn, f. befist, beherrſcht ihnz einen Schrift-
fteller reiten, f. ihn ungebührlich benugen) ; auch veitend bewirken od. in ei—
nen Zuftand verfegen (ein Pferd müde, todt — ſich müde reiten; einen zu
Boden reiten); fich (mir) etwas —, d. i. veitend zuziehen (nur in der Re—
densart: ſich einen Wolf reiten, f. Wolf). — Zſetz. die Neitbahn, ein ebener
Platz zum Zureiten der Pferde u. zu Reitübungenz der Reitburfche od. junge,
ein Burfche, den man zur Bedienung hinter fi herreiten läſſt (fr. Sodey);
die Neitgerte, =peitfche, zum Antreiden des Keitpferdes; der Reitgurt, ein
breiter Gurt, den Unterleib beim Reiten damit zu gürten; das Reithaus, eine
bededite Reitbahn; der Neithengft, Zucht: od. Springhengft, Beſchäler; die
Reithoſe, -jade, der Reitrock, <ftiefel u. dal. m., Kleidungsſtücke für Reiter;
das Reitkiſſen, ein ftatt eines Sattels dienendes Kiffen; der Reitknecht, ein
Knecht, welcher die Reitpferde wartet und feinem Herrn nachreitet; die Reit:
kröte, landſch. f. Erdgrille, Mauhvurfsgrille, weil fie unter der Erde reitet,
d. i. wühlt (f. o.) auch Neitmaus, Neitwurm genannt; die Reitkunſt, die
Kunft zu reiten; die Neitlaus, landſch. f. Filzlaus, weil fie die Haut durch-
wühlt, auch Reitmilbe; die Reitmafche, Säg. eine nicht feft verbundene, fich
bin= u. herziehende Maſche im Nes 2c.; die Reitmaus, landſch. f. Feldmaus,
Maulwurfmaus; auch f. v. w. Reitkröte, |. o.; der Reitochs, Zuchtohs; das
Keitpferd, ein zum Reiten dienendes Pferd; die Neitpoft, ſ. Poſt; der
Keitfattel, ein zum Reiten dienender Sattel, z. U. v. Trage, Saumfattel 20.5
die Reitfcheide, hohle lederne Scheiden, durch welche die Stränge des Pferdes
geſchirrs gehen, damit fie das Pferd nicht reiben; die Neitfchule, Anftalt und
Gebäude, wo Unterricht im Reiten ertheilt wird; der Reitſtall, Stall für Reit-
pferde; an Höfen auch die fämmtlichen dabei angeftellten Leute; der Reitſtock,
Drechsl. eine bewegliche Docke auf der Drehbank; die Neittenne, eine Tenne,
auf welcher das Getreide ausgeritten, d. h. von Ochſen oder Pferden ausgetre⸗
ten wird; das Reitzeug, alles zum Reiten nöthige Geräth und Geſchirr; —
Ableit. reitbar, Bw., fähig und geeignet, geritten zu werden (ein Pferdae.);
der Reiter, -8, die Neiterinn, M. -en, (altd. ritari, ritaere, und daneben
ſchon früh mit kurzem i: ritere, riter, Ritter; isländ. riddari, ſchwed. riddare,
reiten — reizen 499
holl. ridder), überh. eine reitende Perfon (ein guter, fhlechter Reiter, eine a
kühne Reiterinn); bef. wer berufsmäßig reitet od. feine Verrichtung reitend
verfieht (in Zfes. wie: Korft-, Lande, Poftreiter 2c.); in engerer Bed. ein zu
Mferde dienender Krieger, Neifiger (fr. Gavalleriftz in diefer Bed. chem.
auch Reuter, ſchweiz. Rüter, holl. ruyter, vielleicht v. dem hol. ruyten (—reu«
ten, f. d.), einen Raubzug thun?); landſch. der ſchwarze Kornwurm (weil er
das Getreide durchreitet, ſ. 0.); auch verfchiedene zum Gefchlecht der Strand»
läufer gehörende Vögel (der rothe u. der geftreifte Reiter); Krfpr. un
eig. große fechsedige Balken, durch welche mit fpisigem Eifen befchlagene
Stäbe geftedt werden zuc Sperrung des Zuganges zu einem Orte: ſpaniſche
oder friefifche Reiter; Zfeg. v. Reiter: der Neiterdegen; die Reiter:
fahne (fr. Standarte); die Neiterflinte (fr. Garabiner); reitergar, Bw.
gem. f. halb gar, halb gekocht (weil eilfertig reitende Perfonen nicht Zeit haben,
die gehörige Zubereitung der Speifen abzuwarten?); der Reiterhandſchuh;
das Reiterkoller od. Reitkoller, ſ. Koller; das Neiterpferd (fr. Gavallerie-
Pferd; verſch. Reitpferd); die Neiterfchlacht, von der Reiterei gelieferte
Schlacht; der Neiterfliefel; der Reitervogel, eine Art großer Paradiesvö-
gel; die Reiterwache (fr. Vedette) ꝛce; — die Neiterei, 1) 0. M. (v. rei
ten) gem. verächtt. das Neiten, die Art und Weife des Reitens (z. B. eine
elende Reiterei); 2) M. (ſelten) -en (v. Reiter), die Gefammtheit der Rei-
ter, die ganze berittene Mannfchaftesichtwere und Leichte Reiterei; fr. Caval-
Verie); veiterifch, Bw. (won Reiter), oberd. f. einem Neiter angemeffen, nad
Art eines Neiters (d. i. Gavalleriften); die Neiterfchaft, die Eigenfchaft
eines Reiters; auch f. die Neiterei 2); reitlings od. rittlings, Nw., nad)
Art eines Neitenden mit gefpreizten Beinen G. B. reitlings auf einer
Bank fisen).
‚reiten 2., ziel. 3w., ſ. raiten; — 3. ziel. Zw. (altd. reiten; vergl. reit,
Rehde), völlig vlt. f. bereiten, fertig machen, vüften.
Keiter, m. 1. f. reiten 1; — 2. ſ. Raiter; — 3. T. reitern.
reitern, Zw. (von dem altd. vidon, riden, isländ. rida, hin u. her fchwan-
ten, zittern; vergl. rütteln; daher das altd. rido, ritoz oberd. Rid, Ritt, f. Fie⸗
ber; vermw. mit reiten, ſ. d.) 1) ziellos m. haben, landſch. f. fid) unruhig hin
und her bewegen (von Kindern); 2) ziel. (altd. ritarön, angelj. hridrjanz
vergl. vaden 2., rädern) oberd. f. ſieben; der od. r. die Neiter (altd. ritra,
ritera; angelſ. hridder u. hriddel; vergl. Räder), oberd. f. Sieb, bef. ein
Sieb gröberer Art; die Neiterfalbe, landſch. f. Kräsfalbe Gb. reitern, hin
und her bewegen, reiben).
Reitgerte, -gurt, -knecht, -kröte ꝛc. — Neitzeug, f. reiten 1.
Reitherr, -kammer, =meifter, =vogt 2c. f. Rechnungshere 2c., f. raiten.
Reitzu, m., unbiegſ. (öfte. Reitherzu), Landfch. gem. Nachahmung einer
Art des Finkenfchlages; auch ein Fink, der diefen Schlag hören Läfft.
reizen, ziel. Zw. (altd. reizjanz reizen, von gleichem Stamme mit rizan,
reißen, und rizjan, rigen; oberd. raizen; ‚vergl. das isländ. reita, pflücen,
zupfen; u. das lat. ir-ritare), urſpr. durch körperliche Berührung ıc. finns
lich erregen, überh. einen finnlichen Eindrud auf etwas machen (die
Haut, den Gaumen, die Nerven, die Sinne ꝛc. —); bef. lebhafte, angenehme
Empfindungen, od. auch Begierden erweden u. dadurch anztehen oder
loden (ihre Schönheit reizt ihn; Jäg. die Hafen, bie Vögel ze. reizen, d. i
k i Balder = ı
500 Reke Religion
durch Nachahmung ihrer Stimme locken), bei. das Ifte Mittehvort veizend
als Bw. f. höchſt anziehend, anmuthig, hinreißend (ein reizendes Mädchen,
eine reizende Schönheit, Gegend zc.); durch Erregung der Sinne od. des
Gemüths eine Begierde od. Leidenfchaft in Jemand weden, ihn zu etwas
antreiben, aufregen, hinreißen (einen zur Liebe, zum Haffe, zum Zorn, zur
Eiferfucht ze. reizen; auch: eines Menfchen Liebe, Zorn 2c. —); in engerer
Bed. Jemands Umwillen od. Zorn erregen, ihn unwillig, böfe, zernig
machen, necden (einen Menfchen, einen Hund ze. —); — der Reiz, -e$,
M. -2, die Eigenfchaft od. Kraft eines Dinges, das Gefühl od. die
Sinne zu erregen, u. die Empfindung folcher Erregung (Satz, Pfeffer zc.
verurfachen einen Reiz auf der Zunge; einen Reiz auf der Haut empfinden;
das Licht verurfacht einen Reiz im Auge ꝛc.); be. was lebhafte, angenehme
Empfindungen in uns erregt, u. diefe angenehme Empfindung felbft (der
Reiz der Schönheit, der Neuheit; die Reize des Landlebens), in engerer Bed.
die finnliche Schönheit einer (bef. weiblichen) Perſon, fofern fie lebhaft er-
regt u. anzieht, bei. die Schönheit in der Bewegung, ein hoher Grad der An-
muth; auch die einzelnen finnlichen Vorzüge, welche diefe Wirkung hervor-
bringen (3. B. fie bezaubert Alles durch ihre Meizes ihre Reize find verbfüht
u. dgl.); — Bfeg. von Reiz: reizlos, Biw., ohne Reiz od. Reize; die Reiz
lofigkeitz reizvoll, Bro., viele Reize habend, in hohem Grade reigendz von
reizen: das Reizmittel, ein Mittel zur Hervorbringung eines Reizes, Er-
vegungsmittel; — Ableit. v. reizen: reizbar, Biw., leicht zu reizen, veiz-
fähig, erregbarz bef. inzu hohem Grade für finnliche Eindrüde empfänglich,
krankhaft erregbar (ein veizbarer Körper, veizbare Nerven); in engerer Bed. zum
Ubelnehmen, zum Zorne geneigt, finmv. empfindlic, (ein veizbarer Menfch);
die Meizbarkeit, das Neizbarfein; der Neizer, die Neizerinn, felten f.
wer zu etwas reizt; die Netzung, das Neizen (4. B. zum Böfen); auch das
was reizt, der Reiz, das Neizmittel (M. Reizungen).
Reke, w., f. Recke unter reden.
Rekel, m., -8, M. w. E. 1. niederd. ein großer Bauerhund (vergl.
Kader 1); — 2. (w. dem niederd. reken f. reden, ausdehnen) das in lange
Streifen gefchnittene und gedörrte Zleifch der Heilbutte (vergl. Raff); —
3.5. rekeln.
vefeln, rückz. Zw., niederd. (v. reken f. reden), fih—, fich auf unan-
ftändige Weife reden, dehnen, auflegen; der Nefel, -3, M. w. E.,
gem. f. ein großer, plumper und ungefitteter Menfch; die Nefelei, gem.
das Rekeln; das Betragen eines Nekels; refelhaft, Bw., einem Rekel
ahnlich od. angemeffen, plump, ungefchliffen.
Religion, w., M. -en, (v. dem. lat. religio erft in der neueren Sprache
entlehnt: die Ältere gebrauchte dafür in objectivem Sinne: Ewa, &, d. i. Geſetz,
f. Ehe; in fubjectivem: Chaltida, haft), überh. Gottesglauben, Gotteslehre,
“ Gottesverehrung, Gottes> od. Götterdienſt; insbef. 1) fubjectiv der Ge—
finnung und Handlungsweife nach: Gottesliebe und Verehrung, Gottes:
furcht, Gottfeligkeit, Frömmigkeit (Retigion haben; ein Menſch ohne Relis
gion; in diefem Sinne auch: Religiofität); 2) objectiv: der Gottesglauben
u. Gottesdienft an fich nach Inhalt u. Form (die natürliche, entg. der ge
offenbarten Religion), bef. eine beftimmte Glaubensform, Glaubensfagung,
ein Glauben (die heidniſchen Religionen; die mofaifche, muhamedanifche,
u Relkel — renken Ze)
ehriftliche Religions; — 3fes. die Neligionsangelegenheit, =befehwerde ıc.;
das Meligionsbuch, Glaubenslehrbuch; der Neligionseid, ein Eid, durch
welchen man fich zu einer Religion befennt; der Neligionseifer; die Neli-
gionsfreiheit, Glaubensfreiheitz der Neligionsfrieden, Frieden od. Vertrag
zwifchen ftreitenden Religionsparteien, insbef. der zu Augsburg 1555 zwiſchen
kathol. u. evangel. Chriften errichtete Vertrag; die Meligionsgefchichte; der
Neligionskrieg, Krieg zwiſchen ftreitenden Religionsparteien; die Religions—
lehre, eine einzelne Glaubenstehre; die Neligionswiffenfchaft (fr. Theologie);
der Neligionslehrerz die Neligionspartet, Glaubens + Gefeltfchaft od. -Zunft
(fr. Secte; vergl. Partei); die Neligionsfache; der Neligionsftifter;
der Neligionsftreitz die Neligtonsübung, Ausübung der Religion, öffent:
licher Gottesdienftz der Neligionsunterricht; der Neligionsverwandte,
wer fich mit Andern zu derfelben Religion bekennt; die Reltgionswahrbeit;
der Neligionszwang, Glaubenszwang, entg. Religionsfreiheitz — Ableit.
religiös, Bw. (lat. religiosus), Neligion habend u. übend, gottesfücchtig,
*
fromm, gläubig; auch f. die Religion betreffend, gottesdienſtlich.
Relkel, m., -8, landſch. der wilde od. rothe Holunder, Hirfchholder.
Kelle, w., M.-n, od. die Nellmaus, (vergl. Kalle, vallen), landſch. f.
Hafelmaus; auch f. Siebenfchläfer; der Nelling, -es, M. -e (auch
Rälling, f. rallen) landſch. f. der Kater.
Rem od. Rehm, w., M.-en, oberd. 1. f. Nahmen, Rahm (f. d.);
2. (verw. mit ram, Ziel, ſ. Rahm 1., od. mit Riemen) f. Schlinge, Spren-
kel zum Vogelfang; remen, ziel. 3w., oberd. f. hemmen (einen Wagen;
daher Remkette, Remſchuh).
Remel, m., -$, M. w. E., 1. (v. dem niederd. Remen f. Riemen), nie
derd. f. Buche, Streif, Ninne, (hannöv. Remfche); die von der Pflug:
[har aufgeworfene Erde; meklenb. eine Reihe Bäume; 2. (vergl. das
oberd. Riemen f. Querholz; niederd. Remen, Ruder, lat. remus), oberd.
f. ein unförmliches, dies Stück Holz, bef. Brennholz, ein Prügel, Knüts
tel (auch Remmel, Tremel); niederd. ein Bund Flache von 20 Pfund,
ein Stein. '
Remen, -3, M. w. E., od. Neem, -23, M. -e, m. (lat. remus,
franz. rame) niederd. f. Nuderz daher vemen 1. od. reemen, Zw., f. tus
dern; — remen 2. ſ. Rem.
Remis, m., -08, M. -e, Landich. f. Beutel: 0d. Sumpfmeife.
vemmeln, 3w., oberd. f. vammeln, ſ. d.
Remſe, w. (vergl. Ramfel, rämfeln), Tandich. fe Waldfnoblauch.
reneln, ziellof. Zw. (eig. wohl räneln; niederd. wrensken; vergl. d. altd.
ranno, reinno, Zuchthengft), oberd. f. wiehern. x
Nengel, m., -8, M. w. E. (vergl. Range unter rangen), niederd. ein
muthwilliger Junge; — rengeln, ziel. Zw. (wehl — rangen, hamburg.
rangeln, d. i. ringen, prügeln), niederd. f. mit Zwang zur Pflicht an:
halten, ſtreng ziehen, beftrafen. |
Renk od. Renken, m., Renke, w., ſ. Reinank.
renken, ziel. 3w. (von ringen, rank, ſ. d.; vergl. das zielloſe ranken und
rangen), chem. oberd. f. dehnen, ziehen, zerren (z. B. einen bei dem Ohre);
biegen, drehen, lenken (z. B. einen Wagenz vergl. Rank 1.); gew. nur in
den zgeſ. aus», ein- verrenken; landſch. auch f. reden, ſtrecken (ich) —}
502 Kennbahn — Kennthier
Rennbahn, f. unter rennen.
Kenne, w., M. -n, (auch Rönne geſor.; isländ. rema), niederd. f.
Rinne, Ninnftein, Goſſe; Bergw. ein hölgernes Gerinne, durch welches
das Erz ꝛc. hinabrollt; daher der Rennberg od. M. die Rennberge, was
vom Erz abfällt, wenn es durc die Renne hinabgerollt wird.
Renneiſen, f. (wahrſch. verderbt aus Reineifen), Bergw. 1) eine Kraße
mit langem Stiel zum Reinigen des Ofens; 2) eine Art gereinigten Eifens.
renneln, ziel. Zw. (landſch. auch: renden, remmeln, rellen 2c.), oberd.
Hafer, Gerfte, Erbfen ꝛc. —, auf der Mühle zerbrechen od. enthülſen;
die Rennel (althochd. rennila) alt f. Mühlbeutel zur Abfonderung der Hülfen
und Kleien vom Mehle; der Rennel od. Rendel, oberd. f. die Grüse.
rennen, Zw. (altd. rennjan, rennan, Impf. ranta, rante, das Factitivum von
rinnan, rinnen, |. d.; daher urſpr. rinnen od. gerinnen machen, laufen machen,
„antreiben; dann ſchon im Altd. auch ziellos f. fehnell reiten, laufen; vergl.
das isländ. rennja, incitare und das angel. rennan, currere, und denfelben
Übergang der Bed. in: fprengen), unregelm. Impf. rannte, Gonj. tennete,
Mw. geranntz; (oberd. auch: rennte, gerennt); 1) alt u. noch oberd. ziel. f.
rinnen machen, flößen (Hold); fliefen machen, ſchmelzen (Hüttenw. das
Eifen wird gerennet, d. i. gefchmelzt; oberd. den Boden mit Pech überrennen,
Fäſſer verrennen 2c.); wäffern, mit Waſſer vermifchen (den Wein—); ges
rinnen machen (die Milch; daher oberd. die Renn, der Renner, die Rennfe,
das Renfel f. Lab); laufen machen, antreiben, tummeln (ein Pferd);
2) jest a) ziellos mit fein und haben (wie laufen, ſ. d.): fich mittelft der
Fuße fehr ſchnell fortbewegen, mit großer Eile laufen, -von Menfchen und
/ Thieren (nach einem 3iele—, um die Wette rennen ꝛc.; mit dem Kopfe wider.
die Wand rennen, uneig. troß eines unüberwindlichen Hinderniffes etwas durch-
fegen wollen); landſch. gem. (z. B. in Berlin) überh. f. laufen (ſ. d.); chem.
auch f. fehr fehnell reiten od. fahren, -bef. in die Wette (daher: Wettrennen, _
Pferderennen); uneig. f. unbefonnen forteilen, durdy unbefonnenes Thun
fich etwas zuziehen (in fein Verderben, ins Unglüd—); b) ziel. f. vennend
od. mit heftiger Bewegung etwas bewirken: einen zu Boden—, d. i. rennend
niederwerfen; einem den Degen durch den Leib —, heftig flogen; — Zſetz. die
Rennbahn, geebneter Plas zu Wettrernen; Berg. der Plag in dem Treibgöpel,
auf welchem die Pferde im Kreife herumgehen; das Nennfeuer, der Nenn:
herd, Hättenw. f. Schmelzfeuer, Schmelzherd (vergl. 0.); das Rennjagen o».
die Nennjagd, Hesiagd; der Nennkäfer, Laufkäfer; die Nennfau, landſch.
eine Yäufifche Sau; das Rennſchiff, Jachtſchiff; be. eine eigene Art lang ge>
bauter Zachtichiffe, welche zugleich Segel und Ruder führen; der Rennfchlitten,
ein leichter Schlitten zu Luftfahrten; das Nennfpiel, Spiel, welches im Rennen
nach einem Ziel um die Wette zc. befteht; die Nennfpindel, Schloff. ein Boh-
ver, welcher mittelft eines Riemens ſchnell umgedreht wird; der Rennſtein,
landſch. f. Rinnftein, f. d.; der Nennwagen, ein Wagen zu Rennfpielen; —
Ableit. der Nenner, -$, wer renntz beſ. ein fchnelles, zu Wettrennen ges
brauchtes Pferd, Nennpferd; Bergw. f. Schmelzer, der das Eifen ſchmelzt;
oberd. auch f. v. w. die Nennfe, das Rennfel od. Renfel, ſ. o. vennen 1).
Rennthier, f., auch wohl abgek. das Nenn (altnord. hrein, hrein-dyr,
angelf. hran; lappländ. raingo; engl. raindeer; nicht von rennen), ein zum
Hirfchgefhlechte gehörendes Thier mit vieläftigem Geweih, im äußerften
Rente — teren ei 503°
Norden von Europa lebend und. bort das nüßlichfte Hausthier; das Weibchen
heißt: die Nennthierfuh; das Zunge: Nennthierfalb; die Rennthier—
breme od. -bremſe, eine Art Vichbremfen, welche den Rennthieren läſtig ift;
die Nennthierflechte od. das Rennthiermoos, eine ftrauchartige Flechte, die
Hauptnahrung der Rennthiere im Winter; das Nennthierfleifch; die Nenn
thiermilch 20.5; die Rennthierheerde; das Nennthierleder; die Nenn:
thierzucht ıc.
Rente 1. w., M. -n (zunächſt v. dem franz. rente, fpan. renta, ital.
rendita; v. d. ital. vendere, franz. rendre, u. dieſe v. lat. reddere, wieder⸗
geben, einbringen; daher ſchon isländ. renta, angelf. u. engl. rent; vergl. das
althochd. rentön, Rechenschaft geben), ein beftimmtes jährliches Einkom—
men, bef. von Grundftücden u. angelegten Geldern, Gülte; bef: in der Mehrh.
Renten, Einkünfte, Zinfen, Gefälle (von feinen Renten leben; eine Geld»
fumme auf Renten legen; vergl. auch Ceibrenten); Yandfch. auch die Anftalt
zur Einnahme landesherrlihher Einkünfte: Nent od. Rente; — Zſetz.
das Nentamt, das Amt eines Einnehmers u. Berechners der (landesherr-
lichen) Einkünfte; auch der Bezirk eines ſolchen Beamten; u. die Behörde,
welche die Iandesherrlichen Einkünfte verwaltet, auch die Rentkammer; der
Rentbeamte, ein Beamter bei einer folchen Behörde; „der Nentmeifter, Vor-
geſetzte eines Nentamtes od. einer Rentkammer; die Nentrehnung, Berech—
nung der Renten; der Nentfchreiber, Schreiber bei einem Rentamtez der
Mentverwalter, Verwalter der Einkünfte eines Andern; — Ableit. rent—
bar, Bw. was Nenten trägt; die Nentei od. Nentenei, auch Nenterei
od. Nentnerei, M. -en, f. v. w. das Nentamt od. die Nentfammer;
venten, gew. mit fremder Endung renfiren, ziel. Zw., an Nenten einbrins
gen, eintragen, abmwerfen; oberd. ziellof. venten und fünden, d. i. ſchal⸗
ten und walten mit Grundftücen od. Gütern; der Rentner, auch Renteni—
rer, -$ A. Rentier), wer von feinen Einkünften od. Zinfen lebt.
Rente 2. w. (vergl. das angelf. rendan, engl. rend, zerreißen; engl.
vent, Riſs, Bruch), niederd. f. Zerbrechung, Zerſtörung (eenee machen,
d. i. etwas zerbrechen, aus Unvorſichtigkeit vernichten).
Renzel, f., ſ. Ränzel; — reolen, Zw. f. riolen.
tepen, Zw. niederd. 1. f. reepenz 2. (auch repeln, reppen, holl. repen)
f. raufen, rupfen, riffeln (den Flachs); 3. (oberd. reppen, reppeln) f.
veiben, ſcheuern; befpringen, fich begatten; — die Repe (v. repen 2),
nieberd. 1) f. Eukter- -Raufe; 2) f. Flachs-Riffel (auch Reppe, Repel,
holl. repe).
reppen, Zw., 1. (vom niederd. rap, ſchnell, hurtig; vergl. d. Tat. rapere,
rapidus) niederd. ziellos f. ſich ſchnell bewegen, regen, rühren; -ziel. f-
raffen; 2. landſch. f. raufen (ſ. repen 2.) u. f. reiben ꝛc. (ſ. repen 3.); —
das Repphuhn, ſ. Rebhuhn.
Repps od. Reps, m., ſ. Räpps unter Rapp
teren, oberd. Zw. 1. ziellos f. v. w. das niederd. raren, |. d.z daher ber
Rerer, f. Schreier, weinerlicher Menfch. — 2. ziel., r. reeren (urſpr. wohl
teiren,.v. dem alten risen, fallen; vergl. reifen, u. das landſch. rieren, ſchwäb.
reiven f. abfallen, vom Dbft u. dgl.) fallen od. rinnen laffen, bei. flüffige
od, körnige Körper (ein Ichadhaftes Gefäß rert; eine fandige Bergwand rert;
u - RE ne A re Mg A Ge 7 ep Me den. li en — —
|
/
504 reſch — retten
ehem. auch Blut, Schweiß, Thränen ꝛc. reren); daher das Rerach, oberd.
f. was herab⸗ od. herausfällt od. rinnt.
reſch, Bw. ſ. röſch.
Resken, m., -8, landſch. f. Holunder.
respen, räspen od. reispen, ziel. Zw. (altd. hrespan) oberd. u. ſchweiz.
ſ. v. w. rappſen, raspen, d. i. raffen, eilig ſammeln; daher das Reſp
od. Reſpchen, landſch. ein kleiner Korb; die Respen, o. E. ſchweiz. f.
das Reiſich; der Reispel, bair. ein Reiſerbüſchel zum — von
Flüſſigkeiten.
reß, Bw. ſ. räß.
reſſen, Zw. (verw. m. risen, reifen (ſ. d.) f. fallen), 1) ziellos, niederd. ab⸗
fallen; 2) ziel. Bergw. f. hauen, graben (ein Feld verreſſen, d. i. ver:
hauen, verfahren); die Reſs, nicderd. der Abfall vom Korn, das Spreu⸗
korn; oberd. der Fall, Abhang (eines Fluſſes, Daches 2c.); auch ein Ab—
leitungsgraben; der Neffen, -8, Bergw. ein Floß- od. Waſſergraben,
worin gefeifet wird; der Reſsbaum, oberd. ein als Unterlage dienender ſtar—
ker Balken, Träger; der Nefsort, Bergw. die Weite des Feldes, fo weit
fih ein Reffen erſtreckt.
Reſt, m., -es, M. -e (nicht gut -er), Verkl. das Neftchen, (vom
franz. reste, ital. resto, v. d. lat. restare, zurückbleiben), überh. das Übrige,
Überbleibfel, der Rückſtand: insbef. ein übrig gebliebenes Stück von einer
Sache (Zeug-, Tuchrefte u. dgl.; die Refte vom Effen); die von einer zu be—
zahlenden Summe noch rückſtä dige Schuld (einen Reft bezahlen; in Reft
bleiben 2c.);- Recent. das Ergebnifs der Abziehung (Subtraction); uneig.
einem den Reſt geben, f. ihn völlig umbringen, od. zu Grunde richten; veften
od. gew. reftiren, ziellof. Zw. noch rückſtändig fein (es reſtet noch eine an—
ſehnliche Summe); nod) fihuldig od. im Rückſtande fein (er: reftet noch mit
10 Zhalern 2c.)-
Reſt, w. (altd. resti, resta, reste), vlt. f. Naft, Ruhe.
Reſter od. Neefter, auch Neifter, m., —s, M. w. E., niederd. ein abges
tiffenes Stud, bef. ein Streifen Leder zum Ausbeffern von Schuhen ze.
Kette, m., -n, (m. A. weibl), M. -n (wahrſch. — Rüde, niederd. Röde;
holl. rode, reude) landfch. f. ein männlicher Hund, entg. Pese.
Rettel, m., -$, M. w. E., ein Fiſch, eine Art des Schwales.
retten, ziel. u. rückz. Zw. (altd. retjan, rettan, urſpr. ratjan, daher Impf.
ratte neben retita; angelf. hreddan, ſchwed. rädda, niederd. vedden, engl. rid:
die vermuthete Verwandtfchaft mit reißen, entveißen ift nur fcheinbar), einen
od. ſich — , aus einer Gefahr befreien u. dagegen fichern, in Sicherheit
bringen (einen aus dem Wafler, vom Tode —; der Kranke ift nicht zu vet
ten; fi durch die Flucht, an einen fihern Ort, fi vor Jemand —);
etwas—, erhalten, fohüsen, ficher ftellen (einem das Leben—; feine '
- Ehre, feinen guten Namen ce. —); oberd. auch: etwas abwehren, dagegen
Hülfe verfchaffen (4. B. den Brand, das Feuer eꝛc. —); der Retter, -$, die
Netterinn, M. -en, wer einen Andern rettet, dev Befreier, Helfer,
Befhirmer; Iäg. Retter, ein Windfpiel, welches dazu abgerichtet ift, die
andern Hunde von einem gefangenen Wild abzutreiben, damit fie es nicht zers
reißen, auch Schirmer genannt: die Nettung, Befreiung aus einer Ge
fahr und Sicherſtellung (des Lebens, des Vermögens, der Ehre ꝛc.); daher:
legen 2c.).
Kettig — Reufe 305
das Nettungsboot, ein Boot zur Rettung Verunglüdter; rettungslos,
(Schiff. auch rettlos), Bw. u. Nw., nicht zu retten, ohne Rettung; bie
Nettungslofigkeit: das Nettungsmittel; der Rettungsverfuch ıc.
Rettig, x. Nettich, m., -e3, M. -e (altd. ratih, retich, angelf. racdic,
engl. radish, niederd. Reedik; vom lat. radix, Wurzel), bie dicke, efsbare
Wurzel verfchiebener Pflanzen, und diefe Pflanzen felbft (vergl. Meer:
rettig); bei. ein Schotengewächs mit rundlicher, Außerlich fchwarzer
Wurzel von fharfem Geſchmack; landſch. auch f. Radies (f. d.); uneig.
eine Art Blafenfchneden, das Knollhorn; die Nettigbirn, eine Birnenart;
die Rettigrübe, landſch. f. der gemeine Rettig; der Nettigfalat, Salat von
Rettigen; die Rettigſchote, uneig. eine Art Schifffutteln.
veuen, ziel. Zw. (altd. hriwan, riuwen, ablaut. Impf. hroi, rouz Mw.
gihruwan, geruwenz; daneben aber auch bloß umend. hriwen u. hriwon; urfpr.
überh. betrübt machen, kränken; niederd. rouen u. rijen, holl. rouwen, engl.
rue), ehem. überh. f. betrüben, befümmern, ſchmerzen, dauern (z. 8.
ihr reuet mich, f. ihe dauert mich); jest in engerem Gimme: die Sache KA
mic), od. e8 reut mich, dafs ꝛc. —, d. i. das Gethane oder Gefchehene
erregt mir Betrübniſs, Schmerz ıc. als ein begangenes Unrecht, das ic)
ungefchehen zu machen wünfchte (immer mit dem Gegenftand des Schmerzes
im Nom. u. der Perfon im Acc., z. B. feine Sünden reuen ihn; ‚die That
reute uns; es reut fie, dafs fie ihn beleidigt hatz laſs dich. das nicht reuen;
ehem. auch unp. mit dem Gen. der Sache: es reuet mich der That); — die
Neue, 0. M. (altd. hriwa, riuwe, auch männl. der ruw; niederd. Rouwe,
Rije), chem. überh. Schmerz, Betrübniſs, Kummer (daher noch landſch.
Reukleider f. Trauerkleider); jest in engerer Bed. die Betrübniſs über
etwas Gethanes, Gefagtes ıc., was man ungefchehen zu machen wünfchte,
insbef. Über ein begamgenes Unrecht; — Zſetz. der Reukauf, das Geld,
welches nad) einem gefchloffenen Handel derjenige Theil, welcher denfelben rück—
gängig machen will, dem andern zur Entichädigung zu geben verbunden ift,
auch das Reugeld, u. bei Landgütern der Reuhandlohn; reuelo$ od. reu—
108, Bw., ohne Reue, Eeine Reue empfindend; der Reumuth, alt u. oberd.
der Zuftand eines Gemüthes, welches Keue empfindet; reumüthig, Bw.,
Reumuth heaend und darkegend; die Reumüthigkeit, das Reumütbigfein;
reuevoll od. veuvoll, Bw., mit Reue erfüllt, in hohem Grade Reue fühlend
u. äußernd; — Ableit. von reuen: der Neuer, die Reuerinn, vlt. eine
Derfon, welche etwas bereut; oberd. nody Benennung von Mönchs- und
Nonnen-Orden, insbe). Reuerinnen od. Büßerinnen, die Glieder des Mag:
dalenen⸗Ordens; — v. Reue: reuig, Bw., Neue empfindend u. darlegend
(ein reuiger Sünder). )
Reuſch, m., -e8, 0. M. (vergl. Rauſch 1. Raufchbeere), landſch. f.
DPreißelbeere.
Reuſe, w. M. -n (altd. rusa, riusa, riuse, vom goth. raus, Rohr;
oberd. auch Reufche od. Reiſche, niederd. Rüſe; ſchwed. ryssja; holl. ruysche,
welches auch einen Bienenkorb bedeutet, wie das franz. ruche, deffen Neben-
form ruse die uneigentliche Bed. Hinterlift angenommen hat), uripr, ein
Rohrgeflecht; dann ein von Ruthen geflochtener Korb, bef. zum Fiſch—
und Krebsfange, auch Stromkorb genannt (Fiſch-, Krebsreuſe; Reuſen
J
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506 EN veufen — Rhein
reuſen, ziellof. Zw. (altd. hriwisön, riuwesen, riusen, abgel. v. hriwan, “
reuen, ſ. d.), oberd. f. trauern, Elagen.
Reuſter, w., landſch. f. Rüſter, ſ. d.
reuten, ziel. Zw. (altd. riutjan, riuten; ſchweiz. rüten; isländ. rydia;
Nebenform: rotten, f. d., niederd. roden, raden, angelſ. wrotan, engl. root;
oberd. auch rieden, woraus ſich auf ein ablaut. Stammverb. riudan, röd ze.
ſchließen läͤſſt, vergl. das isländ. hriöda), aus Ker Erde reißen, völlig aus—
graben (Baumwurzeln u. dgl.); durch Ausreißen der Baumwurzeln, Ge—
ſträuche ꝛc. reinigen, umbrechen, urbar machen (ein Stück Land, eine Ge
gend); das Reut, -e3, M. -e (altd. rint, rüt), oberd. auch die Reut (altd.
riuti, riute; ſchweiz. Rüti, Rütli), gereutetes, urbar gemachtes Land, auch
Gereut, Neutfeld, Neutland, Neubruch; die Neute, 1) das Reuten;
2) ein Werkzeug zum Reuten, NReuthade od. baue; 3) ein Stab, mit
weldhem beim Pflügen die Erde von der Pflugfhar abgeftoßen wird (auch)
Reutel, Reuter, niederd. Rüde); die Neutgabel, in Seifenwerken eine
eiferne Gabel zur Abfonderung des Groben; das Reutkorn, auf Reutland ge—
fäetes od. gewachſenes Konz der Reutzehnte, der von einem urbar gemach—
ten Lande gegebene Zehnte, Rodegehne; — der Neufer 1., die Reuterinn,
wer reutet od. rodet.
Reuter 2., m., ſ. Reiter unter reiten; — Reuter 3., reutern, 3w.,
f. Räder u. beiten.
reuvoll, f. unter veuen.
Nhede, ſ. Rehde.
Rhein, m., -«8, o. M. (altd. Rin, urſpr. wahrſch. Hrin, welche Form
jedoch nicht vorkommt; lat. Rhenus, daher das undeutſche rh in dem deutſchen
Namen; wahrſch. v. dem alten hrinan (vergl. Rain, rein), jedoch ſchwerlich in
der Bed. berühren, jo das es der Grenzitrom wäre; fondern: raufchen, hallen,
0d. heil ſein; alfo: der raufchende, od. der Elare Strom; daher heißen auch
andere Flüffe u. in Graubünden jeder Kleine Bach Rhein od. Rhenz |. auch
u. Rheinichwalbe, Rheinweide), EN. eines großen deutfchen Fluffes, auch
der Rheinftrom, Nheinflufs; — 3Tes. die Rheinbrücke, eine Brüde über
den Rhein; der Rheinbund, ehem. Bund deutfcher Fürften unter franzöfifcher
Leitung, nad) Zertrümmerung der deutfchen Reichsverfaffung; der Aheinfall,
1) ein Wafferfall im Rheinftrome, bei. der bei Laufen unterhalb Schafhaufen;
2) ein im Rheinthale in Graubünden wachſender edler Wein (Fall ift hier
wahrſch. aus d. lat. vallis, ital. valle, Thal, verderbt; ein anderer gleicynam.
ein Eommt von Rivoglio in Iſtrien, u. der Namen ift hier aus vinum rifo-
lium entft.); der Aheinfifch, z. 8. Rheinlachs 2c.; der Nheingau, f. Gau;
die Aheingegend; das Nheingold, Goldförner, welche der Rhein mit fich
führt; der Nheingraf, ein Reichsgraf am Rheine; in engerer Bed. Wild»
und Rheingrafen, eine reihsgräfl. Familie, deren Stammhaus Rheingra=
. fenftein iftz der Nheinkiesling, im Elfafs eine Art geringer Äpfel; das Rhein—
land, ein am Rheine liegendes Land; daher der Nheinländer, die Rhein—
länderinn, Bewohner eines Rheinlandes; rheinländifh, Bw., zu einem
Rheinlande gehörig, dort einheimifch; rheinländifches Maf, eines der üb-
lichften Längenmaße, welches zwölftheilig ift (ein rheinländifcher Fuß hat 12
Zoll 20.); die Rheinreiſe; das Rheinſchiff; die Rheinſchifffahrt; die
Rheinfchwalbe, eine Art Schwalben , die fih an Bächen u. Flüffen aufpält,
Rheinank — richten 07
ufer⸗, Waſſerſchwalbe (vielleicht richtiger Rainfhwalbe?); am Rhein f.
Mewe; das Nheinthal; das Rheinufer; der Rheinvogel, eine Art des
- Purpurvogels, welche am Rhein lebt; die Nheinweide, landſch. f. Schwarz
pappel (weil fie gern an Bächen wächl't; verfch. Rainweide); der Nheinw ein,
am Rhein wachfender Wein; — Ableit. vheinifh, Bw., am Nheim lie
gend (rheinifche Länder 2c.); dort einheimifch, daher kommend (Wein, Stir-
ſchen 2c.; ein rheiniſcher Gulden od. ein Gulden rheinifch).
Rheinank od. Rheinanke, landſch. auch Nheinlanke, w. (wohl nicht: von
Rhein?), f. Reinank.
Ribbe, w., niederd. f. Nippe, ſ. d.; der Nibbert, -8, M. -„ laridſch.
eine Apfel-Art (wahrſch. |. v. w. Rippenapfel, f.d.). |
ribben, ziel. 3w., niederd. f. reiben, ſchaben (Flachs); cibeln, oberd. f.
wiederholt reibenz auch f. wafchen, reinigen.
— rich, eine Nachfilbe männlicher Hauptwörtec, erft in der neueren
Sprache aus der Verbindung von —er und ich (od INH) entftanden, bezeich—
net männliche Perfonen od. Thiere, z. B. Wötherich, Fähnrich, Gänſerich,
Enterich, Täuberich; feltnee Sachen, wie Wegerich, Weiderich, Eſtrich; —
in Eigennamen, wie Dietrich, Friedrich, Heinrich, ift diefe Endung aus
‚reich (altd. rich) entftanden.
Nicht, f., alt u. niederd. f. Gericht 1., Speife, Schüffel; oberd. auch)
die Richt od. Richte; das Nicht nirserd. auch f. Gericht 2., Gerichts:
barkeit ıc.
richt, Bw., oberd. f. recht, d. i. gerade, in gerader Linie; die Nichte,
0. M. (altd. rihti, rihte, auch f. Regel, Ordnung ꝛc.; von recht gebildef),
die Geradheit, gerade Linie, der gerade Meg (etwas in die Richte bringen;
in die Richte gehen); oberd. auch f. Neihe (eine Richte Häufer).
richten, ziel. Zw. (goth. garaihtjan, altd. rihtjan, garihtjan, rihtan, rihten;
vergl. recht), 1) die Ausdehnung, Lage oder Bewegung eines Körpers,
einer Thätigkeit od. Kraft in gerader Linie oder nach einem gewiffen
Punkte hin beftimmen (etwas Krummes gerade —; fi) in die Höhe—;
feinen Lauf nach) einem Orte—, finnv. lenken; die Augen auf etwas —; bie
Kanonen, die Sprisen ꝛc. —, d. i. ihnen die rechte Stellung geben, um ihr
- Biel zu treffen; den Zeiger der Uhr —, ftellenz „reitet eu!“ d. i. ftellt
euch gerade und in eine Linie, ein Befehlswort bei den Soldaten); auch: der
geiftigen Thätigkeit u. deren Erzeugniffen ein Ziel geben (feine Gedanken,
feine Aufmerkfamteit auf eine Sache —; fein Gebet zu Gott —; feine Worte,
ein Schreiben an Semand—); ferner von der Handlungsweile od. dem fittli-
en Verhalten, als rüdz. 3w. fih nach etwas od. Jemand —, di.
e3 od. ihn zum Beftimmungsgrunde des eigenen Verhaltens machen (ic
werde mich danach richten; ficd) nach Jemands Vorfchrift, nach den Umſtän—
den —; richte dich nicht nad) mir, d. i. folge nicht meinem Beifpiele, od. kehre
dich nicht an mich); 2) in weiterer Bed. gerade machen, gehörig ftellen od.
legen, in Ordnung bringen, ordnen, zurecht machen, bereiten (4. B. Faſsb.
windfchiefes Hola —, mittelft des Preffens gerade machen; Tiſchl. ein Brett —,
mit dem Hobel gerade machen; Gerb. die Felle —, der Länge nad) über das
Stolleiſen freien, u. dgl. m.; die Jäger richten die Netze; die Segel nad)
dem Winde —; die Uhr —; ein Haus richten, d. i. das zugehauene Zim—
merholg zum Dache auf einander fegen u. befeftigen, womit eine Feierlichkeit
508 richten
verbrinden iftz oberd. ben Tiſch —, f. decken u. bereiten): ehem. überh. f. fertig
machen, zu Ende bringen (insbef. f. ſchlichten, beilegen, ausgleichen, berich—
tigen, zahlen), noc jest in einzelnen Anwendungen f. bewirken, bewerkſtel—
‚ Jigen, hervorbringen (etwas ins Werk richten: einen zu Grunde ridten;
u. bef. die Zſetz. ab-, an-, aus-, ein-, ver-, zurichten 2c.); 3) einen, od. ziellos
übereinen—, ein entfcheidendes Urtheil über ihn fällen, aburtheilen,
(Gott wird die Menfchen nach ihrem Tode richten), bei. Andere nachtheilig
beurtheilen (bibl. vichtet nicht, auf dafs ihr nicht gerichtet werdet); in engerer
Bed. in einer Streitfache ein Urtheil fallen, Necht fprechen (einen Streit —,
gew. in einem Streite od. über einen Streit, zwifchen ftreitenden Parteien —);
einen —, 1. hintichten, das Todesurtheil an ihm vollziehen (der Ber:
brecher wurde mit dem Schwerte, mit dem Beile 2c. gerichtet); — Zſetz. die
Richtbank, alt f. Serichtsbant, Gericht; niederd. f. Anrichttiſch, Anrichte;
der Richtbaum, Zimmerl. ein aufgerichteter Baum, an welchem ein Kloben
zum Xufwinden des Barholzes befeftigt iftz das Nichtbeil, Beil zum Hin
richten eines Verbrechers; dog Nichtbiei, ſ. v. w. Bleitoth, |. d.; die Richt—
bühne, f. v. w. Blutbühne, Blutgerüſt (fr. Schafot); das Richteiſen, bei
verſch. Handw. ein Eifen, etwas damit zu richten, d. i. gerade zu biegen, zu
ebenen 2c.; das Nichtefjen od. Nichtmahl, die Mahlzeit der Zimmerleute
beim Richten eines Gebäudes, niederd. auch Richtbier, Richtelbier; der
Kichthammer, ein Schmicdeyammer, womit dem Metall die rechte Ausdeh—
nung od. gerade Richtung gegeben wird, das Nichthaus, chem. f. Gerichte:
haus; das Nichtholz, Nadt. ein Brett mit Furzen Stiften, zwifchen denen
der Drath gerade gerichtet wird; der Richtkeil, Krfpr. der Keil, welchen man
beim Richten der Kanonen unterlegt; das Nichtkorn, an Schießgewehren, 1.
Konz das Richtmaß, 1) ein Maß, welches als Mufter für alle anderen
dient, f. v. w. Eichmaß, Eiche: To auch: die Nichtelle, -kanne; der Nicht:
ſcheffel 20.5; 2) ein Eleines Winkelmaß der Schriftgieger; der Nichtpfennig,
Münzw. der 65536fte Theil einer Mark, wonach das Gewicht der Münzen
eingerichtet u. beftimmt wird; der Richtplatz, Plas zur Hinrichtung Verur-
theilter; chem. auch f. Gerichtöplag; der Richtſchacht, Berew. 1) ein fen
rechter Schacht; 2) ein Grenzſchacht; die Nichticheibe, Schloff. die Ein-
ſchnitte in dem Schlüffelblatte zu deutfchen Schlöffern; das Richticheit, ein
langes, dünnes Holz, das Verhalten eines Körpers zu der geraden Linie zu
unterfuchen, od. auch gerade Linien danach zu ziehen (fr. Lineal); die Richt:
fhnur, Handw. eine Schnur, die gerade od. fchiefe Befchaffenheit eines Kör—
pers zu erforfchen, od. auch mittelft derfelben eine gerade Linie zu machen, nad)
welcher man ſich bei Bearbeitung des Körpers richtet: daher uneig. f. Vor—
Schrift 0d. Beftimmungsgrund des Verhaltens (fr. Norm): das Nichtfchwert,
Schwert des Scharfrichters; die Nichtfpindel od. -ſpille, ein Bohrer der
Drathzieher, womit die Löcher in das Zicheifen gebohrt werden; die Nicht-
fange, eine Stange, etwas damit zu richten, 3. B. zum Stellen des Mühl:
fteins in Windmühlen; die Nichtftatt od. -ſtätte, f. v. w. Nichtplag; der
Nichtfteig, ein in die Richte aehender Fuffteig, d. i. der gerader ift, als der
Fahrweg; Rſpr. eine unter Karl IV. abgefaffte Gerichtsordnung: der Richtſtock,
Zimmerl. ein in Fuße u. Zolle getheilter Maßſtock; auch ein eifernes Werkzeug
der Büchfenmacher zum Geradebiegen eines Rohres; der Richtſtuhl, Stuhl,
auf welchem ein Berurtheilter hingerichtet wird; aud) f. Richterftuhl, f. u.; der
*
richtig 509
Richttag, niederd. f. Gerichtstag; die Richtwage, eine Wage, wonach man
etwas wagerecht macht; der Richtweg, ein in die Richte gehender, kürzerer
Weg; die Richtzange, in Meſſingwerken eine große Zange, womit die Tiegel
in den Brennofen geftellt werden; — Ableit. der Richter, -3, M. w. E.
(altd. rihtari, rihtaere), überh. wer etwas richtet (zZ. B. der Richter der
Kanonen, einer Uhr u. dgl.); gew. in engerer Bed. wer entfcheidende Urtheile
fallt, Perfonen od. Sachen beurtheilt (ſich zum Richter über Andere auf:
werfen; fein Sie Richter zwifchen ung; Gott ift der Richter der Weltz vergl.
die Zſetz. Bücher-, Kunſtrichter; Schiedsrichter, Splitterrichter ꝛc.); bef. wer
als obrigkeitlicher Beamter in Streitfachen od. bei Vergehen nach den
Gefegen Urtheile fallt od. entfcheidet, gew. ald Glied oder Vorfiger eines
Gerichtes (ein gerechter, 0d. ungerechter Richter; ein Stadt-, Land-, Hop
richter 2c.); ehem. auch f. Nach= od. Scharfrichter, f. d.5 3fes. das Nich-
teramt; der Nichterblick od. die Nichtermiene; das Nichterfchwerf, ein
Schwert als Zeichen der richterlihen Gewalt (verſch. Richtfehwert, |. 0.); der
Richterſpruch, Ausſpruch eines Richters; der Nichterftuhl, der Stuhl, auf
welchem der Richter bei Ausübung feines Amtes fist; uneig. f. die Gerichts-
behörde felbft; Ableit. die Nichterinn, M. -en, eine richtende, bef. ur=
theilende, entfcheidende weibl. Perfonz auch die Gattinn eines Nichtersz
vichterifch, Bw, Neuw. f. einem Nichter angemeffen, nad) Art eines
Nichters (fein richteriiches Wefen 2c.); richterlich, Bw., einem Richter ge:
hörend, zufommend, in feiner Würde gegründet, von ihm ausgehend
(die vichterliche Gewalt; ein richterliches Erkenntniſs); — richtern, ziellof. u.
ziel. 3w., landſch. gem. f. unbefugt urteilen, tadelnd abſprechen, kritteln;
im Würfelſpiel f. ſtechen; die Nichteret, gem. verächtl. das Gefchäft des
Richtens; das unbefugte, tadelfitchtige Urtheilen; die Nichtung (alto.
rihtunga f. Leitung, Anordnung, Entſcheidung), 1) o. M. die Handlung des
Richtens, das Richten, jedoch nur in den Bed. 1) u. 2) (5. B. der Kanonenz
der Segel; der Aufmerkfamkeit auf einen Gegenftand); 2) M. -en, die Linie
der Ausdehnung od. Bewegung eines Körpers od. einer Thätigkeit (einem
Körper eine Nichtung geben; eine andere Richtung nehmen; in gerader Rich—
fung; in verfchiedenen Richtungen aus einander gehen 2c.).
richtig, Bw. (altd. rihtig, rihtec; nicht von richten, fondern unmittelbar
von Recht, Richte, alfo eig. das Rechte od. die Nichte habend; daher altd.
rihtig werden f. gelenkt od. geleitet werden), chem. f. gerade (bibl. was krumm
ift, foll richtig werden); jest: dem Rechte, der Regel od. WVorfchrift, der
Ordnung gemäß, woran nichts fehlt od. mangelt, finnv. regelmäßig, voll
ſtändig, gehörig, ordentlich (richtiges Maß u. Gewicht; richtig fprechen u.
ſchreiben; richtig bezahlen; etwas richtig machen, d. i. vollftändig bezahlen;
ein richtiger Verftand; die Uhr geht richtig; einen Auftrag richtig beforgen);
auch f. in Drdnung gebracht, geordnet, wie es fein foll (die Sache ift
richtig; es iſt hier nicht richtig, d. i. nicht ficher, es ſpukt 2c.; es ift in ſeinem
Kopfe nicht richtig, d. i. er ift verrüdt); ferner dem Zwede od. der Abſicht
angemeffen, finnv. vecht (der richtige Weg; richtige Mittel; ein richtiges
Verfahren); der Sache felbft od. der Wahrheit gemäß, finnv. recht, wahr
(richtig urtheilen, denken eine richtige Vorftellung von einer Sache haben; eine
richtige Überfegung, Erklärung, Zeichnung 2c.; ;— richtig geht immer mehr auf
"die. durch fubjective aa a erkannte Übereinftimmung mit einer Vorſchrift
510 Richtkeil — riechen 8
od. Kegel; recht u. wahr auf die objective Beſchaffenheit des Gegenſtandes
‚an fish); als Nw. im gem. Leben f. wirklich, in der That, bef. um anzus
deviten, dafs man ſich in einer Vorausfesung oder Vermuthung nicht geirrt
(3. B. er hat es richtig vergeffen!); — Ableit. richtigen, ziel. 3w., richtig
machen, nur gebr. in berichtigen; die Nichtigkeit, das Nichtigfein, die
richtige Befchaffenheit, finnv. Vorſchrifts- od. Negelmäßigkeit, Vollftän-
dirzkeit, Gehörigkeit, Ordnung (z. B. die Richtigkeit eines Mafes, Gewichtes,
einer Geldfumme ꝛc.; die Nichtigkeit eines Verfahrens; etwas in Richtigkeit
bringen, d. i. ordnen, ausgleichen, bef. bezahlen); Sachgemäßheit, Wirklich-
keit, Wahrheit (z. B. die Richtigkeit einer Behauptung, eines Ausdrudes 20.5 +
die: Sache hat ihre Richtigkeit, od. es hat damit feine Richtigkeit, d. i. es ver-
halt ſich wirklich fo).
Richtkeil ꝛc. — Richtzange; Richtung, T. unter richten.
Rick 1., m.u ſ. Ses, M. -e, (mittelhochd. ric, G. rickes, m.; verw.
m. reden, or eihe, |. d.), nieder- und oberd. Volksſpr. überh. etwas fich in die
Länge Erſtreckendes, eine fortlaufende Reihe; daher fchweiz. ein Weg über
Gebirge; ältere Zäg. f. Wildgaffe (Kandrick, auch Landrük geſchr.); bef.
ein Geſtell vd. eine Latte mit Pflöcden, etwas daran zu hängen (vergl. Rad,
Reck); ein Brett an der Wand, etwas darauf zu ftellen (gew. Kannrick,
weil bei. Kannen, Zaffen u. dgl. darauf geftellt werden); niederd. eine lange
hölzerne Stange (Bohnenrid, f. v. w. Bohnenftange), auch eine Ein—
fri edigung von Stangen; die Rickbohnen, nieder». f. Stangenbohnen; ricken,
niderd. Zw., ein Geländer von Stangen machen.
Rick 2. m., Ses (altd. ric, ©. riges), oberd. f. Heftel, — fe, Ohr;
eitn Bund Flachs, Garn ꝛc., eine Fitze.
Ride, w., M.-n, 1. won Reh abgel.), Jäg. das weibliche Reh oder
die Nehziege, wenn fie ſchon geworfen hat (. U. von Schmalthier, f. d.)5
landſch. auch f. Ziege; — 2. (ſ. v. w. Kader, Rade) landich. f. Saatfrähe.
rickracken, ziel. Zw., niederd. gem. f. etwas duch Hinz und -her- bes
wegen wadelig und gebrechlidy machen.
Rieb, m., -e3, M. -e, auch w., M. -e (v. reiben, f. d.), oberd. f.
das Eeriebene; die Krümmung des Weges 2c., Wendung im Fahren; M.
uneig. f. Ränke, Kniffe; der Riebel, -8, f. das Neibeifen; riebig, Bw., f.
Wendungen machend, ſich windend.
Riebs, Riebels, m., niederd. Niebfel, w. (au Ribish), Riebſelbeere,
oberd. (tat. ribes), f €. Sohannisbeere; auch Stachelbeere.
riech, Bw. (vergl. rauh), altd. und noch ſchwäb. f. ſtarr, rauh, troden
im Halſe.
riechen, Zw. (altd. his riohhan, riechen, : Smpf. rouh, rouch, Mw.
girohhan, in der Regel nur f. — * dampfen, während ſtatt unſeres riechen
gew. smeckan, oberd. fchmeden ſteht; niederd. rufen, rüken; angelj. recan,
reocan; isländ. riuka; vergl. rauchen), ablaut. ich rieche, du riecht, er riecht
(oberd. auch reuchft, reucht); Imper. rieche (oberd. reuch); Impf. roch,
Conj. röche; Mw. gerochenz 1) ziellos m. haben, urſpr. u. noch oberd. f.
Rauch od. Dampf von ſich geben, rauchen (z. B. der Ofen riecht, f. raucht);
jest: auf die Geruchsnerven einwirkende Ausdünftungen aushauchen (gut,
angenehm, fchlecht, übel riechen); in engerer Bed. f. faul, verdorben, übel
riechen, finnv. fiinfen, entg. duften (der Leichnam riecht ſchon; viechendes
Ried — Riege 511
Fleiſch); 2) ziel. dergleichen Ausdünſtungen durch die Geruchsnerven der
Naſe empfinden (etwas riechen; den Braten riechen, auch: Lunte riechen,
uneig. f. etwas merken, entdecken; das kann ich nicht riechen, gem. f. ich kann
es nicht von felbft wiffen, wenn es mir nicht gefagt wird; Eein Pulver riechen
können, gem. f. zaghaft, feige fein); auch ohne Zielwort (z. 8. fein, fcharf
riechen), und mit an (an eine Blume riechen, d. i. bie Nafe derfelben nähern,
um den Geruch zu empfinden); — 3fes. das Niechbein, ein vorn in der
’
Hirnſchale zwiſchen dem Keil- u. Stirnbeine liegendes Bein; die Riechbüchfe,
eflafche, das Niechfläfchchen, eine Büchſe od. ein Fläfchchen mit einem wohl-
viechenden Stoffe, um daran zu riechen (fr. Flacon); der Niechdorn, landſch.
eine Art wohlriechender wilder Rofen, Weinroſe, gelbe Roſe; das Riechfalz,
ein aus Salmiak und Kreide bereitetes flüchtiges Salz, um bei Ohnmadıten,
Schwindel ze. daran zu riechen; das Riechwaſſer, ein ftark riechendes abge-
zogenes Waffer; — Ableit. riechbar, Bw., durch die Geruchsnerven wahr-
nehmbar; die Niechbarkfeitz das Riechel, -8, Tchlef. etwas, woran man
riecht, ein Blumenſtrauß; der Niecher, —s, wer riecht, uneig. wer etwas
wittert, merkt, od. zu merken fucht; gem. fcherzh. f. die Naſe; die Nie-
cherei, gem. verächtl. f. das Niechen, bef. uneig. das Wittern, Merken,
Auflauern (z. B. Keserricherei u. dgl.).
Ried 1., n. X. Niet, Rieth, f., -e8, M. -e, (altd. briot, riet, &. riedes;
angelf. hreod, engl. reed), 1) Schilf, Schilfrohr, Sumpfgras (paniſches
Ried, d. i. fpan. Rohr); 2) etwaß aus Rohr Gemachtes, z. B. der Kamm
oder das fogen. Blatt der Weber (auch RiedEamm); auch eine Rohrpfeife;
3) eine mit Sumpfgras beiwachfene moorige Gegend; Landfch. auch eine
unbebause, zur Viehtrift gebrauchte Gegend, Heide, Wieſe; — Z3ſet.
der Riedbinder, wer das Ried od. Rohr abſchneidet u. bindet; die Riedbirn,
eine ſchmutzig gelbe u. bräunlich gefleckte ftark glänzende Birnen-Artz; das Nied-
dach, Rohrdach; das Nieddorf, ein in oder an einem Ried liegendes Dorf;
das Riedgras, Sumpfgras;-insbef. eine Gattung dem Rohre ähnlicher Gräfer,
von vielen Arten, z. B. das fpisige, ſchwarze, gelbrothe, eisgraue, ftinfende,
kugelförmige, ſchwadenartige 2c. Niedgras; der Niedhahn, landſch. f. Auer—
hahn; der Niedfamm, f. o. Ried; die NiedEolbe, Rohrkotbe; die Ried⸗
meife, Sumpf: od. Rohrmeife; die Riedſchnepfe, Heer⸗ od. Sumpfſchnepfe;
der Riedſperling, Rohrſperling; — Ableit. der Riederer, -8, öſtr. f. ein
Kraut, welches ſumpfigen Boden liebt.
Ried 2. ſ., -e8, M. -er (von dem oberd. rieden f. reuten, ſ. d.5 altd.
riut, riet; isländ. riodr), oberd. ausgereutetes Buſchwerk; von Holz ze.
geveinigtes, angebautes Land; eine Anfiedelung od. Eleine Dorffchaft Auf
einem folchen gereuteten Plage (daher in Eigennamen Kleiner Oxtfchaften, wie:
Walkenried, Dattenried 2c.); öfter. die Ried, ein mit Weinftöcden —
tes Feld.
Riefe, w., M.-n (urſpr. niederd. Nebenform von Reif 2 f. d.), eine
halbrunde vertiefte Rinne, z. B. an einer Säule; riefen u. verkl. riefeln,
ziel. Zw., mit neben einander hinlaufenden Riefen verfehen (eine BR
od. geriefelte Säule, Büchſe; ein gerieftes Blatt 2c.).
Riege, w., M. -n, niederd. f. Neihe (f. d.), Zeile, Streif ıc.; Satte,
Runzel; daher: riegen, niederd. Zw. f. reihen; falten, runzeln; die Rieg—
wand, Waſſerb. eine Reihe an einander befeſtigter Pfoſten od. Pfähle, Schalholz.
512 Riegel — Riemen
Riegel 1. m., -8, M. w. E., Verkt. das Riegelchen, (alt. hregil,
rigil, rigel; niederd. u. ſchwed. regel, engl. rail; wahrich. von der Wurzel
rih od. rig, von welcher das althochd. garigan, zufammenfügen, u. das angelf.
vrigan, bedecken, befleiden, ftammt; n. X. von rigan, regen, bewegen), 1)
urfpr. u. eig. ein längliches bewegliches Querholz od. Eifen zwifchen zwei
Kloben, welches zum Berfchließen einer Thür ꝛc. dient (die Riegel vor
ſchieben; uneig. einem einen Riegel vorfchieben, d. i. ihn in etwas hemmen,
davon zurüchalten); uneig. Schneid. die Verwahrung. od. ftärkere Benähung
der Enden eines Schliges od. Knopfloches, um deffen Weiterreißen zu verhin—
dern; 2) in weiterer Anwendung überh. ein langes, gew. vierkantiges Quer—
holz, bef. zum Verbinden od. Befeftigen, 3. 8. — alle Querhölzer,
wodurd zwei Ständer mit einander verbunden werden; Querhölzer eines
Zaunes, Gitters ꝛc.; Falsb. die Stäbe, welche auswärts quer über den Boden
. eines Bottichs befeftigt werden; niederd. auch eine an der Wand befeftigte Latte
mit Pflöcen zum Aufhängen von Kleidern 2c. (j. v. w. Rid, Rechen); oberd.
u. Forſtw. f. Hchebaum, Hebel; Seifen]. eine Stange Seife; Bauf. die drei
Streifen im Säulenkopfe der dorifchen Ordnung: Riegelchen; — Zſetz. das
Niegelband, Schiffb. ein Holz, welches zwei andere zu verbinden od. befeftigen
dient; der Niegelbohrer, Zimmert. ein Bohrer, womit die Löcher zu den höl—
zernen Nägeln in die Riegel gebohrt werden; das Niegelholz, Holz, woraus
Riegel oder Latten gemacht werden; die Niegelmauer od. «wand, eine aus
Ständern und Riegeln gezimmerte Wand; das Niegelfchlofs, ein mit Riegeln
verfehenes Schlofs; der Niegelweg, oberd. ein der Näffe wegen mit Quer
hölzern belegter Weg; das Riegelwerk, Zimmert. |. v. w. Fachwerk; —
Ableit. riegeln, ziel. 3w., mit einem Niegel verfchließen, gew. nur ver-
oder zuriegeln.
Riegel 2. m., -8, M. w. E., (v. Rigel, wahrfch. von gleichem Stamme
mit Riegel 1.), oberd. ein Kleines Bund von zufammengefchlungenem oder
geflochtenem Stroh, Flachs u: dgl. G. B. Strohriegel, d. i. Strohwiſch
zum Scheuern); ein unter eine auf dem Kopf zu tragende Laft gelegter Trag—
ring (Hauptrieged; ferner eine Art weiblicher Kopfbedeckung, ein Schleier,
audi: die Niegelhaube (lat. rica; vergl. das altd. hregilon, umwinden,
ihmüden); — Riegel 3. m. (vergl. Rick, Riege, Reihe), oberd. f. eine
Steinlage; ein Strich, eine Strede (Feld, Holz 20); — Riegel 4. m.
(von regen?), Jäg. der Drt, wohin das Wild gern zu kommen pflegt, aud)
Mechfel genannt.
tiegeln, 3w., 1. |. Riegel 1.5 — 2. (von regen) oberd. (vigeln) f. in
Brivegung fegen, ſchütteln, rütteln.
'riegen, Niegwand, f. unter Riege.
Riehmaus, mw. (wergl. Reitmaus, woraus es entſtanden zu fein ſcheint),
Landich. f. die Maulwurfgrille; der Riehwurm, niederd. 1) ſ. v. w. Rieh—
maus; 2) (vom niederd. rijen f. reihen, weil er die Getreideförner gleichſam
an einander reiht) der Kornwurm; auch die röthliche Larve des Bienen—
£äfers oder Smmenwolfs, aud) Rielwurm; und eine Art Nachtfalter: die
Wachsmotte.
Riemen 1., m., -8, M. w. E., oberd. abgek. Riem, -en, M. -enz.
Verkl. dag Riemchen, (altd. riumo, rieme, G. des riemen; altjäch]. riomo,
reomo; angelj. reoma, isländ. reim; niederd. Reem, jchwed. rem), 1) uripr.
Kiemen — Ries 513
überh. ein Band; jest insbef. ein langer, fehmaler Streifen Leder, etwas
damit zu befeftigen (einen Hund am Riemen führen; eine Kutfche hängt in
Riemen; einem Pferde Riemen legen, d. i. ihm einen Eleinen Riemen ftatt
eines Haarſeils durch die Haut * ſprichw. aus andrer Leute Haut iſt gut
Riemen ſchneiden, d. i. auf Andrer Koſten kann man ſich bequem Vortheil ver—
ſchaffen; an Riemchen lernen die Hunde Leder kauen, d. i. an Kleinem gewöhnt
man ſich zu Größerem); 2) in weiterer Anwendung etwas Bandähnliches,
ein Streifen überh., z. B. landſch. f. Ranke an Gewächſen; Fleiſch. ſchmale
Fleiſchſtreifen vom Rinde (z. B. der Vorderriemen, Wurzelriemen zc.);
niederd. ein Riemen Lachs, d. i, ein halber geräucherter Lachs; in Meſſing—⸗
hütten: fchmale Meffingftreifen ꝛc.; landſch. auch 3) etwas Zuſammenge⸗
bundenes: ein Riemen Papier f. ein Ballen P. (engl. ream); u. etwas mit
dem Riemen od. der Schnur Gemeſſenes: Riemenmaß, Riemen
ruthe, -fhuh, -zoll ze. f. Geviertmaß 2.5 — 3ſetz. das Niemenbein
od. der Niemenfuß, die dünn- u. langbeinige Meerelfter; die Riemenblume,
eine der Miftel ähnliche Schmarogerpflanze (loranthus L.); der Niemfifch,
ein Fiſch mit fpis zulaufendem Schwanze, Spitzſchwanz; das Niemenmoo$,
eine Art Aftmoos; das Niemenpferd, die vor die Deichfelpferde gefpannten
Pferde an brei=, vier= oder mehrfpännigen Wagen; der Riemenfchneider,
f. v. w. Riemer, f. u.; das Miemenfeil, der lange Riemen, womit die Ries
menpferde gelenkt werden; der Niemenftecher, ehem. betrügerifche Landftreis
cher, die einen Riemen fo Einftlich zufammenzurollen wufften, dafs der Stich
eines Andern den Riemen nicht traf; diefe Kunft heißt: das Niemenftechen;
das Niemenwerf, zeug 2.5 der Niemenwurm, ein lanaer, dünner Ein«
geweiderwurm; der Niemenzweig, Forſtw. junge, aufgefchoffene Fichten und
Tannen; — Ableit. riemen 1. ziel. Zw., ungebr. f. mit Riemen verfehen,
befeftigen; der Riemer, —s, (oberd. auch Riemerer, niederd. Reemker),
ein Handwerker, welcher Riemen ſchneidet und andere Lederarbeiten, bef.
Pferdegeſchirre, Zäume u. dal. verfertigt, auch Riemenſchneider; daher:
die Niemerarbeit, das Niemerhandwerf, der Riemermeifter, -gefell ıc.;
die Niemernadel, eine breite, auf beiden Seiten fcharfe Nähnadel der Le—
derarbeiter.
‚ Riemen 2., m., -3, M. w. E. (vergl. Remel, Remen u. das lat. remus),
landfch. ein Querbalken od. Riegel zur Verbindung von Pfählen, bef. im
Wafferbau (niederd. Rimm); aud) die Seitenbretter eines Schiffes (niederd.
Remmen); Schiff. f. Ruder (mittel. rieme; daher: die Riemen ftreichen,
d. i. den Lauf des Fahrzeuges hemmen); daher die Riemenklampe, f. Ruder
Elampe am Schiffsbord (vgl. Klampe); riemen 2., ziellof. Zw. f. rudern;
der Riemling, oberd. ein Brett von 2 Zoll Dicke und 15 Zoll Beite.
rienen, Zw., alt u. oberd. f. weinen, bejammern.
Riepel, m., -8, M. m. €. (mahefe. v. dem landſch. rieben, riebeln,
tippen, reppen ꝛc. f. — ſich begatten) 1) Hüttenw. der gewöhnliche Satz
vom Geſtübe; 2) landſch. f. Katerz uneig. gem. ein liederlicher, ſchmutziger,
fich herumtreibender, auch ein grober, ungefchliffener Menſch (auh Rü—
pel, vergl. d.; in diefem Sinne wahrfch. verderbt aus d. altd. ribalt, franz.
ribaut, zgez. aus reinbalt, reginbalt, eig. ein fehr Kühner, daher der Vor—
derfte im Treffen; dann ein Bube, Schurke).
Ries, f. Rieß.
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 33
J
514 Rieſe — riefen
Rieſe, m, -n, M. -n, (altd. risi u. riso, rise; isländ. risi; altſächf.
wriso, vergl. den niederd. Namen Wrisberg — Rieſenberg; die Wurzel ift aljo
nicht vis, risan, auffteigen (vgl. reifen), wie man gew. annimmt), weibl. die
Niefinn, M. -en, ein Menfc von übergemwöhnlicher Größe (vergl. Düne,
Rede); uneig. überh. ein großer u. ſtarker Menfch (er ift ein wahrer Rieſe);
in weiterer Bed. auch von großen Thieren, Pflanzen u. anderen Dingen,
(dev Elephant, der Riefe unter den Landthierenz vergl. auch: das Rieſenge—
birge); — in Ifeß. bedeutet Riefen— nicht bloß das einem Rieſen Eigene od.
Ungemeffene, fondern meift ungewöhnliche Größe überh., als: die Rieſen—
ameife, große, ſchwarze Roſsameiſe; die Niefenarbeit, eine fehr ſchwere
Arbeit; der Rieſenbau, ein fehr großer, weitläufiger Bau; das Niefenbett,
ſ. v. w. Hünengrabz; die Ntiefenerdbeere, eine Erdbeerenart mit ungewöhnlich
großen Früchten in Chili; die Niefengand, Naturk. eine Art großer Enten;
das Niefengebirge, EN. eines Gebirges zwifchen Schlefien und Böhmen, _
welches ein Theil der Sudeten ift; der Niefengeier, Namen der größten
Geier-Art; das Miefengefpenft, Naturk. ein zum Geflecht der Fangheus
ſchrecke gehörendes Inſect; die Niefengeftalt, eine ſehr große, rieſenähnliche
Geftalt; riefengroß, Bw., außerordentlich groß; die Niefengröße; der
Rieſenknochen, Knochen von ungeheuer großen urmeltlichen Thieren (4. B.
Mammutsknochen); der Niefenfohl, großer ſchottiſcher Kopfkohl; der Nies
fenförper; die Rieſenkraft; viefenkräftig, Bw.; die Niefenlerche, ein
amerit. Vogel mit einem ſchwarzen Gürtel auf der Bruft; riefenmäßig,
Bw., das Maß eines Riefen habend, einem Rieſen angemeffen od. ähnlich, uns
geheuer groß; die Niefenmäßigkeit; die Niefenmüde, eine Art großer, lang—
füßiger Mücken; die Niefenmufchel, eine Art zweiihaliger, außerordentlich
großer Mufcheln, Gienmufchel; das Niefenohr, Naturk. eine Art großer
Meer: 0d. Seeohren; der Riefenfchatten, fehr großer oder langer Schatten;
die Rieſenſchildkröte, die größte Schildkröten-Art; die Riefenfchlange, die
größte Schlangen-Art in Oftindien u. Afrika, Königs-, Abgottſchlange (fr. Boa);
der Riefenfchrift, ein außerordentlich großer Schritt, bei. M. Niefenfchritte,
uneig. f. ſehr große Kortfchritte; der Rieſenſchwamm, eine Art ſehr großer,
eſsbarer Blätterſchwaͤmme, bef. in Stalin; rieſenſtark, Bw., außerordentlich
ſtark; die Niefenftarke; die Niefenflimme, außerordentlich laute Stimme;
der Niefentopf, gem. Benennung der Aſchenkrüge, die man in den ſogenann⸗
ten Riefenbetren findet; das Rieſenwerk, ein außerordentlich großes, unge⸗
wöhnliche Kraft erforderndes Werk; die Rieſenwespe, die größte Art der
Holzwespen; — Ableit. riefenhaft oder rieficht, Bw., rieſenähnlich, vier
fengroß; die Niefenhaftigkeit.
Rieſe, w., Niefel, m. u. w., rieſeln 1, f. unter rieſen 1.
tiefeln 2. ziel. Zw. (ſchwed. rissla, fieben; isländ. hrisla, angel. hriscian,
ſchütteln) oberd. f. ſieben; das Niefel, -8, ein grobes Sieb; aud ein Koh—
lenkorb von beftimmter Größe, als Kohlenmaß.
riefen 1. 3w. (niederd. Form f. reifen, ſ. d.; altd. risan, risen) 1) ziellos
m. fein, niederd. überh. f. ſich fortbewegen, laufen, fließen; fteigen, auf
fiehen, fich erheben (die Sonne riefetz die Waare riefet, d. i. Ichlägt auf,
wird theurer); auch aufquellen, ſchwellen; ſinken, fallen, abfallen, bei.
mit Geräufc u. in einzelnen Theilen od. Stüden allmählich herabfallen; 2) ziel.
oberd. auf einer Niefe (f. u.) herabſchaffen (Bolz 2e.); Ifes. die Riesuhr,
Er ü —
tiefen — Riff 515
oberd. f. Sanduhr (vom Herabfallen des Sandes); der Rieſenhund, Bergw.
ein Kaften, in welchem man Erze wegfördert (vgl. Hund 3); der Rieſen—
Eaften, Bergw. ein Kaften, in welchen man die heraufgezogenen Erze aus«
ftürzeg — die Rieſe, M. -n, (mittelh. rise), alt und oberd. ein Abhang;
insbe. eine natürl. od. künſtl. Rinne an einem Berge, in welcher Waffer,
Sand, Geftein ꝛc. hinabgleitet, od. gefälltes Holz hinabgerollt wird (Holz
riefe od. Holzrutfche); landſch. auch f. Lauwine (Schneerieſe); — ber
Kiefel, -3, M. w. E., od. die Niefel, M. -n, 1) Yandfch. f. v. w. die Niefe,
Holzrieſe; 2) alt u. oberd. das Niefende oder Herabfallende, Tröpfelnde,
der Abfall; insbef. feiner Regen, Hagelkörner od. Schloßen (daher riefel-
weiß, oberd. f. fchloß= od. fehneeweiß); Landfch. auch in Menge vorhandene
Eleine Fleden, bef. Sommerfproffenz daher riefelig, Bw. f. fommerfledig;
der Riefelausfchlag, f. die Mafern; die Riefelraupe, eine weißgefprentelte
Raupe; — riefeln, ziellof. Zw. m. haben (das verkleinernde und zugleich)
veröfternde riefen; altd. hrisilön, riselen, geriselen, niederd. aud) grüfeln;
daher das franz. gresler, gröler, hageln) 1) mit Geräuſch in Eleinen Theis
len, Körnern, Tropfen ıc. allmählich herabfallen (Sand riefelt vom Abs
hang 2c.); unp. es riefelt, d. i. es regnef od. hagelt fein; 2) mit fanft
murmelndem Geraufc) fließen (eine rieſelnde Quelle; vgl. d. franz. ruisseau,
“ ruisseler; in diefer Anwendung mehr als Schallwort gefafft) ; der Riefelregen,
ein feiner Regen ꝛc.
riefen 2. ziel. 3w. (von Ries f. Reis), niederd. f. pfropfen.
Rieſenameiſe zc. — Rieſenwespe; rieficht 2c. ſ. unter Rieſe, m.
Riesuhr, f. unter riefen 1.
Rieswerk, f. (n. A. Riepwerd), Wafferb. f. Reiswerk, Strauch- ob.
Buſchwerk.
Rieß, ſ., -e85, M. -e, jedoch nach einem Zahlw. unverändert, z. B.
10 Rieß ꝛc. (ſchwed. xis; vielleicht v. risen, reifen, ſich erheben? alfo r. Ries
gefchr., eig. ein Haufen), eine Maſſe Papier von 20 Buch od. 480 Bogen,
Yo Ballen; bei den Papiermachern aber — 3 Bufcht oder 546 Bogen; die
ießhänge, ein wie ein T geftaltetes Werkzeug der Papiermacher zum Auf
hängen der zu frocdinenden Bogen.
Rießling, m., -es, M. -e, in Franken eine Art Weintrauben mit dicht
ftehenden, faftreichen, aber fäuerlichen Beeren.
Kieft, m., ſ. Rift.
Kiefter, m., -8, M. w. E. 1. (oberd. die Rieſter; altd. riostar, und
riostra, x.) landfch. f. die Pflugfterze; ehem. die Pflugfchar (angelf. reost);
landſch. auch f. der Pflugbalken, u. f. das Streichbrett am Pfluge; —
2, landſch. f. der Rift der Hand od. des Fußes; 3. ſ. Riſter.
Rieſter, w., f. Nüfter.
Riet, w., Hoftiet, oberd. |. v. w. Neite, Hofreite, der Hofraum.
Niet, fi, -es, 1. (auch Rieth gefchr.) ſ. Ried 1. — 2. (landſch. auch die
Ried) oberd. das Nüdenfleifh vom Rinde, Rippenftüdz auch eine Berg-
reihe; — 3. (auch der Niet, Ride 2c.) niederd. ein Graben, Bach, flie-
Bendes Waffer.
RUF, ſ., es, M. -e, 1. (isländ. rif, engl. ref, viff, ſchwed. ref; vergl.
Reff 2.) eine lange, fehmale Sand- od. Felſenbank, Klippenreihe in der
Se; — 2. Schiff. ſ. v. m. Neff 1.; daher riffen, 3w., f. vr w. reffen.
33*
-
516 Riffe — Rind
Kiffe, w., M.-n, 1. landſch. f. Rispez auch. f. Taubhafer (Kiffen,
Rispen); — 2. f. unter riffen.
Niffel, Riffelbaum ꝛc. — Riffelraspel, f. unter riffen.
riffeln, ziel. 3w.. 1. (ſchwed. veffla) landſch. f. riefen, riefeln (z. 8. eine
geriffelte Büchſe); — 2. f. riffen.
riffen 1. od. gew. riffeln, ziel. Zw. (altd. riflön, riffeln, zupfen u. fägen;
einerjeits mit raufen, andrerfeits mit reiben verwandt; vgl. das franz.
rifler, feilen), 1) abraufen, abreißen, insbef. den Flachs —, die reifen Sa—
menfnoten desfelben mittelft der Riffe od. Riffel (ſ. u.) abreißen (niederd. repen,
reppen, repeln); 2) Handw. mit einer Seile bearbeiten, glatt feilen; gem.
auch überh. f. reiben, fcheuern (z. B. der Zeug hat fich durchgeriffelt); uneig.
gem. einen—, f. ſcharf tadeln od. züchtigen (vergl. durch die Hechel ziehen);
die Riffe od. Riffel, M. -n, das Werkzeug zum Flachsriffeln, ein großer höl-
zerner ob. eiferner Kamm, auch der Riffelkamm; Riffel (altd. rikla) ehem. auch
f. Säge; der Riffelbaum, Landw. der ftarke Baum, in welchem die Riffeln be
feftigt find; das Riffeleifen, eine rechtwinklig gebogene Feile der Goldarbeiter;
die Riffelfeile, eine etwas gefrümmte Feile der Metallarbeiter; die Riffel-
taspel, eine feine Raspel der Büchfenfchäfter zum Glätten des Gewehrfchaftes.
riffen 2. f. unter Riff.
Nig, m., -en, M.-en, od. der Nigel, —s, bair. ein (halb?) ver-
fchnittenes männliches Schwein; der Nigler, -8, öſtr. ein nur halb ver-
fhnittener Hahn, Halbhahn (verw. mit regen; od. mit rähen, reihern, das
Weibchen treten ).
rigolen, 3w., ſ. riolen.
Rille,w., M. -n (engl. xilh, niederd. eine kleine Rinne, ein Bächlein;
eine Furche, Niefe.
Rimm, f., -e3, M. -e (vergl. Riemen 2.), niederd. ein Querbalken od.
Riegel zur Verbindung einer Reihe Pfähle im Wafferbau.
Rimpel, w., M.-n (hol. rimpel, engl. xumple), niederd. f. Nunzel;
rimpeln, ziel. Zw. (vgl. rümpfen; alt u. oberd. impfen, f. rigen), niederd.
f. runzeln; bei den Kammmachern: die Zähne in einen Kamm einſchnei—
den; daher der Rimpler, -$, eine dazu dienende Säge mit zwei Blättern.
Rind, f., -e3, M.-er, (alte. hrind, rint, M. hrindir; angelf. hrith,
hrydher, hrudher, altfrief. rither), urfpr. u. noch landſch. ein junger Ochs,
der noch nicht gearbeitet hat, Farre; aud eine junge Kuh, die noch nicht
gekalbet hat, Färſe; gew. in weiterer Bed. Gemeinnamen für alle Thiere
der Gattung, welche dem Gefchlechts- u. Altersunterfchiede nad) Stier,
Ochs, Kuh, Kalb ıc. genannt wird; — Zfes. von Rind, Rinds, Rinder:
das Rindsauge, Auge eines Rindes; uneig. Namen einiger Pflanzen, inöbef.
f. Ochfenauge, u. Färberkamille od. Streichblume, beide auch Rindsblume
genannt; der Rindsbaum, Schneebaum in Ceylon, deffen Holz den Rinde:
knochen ähneln ſoll; die Nindsblafe; das Rinds- oder Rinderblut; der
Kinds: od. Ninderbraten, gebratenes Rindfleiſch; die Nindsflede, o. E.,
gereinigte u. zerfchnittene Därme, Wanft u. Magen eines Rindes, Kuttelflede;
das Nindfleifch, Ochſen- oder Kuhfleiſch; die Rindfleiſchbrühe 2c.; die
Nindfliege, Vichbreme; das Rindgras, ftacheliges Riedgras; das Rinds—
haar; die Rindshaut; die Rinderheerde; der Ninderhirt; der Rinds—
od. Rinderfnochen; der Rindskopf, auch uneig. f. Dummtopf; das Nind-
Rinde — Ring —
ob. Rindsleder, Leder von Rindshaut bereitet; rind(s)ledern, Bw., von
Rindsleder gemacht; das Rinds-⸗ od. Rindermark; der Nindfchlag, landſch.
bie Befugnifs, nad) einer unter den Fleifchern eingeführten beftimmten Ord—
nung Rindvieh zu fchlachten, u. diefe Ordnung felbft; der Rinderſtaar, eine
Art ſchwarzer Staare mit gelbem Schnabel, die ſich gern auf Wiefen unter dem
Rindvieh aufhalten; der Rinds⸗ od. Nindertalg; das Rindvieh, 1) Sams
melw. f. Rinder überh. ohne Unterfchied des Gefchlehts, Hornvich; 2) ein
einzelnes Rind, gem. nur umeig. ald gem. Schimpfwort für einen dummen,
plumpen Menfchen; die Nindviehbremfe, Ochſenbremſe; die Rindvieh-
zucht 2.5 der Ninderweizen, blauer Kuhweizen, Ochſenblume; die Rinder:
wurft, Wurft von Rindfleifch; die Rindwurz od. Rindswurzel, das ſchwarze
Bilfenkrautz die Rinds- od. Rinderzunge 20.5 — Ableit. rindern, Bw.
(altd. rinderin, rindrin) oberd. f. vom Rinde (vindernes Fleifch, ein rinderner
Braten 20.); rindern, ziellof. Zw. m. haben, vom Rindvieh: nach der
Begattung verlangen (die Kuh rindert); auch f. befruchtet werden.
Rinde, w., M.-n, Berk. das Nindchen, (altd. rinta, rinda, angelf.
u. engl. rind; von der Wurzel rid, ridan, umwinden, binden; od. verw. mit
Rand, Rain, von rinan, berühren), die -Außere, härtere Umgebung oder
Dede eines Körpers, von weiterer Bed. als die finnv. Borke, Krufte,
Schorf @. B. die Rinde am Brode, Käfe ꝛc.; die trodnende Wunde befommt
eine Rinde); insbef. dieNinde des Brodes und der Bäume (Baum-, Eichen-,
Fieber-, Chinarinde 2e.); uneig. überh. das Außere, die Außenfeitez —
' 8fee. rindenarfig, Bw., ‚einer Rinde ähnlich; rindenbraun, Bw., braun
wie Fieberrinde; der Rindenkäfer, ſ. v. w. Borkenkäfer; der Nindenkleber,
(Gerderbt: Rinnenkleber), der Eleine Baumfpecht, Baumläufer, die Baumflette;
die Rindenmotte, eine Art Motten, die ihre Eier in Baumrinde legen; der
Rindenſtein, Tropfftein, welcher andere Körper mit: einer Steinrinde über
zieht; die Nindenwanze, eine auf der Baumrinde Lebende Wangen Art;
rindfällig, Bw., Forftw. die Rinde fallen. Laffend oder verlierend (Bäume);
daher die Rindfälligkeit; auch rindfchälig, Bw.; die Rindfchäligkeit; —
Ableit. rindig, Bw., eine Rinde habend, bef. in Zſetz. wie grob-, hart»
rindig 2.
Nindfleifch 2c., Nindsflecke, leder 2c.; Rindvieh, Rindwurz ze. f. Rind.
ting od. ringe, Bw. (altd. ring, ringi, ringe, urfpr. leicht, beweglich,
vielleicht von rinnen), ober= u. niederd. f. gering; daher: ringferfig, Bw.
oberd. f. leicht oder fchnell im Gehen 20.5 auch f. geringfügig; ringhaltig, f.
geringhaltig; ringfinnig, oberd. f. Leichtfinnig; die Ringe, alt u. oberd. f.
Leichtigkeit, Behendigkeit; auch geringe Schwere (vom Gewicht); die
Ningigkeit, oberd. f. Unwichtigkeit; ringen u. ringern, ziel. Zw., altd.
u. landfch. f. gering od. geringer machen, ſchwächen, erleichtern, verringern.
Ring, m., -es, M. -e, Verkl. oberd. das Ninglein, gem. Ringel, nie»
derd. Ringelchen, (althochd. angelf. isländ. hring, mittel). rinc, G. ringes;
engl. u. ſchwed. ring; vergl. Kring, Kringel, u. d. griech. zolzos, »ioxos,
lat. circus), überh. die Richtung od. Ausdehnung in die Munde, ein Kreis,
eine Kreistinie (z. B. ein Ring um den Mond; blaue Ringe um die Augen;
im Tanze den Ring machen, d. i. die Runde); gew. ein Ereisförmiger Kör—
per od. Körpertheil, ſinnv. Meif (ein eiferner Ring; ein Ring von Stroh;
einen Ring um etwas legen; ein Deichfel-, Obr-, Panzer, Schlüffeleing 2;
518 Ring
- Schiff. ein ringförmiges Werkzeug zur Meffung der Sonnenhöhen; Naturk.
eine Art Porzellanfchnede: der gelbe od. goldene Ring; dicht. f. Erds
Ereis 2c.); im engerer Bed. ein Fingerring (einen Ring tragen; die Ringe
wechfeln, bei der Trauung); ehem. auch f. Band, Feſſel, Schnalle; ferner
die Ereisformige Einfchließung eines Platzes, und der fo eingefchloffene
Platz felbit, überh. ein runder od. rundlicher, Pla, insbeſ. Marktplatz,
ehem. auch Kampfplag, Gerichtsftätte, Landesbezirk; chem. und noch landſch.
eine im Kreife verfammelte Menfchenmenge, kreisförmige Verfammlung
"Hefe der Richter, daher überh. das verfammelte Gericht; aud) eine beſtimmte
Maffe, ein Haufen, eing Menge od. Zahl G. B. ein Ring Drath, d. i.
eine gewiffe Menge ringförmig zufammengelegten Drathes; ein Ring Kohlen,
d. i. fo viel Kohlen, als aus 10 Klaftern Holz gebrannt wird; niederd. ein
King Torf, d. i. ein Haufen von 8= bis 9000 Stücken; ein Ring Stabholz
— 4 Schod oder 240 Stück; auch von andern Dingen: eine Zahl von
4 Schock); — Zſetz. der Ringanker, Schiff. ein Anker mit einer Schaufel;
das Ningauge, eine Art amerikan. Nattern, deren Rüden mit geringelten
Bändern gezeichnet iftz auch eine Art Meerbraffen; der Ringbauch, Bart-
fiſch, Schmalzfiſch; die Ringblume, eine der Kamille ähnliche Pflanzengat-
tung; der Ningbolzen, ein mit einem Ringe verfehener Bolzen; der Ring-
bürger, landfch. ein am Ringe, d. i. am Markte, wohnender Bürger; Die
Ringdroſſel oder Ringeldroffel, eine Art ſchwarzer Droffeln mir gelbem
Schnabel u. einem weißen Ringe um den Hals, auch Ringamfel, Meere,
Schneedroffel 2c.; die Ringente, eine Art wilder Enten mit einem weißen
Kinge um den Hals; der Ningfinger, der vierte Finger, an welchem man den
King zu tragen pflegt, Goldfinger; der Ringfiſch, eine Art Klipp- od. Band-
fifche; ringförmig, Bw., die Form eines Ringes habend; die Ringförmig—
feit; das Ningfutter, ein Zutter od. Tutteral zu Ringen; fo auch: das
Ringkäſtchen, die Ringfchachtel; das Ninghorn, eine Art Kegelichneden;
der Ringknorpel, Anat. dev ringförmige zweite Knorpel am Kehlkopfe; ber
Ningkragen, chem. ein rings um den Hals gehender Kragen am Harniſch;
ſpäter: ein kleines ſilbernes Schild, welches die Officiere auf der Bruſt trugen;
Naturk. eine Art geringelter Fliegenfänger; die Ringlerche, eine Art großer
Lerchen; das Ringmaß, das Maß, wonach die Goldarbeiter Ringe machen;
die Ringmauer, eine Mauer, welche einen Raum, z. B. eine Stadt, völlig
einſchließt; der Ringpanzer, ein aus Ringen zuſammengeſetzter Panzer;
das Ringrennen, ſ. u. Ringelrennen; der Ringſchildmuskel, Anat. ein
Muskel des Halfes nahe dem Ringknorpel; der Ringſchwamm, hochftieliger
Blätterihwamm, Marmorſchwamm; der Ringftein, in einen Ring gefafiter
Stein, bef. gefehnittener Stein (fr. Gemme); die Ringuhr, eine Eleine, in
einen Ring gefaffte Uhr; — Ableit. das Ringel, -$, oberd. gem. f. Ring—
ein, ein Eleiner Ring, bef. Fingerring; verfch. der Ringel, -8, M. w. E.
(wo die Endung -el nicht verkleinernd ift), in einigen Anwendungen f. Ring,
Kreis, Ereisformige Biegung, od. etwas Ereisformig Gebogenes G-. B.
ihr Haar fiel in Ringen herab); insbef. ein Streif um den Hals mancher
Thiere, beſ. Vögekz die Ereisformigen Bienenmaden (Ringel, Ringel
bienen od. -jungen); niederd. auch ein Korb, welcher Y, Sceffel hält,
als Kohlenmaf, u. ein Haufen Torf von 8 Soden (vergl. Ring); ringelicht,
Bw., einem Ringel ähnlich; vingelig, Bw., Ningel habend, daraus bes
vingen 519
ftehend; landſch. gem. f. ſchwindligz ringeln, Zw. (altd. hringilön), 1) ziel.
mit Ringen od. Ringeln verfehen (Schweine—, d. i. ihnen Drathringe
durch den Rüffel ziehen, um ihnen das Wiühlen zu wehren; geringelter Kattun,
d. i. mit Ringeln gezeichneterz eine geringelte Wurzel, d. i. ringförmig ge«
freifte); in Ringel legen, Eräufeln (das Haar); 2) rüdz. fih —, in
Ringel fallen, Ringel. bilden (Haare, Weinranken zc. ringen fi); der
Ringler, -8, wer ringelt, Ningel od. Ringe macht; bair. f. Drechsler
(Beinringler, d. i. Sinochendrechsler, bef. der die Ringe zu Rofenkrängen
macht); Zſetz. von Ringel, ringeln: der Ningelbär, ein Bär mit weißen
Ringen am Halſe; die Ningelbiene, f. o. Ringel; die Ringelblume, Dot:
ter= od. Goldblume (weil ihr Samen die Geftalt Feiner Ringe hat); die
Ningelblumenfarbe, gelbrothe Farbe; das Ningelbrod, landſch. f. Brezel,
Kringel; die Ringeldroffel, f. o. Ringdroffel; der Ningelfalf, ber männ-
liche Bleifalt mit einem Ringel um den Hals; bie Ningelgans, Erdgans
{f. d.) mit einem Ringel um den Hals; das Ningelgedicht, Ringellied, der
Ringelveim, Rundgedicht, Rundgefang, eine Eünftliche Liederform, in welcher
gewiffe Verſe an beitimmten Stellen wiederholt werden (fr. Rondeau); das
Ringelkraut, Springkraut, deſſen aufgeiprungene Samenkapſel fich zufam-
menringelt; dev Ringelkuckuk, eine Art Spechte mit einem Ringel um den
Hals, Goldipedht;z die Ringelmewe, eine Art grauer Mewen mit einem
ſchwarzen Ringel um den Hals; die Ningelnatter od. Ningelfchlange, die
gemeine Hausnatter; der Ningelrabe, eine Art Raben mit weißem Kopf,
Rüden, Bauc u. Flügeln u. einem afchgrauen Ringe um den Hals; die Rin—
gelraupe, Raupen aus ſolchen Eiern, welche um die Zweige der Bäume einen
feften Ring bilden, z. U. v. Neft- und Stammraupenz die Ringelvaupenmotte
od. Ringelmotte, die Motte, aus deren Eiern die Ringelraupen entſtehen;
der Ringelreihen, Kreistanz, vergl. Reihen; der Ringelreim, ein mehr—
mals wiederkehrender Reim od. Reimvers (fr. Refrain); auch f. Ringelgedicht;
das Ringelrennen od. -ſtechen, chem. Ritterſpiel zu Pferde, wobei mit der
Lanze nad) einem hangenden Ringe gerannt wurde; jest das Reiten auf höl—
zernen, um eine Walze drehbaren Pferden zc. als Kinderbeluftigung, auch dag
Ningelfpiel, (fr. Garouffe); die Ningelfchote, eine zum Gefchlecht der
Schiffskuttel gehörende Schnede; der Ringelſchwanz, ein geringelter od. fich
ringelnder Schwanz; eine Art Tauben, deren Schwanz mit einem dunkelbrau⸗
nen Streifen geringelt ift; der Ningeltanz, ein Tanz im Kreife; die Rin-
geltaube, eine bläuliche wilde Taube mit einem weißen Ringel um den Hals;
auch f. Lachtaube; die Ningelmalze, eine Art Walzenſchnecken; der Ningel-
weizen, landſch. f. Kuhweizen; Wunderweizen; — ringen, ziel. 3w., mit
einem Ninge od. mit Ringen verfehen, ſ. v. w. ringeln, nur in einjelden
Anwendungen (7. B. die Schweine—, ſ. ringeln; eine Stute—, damit fie
nicht vom Hengfte belegt werde; Forſtw. einen Baum—, d. i. die Rinde
ringsum abſchälen; auch in: beringen); im Kreife umgeben, nur in dem
zgeſ. umringen; — rings, Nw., im Ringe, d. i. im Kreife, rundum,
gew. mit nachfolgendem um, herum, umher (rings um die Stadt, ag
um mic) her); daher die * Nw. ringsher, ringsum.
ringen 1. 3w. (altd. ringan, rang od. ranc, gerungen, ſtreben, kämpfen,
ſtreiten; Grundbed. ſcheint aber: drehen, winden; fo in dem angelſ. vringen,
engl. wring (daher wrong, verkehrt, unrecht) und niederd. wringen; demnach
520 ringen — rinnen
fheint ringen (vringan) von gleicher Wurzel mit Ring (hring) und v nur
mit h zu wechfeln), ablaut. Impf. rang, ränge;z Mw. gerungen, 1) ziellos
m. haben, ſich mwinden, heftige-Bewegungen machen od. überh. alle
Kräfte anftrengen, um ein Hindernifs zu überwinden od. etwas zu er
reichen, finnv. ftreben (nad) etwas—, uneig. nad) Ehre und Lob—; vergl.
erringen); bef. mit bloßen Händen duch Umfchlingen mit den Armen
mit Jemand kämpfen (niederd. wrangen); ehem. auch überh. f. kämpfen,
ftreiten, jegt bef. uneig. (4. B. mit Gefahren, mit dem Zode ringen 2c.);
2) ziel. einen biegfamen Körper im Kreife drehen, winden mit dem Neben:
begriffe der Anftrengung (die Wäſche ringen, ausringen, |. d.; die Hände
ringen, als Zeichen der Verzweiflung; einem etwas aus den Händen— 2c.);
die Ringekunft, die Kunft des Ringens (Rämpfens); der Ningplag, Plas
zu Übungen im Ringen; der Ninger, -$, wer ringend kämpft.
ringen 2. f. unter Ring; ringen 3. od. tingern, f. unter ring.
ringfertig, -finnig ꝛc. f. unter ring; — Ringfinger, -filh ꝛc. —
Ringuhr, ſ. unter Ring; — Ningplag, ſ. unter ringen 1. — rings, 1.
unter Ring.
Rinken, m., -$, M. mw. E., u. Rinfe, w., M. -n, (altd. hrinka,
rinke, m. u. w.; vgl. rincho, rinke, ein Riegel, der eingedreht wird; Neben:
form von Ring; vgl. auch ringen, angel. vringan, drehen), ein breiter,
bier Ring, 3. B. an den Achfen, Deichfeln 2c.; alt= u. oberd. eine Spange,
Schnalle, bef. Schuhfchnalle (Schuhrinken); Bauk. das halbEreisfürmige
oberfte Glied am Säulenfchafte; der Ninkendorn, oberd. der Dorn in
einer Schnalle; der Rinken- od. Rinkſchmied, altoberd. Verfertiger ftarker
eiferner Ketten; das Rinkentuch, Jäg. Tücher, welche ftatt der Mafchen
Ringe haben; rinken od. rinkeln, ziel. Zw., oberd. f. fehnallen, zuſchnallen,
oder -heften.
rinkinken, zielloſ. Zw., Schiff. von neben einander liegenden Schiffen: bei
einem Sturme heftig an einander floßen.
rinnen, ziellof. Zw. (goth. rinnan, laufen; altd. rinnan, rinnen, ran, ge-
runnen; angelf. rinnan u. verfeßt irnan; isländ. renna; engl. run; niederd.
rönnen; vergl. d. griech. d£eır) ablaut. Impf. rann, Gonj. ränne u. rönne;
Mw. geronnen, 1) m. fein, urfpr. ſich fehnell fortbewegen, laufen (welche
Bed. nur noch in entrinnen erhalten, übrigens in das abgel. urfpr. factitive
vennen übergegangen ift, f. d.); daher altoberd. f. gerathen, kommen (z. B
zufammen—, zurüd—, in Schuld—, d. i. in Schulden gerathen); altd. (bei.
in der Ableit. arrinnan, irrinnan, errinnen) zum VBorfchein Eommen, aufgehen
(von der Sonne), keimen, ſprießen ꝛc.; jest nur von Flüffigkeiten: fich lang-
fan fortbewegen, in geringer Menge u. mit ſchwacher Bewegung fließen
(eine Quellen rinnen; das Blut rinnt aus der Wunde); landſch. aud) f. ger
einnenz oberd. f. auf dem Waffer treiben (verfch. von dem felbftthätigen
- Schwimmen); 2) m. haben, eine Flüffigkeit hervordringen oder rinnen
laſſen, finnv. lecken, triefen, fließen (ein Gefäß vinnt, wenn es nit dicht
ift; die Augen rinnen; das Licht rinnt); Zſetz. rinnäugig, Bw., triefäugig;
der Rinnſtein (gem. Rennſtein), eine ſteinerne od. gemauerte Ötrafenrinne,
Goffe; — Ableit. die Rinne, M. -n, Berl. das Rinnchen, (altd.
rinna, niederd. Rönne), eine lange, fchmale Vertiefung, durch welche eine
Flüſſigkeit rinnt oder abfließt, finnv. Goffe, Rinnftein ꝛc.; insbef. lange
Riole — Kippe 521
Hehöhlte Körper von Holz, Blech ıc. zur Leitung des MWafferd (Dady-,
Regenrinne); auch überh. jede ſich in die Länge erſtreckende Vertiefung,
ſinnv. Furche, z. B. in der Säulenordnung eine Vertiefung am äußeren Rande
der Kranzleiſte; Naturk. eine Art Scheidemuſcheln (auch Rinnenmuſcheh;
Jäg. ein aufgeſtelltes Garn mit einer Taube in der Mitte zum Fange von
Raubvögeln, auch Rinnen⸗ od. Stoßgarn; Zſetz. der Rinnbaum, das Rinn—
holz, zu Rinnen brauchbares Holz ꝛc.; das Rinneiſen, ein eiſerner Haken,
welcher eine Dachrinne trägt; die Ninnleifte, in der Säulenorbnung ein gro-
ßes zur Hälfte ausgehöhltes Glied; die Ninnenblume od. das Ninnen-
blatt, eine ausländ. Pflanzengattung, auch Wafferblatt (hydrophylium) ;
rinnenförmig, Bw., Pflanz. die Form einer Rinne habend; das Ninnen-
garn, f. o. Rinne; ber Rinnenknecht, Brau. ein hölzernes Werkzeug, wo-
rauf die Rinnen gelegt werden; — der NRinnfal, -e3, M. -e, od. der
Ninnfel, s, M. w. E., oberd. fi Rinne; Flufsbett — Runs, Rünſe);
das Rinnſel, —s (altd. rennisal; vergl. Rennſel), oberd. das Lab, welches
die Milch gerinnen macht.
Riole, w., M. -n (holl. riool, franz. rigole; vergl. Rille), niederd. f.
Rinne, tiefe Furche, Kleiner Graben; ridlen, auch reolen, vigolen gefchr.,
ziel. Zw. (franz. rigoler), Landw. ein Stück Land furchenweiſe tief um—
graben od. umpflügen, um die beffere Erte aus der Tiefe heraufzubringen;
daher: der Niolpflug, ein dazu dienende eigenthümlicher Pflug.
Kippe, w., M. -n, Verkl. des Rippen, (niederd. Ribbe; oberb.
auch: das Nipp; altd. rippi, ribbi 4. rippa, ribba; angelf. rib, ribb, engl.
rib; isländ. rif, ſchwed. ref; vrxw. mit Raff, Neff, Reif, niederd. Reep,
goth. raip, Riemen; alfo urfpr. ein Streif, ftreifenartig ausgedehnter Körper),
die gebogenen Seitenfrochen am menſchl. u. thier. Körper, welche die
Brufthöhle bilden (Feim Menfchen heißen: wahre Rippen die 7 oberen,
längeren: falſche R. die 5 unteren, welche immer kürzer werden; Fleiſch.
falfche Rippe, ein zwilchen zwei Rivpen an der Vorderbruft eines Rindes
ausgehauenes Stüd Fleiſch; einem in die Rippen ftoßen, gem. f. in die Seite);
in weterer Bed. auch andere in die Länge ausgedehnte u. bef. bogenför—
mige Theile; insbe]. die gebogenen ©eitentheile eines Schiffes, welche am
Kiel: zufammenlaufen; die wagerechten Hölzer an den krummen Schleuſen—
thürenz; die Kreuzbogen eines gothiichen Gewölbes; an den Blättern der
Bäume x. die Fortfäge des Stieles, die fich als hervorragende Streifen durch
das Blut verbreiten; die erhabenen Streifen auf den Fruchthüllen u. Samen
“mancher Gewächſe; da$ Geil» und Bindewerk, womit man die Feuerkugeln
umfchnärt, u. dgl. me; — Z3ſetz. der Nippenapfel, f. v. w. Kantapfel,
f. d.; der Nippenbraten, ein gebratenes Rippenftücd, bef. vom Schwein,
— Rippſpeer od. Ribbeſpeer; der Rippenbund, die Umwindung
der Feuerkugeln mit Bindwerk; das Rippenfell od. die Rippenhaut, die
Hout, mit welcher die Bruſthöhle ausgekleidet iſt; das Rippenfleiſch, das
Feiſch an od. von den Rippen; das Rippengeſchirr, eine Art Pferdegeſchirres
mit vielen Rückenriemen; der Rippenhalter, Anat. zwiſchen dem Halſe und
den Rippen liegende Muskeln; der Rippenheber, Muskeln an den unterften
Rippen; dev Rippenſtoß, ein Stoß in die Rippen oder in die Seite; das
Rippenſtück, ein Stück Fleiſch aus u. mit den Rippen; das Rippenweh,
Schmerzen in der Rippengegend; — Ableit. rippen, ziel. Zw., etwas mit
522 Riopel — Rife
Rippen, d, i. hervorragenden Streifen ıc., verfehen, bef. das Mm. ges
rippt ald Bw. (gerippte Klempner Arbeit; ein gerippteö Blatt); rippig, -
Bw., Rippen habend, gerippt,
Nippel, w., landſch. f. die Schafgarbe.
aippein ziel., zielloſ. u. rückz. Zw. (landſch. auch ribeln, ribbeln; das
verkl. u. zugleich veröfternde reppen, reiben), gem. f. wiederholt reiben oder
Eleine Bewegungen machen; ſich —, f. ſich vegen, rühren, unruhig fein,
fich gegen einen Stärkeren auflehnen.
tippen, 3m., Nippenapfel ıc,, rippig, Bw. ‚ T. unter Kippe.
tipps rapps, f. rapps.
riſch, Bw. (ſchwed. rysk, niederd. risk, welches urſpr. aufgerichtet, gerabe,
dann auch geſchwind bedeutet; alfo wahrſch. von risen, reifen, d. i. fteigen,
fallen), vlt. f. raſch, ſchnellz riſchdräthig, Bw. , Korfkio. vom Holge: mit
der Länge nach gerade aus laufenden Streifen oder Adern; entg. überſpännig;
der Rich, -e8, M. -e (auch die Reiche od. Röfche, ſ. d.5 Tchweiz. bie
Riſchi, das Loch, durch welches man das Heu hinabläfft), landſch. f. Abs
hang, Gefälle.
Riſcht, ſ. —es, M. C(vielleicht nur mundartl. Ausfpradhe von Rift;
vgl. auch Rieſter), landſch. z. ®. in der Lauſitz: ein Querholz am Vorder—
wagen, welches die Deichſel in der Höhe erhält.
Rispe, w., M. N, (wahrlich. a, dem altd. rispen, urfpr. wohl hrispan,
Eräufeln, Tat. erispare; vergl. auch respen, raspen, fammeln, zufammenfaffen),
der büfchelförmige Blüthenftand 5. 8. des Hafers, der Hirfe zc., wo an
dem Stengel eine Menge einfacher Blunenſtiele von verfchiedener Länge
ftehenz verfch. von Ahre (wo die Blumen in Reihen an dem Hauptftiele figen),
Kolbe (wo fie auf kurzen und verdedten Stielen ſuͤhen) u. Dolde (wo fie
eing breite, runde Fläche bilden); landſch. auch f. Ahres Taubhafer, Lolch;
rispenformig, Bw., die Form einer Rispe habend; das Nispengras, jede
Grasart mit rispenförmigem Blüthenftand , insbeſ. das Schilfgras, Viehgras,
Waſſerviehgras; — ber Rispel, -$, M. w. E. oberd. Gehänge von meh—
ren an einander gereiheten Zwiebeln, Baumfrüchten, Vögeln u. dgl.;
dag Nispelein (auch Raspelein, im Zillertal: Rispal, Raspad f. bie
isländifche Slechte.
rispen, ziel. Zw. (vergl. riffeln, u. das oberd. reispen, f. zupfen, putzen),
niederd. f. tadeln, einem Verweiſe geben.
Riſs, m., G. Riſſes, M. Riſſe, (v. reißen, ſ. d.z althochd. riz, Schrift-
zeichen; Rs rit; mittelh. riz, das Reifen; oberd. auch die Rife,w., f.
Linie, Reihe), 1) die Handlung des Reißens, bei. ein einmaliges 9 Heißen
(mit einem Riffe 2c.), gem. auch ein derber Schlag mit einer Peitiche, einem
Stode ꝛc. (Riffe bekommen, geben 2c.); die durch Reißen, od. aud durch
Brechen, Berften 2c., entftandene Trennung der Theile eines Korpus,
ſinnv. Rise, Spalte, Sprung, Bruch ꝛc. (das Papier, das Tuch zc. dat
einen Riſs; Riffe im Holz, im Erdboden, in der Mauer ꝛc.; vor den Riſs
treten, vor dem Riffe ftehen, eig. die Mauerlüce mit feinem Leibe decken und
gegen den Feind vertheidigen, daher uneig. die Gefahr u. den Schaden auf
fich nehmen); uneig. überh. f. Trennung, Spaltung, Veruneinigung der
Gemüther; Lüde, Leere (diefe Ausgabe hat einen großen Rifs in meinen
Beutel gemacht); Wereitelung der Abfichten 20.5 Jäg. von einem Wolfe ges
Ss
Kifsling — Ritt 523
tiffenes Wild; 2) (von reißen f. zeichnen) eine den Hauptlinien od. Ums
riffen nach gemachte Zeichnung, bef. zur Bau- und Feldmefsfunft, finnv.
Plan, Entwurf (vergl. Ab-, Auf, Grundrifs 2c.); riffig, Bw., Niffe, d. i.
Spalten ıc., habend (riffiges Holz, Mauerwerk 2c.); Naturk, enge, tiefe,
gerade, aber nad) verfchiedenen Richtungen laufende Spalten habend; Bergw.
riſſig laufen, d. i. graben- od. rinnenweife laufen.
Riſsling, m., -e8, M. -e (vergl. Rießling; verw. mit riefen, Riefel®),
oberd. eine Abänderung des gemeinen Weinſtocks mit Eeinen, runden, weiß:
gelben Beeren, ſüß u. gewürzhaft.
Rift, m., —es, M. -e (landich. auch Riſs, Rieſter; altd. v. isänd.
rist, v. der Wurzel ris, risan, ſteigen, alſo urſpr. Erhöhung; odre, wie das
angelf. vrist, engl. u. niederd. wrist vermuthen läſſt, verw. mit dem ſchwed.
vrida, engl. wrest, drehen; alfo urfpr. Gelenk?), der Räcken des Fußes,
d. i. der vordere hohe Theil, zu deffen beiden Seiten dir Kröchel find, auch:
der Spannz alt u. landſch. auch der Handrücken (in dirfer Bed. oberd. das
Rift), die Handwurzel od. das Handgelenk big «r die Knöchel; am Halfe
der Pferde der erhöhete Theil über den Srultern zu Ende der Mähne
(auch Widerrift od. Widerrifs genannt) — der Nifler, —s, Schuhm.
ein Lederftreifen zum Flicken des Obaleders an Schuhen, Stiefeln zc.;
(1. auch Rieſter); riftern, ziel. Zw./ landſch. einen Schuh ze. auf biefe
Meife fliden. |
Nifte, w., M. -n (niederd. ug Riffe), alt. u. landſch. f. Reiſte, d. i.
Büſchel ꝛc. (Flachs); riffen, ziel 8w., zu Niften od. Neiften machen, in
Eleine Bündel binden.
ritfch, ein Naturlaux, welcher bef. den Schall nachahmt, der beim ge—
waltfamen Zerreißen eines Zeuges zc. entjteht, gew. in Verbindung mit
ratſch (1. d.).
Ritſcher, m., -, M. w. E. 1. (Schaltw.) b. den Vogelftellern f. Bud)
od. Rothfink; — 2. (auch Rütfcher, von ritten, rütten, unter einans
" der wiren), oberd. eine gemifchte Speife aus Gerfte u. Erbfen od. Kinfen.
Ritt L. m., -es, M. -e (von reiten; f. d.), das Reiten, die Bewegung
od. Srtsveränderung zu Pferde (einen Ritt machen, ein Spazierritt;
oberd. auch f. Mal nach Zahlwörternz vgl. Fahrt; z. B. alle Ritt f. jedes
Malzc.); Jäg. f. Gang, Spurgangz landſch. die Bewegung des Maul-
wurfs unter der Erde; chem. f. Angriff, Kampf; daher noch niederd. f. Schlä-
geret, Streit, Zank (vgl. Gang); chem. aud) f. der reifige Zeug, die Weis
terei; taher noch: der Rittmeiſter, der Anführer eines Reitergeſchwaders,
Hauptnann bei der Reitereiz die Nittmeiflerinn, deffen Gattin; Ableit. _
rittig Bw., 1) landſch. von jungen Pferden: bereits zugeritten; 2) oberd.
von Kühen: mit einer Art Wuth behaftet, wobei fie wie Stiere brüllen
(wahrſch. von dem oberd. reiten f. in Zorn gerathen od. fein); rittlings,
Nw., ſ. v. w. veitlings, |. d. — der Ritter, -$, M. w. E. (Nebenform von
Keiter, f. d., altd. ritari, ritaere, riter, ritter; isländ. riddari), urfpr.
überh. ein Neiter; im Mittelalter insbef. ein mit Schwert u, Lanze be>
maffneter u. geharnifchter adeliger Streiter zu Pferde, Standesbenennung
einer Würde, zu welcher der Adelige in der Regel nur durch Tapferkeit ge»
langte (einen zum Nitter fchlagen, d. i. ihn durch einen Schlag mit dem
Schwerte unter gewiffen Feierlicjkeiten in den Ritterftand erheben; ein irrender
524 Ritt
Kitter, d. i. ein herumgiehender, ber Abenteuer auffuchtz uneig. an einem zum
Ritter werden wollen, d. i. ihn zu überwinden fuchen, ihn feine Überlegenheit
fühlen laſſen; der Ritter einer Dame, d. i. ihr Begleiter, Liebhaber, fofern
bie ehemal. Ritter den Frauen Schuß u. Verehrung gewährten); fpäter überh.
Krieger, Soldat, auch Fußfoldatz jest noch: ein Mitglied eines (nicht
bloß adeligen) Ordens (z. B. Sohanniter- Ritter, Ritter des rothen Adleror-
dens 2.5 auch wohl weibl. eine Nitterinn, gew. Ordens- Dame); in mans
chen Landfchaften die Glieder des niederen landtagsfähigen Adels (1. w
Hetterſchaft) ; landſch. beim Scheibenfchiegen: wer den beften Schuſs nächſt
dem Könige gethan hatz uneig. heißt eine Speife, beftehend ‚in Semmel⸗
ſchnitten wit Eiern u. Butter gebaden: arme Ritter; Natur. eine Gat—
tung Tagſchwetterlinge; ein zum Gefchlecht des Lachies gehörender Fiſch;
eine Art Stachilſchnecken; — 3fes. von Ritter: die Ritterbank, die
Bank, auf welder hie Ritter od. Mitglieder des niederen Adels bei gewillen
feierlichen Verſammongen figen, 3. B. chem. im Reichshofrath ꝛc.; uneig.
auch die Gefammtheit dire Perſonen ſelbſt; die Nitterbirn, |. v. w. Maus:
bien; ritterbürtig, DW.) son ritterlicher, d. i. altadeliger Abkunft; daher
die Ritterbürtigkeit; der Xeterdienſt, ein Dienſt, welchen ein Ritter zu
wiften verdunden iſt, be. der Krigsdienſt zu Pferde, den ein Ritter feinem
Lehnöheren leiftete; in weiterer Bid. cin eines Nitters würdiger, ein ritter-
licher Dienft; das Nitterdorf, ein der Eerichtsbarkeit eines Rittergutes unter-
worfenes Dorf; die Ritterehre; der Niktreid: der Nittergebrauch oder
brauch; das Nittergedicht, die Ritterzeſchichte (der Ritter-Roman),
ein Gedicht, eine Erzählung von Rittern u. Reterhaten; das Nittergericht,
Adelögericht in Angelegenheiten dev Ritterfchaft eines Landes, chem. aud) das
Nitterding; das Rittergut, ein Gut, deſſen Brise dem Lehnsheren zu
Kitterdienften verbunden, übrigens aber von allen Lafter frei ft; der Mitter-
hof, der Hof, d. i. das Wohnhaus, die Gebäude u. der Hofraum eines Rit—
tergutes; der Ritterkampf; dev Nitterkaften, Yandfch. eine Kafk, welche
die Beifteuern des Adels in Empfang nimmt, u. die dabei angeftellten Perfo-
nen; das Ritterkreuz, ein Kreuz als Ehrenzeichen eines Ordensritte.s; dag
Nitterlehen, ein Lehen, welches den Befiger zu Ritterdienften verpflichetz der
Nittermann, in Sachſen: Tagelöhner, welche einem Rittergute zu gwiffen
Frohnen verbunden find; verich. dev Rittersmann, ſ. v. w. Ritter; Ttter-
mäßig, Bw., einem Ritter gemäß, tapfer 2c.; der Nitterorden, ehem. f.
v. w. Ritterſtand; jest jeder Orden (ſ. d.), deffen Glieder od. Inhabe Ritter
genannt werden; das Nitterpferd, das zum Kriege gerüftete Pfeid eines
Ritters; landſch. auch f. Heupferd; die Nitterpflicht; der Nitterraih, ein
aus Nittern oder Adeligen beftehender Rath; der Ritterruhm; der Rit-
terfaal, Verſammlungsſaal der Ritter od. des Adels; die Ritterſchaar; der
Ritterſchild; der Nitterfchlag, ein Schlag mit der Fläche des Schwartes
‚auf die Schulter, wodurch chem. Semand zur Ritterwürde erhoben wurde;
das Nitterfchlofs, die Nitterburg; die Nitterfchule (fr. Ritter-Akademig),
Lehranftalt für junge Adelige, bei. zur Bildung in den Kriegswiffenfchaften; dev
Ritterſchwamm, f. v. w. Sternſchwamm; das Ritterfchwert; der Nitter-
finn; die Ritterfitte; dev Ritterfiß, Wohnſitz eines Ritters; aud) f. v. w.
Ritterhof; das Nitterfpiel, in ritterlichen Übungen, als Reiten, Fechten, Lanz
zenvennen 2c. beftehendes Spiel, Turnier; der Ritterfporn, uneig. ein
*
Kitt — Ritz 525
Pflanzengefchleht von vielen Arten mit Blumen, melde eine ſpornähnliche
Spise haben, auch Ritterblume, Spornblume, Hahnenfporn ꝛc. genannt;
der Nitterftand, 1) der Stand, die Würde eines Ritters; 2) die Gefammt-
heit der Ritter, d. i. dev altadeligen Männer, eines Landes od. einer Lands
haft, die Ritterfchaft; der Ritterſtern, Naturk. eine Art Meer- od. See—
fterne; die Nitterfteuer, eine von den Rittergutöbefigern an ihren Lehns- od.
Landesherrn entrichtete Steuer; der Ritterfluß, eine Helmgierde der Ritter,
z. B. ein Federbuſch; die NRittertafel, an einigen Höfen f. v. w. Marfchalls-
tafel; auch f. Ritterbank; der Nittertag, die Verſammlung der Nitterfchaft
einer Landſchaft; die Nittertracht; die Rittertreue; die Nittertute, eine
Art Kegelichneden; die Ritterwaffe; das Ritterweſen, alle Einrichtungen,
Geſetze, Gebräuche ze. des ehemal. Ritterftandes; das Nitterwort, dag Wort
od. Verfprechen eines Ritters (fr. Cavalier-Parole); die Ritterzehrung, chem.
was man einem verarmten irrenden Ritter zu feinem Unterhalt reichte; uneig.
ſcherzh. ein Almofen für einen vornehmen Bettler; die Nitterzeit, bef. M.
die Nitterzeiten, die Zeit des chemal. Ritterthums; der Ritterzug, ein Feld:
zug, eine Eriegerifche Unternehmung von Rittern; — Ableit. ritterhaft,
gew. ritterlich, Bw. u. Nw., einem Ritter ähnlich, gemäß, in feiner Ei-
genfchaft gegründet, bei. tapfer (ritterlich kämpfen; ritterlihe Übungen, eine
ritterliche That; bei den Sägern heißt das Fämpfende wilde Schwein: ritter-
lich); die Nitterfichkeit, das Nitterlichfein; die Nitterfchaft, 1) die
Würde, der Stand eines Ritters; chem. f. Kriegsdienſt, Kriegsftand,
Kriegsmwefen, Buftand des Kampfes; 2) jest gew. als Sammelw. die
fämmtlichen Ritter, d. i. männl. Mitglieder des alten Adels in einem Lande
od. einer Landfchaft, der Nitterftand; ritterfchaftlih, Bw., der Nitter-
fchaft gehörig vd. diefelbe angehend; das Ritterthum, der Stand und
die Eigenſchaft eines Ritters, finnv. Nitterfchaft 1); gew. der Inbegriff
der Einrichtungen, Gefege u. Gebräuche des ehem. Nitterftandes, finnv.
+ das Nitterwefen; rittern, zielof. Zw. m. haben, oberd. 1) chem. f. rit—
terlich kämpfen; 2) von Zweien, die beim Kegelfpiel, Scheibenfchießen, Pfer-
derennen u. dgl. das Gleiche erreicht haben: unter fi) um den Preis od. in
die Wette kämpfen (auch: um den Ritter ſchießen 2c.).
Ritt 2. m., -en, od. gew. der Nitten, -$ (altd. rito, rite; von ridön,
isländ. rida, zittern; vergl. reitern u. rütten), oberd. f. Fieber, bei. Faltes
Fieber; daher der Rittenfroft, die Rittenhige f. Fieberfroft, chitze.
Nitteln, o. E. landſch. gem. f. Rötheln, f. d.; die Rittelmeihe od. der
Nittelgeier f. Röthelweihe, Mauerfalk. |
Nitten, ſ. Ritt 2.5 — Ritter ec. — Nitterzug, ſ. unter Ritt 1.
rittig, rittlings, Rittmeifter, |. unter Ritt 1. — Rittſtroh, f.
Rüttſtroh.
Ritz, m., -es, M.-e, od. Ritze, w. M.-n; Verkl. das Ritzchen;
(im altd. riz, isländ. rit, Schrift, fallen Riſs u. Ritz zuſammen; daneben
findet ſich althochd. auch: reiz, m. u. reiza, w. f. Linie; riza, rize, rizze, f.
Zirkel; vgl. reißen), eine mit einem fpisigen Körper gemachte (geriffene)
vertiefte Linie auf der Oberfläche eines Körpers, ſinnv. Schramme, verfch.
Spalte, Riis (3. B. mit der Nadel einen Ris in die Haut machen); Bergw.
eine in das Geftein gehauene Vertiefung; in weiterer Bed. auch eine
durch und durch gehende enge Spalte, edoch nur in einem harten Körper,
”
526 Robat — röcheln
verſch. Riſs (4. B. eine Rite in der Thür, in der Wand 2c.); Ableit. ritzig,
Bw., Ritze habend; — rißen, ziel. Zw. (altd. rizjan, rizzan, rizzön, abgel.
von dem ablaut. ziellofen Zw. rizan — reifen, f. d.), etwas — einen Ritz
od. Rise darin mahen (4. B. die Haut—); Bergw. mit dem Ritzeiſen
Rise in das Geftein hauen, in weiterer Bed. überh. bergmännifch bear:
beiten (daher: ein unverrigtes Feld, das noch) nicht durch Schächte ze. ges
öffnet worden); bair. nur halb pflügen, die Brache umreißen; die Rißfeder,
Bergmw. Eleine Bleche, die in die gehauenen Rise gelegt werden, damit die das
zwifchen gefesten Keile defto ftärker wirken; das Ritzmeſſer, wundärztliches
Mefferhen zum Risen der Haut (fr. Lanzette); die Ritzwurz, landſch. f.
Wieſenwindblume; der Ritzer, -8, wer rißtz landſch. gem. einmaliges
Ritzen; die Risung, das Ritzen. |
Robat, Robath od. Roboth,w., M. -en (gem. auch Robold, Robald,
Robelt; ein law. Wort, poln. u. böhm. robota, flawon. rabota, d. i. Arbeit
überh.), oberd. bef. in Baiern, Oftreicy u. Böhmen f. Frohne, Frohndienft;
daher robathen od. robothen (gem. auch robalden, robolden), ziellof. Zw. f.
fröhnen, Frohndienſte thun; der Nobather od. Nobother, -s, f. Fröhner
(Bande, Fuß⸗, Zugrobother 2c.).
Robbe, m., -n, M.-n, n. X. die Robbe, M.-n, (niederd. Rubbe,
holt. rob), der Seehund, u. die ganze Gattung im Waffer und auf dem
Lande lebender fifhähnlicher Säugethiere, wozu außerdem der Seelöwe,
ber Seebär zc. gehöre; daher: der Mobbenfang; das Nobbenfell, See
hundsfell; der Robbenklopfer od. =fhläger, wer Robben Elopft od. tobt _
fchlägt, auf den Robbenfang ausgeht; auch f. v. w. das Robbenſchiff, ein
auf den Robbenfang auslaufendes Schiffs der Robbenſpeck, =thran ꝛc.; die
Robbenzunge, uneig. eine Art Tellmuſcheln, Kasenzunge.
Robert, m., -8, ein männlicher Taufnamen, entft. aus Ruprecht, gem.
verk. Nupert (altd. Hruodperht, von hruod, isländ. hrödhr, Ruhm, und
prehhan, glänzen; vergl. Pracht, prahlen ꝛc.; alfo: der Ruhmglänzende);
das Noberts= od. Nuprechtsfraut, auch Blutkraut, eine Art des Storch—⸗
Tchnabels im nördl. Europa, als Heilmittel gegen eine Krankheit dienend, welche
ehem. die St. Rupréchtsplage hieß.
Roboth, robothen ꝛc., ſ. Robat ꝛc.
Roche, m., -n, M.-n, T. (niederd. Ruche, holl. roch, dän. rokke,
engl. roach u. ray; lat. raja), ein Gefchlecht von Seefifchen, die zu den
Knorpelfiſchen ohne Kiemendedel gehören, einen unförmlichen flachen u. breiten.
Körper und gemeiniglich einen ftahligen Schwanz haben; verfchiedene Arten
find: der Glatt-, Stachel-, Nagel od. Stein-, Dorn-, Zitterroche; auch der
Rochenadler, Meeradler od. Adlerfiih; — 2. (won rohen f. ſchreien;
vergl. Rat, Racer) landih. eine Art Krähen (engl. rook); — 3. (mittel
hochd. der roch, ©. des roches; franz. roc, engl. rookz; per. rokh, der Eler
“ phant), eine Figur im Schachſpiele, urfpr. als Elephant, jest gew. als
Thurm geftaltet u. fo benannt; daher rohen, gew. rochiren (fr. roquiren),
ziellof. 3w., den Thurm mit dem König wechfeln. z
röcheln, ziellof. 3w. m. haben (ein Schallwort; oberd. auch rogeln, ro»
dein, roheln, rüheln, rohezen; vergl. rochen, radeln, das griech. deyxeır,
6oyzaßeıy, lat. rhonchus), mit rauhem, Erächzendem Zone lauf athmen,
bei. von Sterbenden (niederd. rotteln; vergl. d. engl. ruttle); ehem. auch f.
|
rohen — Rodel 527
grunzen, wiehern, heifer fchreien, von Schweinen, Pferden, Efeln, Fröſchen
(au rücheln, rincheln, rochzen); der Nöchler, -$, wer röchelt.
rochen, ziellof. Zw. m. haben, 1. (auch rochzen, ruhen; altd. rohön,
rohen, rohezen; lat. rugire), alt u. landſch. f. mit rauher Stimme fchreien,
grungen, wiehern, brüllenz — 2. niederd. f. ruchen, ſ. d.
Rod, m., -es, M. Röcke; Berk. das Röckchen, oberd. Röcklein,
(Caltd. rok, roch, roe; isländ. rockr, angelſ. rocc, mittl. lat. rocchus, ſlaw.
raucho; wahrſch. verw. mit dem angelf. vrigan, vreogan, bededen, befleiden),
überh. ein Kleid, chem. auch uneig. f. Bekleidung, Überzug, Haut; insbef.
ein langes Oberkleid der Männer, welches den Leib und die Schenkel ganz
„od. theilweife bedeckt, verich. von dem weiteren u. längeren Mantel, übri-
gens nad Form und Schnitt fehr mannigfaltig G. B. Kinder, Schlaf, Prie-
ſter- Regene, Reit, Über», Leibrock 2c.); beim weiblichen Geſchlecht ein
faltiges Kleidungsſtück, welches von den Hüften bis auf die Füße reiht und
den ganzen Leib umgiebt (ein Weiberrod, Unter-, Oberrock, Reifrod 2c.);
auch der Theil eines Frauenkleides, welcher den Unterförper von den Hüften an
bedeckt (der Rod eines Kleides 2c.); — 3fes. die Rockfalte; der Rock—
knopf; der Rockſchoß, 1. Schoß; die Nodtafche, Taſche in einem Rode;
— Ableit, roden, ziel. Zw. mit einem Node befleiden, ungebr. außer in:
beroden; im Deichbau: mit grünem Nafen belegen.
Roden 1: m., -3, M. w. €. (altd. rocho, roccho, rocke, G. des
rocken; isländ. rockr, ſchwed. u. engl. rock, ital. rocca, fpan. rueca 2c.;
wahrſch. von einem Stamme, welcher ziehen, rupfen bedeutet; vergl. reden,
engl. rack und das niederd. treden), das hölzerne Geräth od. der Stod,
um welchen Slachs, Hanf od. Wolle zum Spinnen gewidelt wird, Spinn=
rocken (niederd. Wocden), ehem. auch Kunkel genannt; auch der zum Spin-
nen aus einander gebreitete u. um jenen Stod gewidelte Flache ıc. felbft
(baiv. Rupfe, Rupfen); uneig. Schiff. der Segeltuchskragen der Maften u.
Pumpen; das Rodenblatt, ein Blatt Papier, welches um den Flachs am
Rocken gebunden wird, damit er fich nicht verwirre; der Rockenſtock, das runde
gedrechfelte Holz oben am Spinnroden; die Nocenftube, Spinnftube, Ver:
fammlungsort arbeitender Frauen; die Rockenweisheit, (fe. Roden-Ppilo-
ſophie) Ipöttifch: die Weisheit der Weiber am Spinnroden, Spinnftubenweisheit.
Roden 2., f. Roggen.
Rockenbolle, w. (aus dem franz. rocambole verderbt; doch vielleicht urfpr.
deutſch; wenigftens fcheint der zweiten Hälfte das deutfche Bolle zu Grunde
zu liegen), der Schlangenknoblauch, die ſpaniſche Schalotte, eine Art des
Graslaudes.
Röckling, m., -23, M. -e (von Roden f. Roggen), landſch. ein feines,
£leines Roggenbrod; das Röcklein, -$, (gem. Röckel, Röggeh oberd.
ein Brödchen aus Weizenmehl mit einer Beimifhung von Roggenmehl.
Rödde od. Nöde, m., niederd. f. Rüde, f. d.
Rode, w., Rodeacker, -land zc., f. unter roden.
Rodel 1. m. u. w. (e. Rotel, vom lat. rotulus), alt u. oberd. f. Papier-
volle, Verzeihnifs, Lifte, Regiſter; daher der Rodelfchreiber ıc.
Rodel 2. w. oberd. eine Art Kinderfchlitten; daher rodeln Zw., f. im
Schlitten fahren; — Rodel 3. u. 4. f. unter rodeln.
528 Rödel — Roggen
Rödel, m. -8, 1. landſch. f. der Hahnenfamm, eine Pflanze; — 2. .
unter rodeln; — 3. f. unter rödeln.
.rodeln, 3w., 1. ſ. unter Rodel 2.5 — 2. oberd. f. röcheln, laut ath-
men, ſchnurren (v. Kagen); daher der Nodler, -$, landſch. f. die Trommel-
taube; — rodeln 3. od. rudeln, ziellof. Zw. oberd. f. rollen, kugeln; daher
rödeln, ziel. Zw. f. rollen Iaffen, Eugelnz zu Kügelchen machen, insbef.
zu Grütze mahlen (Hafer, Gerfte); daher der Rödel, -8, oberd. f. Graupen,
Grüße; — rodeln 4., auch rudeln, rödeln, ziel. 3w., landſch. f. rütteln,
rühren, Elappern (z. B. mit dem Geld in der Zafche); daher: der Model,
oberd. Nührftab beim Käſemachen; die Rodel, oberd. f. Kinderklappers
der Model: od. Rödelapfel, Klapper-, Schlotterapfel; das Model od. Rö—
delfrauf, ein Kraut, deffen Samenkerne im Gehäufe fehlottern, insbef. f.
Läufekrauf.
rödeln, ziel. 3w., 1. u. 2. f. unter rodeln 3. u. 4.5 — 3. landſch. f.
raideln, reiteln, d. i. zufammendrehen, umwinden; insbef. bei den Brun-
nenmachern: die in dem Brunnenloche aufgeführte Mauer mit den Rödelbret—
tern und dem Rödeltaue belegen u. umwinden; der Rödel, -$, landſch. f.
Raidel, Neitel, |. d.
roden, ziel. Zw. (niederd. raden; vergl. rotten) Yandfch. f. reuten, ſ. d.
(die Wurzeln zc. aus der Erde—; ein Land— 2c.); daher die Rode (bef.
noch in Ortsnamen, wie Wernigerode, Gernrode zc.), ein durch Ausrodung
des Gehölzes urbar gemachtes Land, f. v. w. Reut, Gereut ꝛc.; fo aud:
der Nodeader, das Rodeland ꝛc.; die Nodeart, -hacke, -haue, Werk
zeuge zum Roden; der Nodeweg, Weg durch ein gerodetes Stück Land; der
Nodezehnte, Reutzehnte ꝛc.; — der Noder, -8, mer rodet.
Roden, m., -8, landſch. der vierte Magen des Rindviehs, Fettmagen,
Rodenkopf, m., eine Art Fiſche, die zu den Stutzköpfen gehören.
oder, Nodeweg, -zehnte, |. unter roden; — Nodler, f. rodeln.
Rödling, m., -e8, M.-e, landſch. f. Rehling; u. f. Reißker.
Rof, m., ſ. Roof.
Roffel od. Nuffel, m., -8, landſch. f. Schrufhobel; Röffel od. Rüffel,
m., niederd. f. Spaten zum Ausreuten der Baurawurzeln.
rogel od. roglih, Bw. (verw. mit regen, oberd. rigeln, niederd. rögen),
alt u. oberd. f. nicht dicht u. feft, locker, beweglich, wadelnd (Erdreich,
Backwerk; ein Zahn wird rogel); rogeln, 3w. 1) ziellos f. wackeln; 2) ziel.
f. oder machen (aufrogeln)
Rogel, w., M.-n, oberd. f. Papier» Düte od. Rolle, bef, Geldrolle.
Nogen, m., -3, M. (ſelten) w. E. (altd. rogan, rogin, rogel, ©. -s,
u. rogo, roge, G. -n; isländ. hrogn, fchwed. rog; niederd. Rögen; engl.
roe), die Fiſch-Eier, fo lange fie noch im Leibe des Fifches find, verich.
Laich (f. d.), ald Stoffnamen (4. B. der Fiſch hat vielen Rogen)z ehem. auch
f. Frucht, Leibesfrucht; oberd. uneig. f. Vortheil, Gewinn; der Rogen-
börse, =hecht, -Farpfen ıc., ein Börs, Hecht ꝛc., welcher Bogen in ſich
hat; der Rogenftein, ein aus rogenähnlichen Körnern beftehender Tropfftein;
der Rogener od. Rogner, —s, oberd. Rögling od. Rögel, ein weiblicher
Fiſch, welcher Rogen in fich hatz entg. Milcher.
Roggen od. Rocken, -$, M. (nur von mehren Arten) w. E. (altd. roggo,
rocco; rogge, rocke; isländ. rugr, ſchwed. rog; angelf. rige, ryge, engl.
EEE eu 2 ie u
Rogwurz — Rohne 529
rye; bän. rugenz; holl. roghe 2c.), eine befannte, in dem größten Theile
Deutfchlands am häufigften gebaute Getreideari, welche ſchwärzeres Mehl
giebt, als der Weizen, und woraus das gewöhnliche Schwarzbrod gebaden
wird, aud) Noggenkorn, Kornfrucht u. fchlechthin Korn (f. d.) genannt;
wilder Roggen, das Sandhaargras; — Zfep. die Noggenähre, Korn
ähre; in Friesland: eine im Meerfande wachſende Grasart; die Noggen-
blume, Kornblumez der Roggenbrei; das Noggenbrod; das Roggen—
feld; die Roggengerfte, taube Wiefengerfte; das Noagengras, Sandhaar-
gras; der Noggenkloß, ein Kloß von Roggenmehl; das Noggenkorn; das
Roggenmehl; die Noggenmutter, landſch. f. Mutterkorn; der Roggen—
flein, Schiefer mit länglichen Flecken, Fruchtfchiefer; das Noggenftrob;
die Noggentrespe, eine bei. unter dem Roggen wachſende Trespe; der Nog-
genwurm, Kornwurm; — Ableit. das Röggel, -$, ſ. Röcklein; roggen
od. rocken (altd. rockin, rockein), Bw., oberd. f. von Roggen, aus Rog⸗
genmehl bereitet (z. B. roggene Knödel, Weder 2c.).
Rogwurz, w., landſch. f. Ragwurz; Zaunrübe.
roh, Bw., Comp. roher, Sup, roheſt, (altd. raw, row, rä, rd, G. ra-
wes, rowes; vielleicht urjpr. mit anlautendem hz; vergl. d. angelf. hreav,
hreov, isländ. hrär, lat. crudus; niederd. rau, ſchwed. ra, engl. raw; von
gleicher Wurzel mit rauh?), überh. im unveränderten Naturzuftande,
nicht Eünftlich zubereitet od. bearbeitet, mit dem Nebenbegriff der mangeln-
den Verfeinerung u. Bildung; in engerer Bed. bei. vom Fleiſch u. andern eſs⸗
baren Dingen: nicht gekocht od. gebraten (rohe Fiſche, Eier 2c.); in weiterer
Anwendung auc von andern Naturerzeugnifien f. unverarbeitet (rohe Pros
ducte; rohe Seide; rohes Eifen, d. i. unverarbeitetes); auch von Kunfters
zeugniffen, denen noch die legte Verarbeitung fehlt (z. B. rohe Leinwand,
d. i. ungebleichte; vohes Tuch, d. i. ungewalktes; ein rohes Buch, d. i. ein
ungebundenes); in fittlihem Verftande: aller geiftigen und fittlichen Bil-
dung und Verfeinerung ermangelnd (ein roher Menfch, rohe Völker, Sitten,
Lebensweile 20); — 8ſetz. die Noharbeit od. das Nohfchmelzen, Hüttenw.
das Ausfchmelzen ungeröfteter Erze; das dadurch gewonnene, noch fehr un«
reine Gut heißt: Rohſtein; das Noheifen, das aus dem Erz gefchmelzte,
noch ungehämmerte Eiſen; rohhöpfig, Bw., Brau. vom Biere, wenn der
Hopfen nicht genug ausgefotten iftz der Rohofen, Hüttenw. der Ofen, in
welchem die geringhaltigen Erze, Kies- u. Silberfchliche gefchmelzt werden;
das herausgefchmelzte Sübererz heißt: das Rohlech; der Rohreif, landſch.
f. Raubreif; die Rohſchlacke, bei der Roharbeit entftehende Schladen; das
Rohftahleifen od. der Nohftahl, ein brüchiges, hartes und ſprödes Eifen;
der Robzuder, noch unverfottener u. ungeläuterter Zucer (fr. Moscovade); —
Ableit. die Rohheit (ehem. auch Rohigkeit; oberd. die Rohe), der Zu:
fand des Nohfeins in jeder Bed. (z. B. die Rohheit des Fleiſches, ber
Seide 20.5; der Sitten 2c.); auch eine rohe Handlung, Außerung ꝛc. (M.
Rohheiten); der Rohling, -e3, M.-e, Neuw. f. ein roher, ungebildeter
Menſch.
röhen, ziel. Zw. niederd. den Flachs —, f. röſten (rotten) ſ. d.
Röhling, m. 1., f. Rehling; 2. ſ. v. w. Rühling, f. d.
Rohm, m., niederd. f. Rahm (ſ. d.), Sahne.
Rohne, w., landſch. ſ. v. w. Range 2.
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 324
530 Rohr
Rohr, fe, -es, M. Rohre u. gew. Nöhres Verkl. dag Röhrchen
(goth. raus von der Wurzel rus, raufchen? altd. rör, n. u. röra, rörja, £5
isländ. reir; franz. roseau; ſämmtlich nur in der 1ften Bed.: arundo, cala-
mus), 1) eine Art auf fumpfigem Boden oder im Waffer wachfender Ges
wächfe mit ſtarkem, geradem und meift hohlem Stengel (4. B. Zuckerrohr,
fpanifches Rohr, Bambusrohr 2c.), insbe. unfer gemeines Schilfrohr oder
Ried (f. d.); gew. ald Sammel- od. Stoffnamen ohne Mehrh., (4. B. Rohr
fchneiden; ein Haus mit Rohr decken; ſprichw. im Rohre ift gut Pfeifen fchneis
den; Zucker aus Zuderrohr fieden ꝛc.); doch auch von einzelnen Rohrpflanzen
od. ⸗Stengeln, bef. ein aus Rohr verfertigter Stod, Rohrſtock (z. B. zwei
Zuderrohre od. -röhre; drei fpanifche Röhre 2c.); 2)-ein gerader, walzen—
formiger, hohler Körper, finnv. Röhre, welches fich nur durch den Gebrauch
in anderen Fällen davon unterfcheidet; z. B. das blecherne Ofenrohr od. die
Dfenröhre, durch welche der Rauch abgeführt wird; das Schlüffelrohr,
Sprigenrohr, das Rohr einer Zabadöpfeife (Pfeifenrohr), das eiferne
Rohr, durch welches in den Glashütten die Glasmaffe geblafen wird; vergl.
auch Blafe:, Sch-, Sprachrohr; insbef. der Lauf eines Feuergewehrs (ein
gezogenes Rohr, Büchſen-, Flinten-, Piftolenrohr), u. in weiterer Anwendung:
das ganze Feuergewehr, jedoch nur von den längern Arten (Jagd-, Hands
rohr 2c.; daher uneig. etwas auf dem Rohre haben, gew. auf dem Korne,
f. Kom); — Zſetz. die Nohrammer, ſ. Rohriperling; die Rohrart, Pflanz.
jedes grasähnliche Gewächs mit einem Halm ohne Knoten; das Nohrblatt,
Web. f. v. w. das Ried od. der Kamm (1. d.); das Rohrblech, eine Art
Blech zu Ofenröhren; der Rohrbuſch, ein Buſch oder Gebüfh von Rohr;
das Rohrdach, ein mit Rohr gededites Dad; das Nohrdidicht (ſ. Dieicht),
f. v. w. Röhricht, |. u.; der Nohrdommel, —s, M. w. E., u. die Rohr:
dommel, M. -n (landfch. auch Rohrdrommel, Rohrpompez wahric.
nicht von Rohr, fondern verderbt aus dem altd, horotumpil, horotumbel,
d. i. Koth= oder Schlammtaucher; vergl. Hor u. das holl. dompeln, unters
tauchen; doch heißt diefer Vogel isländ. reir-storkur, d. i. Rohrſtorch, ſchwed.
rör-drommel), eine Art Reiher, gelb mit braunen Flecken, mit ftarker, dumpf
fchreiender Stimme, auch Moosreiher, Rohrreiher, Waſſer- od. Moosoche,
Mooskuh, Kropfgans, Kropfvogel 2c. genannt; die Rohrdroſſel, f. v. w.
Bruchdroffel, Weidendroffel, auch Rohrvogel; der Rohrfalk, Meeradlerz der
Kohrfeiler, ein Arbeiter, welcher die Gewehrröhre blänkt ze. ; die Rohrflöte,
eine aus Rohr gefchnittene Flöte; das Rohrgeflecht, die Nohrflechte, Flecht-
werk aus gefpaltenem Rohre; das Rohrgeſchwür, ein Geſchwür, bei welchem
ſich Lange, harte Röhren bilden, Hohlgeſchwür (fr. Fiftel); der Nohrglanz, rohr⸗
artiges Glanzgras; das Rohrgras, Riedgras; ein in graſigen Sümpfen
wachſendes Rohr; auch f. Raſenſchmiele; die Rohrheide, der Färbeginſter; die
Rohrhirſe, eine Art Hirſe mit dicken rohrartigen Halmen, Futterhirſe, wälſche
Hirſe; der Rohrhobel, bei den Büchſenſchäftern ein Hobel zum Ausſtoßen der
Rinne, in welche das Rohr zu liegen kommt; das Rohrhörnchen, eine Art Röh⸗
renſchnecken: das Rohrhuhn, eine Art Wafferhühner, Bläſshuhn; die Rohr:
folbe od. der Rohrfolben, die Kolbe (ſ. d.) des Rohres; auch ein Rohrges
wächs mit fchwarzbrauner, fammtähnlicher Blumenkolbe, auch Waſſer-, Teich⸗
kolbe 2c.; die Rohrmeife, Sumpfmeiſe; die Rohrmewe, gemeine Meer«
ſchwalbe; die Nohrmilbe, Schaflaus; der Rohrnagel, eine Art Nägel zum
Röhre 531
Keftnageln des Rohrs beim Berohren ber Wände; bie Rohrpfeife, eine aus
Rohr gefchnittene Pfeife; auc) eine nicht völlig gedackte Orgelpfeife, in deren
Hut eine enge Röhre ftedit; der Nohrreiher, f. Rohrbommel; der Rohr:
fänger, ein grasmückenartiger Singvogel, Weidenzeifig, Weidengrasmüde,
Rohrgrasmüce, Rohriperling zc.; der Rohrſchmied, der Arbeiter, welcher
die Feuerröhre aus den Platten verfertigt; die Nobrfchnepfe, eine Art Schnes
pfen, die fic) gern im Rohr aufhalten; der Rohrſchwalm (vergl. Schwalm),
f. v. w. Rohrmewe; der Rohrfparren, Sparren zu Rohrdächern; der Rohr—
fperling, eine Art im Rohre niftender, unangenehm fchreiender Ammern,
Rohrammer, Rohrämmerling, Rohrſpatz, Moosiperling, Schilfoogel, Schilfe
ſchwätzer (ſprichw. ſchimpfen, wie ein Rohrfperling) ; auch f. Rohrfänger u. f.
Rohrdeoffel; der Rohrftab od. Rohrſtock, ein Stod von Rohr; der Rohr:
ſtuhl, ein mit gefpaltenem Rohre beflochtener Stuhl; der Rohrvogel, ein im
Rohre horftender habichrähnlicher Raubvogel; auch f. Rohrdroffel; die Rohr:
wand, eine berohrte Wand; das Rohrwerk, Schnarrwerk einer Orgel; der
Rohrwrangel, landſch. eine Art Neuntödter, aud) Rohrwürger; — Ab .
Veit. rohren od. röhren, Bw., aus Rohr gemacht; rohren, Zw. 1) ziellos, _
das Mohr einfammeln; 2) ziel. des Rohres berauben (einen Teich); mit
Rohr verfehen, befleiden, berohren (eine Wand); röhreln, ziel. 3w., Gärtn.
mittelft einer Pfeife (f. d.) pfropfen od. veredeln, pfeifen; rohricht, Bw.,
Rohr ähnlich; rohrig, Bw., Rohr enthaltend, mit Rohr bewachfen
(ein Teich); das Nöhricht oder Röhrich, weniger r. Röhrig, -es, M. -e,
(altd. rorahi, rorach, oberd. Rörach; auch Geröhrich), eine mit Rohr dicht
bewachfene Gegend, ein Rohrdidicht.
Röhre, w., M. -n, Verl. das Röhrchen, oberd. Röhrlein (altd.
röra, rörja, roere, Nebenform od. Ableitung von Rohr, f. d.), jeder hohle
walzenförmige Körper, er fei gerade oder gebogen, 3. B. in thierifchen Kör—
pern: die Luftröhre, Harnröhre 2c.; lange hohle Knochen (Röhrknochen), 3. B.
die Arm-, Bein-, Markröhre; die Saftröhren im Holze; Pflanz. der untere
hohle Theil der einblattigen Blumenkrone; ferner: die Röhre einer Pumpe,
Brunnen-, Wafferröhre (das Waſſer in Röhren an einen Ort leiten); die bles
cherne Ofenröhre (vergl. Rohr 2); Drechsl. ein flacher Hohlmeißel; auch eine
fi in die Länge erſtreckende Höhlung (z. B. die Röhren der Maulwürfe,
Füchſe, Hamfter 2c.); in weiterer Bed. auch ein eingefchloffener vierediger
Raum, z. B. in einem Bratofen (Bratröhre), in einem Stubenofen, um
Speifen zc. darin zu wärmen (Ofenröhre); auch eine Gattung Schneden:
Röhre oder Röhrenihhnede (f. u); — Zfes. von Röhr- und Röhren=:
das Nöhrbein od. der Röhrknochen, ſ. o., insbeſ. das Schenkelbein; dag
Röhrenblech, eine Art Blech, woraus man die Wärm- und Soolröhren in
Salzwerken macht; die Röhrenblume, ein Pflanzengeſchlecht mit gelben röh—
zenförmigen Blumen; der Röhrbrunnen, ein Brunnen, deffen Waſſer ſich
durch Röhren ergießt, od. dem das Waffer durch Röhren zugeführt wird; die
Röhrbüchſe od. Nöhrenbüchfe, ein eiferner- Ring zur Verbindung zweier
Waſſerröhren; auch eine hölzerne Walze zur Verbindung einer aus Stücken
zufammengefegten Brunnenröhre; das Nöhrerz, durchlöchertes Sumpferz;
die Röhrenfahrt, eine Reihe zufammenhangender Röhren in Wafferleitungen;
der Röhrenfiich, eine Gattung Fiſche mit röhrenförmigem Rüffel; röhren—
fürmig, Biw., die Form einer Röhre habend; das Röhrholz od. Röhrenbol;,
34*
532 röhren — tollen
gerades Holz ohne Aftfnorren, zu Wafferröhren tauglich; die Röhrkanne,
eine Kanne mit einer Ausgufsröhre; der Nöhrfaften od. -trog, ein Kaften,
in welchem fic das Röhrwaſſer fammelt; der Nöhrenfücher, eine Art See
köcher, aus reihenweife ftehenden vieredigen Zellen zufammengefügt; die Röh—
venforalle, eine Art Korallen, aus neben einander liegenden Röhrchen bejte»
hend; das Röhrkraut, auch Röhrleinkraut, Röhrhengras, der Löwen- -
zahn (wegen feiner hohlen Stengeh); die Nöhrenleitung, Waflerleitung durch
Röhren; der Röhren od. Röhrmeiſter, Auffeher über eine KRöhrenleitungz
die Röhrenfchnede, eine Gattung Schneden mit röhrenförmiger Schale,
Wurmröhre, Meerröhre 2e.; dev Röhrenſchwamm, eine Art Saugſchwämme;
das Röhrwaſſer, durch Röhren geleitetes Waffer, z. U. v. Brunnen= oder
Fluſswaſſer; die Röhren- od. Röhrweide, der Hartriegel; — Ableit. röh—
richt, Bw., einer Röhre ähnlich; rohrig, Bw., Nöhren enthaltend, daraus
beftehend (Pflanz. eine röhrige Blüthendede, — 20.5; auch die zgeſ.
ein-, zwei⸗, eng=, weitröhrig ꝛc.); der Röhrling, —es, M. -e, landſch. f.
die Unke, Kreuzkröte (weil ſie in Röhren, d. i. Löchern, lebt).
röhren od. rören, zielloſ. Zw., * 1. ſ. v. w. raren (ſ. d.), reren,
ſchreien; 2. ſ. v. w. reren (f. d.), rinnen, rieſeln.
Röhrenblech ꝛc. — Röhrenweide; Röhrerz ꝛc. — Röhrwaſſer; röh—
richt, röhrig, Röhrling, ſ. unter Röhre; — Rohrfalk ꝛc. — Rohrwür—
ger; rohricht, rohrig, Röhricht, ſ. unter Rohr.
Rohſchlacke 2c. — Rohzucker, ſ. unter roh.
rojen, zielloſ. Zw. (ehem. auch rugen, rügen; isländ. roa, angelſ. rowan,
engl. row, holl. roeyen), niederd. f. rudern; daher: die Nojebant f. Ruder⸗
bank; die RKoje pforte, Öffnung, durch * das Ruder geſteckt wird; der
Rojer, -$, f. Ruderer.
Rolandsſäule, w. (wahrfch. nicht von Roland, dem Feldherrn Karls
d. Gr., fondern verderbt aus Rugelandsfäule v. Auge, Rüge f. Gericht),
die riefenhafte Bildfäule eines gewappneten Mannes mit bloßem Schwert in
der Hand in einigen deutfchen Städten, als Sinnbild eiaener ftädtifcher Ge—
richtöbarkeit, auc wohl ſchlechtweg Noland, der große Noland ꝛc. genannt.
Rölke od. Röhlke, w. (auch Roleg, Relit, Releke) niederd. f. Schafgarbe.
. rollen, 3w. (niederd. rullen, ſchwed. rulla, dän. rolle, engl. roll; es
foheint erft in: der neueren Sprache theils als Schallwort gebildet, theils aus
dem mittl. lat. rotulare, ital. rotolare, rullare, franz. rouler entftanden, da es
im Altd. fehlt u. auch in der oberd. Volksſpr., außer in einigen befonderen Be-
deufungen, wenig üblich ift; vgl. rodeln 3.), 1) ziellos a) m. fein, fih um
feine Achſe drehend mit dumpfem Schalle von der Stelle bewegen (die
Kugelt rollt auf dem Bodenz die Wagen find über die Straße gerollt; einen
Stein vom Berg rollen laffen); auch von Kleinen feften Körpern: an einer
abhängigen Fläche herunterfallen, finnv. riefeln (der Kal rollt von der
Wand, die Erde von dem Berge 2c.); in weiterer Bed. überh. fich wälzend
fortbeiwegen, auch ohne Geräufch (eine Thräne rollt über die Wange; die Erde
rollt um die Sonne); dicht. auch von großen Flüffen od. Strömen; uneig. von
der Zeit: fihnell vergehen oder verfließen (die rollende Zeit, das rollende
Jahr 2c.); b) m. haben, fich im Kreife drehen od. ummwälzen, ohne die
Stelle zu verändern (feine Augen rollen, haben gerollt 2c.), daher aud) Schiff.
f. wogen, hohe Wellen fäylagen (die See rollt, d. i. geht Hoch); einen
R tollen 533
dumpf zitternden Schall hören laffen, ähnlich dem eines vollenden Körpers
(dev Donner rollt, hat gerollt); oberd. auch f. umherlaufen, ſich herumtreis
ben (auf den Straßen—); Jäg. von vierfüßigen Raubthieren f. brunftem,
laufen, vanzen, ſich begatten; kair. f. ausgelaffen fchäfern, wild lärmen
(auch rollezen, rollzen); 2) ziel. drehend od. wälzend fortbewegen ob.
überh. bewegen, finnv. Eollern, wälzen, drehen (eine Kugel, Steine vom
Berge—; die Augen im Kopfe—; dicht. der Strom rollt feine Wogen durch
das Land 2c.); um feinen Mittelpunkt od. feine Achſe biegen, im Kreife
zufammenwideln (ein Stück Zeug —, ein Blatt Papier zufammen rollen;
vergl. aufrollenz auch rüdz. ſich —, 3.B. die Haare rollen fih); durch Rollen
od. Wälzen zubereiten, insbef. abrunden od. glätten (den Teig, Nudeln—;
die Wäſche —, f. v. w. mangen od. mangeln); — die Rolle, M. -n, Verl.
das Röllchen, (niederd. Rulle; ſchwed. rulla, engl. roll, roller; franz.
rouleau, roulette, röle), 1) ein rolfender, d. i. um feine Achfe beweglicher
Körper, insbef. eine runde, drehbare Scheibe (z. B. unter Bettftellen,
Stühlen 26, zur leichteren Fortſchaffung; die Zugrollen in Hebezeugen, Flafcjen-
zügen 20.5 die Sagdzeuge laufen in Rollen, wenn fie mit Schnüren, die über
Kollen laufen, aufgezogen werden; die Rolle an der Spule eines Spinnra⸗
bes 2c.); ferner eine Walze zur Fortbewegung von Laſten (einen Stein auf
Rollen fortwälzen), od. etwas darauf zu wickeln (4. B. Drath, Seide, Sai—
ten; eine Rolle od. ein Röllchen Seide 2c.); oberd. auch eine runde Schelle,
in welcher der Klöppel frei herumrollt, dergleichen man Pferden ꝛc. an den
Hals hängt; 2) etwas walzen= od. kegelfürmig Zuſammengerolltes od. Ge-
wickeltes (3. B. landſch. f. eine Haarlocke; eine Rolle Taback, Zeug, Leinwand;
eine Rolle Geld, od. Geldrolle; oberd. auch f. Düte, vergl. Rogeh, insbef. ein
zufammengerolltes Papier oder Pergament fammt der darauf befindlichen
Schrift, Urkunde ꝛc. (mittl. lat. rotula), daher chem. und noch landſch. f.
Stadtordnung, Stiftungsbriefj Poltzeigefeg u. dal. (Stadt-, Amtsrolle 2c.);
jetzt noch f. Verzeichnifs, Lifte, fei es auch nicht in Rollenform (z. B. Bür⸗
gers, Mufter-, Steuerrolle); bei. die Rolle eines Schaufpielers, d. i. bie
ſchriftliche Verzeihnung der ihm als Darfteller der Perſon eines Bühnenſtücks
übertragenen Reden u. Handlungen (die Rollen ausfchreiben, vertheilen; feine
Rolle lernen 2c.), und in weiterer Anwendung der Antheil eines einzelnen
Schaufpielers an der darzuftellenden Handlung, die vorzuftellende Perfon
felbft Ceine fchwere, leichte Rolle, Haupt-, Nebenrolle 2c.; feine Rolle gut
fpielen; die Rolle des Wallenftein fpielen; aus der Rolle fallen, d. i. dem
Charakter und der Lage der Perfon bei der Darftellung nicht getreu bleiben);
uneig. auch die Perfon, welche ein Menſch im Leben vorfiellt, und deffen
Benehmen od. Handlungsweife in einzelnen Fällen (4. B. eine große Rolle,
od. auch ſchlechtweg eine Rolle fpielenz er hat feine Rolle gut gefpielt; fie
jpielte dabei eine erbärmliche Rolle; diefe Rolle wird mir fchwer 2c.); 3) ete
was rollenähnlich Gemwundenes, z. B. Bauf. mit Schnörfeln verfehene Krag-
u. Schlufsfteine (Bogen, Seitenvoll); Naturk. verfchiedene gewundene ein«
fachige Schneckenarten (auch Rollenfchnede, Kegeltutenfchnede; Walze od.
Walzenfchnece); 4) verfihiedene Werkzeuge, mittelft deren od. über die
‚andere Körper gerollt werden, insbef. die Zeug: od. Wäſchrolle, ſ. v. w.
Mange od. Mangel; Bergw. ein aus Brettern verfertigtes Gerinne, auf wel
chem man Steine, Erde ze. Hinabrollen Läfjtz ein ftehendes Sieb zum Kei-
4
534 Roman
nigen des Getreides, der Erbe 20.5; 5) landſch. gem. f. eine rollende, d. i. ſich
herumtreibende, liederliche weibl. Perſon; Zſetz. v. Rolle: das Rollen«
band, Band, welches in Rollen verkauft wird; fo auch das Nollenblei, der
. Rollentabad, Blei, Tabak in Rollen; die Nollenblafe, eine Art Blafen-
fchnede; das Nollenblech, das dünnfte Meffingbleh; das Nollenfach eines
Schaufpielers, die Gattung von Rollen, für welche er befonders geeignet iftz
rollenförmig, Bw., die Form einer Rolle habend; die Rollenfchnede, f.
Rolle 3); — 3fes. von rollen: der Rollapfel, f. v. w. Klapper- od. Schlot—
terapfel; der Rollbaum, Bergw. f. v. w. Haspel- od. Rennbaum; auch f.
Drehkreuz; das Rollbrett, ein Brett, etwas damit zu rollen; insbef. f. v. w.
Mangelbrett; die Rollbrücke, eine auf Rollen od. Walzen ftehende bewegliche
Brüde; die Rollerde, Bergw. lotkere nachrollende Erde, brödeliges Geftein;
das Rollholz, eine hölzerne Walze zum Rollen, be. der Wäſche: Mangels
holz; die Nollfammer, -jtube, der Rollboden, die Kammer zc., wo Wäfche
gerollt wird; der Rollkuchen, dünnes, zufammengerolites Backwerk; die
Rollmaus, der Siebenfchläfer; das Nollmeffing, das dünnfte, zufammens
gerollte Meffing, z. U. v. Zafelmeffing; der Rollofen, ein auf einem Rolle
wagen ftehender Badofen für Kriegsheere im Felde; das Nollpferd, ein auf
Rollen bewegliches ledernes, ausgeftopftes Pferd; das Rollpochwerf, Hüt-
tenw.,. ein Pochwerf, wo das Erz aus einem Rollfaften unter die Pochftempel
rollt; der Rolling, an holländ. Windmühlen der mit vielen meſſingenen
Rollen verfehene Ring, auf welchen das Dach herumgedreht wird; der Noll
ſchacht, Bergw., eine Art Förderfchächte, durch welche man Berge rollt oder
ftürztz; die Rollfchlange, eine Art mehrfach in einander gewundener Röhren»
fchneden; der Rollſtich, eine Art zu nähen, welde Eleine Röllchen bildet;
der Rollſtock, Hutm. ein rundes Holz, über welches der Filz gewalkt wird;
der Rollftuhl, ein Stuhl mit Rollen an den Füßen; bef. ein Stuhl mit zwei
Kädern u. einem beweglichen Gelenkrade, auf welchem man fich felbft fortbes
wegen kann; das Nolltuch, Sagdtücher an Ringen, welche mittelft Rollen
auf> und zugezogen werden können; Der Rollvorhang, ein Vorhang, welcher
aufgerollt wird (fr. Rouleau); der Rollwagen, chem. ein leichter, ſchnell
rollender Leiterwagen für Reiſende, beſ. Mefsreifende; ein niedriger Wagen,
welcher Rollen ftatt der Räder hat; auch f. Laufwagen der Kinder; die Noll
wäfche, zu rollende Wäfche, z. U. v. Plättwäſche; die Rollzeit, Jäg. die
Begattungszeit der Raubthiere; — Ableit. der Roller, -8, wer etwas rollt
(z. B. in den Pfeifenbrennereien: wer den Pfeifenthon mit dem Rollbrette
rollt); landſch. f. Kater (von rollen f. ſich begatten); auch f. die Mandel
krähe; oberd. f. eine unzüchtige Perfon (weibl. die Rollerinn); gem. ein
altes untaugliches Pferd; auch ein altes, unbrauchbares Ding, bef.
Schießgewehr; rollig, Bw., Bergw. f. rollend, brödelig (Geftein).
Roman, m., ⸗es, M. -e, (zunächft aus dem franz. romanz urfpr. überh.
etwas in einer romanifchen, d. i. aus der lateiniſchen entitandenen Volkes
iprache Gefchriebenes, namentlich alles in romaniſcher Sprache Gedichtete,
während die Sprache der Kirche, der Gerichtshöfe u. der Gelehrten die latei—
nifche war), eine erzählende Dichtung, Gefhichtsdichtung in ungebuns
dener Rede, deren Grundftoff in der Regel das dichterifch geftaltete wirkliche
Leben iſt; in engerer Bed. bef. eine erdichtete abenteuerliche od. verwickelte
Liebesgefhhichte (daher uneig. einen Roman fpielen, da i. einen Liebeshandel
|
——————————
Römer — roͤſch 535
durchführen); daher ber Romandichter, ⸗ſchreiber, -leſer; das Roman⸗
leſen, die Romanleſerei; romanhaft, Bw., romanähnlich, erdichtet, abene
teuerlich, ſchwärmeriſch ꝛc.; romantiſch, Bw. (franz. romantique), im
Geiſt und Geſchmack des chriſtlichen Mittelalters und der neueren volks—
mäßigen Kunſt (entg. dem Antiken od. Claſſiſchen); auch dichteriſch-ſchön,
maleriſch, reizend, zauberiſch 2c. (4. B. eine romantiſche Gegend u. dgl.);
die Romanze, M. -n, (fpan. u. franz. romance), ein kleineres erzählendes
Gedicht in Korm eines Liedes, ein Gefchichtlied.
Römer 1. m., -8, M. w. E. (altd. Römari), die Römerinn, M. -en,
Eingeborene der Stadt Rom; bef. Bürger des alten Noms od. des alts
römifchen Staats; der Nömer, aud Namen des Nathhaufes in Frank—
furt a. M. (mo ehem. die römiſchen Kaifer gewählt wurden; n. X. ehem. im
Befig einer Zamilie „Römer"?); die Nömerinn, landſch. auch f. Wolfs—
od. Tolfkirfche; die Römerfahrt (ehem. auch Romfahrt), Wallfahrt nach
Rom; überh. Pilgerfahrt nach einem Ablafsorte; der Nomermonat, im ehem.
deutfchen Staatsrecht: die Steuer, welche die Reichsftände zu einem Reiche»
Eriege u. dgl. bewilligten, (urfpr. die monatlich erlegte Steuer zu dem Römer:
zuge, d. i. dem Zuge des erwählten Kaifers nad) Rom); römiſch, Bw.
(altd. römise, rümisc), aus Nom ftammend, dort einheimifch, dazu gehö⸗
rend; von den Römern herkommend, denſelben eigen od. angemeſſen (ein
römischer Bürger; das römiſche Reich; das römische Recht; die römiſche od.
römiſch- Eatholifche Kirche; die römiſche Ordnung, die jüngfte, aus den
griechiſchen zuſammengeſetzte Säulenordnung; der römiſche Kümmel, der
gemeine Gartenfümmel; das vömifhe Roth, eine Art rothen Eifenoders) ;
der Nömling, -e8, M. -e, Neuw., ein unechter Römer, ausgearteter
Abkömmling der alten Römer.
Römer 2. m., —s, M. w. E. (niederd. Römer; oberd. verkl. Römerle;
holl. roomer, engl. xummer, fchiwed. remmare; urſpr. wohl überh. Gefäß,
verw. mit Raum?), eine Art bauchiger, gew. grüner Weingläfer, bei. zu
Rheinwein.
Rommer, m., -3, landfch. ein an den Füßen gezeichnetes Schaf.
Rompennuſs, w., landſch. f. Muskatennufs.
Kone, w., M.-n, (gem. Ron od. Ronen; altd. der ron, rone), oberd.
ein Baumftamm, bei, ein vom Winde fammt den Wurzeln ausgeriffener,
auch Baumftumpf, abgefägter Klotz.
Nonne od. Rönne, w., M.-n, niederd. f. Rinne, Gerinne; das Rön—
nel, -9, Wafferb. ein mittelmäfiger Strom od. Auslauf im Vorlande eines
Deiches.
roof, Bw. (vergl. Ruf, Rufe), niederd. Landw. f. troden und mürbe
(vom Boden).
Roof, m., -e8, M. -e (angelf. hrof, engl. roof, isländ. röf, röfur, holt,
roef, Dach; vergl. das oberd. die Rafel, ein Vordach; f. auch Raff), nies
derd. die Bogendede über dem Hintertheil eines Schiffes u. der Raum uns
ter derfelden, Schiffsverſchlag; daher: der Roofbalken.
Rooß, ſ. es, M. -e (auch der Roſt; oberd. der Raß, altd. räza, w.;
holl. räte; eig. Strahl — d. lat. radius; vergl. das franz. rayon de miel),
landſch. f. Wahsfheibe, Honigwabe im Bienenftod, das Gewirk.
röſch, Bw. (gem. auch räſch, reſch, raiſchz altd. rösche), oberd. 1. f.
536 Roſe
hart u. ſpröde, beim Zerbrechen krachend, harſch (z. B. Brod, gefrorener
Schnee; Bergw. röſches Gewächs, d. i. ſprödes Glaserz), auch f. heifer,
rauh; — 2. (vergl. raſch u. riſch) f. ſehr abhängig, jäh, ſteil; raſch, leb—
haft, heftig, rüſtig, munter, friſch; — daher die Röſche od. Röſchheit,
1. f. Sprödigkeit; 2. Steilheit, Abhängigkeit; Raſchheit; die Röſche,
auch f. Abhang, Fall od. Gefälle eines Fluſſes; Bergw. ein Waſſergraben
(gem. Reffe); röſchen, ziel. 8w., 1. oberd. f. röſch machen, härten, röſten
(die Kälte röſcht den Schnee; der Braten wird geröſcht 2c.); 2. Bergw. einen
Waſſergraben führen; das Röſchgewächs, Bergw. eine Art Sibererz.
Hofe, w., M.-n; Verkl. das Nischen, oberd. Röslein, (altd. rösa,
röse, legteres auch männl.; oberd. Rofenz angelf. röse, ſchwed. rosz zunächſt
wohl von dem lat. rosa? daher franz. rose; vergl. das griech. Öodor;. verw.
mit voth, lat. russus, ital. rosso, niederd. 2082), 1) die ſchöne, wohlrie—
chende, in der Negel rothe, doch auch weiße oder gelbe: Blume eines
dornigen Staudengewächfes, feit alter Zeit ein Sinnbild der jugendlichen
Schönheit, der Freude und Liebe (Rofen pflüden, uneig. f. Freuden genießen;
Nofen freuen, f. Freuden bereiten; keine Rofe ohne Dornen, ſprichw. f. Keine
Freude ohne Leid; insbef. auch von der jugendlichen Röthe des Gefichts: die
Roſen ihrer Wangen 2c.); es giebt eine Menge verfchiedener Arten, als: bie
gemeine, wilde 0d. Hagerofe mit wenigen Blumenblättern; die mehr od. weniger
gefüllten Gartenroſen, bef. die hundertblättrige (fr. Gentifolie), ferner die Band»,
Baum, Bifam:, Erd, Flatter-, Haus, Kaifer-, Mair, Monate, Moos >,
Prinzen:, Purpurs, Sammt-, Wein, Zimmt-, Zwergroſe 2c., die mattrothe,
fleifchfarbige, feuerrothe, dreifarbige, gefprenkelte, immergrüne, dornloſe Rofe 2c.;
2) verfchiedene der Roſe ähnlihe Blumenarten, als: die chineſiſche
Roſe, eine Art des Eibifches; die japanifhe Rose, ein Staudengewächs
mit großen, hochrothen Blumen; der Feldmohn: Felde, Korn-, Klatſch—
roſe; die Gicht- od. Pfingftrofe (ſ. d.); die Pappel od. Malve: Stock-,
Herbftrofe; die Rofe von Sericho, landſch. f. das Geißblatt, auch ein am
vothen Meere einheimifches Gewächs 20.5 3) rofenäbnliche Theile an Pflanz
zen oder Thierförpern, insbef. Yandfch. f. die Blume des Blumenkohl;
röthliche Auswüchſe auf Baumblättern, von dem Stich eines Infectes her—
rührend (Weiden, Buchenroſen 20.5 gem. Wunderrofen genannt); Jäg.
ber Eraufe Kranz an dem unteren Theil eines Hirſchgeweihes; auch Namen
einiger Schalthiere, insbef. eine Art Tellmuſchel: die glatte Rofe; u. f.
Seeftern; 4) künſtlich gemachte roſenähnliche Figuren, Verzierungen ıc.,
3. B. eine Rofe von Bändern, d. i. eine Art runder, krauſer Schleifen; bie
Roſe in einem Fenfter, d. i. rofenförmig zufammengefegte Scheiben; eine Nofe
aus Edelſteinen; vofenähnliche Verzierungen von Gips an Deden, Wänden ꝛc.;
Buchbinderverzierungen: Röshen (fr. Rofetten) 2e.; vergl. auch Windrofe;z
5) eine glänzendrothe Entzündung auf einem Theile der Haut des menſchl.
“ Körpers, auch der Rothlauf, das heilige Feuer 2. genannt (die Rofe im
Geſicht, am Fuße ze. haben); 6) Nofe (od. Roſa) -ens, Berl. Nischen,
weibl. Zaufnamen; — 3feg. die Roſenader, f. v. w. Frauenader, f. d.;
dev Nofenaffe, eine Art fehe Kleiner langſchwänziger Affen; roſenähnlich,
sartig zc., Bw.; der Nofenapfel, verfciedene Apfelartenz die Frucht der
Hagerofe: Dagebutte; ein ſchwammichter Auswuchs an den Zweigen des wilden
Rofenftrauches, Schlafapfel, Rofenihwamm, von dem Stiche des Nofen-
en 537
bohrers, einer Art Galtwespe, herrührend; der Nofenbaum, ein hochſtäm⸗
miger Roſenſtock; auch f. Alpenroſe; Lorberrofez die Nofenbeere, Hagebutte;
das Nofenbeet, ſ. Beet; rofenbefränzt, =beftreut ıc. Bw.; die Roſen—
biene, eine Art Bienen, die zu ihrem Neft in der Erde Roſenblätter gebraus
hen; die Roſenbirn, eine Art gelblich grüner und röthliher Birnen; das
Nofenblatt, Blatt der Rofe, u. des Rofenftrauches; dev Roſenbock, eine
Art Holzböce (Infecten) mit rofenartigem Geruch; der Rofenbufch, f. u.
Rofenftok; der Roſendorn, wilder Rofenftod, Feld» od. Hundsroſe; der
Rofenduftz die Roſenerbſe, Doldenerbfe, deren doldenweife zufammenftes
hende Blüthen gleichfam eine Rofe bilden; der Rofeneffig, auf trodene Rofen«
blätter gegoffener Eifigs die Nofenfarbe, die gewöhnliche hellrothe Farbe der
Roſen; daher rofenfarben (verkürzt: rofenfarb) od. rofenfarbig, Bw.,
roſenroth (fr. roſa); das Roſenfeſt, ein ländliches Feſt, wobei das tugend—
hafteſte Mädchen des Dorfes mit einem Roſenkranz geſchmückt und das Rofen-
mädchen genannt wird; der Rofenfinger, dicht. ein zart gerötheter Finger;
rofenfingerig, Bw., folhe Finger Habend; der Roſengarten; das Rofen-
gebüfch, «geländer, -geftäude u. dgl. m.;.das Nofengewinde; die Rofenz
grille, eine Art Baumheimchen oder Heuſchreckengrillen; das Rofengut,
Bergw. gediegener Zinkvitriol, aus Blättern beftehend, die in die Runde aue-
gebreitet find; der Rofenhain, f. Hain; die Rofenhede, ſ. Hede; der
Rofenholder, eine Art des Schlingbaums, deſſen weiße Doldenblumen eine
Roſe bilden; das Roſenholz, das Holz des Roſenſtocks; ein ausländ. feines
Holz mit Rofengeruc (fr. Rhodiſerholz), woraus das Roſenholzöl bereitet
wird; der Roſenhonig, ein mit Honig eingekochter Rofenaufgufs; dev Ro—
fenfäfer, ein Eleiner grüner Käfer mit goldglängendem Halje und Kopfe, der
ſich gern auf den Rofen aufhält; das Rofenkehlchen, eine Art Kernbeißer mit
rofenrother Kehle; die Roſenkette, ein Roſengewinde; uneig. ein angenehmes,
fanft bindendes Verhältniis; die Roſenknospe, landſch. auch der Roſen—
Enopf, f. Knospez der Roſenkohl, eine feine Art Kohl mit krauſen Sproſſen;
die Nofenkoralle, gelbe Sternkoralle mit roſenrothen Sproffenz der Roſen—
franz, 1) ein von Rofen geflochtener Kranz; 2) in der röm. Kirche: auf eine
Schnur gereihete Eleine Kugeln, nach deren Zahl man die gewöhnlichen Gebete
herſagt (den Rofenkrang beten ꝛc.; fr. Paternofier; mittl lat. sertum rosaceum;
vielleicht weil die Kügelchen ehem. die Geftalt von Roſen hatten?); uneig. eine
Art Ihierpflanzen (sertularia L.); die Rofenfranzmühle od. das Nofens
kranzwerk (fr. Paternofterwerd), Wafferb. eine Schöpf: od. Zugwafler-Mafchine
mit einer aus ledernen Kugeln beftcehenden Kette; der Rofenkreuzer, Benens
nung der Mitglieder eines zu Anfang des 1Tten Sahrh. bekannt gewordenen
geheimen Bundes, welcher Verbefferung der Kirche und des Staätes bezweckte
(nad dem vorgeblichen Stifter Chriftian Rofentreuz im 14. Iahrh. genannt);
das Nofenfupfer, feines, rothes Kupfer; die Nofenlaube, f. Laube; der
Roſenlauch, eine Art Lauch mit rofenfarbigen Blüthen; die Rofenlippe,
ſchön rothe Lippe; der Mofenlorber, ſ. Lorberrofe; das Roſenmädchen,
ſ. Rofenfeft; die Nofenmelde, eine Art Melde im füdl. Europa; der Rofen-
monat, dicht. Nofenmond, der Monat Julius, in welchem die Rofen blü—
hen; uneig. eine fchöne, freudenreiche Zeitz der Nofenmund, ein ſchön rother
Mund; Naturk. verſchiedene Schnedenartenz das Roſenöl, ein aus KRofen-
blättern gewonnenes Eoftbares, wohlriechendes Ol; die Rofenpappel, eine
538 Röſe — Rosmarin
Art Malven mit röthlihen Blumen, rothe Pappel, Stockroſe; rofenroth,
Bw.; das Rofenroth, die roſenrothe Farbe; der Rofenfchwamm, f. o.
Rofenapfel; der Rofenfonntag os. Rofentag,-in der röm. Kirche Namen
des Iten Sonntags vor Oftern (Lätare), an welchem die Päpfte die zu Ges
ſchenken beftimmten goldenen Rofen zu weihen pflegten; der Rofenfpath, ro«
fenrother Kalkſpath; die Rofenflaude, ſ. Rofenftodz; der Rofenftein, ein
Baumftein (Dendrit) mit rofenähnlichen Zeichnungen; auch ein unten platt u.
oben mit vielen Eleinen Flächen eig gefchliffener Stein, bef. Diamant (fr. Ro—
fette); der Roſenſtock, das Rofen tragende Gewächs, bef. fofern es im Gar _
ten oder im Topfe ftaudenförmig gezogen wird, auch die Rofenftaude; im
freien Lande fich jelbft überlaffen wächſ't es mehr ftrauch- od. bufchförmig und
heißt dann: Rofenftraud) od. =bufch; der Rofenftrauß, f. Strauß; dag
Nofentuch, im Handel f. rothes Farbeläppchen; die Nofenwange, ſchön rothe
Wange; rofenwangig, Bw.; das Rofenwaffer, aus Rofenblättern abges
gezogenes Waffer; der Rofenwegerich, eine Art des Wegerichs, deffen Blät»
ter roſenförmig zufammenftehen; die Rofenweide, eine Art Weide, deren
Blätter in sofenförmigen Büfcheln ftchen; der Nofenwidler, eine Raupe,
welche die Blätter der Rofenfträucher zufammenwidelt; die Roſenwurz, eine
Pflanze mit rofenähnlich riechender Wurzel auf den Alpen u. in Lappland; die
Reoſenzeit, Zeit der Rofenblüthe; uneig. eine Freuden- od. genufsreiche Zeit,
bei. die Jugendzeit; — Ableit. rofig, Bw., eig. Nofen habend od. entz
haltend, mit Nofen geſchmücktz gew. f. das r. roficht (alt- u. oberd.
roeseloht, röfeleht), rofenähnlich, bef. roſenroth (vofige Wangen; ein rofiger
od. rofichter Schein); überh. f. ſchön, lieblich.
Röſe, w., M. -n, landfch. f. Roſt, Röſte, insbef. ein meilerartiger Haue
fen von Gipsfteinen und Holz zum Brennen des Gipfes.
Röſelein, f., -8, M. w. E. (wahrſch. aus Bröfelein, Bröfel entft.),
oberd. f. ein Bischen, ein Elein wenig. 2
Röſel- od. Rofenwurft, w. (vgl. das angelf. hrysl, u. das fchrwed. rösen,
Fettwanft, Fett), oberd. f. Ölutwurft, Rothwurft; der Röſel- od. Rofens
ſchnitz, bair. f. ein Abfchnitt von einer folhen Wurft.
rofen od. rofeln, ziel. 3w. (vergl. riefeln u. das angelf. hrysan, fchütteln),
oberd. f. das Getreide reinigen, fieben.
Nofenader ꝛc. — Rofenzeit, ſ. Rote; — Rofenwurft, ſ. Röfehvurft.
> rofig, rofiht, ſ. unter Rofe.
Roſine, w., M. -n, Berl: das Roſinchen, (vom franz. raisin, Wein«
traube), getrocknete Weinbeeren: große Rofinen, u. Eleine R. oder Korins
then; falfche Rofinen, d. i. wilde Sohannisbeeren; das Nofinenfleifch,
in einer Rofinenbrühe gekochtes Fleiſch; der Rofinenmeth od. wein, ein
aus Rofinen, Honig und Waffer duch die Gährung bereitetes Getränk; die
Rofinfarbe, bist. f. hochrothe Farbe (etwa wie die der morgenländ. Rofinen?
“od. wahrfch. f. Rofenfarbe, von dem altd. Bw., rosin, f. lat. roseus, rofig)
daher rofinfarben, rofinroth, Bw., diefe Farbe habend.
Rosmarin, m., —es, 0. M. (vom lat. ros marinus, d. i. eig. Meerthau),
eine wohlriechende Pflanze mit dunfelgrünen, ſchmalen, dien Blättern,
im füdl. Europa bef. an den Meeresfüften wild wachfend, bei uns in Gärten
gezogen, im Volksglauben ein finnbildliches Gewächs, welchem man vorzüglich
eble Kräfte zuſchreibt, bef. als Schmud bei Hochzeiten 2c.; Ifeg. bad No
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Roß — Roſs 539
marinblatt; der Rosmarineffig, -geiſt; die Rosmarinheide, eine dem
Rosmarin Ähnliche Heide-Art, Eleiner wilder Rosmarin; das Nosmarin-Dl;
der Rosmarinftengel, =zweig; der Rosmarinftod, -ſtrauch; das Ross
marinwaffer; die Rosmarinweide, eine Art Weide, deren fehr Eleine Blät—
ter den Rosmarinblättern ähneln, Eleine Haarweide.
Roß, f., ſ. Rooß.
Roſs, ſ., Roſſes, M. Roſſe (oberd. gem. Röſſer); Verkl. das Röſs—
hen, oberd. Röſslein, (altd. hros, ros, ors; angelſ. hors, engl. horse, iss
länd. hross, hryssi, ſchwed. hors, ors; vergl. das franz. rosse, ein ſchlechtes
Pferd; wahrſch. verw. mit raſch, ſ. d.) urſpr. u. noch oberd. überh. f. Pferd,
ſ. d. (fo noch in vielen Zſetz., ſ. u.), im Mittelh. beſ. ein Streitroſs; jest
das edlere, bef. dicht. Wort f. ein Pferd edler Art, be. Reitpferd, muthis
ges, Schnelles, Eriegerifches Pferd; uneig. bei den Tuchmachern, Riemern zc,
eine Bank, auf welcher der Arbeiter rittlings ſitzt; Bauk. zwei auf einander ger
kämmte Träger, eine Laft zu tragen: eir gefpanntes Rofs; in den ungar.
Bergwerken: ein Kohlenmaß — 4 Fuder (wahrſch. von eignem Stamme); —
3fe$. (in denen Rofs, wie Pferd, häufig den Begriff der Größe od. auch der
fhlechteren, gröberen Befchaffenheit hat): die Nofsameife, T. Pferdeameife;
der Roſsapfel, 1) der rundliche Pferdekoth (Pferdeapfel); 2) die Frucht des
oftind. Rofsapfelbaumes, welche ein ſchwammichtes Mark enthält; der Roſs—
arzt zc. f. Pferdearzt; der Roſsbalg, Nofsbauch, landſch. f. rothe Pflaume
(vielleicht zum niederd. roſs f. roth gehörig); der Roſsbalſam, f. v. w. Roſs⸗
od. Pferdemünze (f. d.); der Roſs- od. Moffebandiger; die Nofsbeere,
blaue Heidelbeere; die Nofsbohne, ſ. Pferdebohne; der Roſsbube, oberd.
f. Pferdejunge, Pferdeknecht; der Roſsdienſt, ein dem Landesherrn zu leis
ftender Ritterdienft zu Pferde; auch f. Pferdedienft; die Nofsdille, ſ. Pferdes
dille; die Nofsdroffel, Ringamfel; der Rofsegel, Rofsblutegel, eine Art
großer Blutegel, Pferdeegel; das Roſseiſen, alt. u. oberd. f. Hufeifen; die
Roſsente, gemeine wilde Ente; der Rofsfarn, eine Art Farnkraut, Adler>,
Saum-, Flügel, großer Waldfarn zc.; der Rofsfenchel, Pferde- od. Waſſer⸗
fenchel; die Rofsfliege, 1. Pferdefliege; der Roſsgeier, Aasgeier, der den
gefallenen Pferden ꝛc. nachgeht; das Nofsgefpann ꝛc.; das Rofsgras, f.
Pferdegras; das Nofshaar, f. Pferdehaar; rofshären, Bw., von Pferdes
haaren gemacht, damit ausgeftopft 2c.; der Rofshandel, Pferdehandel; der
Roſshändler; der Roſshirſch, f. Pferdehirſch; der Nofshuf, Pferdehuf;
uneig. f. Huflattich; der Roſskäfer, Miftkäfer, Pillenkäfer, der ſich gern im
Hferdemift aufhält; gehörnter Rofskäfer, der Hirſchkäfer; der Roſs—
kamm, 1) Pferdefamm od. -ftriegel; 2) ein Pferdehändler, bef. fofern er mit
Pferden Zaufchhandel treibt (von dem mittl. lat. cambium, Taufchhandel,
cambiare, taufchen), auch Rofstaufcher od. -täuſcher, landſch. Ro ſs—
mange oder =manger (ſ. Manger); die Roſskaſtanie, ſ. Kaſtanie; die
Roſsklette, eine Art großer Kletten, Bergklette; der Roſskopf, uneig. f.
Quappe, Kaulfroſch; die Roſskrücke, von Pferden gezogene Schlammkrücke;
rofsfrüden, untrb. ziel. Zw., mittelſt einer ſolchen reinigen (einen Gra—
ben ꝛc. —); der Roſskümmel, eine dem Kümmel ähnliche Art des Lafer
trautes (laserpitium siler L.); auch f. Silau od. Bärwurz; u. f. Schierling;z
rofsfundig od. roffefundig, Bw.; die Roſskunſt, ein von Pferden beweg-
te8 Triebwerk; der Roſslattich, Huflattich; das Roſsleder; der Roſs⸗
540 roſs — Roft
od. Moffelenker; der Rofsmarkt, Pferdemarkt; das Nofsmaul, Natürk.
f. Wallroſs; die Nofsmüde, Vichbreme; die Nofsmühle, ſ. Pferdemühle:
der Nofsmüller; die Roſsmünze, f. Pferdemünze; der Nofsnagel, Nagel
zum Befchlagen der Pferde; die Rofsneffel, eine mit dem Andorn verwandte
Pflanzengattung; die Roſsnuſs, |. Pferdenufs: die Roſspappel, verich.
Pappeln= oder Malven-Arten; auch f. Peſtwurzel; die Rofspflgume, die
größte Pflaumenart, Eierpflaumez der Rofspolei, f. v. w. Roſsmünze; auch
eine dem Polei ähnliche, aber größere Pflanze, Andorn; die Rofsramme,
eine durch Pferde in Bewegung gefeste Ramme; der Rofsreigel, landſch. f.
Rohrdommel; die Rofsrübe, Zaunrübez der Nofsfchwanz, Pferdeſchwanz;
uneig. f. Kannenkrautz Sadebaum: Rofsihwanzbaum; der Rofsfchwefel,
f. Pferdefchwefel; der Roſsſchweif, Pferdeſchweif; im türk. Kriegsweien ein
als Standarte dienender an einer Stange befeftigter, reich verzierter Pferdes
fchweif, als Zeichen einer hohen Befehlshaberwürde (daher: ein Paſcha von
2, 3 Rofsichweifen 20.); Naturk. f. v. w. Roſsſchwanz; auch ein Seefiſch
von dem Geflecht der Meerhafen; der Nofstaufcher od. gew. -taufcher, f.
Roſskamm; das Rofsveilchen, ſ. v. w. Hundsveilhen; die Rofswacht, alt
f. Wache zu Pferde, Reiterwache; der Nofswächter, Wächter zu Pferde;
die Roſsweide, Bruch- od. Knackerweide; die Roſswicke, Zutterwice, Feld⸗
wicke zum Futter für Pferde 2c.; der Roſswiebel, landſch. f. Roſskäfer; die
Roſswurz, ſ. v. w. Pferdewurz; die Roſswurzel, Zaunrübe; der Roſs—
zahn, uneig. Naturk. f. ſchwarzes Bilſenkraut; — Ableit. das Röſſel, -8,
gem. oberd. Verkl. f. Röſslein, Röſschen, GKöſſel pringen, ein Spiel,
wobei man ſich in eine Reihe hinter einander ſtellt, und der Hinterſte über die
Köpfe der Vorderen wegſpringt); der Röſſelſprung, ein künſtliches Ziehen
des Springers oder Pferdes im Schachſpiel, ſo daſs derſelbe alle Felder des
Schachbrettes, und zwar jedes nur einmal berührt; roſſen, zielloſ. Zw. m.
haben, gem. von den Stuten: nach dem Hengfte od. der Begattung verz -
langen; roſſig, Bw., nach dem Hengfte verlangend; der Koffer, Röffer,
Röſsler, -S, oberd. f. Pferdewärter, Pferdeknecht; Pferdeverleiher (Lchen-
röſsler); Nöfsler, chem. auch eine Münze mit einem Roffe im Geprägez
Weißgerb. ein Pfufcher, der die Felle an die Wand hängt und ftatt des Schab—⸗
eifens mit dem Meffer arbeitet (wahrfh. von anderem Stamme).
roſs, Bw. (gr. öovoros, lat. russus, ital. rosso, franz. roux, engl. russet),
niederd. f. roth, röthlichz daher das Nofsgeld, landſch. f. Rauſchgelb, ſ. d.;
der Röſsling, -es, M.-e, eine Art füßer Frühäpfel mit vothen Streifen.
Roftl., m., -e8,; M. (ſeltem) -e (altd. rost, angel. engl. ſchwed. dän.
xust; isländ. ryd; oberd. auch Rott; entweder verw. mit röt, niederd. vofs,
roth, wie das latein. rubigo von ruberz oder wahrſch. vom altd. rozjan, rozen,
angelf. rotian, niederd. rotten, verrotten, f. faulen, oberd. rößen, in Fäulung
bringen), ein durch Feuchtigkeit ſich entwicdelnder erdartiger Anfag an den
unedlen Metallen (z. B. Bleivoft, Kupferroft, 'gew. Grünfpan genannt), in
engerer Bed. der Eifenroft (der Roft zerfrifit das — in weiterer Bed.
auch ein ähnlicher Anfag an der Oberfläche anderer Körper, z. B. Bergw.
eine im Waffer aufgelöfte Erdart, die fi) als Rinde an andere Körper ans
legt; der Mehlthau od. Brand am Getreide; gelbe od. braune Fleden an:
Gewächfen, welche bei der Berührung als ein Staub abfliegen;z an den Nel:
fen: gelber Roft, d. i. das Gelbwerden der Wurzel ald beginnende Fäulniſs;
Koft | 541
weißer Roft, d. i. ein um ſich freffender weißer Flecken an den Blättern, wel»
cher die Pflanze endlich tödtet; Münzw. der Zufaß zum Golde und Silber.
bei der Münzbeſchickung; — 3fes. das Roſtband, eine Art Schnirkelſchnecken,
deren Schale mit roftfarbigen Bändern gezeichnet ift; roftbraun, Bw., braun;
wie Eiſenroſt; die Noftfarbe, die gelöbraune Farbe des Eifenroftes; daher
toftfarben od. roftfarbig, Bw.; der Roftfleden, ein vom Roft Herrührenden
Flecken auf Metall; das Roſtfleckchen, Naturk. eine Art Porzellanſchnecken
mit voftähnlichen Flecken; das Noftpapier, Papier mit einer Maffe überzogen,
welche den Roft wegnimmt; der Roſtſchwamm, voftfarbiger Blätterſchwamm;
die Roftweihe, Sumpf: od. Moosweihe (wegen ihrer Roftfarbe); — Ableit.
roften, landſch. gem. auch roftern, ziellof. Zw. m. haben-und fein (altd.
rostjan, rosten, aud) rostagön; angelf. rustjan), Roſt anfegen; auf der
Dberfläche verkalkt werden (das Eifen voftet, hat oder ift geroftet); ehem.
überh. ducch innere Auflöfung zerftört werden, verwefen, verderben (da⸗
her uneig. ſprichw. alte Liebe roftet nicht, d. i. vergeht nicht); roſtig, Bw.,
gem. auch rofterig (altd. rostag), Noft habend, von Roft ergriffen; Bergro.
aufgelöfte metallifche Erde enthaltend (roſtiges Waſſer; f. o. Roft); rö—
ften 1., ziel. 3w. (das Factitivum von roftenz oberd. auch rößeh, rötzen,
rötten; nieberd. röten von rottenz f. o. Roft), eig. roften d. i. verwefen
machen; doch nur in engerer Bed. durch Feuchtigkeit mürbe werden laffen,
insbeſ. den Flachs und Hanf—, fo lange im Waffer liegen laffen, bis ber
Bafi mürbe wird; auch das aejchnittene Getreide —, liege laſſen, damit
eö, vom Thau ‚od. Regen befeuchtet, Leichter auszudrefchen fei; die Röſte 1.,
1) 0. M. das Röſten; 2) M. -n, (oberd. die Röß, niederd. Röte, Rate)
der Drt in einem Waffer, wo Flachs und Hanf geröftet wird; auch die
* ganze Maffe Flachs, welche auf einmal geröftet wird.
Roſt 2. m., -e3, M. Röſte (altd. vöst, m. u. rösta, röste w., altnord.
rist, ſchwed. rostz niederd. Rofte u. Röfter; Grundbegriff wahrſch. Erhöhung,
vergl. das altſächſ. hrost, Dach), 1) überh. ein erhöhetes Gerüft oder ein
aufgefester Haufenz ehem. bef. ein Scheiterhaufenz; Bergw. ein aus Erz,
Holz und Kohlen aufgefchichteter Haufen, welcher angezündet wird, um die
wilden Maffen aus-dem Erze zu treiben, was röften genannt wird (einen
Roſt beiten, auflegen; den Roft abziehen, d. i. das gebrannte Erz heraus»
ziehen); auch das auf diefe Art geröftete Erzs ferner die zum Kalkbrennen
aufgerichteten Haufen von Kaltfteinen und Holz, und die auf einmal zu bren-
nende Menge von Kalkfteinen (|. Kalkroft): Bergw. überh. eine gewiffe
Menge, ein Maß G. B. ein Roft Zwitter — 60 Fuder; ein Roft Schlich
— 30 3entner); 2) bef. ein aus Stäben, Stangen ıc., die neben einander
fortlaufen oder ſich kreuzen, beftehendes Gerüft oder Geftell; daher Baum.
ein auf eingerammte Pfähle gelegter hölzerner Grund zu einem Gebäude,
aus mehren kreuzweiſe geſchränkten Schwellen .beftchend; auf Feuerherden, in
Dfen zc. ein Gitterwerk von eifernen Stangen, auf welches das zu brennende
Holz gelegt wird; insbe. ein Küchengeräth, beftehend in einem mit Füßen
und einem Stiele verfehenen eifernen Gitter, auf welchem Speifen über
Kohlenfeuer gebraten (g eröftet) werden (Bratroft); daher auch überh. 3) ein
Gitter- oder Flechtwerk, z. B. in manchen Gegenden das Gitter über der
Grube unter der Kichhofsthürz chem. auch f. das Helmgitter (f. d.); — Zſetz.
das Roſtbett, Hüttenw. der Plas, auf welchem ein Roſt zubereitet wird; der
342 Roſt — roth
Roſtbraten, das Roſtfleiſch, auf einem Roſt über Kohlen gebratenes Fleiſch
Cr. Carbonade); der Roſtbrenner, Hüttenw. wer das Röſten der Erze ver»
zichtet; der Roftläufer, wer das geröftete Erz in den Schmelzofen karrt;
der Noftpfahl, ein eingerammter Pfahl zu einem Baurofb (ſ. o. 2); die
Koftpfanne, eine eiferne Pfanne, etwas darin zu röften; auch f. Bratpfanne;
die Roſtrippe od. das Roftrippehen, auf dem Rofte gebratenes Rippenftück
chen (fr. Gotelette); die Roftfchwelle, eine Schwelle in dem Roſt eines Ges
bäudes; der Roftftab, eiferner Stab in dem Roſt eines Herdes, Ofens 20.5
der Roftwender, Hüttenw. ein Arbeiter, welcher das unten liegende Erz aus
dem Rofte herauszieht und oben aufſtürzt; — Ableit. röften 2. ziel. Zw. -
(altd. röstjan, garostjan, roesten; roman. rostire, daher das franz. rötir,
\hraten), auf einem Roft oder in einer Pfanne über einem Kohlenfeuer
Lraten (leifch 26.); in weiterer Bed. bei einem mäßigen Feuer fehnell aus:
teodnen, ein höherer Grad des Dörrens (Kaffee —, gew. brennen; Mehl in
einer Pfanne—); Hüttenw. mittelft des Feuers die wilden Maffen aus
den Erzen treiben, die erfte Bearbeitung der Erze, worauf erft das Schmel-
zen folgt (f. 0. Roft 1); daher das Röſthaus, die Röſthütte, der Röſt—
fhuppen, das Gebäude, in weldyem die Erze geröftet werden; das Röſt—
hıylz, das zum Röſten der Erze dienende Scheitholz; der Röftofen, die Röſt—
ftöitte, der Ofen oder ummauerte Platz, wo die Erze geröftet werden; die
Röſtſchlacke, beim Röften der Kupferbleche entftehende Schladen; die Röſte 2.
Hiittenw. der Platz zum Röſten der Erze, die Röſtſtätte; auch der Noft
fetisft, def. der Kalkroftz der Röſter, —s, mer röftetz bei. Bergw. f. v. w.
Roftbrenner; röftern, Zw., holftein. f. auf den Roſt legen; auch fich Lange
mit etwas zu Schaffen machen.
WRoſt 3. m., landſch. f. Rooß im Bienenftode.
voth, Bw., Comp. röther, Sup. rötheft Caltd. röt, altfäch]. rod; isländ.
raucr, ſchwed. röd; angelf. read, reod, engl. red; vergl. das ſanskr. röhita,
griech. ———— lat. xuber, rutilus; bei der ganz gewöhnl. übertragung des
Hörbaren auf Sichtbares (vergl. grell, hell zc.) iſt es nicht unwahrſcheinlich,
dafs der Stamm diefer Wörter in der fanskr. Wurzel ru, fchallen, liegt),
Nannen einer bekannten einfachen Hauptfarbe, die fi) durch vorzügliche
Lebhaftigkeit auszeichnet und fehr mannigfaltige Abftufungen hat, als dunkel-,
hoch, hell-, blafsroth, blut», fcharlach-, Eupfer-, ziegel-, fuchs-, rofenroth ꝛc.;
in bejfonderer Anwendung: von der Farbe des Gefichts und einzelner Theile
desfelben (rothe Wangen, Lippen, ein rother Mund; roth werden, d. i. im
Geficht erröthen, bef. vor Scham; ſprichw. heute roth, morgen todt, d. i.
heute gefund und blühend 2c.), ferner: rother Wein, rothe Tinte; die rothe
Fahne, d. i. Blutfahne;z die rothe Ruhr, |. Ruhr; der rothe Hahn, f.
Hahn; im deutfchen Kartenfpiel die durch rothe Herzen ausgedrücte Farbe (da
‚ber das rothe Daus, der rothe König ꝛc.; roth ausfpielen ꝛc.); Berg- und
Hüttenw. rothes Gebirge, d. i. eifenfchüffige Bergart; das wahre rothe
Todte, d. i. cine röthliche taube Erdart; rothe Glätte, die befte Bleiglätte;
other Bergfchwefel 2c.; b. Kupferfchmieden: die rothe Gluth, d. i. der
rothe Anſtrich auf der Außenfeite eines Keffels; in Zuderfiedereien: rother
Zuder:, nicht völlig gereinigter Ausfchufs-Zuder; in weiterer Bed. bezeichnet
roth auch verwandte Farben, namentlich: hochgelb (rothes Haar; vothes
Gold ıc.), und braun, be. röthlichbraun (eine rothe Kuh; das vothe oder
toth 543
Rothmwildbret, ſ. u.); das Roth, -e3 0. M., die rothe Farbe (ein ſchönes Roth;
das Abendroth; das Roth der Scham, oberd. auch der Roth); etwas Nothes,
be. ein vorher Färbefloff (2. 8. indifches Roth, auch rothe Erde ge
nannt); — Bfes. das Rothauge, eine Art Weißfiiche mit rothen Ringen um
die Augen, auch Röthling, RothEaraufche, brandenb. Rodaun; landſch.
auch f. Rothfeder; u. eine Art Schwimmſchnecken; rothäugig, Bw., rothe
Augen habend; die Rothbacke, verkl. das Rothbäckchen, eine Perſon mit
rothen Baden; rothbäckig, Bw., rothe Baden habend; der Rothbart, eine
Perſon mit rothem Barte (Friedrich der Rothbart, fr. Barbaroſſa); auch f.
Bartfiſch, Barbe; eine Art grauer wilder Enten; das Rothkehlchen; roth—
bärtig, Bw., einen rothen Bart habend; der Rothbauch, eine Art Spechte
mit voth gefledtem Baucdhe; der Rothbaum, Lärchenbaum; die Nothbeere,
f. Erdbeere; das Nothbein, eine Art Schnepfen mit rothen Beinen; das
KRothbeinholz, landſch. f. Hartriegel; der Rothbinder, landſch. f. diejen.
Fafsbinder, weldye große Gefäße aus dem dunkleren Eichen und Buchenholze
verfertigen, auch Schwargbinder, entg. Weißbinder; die Nothbirke, eine Ab-
art der gemeinen Birke, mit röthlicher Rinde, Wafferbirke; die Nothbirn,
eine Art rother dicker Birnen; das Nothbläfschen, eine Art Wafferhühner,
der Grünfuß; rothblütig, Bw., rothes Blut habend (vothblütige Ihiere);
rothbraun, Bw., ins Rothe fallend braun; rothbrüchig, Bw., Hüttenw.
vom Eifen, welches, wenn es rothglühend ift, unter dem Hammer leicht zer
bricht, entg. kaltbrüchig; Forftw. von Bäumen: nad dem Kerne zu fchadhaft,
fpröde u. röthlih, auch rothfaul, rothfeitig; oberd. f. finnig im Geficht;
die Rothbruft, verkl. das Rothbrüftchen, oberd. -brüſtel, f. v. w. Roth:
kehlchen; die Nothbuche, eine Art Buchen, deren Holz eine dunklere Farbe
hat, als das der Weißbuche; daher rothbüchen, Bw.; die Rothdocke,
landſch. f. Birkenpilg; die Rothdroſſel, Weindroffel (weil fie unter den Flüs
gen roth if); die Notheiche, gemeine Eiche, Wintereiche (mit dunflerem
Holz, als die Sommereihe); die Roth-Ente, eine Art Enten mit rothem Halfe,
auch Rothhals, RothEopfzc.; die Roth-Erle, gemeine Erle; der Roth.
färber, ſ. Färber; rothfaul, Bw., f. rothbrüchig; die Nothfeder, verſch.
Fiſche mit rothen Flofsfedern, bef. die Plötze, auch Rothfieder, Rothfloſſe
od. -floffer, Röthel zc.; die Nothfichte, eine Art Fichten mit rötherer Rinde,
als die entg. Weißfichte; der Rothfink, Buchfink; Dompfaff; der Rothfifch,
Alps od. Bergforelle mit röthlichem Fleiſch; auch f. Rothfohre, Röthling; roth—
fledig, Bw., rothe Flecken habend; die Nothfohre, 1) der Krummholzbaum
(Rothföhre); 2) zwei Arten forellenähnlicher Fifche in den Schweizer-Seen:
die große, und die Kleine Rothfohre, Lestere au Röthelein genannt; der
Rothfuchs, Brandfuhs; auch ein rothgelbes Pferd (Fuchs), deffen Farbe
fehr ins Rothe fällt, z. U. v. Licht: u. Schweißfuchs; der Rothfuß, f. v. w.
Rothbein; auch die wilde nordifhe Gans; rothfüßig, Bw., rothe Füße ha-
bend; die Rothgans, Baumgans; rothgar, Bw., durch Lohe gar gemacht
(Leder); rothgelb, Bw., ins Rothe fallend gelb; der Nothgerber, Lohgerber,
entg. Weißgerber; die Nothgerfte, ſechszeilige Wintergerfte; die Nothgerte,
landſch. f. Hartriegel; der Nothgießer, ein Handwerker, welcher Geräthe
aus Kupfer gießt, verſch. Gelbgiegerz der Rothgimpel, Dompfaff; roth-
glühend, Bw., mit rother Farbe glühend (Eiſen; verſch. weißglühend, wel—
ches der höchfte Grad des Glühens ift); rothgülden od. rothgüldiſch, Bw.,
544 roth
Bergw. von reichhaltigem Silbererz, welches eine hochrothe Farbe hat: Rothe
güldenerz; vothhaarig, Bw., rothes Haar habend; der Rothhals, verki.
das Rothhälschen, eine Art Strandläufer mit rothem Halfe; auch f. Roth:
Ente; u. f. rothbrüſtige Gans; der Rothhänfling, eine Art Hänflinge, deren
Vorderkopf und Bruft blutroth ift, Blut», Leinhänfling 2c.; rothhart, Bw,
Forſtw. von Bäumen, welche auf der einen Seite einen rothen brüdigen Strid
Holz haben; der Rothhirſch, der gewöhnliche rothbraune Hirſch, Edelhirſch,
3. U. v. Damhirſch; das Nothholz, rothes Holz, bei. Färbeholz (4. B. das
Brafilien,, Campeche-Holz 2.);. das Nothhorn, eine Art Nachtfchmetterlinge
mit einem rothen Horne; das Rothhuhn, landſch. f. Haſelhuhn; auch eine
Art Rebhühner im ſüdl. Europa, rothes Rebhuhn, Berghuhn; die Rothkappe,
verkl. das Rothkäppchen, eine Perſon mit rother Kappe (z. B. in dem bes
kannten Mährchen); Naturk. eine Art Pilze mit rothem Hute; die Rothkehle,
eine Art ſchwarzer Schlangen in Ägypten, mit einem blutrothen Flecken an
der Kehle, auch Blutkehle; das Rothkehlchen, ein bekannter Eleiner Sing:
vogel mit rother Kehle und Bruft, auch Rothbrüftchen, Rothkröpfchen,
oberd. RothEröpfel; der Rothknopf, eine Art des Judas- od. Griffelbaus
mes, Salatbaum 2c.; der Rothkohl, eine Art Kopfkohl mit dunkelcothen
Blättern; der Rothkopf, verkl. das Rothköpfchen, gem. eine Perfon mit
rothem Haare; Naturk. f. Roth-Ente; eine Art rothköpfiger Spechte; eine
Art Neuntödter: rothköpfiger Würger; eine Art vothköpfiger Meerbraffen z
rothköpfig, Bw., einen vothen Kopf habend; gem. f. rothhaarig; die Roth—
kugel, eine Art efsbarer Pilze; der Rothlachs, ein Lachs, deffen Schuppen
einen röthlichen Band haben; der Rothlauf, oberd. f. die Rofe als Krankheit
¶. Roſe 5); niederd. f. die rothe Ruhr (gew. der rothe Lauf); eine Krank
heit der Pferde, beftichend in Eiterbeulen u. Blattern an den Schenkeln; ein
hisiges Fieber der Schafe (das heilige Feuer); das Rothlaufkraut, Roberts-
Eraut, als Mittel gegen den Rothlaufz die Nothlippe, eine Art Klippkleber
mit rothgefprenkelter Schale; der Rothmantel, eine Perfon in rothem Mans
tel, auch Nothmäntler (Benennung der Kroaten im öftreich. Deere); die
Nothmaus, der Lemming, die norweg. Bergmaus; das Nothmetall, röth—
liches Meffing; der Rothmund, eine Art Trompetenfchneten, u. eine Art
Schnirkelſchnecken; rotymündig, Bw., einen rothen Mund habend; die
Kothnufs, eine Art Hafelnäffe, deren Kern mit einer rothen Haut überzogen
ift; der Rothpilz, Birkenpilz; der Nothrod, eine Perfon mit rothem Rode;
der Nothring, eine Art Napffchneden; die Rothrüfter, eine Art amerikan.
Küftern mit gelbem, hartem Holze; der Nothichenkel, verſch. Schnepfenarten
mit vothen Füßen; der Rothſchimmel, ein röthlich weißes Pferd (vergl.
Schimmel); der Nothichlag, Bergw. röthlichbraune Blende; der Roth—
ſchlägel, landſch. f. Dompfaff; der Rothſchmied, Landfch. f. Kupferfchmied;
der Rothſchnabel, eine Art brafil. Sperlinge mit rothem Schnabel u. Füßen;
auch eine Art Mewen; rothfchnäbelig, Bw., einen rothen Schnabel habend;
die Rothſchuppe, eine Art Eleiner Meerbraffen mit rothen Schuppen; der
Rothſchwanz, gew. verkt. das Rothſchwänzchen, ein zum Grasmüdenge-
ſchlecht gehörender Vogel mit rothem Schwanze, landich. Rothfterzchen,
Rothzagel ꝛc.; auch verfch. andere Vogelarten, z. B. eine Art vother Am
fein; rothfeitig, Bw., Forftw. 1. v. w. rothbrüchig u. vothhart; der Roth—
fpecht, der gewöhnt. Buntſpecht; der Rothſtein, ſ. u. Röthel; der Rothftift,
röthen — KRotte ° 545
Zeichenftift von Röthel; rothftreifig, Bw., rothe Streifen habend; der Roth—
firumpf, eine Perfon mit vothen Strümpfens Natur. der zimmtrothe Pilz;
dev Rothvogel, eine Art röthlicher Nachtigallen; der Blutfint, Dompfaff;
der Stieglig; rofhwangig, Bw., rothe Wangen habend; der Rothwenzel,
eine Art Bruftwenzel mit rothem Leib u. dunkelrothen Schwungfedern; das
Rothwild od. -wildbret, das gewöhnt. Hirſchgeſchlecht (ſ. o. Rothhirſch, u.
voth); die Rothwurſt, Blutwurſt; die Rothwurz, die röthliche Ruhrwurz;
der Rothwüftling, landſch. f. Rothkehlchen u. Rothſchwänzchen; der Roth-
ziegel, eine Art roter Käfermuſcheln; — Ableit. die Nöthe, o. M. (altd.
rott, roete, oberd. die Röt, Nöten), das Mothfein, die rothe Farbe eines
Körpers, bef. am menſchl. Körper (die Röthe der Haut, der Wangen, der
Augen; die Schamröthe 2e.); etwas Nothes, z. B. ein rother Schein oder
Glanz (Abend, Morgentöthe), bei. ein rother Farbeftoff (z. B. Färberröthe,
b. Särberöthe, ſ. d. u. Krapp: Aderröthe, eine Eleine Pflanze mit pur-
purrothen Blumen; wilde Bergröthe, eine Art des Waldmeifters); oberd.
Zäg. au f. das Blut; der Röthel, —s, M. w. E., überh. ein rother
Körper; insbef. 1) ein zum Zeichnen gebrauchter brauntother eifenfchüffi-
ger Spedftein, auch Nöthelftein, Rothftein, rothe Kreide ꝛc. genannt;
2) f. Rothfeder; 3) oberd. ein Rind von röthlicher Farbe; auch eine Vo—
gel Art (Steinrötheh; Zſetz. die Röthelerde, eine ftaubige, eifenhaltige
Erdart (englifche Erde); der Röthelgeier (auch Rittelgeier; wahrfch. von
anderem Stamm), eine Art Geier, der ſich in altem Mauerwerk aufhält und
von Eleinen Vögeln und Mäufen nährt; der Röthelſtift, Rothſtift; die
Nöthelzeichnung ꝛc.; das Nöthelein, -8, ſ. o. Rothfohre; die Rötheln,
0. E. (gem. niederd. Ritteln), eine den Mafern ähnliche Ausfchlagskranf-
heit der Kinder; rothen, ziellof. Zw. (altd. rötEn), völlig vlt. f. roth fein,
roth werden; röthen, Zw. (altd. rötjan, roeten) 1) ziel. roth machen, roth
färben (die Hände find geröthet von Blutz der Abend röthet den Himmel;
das Eifen—, d. i. roth glühen); rückz. fih—, roth werden; 2) felten ziel-
los f. roth werden (z. B. die Äpfel röthen ſchon; vergl. erröthen); oberd.
vom Rindoich f. voth harnen, Blut harnen; rötheln, ziellof. Zw., Neuw.
f. ein wenig voth werden; vöthlich fein; vöthlich, Bw., fich der vothen
Farbe nähernd, ins Rothe fallend; daher röthlihbraun, = gelb ꝛc.; der
Noöthling, -e3, M. -e, das Rothſchwänzchen; das Rothauge; eine Art
Lippfifche; eine Forellenart; ein röthlicher efsbarer Schwamm, Roth-,
Auguſtſchwamm; ein hellvother Wein; das Röthfchel, -8, Landich. f. das
fledige Flöhkraut od. Pfirfichkraut.
röthen 1. od. röten, 3w., Nöthe 1. od. Nöte, w., niederd, f. röften,
Röſte (f. unter Roft 1.) — Röthe 2. röthen 2. ꝛc. — Rothziegel, ſ.
unter roth.
rothwälſch, Bw., u. als Hw. dag Rothwälſch, (von Rot, welches in
dieſer Sprache felbft einen Bettler bezeichnet, u. wälfch f. fremd, ausländifch),
die gemifchte Sprache, welche die europ. Zigeuner, Gauner und land-
ſtreichenden Bettler unter fih reden, ein Gemifch von gemeinem Ober-
deutſch, Jüdiſchdeutſch u. felbftgemachten Wörtern; in weiterer Bed. überh.
eine unverftändliche, ſchlechte Mifchfprache, vergl. kauderwälſch.
Rotte 1. w., M.-n (mittelh. rote, rotte; gem. nieders u. oberd. Rob,
Rot, Rott; holl. rot, rotte, roote, sengl. ront; mittl. lat, ruta, rottaz alt⸗
Heyſe's Handwörterb. d, deutfchen Spr. 2. Shell 35
546 Rotte — Ro
franz. route f. Compagnie; flaw. rota; von dunkler Abſtammung; vgl. Rubel,
und das ſchweiz. Rood, Rhode f. Gemeinde, Landesbezirk, bef. in Appenzell)
1) überh. ein Haufen, ein Zrupp, eine Schaar von Menſchen od. Thieren
(z. B. Säg. eine Rotte Wölfe; Fleifch. auch ein Paar Schlachtthiere), bei.
Kıfpr. ehem. ein unter einem Befehlshaber ftehender Soldatenhaufen,
eine Kriegerſchaar von ſehr verfchiedener Zahl (von 6 bis 100 Mann, in
lesterem Fall f. das fr. Compagnie); in manchen Städten auch eine Bürger:
Abtheilung, z. B. bei Schügengefellfchaften, Feuerwachen 2c.; jest gew. in
engerer Bed. ein unruhiger, aufrührifcher Volkshaufen, in böfer u. ſchäd—
licher Abficht vereinigtes Gefindel, finnv. Bande (bibl. der Gottlofen Rotte;
eine Rotte Diebe, Räuber 2c.); auch verächtl. f. Partei; 2) oberd. f. Ord—
nung, Weihe, nach welcher eine Verrichtung, bef. das Fahren der Fuhr—
leute ꝛc., geſchieht (gew. Rod, z. B. das Salz durch Roden, Rodfahrten ze.
fortſchaffen; Kaufmannsgüter rottweiſe fahren; daher: Rottſtraße, Rott—
güter, Rottfuhrleute od. Rottleute ꝛc.); — Z3ſetz. der Rottengeiſt,
verächtl. f. Parteigeiſt; auch ein parteiſüchtiger Menſch; der Rottenmacher,
-ftifter, wer unerlaubte Verbindungen ſtiftet; rottenweiſe, Nw., nach od. in
Rotten, d. i. Schaaren, Abtheilungen; der Nottgefell, chem. ein Glied einer
Kotte, d. i. Kriegerfchaar; der Rottmeiſter, Rottenführer, der Anführer
einer Soldaten-Rotte (fr. Gorporal); Bergw. ehem. f. Schihtmeifter; —
Ableit. rotten, gew. mit fremdartiger Endung rottiren, ziel. u. bef. rückz.
3w. f. verfammeln, vereinigen, ſchaaren, eine Notte bilden (fi zu Se-
mand—; bibl. die Feinde rotten ſich zu Hauf); daher der Rottirer, -$,
Rottenmacher; Glied einer aufrührifchen Rotte; die Rottirung, niederd.
Rotterei (Rotterije), das Zufammenrotten, die Verſchwörung.
Rotte 2. w., M. -n (altd. hrotta, rotta, rotte; oberd. Rotten; altfranz.
rote, route), ehem. ein harfenähnliches fiebenfaitiges Tonwerkzeug; aud)
eine mit Saiten befpannte Drehleier; daher das Nottenfpiel; rotten, 3w.,
auf der Notte fpielen.
rotteln, ziellof. Zw., niederd. f. röcheln.
rotten, 3w., 1. f. Rotte 1. — 2. f. Rotte 2. — 3. ziel. Zw. alt und
landſch. f. reuten, voden, |. d. (bibl. ich will ihn mitten aus feinem Volke
rotten; jest nur gebr. in ausrotten); daher der Nottzehnte, f. v. w. Rode
od. Reutzchnte;s — rotten 4. ziellof. Zw. (niederd. gem. raten; isländ. rotna;
angelf. rotan, rotian, engl. rot; vgl. Roft 1., roften), landſch. f. faulen, ver⸗
wefenz bef. in verrotten; bafer rötten, ziel. 3w.; f. vöften (Flache);
rottig, Bw., f. voftig, faul; — rotten 5. ziel. Zw., auch rotteln (ſchweiz.
roden, rodeln; vgl. rütteln), oberd. f. regen, bewegen; ſchütteln, rütteln;
locker machen; daher rottenhaft, Bw., bair. f. regſam, rührig, geſund
von Ausſehen.
rottenweiſe, rottiren, Rottmeiſter, ſ. unter Rotte 1.
Rotz, m., -es, o. M. (altd. roz, hroz; von der Wurzel ruz, riuzan,
Thränen vergießen, weinen; daher altd. auch roz,. das Weinen, oberd. noch
rogen f. weinen; urfpr. alfo wohl überh. etwas Fließendes; über verw. mit
rozjan, faulen, f. Roft 1.9), der zahe Schleim, welcher fich aus den Drüs
fen der innen Nafenhaut abfondert, ein für unedel geltendes Wort, wofür
man lieber Nafenfchleim fagt; eine Krankheitder Pferde und Schafe, be⸗
ſtehend in ſtarkem Schleimausfluſs aus der Naſe; landſch. gem. f. Fäulniſs,
Rotzalaun — Rübe 547
Schimmel; — 3feg. der Rotzbart od. das Rotzmaul, niedr. ein mit Rotz
befudeltes Maul; ein Kind mit folhem Maule; der Rotzbube, NRoslöffel,
niedr. Schimpfw. f. ein junger unbärtiger Menfch; der Rotzfiſch, Schleim:
fiſch; Kaulhaupt, auch Rotzkolbe; der Rotzlappen, niedr. f. Schnupftuch;
die Rotznaſe, verkl. das Rotznäschen, gem. f. eine rotzige Naſe; auch ein
Kind mit einer ſolchen; als niedr. Schimpfw. ſ. v. w. Rotzbube 2c.; die Rotz—
ſchnecke, gem. f. nackte Erdſchnecke; der Rotzſchwefel, die gröbſte Art des
Schwefels, gegen den Rotz der Pferde gebraucht, auch Roſs-, Pferdeſchwefel;
— Ableit. rotzig, Bw., mit Rotz beſudelt, niedr. überh. f. ſchmutzig; den
Rotz habend (ein rotziges Pferd); die Rotzigkeit; rotzen, zielloſ. Zw., niedr.
f. den Rotz laufen laſſen, od. in der Naſe in die Höhe ziehen.
Rotzalaun, m. (von dem holl. rots, Felfen), Zelfenalaun, Alaunſtein.
roßen, 3w. 1. f. unter Rotz; — 2. (altd. rozjan, vgl. Roft 1.) oberd. f.
faulen, verwefen, abzehren; rößen, Zw. 1) ziellos f. v. m. rotzen; 2) ziel.
f. faulen machen, vöften (Flachs 2c.).
roßig ꝛc. — Rotzſchwefel, ſ. Rose.
Rubber, m., -8, M. m. E. (vergl. das engl. rub, reiben, ſcheuern;
rubber, Wifch, Raspel 2c., rub, Unebenheit), -niederd. ein eifernes Werk—
zeug der Segelmacher zum Ebenen der Näthe; rubberig, Bw. (Holl. rob-
belig), niebderd. f. rauh, uneben, holperig.
Rübe, w., M. -n, Verl. das Rübchen, oberd. Rüblein (altd. ruoba,
rüebe; oberd. Rucb, Nueben, niederd. Röwe, isländ. röfa, ſchwed. rofwa;
u. daneben altd. raba, rabe, räbe (vgl. Räbe), lat. rapa, griech. darrus, depuvs;
flaw. repa, engl. rape, franz. rave 2c.), überh. die rundliche, fpiß zulaufende,
fleifchige, efebare Wurzel verfchiedener Gewächfe, und diefe Gewächſe
felbft (z. B. gelbe Rübe od. Mohrrübe, |. d.; Kohlrübe; vothe Rübe, f. Man-
Hold); in engerer Bed. die weiße Nübe, eine Kohlgattung mit einer bald
platte, bald Länglich «runden efsbaren Wurzel, von verfch. Arten, al: Waf-
fer-, Sted-, Mair, Herbftrüben, Teltower od. märkiſche R., die Eleinfte und
feinfte Stedrübe 2c. (ſprichw. Alles unter einander mengen, wie Kraut und
Rüben, d. i. unordentlih; einem Rübchen fhaben, d. i. mit dem Zeige:
finger der rechten Hand wiederholt über den der Linken ftreihen, als nedende
Geberde des Spottes und der Schadenfreude); uneig. der in den Schwanz
übergehende Theil des Rückgrats beim Pferde (Schwanz-, Schweif-
rübe); einige Arten der Stachelfchnede, u. eine Art Blafenfchneden; —
3feg. der Nübenader, das Nübenbeet, feld, -land ꝛc.; rübenähnlich,
artig, =fürmig, Bw.; der Nübenbau; der Nübenbaum, ein ausländ.
Gewachs; der Rübenhahnenfuß, knolliger Hahnenfuß, f. d.; der Rüben-
Ferbel, eine Art Kälberkropf (f. d.) mit Enolliger, rübenförmiger Wurzel; der
Nübenrapunzel, gelber Gartenrapunzel mit rübenartiger efsbarer Wurzel;
auch eine Art Glodenbiume; der Rüben- od. gem. Nüberettig, landſch. f.
der gemeine ſchwarze Nettig, z. U. v. Meerrettig; der Nübenfamen, Samen
der eſsbaren Rübenz verfch. der Rübefamen od. Nübfamen, die Rübefaat,
gem. verkürzt: Rübſen, auch Raps, Rapfaat, oberd. Reps, der ölreiche Sa—
men einer Kohlart mit rübenähnlicher Wurzel, und diefe Pflanze felbft, welche
nur des Samens wegen gebaut wird; daher das Nübfamen-, gem. Rübfen-
DI, gem. bloß Rüböl, das aus dem Rübfamen gefchlagene Öl; die Rüben:
fcheide, eine Art Scheidenmufcheln; der Rübenweißling, ein Schmetterling,
35*
548 Rubelle — Rud
der feine Eier auf Rüben legt; Rübezahl, m., -$, EN. eines fabelhaften
Berggeiftes im Riefengebirge (der Namen wahrſch. ſlaw. Urfprungs, danhı aber
in den bekannten Mährchen auf das Zählen von Rüben gedeutet); — Ableit.
rüben, Bw., oberd. f. von Rüben; rübeln, oberd. Zw. f. nah Rüben
fhmeden.
Rubelle, w., M. -n (wahrfch. deutfch, verw. mit reiben, vgl. Rubber),
Hüttenw. eine Neibeplatte, ein eifernes Blech, worauf die Erze zum Probiren
Elein gerieben werden.
Rubin, m., —es, M.-e, (ital. rubino, franz. rubis, vom mittl. lat. ru-
binus — ruber, roth), ein rother ducchfichtiger Edelftein, der härtefte und
koſtbarſte nächft dem Diamant; daher der Nubinapfel, auch Rubiner, -3,
eine Art rubinvother Äpfel; die Rubinfarbe; rubinfarben od. farbig, ru-
binroth, Bw.; der Rubinflufs, 1. Fluſs; der Rubinring; der Rubin-
Schwefel, mit Schwefel vererzter rother Arfenik.
Rüböl, ſ. Rübſamenöl; der Nübfen, f. Rübefamen unter Rübe; daher
der Nübfenader, das Nübfenfeld, das Rübſenöl ꝛc.
Ruch 1. m., -e3, M. Nüche (von riechen, ſ. d.), alt u. landſch. f. Ge—
ruch; daher das Ruchgras, eine Grasart von angenehmem Geruch; ruch-
105, Bw. f. geruhlos; — Nud) 2. m., f. ruhen 1. — Rudy 3. w., ſ.
ruchen 2.
ruchen 1. ziellof. 3w., landſch. f. rochen (ſ. d.), ſchreien, brüllen; daher
dev Ruch, -Aes, M. -e, 1) f. Schrei, rauhes Gefchrei; 2) f. die Krähe,
bef. Saatkrähe (auch Ruck; altd. hruch, isfänd. hrökr, angel. hröc, engl.
rook, holl. roek; niederd. Roof, ein Rabe); der Ruchert, landſch. f. die
Dohle; rücheln, zielof. Zw., landſch. f. röcheln, wiehern, grungen, fchreien
wie ein Efel; laut auflachen; murmeln, insgeheim reden, murren.
ruchen 2 ziellof. Zw. (altd. röhjan, ruohhan, ruahan, ruochen; daher
garohjan — geruhen, ſ. d.; oberd. ruechen, niederd. rohen; altſächſ. rö-
kean, ruokean;. angelf. r&can, isländ. rökia; holl. roecken; vergl. verrucht),
im Hochd. völlig vlt. f. forgen, beachten, Acht haben, auf etwas bedacht
fein, e8 begehren, verlangen (mit dem Gen.: eines Dinges—); die (auch
der) Ruch od. die Ruche (altd. ruah, ruoch, m. u. röha, ruahha, ruoche ⁊c.
w.), vlt. f. die Sorge, Sorgfalt, Achtfamkeit, Obhut, Mühe; der Ruch
(Ruck) od. Rüchel, oberd. f. ein gieriger, unerfättlicher, habfüchtiger
Menfh; ruhig, Bw., ſchwäb. f. begehrlich, habfüchtig; vuchlos, Bw.
(altd. ruahhalös, ruochlös, oberd. rucchlos; niederd. rökeloos), urſpr. u. noch
mundartl. f. forglos, unachtſam, unbefonnen, nachläffig,, leichtfinnig;
jest: im höchften Grade achtungslos gegen göttliche Gefege, gottlos,
völlig verderbt, finnv. verrucht (ein ruchloſer Menſch, ein zuchlofes Leben
. führen); die Ruchlofigkeit, das Ruchlosſein; eine vuchlofe Handlung.
Rucht od. Nuchte, f. (holl. rucht, ſchwed. rychte; v. rufen, mit Über-
gang des fin ch; val. das niederd. u. holl. kracht, lucht f. Kraft, Luft zc.),
niederd. f. Ruf, z. B. Hülferuf; beſ. f. Ruf — Gerücht, guter oder böfer
Namenz daher ruchtbar, Bw., duch das Gerücht bekannt, lautbar,
offenkundig, nur von Sachen u. meift in böfem Sinne (es ift ruchtbar geworden);
die Ruchtbarkeit, das Ruchtbarſein; rüchtig, Bw., vlt. f. berüchtigt (i. 2.).
Rudl. od. Rück, m., -e8, M.-e, au die Nüde, M.-n (veral.
Ruch unter ruchen 1. u. Rad, Racer), landſch. f. die Saatkrähe.
*
Ruck — rüden 549
Ruck 2. m., es (altd. ruch, rucchi, ruckh neben rouh, Rauch), oberb.
1) f. Rauch, Dunft, Dampf; 2) f. eigener Herd, eigene Haushaltung
(ipäter mit Ruden, Rüden verwechfelt, z. B. ein Gut od. Haus mit ei-
genem Rucken oder Rüden befigen 2c.); rückeln, ziellof. 3w., oberd. f. nach
Rauch riechen oder fehmeden.
Ruck 3. m., ſ. unter rücken.
Rück, m., -es, M. -e, (oberd. Rud), verkürzte Nebenform von Rüden
(f. d.), für fich allein nur in Mundarten üblich; hochd. nur in Zſetz. u. Ab—
Leit, u. zwar 1) eig. f. Nüden, z. B. in Rückgrat, rüdlings, rüdwärts
(j. unter Rücken), bef. f. Bergrüden in EN. wie Hundsrück, Hausrüd (in
Sher-Öfterreich); 2) als Nm. f. zurück, rückwärts, hinwieder, wieder ıc. in
zgeſ. Haupt, Bei und Zeitwörtern, z. B. Rückblick, Rückfall, Rüdficht, rüd-
gängig, rücdeuten, rückwirken 2e., welche einzeln an ihrer Stelle aufgeführt
werden; (die mit rücd ft. zurüc zſgeſ. Zeitwörter find größtentheils Neu-
wörter; ihrer Betonung nad) follten fie trennbar fein, find aber in getrennter
Form nicht üblich; man fagt z. B. wohl: eine rückwirkende Kraft, wenn die
Kraft rückwirkt; nicht aber: die Kraft wirkt rück, ſondern — zurück).
Rückanſpruch, m. (ſ. Rück), ein Anfprudy, den man an Jemand zue
rück macht (NReuw. f. das fr. Recurs od. Regrefs).
Rückanzeige, w., (1. Rück) erwiedernde Anzeige, Gegenanzeige.
Rückbank, w. (x. wohl Ridband), Jäg. das Strickholz, über welchem
die Jagdnetze geſtrickt werden.
rückbetagen, unteb. ziel. 3w., mit einem früheren, fchon vergangenen
Tage bezeichnen (z. B. einen Brief —; Neuw. f. das fr. poftdatiren).
Rückbleibſel, |., -$, M. w. E., was zurücbleibt, bef. nach einem
ſcheidekünſtl. Vorgange (fr. Refiduum), finnv. Überbleibfel, Reſt.
Rückblick, m., ein zuriick gewendeter, bef. auf Vergangenes gerichte-
ter Blick.
rückbringen, ziel. Zw. (ſ. Rüch), vlt. f. zurückbringen.
Rückbürge, m., Rſpr. 1) ein Bürge, der nöthigenfalls in die Stelle
des Hauptbürgen tritt, After, Schadbürge; 2) wer dem Hauptbürgen
feinerfeits bürgt, u. denfelben nöthigenfalls ſchadlos halten muſs; die Nüd-
bürgſchaft, das Verhältnifs des Rückbürgen.
rückdenken, ziellof. Zw. (ſ. Rück), Neuw. f. zurückdenken.
rückdeuten, ziellof. Zw. (f. Rüc), ſ. v. w. zurück od. rückwärts deuten;
Spradjl. ein rückdeutendes Zeitwort, b. ein rücdzielendes, ſ. d. (f. das fr.
Verbum reflexivum).
Rüde, w., f. Ruck J.
rückeln, 3w. 1. ziellos, f. unter Ruck 2; — 2. ziel. (auch rickeln; ſchweiz.
rugeln, rügeln; Rugel, f. Kugel; isländ. rugga, wälzen), oberd. f. Eugeln
tollen, bef. Schnellfügelchen auf dem Boden treiben od. fchnellen. .
ruden od. ruckern, oberd. auch rudezen, ziellof. Zw. (ein Schallw.;
vgl. ruchen, rochen; goth. hrukjan, Erähen), Yandfch. f. girren, gurren, von
den Tauben; uneig. f. kläglich bitten; daher: die Ruckstaube, landſch. f.
Ringeltaube.
rüden, 3w. (altd. rukjan, ruchjan, rucchen, rucken, rücken, obers u.
niederd. ruden; verw. mit regen? vgl. das isländ. roga, in Bewegung feßen,
ſchwed. rycka, ziehen), 1) ziellos, eig. mit kurz abgefegter, ftoßender Be:
x
550 Rücken
wegung den Ort verändern (z. B. einem näher rücken; der Zeiger einer Uhr
rückt; Jäg. ber Hafe rüct zu Holze, d. i. er geht in Eleinen Abſätzen gleichfam
rutfchend zu Holze; — immer m. fein; m. haben nur, wenn feine Ortsbe—
ftimmung dabei fteht u. die Bewegung eine abfichtliche u. willfürliche iſt; alfo
3 B. er hat mit dem Stuhle gerüdt; aber: er ift mit dem Stuhle näher
gerückt; der Zeiger ift gerückt 2c.); in weiterer Bed. überh. fich langſam und
gleichmäßig fortbewegen (3. B. die Sonne rückt höher; er rückt nicht von
der Stelle; eö will nicht rüden; vergl. die Zfeß. ab-, anz, hine, her, heraus-,
hervor⸗, zuſammen-, wegrüden zc.), insbeſ. von ben Bewegungen eines
Heeres od. Zuges (die Truppen rüden ins Feld, aus dem Lager, find ins
Land gerüdt zc.; vgl. aus-, ein-, vor-, nachrücken 2c.), auch von der Zeit
(die Zeit, der Tag 2c. rückt näher, rüct heran); uneig. vom Range od. der
Würde: höher oder hinaufrücken, d. i. befördert werden; mit etwas her-
ausrüden, d. i. es hergeben, darlegen (4. B. mit dem Gelde, mit der Spra-
che 2.—); 2) ziel. etwas—, es mit Eurz abgefestem Zug oder Stoß
fortbewegen, finno. fihieben (z. 8. den Stuhl an den Tiſch, den Topf vom
Feuer, den Hut aus dem Gefichte, den Zeiger einer Uhr—; uneig. einem den
Tiſch —, d. i. in Gefellfchaft Mehrer bei ihm ungebeten zu Gafte Eommen,
bef. wenn er eine neue Wohnung bezogen hat); ehem. auch f. ziehen, veißen
(bibl. er rücket fie aus dem Feuer; einen aus der Noth — 2c.); — ber Ruck,
-08, M.-e, (altd. ruk, ruc), oberd. auch der Ruder, -8, eine einmalige
—* abgefeste ftoßende Bewegung, finnv. Zug, Stoß (in od. mit einem
Nude 2c.); uneig. niederd. ein plöglicher Anfall von Krankheit, Wahnfinn ze.;
ruckweiſe, Nw., in einzelnen Ruden od. Abfägen (fih ruckweiſe Görtz
der Rudwind, Schiff. ein ſtoßweiſe wechſelnder Wind ohne beftimmte Rich—
tung, entg. dem ftchenden Winde; — Zſetz. v. rüden: das Rückbrett oder
die Nüdfchere, der auf der Grundfchwelle einer Mühle ruhende bewegliche
Bloc, mittelft deſſen das Panfterrad ſich rücen Läfft; der Rückhaken, eiferne
Haken an Kanonengeftellen zum Rüden des Gefhüges; die Nückleine, das
Seil, womit die VBogelgarne zufammengezogen werden; die Rückſtange, ein
Hebel zum Ziehen der Rücfchere; — Ableit. rückbar, Bw., was fich
rücken läfit; der Nüder, -8, wer rückt; ein zum Rücken dienendes Ding,
z. B. die Stellſcheibe in einer Uhr; die Rückung, das Nüden.
Rüden, m., -$, M.w. E., (altd. hrukki, rucke, rugge, ſtark declini-
vend: des ruckes, dem u. den rucke zc., daher ze rucke — zurücke, zuräd;
daraus entipringt im Neud. einerfeits die verkürzte Form Rück, Rud, an:
drerfeitö die verlängerte Rücken; oberd. Rud u. Ruden, niederd. Rugge,
Kügge, isländ. hryggr, angelf. hryeg, engl. rig, ridge; vergl. das niederd.
Roke, Roche, f. Abhang, Fels, roman. roc, rocher), bei Menfchen u. Thieren
der der Bruft und dem Bauche entgegengefeste, fich in die Länge erſtre—
. ende Theil des Rumpfes, die Hinterfeite des menfchl. Körpers von dem
Nacken bis zum Kreuze, gem. Budel (ein breiter, Erummer, fteifer Rüden ꝛtc.;
eine Laft auf dem Rüden tragen; feinen Rüden beugen, d. i. ſich verneigen,
auch ſich unterwerfen; einem den Rücken Eehren, d. i. fic) von ihm abwenden,
als Zeichen der Abneigung oder Geringſchätzung; etwas hinter Semands Rüden
thun (altd. hinder rucke, vergl. hinterrüds), d. i. ohne dafs er es ſieht oder
weiß; dem Feind in den Rüden fallen, d. i. ihn hinterwärts angreifen; ihn
im Rüden haben, d. i. hinter fich; einem den Rüden decken, d. i. ihn von der
Rücken 551
Hinterfeite befhügen); in weiterer Bed. der obere Zheil, die Oberfeite eines
fich in die Länge erſtreckenden Körpers. (4. B. ber Rüden der Nafe, der
Handrücken, f. d.; der Rüden eines Feldbeetes; bef. der Rüden eines Gebir-
ges, Bergrücten), auch der erhöhete, fic in die Länge erſtreckende Kör-
per felbft (Landw. das Heu in Rüden legen, d. i. in lange Haufen; Bergw.
das Flög macht einen Rüden, wenn es um einen oder mehre Fuß fteigt oder
fällt; Iäg. die Rüden od. Obertüden, f. die Afterklauen (ſ. d.) an ben
Füßen der Hunde u. des Wildes); ferner der hintere Theil, die Hinterfeite
eines Dinges (zZ. B. der Rüden eines Meffers, Dirfchfängers, Beiles, d. i.
die der Schneide entgegengefegte Seite; Krſpr. der Rüden der Laufgräben,
d. i. das der Bruftwehr entgegen liegende Erdreih); — Z3ſetz. v. Rüden:
das Rückenband, Anat. ein Band des Fußes zwifchen dem Ferſen- u. Wür-
ferbeine; das Nüdenblut, eine Krankgeit des Rindviehs u. der Schafe, be:
ftehend in Stodung u. Anhäufung des Blutes in den Gefäßen des Unterleibes,
wobei das Vieh den Rüden hod) trägt; die Rückendarre od. Rückenmarks—
darre, Abzehrung durch Vertrodinen des Rückenmarks; die Rüdendrüfe,
Anat. eine Drüfe am hinterften Theil des Magenfchlundes; die Rüdenfloffe,
Floffe auf dem Rüden eines Fiſches, z. U. v. Bauch-, Schwanzfloffe; der
Rückenfloſſer, ein Fiſch mit Nücenfloffen;z der Rückenhalt, was uns den
Rücken dedit oder im Nothfall Hülfe und Zuflucht gewährt (von einer-Perfon
auch: der Rüdenhalter); insbei. Krſpr. f. das Hintertveffen, die Nachhut
(fr. corps de reserve); verſch. Rückhalt (f. u.); die Nücenhaut oder das
Rückenfell, Anat. eine Haut, welche den ganzen Oberleib im Innern bekleidet ;
der Rückenkorb, ein Korb, den man auf dem Rüden trägt, gem. Kiepe; ber
Rückenkratzer, ein ausgezahntes Holz 2c. an einem Stiele, den juckenden
Rücken zu Eragen; die Nüdenlehne (auch Rüdlehne), bie Lehne eines
Sitzes 2c., an welche man den Rüden lehnt, entg. Seitenlehne 2c.; das
Rückenmark, das im Rückgrat enthaltene Mark; der Rückenmuskel,
nerv 2C., Muskel, Nerv des Rückens; das Rückennetz, Anat. ein Adernetz
an der Handwurzelz; dev Nüdenriemen, ein Riemen am Pferdegefchirr, wel-
cher über den Rüden des Pferdes geht; die Nüdenfchanze, Krſpr. eine Be
feftigung der Außenwerke einer Feſtung; der Nüdenfchild, ein Schild auf
dem Rüden 3. B. der Schildkröte; der Nüdenfchlag, Schlag auf den Rüden;
der Nüdenfchmerz; der Rüdenfchwimmer, die auf dem Rüden ſchwim—
mende Ruder: od. Wafferwanze; rüdenftändig, Bw., Pflanz. von einer
Granne, die unterhalb der Spige od. in der Mitte des Balgcs befeftigt iſt;
dag Rückenſtück, ein Stück Zleifh von dem Rüden eines Schlachtthieres;
auch der Theil eines Kleides, welcher den Rüden bededt; das Rückenwerk,
das Kleinere Orgelwerk, welches der Orgelipieler im Rüden hat, entg. Haupt⸗
werk; der Rückenwind, von hinten her wehender, günftiger Wind; der
Rückenwirbel, Wirbelbein od. Gelenk des Rücdgrats; — von Rüd (in der
Bed. Rüden): der Rückgrat (vergl. Grat; oberd. auch: Ruckdorn, »riem,
-ftrang), die von den Rüdenwirbeln gebildete jcharfe Erhöhung längs der
Mitte des Rückens; daher das Rückgratsbein, der Rückgratsmuskel ıc.;
der Rückgurt, ein breiter Rückenriemen am Gefchirr eines Zug» und der:
pferdes; die Rücklehne, ſ. o. Rückenlehne; die Rückſeite, Hinterfeite, der
Border: od. Hauptfeite entgegengefegte Geite (4. B. einer Münze, fr. Revers);
das Rückſiegel, Gegenfiegel (fr. Gontrafiegel) auf Urkunden zc., auf die Rüde
592 Rücker — rüchalten
ſeite des Bogens gedruckt, entg. Hauptſiegel; der Rückſitz, der dem Hauptſitz
gegenüber befindliche Sitz eines Wagens, auf welchem man mit dem Rücken
nach der Vorderſeite des Wagens gekehrt iſt; rückwärts, Nw., nad) der
Seite des Rückens hin (z. B. fallen); mit dem Rücken dahin gerichtet, wohin
gewöhnlich das Geſicht gerichtet iſt (rückwärts gehen, ſitzen, fahren); landſch.
gem. f. zurück (z. B. kommen); — Ableit. rückig, Bw., einen Rücken ha—
bend, nur in Zſetz. wie breit», krummrückig; rücklings, Nw., nach der
Seite des Rückens, ſinnv. ruckwaͤrts (3. B. fallen); auf der "Seite des
Rückens (Liegen); von der Seite des Nüdens, im Rüden, von hinten
(einen angreifen zc.).
Rücker, m., f. unter rüden.
rüderinnern, rüdz. Zw. (vgl. Rück), fich einer vergangenen Sache
(Gen.)—, gew. zurück-, mwiedererinnern; die Nüderinnerung, 1) o. M.
das Rückerinnern; 2) M. -en, der Gegenftand desfelben (zZ. B. ange-
nehme NRücerinnerungen).
rudern, 3w., ſ. ruden.
rücfahren, 3w. ungebr. f. zurüdfahren; bie Rückfahrt, die Fahrt zu⸗
rück nach dem Orte der Ausfahrt; die Rückfährte, Säg. f. Hinterfährte.
rücfallen, ziellof. 3w. m. fein (vgl. Rück), gew. zurlicfalfen, ſ. d.; der
Rückfall, das Zurüdfallen, insbef. 1) einer Sache an ihren vorigen
Herrn, Heimfall G. B. eines Lehns), 2) in-eine eben geheilte Krankheit
(fr. Recidiv), od. in einen früheren unfittlichen Zuftand (einen Rüdfall be-
fommen; der Rüdfall zur Sünde 2c.); rückfällig, Bw., rückfallend, in ſei—
nen vorigen Zuſtand verfallend; die Rückfälligkeit.
Rückfracht, w., die Fracht, welche ein Fuhrmann od. Schiffer von
dem Ausladungsorte mit zurücknimmt, Nüdladung.
Nücfrage, w., eine auf gefchehene Anfrage zurück gegebene Frage,
bef. an einen Vorgefesten; überh. weitere od. wiederholte Nachfrage.
Rückgabe, w.,-Zuridgabe, das Zurüdgeben von etwas Empfangenent.
rückgehen, ziellof. Zw. m. fein, gew. zurüdgehen, umgehen; (@. 8. mit
rücgehender, gew. umgehender Poft); der Rückgang, das Zurüdgehen, der
Rückweg; uneig. das Zurüdgehen, d. i. die Nichtvollendung, Vereitelung
einer Sache, eines Unternehmens 20.5 auch f. Rückanſpruch, Nüdforde-
rung an Semand (fr. Regreſs; z. B. feinen Rückgang an Semand nehmen);
daher das Rückgangsrecht (fr. Regrediengreht); der Rückgänger, wer zu:
rückgehtz rückgängig, Bw., zurückgehend; rückwärts gehend, (insbei.
Sternk. rückgängige od. rückläufige Bewegung, die eigene Bewegung der
Planeten und Kometen, welche der Ordnung der Himmelszeichen entgegen zu
fein fcheint); uneig. in der Ausführung gehindert, nicht zur Wirklichkeit
kommend (eine Sache rückgängig machen; der Vergleich ift rückgängig gewor—
den; vgl. zurückgehen); daher die Rückgängigkeit.
Rückgewalt, w., Erwiederung der Gewalt, Gegengemwalt (gutes Neu.
f. das fr. Repreffalien).
Rückgrat, Rückgurt, ſ. unter Rücken; — Rückhaken, ſ. rücken.
rückhallen, ziellof. 3w. m. haben (vgl. Rück), zurückhallen od. -ſchallen,
wiederhallen; der Rückhall, MWiederhall.
ruckhallen, 3w., ungew. f. zurückhalten; der Rückhalt, —es, o. M.
ſ. v. w. Zurückhaltung in uneig. Bed. (z. B. ohne Rückhalt ſprechen, han—
et
Rückkauf — Rückſprache 353
deln; verſch. Rückenhalt, ſ. unter Rüden); rückhaltslos, Bw. u. Nw., ohne
Zurückhaltung.
Rückkauf, m., das Zurückkaufen, der Wiederkauf von etwas Verkauf—
tem; rücfäuflich, Nw. u. Bw., wiederfäuflich.
Kückkehr, w., 0. M., das Zurüdkehren, Sich-zurückbegeben, die
Wiederkehr (auch uneig., z. 7 die Rückkehr des Fiebers; die Rückkehr zu
Gott u. dgl. m.).
Rückkunft, w., o. M., * Zurückkommen, die Zurückkunft, d. i. das
Wieder-Anlangen an dem Ausgangsorte (verſch. Rückkehr).
Rückladung, w., ſ. v. w. Rückfracht.
rücklaufen, zielloſ. Zw. gew. zurüdlaufen; dev Rücklauf, das Zurüd:
laufen nach dem Orte des Auslaufs; rückläufig, Bw., f. rückgängig.
Nückleine, f. unter rücken; — rüdlings, f. unter Rüden.
Rüdmarfch, m., der Marfch nach dem Ausgangsorte zurüd.
Rücknahme, w., das Zurüdnehmen, die Zurüdnahme.
Rüdprall, m., LE ce Prall (f. d.).
Nücreife, w., die nach) dem Ausgangsorte zurüdgehende Reife.
rückrufen, 3w., gew. zurüdrufen; der Nüdruf, das Zurückrufen, die ‘
Zurückberufung; aud) ein rückwärts Herichteter Ruf; das Rüdruffchrei-
ben, Rückberufungsſchreiben (fr. Revocatorium, Rappell).
Rückſchein, m., Gegenfchein, Gegenbefcheinigung (fr. Revers).
Rückſchere, w., f. unter rücken.
Rückſchlag, m., vückwärts gefchehender Schlag; zurückwirkender od.
Gegenfchlag; Nachſchiag od. zweiter Schlag (des Blitzes); uneig. ſchneller
Rückgang, plösliche Verfchlechterung.
rückſchließen, ziellof. Zw., gew. zurückſchließen von den Folgen auf bie
Urſachen; der Rückſchluſs, ein folher Schlufe.
rückſchreiben, ziel. Zw. (val. Rück) f. zurückſchreiben; abfchreiben,
ſchriftlich zurücknehmen; das Rückſchreiben, Antwortfchreiben.
rückſchreiten, zielloſ. Zw. (gl. Rück), ſ. v. w. zurückſchreiten; der Rück—
ſchritt, ein rückwärts oder zurück gethaner Schritt, beſ. uneig., entg.
Fortſchritt.
Rückſeite, ſ. unter Rücken.
rückſenden, ziel. Zw., gew. ———— die Rückſendung.
Rückſicht, w., M. -en, eig. das Zurückſehen, der Rückblick; gew. un-
eig. die Beachtung andrer Perfonen, Umftände, Verhältniffe, fofern fie
‚ leitend od. beftimmend auf unfer Handeln einwirkt (auf Semand od. auf etwas
(Ace) Rüdfihtnehmen;z in Rüdficht, mit od. aus Rücdficht auf etwas od.
gegen Semand fo verfahren); auch tadelnd: die parteiifche od. eigennüßige
Beachtung der Verhältniffe (nur nach Rückfichten handeln); in weiterer Bed.
überh. f. Betrachtung, Betracht, Anfehung, finnv. Hinfiht, Abficht (in
gewiffer Rücficht); auch f. Achtung, Ehrerbietung (einem die ſchuldige Rück—
ficht verfagen); oberd. f. Nachficht; rückſichtslos, Bw., Keine Rückſicht auf
Perfonen und Verhältniffe nehmend; die Nücfichtslofigkeit; ; entg. rüd-
fihtsvoll, Bw.; rücfichtlih, Nw., in od. aus Rückſicht (mit dem Gen.
z. B. rücfichtlich feiner Verdienfte ch
Rückſiegel, Rüdfis, 1. unter Rüden.
Rückſprache, w., 0. M., Befprechung, Unterredung über eine Sache,
554 Rückſtand — rudeln
ehe fie gefchieht, mit Vorgeſetzten od. betheiligten Perſonen (Rückſprache mit
Semand halten od. nehmen).
Rückſtand, m., 1) o. M. eig. das Zurücftehen, nur in der bef. Bed.:
das Zurüdgebliebenfein in der Bezahlung einer Schuld (noch im Rück—
ftande fein); 2) M. Rückſtände: das Zurüdftehende, Zurückgebliebene,
der Reft, insbef. der noch nicht bezahlte Theil einer Schuldfumme, oberd. auch
Außen, Hinterftand (den Rückſtand bezahlen, die Rüdftände eintreiben ꝛc.);
rückſtändig, Bw., 1) im Rüdftande feiend, noch zu bezahlen habend
(ein Rücdftändiger); 2) noch nicht bezahlt (Gelder, Steuern; oberd. au:
binterftändig, rüctellig).
Rückſtange, f. unter rüden; — Nudstaube, f. unter ruden.
rücftellig, Bw., oberd. 1) f. rüdftändig;.2) f. rückgängig.
Rückſtrich, m., das Zurüdftreihen, der Rückzug der Zugvögel, entg.
Hinftrich.
rücktreten, zielloſ. Zw.z gew. zurücktreten; dev Rücktritt, das Zurück—
treten, beſ. uneig.
Rückumlaut, m., Neuw. d. deutſch. Sprachl., Wiederherſtellung des
urſpr. reinen Selbſtlautes aus dem Umlaute (ſ. d.; z. B. altd. nennita,
nannte). ;
rückwärts, f. unter Rücken.
Rückwechſel, m., ſ. v. w. Gegenwechſel im Handel.
Rückweg, m., der Weg, auf welchem man zurückkehrt; auch der Rück⸗
gang, die Rückfahrt, Rückreiſe ſelbſt (auf dem Rückwege ſein).
Rückweichung, w., das Zurückweichen, bei. Bauk. die Weite, um
welche ein Glied gegen das nächſte zurüctritt.
rucdweife, Nudwind, f. unter rüden.
rückwirken, ziellof. Zw. (vgl. Rüd), zurück-, entgegenwirken, einer
Wirkung MWiderftand leiften (fr. reagiven); die Rückwirkung, Gegenwir-
fung, Widerftand (fr. Reaction).
rüdzielen, ziellof. 3w., ungebr. f. zurückzielen; Sprachl. rückzielende
Für- u. Zeitwörter (Neuw. f. das fr. Pronomina u. Verba reflexiva), welche
eine Thätigkeit als auf den thätigen Gegenftand (das Subject) felbft zurüd-
wirkend darftellen (z. B. fich freuen, ſich grämen 2c.).
Rückzug, m., das Zurückziehen nach dem Ausgangsorte, 3. B. von Zug:
vögeln, u. bef. von Kriegsheeren (fr. Retraite, Retivade).
Rüde, m., -n, M.-n (alt. hrudeo, rüdo; angelf. hryththa, rodhund;
landſch. auch Rüdde, Raude, Redde; oberd. Rüd, Rüdel; niederd. Röde;
vgl, Nette), Zäg. das Männchen der Hunde, Füchſe u. Wölfe, entg. Fähe;
in weiterer Bed. überh. ein großer, ftarker Hund, bef. Hetz⸗ und Schäfer: .
hund (Sau-, Schafrüde); daher das Rüdenhorn, ein Sagdhorn, womit
den Rüden bei Saujagden Zeichen gegeben werden; der Rüdenhund, großer >
Hund, Rüde; der Rüdenknecht, ein Knecht, welcher die Saurüden verpflegt.
Rudel 1. f., -3, M. w. E. (altd. ruodel; verw. mit Rotte, |. d.), Trupp,
Schaar, Haufen, bef. Säg. (ein Rudel Hirfche, Schweine 2c.); daher tus
delweife, Nw., in Rudeln; — Nudel 2. f. unter rudeln.
rudeln, 3w. 1. f. rodeln 35 — 2. (vgl. rodeln 4.), 1) ziellos landſch. f.
fich bewegen, rühren (Hüttenw. das Erz rudelt, wenn es fich beim Schmel-
zen in den Herd einfrifft); 2) ziel. f. rütteln, bewegen, rühren; daher das
Et TE En Bar
Ruden — Rudolf 555
Nudel, -3, M. mw. E., Landfch. f. Rührſtock zum umrühren der in einem
Keſſel Eochenden Maffe; auch die Stangen an einem Vogelherde, das Gerege.
Ruden, m., -d, M. m. E., ein zum Karpfengefchleht gehörender Fifch.
Rüdenhorn, =hund, »Enecht, ſ. unter Rüde.
Ruder, f., -8, M. w. E. (altd. ruodar, ruoder, oberd. Rueder, niederd.
Roder, Roer; angelf, rodher, engl. rudder; die Wurzel ru, ro ift erkennbar
in dem isländ. röa, angel. rovan, engl. row, mittelhochd. rüejen, niederd.
rojen f. rudern), ein Werkzeug, etwas damit in Bewegung zu feßen (da=
ber Brau. f. Rudel 2., Rührholz), insbef. eine lange, unten breite u. flache
hölzerne Stange zum Fortbewegen eines Fahrzeuges im Waſſer; auch f.
Steuerruder, f. d. (daher am Ruder figen, das Ruder führen, d. i. das
Steuerruder und mittelft desfelben das Schiff lenken; uneig. am Ruder des
Staates figen, de i. den Staat regieren); oberd. f. das Fahrwafler eines Stro-
mes; Zäg. uneig. die Füße der Waſſervögelz rudern 1., 3m. (altd. ruo- -
derön, ruodern, oberd. ruedern) 1) ziellos m. haben, das Ruder bewegen
u. dadurch das Fahrzeug fortfchieben u. lenken (ans Land rudern) ; in wei-
terer Bed. Ähnliche Bewegungen mit den Gliedern machen, um ſich da-
durch fortzubewegen (die Schwimmoögel rudern mit den Füßen, die Fiſche mit
den Floffen, die Vögel mit den Flügeln in der Luft; ein Menſch rudert mit
den Armen, wenn er fie im Gehen ſtark bewegt); 2) ziel. mit Hülfe der Ru—
der fortbewegen (einen Kahn 2c.); — Zfes. v. Ruder u. rudern: die Ruder—
banf, der Sig der Ruderer auf einem Ruderſchiffe; die Nuderente, eine
Entenart, welche vorzüglich gut ſchwimmt u. ſich dabei des Schwanzes als
eines Steuerruders bedient; der Ruderfiſch, eine Art Kleiner Kaulbörfe; das
Nudergat (. Sat) od. Ruderloch, die Offnungen, durch welche die Ruder
gehen; der Mudergriff, Handgriff am Ruder; der Ruderfahn, =nachen,
ein Kahn 2c., der mit Rudern fortbewegt wird; der Ruderknecht, ein ge-
dungener Rudererz der Nuderlichter, Schiff. ein Tau, womit das Steuerruder
etwas gelichtet wird; der Mudermeifter, Auffeher der Ruderknechte; die
Ruderpinne, ein Hebel, womit das Steuer gedreht wird; der Ruderring,
Ring, durch welchen das Ruder geſteckt wird; das Ruderſchiff ein Schiff,
welches durch Rudern fortbewegt wird (fr. Galeere), entg. Segelſchiff; der
Ruderſchlag, Schlag mit dem Ruder ins Waſſer, beſ. das tactmäßige Auf-
heben und Fallenlaffen der Ruder durch die Ruderer; der Ruderſklav, ein
zum Rudern auf einem Ruderfchiffe gezwungener Sklav (fr. Galeerenſklav);
die Nuderwanze, ein wangenähnliches Waffer- Infect, das fich feiner langen
Hinterfüße zum Rudern bedient; das Ruderwerk, die Ruder auf einem Fahr-
zeuge mit allem Zubehör; — Ableit. v. rudern: der Nuderer, -8, wer
rudert; bef. ein Ruderknecht.
rudern 2. ziellof. Zw. (vgl. rodeln 2), Tandfe, Schallw. f. ſchreien, von
den Birkhähnen.
rüdiſch od. rüderifch, n. A. ridifch, riderifch, Bw. (angelf. roedh, isländ.
hroda-fullr, altd. hrotag — Tat. rudis, franz. rude), oberd. f. roh, nicht
zart (Fleifh); rauh, grob, ungefchlacht.
Rudolf od. gew. Rudolph, m., -8, (altd. Hruodolf, angelj. Hrothvulf;
vom altd. hruod, angelj. hröth, Ruhm, und wolf, alfo eig. der berühmte
Wolf, KHochberühmte (vgl. Robert); oberd. Ruedolf; niederd. zgez. Rolf,
556 Ruf — rufen
Rulf, engl. Ralph), ein männlicher Taufnamen; die Rudolfsfchnede,
eine Art ſeltener Trompetenfchneden od. Kinkhörner.
Ruf, m. 1. f. unter rufen; — 2. ſ. Rufe.
Rufe, w., M.-n, od. der Ruf, —es, Taltd. hruf, ruf; isländ. hrufa;
oberd. die Rufen, Ruf, Ruft; vgl. ruffen), landſch. f. Krufte, rauhe Ninde,
Schorf; abdorrende Blatterz chem. auch f. Ausfag, Krätze; der Rufen—
berg od. Ruffenberg, Bergw., eine eifenfchüffig» kalkige Bergart, welche
bei den Zwittern gefunden wird; das Rufkraut, Scharfe Flöhkraut, blaue
Dürrwurz; rufig od. rüfig, oberd. auch rüferig, rüftig, Bw., f. eine harte
oder rauhe Rinde habend (Semmeln); voll Schorf, räudig; tufferige ° |
Gänge, Bergw. eifenfhüffige, kalkige u. flözige Gänge bei Zwittergebäuben.
rufen, Zw. (goth. hröpjan; altd. hruofan, ruofen, Smpf. hriaf, rief, Mir.
hruofan, ruofen; oberd. rueffen, rüeffen; rieff, gerueffen u. ic) rueffet, geruefft;
isländ. hröpa, ſchwed. ropa, niederd. ropen, angelf. hrepan,—val. das lat.
crepare), ablaut. ruft, ruft (nicht rüfft ꝛc.); Smpf. rief, Gonj. tiefe; Mw.
gerufen, (bei Manchen weniger gut umend.: rufte, geruft), 1) ziellos m.
haben, die Stimme erheben, laute, gegliederte (articulirte) Töne oder
Worte hören laffen, immer mit der Abficht, vernommen zu werden, die in
dem finnv. ſchreien nicht nothwendig Liegt (man hörte rufen; zu Gott—, um
Hülfe—, ins Gewehr rufen); einem—, ihm zurufen, d. 1. ihm durch
laute Stimmenädußerung ein Zeichen geben, dafs er aufmerke, herbei—
komme zc. (bibl. du haft mir gerufen; uneig. die Trompete ruft dem Krieger;
dicht. wer ruft dem Heer der Sterne? d. i. wer gebietet ihm zu erfcheinen);
2) ziel. etwas—, mit erhobener Stimme ausfprechen, ausrufen (ein |
Wort zc.; einem etwas ins Ohr-—; uneig. ihm etwas ins Gedächtniſs —, d. i.
ihn lebhaft daran erinnern, vgl. zurückrufen), laut anzeigen, bekannt machen
(die Stunden—, abrufen); einen—, ihm durch laute Stimmenäuferung
ein Zeichen geben, dafs er ſich nähere, ihn herbeirufen (einen zu Hülfe,
zum Zeugen, zu fih—; du Eommft, wie gerufen, d. i. gerade zur rechten Zeit,
da man nad) dir verlangt; auch: Thiere, z. B. Hühner, Gänfe ꝛc. —, d. i.
durch eigenthümliche Naturlaute herbeilocken); uneig. überh. zu etwas auf:
fordern, bewegen, antreiben (die Glocke ruft uns in die Kirche; die Ehre,
die Pflicht ruft mich 2c.); — der Ruf, -es, M. (felten) Rufe, (altd. hruoph,
ruof, ruoft; oberd. Rueff), 1) das Rufen u. der dadurch hervorgebrachte
Laut, bef. fofern er Jemand herbeizurufen dient (einen Ruf hören, auf Se
mands Ruf hören, dem Rufe folgen 2c.), auch von den Lauten der Thiere,
womit fie einander loden (Zauben-, Wachtelruf zc.), u. von einem durd)
ein Zonwerkzeug gegebenen Zeichen, insbef. Jäg. ein Stoß ins Hiefhorn
(einen Ruf in das Horn ftoßen), Krfpr. ein Zeichen mit der Trompete als
Berfammlungszeichen (den Ruf blafenz fr. Appel); uneig. die obrigkeitliche
Aufforderung oder Berufung zu einer Stelle, einem Amte ıc. (ex hat
einen Ruf nad) N. zc. erhalten; fr. Wocation); ein innerer, zu etwas auf
fordernder od. mahnender Zrieb, finnv. Beruf (dem Rufe der Natur, feines
Geiftes ze. folgen); ferner f. Gerücht, Gerede (es geht der Ruf, dafs zc.),
u. bef. das Urtheil der Menge über die Befchaffenheit, den Werth ıc.
einer Sache od. Perfon (einen dem Rufe nad) Eennenz einen guten, ober
übeln Ruf haben, in gutem 2c. Rufe fein od. ftehen; Jemand in übeln Ruf
bringen), insbef. f. guter Auf, Berühmtheit, finnv. Ruhm (ein Mann von
|
|
EEE
ruffeln — rügen 557
Ruf; die Anſtalt Fam bald in Ruf etc.); 2) ein Werkzeug zum Rufen, nur
Zäg. eine Pfeife, mit welcher man die Stimme der Thiere nachahmt, um fie
zu loden (Hirſch- Enten, Wachtelruf 2c.); auch der lebendige Lockvogel auf
dem Bogelherde; — die Rufendung, od. b. der Rufefall, Sprach. der
Verhältnifsfall (Gafus), in welchem ein Gegenftand angerufen od. angerebet
wird, der fünfte Fall (fr. Vocativ), im Deutfchen mit dem Nennfall (Nomina-
tiv) übereinftimmend; der Nufer, -8, die Ruferinn, Mi -en, wer ruft,
gew. nur in Zſetz. wie Ausrufer, Stundenrufer; Schiff. Rufer f. das
Sprachrohr.
ruffeln 1. ziellof. 3w., niederd. f. Euppeln, Kuppelei treiben; daher der
Nuffler, die Nufflerinn, (oberd. Ruffian, ital. ruftano, engl. ruffian,
franz. rufien) f. Kuppler, Kupplerinn, Gelegenheitsmacher, heimliche Un-
terhändler; die Nuffelei, f. Kuppelei, geheimes Verſtändniſs; ruffelhaft,
Bw., f. Eupplerifch.
ruffen, gew. ruffeln 2. od. rüffeln, ziel. Zw. riffen, riffeln, ſ. d.),
niederd. f. reiben, uneig. tadeln, Verweiſe geben; der Ruffel, -8, od. Ruff-
hobel, f. Schruffhobel. .
rufferig, rufig, Ruffraut, f. unter Rufe.
Rufolk, m., Szes, M. -e (gem. Ruffelk, Rofelke), landſch. f. Raubaal,
Aalraupe.
rügen, ziel. Zw. (goth. vröhjan, altſächſ. wrogian, niederd. wrögen, angelſ.
vregian; altd. rögjan, rogan, ruogen, rüegen, oberd. ruegen, rüegen; isländ.
raegja, ſchwed. röja, ſämmtlich: anklagen), urſpr. wohl überh. anzeigen, mel-
den, daher ehem. f. anführen, erwähnen (4. B. die gerügten od. angerügten
Bücher) und auf Befragen befennenz; gew. einen od. etwas —, bei der
Obrigkeit anzeigen, angeben, anflagen, beſchuldigen; jest bef.: etwas—,
f. ahnden, ſtrafen, u. zwar gerichtlich, bef. mit Gelbe (ein Vergehen), oder
gew. mit Worten ahnden, verweifen, tadelnd erwähnen (feine Unbefonnen-
heit, einen Fehler 2..—); — die Rüge, M.-n (goth. vrögs, angel]. vröht,
niederd. Wroge, altd. rüege, isländ. röge), ehem. u. noch landſch. f. Anzeige
vor Gericht, Anklage (fr. Denunciation); der Gegenftand derfelben, das
Vergehen, Verbrechen (die vier hohen Rügen: Diebftahl, Brand, Noth—
zucht, Mord); die gerichtliche Unterfuchung eines Vergehens (eine Rüge
anftellen), u. die darauf gefegte Strafe, bei. Geldſtrafe; jegt nur: eine Ahn—
dung mit Worten, finnv. Zadel, Verweis (4. B. das verdient eine Rüge) ;
ehem. auch f. Gericht, Gerichtshof, landſch. noch jest Benennung gewiffer
Untergerichte in Polizeifachen (oberd. die Rug, das Rugs amt; auch Rü-
geamt, Rügegericht), u. f. Polizeiverordnung, Polizeigeſetz (die Dorf
rüge f. Dorfordnung); — 3fes. das Nügeamt, NRügegericht, landſch.
Benennung untergeordneter Gerichte für Vergehen getingerer Art (f. o. Rüge);
der Nügegraf, ehem. der vorfigende Richter in einem Rügegerichte; der Rü—
geherr, mann, -richter, Mitglied eines Rügegerichts; der Nügemeifter,
Richter bei einem Rügegericht, bef. auf dem Lande f. Schultheiß; chem. auch
f. Sittenrichter, Hofraeifter; das Nügeopfer, im A. T. ein Opfer, welches
der Ehemann bringen muffte, wenn er feine Frau einer Untreue angeklagt
hatte; die Nügeordnung, Ordnuna, nad) welcher ein Rügegericht verfährt;
auch f. Polizeiverordnung; die Rügefache, Sache, die für ein Rügegericht
gehört; der Rügetag, Verfammlungstag eines Rügegerichts; — Ableit. von
558 ruhen
rügen: rügbar od. rügebar, Bw., was gerügt zu werden verdient, ſtraf⸗
bar; landſch. auch f. klagbar (rügebar werden); die Rügbarkeit, Straf—
barkeit; der Rüger, -8, (altd. rüegaere), wer etwas rügt, ahndet; chem.
bef. der Anzeiger, Ankläger (fr. Denunciant), landſch. ein dazu angeftellter
vereidigter Angeber; die Rügung, das Nügen, chem. bef. gerichtl. Unter-
fuchung und Beftrafung.
ruhen od. zgez. ruhn, ziellof. Zw. m. haben, (altd. räwen, räwön, ruow-
jan, ruowön, zuowen; oberd. rucen u. ruewen, niederd. rauen, fchwed. rö; |
urfpr. wahrſch. Bewegung bezeichnend; dann erft das Nachlaſſen, Aufhören
derfelben; vergl. Raft, raften, u. die Doppelbedeutung des griech. Zown, Zoweir),
fih nicht bewegen, die Lage und den Drt nicht verändern; insbef. von
einer anftrengenden, ermüdenden Bewegung od. Thätigkeit des Körpers
od. des Geiftes nachlaffen, damit aufhören, finnv. raften, ausruhen, fich
erholen (von der Arbeit ruhen; ſprichw. nad) gethaner Arbeit ift aut ruhn;
die Pferde ein wenig ruhen laſſen; er kann nicht ruhen, d. i. er ift beftändie
in heftiger Bewegung od. Iebhafter Thätigkeit; ich ruhe nicht eher, bis ich
meinen 3wed erreicht habe, d. i. ich laſſe nicht nach zu ftreben zc.); auch bef..
f. aufhören zu lärmen od. zu zanken (z. B. wollt ihr wohl ruhen! 2c.); in
beftimmterer Bed. f. fchlafen (nad Tiſche—; ich wünfche Ihnen wohl zu
zuhen 2c.), u. f. todt fein, im Grabe liegen (die Todten ruhen im Grabe;
bier ruht feine Afche 2c.); auch von lebloſen Gegenftänden: nicht bewegt,
nicht gebraucht werden (die Feder, der Hahn eines Gewehres ruhetz das
Schwert ruht in der Scheide; ein Acer ruht, wenn er unbeftellt liegt, um
neue Kräfte zu gewinnen); auf einem Dinge—, davon unterftüst, ge:
tragen werden (7. B. ihr Arm ruhte auf feiner Schulter; das Dach ruht auf
Säulen); uneig. dauernd gegenwärtig fein, haften, verweilen (der Geift
Gottes, der Segen 20. ruhet auf ihm; fein Blick ruhete unverwandt auf
ihr); — die Ruhe, M. (Selten) -n, (altd. räwa, röa, ruowa, ruowe; oberd.
Rue, niederd. Raue; isländ. u. ſchwed. r6), 1) als Abftractum: überh. der
Buftand des Rubens, entg. Bewegung, Thätigkeit (nicht zur Ruhe kommen
können; er hat Eeine Ruhe, d. i. er ift immer in Iebhafter Bewegung; ich habe
feine Ruhe vor ihm, er läſſt mir Feine Ruhe, d. i. er beunruhigt, ftört, neckt
mich 20.5 auch von Ieblofen Dingen: der Hahn eines Feuergewehrs fteht in
Ruhe, d. i. ift nicht gefpanntz; die Ruhe eines Aders, d. i. das Brachliegen),
insbef. das Ausruhen, die Erholung nad) anftrengender Bewegung od. Thä—
tigkeit, ſinnv. Naft (ich bedarf nach diefer Arbeit der Ruhe; der Ruhe pfles
gen); in beftimmterer Bedeutung: das Aufgeben der Gefchäfte, die Ge-
Thäftsfreiheit (fich in Ruhe begeben, zur Ruhe feßen; einen Beamten in
Ruhe fegen, vgl. Ruheftand); Geräufchlofigkeit, Stille, Ungeftörtheit (die
Ruhe der Nacht; bei dem Lärm Tann ich nicht mit Ruhe od. in Ruhe lefen u.
dgl.; Ruhe! als Stille gebietender Ausruf); bef. die Abmwefenheit alles
Zankes, Streites u. Krieges, finnv. Frieden (die Ruhe lieben; Ruhe halten;
in Ruhe und Frieden Ieben; die Ruhe einer Familie ſtören; die öffentliche
Ruhe 20.); das Freifein von Teidenfchaftlicher Gemüthsbewegung (Ge
müthes, Gewifjens-, Seelenruhez einem die Ruhe vauben; weder Ruhe, noch
Raft Haben; dem Tode mit Ruhe entgegen fehen); ferner f. Schlaf (fi zur
Ruhe legen, begeben; einem angenehme Ruhe wünfchen ze.; die Mittags-,
Nachtruhe 2c.) u. f. Tod (zur Ruhe eingehen; einen zu feiner Ruhe bringen,
—
rühlen — Ruhm 559
d. i. beerdigen); 2) als Concretum: der Ort, wo eine Perſon od. Sache
ruhet; beſ. in Eigennamen von Hrtern, Schlöſſern 2c. (z. B. Karls-, Wil-
helmsruhe ꝛtc.); Jäg. der Ort im Gehölz, wo das Wild gelegen hat, das Bett;
in der Mechanik: der Ort, wo ein Hebel aufliegt (Ruhepunkt); an Gewehr—
fchlöffern f. v. w. Raft (ſ. d.; — 3fes. v. ruhen u. Ruhe: die Ruhebanf,
Bank zum Ausruhen; das Ruhebett, ein langer Polfterfig zum Ruben (fr.
Sopha); der Ruhebock, ein Gerüft der Vogelfteller, worauf die Stangen
mit den Leimruthen ruhen; das Muhefeld, landſch. f. Brachfeld; das Ruhe—
gehalt, Zahrgehalt eines in Ruhe Geſetzten (fr. Penfion); die Ruhefammer,
Schlaffammer; uneig. f. Grab; das Ruhekiſſen, ein Kiffen, darauf zu ruhen
(uneig. fprichw. ein gut Gewiffen ift ein fanftes Ruhekiffen); ruhelos, Bw.,
keine Ruhe habend, unruhig; die Ruheloſigkeit; der Ruheplatz, die Ruhe—
ftelle, -ſtatt, -ſtätte ꝛc., Plas, Stelle, wo man ruht oder ausruht; das
Nuhepulver, Sclafpulver für Kinder, Kinderpulver; der Ruhepunkt, der
Punkt, auf. welchem eine Laft ruht; der Punkt, u. insbeſ. das Unterfcheidungs-
zeichen, bei welchem man ruht od. inne hält; der Muheriegel, Krfpr. zwei
hölzerne Riegel, welche die Wände eines Kanonengeftelles zufammenhalten;z
der Ruhefiß, ein Sitz, Seffel zc., worauf man ruht; ein Wohnſitz, wo man
der Ruhe genießt; der Ruheſtab, f. v. w. Malerftod; der Ruheſtand, Zu—
ftand der Gefchäftlofigkeit, Freiheit von Amtsgefchäften (einen Beamten in
Ruheſtand verfegen); die Ruheſtunde, der Ruhetag, Stunde, Tag, zur
Ruhe beftimmt; der Ruheſtörer, die Ruheſtörerinn (ſ. ftören); ruhevoll,
Bw., ganz ruhig; das Auhezeichen, ein Zeichen, welches Stille od. Inne—
halten gebietet, Ruhepunkt, Pauſe; die Ruhezeit, der Ruhe od. Erholung ge-
widmete Zeitz — Ableit. von Ruhe: ruhig, Bw. u. Nw. (altd. ruowec;
oberd. ruewig, rueig), überh. Ruhe habend, haltend, in Ruhe; insbef. ohne
Bewegung (ruhig liegen, figen 2.5 die See wird ruhig); ohne befchwerliche
Gefchäfte (ein ruhiges Leben führen); ohne Geraufh, ftill, ungeftört (ſeid
ruhig, Kinder! ruhig fchlafen); frei von heftigen Gemüthsbewegungen, ohne
Angſt, Sorgen ꝛc., finnv. leidenfchaftlos, forglos, gelaffen ꝛc. (fein Sie
ruhig! etwas ruhig abwarten; ruhig dem Zode entgegen fehen; ein ruhiges
Gewiffen, Alter 2c.).
rühlen od. rülen, ziellof. Zw. (aud) rüheln, röheln 2c.), oberd. f. röcheln,
ſchreien (von den Fröfchen); brülfen, wiehern; verächtl. f. weinen, heulen;
der Rühler, -8, f. Zuchtftier; der Rühling od. Röhling (f. o. Röling),
08, M. -e, f. Sumpf, Teichfrofch.
Ruhm, m., -es, o. M. (altd. hruom, ruom, isländ. rom; oberd. Ruem,
niederd. Room, holl. roem; urfpr. — Ruf, ſ. u. rühmen), ehem.’ überh. lau—
tes Geſchrei, lauter Zuruf (vol. d. ſchwed. rom, Beifallsruf); Auf, Ges
vücht (ſprichw. euer Ruhm ift nicht fein); jest in engerer Bed. guter Ruf,
u. zwar dev weit verbreitete höchſt ehrenvolle Ruf, der durch große, feltene
Eigenfchaften u. Leiftungen erworben wird, mehr ald Ehre, (es gereicht ihm
zum Ruhme, vermehrt feinen Ruhm; nad) Ruhm ftreben; ſich mit Ruhm be=
decken, d. i. fi) Ruhm, bef. Kriegsruhm erwerben); auch f. das Rühmen,
Erheben der Vorzüge ıc., finnv. Lob, Preis, oberd. bef. f. Prahlerei (mit
Ruhm; ohne Ruhm zu melden); der Gegenftand des Ruhmes (bibl. Gott
iſt dein Ruhm; dies fei mein Ruhm auf Erden! ꝛc.); Zfeg. die Ruhmbe-
begierde od. =begier, das lebhafte Streben nach Ruhm; die Ruhmgier, der
560 Ruhr
-
Ruhmdurft drücen einen höheren Grad ungemäßigter Begierde nach Ruhm,
die Ruhmfucht den höchſten Grad derfelben aus; daher die Bw. ruhmbe-
gierig, ruhmgierig, -Durflig, -füchtig, Ruhmbegier 2c. habend u. zeigend;
ruhmbekränzt, gekrönt ıc., Bw.; ruhmlos, Bw., ohne Ruhm, unberühmt;
keinen Ruhm gewährend; die Ruhmloſigkeit; der Ruhmneid, Neid über
Andrer Ruhm; ruhmredig, Bio. (nicht ruhmeäthig!), fich felbft mit unge-
bührlichem Ruhm erhebend, finnv. prahlhaft, prahlerifh; die Nuhmredigfeit;
ruhmreih, Bw., reich) an Ruhm, großen Ruhm habend; ruhmvoll, Bw.,
vielen Ruhm habend, fehr berühmt; vielen Ruhm gewährend (eine ruhmvolle
That); ruhmwürdig, Bw., des Ruhmes werth, Ruhm verdienend (ein Mann,
ein Werk 2c.); die Ruhmwürdigkeit; — rühmen, Zw. (altd. hruoman,
_ ruomen; oberd. rücmen, niederd. römenz urſpr. wohl nur Nebenform v. hruo-
“ fan, ruofen zc. rufen, mit Wechfel des f und m, wie in Reim 2. — Reif;
isländ. röma, Beifall rufen; angelf. hreman, freien), 1) ehem. ziellos f.
fhreien, laut rufen, bef. aus Freude (fo noch in der Bibel); gew. 2) ziel.
die Vorzüge einer Perfon od. Sache laut verfünden, mehr als loben, weni-
ger als preifen, f. d. (einen od. etwas —; man rühmt ihn als einen rechtfchaffe-
nen Mann; jeder Kaufmann rühmt feine Waare;z auch ald Hm. viel Rüh—
mens von einer Sache machen, d. i. fie fehr rühmen); ſich —, feine eigenen
Vorzüge erheben, ſinnv. prahlen, großthun (er rühmt ſich beftändig; mit
dem Gen. der Sache, 3. B. fich feiner Klugheit rühmen; ich rühme mich def
fen nicht 2c.; Ableit. der Rühmer, -$ (altd. ruomaere), vlt. f. Prahfer;
rühmlich, Bw., was zu rühmen ift, Ruhm bringend, zum Ruhme ge
reichend (eine rühmliche Handlung); als Nw. auch: rühmend, mit Ruhm
(. B. rühmlich von Jemand fprechen); die Rühmlichkeit, das Rühmlich—
fein; das Rühmfal, oberd. Rühmſel, -8, vit. f. übertriebenes Rühmen,
Prahlerei; rühmfen od. rühmſeln, 3w., vlt. f. fehr rühmen, prahlen;
der Rühmſer od. Rühmſeler, -8 (altd. ruomesaere, ruomser), vlt. f. Prah—
ler, Großſprecher; rühmſam, Bw., vit. f. gern rühmend, ruhmredig.
Ruhr, w., M. -en (altd. hruora, ruore u. ruorz oberd. Nuerz von hruor-
jan, rüeren, rühren, |. d.), urfpr. überh. das Nühren, die Erregung,
Bewegung (vgl. der, ehem. die Aufruhr), das Berühren, Anftoßen; da
ber 1) landſch. die zweite od. dritte Feldarbeit zur Minterfaat mit dem
Ruhrhaken oder Hakenpfluge;s die legte Behackung der Weinſtöcke;
Schiff. das Anftoßen, Stranden des Schiffes (Grundruhrz daher das Ruhr-
recht f. Strandredht); ehem. auch die Stelle, wo das Wild aufgejagt wird
(altd. ruore); ferner das, was gerührt wird od. fich rührt, insbef. chem.
die Koppel der Jagdhunde, das Bradenfeil; bei der Falkenjagd und dem
Vogelfange: der Lockvogel, welchen man flattern Läfft: die Ruhr, od. der
Ruhrvogel, die Ruhrlerche; daher auch die Ruhrſchnur, die Schnur,
an welcher der Ruhrvogel befeftigt ift; 2) jest gew. nur f. Bauchflufs, Durch—
fall (fe. Diarrhöe; Neiße, rothe Ruhr), insbef. f. die rothe Ruhr, ein ſchmerz—
hafter, biutiger Durchfall (fr. Dysenterie); — Zfes. ruhrartig, Bw., der
Ruhr ähntic (eine ruhrartige Krankheit); ruhrkrank, Bw., auch ald Hw.
ein Ruhrkranker 2.5 das Ruhrkraut od. die Ruhrpflanze, verſch. Kräuter,
welche ald Heilmittel gegen die Ruhr dienen: die rankende Rheinblume od. das
Bergruhrkraut (gnaphalium dioicum L.); das große Ruhrkraut (gn. sylvati-
cum L,); das Sumpfruhrkraut (gu. uliginosum) ; dag gemeine Ruhrkraut, auch
rühren 561
Feldkätzlein (hlago germanica L.); eine Art des Alants, Ruhralant; un-
echtes Ruhrkraut, die Falzblume (micropus L.) u. a. m.; das Ruhrmittel,
‚Heilmittel gegen die Ruhr; die Ruhrnuſs, Lambertönufs, als Ruhrmittel
betrachtet; die Ruhrwurz od. -wurzel, ein mit dem Fingerkraut verwandtes
Pflanzengefchlecht mit zufammenzichender, blutftillender Wurzel, Rothwurz,
Blutwurzel 2c. (tormentilla L.). ,
rühren, Zw. (altd. hruorjan, rörjan; rüeren; oberd. rüeren; isländ. hröra,
ſchwed. röra, niederd. rören; angelf. hreran, engl. rear), 1) ziellos m. haben,
fich bewegen, bewegt werden (daher altd. an-, her-, zuo rüeren f. an, da—
her=, herzueilen, =fprengen), jest nur uneig. f. feinen Urfprung von etwas
- haben, davon ausgehen, entfichen, abhängen (von Semand zu Lehen rüh-
ven; daher rührt e8 2c.; vgl. das zgef. herrühren); auch f. ſich wohin er=
ſtrecken, an etwas reichen, floßen, grenzen, treffen (bibl. die Leiter rührte
an den Himmel; oberd. ein Grundftüc rührt an ein anderes; einem an feine
Ehre rühren 2c.); in etwas — eine Freisfürmige Bewegung darin machen,
es umrühren; 2) ziel. a) überh. bewegen, in Bewegung fegen, regen
(kein Glied rühren können; auch rückz. ſich —; ſich nicht rühren können ꝛc.;
rührt euch! d. i. ſetzt euch in Bewegung); in beſonderer Bed. alle Theile
eines Stoffes in Ereisförmige Bewegung fegen, um-, durchrühren (den
Brei, die Farbe 2c.), daher auch landfch. f. butternz Landw. den Ader—,
"mit dem Ruhrhafen od. Hakenpfluge der Quere nach. durchfchneiden, haken—
pflügen, quieren (vgl. Ruhr); b) erreichen, berühren, anrühren, antaften
(bibl. feine Hand hat uns nicht gerühretz; das Schiff rührt den Grund, vgl.
Ruhr), treffen, betreffen hom Blitz, gew. vom Donner gerührt werden; der
Schlag hat ihn gerührt), fchlagen (die Trommel—); c) uneig. einen Ein-
drud auf das Gemüth machen, es erregen, zur Theilnahme, zum Mit-
gefühl bewegen (einn—, ihm das Herz —; das rührt ihn nicht; ich war
tief gerührt); be. das Mw. rührend als Bw. u. Nw. (ein rührender An-
blick; rührend Elagen 2c.); — 3fes. das Rührei, in der Pfanne ausgefchla-
gene u. mit Butter eingerührte Eier; das Nühreifen, Rührholz, die Rühr-
Felle, der Rührlöffel, das Rührfcheit, die Rührftange, der Rührſtecken
0d. flo, Werkzeuge etwas damit umzurühren in Küchen u. verfchiedenen Ge-
werfen; das Rührfafs, landſch. f. Butterfafs; dev Rührhaken, 1) Hüttenw.
ein hakenförmiges Werkzeug zum Umrühren des gefchmolgenen Metall; 2)
Landw. |. v. w. Ruhrhaken (ſ. Ruhr); die Rührmilch, Mich, in welche et-
was gerührt wird; geronnene Mitch; der Rührnagel, in den Mühlen: ein
Nagel, welcher den Schuh in zitternde Bewegung fest u. das Getreide zwi-
Then die Steine fallen läſſt; — Abtleit. rührbar, Bw., fähig, gerührt zu
werden, eig. u. uneig. (ein rührbares Herz); die Rührbarkeit; rührig,
Bw. (altd. rüerec, oberd. ruerig, rüerig, gerüerig), fich gern u. leicht rüh—
tend, beweglich, vegfam, munter u. thätig (ein rühriges Mädchen; der
Alte ift noch rührig); die Nührigkeit, Regſamkeit, Munterfeit; rührfam,
Bw., geneigt, fich zu rühren, rührig; die Rührſamkeit; die Rührung,
1) felten die Handlung des Rührens; 2) gem. das Gerührtfein, fanfte
Gemüthsbewegung od. -Negung, Mitgefühl (etwas mit Rührung fehen,
hören 2.5; auch M. Rührungen, d. i. fanfte Empfindungen des bewegten
Gemüths); 3) Schiff. eine Bekleidung des Ankerringes mit alten Tauen
"Anferrührung). yon
Heyſe' 8 Handwörterh. d. deutichen Spr. 2. Theil. 36
562 Ruländer — Rumpel
Ruländer, m., -8, eine Gattung des Weinſtocks mit Kleinen, leber—
farbenen, fehr fügen Beeren, aus Frankreich ftammend.
Nulle 1. w., M.-n (— Xille, f. d.), niederd. Eleine Offnungen in
einem Deiche, aus den Gängen der Maulwürfe, Wafferratten 2c. entftehend;
das Rüllenloch, Bergw. das Loc) in einem Kaften des arbeitenden Berg-
mannes, durc welches das Erz 2c. zum Treibfchachte gefördert wird.
Rulle 2. w., M.-n, niederd. f. Rolle; rullen, 3w., f. rollen; daher
Rullken, M. = Röllchen), niederd. Rn —— dünne Kuchen;
— mit Fleiſch gefüllte und zuſammengenähete Stücke vom Rinder—
Panſen, in Eſſig bewahrt u. dann in der Pfanne gebraten.
rülpfen, ziellof. 3w. m. Haben, (ein Schallwort; niederd. rulpfen,
oberd. rulpezen, rülzen, grülzen, grolzen 2c.), gem. f. eine Magenblähung
* aufſtoßen laſſen, landſch. auch: gröpſen, koppen; der Rülps, -es,
.e (niederd. Rulps) 1) ein lautes Aufſtoßen aus dem Magen, oberd.
anne Görps; 2) nieder. f. ein grober, ungefitteter Menſch (oberd.
Rülp, Rülz, Ri); der Rülpſer, —s, wer rülpft; auch f. Rülps 1).
Kum, m., -8, 0. M. (aus dem engl. rum), Zuderbranntwein, Brannt-
wein aus Zucerrehr oder Zucker-überreſten; daher die Rumflaſche, das
Rumglas ıc.
Rummel, m., ſ. unter rummeln.
Rümmel, m., -5, M. w. E. (vgl. Remel), landſch. 1) f. ein Eurzes,
dides Stück Holz; Forftw. ein Sägeblod; 2) f. eine Rinne, 3. 8. in
den Mühlfteinen.
„ tummeln, ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallwort; Holl. rommelen,
rammelen; niederd. auch grummeln; vgl. rumpeln und trommeln), gem. f. ein
dumpfes Geräufch hören laffen, (es rummelt mir im Leibe); überh. f. pol-
tern, lärmen; der Rummel, -8, o. M. 1) landſch. f. Inutes Geräuſch,
Lärm, Unruhe, Überlaft von Geſchaͤften; lärmender Vorfall od. Handel,
bei. Kriegslärm; 2) niederd. allerlei alte Sachen, beſ. Eiſenzeug u. dgl.
unter einander, Gerümpel, Rumpelkram (hol. rommelery, rommeling);
überh. mehre Dinge ohne Wahl, gut und fchlecht unter einander (den
ganzen Rummel kaufen; etwas im Rummel Eaufen, d. i. in Bauſch und Bo-
gen); 3) im Piquetfpiel die Zahl der gleichartigen Kartenblätter, die ein
Spieler vor dem andern voraus-hat (den Rummel haben; ital. ronfa, franz.
ronfle); uneig. fprihw. den Rummel verftehen, d. i. feine Sache verftehen,
fi zu feinem Vortheil zu benehmen wiffen; 4) fränk. f. eine Geldrolle; die
Rummelei, gem. f. dag Rummeln; der Rummel, das Gerümpel.
Rumdr, m. (ehem. auch w.), »28, M. (ſelten) -e, (chen in der älteren
Sprache und zwar, wie der Ton lehrt, zunächft von dem ital. rumore entlehnt,
welches v. dem lat. rumor ftammt), gem. f. lautes Geräuſch, Lärm, Getöfe;
insbef. Aufruhr, NRaufhandel, Schlägerei; daher das Rumorhaus, in
Wien: ein Haus, wohin lärmende Nachtftreicher gebracht werben; der Ru—
mormeifter, Numorfnecht, die Rumorwache, ehem. u. noch landſch. f-
Polizei-Vorgefester, -Diener, -Wache; rumoren, ziellof. Iw., gem. f. lär—
men, toben, poltern; der Rumorer, -8, f. Lärmer, Polterer, bef. wer
die öffentliche Ruhe ftört.
Rumpel, w., M.-n (vergl. Rimpeh, niederd. f. Runzel; rumpeln 1.
Zw., f. tungeln; der Rumpler 1. vd. Rümpler, -8, f. v. w. Nimpler.
tumpeln — rund 563
rumpeln 2. ziellof. u. ziel. Zw. m. haben (ein Schallwort, nieberd. auch
verftärft: rumpumpeln; vgl. rummeln; engl. rumble), gem. f. ein dumpfes
Geräuſch hören laffen od. hervorbringen, ftärker u. härter als rummeln
(unter einander geworfenes Geräth rumpelt; auch: in oder mit folhem Ge-
räthe rumpeln, d. i. darin herum kramen; auf einer Bafsgeige rumpeln, d. i.
fehlecht fpielen), insbef. von dem polternden Schütteln und Stoßen eines
Magens auf unebenem Wege (dev Wagen rumpelt auf dem Pflafter; auch
ziel. ich habe mic) im Wagen rumpeln laffen ; vergl. überrumpeln); einen—,
Bergw. den, welcher in eine bergmännifche Gefellfchaft treten will, hänfeln,
indem man ihn auf ein Holg (das Rumpelholz) legt, und darauf hin- und
berrollt; oberd. auch überh. f. zum Beſten haben; der Rumpelbaum,
Kürſchn. ein Werkzeug, auf welchem die Pelze vor dem Garmachen mit dem
* Stoßeifen abgeftoßen werden; der Numpelgeift, niederd. f. Poltergeiftz die
Rumpelkammer, j. v. w. Polterfammer; der Rumpelkaften, ein Kaften,
in welchem man altes Gerümpel verwahrt; die Numpelmette, |. v. w. Pum⸗
permette, |. d.; die Rumpelnacht, oberd. f. Chriftnacht; die Rumpelfuppe,
oberd. die erfte Speife, die einer Wöchnerinn nad) der Entbindung gereicht
wird; das Numpelthier, bair. f. das männliche Zuchtfchwein; der Rump—
ler 2. -8, wer rumpelt; oberd. f. dumpfes Geräuſch; fchnelle einmalige
Bewegung, Anlauf.
Rumpf, m., -e8, M. Rümpfe, (niederd. u. engl. rump, hol. romp;
von rimpfan , nam, f. d., alſo eig. das Zufammengezogene, Gekrümmte;
vgl. das isländ. rumpr, der Hintere; oberd. Rampf f. Abfchnitt überh.; auch
Trumm, Strunk u. das lat. truncus), 1) der ganze hohle Haupttheil des
menfchl. u. thier. Körpers mit Ausfchlufs des Kopfes, der Arme und Beine,
f. v. w. der Leib im engeren Sinne; auch der Theil eines Hemdes, welcher
den Rumpf bedeckt; niederd. auch ein Kamifol ohne Ärmel; der Rumpf
eines Schiffes, d. i. das Schiffsgebäude ohne Maften und Tauwerk; Schuhm.
der weite Theil eines Stiefels oberhalb des Schuhes; 2) in einzelnen An-
wendungen überh. f. etwas Gefrummtes; ein hohles Gefäß, z. B. oberd.
hohle Baumtinde, ald Gefäß für Erdbeeren ze. dienend (auch Rampf),
auch für Bieger (Siegerrumpf), Harz (Harzrumpf) u. dgl.; landſch. ein
aus einem Kloß gehauener Bienenftod; Müll. die Einfaffung des Beu—
tels, der Schuh; auch der trichterförmige Kaften, durch welchen das Ge
treide zwiſchen die Steine fält, Trichter, Korb x.; das Rumpfleder,
Schuhm. Leder, welches zu den Rümpfen der Stiefeln genommen wird; das
Rumpfloch, Müt. ein Loch an dem Beutelkaften, od. an dem Trichter.
rümpfen, ziel. 3w. (v. d. altd. ablaut. rimfan, rimpfen, rampf, gerum-
pfen, noch oberd. rimpfen, d. i. rigen, runzeln, Erümmen, zufammengichen;
angel]. rimpan, vgl. das nicderd. rimpeln, rumpeln; aud) Krampf, Ranft,
Rumpf, krumme; daneben ſchon mittelhocd. das bloß umend. rumpfen, vgl.
ſchrumpfen), krümmen, vunzeln, in Falten ziehen, jest nur: den Mund
u. bef. die Naſe —, als Zeichen der Verachtung oder des Hohnes (ehem. auch:
die Stiin— 20); die Rümpfnaſe, eine gerimpfte Naſe; Naturk. eine Art
Stutzköpfe; rumpfelig od. rumpelig, Bw., alt und landſch. f. runzelig,
Ihrumpfelig. |
rund, Bw., Comp. runder, Sup. rundeſt, (ichwed. rund, engl. round;
ſchwerlich vor dem 13ten Sahrh. aus dem franz. rond, ital. rondo entlehnt,
36*
564 rund
welche aus dem latein. rotundus, d. i. eig. radförmig, entitanden find; die
altd., isländ., angelj. Sprache Eennen das Wort nicht; im Mittelhochd. fteht
dafür sinewel), Ereis-, kugel- od. walzenformig (ein runder Tiſch, Hut 2c.;
eine runde Scheibe; ein runder Thurm); in weiterer Bed. ohne Eden, Kan-
ten u. merkfliche Unebenheiten, mit gleihmäßig gebogener Oberfläche, entg. -
eig (ein Ei ift rund, ei= od. länglichrund; ein runder Stein, Kloß; runde
Arme 20.5; runde Bildwerke, d. i. die Eeine flache Seite haben, entg. der er-
habenen Arbeit od. dem Relief); als Nw. im Kreife, in einer zu ihrem An—
fangspunfte zurücdkehrenden Bogenlinie, finnv. rings (z. B. rund um das
Haus gehen; die Haare rund um den Kopf abfchneiden; der Kopf geht mir
rund, landſch. f. ſchwindelt mix); ferner wellen= oder hügelähnlich erhöht, F
gewölbt, entg. flach, platt (runde Wangen, Brüfte; eine runde Stirn; ein
vunder Bauch; landſch. die Frau it rund f. ſchwanger); auch gem. f. freifchig,*
fett (ſich rund effen 2e.); uneig. f. einfach, beftimmt, ungefünftelt, geradezu,
gleich]. abgerundet, von einfacher Form, ohne Eden und Winkel (etwas mit
runden Worten od. rund heraus Jagen; eine runde Antwort; bei. eine
runde Zahl, d. i. eine nur aus Zehnern ohne Einer beitehende Zahl, 3. B.
20, 100, 1000 2c.); das ift mir zu rund, fprichw. f. ich verftehe es nicht
(id) kann es nicht faſſen; es entgleitet gleich]. meiner Hand); das Mund, -eg,
M.-e, etwas Nundes, ein Kreis, Ring, eine Kreisfläche (ein Rund in
einem Garten, d. i. ein rundes Beet, fr. Rondel); ein Eugelförmiger Körper,
eine Kugel (das Erdenrund); — 3fes. rundäugig, »bädig od. wangig,
ebruftig zc., Bw., runde Augen, Baden 2c. habend; rundbruftig, gem.
rundburftig, niederd. f. freimüthig (gleich!. rund von der Bruft weg fpre- °
hend); der Rundbaum, Wellbaum, Welle, bef. Bergw. die Welle eines
Haspels; das Rundbeet, rundes Gartenbeet (ſ. Rund); das Rundbild, ein
Bild auf einer Kreisfläche (fr. en medaillon); die Nundblume, Kugelblume;
das Nundeifen, ein gerundeter Meißel der Bildhauer; ein ähnliches Dreh—
eifen der Zinngießer; rund=erhaben, Bw., baudicht, Linfenförmig gewölbt
(fr. conver); die Runderhabenheit, (fr. Gonverität); der Rundfiſch, ein
£ugel- od. walzenförmiger Fiſch, z. B. der Kugel, Röhrenfilch ꝛc.; im Handel
auch f. getrodineter Dorſch, Stockfiſch, welcher feine natürliche Rundung be—
halten hat; dag Nundgebaude, (fr. die Rotunde); das Rundgemälde,
f. v. w. Rundbild; auch ein Umfichtsbild (fr. Panorama); der Rundgeſang,
ein von Mehren in die Runde od. nach der Reihe gefungenes Lied; die Rund-
baue, Bergw. eine Art Haue zum Aufhauen des Raſens; rundhohl, Bw.,
ſ. v. w. hohleund (fr. concav); das Rundholz, Schiff. alle walzenförmigen
Hölzer, als Maften, Segelftangenz auch das nicht gefpaltene Brennholz von
den ten der Bäume; der Rundmünder, Naturk. Mondfchnede (f. d.) mit
runder Mündung; die Nundperle, ein metallenes Werkzeug der Stein» und
Wappenſchneider; der Rundplatz, runder Plas (fr. Rondeh); die Rundfäge,
eine Säge der Stuhlmacher zum Ausfchneiden von Rundungen ze. ; die. Rund—
faule, eine runde Säule, z. U. v. einer kantigen; auch eine glatte Säule z. U.
v. einer gerieften; u. überh. f. Walze (fr. Eylinder); der Rundfchild, ein
runder Schild; Naturk. f. Schildkrautz die Nundfchnur, runde Schnüre,
bef. zum Befegen der Ränder und Näthe von Kleidungsftüden; der Rund⸗
ſtahl, Drechsl. ein Dreheiſen mit oberwärts gerundeter Spige; dası Rund-
ſtück, ein rundes Blumenſtück in einem Garten; ein rundes Geldſtück, bei.
R Rune — Runge 565
eine ſchwed. Kupfermünze (Dr); landſch. auch eine Art runder Semmeln;
rundum, Nw., rund herum, in die Runde, ringsum (ſich rundum drehen 2c.) 5
die Rundwache, eine in die Runde gehende Wache, gew. bloß Runde (fr.
Patrouilte); das Rundwerk, eim rundes oder rundliches Werk, bef. Bildwert
von Gips 20.5 der Nundwurm, Darm od. Spulwurm; — Ableit. die
Runde, M.-n, (ital.'ronda, franz. ronde), Kreisbewegung, Ereisfürmige
Richtung, Umkreis (in die Runde gehen, trinken; zehn Meilen in die Runde);
insbef. die Freisfürmige Stellung u. Bewegung der Zanzenden (die Runde
machen); Krſpr. der Kreisgang der zur Unterfuhung dev Poften beftellten
Wache, u. diefe Wache felbft (die Runde thun, machen od. gehen; die Haupt-,
Tagerunde.2c.); verfch. die Rinde oder feltener Rundheit, 1) o. M. das
Nundfein, die runde Befchaffenheit einer Sache (uneig. die Ründe des Aus-
drucks, d. i. die bündige Kürze mit Zierlichkeit verbunden); 2) M. -en, ein
runder od. gebogener Körper od. Körpertheil, z. B. Schiffb. alle nad) außen
gehenden Krümmungen (Ründen); rundlich, Bw., der runden Geftalt fich
nähernd, abgerundet, nicht edig (ein rundlicher Stein, Kopf; ein rundliches
Blatt 2c.); die Rundlichkeit, das Rundlichfein; runden, rüdz. Zw. fih—,
rund werden, Nünde befommen od. haben (der Bufen rundet ſich); oberd.
aud in die Runde gehen, die Runde machen (wofür aud) rundiren, nie-
derd. runderen gefagt wird); runden, ziel. 3w., etwas—, rund machen,
einer Sache Ründe geben (die Orgelbauer ründen (gew. mit fremdartiger
Endung: rundiren) die Zinnplatten zu Pfeifen; uneig. ein Land, einen
Staat—, fr. arrondiren; den Ausdrud—, d. i. äußerlich vollenden u. glätten,
vgl. abrunden); fih—, f. v. w. rundenz die Nundung, 1) o. M. die
runde Geftalt (4. B. einer Kugel; einem Dinge Rundung geben); 2) M.
-en, etwas Nundes, Kreis= od. Bogenförmiges (verfchiedene Rundungen;
Zäg.' ein Ereisförmig in das Holz gehauener Weg); die Nündung, o. M.,
die Handlung des Nündens, das Ründen oder Abrunden (4. B. eines
Pages, eines Staates, eines Redefakes 2c.).
Rune, w., M.-n (goth! rüna, Geheimnifs; altd. u. altſächſ. rüna, is-
länd. u. angelf. rün, Geflüfter, Geſpräch, Buchſtabe; mittelhochd. rüne, Ge-
flüfter, heiml. Berathung; nicht von runen, fchneiden, woher Runfe 2.,
Schnitt ftammt; fondern von gleichem Stamme mit raunen (f. d.), wie die
ältefte Bedeutung u. das durchgängig lange ü lehrt), die Alteften, meift gerad-
linigen Schriftzeichen od. Buchftaben der alten Deutfchen, deren ſich nicht
allein (wenn auch vorzugsweiſe und noch in fpäterer Zeit) die nordiſchen, fon-
dern auch die fühl. germanischen Völker bedienten; daher die Runenfchrift;
der Runenſtab, ein Stab mit eingefchnittener Runenſchrift.
tunen od. verft. runfen, rünfen, ziel. Zw. (holl. ruynen) niederd. f. ſchnei—
den, jedoch nur in der engeren Bed. verfchneiden (einen Hengſt —, wallachen);
der Rune, -n, M. -n (Hol. ruyn), niederd. f. Wallach; der Runker oder
Rünker, -3, f. Pferdeverfchneider; — der Nunfe, -n, M. -n, od. der
Runfen, —s8s, M. w. E., landſch. gem. f. ein abgefchnittenes Stud, bei.
ein dides Stud Brod. , | ;
Runge, w., M. -n, (goth. hrugga, Stab; mittelhocjd. runge; engl.
rung, Querbalten; vgl. das oberd. der Rang oder Rangen, f. Pfloc im
Schiffe), eine Stange, ein Pflod; insbel. an einem Leiterwagen das in der
Achſe befeftigte Holz, an welches die Wagenleiter fich Ichnt, Wagenrunge,
PES=Z
566 Runkel — rupfen
auch Leite, Stammteiftes landſch. auch ein ftarker eiferner Bolzen, nieder».
bef. ein großer, an dem fpigigen Ende eingehatter Nagel, Spitzbolzen; die
Rungfchale, der Rungichemel oder Rungſtock, das auf der Wagenachſe
zwifchen den Rädern ruhende Holz, in welchem die Rungen ftecen.
Runkel, w., M.-n, od. gew. die Runfelrübe, (landſch. auch Range,
Rande, Rohne, Raunfche, Rungfel 2c.; von rangen, ranken, fich dehnen,
ausbreiten?), der rothe Mangold oder die Beete; bei. aber eine Spielart
derfelben mit weißem Fleiſch, welche fehr guoß und die wird, und nicht bloß
”als Viehfutter, ſondern auc zur Zucerbereitung gebraucht wird, auch Dick—
vübe, Futterrübe ꝛc.; daher der Nunfelrübenzuder.
runfen, rünfen, 3w., dev Runken od. Runke, ſ. unter runen.
Runks, m., -28, M. -e (v. ranken, landſch. runken f. dehnen, ſtrecken;
vgl. Range 3. u. Rekel), Tandfch. gem. f. ein plumper, grober Menſch; in
Hamburg auch: ein großer Hund; runffen, ziellof. Zw., niederd. gem. f.
fi) dehnen od. ftreden, unanftandig u. faul liegen.
Runkunkel, w., M. -n (wahrfch. v. dem altniederd. runken, engl. wrinkle,
runzeln; vielleicht auch mit Kunfel, Spinnroden, verwandt), niedr. f. ein
häfsliches, runzeliges altes Weib.
Runfe 1. ov. Rünfe, w., M. -n (altd. die runse, runs, runst, oberd.
der u. die Runs, Runſt; daher Blutrunft, blutrünftig; von rinnen),
oberd. f. das Rinnen, Fließen; das Ninnende, ein Bach, Eleiner Flufs
und deffen Bert; — die Runfe 2, M. -n (won runen, ſchneiden) landſch.
ein Einfchnitt, eingehauenes Zeichen in Grenzfteinen.
Runzel, w., M. -n, Verkl. das Runzelchen, (altd. ruuza, runze;
ranzila, runzel; wahrfch. entjt. aus rung-sa, Rungfel, v. ringen, angeli.
vringan, winden, zufammendrehen; daher angel. vrincle, engl. wrinkle; fchwed.
'rynaka; niederd. Krünkel; isländ. rucka, rauga; lat. ruga); eine fehlerhafte
alte, be. eine durch Zufammenziehen od: Einfchrumpfen entftandene unſchöne
alte in der Haut (Rungeln im Geficyt 1c. befommen, haben; ein austrod:
nender Apfel bekommt Runzeln); — 3Tes. das Runzelblaft, ein Pflanzen-
gefchlecht aus der Familie der Knabenkräuter (arethusa L.); die Runzel-
bfume, ein Pflanzengefchleht: Hyacinth- od. Feder-Aloe; der Nunzelbund,
eine einem türkiſchen Bund ähnelnde ungenabelte Mondichnede; die Runzel⸗
haut; runzelhäutig, Bw.; der Runzelkamm, eine Art Napfſchnecken;
der Runzelkorb, eine Art Korbmuſcheln; der Runzelmann, Neuw. f. ein
finfterer, grämlicher Mann; das Nunzelmaul, eine Art Panzerfiiche; die
Nunzelmufchel, eine Art Miesmufchein; die Runzelfchlange, eine Art
Schlangen mit runzeliger Haut: runzelvoll, Bw.; — Ableit. runzelig od.
runzlig, chem. auch vunzelicht (altd, runziloht), Runzeln babend, mit
Runzeln bededt (eine runzlige Stirn); runzeln, 3w., 1) ziellos m. fein u.
. rüdz., Runzeln befommen, vunzlig werden (die Haut. runzelt, od. runzelt
fih im Alter); 2) ziel. runzelig macyen, in Runzeln ziehen (die Stirn
runzeln).
Rüpel, m., -8, M. w. E., oberd. 1) (auch Raup, |. d., Rupel) ein
ungefchliffener, grober Menſch, Zölpel, (vergl. Riepeh; 2) eine Perfon
von ſchwarzer Hautfarbe; 3) Verkt. des EN. Ruprecht, Rupert.
rupfen, ziel. Zw. (niederd. ruppen; verſtärkende Nebenform von raufen,
ſ. d. oberd. auch raupfen); wiederholt, nach u. nach amd einzeln oder in
Ruppe — Ruf 567
Eleiner Menge raufen od. ausreißen (die Haare aus der Haut—; auch) einen
oder ſich —; fi) (mir) den Kopf rupfen 2c.); gem. in engerer Bed. vom Ge:
flügel: ihm die Federn ausraufen (ein Huhn—; eine gerupfte Gans :c.);
uneig. einen—, ihn nad) und nach um das Seinige bringen, ihm fein
Geld abnehmen (z. B. im Spiele), oberd. einem etwas auf- od. vorrupfen,
f. vorwerfen, vorrüden; die Nupfe, 1) gem. f. das Rupfen; 2) (auch der
Rupfen, alt der rupfe) oberd. der zum Abfpinnen an den Noden gebun-
dene Flachs, Hanf ꝛc.; auch f. Werg (ihweiz. Rupp); Leinwand aus
Werg; rupfen, Bw. (altd. rupfin), oberd. f. von Werg (z. B. rupfenes
Garn, Tuch ꝛc.); der Nupfer, —s, die Rupferinn, wer vupft, insbef.
Hutm. wer das grobe Haar von den Fellen mit dem Raufmefjer ausrupft.
Ruppe, w., M. -n, (oberd. die Ruppen), landſch. f. Aalraupe, Quappe.
ruppen, ziel. Zw., nieberd. f. rupfen; daher ruppig, Bw., gem., eig.
rupfig, zerrupft, d. i. zerriffene Kleider anhabend, zerlumpt, lumpig, in
der Kleidung vernachläffigt; auch überh. f. armfelig, ſchlecht (ein ruppiges
Geſchenk); Farg, filzigz; der Rupps, -e8, niederd. f. ein Zug, ſchneller
Stoß, plöglicher Angriff.
Ruprecht, —s, verkürzt Nupert, Robert (ſ. d.), ein männliher Tauf—
namen; der Knecht Rupredt, ein Schredbild, womit man Kindern droht,
bef. zur Weihnachtszeit, wo er den heiligen Chrift begleitet und die unartigen
Kinder ftraft.
Ruf, m., -e3, M. (ſelten) Rüfche, (gem. niederd. Ruft, Küsten, han-
növ. Riſch; angel. resc, risc, engl. rush; vgl. das goth. raus, franz. roseau),
niederd. f. Binſe; Rohr (ſ. d.), bei. Nöhricht (meift in Verbindung mit
Buſch; z. B. über Ruſch und Buſch; landſch. eine Hufe in Ruſch u. Buſch,
d. i. in Wiefen und Wald, entg. einer Hufe Aderland).
Ruſch, Ruſche od. Rüfche, w., M.-n, landſch. f. Nüfter, Ume.
ruſchen od. rüfchen, ziellof. Zw., niederd. (gem. rusken) f. rauſchen (ſ. d.),
Geräuſch machen, lärmen, wild umherlaufen; oberd. (ru eſchen) f. über-
eilt, unbefonnen handeln (daher: der Rueſcher, die Rueſch, der, Die
Eilfertige, Unbedachtfame); ruſcheln, ziel. Zzw. (niederd. auch ruffeln,
Eruffeln), das verkl. rufchen, gem. f. fanft raufchen, vergl. rafcheln; gew.
etwas mit nachläffiger Eilfertigkeit behandeln, unachtſam verfahren:
daher rufchelig od. rufchlig, Bw., gem. f. eilfertig und unachtſam.
Ruſe, w., niederd. f. Geräufh, Lärm; Zank, Streit, Handgemenge;
Rummel, Bauſch und Bogen; rufig, Bw., f. raufchend, ſtürmiſch, un-
geſtüm.
Ruske, w., M. -n (lat. ruscus; auch Brüske, Brüſch ꝛc.; verw. mit
Ruſch), landſch. f. der Mäuſedorn.
ruspen od. ruspern, zielloſ. Zw., niederd. f. räuspern.
Ruß, mi., -28, o. M. (altd. ruoz, oberd. Rueß, niederd. u. holl. root;
niederd. auch Sott, ſchwed. sot, engl. soot), der ſchwarzbraune, ölige Stoff,
welchen der vom brennenden Feuer aufſteigende Rauch an andere Körper
abſetzt, oberd. Rahm, (z. B. der Holzruß in den Schorniteinen; Kien-, OL,
Lampenruß); auch eine Krankheit der Gerfte und des Hafers, durch welche
die Blüthentheile in einen braungrünen Staub verwandelt werden; — ZTes.
rußbraun, rußfarben (altd. ruozvar), Bw., ſchwarzbraun wie Ruß; das
Rußbraun, die Nußfarbe, insbeſ. eine aus dem Holzruß bereitete Waſſer⸗
«
TE a a nn.
—
“
568 Ruſſe — Ruft
[4
farbe, Bieſter; die Rußbutte, das Nußfafschen, Kleine Fäfschen, worin der
Kienruß verwahrt und verkauft wird; die Rußhütte, eine Hütte, in welcher
Kienruß gebrannt wird; der Rußkobalt, Bergw., Schwarzer Kobalt; der
Rußkübel, uneig. gem. f. eine unreinliche Perſon, bef. Koch oder Köchinn,
auch der Rußhammel, -fchlägel; dev Rußſchwamm, eine Art Blätter:
Ihwämme; rußfchwarz, Bw.; das Rußſchwarz, ſ. v. m. Rußbraun; —
Ableit. rußen, ziel. 3w., mit Ruß verfehen, überziehen, ſchwärzen (be
rußen); rußicht, Bw., dem Ruß Ähnlich (Bergw. rufichtes Silber, aud)
Rußfilber, Sitberfhwätze): rußig, Bw. (altd. ruozag, ruozec, oberd.
rueßig), mit Nuß überzogen, befhmust (baiv. der rußige Freitag, d. i.
Freitag vor Faſtnacht, an dem man fich hie und da mit Ruß zu beftreichen
pflegt); gem. überh. f. ſchmutzig, ſchmierig; oberd. uneig. f. nicht tadellos,
nicht ohne Fehler. }
Ruſſe, m., -n, PD. -n, (altd. Ruzi, Ruza; mittelh. Rüze u. Riuze, da-
ber noch Reuße im Titel des ruff. Kaifers: Selbftherefcher aller Reußen),
weibl. die Ruffinn, M. -en, EN. eines großen zum flawifchen Stamme
gehörenden Volkes; in weiterer Bed. jede im ruffifchen Reiche geborene
od. einheimifche Perſon; Nufsland, f. das Land der Ruſſen; in weiterer Bed.
das ganzeruffifche Reich mit allen ihm unterworfenen Ländern; ruſſiſch, Bw. den
Nuffen eigen, aus Nufsland ſtammend, dazu gehörig od. dort einhei-
miſch (das ruffiiche Reich, die ruſſiſche Sprache, ruſſiſche Waaren ꝛc.; zufft-
ſches Glas, eine Art grauen Glimmers, der in Sibirien zu Fenftern ge-
braucht wird; zuffifhe Bäder, Schwisbäder in heißen Dämpfen).
Rüſſel, m., -8, M. w. E.; Verkl. das Nüffelchen, (altoberd. auch)
Drüffel, Trüffel; angel. vrötz wahrfch. vom angelf. vrötan, niederd. wröten,
engl. root, iöländ. röta, wühlen; vgl. votten, veuten; oder verwandt mit d.
altd. rüzon, rüzen, raufchen, hörbar atymen, ſchnarchen, niefen; isländ. ryta,
grungen?), das verlängerte, fpig zulaufende Maul verfchtedener Ihiere,
insbef. die lange Schnauze der Schweine, womit fie in der Erde wühlen;
die biegfame Verlängerung der Nafe des Elephantenz; auch das Saug—
werfzeug am Vorderkopf mancher Suferten, z. B. der Fliegen (Saug-
rüffen; uneig. verächtl. ein ftark hevvortretender Mund eines Menfchen,
niedr. überh. fe Mund; — 3fes. dev Rüſſeldrache, ein Seefiſch um
Chili u. Neufeeland, deffen unförmlich großer Kopf mit einem Rüſſel verfehen
iſt; der Rüffelfifc, eine Art Klipp- oder Bandfiſche mit walzenförmigem
Maule, Schnabel-, Sprisfifch; die Nüffelfliege, eine Art Fliegen mit langem,
diinnem Rüffel; vuffelförmig, Biv.; der Nüffelkafer, eine Art Käfer, deren
Kopf in einen Rüffel verlängert und mit Eolbenartigen Fühlhörnern verfehen
ift, Schnauzen-, Schweinse, Elephantenkäferz die Nüffelmaus, eine Art
Mäufe mit vüffelförmigem Maule; die Rüſſelmotte, eine Art Motten mit
. einem Rüſſel; die Miffelfchetde, die Scheide, in welcher "der Rüſſel der In
fecten liegt; — Ableit. ruffelig, Bw., einen Rüſſel habend; rüſſelicht,
Bw., rüſſelähnlich; rüſſeln, Zw., vlt. f. mit dem Rüſſel wühl en, — - fa
fen, — hauen.
ruffeln, 3w., f. ruſcheln; — rußen, rußig X — Rußfhwan, J
unter Ruß; — il, Ruſsland, T. unter Ruſſe.
Ruſt, w., M. -en, 1) (Hol. xust, frieſ rost) niederd. f. Raſt (1. u
vor. Rüfte), Nuhez ſchweiz. eine Meile, 2) Schiffs. ſchmale Manken aus:
/
Ruüſt — rüſten 569
wendig am Schiffe in der Gegend der Maſten, mit Einſchnitten verſehen, in
welchen die Wandtaue des Maſtes befeſtigt find, alſo gleichſ. ruhen (ogl. das
angelſ. hrost, engl. roost, holl. roest, Stange, worauf die Hühner ruhen);
jeder Maft hat feine Kufk, daher: die große Ruft am großen Mafte, die
Fockruſt am Fod-, u. die Befanruft am Befanmafte; die Rüſte, o. M.,
vlt. f. Naft, Ruhe, bef. von der untergehenden Sonne (die Sonne geht zu
Küfte, altoberd. — zu Reft); ruften, niederd. (holl. rusten), oder rüften,
ſchweiz., ziellof. Zw. f. vaften, ruhen; ruftig, Bw., niederd. f. ruhig; die
Ruſtkiſte od. Rüſtkiſte, niederd. f. Ruhekifte, d. i. ein großer Sarg mit er:
Bun Deckel.
Rüſt, m., ſ. unter rüſten.
Ruͤſtbaum, m. 1. landſch. f. Rüſter; Rüſtbaum 2.-bock, -brett, ſ.
unter rüſten.
Rüſte, w., 1. f. Ruſt; 2. (von rüften?) bei den Kohlenbrennern: kleine
Klöge, welche um die Meiler gelegt werden.
Rüſtel, m., -8 (— Rüſſel?), landſch. der Schnabel od. enge Theil des
hohen Dfens.
tuften od. rüften 1. Zw., f. unter Ruft.
rüften 2. 31. (altd. hrustjan, rustjan, hrusten, rüsten, urſpr. bef. ſchmücken,
fo auch das angelf. hyrstän; ſchwed. rusta, hol. rusten; vergl. das ſanskr.
rüsh, ſchmücken), überh. bereiten, zubereiten, Anftalten machen, 1) ziellos
m. haben, die nöthigen Anordnungen zu etwas machen, Vorbereitungen
treffen (z. B. zum Fefte, zu einem Gaftmahle, zum Eſſen rüften); insbef.
Zimmert. ein Baugertift machen (3. B. morgen werden wir rüften); Bergw.
das Geftell eines Haspels über einen Schacht ſetzen (auch: überrüften);
2) ziel. u. rückz., etwa s —, ordnen, in Ordnung bringen (die Zimmer—:
ſchweiz. das Erdreich —, f. bearbeiten, pflügen); einen oder fih—, mit
dem nöthigen Geräthe oder Bedarf zu etwas verfehen, vergl. ausrüften
(einen od. ſich mit etwas —; ſich zur Reife rüften), in engerer Bed. mit den
nöthigen WVertheidigungsmitteln, Waffen ıc. verfehen (einen Soldaten,
ein Heer —; ſich zum Kriege, zum Kampfe, gegen Semand—); uneig. ſich
mit Geduld, Standhaftigkeit ec. —, finnv. waffnen; der Rüſt, — es, (altd.
rusti, rust, w.), oberd. f. Geräth, Merkzeug: — 3feg.: der Rüſtbaum,
ftarke, ſenkrecht geftellte Bäume, welche ein Gerüft (f. d.) tragen; der Rüſt⸗
bock, ein hölzerner Bock (f. d.) als Unterlage eines Gerüſtes; das Rüſtbrett,
Bretter zu einem Gerüſt; das Rüſthaus, f. v. w. Zeughaus, ſ. d.z die Ruft-
fammer, ein Zimmer, in welchem Kriegsrüftungen, Waffen zc. aufbewahrt
werden; der Rüſtkaſten, Bergw. ein Kaften, in welchen die aus dem Förder:
ſchacht herausgezogenen Erze ausgeftürzt werden; die Nüfkleiter, Leiter eines
Küftwagens, überh. f. Wagenleiter; das Ruͤſtloch Löcher in den Mauern,
durch welche die Rüſtſtangen geſteckt werden; der Rüſtmeiſter, 1) Aufſeher
einer Rüſtkammer od. eines Rüſthauſes; 2) chem. Verfertiger der Schikßbogen,
Bogener; der Rüſtnagel, ftarke Nägel zu Baugerüften; die Rüſtſtange, die
Stangen eines Gerüftes, auf welchen die Rüftbretter ruhen; der Rüſttag,
Borbereitungstag; bibl. der Tag vor dem Sabbath oder einem Fefte; der
Rüſtwagen, ein großer, ſtarker Wagen zur Fortſchaffung des Kriegsgeräthes
und Gepäckes; überh. ein großer Leiterwagen für Waaren, Geräthichaften ꝛc.;
das Rüſtzeug, überh. ein Werkzeug, Geräth (uneig. bibl. heißt Paulus: ein
570 Rüſter — Ruthe
auserwähltes Rüftzeug Gottes); in engerer Bed. eine Mafchine, insbef. an
der Armbruft der Theil, womit ver ftählerne Bogen geipannt wird; ehem. beſ.
Kriegsgeräth, Kriegsgeſchoſs; — Ableit. rüflig, Bw., gleich]. immer ge-
rüſtet u. bereit, daher: gefunde, frifche Kräfte habend, ſtark und rafch
(ein rüftiger Manny er ift für fein Alter noch rüftig 2c.); oberd. auch f. ſchnell,
hurtig (komm rüftig her! u. dgl.); die Nüftigfeit, das Rüftigfein, die
frifhe Kraft; die Rüftung, M. -en, 1) das Rüften, die Vorbereitung
(Kriegö-, Seerüftung zc.; Rüftungen machen); 2) dasjenige, womit eine
Derfon od. Sache gerüftet wird, das nöthige Geräth, z. B. des Vogel—
ftellers; insbef. f. Gerüft der Zimmerleute, Maurer, Brunnenmader ꝛc.;
ferner f. Kriegsgeräth, insbef. die füämmtlichen einem einzelnen Krieger od.
ehem. einem Ritter nöthigen Bekleidungsftüde und Waffen (die Rüftung
anlegen; in voller Rüſtung erfcheinen), in engerer Bed. auch nur Harniſch,
Helm, Arm- u. Beinſchienen; uneig. die Einfaffung eines bewaffneten
Magnetes (fr. Armatur); 3) ehem. auch f. Rüftzeug, Werkzeug, Mafchine,
bef. um Laften zu heben; insbef. der Schaft einer Armbruft nebft dem KRüft-
zeuge (f. d.) derjelben.
Rüſter, m., -8, 1.5. v. w. Nifter (. unter Rift); 2. f. v. w. Rieſter.
Küfter, w., M.-n (andſch. auch Kiefter, Rüft, Rüſche, Rüft-, Rüſch—
baum 2c.), bef. in Niederd. f. Ulme; die rothe Rüfter, eine Abart derfelben
mit vöthlich geflecktem Holz u. Eleinen Blättern; landſch. auch f. Feldahorn,
u. fe Leene (j. d.); Eleine Rüfter, f. Spindelbaum; der Rüfterfpinner,
die Bärenmotte; die Rüſterwanze, eine Art Baumwanzen; rüftern, Bw.,
von der Rüfter, von Rüfternholz (eüfterne Bretter 2c.).
Rüſthaus, -Fammer ꝛc. — Rüſtzeug; rüſtig, Rüftung, f. unter
rüſten; — ruſtig, Ruſtkiſte, ſ. unter Ruſt.
Rute, w., M.n, (auch Ruthe geſchr.), niederd. f. Raute (2), insbeſ.
eine viereckige Fenſterſcheibe.
Ruthe, w., M.-n, Verkl. das Rüthchen, oberd. Rüthlein, (altd.
ruota, ruote, oberd. Rueten; altſächſ. ruoda, angelf. u. engl. rod, niederd.
Rood, Rode; vgl. das lat. rudis, Stab, u. das ſanskr. ridh, wachlen), überh.
ein langer, verhältnifsmäßig dünner, meift biegfamer Körper; insbei.
1) ein langes, biegfames Reis von einem Baume zc., finnv. Gerte (eine
Birken-, Weiden, Pappelruthe; Leim-, Spieß-, Wünfchelruthe (j. d.), welche
auch ſchlechthin Ruthe heißt, daher: die Ruthe jchlagen Laffen, d. i. durch die
Wünfchelruthe verborgene Metalle zc. anzeigen laffen); 2) mehre zufammen-
gebundene diinne Birkenreifer als Strafwerkzeug für Kinder 2c. (die Zucht—
ruthe; einem Kinde die Ruthe geben; noch unter der Ruthe ſtehen; der Ruthe
entwachfen fein; umeig. fich felbft eine Ruthe binden, d. i. eine anhaltendes
Übel bereiten); 3) ein langer Stab, eine Stange von Holz (z. B. die An-
gelruthe, Mefsruthe; der ftarke Stod des Dreichflegels; die Stange an einem
Ziehbrunnen; die Segelftange oder Rah des Belanfegels; die langen Zimmer:
hölzer der Brücken, auf welche die Bretter genagelt werden: Brüdenruthen;
landſch. auch f. Radfchiene; ehem. f. Zepter), in einzelnen Anwendungen auch
eine Stange von Metall (3. B. die eilerne Stange eines Ankers: Anker:
ruthe; Schloſſ. eine dünne eiferne Stange zum Anſchüren des Feuers in der
Effe 20); 4) eine Mefsftange, welche ein beftimmtes Längenmaß, in der
Regel von 10 oder 12 Schuh, darftellt, u. dies Längenmaß felbft, landſch.
rutfhen — rütten 571
auch Gerte, Stock ıc. genannt (die rheinländiſche Ruthe hält 12 xheinländ.
Fuß); 5) das männliche Gefchlechtsglied bei Menfchen u. Thieren (die Ruthe,
oder männliche Ruthez die weibliche Ruthe, ein ähnlicher, aber viel
Fleinerer Theil: das Schamzünglein, fr. Klitoris); Jäg. der Schwanz der
meiſten vierfüßigen Thiere, beſ. des Fuchſes; — fer. das Ruthenbündel,
ein Bündel Ruthen od. Reifig; der Nuthenfifcher, Angerfifcher ; die Ruthen—
fifcherei; ruthenförmig, Bw.; der Nuthengänger, auch Ruthenmann,
-fchläger, Bergw. wer die Wünfchelruthe handhabt, um Erzgänge zu erfor-
ſchen; die Ruthenfappe, lederne Kappe an der Ruthe eines Drefchflegels;
das Nuthenfraut, ſ. v. w. Gertenkraut; Mutterharzpflanze (f. Mutterharz) ;
der Nuthenfchlag, Schlag mit einer Ruthe; Bewegung der Wünfchelruthe ;
das Nuthenfegel (gem. Ruſegeh), Schiff. Segel, die unter eine ſchräg ge
neigte Rah befeftigt und in der Regel dreiedig find; der Ruthenſtreich, ein
Streicd mit der Ruthes — Ableit. ruthen, ziel. Zw., oberd. f. mit der
Mefsruthe ausmeffen, unterfuchen (ein Faſs —; fr. vifiren).
rutſchen, ziellof. Zw. m. fein, (niederd. rutsken), gem. überh. f. gleiten
(+ B. das Holz von einer Anhöhe rutſchen laſſen; es ift hinuntergeruticht; m
haben nur, wenn es ein abfichtliches Thun ohne Andeutung eines Zieles od.
einer Richtung bezeichnet, z. B. er hat mit dem Fuße, gerutiht; wir haben
auf der Rutfchbahn geruticht); in engerer Bed. fih auf dem Hintern glei-
tend fortbewegen (vom Berge hinab rutſchen; Jäg. der Hafe ruticht zu Holze);
uneig. ſcherzh. f. fahren (irgend wohin —); gem. f. ſterben (abrutfchen);
überh. f. fortrücken, Fortgang haben (ex. ift gerutſcht; die Sache will nicht
rutſchen); oberd. f. ſchaukeln (auch: rutſcheln); der Rutſch, -e8, gem. f.
ein einmaliges Rutſchen, ein Stoß; — 3fes. die Rutſchbahn oder der
Nutjchberg, eine abhängige Bahn, auf welcher man in Wagen, die in hölger-
nen Gleifen laufen, ehr fchnell hinabgleitetz die Rutſchenbinſe, tandich. f.
glatte, vundköpfige Binfe, Knopfbinfe, auch, Rutſchke; das Rutfcherrecht,
das Recht eines Zins> oder Grundheren, wonad eine ihm fchuldige Abgabe,
wenn fie nicht am bejtimmten Zage entrichtet wird, mit jedem Tage um ihren
ganzen Betrag wählt (rutſcht); der Rutſcherzins, M. Rutfcherzinfen,
nah dem Rutſcherrecht zu, bezahlende Zinſen, auch Werth-, Frohn-, Fahr:
ing; — Ableit. die Rutſche, 1) der Drt, wo man gefälltes Holz hin-
abrutfchen läſſt (Bolgrutiche); 2) oberd. f. Schaufel, Wiege; 3) landſch.
f. Fußbank; die Rutſchel, oberd. 1) f. Schaufel; 2) f. eine fich herum:
treibende, liederliche Weibsperfons; der Nutjcher, -S, 1) wer rutfcht;
2) gem. j. v. w. Rutſch; rutſchig, Bw., gem. f. leicht rutſchend od. glei-
tend; oberd. f. glatt, ſchlüpfrig.
Rutte, w., M.-n (vgl. Ruppe), oberd..f. Aalraupe, Quappe.
Nüttelgeier, m., Rüttelweihe, w. (gl. Rittelweihe), landſch. f. Röthel-
geier, Nöthelweihe.
rütteln, ziel. 3w. (das verkl. u. veröfternde rütten, f. d.), wiederholt
u. fchnell hin u. her: bewegen, finnv. ſchütteln (einen aus dem Schlafe rüt-
teln; das Maß ift gerüttelt voll, d. i. nachdem man es gerüttelt hat, jo
voll, dafs nichts mehr hineingeht); landſch. auch f. fieben, worfeln (das Ge-
treide —; vgl. reiten); b. d. Handſchuhmachern: eine Nath mit dem Nüttel-
holze glätten.
rütten, ziel. Bw. (isländ. sydia, dän. zydde, nigderd. to⸗rüden; vol. reiten
Ba Ruttich — Saal
und reitern), völlig vlt., urfpr. bewegen, erjchüttern, ſchütteln; dann ver—
wirren, zerftören (daher noch: zerrütten); der Rlitten, 8, (gem. Rit⸗
ten; ſ. Ritt 2.), oberd: f. das Fieber; das Rüttſtroh, Landw. Stroh, defien
Halme zerfnict find, Wirr-, Krummftroh, z. U. v. Schüttenftroh.
Nuttich, m., -e8, —* Rättich), landſch. f. Waſſerpfeffer, Flohpfeffer;
Flöhkraut. ⸗
S.
S, der neunzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl., und zwar der
Zungenlaut unter den Säufelern (oder Spiranten: j, ſ, w) wird hervor-
gebracht, indem man die Zungenſpitze an die nicht völlig gefchloffenen Zähne
legt und die Luft durch diefelben ftößt. Es hat bie janfte Ausfprache eines
Säufellautes überall, wo es als Anlauf einer Silbe vor einem Selbftlaute
fteht (3. B. fagen, reifen 2c.), wird aber zum fchärfern Zifchlaute, wenn es
als Auslauf fteht, in welchem Falle es die Figur 8 hat (4. B. Haus, Glas,
Röschen), und in Verbindung mit einem t im In- oder Auslaut (4. B. Lift,
raſten, lieſſt ꝛc.). Sm Anlaut verbindet fich das f in echt=deutfchen Wörtern
jest nur mit Selbftlauten und mit t und pz fl und fp werden dann in Niederd.
fcharf lispelnd (wie ft, ßp), in Oberd. Hingegen wie fcht, Tchp, am beften aber
mit einem zwifchen beiden Ausfprachen in der Mitte liegenden Laute gefprocdhen
(4 8. ftehen, freuen; fpielen, fprechen, Splitter). Vor I, m, n, t, w
ſteht im Anlaute nie ſ, fondern fh (1. d.). — Das ß iſt ein noch ſchärferer
Ziſchlaut, als das 8; es ſteht nie zu Anfang eines Wortes, und nur nad)
einem gedehnten Geldftlaut oder Doppellaut (z. B. ſpaßen, reißen, genießen,
Schoß, Fuß, Map ꝛc.). Das verdoppelte | (MT, 18) fteht Hingegen nur nach
einem gefchärften Selbftlaut und hat im Hochd. immer den fcharfen Zifch-
laut eines Doppel-ß (z. B. effen, Laffen, müffen, Schlofs, Schofs, Flufs zc.).
Zufolge des herrfchenden fehlerhaften Schreibgebrauches fest man jedoch insge-
mein am Ende einer Silbe oder! eines Wortes, wie auch vor einem t, das ß
auch nach gefchärften Vocalen an die Stelle des ff (I8) und fchreibt.z. B. Roß,
Haß, häßlich, haft ft. Rofe, Hals, häſslich, haſſt ze. — Unferem einfachen ſ
Yiegt immer ein altes s zu Grunde, unferem echten ß ein altes z (4. B. Maß,
ſaß, Fleiß, Fuß; altd. maz, saz, fliz, fuo2); das Schlufs-$ aber ift theils
aus s, theild aus z han (4. 82. Haus, Gras, las; altd. hüs, gras, las;
hingegen: aus, das, was; altd. üz, daz, waz), unfer ff (f8) theils aus ss
(3. B. missen, rosse, küssen), theils aus zz oder 2 (z. B. wiflen, —
Waſſer, laſſen, laſs; altd. wizzen, hazzen, wazzer, lazen, laz). — Das fd)
ift ein durch ein zuſammengeſetztes Seien dargeftellter einfacher Zifchlaut,
welcher unten an feiner Stelle zu betrachten ift.
fa (franz. ca, val. das alkoberd. fa, verk. aus d. altd. sär, alsbald, ſo—
gleich), Empfindl. der Volksfpr., welcher zur Munterkeit, Hurtigkeit ober
Freude anregt, vgl. hei=-fa, hop-ſa.
Saal, m., -es, M. Säle, Verkl. das Sälchen, (altd. salz isländ.
salr, angelf. u. rhoeh. sal, altfächf. seli, Haus, Zimmer, Wohnung; roman.
— franz. salle, w.; vgl. das goth. saljan, altd. sellan, saln, einkehren,
wohnen; ſanskr. gala, Wohnung; auch: Geſell, d. i. Mitwohner, Selde ꝛc.),
Saamen — Sabbe 573
urfpr. überh. Wohnung, Haus, Palaft, Fürftenhofz Vorhof, Vorhalle
(vgl. Borfaal), daher noch landſch. f. Hausflur, Diele; im Mittely. eine
große, rings umfchloffene Halle zu ebener Erde, bef. als Speiſe-, Tanz- u.
Schlafgemach dienend; jest überh. ein ungewöhnlic geräumiges u. hohes
Dimmer, bef. zu Zufammentünften, Gefellfihaften, Aufftelung von Sammlun-
gen u. dgl. dienend (zZ. B. Speifer, Tanze, Ritter-, Hör-, Bücher, Bilder-
faal 2c.); — 3fes. die Saaldede, das Saalfenfter, die Saalthür ıc.;
das Saalgericht, chem. f. Hofgericht; der Saalrichter, f. Hofrichter; der
Saalmann, chem. f. Hofmann, (verfch. Salmann, f. d.); der Saalmeifter,
f. Hofmarſchall.
Saamen, m., ſ. Samen.
Saat, w., M. -en, (altd. sät, M. säti, seti; angelſ. saed, engl. seed,
isländ. säde, ſchwed. säd; von fäen, f. d.5 vgl. d. lat. satum, satio) 1) der
Samen, welcher gefäet wird od. bereits ausgeftreut ift, bef. vom Getreide
(daher die Zfeg. Aus-, Ein-, Früh-, Sommer-, Winterfaat); auch das aus
dem Samen aufgewachfene junge Getreide (die Saat fteht Schön, dünn 2c.);
2) das Säen, bef. des Getreides (die Zeit der Saat; zur Saat adern ꝛc.;
uneig. die Saat guter Handlungen, die Saat des Böfen 2c.); 3) landſch. fo
viel Land man auf einmal zu befaen pflegt: ein Feldmaß von 36 Geviert-
ruthen; — 3feg. die Saatbohne, =erbfe, =gerite, =linfe, der Saathafer,
-weizen, zum Säen beftimmte Bohnen, Erbſen ꝛc.; das Saatfeld, ein be-
Täetes Feld, bef. Getreidefeld; faatfurchen, untrb. ziel. 3w., Landw., ‚zum
legten Male vor dem Säen pflügen, daher das Saatfurchen (meklenb. die
Saatfahre); das Saatgras, der Windhalm; der Saathanf, niederd.
der famentragende weibliche Hanf; das Saathuhn, der Brachvogel; der
Saatkäfer od. -fpringer, eine Art Rüffelläfer; die Saatkarde, die Karde
(1. d.), welche zum Gebrauch der Tuchmacher zc. gefäet wird; das Saatkorn,
1) f. v. w. Samenkorn; 2) zum Säen beftimmtes Korn; die Saatfrähe, ge-
meine ſchwarze Ackerkrähe, auch Saatrabe, gem. Rad, Kader, Rud ıc.
genannt; die Saatlerche, gemeine Feldlerche; die Saatroſe, Pappelcofe;
der Saatvogel, Regenvogel; die Saatwide, 1) die angebaute Futter- od.
Feldwice, z. U. v. der wilden Wide; 2) zur Ausfaat beftimmte Widen ; die
Saatzeit, Zeit der Saat; — Ableit. der Saatling, -es, M. -e, 1)
Reumw: f. ein aus der Saat Entfproffenes; 2) landfch. ſ. v. w. Saathanf.
Sabbath, m., -e8, M. -e (vom hebr. schabath, d. i. Ruhetag, gem.
jüd. Schabbes), der wöchentliche Feiertag der Juden, unfer Sonn—
abend; in weiterer Bed. überh. f. Ruhe- oder Feiertag, daher auch der
chriftl. Sonntag; die Sabbathfrau Güd. Schabbesfrau), bei den heutigen
Juden eine hriftl. Frau, welche fie am Sabbath, bedient; das Sabbathjahr,
bei den ältern Juden: jedes fiebente Jahr, in welchem die Felder brach Liegen
mufften, Ruhejahr; der Sabbathstag, ſ. v. w. Sabbath; der. Sabbaths-
weg, eine Strede Weges, fo weit ein Zude chem. am Sabbath gehen durfte;
der Sabbather, -3, bibt. jeder Wochentag, vom Sabbath. an gerechnet.
Sabbe, w., od. Sabbel, Sabber -3, m. (vgl. Saft, niederd. Sapp,
-: amd das oberd. Geifer, niederd. Seiber, Sever f. Geifer), niederd. gem: f.
Geifer, Speichel, bef. von Kindern; fabben, gew. fabbeln oder fabbern,
ziellof. Zw., niederd. f. geifern, den. Speichel fließen laſſen; auch auf ekel—
bafte Weife an etwas lecken od. faugenz der Sabbe- od. Sabbelbart,
914 Sääbel — Sache
niederd. gem. f. Geiferbart, ſ. de; der Sabberegen, osnabrück. f. Staub—
regen; ſabbelig, Bw., niederd. f. geiferig, begeifert.
Säbel, m., ⸗s, M. w. E. (landſch. gem. auch Sabel, niederd. Zabel;
ſpan. sable, ital. sciabla; franz. sabre; wahrſch. urſpr. aus dem ſlaw. sabla,
ungar. szablya, erft in der neueren Sprache entlehnt), ein breiter, Erummer
Degen, dergl. die Türken, Ungarn und bef. die Hufaren führen; gem. auch
überh. f. Degen; der ungarifche Säbel, uneig. Naturk. die gefrümmte
Scheidemufchel; — 3fes. das Säbelbein, ein Erummes, ein- od. auswärts
gebogenes Bein; ſäbelbeinig, Bw., folche Beine habend; die Säabelbohne,
ſ. v. w. Schwertbohne; der Säbelfiſch, Schwertfiih; ſäbelförmig, Biv.,
die Form eines Säbels habend; der Säbelfuß, ein gefrümmter Fuß, bef. bei
Pferdenz daher fabelfüßig, Bw.; das Säbelgefäß, ſ. Gefäß; der Säbel-
hieb; das Säbelholz, Schiffb. fäbelförmig gekrümmte Planken; die Säbel-
Elinge, ſ. Klinge 1.5 die Säbelfcheide, |. Scheide; der Säbelfchnäbler,
eine Art Vögel mit aufwärts gebogenem Schnabel; die Säbeltafche, eine
Taſche, welche die Hufaren unter dem Säbel bangen haben; — Ableit.
fabeln, ziel. u. ziellof. 3w., mit dem Säbel hauen (bef. in ab-, nieder:
Täbeln); mit dem Säbel od. auch einem ähnlichen Dinge herumfechten, in
der Luft herumfahren.
Säbenbaum od. Sebenbaum, m. (von d. lat. Sabina; franz. sabine,
engl. savin; landſch. verderbt auch Seven-, Gieben-, Sade⸗, Gabel, Sage
baum 2c.), ſtinkender Wachholder, eine in Italien, Portugal u. dem Moraen-
Yande einheimifche Wachholder-Art von widrigem Geruch u. ſcharfem Gefchmad;
das daraus bereitete ÖL ift ein gefährliches, bluttreibendes Mittel, welches zum
Abtreiben der Leibesfrucht gemifsbraucht wird.
Sache, w., M. -n, (althochd. sahha, u. in der Bed. Streit auch: sechia,
secha; mittelh. sache, oberd. Sach, niederd. Sake; angelf. saca, sac, engl.
sake, isländ. sök, fchwed. sak; fämmtlich bef. Handel, Streit, Urfache be-
deutend; von einem alten ablaut. Zw. goth. sakan, angelf. sacan, isländ. saka,
altd. sahhan, sachen, Impf. suoch, Mw. gesachen, weldyes in den Bed.
fchelten, ftreiten, verweifen, auch anorönen, einrichten vorkommt, urfpr. aber
— d. fat. sequi folgen, verfolgen zu bedeuten ſcheint; aus diefem Grund:
begriff fließen die älteften Hauptbedeutungen von Sache: Verfolg, Hergang,
Angelegenheit; Verfolgung, Streit; Urfache, d. i. das, woraus etwas folgt;
vgl. auch das offenbar von sachen, suoch abftammende suochen, ſuchen,
defien Bed. jenen Grundbegriff beftätigt) 1) etwas Gefchehenes, ein Her—
Hang, Vorgang, Vorfall, Zuftand, (z. B. ich will die die Sache erzählen; wie
ift die Sache zugegangen? nach Geftalt der Sachen, d. i. der Vorgänge und
Umftände); Angelegenheit, Gefchäft, Handel (eine wichtige, öffentliche
Sache; feine Sachen gehen fchlecht; unverrichtetev Sache fortgehen 2c.; er
verfteht feine Sache; mit Jemand gemeinfchaftlihe Sache machen; das ift
meine Sache nicht; feine Sache auf etwas ftellen, d. i. es zu feiner Angelegen-
heit, zum Zweck feiner Thätigkeit machen); 2) in engerer Bed. eine gericht—
liche Klage, ein Nechtöftreit, Nechtshandel u. deffen Gegenftand (Klage-,
Streit, NRechtsfache; eine Hals-, Geldfache 2c.; eine gerechte Sache haben,
vertheidigen 2c:; in feiner 'kigenen Sache Richter fein); 3) ehem. und noch
landſch. f. Urfäche, Grund, Schuld G. B. ohne Sache, f. ohne Urſache, ob.
ohne Schuld); 4) bef. in der neugren Sprache: jeder Gegenftand, von wel—
Sade 575
chem man fpricht oder mit welchem man fich befchäftigt (vgl. den Über-
gang des latein. causa in ital. cosa, franz. chose; z. B. über eine Sache
ſprechen; von einer Sache handeln; das gehört nicht zur Sache, thut nichts
zur Sache; von der Sache abfommen;z zur Sache! — oft entg. den Wor-
ten; 3. B. ich halte mich an die Sache, nicht an die Worte); 9) in weitefter
Bed. überh. f. Gegenftand, Ding (4. B. Reichthum ift eine Schöne Sache ıc.;
der Ruhm ift eine mifslihe Sache; allerlei ſchöne Sachen, Spiel-, Zuder-
ſachen 2c.; in diefer Bed. auch verkl. Sächlein od. gew. Säheldhen), von
Eörperlihen Dingen jedoch bei. nur, fofern fie in näherer Beziehung zu
dem Menfchen ftehen, ihm angehören zc., alfo von engerer Bed., als das
finnv. Ding, daher insbef. Kleidungsftücde, Geräthſchaften, fahrende
Habe (viele Sachen befigen, feine Sachen orbnen, einpaden, verkaufen 2c.);
nach rechtlichem Begriff jedes Ding, welches Jemands Eigenthum ift od.
fein Fann, entg. der Perfon (vergl. o.), u. verfchieden von den Dingen,
welche ihrer Natur nach in Niemands Befig fein Eönnen (der Menſch ift Eeine
Sache; die Sterne find körperliche Dinge, aber Feine Sachen); Sprachl. jeder
Gegenftand, der nicht Perfon ift G. B. geben regiert den Acc. der Sache
u. den Dat. der Perfon); — 3fes. ſachdienlich, Bw., zur Sache dienlich;
die Sacherflärung, Erklärung des Gegenftandes oder Begriffes, z. U. von
Worterklärung; fachfällig, Bw., Ripr. feine Sache d. i. feinen Rechtshandel
verlierend (fachfällig werden); die Sachfälligkeit; der Sachführer, wer
eines Andern Angelegenheit, beſ. Rechtsſache führt; das Sachgedächtniſs,
Gedächtniſs für Sachen, d. i. Begebenheiten, Vorfälle ze., verſch. Wort-,
Namen-, Bahlengedächtnifs; die Sachfenntnifs od. Sachkunde, Kenntnifs
einer Sache, Einficht in diefelbe; fachfundig, Bw.; der Sachfenner oder
Sachkundige; fachleer, Biw., leer an Sachen, d. i. Begriffen, inhaltleer;
die Sachleere; das Sach- oder Sachenrecht, der Inbegriff der Gefege,
welche das Mein und Dein betreffen; auc) f. das dingliche Recht; das Sach—
regifter oder -verzeichnifs, Verzeichnis der Sachen oder Gegenftände, von
denen in einem Buche gehandelt wird, 3. U. dv. Namen, Wortregifter 2c.; fach-
reich, Bw., reich an Sachen, inhaltreich, entg. wortreich; der Sachreich—
thum; der Sachverftand, der Verftand od. Sinn der Sachen, z. U. v. Wort-
verftand; auch f. v. w. Sachkenntniſs; daher fachverfländig, Bw., ſ. v. w.
ſachkundig; als Hw. ein Sachverftändiger, der, die Sachverftändige zc.,
ſ. v. w. Sachkenner; ſachwalten, unteb. ziellof. Zw., Neuw. f. einen Rechts—
ftreit führen; der Sachwalter, chem. auch Sachwalt (das mittelhochd. sache-
walte, nicderd. Sakewold bedeutet urfpr. die Hauptperfon in einem Rechts—
ftreite: Beklagter od. Kläger), wer eines Andern Rechtsfache vor Gericht ver-
waltet od. führt, der Anwalt, Rechtsfreund (fr. Advocat); die Sachwalter-
Schaft, die Eigenschaft, Stelle, od: der Gefchäftskreis eines Sachwalters; der
Sach: od. Sachenwerth, der wirkliche innere Werth einer Sache, entg. dem
- angenommenen od. Nennwerthe (bei. von Münzen; fr. Real-, entg. Nominal-
wert); das Sachwort, Sprachl. ſ. v. w. Haupt- od. Nennwort (fr. Sub:
ftantiv); ſachwörtlich, Bw., das Sachwort angehend oder dazu gehörend;
das Sachwörterbuch, ein Wörterbuch über Sachen, d. i. Gegenftände oder
wiffenfchaftliche Begriffe irgend eines Faches (fr. Real-Lerikon); — Ableit.
die Sachheit, Neuw. f. das Wefen, die Natur einer Sache; auch f. Wirk-
lichkeit, Wefenheit (fr. Realität); ſachlich, Bw., die Sache angehend, im
316 Sachs — Sad
dem Wefen der Sache gegründet G. B. der fachliche Unterfchied; das ſach—
liche Recht 2c.); daher die Sachlichfeit: verſch. ſächlich, Bw., Sprachl.
das fachliche Gefchlecht (fr. genus neutrum), d. i. dag Sprachgefchlecht der
Wörter, welche weder männlich, noch weiblich find, durch den Artikel das
bezeichnet (4. B. das Haus, das Weib 2c. find Wörter ſächlichen Geſchlechts,
od. fähliche Wörter); — fachen, ziellof. u. ziel. Zw. altoberd. (niederd. ſa—
Een; vgl. o. Sache) f. Elagen, rechten, ſtreiten; verurfachen,- veranlaffen;
der Sacher, -8, f. wer vor Gericht ffreitet, Kläger oder Beklagter (daher -
die oberd. Zfeg. der Selbfaher, Hauptſacher, und das hochd. Wider-
fader, f. d.).
Sachs, ſ., -e8, M.-e, (altd. sahs, isländ. sax, angelf. seax; vgl. Sch,
Sichel, u. das lat. secare, fchneiden), völlig vlt., ein Werkzeug zum Schnei-
den, Meffer, Eurzes Schwert.
Sachſe, m., -n, M. -n; weist. die Sächfinn, M. -en, (niederb.
Saſſe; altd. Sahso, Sahse, d. i. eig. Mefferträger, mit dem Sachs (f. d.)
Bewaffneter), urfpr. EN. eines im nördlihen Deutfhland verbreiteten
deutfchen Volksftammes, deffen Sprache die niederdeutfche Mundart ift; jest
die Bewohner des ehemal. Oberfachfens, u. insbe. des heutigen König—
reichs Sachfen; der Sachfenfpiegel, das Sachenrecht, die um 1220 in
niederd. Sprache abgefaffte Gefesfammlung der Sachen; ſächſiſch, Bw., den
Sachſen eigen, zu Sachfen gehörend oder dort einheimifh, (jä Hirte
Blau, eine blaue Farbe, aus Indigo, Vitriolöl und Kobalt bereitet).
facht od. fachte, Nw., felten ald Bw. gebraucht, (die durch den Übergang
des f in ch entftandene, urfpr. niederd. Nebenform von fanft, engl. soft, hol.
saft und’ sacht, ſchwed. sakta), eig. fanft, gelinde, unmerklich, ohne heftige
Bewegung, langfam (etwas facht anfaffen, facht gehen ꝛc.; Schiff. fachte
Klippen, d. i. mit Gewächfen od. Schlamm bedecte, jo dajs ein darauf fto=
ßendes Fahrzeug nicht heftig erfchüttert wird); gew. f. leife, ohne Geräuſch
(ſacht ſprechen; ſachte! fachtel 2c.); niederd. auch f. leicht, ohne Schwierig-
keit (4. B. das läſſt ſich fachte fagen, od. thun); die Sachtmuth, niederd. f.
Sanftmuth; ſachtmüthig, Bw., f. fanftmüthig; fachten, ziel. Iw., niederd.
f. ſänftigen, lindern, (auch ar
Sachverſtand ꝛc. — Sachwörterbuch, ſ. unter Sadıe.
Sad, m.,.-e8, M. Säcke, Verkl. das Eichen oberd. Säcklein,
gem. Sädel, (goth. sakkus, altd. sach, sac, ©. sackes, M, secchi, secke;
engl. sack, ſchwed. saeck; griech. O«zxos, vgl. 0doosıv, oarzeıv, packen; lat.
saccus, fpan. u. ital. sacco, franz. sac ıc.), überh. ein nur an einer Seite
offenes Behältnifs von einem biegfamen Stoffe (ein leinener, lederner Sad;
Bettel-, Mantel, Quer-, Strohſack, Dudelfak u. dgl. m.; mit Sad und Pad
ausziehen, d. i. mit feiner ganzen Habe), oberd. insbef. f. Taſche, Beutel
(etwas in den Sad ſtecken; der Hofenfad.ic.; Geldſack f. Geldbeutel); auch
ähnliche häutige Theile des menfchl. u. thier. Körpers (4. B. der Hoden-
fat; der runde und der länglihe Sad, Eeine Theile im innern Ohre;
niedr. f. Magen, 3. B. feinen Sad füllen); in engerer Bed. nur ein größeres
Behältnifs der bezeichneten Art von Leinwand, verich. von Beutel (ein
Getreide, Mehl-, Woll-, Futter-, Kohlenſack 2c.; ein Geldfad, d. i. ein großer
Beutel mit Geld, den man nicht in der Tafche tragen kann; ſprichw. einen in
den Sad ſtecken; d. i. ihm überlegen. fein, ihn. überwinden; einen im Sacke
Sad 577
haben, d. i. ihn in feiner Gewalt haben; die Katze im Sacke kaufen, ſ. Katze;
fo voll wie ein Sad fein, niedr. f. im höchften Grade betrunken fein); aud) ein
Sad von beftimmter Größe, als Maß (ein Sad Getreide hält im
Meklenb. 6, in Bafel 8 Scheffel); bei den älteren Juden ein grobes, härenes
Trauerkleid (im Sad und in der Aſche Buße thun); niedr. verächtl. uneig. f.
eine Perfon, bef. ein plumper, träger Menſch, auch in Zfeg. wie Freſs-
Plauderſack 2c.; in weiterer Anwendung: ein nur an einem Ende offener,
hohler Raum, z. B. eine Gaffe ohne Ausgang (ein Sad od. eine Sad-
gaffe), der Pulverfad (ſ. d.) an Schiefgewehren; der Kohlenfad (f. d.)
in den Öfen der Scheidefünftler; — 3fes. das Sadband, ftarke hänfene
Schnur zum Zubinden der Säde; der Sackdieb, oberd. f. Zafehenbieb; die
Sadflechte, eine an Felſen wachiende Slehten- Art; fadförmig, Bw., die
Form eines Sades habend, einen Sad bildend; Pflanz. ‚hohl u. walzenförmig;
die Sackgans, Kropfgans; das Sadgarn, ein Länglichrundes, fatähnliches
Fiſchergarn; die Sadgaffe, f. o. Satz die Sadgeige, Eleine Zafchengeige
der Tanzmeiſter; die Sackgeſchwulſt, eine Gefchwulft, die in einem mit Eiter
gefüllten häutigen Sade befteht; der Sadhafe, Landw. f. v. w. Hafenneft;
die Sadlaft (ogl. Laſt), Tandfch. ein Getreidemaß, in Danzig — 5 Malter
od. 80 Scheffel; die Sadleinwand oder das Sadlinnen, grobe Leinwand
zu Säden; der Sadmann (altd. sachman, sacmanz vgl. das fpan. saco-
mano, ital. saccomanno, Plünderung; ſpan. saquear, franz. saccager, mettre
a sac, plündern), ehem. f. Plünderer, Räuber (dem Sadmann rufen, od. Sad-
mann mad)en, f. plündern); die Sacknadel, Naturk. f. Nadelfiſch; die Sack—
pfeife, ein Tonwerkzeug, beftehend aus einem ledernen Schlauche u. einer da-
mit verbundenen Pfeife, auch Bodpfeife, gem. Dudelfad; der Sadpfeifer,
wer die Sackpfeife fpieltz die Sadpiftole, Keine Tafchenpiftole, gem. Puffer;
die Sackpumpe, Bergw. eine Pumpe mit fatförmigem Pumpenzug; das
Sackrad, ein unterſchlächtiges Mühlrad mit gebrochenen Schaufeln; die Sad-
fpinne, eine Art grauſchwarzer Spinnen, welche ihre Eier in einem Sädchen
von ihrem Gefpinft am Hinterleibe trägt; der Sadträger, ein Arbeiter, wel-
cher Getreide» od. Mehlſäcke trägt; — f. Eſel; Sackgans; Sackſpinne; das
Sacktuch, oberd. f. Taſchentuch; die Sackuhr, oberd. f. Taſchenuhr; die
Sackwage, eine kleine Wage, welche man in der Taſche bei ſich tragen kann,
Federwage; die Sackwespe, eine Art Wespen mit ſackförmigem Hinterleibe,
auch Sackfliege; der Sackzehnte, der von dem ausgedroſchenen, in Säcken
befindlichen Getreide entrichtete Zehnte, Scheffelzehnte, auch Sackgülte, zzins,
entg. Garben« od. Mandelzehnte; der Sackzwillich, grober Zwillich zu Ge—
treidefäden; — Ableit. der Sädel, ſ. Sedel; das Sädel, -8, M. w. €.,
oberd. Verkl. von Sad (f. o.): Saͤckchen, Beutel; daher das Sädelkraut,
ſ. v. w. Täſchelkraut, Hirtentafhe; der Säckler, -8, oberd. f. Beutler,
Täſchner, Handſchuhmacher; — faden, Zw. 1) ziel. (in diefen Bed. aud)
fäden), in einen Sad od. in Säcke füllen od. fteden (Korn, Malz —; vgl.
einfaden;z einen Verbrecher —, ihn in einen Sad ſtecken u. erfäufen, eine
ehemal. Todesſtrafe); auch f. paden, flopfen (die Taſchen voll—; vol. auf-
faten), uneig. gem. f. viel u. gierig effenz 2) rückz. fich faden, f. v. w.
fich beuteln, ſackähnliche Falten bilden; auch: fich ftopfen, verftopfen;
der Sader od. Säcker, -8, niederd. ein Arbeiter, der dag Getreide in
Säcke ſchüttet.
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 37
nn Po DE
578 faden — Saft
faden, Sw., 1. f. unter Sad; 2. (verw. mit dem altd. sigan, ſinken)
ziellos und gew. rückz., niederd. f. finken, vermöge der eigenen Schwere fich
allmählich ſenken (ein Haus hat fich gefadt; das Waffer fact fih, ift im
Saden; auf einem Fluffe faden, d. i. mit dem Strome nad) der Mündung
zu treiben).
Saderment (auh Sapperment;z verberbt aus Sacrament, lat. sacra-
mentum, eine feierliche Religionshandlung, ein Gnadenmittel) und Saderloth
(angebl. aus sacra lotio, d. i. die heilige Taufe, entft.), niedr. Fluchwörter,
als Ausruf des Unwillens, Zornes, auch der Verwunderung in der gem.
Volksſpr.
Sackflechte ꝛc. — Sackzwillich, ſ. unter Sad.
Sadebaum od. Sadelbaum, m., r. Säbenbaum, ſ. d.
ſäen, ziel. Zw. (goth. saian, Prät. saisö: angelſ. sävan, Prät. swy; alt-
hochd. nur ſchwach umend. säan, säwan, sähan, mittelh. saejen; niederd.
faien, faden; engl. sow, ſchwed. sa; vgl. das lat. sero, sevi, satumzc.), urjpr.
überh. freuen, ausftreuen (vgl. befäen); gew. Fruchtkörner od. Sa—
men ausſtreuen (Roggen, Weizen, Erbfen—; uneig. dünn gefäet fein,
d. i. in geringer Menge u. weiten Swifchenräumen bei einander fein, 3. B. bie
Dörfer find hier fehr dünn gefäet); uneig. auch etwas wirfen mit der Aus—
fiht auf Eünftigen Ertrag od. Genufs (wer mit Thränen fäet, wird mit
Freuden ernten; vgl. ernten); — 3fes. der Säemann od. Sämann, der
Getreide fäende Sandmann; der Säepflug, ein pflugähnlidyes Geräth zum
Säen; das Säetuch, ein Leinentuh, in welchem der Säemann den Samen
vor fich trägt; — Ableit. der Säer, -8 (altd. saari, sahari), die Säerinn,
M. -en, wer fäet.
Safran od. Saffran, m., -08, o. M. (franz. safran, engl. saffron, ital.
zafferano; vom arab. sahafaran, perf. zafferon), ein Zwiebelgewächs mit
rothgelben, ftarkriechenden Blumen, die Safranpflanze (crocus L.), bef. der
zahme od. Herbft- Safran im ſüdlichen Europa, England 2c.; gew. nennt
man Safran: die drei hochgelben Narben der Staubwege in den Blü—
then jener Pflanze, welche getrocdnet als Färbeftoff, an Speifen u. Backwerk
und als Arzenei gebraucht werden; wilder Safran, f. die Färbebiftels ge-
meine Eberwurz; Herbftzeitlofe;z uneig. nennt man Safran in der Scheidek.
verfchiedene gelbe, vöthliche u. braune Metallkalke (Eiſen-, Spießglas—
fafran 26.); — 3fe$. der Safranapfel, eine Art gelber Apfel; die Safran-
farbe; fafranfarben, fafrangelb, Bw.; das Safranöl, aus dem Safran
gezogenes, goldgelbes flüchtiges Ol; die Safranpfirfich, eine Art fafran-
gelber Pfirfichen.
Saft, m., -e3, M. Säfte, (altd. daz saf, ©. safles; altoberd. das
Saft; isländ. saft, w.; angelf. säp, engl. u. holl. sap, niederd. Sapp; vgl.
das lat. sapa, Moftfaft; franz. seve, Pflanzenfaftz verw. mit faufen, |. d.;
vgl. auch Suppe, u. d. niederd. Sabbe; fiepen f. tröpfeln 2c.), 1) die in den
fefteren Theilen der Pflanzen u. Thierkörper enthaltene, diefelben durch-
dringende Flüffigkeit oder Feuchtigkeit (der Saft der Früchte; die Bäume
ftehen in vollem Safte; ber Birken-, Rebenfaft 2c.; den Saft ausdrüden, aus—
faugen 20.5; Nahrungss, Lebensfaft; die Säfte des menfchl. Körpers; gejunde,
oder ungefunde, verdorbene Säfte haben; das Fleifch hat weder Saft, nod)
Kraft; umeig. eine Rede ohne Kraft und Saft, d. i. Lebensfrifches der rothe
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fagbar — fagen #19
Saft, niedr. f. das Blut); 2) eine dieliche Flüffigkeit, bei. ber eingefot-
tene Saft von Früchten, auch ein als Arzenei dienender Abſud; in dieſer
Bed. auch verkl. das Säftchen, oberd. Säftlein, (Möhren-, Birnen-,
Holunder-, Mohnfaft 2c.; einem ein Säftchen eingeben); — 3Teb. das Saft:
behältnifs, bef. an den Blumen: das Honiggefäß; fattblau, Bw., u. als
Hw. das Saftblau, eine rötblih «blaue Farbe, aus dem Gafte der Lackmus—
pflanze bereitet; die Saftfarbe, Mal. aus Pflanzens od. Thierfäften bereitete
Zarbe, z. U. v. Erd- u. Metallfarbe; der Saftgang, Gang, durch weldjen
der Saft feinen Weg nimmt, bef. Pflanz.; das Saftgefäß, ſ. Gefäß; Taft-
grün, Bw., ald Hw. das Saftgrün, aus Pflanzenfäften bereitete grüne Farbe;
das Saftholz, Forftw. im Saft ftehende, treibende Bäume, Treibholz; das
Saftkraut, Knoblauchkraut; faftleer, faftlos, Bw.; die Saftlofigfeit; das
Saftmus, Dicfaft, Latwerge; der Safträuber, den Saft entziehende
Schmarogerpflanzen; faftreich od. faftvoll, Bw.; die Saftröhre, in den
Gewächſen zarte Röhrchen, durch welche der Nahrungsfaft ſich verbreitet; —
Ableit. fasten, ziellof. Zw. m. haben, 1) vlt. f. Saft befommen (bie
Bäume faften Schon); 2) (altd. salen; oberd. au fafteln, faffezen:
nieberd. fappen) Saft oder Feuchtigkeit von fich laſſen (die Früchte faften
durch den Sad); faftig, Bw. (altd. saffec, faffig; niederd. fappig), vielen
Saft enthaltend (Früchte, Fleiſch 2c.); niederd. (fappig) auch f. ſchmutzig,
Eothig; uneig. gem. f. ſchmutzig, d. i. unzüchtig, unkeuſch (ein faftiger
Scherz u. dgl.); die Saftigfeit, das Saftigfeinz ſäftigen od. fäften, ziel.
3w., Neuw. f. faftig machen, mit Saft verfehen.
fagbar, Bw., Sage, w., f. unter fagen.
Säge, w., 1. f. unter fägen; 2. |. Sege.
Sagebaum, m., f. Säbenbaum.
Sägeblatt ꝛc. — Sägemühle, ſ. unter fägen.
fagen, ziel. 3w. (altd. segjan, sagen; isländ. segia, ſchwed. säga, dän.
sige, angelf. secgan, engl. say; nieberd. u. fchweiz. feggen, hol. zeggen; von
gleicher Wurzel mit dem altlat. secere, in-secere (jagen), welches offenbar
— sequi (folgen) iſt; vergl. die derfelben Wurzel angehörenden griech. Erzeıv,
fagen, u. Erzeıv, Erreodcı, folgen; der Grundbegriff läge alfo in der Xufein-
anderfolge oder Aneinanderreihung der Worte; vergl. reden), etwas oder
einem etwas—, durch hörbare Worte zu erkennen geben od. mitthei-
len, versch. ſprechen, reden, ſ. d. (ich darf es nicht ſagen; die Wahrheit
fagen; einem feine Meinung jagen; ihm Dan? jagen; was willft du damit
fagen? d. i. zu verftehen geben; das will ich nicht gejagt haben; einen
todt jagen, d. i. fagen, dafs er todt feiz einem guten Morgen, gute Nacht
ꝛc. fagen, d. i. wünfchen; — bisw. aud) ohne Bielwort, 3. B. ich fagte nur
jo, d. i. ich gebrauchte diefe Worte, ohne es ernftlich jo zu meinen; wie
gefagt, d. i. wie ich gelagt habe; gejagt, gethan, db. i. wie es ge
fagt war, jo gefchah es auch; für Semand gut Tagen, ſ. unter gut 2.); ins—
bef. f. erzählen, berichten, melden (ehem. fingen und ſagen; ich habe dir et-
was zu jagen; man jagt nicht viel Gutes von ihm; ich habe mir fagen laffen,
dafs 2c., d. i. man hat mir erzählt 2c.; er. hat von Glück zu fagen, d. i. eig.
zu erzählen, er kann ſich glüdlich ſchätzen, dafs ꝛc.); ehem. auch f. ausfagen,
Zeugnifs ablegen; jest in engerer Bed. f. bedeutfame, gehaltvolle Worte
fagen (Mancher ſpricht viel, ohne etwas zu Tagen); u. f. befehlen (in einer
37%
580 | fägen
Sache etwas zu fagen haben; er hat mir nichts zu fagen); in weiterer Bed.
etwas fchriftlich mittheilen, Außern (mein Freund fagt in feinem Briefe,
dafs 2c.; Göthe fagt 2c.); uneig. auf irgend eine Art Außern, bemerkbar
machen, zu erkennen geben, ausdrüden (mein Herz, mein Gewiffen fagt es
mir 2c.; ein viel fagender Blick, ein nichts fagendes Geficht u. dgl. m.); be>
deuten (was will das Wort fagen? das will fo viel fagen, dafs 2c.), von Be-
deutung, von Wichtigkeit fein, erheblich fein (das will nichts fagen, hat
nichts od. nicht viel zu fagen 2c.); — Ableit. fagbar, Bw., was gefagt,
d. i. in Worten geäußert werden kann; fo auch fäglich, welches jedoch nur
in unfäglic) gebraucht wird; die Sagbarfeit; der Sager, -8 (altd. sago,
sage), felten f. wer etwas fagt, anfagt, ausfagt (ald Zeuge); niederd.
(Segger) wer ein übles Gerücht verbreitetz; — die Sage, M.-n, (altd.
saga, sage; oberd. Sag, niederd. Segge; angelf. u. ſchwed. saga), überh.
was gefagt wird od. ift, der Ausfpruch, oberd. bef. f. Ausfage (z. B. Zeu-
genfage); insbef. eine Erzählung, ein Gerede, Gerücht (4. B. es geht die
Sage 2c.); in engerer Bed. eine durch mündliche Überlieferung fortgepflangte,
nicht vollig beglaubigte Erzählung von Begebenheiten früherer Zeiten, entg.
der Gefhichte (Sagen der Vorzeit; Götter- und Heldenfagen;z Volksſagen;
verfh. Mähren); 3feg. die Sagemähre (oberd. Sagmähr), vlt. f. eine
mährenhafte Sage, lügenhafte Erzählung ; die Sagenforfchung: die Sagen-
gefchichte, 1) die ättefte, in bloßen Sagen beftehende Gefchichte; 2) eine Ge
fhichte der alten Sagen; die Sagenzeit, die frühefte, nur aus Sagen be-
Eannte Zeitz Ableit. fagenhaft, Bw., die Befchaffenheit einer Sage ha-
bend, fagenähnlic.
fügen, ziel. 3w. (altd. sagön, sagen u. segön, segen; ſchwed. saga, engl.
saw; von gleihem Stamme mit dem lat. secare, alſo urfpr. überh. fchneiden:
vgl. Sachs, Sichel, Senfe), mit der Säge (ſ. u.) ſchneiden od. zerfchneiden
(Holz, Knochen, Steine 2c.); auch durdy Sägen hervorbringen (Bretter,
Latten 20.); die Säge, M. -n, (altd. saga, sage u. sega, sege; oberd. Gag,
Seg; angelf. saga, isländ. sög, engl. saw), ein gezähntes eifernes Schneide:
werfzeug, das beim Gebrauch hin= u. hergezogen wird (eine Holz-, Gtein-,
Hand-, Baums, Gartenfäge 2c.); uneig. zwei Arten gezähnelter Stumpfmu—
ſcheln, u. eine Art Tellmuſcheln; — 3feg. von Säge: das Sägeblatt, f.
Blatt; der Sägefifch, eine Art Haififche mit langem, knöchernem, an beiden
Seiten gezähntem Oberkiefer; auch f. Schwertfifch; die Sägenfliege, eine
Art Fliegen mit mefferförmigem Stachel, woran zwei vorftehende jägenähnlich
eingefchnittene Blättchen find; ſäge- od. fägenfürmig, Bw.; das Sägege—
ftell, das hölzerne Geftell, in welchem das Sägeblatt befeftigt ift: der Sägen⸗
ſchmied, ein Schmied, der beſ. Sägen verfertigt; der Sägeſchnäbler, eine
Art Taucher mit ſägenähnlich ausgezacktem Schnabel, auch Säger, Stückſäger,
Meerroche 2c.; der Sägenſchnitt, Kriegsb. eine im Zickzack gezogene Linie;
der Sägetaucher, f. v. w. Tauchente, od. Biberente; das Sägenwerf,
Kriegsb. eine Art Verfehanzung; der Sägezahn, fpisiger Zaden einer Säge,
u. überh. eines fägeförmig ausgefchnittenen Randes; — Zfes. von fägen:
der Sägeblock od. -Floß, ein Holzblod od. dicker Baumftamm, aus welchem
Bretter gefägt werden follen; der Sägebock, ein hölzernes Geftell, auf wel-
ches das zu fägende Holz gelegt wird (f. Bod 3.); der Sägemeifter, Auf-
feher über die Lohnfäger in den Wäldern 2c., od, Über eine Sägemühle; Die
Sagerer — Saite 581
- Sägemühle, ein Mühlwerk, durch welches Holzblöce zu Brettern zc. zerfchnitten
werben, Brett-, Schneidemühle; daher der Sägemüller; der Sägefpan,
gew. M. Sägefpäne, auch das Sägemehl, die beim Sägen abfallenden zar-
ten Späne; — Ableit. der Säger, -$, wer fügt; aud) f. Sägeſchnäb—
ler, f. 0.
Sagerer.od. Sagrer, m., -$, M. w. €. (alt. sagaräri, sageraere —
lat. sacrarium), oberd. f. das fr. Sacriftei, d. i. Kirchengeräth- Zimmer,
Kicchenftube.
Saher, od. zgez. Sahr, m., -6, 0. M. (altd. sahar, Gumpfgras),
oberd. ald Sammelw. die fpigen Blätter gewiffer Sumpfgräfer u. des auf-
keimenden Getreides; daher fahern od. fähern, Zw., den zu üppig wach—
fenden Saher zum Viehfutter abfcehneiden (das Getreide abfahern).
Sahlband, f., od. Sahlleifte, w. (von einem vit. Sahl, sal, welches
überh. Ausdehnung in die Länge, Rand, Band bezeichnet zu haben fcheint;
vgl. das angelf. säl, Band, Zügel; verw. mit Seil, Siele?), der Außerfte
Rand od. die von gröberer Wolle gewebte Einfaffung an Wollenzeugen, das
Tuchende, die Tuchfchrote (landfch. gem. Salbende, Selbende); das
Sahlband, auch Bergw. die Steinart, welche den Erzen auf den Gängen
gleichf. zur Einfaffung dient, (gem. Seilband) auh Saum, Mantel ge:
nannt; brandenb. ein loder um den Pflugbalken liegender Ring zur Verbindung
des Vorderpfluges mit dem Pflugbalken.
Sahlbrief, buch, fahlfrei, Sahlgut, =böf, f. unter Sat.
Sahling, w., M.-en, Sciffb. ein leichtes, Ereuzmweife gelegtes Ge—
balE, welches den Stengen und Bramftengen zur Befeftigung dient.
Sahlleifte, f. Sahlband; — Sahlmann, leute, f. unter Sat.
Sahlweide, w., (von dem altd. salo, m., u. salaha, salhe, w., die Weide,
jo dafs in Sahl-weide derfelbe Begriff doppelt geſetzt ift, wie in Sauer:
ampfer u. a. m.; die Weide heißt: angelf. sealh, engl. sallow, ſchwed. sälg,
franz. saule, Tat. salix; wahrſch. von gleichem Stamm mit Sahl in Sahl⸗
band (f. d.), alfo vom Binden od. Winden benannt, oder von dem Bw. jal
(j. u.), engl. sallow, blafs, bleih?), eine Art Weiden mit eiförmigen, runze—
ligen Blättern und fehr zähen biegfamen Zweigen, auch Palm- Buſch-, Dohl-,
Korb-, Bandweide ıc., Tchweiz. die Sale; die glatte Sahlweide, f. Lor-
ber= od. Baummollweide.
Sahne, iw., o. M. (holl. saen; wahrfch. verw. mit Seim), |. v. w. Milch—
rahm (f. Rahm), insbef. der füße, frifche (niederd. Schmant); die Sah-
nenbrezel, der Sahnenkuchen, Brezel, Kuchen, deren Teig mit füßer Sahne
angemacht ift; auch Kuchen mit einem Aufgufs von Sahne; der Sahnenkäfe,
aus füßer Mil fammt der Sahne bereiteter Käſe, Süßkäſe.
Sahrbache, w., M.-n, od. der Sahrbaum, oberd. f. die ſchwarze
Dappel, Pappelweide; landſch. aud) f. Weißpappel. Mt
fain od. fein, Bw. u. Nw. (altd. seini, seine, isländ. seinn, ſchwed. sen,
angelf. saene; vgl. fehnen, fäumen, langfam), oberd. f. träge, faumig, lang-
fam; fpätz traurig, kränklich; daher fainen, faineln, Zw., f. faumen,
zögern, langfam fein; die Sainel, f. eine läffige, faumfelige Perfon.
Saite 1., w., M.-n, (altd. seita, seite, w., neben seito,,seite, m.;
oberd. die Saiten; vom altd. sitön, bindenz vgl. das angel. sad, Strid, ſchwed.
seid, Beſtrickung durch Zauberei), urfpr. über. Band, Faden, ©eil; dann
582 Saite — Sal
inst>f. u. jest ausſchließlich ein aus Därmen gebreheter Faden u. in weiterer
Anwendung auch ein feiner Metalldrath, zur Befpannung von Tonwerkzeugen
(Darms, Drathfaiten, Geigen-, Harfenfaiten 2c.; ein Zonwerkgeug mit Saiten
beziehens neue Saiten aufziehen; die Saiten fpannen, ftimmen, rühren ꝛc.;
uneig. die Saiten zu hoc) fpannen, d. i. feine Forderungen zu weit treiben;
gelindere Saiten aufziehen, d. i. von feinen Forderungen nachlaffen, Tanfter
veden 2c.); — 3fes. der Saitenhalter, an Geigen ein mit Löchern verfehenes
fchmales Brettchen, in welchem die Saiten befeftigt werden; der Saiten:
macher, Verfertiger von Darm- oder Metallfaiten; das Saitenfpiel (alto.
seitin-, seite-, od. seitspil), Spiel auf einem mit Saiten befpannten Tonwerk—
zeuge; auch ein ſolches Tonmwerkzeug felbft, fofern deffen Saiten unmittelbar
mit den Fingern gerührt werden (z. B. Harfe Laute); der Saitenfpieler, die
Saitenfpielerinn, wer auf einem folhen Zonwerkzeuge fpielt; das Saiten—
Zonwerkzeug od. =Zonzeug, gew. halbfremd: Saiten» Inftrument, jedes
mit Saiten befpannte Tonwerkzeug (z. B. auch das Klavier); der Saiten-
wurm, ſ. dv. w. Fadenwurm (f. d.), aud) Borften-, Drath-, Haarwurm ıc.
genannt; — Ableit. faitig, Bw., mit Saiten verfehen, bezogen, gem.
nur in Zfeg. wie: vier-, fünf-, fechefaitig 2c.; der Saitling, -es, M. -e,
oberd. feinhäutiger, zu Saiten brauchbarer Schafdarm.
Saite 2. w., M. -n (vielleicht von gleichem Stamm mit Saite 1., fo
dafs hier die Grundbed. Geflecht ift), Kandfch. ein großer Korbwagen, nur
in dem zgeſ. Kohlenfaite (1. d.).
Saferfalf, m. (gem. auch Sacker-, Soder-, Stockerfalk ꝛc.; Tat. Falco
sacer, woraus der deutfche Namen entft. zu fein Scheint, vgl. d. griech. idons;
n. U. von dem ruff. sokol, Falk), eine Art Falken, Kleiner als der Geicrfalt,
mit himmelblauen Füßen und gefledtem Schwanze, zur Kranich- und Reiher—
beize 2c. gebraucht.
fal, eine Nachſ. zur Bildung von Hauptwörtern (urfpr. — fel (f. d. und
vgl. Rinnfal, Rinnfel), altd. sal, sala, entftanden aus der Nachſ. al, el, mit
portretendem s, z. B. weh-s-al, MWechfel, ah-s-ala, Achfel, im Mittelhochd.
aber für die Wurzel sal genommen, von welcher salic, felig, u. das altd. sa-
lida, saelde, Glüd, Wohlfein, Fülle ſtammen) bildet von Zeitwörtern ab-
ftraete Hauptmwörter, welche theils einen Zuftand, theils (in concrete Bed.
übergehend) das. einen Zuftand Bewirkende ausdrücden und im erftern Falle
theils weiblich, theils ſächlich, im letztern immer fächlichen Gefchlechts find;
z. B. die Mühfal, Trübſal, die od. das Drangfal, das Irrſal, Schickſal, Lab-
fal, Scheufal. Aus diefem fal ift felig als Bildungsendung der Beiwörter
mühfelig, trübfelig, ſcheuſelig (fcheußlich) entftanden und dann auch zur Bil-
dung anderer Beiwörter, Yoie glückjelig, feindfelig, faumfelig, leutfelig, ange
wendet worden, denen feine Hauptwörter auf ſal zu Grunde liegen.
; fal, Bw. (altd. salo, sal, G. salwes; daher das altd. Zw. salawan, selwen,
goth. saulnon, angelf. sauljan, entfärben, befchmugen; engl. sallow, blaſs;
ital. salavo, franz. sale, ſchmutzig), ober- u. niederd., überh. von veränderter
Farbe, daher einerfeits: verfchoffen, verblichen, matt, bleich, nicderd. bei.
von blaffer Gefichtsfarbe, daher fiech, kränklich (hHannöv. faul); andrer—
feits: ſchmutzig, trübe, befudelt, fehwarz, hafslich; falen, Zw., niederd.
f. ſchmutzig machen.
Sal oo. Salung, we; (altd. sala, salz; salunga, sulunge; von gleicher
Salamander — Salbe 583
Wurzel mit Saal, f. d.; das zu Grunde liegende Zw. goth. saljan, altd.
sellan, saln bedeutet urfpr. einkehren, wohnen, im Befig fein, dann als ziel.
Zw. in Beſitz feßen, übergeben; fo auch das isländ. selia, ſchwed. sälja,
angel]. seljan, engl. sell (verkaufen), und noch niederd. fellen, ſ. d.), völlig
vlt. f. die rechtskräftige förmliche Übergabe eines Gutes als echtes Cigen-
thum (Allod, entg. Lehen), Schenkung, Verkauf; daher: das Salbuch,
ehem. ein Verzeichnifs von Schenkungen, Übergaben ꝛc. von Grundftüden an
Kirchen und Gemeinheiten; jest noch landfc). ein obrigkeitl. Schagungs = oder
Steuer: Regifter, worin alle Grundftüde der Unterthanen nebft den davon zu
entrichtenden Steuern verzeichnet find, |. v. w. Flur, Lagerbuch (fr. Katafter) ;
falfrei, Bw., ehem. f. von allen Laften frei, fteuerfrei 2c.; das Salgut, der
Salhof, das Sal-Pand, ein zinsfreies Gut, Land 20:5 der Salmann, M.
Sal-Leute, Vollzieher der feierlichen Übergabe eines Gutes an einen Dritten;
auch Vollzieher eines legten Willens; Gewährer, Schugherr, Vermögensver-
walter; der Salpfennig, Geld, welches der Empfänger des Gutes dem Sal:
mann giebt.
Salamander, m., -8, M. w. E. (altd. aud) salmander; griech. u. lat.
salamandra; ſanskr. salamandala), f. v. w. Molch, Feuermolch, eine Art
Eidechfen, von denen man ehem. fabelte, dafs fie im Feuer leben; daher auch
ein fabely. Feuergeift; dev Salamanderbaum, ein oftind. Baum, deſſen
dicke Rinde dem Feuer lange widerfteht; die Salamandereidechfe, eine dem
Salamander ähnliche Eidechſen-Art (fr. Salamandrin); das Salamander-
haar, gediegenes Silbererz in zarten Fäden, Federerz.
Salat, m., -e8, M.-e, (engl. salad, sallet, feang. salade; vom ital.
salato, salata, gefalgen, von salare, ſalzen), urſpr. eine gefalzene, gem. eine
mit Effig u. St angemachte Ealte Speife (Gurken, Kraut-, Kartoffel,
Bohnene, Härings-, Geflügelfalat 2.); in engerer Bed. der Gartenlattich,
ein Gewächs, welches am häufigften auf folche Art zubereitet wird, von ver-
fchiedenen Arten, als: Kopflalat, Eraufer Salat, Kaijerfalat zc.; auch ver—
fehiedene ähnliche wild wachfende Pflanzen, ſ. Mauer-, Saufalatz —
3fes. der Salatbaum, Judasbaum in Kanada, deffen Blüthen als Salat
gegeffen werden; das Salatblatt; die Salatbohne, weiße türkifche Bohne;
die Salatgabel, der Salatlöffel, Gabel, Löffel von Holz od. Horn zum
Salat; das Salathaupt od. der Salatkopf, die kugelförmig gefchloffenen
Blätter des Salates (ſ. Kopf 1.); das Salatfraut, jedes Gewächs, deffen
Blätter ald Salat genoffen werden; der Salatnapf, die Salatſchüſſel; die
Salatpflanze; der Salatfamen 2c.; der Salatwurm, Würmer, welche
die Salatwurzeln abfreflen, insbeſ. die Maikäferlarve.
Salbader, m., -8, M. w. E. (won dunklem Urfprung ; ſchwerui v. ſal
und Bader, alfo: ein ſchmutziger Bader, od. f. Salb-Bader; n. A. f.
Saal-Bader, chem. ein Mann, der in einem Gemeindehaus (Saal) ein Bad
hätt?), ein langweiliger Schtwäßer, der unbedeutende Dinge weitläufig vor
tägt; falbadern, ziellof. u. ziel. Zw., langweilig fehwagen; bie Salba:
derei, langweiliges, leeres Schwasen od. Geſchwätz.
Salbe, w., M. -n, Verkl. das Sälbchen, (goth. salbo, altd. salba, be
oberd. Salben, Salm, niederd. Salwe, angel. salf, engl. salve, ſchwed. salwa;
verw. mit salo, salw—, ſchmutzig, fchmierig? f. fal, Bw.; vol. auch das
lat. saliya), ein fehmieriger, fettiger Stoff, mehr ftarr, als flüffig, zum
584 Salbei — Salhund
Beſchmieren dienend, insbeſ. als Heilmittel bei äußeren Schäden (Wund-,
Brand-, Augenfalbe 2c.), und bei den alten Griechen, Römern ꝛc. auch aus
wohlriechenden Stoffen bereitet, um Haar und Körper damit zu ſalben;
landſch. auch f. Wagenſchmier; Schiffb. ein Gemiſch von Theer, Thran,
Schwefel, Harz ıc., womit der im Waſſer befindliche Theil des Schiffes be—
ftrichen wirdz oberd. uncig. ein Gemenge od. Gewirr von Sachen od. Worten;
3fes. der Salbenbaum, landich. f. die Schwarzpappel, deren Knospen zu
einer gewiffen Salbe gebraucht werden; der Salbenbereiter od. =macher;
die Salbenbüchfe: der Salbenhandel, -Fram; der Salbenhändler, -Erä-
mer; — falben, ziel. Zw. (altd. salbön, niederd. ſalwen, ſchwed. salwa),
mit einer Salbe, od. überh. einer Fettigkeit beftreichen, befchmieren; ehem.
u. noch niederd. überh. f. befihmieren, befudeln (befalben); insbe. mit
einer Heil- od. wohltiechenden Salbe beftreichen; in engerer Bed. einen
mit dem Salböle, als finnbildlichem Zeichen der königlichen und priefterlichen
Würde, beftreichen, um ihm dadurch eine höhere Weihe und Heiligkeit zu ver-
leihen (einen zum Könige, zum Priefter—; ein Gefalbter, ein gefalbtes
Haupt, d. i. ein König; Gefalbter des Herrn, d. i. Priefter; wie ein
Gejalbter fprechen, d. i. wie mit höherer Weihe und Einficht begabt); Bfek-
die Salbnufd (fr. Behennufs), die Frucht des Salbnufsbaumes {Behen-
baum) in Indien, woraus ein OL zu wohlriechenden Salben bereitet wird: dag
Salbnufsöl; das Salböl, DI zur feierlichen Salbung von Königen und
Prieftern; Ableit. der Salber, -$, die Salderinn, M. -en, wer falbt;
die Salberei, verächtl. das Salben; die Salbung, das Salben; uneig.
die höhere Weihe, fromme Begeifterung und tiefere Einficht eines Ge-
falbten, d.i. Priefters (f. 0.5 z. B. mit vieler Salbung fprechen, predigen);
daher falbungsreich od. voll, Bw.
Salbei, w., 0. M. (gew. Salwei gefpr.; mittelhochd. salbeie; oberd.
der Salber, Salver, Salverer; niederd. Selwe; vom lat. u. ital, salvia, wel⸗
ches von salvus, heil, gefund, abgeleitet wird), ein Staudengewächs mit
rundlichen, dicken Blättern von gewürzhaftem Geruch u. fcharfem, bitte:
rem Geſchmack, insbe. die gemeine Gartenfalbei, wovon Abarten find: die
große ©, Kreuzfalbei, wollige ©.; andere Arten: die wilde od. Wieſen-Sal—
bei, u. die ©. mit Lavendelblumenz die Frauenfalbei, |. v. w. Frauenmünze;
— 3feg. der Salbeibaum od. -ſtrauch, ein Strauchgewächs, deffen Blätter
den Salbeiblättern ähneln, in wärmeren Ländern; das Salbeiblatt; der Sal
beieffig, über Salbeiblättern abgezogener Eſſig; falbeigrau, Bw., Färb. ins.
Röthliche ſchimmernd grau; das Salbeidl, ein aus der Gartenfalbei gezogenes
grünliches Ol; die Salbeiweide, eine Art Weiden mit der Salbei ähnlichen
Blättern.
falben, 3w., Salbenbaum ıc., Salber, f. unter Salbe.
Sälbing, Salbling od. Salbling, m., -es, M. -e (entft. aus Sälm-
ling, v. Salm, f. d.), oberd. eine Art Eleiner Salme, die Alpforelle od.
der Rothfiſch.
Salbnufs, -öl, Salbung, f. unter Salbe.
Sälenholz od. Sellenholz, f., landſch. das Holz der Hecken- od. Ahl-
kirſche, u. diefer Strauch felbft.
Salhund, m., (angelf. sele, seole, engl. seal, dän. seel), niederd. f. See:
hund; uneig. verächtl. ein fetter, fauler Menſch.
Saliter — Salſe 985
Saliter od. Salliter, m., -8 (verderbt aus Salniter), gem. f. Sal:
„peter (ſ. d.).
Salle od. Sale, w., M. -n, landſch. f. Sahlweide.
Salm 1. m., -e8, M. -e, (altd. salmo, salme, M. -en; engl. salmon,
franz. saumon; aus dem lat. salmo, u. diefes vielleicht von salire, fpringen,
alfo: der Springer; vgl. Ladys), bef. oberd. f. der Lachs; in engerer Bed.
ein noch nicht ausgewachfener Lachs, od. jeder im Frühling und Sommer
gefangene Lachs; daher: der Salmbörs, eine dem Salm ähnliche Art Börfe;
der Salmbraffen, Salme, deren Kiemenhaut nur vier Strahlen hatz die
Salmforelle, Lachsforelle; das Salmgarn, dreimafchiges Fifhergarn zum
Lachsfang; der Salmling od. Sälmling, -es, M.-e, eine Art Eleiner,
fetter Salme (vol. Sälbling); am Rhein: der einjährige Lachs.
Salm 2. m., -e8, M. -e, (fchon mittel. salme, salm, verkürzt aus
Pfalm, f. d.), niederd. f. Pfalm, überh. geiftliches Lied, Kicchengefang;
gem. verächtl. f. lange, eintönige Nede, langweiliges Geſchwätz.
Salm 3. m., -8, M. -e, Hüttenw. ein länglich vierediges Stud Zinn,
wie es in England gegoffen wird.
Salmann, Salleute, f. unter Sat.
Salmiaf, m., -8, o. M. (aus dem lat. sal ammıoniacum, d. i. Ammoniak:
Salz, zgez.), falzfaures flüchtiges Laugenfalz, ein flüchtiges Mittelfalz von
ftechendem, Eältendem Gefhmad, bereitet aus Kochfalzfäure, die mit flüchti-
gem Laugenfalze gefättigt wird; die Salmiakblumen, Scheide. emporgeläu-
terter Salmiat; der Salmiafgeift, f. Geift 1); das Salmiakſalz, aus dem
Salmiak frei gemachtes flüchtiges Laugenfalz.
Salmling, Sälmling, f. unter Salm 1.
Salpeter, m., -8, M. (felten) w. E., (aus dem lat. sal petrae, d. i.
Felfen- od. Steinfalz, weil er be. an feuchte Mauern anfchießt), alt u. oberd.
auch Salniter, Saliter (aus d. lat. sal nitrum), ein Mittelfalz, beftehend
aus Pflanzenlaugenfalz und einer eigenthümlichen Säure (Scheide
waſſer), das entweder von felbft in Kryſtallen auswittert, oder durch Ein-
Eochen zur Kryftallbildung gebracht wird; — Zſetz. der Oalpeterdampf, fa:
peterfaure Luft; die Salpeterdrufe, Bergw. eine Art Quarzdrufen mit falpes
terähnlicher Kryftallbildung; die Salpetererde, Salpeter enthaltende Erde;
der Salpeterfraß, das Verwittern und Zerbröckeln des Kalks u. der Steine
in den Mauern; auch eine ſolche fchadhafte Stelle; die Salpeterhütte, Sal-
peterfiederei; die Salpeterlauge, falpeterhaltiges Waffer, welches eingefotten
wird, um den Salpeter zu gewinnen; die Salpetermutter, der Überreft der
Salpeterlauge, nachdem der Salpeter angefchoffen ift: die Salpeterfäure,
die dem Salpeter eigenthümliche Säure, welche, in flüffiger Geftalt daraus ge-
Tchieden, auch Salpetergeift u. gew. Scheidewaffer heißt; der Salpeter—
fieder; die Salpeterfiederei; der Salpeterftrauch, ein an der Wolga zc.
wachfender Strauch), der wie mit Salpeter geſchwängert ift; die Salpeterwand,
von falpeterhaltiger Erde zc. aufgeführte Wand, um Salpeter davon zu ge:
winnen; — Ableit. falpetericht, Bw., falpeterähnlich; falpeterig, Bw.,
Salpeter enthaltend, (falpeterige Säure, unvollfommene Salpeterfäure;
daher falpeterigfauer, folche enthaltend).
- Salfe, w., M.-n, (mittelhochd. salse, oberd. Salfen; vom ital. salsa
(moher das franz. sauce), aus d. lat. salsus, a, um, gefalzen), alt u. oberd.
586 Salter — Salz
1) eine falzige od. faure Brühe od. Tunke zu Speifen (4. B. Knoblauch-,
Kräuterfalfe 2c.); 2) (aud Salze od. Sälze) bis zur Dicke des Sirups
eingefochter Saft von Früchten; der Salfendorn, landſch. f. die Berberig-
ftaude, deren faure Beeren zu Salfen gebraucht werden; das Salſekraut, f.
Knoblaudhkraut.
Salter, m., -8, M. w. E., niederd. f. Pfalter 2) u. 3).
faltern, ziellof. 3w.,niederd. 1) (von fal, fchmugig) mit etwas Unrein-
lichem umgehen, fudeln; 2) viel Umftände und Befchwerde mit etwas
haben; 3) auch) f. ſchwatzen.
Sälting, m., — es, landſch. f. die Salzbinfe.
GSaltling, m., —es, landſch. f. dev Sauerampfer.
Salvet, od. Salvett, f., -es, M. -en (von dem ital. salvietta; franz.
serviette), oberd. gem. f. das Tellertuch.
Salz, f., -es, M. (von mehren Arten) -e, (altd. salz, goth. isländ.
ſchwed. engl. salt, angel. sealt, niederd. Solt, holl. sout; franz. sel, ital.
sale vom lat. sal, Salz; daneben lat. salum, Meer; griech. @s, Salz und
Meer, u. zwar ift die leßtere Bed. die ältefte; betrachtet man die Bed. Meer
als die urfprüngliche, fo ift die Abftammung von der Wurzel @), sal in @22-
&oFer, sal-ire, fpringen, hüpfen, wahrſcheinlich, wonad das Meer von der
Bewegung der Wellen fo genannt wäre; vgl. auch das altd. salzön, fpringen,
neben salzan, falgen), überh. ein trockener Mineralförper, welcher im Waſſer
fich auflöft und auf der Zunge einen eigenthüml. fcharfen Gefchmad er:
regt (einfache Salze, wozu die Laugenfalze u. die Säuren od. jauern Salze
gehören; zufammengefeste Salze, die aus zwei Salzen entftanden find:
Mirtelfalze, metallifche Salze); gem. in engerer Bed. als Stoffnamen o. M.
das gemeine Kochfalz, Küchen- od. Speifefalz, welches entweder Stein:
falz, od. Seefalz, od. Quell-, Brunnenfalz ift (Salz graben, in Salgberg-
werfen; Salz fieden, d. i. duch Einkochung u. Abdünftung des Waffers aus
der Soole gewinnen; etwas mit Salz würzen, in Salz legen; Salz und Brod,
d. i. die einfachfte, nothdürftigfte Koft); uneig. f. feharf eindringender Geift,
feiner Wis (attifches Salz; in feiner Rede ift Fein Salz; bibl. ihr feid das
Salz der Erde, d. i. gleich]. die geiftige Würze 20.); — Zfes. die Salzader,
eine Salg enthaltende Ader (ſ. d.) in der Erde; das Salzamt, eine Behörde,
welche den Verkauf des Landesherrlichen Salzes beforgt; der Salzberg, ein
Berg, welcher viel Steinfalz enthält; das Salzbergwerk; die Salzbinfe,
oder das Salzgras, Salzkraut, eine grasartige Pflanze von falzigem Ge:
ſchmack; die Salzblumen, o. E., emporgeläutertes Salz; auch zarte Salz—
theilchen, welche fi) beim Salzfieden wie ein Reif anhängen; die Salzbohne,
eingefalzene Bohnen; die Salzbrühe, Brühe von eingefalzenen Dingen, Late, -
Poökel, Sulze; der Salzbrunnen, ein Brunnen, welcher Salz enthält; die
- Salzerde, Salztheile enthaltende Erde; das Salzfaſs, ein großes rundes
Fals zur Aufbewahrung od. Verfendung des Salzes; eines Hleineres, vieredliges
u. mit einem Dedel verfehenes hölgernes Behältnifs zu Salz in den Küchen
(landih. Salzmefte); ein noch kleineres offenes Gefäß von Glas, Metall ꝛc.;
worin das nöthige Salz auf den Tiſch gelegt wird: das Salzfafschen (landſch.
auch Salzmefte); der Salzfiſch, eingefalzener Fiſch; der Salzflufs, Hüt—
tenw. eine Miſchung falziger Stoffe, wodurd die Erze zum Fluſs befördert
werden; auch ein Hautausſchlag, welcher eing Talzige Feuchtigkeit abfondertz die
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Salz 587°
Salzfütterung, Landw. Mifhung bes Viehfuttere mit Salz; der Salzgaſt,
f. Gaft; der Salzgeift, f. v. w. Salzfäure; der Salzgraf, niederd. Salz
grefe, der oberfte Vorgeſetzte eines Salzwerkes (vgl. Graf); das Salzgras,
f. Salzbinfe; die Salzgrube, ein Ort, wo Steinfalz aus der Erde gegraben
wird; die Salzgurke, mit Salz eingemachte Gurke; der Salzhandel, Salz-
ram; der Salzhändler, -Främer zc.; das Salzhaus, die Salgniederlage;
der Salzhecht, eingefalzener Hecht, Pökelhechtz der Salzherr od. Salz—
junfer, landſch. f. adeliger Pfänner od. Theilhaber an einem Salzwerke; der
Salzfloß, Landw. Klöße von Salz, Lehm u. allerlei Gefäme, die Tauben da-
mit zu locken; der Salzfnappe, f. Knappe; der Salzknecht, ein geringer
Arbeiter in Salztothen; der Salzforb, in den Salzkothen eine Art ſpitzzu—
laufender großer Körbe, worin man das Wafler von dem Salz ablaufen läſſt;
das Salzkorn, verkl. Salzkörnchen, f. Korn; die Salzfothe, oder das
Salzfoth, ſ. Koth 2.5 das Salzkraut, verfchiedene, Salztheile enthaltende
Pflanzen, beſ. cin am Meereöftrande u. in falzigen Sümpfen wachfendes Pflan-
zengefchlecht von verfchiedenen Arten, woraus man durch Verbrennung Pflan-
zenlaugenfalz od. Pottafche gewinnt (salsola L.); eine Art davon ift der Salz—
ſtrauch (salsola fruticosa L.); auch das Glasſchmalz od. Seekrapp (salicor-
nia L.); die Salzbinſe (f. d.); einige Arten des Gänfefußes 2c.; der Galz-
fuchen, ein mit Salz beftreuter Kuchen von grobem Mehle; die Salzlake,
( Lake), Salzbrühe; die Salzlecke, Landw. u. Zäg. der Ort, wo man dem
Vieh od. Wild Salz zu lecken giebt; auch das dazu beftimmte Salz; der Salz—
marmor, ein fein gaeflecter Marmor, ber mit weißem Glimmer in Geftalt
von Salzkörnern durchfegt it; der Salzmeier, altoberd. |. v. w. Salzgraf;
die Salzmefte, f. Mefte u. Salzfaſs; die Salzmühle, ein Mühlwerk zum
3ermalmen des Salzfteines; die Salzmutter, der Schleim, der fich in den
Soolgefäßen fammelt; die Salzordnung, obrigkeitl. Verordnung, die Salz—
bereitung und den Salzhandel betreffend; die Salzpfanne, |. Pfanne; der
Salzpfänner, ſ. Pfänner; die Salzprobe, Prüfung des Salggehaltes der
Soole oder ded Salzwaſſers; auch das dazu dienende Werkzeug: die Salz-
wage; die Salzquelle, eine Quelle, welche Salzwaffer giebt; das Salz
famenfraut, eine Art des Samenkrautes, im Meere u. in falzigem Waffer
wachſend; die Salzfäule, eine ſäulenähnlich gehäufte Salzmaffe (bibl. Loth's
Frau wurde in eine Salzfäule verwandelt); die Salzfäure, die im Küchen-
u. Seefalze enthaltene eigenthümliche flüchtige Säure; falzfauer, Bw., Salz
fäure enthaltend oder damit verbunden; der Salzſchank, landſch. f. Klein
handel mit Salz, Salzkram; der Salzſchenk, landſch. f. Salzkrämer; der
Salzſchlag (ſchwed. saltslag), körnige Steinarten, Eörniger Quarz; die
Salzfchlange, od. -natter, eine Art Nattern im Easpifchen Meere; der Salz
ſchmant, die Unreinigkeit in der Soole, welche fich wie ein Schmant (Rahr
oben aufſetzt; der Salzfchreiber, Schreiber bei einem Salzamte; der Sa
ſchweiß, Salzwafler, welches aus Klüften od. Rigen gleichſam ausſchwt;
der Salzſee, ein Sandfee mit falzigem Waffer; der Salzfieder, wer auder
Soole durd) Sieden Salz bereitet; die Salzfiederei, auch die Salzfodrdas
Sieden des Salzes, und die Anftalt, wo cs gefchieht; die Salzſoole oder -
-fole, f. Soole; der Salzſtein, die in der Soole enthaltene Kalkerde,velhe
fid) beim Sieden als ein Stein an die Pfanne anlegt, Pfannenftein; ad Salz
in Steingeftalt, Steinfalz; die Salzfteuer, Abgabe vom Salz, od. m Galz
588 Salze — fam
werten; der Salzftößler, oberd. f. Salzkrämer; der Salzftrauch, f. Salz
kraut; die Salzftube, große hölzerne Behältniffe, in welchen die Soole auf-
behalten wird; das Salzſtück, fo viel Salz, als in einer Pfanne auf einmal
gefotten wird, auch: ein Korb Salz; der Salzfumpf, große, mit Thon aus-
gefütterte Vertiefungen am Meere u. an Salzfeen, in welchen man das Gee-
waffer fich fammeln u. dann verdunften läfft, um das Salz zu gewinnen; bie
Salzwage, ein Werkzeug zur Erforfchung des Salzgehaltes der Soole, auch
Salzfpindel, =probe; das Salzwaſſer, Salztheile enthaltendes Waffer;
das Salzwerf, jede Anftalt zur Gewinnung od. Bereitung des Salzes, fo-
wohl Salgbergwerk, ald Salzfiederei; die Salzwinnung, vlt. f. Gewinnung
des Salzes, auch Ertrag vom Salze; der Salzwirker, landſch. f. Salzfie-
der; — Ableit. falzicht, Bw., dem Salz ähnlich; falzig, Bw., Salz
enthaltend, bef. viel Salz enthaltend, ftarf nach Salz ſchmeckend (falziges
Waſſer, falzige Speifen); die Salzigkeit, das Salzigfein, die falzige Be—
ſchaffenheit; — falzen, ziel. Zw. (goth. saltan, niederd. folten; altd. salzan,
salzen, ablaut. Impf. sialz, sielz; Mw. gisalzen, salzen) jest umend. ich
Talzte; doch neben dem Mw. gefalzt gew. gefalzen (bef. ale Bw. z. B. ge:
falzene Fifche; aber: die Köchinn hat die Suppe zu ſtark gefalzt), mit
Salz beftreuen, mifchen, würzen (die Speifen—; gefalzene Butter 2c.);
gefalzen, uneig. gem. f. ſcharf, nachdrücklich, theuer (die Hiebe find ge-
ſalzen; die Sache ift gefalzen, d. i. fehr theuer; vgl. pfeffern); auch f. witzig,
geiftvoll Chef. in ungefalzen f. unwitzig, abgefchmadt); falzen, (abgek.
f. gefalzen) als Bw., landich. f. gefalzen, falzig G. B. falzen Brod, ſal—
zene Butter).
Salze od. Sälze, w., ſ. Salfe.
fam, Rad. zur Bildung von Beiwörtern (goth. sam-s, isländ. sam-r, altd.
sam, angelj. sum, engl. some; urjpr. ein Wurzelwort, welches mit, ver-
bunden, dann als felbftändiged Nw. im Altd. u. noch im heutigen Oberd.
eben fo wie, gleich wie, als wie, als ob bedeutet und zugleich dem Bw.
od. Fürw. isländ. sam-r, goth. sama, samo, engl. the same, derfelbe, wie auch
den Wörtern fammt, zufammen, fammeln ꝛc. zu Grunde liegt; von derfelben
Wurzel ftammen auch die griech. @ue, Owos, lat. simul, similis zc.) drückt
urſpr. innigen Zufammenhang, nahe Verbindung, daher auch Gleichheit
u. Ahnlichkeit aus, und bildet Beimörter 1) von Verbal-Hauptwörtern,
3. B. arbeitfam, bedachtſam, betriebfam, furchtfam, gewaltfam, graufam, müh-
fam ꝛc.; 2) unmittelbar von Zeitwörtern, z. B. aufmerkffam, biegfam,
duldfam, empfindfam, erfindfam, folgfam, genügfam, heilfam, ſparſam, wirk—
fam zc., welhe im Allgemeinen die Geneigtheit und Fähigkeit zu dem in dem
Stammmorte ausgedrüdten Thun bezeichnen; finnv. mit bar (vgl. ehrfam,
vunderfam mit ehrbar, wunderbar), wovon ſich jedoch ſam in den un-
ittelbar von Zeitwörtern gebildeten Ableitungen dadurch unterfcheidet, dafs es
be fubjective Neigung oder Fähigkeit, bar hingegen eine paffive Mög-
ligeit bezeichnet (vgl. empfindfam, furhtfam, heilfam, acht ſam mit
emfindbar, furchtbar, heilbar, ahtbar). — Als Bildungzfilbe für
Haptwörter findet es fich nur in: Gehorfam, Gewahrfam, u. in der Form
fam in den meift vlt. Gerechtfame, Gewaltfame, Genoffame 2c. Gewöhnlicher
werde yon den Bw. auf ſam durch Anhängung der Nachſ. Eeit Hauptwörter
gebilde. wie: Arbeitfamkgit, Duldfamkeit, Furchtfamkeit zc.
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Same 589
Same od. b. Samen (ehem. Saame gefchr.), m., ©. Samens, M.
Samen, (altd. simo, säme, G. sämin, sämen; oberd. Samen, Sam, M.
Sämen; lat. semen; von fäen, ſ. d.; urfpr. überh. das Ausgeftreute, daher
ehem. auch f. Sand, Feld, Kampfplag), 1) die aus der Blüthe fich ent-
widelnden Theile der Gewächfe, welche die Keime für andere Gewächfe
derfelben Art enthalten, gew. ald Sammelw. (4. B. Samen tragen, bringen,
viel Samen geben 2c.), in engerer Bed. nur fofern diefe Theile in Eleineren
Körnern beftehen (z. B. Hanf-, Kohl, Lein-, Rübfamen; den Samen aus-
ftreuen 20.); oberd. aud) f. Saat, d. i. das grüne, noch nicht aufgefchoffene
Getreide; uneig. was ausgebreitet od. befannt gemacht wird, um Frucht
zu bringen, d. i. heilfame Wirkungen zu haben (z. B. der Samen des gött-
lichen Wortes, guter Lehren 2c.); 2) in weiterer Bed. auch der zur Fort-
pflanzung der Gattung dienende flüffige Stoff bei Menfchen und Thieren
(dee männlide Samen); bibl. f. Nachkommen, Nachkommenſchaft;
auch die junge Brut der Fifche und mancher Infecten; Hüttenw. Schladen,
welche noch Metall enthalten; — 3feg. die Samenader, Anat. Adern, welche
nad den menfchl. Samengefäßen gehen, theils: Samenfchlagabern, theile
Samenblutadern; der Samenbaum, Zorftw. f. v. w. Mutterbaum, f. d.;
der Samenbehälter od. das Samenbehältnifs, die Theile der Pflanzen u.
der thier. Körper, welche den Samen enthalten; das Samenblatt, od. -blätt-
hen, Pflanz. die erften Blätter, welche fich aus dem Samenkern entwideln;
die Samenbohne, -erbfe, das Samengetreide, die Samenlinfe zc., zur
Ausfaat beftimmte Bohnen, Erbfen 20.5; der Samenbruch, Heilt. ein aus zu
ftarfer Anhäufung des männl. Samens entftehender Bruch; die Samendede,
Pflanz. eine über den Samen ausgebreitete lockere Haut; die Samenergie-
Bung, unmillfürlicher Abflufs des männl. Samens (fr. Pollution); der Sa—
menfifch, zur Fortpflanzung in einen Teich gefegte Fifche; der Samenflufs,
krankhafter beftändiger Abflufs des männlichen Samens (gem. Tripper); das
Samengefäß, Anat. alle Gefäße im menſchl. u. thier. Körper, in welchen der
Samen bereitet und aufbehalten wird; das Samengehäufe, Pflanz. das
Gehäufe, welches den Samen enthält, bef. im Kernobite; die Samengurfe,
f. v. w. Saatgurke; der Samenhandel, Handel mit Sämereien; daher der
Samenhändler; die Samenhaut, dag Samenhäutchen, den Pflanzen-
famen umgebende Häute; das Samenholz, Forftw. 1) f. v. w. Samenbäume;
2) jede Holzart, welche nicht Frucht, fondern bloß Samen trägt; der Samen:
käfer, ein dem Rüſſelkäfer ähnlicher Käfer, deffen Larven den Kern u. Hülfen-
früchten Schaden thun; die Samenkapfel, ſ. Kapfel; der Samenkelch, das
äußere kelchförmige Samengehäufe gewiffer Pflanzen, z. B. der Nelken; der
Samenkern, Fruchtkern (f. Kern); der Samenfnopf, Enopfförmiges Samen-
gehäufe; das Samenkorn, 1) ein einzelnes Korn (f. d.) des Pflanzenfameng;
2) zur Ausfaat beftimmtes Korn, d. i. Getreide u. insbef. Roggen; das Sa—
menfraut, verfchiedene Wafferpflangen, insbef. das Eraufe Samenkraut od. der
Feofchlattich; das fchwimmende ©., auch Saulöffel, Serfalten 2c.; das dichte
©.; das leuchtende ©. 2c.; der Samenlappen, Pflanz. f. v. w. Samen-
blättchen; die Samenlode (f. Code 1.), Korftw. junge, aus dem Samen
aufgewachfene Bäume; famenlos, Bw. ohne Samen; ohne Nachkommen;
die Samenmilch, Apoth. aus zerftoßenen öligen Samen u. einer Flüffigkeit
bereiteten milchichter Saft, z. B. Mandelmilch, (fr. Emulfion); dad Samen-
590 ſaͤmiſch — fammeln
moos, Korallenmoos, eine Art Thierpflanzen; das Samenöl, aus Pflangen-
ſamen geſchlagenes Ol, z. B. Lein-, Mohnöl ꝛc.; die Samenperle, Eleinfte
Perle, Saat-, Staubperle; das Samenreis, f. v. w. Samenlode; die
Samenröhre, Anat. feine Röhrchen, aus — die innere Hodenmaſſe be—
ſteht; die Samenſchule, Gärtn. eine Baumſchule, in welcher man Obſt—
bäume aus dem Samen zieht, z. U. v. Pfropfſchule; der Samenſtaub,
Pflanz. der zur Befruchtung dienende zarte Staub an den Staubfäden der
männlichen Blüthen (fr. Pollen); der Samenſtengel, der Pflanzenſtengel,
welcher den Samen trägt; der Samenftrang od. die Samenfhnur, Anat.
der Strang, an welchem die Hoden hangen; das Samenthier od.-thier—
chen, kleine, dem bloßen Auge unſichtbare Thierchen, aus welchen der männ—
liche Samen der Menſchen u. Thiere beſtehen foll; der Samenzapfen, Pflanz-
zapfenförmiges Samengehäufe; auch f. Blüthenkätzchen; die Samenzwiebel,
Zwiebeln, welche man zur Befamung ftehen läſſt; auch die ſich anfegenden klei—
nen Zwiebeln, aus welchen man andere Gewächfe derfelben Art zieht, Brut-
zwiebeln; — Ableit. famig, Bw., Samen enthaltend, gew. nur in Zjeg-
wie eins, dreifamig 20.5 die Sämerei, M.-en, allerlei Arten Pflanzenfa-
men, Geſäme; daher. der Sämereihandel; der Sämereihändler ꝛc.; der
Sämling, -e3, M. -e, oberd. f. Samenreis, Samenlode.
ſämiſch, Bw., ſämiſches Leder od. Sämiſch-Leder (Hol. seem,
seemleder, ſchwed. sämsk, poln. zamesz; engl. shammy, shamois; vom franz-
chamois, eig. Gemfe, Gemsleder), eine Art fehr weichen u. geſchmeidigen
Leders, von den Weißgerbern mit Mehl, Alaun u. Weinftein zubereitet, auch:
fettgares Leder; daher: der Samifchgerber, die Sämifchgerberei, (franz.
chamoiseur, chamoiserie).
Samkauf, m., oberd. f. Sammtkauf, Gefammtfauf (. d.); die Sam-
£oft, 1) (von Ban alten sam, samo, felbft, derfelbe; ſ. ſam) landſch. f. Die
Koft od. Speife, welche ein Eigenthümer felbft baut und damit feine Ar—
beiter ablohnt; 2) gew. M. Samkoften (von demfelben Stamm in der Bed.
fammt, zufammen) landfch. f. gemeinfchaftliche Koften, wozu Mehre, bei-
tragen; insbef. Bergw. f. ebeuungetoſten. Zubuße (oerderbt: Saum—
koſtem).
fammeln, Zw. (altd. samandn, seminon, samenen (daher unſer ſammeln
duch Übergang des n in 1), zgez. samnen, sammen, samen; von saman, sa-
men, jammen, v. der Wurzel fam, f. d.; oberd. fämen, fämeln, fameln, famb-
len; angelf. samnan, samnian, fchwed. samna, samla; franz. sembler in
as-sembler) , 1) ziet. mehre Dinge oder Theile eines Stoffes einzeln zu-
fammenbringen, an einem Orte vereinigen (Früchte —, Steine vom Ader;
die Bienen fammeln Honig; das Regenwaffer in einen Behälter—; Geld,
Schäse, Bücher 2..—); auch von unkörperlichen Dingen Nachrichten, Be-
merkungen, Kenntniſſe —; feine Gedanken fammeln, d. i. auf einen Gegenftand
richten; entg. zerftreuen); felten von Perfonen (ein Heer ſammeln; außer
dem gew. verfammeln); 2) rüdz. fih—, einzeln, nach und nad) zur
fammentommen, od. von leblofen Dingen nad) und nach vereinigt werden
(e3 fammeln fich Leute auf dem Markte, d. i. fie kommen zufällig, abfichtelos
zufammenz; verfch. verfammeln; ſprichw. wo ein Aas ift, da ſammeln ſich die
Adler; bibl. es ſammeln ſich die Waffer unter dem Himmel; das Unreine fam-
melt fich auf dem Boden 2c.); uneig. f feine Gedanken fammeln, aus einer
fammen — Sammet 591
Zerftrenung od. Geiftesabmwefenheit wieder zu ſich kommen, finnv. fich faſ—
fen; — 3fes. das Sammelbuch, ein Buch zur Aufzeichnung vermifchter
Bemerkungen, Auszüge ꝛc. (fr. Golleetaneen); der Sammelfleiß; das Sam-
melgeld, oberd. das im Kirchenbeutel gefammelte Geld; dev Sammelfaften,
ein Behältnifs, worin fich das Waſſer fammelt, bef. bei Mühlen; der Sam-
melnamen od. dag Sammelwort (fr. Collectivum), Sprachl. ein Daupt-
wort, deſſen Begriff eine unbeftimmte Menge für fic) beftchender Einzelweſen
zufammenfafft (4. B. Volk, Heer, Vieh, Gefchwifter 10); dev Sammelorden,
f. v. w. Bettelorden; der Sammelplaß, der Plag, wo Mehre fi ſammeln
od. verfammeln; die Sammelfchrift, das Sammelwerk, eine Schrift oo.
ein Werk, in welchem verfchiedene Auffäge 2c. zufammengeftellt find; auch ein
aus andern Werken zufammengeftoppeltes Werk (fr. Gompilation); — Ableit.
die Sammelei, verächtl. 1) o. M. f. das Sammeln; 2) M. -en, etwas
Gefammeltes, eine Sammlung; der Sammler, -$ (altd. samenaere), Die
Sammlerinn, M. -en, wer fammelt, z. B. Bücher, Nachrichten ꝛc.; die
Sammlung, M.-en, (altd. samanunga, samenunge, samnung, sammung),
die Handlung des Sammelns (4. B. der Früchte; der Gedanken; eine Samm-
lung für die Armen, fr. Gollecte); das Gefammelte felbft, eine Menge zu-
fammengebrachter Dinge (z. B. Bücher-, Gemäldefammlung ꝛc.); ehem.
auch f. Berfammlung, Vereinigung, Gemeinfchaft; das Sämmlet, ſchwäb.,
od. die Sammete, fränf. (altd. sämnat), das zu fammelnde u. in Garben
zu bindende Getreide, ein Arm voll gefchnittenes Getreide.
fammen, Nw. (goth. samana, altd, saman, samen, samenez vgl. fam u.
fammt), völlig vlt. f. vereinigt, mit einander verbunden, zugleich; nur
noch in den zgeſ. beifammen, zufammen (altd. zi-samane), u. dem landſch.
mitfammen (altd. mit saman). ,
Sammet, m. -$, od. zgez. Sammt, -es, M. -e, (mittelhochd. samit,
ſchwed. sammet; vom mittl. lat. samitum, sammitus, abgek. aus examitum,
entft. aus dem griech. Scharroc, d. i. jechsfädenig, mit ſechs Fäden gewebt),
ein ſchwerer Seidenzeug, deffen Faden über die Oberfläche hervorgehen,
und, wenn fie aufgefchnitten find, einen. weichen, feinen Haarüberzug bil-
den, (geriffener Sammt, deſſen Fäden nicht aufgefchnitten find; entg. ge-
fhorener Sammt; fi) in Sammt und Seide Heiden, d. i. fehr Eoftbar); —
3fes. mit Sammet od. Sammt: fammet- oder fammtartig, Bw., G- 2.
ein Fell, eine Wurzel 2.); das Sammetband; die Sammetblume, ver-
fchiedene Blumen mit fammetartigen Blumenblättern, 3. B. die gelbe Tunis-
blume, Schreiberrofe, türkifche Nele; das Taufendfhön; der Hahnenkamm;
das Sammetblümchen, die Mafliebe od. Gänfeblumez die Sammetbürfte,
eine feinhaarige, weiche Bürfte, den Sammet damit zu bürften; die Sammet-
Ente, braune See-Ente; die Sammeterde, eine Art Talkerde; das Sam—
metgras, eine Grasart mit weichen, fammetähnlichen Blättern; die Sammet-
hofe, uneig. ein Hahn mit dick befiederten Schenken; der Sammethutz die
Sammetkappe, -mütze, das Sammetkleid, der Sammetmantel, -pelz,
tod 2c.; der Sammetkork, die befte, weichfte Art des Korkes; die Sam—
metmilbe, rothe Erdmilbe; das SammetmooS, eine Art des Knotenmoofes,
auf alten Dächern wachlend; die Sammetmufchel, behaarte Archenmufchel,
haarige Seenufs; die Sammetnelfe, Stechnelfe, rothe Sammetrofe, die
Sammetpappel, eine Malven-Art, gelbe Pappel, Pappelroſe; auch eine Art
592 | Sammler — Sand
des Eibifches; der Sammetraſen, Eurz gefchorener , weicher Raſen; die
Sammetrofe, eine Art Rofen mit fammetweichen Blättern; auch f. Sammet-
nelfe; die Sammetfchnede, eine genabelte haarige Schnirkelfchnedte, rauhe
Schnecke; ſammetſchwarz, Biw., glänzend ſchwarz, wie [hwarzer Sammet;
auch als Hw. das Sammetfchwarz; die Sammetfpinne, braungelbe Spinne
mit fammetartiger Bedeckung des Dinterleibes; der Sammetvogel, ein Schmet-
terling mit fammetartigen Flügeln; der Sammetweber,‘ Sammetmacher;
die Sammetweberei; fammetweich, Bw., wei wie Sammet; — Ableit.
fammeten od. fammten, Bw., von Sammet gemacht (ein fammtenes Kleid);
weic wie Sammet (eine fammtene Haut).
Sammler, Sammlung, f. unter fammeln.
fammt, (goth. samath, altd. samant, sament, samet, samt; ſchwed. samt,
angelf. samod; von der Wurzel am, f. d.) I) Nw. ſ. v. w. zufammen,
ſämmtlich, nur noch üblich in der Verbindung: fammt und fonders (altd.
samet und sunder), d. i. alle zufammen und jeder insbefondere, u. in: alle-
fammt, gefammt, insgefammt; 2) Vw. mit dem Dat., Aufetliche
Zufammenfaffung, Verbindung, Gemeinfchaft bezeichnend, finnv. mit (ſ.
d.), nebft G. B. der Mann war da fammt feiner Frau, die Mutter fammt
ihren Töchtern; Tandich. gem. mit fammt ıc., ein fehlerhafter Wortüber-
flufs); — 3feß., meift vlt. u. dur) gefammt— (f. d.) erfest: die Sammt-
freunde, gefammten Freunde, Verwandten 2c.; der Sammtgebrauch; das
Semmtgut; die Sammthülfe, gefammte oder gemeinfame Hülfe; der
Sammtfauf (altd. sametkouf, oberd. auch Samkauf), |. Gefammtlauf;
das Sammtlehen, ungetheiltes Lehen der fämmtlichen Verwandten; der Sammt-
rath; die Sammtfchriftz die Sammtftimme 2.5; — Abteit. ſämmtlich,
Bw. od. unbeftimmtes Zahlwort, alle bezeichneten Dinge od. Perfonen zu—
fammengenommen, alle zufammen, finnv. gefammt, welches jedoch aud)
in der Einh., fämmtlich hingegen gew. nur in der Mehrh. gebraucht wird G-
B. fämmtliche Anweſende, od. die fämmtlichen Anwefenden; feine fämmtlichen
Freunde; fie waren es ſämmtlich zufrieden zc.).
Samstag, m. (gem. oberd. aud) Sambstag; altd. sambaztag, sambez-,
sameztac; zgez. aus Sabbathstag, goth. sabbatodags; franz. Samedi),
oberd. f. Sonnabend; daher famstäglich, Bw., an jedem Samstag oder
Sonnabend gefchehend.
Sand, m. (altoberd. auch f.), -es, 0. M. (altd. sant, ©. -des; wahrſch.
aus sam-t, sam-at entft. von der Wurzel sam, verbinden, fammeln, f. ſam; daher
noch bair. Sambd neben Sand; vgl. d. griech. Zuuos, pduuos, Yauados;
isländ. sandr, ſchwed. angelf. engl. sand), aus Kleinen, nicht zufammen-
hangenden Kieſelkörnchen beftehende Erde, vergl. Kies, Gries, Grand,
(feiner, grober Sand; Flug-, Fluſs-, Staub, Triebſand, Streufand ꝛc.; wie
Sand am Meere, d. i. in unzähliger Menge; einem Sand in die Augen ftreuen,
d. i. ihm täufchen, feine richtige Einficht hindern od. trüben, urfpr. von den
Ringern u. Fechtern hergenommen)z auch) f. fandige Gegend, fandiger Platz,
ehem. bef. f. Kampfplatz; Geftade, Strand; — 3fes. der Sandaal, eine
Art Bleiner Aale, die ſich am Meeresufer im Sande aufhalten, Sandfifch, gem.
Sandilz, Sandfpiering ꝛc.; aud) f. Sander; die Sandaufter, eine
Art Auftern, die fich auf Sandgründen aufhalten; das Sandbad, Heilt. ein
Bad in warmem Sande; Scheidet. Abziehung (Deftillation) in erhitztem Sande;
— — — — — En —— ——
Sand 593
die Sandbank, eine aus Sand beſtehende Erhöhung des Bodens, beſ. in
Flüffen u. im Meere, Sandriff; Bergw. eine große Sandlage; die Sandbeere,
die rothe Beere eines Beinen Strauchgewächſes, auch Mehl-, Stein-, Wolfe-
beere, Bärentraube 2c. genannt; auch die Frucht des Erdbeerbaumes; der
Sandberg; der Sandboden; der Sandbohrer, eine Art Bohrer der
Brunnengräber zum Herausfchaffen des überflüffigen Sandes aus einem Brun—
nen; der Sandbörs od. =barfch, f. v. w. Sander; das Sandbrod, die
Erdmandel od. Erdnufs; die Sandbüchfe, eine Büchfe mit Streufand, Streu-
büchfe; die Sanddiftel, Kreuzdiftel, wilde Eberwurz; der Sanddorn, Wei-
dendorn, Meerkreugdorn; das Sanderz, in Sandftein brechendes Erz; das
Sandfafs, Faſs mit Sand; bef. ein Eleines Streufandgefäß: Sandfäſschen;
das Sandfeld; der Sandfifch, ſ. Sandaal; die Sandfläche; das Sand-
flöz, die Sandfluh, f. Flöz, Fluh; das Sandgebirge; die Sandgegend;
der Sandgräber, wer Sand ausgräbt; Naturk. verfhiedene Käferarten: der
Sandwühler; eine Art des Todtengräbers; eine Art Mehlkäfer; der Sand:
gries, grobförniger Sand, Griesfand; die Sandgrube, eine Grube, aus
welcher man Sand gräbt; der Sandgufs, Metallgufs in Sandfornien; das
Sandhaargras, eine am Meere wachfende Grasart, auch Sandgras, Sand—
weizen, Steandhafer ze.; der Sandhafer, eine auf fandigem Boden wach—
fende Abart des Hafers, Rauchhafer;z auch f. Spishafer; u. f. Sandhaargras;
der Sandhäger, Sandhorft, ſ. Häger, Horft; der Sandhafe, Berghafe
(f. d.), Steinhafe; fcherzh. f. Bewohner einer fandigen Gegend, oberd. aud)
ale Schimpfw.; beim Kegelipiel ein fehlerhafter Wurf, indem man die Kugel
neben das Kegelbrett od. über dasfelbe hinaus wirft; der Sandhaufen; der
Sandhirfch, ein gewöhnt. Hirſch, fofern er fich in fandigen Gegenden auf-
hätt; der Sandhügel; der Sandkäfer, eine mit den Laufkäfern verwandte
Käfergattung, Sandläuferz der Sandfarren, der Sandfärrner, ſ. Kar-
ven 2c.; die Sandficher, eine Art des Bodsdornes, Sandbodsdorn; der
SandElaffer, eine Art Klaffmufcheln, auch Sandkrieher; der Sandfloß,
Heilk. eine entzündete, geſchwollene Hode, Sandball; der Sandfobalt, Bergw.
ein im Bruche dem Sandftein ähnlicher ſchwärzlich grauer u. röthlicher Kobalt;
das Sandkölbchen, Sandkölbleingras, eine Grasart, auch Sandliefch-
gras; das Sandforn, 1) Kleines Sandtheilhen, verkl. Sandkörnchen;
2) f. v. w. Sandroggen; das Sandfraut, eine an den fandigen Ufern des
nördl. Europas wachfende Pflanze, welche‘ viel Salz enthält (arenaria L.); der
Sandfrebs, Landkrebs; die Sandfreffe, Bachkreſſe, Gründling (f. Kreffe 2.);
der Sandfriecher, eine Art ſehr giftiger Nattern im Morgenlande ıc., Sand:
natter, -fchlange; auch f. Sandklaffer; der Sandfuchen, eine Art trode-
ner, ſehr mürber Kuchen, auch die Sandtorte; das Sandland; der Sand-
läufer, ein ſchnepfenähnlicher Vogel, Sandhuhn, Strandläufer; auch f. Waffer-
huhn; Sandkäfer; die Sandlilie, eine Art Spinnenkraut oder Zaunblume;
der Sandmann, Sandkärener, Sandverkäufer; fcherzh. bef. in der Kinderfpr.
fagt man „der Sandmann kommt‘ zu dem Schläfrigen, welcher fich die Augen
reibt, als ob er Sand darin hätte; da8 Sandmeer, eine unabfehbare Sand»
| Ebene, Sandwüfte; die Sandnatter, ſ. Sandkriecher; die Sandnelfe, eine
Art wilder Nelken, die im nördl. Europa im Flugfande wachen; auch f.
Meerz, Sees, Bergnelke, Wiefenkraut; die Sandpfeife, eine Art Röhren:
ſchnecken; der Sandpfeifer, ein Vogel vom Gefchlecht der. Strandläufer;
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 33
594 Sandel — fanft
der Sandplan, mit Sand bededter Plan od. Pla; das Sandpulver,
Apoth. ein Pulver gegen den Sand od. Gries im menfchl. Körper; die Sand-
raufe, eine Art Rauke (f. d.), welche in fandigen Gegenden wählt; das
Sandreff od. =riff, 1. v. w. Sandbank; der Sandreiter, fcherzh. ein Reiter,
den fein Pferd abgefeht hat; das Sandriedgras, in fandigen Gegenden wach
Tendes Riedgras; der Sandroggen, auf Sandboden gebauter Roggen; das
Sandrohr, eine Art am fandigen Meerufer wachfenden Rohres, auch Sand:
halm, =hafer, ſchilf 2c.; fandfcharig, Bw., niederd. vom Marfchlande: ftark
mit Sand vermifcht; die Sandfchicht; der Sandfchiefer, aus verhärtetem
Sande beftehender Schiefer; der Sandfehimmel, ein Schimmel (weißes
Pferd), welcher wie mit Sand betreut ausfieht; die Sandfchlange, ſ. Sand:
riechen; die Sandfchwalbe, Erd- od. Rheinſchwalbe; der Sandfpiering,
f. Sandaal; der Sandftein, eine aus Sandkörnern beftehende Steinart; daher
der Sandfteinbruch, die Sandfteingrube; der Sandtorf, mit Sand ver-
mengter, bröcdeliger Torf; die Sandtorte, ſ. Sandkuchen; die Sanduhr,
eine Uhr, beftehend aus zwei kegelförmigen, an ihren Spigen mit einander ver-
bundenen Gläfern, in welchen der aus dem einen in das andere ausgelaufene
Sand die Stunden und ihre Theile anzeigt, auch Stundenglas, Sandglas;
der Sandweg; die Sandweide, eine an Sümpfen wachfende Weiden -Art,
Eleine Bruchweide, auch) Sandwerfte genannt; auch f. Bachweide; der
Sandweizen, ſ. Sandhaargras; die Sandwespe, ein der Schlupfiwespe
ähnliches Inſeet, welches Höhlen in den Sand gräbt, Afterwespe, Kaupenz,
Spinnentödter; der Sandwurm, ein im Meeresfande lebender regenwurm—
ähnlicher Wurm; auch eine Art Fliegen, Wurmlöwe; Kieferwurm; Kronen-
wurm; die Sandwüfte, fandige Wüfte; der Sandzuder, braungelbem
Sande ähnlicher Mehlzuder (ſ. d.); — Ableit. fandig, Bw., viel Sand
enthaltend, aus Sand beftehend (jandiger Weg, Boden ꝛc.); fanden, ziel.
3w., mit Sand beftreuen, nur in einzelnen Anwendungen: niederd. Die
Deihe—; Schmied. das Eifen—, d. i. in der Schweißhige mit Sand be-
ftreuen.
Sandel, m., -8, od. das Sandelholz (mittl. Lat. santalum, wahrſch.
ind. Urfprungs), das blafögelbe, fehwere, wohlriechende Holz des oftind.
Sandelbaums; auch das Brafilienholz (vother Sande; u. das blaue
Holz des Behen- od. Salbnufsbaumes.
Sander, m., -3, M. w. E. (auch Sandart, Zander; von Sand), ein
zum Gefchlecht der Börfe gehörender fchmadhafter Fifch, der auf dem fan-
digen Grunde von Seen und Flüffen fich aufhält, au) Sandaal, Sand: od.
Seebörs genannt.
Sanderz ıc. — Sandzuder, |. unter San.
fanft, Bw., Comp. fanfter, Sup. fanfteft, (altd. ald Nw. samfto, sanfte,
als Bw. samfti, semfti, senfte; oberd. famft u. fanftz angel. softe, sengl.
soft, holl. saft u. sacht; vgl. ſacht; wahrſch. verw. mit d. angelf. sib, ſchwed.
sef, Ruhe, sefa, ruhig machen; isländ. sofa, angelf. saefan, fchlafen), überh.
frei von allem Rauhen u. Harten u, daher einen angenehmen Eindrud
auf den Sinn od. die Empfindung machend, immer mit dem Nebenbegriff
des Angenehmen, daher verfch. v. gelinde, mild, weich (vergl. fanfte
Liebkofungen, u. gelinde Strafen; fanfte Hände; fanfte Lüfte; Tprichw. ein
gutes Gewiffen ift ein fanftes Ruheliffen; ein fanftes Licht); insbeſ. vom
Sang — Sange 595
Laute: das Gehör gelind u. angenehm berührend (fanfte Töne, eine fanfte
Stimme), auch f. leife, geräufchlos, facht (fanft auftreten, gehen ꝛc.), lang-
fam, mäßig bewegt, entg. lebhaft, heftig (ein fanfter Regen; fanfte Mufik),
daher auch fich allmählich erhebend, gelind auffteigend, entg. jäh, fteil
(eine fanfte Anhöhe, ein fanfter Abhang); ruhig, gemach, gemächlich (Tanft
fchlafen; ein fanfter Tod); von inneren Empfindungen, Gemüthsbewegun-
gen ze. angenehm gelind, entg. heftig, lebhaft (fanfte Gefühle, Empfindungen;
eine fanfte Freude, Liebe 2c.); in fittlichem Verftande: mild, liebreich, wohl-
wolfend, entg. rauh, hart (ein fanftes Gemüth, fanfte Sitten, eine fanfte
Behandlung; ein fanfter Menſch); ald Nw. oberd. auch f. leicht, wohl (bef.
der Comp. oberd. fänfter f. leichter, Lieber, eher); — 3fes. die Sanft-
muth, o. M., fanfte Gefinnung od. Gemüthsart; beſ. Mäßigung der Leiden-
haften, namentlich des Zorns bei Beleidigungen u. Kränkungen; daher fanft-
müthig, Bw., Sanftmuth beſitzend u. zeigend, auch ſanftherzig; die Sanft-
müthigkeit, das Sanftmüthigfein, auch Sanftherzigkeit; — Ableit. die -
Ei 1) o. M. (altd. samfti, senfte) vlt. f. v. w. die Sanftheit, das
Sanftfein, die fanfte Befchaffenheit; 2) M. Sänften, ein verfchloffener
Zrageftuhl, Zragfeffel, eine Bahre mit einem Eutfchkaftensähnlichen Sig (fr.
Portechaife); daher der Sänftenträger zc.; fänften, ziel. Zw. (altd. samf-
tian, senften) vlt. u. dicht. f. fanft machen, befänftigen, erleichtern, lindern;
fänftig, Bw., oberd. f. fanft, facht, langfam, gemach, (Bergw. ein fänf-
tiges Gebirge, d. i. ein allmählich auffteigendes); bie Sänftigkeit (altd.
senftekeit), vit. f. Sanftheit, Gelindigkeit (Bergw. die Sänftigkeit eines
Gebirges); fänftigen, ziel. Zw., ſ. v. w. fänften, beruhigen, mildern,
lindern, bef. dicht., außerdem gew. befänftigen; die Sänffigung, gew.
Befänftigung; ſänftlich od. fänftiglich (altd. senfteclich), Nw., vit. f.
auf fanfte Art, mild, freundlich; bequem.
Sang, m. (ehem. T. ), -08, M. Sänge, (altd. sanc, G. sanges; engl.
song; von fingen, f. d.) alt u. dicht. f. der Gefang, fewopl das Singen,
als das gefungene Lied; der Sangboden, Schall» od. Klangboden eines
Saiten = Inftrumentes; ber Sangdichter, Liederdichter (fr. Lyriker); das
Sanggedicht, fingbares Gedicht, Lied; die — — der Sangfink,
die Sanglerche, -ſchwalbe, überh. der Sangvogel, M . Sangvögel, fin
gende Vögel, auch Singvögel; der Sangherd, ein Vogelherd, auf welchen
man nur die großen Sangvögel ftellt; der Sangmeifter, ein Meifter im
Singen; Leiter des Gefanges, Singlehrer; die Sangweife, die Weife (1. d.)
\ eines Gefanges (fr. Melodie); — der Sänger, -8, M. w. E., die Sän
| gerinn, M. -en, (altd. sangari, sangaere; w. sangaerin; von einem alter
| ſchwach umend. Zw. sangen neben — überh. wer ſingt, oberd. gew.
Singer, (daher dicht. auch f. ſingende Vögel: die Sänger des Waldes ꝛc.);
in engerer Bed. wer kunſt- u. berufsmäßig fingt (4. B. Vor-, ar
Bühnenſänger; eine berühmte Sängerinn 2c.); uneig. f. Dichter.
Sange 1., w., M.-n, (mittelhochd. sange, holl. sangh, ſchott. —
von singan, goth. En — ſammeln, dann herſagen, leſen, ſingen; ſ.
d. und vergl. lefen), alt u. landſch. f. ein Büſchel, Bündel, eine Handvoll,
\ 3. 8. ein Blumenftrauß, ein Büfchel Früchte mit den Stengeln ꝛc.; in engerer
\ Bed. ein Büſchel Ähren, beſ. zuſammengeleſener Ähren; bibl. insbeſ. gerö-
ſtete Ähren od. Getreidekörner; ſaͤngeln, Zw., oberd. f. Ähren leſen; der
| 35%
|
596 | Sange — Sarg
Sängelbüfchel, f. zufammengelefener Aprenbüfchel; — das Sangenfraut,
landſch. f. der gemeine Schierling.
Sange 2., auch Sängel od. Sengel, w., M. -n, verkt. das Sänglein,
gem. Sängel, Sängle, oberd., Kleine Fiſche verfchiedener Arten, insbef.
f. Grühe, Gründling; auch die junge Brut größerer Fifcharten.
fanger, Bw. (altd. zanger), alt u. landſch. f. rauh, feif, ſtark; fcharf,
fauer; daher fangerlich, Bw., oberd. f. ſäuerlich; fangern, ziellof. Zw.
m. haben, niederd. ein Stechen od. Brennen in einem einfchlafenden oder
erkaltenden Körpertheile empfinden (z. B. mir fangern die Füße zc.).
Sänger, m., Sangfinf, -herd zc. — Sangweife, f. unter Gang.
Sanikel, m., —s, M. mw. €. (franz. u. engl. sanicle; neulat. sanicula,
von sanus, gefund), das Bruchkraut, eine in hochliegenden Waldungen wach—
fende Pflanze mit Eleinen ſchmutzigweißen Blumen, ehem. für ein Eräftiges Wund-
kraut geltend; auch eine Art Zahnkrautz; Schwarzer Sanikel, f. ſchwarze
Meifterwurz, ſ. d.
fanf, Bw. (von finfen), niederd. f. gefunfen, niedergedrüdt; Sciff.
finfend, zum Unterfinken ſchwer; der Sanf, ſchweiz. f. Senkung, Ver—
tiefung; Verluſt.
Saphir, r. Sapphir, m., -e3, M. -e, (lat. sapphirus, griech. odrgpeıpos,
aus dem hebr. saphir), ein blauer Edelftein; männliche Sapphire, die
dunkelblauen morgenländifchen; weibliche, die blaßblauen europäifchen;
Katzen- od. Luchs-Sapphir, weißblauer; fapphirblau, Bw., auch als
Hw. das Sapphirblau, ein dunkles Himmelblau; fapphiren, Bw., von
Sapphir, od. mit Sapphiren gefhmüdt.
Sappe, w., M.-n, (zunächft aus dem franz. sappe; vergl. jedoch das
altd. fappen f. ergreifen, raffen; oberd. die Sappe, Sappi, das Sappel
f. Spishade; ital. zappa, Haue, Schaufel; wallach. sapu, ich grabe), Kripr.
ein Laufgraben, eine Senke, ein gegrabener Weg, um fich dem Feſtungs—
graben zu nähern; fappen 1., gew. mit fremdartiger Endung fappiren,
ziellof. 3w. (franz. sapper, engl. sap), Sappen graben; der Sapper ober
Sappirer, -$ (franz. sappeur), Sappengräber, Laufgraben » Arbeiter.
fappen 2., ziellof. 3w. (vom niederd. Sapp f. Saft), nieverd. f. faften,
den Saft von fich laſſen; fehmierig fein; auch den Schall hören Yaffen,
welcher entfteht, wenn man in etwas Klebrigem od. Schmierigem rührt; oberd.
im Schmuß herumgreifen od. herumtreten; ſchwerfällig gehen (auch fop-
pen); fappig, Bw., nieder. f. faftig; ſchmutzig, Eothig.
Sapperment, ſ. Saderment; — Sarafs, f. Sarrafs.
Sardelle od. Sardine, w., M.-n, (vom ital. sardella; engl. sardel;
franz. sardine; von der Inſel Sardinien benannt), eine Art Eleiner Ha-
ringe im mittelländ. Meere, bef. in der Gegend von Sardinien, oberd. auch)
Spieringe, Spierlinge genannt; inöbef. heißen fie gefalgen: Sardellen;
geräuchert hingegen Sprotten, f. d.; — ber Sardellenfang, die Sar—
dellenfifchereiz; der Sardellenfalat zc.
Sarder, m., -8, M. w. €. (altd. sardin; v. lat. sarda, griech. o«odıoy;
engl. sardel, sardine; franz. sardienne), ein halbdurchfichtiger fleifchrother
Edelftein, jegt gew. Carneol genannt.
Sarg, m. (landfch. auch f.), -e8, M. Särge, Iandfch. gem. Särger,
-(althochd. saruh, sarch, M. serchi; mittelh. sarc, ©. sarkes; oberd. die und
|
Sarge — fatt 597
der Sarch, Sark; vgl. das grieh. owg«zos, Kifte, mittl. lat. sarcus, daher
altfrang. sarcueil, jegt cercueil), urfpr. u. noch oberd. die Einfaffung, ber
Umfang (z. B. einer Trommel, eines Siebes; vgl. Zarge); dann ein Kaften,
eine Kifte, ein vierediges Behältnifs (daher noch oberd.: Regenfarg f.
Mafferbehälter, Gifterne); jegt hochd. nur: der Kaften‘, in welchem man
einen Leichnam beerdigt, die Todtenlade (altd. lichkar); Hüttenw. ein klei—
nes Dach oben am Schlunde des hohen Ofens; — Zfes. der Sargbefchlag,
Sargdedel; der Sargnagel, eine Art Nägel mit verzinnien Köpfen zu
Sargbefchlägen; der Sargftein, 1) (altd. sarcstein) chem. f. Grabftein; 2)
eine Art Schiefer, aus welchem man Särge machte, in denen ein Leichnam
angeblic) binnen 40 Tagen verzehrt wurde, Zodtenflein, Fleifchfreffer (griech.
A905 Gaoxogpeyos, daher: Sarkophag); — Ableit. fargen, ziel. Zw. (altd.
sarken, serken, Impf. sarcte), vlt. f. in den Sarg legen, jest nur gebr. in
einfargen, verfargen.
Sarge, w., ſ. Zarge.
Sarras oder b. Sarrafs, m., -ffes, M. -ffe, (von dunkler Herkunft;
vgl. das griech. odgıaoe, eine macedon. Lanze), gem. f. großer Säbel, Hau:
degen, Rauffchwert.
Sarfche, w., M. -n, (niederd. Sarfe; aus dem franz. serge, ital. sargia,
mittl. Yat. sargium, vom lat. sericum, feiden), ein gefepertes MWollenzeug,
worin die Wolle bisweilen auch mit feidenen Fäden vermifcht wird.
Sarter, m., f. Zerte, Zerter. |
Safs od. Saffe 1., m., -en, M. -en, (niederd. Sate; angelf. saeta
von fißen, f. d.), eig. er irgendwo fißt: ein Einwohner, Befiger, gew.
nur in Zfeß. wie: Amts, Bei-, Erb-, Frei, Hinter, Kothfafs ꝛc.; die
Saffe, M. -n (oberd. die Saß; alt. säze, überh. f. das Sigen, Wohnen,
der Sitz, Aufenthalt), Jäg. f. der Sitz od. das Lager des Hafen (der Hafe
drückt fich in feiner Saffe); oberd. fich faßen, Im., f. fich lagern, niederfegen
(ſcherzh. auch von Menfchen).
Saffe 2., m., faffifh, Bw., niederd. f. Sachſe, ſächſiſch, f. d.
Satan, m., -8, M.-e, (auch Satanas; griech. u. lat. Satanas; von
dem hebr. satan, d. i. Feind, Widerfacher), eig. das Haupt der gefallenen
Engel, der oberfte Teufel; überh. f. Teufel, u. uneig. ald Schimpfw. f. ein
böfes, widerwärtiges Wefen (z. B. dies Weib ift ein wahrer Satan; nie
derd. gem. auch Satrian); fatanifch, Bw., teuflifch, im höchften Grade
boshaft u. abfcheulich.
Satertag, m. (niederd. u. holl. Sater-dag; angell. Sätern-däg, engl.
Saturday, von dem lat. dies Saturni), niederd. f. Sonnabend.
fatt, Bw. u. Nw., Comp. fatter, Sup. fatteft, (goth. sads, altd. sat;
lat. sat, satis, genug, satur, gefättigt; griech. @dnv, genug; poln. sytz
Grundbed. fcheint überh. Befriedigung, Genüge; allein fchon das goth. sads,
bezeichnet gefättigt im engeren Sinne), 1) zur Genüge gegeffen od. überh.
Hgenoffen habend, durch Speife und Trank befriedigt, gefättigt (ich fatt
eſſen; fatt werden, fein; einen fatt machen; fatte Säfte; ein fatter Magen;
niederd. auch von zu vielem Trinken: fatt fein, f. betrunken fein); uneig. von
Farben: mit Farbeftoff gleichfam gefättigt, daher dunkel (ein fattes Blau,
Gelb, Grün ꝛc. u. zgef. fattblau, =gelb, -grün, d. i. dunkelblau 2c.); in
weiterer Bed. überh. durch hinlänglichen Genufs oder Stilfung der Be:
598 Satte — Sattel
gierde befriedigt (ſich an einer Sache ſatt ſehen, hören ꝛc.; ſich ſatt lachen u.
dgl., d. i. feine Lachluſt völlig befriedigen); daher auch f. Überdruſs empfin-
dend, überdrüffig, müde, mit dem Gen. u. gem. auch) mit dem Acc. (einer
od. eine Sache fatt fein od. werden; des Lebens fatt od. zgef. lebensſatt fein;
ich bin feiner, des Dinges längſt ſatt; gem. auch: ich habe ihn od. es fatt);
2) zur Befriedigung genügend, fattigend, hinreichend, gew. nur als Nw.
gem. f. genug, hinlänglich („Tatte Nahrung haben“ Opitz; nicht fatt zu effen
haben; ich habe fatt zu thun 2e.; gem. genug und fatt); oberd. auch f. er-
giebig, gediegen (fatt reden); — Ableit. fatten, vlt. Zw. (altd. saten; nie-
derd. faden) 1) ziellos m. fein, f. fatt werden; 2) ziel. f. fatt machen,
fattigen; die Sattheit (altd. sata, seti, sate), das Sattfein, Befriedigt-
fein, der Überdrufs; fättig, Bw., 1) oberd. f. fättigend, leicht fatt ma—
chend (eine fättige Speife); 2) vit. f. zu fättigen (daher bibl. unfättig f.
unerfättlich); die Sättigfeit, Yandfch. das Sättigfein, die. fättigende Kraft
einer Speife; auch f. das Sattfein, die Sattheitz fättigen, ziel. Zw. (niederd.
fadigen, fädigen), fatt machen (einen Hungrigen—; ſich fättigen, d. i. fatt eſſen;
fi) mit od. an einer Speife—; ich bin gefättigt; Mehlſpeiſen fättigen fehr);
uneig. von Farben u. in der Scheidek. in einem Stoffe fo viel von einem
andern auflöfen, als jener aufnehmen Eann (eine gefättigte Farbe, d. i. die
fo viel Farbeſtoff enthält, als die Flüffigkeit aufnehmen Eonnte; mit Silber ge-
fättigtes Scheidewaffer u. dgl.); in weiterer Bed. überh. eine Begierde, ein
Berlangen ıc. befriedigen (fein Geiz ift nicht zu fättigen; ehem. auch mit dem
Gen. fic) eines Gutes fättigen); die Sättigung, das Sättigen in allen
Bed., die Befriedigung; insbe. Scheidek. das befriedigte Beſtreben zweier
Stoffe, fich in Auflöfung zu fegen (fr. Saturation); fattfam, Bw. u. Nw.,
zu einer Abficht hinreichend, genugfam, hinlänglich (fattfamen Vorrath
haben; es ift fattfam bewiefen 2c.); die Sattfamfeit, das Ofen
die Zulänglichkeit.
Satte od. Sette, w., M. -n (vom niederd. fitten, fetten f. fißen, fegen),
nieberd. ein Milchgefäh, ein Napf von Thon, Holz oder Glas, in welchem
die Milch zum Gerinnen hingeftellt wird
Sattel, m., -3, M. Sättel, (altd. satul, satal, satil; satel, von figen,
feßen, goth. satjan; vgl. das mittel). Impf. satte, Mw. gesat neben sazte,
gesazt; isländ. sadul, ſchwed. dän. niederd. sadel; angelf. sadol, engl. saddle;
poln. siodlo; lat. sella aus sed-la, sed-ula entft.; daher franz. selle 2c.), der
gew. gepolfterte Sitz, welcher dem Neitpferde aufgefchnallt wird (Reit:
fattel; ein Pferd mit Sattel und Zeug; einen aus dem Sattel heben, d. i.
ihn mit der Lanze vom Pferde ftoßen bei den ehemal. Ritterfämpfen, uneig.
überh. f. überwinden; feft im Sattel figen, uneig. f. feinee Sache gewifs fein;
- allen ©ätteln od. in alle Sättel gerecht fein, f. gerecht); in weiterer Anwen—
dung ehem. überh. f. Sig, Ort, wo Jemand fist od. wo ein Ding ruht,
daher noch Bergw. ein Sig, auf welchem ein Mann in die Grube gelaffen
wird; öſtr. die fattelähnliche hölzerne Unterlage eines Faffes im Keller; vlt.
Rſpr. aud) f. Wohnſitz, Landgut (den Kläger in den Sattel weijen, d. i. in
den Beſitz des Gutes fegen); uneig. viele fattelförmige Körpertheile, Dinge,
Merkzeuge ꝛc.; z. B. eine breite Erhöhung auf der Nafe; ein Bergrüden;
ein fattelförmiges Dad od. Gewölbe bei Mühlen, Wehren ꝛc.; ein kurzes Quer?
od. Deckelholz, womit die Köpfe zweier Pfähle od. Sparten zufammengeheftet
fattgelb — Satz 399
werden; Anat. ein Theil des fiebförmigen Beines am Schädel (Sattelbein);
in den Wallnüffen die Scheiderwand, welche den Kern in vier Theile theilt;
auch eine Art Auftern: englifcher od. polnifcher Sattel, aud) Sattel
muſchel; u. eine Bohrmufchel (Klebaufter); bei den Vogelftellern eine Art
des Vogelfanges mit Schlingen von Pferdehaaren auf einer lebendigen Taube
(auf dem Sattel fangen); — 3ſetz. der Sattelbaum, 1) zwei gefrümmte
Hölzer, welche das Gerippe des Reitfatteld ausmachen, auch Sattelbogen;
2) an Windmühlen die beiden Wellbäume an dem Gehäufe, auf denen die
große Welle der Ruthen liegt; das Sattelbein, f. o. Sattel; das Sattel—
dach, f. v. w. zweihängiges Dach, Giebeldach; die Satteldecke, eine Dede,
welche über den Reitfattel gelegt wird; fattelfertig, Bw., bereit, fich in den
Sattel zu fchwingen; fattelfeft, Bw., im Sattel feft fisend; uneig. feiner
Sache vollfommen Eundig und gewiſs; fattelfrei, Bw. (altd. sadel- od. satel-
vri; wahrfch. v. sadel, satel f. Sitz, f. o.), landſch. fattelfreie Güter, Höfe,
d. i. unmittelbar dem Reiche unterworfene, Freigüter; niederd. (fadelfrij) von
Ritterdienften freie Güter; daher ein Sattelfreier, niederd. auch Sattelhö—
fer, Befiger eines fattelfreien Gutes; das Sattelgut, der Sattelhof, ein
fattelfreies Gut, fattelfreier Hof; auch ein Gut, deſſen Befiser in gewiſſen
Fällen mit einem gefattelten Pferde Dienfte leiften mufs; der Sattelgurt, der
Gurt, mit welchem der Sattel auf dem Pferde feftgefchnallt wird; der Sat—
telhammer, ein langer, fehmaler Hammer der Sattler, zum Einfchlagen der
Nägel in Sättel ec.; das Sattelfiffen, der mit Haaren auögeftopfte Theil
eines Sattels; auch eine Art weicher Sättel, die nur aus einem Kiffen befte-
ben; der Sattelfnecht, Reitknecht, welcher die Pferde fattelt; der Sattel—
Enopf, der erhöhete Theil am vorderen Sattelbaum; die Sattelfrähe, landſch.
f. Nebelkrähe; das Sattellehen, ein Lehngut, welches dem Lehnherrn ein ge-
fatteltes Pferd ftellt; das Sattelpferd, ein gefatteltes Pferd, insbef. das
Wagenpferd, auf welchem der Fuhrmann reitet, links von dem Handpferde;
das Sattelroſs, vlt. f. Reitpferd; der Sattelrücken, Jäg. der erhabene
Theil des Rückens eines wilden Schweines; der Sattelfteg, das Holz zu bei-
den Seiten zwifchen den Sattelbäumen; die Satteltafche, Zafche an einem
Sattel zu Reifebedarf; das Sattelzeug, der Sattel nebft allem Riemenwerk
zum Reiten; — Ableit. fatteln, ziel. Zw. (altd. satelen, niederd. fadeln);
ein Pferd—, ihm den Sattel auflegen und befeftigen; auch ohne Zielw.
(3. B. es ift Zeit zu fatteln; fprichw. früh gefattelt, ſpät geritten, d. i. früh
veranftaltet, fpät ausgeführt; vgl. auch: ab=, umfatteln); der Sattler -$,
M. mw. E. (niederd. Sadeler), Sattelmacher, ein Handwerker, welcher Sät-
tel, Pferdegefchirr u. das Lederwert an Kutfchen macht; daher: die Sattler—
ahle, auch das Sattlereifen f. Ahle; die Sattlerarbeit; das Sattlerhand-
werk, -gewerk; der Sattlermeifter, -gefell 2c.; die Sattlerei, das Hand⸗
werk und die Werkftatt des Sattlerd; die Sattlerinn, Sattlersfrau.
fattgelb, grün zc., Sattheit, fättig, fättigen zc. f. unter fatt.
Sattler ıc. ſ. unter Sattel; — fattfam, f. unter fatt.
Saturei, w., 0. M. (von dem Tat. satureja; landſch. gem. auch Zafrei;
engl. savory), eine im füdl. Europa einheimifche Pflanze, bei uns in Küchen-
gärten gezogen zur Würzung der Speifen, auch Pfeffer-, Bohnen, Wurft-
Eraut, Kölle, Garten-Iſop x. genannt.
Satz, m., -es, M. — Verkl. das Sätzchen, (altd. saz, ©. satzes;
600 faßen — Sau
von figen, faß, altd. saz; daher fagen, ſetzen), 1) das Segen (z. B. Gerb. das
Einfegen des Leders in die Lohgrube), insbef. das Springen, ein Sprung
(ein Saß über einen Graben, Zaun 20.5 das Pferd macht Sätze); Tonk. das
Zonfegen u. die Art u. Weiſe desfelben (der einfache, doppelte, Kirchen:
ſatz 2c.); 2) das Gefegte, was fich feßt, was gefegt wird oder ift, in viel
fachen eig. u. uneig. Anwendungen; insbe: die zu Boden finkenden (ſich
feßenden) ſchwereren Theile einer Flüffigkeit (Bodenfas); Fiih. junge
Karpfen, welche man in die Sesteiche ſetzt (Seplinge); Hüttenw. was auf
einmal zum Schmelzen eingefegt wird; auch etwas aus mehren Theilen
BZufammengefegtes u. überh. mehre zufammen gehörende Dinge einer Art,
3: B. Bergmw. ein nad) einer gewiffen Höhe zufammengefestes Röhrenwerk zum
Heben des Waffers aus den Gruben; ein Satz Waar en, d. i. mehre Waa—
ren einer Art; ein Satz Schachteln, Keffel, Eimer zc., d. i. mehre in einan-
der geſetzte Schachteln 2c.; Zifchl. ein Satz Hobel, d. i. alle zum vollkommenen
Glatthobeln einer Fläche nöthigen Hobel; Bergw. ein Satz Bohrer, Stem—
pel ꝛc., d. i. drei zufammengehörende Bohrer ꝛc.; ferner: das beim Spiele
geſetzte Geld (vgl. Einfas); Landfch. auch f. Pfand, Unterpfand (Geld auf
den erften Saß ausleihen, d. i. auf die erfte Hypothek); der feftgefeste Waa-
renpreis (Fleiſch⸗ Brobfas, fr. Zare); ehem. überh. f. Verordnung, Geſetz
(Sasung), Vertrag; 3) bef. ein durch Worte ausgedrüdter Gedanken,
eine aufgeftellte Behauptung, Ausfage, ein Ausſpruch (einen Sag auf-
ftellen, behaupten, beweifen; ein Grund-, Haupt, Lehrſatz, Gegenfaß zc.);
Sprach. jede vollftändige Ausfage von etwas Gedachtem, ein Nedefas,
auch als Theil eines zufammengefesten od. Gliederfages (Vorder-, Nach-
3wifchenfag); aud ein Abfag od. Abfchnitt eines Zonftüdes (4. B. Jäg.
zwei Säge auf dem Horn blafen); — Zfes. der Satzbrief, landſch. f. Pfand-
brief; der Sabhafe, Säg. eine Häfinn, welche Sunge feßet, d. . zur Welt
bringt, Setz⸗, Mutterhafez der Sabkarpfen, Samenkarpfen; die Saslehre,
Lehre vom Redefas, ein Theil der Sprachlehre (fr. Syntax); das Satzloch,
Bauf. eine nicht ausgemauerte Stelle in einer Zwiſchenmauer zwifchen zwei
Häufern; der Satzmeißel, Schloff. ein Meißel, womit die Nietnägel ange:
trieben werden; die Satzmöhre, -rübe, =zwiebel zc., Samenmöhre 2c., die
den Winter über im Keller aufbewahrt u. im Frühjahr ins Land gefegt wird;
der Satzſtock od. die Sabweide, ein Weidenftod, der zur Fortpflanzung in
die Erde geſetzt wird; der Sabteich, ein Teich, worein die Schon erwachfenen
Fiſche zum baldigen Gebrauch gejegt werden; ſatzweiſe, Nw., in ober nad)
Sätzen, Satz für Sag (z. B. etwas erklären); die Satzzeit, Iäg. die Zeit,
in welcher das Wild zu fegen, d. i. Sunge zu werfen pflegt.
faßen, ziel. 3w. (altd. säzen, d. i. eig. faßen, f. d. unter Safe), völlig
vlt. Nebenform von fegen: befegen, anſtellen; daher die Sakung, M. -en
(altd. satzunge), f. Setzung: 1) das Segen, Feftfegen, Beſtimmen, nur
in 3feg. wie Tag-, Brod-, Fleiſch-, Mehlſatzung; 2) das Gefegte, Feſtge—
feßte, Beſtimmte; insbef. ehem. ein verfegtes Pfand; Vermächtniſs; über:
einkunftz jest: Befehl, Verordnung, Gefeg, Vorſchrift, fefte Einrichtung,
bef. mit dem Nebenbegriff der willkürlichen, nicht wefentlich begründeten Bes
ftimmung (Kicchen-, Glaubens-Sasung; Menfchenfagungen) ; daher fakung$-
105, Bw.; das Sabungsrecht (fr. pofitives Recht), entg. Vernunftrecht.
Sau, w., M. Säue u. (von wilden Schweinen) Sauen; Verkl. nur
Sau 601
gem. landſch. Säuchen, Säulein, (latd. sü, M. shi, süwi, siuwe; isländ.
syr, ſchwed. so, hol. soe, sowe, engl. sow; griech. ös, lat. sus, ſämmtlich
urfpr. überh. Schwein bedeutend, wahrſch. von dem Naturlaute des Thieres
hüs, fu gebildet; dahingegen die Formen mit auölautendem g, angeli. sügu,
niederd. Söge, Suge, holl. soeg, welche Mutterfchwein bedeuten, von ſau—
gen, nieberd. fugen, fögen, auszugehen feinen), 1) eig. alt u. landſch. ein
errvachfenes Schwein, z. U. v. Ferkel, u. überh. f. Schwein (eine Heerde
Säue; bibl. die Teufel fuhren in die Säue; bie Säue hüten 2c.); insbeſ.
Jäg. jedes erwachfene wilde Schwein (M. Sauen; vgl. Bache und
Hauer); gew. in engerer Bed. ein weibliches zahmes Schwein, bei. Mut:
terfchwein; 2) uneig. niedr. Schimpfw. f. eine unreinliche, ſchmutzige Per-
fon; gem, f. Klecks, Zintenfled, in weiterer Bed. überh. f. Fehler (eine Sau
machen, insbef. im Hüttenw., wenn das Silber den Treibeherd aufhebt und
fi) in die Schladen verliert; daher auch beim Kupferfchmelzen: Säue f.
Schladen, die noch viel Erz enthalten); oberd. f. das Aſs im Kartenfpiel;
Schuhm. eine am Sonnabend nicht fertig gewordene Arbeit, die in der nächften
Woche zu vollenden bleibt; auch etwas Unfchieliches, Unanftändiges, An—
ftößiges (oberd. eine Sau aufheben, od. —einlegen, d. i. abfichtslos etwas
Unanftändiges begehen); Hüttenw. bei den Planenherden: eine flache Grube,
in welcher der Schlich aufgefangen wird; aud eine Maffe Schwarzkupfer
(Kupferfau); Iandfch. eine Pfanne mit Dedel u. Füßen (Bratfau); —
Zſetz. (in denen Sau bisw. aud) das Schlechte, Gemeine, Wilde der bezeich-
neten Gattung anzeigt): das Sauaas, Schweinefutter (f. Aas), insbef. Müll.
u. Bäck. der Abfall von gefchrotenem Getreide; auch niedr. Schimpfmw. f. eine
ſchmutzige Perfonz der Sauapfel, wilder Apfel, Holzapfel; das Sauauge,
landfch. f. Ein- od. Wolfsbeere; der Saubär, landich. f. männl. Schwein,
Eber (f. Bär); die Saubeere, landſch. f. gemeiner Nachtfchatten; der Sau:
beller od. Saufinder, Zäg. eine Art zottiger Hunde, die zur Sagd auf wilde
Schweine abgerichtet find; die Saubirn, wilde Birn, Holzbivn; die Sau-
blume, der Löwenzahn; die Saubohne, eine Art großer Feig- od. Pferde
bohnen; landſch. auch f. Bilfenkraut; der Sauborg, ein verfchnittenes Mut-
terfchwein (ſ. Borg); das Saubrod, landſch. f. Erdapfel, Grundbirn; aud)
f. v. w. Schweinbrod, Waldrübe, eine in waldigen Gegenden wachlende Pflanze,
deren Wurzel den Schweinen zur Nahrung dient; die Saubürfte, eine Art
Hornfifhe; der Saubruch, Säg. ein von wilden Schweinen umgewühlter
Ort; die Saudiftel, f. v. w. Gänfediftel; auch f. Kreuzdiftel 2.5; das Sau—
effen, der Saufraß, niedr. ein unreinliches, ſchlechtes Effen; der Saufang,
das Fangen eines wilden Schweines; auch der Fang (ſ. d.) od: Stich, den
man einem wilden Schweine mit dem Fangeifen beibringt; der Saufenchel,
Haarftrang od. Roföfendel; das Saugarn, Säg. ein Garn, welches bei der
Jagd auf wilde Schweine gebraucht wird, Saunegz; der Saugarten, Jäg.
ein eingefchloffener Raum zum Saufang (f. Garten); die Sauglode, nur in
der gem. Redensart „mit der Sauglode läuten‘, d. i. grobe Boten reißen;
das Saugras, landſch. f. Porſch, Schweineporſch; Wegetritt; die Sau—
bat, Sauheke, f. Has; der Sauhirt, Schweinhirt; der Sauhund, zur
Jagd auf wilde Schweine abgerichteter Hund, insbef. ein folcher Leithund; auch
eine Art Haifiihe, Seeſchwein; der Sauigel, gew. Schweinigel, f. d.; die
Saujagd, das Saujagen, Jagd auf wilde Schweine; der Saufopf, in
602 fauber
Glashütten: Steine, welche in dem Schmelgofen auf beiden Seiten der Ring-
fteine gefegt werden; das Saufrauf, eine auf Wiefen und in Wäldern wach: .
fende Pflanzengattung (hypochaeris L.); auch die knotige Braunwurz, Feig-
warzenkraut, Saufnoten, -zranke, -wurz; ber Wegetritt; die gemeine
Wolfskirſche; das Bilfenkraut 2c.; die Saulache, eine Lache, worin fich die
wilden Schweine abzufühlen pflegen (Säg. verderbt: Sulache, Suhlladhe);
das Sauleder, gew. Schweinsleder; uneig. niedr. Schimpfmw. f. eine höchſt
unreinliche u. unfittliche Perfonz der Saulöffel, eine Art des Samenkrautes;
der Saumagen, Schweinsmagen; niedr. Schimpfw. f. unreinlicher, unfitt-
lieher Menſch; die Saumilch, od. niederd. -melf, landſch. f. die gemeine
Sau= od. Gänfediftel; die Saumutter, eine Sau, welche Sunge hat; das
Sauneft, niedr. f. ein unteinlicher, häfslicher Ort; Landw. ein beim Pflügen
unberührt gebliebenes Stück Erde; das Sauohr, Schweinsohr; großer We—
gerich; die Saurebe, das Bitterfüß, die Zaunrebe; der Sauringel,. das
Gänfekraut; der Saurüde, Rüde (f. d.) od. Rüdenhund zu Saujagden; det
Saurüffel, Schweinsrüffel; auch großer Wegerich; Löwenzahn; der Sau—
fa, oberd. Säufad, mit Schweinsblut, Sped ꝛc. gefüllte Schtweinsmagen,
Schwartenmagen, Magenwurft; der Saufalat, eine Art bitteren übelviechen-
den Lattichs, ſtinkender od. wilder Salat; der Saufchnabel, landſch. f. Lö—
wenzahn; der Saufchneider, |. Schweinfchneider; der Saufpieß, ein Kine-
belfpieß od. Zangeifen für wilde Schweine; der Sauftall, Schweineftall; der
Saufteller, Säg. ein Hund, welcher ein wildes Schwein zum Stehen zwingt;
die Sautanne, landſch. f. Bärlapp, Porſch; der Sautod, die Schwein:
melde; Miftmelde; die Saumirthfchaft, gem. f. eine höchſt unveinliche Wirch-
Tchaft; die Saumurz, große, Enotige Braunwurz; Kreuzkrautz Zaunrübe; —
Ableit. fauen, zicllof. Zw. m. haben, gem. f. unteinlich mit etwas um=
gehen (vgl. ein-, ver, zufauen); ungefittete Reden führen, Zoten reißen;
der Sauer, -8, wer fauetz die Sauerei, M. -en, gem. f. ſchmutziges
Verfahren; hoher Grad von Unreinlichfeitz ſchmutzige, unfittlihe Hand-
Yung oder Rede, Bote; fauifh, Bw., im höchften Grade unreinlich,
ſchweiniſch.
fauber, Bw. (altd. süpari, sübari, sübri, süber; niederd, ſuver, ſchweiz.
fufer, angelf. syfer; man hält es für verwandt mit faufen (f. d.) u. nimmt
an, es bezeichne urfpr. durch Flüffigkeit gereinigt, gewafchen, wie das lat.
lautus; dann müſſte es aber eher hochd. süfer, faufer, niederd. fuper heißen),
rein, frei von Schmuß u. allem Ungehörigen, jedoch nur von feften Kör-
pern u. gew. mit dem Nebenbegriff von nett, fein, zierlich, alfo von engerer
Bed., ald rein (faubere Kleidung, Wäſche; ſich od. feine Sachen fauber halten
eine faubere Handarbeit, Nath); auch reinlich, die Neinlichkeit liebend (ein
ſauberer Menſch); oberd. f. wohlgeftaltet, hübſch, ſchön; niederd. f. fitt-
lich-rein, unbefledt (eine faubere Jungfer); auch f. behutfam, forgfam
(Tauber mit etwas umgehen); oft ironifch f. unfauber, bef. fittlich unrein,
leichtfertig, ausfchweifend (eine faubere Wirthſchaft; ein fauberer Vogel,
Burſche, Zeifig 20.); — Ableit. die Sauberkeit (oberd. auch Säubere),
das Sauberfein, finnv. Reinheit, Reinlichkeit, Nettigkeit; fauberlich,
Bw. u. Nw. (altd. süberlich), fauber ausfehend, nett, hübſch; jest gew.
als Nw. auf faubere Art, bef. behutfam, vorfihtig, gelinde, ſchonend
(äuberlich mit etwas od. mit Semand umgehen); der Säuberling, -es, M. -®,
—— ———
Saubirn — fauer 603
Neuw., wer auf die Sauberkeit in der Kleidung ıc. Übertriebene Sorgfalt
wendet, Stuger (fr. Petitmaitre, Elegant); faubern, ziel. Zw. (altd. su-
paran, subern, nieberd. füvern), fauber machen, reinigen, putzen (das Ge:
fchirr, das Zimmer, die Kleidung; den Mund, die Zähne ꝛc. —; die Bäume —,
de i. von dürren Zweigen reinigen; Bergw. fäubern, f. den Schutt wegräu-
men); uneig. von dem Verunzierenden od. Schädlichen befreien (z. 8. ein
Land von Landftreihern 2.—); fih— , reinigen; oberd. vom Vieh: die
Nachgeburt (Säubere) ablegen; die Bienen fäubern fi), wenn fie an
einem hellen Tage vor dem Stode auf und nieder fliegen; der Säuberer, -8,
wer etwas ſäubert; oberd. auch f. das Säuberfieb, womit in der Mühle
das Mehl gereinigt wird; die Säuberung, das Säubern, die Reinigung.
Saubirn, blume, -bohne — diftel; fauen, 3w., Sauer 1., f. un
ter Sau.
fauer, Bw., Comp. fauerer, faurer, Sup. fauerft, (altd. niederd. angelf.
ſchwed. sur; oberd. ſaur; engl. sour), von eigenthümlich fcharfem Gefchmad,
finnv. herb, welches jedoch einen mehr zufammenziehenden Geſchmack bezeich-
net, verfch. Talzig, bitter, jedoch wie diefe dem ſüß entg. (Effig ift ſauer;
fauere Milch; fauere Kirſchen; fauerer Wein, faueres Bier; die fauere Gährung,
d. i. diejenige, durch welche geiftige Stoffe fauer werden); alt u. oberd. auch
f. falzig; bitter; feucht, fumpfig (faures Gras, Holz; faurer Boden); un-
eig. f. unangenehm, beſchwerlich, mühfam (faure Arbeit; es ift mir fehr
fauer geworden, d. i. es hat mir viel Mühe gemacht; fich eine Sache fauer
werden laffen, d. i. fich viel Mühe damit geben; einem das Leben fauer machen,
d. i. erfchweren; es kommt mir fauer an, d. t. fällt mir befchwerlich; es Eoftet
mir fauern Schweiß 2c.); unfreundlich, verdrießlich, mürrifch (fauer aus-
ſehen; ein faures Geficht, faure Mienen machen); der Sauer, -8, (oberd.
Saur, Sauern; niederd. Sur), landſch. überh. f. etwas Saures, insbef. der
Sauerteig; oberd. auch Molken von faurer Milch; niederd. f. Eſſig; landſch.
auch f. Sauerkraut; — 3fes. der Sauerampfer (gem. verk. Sauerampf,
verderbt Saueranzen 2c.), der gemeine wildwachiende Ampfer (f. d.) von
fäuerlihem Geſchmack, ald Küchengewächs gebraucht; der Eleine Saueram-
pfer, f. v. w. Schafampfer; fauerblau, Bw., fränk. fauerblauer Zeug, eine
Art Schlechter vother Weintrauben; der Sauerbraten, in Effig gefäuertes und
dann gebratenes Rindfleifch; der Sauerbrunnen, eine Quelle, deren Waffer
einen fäuerlichen, vitriolifchen Gefhmad hat; auch das Waſſer einer folchen
Quelle, Sauerwaffer; das Sauerbrunnenfalz, aus Sauerwaffer ge
wonnenes Salz, Bitterfalz; der Sauerdorn, die Berberiöftaude mit ange
nehm fäuerlichen Beeren; das Sauereifen, fprödes Eifen von einem ftreng-
flüffigen Eifenfteine; das Sauergras (v. fauer f. fumpfig ze. ſ. o.), landſch.
f. das fpigige Riedgras; der Sauerhonig, mit Honig eingefochter Weineffig
(fr. Orymel); die Sauerfirfche; der Sauerflee, eine Eleeähnliche Pflanze,
deren Blätter angenehm fäuerlich fchmeden, auch Buch- od. Haſenklee oder
-ampfer 2c. genannt; auch) f. Schafampfer; das Sauerkleefalz, die Sauer-
Pleefäure, |. Kleeſalz ze.; das Sauerkraut od. der Sauerfohl, fein ge-
fchnittener u. mit Salz eingemachter Weißkohl; die Sauerluft, f. v. w. Le
bensluft; der Sauerort, Bäd. der Ort im Backtroge, wo der Sauerteig mit
Waſſer eingeweicht wird; fauerfichtig, Bw., unfreundlich od. verdrießlich aus-
fchend; der Sauerfloff, Naturl. der eigenthümliche Grundftoff der Lebenstuft
604 Sauerei — faufen
(fe. Oxygen); fauerfüß, Bw., aus fauer u. füß gemifcht; auch uneig. halb un-
freundlich, Halb freundlich (ein ſauerſüßes Geficht) ; der Sauerteig, durch Gäh-
zung fauergewordener Zeig, womit der Brodteig gefäuert wird; uneig. f. etwas
Verdorbenes, Veraltetes (der alte Sauerteig 2c.); der Sauertopf, uneig. gem.
f. eine unfreundliche, mürrifche Perfon; fauertöpfifch, Bw., f. mürrifch, ver-
drießlich; die Sauertüpfigkeit, f. Verdrießlichkeit, mürrifches Weſen; das
Sauerwaffer, Waffer eines Sauerbrunnens; — Ableit. der Saurach,
oberd. f. Sauerdorn, Berberisftaude; die Säure (altd. siure, siurde, oberd.
Säuer, Säur) 1) o. M. das Sauerfein, die faure Befchaffenheit (z. 8.
des Eſſigs, Weines 2c.); 2) M. Säuren, ein faurer Stoff, eine faure
Flüſſigkeit (z. B. Säure im Magen), bef. Scheide. fauere Salze (thierifche,
Pflanzen- und mineralifche Säuren); oberd. insbe. f. fauere Molken, u. f.
Sauerteig; fauerlih, Bw., ein wenig fauer, fich dem Sauern nähernd;
der Säuerling, -es, M. -e, landſch. f. Sauerampfer; Sauerbrunnen od.
ewaffer; fauere Weintrauben, Apfel ꝛc.; fauern, zielof. Zw. m. haben,
fauer werden (dev Teig, die Mitch fauern laſſen; vgl. aud) verfauern);
uneig. f. Mühe machen, befchwerlich werden (fprichw. was nicht fauert,
füßt nicht, d. i. was Feine Mühe macht, gewährt auch Eeine Freude); ſäuern,
ziel. Zw. (altd. siuren), fauer machen (eine Brühe, das Waffer mit Bitronen-
faft 2c.), bef. mit Sauerteig vermengen (den Teig —; gefäuertes Brod);
fauerlen od. faurlen, ziellof. Zw., oberd. f. ſäuerlich werden od. fein.
Sauerei, f. unter Sau.
Sauereifen ıc. — -waffer, fauerlich, Säuerling, fauern zc., f. ſauer.
Sauefjen, Saufang, f. unter Sau.
faufen, ziel. 3w. (altd. süfan, süfen, Impf. souf, suffen, Mw. gisoffan;
oberd. fauffen, Smpf. fuff u. fauffet, Mw. gefoffen u. gefuffen; niederd. ſupen;
angelf. süpan, isländ. sypa, fchwed. supa, engl. sup; daher Suppe, ſ. b.,
altd. süfen, sufhli; die Wurzel suf, sup fcheint den Laut des Schlürfens aus-
zudrüden, u. nahe verw. mit suk, faugenz vgl. taufen u. tauchen, Eriechen u.
£riefen, engl. creep u. dgl. m.), ablaut. faufft, fauft (oberd. faufft, fauft);
Smper. faufz Smpf. foff, Conj. ſöffe; Mw. geſoffen; urfpr. überh. eine
Flüſſigkeit in fich ziehen, fchlürfen, daher noch ſchweiz. f. mit. dem Löffel
effen (z. B. Mil, Suppe); altd. auch f. im Waffer untergehen (von Schiffen;
vgl. erfaufen); jegt: in ſtarken Zügen trinken, u. überh. trinken, jedoch
unedler, als diefes (vgl. freffen u. effen), daher zunächft von Thieren (das
Vieh fauft Wafler; gew. ohne Bielw.: ein Pferd ꝛc. faufen Laffen, ihm zu
faufen geben); von Menfchen gem. verächtt. f. unmäßig trinken, bef. fofern
dies zur lafterhaften Gewohnheit geworden ift (freffen u. ſaufen; er hat ſich
dem Saufen ergeben 2c.); nieder. überh. f. trinken; der Sauf, landſch. f.
Soff (altd. süf, souf, f. Brühe, Suppe; fchweiz. der Zufauf, jede Flüffig-
“Zeit, die zu trockenen Speifen genoffen wird); — 3fes. der Saufaus, un-
biegf. (eig. der als Hw. gebrauchte Imper. von ausfaufen), gem. f. Säufer;
der Saufbruder, die Sauffchwefter, Säufer, Säuferinn mit dem Neben-
begriff der Gefellfchaft mit Andernz; das Saufgelag; der Saufgenofs, =ge-
fährte, =gefell; die Saufgier, -Iuft, -fucht; daher faufgierig, -luſtig,
-fühtig, Bw.; das Sauflied, ein Lied, welches bei Saufgelagen gefungen
wird; dev Sauffad, niedr. f. ein arger Säufer; — Ableit. der Säufer,
s, die Säuferinn, M. -en, wer fäuft, d. i. dem Trunke ergeben ift; da—
Saufenchel — faugen 605
ber der Sauferwahnfinn, eine Krankheit, welche die Folge der Trunkſucht
ift (fr. delirium tremens); die Sauferet od. Säuferei, das unmäfige Trin—
Een, die Völlerei; ein Saufgelag; faufen, ziel. Zw. (niederd. füpen, fö-
pen), Iandfch. f. faufen laffen, tränfen (das Vieh —; mittelh. soufen, tau-
chen, ertränken; vgl. erfäufen); faufern, unp. 3w. mit dem Acc., gem.
oberd. mich faufert, f. ich habe Luft zu faufen, mich durftet.
Saufenchel, finder, -garn, -garten, f. unter Sau.
faugen, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. siukan, sükan, sügen, Impf. souc, su-
gen, Mw. gesogen; isländ. siuga, ſchwed. suga, angelf. sugan, sycan, engl.
suck; lat. sugere, franz. sucer 20.5 es jcheint, wie faufen (f. d.), von einer
Schallnachahmung auszugehen), ablaut. du faugft, er faugt (nicht fäugft 2c.);
Impf. fog, Gonj. füge; Mm. geſogen; den Saft, die Flüffigkeit aus einem
Körper mit dem Munde allmählich in fich ziehen (den Saft aus einer
Frucht, das Blut aus einer Wunde —; die Bienen faugen Honig aus ben
Blumen; aud) ziellos: an etwas (Dat.)—, 3. B. der Bär faugt an feinen
Tagen; uneig. etwas aus den Fingern faugen, f. unter Finger); bef. von klei—
nen Kindern u. jungen Thieren: die Muttermildy aus der Mutterbruft,
dem Euter ıc. in fich ziehen (die Bruft, gew. an der Bruft—, od. fchlecht-
weg: faugen; 3. B. das Kind will faugen, faugt noch 2c.; ein faugendes
(nicht: fäugendes!) Kind, Lamm 2c.); auch von Leblofen Dingen: eine Flüſ—
figkeit allmählich in fich aufnehmen (der Schwamm, die Röhre faugt das
Waſſer in fich; die Pflanze faugt die Feuchtigkeit ein, der zu färbende Stoff
die Farbe 20.); — 3fes. die Saugader, Anat. durchfichtige Gefäße, welche
meift eine Elare Flüffigkeit zue Blutmaffe führen, in allen Theilen des menſchl.
u. thier. Körpers; die Saugblume, bunte, wilde Taubneffel; der Saug-
Egel, Blutegel; das Saugeferkel, -Falb, -lamm (gem. Sogferkel zc.),
ein noch faugendes Ferkel zc.; der Saugefifch, eine Art Stichlinge; das
Saugeglas, horn, »Fännchen, ein mit Milch gefülltes Kleines Gefäß, woran
man Eleine Kinder faugen Läfft, Ludel, Kinderdutte; die Saugepflanze,
Schmarogerpflange; die Saugepumpe, eine Pumpe, in welcher das Waſſer
durch eine Röhre (Saugeröhre od. Saugrohr) eingefogen wird; auch eine
Art Luftpumpen; der Sauge- od. Saugrüffel, ein hohler Rüſſel (f. d.) vie-
ler Inſecten, mittelft deffen fie den zu ihrer Nahrung dienenden Saft in fich
ziehen; die Saugwarze, die Warze (f. d.) an der Bruft, an welcher ein
Kind od. ein junges Thier faugt; das Saugewerk, eine Wafferkunft, Pum—
pe zc., in welcher das Waffer mittelft der in der Röhre verdünnten Luft von
derfelben eingefogen wird, z. U. v. Druckwerk; der Saugezahn, die erften
Zähne der Pferde; — Ableit. die Sauge, M. -n, ausgemauerte Zugröhre
in den Malgdarren; der Sauger, -8, wer faugt, insbef. Landw. ein faugendes
Lamm (gew. unr. Säuger); Naturk. einige Fifche, welche ſich an die
Schiffe zc. feftfaugen (der große, u. der Eleine Sauger, auch großer u. Eleiner
Schildfifch genannt); der Mafferftrauh, ein Staudengewähs; auch der
Pumpenfchuh, bei deffen Bewegung das Waffer in die Röhre tritt Pum—
penfauger); — füugen, ziel. Zw. (altd. sougian, sougan, sougen, das
Factitivum von faugen), faugen laffen, zu faugen geben, jedoch nur in en-
gerer Bed. von der Darreihung der Mutterbruft (ein Kind—; eine fäugende
Kuh); Zfes. die Säugamme, fäugende Amme (f. d.); die Säugemilch;
das Säugethier, Gattungsnamen für alle Thiere, welche ihre Sungen mit
”
606 " Sauglode — Saum
ihrer Milch ſäugen; Ableit. die Säugerinn, M. -en, (bibl. zgez. Säugern),
eine faugende Perſon; der Säugling, es, M.-e, ein Kind, welches
gefäugt wird, ein faugendes Kind; uneig. ein erfkandesfchtwacher Menſch
(ein Säugling an Berftand); die Säugung, das Säugen.
Sauglode, -gras, hab, -hirt, hund, ſäuiſch ꝛc. — Saulache,
ſ. unter Sau.
Säule, w., M. -n,; Verkl. das Säulchen, (oberd. sül, M. süli, siule;
oberd. Saul, Seul, gew. Saulen, Seulen; niederd. Süle; angelf. syl, ie
länd. süla, holl. zuyl; vgl. das goth. süljan, gründen, ftügen), überh. ein
Stützbalken, Tragepfeiler, daher Zimmerl. jeder fenkrecht ſtehende Zragebal-
Een, Ständer; in engerer Bed. ein zierlicher, fenkrecht und freiftehender
runder Zragepfeiler von Holz, Stein 2e.; in weiterer Anwendung jeder ſenk—
recht ftehende, bef. walzenfürmige Körper, errichtete Pfahl zc. auch wenn
er nichts trägt, in Ifeg. wie Denk, Ehren, Schande, Wege-, Grenzfäule ꝛc.;
in noch weiterem Sinne überh. ein fenkrecht ftehender Körper, eine fich er—
hebende Maffe von beträchtlich größerer Länge, als Dide, 3. B. Bild-, Spiß-,
Rauch⸗, Wolken, Feuerfäule 20.5; Naturk. die Spindel eines Schnedenhaufes;
uneig. dicht. f. eine Perfon 0d. Sache, auf welcher die Erhaltung u. Sicher:
heit von etwas beruht, |. v. w. Stütze (4. B. er ift eine Säule des Staates,
der Kirche 2.); — fe. der Säul- oder Säulenbaum, Forſtw. ein zu
Säulen für die Zimmerleute geeigneter Baum; faulenförmig, Bw.; der Säu—
lenfuß, der untere Theil einer Säule, auf welchem dee Schaft ruht; der
Säulengang, mehre unter einem Hauptgefims ftehende Säulenreihen, welche
einen Gang bilden (fr. Golonnade); die Säulenhalle, ſ. Halle (fr. Porticus);
der Säulenheilige, ein Säulenheiliger (fr. Stylit), chriſtl. Schwärmer,
welche zur Bußübung ganze Jahre lang auf einer Säule ſtehend zubrachten;
der Säulenfnopf od. -knauf (fr. Capitäl od. Gapitel); die Säulenord-
nung, Bauf. das Verhältnifs der ſämmtlichen Säulentheile zu einander u. zu
der ganzen Säule (man unterfcheidet: die toscanifche, dorifche, ioniſche, ko—
zinthifche, u. römische Säulenordnung od. ſchlechtweg: Ordnung); das Säu—
lenpaar; die Säulenreihe; der Säulenfchaft, der Haupttheil einer Säule
zwifchen dem Knaufe u. Säulenfuße (f. Schaft) ; der Säulenfpath, ein Spath,
welcher viereckige Säulen bildet; der Säulenftein, eine harte, fchwere, Ihwarz-
graue Steinart, welche meift vier- bis achtfeitige Säulen bildet, Eifenmermor
(fr. Bafalt); der Säulenfluhl, Bauk. der kurze vieredige Pfeiler, auf wel-
chem die Säule mit ihrem Zuße-fteht (fr. Poftement od. Poftament); die Säu—
lenweite, Bauf. die Entfernung, in welcher je zwei Säulen von einander ſte—
hen; das Säulenwerf; der Säulenzierath zc.; — Ableit. faulen, ziel.
3w., mit Säulen verfehen, zieren (gefäulete Hallen).
Sauleder, Saulöffel, f. unter Sau.
Saum 1., m., -e3, M. Säume, Verl. dag Säumchen, (altd. soum,
isländ. saumr, angelf. u. engl. seam, ſchwed. söm, niederd. Soom, holl. zoom;
v. einem altd. ablaut. Zw. siuuan, siuwen, seuwen, daher goth. siujan, angel).
siyan, engl. sow, sew — lat. suere, nähen; alfo urfpr. Nath, u. das m in
sou-m gehört nicht zur Wurzel, fondern ift Bildungslaut; vgl. auch d. isländ.
seyma, ſchwed. söma, zufammennähen, =Enüpfen), eig. ein genäheter umge:
fchlagener Rand an einem gewebten Zeuge, Tuche, Kleidungsftüde ze. ;
Schmied. auch) der umgefchlagene Rand an einem Pferdehufe; auf Blechhäm-
Saum — faumen 607
mern: bie zufammengefchlagene Seite der gefchmiedeten Eifenplatten; in wei-
terer Bed. überh. f. Rand, Einfaffung , einfaffender Streif ıc., z. B. der
Rand eines Kleidungsftüdes; die einfaffende Schnur eines geſtrickten Garnes;
die längs des Randes der Segel befeftigten Taue; der Streifen, welcher den
oberen Theil des Pferdehufes umgiebt; dicht. f. Rand, Außerfte Grenzlinie
(ich ftehe am Saum einer Felfenwand, des Meeres ꝛc.); Schlef. f. Mitchrahm,
Sahne; das Säumchen, Benennung einiger Zrompetenfchneden (das
doppelte, u. das geflochtene od. gefaltete Säumchen); — 3feg. der Saum:
farn, Adlerfarn, deffen Befruchtungstheile am Saume der untern Blattfläche
in Reihen figen (vgl. Karn); die Saumlatte, an Windmühlen die Latte, welche
der Länge nach mitten ducch die Flügel geht; die Saumnath, eine beim
Säumen gemachte Nath; die Saumfchicht, Maur. die äußerſte Schicht Zie—
geln, welche den Saum des Daches bildet; die Saumfpinne, Sumpfipinne
mit weiß eingefafftem Körper; das Saumtau, Schiff. |. v. w. Leif, f. d.5 —
Ableit. ſäumen, ziel. Zw. (altd. soumen, niederd. ſömen; engl. — et⸗
was—, mit einem Saume verſehen (ein Tuch —, d. i. einen Saum um
dasfelbe nähen); Forſtw. u. Zimmerl. nach der Schnur vieredig od. überh.
Eantig behauen (einen Baum, Blod, ein Brett); der Säumer, -$, die
Säumerinn, M. -en, wer etwas faumt, einen Saum daran macht.
Saum 2., m., Aes, M. Säume, jedoch als Maß od. Gewicht nach ei-
nem Zahlw. in der Mehrh. unverändert: Saum, (altd. soum, angelf. u. engl.
seam, ſchwed. some; mittl. lat. sauma, ital. soma, franz. somme; wahrſch.
von gleicher Abkunft mit Saym 1. (f. d.), alfo urfpr. etwas Zufammengenähe-
tes od. gebundenes, wie das lat. sarcina, von sarcio; vergl. jedoch auch das
griech. oeyue v. 04000), alt u. oberd. f. Laft, Pad, Gepäd, bef. fofern
es zum Fortſchaffen einem Laſtthier aufgeladen wird; in beſtimmterer Bed. ſo
viel man einem Laſtthier aufzuladen pflegt, daher eine größere Gewichts⸗
oder Maß-Einheit, insbef. ein Dandelsgewicht, in Öfterreih —=275 Pfund,
in Baiern: ein Saum Eifen=— 250 Pfd.; ein Saum Wollentuch — 22 Stüd,
jedes zu 32 Ellen; auch ein Fluffigkeitsmaß, in Baſel —3 Ohm, in Bern
—4 Eimer, in Züri —14 Eimer; am Harz: ein Kohlenmaß, dergleichen
ein Pferd 2 tragen kann; — Z3ſetz. der Saumefel, -ochs, das Saumpferd
od. =r0f5, überh. das Saumthier, Pacefel ꝛtc., Kaftthier; das Saumfalz,
oberd. Salz, das auf Pferden verfendet wird; der Saumfattel, ein hölzer—
ner Sattel, auf welchem Saumthiere ihre Laft tragen; der Saumfteig,
Saummeg, oberd. ein nur für Saumthiere, nicht für Fuhrwerf, geeigneter
Weg; — Ableit. faumen oder faumen, auch faumeln, ziel. Zw. (altd.
soumen), oberd. etw a8—, durch) lafttragende Thiere fortfchaffen (Wein,
ÖL 2c. auch ziellos: mit Efeln, mit Pferden—); der Saumer o». Säumer,
-8, 1) (altd. soumari, soumaere; ital. somaro, frang. sommier), oberd. ein
Saumthier, Laftthier; 2) (landfch. auch) Sämer) wer Laftthiere halt u.
vermiethet; auch der Führer od. Treiber eines Laftthieres.
Saumagen, |. unter Sau.
fäumen, 3w., 1. f. unter Saum 1.5 — _ fäumen 2. oder faumen, f.
Saum 2.
ſäumen 3. 3w. (altd. süman, sümen; auch der süm u. diu süme f. das Säu-
men; isländ. söma, ſchwed. suma, niederd. fümen, hol. zuymen; franz. chö-
mer, feieen, Muße haben; vgl. das oberd. fain, u. faineln, fauneln f. 30°
608 Säumer — fc
gern), 1) ziellos m. haben, aus Zrägheit, Bequemlichkeit od. Bedenklichkeit
langfam im Handeln fein, finnv. zögern, zaudern; alt u. oberd. auch rückz.
fih— (bibt. komm herab und fäume dich nicht; — fchweiz. bedeutet ſau—
men, fumen im Gegentheil: fich Tputen); 2) ziel. einen od. etwas—,
alt u. dicht. f. aufhalten, hindern; hinausfchieben, verzögern, (bibl. ſäume
mich nicht; die Strafe fäumen 2c.); Ableit. der Säumer, die Säumerinn,
wer faumt, Zauderer ꝛc; faumhaft, vit., gew. ſäumig, Bw. (altd. süme-
haft, sümec, sümelich), auf fehlerhafte Urt langfam, zaudernd; daher die
Säumigkeit; die (auch.das) Saumnifs, M. -e, das Säumen, der Ver—
zug; auch die Hinderung, das Hindernifs; das Saumfal, -es3, M. -e,
(altd. sümsal), alt u. dicht. f. die Säumigkeit, Nachläffigkeitz daher faum-
felig, Bw. (alt. sümeselec), faumig, nachlaffig, unpünftlic (ein faum-
feliger Arbeiter, Schuldner 2c.); die Saumfeligkeit, das Saumfeligfein.
Säumer, m. 1. ſ. Saum 15 — Säumer 2. od. Saumer, f. Saum
2; — 3. T. fäumen.
Saumefel, pferd, -fattel, =thier, |. Saum 2.; — Saumfarn, -latte,
-[chicht, -fpinne, -tau, f. Saum 1.5 — faumbhaft, faumig, Säumniſs,
Saumfal, faumfelig, ſ. fäumen.
Saumutter, =neft, =ohr, f. unter Sau.
Saurach, m., Säure, w., f. unter fauer.
Saurebe, =ringel, -rüde, -rüffel, -fad, -falat, fchnabel, |. unter Sau.
faufen, ziellof. 3w. m. haben (altd. süsen, siusen; ſchweiz. fufen f. gäh-
ven; niederd. fufen, hol. suyzen, ſchwed. susa; ein Schallwort, vgl. das lat.
susurrare), einen ſtark zifchenden Schall hören laſſen od. hervorbringen,
bef. von der bewegten Luft, finnv. raufchen, braufen (der Wind faufet, eine
Kanonenkugel faufet; das Saufen der Ohren, d. i. die Empfindung, ald ob man
einen ftarken Wind faufen hörte; die Ohren faufen mir 2c.); uneig. ſich wild
lürmend vergnügen; der Saus, -es, 0. M. (altd. süs), das Saufen, der
Sturm, das faufende Getöſe; gew. das Getöfe der wilden Freude bei
Trinkgelagen 2c. (daher: in Saus und Braus leben, f. Braus); das Sauſe—
horn, die Trompeten= od. Pofaunenfchnede; der Sauſelaut, ein faufender
Laut; Sprachl. bei. das ſ; der Saufewind, eig. ein heftiger, faufender Wind;
gew. uneig. eine wilde, unruhige, fehr lebhafte u. flüchtige Perfon; der Sau—
fer, -$, wer faufet, oberd. f. Schlemmer; auch f. Saufelaut; — fäu-
feln, ziellof. 3w. m. haben, das verkl. faufen: fanft, gelinde faufen, fanft
rauſchen (die Weftwinde fäufeln; das Säufeln der Blätter 2c.); auch ſich
fäufelnd bewegen; mit fäufelnder Stimme fprehen; der Säufel, -8, das
Säufeln der fanft bewegten Luft; der Säufellaut, fäufelnder Laut; bef.
Spradl. die 3 den Selbftlauten am nächften ftehenden weichen Mitlaute: j,
w und das fanfte f, auch Säufeler genannt (fr. Spivanten); die Säufel-
ſtimme, der Säufelton ıc.
Saufpieß, Sauftall ꝛc. — Sauwurz, ſ. unter Sau.
fc), das zufammengefegte Schriftzeichen für den einfachen breiten
Zifchlaut, welcher entfteht, indem die Luft durch die platt gehaltene Zunge am
Gaumen etwas geprefft und durch die nicht völlig geichloffenen Zähne ausge:
ftoßen wird (im Engl. durch sh, im Franz. durd) ch ausgedrüdt). Das fd)
(verichieden von dem sch in Gläs-chen, Häus-chen 2c.) ift demnach ein aus |
und ch gemifchter, aber nicht zufammengefeßter, fondern ein durchaus ein-
Schaaf — Schaar 609
facher Laut, deffen Beftandtheile nicht einzeln nach einander ausgefprochen
werden dürfen, alfo: Schinken, Fleiſch, Afche, nicht: S-chinken, Fleif-ch,
A-che, wie in Weftphalen gefprochen wird. Es fteht ſowohl im Anlaute, als
im Sn= und Auslaute, wird aber auch nad) einem gefchärften Selbftlaute nic
verdoppelt, z. B. Fiſch, Flafche, haſchen; außer in zufammengef. Wör—
tern, wie Fifchichuppe, Fleifchichrant. Im Anlaute fteht es nicht allein vor
Sclbftlauten, fondern auch vor den Mitlauten r, I, m, n, w. — Unfer fch
hat einen zwiefachen Urfprung: 1) aus sk, 2) aus s. Überall nämlich,
wo es vor einem Selbftlaute oder r, und wo es ald Auslauf fteht, tft es aus
sk, sc entftandenz z. B. goth. skip, althochd. seil, mittelh. schif, Schiff;
alth. asca, mittelh. asche, Afche; alth. scriban, mittelh. schriben, jchreiben;
goth. fisks, alth. visc, mittelh. visch, Fiſch. Wo hingegen ſch vor I, m, n, w
fteht, Liegt ihm ein urfprüngliches s zu Grunde, welches fich noch, im Mittel-
hochd., jo wie in der heutigen .niederd. Mundart rein erhalten hatz z. B. goth.
slp, smeitan, sneithan, svarts; altd. släf, smizan, snidan, swarz; nieberd.
Slaap, jmiten, fniden, ſwart; neuhochd. Schlaf, jchmeißen, Schneiden, ſchwarz.
Schaaf, ſ. Schafz — ſchaal, ſ. ſchal; — Schaam, j. Scham.
Schaar, w., M. -en, (althochd. u. ſchwed. scara, angelf. scaruz mittelh.
schar, M. schäre; oberd. Schar, M. Schaaren u. Schär; urfpr. von dem
altd. ablaut. Zw. sceran, scar, giscoran, ſcheren, Grundbegriff: fchneiden ;
daher das abgel. umend. Scheren, fcherte ze. f. theilen, vgl. befcheren und
das angelf. scerian, abtheilen, zählen; engl. score, eine Zahl von 20 Stüd;
alfo von gleicher Abkunft mit Schar, Pflugichar, wovon es jedoch durd) den
herrſchenden Schreibgebrauch unterfchieden wird), eig. eine Abtheilung, ins—
bef. Heeresabtheilung, beftimmter und 'geordneter Heerhaufen (vgl. Heer-
Ihaar), gew. überh. f. Haufen von Menfchen od. Thieren, Trupp, Nudel
(fi) in od. zu Schaaren verfammeln; eine Schaar Kinder, Vögel 2c.); alt u.
oberd. auch f. Neihe, d. i. Zeile (der Körner am Getreide), od. geordnete
Aufeinanderfolge, Drdnung (beim Tanz; fr. Zour); auch f. Verrichtung
od. Arbeit, zu welcher Mehre, einer nach dem andern, in beftimmter Reihen-
folge verbunden find, bef. ein ſolcher Frohndienſt (Schaar-Arbeit, Schaar-
dienft, Schaarwerk; daher fchaarwerken od. ſcharwerken, oberd. Zw.
f. frohnen); — ſchaaren, ziel. u. rüdz. Zw., in Schaaren fammeln, verfam-
meln (ſich —); auch in Heerhaufen theilen, ordnen, ftellen; Bergw. f. zus _
fammenftoßen, fich vereinigen (zwei Gänge fchaaren ſich, wenn fie zu—
fammentreffen u. eine Strede vereinigt fortlaufen;z ein Gang ſchaart dem
| andern zu); altoberd. auch f. arbeiten, frohnen; — Zſetzz. der. Schaar-
od. Schaarenführer, ehem. auch Schaarmeifter, Anführer einer Kriegs—
ſchaar, od. der Kriegsfchaaren; der Schaargang, Bergw. 1) ein Gang, wel-
cher fich mit einem andern vereinigt (ſchaart); 2) ein Gang, welcher nad)
einer Zwifchengegend, d. i. nicht nach einer dev + Haupt-Weltgegenden, ftreicht
Glſo gleich]. die Weltgegenden fchneidet od. theilt; von ſcheren, ſ. o.); der
Schaarhaufen, oberd. f. Ameifenhaufen;z die Schaarkluft, Bergw. eine
Kluft, die ſich mit einer andern vereinigt; das Schaarkreuz, Bergw. ein
durch zwei ſich ducchfchneidende Gänge gebildetes Kreuz; die Schaarwache,
urſpr. eine von mehren Perjonen, bei. Bürgern einer Stadt, der Reihe nad)
{. 0.) zu haltende Wache; dann: eine aus einem Haufen Bewaffneter befte-
hende Sicherheitswache, entg. Schilöwache; der Schaarwächter,, einer aus
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 39
610 Schabaas — fchaben
der Schaarwache; fchaarweife od. fchanrenweife, Nw., in Schaaren, haus
fenweife.
Schabaas, Schabab, ſ. unter fchaben.
Schabatte, w., M.-n, auf Kupferhämmern: das Geftell, in welchem
der Ambofs fteht.
Schabe, Schäbe, Schabebaum ıc. — Schabeflinge, f. unter ſchaben.
Schabel, w., M.-n, od. Schabelbohne, Landfch. f. Bohne, Säbel-
bohne, grüne Schneidebohne, (werderbt aus Säbelbohne, oder von Icha-
ben, alfo eig. aefchabte, d. i. in dünne Scheibchen gefchnittene, Bohnen?).
Schabelle, w., M. -n, (gem. Schabellen, Schawell; aus d. lat. scabel-
lum), oberd. f. Schämel, Fußbanf.
fchaben, ziel. Zw. (altd. scaban, schaben, ablaut. Impf. scuob, schuop,
Mw. giscaban, geschaben; jest nur umend.; niederd. ſchawen; angelf. scafan,
sceafan, engl. shave, isländ. skafa, fchwed. skafwaz lat. scabere; vgl. das
gr. ozaareıv, graben, ozdıpos Graben, mit d. angelf. scof, Grube), ftarf
veiben, finno. Eraßen (die Haut —; ſich an od. mit etwas—; gem. verftärkt
auch: jchabben, jchäbbeln, ſchubben, fchubbern); ehem. auch f. nagen, ab-
freffen; in engerer Bed. mit einer Schneide abreiben, und dadurch die
Oberfläche eines Körpers reinigen (z. B. Mohrrüben, Rettige ze. fchaben;
einem Rübchen ſchaben, uneig., f. unter-Rübe), oder den Körper ſelbſt
in feine Theile verwandeln (Käfe, einen Apfel, Kreide 2..—); Kupferfi.
eine Art zu äsen, wobei die Platte mit Wachs überzogen, darauf mit der
Nadel die Zeichnung gemacht u. dann eingeägt wird (gefchabte Manier); ehem.
auch ziellos uneig. f. gehen, ſich fortmachen, fchimpflich abziehen (abſcha—
ben); — 3fes. das Schabaas, Gerb. das von der Aasſeite eines Falles ab-
gefchabte Fleiſch 2c.; ſchabab, eig. der Smper. von abſchaben, alt u. landſch.
1) als Nw. (wohl in dem Sinne von geh, zieh ab! f. 0.) f. zu Ende, am
Ende, zu Grunde, vorbei ꝛc. (3. B. ihr liegt im Grab, und feid ſchabab; da—
mit fchabab! es geht mit ihm ſchabab 2c.); 2) als Hw. das Schabab, un
biegf., f. Abſchabſel, Schabfel, überh. das Unreine, Unnütze, der Auswurf,
Ausſchuſs; auch f. Raden; Gartenſchwarzkümmel; Scafgarbe; der Scha-
bebaum, Gerb. ein hölgernes Geftell, auf welchem die Häute gejchabt wer—
denz das Schabeblech, Schuhm. eine ftumpfe Mefferklinge zum Schaben des
Wachfes aus den Näthenz der Schabebod, ein Geftell der Kammmacher zum
Schaben des behauenen Hornes; der Schabedegen, ein ftählernes Werkzeug
der Zinngießer zum Beſchaben ihrer Arbeit; dag Schabe- od. Schabeifen,
ein eifernes Schabewerkzeug verfchiedener Handwerker u. Künftler; der Schab-
käfer, ſ. v. w. Kleinkäfer; die Schabeklinge Orchst. auch Schabklin—
ger), bei verſch. Handw. ze. eine ſtählerne Klinge zum Beſchaben einer Sache;
insbef. f. Schabebleh; fo auc das Schabemeffer; das Schaberubchen,
uneig. einem ein Schaberübchen machen, f. v. w. Rübchen fchaben (1. Rübe);
der Schaberufch (f. Ruf), landſch. f. Schachtelhalm, Kannenkraut; die
Schabewolle, die Wolle, welche die Weißgerber von den Schaffellen ſchaben;
der Schabzieger (ſ. Zieger), ſchweiz. grüner Kräuterkäſe, welcher geſchabt
gegeſſen wird; das Schabziegerkraut, ſchweiz. f. Steinklee, welcher in den
Schabzieger gemifcht wird; — Ableit. die Schabe, M. -n, 1) verſchie⸗
dene Infecten, welche andere Körper zerfreffen: die Motte (oberd. auch der
Schab), die Aſſel Gellerſchabe), die Milde, der Rieh- oder Kornwurm;
Schabernad — Schad) 611
inöbef. ein Kleines nur im Finftern zum Vorjchein Eommendes, ſehr behendes
Inſect, welches Alles zernagt (Müller:, Küchenſchabe; landſch. verderbt:
Schwabe; lat. blatta); 2) ein Werkzeug zum Schaben, z. B. das ge
frümmte Schabeifen der Fleifcher;z die Thonfchneide der Töpfer; Fifch. eine
Art Fifchernege, der Raffel ähnlich; 3) landſch. gem. f. Krätze, Räude (tat.
scabies, engl. scab); die Schäbe, M. -n, 1) die beim Brechen u. Hecheln
des Flachfes abfallenden Fafern, Agen od. Acheln, gew. nur in der M.
die Schäben (niederd. Schewen); 2) in den Salzwerken zu Halle die ftein-
artige. Rinde, welche von dem Boden der Salzpfanne abgefchabt wird (auch
Schöpp); 3) oberd, f. die Räude (die Scheben); der Schaber, -$, wer
fchabt, daher landſch. f. Schinder; Geizhals (chem. auh Schabhals,
Schabehans); ein Werkzeug zum Schaben, Schabeifen; oberd. auch das
Gefchabte; die Schaberei, das Schaben, gem. f. das Geizen, Knaufern;
ſchäbig, Bw. (niederd. ſchäwisk, engl. shabby), gem. f. abgefchabt, abge-
tragen (Kleid); zerlumpt, armſelig; Erägig, räudig; ſchmutzig geizig,
£nauferig; die Schäbigfeit; das Schabfel, —s (oberd. aud) Schabet;
niederd. Schawels), das Gefchabte, Abgefchabte, der Abfall.
Schabernad, m., -e8, M. -e, (niederd. Schawernad; mittel. heißt
schabernae eine Pelzmüse, eig. ein Nackenreiber, v. altd. scaboron, schabern,
verft. f. ſchaben, und nac, Nacken; n. X. geht unfer Wort von dem fchimpf-
lichen Abfchaben od. Scheren der Haare im Naden aus, vergl. fcheren f. pla—
gen, befchimpfen; nad) v. Hammer ift im Morgenlande das Wort Chawer-
nack Sprichwort des Undankes nach einem berühmten Palafte diefes Namens,
von deffen Binnen der Erbauer, König Naaman, den Baumeifter aus Arg-
wohn hinterliftig hinabſtürzen ließ), gem. f. ein böfer Poffen, argliftiger,
heimtückiſcher Streich (einem einen Schabernad thun, fpielen, ihm etwas zum
Schabernad thun); daher fehabernaden, ziel. 3w., gem. einen—, ihm
einen ſolchen Streich fpielenz der Schabernader, —s, wer gern fchaber-
nackt; ſchabernäckiſch, Bw., dazu geneigt.
Schaberübchen, =rufch, wolle, ſchäbig ꝛc., ſ. unter ſchaben.
Schablon, f., od. gew. Schablone, w., M. -en, (von dunkler, wahrſch.
fremder Herkunft), das Formbrett, z. B. der Glodengießer; überh. ein Mu-
fter od. Modell, wonach die Tifchler, Steinmeser, Stubenmaler z2c. arbeiten;
das Schablöneifen, ftarkes 3 bis 4 Zoll breites Stangeneifen.
Schabrade, w., M. -n, (aus dem türk. tschaprak; poln. czaprag), eine
zierliche Pferdededke, welche hinten am Reitſattel befeftigt wird.
Schabſel, Schabzieger, f. unter fchaben.
Schach, f, -e8, o. M., (franz. échec, engl. chess, check, ital. scacco;
mittel). daz schäch, gew. schäch-zabel, d. i. Schach-Tafel; urfpr. v. dem
perſ. Shah, Schach, König, alfo: Königsfpiel, nad) der Hauptfigur be-
nannt; im Mittelalter aber mifcht ſich diefes Wort vielfach mit dem altd. der
scah, schäch, d. i. Raub, Angriff; daher schächen, rauben; schachaere,
Schächer, ſ. d.5 u. das Schachſpiel felbft wird als Räuberfpiel verftan-
den; vgl. auch die lat. Benennung ludus latronum od. latrunculorum) , ein
uraltes, ſehr fcharffinniges Brettfpiel, welches aus Indien nach Perfien ge-
kommen und von da dutch die Araber und die Kreuzzüge in gang Europa ver-
breitet ift; das Schach od. Schachfpiel, (Schach fpielenz das große Schach,
mit 48 Steinen auf 96 Feldern gefpielt; das Eleine Schach, die gewöhn-
39*
612 ſchachen — Schacht
liche Art mit 32 Steinen auf 64 Zeldern); ein Zuruf an den König im
Schachſpiel, wenn man ihn mit einem Steine bedroht u. feine Stelle zu ver
laffen od. fich zu decken nöthigt (Schach dem Könige! auch wohl: —der
Königinnz dem Könige Schad) bieten; uneig. einem Schach bieten, chem. auch
—fagen, f. ihn bedrohen, ihm Trotz bieten; einem Schad) thun, altd. f. ihm
einen Verluſt beibringen); — 3fes. die Schachblume, die Brettipiel- oder
Kibitzblume; das Schachbrett, das gew. in 64 vieredige Felder (Schad)-
felder) getheilte Brett zum Schadhfpiel, auch die Schachtafel; fchachmatt,
Bw., vom König im Schadhfpiel: völlia feftgefegt u. befiegt, To dafs er feinen
Zug mehr thun kann, ohne gefchlagen zu werden (auch bloß: matt, f. d.);
uneig. völlig entkräftet od. überwunden; das Schachfpiel, chem. Schach—
zabel, Schachzabelipiel (ſ. o.), oberd. vererbt: Schachza gel; der Schach—
fpieler; der Schachftein, jede Schachfigur; — Ableit. fchachen 1., olt.
3w. 1) ziellos f. Schach fpielen: 2) ziel. f. in vieredige Felder theilen (da-
her Wappen. ein gefchachtes Stück); der Schacher, -8, vlt. f. Schache
fpieler.
i ſchachen 2., ziel. Zw. (altd. scahhan, schächen v. scah, schach, Raub, ſ.
Schach; angelf. sceacan, alt niederd. ſchaken, f. wegnehmen, gewaltfam
entführen; vgl. das angelf. scacan, engl. shake, shog, isländ. u. ſchwed. skaka,
franz. choquer, ſämmtlich: ftoßen, fchütteln, bewegen, welches die Grundbed.
zu fein fcheint), völlig vlt. f. rauben u. morden; daher der Schäcdher, -$,
(oberd. auch Schacher, Schachmann; altd. scahhari, schachaere; mittl.
lat. scacator, scacarius), alt u. oberd. f. Näuber, Raubmörder, Übelthäter,
nur noch geb. von den beiden mit Chriftus gefreuzigten Verbrechern; uneig.
gem. f. ein armer, erbärmlicher, unwiffender Menfch (ein armer, elender
Schächer); das Schächerfreuz, ſ. Kreuz.
fchachern 1. ziel. Zw. (vom hebr. sachar, handeln), verächtl. f. Klein-
handel treiben, ‚zunächft von haufivenden Juden, bei. auf gewinnfüchtige,
betrligerifche Art; der Schacher, -8, o. M., gewinnfüchtiger Kieinhandel;
die Schacherei, das Schachern; der Schacherer, -$, wer fchachert; der
Granheniube ꝛc.
ſchachern 2., zielloſ. zw. (—ſchäkern, ſ. d.), niederd. f. laut u. un—
anſtändig lachen.
Schachkraut oder x. Schachtkraut (d. i. Schaftkraut), f-, en» FR
Pfriemenkraut.
ſchachmatt, Schachſpiel, -ſtein, -tafel, ſ. unter Schach.
Schacht, m, —es, (oberd. auch -en) M. Schächte, oberd. Schachten,
(ſchwed. skakt; Shadt ift wahrfch. urſpr. niederd. Nebenform für Schaft,
welches auch im Oberd. dafür vorkommt; engl. heißt es: shaft; val. angel. .
- scof, Grube; griech. ezarreıv, graben, o2«pos, Grube; alfo von [haben
(1. d.), engl. shave, fchaben, fehneiden: urfpr. Ein- od. Ausfchnittz vgl. auch
den Lautwandel in: graben, Gruft, Gracht), 1) eine gegrabene Vertiefung,
ehem. überh. f. Grube, Graben; jest. insbef. Bergw. eine vieredige, meift
fenkrecht hinabgeführte Berggrube, verfch. von Stollen, (ein Fahr, Für:
der-, Kunſtſchacht ze.; einen Schacht abteufen (f. d.); auch der oberſte Theil
der vierediigen Höhlung eines hohen Ofens; 2) ein gleich]. abgefchnittener,
feharf begrenzter Naum od. Körper; insbef. Forſtw. ein einzeln ſtehendes
Stud Waldes, eine Waldſtrecke (z. B. ein ſchöner Schacht Holz; oberd.
SchachteShhachtelhalm 613
auch: Schachen, Schacher, Schächlein; altd. scahho, Vorgebirge, Land—
zunge); Meſsk. ein gleichſeitig viereckiger vertiefter Raum oder Körper,
deſſen Tiefe od. Dicke nur Y,, der Länge u. Breite beträgt (z. B. ein
Ruthenſchacht, eine Ruthe lang u. breit, und einen Fuß did; fo auch ein
Schuh-, Zollſchacht; daher das Schachtmaß, d. i. die Mafbeftimmung
nach diefem Verhältniffe; die Schachtruthe, dr Schachtſchuh od. -fuf,
Schachtzoll ec., eine Nuthe, ein Fuß 2c. diefes Mafes); 3) niederd. (auch
Schedt, holl. schacht, schicht) f. Schaft, Spieß, Stange G. B. Boh-
nen⸗, Hopfenfchächte 2c.); — 3fes. die Schachtbühne, Bergw. ein Abfas
in einem Fahrfchachte (1. Bühne); der Schachtfuß, ſ. o.; das Schacht-
haus od. -häuschen, Häuschen über einem Schacht zum Schutz gegen die
Witterung; das Schachtholz, Beraw. Hölzer, womit ein Schacht ausge:
zimmert u. zugedeckt wird; der Schachthut, die Schachtfappe, -müße, Kopf
bedeckung der Bergleute, wenn fie im die Grube fahren; das Schachtfrauf,
Behen= od. Gliedkraut; auch Pfriemenkraut (j. Schachkraut); der Schacht:
meifter, Tandfch. der Vorgefegte der Arbeiter, die einen Graben, Teich u. dgl.
graben; der Schachtnagel, Bergw. große, ftarke Nägel zum Annageln der
Schachtlatten od. -ftangen; die Schachtricht (oberd. auch Schaftridht),
eine Art Stollen in Salgbergwerken; die Schachtruthe, der Schachtfcehuh,
1. 0.5 die Schachtfteuer, Bergw. eine Steuer, welche dem Eigenthümer eines
Schachtes von fremden Gewerken entrichtet wird, die fich desfelben bedienen;
der Schachtftoß, Bergw. die kürzere Seite eines länglich vieredigen Schach—
tes; die Schachttonne, Bergw., Bretter, womit ein Schacht ausgefchlagen
wird (vgl. Tonne); der Schachtzoll, ſ. o.; — Ableit. fchachten, ziel. Zw.,
in gleichfeitige Vierecke theilen (vgl. ſchachen unter Schach).
Schachtel, w., Mi-n, Verkl. das Schächtelchen, (im Altd. unbekannt;
fcheint erft in der neueren Sprache aus dem ital. scatola, neulat. scatula ent-
lehnt zu fein, woher aud) das fremdartige Schatulle), ein rundliches Behält:
niſs mit dünnen, aus Holzipan zufammengebogenen Seitenwänden und einem
darüber paſſenden Dedel (eine Hauben-, Band-, Perrückenſchachtel ꝛc.; ein
Satz Schachteln, ſ. Satz); gem. ſcherzh. f. eine alte weibl. Perſon (eine alte
Schachtel); Jäg. ſcherzh. f. ein altes Thier; bair. insbeſ. f. Hirſchkuh; ma—
gere Kuh; — Zſetz der Schachtelboden; der Schachteldeckel; die Schach—
telborſte, M. -borſten od. das Schachtelgut, die ſtärkſten und längſten
Schweinsborſten, welche ausgeſucht u. in Schachteln gelegt verkauft werden;
das Schachtelholz, zu Schachteln brauchbares Holz; der Schachtelmacher;
der Schachtelmaler, wer Schachteln bemalt, Briefmaler; die Schachtel-
maleret, uneig. elende Malerei; der Schachtelfaft, mit Zuder u. Gewürz
eingedickter Fruchtfaft in Eleinen Schachteln (fr. Marmelade); die Schachtel-
ſchiene, od. =zarge, Seitenwände einer Schachtel; der Schachtelftod‘, oder
die Schachtelform, ein Hölgerner Klotz, über welchem die Schachteln ge—
formt werden; — Ableit. Schachteln 1. ziet. Zw. in eine Schachtel legen;
uneig. f. einfchließen, einfchalten, (in beiden Bed. gew. einſchachteln, f.d.).
Schachtelhalm, m auch der Schadhthatm, das Schachtheu, u. da-
neben: Schafthalm (f. d.), Schaftelhyalm (altd. schaftel), Schaftheu
(verderbt: Schafheu, -ſtroh; von Schaft, niederd. Schacht, wegen des
Tchaftartigen Wuchfes; oder zunächft v. einem Zw. fchaften, fchafteln f. ſcha—
ben?) eine Art des Kannenkrautes, devem fcharfe runde Stengel zum Be-
— ——
—
En
614 | ſchächten — Schade
reiben und Glätten von Holzwerk u. dgl. gebraucht werden, das Winterkan-
nenfraut (equisetum hiemale L.); auch das gemeine od. Aderkannenkrautz
das Schachtelfrauf, f. v. w. Schafthalm, ſ. d.; — Schachteln 2. ziel. Zw.,
mit Schachtelhalm reiben, glätten; oberd. uneig. f. derb außfchelten.
ſchächten, ziel. 3w. (vom hebr. schachat), jüd. f. fchlachten; uneig. gem.
f. prügeln, übervortheilen (in diefem Sinne vielleicht = ſchachteln 2.);
der Schächter, -8, ein jüdifcher Viehfchlachter.
fhachten, 3w., Schachtfuß ꝛc. — Schachtzoll, f. unter Schacht.
Schade, w., M.-n, landſch. f. das weibliche Schaf.
Schäcke, ſchäckig, 1. Schede ıc.
Schader, m., -8, M. w. E., landich., eine Art Krammetsvögel; die
Mifteldroffel.
Schade od. b. Schaden, m., ©. Schadens, M. Schäden, (altd. scado,
schade, ©. scadin, schaden; oberd. der Schad, gew. Schaden; isländ. skade,
fchwed. skada, angel. scathe, engl. scath), jede körperliche Verlegung oder
BVerfchlechterung (das Vieh thut den Feldfrüchten Schaden; der Wetter-,
Feuer-, Wafferfchaden zc.), insbef. eine Verlegung am lebendigen Körper,
bef. eine äußerliche, 3. B. eine offene Wunde, ein Geſchwür ꝛc. (einen Schaden
am Leibe, am Fuße zc. haben; alte Schäden 2c.; Schaden nehmen, od. zu
Schaden fommen, d. i. beichädigt, verlegt od. verwundet werben); in meiterer
Bed. Alles, was die gute Befchaffenheit od. den vollkommenen Zuftand
einer Sache oder Perfon flört od. beeinträchtigt, finnv. Nachtheil, Ab-
bruch, Vertuft, Verderben, entg. Nusen (z. B. Schaden an feiner Gefund-
beit, an feinem Vermögen, guten Namen, an feiner Ehre ze. leiden; einem
Schaden zufügen; es thut od. bringt ihm Eeinen Schaden; es foll dein Scha-
den nicht fein; ſprichw. durch Schaden wird man Hug); bef. Verminderung
des Eigenthums, Verluft am Vermögen, Einbuße (Schaden bei einem
Handel haben; eine Waare mit Schaden verkaufen; einen Schaden tragen,
d. i. den Verluft auf fichy nehmen; den Schaden vergüten od. erſetzen ꝛc.); —
Schade od. ſchade wird oft als Ausdrud des Bedauerns, bef. über einen
Berluft, gebraucht u. nimmt dann ganz die Natur eines unbiegf. Beimortes,
oder, wenn es für fich allein als Ausruf ſteht, die Natur eines Empfindl.
an (3. B. das ift Schade; es ift ſchade um ihn, d. i. er od. fein Verluſt ift zu
bedauern; ſchade, dafs er nicht da war; fchade! fchade! ꝛc. — im Mittelh.
fteht schade, Comp. scheder, als Bw. f. Schaden bringend, feindlich; dafs
aber unfer Schade! urfpr. ale Hw. zu faffen ift, erhellt aus der Verbindung:
Sammer und Schade, f. Sammer); — ſchaden, ziellof. Zw. m. haben
u. dem Dat. der Perfon, (goth. skathjan, altd. scadön, schaden; isländ. u.
ſchwed. skada, angelf. scathan, engl. scath), einem Schaden zufügen oder
. bringen, zum Nachtheil geveichen, nachtheilig fein, entg. nüsen, (ev Tann
mir nicht Schaden; Unmäßigkeit fchadet der Gefundheit; das kann ihm nicht
ſchaden, gem. f. es gefchieht ihm recht, ift ihm heilfam, ich bedaure ihn deſs—
halb nicht; — das fragende Fürw. was u. die ungebeugten allgem. Zahlw.
viel, wenig, nichts 2c. nimmt fhaden im Ace. zu ſich; 3. B. was ſcha⸗
det es? d. i. welchen Schaden bringt es? es fchadet mir nichts, wenig 26.); —
3fes. von Schade (Schad), Schaden: der Schadbürge, landſch. f. Rüd-
bürge, ſ. d.; das Schadegeld, Landfch. f. Erfapgeld, Schadenerſatz; der
Schadfall, der Fall, da Schaden gefchieht, etwaniger Schaden; ſchadlos,
|
|
Schade — Schaf 615
Bw., frei von Schaden; unbefchädigt, chem. f. unverſehrt; jest in engerer
Bed. ohne Verluft am Vermögen, u. bef. nach erlittenem Schaden Erfaß er-
langend (einen ſchadlos halten, d. i. ihm vor Verluſt ficher ftellen, u. gew.
ihm feinen Verluſt erfegen, ihn entfchäbigen); die Schadloshaltung, das
Schadloshalten; die Schadlofigfeit, das Schadlosſein; der Schadenerfas,
Erfag für einen zugefügten Schaden, finnv. Entfchädigung; die Schaden-
freude, Freude über Anderer Schaden; ſchadenfroh, Bw., über Anderer
Schaden ſich freuend (ein Schadenfroher Menfch, auch als Hw. ein Schaden:
froh); in diefer Freude gegründet (ein fchadenfrohes Kachen); die Schaden-
rechnung, -ſchätzung, Berechnung, Schägung eines gefchehenen Schadens;
der Schadenpreis, der zum Schabenerfag beftimmte Preis; — Ableit. fehad-
bar, Bw. (alto. schadebaere), vit. f. ſchädlich; ſchadhaft; fchadhaft, Bw.
(altd. schadehaft), einen Schaden habend, befhädigt, gew. nur von Sachen
(3. B. ein fchadhaftes Dach, Gebäude 2c.); ehem. auch f. Schaden bringend,
ſchädlich; die Schadhaftigkeit, das Schadhaftfein; ſchädlich, Bw. (altd.
schedelich), Schaden bringend, finnv. nachtheilig, verderblich, entg. nüß-
lich (ſchädliche Speifen, Dünfte 2c.; das ift mie nicht ſchädlich; fchädliche Ge—
wohnheiten); die Schädlichkeit, das Schädlichfein, die nachtheilige Be—
fhaffenheit; ſchädigen, ziel. Zw. (altd. schedigen; oberd. auch gefchäbdi-
gen), einen—, alt u. landfch. f. ihm Schaden zufügen; gew. nur in bes,
entſchädigenz daher: der Schädiger, die Schädigung, vit. f. Befchä-
diger, Beſchädigung.
Schade, w., M.-n, (engl. shad, shadde), landſch. f. die Aloſe.
Schädel, m., -8, M. w. E., (n. X. Schedel, gegen die Ausfpr., ob:
wohl der Abftammung nad) richtiger; altd. scetela, schedel; von ſcheiden,
trennen, vgl. Scheitel; alfo urfpr. ein Stück, Bruchftüd, daher noch oberd.
Mauernfchedel f. Trümmer; vgl. aud) das lat. testa, Scherbe, Stück, u
Schale, Hirnfchale, daher franz. tete, Kopf), die Hirnfchale, d. i. der obere
gewölbte Knochen des Kopfes; auch der ganze von Haut u. Fleiſch ent—
blößte Kopf, Todtenkopf; das Schädelbohren, das Durchbohren der Hirn-
Schale (fr. Trepaniren); der Schädelbohrer, das dazu dienende wundärztliche
Werkzeug (fr. Trepan); die Schadelhaut, die Haut, mit welcher der Schä-
del überzogen ift; die Schädellehre, die von Dr. Gall aufgeftellte Lehre von
dem Bau und der Bildung des Schädel unter Einwirkung des Gehirns, wo—
nad) einzelne Hervorragungen des Schädels auf überwiegende Entwicelung
einzelner Fähigkeiten u. Neigungen ſchließen laſſen; die Schädelnufs, eine
amerikan. Pflanze mit füßer, efsbarer Wurzel; die Schädelftätte, bibl. der
Kichtplag auf dem Berge Golgatha bei Serufalem.
Schaden, m., ſchaden, 3w., Schadenerfaß ıc., Schadfall, ſchadhaft,
ſchädlich, ſchadlos, f. unter Schase.
Schaf 1. (ehem. Schaaf gefchr.), f-, -e8, M. -e, Verkl. das Schäfchen,
oberd. Schäflein, (altd. scaap, scäf; oberd. Schaf, Schauf; niederd. Schaap,
angel. sceap, engl. sheep, -holf. schaep; von’ dunkler Abftammung; vielleicht
von ſchaben f. nagen, abfreffenz daher auch mittelh. schaf f. Schabe, Motte),
Gattungsnamen eines fehr verbreiteten Säugethieres mit gefpaltenen
Klauen u. wolligem Felle, von verfchiedenen Arten, 3. B. das wilde, mor-
genländifche Sch., das hochgehörnte Eretifche od. Eandifche Sch. ꝛc., insbef.
das bei uns einheimifche gemeine Schaf (eine Heerde Schafe; die Schafe
616 | Schaf
Scheren 20.5 ſprichw. ein väudiges Schaf fteckt die ganze Heerde an; es gehen
viel geduldige Schafe in einen Stall; er hat fein Schäfchen gefchoren, d. i. ex
hat den gehofften Gewinn reichlich erhalten; fein Schäfchen ins Trockene brin-
gen, d. i. das Seinige od. ſeinen Gewinn in Sicherheit bringen (hier vielleicht
aus Schiffehen, niederd. Schepken, verderbt); häufig ald Sinnbild der
Unfhuld, Sanftmuth u. Geduld, aber auch der Einfalt u. Dummheit
(3 B. fanft, fromm, dumm wie ein Schaf), daher auch f. eine ſolche Per—
fon felbft (ev od. fie ift ein geduldiges, frommes zc., ein einfältiges Schaf, od.
ſchlechtweg: ein Schaf, d. i. ein einfältiger Menſch); in engerer Bed. heißt
bef. dag weibliche Thier diefer Gattung: Schaf (landfch. auch Kilbe oder
Kibbe, Schibbe, Schnude, Schnake, Schade 20.); das männliche: Bod,
Schafbock, Widder, und wenn es verfchnitten ift: Hammel, Schöps;
das Junge: Lamm; uneig. heißen Schäfkhen: die Blüthenkägchen (f.
Kabe 2.) od. Palmen mancher Bäume; landſch. auch verfihiedene Käfer,
3. B. die Marienkäfer, die Kellerwürmer 20.5 — 3fes. mit Schaf, feltener
Schafs—: der Schafampfer, die fauerfte Art des Ampfers, Eleiner Feld-
ampfer, Aderfauerampferz das Schafsauge, ein ftier und dumm blickendes
Auge; ſchafsäugig, Bw., ſolche Augen habend; die Schafblattern oder
-poden, anſteckende Blatterkrankheit dev Schafe; auch eine Art unechter, nicht
gefägrlicher Kinderblattern; der Schafbod, das männlihe Schaf (f. o.) bei.
wenn es zur Zucht gebraucht wird, der Widder; die Schafbremfe, eine Art
Bremfen, die ihre Eier vorzüglich in die Nafenlöcher der Schafe legen, und
deren Maden die Drehkrankheit der Schafe verurfachen; die Schafbutter, aus
Schafmilch gemachte Butter; der Schafdarn;, |. Darm; der Schaf-Egel,
ſ. v. w. Leberegel, Leberwurm, f. d. u. vgl. Egel; das Schaffell; der Schaf-
fink, landſch. f. Miftkäfer; das Schaffleifch; die Schafgarbe, eine Art
Garbe (f. 8), welche die Schafe gern freffen; die Schafgarte, landſch. f.
Akelei; das Schafsgeficht, ein dummes Geficht; gem. f. eine einfältige Per—
fon; das Schafgras oder der Schafſchwingel, eine Art des Schwingels,
welche ein gutes Schaffutter iſt; die Schafhaut; das Schafhäutchen, uneig.
die zarte Haut, von welcher die Frucht im Mutterleibe umgeben iſt; der Schaf:
hirt, ſ. v. w. Schäfer, ſ. u.; die Schafhürde, eine Hürde (ſ. d.), in welche
die Schafe eingepfercht werden; der Schafhuften, trocener, Schwacher Huften
der Schafe; überh. f. ſchwindſüchtiger Huften; die Schafhütte, ſ. u. Schäfer -
hüttez das Schaffameel, ein dem Schafe u. noch mehr der Ziege ähnliches
füdamerifan. Säugethier mit langem Halfe, als Laftthier gebraucht, aud) Ka—
meelziege (fr. Lama); eine andere wild lebende Thierart desfelben Gejchlechtes
mit fehe feiner, brauner Wolle (fr. Vicunna, Vigogne); der Schaffafe, Käſe
aus Schafmilch; der Schafferbel, ſ. v. w. Klettenkerbel; das Schafskleid,
die Bekleidung des Schafes, das Schaffell (nur bibl. ein Wolf im Schafskleide,
"di. ein böfer Menfch, der fich den Schein der Unfchuld u. Einfalt giebt);
der Schaffnecht, ein dem Schäfer (f. d.) untergebener Knecht, Schäferfnechts
der Schafsfopf, eig. der Kopf eines Schafes; uneig. ein demſelben ähnlicher
Kopf z. B. eines Pferdes; gem. als Schimpfw. f. einen dummen Menſchen,
Dummtopf; das Schafkraut, verfchiedene Kräuter als gutes Schaffutter, ins
bef. der blaue Wiefenehrenpreis; der haarige Ginfter; das Schaflamm;, ein
weibliches Lamm, entg. Boclamm; das Schaflaub, Landw. gedörrtes Laub
als Schaffutter im Winter; die Schaflaus, eine Art Läufe, von denen die
Schaf 6
Schafe geplagt werden; die Schaflausfliege, eine Art Lausfliegen, welche
in der Wolle der Schafe leben, auch) fliegende Schaflaus genannt; die Schaf:
lee, Salz oder Kräuterpuler, welches man die Schafe lecken läſſt; das
Schafleder; daher fchagledern, Bw., aus Schafleder gemacht; die Schaf-
linfe, die Ben Frucht des Blafen= od. Linfenbaumes; eine Art Kro-
nenwicke, ; ſchaf- od. ſchafsmäßig, Bw. u. Nw., einem Schaf ähnlich
an J "dns Schaf: od. Schafsmaul, uneig. f. Rapunzel; Aderfalat;
der Schafmeifter, der oberfte Schäfer bei großen Schäfereien; die Schaf-
milch; der Schafmift; die Schafmutter, ein weibl. Schaf vom Zten bis zum
Hten Jahre; das Schafnoß, ſ. Noß; die Schafnufs, ſ. v. w. Pferdenufs ;
der Schafpelz, ſ. Pelz; der Schafpferch, 1. Pferch; der Schafpilz, rothe
Birkenpilz; die Schafpoden, |. Schafblattern; die Schafrippe, landſch. f.
Schafgarbe; der Schafrüde, ſ. Rüde; die Schaffchere, "eine große Schere
zum Abfcheren der Schafwolle; der Schaffcherer, wer die Schafe fchert;
die Schaffehur, Has Scheren der Schafe, u. die Zeit, wann es geſchieht;
der Schaffcehwingel, j. Schafgeas; der Schafftall; der Schaffland, der
Beftand der Schafe z.B. auf einem Gutes der Schaftaubling, grüner Täub-
ling oder Blätterfchwamm; der Schaftrieb, das Recht, feine Schafe über
eines Andern Grundftüc zu treiben; die Schaftrift, ſ. Trift: das Schaf:
vieh; das Schafwafler, das bei der Niederkunft abgehende Frucht» oder
Kindswafler (val. Schafhäutchen); die Schafweide, 1) eine Weide für Schafe;
2) die Baumwollenweide; die Schafwolle; die Schafzede, auch Schaf:
milbe, |. Zecke; die Schafzucht, 1. Zucht; der Schafzuchter, wer fich mit
Schafzucht befchäftigt; die Schafzunge, uneig. landſch. f. Wegerich; —
Ableit. Schafen od. ſchäfen, Bw. (altd. scäftn, 'schaefin), oberd. f. vom
Schafe Eommend (z.B. jchafenes Fleifch, Leder ze. f. Schaffleifch, =teder) ;
der Schäfer, -$, die Schäferinn, M. -en, (altd. schafaere; oberd. Schäf-
fer, Schaflerz niederd. Schäper), wer die Schafe weidet, Schafhirt; auch
wer ſich mit der Schafzucht beſchäftigt; im engeren Sinne der oberfte
Schafhirt einer Heerde, Schafmeifter, unter welchen die Schaffnechte ftehen;
in der ſogen. Schäfer= od. Hirtendichtung (fr. bukolifche Poeſie): überaus
unfchuldige, zartfühlende, einfachlebende Hirten einer erträumten Vorwelt; das
her uneig. jpöttifch f. zactliche, empfindfame Liebhaber (ein treuer Schäfer 2e.);
3feg. von Schäfer: der Schäferdichter, Hirtendichter (fr. bukoliſcher oder
Idyllen⸗Dichter); das Schäfergedicht, Hirtengedicht (bukoliſches Gedicht od.
Idylle): Schäferlied, wenn es ein Singgesiht—, Schäferfpiel, wenn es
ein Schaufpiel—, Schäfer: Roman, wenn es erzählender Gattung iſt; der
Schäferhund; die Schäferhütte od. -Farre, eine zweirädrige Karre mit
einem Bretterhäuschen, in welchem der Schäfer bei der Hürde übernachtet;
der Schäferfnabe; dev Schäferfnecht, |. o. Schafknecht; das Schäfer:
leben: die Schäferliebe (ſ. o); das Schäfermädchen; dev Schäfernamen,
herkömml. Namen der Schäfer u. Schäferinnen in der Schäferdichtung (z. B.
Daphnis, Chloe 2c.); die Schäfernufs, landſch. f. Erdnuſs; rother Stein-
brech; die Schäferpfeife, Bocpfeife, Dudelſack; der Schäferſtab, ſ. Hirten-
ſtabz das Schäferflücd, ein Tonſtück für Schäfer; die Schäferftunde, zärt-
liches Beifammenfein Verliebter; der Schäfertang; die Schäfertaſche, ſ
Hirtentaſche; die Schäferwelt, Schäferzeit, erdichtete Unfchuldswelt des im
Hirtenftande Lebenden jugendlichen Menfchengefchlechtess Ableit. die Schä-
618 Neil
ferei, M. >en, Anftalt zur Schafzucht im Großen; auch die Wohnung
des Schäfers; chem. auch f. Schäfergedicht; ſchäferiſch od. fchäferlich,
Bw., den Schäfern eigen od. ähnlich, nach Art der Schäfer, bef. wie fie
in der Schäferdichtung erfcheinen.
Schaf 2. f. od. m., -ed, M. -e, (holl. schaeve; von ſchaben, niederd.
fchawen, holl. schaeven, hobeln), landſch. f. Hobel.
Schafampfer ıc. — Schafegel; Schäfer, Schäferinn ıc. — Schäfer:
zeit, f. Schaf 1.
Schaff, f., -e3, M. -e, oberd. Berl. das Schäfflein, Schäffel, fchlef.
Schaffel (altd. seaf, schaf, schapf; von scefan, fchöpfen, alfo urfpr. Schöpf—
gefäß? vol. jedoch Schiff, Scheffel, u. das lat. scapha, griech. az«pn,
ox«yos, welche offenbar zu oz«arıo — [haben gehören) 1) oberd. ein höl—
zernes Gefäß von Böttcherarbeit, Gelte, Zuber, Bottich ıc., insbef. das
Gefäß, in welchem das Küchengefchirr aufgewafchen wird (Schüffel-, Scheuerz,
Spülſchaff); ein Maß für trodene und chem. auch für flüffige Dinge (altd.
win-schaf), bef. ein oberd. Getreidemaß (das Müncner Schäffer hält 6.
Münchner Megen; das Regensburger Schaff hält über 2—, das Paffauer
über 5 Münchner Schäffel; vgl. Schiffe; 2) (alt u. landſch. auh Schaft;
niederd. Schapp, holl. schap, dän. skaff) niederd. f. Schrank; — der
Schäffler, -8, oberd. f. Fafsbinder, Bötticher.
ſchaffen 1. ablaut. ziel. 3w. (goth. skapan, sköp, skapans, erfchaffen; alth.
scafan, scuof, giscafan; mittelh. schaffen, schuof, geschaffen; isländ. und
ſchwed. skapa, skipa, dän. skabe; angelf. scapan, sceopanz; engl. shape, bil-
den, ſchaffen, u. als Hw. Geftalt, Bildung; niederd. fcheppen, f. erfchaffen
u. ſchöpfen; fchippen, f. formen, bilden; Schipper f. Schöpfer; — Grundbeb.
Scheint: bilden, geftalten, daher: befchaffen, vechtfchaffen zc.; aber fchon
das altd. scafan, schaffen mifcht fich in Form und Bed. mit sceffan, schepfen’
(Prät. schuof neben schepfte), indem jenes auch haurire, fchöpfen, diejes
auch exeare, erfchaffen, bedeutet ; daher noch: Schöpfer, Schöpfung, Ge
ſchöpf), ablaut. Ichaffit, ſchafft; Impf. ſchuf Coberd. fchuef), Conj. ſchüfe,
Mw. geſchaffen; bilden, geſtalten (daher das Mw. geſchaffen, beſ. oberd.
f. geſtaltet, beſchaffen; ungefchaffen f. ungeſtalt, häſslich, wohl geſchaf—
fen f. wohlgeſtaltet, engl. vell-shapen; niederd. wahnſchaffen f. übelge—
bildet ꝛc.); hervorbringen, was vorher nicht da war, ins Daſein rufen,
erfchaffen (Gott fchuf die Welt, hat die Welt gefchaffen; die fchaffende Kraft
Gottes); auch von Merken des menfchlichen Geiftes, bei. Kunftwerken,
Dichtungen ꝛc. (dev Maler, der Dichter ſchuf diefe Geſtalten; der fchaffende
Geift des Künftlers); chem. auch f. machen, dafs etwas wird, bewirken,
veranftalten; verfchaffen, ordnen, zu etwas beftimmen; die Schaffungs-
gabe od. -fraft, Erfindungsgabe, fchaffende od. fchöpferiiche Kraft des Gei-
ſtes (Neum. fi das fr. Genie).
Ihaffen 2. ziel. 3w., bloß umend. fchaffte, gefchafft (altd. scaflön,
schaffen, Impf. schaffete, vermengt ſich im Altd. u. noch im heutigen Oberd.
in Form u. Bed. vielfach mit dem ablaut. fchaffen 1.), überh. mit etwas
befchäftigt, thätig fein; daher oberd. f. arbeiten, als ziellof. Zw. (an einem
Baue —, bei einem Meifter als Gefelle Schaffen); gew. f. machen, thun, 'trei-
ben (z. B. viel zu Schaffen haben; du haft hier nichts zu ſchaffen; ich habe
mit ihm nichts zu fchaffen, d. i. zu thun; fich od. einem viel zu ſchaffen machen,
Schäffler — Schaft 619
d. i. viel zu thun, viel Mühe machen); beforgen, ausrichten, bewirken, dafs
etwas an einen gewiffen Ort od. von einem Drte weg verfegt werde, u.
insbef. dafs es gegenwärtig od. vorhanden fei, vergl. herbeifchaffen, fort-, weg⸗
ſchaffen, anſchaffen, verfchaffen (etwas an Ort und Stelle fchaffen; fich (mir)
etwas od. Semand vom Halle fchaffen, |. Hals; einem Geld, Hülfe, Beiftand,
Rath, Frieden ꝛc. Schaffen; fich feinen Unterhalt, Kleider, Bücher zc. fchaffen);
alt u. Landfch. f. feftfegen, anordnen, einrichten (daher niederd. f. die Spei-
fen anrichten; oberd. einem etwas—, f. beftimmen, zuſichern, vermachen) ;
oberd. f. befehlen, gebieten (was ſchaffen Sie? d. i. was befehlen Sie?
fchaffen Sie Wein, oder Bier? u. dgl.; auch mit einem fchaffen, od. bloß:
einem fhaffen, f. ihm befehlen, in welcher Bed. es auch in die ablautende
Form übergeht; 3. B. alfo ſchuf mein Herr mit mic und gebot mir 2c.; wer
hat dir das gefchafft? 2c.); — Ableit. der Schaffer (altd. schaflaere) oder
gew. Schaffner, -3, M. mw. E., die Schaffnerinn, M. -en, überh. wer
etwas beforgt, ausrichtet, anordnet, verwaltet; insbeſ. Schaffer, oberd.
f. Auffeher, Vorgeſetzter z. B. bei einem Hüttenwerke; in Nürnberg: Zitel
des älteften Geiftlichen an einer Hauptkirche, welcher alle gotteödienftl. Ver:
richtungen anzuordnen Hat; Schaffner, Wirthfchaftführer in einer Haus-
haltung (Daushofmeifter), auf Landgütern Verwalter, Hofmeiſter), in
Klöftern (Pater Schaffner); oberd. auch f. Kellner in Gafthäufern; nie—
derd. der Beforger u. Anordner eines Schmaufes; ferner bei Poſtkutſchen: der
mitfahrende Auffeher über die Ladung ꝛc. (Schirrmeifter) ; in Sachſen aud):
wer den Fuhrleuten Fracht verfchafft; die Schaffnerinn, Wirthſchaf—
terinn, Haushälterinn, Ausgeberinn, Beſchließerinn; die afferei od.
Schaffnerei, M. -en, die Verwaltung; das Amt, od. die Wohnung
eines: Schaffers oder Schaffners; Schaffnerei, auch: der durch einen
Schaffner verwaltete Bezirk, z. B. ein Kammeramt; fchaffig, Bw., ſchwäb.
f. arbeitfam, thätig; ſchäffeln, Zw., oberd. f. gemächlich arbeiten; ſpie—
len (von Kindern); der Schäffler 1., bair. f. ein alberner, ungeſchickter
Menfch.
Schäffler 2., ſ. unter Schaf. — Schaffner ıc. ſ. ſchaffen 2.
Schafgarbe u. ſ. w. — Schafftand, f. unter Schaf 1.
Schafott od. Schaffot, f., -e3, M. -e (zunächft von dem franz. echafaudz
engl. scaffold, mittl. lat. escafaldus), das Blutgerüft, die Blutbühne.
Schaft, Nachſ. zur Bildung von Hauptwörtern (altd. -scaf, M. -scafli,
-scefh, fpäter scaft, schaft, M. -schefte; jest -[chaften; niederd. fchap, ſchup;
engl. ship; ſchwed. skapz; eig. der fubftantiv. Stamm von Schaffen, f. d.,
alfo urfpr. Geftalt, Befchaffenheit) bildet vorzugsweife von Hauptwörtern
(befonders Perfonen=, feltner Sachnamen), doc auch von Beiwörtern und
3eitwörtern Hauptwörter weiblichen Gefchlechts, welche bezeichnen: 1) die
Befchaffenheit, das Verhältnifs od. die Lage, den Stand od. die Würde
einer Perfonz z. B. Freundfchaft, Feindfchaft, Verwandtichaft, Herrſchaft,
Knechtſchaft, Meiſterſchaft, Kundſchaft, Liebſchaft, Wanderſchaft, Leidenſchaft,
Gefangenſchaft zc.; bisweilen auch (concret) den Gegenſtand (die Perſon od.
Sache), zu welchem Jemand in dem bezeichneten Verhältniſſe ſteht (z. B. Lieb-
ſchaft, Bekanntſchaſt f. geliebte, bekannte Perſon; Grafſchaft, Herrſchaft f.
das Gebiet eines Grafen, Herren; Wiſſenſchaft, der Gegenſtand des Wiſſens);
2) eine Geſammtheit od. ein Ganzes von mehren Perſonen einer Art, als
620 | Schaft — Schafzagel
Sammelnamen, wie: Mannjchaft, Bürgerfchaft, Dienerfchaft, Gefelichaft ꝛc.;
feltner von Sachen, z. B. Barſchaft, Geräthfchaft, Brieffchaften, Dorf:
ſchaft, Erbſchaft; verfchieden von der Nachſ. thum (f. d. u. vergl. Bürger-
Ihaft, Judenſchaft, Priefterfchaft, Nitterfchaft ze. mit Bürgerthum, Suden-
thum, Priefterthum, Ritterthum). Durch Anhängung der Nachſ. -er werden
von einigen Wörtern auf ſchaft männl. Perfonennamen, durch Anhängung von
lich Beiwörter gebildet (4. B. der Botfchafter, Geſellſchafter; freundfchaftlich,
herrſchaftlich, Leidenfchaftlich 2c).
Schaft 1. m.,-es, M. Schäfte, (altd. scaft, schaft, M. scefti, schefte; angelf.
sceaft, engl. shaft; isländ. skapt, ſchwed. skap; niederd. Schacht, Schecht;
vgl. d. lat. scapus, scipio; — von haben, d. i. glätten; (f. d. und val.
Schacht), wie das griech. Evorov von Eder), Überh. ein langer u. verhält:
nifsmäßig dünner, gerader, glatter Körper od. Körpertheil, zunächft von
Holz, finnv. Stange, Ruthe, Stab; insbei. die Stange eines Spießes
od. einer Lanze, ehem. auch der ganze Spieß; Forſtw. ein langer, gerader
Baumſtamm; Pflanz. ein Erautartiger Stiel ohne Blätter; der gerade, glatte
Theil einer Säule zwifchen Fuß u. Knauf: das lange Holz eines Schießge-
wehres, welches: den Lauf einfafftz der Federkiel; der obere röhrenförmige
Theil eines Stiefels; der gerade Theil’ einer Nadel zwifchen Kopf und Spitze;
die Duchte eines Taucs heißen: Schäfte daher: ein zweis, drei- vier
Thäftiges Tau); an Weberftühlen: die Stäbe an den Kämmen; Maur—
ein fchmaler Theil einer Mauer zwifchen zwei Offnungenz alt u. landſch. auch:
das männl. Zeugungsglied bei Menfchen u. großen Thieren; Jäg. auch der
Geſchlechtstheil der Hündinnen u. Raubthiere (= Schakht?); —BTeg. das
Schaftauge, Web: die Ringe od. Schleifen an den Schäften des. Webeftußles;
der Schaftdrath, Nadl. Drath, woraus die Stedinadelfchäfte geſchnitten wer:
den; ſchaftförmig, Bw:; das Schaftgefims, ‚das unterfte Gefims anıdem
Säulenſchafte; der Schafthalm, 1) eine Wafferpflange: mit rauhem Halm,
zum Blänken des Holzes und Metalles gebraucht, auch Schachtelävaut, Katzen⸗
zagel od. Kagenfchwang, Pferdefchwang 2c. (hippwis L.); 2) f. v. w. Schach—
telhalm (ſ. d.), auch Schaftelhalm, Schaftheu; das Schaftholz, zu Ge—
wehrfchäften taugliches Holz; der Schaftmodel (ſ. Model), Formbrett bei
Nadlern,; u. bei Büchfenfchäftern; der Schaftfchneider, Nadl. wer die Schäfte
zu den Stecknadeln fchneidetz — Ableit. fchäften, ziel. Zw. (alt und oberd.
auch Schiften), mit einem Schafte oder-mit Schäften verfehen (ein Ge
wehr, einen Spieß; gefchäftet, als Bw.; z. B. Forftw. ein gut gefchäftes
ter Baum, d. i..der einen fchönen geraden Stamm hat; Jäg. ein wohl= od.
lang gefchäfteter Sagdhund; d. i. der einen langen, ſchlanken Leib hat; Schiffs
ein Schiff iſt auf 50 Kanonen gefchäftet, d. i. es führt 50 Kanonen): Jäg.
eine zerfprungene Leine —, d. i. ohne Knoten wieder zufammenfügen; der
Schäfter, -8, wer etwas ſchäftet, wer Schäfte macht (mur in: Büchfen-
Thäfter); ſchäftig, Bw. (oberd. fchiftig), einen Schaft oder Schäfte
habend, nur in Zfeg. wie langſchäftig (ſ. o. lang gefchäftet), zweis, drei—
Ichäftig 2c. (1. o.). ,
Schaft 2. f., -e8, M. Schafte, landſch. f. Schaf, Schrank (ſ. Schaff 2).
Schaftrieb, -trift, u. ſ. w. — Schafzunge, ſ. unter Schaf 1.
Schafzagel, m. (d. i. wörtl. Schafſchwanz; verderbt aus Schachzabel
. Schach), welches ſchon mittelh. in schafzabel übergeht), bair. f. das Müh—
lenſpiel.
—
Schakal — Schale 621
Schakal, m., -8, M. -e, (hebr. schachal, perf. schigala; ſanskr. crigala,
der Schreier), der Goldwolf, ſ. d.
Schafe, w., M.-n, 1) (auch Schofe, Schauke; angelf. scanca, sce-
ancaz verw. * Schenkel; vergl. jedoch auch das niederd. ſchük, oberd.
ſchiegk, isländ. skack f. ſchief, ſchräg; Schiegfuß ꝛc. f. Krummbeiniger),
niederd. f. Bein, Schenkel, beſ. ein ungeſtaltetes Bein; 2) ein Glied od.
Gelenk einer Kette (Schiff. Schakel); Nadl. eine Eleine Kette, deren Glie-
der. an beiden Enden umgebogene Stücke Drath find, aud) die Sthafenkette;
holftein. auch ein hufeifenförmig gebogener Holzklog, welcher dem Pferde auf
der Weide um einen Vorderfuß befeftigt wird, damit es fich nicht verlaufe
(Schakel, Schaden; das Schafenholz, Nadt. ein Holz mit zwei Stiften,
mittelft deffen die Glieder einer Schafenkette verfertigt werden; das Schaf-
werk, Schiffb. die Zufammenfügung der Stüce, woraus große Maften und
Raben zufammengefest werden.
Ihäfern, zieltof. 3m. m. haben, (miederd. auch ſcheikern u. fchachern,
holl. schachen f. laut lachen; Grundbed. ſcheint: Lebhafte, ſpringende Bewe-
gung, vgl. Schachen, angelf. scacan, engl. shake, fchütteln, erfchüttern),
bef. in Niederd. üblich f. munter und laut feherzen od. tändeln, fich lär—
mend beluftigen; der Schäfer, -$, die Schäferinn, M. -en, wer ſchä—
£ert, gern fcherzt, auch f. Schalt, Schelm im milderen fcherzh. Sinne; die
Schäkerei, das Schäkern; ein munterer Scherz; ſchäkerhaft, Bw., zum
ns geneigt, einer Schäkerei Ahnlich, feherzhaftz die Schäkerhaf-
tigkeit.
ſchal, Bw., Comp. ſchaler, Sup. ſchalſt, (miederd. auch ſchalig; ſchwed.
skaell; wahrſch. die Wurzel von ſchallen, alſo urfpr. ſchallend, hohl), kraft—
(08 u. dadurch unfhmadhaft, zunächft von geiftigen Getränken (Wein, Bier),
uneig. überh. f. kraft- u. geiftlos, finnv. matt, fade (ein fchaler Kopf; ein
fchaler Ausdruck, Witz etc.); die Schalheit, das Schalſein, die Geiſtloſig—
keit, Hohlheit.
Schalaſter, m., -8, M. w. €. (auch Scholafter, Schulafter; verderbt
aus dem altd. agalastra, oberd. Aglafter), Landich. gem. f. die Elfter (ſ. d.).
Schälbe, w., M. -n, landſch. f. eine Kuh, die noch nicht gefalbet hat,
Färfe, Kalbe.
Schale, w., M. -n, Verkl. das Schälchen, (alth. scala, mittelh. schal,
m., u. schale, w.; oberd. Schalen, u. Schel, Schelen, Schellen; nicderd.
Schelle; isländ. skal, angelf. sceala, scyll; engl. shale, shell, Schale, Hülfe,
u. scale, ital. scaglia, Schuppe; franz. écale, écaille; — wahrſch. von einem
alten ablaut. Zw. scilan od. scelan, scal 2c. f. trennen, fpalten, vgl. ſchellen,
zerfchellen , "Scholle; alfo urſpr. das Abgetrennte od. zu Trennende, Abzulö-
fende; vgl. das angelf. scylan, isländ. skilia, trennen, unterfcheiden; niederd.
ſchelen, getrennt, unterfchieden od. uneinig fein), 1) die Außere Bedeckung
od. Bekleidung, der Überzug, zunächft von Früchten u. Gewächfen, u. zwar
ſowohl eine weiche u. biegfame Bedeckung, finnv. Haut, Balg, Hülſe (3.
B. Äpfel- Birnen-, Kartoffelſchalen zc.), als beſ. eine ‚harte, holzige (Nufs>,
Mandelichale), entg. Kern; daher auch uneig. f. das Äußere, die Oberfläche,
entg. dem inneren Gehalt; in weiterer befonderer Anwendung: die weichere
Rinde der Pflanzen u. Bäume; die Ealkartige Bekleidung der Eier, Schneden,
Mufcheln, Krebfe 2.5 die hornartige Bedeckung der Schildkröten; die
622 Schale
beinerne hohle Dede des Gehirns (Hienfchalez ſchwed. skalle, engl.
scull); die hornartige Bekleidung der Fuße mancher Thiere mit gefpaltenen
Klauen, z. B. der Hirfche, Schafe, Schweine, landſch. auch f. Huf (f. d.);
die Bekleidung des Heftes an einem Meffer, fei fie von Horn, Bein zc. ob.
Metall; die Dedel eines eingebundenen Buches; auch die Schalbleche -
(j. u.) auf den Wagenachſen; bei Metallgießern: der Mantel (f. d.) einer
Gießform; Schiff. die Wangen der Maften, auch die Seitenftüce eines zu-
fammengefegten Maftes; überh. eine Bretterbekleivung oder -Einfaffung
Cogl. u. Schalbrettz gorh. skalja, Ziegel); 2) ein abgetrenntes od. ge:
Tpaltenes flaches Stud, und überh. ein flacher dünner Körper, finnv.
Scheibe; z. B. oberd. getrocknete Apfelfchnitte Olpfel-Schelelein); Bergw. ein
losgetrenntes flaches, dünnes Stück Erz (Erzfchald); Fleiſch. gewiffe Fleiſch—
ſtücke von der Rindskeule (Ober- u. Unterfchale); 3) von der hohlrunden °
Form der Nuſs-, Mufchelfchalen ꝛc.: ein vertieftes wundliches Gefäß, deffen
Höhlung eine Halbkugel od. auch einen flacheren Kugelabfchnitt darftellt (3. B.
Wagfchale; in diefer Bed. auch -niederd. Schale); bei. ein folches Gefäß
zu Speifen u. Getränken, ſinnv. Napf, Kumpf, Taffe (z. B. Obſt-, Zuder-,
Suppen-, Punfch-, Kaffees, Trinkſchale; eine Schale od. ein Schälchen Thee,
gew. Zaffe); auch das Getränk od. die flüffige Speife felbft in: Ealte Schate
od. Kaltfchale, ſ. d.; eine Art Fahrzeuge auf der Oder; — 3fes. v. Schal
u. Schalen: das Schalblech, ein eifernes Blech, womit die Achfen eines
Rüftwagens befchlagen werden; das Schalbrett, das äußerfte der aus einem
Baume od. runden Blode gefchnittenen Bretter, Schalftüd, Schaldiele
(niederd. Schal od. Schelldele); auch Bretter zur Bekleidung eines mit Schie-
fern 0d. Schindeln zu dedienden Daches; der Schalfifch, mit einer harten
Schale bedeckte Fiſche, Beinfiich; fchalenfürmig, Bw.; das Schalgebirge,
Bergw. eine Schicht in einem Flözgebirge; das Schalgewicht, ein Geiden-
gewicht in Genua; das Schalholz, f. v. w. Schalbrettz bef. Holz zur Be-
Kleidung eines Deiches, u. eines Schachtes; Bauk. ein mit Stroh umwideltes
Holz, welches quer zwijchen zwei Balken eingefchoben wird; Forftw. f. ge:
Ichältes, der Rinde beraubtes Holz; das Schalenmehl, Müll. das in den
zermalmten Getreidehülfen od. der Kleie noch fißende Mehl, welches noch)
herausgebeutelt wird; die Schalmufchel, eine einfchalige Mufchel mit napf-
ähnlichem Gehäufe, Schüffelmufchel; das Schalobft, Obſt in Schalen; das
Schalohr, ein zu weites fchalenförmiges Pferdeohr, u. ein Pferd mit folchen
Ohren; der Schalenfchneider od. ſchröter, der Arbeiter, weicher die Schalen
zu den Mefferheften fchneidet;z das Schalthier, ein mit einer harten Schale
bekleidetes Thier (4. B. die Schildkröte); in engerer Bed. nur die Schneden u.
Muscheln (fr. Konchylien)z; daher die Schalthierfunde od. -lehre (fr. Kon-
. Gytiologie); die Schalwage, Wage mit Schalen, z. U. v. Schnell, Waffer-
wage 20.5 das Schalwerf, ein ald Bekleidung dienendes Werk, bef. eine waffer-
dichte Pfahl» od. Bretterwand; — Ableit. fehalig, Bw., eine Schale od.
Schalen habend, bef. in Zſetz. wie di, dünnfchalig (gem. -fchälig), einz,
zweifchalig (v. Schalthieven); fchalen, ziel. Zw., mit Schalen verfehen
(Meffer); mit Brettern od. Bohlen bekleiden (das Ufer eines Deiches; Bau.
ein Ständerwerk od. eine Balkenlage; auch befcdyalen, überfchalen); das
Mw. gefchalt als Bw.: Zäg. ein Hirſch ift hoch gefchalt, wenn er hohe
Schalen (f. d.) an den Läufen Hatz die Schalung, M. -en, die Bekleidung
— —
—— —
ſchälen — Schalt 623
mit einer Schale, bei. das gefeftete Ufer eines Deiches oder eines Fluffes
(auch Schälung; une. Schaltung); — ſchälen 1., ziel. Zw. (altd. scelian,
scheln; oberd. ſchelen, ſchellen; niederd. fchellen; ſchwed. skala, engl. scale),
der Schale od. Ninde berauben, entkleiden, bef. fofern es durch Abzichen
0d. Abfchneiden gefchieht (Äpfel, Birnen —; gefchältes Obſt; die Bäume fchä-
len, d. i. die Rinde abziehen; Nüffe—, die innere Haut von dem Kerne ab-
fondern; Eier ſchälen; iprichw. wie aus dem Ei geſchält, d. i. glänzend rein
und fauber); Yandfch. ein urbar zu machendes Stüd Land—, d. i. die Ra-
ſendecke mit ver Schälhade od. dem Schälpfluge abnehmen; rüdz. fih—,
in Geftalt einer Schale fich «blöfen od. abfpringen (die Haut ſchält fich 2c.) 5
3feg. v. fchälen: die Schälblafe od. blatter, Higblatter auf der Hautz der
Schälgang, der Gang in einee Mühle, worin das zu Graupen beftimmte
Getreide enthülfet wird, Graupengang; der Schälzahn, ein ſchadhafter Zahn,
welcher ſich abſchält, bef. bei Pferden, auch: Blätter, Schieferzahn; Ableit.
v. ſchälen: fehälbar, Bw., was fich fchälen Läfftz der Schäler, -8, wer
ſchält; was fich fehält: bei Kammmachern die Hornftüce, welche entftehen,
wenn die Schrote beim Auffchneiden fich von felbft in zwei Stücke theilen; die
Schälung, das Schälen.
ſchälen 2. ziellof. u. ziel. 3w. (— altd. [hellen f. fchallen, und fehallen
machen, anfchlagen, erfchüttern) niederd. f. anfchlagen, non den Wellen, ſpü—
len (der Strom ſchälet den Deich weg; ein Glas ausfchälen f. ausfpülen);
plaudern, ſchwatzen (auch ſchölen; vgl. waschen); fehwanfen, fich rütteln;
nachläffig od. fchlotterig (Sch älig) gekleidet gehen.
Schalenmehl ꝛc., Schalfifch, -gebirge, - gewicht, f. unter Schale;
Schäler, Schälgang, -hacke, f. ſchälen 1. unter Schale; — Schalheit,
1. Schal.
Schälhengft, m. (altd. scelo, schel), Zuchthengft, Beſchäler (. d.).
Schalholz, ſchalig, ſ. unter Schale.
Schalk 1., m., -e8, M. Schälke; weibl. (felten) die Schälfinn, M.
-en, (goth. skalks, Knecht, wahrich. v. dem Zw. skal, altd. scal, ich Toll,
muſs; altd. scalc, scalk; schalc, schalch; schelchin, Magd; isländ. skalkr,
ſchwed. skalh, angelf. scealc; mitt. lat. scalcus; vgl. das ital. scalco, Haus-
0d. Küchenmeifter), 1) urjpr. ein Knecht, Diener (fo noch in: Gottſchalk,
Marſchalk, entftellt: Marſchall, ſ. d.); daher noch uneig. niederd. f. Stüße,
Träger, Tragbalten; ſchwäb. f. Dreifuß, Pfannenknecht, Feuerhund (wat.
Knecht); jeit dem Mittelh.: ein roher, gemeiner, hinterliftiger, boshafter,
ſchadenfroher Menſch, argliftiger Betrüger, finnv. Bube, Schurke (altes
Sprichw.: je größer Schalf, je größer Glück); jest gew. in milderem Sinne:
ein fchlauer, Liftiger, durchtriebener Menfch, bef. wer im Scherz bei an-
fcheinender Unschuld Andere täufcht, ihnen muthwillige Streiche fpielt, finnv.
Schelm (gew. Schalk für beide Gefchl.; z. B. er od. fie ift ein Schalk; den
Schalt im Naden, oder hinter den Ohren haben, d. i. gegen allen äußeren
Schein ein Schalt fein); uneig. was durch fein Außeres täufcht, z. B. eine
weiße Kalkerde, welche von Unkundigen leicht für Salpetererde gehalten wird;
landſch. Kohtftöce von gutem Wuchs, aber ohne Herz (SchalktohN; 2) oberd.
fe Verftellung, Schein (etwas auf den Schalt thun); ſchalk, Bw., alt und
niederd. f. argliftig, ränkevollz ſchalkhaft, ſchelmiſch; — 3ſetz. das
Schalksauge, ein argliſtiges, ob. ſchalkhaftes Auge; wer folche Augen hat;
624 Schalt — Schall !
fhalfsaugig, Bw.; der Schalfsdedel, ſcherzh. f. Hut od. Müse, als Kopf—
bededung des Schalfs; der Schalfsfnecht, bibt. argliftiger Knecht, Menſch;
der Schalksnarr, wer ſich aus Lift als ein Narr ſtellt u. ald Narren gebrau-
chen Läfft; der Schalksrath, bibl. ein betrügerifcher, argliftiger Rath; der _
Schalksſinn; fchalfsfinnig, Bw.; — Abteit. fchalfen 1., ziellof. Zw.,
vlt. f. ein Schalk fein, betrügen, hintergehen; ſchalkhaft od. ſchalkiſch,
Bw., einem Schalke Ähnlich oder angemeffen, Schaltsfinn verrathend,
finnv. ſchelmiſch, muthwillig; die Schalkhaftigkeit, das Schalkhaftfein;
die Schalfheit (altd. schalkeit), 1) o. M. der Zuftand, die Eigenfchaft
des Schalkes, finnv. Argliſt, Schlauheit, Leichtfertigkeit; 2) M. -en,
die Handlung eines Schalts, ein Schalfsftreich (in allen Schalfheiten er—
fahren 2c.): fchalflih, Bw., vlt. f. Enechtifch, argliftig, ſchadenfroh,
ſchalkhaft. —
Schalk 2., m., —es (vgl. das niederd. Schele, ſchelen), vlt. f. Zank,
Streit; ſchalken 2., Zw. f. zanken, ſtreiten.
Schalk 3., m., -e8, M. Schälke; Verkl. dag Schälklein, gem. das
Schalkel, (wahrſch. entft. aus Schal-ic von Schale f. Hülle, Bedeckung),
oberd. f. Kamifol, Fade, Wamms, Leibchen ohne Armel.
fchalfen 3. od. ſchälken, ziel. Zw. (das verft. ſchälen; oder entft. aus
ichalten f. fpalten?), niederd. einen Baum—, die Rinde abhauen u. ihn
flach behauenz oberd. in Scheite hauen; fih—, in Scheite zerfpringen;
Schiffb. Nägel einfchlagen, nageln (zuſchalkem.
ſchalkhaft, ſchalkiſch, Schalfheit, Schalksauge zc. |. Schalt 1.
Schall, m., -s, M. Schälle (attd. scal, schal, ©. schalles; ſchwed.
skall), jede durch die Ohren wahrgenommene Luftfchwingung, der allge-
meinfte Ausdruck für alles Hörbare, vgl. Hall G. B. der Schall der menſch—
lichen Rede), bef. wenn das Gehör dadurch ftark erregt wird (der Schall der
Trommeln, Trompeten 2c.); in beftimmterer Bed. ein dumpfer, nicht metal-
lifcher, unbeftimmter und unbedeutfamer Schall, verfdh. Kiang, Ton,
Laut (ein leerer Schall 2c.); chem. be. f. Lärm, Geräufch; lauter Subel;
Zank; — fchallen, ziellof. Zw. m. haben (altd. scellan, schellen; Präf. scillu,
schille; Prät. scal, schal, M. schullen; Mw. scollan, geschollen; urfpr.
wahrſch. ſich fpalten, berften, zerfpringen (vgl. das isländ. skella, f. quati;
ſ. auch Schale u. fchellen), dann erfchallen 2e.; daneben fchon mittelh. schallen, -
schallete f. Lärm machen, laut fein; angelf. scellan, fchwed. skalla), ablaut.
u. gew. fchwach umend. du fchaltft, er ſchallt (noch im älteren Oberd. fehillt);
Smpf. ſcholl u. fhallte, Conj. ſchölle u. ſchallete; Mw. gefchollen und ges
ſchallt; einen Schall, bef. einen lauten, von fich geben, laut werden, finnv.
erfchalfen, ertönen (die Pofaune wird fchallen; ein jchallendes Gelächter 2c.);
unp. e8 ſchallt, z. B. in diefem Saale zc., d. i. man vernimmt einen
dumpfen Nachhall oder Wiederfchall; Jäg. f. einen Laut hervorbringen
(ein Thier ſchallet); altd. f. lärmen; fingen, Mufit machen; oberd. f. aus—
plaudern; — 3fe$. v. Schall u. ſchallen: der Schallboden, der den Schall
verftärkt zurücgebende Boden eines Tonwerkzeuges, Rlangboden; die Schall-
ente, ſ. v. w. Quakente; Löffelente;s das Schallhorn, chem. f. Pofaunez
Schalmeie; Jäg. f. das Schallſtück, d. i. das weite Vorderftüd an Hörnern,
Trompeten 2c., aus welchem der Schall kommt; das Schallloch, ein Loch,
durch welches ein Schalt feinen Ausgang hat, z. B. in Glockenthürmen, in dem
Schalm — fhaltn 63
Schallboden von Zonwerkzeugen; das Schallrohr, Sprachrohr; röhrenför-
miges Tonwerkzeug; das Schallwort, ein Wort, welches einen Schalt nach—
ahmt (3. B. braufen, lispeln zc.).
Schalm, m., -e8, M. -e (von scilan, scelan, trennen, ſpalten; vgl.
Scale), landſch. ein abgefonderter Theil bef. eines Waldes od. einer Weide;
Schiff. ein Glied einer Kette; aud Hölzer od. Keiften, welche das Ein-
dringen des Waffers abzuhalten dienen (Schalmen); fchalmen, ziel. Zw.,
landfch. einen Baum —, die Schale od. Ninde theilweife abbauen, um
ihn zu zeichnen (ab-, anfchalmen); Forſtw. überh. f. zeichnen und da-
durch abtheilen; Schiff. mit Schalmen (f. 0.) verfehen.
Schalmei od. Schalmeie, w., M. -en (altd. scalmida, schalmie, w.,
u. schalemin, f.; ſchwed. skalmeja, engl. shalm; vom franz. chalumeau, u.
dieſes v. lat. calamus, Halm, Rohr), die Mohrpfeife der Hirten, Schäfer—
pfeife; ein hölzernes Blaſe-Inſtrument mit Löchern u. Klappen (ähnlich
dem Hautbois); auch die Pfeife an einem Dudelſack; der Schalmeibläfer
od. pfeiferz dev Schalmeienflang: das Schalmeienrohr, das zahme od.
fpanifche Rohr; fchalmeien, Zw., felten f..die Schalmei blafen.
fchalmeufeln (vielleicht aus fchelm = äugeln entft.) od. ſcharmünkeln, ziellof.
Zw. fchwäb. f. fehalkhaft blicken, fehielen, liebaugeln.
Schalmufchel, »obft, -ohr, f. unter Schale.
Schalotte, w., M. -n, (franz. échalotte, engl. shalot, scallion, ital.
sealogno; lat. cepa ascalonia, von der Stadt Askalon in Paläftina benannt,
woher fie nach Europa gekommen), eine Art Lauch mit Eleinen vöthlichen
Zwiebeln, Aſch- od. Eſchlauch; die Schalottenblume, gemeine Küchen-
helle; das Sthalottengras, Lauch- od. Zwiebelgras.
ſchalten, ziel. u. gew. ziellof. Zw. m. haben (altd. scaltan, schalten, ab-
laut. schielt, geschalten; jest bloß umend. fchaltete, geichaltet) 1) uripr.
fpalten, fcheiden, durchfchneiden (v. dem alten scelan, scal ze. f. Schale,
fchallen , jchellen), daher noch oberd. Holz — (vgl. ſchalken); dev Pflug mufs
die Erde aus einander Schalten; das Schiff fchaltet (f. ducchfchneidet) den Strom;
daher auch: einschalten, d. i. zwifchen die getrennten Theile eines Dinges
einfügen (ſ. u. Schaltjahr, =tag 2c.); ehem. Semand von fich od. von einer
Sache —, trennen, entfernen, ausſchließen; ziellos: davon ſchalten f. fort
gehen; 2) ehem. ein Schiff —, mit der Schalte (j. u.) od. Schaltftange
fortſtoßen, fchieben, lenken, fteuern; daher 3) jest: mit einer Perfon
od. Sache —, darüber gebieten, herrfchen, fie verwalten, damit nach Gut-
dünfen umgehen, darüber nach Willkür verfügen, fei es zu ihrer Erhal-,
tung u. Verbefferung, od. zu ihrem Nachtheile, verfch. walten (mit einem
nach Belieben Schalten; einen fchalten und walten laffen); die Schalte, M.
-n, oberd. 1) ein flaches, dünnes Holzfcheit, als Werkholz der Bötticher 2c. ;
2) eine Stange zum Fortſtoßen u. Lenken des Fahrzeuges, zum Meffen der
Waffertiefe zc., auh Schaltbaum, Schaltftange (altd. scalta, schalte,
schaltstange); der od. das Schältich (gem. Scheich, Scheich), oberd. f.
Kahn, Nachen, Flufsfahrzeug; der Schalter, -8, wer ſchaltet, der Len-
fer, Landich. f. Steuermann; 2) (auch Schälter, Schältel, Schältchen;
eig. wohl Spalte, Öffnung), oberd. f. Schieber, Thürchen vor einer Wand-
Öffnung; Schublade; Riegel; — Z3ſetz. v. fchalten: der Schaltbuchftabe,
ein zwifchen die Beftandtheile eines Wortes eingefchalterer Buchſtabe (3. B.
Heyſes Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 40
626 Schalthier — Scham
das t in Öffentlich, wefentlich; das s in Geburtstag ꝛc.); der Schaltfürft,
-fünig, -pfarrer u. dgl., oberd. f. ftellvertretender Fürft ec. (fr. Vice-König 2e.);
das Schaltjahr, 1) ein in eine Reihe mehrer Jahre eingefchaltetes Jahr;
2) gew. ein Jahr, in welchem ein Schalttag Hinzugefügt ift, To dafs der
Februar 29 ftatt 28, und das ganze Jahr 366 Tage hatz der Schaltmonat,
ein Monat, welcher in einem Mondenjahre zu den gewöhnlichen 12 Monaten
noch hinzugefügt wird; der Schaltfaß, ein in einen andern eingefchobener
Satz (fr. Parenthefe).
Schalthier, Schalung, Schalwage, -weide, = werk, |. unter Schale.
Schaluppe, Landfch. auch Schlupe, w., M. -n, Genes zunächſt vom
franz. chaloupe, engl. shallop; aber urfpr. deutſch: niederd. Slup, ©lupe,
bull. sloep, vom niederd. ſlupen —ſchlüpfen), «ein leichtes, ſchmal gebautes,
fehnell gehendes Nuderfahrzeug zum Dienft bei größeren Schiffen.
Scham, w., 0. M. (altd. scama, schame, scham u. schem; ſchwed. und
din. skam, angel. scame, sceame, engl. shame; wahrſch. von einem alten
ablaut. 3w. sciman, schemen, scham ze. f. entblößen, fichtbar werden, erfchei-
nen, vgl. das altd. scimo, schim, scheme f. Schein, Schemen; auch Tchim-
mern, u. die oberd. die Scham-Lem, Scham-Wunde f. entftellende Läh—
mung, Wunde; alfo uripr. Blöße, dann das Gefühl oder Bewufltjein der
Blöße), die nur, dem Menfchen eigene Empfindung der Scheu, feine Blöße
od. Unvollkommenheit Anderen fichtbar werden zu laffen, überh. die
Scheu vor allem Unanftändigen, Ungeziemenden, zur Unehre Gerei-
chenden (Scham fühlen, empfinden; vor Scham erröthenz eine falſche Scham,
3. B. bei unverfchuldeter Armuth); auch die Fähigkeit od. Geneigtheit, diefe
Scheu zu empfinden, ſinnv. Schambhaftigkeit, Züchtigkeit (weder Scham,
noch Scheu habend); chem. auch das, worüber man Scham empfindet,
ſinnv. Schande, Schimpf; jest insbef. f. die Geſchlechts- od. Zeugungs-
theile beider Gefchlechter, auch Schamglieder od. =theile (die männliche Scham,
gew. das männliche Glied; bef. die weibliche Scham); Anat. def. der Theil
des Unterleibes unmittelbar über den Gefchlechtstheiten; — ſchämen, rückz.
Zw. (goth. sik skaman, altd. sih scamen, schamen u. schemen; angelj. scea-
man, engl. shame), fih—, Scham empfinden, finnv. fich ſcheuen, er-
röthen (fich vor Jemand, über etwas—; ich ſchäme mich, es zu thun, zu fagen 20.5
auch mit dem Gen. der Sache: fich deffen—, 3. B. fchäme dich deiner Armuth
nicht); in weiterer Bed. etwas für fchimpflich, mir zur Schande gereichend,
meiner unwürdig halten (ich ſchäme mich meiner Arbeit nicht; ich mufs mid,
deiner ſchämen 2c.); — 3fes. von Scham: das Schamband, Anat. die Fort-
fegung der gegen das Mitrelfleifch fich verlierenden Hervorragung der Scham:
lefzen; das Schambein, Anat. der Heine Theil des Hüftbeins, welcher die
. Scham (im anatom. Sinne, f. 0.) bildet; die Schamdrüfe, Anat. Eleine Drü-
fen in den weibl. Gefchlechtstheilen; fehamerregend, Bw.; das Schamer-
röthen; das Schameuter, Euter der Säugethiere, wenn fie ſich in der Lei—
ftengegend befinden; das Schamgefühl; die Schamgegend, Gegend ber
Sefchlechtstgeite; der Schamhügel, Anat. der unterfte Theil der Schamge—
gend (lat. mons Veneris); das Schamkraut, landſch. f. ſtinkende Melde,
Hundsmelde; die Schamlefze od. -lippe, die Lefzen (1. d.) an der weiblichen
Scham; die Schamleifte, der Theil zwifchen dem Zeugungsgliede und dem
After, Damm, Mittelfleiſch; ſchamlos, Bw., des Schamgefühts völig er:
Schämel — Schande 627
mangelnd,, finnv. unverfchämt, frech (ein fchamlofer Menfch); mangelndes
‚Schamgefühl verrathend (ſchamloſe Worte, Geberden ꝛc.); daher die Scham-
lofigfeit, das Schamlosfein; auch eine fchamlofe Handlung od. Äußerung;
die Schampflange, f. v. w. Sinnpflanze; die Schamriße, Anat. die Rise
der weiblichen Scham; ſchamroth, Bw., vor Scham erröthend (ſchamroth
werden, einen ſchamroth machen, z. B. durch ein ertheiltes Lob); die Scham-
röthe, die von dem Gefühl der Scham herrührende augenblicliche Röthe im
Geſicht; die Schamfeite, die Gegend des Unterleibes zu beiden Geiten der
Scham, die Leiften, auch) dee Schambug; die Schamtheile, ſ. o.; das
Schamzünglein, die weibliche Ruthe (f. d.); — Ableit. fhambar, Bw.,
(gem. auch ſchampar, fchamper) oberd. 1) f. verfchämt, ſchamhaft; 2)
Scham erwedend, unzüchtig (in diefer Bed. fließt es mit ſchandbar, oberd.
fchampar, zufammen; fchampare Reden ze. ; daher: das Schamperlied, gem.
oberd. f. ein unfittliches, fchamtofes, freches Lied); ſchamhaft, Bw. (un-
nöthig verlängert: Schamhaftig), lebhaftes Schamgefühl habend, jeder
UnfittlichEeit widerfirebend, finnv. züchtig, keuſch; die Schamhaftigkeit,
das Schamhaftfein, die Züchtigkeit; fchämig, Bw. (altd. schemec; oberd.
auch geſchämig, niederd. fchämerig), Landich. f. verſchämt; fehamhaft;
ſchämlich, Bw. (altd. schamelich u. schemelich; niederd. ſchamlig), alt u.
Landfch. 1) f. verfchämt, fhamhaft; 2) was Scham erwedt, Schande
bringend, fchimpflich, ſchmachvoll; altoberd. auch f. fchadhaft, krank, ver-
früppelt (eine fchemtiche Kuh 2e.).
Schämel od. Schemel, m., -8, M. w. E., Verkl. das Schämelchen
(altd. scamal, schamel, u. scamilo, schemele; oberd. auch Schamel, landſch.
gem. Schemmel; angelſ. scamol, scamul; vom lat. scamnum, scabellum),
ein: Bänkchen od. Kleines niedriges Geftell ohne Lehne, die Füße darauf zu
ftelen (Fußfhämen, oder auch darauf zu fisen; in weiterer Anwendung
ein dem Ahnliches Gerüſt od. Geftell, worauf etwas vuhet, z. B. in Säge—
mühlen das Geftell, auf welchem der Sägeblod Liegt (ReitfhämeN; beweg-
liche Zritte am Webeftuhle; Bergw. das Holz an einem Pferdegöpel, auf wel
chem der Treibefnecht ſitzt; Krfpr. der an einen Mörfer angegoffene Fuß;
auch ein fchmaler Gang an der inneren Seite der Bruftwehr eines Walles;
vergl. auch Lenkfchämel, Rungfhämel; oberd. f. ein Klumpen, Stüd
(3. 8. ein Eisfchämel); Zfes. das Schämelbein, Bein eines Schämels;
das Schämeleifen, an Webeftühlen die Eifen, in welchen ſich die Schämel
od. Tritte bewegen; der Schämelmörfer, mit einem angegoffenen Fuße ver:
fehener Mörfer, Fußmörſer.
ſchämen, Schameuter zc., fchamhaft — ſchamlos, f. unter Scham.
Schamper, m., -8, M. w. E., gem. verkl. das Schamper! (wahrſch.
v. dem altd. scemman, ſchwed. skämma, abfürzen, ftugen, fchwed. skam, kurz;
vgl. daß ital. scemare, verringern, scampolo, ein abgefchnittenes Stück, Reft),
öftreich. f. ein Eurzes DOberkleid mit Armeln, Wamms.
Schamperlied, ſ. Shambar unter Scham; Schampflanze, ſchamroth ıc.
— Schamzünglein, f. unter Scham.
Schande 1., w., M.-n, jedoch nur nad) zu u. mit gebr., (goth. skanda,
altd. scanta, scanda, schande; angel. sceonde; von dem ablaut. Sw. scindan,
‚schinden, Prät. schant zc., ſchin den, die Haut aufreißen, abziehen), urſpr.
körperliche Verlegung, Befhädigung, Verunftaltung Gaher noch gem.:
40*
628 Schande
etwas zu Schanden machen, d. i. verunſtalten, verderben; ſich zu Schanden
arbeiten‘, einen zu Schanden prügeln, ein Pferd zu Schanden reiten; ſchon
altd. ze scanton, ze schanden, ‚als Mehrh.); gew. fittliche Verlegung oder
Befhädigung, Ehrenkränkung, hoher Grad von Unehre, finnv. Schmad),
Schimpf (Schande von etwas haben; es bringt od. macht ihm Schande, ge-
reicht ihm zur Schande; mit Schande od. mit Schanden beftehen; zu Schan-
den werden, d. i. in Schande gerathen, fi) Schande zuziehen; einen zu
Schanden machen, d.i. ihn einer Handlung 2c. überführen, die ihm Schande
macht, ihn in hohem Grade befchämen; oft in Verbindung mit Schimpf u.
mit Spott: mit Schimpf und Schande; Schande und Spott dulden zc.):
was Unehre bringt, fihändliche That, Schandthat (z. B. es ift eine
Schande! ſprichw. der Horcher an der Wand hört feine eigne Schand'; vgl.
auch Blutfchande); auch die Scheu vor Unehre, jinnv. Scham (weder
Scham, noch Schande haben); ehem. auch f. Scham, Schamtheile, Blöße;
— 3fes. der Schandbalg, niedr. f. ein in Schande erzeugtes Kind (vgl.
Balg); auch Schimpfw. f. eine lafterhafte weibliche Perfon; der Schand-
bube, gem. f. ſchändlicher, Lafterhafter Menfch ; die Schandbühne, der Pran-
ger, ſ. d.; der Schanddedel, gem. was die Schande od. Blöße bedeckt;
niedr. f. der Hut; der Schandfled, eig. ein verunftaltender Schmusfled;
gew. in fittlichem Verſtande f. eine Eigenfchaft, Handlung, Sache od. Perfon,
die einem Schande macht (z. B. das ift ein Schandfledt in feinem Gemüthe,
in feinem Leben ꝛc.; er ift ein Schandflec feiner Familie); das Schandgebot,
gem. f. ein unverhältnifsmäßig niedriges Gebot; das Schandgedicht, = ge-
mälde, die Schandgefchichte, ein Gedicht, Gemälde zc., welches zu Je—
mands Schande gemacht ift, od. ſchändliche, abfcheuliche Gegenftände enthält;
das Schandgeld, durch ſchändliche Mittel erworbenes Geld; gem. auch unver:
pältnifsmäßig geringes Geld; die Schandglode, landſch. die Glocke, welche bei
der Randesverweifung eines Verbrechers geläutet wird; der Schandfauf, gem.
ein Kauf für unverhältnifsmäßig niedrigen Preis; das Schandleben, höchſt
laſterhaftes Leben; das Schandlied, ein Lied, das Jemands Schande verkün-
det, od. fchändliche Dinge enthält; das Schandmaal, ein zu öffentlicher Be-
ſchimpfung gemachtes Maal, 3. B. ein Brandmaal; das Schandmaul, gem.f-
ein fchändliches, fchimpfendes, Läfterndes Maul (ein Schandmaul haben); auch
eine forche Perfon; der Schandpfahl, od. die Schandfäule, f. v. w. Pran-
ger; des Schandfad, niedr. eine höchſt unzüchtige weibl. Perfon; die
Schandfchrift, eine fchändliche, ihrem Verfaſſer Schande machende Schrift;
auch eine Schrift, welche Andere beſchimpft, Schmähfchrift: der Schand-
ftein, ehem. Steine, welche gewiffe Verbrecher zur öffentlichen Schande eine
Strecke weit tragen mufften, afterfteine; auch f. Pranger; die Schandthat,
- eine ſchändliche That, ein abfcheuliches Verbrechen; das Schandwort, ein
häfstiches, den Sprechenden fchändendes Wort; ein befchimpfendes, ehrenrüh—
riges Wort (fr. Injurie)j; — Ableit. fchandbar, Bw. (gem. oberd. ſcham—
parz vgl. fchambar unter Scham), Schande bringend, zur Schande gerei-
hend; ſchändlich, lafterhaft; die Schandbarkeit, das Schandbarfein:
jchändlich, Bw., (altd. schantlich, schandelich), eig. al8 Schande erfchei-
nend, die Art u. Geftalt der Schande habend; daher gem. f. Außerlich ver-
unftaltet, häſslich (ſchändlich ausfehen; ein fchändliches Geficht u. dgl.);
gew, in fittl. Verftande: Schande an fich tragend, mit Schande verbun-
ö
Schande — Schanze 629
den, Schande bringend, finnv. fhimpflich, abfcheulich, Lafterhaft (ein ſchänd—
licher Menſch; ein fchändliches Betragen; fchändlich handeln, Leben 2c.); insbef.
höchſt unanftändig, unehrbar, unzüchtig Ahändliche Reden führen 2c.); die
Schändlichkeit, das Schändlichfein; eine fhändliche Handlung od. Auße-
rung (M. Schändlichkeiten); — ſchänden, ziel. Zw. (altd. scautian, scendan,
schenden, Prät. schante), überh. einer Perfon od. Sache Schande anthun
od. zufügen; daher insbef. Eörperlich verlegen, befchädigen, verunftalten, -
verftiimmeln, entftellen (z. B. oberd. einen Baum ſchänden; der Verluft
der Nafe fchändet das Geficht); fittlic) verlegen, od. befehädigen, der Ehre
berauben, entehren (bef. eine weibliche Perfon —, fie der jungfräulichen Ehre
berauben, ſchwächen; daher: ein gefchänderes Mädchen; eine Gefchändete;
Knaben—, d. i. zuc Befriedigung der Wolluft mifsbrauchen); entweihen, ent=
heiligen (den Sabbath, die Gefepe); befchimpfen, fhmähen, Schande brin-
gen (Semands guten Namen—; bibl. wenn mich mein Feind fchändete; der
Gottloſe ſchändet fich felbft 2e.); oberd. auch in milderem Sinne f. fhelten (der
Vater hat mich gefchändet, ausgefchändet 2c.; in diefen Bed. gem. auch ſchan—
diren od. Shändiren), u. fcherzh. f. nennen, betiteln (z. B. er läſſt ſich
einen gnädigen Herrn ſchänden, vgl. fchelten); der Schänder, -8, wer ſchän—
det, bef. wer eine weibl. Perfon entehrt, u. in Zfeg. wie Ehren-, Sabbaths>,
Knabenfhänder; bibl. f. Verleumder; die Schändung, das Schänden,
bef. die Entehrung od. Schwächung einer weibl. Perfon.
Schande 2. w., M. -n, (wahrſch. von gleicher Abkunft mit Schande 1.,
näml. von ſchinden, ſ. d. u. vgl. Schinde, Schindel, u. das altd. u. ſchwed.
skinn, -engl. skin, dän. skind, f. Haut), Landich. f. Bedeckung, Bekleidung,
Band, in verfchiedenen befonderen Anwendungen: in den Salzwerken zu Halle
ein rundes Stück Haartuch od. Filz, welches die Arbeiter vor die Bruft legen ;
niederd. ein Lappen, welchen die Schneider um den Griff des heißen Bügel-
eifens wiceln; auch ein ausgejchnittenes Holz, welches um den Nacken gelegt
wird, um Eimer u. dgl. daran zu tragen (auch) Schanne); fehle). das Trag—
band, welches man über die Schultern hängt, um etwas daran zu tragen; auch
ein an der Senfe befeftigtes Band, um das Tragen derfelben zu erleichtern;
der Schanddedel od. das Schanddeck, Schiffb. die den Schiffsbord be-
dedtende u. das Eindringen des See: u. Regenwaflers verhindernde Planke; —
Schande 3. w., oberd. f. —A— Kothſchlund (gew. Schundgrube,
fr. Cloake).
Schank 1., m., -e8, o. 2. (von ſchenken, ſ. d.), oberd. das Ausfchen-
£en von Getränken, u. der Ort, wo es gefchieht oder die Schenke (ein
Wein-;, Bierfchant 2e.); in weiterer Bed. der Verkauf gewiffer Wanren im
Kleinen (4. B. Salzichant).
Schank 2. m., -8, M. Schänke, oberd. f. Schrank (vieleicht urfpr.
zu Getränken u. Trinkgeſchirren; vgl. Schenke).
Schanze l. w., M. -n, (oberd. Schanz; ſchwed. skaus, engl. sconce, holl.
schans, poln. szanc; etwa vom ital. scansare, ausweichen, abwehren, vetten?),
ein erhöhetes Befeſtigungswerk zu Schutz und Sicherheit (Feldſchanze; Erd—
ſchanze, d. i. von Erde aufgeworfene Schanze; Schanzen graben); landſch.
überh. f. Wall; auch f. Reisbündel, Schanzkorb u. überh. geflochtener
Weidenkorb; Schiff. das auf dem oberen Deck befindliche Stockwerk, welches
ſich vom Spiegel bis zum großen Maſt erſtreckt, u. wo leichte Kanonen ſtehen;
630 Schanze — Schapf
oberd. auch f. Stellbrett, Geftell (ital. scancia, scansia); Magenftange
zu beiden Geiten eines Laftwagens zum Fefthalten der Laften (daher der’
Schanzmwagen, oberd. f. Laftwagen der Fuhrleute, Brauer 2c.); ſchanzen 1.
ziellof. Zw., Schanzen machen, Erdwälle aufwerfen; uneig. überh. ſchwere
Arbeit verrichten; der Schanzer, -$, wer fhanzt, Schanzgräber, Schanz-
arbeiter; — 3fes. von Schanze und fehanzen: die Schanzarbeit; das
Schanzgeräth od. Schanzzeug, alles zum Schanzen nöthige Geräth; der
Schanzkäſe, fränt. fchlechter Käfe, der in Körben (Schanzen, f. o) zum
Berkauf gebracht wird; das Schanzkleid, Schiff. ein leinenes Tuch, welches
die Äußere Seite der Regelingsftügen 2c. bekleidet; der Schanzkorb, ein Hoher
u. mit Erde gefüllter, geflochtener Korb, die Soldaten und Arbeiter im Kriege
gegen das grobe Geſchütz des Feindes zu decken; niederd. ähnliche Körbe, wo—
mit man einen Deichbruch ausfüllt; der Schanzläufer, Schiff. ein kurzer,
weiter, vorn offener, mantelähnlicher Oberroct (niederd. Schangloper); auch
eine Art Leichter Frauenkleider, einem Ärmelmantel od. Überrod ähnlich; der
Schanzpfahl, ftarke Pfähle zu Verfehanzungen (fr. Paliffade); das Schanz-
werf, mit Schanzen verfehenes Feftungswerk.
Schanze 2. w., M. ungebr. (mittelyd. schanze, oberd. die Schang, nie-
derd. Kans, Kanße; franz. chance, chem. cheance, v. cheoir, fallen; engl.
chance; ital. cadenza, mittl. lat. cadentia vom lat. cadere), vlt. eig. der Fall,
insbe. der Fall der Würfel, Würfelwurfz der Einfag beim Spiel; das
Mürfelfpiel, überh. jedes Gllüücksſpiel oder Wagfpiel u. deffen Ausfall;
uneig. jedes gewwagte Unternehmen, Wagnifs, u. deffen Ausfall, Gefahr
u. Glücks- od. Unglücksfall, Wechfelfaltz Zufall, Begegnifs, Abenteuer;
Bortheil, (daher die noch gebr. Redensart: etwas in die Schanze fchlagen,
d. i. aufs Spiel ſetzen, auf gut Glüd daran wagen; u. die vlt.: die Schanze
fchlagen, d. t. die Würfel od. das Loos werfen; feine Schanze bewahren, d. i.
ſich nicht ins Spiel fehen Yaffen, auf feiner Hut fein; die Schanze verfehen,
d. 1. das Spiel vernachläſſigen, uneig. fich hintergehen laſſen; auf feine Schanze
fehen, d. i. feinen Vortheil wahrnehmen; — daher auch das zgef. Mummen:
ſchanz, 1. d., oder Mummfchanz, d. i. eig. Würfelipiel Vermummter
(Mummſchanz fehlagen), dann -überh. Maskenfpiel, =tanz); fhanzen 2.
ziellof. Zw., wit. f. mit Würfeln fpielen, überh. Glücksſpiele fpielen (daher
chem. etwas erfchangen, d. i. im Spiele gewinnen; einem etwas abfchan-
zen, f. abgewinnen; — zufchanzen, f. d.).
Schapel, f. u. m., -8, M. w. E. (oberd. auch das Schappel; vom
franz. chapeau, chapelet), alt. u. oberd. ein Kranz od. eine mit Gold durch—
flochtene Haarbinde, bef. als jungfräulicher Kopfputz; aud) f. Roſenkranz
(Paternofter). \
Schapelfchnabel od. Schabbelfchnabel, m. (wahrfh. f. Säbelfchnabel;
vgl. Schabel), Yandfch. eine Art Waſſervögel, Patſchfüße mit fichelförmig
gekrümmtem Schnabel.
Schapen, m., -$, niederd. f. Pfanne, flacher Tiegel.
Schaper, Schapran, mi., -8, (altd. schaprün, schapperäu, franz.
chaperon), oberd. ein Theil der Mönchskleidung, welcher Bruft und Rüden
theilweife bedeckt. ⸗
Schapf od. Schapfen, m., od. Schapfe, w., (f. Schaff), oberd. ein
hölzernes Schöpfgefäß; — Schapp, ſ., nisderd. f. Schaff 9, Schrank.
— —
Schappelee — fiharben 631
Schappeler, Schappler, auch Scheppler, f., -$ (v. dem mittl. lat.
scapulare), oberd. f. das Schulterkleid (gew. Scapulier) der Eathol. Ordens:
geiftlichen.
Schar 1. w., M.-en, Abtheilung, Haufen ıc., |. Schaar.
“ Schar 2. w., M.-en, (altd. scar, scaro, schar, von scerau, scheren,
Prät. schar ze. fch.eren, ſchneiden; angel. scär, ſchwed. scära, Sichel; val.
Schere), ein Schneidewerkzeug, gew. nur das fehneidende Eifen am Pfluge:
die Pflugſchar (f. d.) Hakenſchar; landſch. ein die Erde gleich]. durchſchnei—
dendes Thier: der Maulwurf (auch Schär, Schärmaus); Bergw. der
Einſchnitt an einem Schacht od. Trageſtempel; landſch. auch das abgeſchnit—
tene od. noch zu ſchneidende Getreide, die Ernte eines Jahres; Zſetz.
die Scharkramme od.-krampe, Krampe am Pfluge, woran die Pflugſchar
befeftigt ift; der Schar-Niegel, ein Stücchen Eifen am Pfluge, welches in
den Bolzen geftect wird, um die Schar zu halten; das Scharfachs, oder
«fach (altd. scarasahs, schersahs; vgl. Sachs), alt u. oberd. f. Schermefler;
der Scharftod, auf Flufsichiffen: rund ausgefchnittene Hölzer, welche den
Maft unten umgeben; die Scharwage, Feftungsb. ein rechtwinkliges hölgernes
Werkzeug mit einem vieredigen Brett, worauf die Böſchungen abgetheilt find,
Böſchungsmeſſer (fr. Doffirbrett).
Schar 3. w., M. -en (wahrfch. = Schaar in der Bed. Reihe, Zuſam—
menfügung; vgl. ſchaaren; isländ. skara, Latten zufammenfügen), oberd.
der untere Nand od. Vorſchuſs eines Ziegeldaches, bef. fofern er aus an
einander gefügten, mit Schindeln benagelten Brettern befteht; die Dachtraufe;
Zſetz. der Scharboden (vielleicht f. Scharb-Boden, v. ſcharben |. d.),
obetd. ein aus Brettern zufammengefügter Behälter, in weldyem Rüben Klein
gefchroten werden, Schrotboden; das Schardach, ein Dach, welches ganz
mit Scharfehindeln, d. i. angenagelten Schindeln, gedeckt ift (z. U. dv. Leg:
ſchindel, Legdach) ; der Scharnagel, Nagel zu Schindeln; die Schar-Ninne,
f. Dachrinne; die Schartraufe, f. Dachtraufe; der Schargraben, -brun—
nen, oberd. Graben, Grube (Cifterne) zur Ableitung u. Aufnahme des von
dem Dache abfließenden Regenwaflers; — die Schare, M. -n, Zimmerl.
ein ſchräg an eine Verbindung gefchlagener Strebepfahl; der Schar:
bolzen, od. =bolten, der Bolzen zur Befeftigung der Schare.
charbe 1., w., M. -n (oberd. auch der Scharb, Scherb; altd. scarbo,
scarba u. scarvo, scarva; angelf. screb, norweg. skarv; neulat. carbo, franz.
cormoran), ein Waffervogel: der See- od. Wafferrabe, ſchwarze Pelikan;
auch f. Eisente, Quafente.
ſcharben od. fehärben, ziel. Zw. (altd. scarbon, zerfchneiden, vgl. Scherbe;
niederd. ſcharwen, holl. scherven, angelf. scearpan; franz. dcharper, zerfegen),
in Eleine blätterige od. rauhe Stückchen fchneiden (Kohl, Bohnen, Rüben 2c.);
oberd. auch: das Getreide u. andere Gewächfe befchneiden;z u. f. einfchnei-
den, Eerben (Floß- od. Bauholz); die Scharbe 2., M. -n, Bergw. ein Stab,
nur in dem zgeſ. KRorbfcharben, die fenkrechten Stäbe, aus welchen der
Korb am Göpel beftehtz ſchwäb. gedörrte Apfelfchnige; die Schärbe, (gem.
Schärb), oberd. der Einſchnitt od. die Kerbe in dem Floßbaum, in welche
der Querbaum eingepafft iftz das Scharbebrett, ein Brett, auf welchem
man etwas ſcharbet; das Scharbefraut, gefcharbtes Kraut; das Scharbe-
meſſer, ein Meſſer zum Scharen.
x
632 Scharbock — fcharf
Scharbock, m., -es, o. M. (ehem. auch Schorbock; niederd. Schärbuk,
holl. scheurbuik ; ſchwed. skörbing, engl. scurvy; neulat. scorbutus, franz.
scorbut; wahrſch. von Schorf (f. d.), engl. scurf; erſt in neuerer Zeit aus
den niederd. u. nord. Sprachen ins Hochd. Übergegangen, u. durch) irrige Um—
deutung auf bekannte Stämme entftellt), eine aus verdorbenen, fcharfen
Säften des Körpers entftehende Krankheit, die fich bef. durch falzige Aus—
ſchläge, Mundfäule, Wackeln u. Ausfallen der Zähne äußert, u. vorzüglich die
Serfahrenden befällt, auch Scorbut genannt; eine Art des Hahnenfußes,
das Feigtwarzenkraut, als Mittel gegen jene Krankheit; 3fes. ſcharbock—
Frank, Bw.; der Scharbodsklee, ſ. Fieberklee; das Scharbodskraut,
Heilkraut gegen den Scharbod; bef. das Löffelkraut.
Scharde, w., M. -n, landſch. eine Art Schollen mit Kleinen Stacheln
an den Finnen, niederd. Flünder. ?
Schare, w., f. unter Schar 3.; — fiharen, 3w., fcharenweife ꝛc. ſ.
Schaar ıc.
fcharf, Bw., Comp. ſchärfer, Sup. ſchärfſt, (altd. scarf u. öfter sarf; _
mittelh. scharpf, scherpfe; niederd. fcharp, holl. scharp u. sarp; fchweb.
skarp; angel. scearp, engl. sharp; franz. escarpe, fehroff; val. ſcharben,
ſchürfen; von der Wurzel scar, scerau, fcheren), eig. fehneidend, gut und
Yeicht fchneidend, entg. ftumpf (ein fcharfes Meffer, Schwert ꝛc.; eine fcharfe
Ede, Kante); mit eigen Umtiffen merklich hervorfpringend od. hervor-
ragend, entg. vund, gerundet (zZ. B. die Muskeln des männlichen Körpers);
in weiterer Bed. durchdringend, verlegend, einen ftarken Eindrud auf ir-
gend einen Sinn machend (3. B. ein fcharfer Wind, d. i. ein rauher, ſchnei—
denderz; Scharfe Lauge; ſcharfer Effig, Senf, Nettig ꝛc.; ſcharfe Säfte, d. i.
die viel falzige od. faure Theile enthalten; ein fcharfer Ton, d. i. ein durch—
dringender, heller); auch von der (jubjectiven) Thätigkeit und Fähigkeit der
Sinne und der Geifteskräfte: durchdringend, in hohem Grade erregbar u.
empfänglich, fein u. genau wahrnehmend (z. B. fcharf ſehen; einen fcharf
anſehen; fcharfe Sinne, ein fcharfes Gefiht, Gehör ze., einen ſcharfen Ver:
ftand haben; ſcharf denken 2c.); daher überh. f. genau, forgfältig, ftreng
(einen ſcharf bewachen, Tcharfe Nachfrage, Unterfuchung 2c.), u. bef. in fitt:
lichem Verſtande: fereng, hart, rauh, empfindlich, entg. gelind, fanft (einen
ſcharf behandeln, beftrafen, anvedenz jcharfe Zucht; ein fcharfer Verweis 2e.);-
ferner f. heftig, hitzig (fcharf an einander kommen; ein feharfes Gefecht ꝛc.);
Eraftig wirkfam, nachdrücklich, eunftlich (ſcharf laden, feuern, d. i. mit Blei,
entg. blind laden. 2c.); ſtark, mit Kraftanftrengung, ſchnell ıc., bef. als
Nw. (z.B. ſcharf arbeiten, gehen, fahren 2c.); bair. fchön, prächtig, Eoftbar
(ſcharfe Kleider, Scharf bauen); das Scharf, —-es, die feharfe Ladung einer
Kanone ꝛc., Kartätfchen, Schrot 2c. (lofes Scharf, allerlei Eifenwerk, ohne
Büchſe in ein Gefchüg geladen); Schiff. der untere, ſchmal zulaufende Theil
des Schiffes; auch gewiffe Arten Spiker, |. d. (groß u. Elein Scharf);
— 3feH. Icharfblätterig, Pflanz. Scharfe Blätter habend; der Scharfblid,
ducchdringender Blick, bef. in geiftigem Verſtande; fcharfedig, -hafig, =Fan-
tig, =fchneidig, -fpißig, -zadig, -zahnig ıc., Bw., ſcharfe Ecken, Haken,
Kanten ꝛc. habend; der Scharfhammer, in Meffingwerken der erſte Ham-
mer, durch welchen die Meffingtafeln ausgedehnt werden; das Scharffraut,
eine Pflanze mit rauhen u, fcharfen Blättern: Eleine Ochfenzunge, blauer Kleber,
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Schärfe — ſchärfen | | 633
Frauenkrieg 2c.; landſch. auch f. Sauerkraut, Sauerkohl; das Scharfmaul,
eine Art Porzellanfchnecten mit fcharf gezahnter Mündung; der Scharfrand,
eine Art Schnirkelfchnecden; das Scharfrennen, ein Rennen (Turnier) mit
fcharfen Waffen; der Scharfrichter, Nachrichter, welcher die verhängte Le—
bensſtrafe vollzieht; die Scharfrichterei, deffen Gewerbe u. Wohnung: die
Scharfrippe, eine Art Schraubenfchneden; der Scharfſchuſs, Schufs aus
einem feharf geladenen Gewehre (ſ. 0.)5 der Scharfſchütz, od. -ſchütze, ein
Schüge od. Zäger, der nur aus gezogenem Gewehre jchießt u. daher genauer
trifft; ein Zäger, der ein Wild im Fluge u. im Laufe trifft; auch ein Grenz-
jäger, der alles die Grenze überfchreitende Wild wegfchießen darf; fcharf-
ſichtig, Bw., ein ſcharfes Geficht habend; bef. uneig. durchdringenden Geiftes-
blick, Scharfen Verftand habend; die Scharffichtigkeit, das Scharffichtigfein;
der Scharffinn, ungewöhntich fcharf und fein unterfcheidende Geifteskraft,
ducchdringender Verftand, welcher die feinften Unterfchiede u. Eigenthümlich-
keiten der Dinge erkennt; feharffinnig, Bw., Scharffinn habend, u. davon
zeugend (ein fcharffinniger Menſch; eine Tcharffinnige Unterfuchung 2c.); die
Scharffinnigkeit, das Scharffinnigfeinz; — Ableit. die Schärfel., (altd.
‚scarfi, scherpfe) 1) o. M. das Scharffein, die fcharfe Befchaffenheit, eig.
u. uneig. (4. B. die Schärfe eines Meffers, des Effigs, des Gefichts, des Ver-
ftandes; die Schärfe der Gefege, d. i. die Strenge, Härte 2c.); Müll. die Art
und Weife, die Mühlſteine zu ſchärfen; 2) M. -n, der fcharfe Theil eines
Schneidewwerkzeuges, die Schneide (mit der Schärfe des Degens fchlagen;
in die Schärfe fallen, greifen 2c.), auch eine feharfe Ede od. Kante (die
Schärfe eines Pfeilers; Haufes 20.); ein ſcharfer Stoff (Schärfe im Geblüte,
in dee Haut ꝛc.); ſchärfen, ziel. Zw. (niederd. fcharpen, ſchwed. skärpa,
anaelf. scearpan), 1) überh. fcharf machen, insbef. eig. fchneidend machen,
finnv. wegen, fchleifen (Meffer, Arte, Sicheln, Senfen ꝛc.); mit fcharfen,
ſpitzigen Erhöhungen verfehen (einen Mühlftein—, durch in denfelben ge:
hauene Rinnen; einem Pferde die Hufeifen—, auch bloß: ein Pferd —, d. i.
die Stollen der Eifen fpigig machen, damit es nicht ausgleite; Bohnenftan-
gen—, d. i. zufpisen); uneig. ducchdringender, fühlbarer, empfindlicher
machen (den Schmerz fchärfen); ftärker, erregbarer, empfänglicher machen
(das Geficht, den Blick, die Aufmerkfamkeit, den Verſtand —); nahdrüdlicher,
ftrenger, härter machen (einen Befehl, eine Strafe ꝛc. —; vgl. einfchär-
fen); Sprachl. einen Selbftlaut, eine Silbe—, d. i. Eurz fprechen, entg.
dehnen (daher gefchärft ald Bw.: eine gefchärfte Silbe tc., z. B. fatt, verſch.
von Saat); 2) f. fehneiden: Jäg. fih an etwas —, d. i. fehneiden od. rigen
(auch ab-, auffhärfen); Buchb. das Leder —, es mit einem fcharfen Meſſer
dünn fchneiden; die Schärfung, das Schärfen (z. B. eines Meflers, der
Strafe, einer Silbe 2c.); dev Schärfhobel, Tiſchl. f. v. w. Schrothobel (meil
er Eleine ſcharfe Erhöhungen ftehen läſſt, die der Schlichthobel wegnimmt):
die Schärffammer, in Papiermühlen die Kammer, wo das fertige Papier
beraspelt wird; der Schärfftein, Buchb. der Stein, auf welchem das Leder
gefhärft wird (. 0.); — der Schärfling, -es, M. -e, landſch. f. Stichling.
Schärfe 2. w., ſ. Schätpe.
ſcharfeln od. fcherfeln, zielloſ. Zw., oberd. f. die Füße auf dem Boden
fortziehen, feharren.
fchärfen, 3w., Scharfhammer ıc. — Schärfftein, |. unter ſcharf.
634 Schargang — Scharn
Schargang, haufen, =Freuz, ſ. Schaar 2u.; — Schargraben, ſ.
Schar 3; — Scharkframme, f. Schar 2.
Scharlach, m., -es, o. M. (mittelhochd. scharlach u. scharlät; isländ.
skarlat, engl. scarlet, ital. scarlatto, franz. &carlate; wahrſch. morgenländ.
Urfprungs, für. iskerlet, perf. sagallat; danıı aber in den Formen scarlahhan,
scharlach, noch bei Luther: Scharladen, fchwed. skarlakan, niederd. schar-
laken in Schar-Lafen, d. i, gefchorenes Tuch, umgedeutet), eine brennend
hochrothe Farbe, die etwas ins Gelbe fpielt, die Scharlachfarbe; ein Zeug,
bef. Tuch von diefer Farbe (fi in Scharlach Eleiden); ehem. überh. ein Eoft-
barer morgenländ. wahrfch. feidener Stoff (zZ. B. auch brauner, blauer zc.
Scharlah); auch f. das Scharlachkraut od. Scharlei (f. d.); der Schar:
Yachbaum, die Kermeseiche od. Stecheiche, eine Art niedriger Eichen im fühl.
Europa, auf welchen die Scharlachlaus (fr. Kermes), eine Art Schildläufe,
lebt, welche, fo wie deren beerenförmige Eigrbehältniffe, Scharlachbeeren
od. »fürner,, zum Rothfärben gebraucht wird; fcharlachfarben, fcharlach-
roth, Bw.; der Scharlachfärber; das Scharlachfieber (ital. scarlattina,
franz. fievre Ecarlatine), eine mit Fieber verbundene Kinderkrankheit, wobei
der ganze Körper mit einem fcharlachrothen Ausfchlag bededit wird; das Schar-
Yachfehlchen, eine Art Rothkehlchen; die Scharlacdhlilte, eine Art afrikan.
Karziffenlitie mit purpurrothen Blumen; die Scharlachtaube, eine fchöne
oftind. Taubenart; das Scharlachtuch, Tcharlachrothes Tuch; der Schar:
Yachvogel, ein fcharlachrother Papagei; — fcharlachen, Bw., mit Schar:
Tach gefärbt; von fharlachrothem Stoffe (ein ſcharlachenes Kleid).
Scharlei, m., -e8, o. M., verfchiedene Pflanzen, insbef. die römiſche
Salbei mit vothen Blättern, auch Scharlah, Scharlachkraut genannt; der
Borretfch (borago L.; altd. scaraleia, schareleie, scarleige, w., scharlin, ſ.);
eine Art des Alantes mit zottigen Blättern u. haarigem Stamme: wilder
Scharlei, Chriftauge; auch f.die Scharte, das Schartenkraut.
fcharlenzen od. ſchalanzen, fchallagen, ziellof. Zw., oberd. f. fehlendern,
müßig gehen und gaffen. 4
Scharling od. Schärling, m., -e$, (eig. wohl Schärtling v. Scharte,
f. d.), oberd. f. wilder Bärenklau, Heilkraut.
ſcharmünkeln, 3w., ſ. fehalmeufeln.
Scharmüßel 1. f. (oberd. m.), -8, M. w. E. (chem. aud) Scharmügen,
oberd. Scharmutz; zunächſt von dem ital. scaramuccio, schermuccio; franz.
escarmouche; engl. skirmish; urfpr. fämmtlicy von dem deutjchen ſchirmen
(ſ. d.), oberd. fchermen, altd. scirmian, daher ital. schermare, ‚scrimiare,
franz. escrimer, fechten), ein Gefecht zwifchen Eleinen Kriegshaufen, verfch.
Schlacht; Treffen; ſcharmützeln, od. mit feemdartiger Endung ſcharmutziren,
. ziellof. 3w. m. haben (franz. escaramoucher, engl. skirmish), Scharmüßel
liefern, in Eleinen Haufen fechten, plänfeln.
Scharmüßel 2. od. Scharmüßlein, r. Scharnüglein, f., -$, M. w. €.
(landfh. auh Scharnigel, Schnarigel; vom ital. scarnuzzo v. scarnare,
obftreifen, abfchälen), oberd. f. Papterdüte, Papierrolle zu Geld ze.
Scharn, m., -e8, altniederd. f. Mift (angelf. scearn, dän. skarnz vgl.
das griech. 6200); jegt noch niederd. f. Unkraut; u. f. ein Schurke, Schelm
(auch Scharnkerl; vgl. das engl. scorn, Verachtung); der Scharnbulle,
Scharnwebel od. -weber, nigderd. f. Miſt-, Rofstäfer; die Scharnpipe
Scharnier — Scart 635
(d. i. spfeife, wegen der hohlen Stengel), f. der Schierling, weil ew gern
bei Mifthaufen wächl't..
Scharnier, f. (oberd. w.) -es, M. -e (von dem franz. la charniere), dag
Gewinde, Gelenk, z. B. an einer Dofe ze. (oberd. uneig. aus dem Scharnier
fommen, f. aus der Faſſung).
Schärpe, w., M. -n (landſch. auch Schärfe, oberd. Schärpfen, niederd.
Scherf; engl. scarf, scarp, ſchwed. skärp; franz. charpe, ital. schiarpa;
urfpr. deutfch von ſcheren, fchneiden; vgl. fcharben, fcharf ꝛc.; alfo eig.:
ein abgefchnittener Streif), eine Binde, z. B. landſch? eine wundärztliche
Armbinde; gem. eine Peibbinde, bef. die Leibbinde der Offiziere, Feldbinde.
Scharre, w., ſ. unter fcharren.
Scharren od. zgez. Scharen, m., -s8, M. w. E. (durch Laut-Umftellung
aus dem oberd. Schranne, ſ. d., entft., wie die niederd. bernen, Born zc.
aus brennen, Brunn), landſch., bef. niederd., ein umfchloffener u. bedeckter
Ort od. eine Bude, wo Brod od. Fleifch verkauft wird: der Brod- Fleifch-
ſcharren (oberd. die Brod-, Fleifchichranne), die Brod-, Fleiſchbank; niederd.
auch breite Pfähle, zur Befeftigung der Deiche in die Erde gefchlagen.
foharren 1. ziellof. u. ziel. Zw. (oberd. auch fcherren; altd. scerran,
scherren, ablaut. Präf. schirre, Prät. schar, schurren ⁊c.; jegt nur umend.:
ſcharrte, geſcharrt; vgl. das franz. de-chirer), überh. fehaben, Fragen, reis
bend od. Eragend über etwas hinfahren od. etwas zufammenraffen (Ruf
aus dem Schornfteine, Harz von den Bäumen —; oberd. Rüben—, f. fehaben;
Streu ꝛc. —, f. harken, rechen; uneig. Geld zufammen—, d. i. begierig zu=
ſammen zu bringen fuchen); feharrend bewirken od. hervorbringen (ein Loch
in die Erde —); in engerer Bed. die Füße reibend auf dem Boden hin u.
ber beivegen (die Hühner, die Pferde ſcharren), von Menfchen bef. ald Zeichen
des Mifsfallens od. Hohnes (vgl. einen ausfcharren); — 3fes. die Scharr-
erde (landfch. gem. Schur-, Schorerde), auf den Wegen zc. zufammenge-
ſcharrte Erde, die ald Dünger gebraucht wird; der Scharrfuß, f. v. w.
Kratzfuß, ſ. d.; Scharrfüßeln, Zw., der Scharrfüßler, f. v. w. Eragfüßeln 2c.;
die Scharrmaus, eine Art Eleiner Mäufe, welche lange Gänge in die Erde
graben; auch f. Maulwurf (Schär, Schärmaus); — Ableit. die Scharre
1. M. -n (altd. scerra, scherre, Striegel), ein Werkzeug zum Scharren,
auch Scharreifen (die Harz, Rußfcharre 2c.); was gefcharrt od. abgefcharrt
wird, Landfch. bef. was ſich von den Speifen inwendig an die Töpfe anlegt;
niederd. eine Art Plattfifche od. Schollen (holl. scharre, schaerde); der
Schyarrer, -8, wer ſcharrt (Harzs od. Pechfcharrer); oberd. auch f. Scharre,
das Scharrwerkzeug, u. das durch Scharren Gefammelte; das Scharricht
od. Scharrfel, -8, das Zufammengefcharrte.
fcharren 2. ziellof. Zw. (altd. scerön, schern), oberd. f. ſchnarchen: landſch.
auch f. räuspern; die Scharre 2., M. -n, oberd. f. die Mifteldroffel,
Schnarrdroffel, Schnarre (f. d.).-
Schar-Riegel, Scharſtock, f. Schar 2; — Schar-Rinne, Schar-
fchindel, ſ. Schar 3. |
Schart, m. u. f., auch Scharte 1., w., M. -en, (altd. scart-isan),
oberd. ein Eupferner Ziegel mit Füßen und einem Dedel, welcher mit glü-
henden Kohlen belegt wird, um Pafteten u. dgl. zu kadın; auch überh. f.
Dfanne.
636 Scharte — Schatten
Scharte 2. w., M. -n (oberd. Scharten; niederd. Schaard; isländ. u.
ſchwed. skard, angelſ. sceard, engl. sheard, shard, sherd; vgl. das engl. scar,
franz. escarre, Rifs, Lücke, Narbe, franz. dcharde, Splitter; im Altd. giebt
es ein Bw. scart, schart, isländ. skerdr, f. unganz, verlegt, verftümmelt, u.
ein Zw. scertan, scherten, isländ. skarda, verlegen, verkürzen, womit das
niederd. ſchaars f. wenig, fparfam, Enapp, gleichf. verkürzt, engl. scarce,
ital. scarso, franz. Echars, zufammenzuhangen fcheinen; ſämmtlich v. der Wurzel
scar, — ſcheren, ſchneiden), 1) ein Einſchnitt, eine durch Schneiden,
Brechen, Reißen zc. entſtandene Offnung, überh. Lücke, Riſs, Spalte (f.
Haſenſcharte; Schießſcharte; oberd. eine ſcharfe Vertiefung in einem Berg:
rücken; niederd. eine in einen Deich eingefchnittene Durchfahrt); def. an Meffern
u. andern Schneidewerkzeugen wine durch Ausfpringen entftandene fehler-
hafte Lücke in der Schneide (eine Scharte auswegen, uneig. f. einen Kehler
wieder gut machen, einen erlittenen Schaden ausgleichen); 2) Landfch. ein
abgefchnittenes, abgebrochenes od. abgefprungenes Stud, Span, Split
ter, Scherbe (niederd. Schaard); 3) eine Pflanze mit zadigen, geferb-
ten Blättern (serratula L.), wovon die gemeinfte Art Feldſcharte, Saus
diftel 2c., eine andere zum Gelbfärben dienende Färberſcharte, aud) vor—
zugsmweife Scharte, Schartenfraut (niederd. Schaar) heißt (vgl. auch
Scharlei, Scharling); die Schartendiftel, eine der Scharte ähnliche Diftel-
art (auch Schar-, Scherdifte); das Schartenfraut, f. o.; landfch. auch f.
Storchfchnabel; der Schartenfchäbler, Flammenreiher (f. d.), wegen feines
inwendig gezähnelten Schnabels; das Schartſtück, Fafsb. eines der äußeren
Bodenftüde eines Bottichs; fehartig, Bw., Scharten habend (ein fchartiges
Meſſer; Tprichw. allzu ſcharf macht fchartig).
Schartefe, w., M.-n (oberd. Scharteden; vielleicht vom tat. chartae
theca, d. i. ein Papier-Umfchlag? vgl. jedoch das ital. scartasaccio v. scartare,
wegwerfen, ausfchiefen, scartata, Ausfchufs), verächtt. f. eine werthlofe
Schrift, ein fhlechtes Buch, Ausfhufsbuh, Wiſch.
Schartendiftel ıc., ſchartig, Schartſtück, ſ. unter Scharte.
Schartraufe, ſ. Schar 3; — Scharwage, ſ. Schar 2; — Schar:
wache, Scharwerk x. ſ. Schaar; — Scharwenzel, ſ. Scherwenzel.
Schaffen, ziel. 3w. (aus dem franz. chasser), einen—, gem. f. fortjagen,
derb abfertigen.
Schatt, f., -e3, M. -e (nach einem aahlıw. unverändert: Schatt; val.
Schatz 2.), im a: ein Honigmaß — z'5 Tonne.
Schatten, m., -8, M. w. E. (ehem. auch der Schatte, —ns; goth.
skadus, althochd. scato, G. scatawes, scatuwes; mittelh. schate, G. schates;
auch schatawe, schatewe; oberd. der Schatt, Schad u. gew. Schaden; angelf.
sceado, ©. sceaduvas, engl. shadow u. shade, holl. schaduwe, schuwe; von
einer Wurzel sca, scat, ſanskr. tschad, bededien, verhüllen; vergl. d. griedh.
ozıd, 020105, das engl. sky, Himmel, d. i. das Bedeckende; das isländ.
fchwed. dän. sky, Wolke, d. i. das Verhüllende, wie lat. nubes von nubere),
überh. Mangel od. Abwefenheit des Lichtes in Folge einer Bedeckung od.
Berhüllung, insbef. 1) der Lichtmangel einer Stelle, von welcher die Licht-
ſtrahlen durch einen dazwifchen befindlichen Körper abgehalten werden, u. eine
folhe dunkle Stelle felbft, entg. Licht (woller Schatten, wo gar Fein
Lichtſtrahl hinfällt, z. U. v. Halbſchatten; Schatten machen; er macht mir
"Schatten 637
Schatten, indem er mie ins Licht tritt; etwas in den Schatten ftellen, uneig.
fo darſtellen od. behandeln, daſs es gegen Anderes zurücktritt, es zurückſetzen;
Mal. dunkel gehaltene Stellen, welche den natürl. Schatten nachbilden; auch
die verſchiedenen Grade od. Abſtufungen des Schattens: M. die Schatten, f-
v. w. Schattirungen); in weiterer Bed. f. Dunkelheit, Finfternifs überh.
(die Schatten der Nacht, des Todes ꝛc.); in engerer Bed. Schuß vor den
Sonnenftrahlen, und der befchattete Ort, welcher folchen gewährt, mit
dem Nebenbegriff der Kühle, entg. Sonne (Schatten geben; ſich aus der
Sonne in den Schatten eines Baumes fegen, im Schatten ſitzen 2c.); dicht. f.
ein Schatten gebendes Gewächs; u. f. Schirm, Schuß, Erquidung (bibl.
befchirme mich unter dem Schatten deiner Flügel; 2) in beftimmterer Bed.
das dunkle Abbild eines undurchfichtigen Körpers, welches entfteht, indem
derfelbe die Lichtftrahlen von einem andern dunkeln Körper theilweiſe abhält
(feinen Schatten an der Wand fehen; einen Schatten werfen; Abends werben
die Schatten länger; vor feinem eigenen Schatten fliehen, uneig. f. fich ohne
alle Urfache fürchten); daher uneig. ein ſchwaches, unvolltommenes Ab- od.
Nachbild, ein Scheinbild von etwas Anderem (7. B. dies ift kaum der Schat-
ten von jenem 2c.); eine unförperliche Erſcheinung, insbeſ. nad) fabelh. Vor-
ftellung die abgefchiedene Seele oder der Geift eines Verftorbenen (ein
Schatten; das Reich der Schatten od. Schattenreich, der Aufenthalt der
abgefchiedenen Seelen); daher auch eine fehr entkräftete, hinfällige menſchl.
Geftalt (er ift ein wahrer Schatten); überh. f. etwas Weſenloſes, Nich-
tiges, Zäufchendes, Vergängliches (nach einem Schatten greifen; wie ein
Schatten vergehen; der jüd. Gottesdienst des A. T. heißt daher: ein Schat-
tendienft, Schattenwerk 2c.); — 3fes. das Schattenbild, das durch
den Schatten dargeftellte Abbild eines Körpers; auch f. Schattenrifs, ſ. d.;
uneig. überh. eine wefenlofe, täufchende Vorftellung der Einbildungskraft; das
Schattenerz, ſ. v. w. fchieliger Bleiglanz; die Schattenfarbe, Mal. Far-
ben, mit denen die Schatten ausgedrückt werden; der Schattenfürft, Fürft
der abgeichiedenen Seelen; auch ein Scheinfürft ohne wirkliche Macht; der
Schattengang, ichattiger Gang unter Bäumen ꝛc.; die Schattengeftalt,
Ichattenähnliche Geſtalt; nichtiges Gebilde der Einbildungskraft; das Schat-
tengewölbe, -gezelt u. dgl. m.; das Schattenglüd, dicht. f. fcheinbares,
nichtiges Glück; die Schattengröße, eig. die Größe eines Schattens, Schat-
tenlänge; uneig. eine fcheinbare, nichtige Größe; die Schattenhufe, bran-
denb. eine Scheinhufe, nur behufs der Beſteuerung angenommene Hufe; der
Schattenhut, großer, gegen die Sonne fchügender Strohhut, Sonnenhut
für weibl. Perfonen; der Schattenfäfer, ein Gefchlecht von Käfern, die fich
gern an dunkeln Orten aufhalten (tenebrio L.); das Schattenfraut, Stern-
kraut; das Schattenleben, ein unkräftiges, unthätiges, gleicht. nur fchein-
bares Leben; das Schattenlicht, Helldunkel; die Schattenmaffe, Mat. eine
größere ſchattige Stelle, od. mehre Schatten als ein Ganzes betrachtet; der
Schattenquell, dicht. ein ſchattiger od. befchatteter Quell; fchattenreich,
Bw., viel Schatten habend oder gebend; das Schattenreich, ſ. o.; ber
Schattenriſs, ein nach dem Schatten gemachter Umrifs eines Körpers, bei.
‚eines Gefichtes (fr. Silhouette); uneig. eine allgemeine, nicht ins Einzelne ge=
hende Schilderung; die Schattenfeite, die fchattige Seite eines Körpers,
entg. Lichtfeite, insbef. die gegen Norden liegende Seite eines Haufes, entg.
638 fchättern — Schatz
Sonnenfeite; uneig. die unvortheilhafte Seite einer Sache od. Perfonz das
Schattenfpiel, Beluftigung mit Schattenbildern, die mittelft einer Zauber-
od. Schattenleuchte (fr. Laterna magica) an der Wand eines verfinfterten
Zimmers hervorgebracht werben; der Schattenfpieler, wer ein Schattenfpiel
an der Wand macht; die Schattenftufe, dev Grad der Dunkelheit des Schat-
tens, Schattirung (fr. Nüance); die Schattenwelt, ſ. v. w. Schattenreich;
aud) f. eingebildete, oder nichtige Welt; das Schattenwefen, unwirkliches
Weſen; der Schattenzeiger, Zeiger an einer Sonnenuhr; — Ableit. fchat-
tig, Bw. Schatten habend od. gewährend (ein fchattiger Ort, Weg, Baum 2e.);
fchatten, Zw. 1) ziellos, Schatten geben od. werfen (. 8. fchattende Wol-
Een), daher die gew. be>, um-, überfchatten; 2) ziel. f. v. w. das lib-
lichere fchattiren (oberd. auch ſchättigen), in einer Zeichnung oder einem
Gemälde die dunkeln Stellen durch Züge od. Farben ausdrüden; insbef.
die verfchiedenen Grade der Dunkelheit darftellen, auch: abfchatten, ver:
ſchatten; daher die Schattirung, das Schattiren; die Abfchattung, Ab-
ftufung des Schatteng; die Schattenftufe, die feinen Unterfchiede od. une ⸗
merklichen Übergänge einer Farbe vom Hellen ins Dunkele (fr. Nüance); uneig.
überh. die allmählich abgeftufte Veränderung von Dingen einer Art.
ſchättern oo. fchettern, ziellof. Zw., oberd. Schallw. f. dumpffrachend
fhallen, wie zerbrochenes Zöpfergefchier; Taut lachen, fchäfern, fehwagen,
fehreien wie die Elfter (engl. chatter).
ſchattig, ſchattiren zc. ſ. unter Schatten.
Schatulle, w., M. -n (altoberd. Skatel; v. ital. —— neulat. sca-
tula, vergl. Schahten, ein Geld- od. Schatzkäſtchen; der Hausfchag eines
Fürften, das zu deffen perfönlichen Ausgaben beftimmte Geld, auch Scha—
tullen- od. Schatullgelder; das Schatullengut, ein Gut, deffen Einkünfte
für die Schatulle beftimmt find.
Schab, m., -s, M. Schäge; Verl. das Schätzchen, oberd. Schäß-
fein, (goth. skatts, ein Geldftüd, Silberling; altd. scaz, schaz, G. schatzes;
niederd. Schattz ſchwed. skatt, angel. sceat; vielleicht mit dem frieſ. sket,
jlav. skot, Vieh, zufammenhangend, wie das lat. pecunia mit pecus), urjpr.
Geld, u. zwar ein beftimmtes Geldftüd, od. Geld als Sammelbegriff: eine
Geldfumme, u. in weiterer Bed. Habe, Vermögen, Befisthum, überh.
(daher noch Zieh. wie Braut-, Mahl-, Schlagefhas; ehem. Kauf
has f. Kaufgeld, u. f. Kaufmannsgut, Waare; Klagefhas f. Geridjts-
ſporteln; Miethſchatz f. Miethgeld); insbef. ehem. f. Preis, Lohn; u. f.
Abgabe, Steuer (vgl. ſchatzen, Schakung); jest gew. ein Vorrath an
Geld od. Koftbarkeiten, mit dem Nebenbegriff der Niederlegung u. Bewah—
rung (einen Schatz od. Schäge fammeln, vergraben, finden, heben 20.5 der
öffentliche Schag, Staatsfchag); in weiterer Bed. überh. ein reicher Vorrath,
eine Sammlung von Dingen einer Art, fofern man ihnen einen hohen Werth
beilegt (ein Bücher-, Gemälde, Kunftfchas, Bücherfchäge; oberd. auch: ein
Korn», Weinfchag 2c.); uneig. ein Reichthum an fhägenswerthen Eigen-
ſchaften, geiftigen Beſitzthümern ꝛc. (ein Schatz von Gelehrſamkeit, Kennt-
niſſen, Erfahrungen ꝛc.); auch eine einzelne koſtbare od. vorzüglich werth
gehaltene u. forgfältig bewahrte Sache od. Perfonz daher in der Volksſpr.
f. Geliebter, Geliebte, Braut (einen Schatz haben; mein Schag, und bei.
verkl. Schaͤbchen, oberd. gem. SchägeN; Zſetz. ſchatzfrei, Bw., landſch.
Schatz 639
f. frei von Abgaben, ſteuerfrei; die Schatzfreiheit, Steuerfreiheit; das Schaß-
geld, als Koftbarkeit od. Seltenheit aufbewahrtes Geld, Schaumüngen u. dgl.;
landſch. auch als Abgabe erlegtes Geld; der Schaßgräber, wer nach verbor-
genen Schägen gräbt; die Schaßgräberei, das Gefchäft u. die vorgebliche
Kunft eines Schasgräbers; das Schatzgut, landſch. ein fchaspflichtiges Gut;
das Schatzhaus, ein Haus zur Aufbewahrung eines Schatzes; bibl. f. Vor-
rathshaus, Magazin; die Schakfammer, ein Gemad) od. Gebäude, worin
ein Schag, bef. der Staatöfchag verwahrt wird; auch f. v. w. das Schatz⸗
amt, die Behörde zur Verwaltung des öffentl. Schages; daher der Schat-
Fammerfchein od. Schaßfchein, eine Art Staatsjchuldfcheine (fr. Treſor—
Schein); der Schaßfaften, verkl. das Schagkäftchen, ein. Kaften zur Aufbe
wahrung eines Schatzes; bibl. f. Vorrathskaſten; uneig. Titel von Erbauungs-
büchern u. dgl.; dev Schaßmetfter, Vorgefegter eines (öffentl.) Schages, der
die Gelder einnimmt u. auszahlt; ſchatzpflichtig, Bw., landſch. f. verpflichtet
Abgaben zu bezahlen, fteuerpflichtig; der Schakrath, die Behörde zur Ver-
waltung der öffentl. Einkünfte, u. ein einzelnes Glied derfelben; der Schab-
verwefer, =verwalter ꝛc.; — fchaßen, ziel. Zw. (niederd. chatten), 1) ei⸗
nen—, vlt. f. ihm eine Abgabe, ehem. bef. ein Löfegeld, auflegen (noch
gebe. in befchagen, brandfihagen); 2) etwas—, vlt. f. als Abgabe
entrichten; oberd. auch: etwas zu Geld machen, Geld dafür gewinnen, Geld
töfen (altd. scazzön); ſchatzbar, Bw.., landſch. f. v. w. ſchatzpflichtig Ci. o.),
ſteuerbar; daher die Schatzbarkeit; die Schatzung, das Schagen, die
Auflegung einer Abgabe; die auferlegte Abgabe felbft, bef. nach Verhältnis
ded Vermögens; das Schagungsgeld zc.; — ſchätzen, ziel. Zw. (altd.
schetzen, Prät. schazte; niederd. chatten), 1) etwas—, den Werth od.
Preis einer Sache beftimmen, feftfegen (4. B. Brod, Fleifch 2c.), oder zu
Gelde anfchlagen (ein Haus, ein Kunftwerf ꝛc. —, fr. tariven); einen—,
d. i. fein Vermögen, feinen Erwerb od. feine Einkünfte veranfchlagen,
bei. behufs der verhältnifsmäßig zu entrichtenden Abgaben (man ſchätzt ihn auf
eine Million); in weiterem Sinne: eine Größe, Zahl, ein Gewicht ıc. muth-
maßlich beftimmen (3.8. man ſchätzt diefen Berg auf zehntaufend Fuß Höhe;
man follte ihn höchftens 50 Jahr alt fchägen); daher alt u. landfch. überh: f.
muthmaßen, urtheilen, dafür halten, meinen (z. B. ich ſchätze es mir für
eine Ehre, od. zur Ehre ꝛc.); landfch. auch f. hoffen, erwarten (fich od. einem
etwas fchägen); 2) einer Sache od. Perfon einen gewiffen (inneren, wefent-
lichen) Werth beilegen, finnv. achten (die irdifchen Güter richtig ſchätzen; et—
was od. einen gering od. hoch fchägen); insbef. f. hochſchätzen, werthfchägen,
finnv. hochachten, verehren (den Werth des Lebens—; ich fchäge ihn; an
einer Perfon oder Sache etwas ſchätzen; daher gefchäßt, ald Bw., 4. B.
mein gefchägter Freund, ein geſchätzter Schriftfteller 2c.); ſchätzenswerth od.
würdig, Bw., werth, hoch geſchätzt zu werden; ſchätzbar, Bw., 1) was
geſchätzt, d. i. fenem Werthe nach beftimmt (taxirt) werden Eann (enta.
unfchägbar); 2) was gefchäßt, d. i. hochgeachtet zu werden verdient (er
ift mir ſehr ſchätzbar; jchägbare Eigenschaften ze.); die Schäßbarkeit, das
Schägbarfein in beiden Bed.; der Schäßer, -8, wer etwas abſchätzt, die
Preife von Waaren u. dgl. beftimmt, Landfch. auch Schäßmann, =meifter,
herr (fe. Tarator); die Schätzung, Werth: od. Preisbeftimmung; Hoch—
achtung; der Schätzungs- od. Schäßpreis (fr. die Taxe).
640 | Schatz — ſchaudern
Schatz 2. m., —-es (vergl. Schatt; angelſ. scath, Behältniſs; Kaſten,
Katze 6. 2c.), oberd. ein Getreidemaß, in Schwaben = Simri; auch ein
Feldmaß, etwa Juchart.
Schau, ſchaubar, Schaubrod, Schaubühne ꝛc., ſ. unter ſchauen.
Schaub, m., -3, M. Schaube u. Schäube, (andſch. auch der Schob,
M. Schöbe; altd. scoub, schoup; niederd. Skof, Schof, holt. schoof, angell.
sceaf, engl. sheaf; vgl. Schober; von fchieben (f. d.), weil das Stroh beim
Binden zufammengefchoben wird; vgl. Wifch), oberd. f. Bund, Bündel, bef.
Landw. f. Stroh- od. Heubündel, Strohbüfchel: insbe. Bündel Stroh zum
Dachdecken; Strohbüfchel oder Strohwiſch an. einer Stange ald Warnungs-
zeichen (Pfandf haub)z ehem. auch gewundenes Stroh zum Brennen, Stroh: d
fackel; Zſetz. das Schaubband, oberd. f. Strohband; das Schaubenbund,
mehre zufammengebundene Schauben zum Dachdeden; das Schaub- oder
Schaubendach, oberd. f. Strohdach; der Schaubhut, f. Strohhut, bei. ein
großer, runder mit fehr breitem Rande (landich. auch Schobhut, Schau:
bert, Scheppertz; vielleicht cher mit Schaube verw.).
Schaube, w., M. -n, Verkl. das Schäubchen, oberd. Schäublein,
(altd. schoube; oberd. die Schaub, Schauben, Schaupe, auch. der Schauben,
Schopp, Schoppen; zunächit wohl aus dem ital. giubba, fpan. chopa, franz.
jupe; vgl. jedoch auch: Schuppe, Schuppen, Schoppen, u. das ſchwed. sköfre,
Dede), oberd. ein Oberkleid für beide Gefchlechter, insbef. ein wollener Wei-
berroc od. -Kittel; ein langer, mantelähnlicher überrock für Männer (fr. Kaf-
tan; daher Regenjchaube f. Regenmantel; Nachtſchaube f. Schlafrod:
Kinderſchaube, ein langes Kinderkleid zc.).
Schauber, m., -8, M. w. E. (von fihauben, niederd. ſchuwen f. ſchie—
ben), Fiſch. ein Kamen, welcher vor fich hin gefchoben wird, aber Keine
Gabel hat, verſch. Setzhamen.
fchaudern, ziellof. Zw. (oberd. auch ſchudern, ſchuttern, ſchottern; niederd.
ihuddern u. ſchrudern; engl. shudder; eig. nur Nebenform von fehüttern, er-
Ichüttern, von dem Stamm: ſchütten, altd. scutian, scuttan, niederd. jchud-
den; dann mit ſchauern v. Schauer 4. (f. d.) vermengt), augenblidlich u.
heftig erzittern, bef. in der Haut, vor Kälte, od. vor Schred, Entjegen,
Abſcheu (ich fchaudere, od. die Haut ſchaudert mir vor Froft, vor Entſetzen ꝛc.);
aud) von der innern Gemüthsbewegung: Schauder (f. d.) empfinden, von
Schauder ergriffen werden, finnv. grauen, graufen, in diefem Sinne gew.
unp. mit dem Dat. der Perf. e8 fcehaudert mir oder mir ſchaudert
(z. B. mir fchaudert, wenn ich daran denke; ihm fchaudert davor 2c.); der
Schauder, -8, M. (felten) w. E., heftiges Erzittern, bef. der Haut, vor
Kälte, Zucht, Abfcheu ze., ein höherer Grad von Schauer (vgl. d.); die in-
nere Empfindung od. Gemüthsbewegung, welche diefen Zuftand erregt,
finno. Grauen, Graufen (ein Schauder ergreift mich bei dem Gedanken ꝛc.);
— das Schaudergemälde, die Schaudergefchichte, u. dgl., gew. Schauer:
gemälde 2c.; ſchaudervoll, Bw., im höchſten Grade Schauder erregend; ſchau—
derhaft, Bw., Schauder erregend, finnv. entſetzlich, fürchterlich, gräſslich,
abfcheulich; im gem. Leben oft gemifsbraucht als übertreibender Ausdrud f.
ſchlecht, über, ſchiimm; die Schauderhaftigfeit, das Schauderhaftfein, die
Entfeglichkeit, Abfcheulichkeit 2c.; Fchaudericht, Bw., in geringerem Grade
Schauder erregend, gem, fehnuerlich; fchauderig, Bw., Schauder empfin-
dend, od. erregend.
fchauen 641
ſchauen, ziellof. u. ziel. Zw. (goth. skaujan, altd. scauuon, scowon, schou-
wen; hol. schouwenz oberd. auch ſchaugen; isländ. u. ſchwed. skäda; -das
angelf. sceavian, u. engl. shew, show haben die factitive Bed. fchauen Laflen,
zeigen; — als gangbares Wort der Volksjpr. gehört I hauen vorzugsweife
dem Oberd. anz in der hochd. Schriftfpr. ift es ein edleres, mehr dichterifches
Wort), die Augen auf etwas richten, genau u. aufmerffam nad) etwas
hinſehen, finnv. blicfen (gen Himmel fchauen; auf Jemand ſchauen, aud) f.
ihn beobachten, auf ihn achten, als auf ein Mufter; im Oberd. immer als
freie Willensthätigkeit, verfch. von fehen, welches mehr das paffive Empfan-
"gen des finnlichen Eindruces bezeichnet, 7. B. ich ſchaue wohl, und fehe
doch nichts; eben fo unterfchieden, wie das griech. Heradeı, lat. tueri, franz.
regarder, engl. look von: Aerv, videre, voir, see); etwas—, mit Auf:
merkſamkeit anfehen, betrachten, befichtigen, val. anfchauen, befchauen
(3. B. oberd. das Brod, das Fleiſch —, f. befichtigen, unterfuchen; in diefem
Sinne auch niederd. z. B. die Wege, die Deihe—); dicht. überh. f. erblicken,
fehen (ich habe es gefchaut etc.); beſ. mit der Einbildungskraft od. im Geifte
wahrnehmen, erkennen (z. B. Gott ſchauen; bibl. auch f. weisfagen), tief-
finnig denfen, forfchen (fr. fpeculiven); oberd. auch vüdz. ſich —, f. ſich
anlaſſen, fich zeigen; — die Schau, w., o. M., (altd. schouwe, oberd. auch
Geſchau) das Schauen u. Gefchautwerden, insbef. 1) der Zuftand, da
etwas für Jedermann fichtbar ift, bei. in den Redensarten: etwas zur
Schau legen, ausftellen (3. B. Waaren, Kunftwerke 2c.); einen zur Schau
herumführen; etwas zur Schau tragen, aud) bloß: Schau tragen ober
zgeſ. Ihautragen (Eigenschaften, Vorzüge —, damit prahlen); dicht. auch:
das, was gefchaut wird, der Anblick, das Schaufpielz chem. aud) f. Aus-
ſehen, Miene; Schiff. insbef. eine Flagge, die man als ein Zeichen wehen
läſſt: die Schau od. die Flagge im Schau (alfo von: das Schau); 2)
die Handlung des Schauens, Befchauens, bef. eine förmliche prüfende Be-
ſichtigung u. Unterfuchung (oberd. die Schau halten, auf od. in die Schau
nehmen; bef. in den Zſetz. Braut-, Heerfchau, Leichen- od. Todtenſchau; landſch.
auch Brod-, Feld, Korn, Deichichau 2c.); landſch. die zur Befichtigung ge-
wiſſer Waaren verpflichteten Perfonen, f. dv. w. das Schauamt; aud) der
Befichtigungsort,, das dazu beftimmte Gebäude; niederd. der Bezirk eines
Deihgräfen; — Zſetz. das Schaubrod, bei den alten Juden in der Stifts—
hütte od. dem Tempel zur Schau gelegte Brode, welche nachher von den Prie-
ftern gegeffen wurden; die Schaubühne, eine Bühne (f. d.), auf welcher et—
was zur Schau geftellt, u. insbej. wo Schaufpiele aufgeführt werden (fr.
Scene, Theater); uneig. aud) eine Sammlung von Schaufpielen; das Schau-
eſſen od. Schaugericht, ein nur zur Schau aufgefegtes, nicht gegeffenes Ge=
richt; das Schaufenfter, f. v. w. das gem. Gudfenfter; ſchaufrei, Bw., in
Niederd. bei einer Schau für gut erkannt (einen Deich ſchaufrei machen, d. i.
- in tadellofen Stand fegen); fchauführen, ziel. Zw. (trennbar, doch in den
getrennten Formen nicht gebr.), zur Schau führen oder herumführen; die
Schauführung; das Schaugeld, ſ. Schaumünze; das Schaugepränge,
‚zur Schau gemachtes Gepränge (f. d.); das Schaugeruft, ein Gerüft, auf
welchem etwas zur Schau geftellt od. vorgenommen wird; auch ein Gerüft
für Zufchauer, Schaugeftühl; das Schauglas, ein den Blick ſchärfendes
Augenglas (fr. Lorgnettd); der Schaugrofchen, ſ. Schaumünge; der Schau
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. - 41
642 Schauen
herr, Landfch. ein zur Befichtigung von Waaren ze. verorbneter Rathsherr;
fchaulegen, ziel. Zw. (trennbar, doch in getrennter Form ungebr.), zur Schau
legen; die Schaulegung; die Schauluft, die Luft am Schauen, u. bef. das
Verlangen, zu fchauen, die Schaubegier; ſchauluſtig, Bw., Schauluft habend,
ſchaubegierig (auch als Hw. Schauluftige 2c.); der Schaumeifter, landſch.
ein Handwerksmeiſter, welcher die Arbeiten feiner Bunftgenofjen zu befichtigen
hat; die Schaumünze, eine nicht zum Ausgeben im Handel zc., fondern nur
zur Schau u. bef. zum Gedächtnifs einer Begebenheit oder Perfon geprägte
Münze, auch) Schauftüd (fr. Medaille), ehem. au) Schaugrofhen, Schau:
pfennig, u. als Sammelw. Schaugeld; der Schauplaß, eig. der Plas,
auf welchem etwas zur Schau öffentlich vorgeftellt wird, insbe. die Schau-
bühne (das Theater); in weiterer Bed. u. uneig. der Ort od. Raum einer jeden
Handlung, Thätigkeit, od. Begebenheit (z. B. der Schauplag des Krieges;
der Schauplaß feines Wirkens; der große Schauplag der Welt; vom Schau:
pla& abtreten, uneig. f. fterben); das Schaufpiel, 1) überh. ein Spiel, eine
Kunft- od. Kraftübung, u. in weiterem Sinne jede Handlung, zur Beluftigung
von Zufchauern veranftaltet (z. B. ein Thiergefecht, Seiltänger-, Zafchenfpie-
lerfünfte u. dgl.); uneig. jeder Vorgang, fofern man ihm mit befonderer Emp-
findung zufchaut, finnv. Anbli (es war ein rührendes Schaufpiel; der Son-
nenaufgang ift ein erhabenes Schaufpiel, u. dgl.); bibl. insbe. ein Gegenftand
des Hohnes u. der Verfpottungz; 2) in engerer Bed. eine Gattung von Dich—
tungen, beftehend in einer von redenden Perfonen dargeftellten menfchlichen
Handlung od. Reihe in einander greifender Handlungen, die zu einem Kunft-
ganzen geftaltet find (fr. Drama; ein Schaufpiel dichten, fchreiben zc.; Arten
desfelben find: Trauer-, Luft», Singipiel 2c.), in der Regel zur Aufführung
auf der Schaubühne beftimmt, daher in diefem Sinne aud) Bühnenftüd ge
nannt (ein Schaufpiel geben, aufführen 2c.); auch die Aufführung od. Vor—
ftellung felbft (ins Schaufpiel gehen, das Schaufpiel befuchen); in engfter Bed.
eine Art von Dichtungen diefer Gattung, welche die Mitte zwiichen Luft und
Trauerfpiel hält (ein bürgerliche, rührendes Schaufpiel); fehaufpielartig od.
-mäßig, Bw. (fr. dramatifch); der Schaufpieldichter (dramatifcher Dichter);
die Schaufpieldichtung (dramatiſche Poefie); das Schaufpielhaus, Ger
bäude zur Aufführung von Schaufpielen; die Schaufpielfunft, Kunft der
Darftellung od. Aufführung von Schaufpielenz; das Schaufpielwefen (Thea—
terwefen); fchaufpielen, untrb. ziellof. Zw., wenig gebr. f. etwas zur Schau
vorftellen, ein Schaufpiel aufführen; uneig. im Leben fich verftellen, eine er-
heuchelte Rolle ſpielen, fich zieren (in diefem Sinne auch wohl: ſchauſpie—
lern); der Schaufpieler, die Schaufpielerinn, wer die Schaufpielfunft
ausübt, Bühnenkünſtler (fr. mimifcher Künftter); fchauftellen, ziel. Zw.
(teennbar, doch in getrennter Form nicht gebr.), zur Schau ftellen, ausftellen;
der Schaufteller; die Schauftellung; das Schauſtück, ſ. Schaumünge;
die Schauftufe, in einer Sammlung zur Schau aufgeftellte Erzſtufez; der
Schautanz, Bühnentanz vor Zuf—hauern (fr. Ballet); der Schautänzer,
(fr. Ballet-Zänger); der Schauthurm, die Schauwarte, ein Shurm zur
Umfchau (f. das fr. Belvedere); ſchautragen, ziel. Zw., zur Schau tragen
(f. 0.); — Ableit. ſchaubar, Bw., landſch. f. fähig, befchaut zu werden
(niederd. ein Deich ift fhaubar, d. i. in folchem Stande, dafs er befichtigt
werden Kann); dev Schauer 1., -8, M. w. E. (altd. schouwaere), wer
— — *
— “ — > ———
EEE
Schauer 643
fhaut, gew. nur in: Zuſchauer; landſch. insbef. wer etwas befichtigt, in
den Zſetz. Brod⸗, Fleifch-, Deichichauer; ehem. auch f. Seher (Prophet); die
- Schauung (altd. schouwunge), vit. f. dns Schauen; niederd. f. Befichti-
gung, 3. B. der Wege, Deiche ıc.
Schauer 2. m. (auch f.), -8, M. w. €. (Nebenform von Scheuer,
Scheure, altd. scüra, schiure; oberd. der Schaur, niederd. Schur, ſchwed.
skur; von ber Wurzel sca, scu, bededen (f. unter Schatten), alfo urfpr. Bedeckung,
daher auch das niederd. Schur ehem. Fell, Haut bedeutete), ein bedeckter Det,
welcher Schug gegen Regen u. rauhe Witterung gewährt, Obdac (daher: im
Schauer ftehen); bef. ein leichtes Gebäude, worin etwas vor dem Wetter
gefchügt ift, eine Wetter: od. Negenhütte, ein Schoppen (3. B. ein Wagen-,
Bienenfchauer 2c.); fehauerig 1., Biw., vor der Witterung geſchützt, bedeckt;
fchauern, ziellof. Zw. (altd. schiuren, niederd. ſchuren), landſch. f. Schuß
gewähren, fehirmen.
Schauer 3. m., -8, M. mw. €. (altd. schouwer u. schiuwer, schiure;
altoberd. der u. die Scheur, Scheuren, Scheirn; niederd. Schauer, Schouwer,
Scewer, Scheuer; wahrfch. von gleicher Abkunft mit Schauer 2., alfo urfpr.
ein bedecktes Gefäß; vgl. auch das griech. 0xeVog), vlt., ein großer Zrink-
becher, goldener od. filberner Pokal mit einem Dedel.
Schauer 4. m., -8, M. w. €. (goth. skura, altd. scür, schür, schiur;
oberd. Schaur, niederd. Schur; isländ. u. ſchwed. skur, angelf. schr, engl.
shower, holl. scheure; wahrfch. von einer eigenen Wurzel scur, welche zit-
ternde Bewegung bezeichnet), überh. fchnell vorübergehende Erfchütterung,
augenblicliche heftige Bewegung, insbef. 1) im Luftraume, daher ehem.
Sturm, Gewitter mit Hagelfchlag, Coberd. insbef. f. Hagel, daher Zfeg.
wie: "das Schaueramt, Hochamt, Meffe mit der Bitte um Abwendung von
Hagelwetter; das Schauerfreug, hölgernes Kreuz als Hagelableiter; [ch aus
erfhläkhtig, vom Hagel zerfchlagen 2c.); jest jeder fehnell vorübergehende
Platzregen od. Hagel (ein Regen, Dagelfchauer; in diefem Sinne landſch.
auch: das Schauer; niederd. Schur au: eine dunkle Wetterwolke); 2) ein
augenblicliches Erzittern des Körpers u. bef. der Haut, als Wirkung der
Kälte, des Schreckens, des Abfcheues 2c., ſinnv. Schauder, welches einen
höheren Grad des Schauers bezeichnet (es läuft mir ein Schauer über die
Haut; mich befällt ein Schauer 2c.); auch eine ähnliche, mehr innerliche
Empfindung, als Wirkung der Ehrfurcht, des Staunens, der feierlichen
Stille ze. (ei fanfter Schauer durchbebt die Glieder; heilige Schauer ergreifen
die Seele 2c.); in engerer Bed. ein Froft-Anfall im Fieber (Fieberfchauer),
u. überh. ein vorübergehender Krankheitsanfall (z. B. ein Anfall von Ra=
ferei: feinen tollen Schauer haben; niederd. ein Anfall der Fallfucht, der
Schlafſucht 2c.; landſch. verkl. das Schäuerhen, Krämpfe, Zuckungen der
Kinder, daher: am Schäuerchen fterben); uneig. jeder vorübergehende Zus
fall od. Zuftand, eine gewiffe Weile od. Zmifchenzeit (4. B. gute od. helle
Schauer eines Kranken); fehauern, ziellof. Zw. (altd. schuren, schiuren;
oberd. fchauren, fcheuern, niederd. fchuren), 1) unp. es fehauert, oberd. f.
es hagelt; niederd. f. der Himmel bewölkt ſich; 2) von Schauer ergriffen,
erfchüttert werden, Schauer empfinden, finnv. ſchaudern; doch drückt
ſchauern minder heftige Bewegung, bei. als Wirkung fanfterer Gemüthsre-
gungen, aus, a) perfönl. (3. B. ich fchauere vor Freuden; die Haut fchauert
418
644 ſchauern — Schaufel
mir; dicht. auch f. Schauer erregen od. verbreiten, z. B. ftille Ahndung
ſchauert durch meine Seele); b) unp. mit dem Dat. der Perf.: es ſchauert
mir od. mir fchauert (z. B. vor Kälte; vor dem Zode ꝛc.; mir fchauerf,
wenn ich daran denke 2c.; nicht gut: mich fchauert); — Z3ſetz. v. Schauer:
der Schaueranblid, das Schauerbild, Schauergefühl, Schauergemälde,
die Schauergefchichte, Schauernacht, Schauerftille, Schauerthat zc.,
Schauer erregender Anblick, ein foldhes Bild, Gefühl u. f. w.; fehauerkalt,
Bw., fo Ealt, dafs man fchauert; die Schauerfälte: die Schauerfchlange,
eine fehr giftige Klapperfchlange, deren Anblick Schauer erregt; ſchauervoll,
Bw., in hohem Grade Schauer erregend; — Ableit. fchauerig 2, Bw.,
Schauer empfindend, od. verurfachend, bef. durch Kälte (mir ift ſchauerig;
eine Schauerige Nacht, Witterung ꝛc.); fchauerlich, Bw., mit Schauer ver
bunden, Schauer erregend (eine Schauerliche Sefchichte) ; innerlichen Schauer
empfindend (mir wurde dabei ganz fchauerlich 2c.); die Schauerlichkeit, das
Schauerlichfein, die fchauererregende Befchaffenbeit.
Ichauern, Zw. 1. f. unter Schauer 2.5; — 2. f. unter Schauer 4.5 —
3. ziel. Zw., landfch. gem. f. ſcheuern; insbef. die Leinwand—, d. i. mit
dem Schauerholz od. Schauerbreft reiben u. glätten.
Schauernadht, -ſchlange, -that, frhauervoll, ſ. unter Schauer 4.
Schaufel, w., M. -n, Verkl. das Schäufelhen, oberd. Schäuflein,
(altd. scüfala, setifla, schüvel; niederd. Schufel u. Schüppe, Schuppes angell.
sceofl, scofl, enal. shovel u. scoop; ſchwed. skofwel; holl. schuiffel, schoeffel ;
verw. mit ſchieben; od. mit jchöpfen?), ein löffelähnliches Werkzeug, be-
ftehend aus einem breiten, in der Regel flach vertieften Körper an einem Stiel,
um damit etwas aufzufaffen und fortzufchieben od. überh. fortzufchaffen
(die Feuer, Kohlen-, Korn’, Malz, Wurfſchaufel 2c.); auch andere flache,
breite u. verhältnifsmäßig dünne Körper oder Körpertheile, Tofern fie et-
was aufzufaffen u. fortzufchieben dienen; z. B. der untere, flache heil des
Ruders; an Mafferrädern die Bretter, auf welche das Maffer fällt; uneig.
wegen der ähnlichen Seftalt: die breiten jpik zulaufenden heile des Ankers;
die breiten Afte an den Geweihen der Damhirſche, Rennthiere u. Elendthiere:
oberd. Schäufelein f. Arzneitäfelchen (z. B. Huſten-, Pfeffermünzichäufes '
lein 20.); das Trittſchäufelein f. die Thürſchwelle, der Tiſchſchämel; —
3fes. das Schaufelband, Schloff. Ihaufelförmiges Band od. Thürbefchlag:
das Schaufelbein, jchaufelförmiges Bein, bei. an den Bienen; der Schaufel-
bohrer, Bergw. ein großer, fchaufelförmiger Bohrer; der Schaufelbürger,
landſch. f. Pfahlbürger (f. d.), urfpr. wohl ein mit der Schaufel arbeitender
Zaglöhner in der Vorſtadt; Fchaufelfürmig, Bw., die Form einer Schaufel
habend; das Schaufelgehörn od. -geweih, ein Geweih mit breiten fchaufel-
förmigen Äſten; der Schaufelhirfch, ein Hirfch mit einem Schaufelgehörn,
bef. der Damhirſch; die Schaufelfunft od. das Schaufelwerf, eine Wafler-
£unft, welche mittelft umgetriebener Schaufeln einen Teich ausichöpft; das
Schaufelohr, fchaufelförmiges Ohr, bei. eines Pferdes; das Schaufelrad,
ein durch den Druck des Waſſers bewegtes Nad mit Schaufeln (f. o.); das
Schaufelrecht, 1) das Recht, den Ader eines Andern für einen gewiſſen
Zins zu bauen; 2) das Recht, einen Graben od. Flufs mit Hülfe der Schau:
fein zu reinigen, f. v. w. der Schaufelfchlag, welches auch den beim Reini-
gen ausgeworfenen Schlamm bezeichnet; der Schaufelzahn, ein fchaufelför-
Schauf-Eule — Schaum 645
miger, unten breiter und dünner Zahn, wie die Vorderzähne der Hirfche,
Pferde 2c.5° und der Schafe nad) dem vollendeten erften Jahre (auch bloß:
Schaufeln, vergl. u. Schaufler); — Abteit. fchaufelicht, Bw., ſchau—
felähnlich, fchaufelförmig; fehaufelig, Bw., mit Schaufeln verfehen;
fchaufeln, zielloſ. u. ziel. Zw. (oberd. ſchäufeln, niederd. ſchüfeln, fchüppen),
mit der Schaufel arbeiten; mit der Schaufel fortfhieben od. fortfcyaffen
(3. B. Sand, Korn zc. auf einen Haufen od. zufammen —); mit Schaufeln
verfehen (ein Wafferrad); der Schaufler, -$, 1) wer fchaufelt; 2) ein
Thier, bef. ein Schaf mit Schaufelzähnen: Zweifchaufler, ein jähriges
Schaf, welches ftatt der zwei mittleren Hundszähne Schaufelzähne bekommen
hat; VBierfhaufler, ein zweijägriges Schaf mit vir—, Schsihaufler,
ein dreijähriges mit ſechs Schaufelzähnen.
Schauf-Eule, w., auch der Schaufaut, Schufut (altd. schofüt, nie-
derd. Schuwut; vgl. das franz. chouette), landſch. f. der Uhu.
Schaufler, f. unter Schaufel; — ſchaufrei zc. — Schauherr, f. unter
ſchauen.
Schauke, w., M.-n, (altd. schoc, G. schockes, ein kleines Fahrzeug),
Schiff. eine Art länglich vierediger Fahrzeuge, deren man ſich beim Kalfa-
tern bedient. -
fchaufeln, Zw. (gem. ober= u. niederd. fchodeln, ſchuckeln, von einem älte-
ren u. landſch. schoggen, ſchocken, ſchucken, ſchauken, f. in ſchwingender
Bewegung fein, fchtwingen, ſchütteln; altd. schoc, drehende Bewegung, Schwung;
isländ. u. ſchwed. skaka, angelf. scacan, engl. shake, ſchütteln, erſchüttern;
franz. choquer, choc 2c.), 1) ziellos m. haben, fich fehwingend od. ſchwe—
bend hin und her oder auf und nieder bewegen, finnv. ſchwanken (ein
Schiff ſchaukelt auf den Wellen; mit dem Stuhle, mit dem Kahne ſchaukeln);
2) ziel. einen od. fih—, fehwingend od. ſchwankend hin u. her bewegen
(@- B. auf einem Stuhle, u. befonders auf einer Schaufel); die Schaufel,
M.-n, (oberd. auch: der Schaufel, gem. Schodel, Schudel), ein Werk—
zeug zum Schaufeln, z. B. ein in der Mitte aufliegendes Brett, auf deffen
Enden Perfonen fisen, die fi) abwechjelnd auf- und nieder bewegen, niederd.
eine Wippe; bef. ein an beiden Enden befeftigtes herabhangendes Seil
mit einem Sig in der Mitte, auf welchem man fic) felbft od. einen Andern
hin und her ſchwenkt (niederd. ein Schodler, Schodreif); der Schaufe-
Yer od. Schaufler, -8, wer fich oder Andere ſchaukelt; was eine ſchau—
kelnde Bewegung hat, daher Neuw. für den Versfuß — vv — (fr. Cho—
riambus).
ſchaulegen, Schauluſt, ſchauluſtig, ſ. unter ſchauen.
Schaum, m., -e8, M. (ſelten) Schäume, (altd. scüm, schüm ; oberd. chem.
auch Schaim, gew. Faim, Faum, f. d.; niederd. Schum; isländ. u. ſchwed.
skum, engl. scum; ital. schiuma, franz. ecume; — wahrfch. urfpr. — dem
lat. spuma vd. spuere, fpeien, fo dafs scum durch Übergang des p in k aus spum
entft. ift), eine durch äußere od. innere Bewegung (Gährung) in zufammen-
hangende Bläschen verwandelte Flüffigkeit (4. B. auf der Oberfläche des
bewegten Waffers, vor dem Munde eines Pferdes, eines vafenden oder fall-
ſüchtigen Menfchen 2c.; das Eiweiß zu Schaum fchlagen ze.), bei. fofern fich
diefe Bläschen in Folge der fich entwicelnden Luft auf die Oberfläche eines
flüffigen Körpers feßen (dev Schaum der firdenden Milch u. anderer Speifen
646 Schaumünze — Sched
im Kochen; der Schaum des Bieres ꝛc., des gefchmolzenen Metalles zc.);
uneig. f. etwas Nichtiges, Wefenlofes, Wergängliches (Träume find Schäu-
me); auch f. etwas Schlechtes, Untaugliches, gew. Abfhaum; — fee.
Ihaumbededt, Bw., mit Schaum bededt; die Schaumbdiele, Schiff. ein
Brett an dem Steuerruder, an welches das Waſſer ſchäumend anfchlägt;
Schaumgeboren, Bw., dicht. f. aus Schaum geboren (die Schaumgeborne,
gr. Aphrodite, die Liebesgöttinn nach der alten Fabell.); das Schaumgolp,
Ichauntartiges Gold zur Malerei; Goldfhaum; die Schaumfelle, eine Kelle
(. d.) zum Abſchöpfen des Schaumes, auch der Schaumlöffel; die Schaum:
fette, Kinnkette am Pferdegebiffe; das Schaumfraut, eine mit der Raute
verwandte Pflanzengattung, auf deren Blättern ſich der fogen. Kuckuksſpeichel
häufig findet; der Schaummohn oder das Schaumröslein, der gemeine
weiße Behen; fehaumweiß, Bw., weiß wie Schaum; der Schaummurm
od. das Schaumthierchen, die Larve einer Art Heufhrecengrillen, welche
den fogen. Kuckuksſpeichel (f. d.) erzeugt, auch Speiwurm; die Heufchreden-
grille felbft heißt: Schaumfliege, Flohheuſchrecke; — Ableit. ſchaumicht,
Bw., ſchaumähnlich; fehaumig, Bw., Schaum habend, fchaumend;
ſchäumen, Zw. (altd. schümen, niederd. ſchümen; ſchwed. skuma, engl. scum),
1) ziellos m. haben (in diefer Bed. oberd. fhaumen), Schaum von ſich
geben od. erzeugen (das Meer, das Bier 2c. ſchäumt; er Thäumte vor Wuth);
auch f. ſich ſchäumend bewegen (dev Bergftrom fhäumt aus dem Felfen);
2) ziel. etwas—, in Öeftalt eines Schaumes hervorbringen od. äußern
(ev Shäumt Geifer und Zorn; bibl. der Mund der Gottlofen ſchäumet Böfes);
vom Schaume reinigen, ſ. v. w. abfchäumen (das Fleifh, den Honig, das
Wachs ꝛc. —; uneig. das Meer —, Schiff. f. des Raubes wegen auf dem
Meere umherftreifenz daher dev Meerfhäumer f. Seeräuber); der Schau:
mer, -8, in Papiermühlen eine Walze, welche den Zeug vollfommen fein
u. gleichfam zu Schaum macht; der Schäumer, -$, wer etwas ſchäumt,
d. i. abſchäumt; Yandfch. auch f. Schaumteelle.
Schaumünze, -pfennig, Schaupla&, ſ. unter fchauen.
Schauprahm, m. (wahrſch. f. Schaub-Prahm v. fchauben f. fchieben;
val. Schaub, Schauber), landſch. Schiff. ein Prahm (f. d.) zum Überfahren
über ſchmale Waſſer, zum Kolfatern der Schiffe zc.
Schaufpiel ꝛc., fchauftellen ze. — Schauwarte, f. unter fchauen.
Schech od. Schecht, f., -e8, M. -e, (gl. Schacht), niederd. f. Schaft,
Stange, Spieß; bei. Schiffb. landfch. f. das Kriech (f. d.), auch: der
Scheg.
ſchechten, zielloſ. Zw. (engl. shift), niederd. f. ſchnell laufen, umherſtrei—
fen (herumſchechten).
Scheck od. Schecke, m., -en, M. -en, od. die Schecke 1., M. -n,
(oberd. der Sched, Scheel; ſchwed. skaek; vgl. das isländ. skakr, ungleich),
ein Thier, bef. ein Pferd, mit farbigen Sleden auf weißem Grunde od.
mit weißen lecken auf farbigem Grunde (nach Berfchiedendeit der Zeich—
nung: Blau, Braun, Fuchs-, Gelb, Schwarzichede); überh. ein buntge—
flecktes Thier, daher f. die Nalle, u. eine Art bunter Lerchen; das Scheck—
chen, eine Art Enten, die Sommerkrieke; der Schedart, -es, M. -e,
landſch. f. die Elfter; die Sched- Ente, Eisente od. weiße Nonne, Winter-,
Kreuzente 2c.; ſchecken, landſch. auch ſcheckern, ziel, Zw. (oberd. auch ſcheggen,
Schede — Scheibe 647
engl. shag), buntfledig machen, bef. das Mw. geſcheckt (landſch. auch ge:
ſcheckert), f. v. w. fehedig, Bw. (landſch. gem. ſcheckerig; engl. shagged,
shaggy), gefledit wie eine Schede, überh. buntgefledit (daher: buntſcheckig;
ein fchediges od. geichecdtes Pferd; uneig. gem. ſich fchedig lachen, f. über:
mäßig lachen).
Schede 2. w., M.-n (altd. auch Schegge, Scheke; vgl. Jacke u. das
altfranz. jacque), vlt., ein zur ehemal. Eriegerifchen Bekleidung gehörendes
enganfchließendes dick gefuttertes und durchftepptes Leibkleid.
Schede, w., M.-n (vom niederd. ſcheden f. ſcheiden; vgl. d. griech.
oyiön), niederd., ein Holsfcheit, eine Latte, ein durchgeſtecktes Querholz;
der Scheden, -8, landſch. Wafferb. ein 5 Fuß langes gefchnittenes Stüd
Holz, bei Schlengenwerken gebraudit.
Schedel, m., ıc. ſ. Schäbel.
fcheel od. ſchel, Bw. (altd. scelah, sceleh, schelch; oberd. ſchelch, ſchelk,
fchiel; niederd. ſchell f. krumm, quer, u. Scheel f. fchielend; ſchwed. skaelg;
angelf. scel, sceol; von gleicher Wurzel mit dem griech. 0z0Jıos, 0xeAl0s,
u. wahrfch. auch d. lat. scelus; vergl. fchielen), urfpr. u. noch landſch. ſchief,
verbogen, krumm, quer (z. B. oberd. windſchelch f. windfchief); jest
insbef. ſchief od. feitwärts blickend, fchielend (fcheele Augen), bei. uneig. f.
mifsgünftig, neidifch, unzufrieden (fcheel zu etwas ſehen; fcheele Blicke,
Mienen 2c.); oberd. auch f. argliftig, betrügeriich; die Scheelfucht, die herr-
chend gewordene Neigung, zu Anderer Vorzügen od. Vortheilen ſcheel zu fe-
hen, ſinnv. Mifsgunft, Neid, Eiferſucht; fcheelfüchtig, Bw., Scheelfucht
hegend und zeigend, mifsgünftig 2c.; die Scheelfüchtigfeit, das Scheelſüch—
tigfein.
Scheere, w., ſcheeren, ſ. Schere, fcheren.
Schefe od. Schäfe, w., M. -n, (vgl. Schelfe u. das altd. cheva), ſchwäb.
f. Hülfe, Schote von Hülſenfrüchten; die Hülfenfrucht felbft, bef. Zucker—
erbſe (auch Scheferbfe, Schäferbes; einem in die Schefen gehn, uneig.
f. ihm ins Gehege Eommen).
Scheffe, m., f. v. w. Schöffe, Schöppe, f. d.
Scheffel, m., -$, M. w. E. (altd. scefil, altfächf. skepil, nieberd.
Schepel; verfch. von dem oberd. Verl. das Schäfflein, Schäffel von
Schaff, Gefäß; aber mit diefem von gleihem Stamme; f. Schaf), ein
Maß zu trodnen Dingen, insbef. ein Getreidemaß, gemeiniglich in 4 Vier-
tel oder 16 Mesen getheilt, und — „5 Malter; der Berliner Scheffel ent-
hält 3072 preuß. Kubikzoll und hat 22 Zoll im Durchmeffer (uneig. einen
Scheffel Salz mit Iemand gegefien haben, d. i. lange mit ihm zufammen ge-
lebt haben); landſch. auch ein vierediger Kaften ohne Boden, 2 Ellen lang,
14 Eile breit, 4 Elle Hoch, zum Meffen der Pflafterfteine; auch als Feld-
maß fo viel Land als man mit einem Scheffel Getreide befäen kann; der
Scheffelfad, ein Sad, welcher einen Scheffel Getreide faſſt; der Scheffel-
ſchatz, landſch. f. Scheffelfteuer, eine Abgabe von jedem Scheffel Getreide;
der Scheffelzehnte, der Zehnte vom ausgedrofchenen Getreide, Sadzehnte,
entg. Mandel-, Garbenzehnte; fcheffeln, ziellof. 3w. m. Haben, Landw.
vom Getreide: den Scheffel füllen, d. i. Körner geben (das- Getreide fchef-
felt gut).
Scheibe, w., M.-n, Verkl. das Scheibchen, oberd. Scheiblein, gent.
a nn
648 Scheibe J
Scheibel, (altd. scipa, scaba, schibe, urfpr. Kugel, Rad ꝛc.; oberd. die
Scheiben, auch Scheuben, niederd. Schiwe, holl. schyve, engl. shive; von
dem altd. ablaut. Zw. schiben, scheip, schiben, noch oberd. ſcheiben, ſchib
u. ſcheibte, gefchiben, f. fortrollen machen, kugeln, wälzen, drehen, wenden
Coerich. von fchieben, |. d.); daher auch oberd.: ſcheib, Fcheibs, ſcheibum,
als Nw. f. rund, vings), 1) ein um feinen Mittelpunkt beweglicher flacher
dünner Körper mit rundem Umfange, finno. Rolle (z. 8. die Scheiben od.
Rollen in einem Kloben, ſ. Kloben 2.; die Töpferfcheibe, |. d.; in den Müh—
len: runde Brettftüce, welche das Getriebe ausmachen 2c.); 2) überh. ein
Ereisformiger oder rundlicher dünner, flacher Körper, ohne den Begriff der
Beweglichkeit, z. B- die Schießſcheibe (nad) der Scheibe Schießen), Wurf-
ſcheibe (fr. Discus) ; niederd. ein rundes Tiſchblatt; die Scheibe der Sonne,
des Mondes (Sonnen-, Mondfcheibe), Tofern fie dem Auge als runde Flächen
erfcheinen; die Knieſcheibe (f. d.); die Salzicheibe, eine fcheibenförmige
fefte Salgmaffe, auch die Einfaffung od. das Gefäß, worin diefelbe ihre Form
erhältz bef. ein abgefchnittenes, dünnes, Aundliches Stüd, eine Schnitte
(z. B. einen Apfel, eine Rübe, Wurft zc. in Scheiben ſchneiden; eine Scheibe
Brod, Semmel 2c.); Jäg. das HDintertheil des Hirfches: die Scheibe; das
vundliche Stückchen Erde, welches der Hirſch im Gehen auffafft und fallen
räfft: das Scheibhenz 3) in weiterer Anwendung ohne den Begriff der
Rundung: ein flacher, verhältnifsmäßig dünner Körper, finnv. Platte,
Tafel (4. B. Glas-, Fenfterfcheibe (welche freilich ehem. rund waren);
Honig-, Wahsfcheibe (f. d.); Hüttenw. der obere erkaltete Theil des ge-
ſchmolzenen Kupfers 2c. nad) Abhebung der Schladen (die Scheiben reifen,
d. i. abnehmen); Zuchm. ein längliches Brettchen, womit nach dem Prefien
das Haar der Tücher niedergedrückt wird; Brau. ein zum Keimen aufgefchüt-
teter Haufen eingeweichten Getreides; oberd. auch ein zum Aufladen zufammen-
gefchlagener Heuhaufen; Naturk. eine Art platter Klipp- oder Bandfifche
(auch Scheibenfifch); — Zſetz. fheibenartig, -Ahnlich, -fürmig, Biw.;
die Scheibenaufter, eine Art Keiner, platter Auſtern; die Scheibenbanf,
die Ziehbank der Drathzicher; die Scheibenbirn, eine Axt platter Auguftbir-
nen; der Scheibenbohrer, ein mit einer Scheibe verfehener Drillbohrer, Zug-
bohrer; die Scheibenbüchfe od. das Scheibenrohr, eine Büchfe mit gezo-
genem Rohre zum Scheibenfchießen; der Scheibenhonig, Honig in Scheiben;
die Scheibenkfeule, in Gtashütten: die Eeulenförmig aufgeblafene Glasmafle,
woraus vierediige Glasfcheiben geformt werden; die Scheibenkrüde, Faſsb.
ſ. v. w. Reifbeuge; das Scheibenpulver, feines Schiefpulver, beim Schei-
benfchießen gebraucht; der Scheibenring, ein Ring an einer Scheibe z. 8.
eines Getriebes; auch eine der Kamille ähnliche Pflanze, die Ringblume; das
Scheibenfchießen, das feftliche Schiegen nach dev Scheibe; dev Scheiben-
ſchütze, wer daran Theil nimmt, bef. als Mitglied einer Schügengefellichaft;
die Scheibenfchnede, eine Art platter Schnivkelfchneden; das Scheiben-
thierchen, eine Art ſcheibenrunder Aufgufsthierchen; das Scheibenwerfen,
der Scheibenwurf, das Werfen, dev Wurf mit der Wurffcheibe (dem Discus)
im Alterthum; der Scheibenzieher, Klein Meffingdrathzieher, welcher ſich
zu feiner Arbeit einer Scheibe bedient; der Scheibenzug, Flaſchenzug; —
Ableit, ſcheibig od. ſcheibicht, Bw. (oberd. auch ſcheiblich, ſcheiblecht,
altd. schibeleht), ſcheibenförmig, ſcheibenähnlich, flachrund; alt u. oberd.
J—
ſcheiben — ſcheiden 649
auch f. walzenförmig u.-f. kugelrund; der Scheibler, -8, oberd. ein Fuhr⸗
mann, welcher Salz in Scheiben (f. 0.) ausführt; der Scheibling,, - 8,
M.-e, eine Art Äpfel, Scheiben-, Plattapfel; — fcheiben 1. ziet. Zw.
ablaut. Mw. gefchieben, (altd. schiben, scheip, schiben; vgl. 0. Scheibe),
nur oberd. f. rollen, Eugeln, drehen; 2. (auch ſcheibeln) ziel. Zw. (bloß
umend. Mw. gefcheibt), oberd. f. fheibenähnlich formen, Ereisförmig zu-
fammenlegen (z. 8. ein Seid; fih—, f. ſich ründen; das Mw. gefcheibt
f. gerlindet, rund.
ſcheiben 3. ziel. Zw. (isländ. ſchwed. skifa, skifvaz verw. mit Schiefer,
ſchiften), oberd. f. fpalten, Elieben.
Scheid, m., feheidbar zc. ſ. jcheiden.
Scheide, m., -n, M. -n, n. A. die Scheide J., M. -n (oberd. der
Schaid, Schaiden, Schaidfifch; vgl. die Schade), landſch. f. der Wels.
Scheide 2. w., M. -n, (altd. sceida, scheide; oberd. Schaid u. Schaiden,
niederd. Schede, Schee; altfächf. skedia, ſchwed. skida (auch Hülfe), angelf.
scaethe, engl. sheathz; wahrſch. von der ſanskr. Wurzel Ischid, bededen; alſo
urſpr. Bedeckung, Hülle, Gefäß; vgl. das Geſcheid; Geſcheide; das nie-
derd. Schut f. Haut; griech. 0zUros, lat. scatum (Schild); niederd. Schüte
f. Fahrzeug), eine hohle, längliche Bekleidung, fehmales Behältnifs oder
Futteral, bef. für die Klinge fchneidender od. ftechender Werkzeuge (Degen>,
Säbel-, Mefjerfcheide 2c.; das Schwert aus der Scheide ziehen, in die Scheide
ftecten); Naturk. eine dünne, hautige Bekleidung einzelner Theile von Thier-
und Pflanzenkörpern (z. B. die Blumenfcheide, f. d.; auc) der den Stamm
umfaffende Theil der Blattwurzel; die Mutterfcheide, ſ. d.); überh. Ahnliche
Bekleidungen anderer Dinge, z. B. am Kutfchkaften, an Pferdegefchirven:
die Bekleidung der Tragriemen u. der Zugftränge u. dal. m.; — 3feb. der
Scheidehafen, der Hafen, mittelft deffen die Degenfcheide. an dem Gehänge
befeſtigt wird; die Scheidemufchel, eine Art zweifchaliger, Länglicher Muſcheln,
auch Mefferfcheide, =fchale, =heft ze. genannt; fcheidenfürmig, Bw.; das
Scheidengras, eine Art des Wollgraſes, ſcheidiges Woll- od. Dungras:
die Scheidenhaut, Anat. fcheidenähntich bekleidende Haut; der Scheiden-
Fafer, eine Art Rüſſelkäfer; die Scheidenmündung, Anat. Mündung der
Mutterfcheide; — Ableit. ſcheidig, Bw., eine Scheide enthaltend, aus
Scheiden beſtehend (Pflanz. ein ſcheidiger Halm).
Scheide 3. w., Scheidebanf u. f. w. — Scheidemünze, f. unter
fcheiden.
ſcheiden, Zw. ablaut. Smpf. ſchied, Gonj. fehiede, Mw. gefchieden, (goth.
skaidan, Prät. skaiskaid; althochd. sceidan, sciad, gisceidan, u. nicht =ablaut.
sceidön, auch scidon, ————— mittelh. scheiden, schiet (u. als ziel. Zw.
scheidete), gescheiden; oberd. ſchaiden, ſchied u. fchaidet, gefchaiden u. gew.
geſchaidet; daneben auch ſcheiden, fchid, geſchiden; niederd. ſcheden; angelf.
scaedan; von der Wurzel skid, schid, fpalten, theilen; daher das griech.
0x0, ored«o ; lat. scindo), 1) ziellos m. fein, fic) entfernen, trennen,
mweggehen, eine Perfon od. einen Ort verlaffen (er fchied von ihr; von der .
Erde, von binnen, aus diefem Leben—, d. i. fterben; vgl. ab-, verjcheiden);
auch von der Zeit f. vergehen (das Jahr ift gefchieden; das fcheidende Jahr 2c.);
2) rückz. fih—, fic) trennen, von einander entfernen, auseinandergehen
(die Wege ſcheiden ſich Hierz Leib und Seele feheiden ſich, wenn man ftirbt),
-
650 fcheiden
auch in feine Beftandtheile gefondert werden (die Milch ſcheidet fi, wenn
fie gerinnt); 3) ziel. (in diefer Bed. ehem. u. noch oberd. auch umend. z. B.
bibl. Gott ſcheidete das Licht von der Finfternifs) örtlich trennen, entfer=
nen; begrenzen, abtheilen (die Wand fcheidet beide Zimmer; zwei Grund-
ftücte durch einen Graben fcheiden; die Alpen fcheiden Stalien von Deutſch—
Yand); den Zufammenhang, die Verbindung zweier Dinge od. Perfonen,
oder auch der Theile eines Dinges aufheben, auflöfen (der Tod wird uns
von einander fcheiden; ein Ehepaar ſcheiden; er hat fich von ihr fcheiden laſſen;
bibl. was Gott zufammenfügt, fell der Menſch nicht fcheidenz; wir find ge—
fchiedene Leute, d. i. wir haben keine Gemeinfhaft mehr mit einander); bef.
Ungleichartiges trennen, finnv. fondern, abfondern, einen gemifchten Stoff
in feine einfachen, reinen Beftandtheile zerlegen od. auflöfen (bibt. die
Schafe von den Böden—; das Gute vom Schlechten —; Bergw. die Erze
jcheiden, d. i. mit dem Hammer von dem tauben Geftein abfondern; das Gold
vom Silber ze.—, durch Schmelzung, Auflöfung in Scheidewaſſer zc.); alt
u. landfch. auch f. auseinanderfegen, entjcheiden, fchlichten (einen Streit,
Handel 2c.); — der Scheid, -e8, o. M., vlt. f. die Entſcheidung Gest nur
noch in: Beſcheid; chem. auch Abicheid, Unterfcheid 2c.); die Scheide,
M.-n, der Drt, wo zwei Dinge ſich fcheiden, bef. in den Zſetz. Grenz-,
Meg, Wetterfheide; die Grenze, Mark (die Scheide des Feldes); — Zſetz.
v. fcheiden: die Scheidebank, Bergw. die Bank, auf welcher das Erz ge-
ſchieden, d. i. mit einem Hammer, dem Scheideeifen od. Scheidefäuftel,
zerfchlagen wird; der Scheidebaum, Grenzbaum; der Scheideblid‘, Ab-
ſchiedsblick; der Scheidebrief, Eheſcheidungs-Urkunde; ehem. auch das fchrift-
liche Endurtheil eines Richters in einer Streitfache; das Scheideerz, Bergw.
das von dem tauben abgefonderte gute Erz; das Scheideglad,. Scheidek. ein
trichterförmiges gläfernes Gefäß zur Scheidung flüffiger Körper, auch der
Scheidetrichter; der Scheidefolben, ein Kolben €. d.) zur Scheidung
edler Metalle durch Auflöfung; die Scheidefunft, die Kunft, die natürl.
Körper in ihre Beftandtheile aufzulöfen, u. fie mit einander zu neuen Stoffen
zu verbinden; auch die Wiffenfchaft der Gefege u. Urfachen der Miſchung und
Scheidung der Stoffe (fe. Chemie od. Chymie); ſcheidekünſtig, Bw., un
paflendes Neuw. f. zur Scheidefunft gehörig (fr. chemiſch); der Scheide
Fünftler, wer die Scheidekunft verſteht u. übt (fr. Chemiker); der Scheide
kuſs, Abſchiedskuſs; der Scheidemann, it. f. Schiedsmann, Schiedsrichter;
das Scheidemehl, Bergw. beim Scheiden des Erzes abfallender Staub; die
Scheidemünze, Kleine Münze, mittelft deren Käufer u. Verkäufer ſich aus-
einander fegen (ſcheiden); der Scheideofen, Hüttenw. ein Ofen, in welchem
Silber durch Scheidewaffer gefchieden wird; der Scheidepfahl, Grenzpfahl;
Mühl. Pfähle, durch welche ein Gefälle von dem andern gefchieden wird; der
Scheidepunft, Grenz, Trennungspunft; Scheidepunfte, Spradl. |. v. w.
Trenn⸗ od. Trennungspunfte, ſ. d.; der Scheidefchacht, Bergw. ein Schacht,
wo die Erze von den Bergarten geſchieden werden; der Scheideſpruch,
Sprud) eines Schiedsrichters; die Scheideftube, Bergw. Stube, worin das
Erz gefchieden wird; die Scheideftunde, Abichieds>, Trennungs-, auch Ster-
beftunde; die Scheidewand, eine Wand, welche zwei Räume von einander
ſcheidet; in weiterer Bed. überh. ein dünner, flacher Körper, eine Haut u. dgl.,
welche einen Raum ducchfchneidet u. abtheilt (4. B. die Scheidewand der Nafe) ;
Scheig — ſcheinen GB
uneig. Alles, was zwei Dinge od. Perfonen von einander trennt od. entfernt
hält (2. B. VBerfchiedenheit des Glaubens, der Dankart zc. ift od. bildet eine
Scheidewand zwifchen Beiden zc.); das Scheidewafler, äsende Salpeter-
fäure, mit Waffer verdünnt, zur Scheidung der Metalle dienend; der Scheide-
weg, ein Weg, der ſich in zwei od. mehre Wege theilt, u. der Ort, wo dieſe
ſich fcheiden, aud) uneig. (am Scheidewege ftehen); auch f. Grenzweg zwifchen
zwei Stüden Landes; das Scheidewerk, Bergw. eine von den Erzen zu
fcheidende taube Steinart; das Scheidezeichen, Grenzzeichen; Sprachl. f.
Sastheilzeihen (fr: Interpunctiongzeichen); — Ableit. ſcheidbar, Bw., fähig
gefchieden zu werden, bef. in der Scheidek.; daher die Scheidbarfeit; der
Scheider, -8, die Scheiderinn, M. -en, wer etwas fcheidet (vgl. Mark-,
Sandfcheider 2c.); bef. Bergw. Erzſcheider; ehem. auch f. Schiedsrichter,
Entfcheider (altd. scheidaere); die Scheidung, die Handlung des Schei-
dens od. Trennens (nur in thätlicher Bed.; außerdem: das Scheiden,
d. i. das Weggehen, Abfchiednehmen, Sterben ꝛc.; aber die Scheidung zweier
Eheleute, Ehefcheidung); insbef. die Vorrichtung des Scheidefünftlers (Die
naffe—, durch Scheidewaffer; die trockne Scheidung, duch Schwefel od.
Spießglanz).
Scheig od. Scheif, f., -e3, M. -e, ein Furzes rundes Fahrzeug in der
Nordfee, bef. zum Fiſch- und Aufternfange.
fcheinen, ziellof. Zw. m. haben, ablaut. Impf. ſchien, Gonj. fehiene,
Mw. gefhienen, (goth. skeinan, Prät. skain, leuchten, neben skeina, die
Leuchte; althochd. scinan, scein, si scinun, giscinan, mittel. schinen, schein,
si schinen, geschinen; daneben das abgel. Factitivum; sceinan, scheinen,
scheinte, gescheint f. zeigen, darthun, offenbaren; oberd. fcheinen, ſchin und
ſcheinet, gefchinen u. geſcheint; niederd. ſchinen; fchwed. skina, angelf. scinan
(au) brennen), engl. shine; — urjpr. vieleicht: brennen, verw. mit dem
griech. zeieıy, lat. canere, candere?), 1) ein anhaltendes, helles Licht von
fi geben, finnv. leuchten, ſchimmern, bef. fofern der leuchtende Körper
felöft fichtbar ift (die Sonne, der Mond fcheint, hat gefchienen); alt u. dicht.
aud) f. glänzen, durch Glanz, Schönheit ꝛc. fichtbar fein, fich auszeichnen;
u, überh. f. fic zeigen, deutlich bemerkbar od. erkennbar fein, erfcheinen;
2) bef. auf eine gewiffe Art wahrgenommen od. empfunden werden, das
Anfehen od. den Anfchein haben, entg. dem Sein od. der wirklichen Be-
fchaffenheit der Sache (die Dinge feheinen oft anders, als fie find; er will ge
lehrt fcheinen, ohne es zu fein; er fcheint arm zu fein; dies fcheint ein gutes
Mittel zu fein), mit dem Dat. der Perfon (mir ſchien es nicht fo; du fcheinft
mir traurig zu fein 2c.), auch unp. es ſcheint, d. i. es hat das Anfehen ıc.
(3. B. es fcheint, dafs er nicht glücklich iſt; wie es fcheint, ift er böfe auf
mich 2c.); — ſchein, Bw. (altd. scin, schin) völlig vlt. f. hell, glänzend;
ſichtbar, offenbar, Elarz; der Schein, -e8, M. (nur in einigen Bed.) -e,
(althochd. scim, scimo, vgl. ſchimmern, Scham, Schemen; mittelh. schin ;
isländ. skin; niederd. Schien), 1) das Scheinen, d. i. das Sichtbarfein
eines leuchtenden Körpers (Sonnen, Mondfchein; Sternk. der Stand eines
Planeten im Verhältnis gegen andere, fr. Aſpect: gedritter Schein, wenn
zwei Planeten 120—, gevierter, wenn fie 9O—, gefehster, wenn fie
60 Grad von einander ftehen); das von einem leuchtenden Körper aus-
gehende Licht, ftärker als Schimmer, fchwächer als Glanz (einen Schein
652 fcheinen
von fich geben, werfen; der Schein des Feuers, einer Lampe zc.; einen Schein
am Himmel ſehen; vgl. Nordfchein, Wiederſchein); chem. auch f. Glanz,
fhönes Ausfehen (der Blumen Schein u. dgl.); oberd. insbef. f. Mond,
Mondgeftalt (der neue, alte, volle Schein zc. f. Neumond ꝛc.; auch
Schein insbef. f. Neumond, z. B. Sännerfchein f. Neumond im Zanuar 2e.);
2) das Äußere Ausfehn, die finnliche Erfcheinung eines Dinges; was
von einem Dinge in die Sinne fällt, od. die Art und Weife, wie ces un-
mittelbar wahrgenommen od. empfunden wird, entg. dem Wefen od. der in-
neren, wahren Befchaffenheit des Dinges (der Schein trügt; einen guten, od.
böfen. Schein haben; den böfen Schein vermeiden; etwas nur zum Schein
thun; einen unter dem Scheine der Freundfchaft befrügenz ‚der Schein ift
wider ihn, od. ev hat den Schein gegen ſich, d. i. er Scheint ſchuldig zu fein,
wenn er gleich vielleicht wirklich unfchuldig ift); 3) dasjenige,, wodurch etwas
fichtbar, offenbar, erkennbar (fchein, f. o.) wird: ein fhriftliches Zeugnifs,
eine Urkunde über eine Thatfache, Leiftung zc., bef. von Eleinen, ohne Förmlich-
keiten ausgefertigten Urkunden im gemeinen Leben, eine Befcheinigung (z. B.ein
Empfang, Poft-, Schuld, Tauf:, Traus, Todtenfchein ze. M. Scheind); —
3feg. in denen fchein= die Bed, der ‚äußeren finnlichen Erſcheinung, des
bloßen Anfcheins od. des Scheinbaren, entg. dem Wirklichen u. Wefentlichen,
hat, bedürfen größtentheils Eeiner befondern Erklärung, als: der Scheinbe-
helf; der Scheinbeweis; das Scheinbild od. gebilde; die Scheinbuße;
der Scheinchriſt; das Scheindingz die Scheinehe; die Scheinehre; der
Scheinfreund; die Scheinfreundfchaftz der Scheinfrieden; fcheinfromm,
Bw.; fcheingelehrt, Bw.; der Scheinglauben; das Scheinglüd; das
Scheingold, gemifchtes Metall, welches den Schein des Goldes hat; fehein-
groß, Bw.; die Scheingröße; der Scheingrund, ein bloß, fcheinbarer,
nicht wirklicher Grund; das Scheingut; der Scheinhandel, -Fauf, =ver-
frag, ein nur zum Schein gefchloffener Handel 2c.; fcheinheilig, Bw., den
äußeren Schein der Heiligkeit an fich tragend (als Hw. ein Scheinheiliger,
d. i. Heuchler, Kopfpänger); die Scheinheiligkeit: die Scheinherrfchaft ;
fcheinklug, Bw.; die Scheinklugheit; der Scheinförper; das Schein-
Yeben, f. ein jchwächliches, unwirkſames Dafein; die Scheinliebe; das
Scheinlob; die Scheinmacht; das Scheinmittel; der Scheinnußen;
die Scheinruhe; der Scheinſieg; der Scheintod, todähnlicher Starrkrampf;
feheintodt, Bw., nur dem Scheine nach todt (als Hw. ein Scheintodter 2e.);
die Scheintugend; das Scheinübel; die Scheinurfache; das Schein:
verdienft; das Scheinwefen; der Scheinwiderfinn, oder = widerfpruch
(f. das fr. Paradorie), u. dgl. m.; — andere Zfeg.: der Scheinbote, ober.
Rſpr. f. bevollmächtigter Stellvertreter; daher auch: die Scheinbotfchaft:
die Scheinfeder, an deutfchen Schlöffern das Gehäufe, welches die wahre
Feder verbirgt; der Scheinfafer od. Scheinwurm, im Dunkeln leuchtender
Käfer, Sohanniskäfer, Glanzkäfer, Glühwurm 2e.; die Scheinmwurzel, Pflanz.
aus der Wurzel hervortreibende Stengel, welche aus dem Boden hervorkom—
men; — Ableit. fcheinbar, Bw. (altd. schinbaere), ehem. f. deutlich in
die Augen fallend, augenfcheinlich, offenbar (z. B. auf ſcheinbarer That;
ehem. auch ſcheinbarlich, def. als Nw., z. B. Gott hat ihn fcheinbarlich
geftraft); auch f. ein gutes äußeres Anfehen habend G. 8. eine Waare
ſcheinbar machen; entg. unfcheinbar); jegt acw. was etwas zu fein feheint,
fcheißen — Sceit 653
ohne e3 wirklich zu fein, entg. wirklich, wahr (z. B. fcheinbare Unfchuld;
ein fcheinbarer Grund 2c.); daher die Scheinbarkeit, das Scheinbarfein;
fcheinig, Bw., alt u. landſch. f. einen Schein habend, verbreitend; in die
Augen fallend, anfehnlich, (gew. nur in Zſetz. wie fadenfcheinig, f. d.; oberd.
offenfcheinig f. öffentlich); Fcheinlich, Bw. (altd. schinlich), vlt. f. fichtbar,
in die Augen fallend, jest nur: augenſcheinlich; ein gutes Ausfehen
habend, glänzend Cicheintiche Kleider, Worte ze.); den Schein von etwas
habend, fcheinbar (nur in: wahrſcheinlich).
fcheißen, ziellof. u. ziel. Zw., ablaut. Smpf. ſchiſs, Gonj. ſchiſſe, Mw. ge-
ſchiſſen, (altd. scizan, schizen, rät. scheiz, schizzen, Mw. geschizzen;
niederd. fchiten; ſchwed. skita, angelf. seitan, engl. shitez franz. chier; verw.
mit Schießen; vol. auch das gr. Zee), niedr., den Überreft von verdau-
ten Speifen durch den Maſtdarm ausleeren; alt u. Landfch. auch f. hörbare
Blähungen abgehen laffen; (dies Wort gehört mit allen feinen Zſetz. und
Ableit. dev niedrigften Pöbelſprache an); der Scheiß, oberd. f. das Scheißen;
auch f. eine hörbar abgehende Blähung; die Scheiße, f. Menfchen= und
Thierkoth; alt (schize) u. oberd. auch f. Durchfall; — 3ſetz. die Scheiß-
beere, niedr. Benennung verfchiedener Beeren-Arten, insbe. f. Kreuzbeere;
Faulbeere; Beere des Hartriegels; Zaun- od. Heckenkirſche; Mehl- od. Schling-
beere 2.5 der Scheißdreck, ſ. Dred; der Scheißfalf, niedr., eine Art fal-
Eenähnlicher Patſchfüße im Norden; das Scheißhaus, niedr. f. Abtritt; das
Scheißfraut, f. Flachskraut; Springkraut; Waldbingelkraut, auch die Scheiß-
melde; die Scheißrübe od. wurz, f. Zaunrübe; — Ableit. der Scheißer,
-$, wer fcheißtz oberd. uneig. f. ein unanfehnlicher, Eraftlofer Menſch; die
Scheißerei, das Scheißen; uneig. f. ein fehlechter Handel, eine gering-
fügige, nichtsnusige Sache; feheißern, unp. zielloj. Zw., das Bedurfnifs
od. Verlangen zur Ausleerung fühlen (mic cheißert); daher fcheißerifch, Bw.
Scheit, f., -23, M. -er u. -e, Verl. das Scheitchen, oberd. Scheitlein,
(altd. seit, schit, M. schiter; oberd. Scheit, M. Scheiter; daneben: scheite,
w., oberd. die Schaiten, f. Holzſpan; u. der Scheit od. Schait fr Keil
zum Holzfpalten; altnord. u. ſchwed. skid, angelf. seidi, engl. shide: vergl.
das altd. sciton, schiten, oberd. ſcheiten, f jpalten, hauen, Nebenform
von fcheiden, ſ. d.), 1) überh. ein durch Spalten entftandenes Stud Holz
(M. gew. Scheite), insbej. ein großes Holzſtück von einem gefpaltenen
Baumklotz (Holz zu Scheiten ſchlagen; Klafter-, Brandſcheite 20); landſch.
auch die daraus gehauenen kleineren Stücke Brennholz (Scheitchem;
oberd. auch als Sammelw. in der Einh. f. geſpaltenes Brennholz überh.;
ferner ein gerades u. meift kurzes Holzſtück, als Werkzeug dienend G. 8.
das Packſcheit, Knetfcheit der Bäder, Richtſcheit, Grabicheit 2c.); landſch.
uneig. ein Backwerk in Form eines Scheites (Chriſtſcheitchen, zu Weih-
nachten gebaden); 2) in weiterer Bed. ein Bruchſtück von einem zertrüm—
merten hölzernen Körper, finnv. Trumm, jedoch nur in der M. die Schei-
ter gebr. (4. B. ein Schiff geht in Scheiter od. zu Scheitern); — 3 ſetz. der
Scheithauer, -fchläger, wer Holz zu Scheiten hauet, Klafterfchläger; das
Scheitholz, in Scheite gefchlagenes Brennholz; das Scheitmaß, Maß der
Klafterjcheite; der Scheitmeiler od. Scheitelmeiler, ein aus Scheiten zu—
fammengefegter Meiler (ſ. d.); der Scheiterhaufen, ein aus Scheitholz er-
richteter Haufen, Holzitoß, bei. ehem. um Leichen oder zum Tode Verurtheilte
654 Scheitel — Schelfe
darauf zu verbrennen; — Ableit. fcheiten, ziel. Zw., oberd. f. Holz zu
Scheiten fchlagen, überh. fpalten; Scheitern, ziellof. 3w. m. fein, in Schei=
ter od. Trümmer gehen, zertrümmert werden, bef. von Schiffen (das Schiff
iſt an einem Felſen geſcheitert); uneig. f. vernichtet, vereitelt werden (alle
feine Pläne, Unternehmungen ze. fcheiterten).
Scheitel, m., -8, M. w. E., alt u. oberd. w., M.-n (altd. sceitila,
scheitel, w.; oberd. die Schaitel; niederd. Schedel; v. dem altd. sciton,
schiten, fcheiten, fpalten; f. Scheit), der oberfte Theil des Kopfes, wo fich
die Haare theilen (fcheiten), Kopfwirbel (von der Fußfohle bis zum Schei—
tel, bibl. — bis auf die Scheitel); in weiterer Bed. der ganze behaarte Ober—
kopf; uneig. f. Gipfel, Spige (der Berge Scheitel); bei den Würmern bie
oberfte Hervorragung des Rüdens; auch) f. Scheitelpunkt, f. u.; — 3ſetz.
das Scheitelbein, Anat. die fhalenförmigen Knochen, welche den Scheitel
bilden; das Scheifelhaar, das Haar auf dem Scheitel; der Scheitelfreis,
Sternf. der größte Kreis der fcheinbaren Himmelskugel, welcher durch den
Scheitel- und Fußpunkt geht (fr. Verticalkreis); die Scheitellinie, die durch
den Scheitel u. Fußpunkt gehende gerade Linie, die Achfe des Geſichtskreiſes
(fr. Vertical-Linie); der Scheitelpunkt, der fenkrecht über dem Scheitel des
Beobachters gedachte höchfte Punkt des Himmelsgewölbes (fr. Zenith), entg.
Fußpunkt; fcheitelvecht, Bw., auf dem fcheinbaren Gefichtskreife ſenkrecht
ftehend, fo dafs die verlängerte Linie in den Scheitelpuntt trifft (fr. vertical);
der Scheitelwinfel, Sterne. der Winkel am Scheitelpuntte, welchen der
Scheitelkreis eines Sternes mit dem Mittagskreife eines Ortes macht (fr. Azi—
muth); — fcheiteln, ziel. u. rückz. Zw., die Haare —, d. i. auf dem Schei-
tel od. von dem Scheitel an vermitteift des Kammes nad) beiden Seiten hin
theilen (die Haare gefcheitelt tragen 20.); ſich —, ſich nad verſchiedenen
Seiten theilen (die Haare ſcheiteln ſich auf dem Wirbel).
Scheiterhaufen, ſcheitern, Scheithauer, =holz 1, f. unter Scheit.
fchel, Bw., f. ſcheel.
fchelb, fchelch od. ſchelk, Bw. (vergl. fcheel), oberd. f. fchief, fehräg,
zwerch, krumm; fcheel, fchielend; uneig. f. argliftig, betrügerifch; der
Schelch 1., -es (althochd. scelaho), altd. f. Bockshirſch (das Thier mit
fchielendem Bike); ſchelchen od. fchelfen, Zw. oberd. f. ſchief od. krumm
gehen; uneig. f. betrügen.
Schelch 2. m. u. f., -e8, M. -e (ggez. aus Schältich v. ſchalten, f. d.),
fränk. f. Flufsfahrzeug, Kahn.
Schelch 3. m., -ed, M. -e (vgl. Schäthengft, Beſchäler), vlt. f. Zucht:
ier.
' ſchelen, ziellof. 3w. (holl. scheelen, schillen, dän. skille; isländ. skilia,
. angelf. seylan, unterfcheiden; von der Wurzel scal, trennen, fpaltenz ſ. Schale),
niederd. f. 1) ungleich, verfchieden fein (z. B. weit von einander ſchelen; es
ſchelet viel) 2e.; 2) uneinig fein, zanken, ftreitenz; 3) fehlen, gebrechen,
mangeln (was fchelet dir?); die Schele, M. -n (angelf. scyle, Unterfchied;
holt. scheele) niederd. f. Uneinigkeit, Zwift, Streit; auch die Schelung
(mittelh. schellunge, Zwietracht; vgl. auch das oberd. ſchellig unter ſchel—
len 2.).
Schelfe, w., M.-n (altd. sceliva, schelve; von gleichem Stamme mit
Schale, ſ. d.; vgl. das angelf. scyl£f, engl. shelf, hol. schelf, schelve, Brett;
fchellen 655
isländ. skalpr, ſchwed. skalp, Scheide), Yandfch. f. Schale, Hülfe, def. die
häutige, biegfame Schale von Obft u. Hülfenfrüchten; ſchelfen, ſchelfern
(auch ſchilfen, ſchilfern), Zw. 1) ziel. f. ſchälen, in dünne Blättchen
ſpalten; niederd. (ſchelfen) ein Brettergerüſt machen; 2) rückz. fih—,
ſich in dünnen Blättern abſondern, abblättern, abſchuppen (die Haut ſchel—
fert od. ſchilfert ſich).
ſchellen 1. 3w., 1) ziellos (altd. scellan, schellen, ablaut. schal, woraus
ſchallen geworden iſt, ſ. d.) vlt. f. ſich ſpalten, trennen, zerbrechen, zer—
trümmert werden (noch in: zerfchellen); erſchallen, ertönen; ſchwäb. u.
ſchweiz. f. lärmend umherfchwärmen, umherlaufen (umfchellen; daher
ſchell, als Bw. f. umherlaufend); 2) ziellos u. ziel. (altd. scalian, scellian,
schellen, Prät. schalte, Mw. geschalt; vgl. fchälen 2.), alt u. landſch. f.
fchlagen, anfchlagen, trennen, brechen, zerfchmettern (daher: zerfchellen,
als ziel. Zw.; bair. Eicheln vom Baum fchellen, d. i. abfchlagen); ſchallen
machen, ertünen laſſen; gew. in engerer Bed. u. zielos m. haben f. die
Schelle oder Klingel ziehen, Elingeln, lauten (an der Thür—, dem Be-
dienten —) ; — die Schelle 1., M. -n, (altd. scella, schelle) was fchallt, od.
zur Hervorbringung eines Schalles dient; insbef. 1) ein fehallender Schlag
(nur in: Maulfchelte, ſ. d.); 2) eiferne Hand- und Beinfeffeln (Hand,
Fußſchellen; vielleicht weil fie ehem. mit Schellen (3) behängt waren);
3) landſch. f. Glöckchen, Klingel (in einigen Gegenden aud) die Glode einer
Schlaguhr); gew. Eleine hohle Metalltugeln mit einem beweglichen fchal-
lenden Klöppel; 4) die Figur einer Schelle in der deutfchen Spielfarte
wird Schellen genannt (dem franz. Garreau entſprechend; daher das Schel-
lendaus, der Schellenfönig, »Ober, -Unter; die Schellenadht ꝛc.);
3feg. v. Schelle: der Schellenbaum, ein Baum in Brafilien u. Oftindien,
deffen nufsähnliche Frucht eine harte Elingende Schale hat u. als Schelle ge—
braucht wird; das Schellengeläut, der Klang mehrer Schellen; das mit
Schellen verfehene Pferdegefchirr vor einem Rennſchlitten, welcher daher auch
Schellenfchlitten Heißt; die Schellenfappe, Narrenkappe (1. d.), am Zipfel
mit einer Schelle verfehen; die Schellenmufchel, Napfmuſchel; die Schellen-
pflanze, eine Pflanze mit glocenförmigem Blumenblatt (molana L.); der
Schellenſack, landſch. f. Klingelbeutetz die Schellenfchnede, verfchiedene
Arten Trompeten= od. Hornfchneden (die geflekte—, u. die Enotige—); dag
Schellenwerf, oberd. u. fchweiz. f. öffentliche Zuchtarbeit (weil die Sträf-
linge ehem. ein eifernes Halsband mit einer Schelle trugen); auch f. Zucht-
haus; fchellenwerken od. fchellwerfen, untrb. ziellof. Zw., folche Strafarbeit
verrichten; — 3ſetz. v. fchellen: der Schelladler, Entenadler; die Schell-
art, eine ftumpfe Art zum Zerfchlagen der Steinſalzbänke; das Schelleifen,
ein Werkzeug der Kupferfchmiede, womit der Kopf der Nägel rund geſchlagen
wird; die Schell- Ente, f. v. w. Schallente; der Schellhammer, Maur.
ein fcharfer Hammer zum Zerfchlagen großer Steine; das Schellharz (von
fchellen f. fpalten?), durch Risung gewonnenes Tannenharz; — Ableit. der
Scheller, -8, landſch. f. der Waldrabe; auch f. Schelte, Scheltiworte ; die
Schellung, ſelten f. das Schellen; insbef. eine ftarfe Erſchütterung der
Knochen durch einen heftigen Fall od. Schlag, ohne Knochenbruch.
fhellen 2. 3w., 1) oberd. (— dem niederd. ſchelen, f. d., alfo mit
Thellen 1. von gleicher Wurzel) ziellos f. fich trennen, weggehen, weg⸗
656 Schellhengſt — Schelm
ziehen, ziel. f. ſcheiden; 2) landſch. gem. f. ſchälen (ſ. unter Schale); die
Schelle 2., M. -n, gem. f. Schale, Hülfe; fchellig, Bw., oberd. f. nicht
zufammenhangend, uneben (griesfcheltig f. fteinig, vom Ader); wider
feslich, widerfpenftig, zornig, aufgebracht: wild, ausreißend (von Pfer-
den); — die Schellerbfe, landſch. f. Schotenerbfe, Palerbſe; der Schell-
fiſch, ein ſchmackhafter Seefifh vom Dorfchgefchlecht, be. in der Nordſee
(wahrfch. wegen feiner zwar Eleinen, aber fehr dichten Schuppen fo genannt;
vgl. das engl. scale, Scuppe); der Schelllad , tafelförmiger Stocdlad,
Platt- od. Tafellack; öſtr. auch f. Siegellad. h
Schellhengft, m., ſ. v. w. Schälhengft, Beſchäler, f. d.
Schellfraut, f. od. die Schellwurz (auch Schölt- od. Schollfraut;
mittelh. schellewurz; angebl. aus dem lat. chelidonium entft.; n. X. wegen
jeiner runden Schoten (Schellen, d. i. Schalen), 0d. wegen der Eleinen Höd—
lein od. Schellen an der Wurzel fo benannt; holl. scheldkrut, niederd. Schin-
Erut), eine an fchattigen Orten wachfende Pflanze mit rothgelbem, beißen
dem Saft, welchem man Heilfräfte zufchreibt: großes Schellfraut, Schwal-
benfraut, Gelb-, Goldwurz, Maikraut, Biberhödlein 2e.; Eleines Schele
£raut, eine Art des SHahnenfußes mit goldgelben Blumen, Scharbodö-,
Feigwarzenkraut zc.
Schelm, m., -e8, M. -e, oberd. auch -en, M. -en, (mittelhochd. schelme,
wahrſch. von gleichem Stamme mit Schale, fchälen, fchellen, Wurzel scal,
vom Abziehen der Haut; daher auch: ſchelmen, Zw., ehem. f. die Haut
abziehen, ſchinden; vgl. Schalm, fchalmen) 1) urſpr. u. noch landſch. ein ab-
gezogenes todtes Vieh, Aas, Leichnam (daher chem. wie ein Schelm ftinten
u. dgl.; niederd. fein Pferd zum Schelm machen laſſen, d. i. dem Schinder
übergeben); 2) alt u. oberd. f. anſteckende Seuche, Viehfeuche, Peft (altv.
scelmo, scalmo; z. B. an dem Schelm fterben; der Schelm kam unter das
Vieh; der Blut-, Milchſchelm der Kühe 2c.); landſch. auch ein verborgenes
Eörperliches Gebrechen, ein Schaden (er hat einen Schelm im Leibe u. dgl.);
3) ein ehrlofer, verbrecherifcher Menfch, finnv. Schurke, Spigbube (ie-
(änd. u. ſchwed. skelm, engl. skellum); insbef. ehem. ein für unehrlich er—
klärter Menfch (einen zum Schelmen machen, d. i. ihn durch Urtheilsfpruch für
ehrlos u. vogelfrei erklären; daher wahrfch. das heutige mehr jcherzh. „ein
armer Schelm“ f. ein bedauernswerther, Leidender Menſch); oberd. insbef.
der Verführer, Schwängerer eines Mädchens; jest überh. ein argliftiger Be—
trüger (zum Schelme werden, wie ein Schelm handeln; ein Schelm, wer es
thut! 2c.), u. bef. in gelinderem Sinne, oft fogar ſcherzh. u. liebkofend: ein |
ſchlauer, durchtriebener, muthwilliger Menfch, finnv. Schalf (ein Lofer‘
Scelm; den Schelm im Naden haben, |. Schalt; — da dieje legte Bed.
nur der neueren Sprache angehört, fo kann man Schelm 3) nicht, als von
1) u. 2) urfpr. verfchieden, von ſchelen, fchellen f. trennen, unterfcheiden
(vgl. gefcheit), ſchwed. skilja, einfehen, verftehen, engl. skill, Gefchiclichkeit,
Kenntnifs, ableiten, jo dafs es eig. einen gefchictten, gewandten, jchlauen
Menichen bezeichnete, fondern mufs es feiner urfpr. Bed. nad) als verädhlt.
Schimpfiw., wie Aa 8, faffen); — Zſetz. das Schelm- od. Schelmenauge,
ein ſchalkhaftes, jchelmifches Auge, u. eine Perfon mit folchen Augen; fo auch
das Schelm - oder Schelmengeficht; die Schelmbirn, eine Art großer
Herbftbirnen (franz. pendard); das. Schelmengras, landſch. f. das fpikige .
Schelfuht — Scelter 657
Riedgras; der Schelmenpfifferling, oberd. f. Gichtſchwamm, Hirſchſchwamm,
auch das Schelmen-Ei; das Schelmenlied, ein luſtiges, leichtfertiges Lieb;
landfch. überh. jedes nicht geiftliche Lied; bej. fchwäb. eine Art kurzer Tanz—
lieder: Schelmentliedlein, auch Schnitterhüpflein 2c.; die Schelm- oder
Schelmenfprache, Spisbubenfpracdhe; in milderer Beb. eine verftedte, An-
dern unverftändliche Sprache; dev Schelm- od. Schelmenftreich, ein hin-
terliftiger, betrügerifcher, od. in milderer Bed. muthwilliger Streich; jo auch
das Schelm- od. Schelmenftüd, ver. Schelmſtückchen; — Ableit.
fchelmen, ziel. u. ziellof. Zw. 1) ehem. f. ſchinden (f. 0.); 2) alt u. landich.
f. betrügen, wie ein Schelm handeln, unerlaubte Kunftgriffe gebrauchen
(z. 8. beim Kampf); einen—, oberd. f. ihn fiir einen Schelm erklären;
ſich — oberd. f. fich verfchlimmern; fchelmeln, ziellof. Zw., ſchwäb. Eleine
Betrügereien od. Schelmftüde verüben ; die Schelmerei, 1) ehem. f.
das Schinden, die Schindereis 2) die Handlungsweife, das Betragen
eines Schelms, argliftige Vetrügerei, u. in milderem Sinne: muthwillige
Schlauheit; auch f. Schelmenftreich, -ſtück (M. Schelmereien); fchelmig,
Bw., vlt. f. verpeftet, verderblich (ſ. Schelm 2); fchelmifh, Bw., einem
Schelm eigen od. gemäß, finnv. argliftig, betrügerifch, u. in milderem Sinne:
ſchlau, durchtrieben, ſchalkhaft (ſchelmiſch handeln; ein fchelmifches Lächeln ze.).
Schelſucht :c. ſ. Scheelfucht unter fcheel.
jchelten, ziel. u. ziellof. Zw. ablaut. ich fchelte, du fchileft, er fchilt, wir
fhelten 2c.5 Imper. ſchilt, fcheltetz Impf. fehalt, Conj. ſchälte u. ſchölte;
Mw. gefcholten, (altd. sceltan, schelten, ich schilte ıc.; schalt, schulten ;
gescholten; niederd. ſchelden, fchellen; angelj. scyldan; wahrſch. verw. mit
dem daraus entjprungenen ſchalten (f. d.), urfpr. ftoßen (daher noch mittelh.
nider schelten f. niederftoßen), überh. berühren, daher althochd. f. befleden;
dann ſchmähen, tadeln; vgl. den Übergang der Bed. in dem lat. oflendere;
n. A. von fchellen, fchallen, alfo urfpr. laut werden laffen? val. das fchwed.
skaella, bellen, jchelten), einen —, ihm feinen Unmillen laut Außern, finnv.
fhmähen, ſchimpfen, tadeln, verweifen; auch ziellos: auf Jemand,
uber etwas—, d. i. fich unwillig tadelnd äußern; u. überh. f. laut und
heftig fprechen, bef. in Leidenfchaft, finnv. ſchmälen, zanken (fie lärmt und
fhilt den ganzen Tag 2.); Gott—, od. fchlechtweg: fihelten, alt u. oberd.
f. fluchen; etwas-—, tadeln, mifsbilligen (ich kann es weber loben, noch
fchelten; chem. ein Urtheil fchelten, d. i. damit unzufrieden fich an ein höheres
Gericht wenden); ferner fiheltend od. ſchmähend benennen, mit doppeltem
Acc. (3. B. Semand einen Dieb, einen Betrüger ze..—); landſch. gem. auch in
gutem Sinne: einen für etwas erklären, ihm eine Eigenfchaft, einen Na-
men, Titel xc. beilegen (z. B. Jemand einen-gnädigen Herrn ſchelten, gew.
mit dem Nebenbegriff, dafs er diefe Benennung nicht verdiene; niederd. einen
quitt fchelten, d. i. frei, los Sprechen; einen unfchuldig jchelten u. dal. m.);
das Scheltwort, M. Scheltworte, ſcheltend gefprochene, heftig tadelnde
Worte; ehem. f. ehrenrührige Schmähworte (fr. Injurien); — die Schelte
(altd. scelta), völlig vlt. f. Schimpf, Schmähung ; die Schelte, als Mehrh.
0. E., gem. f. Scheltworte, Verweis (Schelte bekommen, d. i. ausgefcholten
werden); fcheltbar, Bw., vlt. was gefcholten zu werden verdient: der
Schelter 1., -8 (altb. scheltaere), wer fchilt, ein Tadler; ehem. f. Ankläger.
Schelter 2. m., -8, f. v. w. Schalter, Schälter, ſ. unter fehalten.
Heyfe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 42
658 Schemel — Schenkel
Schemel, m., ſ. Schämel.
Schemen, m., -s, M. w. E. (wahrſch. v. einem alten Zw. sciman, sche-
men f. ſcheinen; vgl. Scham, fchimmern u. Schein) 1) (altd. schime, scheme,
niederd. Scheme, Schemel) vlt. f. Schein, Schimmer: daher oberd. eine
Art Augenübel: das Schimmern vor den Augen, Mückenſehen (franz. mouche
volante); Schatten, Schattenbild (bibl. der Schemen im Waffer); jest
nur noch alterthümt. u. dicht. f. eine unforperliche, wefenlofe Erfcheinung,
nichtige, hohle, unwahre Geftaltz daher 2) alt u. landſch. f. Larve, Maske
(altd. scema, oberd. die Shem, Schiem); davon: der Schembart (gem.
Schembert, Schemperz gew. verderbt in Schönbart, Schönpart), oberd.
f. Gefichtslarve, Maske; das Schembartlaufen, chem. in Nürnberg eine
Faſtnachts-Luſtbarkeit, beftehend in einem Masten- Aufzug und -Tanz der
Fleiſcher; das Schembartbuch, ein Buch, worin die Namen, Kleidungen u.
Abzeichen der Theilnehmer an diefem Feſte aufgezeichnet wurden; das Schem-
haupt, vlt. f. Larve; — ſchemen, Sw:, niederd. f. befchatten; ſchemern,
ziellof. Zw. niederd. f. fchatten, dammern, dunkel fehimmern (vgl. ſchum—
- mern); bef. dunkel vor den Augen fehweben; das Schemern, die Sche-
merung, niederd. f. Dämmerung: Schimmern vor ben Augen (wie oberd.
Schemen, ſ. 0.).
Schenk, Schenke, ſ. unter ſchenken.
Schenkel, m., —8, M. w. E. Verkl. das Schenkelchen, (altd. seinca,
scinha, w., u. scinxél, schenkel; oberd. auch Schinkel; angelf. sceanc, scanca,
ſchwed. skank; vgl. Schinken u. das niederd. Schafe), das Bein von ber
Hüfte bis zum Fuße bei Menfchen u. Thieren (der Oberſchenkel, Unterfchentet,
vom Knie auf- und abwärts), gew. in beftimmterer Bed. nur der Theil von
der Hüfte bis zum Knie, ſ. v. w. die weniger edeln Lende, Dickbein; uneig.
f. verfchtedene ſchenkelähnlich in die Länge ausgedehnte Körper od. Körper:
theile; 3. B. die Schenkel eines Zirkels, d. i. die langen, ſpitz auslaufenden
Theile; im Weinbau das junge Holz, welches aus einer befchnittenen Rebe
wieder nachwächſ't; Bergw. die Leiterbäume, in welche die Sproffen eingefügt
find; auch der Sitz des Pferdetreibers am Göpel; Bauk. die Ständer an Fen-
ftern oder Thüren; der glatte Raum zwifchen den Vertiefungen der Dreifcjlige
(der Schenkel am Dreifchlis); Schiff. ein Ende von einem Zau, woran eine
Rolle hängt; an den Reitftangen die langen gebogenen Hauptftangen an ben
Seiten; Größenl. die Schenkel eines Winkels, (d. i. die beiden Linien, welche
den Winkel bilden); — Zſetz. das Schenfelbein od. der Schenfelfnochen;
die Schenfelbinde, eine Flechſenhaut, welche die Muskeln der unteren Glied-
maßen umgiebt; das Schenfelblatt, am Pferdegefchirre der über den hinteren
Schenkel herabhangende Theil; der Schenkeldeich, niederd. ein Deich, der
von einem Hauptdeiche nad) einem andern gezogen wird, Flügeldeich; die
Schenkellade, Nadl. eine Art Schraubftod, welcher auf dem Knie befeftigt
wird, um den Drath mit der auf den Schenkel geftemmten Schrotfchere zu zer-
ſchneiden; der Schenfelmusfel; die Schenfelwurzel, der oberfte Theil des
Beines, die Hüfte; — Ableit. fehenfelig, od. zgez. fehenklig, Bw., Schen⸗
kel habend, mit Schenkeln verfehen, gew. nur in Zſetz. u. zwar in eig. Bed.
3: B. dick-, dünn-, hochichenkelig 2c. (in diefem Sinne auch: geſchenkelt,
3: B. Ichön=, hoch gefchenkelt), u. umeig. 3. B. gleichſchenkelig (Größenl. ein
gleichfchenkeliges Dreied).
fchenfen 659
fchenken, ziel. Zw. (altd. scenhan, schenken, Prät. scanhta, schanete, nur
in der Bed. eingießen, zutrinken; angelſ. scencan, isländ. skenkja, ſchwed.
skänka; vgl. das angelf. scaenc, ſchwed. skänk, Becher) 1) urfpr. gießen,
eingiefen, jegt insbef. ein Getränk in ein Trinkgefäß gießen (Bier aus dem
Kruge, Wein aus der Flaſche in ein Glas fchenken zc.; bei. einfchenten;
auch: die Gläfer, die Zaffen voll ſchenken, d. i. ſchenkend anfüllen); das
eingegoffene Getränk darreichen (bibl. trinket des Weines, den ich ſchenke);
bei. einem—, ihm zu trinken geben, ihm zutrinfen (was im Mittelalter
immer beim Willlommen geſchah; ehem. aud) überh. einem Gafte Speife und
Trank vorfegen; daher allmählich die 2te Bed. (f. u.) entitand); landjch. einem
Kinde (oberd. ein Kind)—, f. 08 faugen laffen, ſäugen; ferner Getränfe
im Kleinen verkaufen, ausfchenken (Bier, Wein, Branntwein, Kaffee ze.
ſchenken; landſch. auch Salz —; vgl. Schand); 2) einem etwas — d. i.
unentgeltlich u. von freien Stücken zum Eigenthum geben, zum Geſchenk
machen, ſinnv. verehren, beſcheren; uneig. von unkörperlichen Dingen: zu
eigen machen, geben, zutheilen (z. B. einem ſein Herz, ſeine Freundſchaft —;
wenn Gott mir Leben u. Geſundheit ſchenkt); auch f. einem laſſen, was man
von ihm fordern oder ihm nehmen konnte, finnv. erlaſſen (einem eine
Schuld —, ihm das Leben Schenken; es foll dir geſchenkt fein, d. i. die Strafe
ſoll dir erlaffen fein); oberd. einem nicht viel ſchenken, d. i. ihm nicht viel
nadjgeben (z. B. an Größe, Stärke, Schönheit 2e.); — der Schenf ober
Schenke, -en, M. -en (altd. scenho, schenke), die Schenfinn, M. - en,
wer ein Getränk fchenkt, insbef. 1) wer feinem Heren das Getränf dar-
veicht (gem. Mundfchent; daher das Schenfenamt, Amt des Mundfchen-
fen); ein adeliger Lehnsmann, welcher feinem Lehnsheren bei feierlichen Ge—
legenheiten das Getränk darreicht (Erb-, Erzſchenk 2c.); 2) wer Getränke
in Eleinen Maßen ausſchenkt, Schenkwirth (Bier-, Weinſchenk xc.); landſch.
auc wer andere Waaren im Kleinen verkauft (ſ. Salzſchenk); die Schenke,
M. -n, ehem. f. Zrinkgefchirr, Kanne, Becher, Krug (fo noch bei dem
Sattlergewerbe); oberd. das Schenfmaß (die Schend); jest der Ort, wo
Getränke geſchenkt werden, z. B. in Speifefälen, im Hauswefen ze. ber
Schrank od. Tiſch, wo die Getränke ftehen u. gereicht werden; bef. ein
Öffentlicher Ort, ein Haus, wo Getränfe im Kleinen verkauft und ge-
teunfen werden (eine Bier, Wein-, Branntweinfchente; oberd. Schant,
nieberd. ein Krug; gew. mit dem Begriff des Gemeinen, insbef. auch von Dorf:
wirthshäufern; in Hannover aber heißen die angefehenften Gafthäufer: Schen-
ten); landſch. auch der Ort, wo andere Waaren im Kleinen verkauft werden
(& B. Salzſchenke); oberd. auch f. Schmaus, feftlihe Mahlzeit, wobei die
Säfte Geſchenke zu machen pflegen (Heirath-, Kinds: Schenke ꝛc.); — 3feb.
von Schenken: das Schenkbier, Bier, welches ausgefchenet wird, bef. oberd.
entg. Lagerbier; das Schenffafs, landſch. ein mit Waffer gefülltes Gefäß,
in welches man die mit Getränt gefüllten Flaſchen fest, um das Getränk kühl
zu erhalten; die Schenfgerechtigfeit od. das Schenkrecht, das Recht, Ge-
tränke im Kleinen zu verkaufen; die Schenkhochzeit, landſch. eine Hochzeit,
bei welcher die Gäfte Geſchenke geben; der Schenffeller, ein Keller, wo Bier
oder Wein gefchenkt wird; das Schenfmaß, Maß, nach welchem die Schenk⸗
wirthe das Getränk verkaufen; die Schenkftatt od. ⸗ſtätte, landſch. f. Schenke,
Schenkhaus; die Schenkſtube, Gaftftube bei einem Schenkwirthe; der Schenf-
42%
660 ſchepfen — Scherbe
tiſch, Tiſch, auf welchem das Getränk u. Trinkgeſchirr ſteht und eingeſchenkt
wird (fr. Gredenz-Zifh); der Schenkwein, Wein, welcher ausgeſchenkt wird:
der Schenfwirth, die Schenfwirthinn, wer Getränte im Keinen aus-
ſchenkt; die Schenfwirthfchaft, Gewerbe u. Haus eines Schenkwirthess —
Ableit. ſchenkbar, Bw., was gefchenkt, d. i. ausgefchenkt, oder zum Ge—
ſchenk gemacht werden kann; die Schenfbarkeit; fchenkhaft, Bw., alt
u. landſch. f. gern ſchenkend, freigebig; die Schenfhaftigfeit; der Schen-
fer, -8; die Schenferinn, M. -en, wer ſchenkt, d. i. etwas zum Ge-
fchenfe macht, finno. Geber x.; die Schenfung, das Schenken, Geben;
das gemachte Geſchenk felbft, bei. wem es von Bedeutung ift (z. B. eine
Schenkung an eine öffentliche Anftalt machen; M. Schenkungen) ; der Schen-
fungsbrief, die Schentungsurkunde.
ſchepfen, oberd., fcheppen, niederd. Zw. f. ſchöpfen (1. d.); lesteres aud)
f. fchaffen, erfchaffen.
ſchepp, Bw., oberd. gem. f. ſchief.
Schepp, m., -es, M. -e (auch Schep, Schöp), in Salzfiedereien die
Kalkerde, welche fich beim Läutern u. Sieden der Soole in Geftalt eines
Steines anlegt, Salzfchepp, Salz- od. Pfannenftein; der Scheppham-
mer, ein hölgerner Hammer, womit der Schepp von den Pfannen abgefchla-
gen wird.
Schepper od. Schäpper, auch Scheper, m, -$, M. w. E., 1) (alt.
scapari, schapaere, schaeper) ſchwäb. f. Schaf-Fließ, abgefchorene Schaf-
wolle; aud die vorderen Kopfhaare; 2) (au Schepp, Schepfe,
Scheppe) oberd. eine Art Kleidungsftüd, Kittel, Wamms, Weite (Baud-
ſchepper).
ſcheppern, ſchepern od. ſchebern, zielloſ. Zw., oberd. Schallw. f. ſchlot—
tern, klappern; öſtr. dumpf u. unrein klingen, wie ein zerbrochenes Gefäß
(ihepern); der Schepper- oder Scheberapfel, f. Schlotterapfel: das
Schepperlein, f. Kinderklapper.
Scheps, m., -*3 (auch Schöps), Namen eines in Breslau gebrauten
Bieres, das ehem. fehr ftark war; bair. eine Art Nachbier. |
Scher od. Schär, m., -en, M. -en, auch die Schermaus (altd. scero),
oberd. f. Maulwurf, j. Schar 2.
Scherbe, w., M. -n, oberd. der Scherbe, -n, M. -n, od. der Scher—
ben, -8, M. w. E., Verkl. das Scherbchen, oberd. Scherblein, (andſch.
auch der Schirben, der oder das Scerbel, Schirbel; altd. scirpi, seirbi;
scherbe, m.; aud) schirbe, w., schirbel, f.; ſchwed. skärf; von der Wurzel
scar, sceran, feheren, fchneiden; vgl. ſcharben, ſcharf) 1) Schiffb. ein Ein-
fchnitt, eine Fuge zwilchen den Enden zweier Hölzer (4. B. Platt, Lang:
ſcherbe 2.5 |. v. w. Schärbe unter ſcharben); 2) ein Stüd eines zerbro-
chenen Gefäßes od. Gefchirres von Glas u. bei. Thon od. Stein; 3) ein
zerbrechliches irdenes Gefäß geringer Art, Topfergefchirr, Topf, bef. oberd. .
der Scherben (4. B. ein Blumen-, Mildy:, Nachtfcherben f. -Topf); Bergw.
am Harz: ein Maß zum Meffen od. Zählen der getriebenen Gänge; auch ein
Map zum Abmeffen der Harzſchlacken; oberd. uneig. f. eine gebrechliche Sache
oder Perfon; dag Scherbhen, Naturk. eine Art Venusmuſcheln; —
3feg. die Scherbenblume, das Scherbengewächs, bei. die Scherbennelte,
in Töpfen gezogene Blumen, Topfgewächſe, Topfnelken; das Scherbengericht,
ge
nn
Scherbecken — fcheren 561
altgriech. Volksgericht in Athen zur Verbannung übermächtiger od. gefährlicher
Bürger, dberen-Namen die Stimmenden auf Scherben od. Mufchelichalen fchrie=
ben (fr. Oftracismus); der Scherben- od. gew. Schirbenkobalt, Bergw.
eine Art blätterigen Kobaltö; das Scherbenfraut, landich. f. die Kärber-
fharte; der Scherbenfuchen, landſch. auh Scherbel-, Schirbeltuden,
f. v. w. Aſch-⸗, Napf-, Topfkuchen; der Scherbelitein, Zopfitein, eine Art
Seifenftein.
Scherbecken, ſ. ſcheren 1.5 — fcherben, Zw., f. jcharben.
Schere, w., M. -n, Verkl. das Scherchen, (eig. Schäre, altd. scäri,
Mehrh. von scärz daneben scäara; mittelh. schaere und schere; oberd. die
Schär, engl. shears ; von sceran, scar 26. fcheren 1.5; vgl. Schar 2.), 1)
urſpr. überh. ein Schneidewerkzeug; jet ein aus zwei an einander befeitig-
ten, beweglichen mefferförmigen Theilen beftehendes eifernes od. ftähler-
nes Schneidewerkzeug (z. B. die Schneider-, Garten-, Papier-, Tuch -,
Blech-, Drathichere 2c.; auch Lichtſchere od. Lichtpuge); uneig. ein fcheren-
Ähnlich in zwei Theile od. Arme getheilter Körper od. Körpertheil, 3. 8.
die zweitheiligen Beine mancher Kerbtbiere, zum Kaffen u. Kefthalten die-
nend (die Scheren des Krebjes, Skorpions 2c.); der gejpaltene Kolben oder
Kloben einer Wage; das in der Hinterachſe eines Leiterwagens befeftigte in
zwei Arme getheilte Holz (niederd. das Spreit od. Spriet); Landw. die eifer-
nen Beichläge an den Sperrleiftenz bei den Töpfern ein gefpaltenes Holz, über
welchem ſich die Scheibe umdreht; Bäd. der Einfchnitt an den Brodfchiebern:
Maur. zwei über das Kreuz zufammen gebundene Bretter zur Errichtung der
Rüſtbäume; Schiff. die Schere eines Bodes, eines Flügels, des Ruders ꝛc.;
an den Pferden die Höhlung, welche die oberften Theile der unteren Kinnlade
bilden; 2) an der Oftfee u. in einigen Nordfee = Gegenden: fchroffe, fcharf
abgefchnittene Klippen, Bänke, Eilande nahe den Küften, welche die Lan—
dung gefährlich machen (ſchwed. skär; vgl. das engl. shore, Küfte; franz.
ecore, jähes Ufer); — 3feg. mit Scher—: die Scherbanf, in den Blech—
hämmern eine Bank, woran die großen Blechſcheren befeftigt find ; das Scher-
eifen, eine Art Hufeifen, welche, wie eine Schere, aus zwei beweglichen Thei—
fen beſtehen; das Scherglied, Bergw. ein eiferner an beiden Seiten gekrümm—
ter Haken, Seilhaten, Klobenglied od. »ring; das Scherholz, Schiff. der
| hölzerne Rahmen, woran der Flügel befeftigt wird, die Schere des Flügels;
der Scherſchwanz od. das Scherfchwänzchen, landſch. f. die Weihe, der
Hühnergeicr mit getheiltem Schwanze, auch Schwalbenſchwanz, Gabelgeier;
das Scherwerf, Kriegsb. ein chem. gebräuchliches Außenwerk mit zwei Sei—
ten u. einem einwärts gehenden Winkel, au: die einfahe Schere, z. U.
v. der doppelten Schere mit vier Seiten und zwei bergl. Winkeln; — mit
Scheren—: die Scherenaffel, eine Art Affel (f. d.) mit Scheren an den
Füßen; das Scherenboot od. -ſchiff, Kleine bewaffnete Schiffe an der ſchwed.
Küfte, welche zwifchen den Scheren od. Klippen feindlihe Schiffe am Landen
hindern; die Scherenflotte, aus Scherenbooten beftehende Flotte; fcheren-
förmig, Bw. (4. B. ein fcherenförmiger Schwanz); der Scherenfchleifer,
wer ftumpf gewordene Scheren, Meffer ꝛc. fchleift; der Scherenfchmied,
ein Schmied, der Scheren verfertigt; der Scherenftod, in Meffingwerken
ein Klotz, woran die Schere. zum 3erfchneiden der Meffingplatten befeftigt ift.
fcheren 1. ziel. Zw. ablaut. ich fchere, du fcherft, er fchert (Landich. noch
662 Scheren
ſchierſt, Schiert); Imper. fchere (landſch. ſchier); Impf. ſchor (andſch.
auch ſchur), Conj. ſchöre; Mw. geſchoren (in manchen Gegenden u. einzel-
nen Bed. auch umend. ſcherte, geſchert; althocdyd. sceran, ih sciru, wir
scerun; scar, scurun u. scarun; giscoran; mittelh. schern, scherren, ich schir
u. schirre; schar, scharen u. schurren; geschorn; vgl. Schar ?., Schere,
Schur ꝛc.; angelf. sceran, sciran, engl. shear; ſchwed. skära; vgl. das franz.
de-chirer), 1) urfpr. überh. ſchneiden, abfchneiden; insbef. Yandfch. f. mähen
(daher: ein-, zweifchürige Wiefen 2e.); niederd. uneig. f. abfreffen, freffen,
effen “(das Vieh fchiert die Wieſe; gut feheren Eönnen, f. viel effen können);
gew. Haare, Wolle u. dgl. mit einem fcharfen Werkzeuge von der Ober-
fläche eines Körpers wegſchneiden, insbef. mit einem Meffer (den Bart
fcheren; fi den Kopf fcheren laffen, d. i. die Haare vom Kopfe; ſich eine
Platte (f. d.) fcheren laffen, d. i. durch Scheren des Scheitelö hervorbringen),
oder mit einer Schere (die Haare vom Kopfe—, d. i. dicht an der Haut ab-
fchneiden; einen Hund, die Schafe Scheren; fpridw. fein Schäfchen geſchoren
haben, f. unter Schaf; Alle über einen Kamm fcheren, f. Kamm 2.; die
Tuchſcherer fcheren das wollene Tnch, indem fie mit einer großen Schere die
Haare von der Oberfläche abfchneiden): auch f. befchneiden (die Gärtner fche-
ven die Heden u. Bäume; daher gefhorene Heden ꝛc.); öfter. f. fihaben
(daher Scherrübel f. Eleine Stedrüben); 2) uneig. f. einen übervortheilen,
ihm zu viel Geld abnehmen, ihn drüden, vgl. fchinden (der Wirth fchert
feine Gäfte; die Unterthanen ſcheren 2e.); plagen, pladen, beunruhigen,
quälen, einem viel Laft machen (die Leute ſcheren; laſs mich damit unge-
fchoren!); auch in milderem Sinne f. neden, aufziehen, zum Beften haben
(in diefer Bed. vielleicht eig. zu Scheren 3. gehörend, doch jest allgemein ab-
laut.; z. B. wir haben ihn gefchoren); gem. auch von Sachen f. fümmern,
angehen (die Sache fchiert mich nicht; was fchiert did) das?); auch rüdz.
fich um etwas —, d. i. befümmern; — Zſetz. die Scherbanf,, der Zritt,
auf welchem der Zuchfcherer vor dem Schertifche fteht, der Schertritt; das
Scherbeden, Beden des Bartfcherers; die Scherhaare, abgefchorene Haare,
bef. die beim erften Zuchfcheren abfallende Wolle; der Scherhafen, Tuchſch.
ein Haken, womit das Tuch auf dem Schertifche befeftigt wird; das Scher—
find, Benennung der Tuchfcherer- Gefellen: das Scherfrauf, landſch. f.
Löwenzahn; die Schermaus, |. Scher; aud) f. Scharr- od. Erdmaus; das
Schermeſſer, ein Meſſer zum Scheren, beſ. des Bartes (fr. Raſirmeſſer);
der Schermefferfifch, eine Art Stugköpfe mit fehr dünnem u. ſcharfem Rüden,
auch Mefferrüden; der Schermefferfchnäbler, ein Waffervogel mit langem
Schnabel; die Scherftube, Stube des Bartfcherers (fr. Barbierftube): der
Schertifch, Tuchſch. der Tiſch, auf welchem das Tuch gefchoren wird; die
Scherwolle, die beim Zuchfcheren abfallende Wolle, auch Scherfloden:
das Scherzeug, Geräth des Bartfcherers (fr. Raſirzeug); — Ableit. ber
Scherer, -8, die Schererinn, M. -en, wer ſchert, gew. nur in Zfeg. wie
Bart-, Feld», Schaf-, Zuchfcherer 2e.; uneig. gem. wer Andere beunruhigt,
beläftigt, plagt od. nedt (ſchiert; f. 0.); die Schererei, verächtl. f. das
Scheren; gew. uneig. f. Plackerei, Bedrückung, muthwillige Beldftigung,
Dudierei, verdrießlihe Mühe, u. die Sache, die folhe Mühe veranlafft
(viel Schererei mit etiwas haben; das ift eine wahre Schererei, M. Scherereien) :
der Scherling, landſch. f. Heilkraut, od. wilde Bärenklau; die Scherung,
felten f. das Scheren; was gefchoren wird.
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i
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fcheren — Scherge 663
fcheren 2. ziel. u. ziellof. Zw. (bloß umend. fcherte, geichert; altd. scarian,
scerian, schern; Ableit. von scerau, feheren 1.5; vgl. Schaar), 1) völlig vlt.
f. teilen, abtheilen, vertheilen (nur nod in bejcheren f. zutheilen; engl.
share); fcheiden, trennen, abfondern (daher noch niederd. abfcheren, f.
duch eine Zwifchenwand abſondern; Scherung, Scherwand f. Sceibe-
wand: ausfcheren f. ausfondern, ausnehmen z2c.); eintheilen, anordnen,
einrichten (Schiff. ein Schiff —, d. i. die Spannen desfelben errichten u. die
Senten daran befeftigen); Fäden u. dgl. ausfpannen, aufziehen (Schiff. ein
Zau—, ausipannen od. über etwas ziehen, landſch. auch ſchieren; Web.
das Garn auf den Scherrahmen aufhaspeln, od. überh. aufziehen: daher An-
[here (f. d.) od. Scherung f. Aufzug); 2) ſich entfernen, hinmwegbegeben,
den Ort ſchnell verändern (engl. scare, u. sheer off), niederd. ziellos (3. B.
fprichw. der Schuldige fcheret, d. i. flieht; jchere fort, d. i. gehe geichwind;
die Wolfen ſcheren, wenn die untere Wolkenſchicht ſchneller zieht, als die obere);
gew. rüdz. ſich —, verächtl. f. fich ſchnell fortbegeben, finnv. fich paden
(ichere dich fort, weg, hin, hinaus ꝛc.; er hat ſich fortgefchert); landſch. auch
ziel. f. jagen (z. B. einen fort-, hinausfcheren); — 3Teg. der Scherblod,
Schiffb. der Blod zum Anfcheren der Kabelgarne; die Schergabel, Tuchm.
eine hölzerne Gabel zum Aufzichen des Gewebes; der Schergang, f. Sente;
‚das Schergarn, Web. das Garn des Aufzuges; der Scherkaſten od. die
Scherkufe, Web. u. Tuchm. der Kaften, in welchem die zur Anfchere beftimm-
ten Spulen reihenweife befeftigt find; die Scherleine od. lien, Schiff. Leinen,
die fi) in mehre Enden theilen; der Scherrahmen, ein großer Haspel der
Kattunmeber, die Anfchere von den Spulen darauf zu haspeln; der Scherſtock,
(M. gew. Scherftoden), Schiffb. gewifle regeimäßig gelegte od. eine Ab—
grenzung bildende Holzſtücke; — Ableit. der Scherer, -8, Web. der Anzett-
ter; die Scherung, M. -en, 1) Landfch. f. zugemeffener Theil (vgl. Be-
fherung); 2) niederd. f. Scheidewand, Grenzfcheidung; 3) Web. f. Auf-
zug, Zettel.
Scheren 3 ziellof. Zw. (altd. scerön, schern, schernen vom altd. scera,
Feierftunde; vgl. das ital. scherno, schernire; ſpan. escarıo, escarnir, ©pott,
fpotten; engl. scorn; u. fcherzen), völlig vlt. f. die Feierflunde halten, Muth-
willen treiben, fich erluftigen, fpotten; (vielleicht geht das heutige „einen
ſcheren“ f. verfpotten, neden urfpr. hiervon aus, obwohl es jest ablaut. ge-
braucht wird; audy gehört hieher wahrſch. das niederd. Scheren von Vögeln,
welche bei ſchönem Wetter gleichfam fpielend hin und her und durch einander
ſchweben, was man einen Schertang nennt).
Scherenafjel, boot ꝛc. — Scherenſtock, ſ. unter Schere.
Scherer, ſ. ſcheren 1. u. 2.; Schererei, ſ. fcheren 1.
Scherf, m., -08, M.-e, Verkl. das Scherfchen, gem. Scherflein,
(altd. scerpf, scherf, auch scherp, Heller; ſchwed. skärf; von ſcheren 1., vgl.
fcharben, Scherbe, ſcharf; alſo urfpr. Abfchnitt, Theil» vgl. das griech. zsoum,
Scheidemünge, v. zeipeıw, ſcheren, ſchneiden), ehem. u. noch landſch. die Eleinfte
Münze, ein Heller (im Lüneburg. find 23 Scherf — 1 Pfennig); gew. uneig.
das Scherflein f. ein Eleiner Geldbeitrag (fein Scherflein zu etwas geben).
Schergabel, -gang, -garn, f. unter ſcheren 2.
Scherge, m., -n, M. -n, (alth. scario, scarjo, Gen. scarjin, scergin;
mittelh. scherige, scherig, scherge; urjpr. überh. Anorbner, Verwalter, Vor⸗
664 fchergen — Scherz
fteher; von sceran, scar, theilen, anordnen; val. fheren 1. u. 2. und Schaar;
fpäter auch Schergant, franz. sergent, ital. sergente, welche mithin nicht
von dem lat. servire herzuleiten find), ehem. überh. ein obrigkeitlicher Diener,
Beamter, Vogt, Einnehmer ꝛc.; insbef. die dem Richter untergebene,
deffen Urtheile vollziehende Gerichtsperfonz jest nur verächtl. u. in der höhe-
ven Schreibart f. Gerichtediener, Polizeidiener, Stadtknecht, Häſcher,
auch f. Henkersknecht; — das Schergenamt; die Schergenftube, ober».
Stube des Gefängnifsmeifters; auch das Stadtgefängnifs in Münden: das
Schergenvolf, verächtt. mehre Schergen zufammengenommen; — fchergen 1.
ziel. Zw., oberd. verächtl. f. anzeigen, anklagen, verklagen (auffdhergen).
fchergen 2. 3w., ſ. fhorgen, fchörgen ꝛc.
Scherglied, -holz, f. unter Schere; — Scherhaare, -haken, f. fche-
ven 1. — Scherfaften, f. ſcheren 2.
Scherke od. Scheerke, w., M.-n, niederd. f. Kirrmewe (f. d.), ge-
fledte Meerſchwalbe mit langſam fchwebendem Fluge (von ſcheren 3.9).
Scherfind, -Fraut, maus, = meffer c. Scherling, f. unter fcheren
1; — Scherfufe, =Teine, f. unter fcheren 2.
Schernidel, m., -8, landſch. f. Sanikel; gemeines Johanniskraut.
Scerpe 1. w., ſ. Schätpe.
Scherpe 2. w. od. der Scherpen, -8, (wahrſch. flaw. Urfprungs), landſch
in der Lauſitz ıc., eine Art Halbbier.
Scherpe 3., w., auch die Scherpche, Scherpfe, M. -n, landſch. Na-
men verfchiedener Beeren u. ihrer Stauden, insbef. f. Wogelfirfche (auch
Patfcherpe, f. d.); Faulbeere;z Mehl: od. Schlingbeere.
Scerrahmen, f. fcheren 2.
fcherren, ziel. Zw. (altd. scerrau, scar, giscoman) oberd. f. ſcharren (f.
d.), ſchaben, Fragen; insbef. eine eigenthümliche Art zu fiſchen mit Negen;
die Scherr -Rübe, oberd. f. Eleine Schabrübe, bairifche Rübe, vgl. Scher-
rübe unter fcheren 1.
Scherſchwanz, f. Schere; Scherftod, ſ. fcheren 2.; Scherftube, f.
fcheren 1.
Schertanz, m., niederd. eine Art Tänze, wobei die Tanzenden ſich durch—
Ereuzen u. langfam hin u. her bewegen (f. Scheren 3.5 vgl. jedoch auch Schere).
Schertifch, ſ. feheren 1.; Scherung, w., f. fheren 1. u. 2.
Scherwenzel, oberd. auch Scharwenzel, m., -8 (v. dem EN. Wenzel,
f. d., u. fheren 2. f. den Ort verändern, fich ſchnell fortbewegen), in einem
Kartenfpiele, welches auch ſelbſt Scherwenzel genannt wird, der Unter
(Bube) in allen Farben, der dabei zu vielen Verrichtungen gebraucht wird
(oberd. auch bloß: der Scherer); daher gem. ein übergefchäftiger, dienſt—
fertiger Menfch, der fich zu Allem gebrauchen Läfft, Allerweltsdiener; landſch.
auch f. Pudel; feherwenzeln, oberd. auch fcharwenzeln, ziellof. Zw. m.,
haben, das Kartenfpiel Scherwenzel fpielen; ſich zu millfährig und ge-
fhäftig zu Allem und von Allen gebrauchen laffen.
Scherwerk, f. unter Schere; Scherwolle, f. fcheren 1.
Scherz 1., m., -es, M. -e, (daher das ital. scherzo, scherzare; fcheint
im Altd. zu fehlen; von fcheren 3.25 vgl. auch das isländ. skritui, Scherz,
skrition, fcherzhaft, u. das griech. oxıpräv, hüpfen, fpringen), eine bloß zur
Beluftigung dienende Rede oder Handlung, u. eine folche Handlungs:
Scherz — ſcheuchen 665
mweife, das Scherzen, von weiterer Bed. und edler, als die finnv. Spaß,
Poffe, entg. Ernft, (einen Scherz machen; es ift kein Scherz; ohne Scherz 2c.;
aus dem Scherze Ernft machen; Eeinen Scherz verstehen; etwas im Scherze
fagen, d. i. ſcherzend; feinen Scherz mit Jemand od. mit etwas haben, trei-
ben 2c., d. i. es zum Gegenftand des Scherzens madjen); fcherzen, ziellof.
3w. m. haben, (mittelh. als Schallw. f. fchreien wie der Efel, wiehern, thie—
riſch jauchzen; fpäter bef. f. Eofen, Lieben), Scherz machen, treiben, etwas
zur Beluftigung fagen od. thun, Witzreden vorbringen, cdler als das finnv.
fpaßen (gern fchergen: mit Jemand od. mit etwas fcherzen; er läflt nicht mit
ſich ſcherzen; über etwas ſcherzen 2e.); überh. etwas nicht im Ernſte fügen
oder thun (ich habe nur gefcherzt); auch f. luftig fpringen, muthwillig
tändeln, fpielen (Jäg. die Rehkälber ſcherzen; dicht. die Weſte ſcherzen um
das Laub 2c.); ehem. auch ziel. einen— f. verfpotten, verhöhnen, zum
Beten haben: ſchimpfen; — 3fes. v. Scherz u. ſcherzen: das Scherz-
feuer, f. v. w. 2uftfeuer od. -Feuerwerk, entg. Ernftfeuer; das Scherzge-
dicht, die Scherzrede, heiteres, launiges Gedicht, dergl. Rede; der Scherz-
hof, ehem. eine zu Nitterfpielen veranftaltete Zufammenkunft; die Scherz
laune, Neuw. f. das fr. Humor; fcherzlaunig, Bw., f. humoriſtiſch; der
Scherzmacher, treiber: fcherzweife, Nw., im Scherz, ſcherzend; das
Scherzwort, ein im Scherz gefprodyenes Wort; — Ableit. der Scherzer,
-8, die Scherzerinn, wer gern ſcherzt; Scherzhaft, Bw., Scherz enthal-
tend u. ausdrüudend, fiherzähnlich, die Art des Scherzes habend (Reden,
Worte, Gedichte, Mienenz etwas fcherzhaft erzählen 2c.); auch zum Scherzen
geneigt und fühig (ein ſcherzhafter Menſch); die Scherzhaftigfeit, das
Scherzhaftfein einer Sache od. Perſon; fcherzlih, Bw. u. Nw., felten f.
ſcherzähnlich, fcherzhaft, im Scherz.
Scherz 2. m., -08, M. -e, Verkl. das Scherzlein, gem. Scherzel (von
ſcheren 1., fchneiden; vgl. Schurz), oberd. f. ein abgefchnittenes Stüd,
ein Stück Brod, bei. das Randſtück; uneig. ein Stud Weges; ein kurzer
Zeitraum, ein Weichen.
fherzen, Scherzfeuer ꝛc. — Scherzwort, |. Scherz 1.
Schet, ſ. -e3, M. -e, öftreich. eine gewiffe Menge Flachs — 20 Rei—
ften od. 1 Steige.
Schetter od. Schätter, m., -8, M. w. E. (altd. scheter, schehter;
Schweiz. Schertel, Scherter; vergl. das altd. schiter, oberd. jchitter f. lüden-
‚haft, nicht dicht, engl. shattery), oberd. ein loderer, mit Leim gefteifter
Zeug, bef. fteife Glanzleinwand, auch Steiffhetter, Schettertuch, ge-
nannt; der Schettertaffet, Zindeltaffet. -
fheu, Bw., die Scheu, f. unter feheuen.
fcheuchen, ziel. 3w. (das Factitivum von fheuen, f. d., durch Verhär-
‚sung des h in dem alten schiuhen, ſcheuhen gebildet; ſchwäb. ſchächen), ſcheuen
machen, durch Erregung von Scheu od. Furcht in die Flucht treiben, bef.
von Thieren (Hühner ꝛc. —; ein gefcheuchtes Reh); uneig. überh. f. vertrei-
ben, entfernen (die Sorgen, den Schlaf aus den Augen ꝛc.); landſch. auch
f. fheu oder furchtfam machen (Kinder durch Schredbilder 1..—); die
Scheuhe, M. -n, (alt. schiuhe, oberd. die Scheuhen , der Scheuher),
ein Schredbild, wodurch Vögel u. andere Thiere gefcheucht werden (VB ogel-
cheuch e); der Scheucher, -8, die Scheucherinn, wer ſcheucht; der od.
666 Scheuchner — fcheuen
das Scheuchfel, -3, M. w. E. (gem. auch Scheußel), landſch. f. ein
Scheu erregendes Ding, eine Scheuche.
Scheuchner, m., -8, (auch Scheutürn), landſch. eine Traubenart mit
großen, fchwarzblauen Beeren von füßem, würzhaftem Geſchmack.
ſcheuen, Zw. (altd. sciuhau, sciuhita, gisciuhit, ſpäter sciehen, schiuhen,
schiehen;- oberd. ſcheuhen, ſcheuchen, auch ablaut. ſchoch, geſchochen od. ge—
ſchichen; niederd. ſchouen, ſchuwen, holl. schouwen; ſchwed. sky, engl. eschew,
ital. schivare, ſpan. esquivar, franz. esquiver, ſämmtlich: meiden, fliehen,
fürchten wahrſch. von der Wurzel scu, decken, ſchützen; vgl. Schuh, Schuß,
Scheuer zc.), 1) zielos m. haben u. gew. rüdz. ſich —, vor etwas zurüd-
fhreden, e8 aus Furcht oder Widerwillen zu vermeiden fuchen, Scheu
empfinden, fcheu werden (das Pferd fcheut, od. gew. es fcheut fich vor
der Windmühle 2c.; Kinder fcheuen ficb vor Fremden; ich fcheue mich, den
Kranken zu befuchen; fich vor der Arbeit, der Kälte zc. fcheuen; ehem. mit
dem Gen. eines Dinges ſcheuen od. ſich fcheuen) ; auch aus Achtung, Scham ꝛc.
Bedenken tragen, etwas zu thun Cich fcheue mich, es auszufprechen zc.);
2) ziel. etwas od. einen—, als ein Übel vermeiden, fliehen, fürchten
(die Kälte, die Mühe, das Licht, den Tod—; ſprichw. verbrannte Kinder
ſcheuen das Feuer; thue Recht und fcheue Niemand); — chen, Bw. (altd.
schiech, schiehe ; oberd. ſchieh, ſchiech u. ſcheuh, ſcheuch; niederd. ſchou; ſchwed.
skygg, engl. shy, ital. schivo, schifo), zurüdfchredend, etwas furchtfam
vermeidend od. fliehend, finnv. ſtutzig (ein Pferd wird fcheu vor einem un:
gewohnten Gegenftande); ſich leicht erfchredend, geneigt od. gewohnt, et-
was fucchtfam zu vermeiden (ein fcheues Pferd; menſchen-, Licht=, waſſer—
ſcheu ze.), insbe. aus natürlicher AngftlichEeit die Gefellfehaft der Men—
ſchen fliehend, finnv. blöde, ſchüchtern (ein ſcheuer Menſch); oberd. auch f.
Scheu erregend, hafslich, furchtbar (ſcheuch od. ſchiech ausfehen u. dgl.);
die Scheu, o. M., (alt u. oberd. der Scheu, der Scheuhen, daher: der Ab-
fheu; niederd. Schou), das Scheuen, die Empfindung der Kurcht und
Abneigung bei Wahrnehmung eines wirktichen od. vermeintlichen übels, und
die Geneigtheit zu diefer Empfindung, finnv. Furchtfamkeit, Blödigkeit,
Schüchternheit (Scheu vor etwas haben oder empfinden; einem Pferde die
Scheu benehmen; etwas ohne Scheu thun, fagen 2c.); oberd. auch f. Wider:
willen, Abfcheu, Ekel (Scheu gegen etwas tragen); Abneigung gegen Un-
geziemendes, Unanftändiges, finnv. Scham (ohne Scham und Scheu 2e.);
auch f. Ehrfurcht (Heilige Scheu); — Zſetz. die Scheuflappe, das Scheu:
leder, lederne Augenklappen für Pferde zum Verhüten des Scheuwerdens; —
Ableit. der Scheuel, -8, (oberd. auch Scheuhel, Schaul), alt u. oberd: f.
Scheufal; Abfheu, raus; das Scheufal, -e8, M.-e, ein Scheu er:
vegender Gegenftand, Schredbild, Scheuche; dei. ein Abfcheu od. höchften
Widerwillen erregendes Werfen, (er ift ein wahres Scheufal, d. i. ein fehr
häfslicher, od. auch ein abfcheulicher, höchft Lafterhafter Menfch); fcheuzen
od. fcheußen, (oberd. auch ſcheuhezen, fcheuchzen), ziellof. Zw., alt u. oberd.
f. heftige Scheu od. Grauen vor etwas empfinden (unp. es ſcheuzt mir vor
etwas, d. i. mir graut od. ift bange); daher ſcheußlich, Bw. (oberd. ſcheuz⸗
Lich, auch fcheuzig, ſcheuzſam; ſchweiz. auch Icheulich), heftige Scheu, Ab-
fheu, Widerwillen erregend, im höchften Grade hafslich, finnv. abſcheu—
lich, gräfslich, gräulich (ſcheußlich ausfehen, ein ſcheußliches Verbrechen) ;
Scheuer — Schicht 667
oberd. auch f. feheu, furchtfam; die Scheußlichkeit, das Scheußlichfein,
die Abfcheulichkeitz auch eine fcheußliche Handlung (M. Scheußlichkeiten).
Scheuer, m., f. v. w. der Schauer 3.
Scheuer, w. 1.M. -n, aud) die Scheure, M. -n (altd. schra, sciura,
schiure, oberd. die Scheuren, Scheuern; mittl. lat. scuria, franz. ecurie;
vergl. Schauer 2. u, das mittelhochd. schiuren, beſchirmen, jchügen) und die
Scheune, M.-n (altd. scuginna, scugin, schiune; niederd. Schüne), überh.
ein bedecktes Gebäude zum Schuß gegen die Witterung (z. B. die Ziegel-
ſcheuer oder =fcheune); gew. in engerer Bed. ein landwirthſchaftliches Ge-
bäude zur Aufbewahrung der eingeernteten Feldfrüchte (Korn- Heufcheuer
od. ⸗ſcheune 2c.); daher: das Scheuer: od. Scheunendach, =thor ıc.: der
Scheunenbörner (d. i. =brenner), landſch. f. Hirſchkäfer, Feuerſchröter (weil
er nad) dem Volksglauben mit feinen Hörnern glühende Kohlen forttragen und
dadurch Scheunen in Brand ſtecken fol); die Scheun-Eule, landſch. f. Eleine
oder Zwergeule; der Scheunfnecht, Landfch. der den übrigen Drefchern in
einee Scheune (Scheundreſchern) vorgefegte Dreicher; die Scheuer = oder
Scheuntenne, f. Zenne.
ſcheuern, ziel. 3w. (mittely. schiuren; oberd. ſcheuren, auch ſchoren f.
glätten; niederd. ſchüren, Ichören, auch fchauern; ſchwed. skura, skira; mittl.
lat. escurare, franz. ecurer; verw. mit Schauer 4. schür, schiur, zitternde
Bewegung; oder mit ſchier, goth. u. ſchwed. skir, isländ. skyr, angelf. scir,
engl. sheer, rein, heil 2c.2), ſtark reiben (die Schweine fcheuern ſich an Bäu—
men 2€.); niederd. insbef. fih—, f. fich die Haut durchreiben; gew. in en:
gerer Bed. etwas —, d. i. mittelft eines naflen Lappens, eines Strohmwifches,
Scheuerbefens ꝛc. mit Sande u. dgl. ſtark reiben, um e8 zu reinigen od.
blank zu machen, finnv. fegen, pußen (das Küchengefchirr, die Stube —,
landfch. gem. ſchauern); uneig. gem. einen—, einem den Kopf—, d. i.
ihm derbe Verweife geben; — die Scheuer 2., Landich. f. das Scheuern,
Reinigen: auch ein Ort, wo eine ſtarke Reibung Statt findet, z. 8.
Schiffs. die Ankerſcheuer d. i. die Anterfütterung; — 3ſetz. dag Scheuer:
faſs, em Faſs, in weichem das Küchengeräth gefcheuert wird; Nadl. ein Faſs,
worin die Stecknadeln durch Schwenten blank gemacht werden, auch die
Scheuertonne; die Scheuerfrau, -magd zc., eine Frau zc., welche Haus-
u. Rüchengeräthe, Stuben ꝛc. fcheuert;z das Scheuerfraut, Kannentraut,
Schaftheu; der Scheuerlappen, -wifch, das Scheuertuch 2c.; der Scheuer-
fand, fcharflörniger Sand zum Scheuern; der Scheuertag, Zag, an welchem
gefcheuert wird, Reinigungstag, oberd. f. Aſchermittwoch.
Scheuflappe, leder, f. unter fcheuen.
Scheune x. — Scheuntenne, Scheure, f. Scheuer.
Scheufal, fcheußlich zc. f. unter ſcheuen.
Scheute, w., M. -n, (von feheten f. ſchießen), niederd. f. Sprige, Spritz
büchfe; feheuten, niederd. Zw. f. fprigen.
Scheve od. Schewe, w., M.-n, niederd. f. v. w. Schäbe, f. d. unter
fchaben.
Schevel, m., -8, od. der Schevelftein, niederd. f. Schiefer.
. Schibbe od. Schiebe, w., M. -n, Landfch. f. das weibliche Schaf ff.
5): das Schibbenlamm f. ein Lamm weiblichen Gefchlechts.
Schicht 1. w., M. -n, alt u. niederd. f. dag Gefchehende, die Gefchichte.
668 ſchichten
ſchichten, ziel. Zw. (mittelh. schihten, theilen; wahrſch. Ableit. von ſchi⸗
den, ſ. d.; niederd. auch ſchiften, ſ. d.), überh. theilen, abtheilen, ab—
ſondern, in Abtheilungen od. Klaſſen ordnen (eine Erbſchaft —, theilen;
die Kinder erſter Ehe ſchichten od. abſchichten, d. i. abtheilen, abfinden);
insbeſ. mehre Dinge ordentlich neben u. über einander legen, ſetzen, packen
(die Waaren in das Schiff —; Holz, Mauerfteine—, aufſchichten); auch f.
ſchichtend hervorbringen, errichten (einen Scheiterhaufen); — die Schicht
2. M. -en (mittelh. schiht; niederd. auch Schuft), 1) das Schichten, Ab—
theilen, Die Abtheilung (z. B. Erbſchicht, d. i. Erbtheilung); insbeſ.
Bergw. u. Handw. das Abbrechen der Arbeit, die Pauſe, Raſt (Schicht
machen; die Bierſchicht, Unterbrechung der Arbeit, um zu Biere zu gehen);
landſch. überh. f. regelmäßige Eintheilung, Ordnung ꝛc.; 2) das Abge—
theilte, der Theil (z. B. Erbſchicht f. Erbtheil); beſ. Bergw. eine beſtimmte
Arbeitszeit von einer Pauſe bis zur andern u. der während derſelben verrich—
tete Arbeitstheil (die Frühſchicht, von Morgens + bis Mittags 12 Uhr;
die Tageſchicht, von da bis Abends 8 Uhr; die Nachtſchicht, f. d.; die
Schicht antreten, d. i. anfangen zu arbeiten; Schicht halten, d. i. feine Arbeit
aehörig verrichten; etwas in einer Schicht, od. niederd. Schuft, thun, d. i.
ohne Unterbrechung); auch was auf einmal gearbeitet od. verarbeitet wird
(4. B. Hüttenw. jedes Schmelzen, u. die auf einmal geſchmelzte Maſſe; die
Schicht beichicten, d. i. das zu fchmelgende Erz mit den gehörigen Zufchlägen
verfehen); in engerer Bed. der vierte Theil einer Zeche, aus 32 Kuren he-
ftehend; landſch. auch die Die einer Schachtruthe; 3) eine Reihe oder
Lage gefchichteter, d. i. an u. übereinander liegender, gleichartiger Dinge
oder Stoffe, vgl. Lager, Flöz (eine Schicht Holz; die Schichten in der Erde:
eine Sand», Thonſchicht ze.; Luftſchichten 2c.); ſchicht, als Bw., Bergw. f.
unfähig zur Arbeit od. zur Bearbeitung (ein Bergmann wird ſchicht durch
Krankheit od. Alter; die Zechen werden ſchicht 2c.); — Zſetz. von Schicht
u. ſchichten; die Schichtglätte, Hüttenw. die Glätte, welche in einer Schicht,
d. i. auf einmal vom Silber abgezogen wird; das Schichtholz, geichichteres
Holz; bei den Kohlenbrennern das zu verfohlende Klöppelholz, Schichtklöp-
pel; der Schichtfur, Bergw. ein aus einer ganzen Schicht, d. i. dem Aten
Theil einer Zeche (f. 0.), beftchender Kur; der Schichtlohm, Arbeitslohn für
eine Schicht; der Schichtmeifter, Aufſeher der Arbeiter, die nah Schichten
arbeiten, im Berg- u. Hüttenw. ein beeidigter Beamter; die Schichtmeiifterei,
deffen Amt und Bezivk; die Schichtfemmel, geſchichtete Semmel, Reihen-
femmel; die Schichttheilung, Erbtheilung; der Schichttrog, Hüttenw. eine
Mulde, worin das zu jeder Schmelzfchicht gehörende Erz nach dem Ofen ge-
tragen wird; fchichtweife, Nw., in oder nach Schichten; — Ableit. von
Schicht: Fhichtig, Bw., aus Schichten od. Neihen beftehend, in Schich—
ten liegend, gew. nur in Zfeg. wie eins, zwei-, weitfchichtig 2.5 von ſchich—
ten: der Schichter, -8, die Schichterinn, wer fchichtet, z. B. Waaren in
die Schiffe; die Schichtung, das Schichten; die Abtheilung, Abfonderung
des nicht Zufammengehörenden und Verbindung des Gleichartigen; insbel.
Rſpr. die Theilung des gemeinfchaftlichen Vermögens durch den zu einer
zweiten Ehe fchreitenden überlebenden Ehegatten; das Schichtel, -8, M.
mw. E., Handfhuhm. die zwifchen die Ober= u. Untertheile eines Handſchuh—
fingers eingefegten fchmalen Streifen; daher Schichten, ziel. Zw., diefe Strei-
fen einnähen.
Schick — ſchicken 669
Schick 1. m., -e8, M. -e, ein zum Ammergeſchlecht gehörender Vogel
in Frankreich.
ſchicken, 3w. (mittelhochd. schichen, schicken, altoberd. aud) geſchicken,
das Factitivum von gi-scihan, geſchehen, alfo urfpr. machen, dafs etwas
geichehe Id. werde; isländ. u. ſchwed. skicka, anordnen; vgl. bef. die abgel.
befchicten, anſchicken, Schickſal, Geſchick, geſchickt 2e.), 1) ziel. u. ziellos a)
ehem. etwas wirklich werden laffen, verfügen, anordnen, einrichten, im
Stand fegen, verhängen, finnv. fhaffen, fügen (daher noch: wie Gott es
fit, d. i. fügt; Gott fchickt dem Menfchen Leiden z2c.; altd. wohl ge-
ihidet f. geftaltet oder eingerichtet; oberd. über etwas —, d. i. verfügen;
einem etwas—, f. vermachen); in weiterer Bed. überh. etwas verrichten,
thun, machen, gefchäftig fein (landfch. immer etwas zu ſchicken haben; ich
babe mit ihm nichts zu ſchicken; mit einer zu ſchicken haben, d. i. zu thun ha—
ben, vertrauten Umgang pflegen); jchweiz. f. handeln, Handel treiben (auch
ſchickeln, daher: der Schidler f. Händler); ehem. auch f. helfen, dienen:
b) jegt gew. in engerer Bed. machen, verfügen od. verordnen, dafs eine
Perfon od. Sache den Ort verlaffe und an einen andern komme, finnv.
fenden, welches jedoch edler ift u. mehr von wichtigen Perfonen u. Aufträgen
gebraucht wird (einen fortfchicten, jeinen Bedienten in die Stadt, auf das
Land ꝛc., nad) Brod, nad) Wein ze. —; einen mit Aufträgen an Jemand —;
die Kinder in die Schule—, d. i. fie die Schule befuchen laſſen; einen Brief
auf die Poſt —; Sachen mit dev Poft od. durch die Poſt —; Waaren nad)
Hamburg Ihicen; eine Kugel in die Stadt ſchicken, d. i. werfen, ſchießen;
uneig. einen in die andere Welt—, d. i. ihm tödten; einen in April—, ſ.
April; — häufig mit dem Dat. der Perfon neben dem Acc. der Sade:
einem etwas— , z. B. ſchicke mir das Geld, das Buch, deinen Bedien-
ten; — auch ohne 3ielw., z. B. in die Stadt ſchicken (nämlidy Jemand), nad)
dem Arzte ſchicken, d. i. ihn holen Laffen); 2) rüdz. ſich —, ehem. f. fich
vüften, vorbereiten, anſchicken (ſchicket euch; ſich zur Arbeit, zur Reife, zum
Tode— 2c.); von Sachen: ſich fügen, ohne menſchliches Thun wirklich
werden od. gefchehen (iprichw. was fein jo, ſchickt ſich wohl); ſich in et-
was—, fic) darein fügen od. finden, danach einrichten od. richten (ſhicke
dich in die Umftände, in die Zeitz er weiß fich in Jedermann zu Schicken); ſich
zu etwas od. zu einem—, dazu paffen, damit übereinftimmende oder
dazu geeignete Befchaffenheit haben (fie fchicen ſich nicht zu einander; er
ſchickt ſich zu diefem Amte; der Rod fchickt fich nicht zu der Wefte 2c.); fich
für Jemand, od. überh. fich ſchicken (jedoch nur in der Iten Perf. von
Sachen), ihm anftändig, feiner Würde od. überh. dem Wohlftande gemäß
fein, finno. fic, geziemen, gehören, gebühren (z. B. ein ſolches Betragen
schickt fich nicht für dich; es ſchickt fich nicht, dafs du 2c.; das würde fich nicht
ſchicken 20.); — der Schi 2., -e8, o. M. (vgl. Geſchick 2.), bef. niederd.
f. gehörige Befchaffenheit , ordentliche Einrichtung, Geftalt, Zuftand,
Ausſehen; insbef. Wuchs, Leibesgeftalt;z Wohlbefinden, gefunde, heitere
Stimmung, gute Laune (einen aus dem Schide bringen; auf feinem Schicke
fein, d. i. fich wohl fühlen, aufgeräumt fein); oberd. f. Gelegenheit im Han-
del (ein guter Schid); Manier, Schielichkeit, Geſchicklichkeit; — Ableit.
der Schider, -8, die Schieerinn, felten f. wer etwas ſchickt, d. i. fen-
detz niederd. wer etwas ins Gefchi bringt od. anordnet; ſchicklich, Bw.,
670 Schiebchen — ſchieben
was ſich ſchickt, d. i. eine dem Zwecke angemeſſene Beſchaffenheit Hat, finmv.
paſslich, geeignet (z. B. die ſchicklichen Mittel anwenden); insbeſ. dem Wohl⸗
ſtande gemäß, anſtändig, geziemend (das iſt für mich nicht ſchicklich; ein
ſchickliches Betragen; entg. unſchicklich); die Schicklichkeit, das Schielich-
ſein, die paſſende Beſchaffenheit; insbeſ. die Anſtändigkeit, das Gezie—
mende; die Schickung, M. -en, ehem. u. noch niederd. f. Einrichtung,
Anordnung, Verfügung: jest insbei. die göttliche Fügung und Veran-
ftaltung der menſchl. Begebenheiten, (Gottes Schickung vertrauen); auch
eine ſolche Begebenheit felbjt, als von der göttlichen Vorjehung ausgehend
(es war eine bejondere Schidung, dafs 2c.; mancherlei Schickungen), ſ. v. w.
das Schickſal, -es, M. -e, 1) eine durch eine höhere Macht, ohne
Zuthun des Menſchen bewirkte menſchl. Begebenheit, ein unvermeidliches
Ereignifg, finnv. Geſchick, Verhängnifs (er hat merkwürdige Schickſale):
unausweichliche Beftimmung, Lage, Zuftand, ſinnv. 2008 (der Tod ift
das endliche Schiefal aller Gefchöpfe; Tein Schidfal ift beklagenswerth); 2)
die höhere Macht felbft, welche (nach der Vorftellung der Alten) mit blinder
Willkür die Begebenheiten und Veränderungen in der Welt hervorbringt
(fr. das Fatum; das blinde Schidfal; das Schickſal verfolgt mich, u. dal.);
daher: die Schiefalsgöttinn (fr. die Parze); die Schickſalsmacht, der
Schickſalstag, ein Tag, wo das Schickſal fich entſcheidet; das Schiefais-
wort, ſchickſalverkündendes Wort zc.
Schiebchen, ſ. —s, M. w. E. (gem. Schibbede, Schibicke), landſch. f.
Holunderbeere; der Schiebchenbaum, f. Holunderbaum; die Schiebchen—
blüthe ꝛc.
ſchieben, Zw. ablaut. Präſ. ſchiebe, ſchiebſt 2c. (oberd. auch ſcheub, ſcheubſtec. );
Imper. ſchiebe (oberd. ſcheub); Impf. ſchob, Conj. ſchöbe (oberd. ſchub,
ſchübe); Mm. geſchoben, (altd. sciupan, scioban, schieben; ich schiube ⁊c.;
Impf. scoup, sehoup, wir scabun, schuben; Mw. giscopan, geschoben; nie
derd. ſchuwen, ſchoof, ſchawen; isländ. skiufa, ſchwed. skufwa, angelf. sceofan,
senfan, engl. shove) 1) ziel. drüdend fortbewegen, fortdrüuden, treiben,
stoßen, bei. fo, dafs der fortbewegte Körper dabei die Oberflähe eines andern
fortwährend berührt (z. B. einen Kaften, einen Zifch auf dem Boden fortichie-
ben; einen Karren vor ficy her jchieben; etwas an die Wand, das Brod in
den Ofen, das Fenfter in die Höhe, etwas bei Seite —; einen zur Thür Hin-
aus— 20; die Kugel nady den Kegeln—, od. gew. Kegel ſchieben, ft. nad)
Kegeln—; uneig. etwas auf die lange Bank—, d. i. auf unbeftimmte Zeit
verichieben, ſ. d.); oberd. auch f. fchiebend einſtecken, hineinfchieben (etwas
in den Sad, in die Taſche; einen Biffen in den Mund—); ſich —, d. i. durch
Scieben aus feiner geraden Lage kommen; uneig. etwas auf Je
mand—, d. i. es auf ihn übertragen, ihm beimeffen od. zufchreiben (die
Schuld auf einen—), ehem. auch: ihn durch ein augenfcheintiches Anzeichen
gerichtlich überweilen; einem etwas ins Gewiffen—, d. i. es feinem Gr-
wiffen heim ftellen: einen Antrag von ſich —, d. i. ablehnen; altoberd.
einen—, f. ihn heimlich begünftigen, befördern, ihm Vorſchub thunz et-
was —, f. von einer Gerichtöbehörde vor eine höhere bringen; 2) ziellos m.
haben, Sich fchiebend fortbeiwegen (die Ochfen fchieben, wenn fie einen Wa—
gen ze. durch den Druck mit der Stirn fortziehen); gem. f. fchleppend und
ſchwerfällig gehen, u. ſcherzh. überh. f. gehen (irgend wohin ſchieben; in
J
ſchiech — Schied 671
diefer Anwendung m. fein: er ift fort-, hingefchoben 2c.); auf-, hervorwach—
fen, in die Höhe ſchießen (die Pflangen—); insbef. die Zähne mwechfeln
(ein Thier fehiebt, d. i. bekommt neue Zähne, welche die alten gleichfam vor
fich her fchieben); — Zſetz. die Schiebebanf, die Bank der Drathzieher, an
welcher der grobe Drath durch Schieben gemacht wird, z. U. v. Ziehbank; der
Schiebdedel, ein Dede, welcher in einer Nuth gefchoben wird; das Schieb-
fenfter, ein Fenſter, welches auf- und zugefchoben wird; der Schiebfarren,
od. die Schiebfarre, f. Karre; der Schiebfaften od. die Schieblade (gew.
Schubkaſten, -lade), ein Kaften, welcher heraus- u. hineingefchoben werben
kann; der Schiebefloben, eine Art Zange der Schloffer; der Schiebochs,
ein Ochs, welcher fchiebt (ſ. 0.), z. U. v. Zugochs; der Schiebriemen oder
-riem, der über die Schultern der Karrenfchieber laufende Riemen; das
Schieberad, das Schlittenrad in Schneidemühlen; der Schiebfad, ſ. Schub-
fa; die Schiebftange, in Schneidemühlen die von der Säge bewegte Stange,
durch welche das Schieberad in Bewegung gefest wird; auch die Stangen, mit
welchen die Fluſsſchiffer die Fahrzeuge fortfchieben; die Schiebzange, Seew.
zwei Ereuzweife verbundene Stangen, welche in die Kanonen geladen werben,
um in der Nähe auf den Feind zu fchießen; auch eine Art platter Taue; das
Scyiebzeug, in Schneidemühlen die Theile, durch welche der Sägeblock der
Säge entgegengerüct wird; — Ableit. die Schiebe, M. -n, ein Ding,
welches gefchoben wird, od. womit man fchiebt, insbef. das an einem langen
Stiele befeftigte Schräge Eifen, womit man die Gänge in einem Garten von
Grafe ze. reinigt, auch: das Schiebeifen; der Schieber, -3, M. w. E.
(niederd. Schuwer) 1) wer etwas fehiebt, weibl. die Schieberinn, z. 8.
Karrenfchieber, Kegelichiebers wer den Drath auf der Schiebebant (f. 0.) zieht;
auch'f. Schiebochs; 2) ein Werkzeug, womit man fihiebt, insbef. eine Art
flacher Schaufeln der Bäder: Brod-, Kuchen-, Kohlenfchieber; 3) was
gefchoben wird, ein beweglicher Körper, der ſich auf-, zu=, ein=, od. vor-
fchieben läſſt, z. B. ein Sciebdedel, der Schieber an einem Fenfter, ein be«
wegliches Stüd in einem Büchfenfchloffe, welches vorgefchoben wird, um die
Nufs zu hemmen; landſch. überh. f. Riegel; oberd. auch f. Schiebfarren;
4) eine Krankheit der Pferde, wobei fie immer mit dem Kopfe gegen bie
Krippe drängen (ſchieben); die Schiebernuth, Zifcht. eine Nuth (ſ. d.), in
welche ein Schieber pafit; der Schieberling, -e3, M. -e, eine Abart des
Pfefferſchwamms, welcher ein Klümpchen Erde mit in die Höhe ſchiebt; auch
eine Art Apfel; der Schiebling, ſ. Schübling.
ſchiech, Bw. (f. fcheuen, fcheu) oberd. f. feheu, bange; häſslich, fürch-
terlich, ſcheußlich.
Schied 1. od. Schiet, m., Aes, M. -e, oberd. eine Art Raubfiſche,
f. v. w. Rappfifch, Rappe 2.
Schied 2. m., -08, M. -e (alt u. oberd. -schit, -Schid mit kurzem i,
die Wurzelform von jcheiden, ſ. d.), das Scheiden, die Trennung, (niederd.
Scheed f. Abjchied, Befcheid), im Hochd. ungebr. außer in den Zſetz. Ab—
fchied, Unterfchied, u. den folgenden: das Schiedbuch, Bergw. ein Buch,
in welches die Bergbefcheide u. Verträge eingetragen werden; das Schied-
mahl od. «mal, landſch. f. Grenzgeichen; der Schiedsmann, M. männer
od. leute, (oberd. Schidmann, Aeute), wer eine Streitfache entfcheidet, einen
Streit ſchlichtet, auch Schiedsfreund, wenn er von den ftreitenden Parteien
672 schief
freiwillig gewählt ift, u. Schiedsrichter, bef. in wichtigeren Angelegenheiten; das
her fchiedsrichterlich, Bw., einem Schiedsrichter zutommend, od. von ihm aus-
gehend; die Schiedmauer, -wand, gew. Grenzmauer, Scheidewand; die
Schiedsprobe, Hüttenw. die dritte Probe des Erzes, zur Entſcheidung ftrei-
tiger Fälle vorgenommen, auch Gegenprobe; der Schiedrain, Grenzrain;
der Schiedefhacht, Bergw. f. Grenzſchacht, Scheidefchacht; der Schieds-
ſpruch, Spruch des Schiedsrichters; dev Schiedftein, landſch. f. Grenzftein; —
ſchiedlich, Bw. (oberd. ſchidlich) eig. was ſich ſcheiden läſſt; daher alt und
landſch. f. nachgiebig, verſöhnlich in Streitfachen, überh. verträglich, fried-
fertig, billig (friedlich und fchiedlich Leben; niederd. ſchedlik), die Schiedung
(oberd. Schidung, niederd. Scheding), landſch. 1) f. die Scheidung, Tren-
nung, insbef. fchiedsrichterliche Entfcheidung: niederd. auch f. Grenze; 2)
f. das Scheiden, Hinfcheiden, Sterben (oberd. unfer lieben Frauen Schie—
dung, d. i. Himmelfahrt: die Schiedung läuten, d. i. die Sterbeglode).
fchief, Bw. (niederd. fcheef, ſchewe, oberd. auch ſchepp, fchiebicht; isländ.
skeifr, ſchwed. skef, dän. skeve, engl. skew, skue; wahrfch. von fchieben,
aljo eig. gefchoben, verſchoben; im Altd. fehlt es; im Mittelh. findet fich dafür
schiech, daher auch oberd. ſchieg (1. d.), ſchiegk, niederd. ſchük; ieländ. skack),
von der fenfrechten od. wagerechten Linie abweichend, mit der Grund-
linie einen fpigen od. flumpfen Winkel bildend, mit dem Nebenbegriff des
Sehlerhaften, welcher in dem finnv. ſchräg nicht Liegt, enta. gerade
(ſ. d.), aber verfch. von krumm, welches überh. die Abweichung von der ge-
raden, nicht von der ſenk- od. wagerechten Linie ausdrüdt (vgl. Erumme, d. i.
gebogene, u. ſchiefe, d. i. nicht fenkrechte, Beine; eine Säule, ein Pfahl, ein
Tiſch ze. fteht Schief; ein fchiefer Winkel, d. i. ein fpiger od. ftumpfer, entg.
ein rechter, ſ. d.5 ſchief ſchreiben, d. i. nicht wagerecht; eine fchiefe Fläche:
der Wagen hängt ſchief; ein Tchiefer Mund; gem. ein jchiefes Maul machen,
d. i. den Mund verziehen, als Zeichen des Mifsvergnügens; einen fchief an-
ſehen, d. i. von der Seite, ſcheel; Schiff. ſchiefer Wind, d. i. beinah entge-
genwehender); uneig. f. unrichtig, falfch, verkehrt, nicht gehörig od. wie
es fein foll (etwas fchief anfangen; ein Schiefer Gedanken; die Sache geht
ſchief, d. i. nicht nach Wunſch; eine Sache fchief nehmen, d. i. übel nehmen):
— 3feg. fihiefbeinig, Bw., fchiefe Beine habend; die Schiefhade, niederd.
f. ein Schiefbeiniger; der Schieffopf, uneig. ein ſchief denkender u. urtheilen-
der Menſch; das Schiefmaß, ein Winkelmaß der Stuhlmacher, deffen einer
Schenkel in den andern eingefchroben ift u. in jeden beliebigen fchiefen Winkel
geftellt werden Tann; das Schtefmaul, die Schiefnafe, ein jchiefes Maul,
eine fchiefe Nafe, u. eine Perfon mit ſolchem Maule od. ſolcher Nafe; ſchief—
mäulig, fchiefnafig, Bw.; fchiefrund, Bw., verfchoben rund; das Schief-
fehen, Seitwärtsfehen u. Verdrehen des Auges, eine Krankheit der Augen:
fchiefwinfelig od. -winflig, Bw., einen fchiefen Winkel enthaltend od. bil-
dend; die Schiefwinkligkeit; — Abteit. die Schiefe, das Schieffein, die
ſchiefe Richtung od. Rage (einer Linie, Fläche zc.: gem. auch die Schiefig-
keit); auch eine fchiefe Fläche; die Schiefheit, das Schieffein, die fchiefe
Befchaffenheit, ſ. v. w. Schiefe (4. B. der Nafe, der Beine 2e.); aber auch
uneig. f. Verkehrtheit, Unrichtigkeit (die Schiefheit eines Urtheils, feiner
Anſichten 2c.); auch eine verkehrte Vorftelung, Anficht, Behauptung (M.
Sciefheiten).
Schiefer 673
Schiefer 1. m., -8, M. w. €. (altd. scivero, schivere, schever, oberd.
der Schifer, Schifern, des Schifern zc. f. Splitter; ſchwed. skifwer, engl.
shiver; niederd. Scheve, Schevel; verw. mit ſcheiben 3., fhiften, isländ.
ſchwed. skifa, skifwa, fpalten, theilen), urfpr. überh. was fich abfpleift oder
abfplittert, daher 1) alt u. oberd. ein Splitter von Holz oder Stein (fi)
einen Schiefer, od. oberd. Schiefern, in den Fuß treten 2c.); uneig. oberd. f.
Unwillen, Hafs, Groll gegen Jemand (einen Schiefer auf Semand haben),
heimlicher Kummer (einen Schiefer im Herzen haben) ; 2) Yandfch. Unreinig-
keit od. Ausfchlag des Kopfes, welcher fich in Blättchen od. Schuppen ab-
löfet; 3) gew. eine Steinart, welche aus dünnen Lagen befteht und ſich
feicht in Blätter fpalten läfft, der Schieferftein (Thon-, Kalk», Kupfer:
Ichiefer) ; insbe. der gewöhnliche ſchwarzblaue Thonfchiefer (ein Dach mit
Schiefer decken 2.); — 3feg. ſchieferblau, Bw., von der bläulichen Farbe
des Schiefers; das Schieferblau, eine Art Bergblau, welches an dem Schie—
fer hängt; der Schieferbruch, ein Steinbruch, in welchem Schiefer gebrochen
wird; der Schieferbudel, eine Art nadter Seeſchnecken mit zwei auf einan-
der liegenden weißen Schiefern auf dem Rüden; das Schieferdach, ein mit
Schiefer gedecktes Dach; der Schieferdeder, Dachdecker mit Schiefer; die
Schieferfarbe; fchieferfarben od. -farbig, Bw.; das Schieferflöz (f. Flöz),
-gebirge, -geftein ꝛc.; der Schiefergips, blätteriger Gips; der Schiefer-
glimmer, eine Art Glimmer, der ſich wie Schiefer fpalten läſſt; fchiefergrau,
Bw., aus ſchwarz, blau u. grau oder roth gemiſcht; das Schiefergrün, im
Schiefer vorfommendes Berggrün; der Schieferhammer, Hammer der Schie-
ferdeder; der Schieferhauer, Arbeiter in einem Schieferbrudhe; Bergw. ein
auf Kupferfchiefer arbeitender Bergmann; der Schieferfnoten, Bergw. im
Schiefer vorkommendes rundliches Geftein; die Schieferkohle, eine Art fchlech-
ter, fchieferichter Steinkohle; der Schieferfopf, Bergw. die Erdſchicht, in
welcher der erzhaltige Schiefer befindtich ift; der Schiefermergel, abfärbender
Mergel; der Schiefernagel, eine Art Nägel zum Befeftigen der Dachfchiefer;
die Schieferplatte, Platte aus Schieferftein; der Schieferfchneider, wer den
Schiefer in regelmäßige Stücke ſchneidet; das Schieferfchwarz, ein weicher,
abfärbender ſchwarzer Schiefer; der Schieferfpath, blätteriger Spath; der
Schieferftift, ein Stift od. Griffel (f. d.) von Schiefer zum Schreiben auf
eine Schiefertafel, d. i. eine in einen Rahmen gefaffte Schieferplatte, darauf
zu fchreiben u. zu vechnen; der Schieferthon, in Lagen über einander liegen:
der Thon; die Schieferwade, der Hornfchiefer; das Schieferweiß, das
feinfte, aus dünnen Blättern beftehende Bleiweiß; der Schieferzahn (von
Schiefer f. Splitter), Landw. ein fehlerhaft fpisiger Zahn bei Ferkeln u. a.
Thieren; — Ableit. fchiefericht, Bw. (altd. skivaroht f. rauh, ſchäbig),
dem Schiefer ähnlich; fchieferig, Bw., aus Schiefern beftehend, blätterig;
oberd. voll Splitter, fplitterig, u. uneig. f. veizbar, empfindlich, unwillig,
böfe (ichieferig fein, werden 2c.); fchiefern 1. Zw. 1) gew. rüdz. fih—,
fi) in Schiefer, d. i. Splitter od. gew. dünne Blättchen theilen, in Schie-
fern ablöfen, finnv. [helfen (die Haut fchiefert fih); 2) ziellos m. Haben,
oberd. uneig. f. feinen Unwillen äußern od. ausbrechen laffen.
Schiefer 2. m., -8, M. w. E. (vahrſch. von ſchieben), eine Art enger
Fiſchgarne, welche in den meiften Gegenden verboten find, auch Schabe ge:
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 43
7 — — Schiefhacke — Schiene
nannt (ſ. Schabe 2.); daher ſchiefern 2. zielloſ. Zw., mit einem ſolchen
Netze fiſchen.
Schiefhacke ꝛc. — ſchiefwinkelig, ſ. unter ſchief.
ſchieg od. ſchiek, Bw. (mittelh. schiech; niederd. ſchük, ſchräg, abhän-
gig; vgl. ſchief), oberd. f. ſchief; daher ſchiegen, ſchieken, ſchiegeln ıc.,
zielloſ. Zw., oberd. f. mit ſchiefen, ein- od. auswärts geſetzten Füßen ges
hen; auch f. feitwärts fehen, fchielen; ſchillern (von Farben); der Schieg-
fuß, oberd., wer fchiefe Füße hat.
Schiel 1. m. od. der Schielen, G. ſchelen (1. d.) f. ſpalten, trennen;
vgl. Schale, Scholle), oberd. f. Klumpen, Scholle (Eis-, Kothſchiel 2c.) ; —
- der Schiel 2. (auch Schill, Schindel) od. die Schiele, oberd. f. Sandbörs,
Sander.
ſchiel, Bw., landſch. f. ſcheel (ſ. 8.); fehielen, ziellof. Zw. m. haben,
(altd. scilehen, schilhen, oberd. ſchilchen, niederd. fchelen‘, ſchwed. skaela,
skela, angelf. scylian, engl. scowl), ſcheel, d. i. [chief od. feitwärts fehen
(nad etwas—, d. i. verftohlen, von der Seite danach fehen), bei. in Folge
fehlerhafter Befchaffenkeit od. Gemöhnung der Augen, wenn die Achfen
der Augen nicht diefelbe Richtung haben (er ſchielt; jchielende Augen, ein ſchie—
Vendes Geficht); uneig. von Farben, farbigen Stoffen zc. f. ſchillern (f. d.),
aus einer Farbe in die andere fpielen, bef. auf eine fehlerhafte Art (die hellen
Schmelzfarben fchielen, werden fchielend); daher auch in geiftigem Verftande
f. nicht Elar, nicht treffend od. paffend fein, [chief und unbeffimmt fein
(ein fchielender Ausdrud; dies Gleichniſs ſchielt od. ift ſchielend 2c.); — Ze.
das Schielauge, ein ſchielendes Auge, und eine Perfon mit folchen Augen;
ſchieläugig, Bw.; das Schielohr, ein ſchief gerichtetes Ohr, z. B. eines
Pferdes; — Ableit. der Schieler, -$, die Schielerinn, wer fchielt; der
Schieler auch: was fehielt od. fhillert, z. B. f. Schillerwein, Bleider;
u. f. Scillertaffet.
Schiem, m., altoberd. f.: Schemen (ſ. d.): Larve; Schimmern vor
den Augen.
Schiemann, m., niederd. Schiff. der erfte Gehülfe des Bootsmannes,
welcher über Alles, was zum Zodmafte gehört, die Auffiht hat; das Schie-
mannsgarn, zwei= od. dreidräthiges fehr loderes u, grobes Garn zur Be-
Eleidung der Taue; fehlemannen, unteb. 3w., das Tafel od. Segelwerk
ausbeffern.
Schiene, w., M. -n, Berk. das Schienhen, oberd. Schienlein,
(mittelh. u. oberd. die Schin; niederd. Schene, Schenne; ſchwed. sken, angelj.
scina, engl. shin; wahrſch. von einem alten Zw. ſchinen f. Ipalten; vgl. das
engl. skin, altniederd. Shin f. Haut, u. ſchinden, Schindel 2c.), 1) ein dün—
ner, platter u. verhältnifsmäßig ſchmaler und langer Körper (wie er
durch Spalten zäher Holzäfte od. Zweige entfteht), bef. fofern er als Werk⸗
zeug od. als Theil eines zuſammengeſetzten Dinges zu deſſen Befeftigung,
Bekleidung ꝛc. dient; z.B. ein flaches Brettchen der Töpfer zum Glattftreichen
der Töpfe; die beim Korb» und Giebflechten gebrauchten langen, biegfamen
Holzftreifen (Flechtſchienen); die aus gebogenen eifernen Platten beftehen-
den Theile eines Harnifches, welche die Arme u. Beine bedecken (Arm, Bein-
fhienen); ſchmale, platte Eifenftangen als Befchlag der Wagenachſen, der
Radfelgen ze. (Achs-, Kadfhienen); Buchdr. bie ſchmalen Eifenbledhe,
fchier 7
womit bie mittleren Balken des Laufbrettes an der Preſſe befchlagen find; bei
den Wundärzten: female Brettchen, zwifchen welche ein gebrochenes Glied ge
bunden wird, um in ber gehörigen Lage erhalten zu werden; auch f. das
Schienbein (f. u.); 2) oberd. (Schin) f. Vermeffung der Bergwerksgru—
ben, Markfcheidung (von einer dabei als Werkzeug gebrauchten Schiene, od.
unmittelbar v. ſchinen, theilen?; daher der Schien- od. Schinmeifter
f. Markſcheider); — 3fes. das Schienbein (altd. sciena, scena, schinebein,
auch Schintbein; niederd. Schene; engl. shin, shin-bone), das äußerlich einer
Schiene ähnliche lange ftarke Vorderbein des Unterfchenkels zwiichen dem Knie
u. dem Fuße; daher der Schtenbeinmusfel, «nero ıc.; das Schieneifen,
zu Schienen (bef. Radfchienen) beftimmtes od. verarbeitetes Eifen; das Schien-
od. Schienenfafd, Hüttenw. eine aus ſtarken Holzfchienen geflochtene Mulde
zum Kohlentragen; der Schienhafen, Hüttenw. eine eiferne Schiene mit ei—
nem Haken; der Schien= od. Schienennagel, ſ. v. w. Radnagel; die
Schienenröhre, das Wadenbein; die Schienenruthe, Web. dünne Schienen,
welche die aufgefpannte Kette durchkreuzen u. in zwei Hälften theilen; ber
Schienenftempel, Schmied. ein Hammer mit ftumpfer Spige, womit die Löcher
in den Radſchienen vorgefchlagen werden, um fie dann mit dem Schienendurd)-
fchlag, einem Spishammer, völlig durchzuſchlagen; die Schienzange, auf
Eifenhämmern Zangen zum Handhaben des Schieneifens; — Ableit. ſchie—
nen, ziel. 3w. 1) mit Schienen verfehen (niederd. fchenen; eine Achfe, ein
gebrochenes Bein 2c.); 2) oberd. (Thinen) f. marffcheiden, die Berggrengen
beftimmen od. berichtigen; daher der Schiener, (Schiner), -$, oberd. f.
Markfcheider.
ſchier 1. Bw. (mittelyochd. schirz goth. isländ. u. altfächl. skir, angelf.
scir, engl. sheer, lauter, hell zc.; vielleicht v. fcheren 1., alfo uripr. gleichſ.
geſchoren, glatt? dann wäre aber die richtigere Form schir mit kurzem i; vgl.
auch feuern), niederd. f. glatt, eben (eine ſchiere Haut, fchieres Sol, d. ii.
ohne Äſte u. Knorren 2e.); Elar, hell, glänzend (mittelh. von schirem golde;
niederd. ein fchieres Ei, d. i. ein Elares); lauter, rein, unvermifcht (ichieres
Fleiſch, d. i. ohne Knochen; ſchieres Korn 2c.); auch f. weiß; daher das
Schier, in Lübeck f. das weiße Leichentuch ; — ſchieren 1. ziel. 3w., nie-
| derd. f. glatt od. ſchlicht machen, putzen; Elar machen, insbef. durchrüh—
ven u. dadurch Elar u. eben machen (Eier, Butter, eine Brühe 2c.); auch
‚ etwas genau betrachten, muftern, bef. um zu unterfuchen, ob es Elar und
rein iſt; — die Schierbutte, in Vitriolfiedereien das Gefäß, worin fich die
wilde auge Härt; der Schierhammer, in Meffingwerken ein ſchwerer Ham—
‚ mer mit glatter Bahn, womit die Beulen aus den meffingenen Schalen gefchla=
gen werden; fchierfchaben (ſchierſchawen, auch fchierfchötern), ziel. Zw.,
in Hamburg f. durchmuftern , durchhecheln; das Schiertuch, niederd. grobes,
loderes Kammertuch zum Durchfeihen.
ſchier 2. Nw. (altd. scioro, skiero, scero; schiere, schierlichen; oberd.
ſchier, fchiere; engl. sheer; flav. skoro; vgl. das altd. sciaran, scieran, be=
reiten, fertig machen), 1) vlt. f. ſchnell, bald, fogleich, plöglich (auch Superl.
aufs fhierfte, allerfchiereft, d. i. fobald als möglich); daher 2) alter-
thüml. u. noch oberb. f. faft, beinahe (ich bin fchier verhungert 2c.); fehie-
ven 2. ziel. 3w., landſch. f. die Bewegung eines Dinges befchleunigen;
43 *
676 Schierling — fchießen
uneig. gem. f. aufmuntern, aufheßen (wohl =fhüren?); niederd. auch
zielos: ſchieren gehn, f. davongehen (vgl. ſcheren 2.).
Schierling, m., -08, 0. M. (gem. auch Scherling, altd. sceriling,
scerning, scherline; v. sceran, fheren 1. ſchneiden, wegen der eingeferbten
Blätter; niederd. Scharnpipe, f. unter Scharn), ein der Peterfilie Ahnliches
Hiftiges Doldengewächs mit der Paftinake ähnlicher, aber übelriechender Wur-
zel, großer od. gemeiner Schierling, auch Wuth-, Mäufe-, Mauer-
ſchierling, Tollkraut, wilde oder Hunds =» Peterfilie zc. genannt; der Eleine
Schierling, eine ähnliche, aber weniger heftig wirkende Giftpflanze, auch
Gartenfchierling, Glangpeterfifie zc.; — der Schierlingöbecher, ein mit einem
aus Schierlingsfaft bereiteten Gifttrant (Schierlingstranf) gefüllter Be-
her; das Schierlingsblatt; der Schierlingsfamen; die Schierlings-
wurzel ıc.
ſchierſchaben, Schiertuch, ſ. unter fchier 1.
fchießen, Zw. ablaut. ich fchieße, du ſchießeſt, er ſchießt (alt u. oberd. auch:
fcheußeft, ſcheußt); Imper. ſchieße (alt u. oberd. ſcheuß); Impf. ſchoſs (oberd.
ſchuſs u. ſchießet), Conj. ſchöſſe; Mw. geſchoſſen, (alth. sciozan, ih sciuzu; |
Impf. scöz, wir scuzzun, Mw. giscozzan; mittelh. schiezen, ih schiuze,
schöz, schuzzen, geschozzen ; isländ. skiota, fchwed. skjuta, dän. skyde;
angelj. sceotan, engl. shoot; holl. schieten, niederd. ſcheten; vgl. das franz.
jeter; ſanskr. tschud; Grundbegriff: ſchnelle Bewegung), 1) ziellos m. fein,
ſich mit. großer Schnelligkeit in. gerader Richtung fortbewegen, ſowohl
von leblofen Dingen, als von lebendigen Wefen, finnv. fahren, dringen, ſtür—
zen ꝛc. (4. B. das Waffer fchießt von dem Berge, das Blut aus der Wunde;
die Thränen fchoffen ihr in die Augen; ein Raubvogel ſchießt aus der Luft auf
feine Beute herab; ex ſchoſs an mir vorbei 2c.); etwas ſchießen laffen,
f. v. w. fahren laffen, los laffen (z. B. ein Seil—, den Leithund —, einem
Pferde die Zügel ſchießen laſſen); von Pflanzen und lebendigen Geſchöpfen:
ſchnell emporwachſen, finnv. fprießen, fproffen (die Pflanze ſchießt in die
Höhe, in Samen; der Knabe. ift Schnell in die Höhe geſchoſſen; vgl. auf
ſchießen, ſchoſſen, Schofs, Schöfsling) ;; 2) ziel. a) überh. etwas in fehnelle
fhiegende Bewegung feßen, bewirken, dafs es fchnell dahin fahrt; insbei.
oberd. f. hinabgleiten laffen (Eis—; Holz —, von der Höhe hinabrutfchen.
laffen) ; f. ſchieben (Brod in den Ofen —, den Riegel Schießen od. vorfchießen,
oberd. f. vorfchieben) ; fallen laffen, fihnell hinlegen (Kaufm. Geld fchiegen,
d. i. werfend zählen; Geld zuſammenſchießen f. zufammenlegen; vgl. her- vor-,
zufchießen) ; be. werfen, fchleudern, fortfchnellen Coberd. Sand —, d. i. durch
ein Sieb werfen; Schnellkügelchen —, vgl. Schiefer, Schuffer; niederd. Zie—
gel, Käfe 2c..—, d. i. einander zumwerfen); auch uneig. fehnell wohin richten
(zornige Blicke auf Jemand ſchießen; die Sonne ſchießt ihre Strahlen auf un—
fere Häupter) ; b) in engerer Bed. ein Gefchofs werfen od. fortfchnellen, bei.
mittelft eines Feuergewehres, häufig ohne Zielwort (3. B. mit einen
Bogen, einer Armbruft, einer Flinte—; mit Pfeilen, Bolzen, Kugen—;
nach einem Ziele, einer Scheibe, einem Vogel Schießen; gut oder ſchlecht ——
ſcharf, oder blind fchießen, ſ. Scharf; Jäg. insbe. aus Flinten und Piftolen
ſchießen; entg. birfchen, d. i. aus der Büchfe ſchießen); ferner mit einem
Zielworte (Object), welches entweder das duch die Schufswaffe fortge-
ſchnellte Geſchoſs bezeichnet (3. B. einen Pfeil, Bolzen, eine Kugel nad) od.
ſchießen 677
auf Jemand ſchießen), oder den durch das Geſchoſs erreichten Gegen—
ſtand, alſo f. ſchießend treffen (einen, ein Thier ꝛc. —; ihn in den Arm,
vor den Kopf ꝛc. —; auc mit dem Acc. der Sache u. dem Dativ ber Per:
fon: ihm eine Kugel vor den Kopf—, einen Pfeil in die Bruft fchießen; uneig.
gem. gefhoffen fein, in eine Perfon gefchoffen fein, f. verliebt fein);
auch mit Andeutung der Wirkung des Schuffes durch Beifäße (z. B. einen
todt—, krumm und lahm —, über den Haufen fchießen; ein Schiff, ein Haus
in Grund und Boden fchießen); Bergw. f. mit Schießpulver fprengen (Erze
u. Berge); auch von dem Schießgewehr felbft (diefe Flinte ſchießt gut; eine
Kanone, die 20 Pfund ſchießt 2c.); das Schießen, -8 (oberd. Schiefend) als
Hw., der Zuftand od. die Handlung des Schießens; bef. ein Schießfeft,
d. i. eine Vereinigung Mehrer, zur Übung od. zum Vergnügen um ausgeſetzte
Preife nach einem Ziele zu fchießen (ein Schießen halten; Frei-, Scheiben>,
Bogelfchießen.2c.); — Zfeg. der Schießbedarf; das Schießblech, ein Ei-
fen, welches beim Sprengen des Gefteines mit Pulver zwifchen die Spreize u.
den Scießpfloc gelegt wird; der Schießbolzen, Seew. eiferne Bolzen, bie
aus Kanonen gefchoffen werden; das Schießeifen, Bergw. ein Eifen in Ge-
ftalt eines Fäuftels, welches beim Sprengen mit Pulver in das Geftein gehauen
wird; der Schießfifch, Hornfiſch; das Schießgat, Schießloch auf Schiffen
( . Sat); das Schießgeld, Geld, welches der Jäger von feiner Herrfchaft
für ein erlegtes Stüd Wild erhält; die Schießgerechtigkeit od. das Schieß-
recht, die Befugnifs, auf eines Andern Grund und Boden nad) Wild zu fchie-
fen; das Schießgewehr, Gewehr zum Schießen, bef. Feuergewehr; der
Schießgraben, ausgetrodneter Stadtgraben, zum Scheibenfchießen dienend;
das Schießhaus, ein zum Gebrauch bei Schiepfeften beftimmtes Haus, Schügen-
haus; der Schießherd, ein Vogelherd, wo die Vögel durch abgefchoffene Pfeile
in die Garne getrieben werden; der Schießhund, Jagdhund, welcher das
angefchoffene Wild verfolgt; die Schießhütte, Hütte, in welcher man auf
Wild u. Raubthiere lauert, um fie zu ſchießen; der Schießfarren od. = wa-
gen, der Karren, auf welchem die Karrenbüchfe zum Schießen auf Zrappen
und wilde Gänfe befeftigt ift; das Schießloch, Bergw. cin zum Behuf des
Sprengens in das Geftein gebohrtes Loch; auch f. v. w. Schießſcharte; das
Schießmahl, ein abgeftecttes Zeichen, nach welchem, oder von wo aus man
ſchießt; das Schießpferd, ein zur Jagd abgerichtetes Pferd; der Schieß-
plan, -plaß, die Schießftatt, ein zu Schiepfeften beftimmter ebener Platz;
das Schießpulver, aus Schwefel, Salpeter und Kohlen verfertigtes Pulver
zum Schießen aus Feuergewehren; die Schießröhre, Bergw. ein ausgehöhl-
ter, mit Pulver gefüllter Holunderfchofs, als Zünder beim Sprengen dienend;
die Schießfcharte (al. Scharte), ein Einfchnitt in Mauern und Bruſtweh—
ven, um durch denfelben auf den Feind zu ſchießen; die Schießfcheibe, f.
Scheibe; die Schießfchlange, eine Art ausländ. Schlangen, welche pfeilſchnell
auf ihren Raub fchießen; die Schießfpule, Web. f. v. w. das Webefchiff, weil
es durch die Kette gefchoffen od. geworfen wird; der Schießftand, der be-
flimmte Pla des Schießenden nad} der Scheibe ze.; der Schießfteiger, Bergw.
der Steiger, welcher das Sprengen des Gefteins verrichtet; die Schießtafel,
Landfch. f. Drud- od. Beilketafel, |. d.; die Schießtafche, Jagd- od. Weid-
tafche der Jäger u. Schügen; die Schießwand, eine Mauer hinter der Schieß-
Tcheibe, welche die Kugeln auffängtz; — Ableit. fehießbar, Bw., mas ge-
678 Schiff
fhoffen, d. i. ducch einen Schufs getroffen od. erreicht werden kann; Die
Schieße, M. -n, Bäd. ein flaches Brett an einer Stange, mittelft deffen
das Brod in den Ofen gefchoben (gefhoffen) wird, der Schieber; der
Schießen od. Schieß (auh die Schießen, das Gefchieß, der Schuſs;
vol. Geſchoſs), oberd. f. die Giebelfeite eines Gebäudes; der Schießer, —s,
wer fchießt, gew. Schütze; Bäd. der Gefelle,.welcher das Brod in den Ofen
ſchiebt ( chießt); oberd. auch f. Schuffer, Schnelfkügelchen; der Schieß—
ling, -e8, M. -e, was in die Höhe fchießt, d. i. wählt, gew. Schöfsling;
oberd. ein aufgefchoffener junger Menſch.
Schiff, ſ. -es, M. -e, Verkl. das Schiffchen, oberd. Schifflein, (goth.
u. isländ. skip, altd. scif, scef; schif, schef; oberd. Schiff u. Scheff; niederd.
Schipp, holl. schip, ſchwed. skepp, dän. scib; angelf. scip, scyp, engl. ship;
ital. schifo, franz. esquif; wahrſch. v. dem angelf. scipan, isländ. skepia,
ſchwed. skipa, niederd. fchippen (vgl. ſchaffen 1.), f. bilden, geftalten; anord-
nen, rüften, franz. equiper; alfo: das gemachte Gefäß od. Geräth; vgl. jedoch
auch Schaff, sceffan, fhöpfen, und das griech. oz«yn), 1) urfpr. überh. f.
Gefäß, Geräth (vgl. das franz. vaisseau, vaisselle vom lat. vas), daher oberd.
Schiff und Gefdhirr, d. i. alle zur Landwirthſchaft od. zu einem Gewerbe
nöthigen Geräthichaften, auch beim Fuhr- u. Poftwefen: Wagen mit allem Zu-
behörz insbe. ein hohles Gefäß ohne Füße u. Henkel, in einzelnen Anmwen-
dungen, als: Brau. Kühlfhiff ll. d.); Mal. Eeine Farbennäpfchen (Schiff:
chen); ſchwäb. ein im Ofen angebrachter Eupferner Kochtopf (Schiffle);
2) gem. ein Wafferfahrzeug, u. zwar. in weitefter Bed. jedes bauchige, ver-
tiefte Fahrzeug mit einem Kiele, verfch. von Fähre, Prahm; Floß; in en-
gerer Bed. nur ein größeres Kahrzeug der bezeichneten Art, verſch. Kahn,
Rachen, Boot, (ein See-, Fluſsſchiff, Ruder-, Laft-, Handels- od. Kauf-
fahrteifchiff, Kriegs-, Linienfchiff 2c.); in engfter Bed. nur die größten drei-
maftigen See-Fahrzeuge, (ein Schiff bauen, ausrüften zc.; zu Schiffe ge
hen; das Schiff läuft aus, läuft ein 2c.); 3) uneig. verfchiedene ſchiffähn—
liche Körper, Werkzeuge, Räume ꝛc., insbef. Web. das Webefchiff ob.
ſchiffchen (f. d.), auch Schießſpule, Schüge genannt; Buchdr. ein vieredi-
968 Brett mit einem Rande, aus deffen Falze ſich ein fchmaleres Brett: (die
Schiffzunge) ziehen läſſt; oberd. Eleine Ichiffförmige Pfefferkuchen (Schiff—
ein); Naturk. Schiffchen, das unterfte hohle Blatt einer Schmetterlings-
blume; der untere Theil einer Mufchel; verfchiedene Mufchelarten , bef. eine
Art Napfichneden od. Schüffelmufcheln; die nachenförmige Vertiefung. des
äußeren Ohres; dag Schiff einer Kirche, d. i. der. mittlere Raum der—
felben zwifchen. den Pfeilern und Chören; — Zfeg. mit Schiff u. Schiffe:
das Schiffamt, ein Amtöverein, welcher die Schifffahrt beauffichtigt; der
Schiffbau, der Bau der Schiffe; daher: das Schiffbauholz; die Schiff—
baufunft; der Schiffbaumeifter; der Schiffbauer, -8, M. w. E.; verſch.
der Schiffsbau, d. i. der Bau eines beftimmten Schiffes; das Schiffbein,
Anat. ein Bein am Oberfuße des Menfchen; der Schiffsboden, f. Boden;
das Schiff- oder Schiffsboot, Naturk. verfchiedene Meerſchnecken; der
Schiffsbord, ſ. Bord; der Schiffbruch, das Scheitern od. die Zertriimme-
rung eines Schiffes an Klippen, Sandbänken ꝛc. (Schiffbruch leiden); fchiff-
brüchig, Bw., wer einen Schiffbruch leidet od. erlitten hat, (ein Schiff:
brüdhiger); aus einem Schiffbruch gerettet (ſchiffbrüchige Waaren); die
Sqiff 679
Schiffbrücke, eine auf Schiffen ruhende Brücke; die Schiffsfahne, gem.
-flagge, ſ. d.; der Schifffahrer, wer zu Schiffe fährt, bef. gewöhnlich und
berufsmäßig, finnv. Seefahrer; die Schifffahrt, Fahrt od. Reife zu Schiffe;
die Kunft des Fahrens zu Schiffe und deren Ausübung, bef. zur See (die
Schifffahrt verftehen 2c.); auch f. das Fahrwaſſer im Meere od. in einem Fluſſe;
das Schifffahrtögefeß; die Schifffahrtöfunde, -Funft ıc.; die Schiff-
od. Schiffsfracht,, f. Fracht; der Schiffsfreund, in Seeftädten: wer mit
Andern auf gemeinfchaftliche Koften ein Schiff ausrüftet, Mitrehder; der
Schiffsführer, Befehlshaber eines Schiffes (Schiffe-Gapitän); das Schiffs-
gebäude, der Rumpf (f. d.) eines Schiffes; das Schiff- od. Schiffsgeräth ;
das Schiffsgerippe, ſ. Gerippe; der Schiffhalter, Naturk. eine Art Fiſche:
dev Sauger; der Schiffhandel, Handel zu Schiffe, od. mit Schiffen; der
Shiffshauptmann, oberfte Befehlshaber eines Schiffes (gew. Schiffe-Gapi-
tän); das Schiff- od. Schifföheer, f. v. w. die Flotte (f. d.); der Schiffs-
herr, Eigenthümer eines Schiffes, Rehder (auch fr. Schiffs- Patron); der
Schiffsholm, ſ. Holm; der Schiff- od. Schiffsjunge, junge Matrofen,
welche den Seedienft erlernen; die Schiffsfammer, f. Kajüte; das Schiff-
od. Schiffsfind, Seew. f. Matrofe eines Kauffahrers; der Schiff- oder
Schiffsknecht, wer auf Schiffen die niedrigfte und ſchwerſte Arbeit verrichtet,
auf den Seeſchiffen: Matrofe; der Schiffskoch; die Schiffsfüche; die
Schifffunde, -Eunft, f. v. w. Schifffahrtskunde ꝛc.; fhifffundig, Bw.;
die Schiffkuttel, eine Art einfhaliger Seeſchnecken od. Schiffsboote (f. d.),
auch Schiffmuſchel, ⸗ſchnecke genannt; die Schiffsladung, ſ. Ladung;
die Schifflände, Landungsplatz der Schiffe, Anfurth; die Schiff- od. Schiffs-
laft, ſ. Laſt; die Schiff- od. Schiffsleuchte, Leuchte für Schiffe auf einem
Leuchtthurm 2c.; die Schiff- od. Schiffsleute, alle zur Führung von Schiffen
u. den dabei nöthigen Verrichtungen mitwirkenden Perfonen, auch die Schiffs-
mannfchaft, das Schiffsvolf; der Schiffmann, f. v. w. Schiffer (j. u.),
ehem. insbef. f. Steuermann; fchiffmännifch, Bw., einem Schiffmann eigen
od. angemeffen; die Schiffmühle, Waffermühle auf einem platten Fluſsfahr⸗
zeuge; der Schiffmüller, Eigenthümer od. Vorgeſetzte einer Schiffmühle;
die Schiffmüße, eine Müge mit zwei fpigen Schnäbeln an den Seiten; der
Schiffnagel, eine Art flacher Nägel mit breiter, Eeilartiger Spige zum An—
nageln der Sciffplanken; der Schiffspart, niederd. f. Antheil an einem
Schiffe (f. Part); der Schiffspartner, niederd. wer einen ſolchen Anteil
hat, Mitrehder; das Schiffpech, ein Gemiſch aus Pech, Theer, Harz und
Talg, welches in die Fugen der Schiffe gegoffen wird; das Schiff- od. Schiffs-
pfund, f. Pfund; die Schiff- od. Schiffspumpe, eine Pumpe auf Schiffen
zum Auspumpen des eingedrungenen Waffers; der Schiffsraum, |. Raum;
das Schiffrecht, f. v. w. Seerecht; der Schiffsrehder, ſ. Rehder; fehiff-
reich, Bw., reich an Schiffen; die Schiffrofe, ſ. v. w. Windrofe; die Schiff-
rüſtung, Ausrüftung von Schiffen; der Schifföfchnabel, das fpig zulaufende
Ende eines Schiffes; der Schifffehuh, ſ. v. w. Schachtſchuh (1. d.); fo auch
Schiffruthe, zoll, das Schiffmaß; das Schifffeil, gew. Tau; der Schiff-
foldat, Seeſoldat; der Schifföfpiegel, 1. Spiegel; das Schiffſtück, ein
ſchweres Gefhüg auf einem. Kriegsihiffe, Schiffgeſchütz; das Schifftheer,
Theer zum Beftreichen u. Kalfatern der Schiffe; das Schiffsvolf, f. o. Schiff—
leute; das Schiff: od. Schiffswerft, f. Werft; der Schiffwerftkäfer, eine
680 ſchiften — Schild
Art Warzenkäfer, deren Larve das Eichenholz durchbohrt u. dadurch die Schiff-
werfte befchädigt; der Schiffwurm, eine Art im Holze lebender Bohrwürmer,
die den Schiffen großen Schaden zufügen, Bohr-, Pfahlwurm; der Schiff:
od. Schiffszimmermann; der Schiffzoll, von den Schiffen und darauf ge-
ladenen Waaren entrichteter Zoll, See-, Wafferzoll; der Schiffzwiebad,
völlig ausgetrocnetes Brod zu weiten Seereiſen; — Ableit. ſchiffen, Zw.
(oberd. auch fchiften; niederd. fchepen) 1) zielos mr. Haben u. (bei Angabe '
eines Ausgangspunftes oder Zieles) m. fein, auf einem Schiffe, zu Schiffe
fahren, reifen (3. B. er hat viel, lange gefchifft; er ift nach Amerika ge-
ſchifft ꝛc.); ehem. aud) von dem Schiffe felbft f. fahren, fegeln; 2) ziel. zu
Schiffe fortfchaffen (Waaren, Truppen zc. nach einem Orte—); der Schif-
fer, -8, wer fhifft, ein Schiff lenkt, bef. fofern dies fein Beruf od. Gewerbe
ift, ſ. v. w. Schiffmann, weibl. die Schifferinn; auch f. Schiffeigen-
thümer, Schiffsherr; insbef. auf Kriegsfchiffen ein unter dem Schiffsbefehls—
haber ftehender Dfficier, der die Ausrüftung des Schiffes und den Dienft auf
demfelben leitet; auf Handelsfhiffen |. v. w. Schiffshauptmann; Zfeg. die
Schifferhofen, weite lange Beinkleider der Schiffer; der Schifferfnecht,
Knecht eines Schiffers; der Schifferfnoten, ein zufammengebundenes Tau
in Geftalt einer 8 zur Hebung von Laſten; die Schiffermüße; das Schiffer-
mützchen, uneig. eine Art Napfichneden od. Schüffelmufcheln; die Schiffer-
fprache, Kunftfprache der Schiffer, bef. der Seefahrer; der Schifferzirkel, .
ein zirkelförmiges Werkzeug, mittelft deffen man aus der gegebenen Breite eines
Ortes deffen Länge zur See findet; — die Schiffung, M.-en, (mittelh.
schiffunge; oberd. auch Schifftung), alt u. oberd. 1) f. das Schiffen, die
Einfhiffung, Fahrt zu Schiffe; 2) f. das Schiff, mit Hinſicht auf eine
beftimmte Art od. Größe deöfelben; fehiffbar, Bw., fähig, beſchifft zu wer:
den (ein ſchiffbarer Flufs 20.5 die Schiffbarmahung); die Schiffbar-
feit, das Schiffbarfein; — fchiffern, Zw., niederd. chippern) 1) ziellos
f. in einem Eleinen Schiffe fahren; 2) ziel. in Eleinen Schiffen holen
(Zorf).
ſchiften 1. ziel. 3w., landſch. f. ſchäften (f. d. unter Schaft); auch überh.
f. zufammenfügen, verbinden, an- od. einfegen (der Zimmermann ſchiftet
einen Sparten, d. i. befeftigt ihn der Länge nad) an einen andern; einen
Habicht —, d. i. ihm frifche Schwungfedern auflegen); der Schift, -es, M.
-t, landſch. f. Anfügung, Überzug; der Schiftfparren, angeſchiftete Spar-
ven an Dächern, im Beraw. ꝛc.; — fhiften 2. ziel. u. ziellof. Zw., nieberd.
(Nebenform od. vielleicht die urfpr. Form von ſchichten, f. d.5 angelf. scyf-
tan,.fchwed. skifta, holl. schiften; vgl. feheiben 3. u. Schiefer) f. theilen,
abfondern; von gewebten Zeugen: dünn werden, durch Abfonderung und
Berfchiebung der Fäden; ſchiftig, Bw. (urfpr. wohl: genau unterfcheidend,
ſich abfondernd), niederd. f. verächtlich, höhniſch.
Schilbe, w., M.-n, (auch Schilpe, Schilp; altd. scelva, schelve),
ſchwäb. f. Scholle; auch ein Salzmaß — 14 3entner.
ſchilchen, ziellof. 3w. m. haben, (altd. schilhen; vergl. ſchelch, Scheel,
ſchielen), oberd. f. fchielen; der Schilcher, -8, f. Schieler; auch eine Art
Beuges, wahrſch. Schillertaffet.
Schild, m., -es, M. -e (landfch. gem. -er), und (in ber Bed. 2. b)
ſächl., -e8, M. -er; Verkl. das Schildchen, oberd. Schildlein, (goth. skildus,
Schild 681
altd. immer männl. der scilt, schilt, G. schildes; angelf. scild, scyld, engl.
shield; isländ. skiöldr, ſchwed. sköld; vom isländ. skiola, ſchwed. skyla,
dän. skyle, bedecken; vergl. das lat. scutum mit Schug, ſchützen), 1) urfpr.
u. eig. eine chem. übliche Schutzwaffe zur Bedeckung des Leibes, beftehend
in einem flachen, etwas gewölbten Körper von fefter Maffe u. gew. rundlicher
od. Länglich vierediger Form, an der inneren Seite mit Handhaben verfehen,
mittelft deren er gehalten u. bewegt wird (Schild und Speer führen; fich mit
Schild und Helm waffnen zc.), im Mittelalter bef. von den Rittern geführt u.
mit einem Wappenbilde bemalt, welches als Abzeichen dient u. auch felbft der
Schild (Wappenfchild) Heißt, (3. B. einen Adler, eine Krone, eine Rofe
im Schilde führen; daher uneig. etwas im Schilde führen, d. i. urfpr.
ein Abzeichen tragen, wodurd) man zu erkennen giebt, zu welcher Partei man
gehört, dann überh. eine beftimmte Abficht haben u. verrathen, etwas im Sinne
haben, 3. B. er führt.nichts Gutes im Schilde) ; chem. auch eine Münze mit
einem Wappen im Gepräge (vgl. Schildthaler); ferner als Abzeichen des
Ritterftandes überh. ehem. uneig. f. Adel, Nitterwürde (4. B. den Schild
niedern, d. i. den Adel ſchwächen durch Eintreten in ein Lehnverhältnifs; zum
Schilde geboren fein, d. i. von adeliger Geburt); ehem. auch f. Schildträger,
hochgeborene Perfonen (bibl. die Schilde auf Erden); dicht. uneig. f. Schuß,
Schirm (bibl. der Herr ift mein Schild) ; 2) in weiterer Anwendung verfchie-
dene fchildähnliche Dinge od. Körpertheile a) fofern fie zur Bedeckung die
nen, oder auch bloß der Geftalt nach; z. B. die harte gewölbte Schale der
Schildkröte u. anderer Thiere, z. B. der Käfer 2c.; Jäg. ein breiter, dicker
Knorpel auf dem Rüden der wilden Schweine; ein Fleck auf der Bruft ber
Feld» u. Hafelhühner, bisw. überh. die Bruft des Geflügel; Fleiſch. ein Theil
von dem Buge eines Rindes; Pflanz. ein dünnes, rundliches, od. Längliches
Fruchtlager; Gärtn. mit dem Schilde äugeln (oculicen) od. anſchilden, entg.
mit dem Ringe—; Naturf. eine Art Napfichneden, auch Schiffen, Kahn ıc.
genannt; Schloff. das Heine Blech, welches das Schlüffelloch bedeckt od. um-
giebt; Bauk. eine Schwache Wand zwifchen zwei ftärkeren Pfeilern, bei. an
Gartenmauern; Wafferb. die Wand, mit welcher ein Strudelbau von der Seite
zugefchloffen wird; Jäg. das auf Leinwand gemalte u. eingerahmte Bild eines
Thieres, welches fie vor fih halten, wenn fie das Geflügel befchleichen; (in allen
diefen Bed. heißt es: der Schild, M. die Schilde); b) fofern fie als
Unterfcheidungs- od. Kennzeichen dienen (in diefer Bed. das Schild, M.
die Schilder), insbei. das blecherne Wappen od. Zeichen, welches Herolde,
Gerichtsboten 2c. an der Bruft od. am Arm befeftigt tragen; die ausgehängte,
mit einem Wappen od. anderen Bilde od. Zeichen verfehene Tafel als Abzei-
chen eines Haufes, bef. der Wirthe- u. Gaſthäuſer, der Handwerker, Gewerbe,
Kaufleute zc. (das Aushängefhild; das Schild einziehen, d. i. fein Ge-
werbe niederlegen); — 3fes. die Schildamfel, eine Art Amfeln mit einem
ſchildförmigen weißen Flecke vor der Bruft, Meeramfel; der Schildbauer,
in Zirol eine Art freier Bauern, die mit zum Adel fteuern; der Schilöbefen
od. das Schilöbefenfrauf, eine Art Steintraut mit grau beftäubten Blättern;
die Schilöblume, eine mit dem Fingerhut verwandte Pflangengattung (che-
lone L.); der Schilöbürger, eig. ein mit einem Schilde verſehener, bewaff-
neter Bürger; gem. uneig. f. Menfchen von beſchränktem, Eindifhem Verftande,
welche alberne, einfältige Streiche machen (in diefer Bed. gew., aber gegen alle
682 Schild
Analogie, von dem ſächſ. Städtchen Schilda hergeleitet, von deſſen Einwoh—
nern man bergl. alberne Streihe (Schildbürgerftreiche) erzählt; wahrſch,
wie Spiefbürger, urſpr. ein bewaffneter Bürger); fhilobürtig, Bw.,
ſ. u. ſchildbar; die Schilddroffel, Ringdroffel mit einem Schilde vor der
Bruft; die Schilddrüfe, Anat. eine vor dem SchildEnorpel u. dem oberen |
Theile der Luftröhre liegende Drüfe; die Schild-Ente, landſch. f. Löffel: od. .
Schaufelente; das Schilöferfel, eine Art Panzer- od. Gürtelthier, ſ. d-;
der Schildfink, Buch- od. Rothfink; der Schildfiſch, eine Art oftind. Fiſche
mit einer jhildähnlichen Bededung des Rüdens; auch zwei Fifcharten mit
einem Schilde am Kopfe, mittelft deffen fie fih an Schiffe zc. anhängen, Sau-
“ger, Schiffshalter: der große, u. der Eleine Schildfiſch; die Schilöflechte,
Flechten mit rundlichen od. eiförmigen Warzen, ſchildförmige Flechten, Näpf-
hen, Tellerchen; der Schildfloh, eine Gattung ungeflügelter Waſſer-Inſec—
ten, deren Leib mit einer Schale bedeckt ift; ſchildförmig, Bw. (bef. Pflanz.
ein [hildf. Blatt, deffen Stiel in der Mitte feftfist; ein ſchil df. Staub-
beutel, Ereisförmig u. auf beiden ©eiten flach 2c.); der Schilöfranf, ehem.
f. Ducaten; die Schilögerechtigkeit, das Recht, ein Schild zum Zeichen eines
Gewerbes, Gafthaufes zc. auszuhängen; der Schilögrofchen, eine Silber—
münze im 15. Sahrh., deren 60 — 3 Thlr. 2 9Gr. waren; der Schildhahn,
Yandfch. f. Birkhahn; der Schildhalter, Wappenk. eine Menſchen- od. Thier-
Geftalt, welche den Wappenſchild Hält; der Schilöhof, Hof eines Schild-
bauern, |. d.; der Schild-Igel, eine Art Seeigel; der Schildfäfer, eine
Gattung Käfer, deren Bruſtſchild zugleich den Kopf bedeckt; der Schildklee,
ein in Stalien u. Spanien wachſendes gutes Futterfraut mit ſchmetterlingsför—
migen Blüthen, auh Schil dkraut; der Schilöfyappe od. Schlldknecht,
der Schildträger, Diener u. Waffenträger eines Ritters; der Schilöfnorpel,
Anat. der größte Knorpel des Kehlkopfes, der mit feinen beiden ©eitentheilen
einen Schild bildet, gem. Adamsapfel; die Schildfrabbe, landſch. f. Taſchen⸗
krebs; das Schildfraut, ein Gewächs mit bläulihen Blüthen, deren Dede
mit einem fchildförmigen Deckel gefchloffen ift (scutellaria L); auch f. Schild-
Eee; die Schildkröte, ein zahlreiches Geflecht vierfüßiger Land- und Waffer-
thiere (Amphibien) mit trägem Gange (daher =Kröte, j. d.) u. einer harten
fchildförmigen Schale auf dem Rüden, niederd. Schildpadde; auch das
Rückenſchild allein od. die Schildfrötenfhale heißt: Schildkröte,
gem. das Schildfrot, Schildpatt; uneig. ift Schildkröte au
Namen der Schildblume, u. eines rothen Schmetterlings; der Schilöfröten-
fifch, eine Art Stahelbäuche; der Schilöfrötenfäfer, Afterrüffelkäfer; Gauk—
fer, Stugkäfer; die Schildfrötenlaus, eine Art Meereicheln, auh Schild:
frötenpode, =warze; der Schildfrötenfchwanz, uneig. Natur. eine Art
oſtind. Stachelſchnecken; das Schildfrötenfchwein od. der Schildfröfen:
Igel, eine Art Schildferkel od. Gürtelthier; der Schildkrötenſtein, ein ftein-
harter Körper, der fich bisw. in den größeren Schildkröten finden fol (fr.
Chelonit); die Schildlaus os. Schildlausfiiege, eine Gattung vom Pflan-
zenjafte Iebender Inſecten mit halben Flügeldecken, das Weibchen ungeflügelt;
Arten derfelben, welche ſchöne rothe Färbeftoffe liefern, find: die Scharlach—
Yaus (1. d.) u. die polnifhe Schildlaus, auch Sohannishlut ‚genannt;
das Schildlehen, ein zu Kriegsdienften verpflichtendes adeliges Lehen; die
Schildmauer, niedrige Weinbergsmauer zum Aufhalten des Regenwaſſers;
Schilf 683
die Schildmotte, eine Art mit einem Schilde bedeckter Motten, auf Roth—
buchen lebend; die Schildpadde, niederd. f. Schildkröte; Schiff. uneig. eine
Art Blöde; das Schildpatt, -e3, gem. f. die Schildfrötenfchale (f. d.); der
Schilorabe ‚ eine Art grauer Raben mit ſchwarzem Schilde; der Schild-
treiber, ſ. v. w. Nachtreiher, Nachtrabe (wahrſch. wegen feiner weißen Bruft) ;
die Schilöfehnede, Erdſchnecke, deren oberen Theil man den Schild nennt;
der Schildſchwamm, eine Art Blätterfhwämme; der Schildftichel, ein vorn
runder Grabftichel der Petfchaftfteher; der Schilöträger, wer einem Ritter
den Schild nachträgt, Schildfnappe; Naturk. eine Art Stutzköpfe, und eine
Art oftind. Eidechſen; die Schilowache (mittel. schiltwache, schiltwacht),
das Wachen od. Wacheftehen eines Bewaffneten an einem Orte (eig. das Wachen
mit dem Schilde, d. i. in voller Rüftung; auf der Schildwache fein od. ftehen,
gew. bloß: Schil dwache ſtehem); der zu diefem Zwecke an einen Drt ge
ftellte Bewaffnete jelbft (ehem. au) der Shildwädhter; Schildwachen aus-
ftellen; die. Schildwache ablöſen; Krfpr. die verlorene Schildwade, d.i.
die auf dem gefährlichften Poften fteht); der Schilöwirth, oberd. f. öffentlich
berechtigter Gaſtwirth; der Schildzapfen, Krfpr. zwei walgenförmige Zapfen
an der Kanone, mit welchen fie auf dem Geftelle ruht; — Ableit. fchildbar,
Bw. (altd. schiltbaere), vit. f. berechtigt, einen Schild zu führen, von ade-
liger Abkunft, auch ſchildbürtig; die Schildbarkeit od. Schildbürtigkeit;
ſchildig, nicht gut ſchilderig, Bw., mit einem Schilde od. mit Schiden
(Schildern) verſehen; ſchilden, ziel. Zw., ſelten f. mit einem Schilde oder
mit Schilden verfehen (bef. das Mw. —— ehem. auch: mit dem
Schilde ſchirmen, beſchützen; ſchildern, Zw., 1) ziellos m. haben, ſ. v. w.
Schildwache ſtehen, ſchildwachen (vor einem Haufe ꝛc. —); landſch. in wei-
terer Bed. f wachen, ſtehen u. warten, aufpaſſen; daher das Schilder—
haus od. =hauschen, das Häuschen, worin die Schildwache vor üblem Wetter
geſchützt ſteht; — ſchildern 2) ziel. Jäg. mit einem Schilde oder mit
Schilden (Schildern) verfehen, fhilden, gew. nur im Mw. gefhildert
(gefhilderte Feld- u. Wafferhühner, d. i. die einen Schild auf der Bruft ha-
ben); auch mit dem Schilde, d. i. dem gemalten Zhierbilde (ſ. o. Schild 2) a)
vor fich her treiben (die Feldhühner—); — 3) ziel. (vom altd. schildaere,
schiltaere, schiltenaere, Schildmacher, Schildmaler, Maler) urfpr. Wappen-
ſchilde malen; dann überh. mit lebhaften Farben abbilden, malen, bemalen
(geihilderte Kattune, d. i. gemalte, entg. den gedrudten; Farben ein-
ſchil dern, d. i. auf den Kattun bringen; Schiff. die Maften, Rahen ꝛc.
ſchildern, d. i. anftreichen); gew. uneig. et was —, d. i. lebhaft, genau u.
anfchaulich befchreiben, mit Worten darftellen (4. B. eine Schlacht, eine
ſchöne Gegend „ das Landleben, auch eine Perfon—; ich kann es od. ihn dir
nicht ſchildern 2c.); daher: die Schildereti, 1) das Schildern, Malen;
2) gew. ein eingerahmtes Gemälde (M. Schildereien); der Schilderer, -$,
wer fchildert, malt, eig. (z. B. in Kattunwebereien) u. uneig. wer etwas an=
fchaulich befchreibtz; die Schilderung, das Schildern; das Gefchilderte,
bef. uneig. eine lebhafte, anfchauliche Befchreibung (M. Schilderungen).
Schilf, f. (alt u. landſch. auch m.), -e3, M. (von mehren Arten) - e,
(altd. sciluf, schilf, f,; von dem iöländ. skialfa, skelfa, ſchwed. skaelfwa,
angelf. scylfan, erſchüttern, zittern, zitternd ertönen, vgl. Rohr; aber auc)
das lat. scirp-us), verfchiedene Waſſer- oder Sumpfgewächfe, insbe. das
684 ſchilfen — Schilling
gemeine Rohr (f. d.), Waffer r od. Schilfrohr; auch andere Nohr= Arten,
3. B. das Gartenrohr, Sand, Wieſen-, Hügelfhilf 2c. (gew. ale Sammelm.,
3. B. hier wächſ't viel Schilf; im Schilf ſitzen; Schilf fchneiden 2c.); landſch.
au) f. die Binfe od. Semfe (großes Schilf, d. i. die Seebinfe); u. f.
die Schmiele od. Schmele (ſcharfes Schilf, die graue Schmiele); —
3fes. fhilfartig, -Ahnlih, Bw.; die Schilfbrüde, Brüde über Moräfte,
beftehend aus Faſchinen von Schilf mit darüber gelegten Brettern; das Schilf-
dach, die Schilfdecke, Dad, Dede aus Schilf; das Schilfgras, eine Art
Glanzgras, Thilfartiges Glanzgras; die Waldbinfe;z das Wafferviehgras;
die Schilffage, eine Art im Rohre lebender wilder Rasen am asp. Meere;
die Schilfflinge, dreiecige, hohl ausgefchliffene Degenklinge, Hohlklinge (ei-
nem Schilfblatt ähnlich); das Schilfmeer, bibl. f. das rothe Meer od. der
arab. Meerbufen; fchilfreich, Bw., viel Schilf enthaltend; das Schilfrohr,
ſ. 0.; das Schilfftraußgras, ſchilfartiges Straußgras, braune Sandfchmiele;
der Schilfvogel, Schilfſchwätzer, Rohrſperling; — Abteit. ſchilficht,
Bw., ſchilfähnlich; ſchilfig, Bw., Schilf enthaltend, mit Schilf bewach—
fen; ſchilfen 1., ziel. Zw., mit Schilf verfehen, befleiden (Glaf. eine
Glasfheibe—, in der Nuth des men das Eindringen des Waffers zu
verhindern).
fchilfen 2. oo. Iilfern, ziel. u. rüdz. 3w., ſ. fchelfen.
Schilke, w., M.-n, landſch. f. ein weibliches Schaf.
Schill or. Schiel, m., es, Sn. -e, landſch. f. Sander od. Zander.
Schille, w., M.-n, od. das Schillſtück, niederd. f. Schalbrett.
Schillebold, m., -es, M.-e (won ſchillen, ſchielen (. d.) f. ſchil—
lern, Shimmern, u. Bolt, Bolz, wegen des langen, walzenförmigen Kör-
pers), niederd. be. brandenb. f. die Jungfer, Wafferjungfer, ein befanntes
geflügeltes Infect von blau u. grün ſchillernder Farbe (fr. Libelle).
fchillern, zielof. Zw. m. haben (von fchielen, ſchillen), in verfchiedene
Farben fpielen, die Farben mwechfeln, andern, je nachdem das Licht von
verfchiedener Seite darauf fällt (ein ſchillernder Zeug 2c.); der Schiller, —8,
ſchillernde Farbe, fehillernder Glanz; — der Schillerbaum, Silberbaum;
die Schiller-Eidechfe od. das Schillerthier, Neuw. f. eine Art unſchädlicher
Eidechſen in Afien 2c., deren ftahlgraue Farbe in verfchiedene andere Farben fpielt
(fr. Chamäleon); der Schillerglanz, fchillernder Glanz; der Schillerfpath,
ein in mannigfaltige Farben fpielender Feldfpath (Labradorftein); am Harz:
ein lauchgrüner Schlangenftein mit eingefprengtem Goldglimmer; der Schil-
lerftein, 1) ſ. v. w. Schillerfpath; 2) ein milchblauer, in verſchiedene Farben
fpielender Edelſtein (fr. Opal); der Schillertaffet, Thillernder Taffet (fr.
Changeant); der Schillervogel, verfchiedene Tagvögel od. Tagfalter; der
Schillerwein, röthliher Wein, der. weder Roth-, noch Weißwein iſt; —
ſchillerig, Bw., fchillernd, färbenfpielend.
Schilling, * „-es, M.-e, (goth. skillings, altd. scillinc, skilleng,
schilline; angelſ. scillihgn engl. shilling; ; ſchwed. skilling; mittl. Tat. schel-
lingus; franz. escalin; von scellan, fehellen 1. d. i. ſchallen) 1) eig. ein Flin-
gendes Geldftüd, insbef. eine Dickmünze (vgl. Grofchen, z. U. v. dem nicht
Elingenden Blechmünzen; entjprechend dem lat. solidus, ital. soldo, franz. sol,
sou; aber nicht davon abftammend), urfpr. fowohl von Gold, als bef. von
Silber, dem Pfennig als beftimmter Theilgröße entgegenftehend; der fil-
Schimmel — Schimmer 685
berne Schilling galt urfpr. 12 Pfennige (alfo — 1. Grofchen); fpäter
wird diefer ald Eurzer Sch. von dem langen Sc. zu 30 Pfennigen unter-
fhieden. Noch jegt ift der Schilling, theils als wirkliche, theils als
Rehnungsmünze, gew. 12 oder 30 =theilig; z. B. der Lübifhe Schilling
hat 12 Pfennige, der Sc. in Nürnberg, Bafel, Franken zc. 12 Pf. oder
3 Kreuzer; in Würtemberg, in Cöln ze. 12 Heller; der flämifhe Sch. 12
Groot od. 3 Ggr.; der engl. Schilling -(shilling): 12 Pence (ungef. 3 Gul-
den); in Oberöftreich heißen 30 Pfennige: ein Schilling, im Salzburg.:
ein Schilling Pfennig (d. i. Pfennige; vgl. u. 3); im Holftein. hinge—
gen hat ein Schilling ungef. 8 Pfennige, in den meiften niederd. Gegenden 6
Pf. in Dänemark 4 Pf., in Preußen, Polen, Schlefien (wo man der Schil-
ger fagt) kaum 1 Pfennig; — 2) f. Geld überhaupt in Zſetz. wie Kauf-,
Pfandfhilling (vgl. Grofchen und Pfennig) ; — 3) ehem. u. noch landſch.
eine beftimmte Buhl, bef. von 12, od. gew. 30 Stück (3. B. oberd. ein
Schilling Eier, Krebfe, Prügel od. Knüppel, d. i. 30 Eier ꝛc.; ehem. auch:
drei Schilling Sahre, d. i. 90 Jahre, u. dgl. m.; ein Schilling Salz, d. i.
30 Fuder; in den böhm. Bergwerken: ein Schilling Waffer, d. i. 12 Iederne
Schläuche; ein Schilling Erz, d. i. 5 Schubkarren); daher insbe. eine be-
ftimmte Zahl (12 od. 30 ?) Schläge, Ruthenftreiche auf den Hintern, u. überh.
f. Schläge (der Stodfhilling, oberd. f. Züchtigung durch den Stockmei—
ſter im Gefängniffe); — 3feg. der Schillingsdrath, eine Art Drath zum
Striden, zu Zelthaken zc. (vielleicht, weil eine beftimmte Menge davon einen
Schilling Eoftet 9; das Schillingsgut, landſch. f. Erbzinsgut, Zinsgut, deffen
nusbares Eigenthum gegen einen gewiffen Zins (Schilling, ſ. o. 2) übertragen
wird, auch: der Schillingshof; der Schillingsmann od. -bauer, Erb—
zinsmann, Befiser eines Schillingsgutes; das Schillingsrecht, das aus dem
Vertrage über ein Schillingsgut entfpringende Recht; das Schillingslehen,
ein ſolches Lehen.
Schimmel, m., -8, M. w. E. (v. scimo, schim, Schein, schimen,
Karen, glänzen; vgl. Schemen, jchimmern 2c.; urfpr. das weiß Schimmernde),
1) o. M., außer zur Bezeichnung verfchiedener Arten (altd. scimbal, schimbel,
oberd. Schimpel, fchwed. skymmel), der weißliche, moosähnliche Überzug,
welcher fi an feuchten Orten, auf faulenden Pflanzenftoffen zc. anfest, eig.
eine Gattung Eleiner Schwämme (mit Schimmel beſchlagen); 2) ein weißes
od. weißliches Pferd, nach Verfchiedenheit der Fleden u. Zeichnung: Apfel-,
Blau-, Grau:, Roth, Schwarz, Silberfhimmel 2.5 — 3fe$.v. Schim-
mel 1): fchimmelartig, -Ahnlidh, Bw.; die Schimmel Ente, Moderente;
fchimmelgrau, Bw., Pflanz. J—— das Schimmelkraut, landſch.
f. gemeines Filz- od. Fadenkraut; großes Schimmelkraut, f. Ruhrkraut,
Rainblume; — Ableit. ſchimmelicht od. ſchimmlicht, Bw., ſchimmelähn—
lich; ſchimmelig od. ſchimmlig, Bw., mit Schimmel bewachſen (ſchimm⸗
liges Brod); ſchimmeln, zielloſ. Zw. m. haben, (altd. scimpalon, schim-
beln, oberd. ſchimpeln), Schimmel anſetzen, mit Schimmel beſchlagen
(das Brod, die Zinte zc. fchimmelt, hat gefchimmelt).
Schimmer, m., -3, M. (felten) wie E. (v. dem altd. scim, 'scimo, schim
f. Schein, sciman, schimen f. fcheinen, glänzen, erft in der neueren Sprache
gebildet; isländ. skima, angelf. scima, holl. schim; vgl. Schein, Schemen,
Schimmel), zitternder Schein od. Lichtglanz, ſchwächer, als Glanz, ftärker,
686 Schimpf
als Flimmer (der Schimmer des Goldes, des Mondes ꝛc.); in weiterer
Bed. überh. f. Glanz, Farbenpracht (z. B. der Blumen), äußerer Schein
(4. B. des Glückes 2c.); in engerer Bed. ein ſchwacher, kaum bemerfbarer
Schein, Dammerlicht (oberd. Schemen, niederd. Schemer, Schummer; val.
das isländ. skaum, Dämmerung, ſchwed. skumm, dämmerig; z. B. feine Eran-
fen Augen haben nur einen Schimmer; der Schimmer der Morgenröthe; uneig.
ein Schimmer von Hoffnung , d. i. ein fehr geringer Grad 2c.); ſchimmern,
ziellof. 3w. m. haben, (ſhwed. skymra), einen Schimmer, d. i. ein zit-
terndes Licht von fic werfen, vgl. glänzen u. flimmern (die Sterne ſchim—
mern); durch lebhafte Farben, Schönheit, überh. durch äußeren Schein
in die Augen fallen u. lebhaften Eindrud machen, finnv. glänzen, doch
mehr, als diefes, mit dem Nebenbegriff des Nichtigen, blog Scheinbaren (ſchim⸗
mernder Putz; em fchimmerndes Glück; uneig. ein ſchimmernder Gedanken,
Witz 2c.); ein ſchwaches, unbeftimmtes Dammerlicht geben (niederd. fche-
mern, fhummern; vgl. das angelf. scymrian, verdunkeln; z. B. ich Tehe et—
was fhimmern; auch unp. es fhimmert mir vor den Augen; uneig. ihm
ſchimmert Eeine Hoffnung mehr); — 3ſetz. das Schimmerglüd, ſchimmern⸗
des, nur [heinbares Glück; der Schimmerfäfer, ein Geflecht Leuchtender
Käfer in Afrika u. Aften; das Schimmerlicht, ein ſchimmerndes, ſchwaches
Sicht; ſchimmerlos, Bw., ohne Schimmer, nicht glänzend, eig. u. uneig.;
der Schtimmerfand, Glimmerfand; der Schimmerftein, die Blende; —
Ableit. fhimmerig, Bw. (niederd. fehemerig, ſchummerig), matt ſchim—
mernd, dämmerig. '
Schimpf, m., -e$, o. M. (alt. scimpf, scimf, schimpf; isländ. skimp,
ſchwed. skymf; niederd. Schimp; wahrſch. v. sciman f. fcheinen, scim, schim,
f. Schein, vgl. Scham, Schimmer ꝛc.; alfo eig. was nur zum Schein, nicht
im Ernft gefchieht), ehem. u. noch fchweiz. f. Scherz, Spaß, Kurzweil, Spiel,
Ergögung (4. B. Schimpf und Ernft, d. i. Scherz und Ernſt; vitterlicher
Schimpf, d. i. Kampf zur Kurzweil, Turnier) ; dann fcherzhafte Verfpottung,
Neckerei, Verhöhnung; jest gew. grobe Verköhnung (entg. Glimpf), Ehren=
kränkung, Entehrung, Unehre u. was öffentliche Unehre bringt, finnv.
Schmach, Schande (einem einen Schimpf anthun, ihn in Schimpf bringen ;
etwas für einen Schimpf halten; Schimpf und Schande von etwas haben); —
ſchimpfen, Zw. (altd. skimphan, skinfen, schimpfen; niederd. ſchimpen; is—
länd. skimpa, ſchwed. skymfa) 1) ziellos m. haben, chem. f. ſcherzen, ſpie—
len, ſpaßen, Kurzweil treiben (z. B. zur Kurzweil kämpfen); noch oberd. f.
tändeln, ſchäkern (mit Weibern); 2) ziel. einen—, ehem. f. verſpotten,
verhöhnen, zum Beften haben; ihm Schimpf anthun, feine Ehre krän—
fen (gew. befhimpfen; gem. auch ſchimpfiren, niederd. fchimperen,
welches auch f. entftellen, verunftalten gebraucht wird); jest gew. in engever
- Bed. durch ehrenrührige Worte beleidigen, finnv. ſchmähen, läſtern, fehel-
ten (ev fchimpft ihn; auch wohl: er fchimpft auf ihn 2c.; u. ohne Zielw.: er
ſchimpft beftändig); fchimpfend oder fihmähend benennen, mit doppeltem
Acc. (ex fhimpfte ihn einen Betrüger 2c.); — 3fes. das Schimpfgedicht,
lied, |. v. w. Schmähgedicht 2c.; der Schimpfmacher, vit. f. Spaßmadher,
Gaukler; der Schimpfnamen, befchimpfender Namen; die Schimpfrede,
ehem. f. Scherzrede; jest befchimpfende, ehrenrührige Rede; fo auch) : das
Schimpfwort; das Schimpffipiel, chem. f. Scherzipiel, Luſtſpiel; ſchimpf⸗
Shin — finden 687
weife, Nw., ehem. f. jcherzweife (in schimpfwis); jet auf befhimpfende Art;
— Xbleit.v. Schimpf: ſchimpfig, Bw., vit. f. fcherzhaft, fpaßhaft,
kurzweilig; ſchimpfiſch, Bio. , landſch. f. gern fehimpfend; fchimpflich,
Bw., ehem. f. fcherzhaft, fpaßhaft, luſtig, entg. ernſtlich; jest: Schimpf
bringend, befchimpfend, die Ehre verlegend (das ift ihm ſchimpflich; eine
fchimpftiche Behandlung 2c.); die Schimpflichfeit; — v. Ihimpfen: der
Schimpfer, -8 (altd. schimpfaere), chem. wer ſcherzt, fpielt: ein Spaß—
macher, Schaufpieler ꝛc.; noch fränk. f. Buhle, Liebhaber (Schimpferinn
f. Geliebte); jegt: wer ſchimpft, d. i. ſchmäht; fchimpfeln, ziellof. Zw.,
ſchwäb. f. fpielen, tändeln (von Kindern).
Shin od. Schinn, f. (altd. u. isländ. skinn, engl. skin, dän. skind; oberb.
noch die Schind od. Schinden, f. häufige Schale vom Obſt zc., vgl. ſchin⸗
den), niederd. chem. f. Haut, Fell; jet noch f. blätteriger Ausfchlag,
Schorf, Krufte; daher das Schin- od. Schinnkrauf, niederd. f. Schell-
traut; fehinnig, Bw. f. räudig; — die Schin, oberd. f. Schiene (1. d.).
Schindaas, Schindanger, ſ. unter finden.
Schindel, m., -8, M. w. E., oberd. f. Sander, Sandbörs.
Schindel, w., M. -n, Verkt. das Schindelchen, (altd. scindala, scintila,
schindel; engl. shingle; lat. scindula, scandula, ital. scandola, franz. echan-
dole; von scindan, fchinden, lat. scindere, fpalten), durch Spalten entftan-
dene dünne Brettchen zum Dachdecken (bair. fcherzh. es find Schindeln auf
dem Dache, d. i. 68 find Leute zugegen, die dag Gefprochene nicht hören follen);
landſch. auch) die noch dünneren Dachfpäne, welche unter die Fugen eines Zie-
geldaches gelegt werden; auch f. die Schienen der Wundärzte; — Zfeb.
dag Schindeldach; der Schindeldeder, wer Schindeldächer macht; das
Schindeleifen, Werkzeug der Schindelhauer, die Fuge in die Schindeln zu
machen; der Schindelhauer, Schindelmaher od. -fpalter; dag Schindel-
holz, zu Schindeln taugliches Holz; fo auch der Schindelflamm; der
Schindelnagel, eine Art vierediger Nägel zu Schindeldähern; die Schin-
delnuth, Schindelfuge; der Schindelfparren, Sparren eines Schindel-
daches; — Ableit. fehindeln 1., ziel. Zw., mit Schindeln verfehen; 2. 7.
unter ſchinden; der Schindler, oberd.f. Schindelmadher.
finden, ziel. Zw. ablaut. Impf. [hund (oberd. auh ſchand), Conj.
ſchünde; Mw. gefhunden, (althochd. scintan, scindan, scund, giscundan ;
mittelh. schinden, schant (auch schinte), wir schunden, geschunden; niederd.
ſchinnen; ſchwed. skinna; angelf. scyndan, scendan, verlegen; lat. scindere,
griech. ayilw (oyidw), ſanskr. tschid, fchneiden, fpalten, trennen; vgl. Schin,
Schindel), gem. f. die Haut abziehen, ablöfen, abftreifen; der Haut be-
rauben, ent£leiden, abhauten (oberd. ein Kalb, einen Hafen ꝛc. —; ſprichw.
eine Laus um den Balg—, von einem filgigen Geizhals; ſich —, d. i. bie
Haut abftoßen, ſcheuern); insbef. ein gefallenes Vieh abhäuten, -abdeden,
abledern (ein Pferd, einen Ochfen ze.); oberd. auh: Bäume —, d. i. die
Rinde abſchälen; uneig. gem. f. hart mifshandeln, drücken, martern (fein
Vieh —; die Unterthyanen—), höchſt unbillig behandeln, übervortheilen,
prellen (einen im Handel—; vgl. einem das Fell über die Ohren ziehen); —
- Bfes. das Schindaa$, -Tuder, niederd. ein gefchundenes Aas; uneig. als
pöbelhaftes Schimpfwort; der Schindanger, Anger, auf welchem das ge
fallene Vieh abgedeckt wird; der Schindfeffel (alt. schintvezzel), ehem. f.
688 ſchindern — fchirken
Troſsbube, Lotterbube; die Schindgrube, ein vertiefter Ort für das gefallene
Vieh; Ihindhärig, Bw., oberd. gem. f. filzig, fchmusig, nichtswürdig; die
Schindmähre, landſch. auch Schindfrade, gem. f. ein elendes Pferd; das
Schind- od. Schindemeffer, Meffer zum Schinden; das Schindvieh, gem.
f. Ichlechtes Vieh; — Ableit. der Schinder, -8, gem. wer gefallenes Vieh
abhäutet, anftändiger: Abdecker, niederd. Filler, Kafiller, (niedr. uneig. der
Schinder hat eö geholt, d. i. es ift verloren gegangen; auch als Verwünfchung:
geh zum Schinder!); uneig. gem. f. Bedrüder, harter Wucherer, filziger
Geizhals; der Schinderfarren, Karren, auf welchem der Schinder das ge-
fallene Vieh abholt; der Schinderfnecht, Knecht des .Schinders; Scharf-
richterknecht; uneig. als pöbelhaftes Schimpfwort; die Schinderei, gem. ver-
ächtl. das Schinden, Abdecken ald Gewerbe des Schinders; auch deffen
Wohnung; uneig. gem. f. ungerechte, graufame Bedrückung, unbillige
Ubervortheilung ; ſchinderiſch, Bw., nach Art des Schinders; — ſchin—
dein, ziel. Zw. , oberd. f. ſchälen, abfchälen.
fohindern, auch ſchinern, ſchinnern, ziellof. Zw. (v. schin, Schein 2c.),
oberd. f. glänzen; Elingen, Elirren wie Metall, vaufchen; Elimpern (mit
Geld in der Taſche —); daher das Schindergold, f. Raufchgold; der Schin-
derling, -e8, M.-e, eine Art fchlechter, fehr leichter Pfennige im 15.
Sahrh.
fhinen, 3w., der Schiner, f. fhienen zc. unter Schiene.
Schinken, m., -$, M. w. E., Verkl. das Schinfchen, (altd. scinho,
sciaha, schinke, m. u. w.; oberd. auch der Schunken; niederd. Schinke,
ſchwed. skinka; vgl. Schenkel), ehem. (u. noch oberd. verächtl.) f. Schenkel,
Bein, insbef. das Dickbein mit dem Gefäß; jest nur in engerer Bed. das
eingefalzene und geräucherte Dickbein vom Schwein, Schweingkeule (ein
Vorder-, od. Dinterfchinken), beſ. der Hinterfchinken; das Schinkchen,
uneig. Naturk. eine Art oftind. Tellmufcheln; das Schinkenbein, das Bein
von einem Schweinefchinken; die Schinfenmeife, landſch. f. Kohlmeife; das
Schinfenmeffer, ein breites, dünnes Meffer, den Schinken in dünne Schei-
ben zu Schneiden; die Schinfenmufchel, eine Gattung zweifchaliger Mufcheln
von fchinkenähnticher Form, Dach-, Sted-, Seidenmufchel; der Schinken-
teller, zunde hölzerne Tellerchen, auf weldhen man den rohen Schinken zer-
ſchneidet.
Schin- od. Schinnkraut, ſ. unter Schin.
Schippe, w., ſchippen, 3w., ſ. Schüppe ꝛc. |
Schippſcheren, f., Tuchſch. das Scheren des ſchwarzen Tuches zum zwei-
ten u. dritten Male; das Schipptuch, chem. eine Art Tuch in Schlefien.
Schirben oder Schirbel, m., -8, M. w. E., landſch. f. Scherben,
Scherbe (f. d.), d. i. Bruchſtück, oder Gefäß; der Schirben, auf dem
Harze: ein Fafs, 2 Ellen lang, Z Ellen breit u. 4 Elle hoch, im Bergw.
als Maß dienend, welches 2 Karren hält.
ſchirgen, Zw., landſch. f. ſchaben.
Schirk, m. (n. A. Schörge, v. ſchörgen, ſchürgen, d. i. ſtoßen, treiben,
weil er den Haufen verfolgt), öftreich. f. der Stör.
ſchirken 1. zielloſ. Zw., landſch. Schallw. f. zirpen, fehirpen, von dem
eintönigen Laute der Finken und der Grillen; daher die Schirfe, M. -n, f.
Hausgrille.
ſchirken — Schirm 689
ſchirken 2. zielof. Zw., niederd. einen Eleinen flachen Stein od. Scher-
ben (dev Schirkel genannt) fo auf der Wafferfläche hinwerfen, dafs er
mehrmals abprallend forthüpft. _
Schirl, m., 1. Schörl; — das Schirlhaar, Web. grobe Haare an ber
Wolle, welche keine Farbe annehmen und abgefchnitten werden müffen.
ſchirlen, 3w., fchlef. f. harnen, fein Waffer laffen.
Schirm, m., -es, M. -e, Verkl. das Schirmchen, (altb. sceram, scirm,
scerm; schärm und scherm, Schus, Schild; oberd. auh Scherm; ſchwed.
skerm, engl. screen; ital. schermo), 1) (coneret) überh. ein Schutz⸗ od. Ab-
wehr- Mittel, ehem. insbef. ein Schild, daher noch uneig. eine fchildähn-
liche Fläche: Bergw. die Fläche eines Ganges; Jäg. der flache Hintertheil
der Hirfche und Rehe (auch Schurz, Scheibe); ferner ein Sturmdach, Wet-
terdach; ehem. u. noch oberd. überh. ein Obdach gegen die Witterung, ein
Schuppen 10.5 daher Zäg. f. Zelt, Hütte, leichtes Jagdgebäude (Jagd-, Leib-,
Anſtand-, Hepfhiem 2.); gew. ein Werkzeug od. Geräth zur Abhaltung
des Lichtes, der Wärme, des Negens ıc., insbef. ein mit Keinwand oder
Papier befpannter aufrecht zu ftellender Rahmen, eine fpanifhe Wand
(Eicht⸗, Feuer-, Ofen-, Bettſchirm); ferner ein tragbares Werkzeug zum
Schuß gegen Regen oder Sonne, beftehend in einem Euppelförmigen Schuß:
dach von Leinwand od. Seide, welches an einem Stabe fo befeftigt ift, dafs es
ausgefpannt und wieder zufammengelegt werden kann (ein Regen-, Sonnen-
ſchirm); Pflanz. f. Dolde; 2) (abftract) f. Schuß, Beſchirmung (bibt. un-
ter dem Schirm des Höchften fisen; fi unter Iemands Schirm und Schug
begeben); ehem. bef. f. Abwehr, Vertheidigung beim Fechten, und uneig.
Rſpr. f. Vertheidigung, Gegenbeweis ; — firmen, ziel. Zw. (altd. scir-
mian‘, schirmen u. schermen; oberd. auch fhermen; engl. screen; ital.
schermire u. schermare, fpan. esgrimar, franz. escrimer, fechten; engl. scrimer,
Fechter), überh. fehügen, gegen etwas bededen, verwahren, vgl. beſchir—
men (die Hütte vor Wind und Wetter—; ſich vor der Dise, vor dem Regen);
auch uneig. f. befihügen, behüten (eine Stadt gegen den Feind 2c.); chem.
ziellos f. einen Angriff abwehren, insbef. beim Fechten die Hiebe des Geg—
ners mit dem Schilde auffangen (fr. pariven); auch f. fechten überh. (4. B.
zur Kurzweil fchirmen ꝛc.); — 3fes. von Schirm u. fchirmen: der Schirm-
baum, ein großblättriger Baum in Nord-Amerita (Sonnen-, Regenschirm:
baum); das Schirmbrett, Hüttenw. ein Brett, welches die Arbeiter vor der
Gluth des Schmelzfeuers ſchirmt; der Schirmbrief, chem. f. Schugbrief;
das Schirmdach, Obdach gegen die Witterung, Wetterdach; auch. f. Sturm-
dad) der Belagerer; das Schirmgeld, chem. f. Schuggeld; die Schirmge-
rechtigkeit, das Schirmrecht, f. Schusgerechtigkeitz der Schirmherr, Schuß-
herr, der Andere beſchirmt; der Schirmhut, |. v. w. Fallhut, ſ. d.z das
Schirmkraut, eine in Wäldern wachſende Heine Pflanze, auch Sterntraut,
Sternblümchen; der Schirmmacher, wer Regen- und Sonnenſchirme madıt;
die Schirmmauer, in Glashütten eine Mauer um den Glasofen, welche die
Arbeiter vor der Hitze ſchirmt; der Schirmmeifter, ehem. f. Fechtmeifter;
das Schirmmoos, eine Gattung von Moofen mit Ereisförmigem Boden; die
Schirmpalme, eine Art Hoher Palmen in Oſtindien, deren große, fücherför-
mige Blätter zu Zelten, Regen- u. Sonnenfchirmen zc. dienen; die Schirm:
pflanze, Pflanzen, welche ſchirmförmige Dolden tragen; die Schirmtraube,
Deyfe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 44
|
690 ihirpen — Schlacht
Pflanz. ſ. v. w. Doldentraube; der Schirmvogt, ehem. der Schugherr eines
Stiftes od. Ordens; landſch. f. Vormund; die Schirmwache, Schug- ober
Sicherheitswache (fr. Sauvegarde); die Schirmwaffe, Schuswaffe; die
Schirmwand, eine ſchirmende, d.i. etwas abhaltende od. verbergende Wand; —
Ableit. v. ſchirmen: der Schirmer, - 8, die Schirmerinn, M. -en, wer
ſchirmt od. ſchützt, ſinnv. Befchüger, Vertheidiger; der Schirmling, -e8,
M.-2, Neuw., wer fi unter Semands Schiem befindet, Schügling; die
Schirmung, Beſchützung, Schuß, Vertheidigung-
fhirpen, ziellof. Zw. (vgl. ſchirken), landſch. f. zirpen.
ſchirren, ziel. Zw. (verw. mit [deren 2., anordnen, einrichten?), bas '
Gefchire od. Geräth zurecht machen od. überh. handhaben, nur gebr. in den
zgeſ. an- ab», ausfhirren zc.; das Schirr, -e3, M. -e, alt u. landſch.
f. Gefchier (f. d.); noch gebr. in den Zfeg.: das Schirrbeil, Landw. ein Beil
zur Ausarbeitung des hölzernen Gefchirres; das Schirrholz, zur Verfertigung
von Geräthen brauchbares Holz, Nusholz; die Schirrfammer, Kammer zur
Verwahrung des Adergefhirres; der Schirrmeifter, f. v. w. Gefhirrmeifter,
f. d.; Schmied. f. v. w. der Vorſchläger.
Schiſs, m., -fes, M. -ffe, (von fcheigen, f. d.), höchft niedr. f. Aus-
leerung durch den After, Verrichtung der Nothdurft; der ausgeleerte
Koth; uneig. eine fehr geringfügige, nichtswürdige Sache; der Schiffer,
s, oberd. ſ. v. w. Scheißer.
Schitfherling, m., -e8, M. -e, landſch. Schallw. f. Flachsfink.
ſchitter od. fchitterig, Bw. (altd. schiter, engl. shattery; vgl. Schetter;
verw. mit schiten, ſcheiten, fpalten, trennen ?), oberd. f. lüdenhaft, nicht
dicht oder gedrängt genug, dünn (von Zeugen, auch von Haar, Getreide,
Gehöß). |
fchlabben, zielloſ. u. ziel. 3w. (niederd. flabben, oberd. ſchlappen; engl.
slap; vgl. labben u. fabben), gem. bef. niederd. f. lecken, auflecken, fchlürfen,
faufen wie ein Hund; überh. gierig u. unfauber effen; die Schlabbe, w.,
M.-n, gem. ein Maul mit fehlaff herabhangenden großen Lippen, bei
Thieren (3. B. Hunden), niedr. auch von Menfchen; — fchlabbern, ziellof.
u. ziel. 3w. (niederd. flabbern, engl. slabber; vgl. das isländ. slaefa, Geifer),
gem. wiederholt fchlabben; beim Trinken od. Effen etwas fallen laffen u.
fi damit beſchmutzen; auch f. geifern, den Speichel fließen laffen; uneig.
verächtl. f. viel u. fchnell fprechen, ſchwatzen, plappern; das Schlabber-
tuch, gem. f. Geifertuch; die Schlabberei, das Schlabbern; uneig. niedr.
f. Geſchwätz; der Schlabberer, -8, wer ſchlabbert; uneig. niedr. f. Schwäßer, ' |
auch das Schlabbermaul; fehlabberig, Bw., fchlabbernd, ſchmutzig beim
Effen ꝛc.; niedr. f. geſchwätzig.
Schlacht 1. w., M.-en, (altd. slaht, M. slahti, slehti, slehte; au)
slahta, slahte, M. slahte; von slahan, slahen, fchlagen, f. d.; wie das franz.
bataille v. battre; angel. slaege, ſchwed. slag; vgl. das engl. slaughter), eig.
das Schlagen, od. das Gefchlagene daher 1) ehem. f. Erfchlagung, Todt—
Thlag, Tödtung, Mord (. B. Mannſchlacht, d. i. Menfchenmord ; Vieh:
ſchlacht, oberd. auh Schläht zc.); 2) gew. ein Gefecht, ein Kampf unter
Mehren, u. zwar genauer ein planmäßiger blutiger Kampf zwifchen großen
Kriegerfchaaren, bef. zwei ganzen Kriegsheeren (ehem. auch: ein Schlagen),
verſch. von Treffen, d. i. ein Kampf zwifchen größeren —, u. Gefeät,
—— ———
Schlacht — fchlachten 6%
Scharmügel, zwifchen Kleineren Theilen der Heere, (eine Feld-, Seeſchlacht;
eine enticheidende Schlacht; eine Schlacht liefern, dicht. auch: eine Schladht
ſchlagen; dem Feinde eine Schlacht anbieten; die Schlacht gewinnen , verlie-
ven 26); 3) landſch. eine Uferbefeftigung, ein in das Waffer gefchlagener
Damm von Bufhiwerk, Raſen 2c., od. auch von eingerammten Pfählen, von
Steinen ꝛc.; eine Schiffländes — 3ſetz ſchlacht- od. ſchlachtenberöhmt,
Bw., dicht. berühmt durch gelieferte Schlachten; fehlachterfahren, Bw., in
Schlachten erfahren; das Schlachtfeld, das Feld, auf welchem eine Schlacht
geliefert wird od. geliefert worden ift, die Wahlftatt, dicht. auch das Schlacht⸗
gefilde; ſchlachtfertig, Bw., zur Schlacht fertig, gerüſtet, auch ſchlachtge—
rüſtet; das Schlachtgeld, niederd. Geld zur Unterhaltung einer Schlacht,
d. i. eines Dammes oder einer Schifflände (ſ. o. 3); der Schlachtgeſang,
das Schlachtlied, Gefang bei Eröffnung einer Schladht; fo auch: das
Schlachtgefchrei; das Schlachtgetöfe, -getiimmel, -gewühl zc., Getöfe ze.
der Schlaht; der Schlacht> od. Schlachtengott, Kriegsgott ; der Schlacht-
haufen, ein Haufen in die Schlacht geführter Soldaten; der Schladhtherr,
niederd. Rathsherren, welche die Aufficht über eine Schlacht, d. i. einen Damm,
eine Schiffslände (ſ. o.), führen; die Schlachtlinte, ſ. Linie; der Schlacht:
‚od. Schlachtenmaler, der vorzugsweile Schlachten malt; der Schlachtmei-
fter, niederd. wer Schlachten, d. i. Dämme (f. 0.) anzulegen verftchtz die
Schlachtordnung, die regelmäßige Stellung eines zur Schlacht gerüfteten
Kriegsheeres; das Schlachtpferd, od. =rofS, ein zum Kriege abgerichtetes
Pferd; niederd. auch ein Pferd, welches Waaren von oder zu der Schifflände
(f. 0. Schlacht 3) führt; der Schlachtplan, Plan od. Entwurf einer Schlacht;
die Schlachtreihe, eine Reihe in Schlachtordnung geftellter Soldaten; der
Schlachtruf, Ruf zur Schlacht; auc das Gefchrei im der Schlacht; der
Schlachtfchreiber (v. Schlaht 3), niederd. eine vereidigte Perſon, welche
die Schiffsladungen aufichreibt und über die Schladhtgelder (1. 0.) Rechnung
führt; das Schlachtſchwert, ein in det Schlacht zu gebrauchendes Schwert,
bef. eine Art ehem. üblicher großer Schwerter; das Schlachtftüd, ein Schlacht-
gemälde, Schlachtbild; der Schlachttag, Tag einer Schlacht; der Schlacht-
vogt, niederd. ein Beamter, welcher die Aufſicht über die Schifflände ze. (ſ.
0. 3) führtz der Schlachtwagen, Streitwagen; niederd. ein Wagen, auf
welchem man Waaren von oder zu der Schifflände (Schlacht 3) führt; der
Schlachtwurm, f. v. w. Spießwurm, eine Art Affen; der Schlachtzettel,
niederd. Verzeichnifs der Schiffsladung , von welcher das — (j. 0.)
entrichtet wird.
Schlacht 2. w., M. ungebr., (altd. slahta,, ‚slahte, slaht; holl. slacht,
ſchwed. slaecht;. daher: Geflecht, geichlacht, ungeſchlacht; ital. schiatta ;
poln. szlachta, edles Geſchlecht, Adel, szlachcie, Edelmann ; — wie Schlacht 1.
von slahan, ſchlagen, f. dv. u. vgl. Schlag), vlt. f. die Gattung, das Ges
fchlecht, die Art und Weiſe (z. B. maniger, aller; keiner slahte od. Schlacht,
d. i. mancher- allerlei, keiner Art 2c.); daher Schlachten 1., ziellof. Zw. m.
haben (niederd. flachten und ſlechten), noch niederd. f. ſchlagen in der Bed.
arten, in eine Art fchlagen, nucharten (nad) einem fchlachtens er fchlachtet -
dem Vater nad 2c.); auch f. aame; herftammen (ev ſchlachtet aus einer
guten: Familie).
ſchlachten 2. ziel. 3w. (altd. slahtön, slahten, ſchwed. slagta; das Inten⸗
44 *
692 ſchlack
ſivum od. die Verſtärkungsform von slahan, ſchlagen), eig. überh. erſchla—
gen, mit einem Hau- od. Schneidewerkzeuge umbringen, niedermachen,
tödten; jegt in engerer Bed. ein Iebendes Gefchöpf zum Verfpeifen, oder
als Opfer mit fchneidenden Werkzeugen tödten (Vieh, einen Ochfen, ein
Schwein, eine Gans 2. —; wilde Völker ſchlachten Menſchen); uneig. Men-
hen graufam od. in blinder Wuth niedermegeln (im Kriege); — 3ie$.
die Schlachtbanf, eine Bank, worauf Vieh gefchlachtet wird (zur Schlacht-
bank führen od. liefern, uneig- f. zweck- und nuglos tödten, hinopfern, bef. im
Kriege); das Schlachtbeil, ein Beil, deſſen man ſich beim Schlachten be-
dient; der Schlachtblock, ein beim Schlachten gebrauchter Blod; das
Schlachteffen, niederd. ein Schmaus, der beim Schlachten des größeren Viehs
im Haufe gegeben wird; der Schlachthaufen, ein Haufen Schlachtvieh; das
Schlachthaus, ein öffentl. Gebäude, worin das Vieh gefchlachtet wird; das
Schlachtmeffer, großes Mefler zum Schlachten; der Schlachtmonat, der
Monat, in welchem das größere Vieh gefchlachtet zu werden pflegt, November;
der Schlachtochs, ein zum Schlachten beftimmter Ochs; das Schlacht-
opfer, ein Geſchöpf, welches als ein Opfer geichlachtet wird; uneig. wer
ohne Noth wehrlos aufgeopfert wird (3. B. fie war das unfhuldige Schlacht—
opfer feiner Wuth); die Schlachtordnung, landſch. die Ordnung, nad
welcher die Fleifcher das Vieh fchlachten und das Fleiſch verkaufen; die
Schlachtſchüſſel, eine Schüffer mit Fleiſch, Wurft zc., welche man beim Ein-
ſchlachten an Freunde und Bekannte fendet; die Schlachtftatt od. ftätte, ein
Ort, wo Vieh geſchlachtet wird; die Schlachtfteuer, Steuer von geichlachte-
tem Vieh; der Schlachttag, Tag, an welchem Vieh gefchlachtet wird; das
Schlachtvieh, zum Schlachten beftimmtes Vieh; der Schlachtzettel, Schein
über bezahlte Schlachtfteuer; — Ableit. ſchlachtbar, Bw., geeignet, ge
ſchlachtet zu werden (Ichlachtbares Vieh); der Schlachter od. Schlächter,
-3, M. w. E., wer fchlachtet, bef. in Niederd. f. v. w. der Fleiſcher, Meb-
gerz daher die Schlächterbanf, das Schlächterbeil, 1. v. w. Schlachtbank,
ebeil (f. o.); der Schlächtergefell, -meifter; das Schlächterhandwerf od.
. »gewerbe; der Schlächterlohn zc.; der Schlachter, auch eine Art gro-
Ber Falken (falco lanarius); die Schlachtung, gew. das Schlachten; ehem.
auch f. Schlacht, Schlägerei, Todtſchlag; ſchlächteln, ziel. 3w., oberd. f.
Vieh zum Hausgebrauch ſchlachten, einſchlachten; — ſchlächtig, Bw.
(von ſchlachten f. ſchlagen), geſchlagen, getroffen, -fchlägig, nur in Zſetz. wie
herzſchlächtig, ober- u. unterfhlädtig, f. d.; oberd. auch: don—
nerſchlächtig, d.i. vom Blitz getroffen; faulſchlächtig, d. i. von Fäul-
niſs angegriffen; wetterfhlädhtig, d. i. vom Wetter verdorben, u. dgl. m.
ſchlack, Bw. (altd. slach, Nebenform von slaf, fchlaff; niederd. engl.
holl. slack; isländ. slakr, ſchwed. slak, angel. sleac), landſch. f. ſchlaff,
weich und locker; nachläffig, träge; der Schlad, -e8, M.-e, niederb.
(Stad) ein Theil einer weichen, feuchten Maffe (i. v. w. Klad, Kled,
1. d.); oberd. ein nachlaffiger, träger Menfch, in diefem Sinne auch: der
Schlacks od. Schläf3 (niederd. Stats, Släks); Jäg. ein müßig herum:
laufender Hund; — die Schlade 1., M. -n, niederd. ſ. v. w. der Schlad-
darım, d. i. Dick- od. Maſtdarm; auch |. v. w. die Schlackwurſt, eine in
diefen Darm gefüllte Wurft, Mettwurſt; — fchladern, ziellof. Zw., niederd.
1) von einer Flüffigkeit od. weichen Maffe etwas fallen laſſen u. ſich da—
|
— —
Schlade — Schlaf 693
durch beſchmutzen, z. B. beim Effen (vgl. ſchlicken, fchlidern), beim Gehen
auf Eothigem Wege 2c.; bef. lang u. viel regnen, fo dafs es Eothig wird (unp.
es ſſchlackert); 2) fchlaff werden, nachlaffen und wadeln (engl. slack;
z. B. die ſchlaffen Segel fchladern im Winde; mit dem Ruder fchladern 2c.);
Kaufm. die Waare unter dem Preife verkaufen, fehlaudern (er fchladert
mit der Waare); der Schladerregen, gem. f. anhaltender, Eothig machender
Regen; das Schladerwetter, gem. f. regneriſches, Eothiges Wetter; der
Schladerer, -8, niederd. wer unter dem Preife verkauft, Schlauderer;
fchladerig od. fchladig 1., Bw., gem. f. anhaltend vegnicht, nafs und
fothig (Wetter).
Schlade 2. w., M. -n, (niederd. Stade, ſchwed. slagg, engl. slag; von
ſchlack, ſ. d., * weiche, lockere, unreine Maſſe; urſpr. ein niederd. Wort,
im älteren Hochd. u. im Oberd. unbekannt), die Unreinigkeit, welche ſich beim
Schmelzen der Erze ꝛc. von dem Metall abſondert u. nach dem Erkalten
eine glasartige Maſſe bildet (GBlei-, Eiſen-, Kupferſchlacke 2c.; oft als Stoff—
namen in der Mehrh. z. B. die Schlacken abheben, d. i. mit dem Stecheiſen
von dem Metall abfondern); uneig. überh. f. das Unreine, Unedle, das einer
Sache beigemifcht ift; — Zſetz. das Schladenbad, ein mit heißen Kupfer:
ſchlacken bereiteres Krantenbad; ſchlackenblau, Bw., glänzend blau; das
Schladenerz, ſchlackenähnliches Erz, bef. ein bleifarbiges Silbererz; der
Schladengang od. die Schladentrift, Hüttenw. die Röhre, durch welche
die Schladen aus dem Hohenofen laufen; die Schladengrube, eine Grube
am Hohenofen, in weldye man die Schladen laufen läfft; der Schladen-
haken, ein eiferner Hafen, mit welchem man die Schladen in die Schladen-
geube zieht; das Schladenklein, Hüttenw. in Keine Stüde zerbrochene
Schlacken; der Schladenfobalt, Bergw. verhärteter ſchwarzer Erdkobalt;
der Schlackenläufer, Bergw. wer die tauben Schlacken auf die Halde läuft,
d. i. auf einen Haufen ſchafft; der Schlackenofen, Hüttenw. ein Ofen zum
Schlackenſchmelzen; der Schladenftein, eine fteinartige Maffe, welche fich
von den Schlacken abfondert; das Schladenzinn, das befte und gefchmeidigfte,
aus den Binnfchladen gefchmelzte Zinn; — Ableit. fchladen, zielloi. Zw.,
Schlacken geben (ein Erz fchladet mehr, als das andere); ſchlackicht, Bw.,
ſchlackenähnlich; Ichladig 2., Bw., viele Schladen enthaltend.
fchladern 2c., ſ. unter ſchlack; — fchladig, ſ. ſchlack u. Schlade 2. —
Schladwurft, f. unter ſchlack.
Schladde od. Schlatte, w., M. -n, niederd. (Sladde, Slatte; vgl.
ſchlottern u. das engl. slatter) mas welk, fchlaff und ſchlotterig ift, bef. f.
Lumpen; fchladderig od. jchlatterig, Bw. f. welt, fchlotterig; lumpig;
fhmusgig, kothig; — fehladden, ziellof. Zw., niederd. Schiff. altes Tau—
werk, die Schladding genannt, um andere dicke Taue wideln.
Schlaf 1. m., ſ. unter fchlafen.
Schlaf 2. m., -es, M. Schläfe; auch Schläfe, w., M. -n, (von slaf,
ſchlaff, nicht — od. durch mundartl. Lautwandel aus Schlag (der
Pulsader) entſtanden? vgl. das franz. battant von battre; im Altd. heißt der
Schlaf: tuninc, tunne, niederd. Dünne, Dünning, ſchwed. tinning, v. dünn ꝛc.;
doch findet fich im Mittelh. auch släf-ader, släf-bein), die Gegend zu beiden
Seiten des Kopfes, hinter den Augen, wo die Hirnfchale am dünnften ift
u. man den Schlag der Pulsader wahrnimmt; daher: die Schlafader, Schlag-
694 | Schlafapfel — Tchlafen
ader an den Schläfen; das Schlaf oder Schläfenbein, die Schlaf= ober
Schläfengegend; die Schlaf- od. Schläfengrube ; der Schlaf: od. Schlä-
fenmuöfel u. ſ. w.
Schlafapfel, -bank, -beere ıc. f. unter ſchlafen; — Schläfe, w., ſ.
Schlaf 2.
Schlafen, ziellof. 3w. m. Haben, ablaut. fchläfft, ſchläft; Imper. fchlafe,
ſchlaf; Impf. fehlief, Gonj. ſchliefe; Mm. gefchlafen, (goth. slepan, Prät.
saizlöp, Mw. slepans; althoc;d. släfan, sliaf, gisläfan, mittely. släfen, slief,
gesläfen; oberd. auch ſchlaffen; niederd. ſlapen; angelf. slaepan, engl. sleep; —
von slaf, ſchlaff, abgefpannt), fich im Zuftande des Schlafes (f. u.) be—
finden, entg. wachen, (fanft, leiſe, feft, ruhig, unzuhig fchlafen zc.; gut
od. wohl Schlafen: ſchlaf wohl! zc., ſich jchlafen legen, ſchlafen gehen 2c.): in
beftimmterer Bed. in feftem, tiefem Ochlafe fein, verfh. ſchlummern;
bei Jemand — d. i. Übernachten, auch f. fich fleifchlich mit einer Perfon
vermifchen (vgl. Beifchlaf, befchlafen); in weiterer Bed. in einem ſchlaf—
ähnlichen Zuftande, im Stande der Unthätigkeit, Betäubung, Lähmung ıc.
ſich befinden (gewiffe Thiere fchlafen den Winter durch; die Pflanzen ſchlafen
am Abend, in der Nacht; der Fuß, die Hand Ichläft, od. ift eingeichlafen, ſ.
einfchlafen; dicht. auch f. todt fein: er ſchläft im Grabe); uneig. überh. f.
ruhen, unthätig fein, ſich nicht Außern (fein Gewiffen ſchläft; Gefühle, die
in der Bruft Schlafen, u. dgl. m.); — der Schlaf, -es, M. (felten) Schläfe;
Bert. das Schläfchen, (goth. sleps, altd. släf, niederd. Slaap, angel]. slaep,
engl. sleep). der Ruhezuſtand der Menfhen und Thiere, in welchem die
willkürliche Bewegung des Körpers und die freie, bewuſſte Thätigkeit der
Seele aufhört, vgl. Shlummer, (in Schlaf fallen, gevathen; ein guter,
gefunder Schlaf; ein Schläfchen machen, d. i. ein wenig fchlafen; ein Kind in
den Schlaf fingen; oberd. Schlaf haben f. Ichläfrig fein); in weiterer Beb.
ein fchlafähnlicher Zuftand der Betäubung, Unthätigkeit, Bewuſſtloſigkeit
(4. B. der Winterſchlaf der Hamfter, Murmelthiere 2c.; der Schlaf der
Pflanzen im Winter, am Abend zc.; der Schlaf des Gewiffensz bibl. der
Schlaf der Sünde, d. i. das Beharren in derfelben ohne lebendiges Bewuflt-
fein davon); — 3feg. der Schlafapfel, T. v. w. Rofenapfel, Roſenſchwamm
(f. d.), weil er, unter das Kopftiffen gelegt, den Schlaf befördern ſoll; die
Schlafbank, eine Art Kaften, welcher zufammengelegt als Bank, auseinander
gelegt als Bettgeftell dient, auch der Schlafkaſtenz die Schlafbeere,
Wolfskirſche od. Zollbeere, deren Genuſs betäubend wirkt; ſchlafbringend,
Bw., Schlaf hervorbringend; fchlafdurftig, Bw., gem. ſchlaftrunken, ſ. u.;
das Schlaffieber, ein Fieber mit unnatürliher Neigung zum Schlafen; bie
Schlaffrau od. das Schlafweib (altd. släfevrouwe, släfwip), chem. f. Bei:
fchläferinn; der Schlafgänger, gem. Nachtwandter, |. d.; das Schlafgeld,
Geld für das Übernachten an einem Orte, in einer Herberge 2.5 das Schlaf—
gemach, -zimmer, die Schlafftube, -Fammer, das Gemach od. Zimmer,
in welchem man fchläftz der SchlafgenofS, = gefell, die Schlafgenoffinn,
wer mit einer andern Perfon in einem Bette ſchläft; die Schlafgenoffen-
Schaft, «gefellfchaft; das Schlafgewand, Nachtgewand; die Schlafhaube,
Nachthaube; das Schlafhaus, oberd. Nachtherberge für Reiſende; die Schlaf:
fammer, ſ. Schlafgemad; die Schlaffirfche, ſ. v. w. Schlafbeere; auch f.
Judenkirſche; das Schlaffraut, Landfch. f. ſchwarzer Nachtfchatten; Bilfen-
IH
ö————
fchlaff 695
kraut; Tollkirſche, auch Schlafbeere, ſämmtlich von betäubender Kraft;
der Schlaffrebs, eine Art Krabben, welche fich bei Erblidung ihres Feindes,
des großen Kuttelwurms, fchlafend ſtellen; der Schlaffunz, f. v. w. Schlaf:
apfel, ſ. Kunz; die Schlaflilie, eine Art Lilien (Affodil-Lilie), deren Geruch
ſchläfrig macht; fchlaflos, Bw., nicht ſchlafend, ohne Schlaf (eine Nacht
ſchlaflos zubringen; fchlaflofe Nächte); die Schlaflofigfeit, das Schlaflos-
fein; das Schlafmittel, ein den Schlaf beförderndes Mittel; die Schlaf-
müße, f. v. w. Nachtmütze; bef. uneig. ein träger, fchläfriger, ftumpffinniger
Menſch; daher ſchlafmützig, Bw., gem. f. träge, fchläfrig; der Schlaf:
raß od. die Schlafrage (vgl. Ras), gem. f. das Murmelthier; die Hafel-
maus; uneig. ein Langfchläfer; der Schlafrod, ein langes weites Oberkleid
für männl. Perfonen zur Bequemlichkeit im Haufe, auch der Schlafpelz, wenn
er mit Pelzwerk gefuttert iftz die Schlafrofe, die wilde od. Hunderofe; der
Schlaffaal, ein großes Schlafgemad für Mehre; der Schlaffeffel od. -ftuhl,
ein bequemer Ruhe⸗ od. Lehnftuhl; die Schlafitatt, -ſtätte, -ftelle, ver Ort,
wo man fchläft oder übernachtet; die Schlafftube, f. Schlafgemad; die
Schlaffucht, übermäßige, ErankHafte Neigung zu fchlafen (fr. Lethargie); un-
eig. große Geiftesträgheit; fehlaffüchtig, Bw., mit der Schlaffucht behaftet;
der Schlaftranf, ein Trank ald Schlafmittel; der Schlaftrunf, ein Trunf,
welchen man vor Schlafengehen zu fih nimmt; fchlaftrunfen, Bw., vor
Schläfrigkeit gleichfam betrunken, d. i. halb bewufftlos; die Schlaftrunfen-
heit, der Zuftand des Schlaftrunfenen; der Schlafweizen, betäubender Som-
merlolch; fchlafwirfend, Bw., (fr. narkotiſch); die Schlafzeit oder gem.
Schlafenszeit, die Zeit zum Schlafengehen; das Schlafzimmer, ſ. Schlaf-
gemach; — Ableit. der Schläfer, -8, die Schläferinn, M. -en, wer
fchläft, def. in Zfeg. wie Lang-, Siebenfchläfer, Beifchläferinn 2c.; fchläfen,
ziel. Zw., ſchwäb. f. fchlafen machen, in Schlaf bringen, einfchläfern ;
fchläfern, Zw. 1) ziellos m. Haben (alt. släfarön, släfern) Neigung zum
Schlaf empfinden, gew. unp. ziel. e8 ſchläfert mich, od. mid) fchläfert x. ;
2) ziel. ſchlafen machen, ſchläferig machen, gew. einfchläfern; fchläferig
od. zgez. ſchläfrig, Bw. (altd. släfric), das Bedürfniſs des Schlafes em—
pfindend (fchläfrig werden, fein 2.); Neigung zum Schlafen u. überh. zur
Ruhe u. Unthätigkeit habend und darin gegründet, landſch. auch ſchlafig,
finnv. träge, entg. munter, aufgewedt (ein ſchläfriger Menſch, ſchläfrig ar-
beiten), bef. ohne geiftige Lebendigkeit und Kraft, langfam und langwei-
lig (ein fchläfriger Vortrag 2e.); die Schläfrigfeit, das Schläfrigfein in
allen Bed.
ſchlaff, Bw., Comp. fchlaffer, Sup. fhlaffit, (altd. slaph, slaf, ©.
slaffes; gem. ober= u. niederd. [hlapp, flappz; poln. slaby; vgl. ſchlack),
der Spannung u. Steife ermangelnd, bef. nicht gehörig angefpannt, finnv.
locker, loſe, welk, entg. ftraff, fteif, (ein Seil, eine Sehne ift ſchlaff; ſchlaffe
Ohren; Pflanz. ein fchlaffer Stengel, d. i. ein fehr biegfamer u. beweglicher) ;
uneig. in geiftigem u. fittl. Verftande ohne Spannung oder Anfpannung,
ohne anhaltende Kraft und LKebhaftigkeit (ein Tchlaffer Menſch, Geift ꝛc.;
fchlaffe Grundfäge, d. i. nicht fefte u. ſtrenge; fr. lar); die Schlaffheit (altd.
slafheit, auch slaffida, slafi, slaffe), das Schlafffein eig. u. uneig., finnv.
Koderheit, Trägheit, Kraftlofigkeit zc.; fchlaffen, zielof. Zw. m. haben
(altd. slaphen, slafen), vlt. f. fchlaff feinz ſchlaff werden, gew. erfchlaffen.
696 Schlaffieber — Schlagen
Schlaffieber, -frau, geld, -gemach, = genofs , = haube ꝛc. f. unter
Tchtafen; — Schlafgegend, = grube, f. Schlaf 2.
Schlafittig, ſ. Schlagfittig unter fchlagen.
Schlaffammer ze. — Schlafzimmer; fchläfrig zc. f. unter ſchlafen.
ſchlagen, Zw. ablaut.: fchlägft, ſchlägt (oberd. fchlagft, fchlagt) ; Impf.
ſchlug, Conj. fehlüge, (oberd. fchlueg, ſchlüeg; auch: ich fchlaget); Mm. ges
fhlagen, (goth. slahan, sloh; althochd. slahan, sluoc, sluoch, gislagan;
mittel. slahen, zgez. slän, sluoc, sluogen, geslagen; daneben auch das abgel.
3w. slagön, slagota, gislagot; niederd. flaan, flaen; holl. slaen; isländ.
ſchwed. dän. sla, slaa; angel. slaegan, slegan; engl. slay f. erfchlagen; —
Grundbed. ſchnelle Bewegung mit dem Nebenbegriff des Treffens od. heftigen
Berührens und des damit verbundenen Schalles) 1) ziellos a) mit fein,
durch) ſchnelle, heftige (paffive) Bewegung wohin gerathen od. eine ge-
wiffe Richtung annehmen (4. B. die Wellen fchlagen in das Schiff; das
Waſſer ſchlug ihm über den Kopf zuſammen; die Flamme ſchlägt in die Höhe),
inöbef. heftig fallen (das Kind ift mit dem Kopfe an die Wand, auf einen
Stein 2c. gefchlagen; vgl. hin-, niederfchlagen); plößlich eindringen od. ein-
treten (dev Froft ſchlägt mir in die Glieder; der Ealte Brand ift dazu gefchlagen
u. dgl. m.); oberd. überh. f. den Ort (willkürlich od. unwillkürlich) verändern,
fi) bewegen, begeben, wohin gerathen (z. B. berumfchlagen f. herum—
Yaufen, ziehen; aus dem Weg jchlagen, f. den Weg verlaffen; von Einem zu
dem Andern fchlagen, f. übertreten); daher feiner Art oder Befchaffenheit
nach fehnell verändert werden, eine gewiffe Befchaffenheit annehmen, finnv.
gerathen, werden (z. B. das Korn ift in die Höhe gefchlagen, d. i. plöglich
theurer geworden; er ift aus der Art geſchlagen; d. i. ausgeartet; fo
auch in den Zfeß. ans, aus», fehlfchlagen; einem nachſchlagenz val.
Schlag, ſchlachten 1., Geflecht 2c.); b) mit haben, ſich ſchnell und hef-
tig bewegen, finnv. fahren, ausfahren, von lebenden Geſchöpfen (das Pferd
ſchlägt hinten aus; der Vogel fchlägt mit den Flügeln; er ſchlug nach mir mit
der Hand, mit dem Stode 2c.); mit fihneller Bewegung an etivag rühren,
ftoßen, Elopfen, treffen, gegen etwas anz od. eindringen, fowohl von leben—
den, alö von Leblofen Dingen (4. B. er Ihlug mit einem Hammer an die Wand,
mit der Fauft an die Thür, mit dem Stabe ins Wafler; an die Glode ſchla—
gen ꝛc.; die Fluth fchlägt an die Felfen, der Wind in die Segel; der Blitz
fchlägt in ein Haus, hat eingefchlagen; an die Ohren — uneig. f. die Ohren
treffen, berühren, z. B. unbekannte Zöne ſchlugen an mein Ohr); uneig. mit
etivas zufammentreffen, wohin gehören (das fehlägt nicht in mein Fach);
ſich Elopfend od. anfchlagend bewegen das Herz, der Puls fhlägt;
uneig. auch: das Gewiffen fchlägt ihm), insbe]. in Verbindung mit einem
lauten Schalle wie Glocke, die Uhr ſchlägt, hat gefchlagen; auch mit
Hinzufügung der durch das Schlagen angedeuteten Zeit: die Uhr hat zehn ge:
ſchlagen; und unp. es Schlägt f. die Glode fchlägt, 3. B. es hat fchon ge
ſchlagen; es fchlug halb drei, od. halb drei Uhr 2c.; auch: die Stunde fchlägt,
d. h. fie wird durch den Glodenfchlag vernehmbar); daher auch einen lauten
Schall hervorbringen od. hören laffen, insbef. f. Enallen (die Büchfe fchlägt
ſtark); laut ſchmetternd und in eigenthümlich abgefesten Tönen fingen,
nur von gewiffen Vögeln (die Nachtigall, die Wachtel, der Fink fchlägt); Jäg.
auch f. bellen (in anſchlagen, f. d.); 2) ziel. etwas od. einen—,
— —
fchlagen 697
a) mit einem fchnell bewegten Körper, bef. der Hand oder einem Werk—
zeuge (3. B. Hammer, Schlägel ze.) nahdrüdlich berühren od. treffen (der
Buchbinder Schlägt die Bücher vor dem Heften; der Tuchmacher fchlägt das
Tuch; den Ball ſchlagen; Holz ſchlagen, d. i. fällen od. hauen; eine Aber
ſchlagen, d. i. mit dem Schnepper treffen u. dadurd öffnen); häufig mit einem
bei= od. nebenwörtlichen Zufas : durch Schlagen in den bezeichneten Zuftand
verfegen, in eine gewiffe Lage bringen (4. B. einen todtt—; einen od. etwas
zu Boden—; die Hände aufammen—; einem etwas aus der Hand —; etwas
entzwei od. in Stüde—; einen Schuh über od. auf den Leiften fchlagen ; einen
zum Ritter fchlagen, ſ. Ritter), insbe. fchlagend befeftigen oder anheften
(einen Pfahl in die Erde—, einen Nagel in die Wand—; ein Blatt an die
Wand—, d. i. mit Nägeln anheften; einen ans Kreuz fchlagen zc.); ferner
fchlagend od. berührend erfchallen laffen (die Pauken, die Trommel —, auch
rühren; oberd. auch: die Orgel, die Laute, Harfe 2..—, f. fpielen) ; fchla-
gend andeuten oder vernehmbar machen (den Tact—; die Uhr fchlägt die
Stunden; einen Marfch, den Zapfenftreih, Lärm—, d. i. duch Trommels
fchlag vernehmen laſſen); fchlagend hervorbringen, bearbeiten, bereiten
(Feuer ſchlagen od. anfchlagen, ſ. Feuer; Gold —, d. i. zu dünnen Blättchen
ſchlagen; OI—, f. d.), insbef. f. fehmieden, prägen (Keffe—; Geld, Mün-
zen—); b) in beftimmterer Bed. einen Menfchen oder ein Thier im Zorn
od. zur Strafe mit der Hand od. mit einem Werkzeuge heftig treffen,
finnv. hauen, prügeln ıc. (einen mit dem Stocde, mit der Ruthe, der Peit-
ſche 2..—; ihn ins Gefiht, hinter die Ohren, aufs Maul—; auch: einem
Wunden Schlagen, d. i. ihn fchlagend verwunden); daher fih ſchlagen, f.
mit einander kämpfen (wir müffen uns ſchlagen 2c.), auch bloß: ſchlagen
f. £ampfen, eine Schlacht ‚liefern (daher das Schlagen, chem. f. die
Schlacht); ferner rüdz. fih mit einem fhlagen, d. i. im Zweikampf
mit ihm fechten (er mujs ſich mit mir fchlagen); ehem. auch ſchlagen f.
verwunden; erfchlagen, tödten; ſchlachten; uneig. überh. f. züchtigen, ſtra—
- fen, plagen (mit Blindheit gefchlagen fein; ein gefchlagener Mann); ferner
ſchlagend in Bewegung fegen, überh. treiben, jagen (oberd. Vie h—, d. i.
auf die Weide treiben; Schweine in die Maſt—; bei. ein feindliches Heer aus
dem Felde, in die Flucht —); daher auch fchlechthin f. befiegen, überwinden
(den Feind—; uneig. feinen Gegner durch Beweiſe —; Ihlagende Gründe zc.,
d. i. fiegende); c) durch fchnelle Bewegung an einen Drt, in eine Lage
oder Stellung bringen, finnv. werfen, legen, treiben 2c. (der Raubvogel
ſchlägt feine Klauen in den Raub; einen Verbrecher in Feſſeln ſchlagen; die
Arme in einander, um eines Andern Naden 2..—; etwas in ein Tuch — durch
ein Sieb—, ein Blatt Papier, ein Tuch, den Mantel um etwas —; das Salz
in Körbe— ; eine Brüde über einen Flufs—; der Baum ſchlägt Wurzeln in
die Erde 20.); auch duch Bewegung od. Legung hervorbringen, machen
(ein Rad —, ſ. d.; einen Knoten ſchlagen); uneig. in geiftigem Berftande
bewegen, fort od. hinfchaffen, wohin bringen, legen ıc. (4. B. ſich etwas
aus dem Sinne fchlagen, d. i. es zu vergeffen ſuchen; etwas in die
Schanzefdhlagen, f. Schanze 2.5 etwas in den Wind—, |. Wind; fich
ins Mittel fchlagen od. legen, ſ. Mittel; der Kaufmann Schlägt die Koften auf
die Waare; die Zinfen zum Capital ſchlagen); ferner wohin richten, wenden
(die Augen zur Erde, gen Himmel, auf-, niederfhlagen; aud rüdz.
698 fchlagen
ſich links, rechts ſchlagen, d. i. wenden; fich zu dem Feinde fchlagen,
d. i. zu ihm übergehen); — das Mw. gefchlagen, als Bw. in der Volke-
fpr. f. vSllig, voll, von der Zeitdauer (4. B. den ganzen gefchlagenen Tag;
oberd. eine gefchlagene Nacht, u. dal.; wahrfch. durch Übergang des Begriffes
der Bewegung in den der Ausdehnung); — der Schlag, -es, M. Schläge,
(goth. slahs, altd. slac, ©. slages, M. slegi, slege; niederd. Slag) 1) das
Schlagen in ziellofer Bed., die ſchnelle, heftige Bewegung (3. B. Wellen-
Schlag, Flügelfchlag 2c.; die Pumpe hat Schlag, d i. der Schuh bewegt fich
in ihr frei auf und nieder), bef. eine einmalige, plögliche, fchnell abge:
brochene Bewegung (daher: mit einem Schlage, d. i. auf einmal, in einem
Augenblid; Schlag auf Schlag, d. i. ſchnell nad) einander); in beftimm-
terer Bed. ein heftiger Fall (einen derben Schlag thun; vgl. auh Hagel
flag); ferner von dem Grundbegriff „, Bewegung *: eine Ausdehnung in
die Länge, eine Strede, insbef. Schiff. der Lauf eines lavirenden Schiffes
von einer Wendung bis zur andern; Landw. eine Reihe neben einander liegen=
der Äcker; niederd. ein Maß des ausgeftochenen Zorfes, 32 Fuß lang u. 8 Fuß
breit; Zuchm. ein Feld des Zuchrahmens; uneig. von dem Begriffe der Ver-
änderung, des Gerathens in einen Zuftand (f. o. fchlagen 1) a): die Befchaf:
fenheit, Art und Weife, Gattung (4. B. oberd. aufden Schlag, d.i.
auf diefe Weile; Leute von einem Schlage, d. i. von gleicher Beichaffen-
heitz ein fchöner Schlag Menfchen, Pferde ꝛc.); ferner eine anfchlagende,
Elopfende Bewegung u. der damit verbundene Schall (Herz, Puls-, Glocken⸗
Schlag; der Schlag einer Uhr heißt auch jchlehtweg: Schlag, z. B. mit
dem Schlage fünf an die Arbeit gehen, d. i. genau wenn es 5 fchlägt; es
ift aufden Schlag 12 uhr, od. es ift Schlag 12 ze. d. i. gerade 12 Uhr,
u. dgl. m.); ein lauter heftiger Schall (z. B. Donnerſchlag, der Schlag
einer Büchfe, d. i. der Knall), insbef. der Gefang gewiffer laut gellender
Vögel (der Schlag der Nachtigall, der Wachtel 2c.); 2) das Schlagen in
zielender Bed., die Handlung des Schlagens, bef. ein einmaliges Schla-
gen (ein Schlag mit der Hand; ein Baum fällt nicht auf einen Schlag;
fchs Schläge mit dem Hammer, mit einem Stocke ꝛc. thun), aber auch ein
mehrmaliges anhaltendes Schlagen und das dabei beobachtete Zeitmaß
(3. B. Trommelfchlag, Ruderſchlag; der Schlag der Schmiede, Drefcher ꝛc.;
Schlag halten, d. i. in gleihmäßigen Zwiſchenzeiten fchlagen; nicht in den
Schlag kommen Eönnen, d. i. nicht das richtige Zeitmaß im Schlagen beobady-
ten Eönnen; auch in der Tonk. f. Zeitmaß, Tact, 3. B. das Stück geht im
Drei: Biertel- Schlage; daher auch niederd. f. Fertigkeit, Geſchick, Handgriff,
wie im Hochd. Tact); in beftimmterer Bed. ein fühlbarer, ſchmerzhafter
Schlag, im Zorn oder zur Züchtigung ertheilt (einem einen Schlag auf die
Hand, hinter das Ohr zc. geben; Schläge geben, austheilen; Schläge befom-
men; Stoc-, Ruthen:, Peirfchenfchläge 2c.); landſch. Fleiſch. f. das Schlach—
ten; in weiterer Anwendung: eine plößliche heftige, fühlbare Erſchütterung
(4. B. der eleftrifche, der galvanifche Schlag), eine den Menfchen plöglich
befallende Lähmung, Schlagflufs (fr. Apoplerie; vom Schlage gerührt oder
getroffen werden); uneig. f. Unglüdsfall, Unfall, Unglüd, Verderben (ein
harter Schlag; Schwere Schictfalsfchläge erleiden 2c.); landſch. auch f. Nach—
theil, Schaden (fi einen großen Schlag thun); 3) was fehlägt, oder wo—
mit gefchlagen wird, in einzelnen Anwendungen, als: Fiſch. der Schwanz
Schlagen 699
des Fiſches; bei Feuerwerkern der Satz in den Raketen, welcher dem Knall her
vorbringt; bef. was aufs und nieder-, oder auf= und zufchlägt oder fällt,
eine Fallthür, ein Schlagbaum ꝛc. (4. B. Tauben:, Meifen>, Kutichenfchlag),
nieberd. überh. eine Zaun= od. Heckenthür; 4) was gefchlagen, od. durch
Schlagen bewirkt, hervorgebracht wird, insbeſ. Münzw. f. Gepräge (Gelb
von demfelben Schlage), auch ein auf mande Waaren gefchlagenes Zeichen ;
Müll. die in die Mühlfteine gehauenen Rinnen: Schläge; Jäg. die tiefen
Wunden, welche cin wildes Schwein hauet; Bergw. eine gehauene Öffnung
(j. Querfchlag); der Hufſchlag, d. i. die Spur des Pferdehufes; oberd.
Schlag überh. f. Spur, Fährte; bair. f. Schwab oder Zahn des mit der
Senfe gemäheten (gehauenen) Grafes; vergl. auch Aufſchlag, Einfchlag,
Hammerfchlag ꝛc.; Auch der Det, wo etwas gefchlagen wird, insbef.
Forftw. ein abzuholzender od. abgeholzter Theil eines Waldes, Holzfchlag,
Hau, Gehau (einen Wald in Schläge eintheilen); — 3fe$. von Schlag
(Schläge) u. ſchlagen: die Schlagader, Adern, welche das Blut vom Herzen
zu den übrigen Körpertheiten führen, Pulsaderz daher der Schlagadergang;
die Schlagaderhauf ꝛc.; fchlagartig, Bw., einem Schlage, d. i. Schlag:
fluffe, ähnlich (fe. apoplektiſch; z. B. ſchlagartige Zufälle); der Schlagbal-
ſam, ein balfamifches Arzneimittel gegen den Schlagfluſs; ſchlägebäuchig,
Bw., landſch. gem. f. einen eingefallenen (eingefhlagenen), fchlaffen
Bauch habend; auch f. herzichläcdhtig (val. das oberd. Zw. ſchlegbauchen
fe heftig athmen, fo dafs der Bauch zudt); der od. b. das Schlagbauer,
ein Vogelbauer mit einer Schlagthür zum Vogelfang; der Schlagbaum, ein
beweglicher Balken, welcher niedergelaffen od. aud, gedreht wird, um Wege,
Thore 2c. zu jperren, Sperrbaum; auch ſ. v. w. Schlagſtange, f. u.: die
Schlagbeere, Kreuzdorn:Beere: fchlagblau, Bw., von der Farbe eines durch
einen heftigen Schlag ꝛc. entftandenen Hautfledens; der Schlageblod oder
-floß, ſ. v. w. Haublodz; der Schlagbohrer, ein hammerförmiges Eifen mit
langer Spige, womit man die Löcher in die Thürhaspen zc. macht; die Schlag:
brüde, ſ. v. w. Zugbrücde; der Schlagbrunnen, bei neugeborenen Kindern
die Schädel-Öffnung,, unter welcher man das Gehirn fehlagen ſieht (fr. Fon—
tanell); der Schlagedrauf, gem. wer darauf Los fchlägt, ein derber Schläger;
das Schlageifen, verfchiedene Werkzeuge, mit, oder auf welchen man fchlägt,
z. B. der Waldhammer, ein eiferner Meißel der Steinmegen 2c.; die Schlag-
falle, eine niederfchlagende Falle; das Schlagfafs, ein großes Faſs, in wel-
ches zu verfendende Waaren gepadt (gefchlagen) werden; Schlägefaul, Bw.,
gem. f. gegen Schläge abgehärtet; die Schlagfeder, 1) die ftärfften Federn
in den Flügeln der Vögel, Schwungfeder; 2) Stahlfedern, welche das Schla-
gen (3. B. des Hahns in einem Gewehrfchloffe, des Hammers einer Gloden-
uhr) bewirken; fehlagfertig, Bw., zum Schlagen (d. i. Kämpfen) bereit:
der Schlagfittig (gem. verderbt: Schlafittig, niederd. Slafitje), eig.
der Fittig od. Flügel, womit ein Vogel ſchlägt; uneig. f. Zipfel, Schoß eines
Kleides (daher gem. einen beim Schlafittig nehmen od. Eriegen, d. i. ihn er:
wifchen, fefthalten); der Schlagflufs (val. o. Echlag 2), eine plögtiche, oft
tödtliche Lähmung des ganzen Körpers od. einzelner Körpertheile; das Schlag-
gatter, cin niederfchlagendes Gatter (f. d.) od. Gatterthor; das Schlagge-
wicht, an Wanduhren das Gewicht, durch welches das Schlagwerk in Bewe-
gung gefest wird; das Schlaggold, zu dünnen Blättchen gefchlagenes Gold,
700 ſchlagen
Blattgold; auch f. Knallgold; der Schlaghahn, Haubentaucher; der Schlag—
hammer, ſchwerer Hammer der Goldſchläger; auch — der Buchbinder zum - |
Schlagen des Papiers; das Schlagholz, ein Holz zum Schlagen, 3. B. des
Balles; Hutm. ein Holz, mit welchem der Fachboden in Bewegung gefest
wird; Forftw. Holz, welches mit Nusen gefchlagen, d. i. gefällt werden Eann,
fhlagbares Holz: auch f. Bufch- od. Unterholg, weil es, wenn es abge
hauen worden, wieder ausfchlägt; der Schlaghüter, Forſtw. ein Baum, der
auf einem Schlage (ſ. o. 4) zur Befamung ftchen bleibt; das Schlagfraut,
eine Art des Gamanders, gegen den Schlagfluis gebraucht, Erdkiefer; das
Schlaglicht, ein heller Lichtſtrahl, welchen man auf einen Haupttheil eines
Bildes fallen läſſt; das Schlagloth (vgl. Loth), das zum Löthen gebrauchte
Metallgemiſch, bef. bei Gold- u. Silberarbeitern (weil es zu dünnen Blechen
gefchlagen wird); die Schlaglothbüchfe, eine Blechbüchſe, worin das mit
Wafler vermifchte Schlagloth aufbewahrt wird; das Schlagmittel, Mittel
gegen den Schlagflufs; das Schlagnetz, ein in einen geftielten Bügel gefpann-
tes Neg zum Ballfchlagen (fr. Rakette); auch f. Fallnes; der Schlagpfahl,
an Gatterthüren der vordere Pfahl, an weldyen die Thür beim Zumachen Schlägt;
das Schlagpulver, Schlag= od. Knallgold; die Schlagpumpe, Sauapumpe
auf Schiffen; der Schlagregen, heftig niederfchlagender Regen, Platzregen;
die Schlagröhre, eine mit Pulver gefüllte blecherne Röhre zum Abfeuern einer
Kanone; die Schlagfaat oder der Schlagfamen, Samen, woraus Öl ge
ſchlagen wird, bei. Leinfamen; der Schlagfchatten, Mat. der Schatten, wel-
chen ein erleuchteter Körper auf einen hellen Grund wirft; der Schlagfchas,
auch Schlägefchaß, eine Abgabe an den Landesheren zur Beftreitung der
Münzkoften; landſch. ein Zoll von Waaren, Getränken 2c. (ebem. zum Unter:
halt der Münze); auch der Zins, welchen der Münzpachter dem Münzherrn
entrichtet; ehem. eine Abgabe einer Stadt ꝛc. an den Landesheren für das
Recht, Münzen zu Schlagen; die Schlagfcheibe, im Schlagwerk einer Uhr eine .
Scheibe mit Einfhnitten, welche die Zahl der Schläge beftimmt; die Schlag:
fpindel, Drechsl. eine hölzerne Spindel mit einem Loche, in welches der Zapfen
des zu drehenden Stückes gefchlagen wird; die Schlagflampfe, in Papiermüh—
Yen ein fchwerer eiferner Hammer zum Glätten des Papiers; Die Schlag:
ftange, ein ftarfes Holz an Fallen für Raubthiere, welches dem Thiere auf
den Hals ſchlägt, auch Schlagbaum genannt; die Schlagtaube, im Tauben:
ſchlage gehaltene zahme Tauben, z. U. v. Feldtaube ꝛc.; der Schlagetodt,
gem. eig. f. Zodtfchläger; uneig. ein ftarker, plumper, voher Menſch; die
Schlaguhr, eine uhr, welche jchlägt, d. i. die Stunden zc. durd) Glodenfchläge
andeutet; die Schlagwand, Jäg. jedes Netz, welches auf- und niedergezogen
werden kann; das Schlagwaſſer, aus Rosmarinblüthen abgezogenes geiſtiges
Waſſer gegen den Schlagfluſs, auch ungariſches Waſſer genannt; die Schlag-
weite, Naturl. die Entfernung, in welcher ein elektriſcher Funken ſchlägt, d. i.
in einen Körper übergeht; die Schlagwelle, Wellen, die bei ftürmifcher See
an einander und in die Höhe ſchlagen; das Schlagwerf, das Räderwerk in
einer Uhr, welches den Hammer der Glocke in Bewegung fest; die Schlag:
wunde, durd einen Schlag verurfachte Wunde; — Ableit. von fehlagen:
Schlagbar, Bw., was gefchlagen werden kann (Forſtw. ein fchlagbarer Baum,
d. i. der mit Nugen gefällt werden Kann); daher die Schlagbarkeit; die
Schlage, M. -n, ein Werkzeug zum Schlagen, insbeſ. ein großer Schmie-
1a
ſchlaken — Schlamm | 701
dehammer; hölzerne Keule der Holzfpalter; (mittelh. släge auch f. Spur,
Fährte); der Schlägel, -$, M. w. E. (altd. slegil, slegel, oberd. Schlegel)
1) dasjenige, womit gefchlagen wird, ein Schlagwerkzeug, insbef. Bergw.
fowoht der Handfäuftel, als der größere Päuſchel; bei verfch. Handw. ein
hölgerner Hammer, eine Handkeule; daher (wegen der ähnlichen Geftalt)
das hintere Dickbein eines gefchlachteten Thieres, vgl. Keule (4. B. Kalbe-,
Hammelſchlägel); auch der Block od. Bär einer Zugramme Zugfhläge;
2) wer fchlägt, ſ. v. w. Schläger: altoberd. f. Stocmeifter, Scherge, Ge—
fangenwärter; auch f. Abdecker; landſch. Rothſchlägel f. Rothfink, Dom:
pfaff (o. Schlagen f. fingen); 3) was gefchlagen wird: der Zapfen vor der
Ablafsrinne eines Deiches; oberd. ein umzufchlegender Rand, Umfchlag,
bef. am SHintertheil einer Art Mannsmügen (Schlegelhauben oder bloß
Schlegel genannt); 4) der Ort, wo gefchlagen wird, bef. Bergw. der
Drt in der Grube, wo der Bergmann auf dem Geftein arbeitet (daher: auf
dem Schlägel arbeiten, auf feinen Schlägel fahren, vom Sclägel fahren ze.) ;
oberd. auch der Ort, wo gefchladhtet wird, das Schlachthaus; Zfes. das
Schlägeleifen, Hüttenw. ein zugefpigtes Eifen zum Losbrechen der Bühnen,
Eifenbrüche 2c.; der Schlägelfifch, Hammerfiſch; der Schlägelgefell, Bergw.
der Bergmann, welcher mit einem andern an demfelben Orte in der Grube
arbeitet; der Schlägelfopf, ein fchlägelförmiger, oben unverhältnifsmäßig
ſtarker Pferdekopf; die Schlägelnufs, die längliche Frucht des Schläge
nufsbaumes auf Madagaskar zc.; — ſchlägeln, ziellof. 3w. m. haben
(oberd. ſchlegeln), fich ſchnell hin u. her bewegen, zappeln, zucken (oberb.
mit Händen und Füßen fchlegeln); insbef. Jäg. f. lahm gehen, hinken (der
Hirſch ſchlägelt, ift ſchlägellahm geſchoſſen); uneig. gem. f. aus Unvor—
fichtigfeit fehlen: Zſetz. das Schlägelfaſs, oberd. f. Rührfübel zur Milch;
die Schlägelmilch, f. Rührmilch, Buttermilch; — der Schläger, -8, die
Schlägerinn, M.-en, I) wer ſchlägt, bef. in Zfeg. wie Ball-, Gold,
Öl-, Zodtfchläger; wer fih gern mit Andern ſchlägt, rauft ıc.; 2) ein
Werkzeug zum Schlagen, vgl. Schlägel, insbeſ. ein * Knüttel
zum Drehen der Stricke; Schiff. ein großer hölzerner Hammer; auch ein
Raufdegen, Rappier zum Fechten auf-den Hieb; die Schlägerei, M. -en,
anhaltendes gegenfeitiges Schlagen mehrer Perfonen, finnv. Prügelei, Rau:
ferei; fchlägig, Bw., fchlagend; auch (von Schlag): Schläge habend,
nur in Zſetz. (3. B. dreifhlägige Raketen); fchlägifch, Bw., landſch.
gem. f. gern ſchlagend, Schlägereien liebend.
fchlafen, ziel. 3w. (von ſchlack f. ſchlaff), Schiff. die Segel —, d. i. loſe
bangen laffen, um fie fogleich beifegen zu können; — der Schlaks oder
Schläks (niederd. Stäts), ſ. Schlad, Schlacks.
Schlamm 1., m., -28, (M. nur im Bergw. Schlämme; fehlt im
Altd.; niederd. Stamm, fchwed. slem, angelf. slim, engl. slime, lat. limus;
verw. mit Schleim, Lehm), mit Waffer vermifchte, feuchte, fchleimige Erde,
beſ. auf dem Grunde ftehender Waffer, finnv. Moder, Kothz Bergw. Klein
gepochtes u. gewafchenes Erz, ſ. v. w. Schlich; auch die eifenhafte Erde,
- welche bei Yuslaugung des Vitriols zurücbleibt ; er f. etwas Unreines,
Unfittliches G. B. der Schlamm der Wollüfte); 2. chem. auch f. Schmau=
ferei, Schlemmerei (vgl. Schlamp, Schlemm); — 3fes. der Schlamm-
beißer od. = beißfer (f. d.), eine Art Eleiner diſche in ſchlammigen Waffern,
102 | fhlampen — Schlange
landſch. auch Pfuhlfiſch, Moorgrundel, Pifsgurre 2c.; der Schlaummfang,
ein Raum, in welchem der Schlamm aufgefangen wird, od. fich ſammelt; der
Schlammfiſch, im Schlamm Iebender Fiſch; der Schlammherd, Hüttenw.
ein Wafchherd, den Schlammftein darauf zu waschen; die Schlammfrüde,
eine Krüde (f. d.) zum Wegfchaffen des Schlammes aus Teichen zc., im Bergmw.
die Schlammfüfte genannt (f. Küfte 2); die Schlammmühle, eine Art -
Mühlwerk, womit der Schlamm aus der Tiefe geſchöpft wird; die Schlamm:
mufchel, Kothmuſchel; der Schlammſchlich, Hüttenw. der aus dem Poch—
ſchlamme rein gewaſchene Schlich; die Schlammfchildfröte, eine Art Heiner,
gemeiner SchildEröten; der Schlammftein, Zinnftein, welcher bei dem Zwit—
terwäfchen in die Sümpfe gegangen ift; das Schlammwerf, r. Schlämm-
werk, f. v. w. Goldwäfche, Seifenwerf; — Ableit. ſchlammicht, Bw.,
fhlammähnlich; ſchlammig, Bw., Schlamm enthaltend (ſchlammiges
Waſſer); ſchlammen, ziellof. Zw. m. haben, Schlamm geben oder an:
ſetzen; ſich mit Schlamm füllen; ſchlämmen, ziel. 3w., 1) zu Schlamm
oder ſchlammig machen, insbef. von einem gepülverten Körper die feineren
Theile durch wiederholt aufgegoffenes Waſſer von den gröberen fondern (g e=
ſchlämmter Sand, d. i. durch Schlämmen erhaltener, feiner Sand; Bergw.
Erz ſchlämmen); Maur. eine Wand zum erftenmale weißen, was mit dem
Schlämmpinfel gefhieht; 2) von Schlamm reinigen (einen Teich,
Fluſs 2c.); das Schlämmfaſs, in Pottafchfiedereien ein großes Faſs, in wel-
chem das Laugenfalz aus der Aſche geichlämmt wird; der Schlämmgraben,
ein hölgerner Kaften, in welchem das Erz gefhlämmt wird; das Schlamm:
werk, f. o. Schlammwerk; der Schlämmer, —s, Hüttenw. wer das Erz
[hlammt; die Schlämmung, das Schlämmen.
Schlampen, Zw. (Nebenform von fchlappen, fchlabben ze. v. fchlapp f.
ſchlaff; vgl. den Übergang von Lappen in Lumpen, trappen in trampeln 2c.)
gem. 1) ziel. eine Flüſſigkeit mit ausgeftredter Zunge einfchlürfen u. vers
fihlingen, bef. von Hunden, ſ. v. w. fehlabben, ſchlabbern; von Menfchen
oberd. f. gierig u. unreinlich effen (vgl. Schlamm 2., fchlemmen, hell. slem-
pen); 2) ziellos m. haben, fchlaff od. fchlotterig u. nachläffig herabhan—
gen (von Kleidungsftücen); fchlotterig u. nachläffig im Anzuge fein oder
einhergehen (von Perſonen; ſchwed. slampa; vgl. ſchlumpem; der Schlamp,
oberd. 1) f. Schmaus, Schlemmerei; 2) ein nachläffiger, unreinlicher
Menſch; die Schlampe, M. -n, 1) ein dünner, flüffiger Fraß für Hunde;
2) (oberd. die Schlamp) eine nachläffige, unreinliche weibl. Perfon (auch
Schlumpe); auch nachläffige Kleidung; der Schlampen, -$, M. w. E.
oberd. f. Lappen, Lumpen; der Schlamper, -$, 1) wer fehlampt; 2) was
nachläffig herabhängt, ein langes Frauenkleid (auch Schlumper); ſchlam—
pig, Bw., gem. f. dünnflüffig (ſchlampiges Effen), kothig, ſchlammig
(Wetter); nachlaffig, unreinlich, liederlich (ein fchlampiger Menſch); —
Ihlampampen, ziellof. 3w. (niederd. flampampen;z: verftärkende Wiederho—
lungsform v. ſchlampen 1), gem. f. gut u. reichlich effen u. trinken, fchlem-
men, ſchwelgen, praffenz der Schlampamp, niederd. f. ein fchlechtes
Speifengemifch ; gem. f. v. w. die Schlampamperei, Schmauferei, Schlem:
merei; der Schlampamper, Schlemmer, Schwelger.
Schlange, w., M.-n, Verkl. das Schlänglein, auch Schlängelchen,
nicht gut Schlängchen, (altd. der slango, slange, G. des slangen 20.5; oberd.
— — ur DABEI re W De
/
Schlange | 703
die Schlangen und Schlang; niederd. Slange; von slingan, ſchlingen,
ſchlang, ſich winden), ein Gefchlecht theild auf dem Lande, theilg im
Waſſer lebender Thiere (Amphibien) mit langem, walzenförmigem Körper
ohne Füße, in wellenförmigen Windungen fich fortbewegend, von ver-
ſchiedenen Arten, worunter mandje giftige find (Kand-, Wafferfchlangen ;
Schuppen, Klapper:, Rieſen-, Ringel-, Runzelfchlange ꝛc.); eine Ereisförmig
zufammengefrümmte, ſich in den Schwanz beißende Schlange ift ein Sinnbild
der Ewigkeit; außerdem dient die Schlange häufig als Sinnbild der Klug:
heit (feid Elug wie die Schlangen 2c.), aber aud) der Hinterlift, des arg—
liftigen Betrugs ꝛc. (daher: eine Schlange in feinem Bufen nähren, d. i. einen
heimlichen Feind als vermeintlichen Freund begünftigen); daher uneig. f. ein
falfcher, argliftiger, heimtüdifher Menfc (er oder fie ift eine Schlange;
bibl. die alte Schlange f. der Teufel); auch ein Sternbild; ferner verfchie-
dene fchlangenähnliche Körper, insbef. Natur. verfchiedene Schnedenarten
Bas Schlängeldhen;z die Eleine Schlange; die gefpaltene Schl.);
die gewundene Eupferne Röhre in dem Kühlfaffe der Branntweinbrenner ;
der lange lederne Schlauch an den Feuerfprigen; ein mehrmals gebogenes
meffingenes Stüd an Feuergewehren; eine Gattung fehwerer Geſchütze von
verfchiedenen Arten (ganze od. Feldſchlangen, f.d.; Halbe—, doppelte
Schlangen 2c.); auch f. Schlangengang, Schlangenlinie; — 3fes. fchlan-
genartig, fchlangenähnlich, Bw.; das Schlangenauge, uneig. Naturk.
eine länglich runde, an einer Seite ausgehöhlte, einem Auge ähnelnde Verſtei—
nerung, auh Schlangenei, Schlangenftein, Krötenftein (fr. Echinit);
der Schlangenbalg (1. Balg), f. v. w. die Schlangenhautz die Schlan-
genbeere, Frucht des Schlangenbeerbaumes in Indien, als Gegengift
gegen Schlangenbils; der Schlangenbefchwörer, wer angeblich die Kunft
verfteht,, giftige Schlangen durch Beihwörungsformeln unfhädlich zu machen
od. zu bannen; der Schlangenbifs, Bils einer Schlange; die Schlangen-
blume od. das Schlangenblümchen, das Schneeglödchen; die Schlangen-
brut, ſ. Brut; tmeig. falfche, hinterliftige Menſchen, fo auch: das Schlan- °
gengezücht; das Schlangenei, das Ei einer Schlange; * uneig. ſ. v. w.
Schlangenauge; die Schlangeneidechfe, eine Art ſchlangenähnlicher Eidechfen ;
der Schlangenfalf, eine Art afrikan. Falken, die ſich vorzüglich von Schlan-
gen nähren; der Schlangenfifch, eine Art fhlangenförmiger Fiſche, mit der
Muräne verwandt; die Schlangenform; fchlangenfürmig, Bw.; die
Schlangenförmigkeit; der Schlangengang, ein in fchlangenförmigen Win-
dungen laufender Weg in Gärten 2c.; das Schlangengift; das Schlangen-
gras, der wilde Krähenfuß, als Mittel wider den Schlangenbifs, auh Schlan»
genzwang genannt; eine Art der Mannstreu, als Gegengift gegen den Biſs
dev Klapperfchlange; die Schlangengurfe, eine Art ſehr langer Gurken in
Oftindien; das Schlangenhaar, aus Schlangen beftehendes Haar, nach fabelh.
Vorftellung auf dem Kopfe der Furien; fchlangenhaarig, Bw., Schlangen:
haare habend; der Schlangenhals, ein langer, dünner, ſehr biegfamer Hals;
auch |. v. w. der Schlangenhalsvogel, ein ausländ. Vogelgeſchlecht mit fol-
chem Halfe, auch Schlangenvogel, Langhals genannt (plotus L.); das
Schlangenhaupt, der Kopf einer Schlange; Fabel. ein mit Schlangenhaa—
zen befegtes Haupt; Pflanz. ſ. v. w. Otterköpfchen, blaue Ochfenzunge; die
Schlangenhauf, uneig. Naturk. zwei Schnedenarten; das Schlangenholz,
704 Schlange
das Holz von zwei oftind. Gewächſen ald Heilmittel gegen den Schlangenbife,
und diefe Gewächſe felbft (ophioxylon L., auch Marberwurzel, u. strychnos
colubrina L., der Schlangenholzbaum); aud f. Schlangenwurzel;
u. fe Kanonenbaum; das Schlangenhorn, 1) eine Art Schnirkelfchneden,
auch Schlängelhen, Jagdhorn, indifches Poſthorn 2e.; 2) ein fchlangenförmig
gewundenes Blafe= Inftrument, auh der Schlangenbafs (fr. Serpent);
daher der Schlangenhornbläfer (fr. Serpentift); die Schlangenflugheit,
liſt u. dgl., falfche, argliftige Klugheit; der Schlangenfnoblaudy, 7. v. w.
die Rocenbolle, f. d.; der Schlangenkopf, Kopf einer Schlange; uneig. eine
Art Schlangenhalsvögel in Brafilienz verfchiedene Arten Porzellan- od. Venus-
fhneden: der große, und der Eleine Schlangenkopf, der blaue Schl.; das
Schlangenköpfchen, ſ. v. w. Otterköpfchen, Münzmufchel; auch f. die
Kameelhalsfliege; das Schlangenkraut, verſchiedene Gewächſe, als: eine Art
des Ehrenpreiſes, auch Wundkraut (veronica officinalis L.); das große oder
gemeine Schlangenfraut, auch Drachenwurz, mit gefledtem Stengel, einer
Schlangenhaut ähnlich (arumdracunculus L.); das Eleine Schl. (arum ma-
culatum L.); die Natter- oder Schlangenwurz, f. d.; das europäifche oder
Sumpf-Schlangenfraut (calla palustris L.); eine Art Maiblumen (convallaria
verticillata L.); aud) f. Dragun, Dragunbeifuß; Bärlapp ꝛc.; die Schlan-
genfrone, die vermeintliche Krone einer Art Schlangen, wofür der Dinterzahn
einer Kuh ausgegeben u. zu abergläub. Zweden gebraucht wird; auch eine Art
Seeeicheln, die Seemüge; der Schlangenlahn, fchlangenförmig gewundener
Lahn; die Schlangenlinie, eine den Windungen einer fich fortbewegenden
Schlange ähnliche Bogenlinie; das SchlangenmooS, ſ. v. w. Bärlapp; der
Schlangenmord, uneig. eine Pflanze, deren Wurzel für ein Heilmittel gegen
- das Schlangengift gilt, auch Schlangenwurz, Natterwurz, Kraftwurz 2c. (fr.
Scorzonere); die Schlangenmotte, eine Art auf Fichten Iebender Motten;
das Schlangenpulver, ein aus gedörrten Schlangen bereitetes Pulver, als
vermeintliches Heilmittel in Krankheiten des Viehes; das Schlangenrohr,
ein fchlangenförmig gewundenes Rohr; aud ein Orgelregifter von 16 Fuß
Zon; die Schlangenröhre, eine geichlängelte Röhre; eine Art ſchlangenför—
miger Röhrenfchneden; der Schlangenfchnirkel, eine Art Schnirkelfchneden;
der Schlangenſchwanz, uneig. eine Art Seefterne mit fchlangenförmigen
Strahlen, der geſchwänzte Seeſtern; die Schlangenfpriße, 1. v. w. Schlauch—
fprise (f. o. Schlange); der Schlangenftab, ein Stab, um welchen ein
Schlangenpaar gewunden ift, als Beizeichen des Mercur in der alten Fabel.
(fr. Caduceus); der Schlangenftein, ein ſchwarzgrüner, fchlangenähnlich ge-
fleckter Talkſtein (fr. Serpentin); der Schlangenftich, Stich od. Biſs einer
Schlange; auch eine Art des Stiches beim Nähenz der Schlangenträger, Namen
eines Sternbildes, au der Schlangenmann (fr. Ophiuhus); der Schlan-
genverehrer, Menfchen, welche die Schlangen als heilig verehren, auch
Schlangendiener, Schlangenbrüder (fr. Ophiten); der Schlan:
genvogel, ſ. o. Schlangenhalsvogel; der Schlangenweg, ein gewundener
Weg; die Schlangenwindung, Windung der Schlangen, od. fchlangenähn-
liche Bindung; die Schlangenwurz od. -wurzel, die Wurzel verfchiebener
Gewächſe, und diefe Gewächfe felbft, insbeſ. f. Schlangenmord; die bittere
Wurzel einer oftind. Pflanze, auch Schlangenholz, Mungoswurzel (ophiorhiza
mungos L.); die Natterwurg, auch Schlangenkraut (polygonum bistorta L.);
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4
ſchlank — Schlaraffe 705
die quirlförmige Maiblume, auch Schlangenkraut (ſ. d.); die amerikan.
Schlangenwurzel, eine Art Schwarzwurz (actaea racemosa L.); der Schlan—
genzahn, uneig. verfteinerte Fifchzähne, die man für Schlangenzähne hielt;
die Schlangenzunge, uneig. f. v. w. Schlangenzahn; eine Pflanze, die Nat:
terzunge, |. d.; auch f. eine verleumbderifche, falfche, gleichl. giftige Zunge, da—
her ſchlangenzüngig, Bw., eine folhe Zunge habend; — Ableit. ſchlän—
geln, ziellof. u. gew. rüdz. Zw., fich krümmen u. winden wie eine Schlange,
fid) in Schlangenlinien fortbewegen od. erftreden (der Bach, der Weg ıc.
ſchlängelt ſich durch Wiefen; fchlängelnde Blige 2c.); auch f. falſch und hin—
terliftig fein, wie eine Schlange; daher der Schlängelgang, -lauf; die
Schlängelung, das Schlängeln, die Schlangenwindung; fchlängelicht,
Bw., fhlangenähnlich gewunden.
fhlanf, Bw., Comp. fhlanfer, Sup. ſchlankſt, (niederd. flank, oberd.
gew. geſchlank; von fhlingen, altd. slingen, slanc, winden), lang, dünn
u. biegfam od. gefchmeidig (ſchlanke Zweige; ein Schlanker Menſch, Wuchs ꝛc.);
ſchlankweg, Nw., landſch. f. geradezu, ohne Umſchweife; die Schlankheit,
das Schlanffein, der ſchlanke Wuchs; — fchlanfen od. ſchlänkeln (gem.
auch ſchlinkſchlanken), ziellof. Zw. oberd. f. hangend fich hin u. her be-
wegen, baumeln, ſchwanken (die Arme ſchlänkeln laffen); auch ſchwankend
gehen, nachläffig und müßig umbhergehen, val. fehlendern; der Schlanf
od. Schlanfen, oberd. f. Lappen, Feen; Faulenzer; der Schlanfel od.
Schlänfel f. Schlingel; ſchlänkern, 3w., f. fchlenfern.
ſchlapp 1. (nisderd. flapp, engl. slap), ein Naturlaut, welcher den Elat-
fhenden Schall eines Schlages mit flaher Hand ıc. nahahmt; daher
ſchlappen 1. ziellof. Zw. (engl. slap) gem. f. den Schall fchlapp hervorbrin-
gen; der Schlapp 1. -es, M. -e, diefer Schall, u. ein davon begleiteter
Schlag; die Schlappe 1., M. -n (niederd. Slappe, engl. slap; lat. alapa),
gem. ein Schlag mit der flahen Hand ins Gefiht, eine Maulfchelle:
uneig. ein empfindlicher Schaden, Verluſt, eine Niederlage (der Feind hat
eine Schlappe befommen).
fchlapp 2. Bw. (niederd. flapp; flaw. slaby) gem. f. ſchlaff; daher:
fchlappen 2. 3w. 1) ziellos m. haben, gem. f. ſchlaff fein, fchlaff herab-
bangen; fchleppend gehen, bei. in Pantoffeln, ſ. v. w. fchlarfen, ſchlurfen;
2) ziel. und ziellos, f. v. w. fchlabben, fihlabbern, fchlampen (z. B. die
Suppe—; den Teller ausfchlappen); der Schlapp 2., -es, (gew. das
Schläpplein, Schläpple) ſchwäb. eine Art Eleiner, gew. lederner Mützen;
die Schlappe 2., M. -n, gem. f. ein fehlaff herabhangendes Maul, ſ. v.
w. Schlabbe; landſch. alte Pantoffen, Schlarfen, Latfchen; oberd. auch)
f. Haube, Kappe (vgl. das flaw. schlapa, Hut); der Schlapphut, ein
Ichlaffer Hut; das Schlappohr, ein fchlaff hHerabhangendes Ohr, u. ein Thier
mit folhen Ohren; — fchlappig, Bw., oberd. f. fchlaff, fchlotterig; fchlap-
pifch, Bw., ober. f. unreinlich, ſchmutzig; fehlapperig, Bw. (vgl. ſchla—
derig) oberd. f. nafs, moraftig; der Schlapps, Aes, M.-e, gem. f. ein
fhlaffer, nachläffiger, auch ein plumper, grober Menſch (vgl. Schlads).
Schlaraffe, m., -n, M. -n (ehem. Schlauraffe, Schluraff; v. dem
oberd. u. ſchweiz. Shlauren, niederd. fluren, flüren, f. ruhen, müßig, träge
u. nachläſſig ſein; mittelh. der slür, Kaulenzer; alfo eig. ein träger, müßig
gehender Affe), gem. ein Menfch, der in trägem Müßiggange u. forglofem
SHeyſe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 45
706 fhlarfen — Schlaud)
Leichtfinne nur dem Sinnengenuffe lebt; nach mährchenhafter Volksſage
EN. der Bewohner eines erdichteten Landes, das Schlaraffenland ge—
nannt (fr. Utopien, d. i. Nirgendheim, franz. pays de Cocagne), wo man ohne
Mühe und Sorgen im Überfluffe lebt; das Schlaraffenleben, ein bloß ge:
nießendes Müßiggängerleben.
fchlarfen, fchlärfen, fchlarren, ziellof. Zw. (mittelh. slerfen; oberd. auch)
ſchlarpfen; niederd. flarren, ſlären; vgl. ſchlüren, fchlürfen), gem. Schallw. f.
ee gehen, ohne die Füße gehörig aufzuheben; die Schlarfe oder
Schlarre, M. -n (oberd. aud) der Schlarfen, Schlarfel, Schtärfling),
gem. f. Pantoffel ohne Hinterleder, alte, hinten nicdergetretene Schuhe; die
Schlarrhade (gem. zgez. Stärke, Slartje), niederd. f. eine fchleppend ge-
hende, u. überh. eine träge bei. weibl. Perfon.
Schlatte, w., fchlatterig, Bw., ſ. Schladde ıc.
fchlattern, ziellof. 3w., oberd. f. Elappern; mit großem Geräufch blät—
tern.
Schlau, Bw., Comp. ſchlauer, Sup. ſchlauſt, (ſcheint im Althochd. zu feh-
ien; oberd. ſchlauh, ſchwäb. ſchlug, niederd. flou u. ale Hw. Slouke, eine
verfchmigte Perfon; isländ. slaegr, ſchwed. slug, dän. slu, engl. sly; vielleicht
verw. mit fhlagen, vergl. verfhlagen, u. die im Oberd. vorkommende
landſch. Bed. ſchief; vgl. ſchlimm), Elug und gewandt zu heimlicher Aus—
führung eigener— u. zur Entdedung und Bereitelung fremder Anfchläge,
finnv. verfchlagen, verfhmißt, liſtig (der Tchlaue Fuchs entging der Gefahr;
ein ſchlauer Menfch; ein fchlauer Plan ꝛc.); oberd. auch f. fonderbar, wun—
derlich, feltfam (das ift ſchlau); der Schlaufopf, ein fchlauer Kopf, eine
ſchlaue Perſon; die Schlauheit od. Schlauigfeit, das Schlaufen, finne.
Verſchlagenheit, Liſtigkeit; auch eine fchlaue Handlung, ein fchlauer Anz
ſchlag, finnv. Lift.
Schlaube od. Schlaue, w., M. -n, (niederd. Stu, Stuwe; vgl. Schlauf,
ſchlaufen, fchliefen), landſch., bef. preuß. f. Hülfe, Schale, Schote (von
Bohnen, Nüffen 2c.); daher ſchlauen, ziel. Zw., landſch. f. enthülfen, aus
der Schale nehmen (Nüffe).
Schlauch, m., -es, M. Schläuche (mittelh. slüch; vgl. das engl. slough;
wahrfch. nur Nebenform von Schlauf, altd. sluf, slouf; alfo von fchliefen,
ſchlaufen; vgl. Schlucht und Schluft), überh. ein vertiefter, hohler Raum,
daher ehem. f. Abgrund, tiefe MWafferftelle, u. be. f. Schlund, Kehle (nie
derd. Stufe); jest ein ſack- od. röhrenförmiges Behaltnifs von biegſamem
Stoffe, bei. um eine Flüffigkeit aufzunehmen oder fortzuleiten (lederne Wein-
ſchläuche, Sprisenfchläuche 2c.); auch das männl. Zeugungsglied größerer
Thiere, z. B. der Pferde, Efel ꝛc.; Pflanz. ein blattartiger, hohler, walzen-
förmiger Pflanzentheil; gem. f. ein herabhangender Bauch), daher auch
uneig. f. Freſſer, Schwelger ; — 3fes. ſchlauchartig od. -Ahnlich, ſchlauch—
fürmig, Bw.; der Schlauchbohrer, auch Schlauchnäber (1. Näber), ein
Bohrer, mittelft deffen der Wein durch die Schläuche aus den Fäffern gezogen
wird; der Schlauchſchwamm, eine Art ſchlauchförmiger Schwämme; die
Schlauhfprike, Feuerfprise mit langem ledernem Schlauche, Schlangenfprige;
das Schlauchthierchen, eine Art ſchlauchförmiger Aufgufsthiere; — Ableit.
ſchlauchicht, Bw., ſchlauchähnlich; ſchlauchen, Zw., ehem. f. den Schlauch,
d. i. den Bauch füllen, freſſen; jetzt nur in dem zgeſ. ausſchlauchen, d. i.
> ee
fhlaudern — fchlecht 107
das Innere eines Schlauches od. einer fchlauchähnlichen Röhre reinigen (7. B.
die Röhren einer Wafferleitung—).
fchlaudern, 3w. 1) zielos m. haben (oberd. auch ſchludernz val.
ſchlottern und das niederd. fluddern, fluren; zu unterfcheiden von dem abgel.
Factitivum ſchläudern od. gew. fhleudern, f. d.) fich fchnell und im
Schwunge hin und her beivegen, loſe hin u. her fahren, (von Dingen, die
nicht gehörig befeftigt find, z. B. eine Spule, das Holz an einer Drehbant
ſchlaudert), von einer Seite zur andern fehlagen (ein Schlitten fchlaudert) ;
übereilt, obenhin u. nachläffig arbeiten od. verfahren; Kaufm. Waaren
unter dem Preife verkaufen (er fchlaudert mit der Waare); 2) oberd. auch)
ziel. f. fehleudern ; insbef. eine Mauer—, durch Schlaudern, d. i. Schließ—
anker od. Strebehölger, befeftigen; die Schlauder, M. -n, oberd. f. Schleu-
der; Bauk. ein Schließanfer, Strebeholz, Mauerband; oberd. auch eine
fchlaudernde, d. i. fich übereilende Perſon; der Schlauderer, -$, wer
fihlaudert, z. B. im Handel; die Schlauderet, das Schlaudern; fchlau-
derhaft, fchlauderig od. fchlauderifch (auch ſchludrig), Bw. landſch. f.
unachtſam, haftig, fich übereilend, nachläſſig.
Schlaue, w., fehlauen, 3w., f. unter Schlaube.
fchlaufen, ziel. Zw. 1) (altd. sloufen, abgel. v. sliefen, slouf, fchliefen,
ſchlüpfen, f. d.) vit. f. etwas fchliefen od. hineinfchlüpfen machen, hinein=
thun, einhüllen, einEleiden (anſchlaufen, vlt. f. anziehen); 2) noch
landſch. f. aus dem Schlaufe nehmen, d. i. enthülfen, ſchälen; der Schlauf,
-es, M. -e, (altd. slouf) alt u. oberd. f. das, worein man fchlieft od. ſchlüpft,
was man anthut; Hülle, Mantel, Dede; ſchweiz. f. Muff; auch: Schale,
Hülfe, Schote (vgl. Schlaube); fchlef. eine Vertiefung, in welcher ſich Waffer
gefammelt hat (vgl. Schlau, Schlucht); die Schlaufe, M. -n, ſchweiz. f.
Schleife, Schlinge; landſch. auch der Gefchledhtstheil einer Stute.
Schlauheit, Schlauigkeit, Schlaufopf, f. unter fchlau.
fchlaunen, ziellof. 3m. m. haben, (auch ſchleunen und ſchleumen;
mittel). sliunen u. slünen; altd. sliumo, fchnell; vgl. fchleunig, befchleunigen),
oberd. f. vafch von Statten gehen, von der Hand gehen, fordern, guten
Fortgang haben (die Arbeit hat gefchlaunet; es will nicht ſchlaunen, vol.
flecken); fchlaunig, Bw., ſchwäb. f. unvermerkt; fchläunen (od. fhlönen)
ziel. Zw., fchweiz. f. heimlich naſchen; fehläunig, Bw. f. näſchig.
ſchlecht, Bw. u. Nw., Comp. fchlechter, Sup. fchlechteft, (urſpr.—ſchlicht,
f. d.; goth. slaihts, eben, glatt; altd. sleht, und bei. als Nw. auch slihte;
oberd. auch geſchlecht u. als Nw. in der Bed. geradezu, fchlechthin: fchlet,
ſchet; niederd. fligt; dän. slägt, ſchwed. slät, angelf. slith, engl. slight; ital.
schietto) 1) ehem. u. noch Tandfch., in einzelnen Anwendungen auch hochd., in
günftiger Bed.: eben, glatt (entg. rauh; bibl. was höckerig ift, Toll ſchlecht
werden); gerade (entg. krumm; bibl. das Krumme fchlecht machen; ſprichw.
Geld macht krumme Sachen fchleht, vgl. fchlichten); Eunftlos, einfach, un—
geſchmückt, jest gem. fchlicht (ein fchlechtes Kleid tragen; mit ſchlechten
Worten, ehem. f. mit bloßen, einfachen Worten, ohne förmlichen Eid; ſchlecht
und recht, d. i. einfach und gerade oder gehörig); daher als Nw. alt und
oberd. f. geradezu, ohne Umfchweif, durchaus, bloß, nur, vergl. ſchlecht⸗
bin, ſchlechtweg, fchlechterdingsz ferner im fittl. Verftande: gerade, auf:
richtig, ehrlich, vedlich, rechtfchaffen, bieder (z. B. gute ſchlech te Freunüs
45*
708 Schlechte — ſchlecken
ſchaft, f. aufrichtige; ſchlecht und recht 2c.); dem Werthe od. Stande nach:
gewöhnlich, nicht ausgezeichnet, nicht vornehm, gemein, gering (3. B.
oberd. die ſchlechten Leute, f. der gemeine Mann; ein ſchlechter Edelmann,
d. i. ein gewöhnlicher; ein ſchlechter Schaden, d. i. ein geringer; ſchlechtes
Bold, d. i. geringhaltiges, Leichtes; — diefe Bed. macht den Übergang zu der
folgenden); 2) jest gew. in nachtheiliger Bed. nicht die erforderliche Be—
fohaffenheit habend, ungut, unvolllommen, ungenügend, unbrauchbar,
widrig, ungünſtig, entg. gut, von weiterer Bed. als die finnv. übel, ſchlimm,
arg, (z. B. ſchlechtes Brod; ſchlechter Wein; ſchlechte Waare; fchlechte Ent-
Thuldigungen; ein ſchlechter Troſt; ſchlechte Beſoldung; ein fchlechter Bezah—
ler; ein ſchlechter Jäger, d. i. ein untüchtiger, unwiſſender; eine ſchlechte
Ernte; ſchlechte Zeiten, d. i. nahrungsloſe; ſchlechtes Wetter, d. i. unfreund-
liches, ungünftiges); insbef. in Beziehung auf die Empfindung, das Ber
finden, die Lage einer Perfon: nicht gut, übel, fchlimm (es wird ihm
ſchlecht bekommen; mir war dabei ſchlecht zu Muthe; es geht ihm ſchlecht, es
ſteht ſchlecht mit ihm, d. i. er befindet fich in einer übeln Lage; der Kranke
befindet fich ſchlecht); in fittlihem Verftande: nichtswürdig, niederträchtig,
böfe (ein fchlechter Menfch od. gem. Kerl; ſchlecht an Semand handeln; eine
Thlehte Aufführung; gem. einen ſchlecht machen f. ihn herabfegen, in
ſchlechten Ruf bringen); — 3Tes. ſchlechterdings, Nw. (oberd ſchlechter
Dingen), ohne Einfchränkung, unbedingt, durchaus, völlig, niebderd. plat-
terdings (es ift fchlechterdings nicht wahr; er will es ſchlechterdings);
ſchlechthin, Nw., ganz einfach, ohne weiteren Zufag oder Umfchweif, bloß,
nur (3. B. nenne mid) jchlehhthin bei meinem Namen); landſch. auch f. ſchlech—
terdings, durchaus; fchlechtiweg, Bw., ohne Umftände, geradezu, ohne Wei—
teres, finnv. ſchlechthin, kurzweg, landſch. auch glattweg; der Schlechtfalf,
eine Falkenart, auch Blaufuß, großer Weißbade; der Schlechtfärber, landſch.
f. Schwärzfärber, z. U. v. Schönfärber; — Ableit. die Schlechte 1. laltd.
slehte) od. gew. die Schlechtheit, das Schlechtſein, die geringe, ungenü—
gende Beſchaffenheit; die Schlechtigkeit, das Schlechtſein in ſittlichem
Verſtande, ſinnv. Nichtswürdigkeit, Bosheit; ſchlechtlich u. ſchlechts, Nw.
(altd. slehtliche; slehtes), alt und oberd. f. gerade, geradezu; bloß, nur,
finnv. —— ſchlechtweg.
Schlechte 2., w., M.-n (von ſchlagen, Schlacht, ſ. d.), Waſſerb. ein
Damm von Reisbündeln, auch Schlacht; Bergw. eine Schicht, Lage,
ein Flöz.
fchleden u. fchledern, ziellof. u. ziel. Zw. (isländ. sleikia, ſchwed. sleka,
slicka; wohl nur verftärkende Nebenform von lecken), gem., mit ausge-
ftreefter Zunge hörbar lecken; in Eleinen Biffen ſchmatzend fen; oberd.
auch überh. f. nafchen, (bef. in den zgef. ab-, auf-, ausſchlecken 2c.); der
Schleck, -e3, M. -e (altd. slec, ©. sleckes), landſch. gem. f. das Schleden,
Naſchen; der Biffen, bef. Leckerbiſſen; ehem. auch f. Schleder, Leder:
maul; der Schledbiffen, die Schledfpeife, landſch. f. Leckerbiſſen, Leckere
Speife; der Schleckkoch, wer dergleichen bereitet; der Schleckmarkt, Markt,
wo ledere Speifen verkauft werden; dag Schled- od. Schledermaul, gem.
f. Leckermaul; das Schlederwerf, allerlei leckere Speifen, Lederbiffen; —
der Schleder, die Schlederinn, gem. wer gern ſchleckt, d. i. Leckerbiſſen
ifft, ein Leckermaul; Jäg. ein Hirfch, der Eeinen richtigen Wechfel hält; die
1
Schleef — fchleichen 109
Schlederei, das Schleden, Naſchen; Nafchwerk, Lederbiffen (M. Schles
dereien); fchlederhaft, Bw., gern fchledend, leder, naſchhaft.
Scleef, m., -e3, M. -e, (niederd. Sleef, -isländ. sleif, ſchwed. slef,
dän. slof), niederd. 1) ein großer hölzerner Kochlöffel; 2) uneig. ein grober,
plumper u. träger Menſch; daher fchleefhaftig, Bw., niederd. f. plump,
träge, dumm.
fchleh, Bw. (niederd. flee, ſlei; ho. sleeuw; jchwed. slö; vgl. das altd.
sle, G. slewes, oberd. ſchlew, ſchlewig, f. ftumpf, matt, lau, Eraftlos,
träge, angelf. sleav, engl. slow), landſch. f. herbe, zufammenziehend von
Gefhmad u. dadurdy die Zähne ftumpf machend; auch f. ſtumpf (die Zähne
werden ſchleh; niederd. auch von einem Meſſer 2c.); ſchlehen, ziellof. u. ziel.
Zw. (altd. slewen, lau, matt, fumpf werden), landſch. f. herbe fein; ftumpf
fein oder werden; ftumpf machen (die Zähne); — die Schlehe, M. -n,
(altd. sl&ha, slehe, slech, oberd. Schleh, niederd. Slee; holl. sleuwe; ſchwed.
slä, dän. slaa; angelf. sla, slag, enal. sloe), die runde, fchwarzblaue, herbe
fchmedende Frucht eines zum Geſchlecht des Pflaumenbaumes gehörenden dor—
nigen Strauches, genannt: der Schleh- od. Schlehendorn, auch Schleh—
baum, Schlehenbufch od. -ftrauch, Schwarzdorn (prunus spinosa L.); die
Schleh: od. Schlehenblüthe, die weise Blüthe des Schlehdorns ; die Schleh-
dorn- oder Schlehenflechte, eine auf dem Schlehdorn wachfende weißliche
Flechte, weißes Lungenkraut 2c.; das Schlehenmus, zu Mus eingefochter
Schlehenſaft; ſchleh- od. fchlehenroth, Bw. für eine Art ſchlechter, herber,
rother Weintrauben: fehlehrother Wein od. Schlehentrauben; der Schleh-
od. Schlehenwein, auf zerftoßene Schlehen gegoflener Wein; fchlehweiß,
Bw. (oberd. ſchleblüeweiß; gem. verderbt: ſchlohweiß, welches jedoch auch
aus ſchloßweiß entft. fein ann), glänzend weiß wie Schlehblüche.
fchleichen 1. ablaut. 3w.: Impf. ſchlich, Conj. ſchliche; Mw. geſchlichen,
(althochd. slihhan, Prät. sleich, wir slihhun, Mm. gislihhan; mittelh. slichen,
sleich, slichen; oberd. ſchleichen, ſchlich und fchleichet; niederd. ſliken, Tleek;
ſchwed. slika; angelf. slincan, engl. slink) 1) ziellos m. fein, fid) langfam
und leife fortbewegen, insbef. bibl. von der Bewegung der Schlangen und
Gewürme, finnv. kriechen; langfam und leife gehen, mit dem Nebenbegriff
der Heimlichkeit (der Fuchs ſchleichk nach dem Hühnerftalle ; der Dieb ift aus
dem Garten gefchlichen); uneig. auch von Flüffigkeiten, Krankheitsftoffen und
untörperlichen Dingen: fid) langfam bewegen, langfam vergehen od. ver—
“fliegen (das Blut fchleicht träge in feinen Adern; die Zeit fchleicht dem Un—
glüctichen hin; eine fchleichende Krankheit zc.), allmählich u. unmerklich um
fid) greifen (ein fchleichendes Gift; die im Finftern ſchleichende Bosheit u. dgl.);
heimlich und verſteckt verfahren (in diefem Sinne m. haben, 3. B. er hat
lange gefchlichen, bis er feinen Zweck erreichte); 2) rüdz. fich—, fich fchlei-
chend von einem Drte weg, od. nad) einem Drte hin bewegen (4. 8. er
fchlich fich fort, aus dem Haufe, in den Garten 2c.; eine Thräne fchlich fich
aus ihrem Auge); — fchleichen 2. bloß umend. ziel. 3w. (mittelh. sleichen,
sleichte; oberd. fchlaichen, geſchlaicht; das abgel. Factitivum des vorigen),
alt u. oberd. et was — f. heimlich irgendwohin thun oder bringen (einem
etwas in die Hand —; verbotene Waaren über die Grenze fchleichen, durch-,
aus-, einfchleichen; vgl. Schleichhandel; oberd. ein fremdes Kind unter-
ſchleichen f. unterfchieben; vgl. Unterihleif); — 3Te$. von fchleichen 1.:
110 Schleie — Schleier
der Schleichbrief, landſch. Rſpr. eine Urkunde über die gefchehene Vertaufchung
zweier Dinge; der Schleichdruder, wer heimlich verbotene Bücher drudt;
auch f. Nachdrucker; der Schleichgang, ein ſchleichender Gang; ein heim-
licher oder verſteckter Gang od. Weg, eig. u. uneig.; das Schleichgut, die
Schleichwaare, gutes Neuw. f. das fr. Gontrebande; der Schleichhandel,
Handel mit verbotenen, heimlich eingeführten Waaren; der Schleihhändler,
wer Schleichhandel treibt, auch Schleifhändler, landſch. Schmuggler,
Schwärzer, Pafcher; die Schleichtreppe, eine verborgene Treppe, auch
Schleiftreppe; der Schleichweg, ein heimlicher, verborgener, auch wohl
verbotener Weg, insbeſ. Säg. ein Fußfteig im Gehölze, auf weldhem fie das
Wild befchleichen; uneig. eine heimliche, unerlaubte Weife, feine Abficht zu er-
reichen; — Ableit. v. ſchleichen 1.: der Schleicher, -$, die Schleicherinn,
M.-en, wer fehleihht, uneig. wer heimlich und verftedt handelt, fin.
Leifetreter; Natur. eine Art Eurgbeiniger Eidechfen; auch eine auf der Erde
hinkriechende Pflanze (serpicula); die Schleicherei, verächtl. das Schleichen,
Leife- Auftreten, Berftethandeln.
Schleie, n. A. Schleihe, w., M.-n, (andſch. auch die Schleiche und
der Schleiz altd. der slio, slie, slige, des sligen; oberd. der Schleijen,
Schleien; niederd. Slie, Sligger; dän. slie; von einer Wurzel sli, fchleimig,
ſchlüpfrig? vgl. das hannöver. ſchlei f. feucht), ein bekannter eſsbarer Fluſs—
fiſch, der fid) im Schlamme aufhält und mit diem, ſchlüpfrigem Schleime
bedeckt ift; auch f. die Bleihe od. Plöge, f. d.
Schleier, m., -8, M. w. E., Verkt. das Schleierchen, (mittelh. sleiger,
sleir, sloigir, m., u. sloir, f.; oberd. der Schlaijer, Schlair; niederd. Slijer,
Sliger, ehem. auch Sloger; holl. sluyer, ſchwed. slöya, dän. slöer), urfpr.
überh. Hülle; insbe]. ein leichtes, loder gewebtes Tuch, zur Verhüllung
des Gefichts od. auch des ganzen Dberleibes von Frauen getragen, bef. bei
der Trauer, und zur Kleidung der Nonnen gehörend (daher: den Schleier neh—
men, d. i. Nonne werden); landſch. auch ein loder gemwebter feiner Leinen-
zeug, f. v. w. Schleierleinwand, Schleiertuch (fr. Linon); uneig. alles, was
eine Sache zu verbergen dient (z. B. die Wahrheit ohne Schleier darftel-
len); — 3feg. die Schleiereule, eine Art fchön gegeichneter Eulen, deren
Augen durd große haarähnliche Federkreife gleichſam verſchleiert find, Kirch-
Thurm-, Buſch-, Perleule, geflammte Eule 2c.; auch die gemeine Nachteule;
der Schleierflor, zu Schleiern dienender Flor (f. Flor 3.); die Schleier:
haube od. -Fappe, eine das ganze Geficht verhüllende Haube ze. (oberd. auch
Kiegelhaube); das Schleierlehen, 1. v. w. Kunkellehen, Weiberlehen; die
Schleierleimwand, f. o.; ſchleierlos, Bw., ohne Schleier, unverſchleiert;
uneig. überh. f. unverhüllt, unverborgen; der Schletermacher oder = weber,
landſch. wer Schleier, d. i. Schleierleinwand, webt; die Schleiermeife, eine
Art Meifen mit einer weißen fchleierähnlichen Platte auf dem Kopfe; die
Schleiernatter, eine Art ameritan. Nattern, gebänderte Natter; die Schleier:
taube, eine Abart der zahmen Taube mit langen fchleierähnlichen Federn zu
beiden Seiten des Hinterkopfes, Nonnen-, Kappentaube; das Schleiertuch,
ſ. 0.5 — Ableit. fchleierig, Bw., mit einem Schleier verfehen, verfchleiert;
fhleiern, Bw., oberd. f. von Schleiertuch gemacht; fehleiern, ziel. Zw.,
mit einem Schleier verfehen (eine Braut), — verhüllen, gem. verſchleiern;
Bergw. den Kolben einer Röhre—, d. i. mit Lappen umwideln.
fchleifen 11
fchleifen 1. ablaut. 3w.: Impf. ſchliff, Gonj. fhliffe; Mm. gefchliffen,
(altb. sliphan, slifan, slifen, Prät. sleif, sliffen; Mw. gislifan, gesliffen ; oberd.
fchleifen, Schliff u. fchleifet; niederd. flipen, fleep u. flipede; hol. slippen, slui-
pen; angelf. slipan, slupan, engl. slip, ſchwed. slipa, ſämmtlich: gleiten, fchlü-
pfen; vgl. fchliefen, Schlaufen, fchlüpfen, fchleppen, von den Wurzeln slip, slif,
slup, sluf, glatt, fchlüpfrig (daher ſchwäb. ſchleif als Bw. f. fchleimicht, geläu—
fig), u. Tchleichen von der verwandten Wurzel slik, slih), 1) ziellos m. haben,
alt u. oberd. f. gleiten, fich gleitend bewegen, fchlüpfen, fallen (z. 8. nie
der=, hinfchleifen, einem entichleifen; ausjchleifen, ſchwäb. f. ausgleiten ꝛc.;
das lat. labi); landſch. auch f. ſchleichen; bef. auf einer Eisbahn gleiten,
glitſchen, fhlittern; auch eine Art zu tanzen, wobei man mit den Füßen
den Boden ftreift; (jest im Hochd. in ziellofer Bed. völlig durch das umend.
Schleifen 2. verdrängt); 2) ziel. ehem. f. gleiten laffen, unvermerkt wohin
bringen, fchieben; jegt noch: glatt machen (fr. policen) u. dadurch (Schneide:
werkzeuge) ſcharf machen, fchärfen, wesen (Edelfteine, Marmor, Glas ꝛc. —;
Meffer, Scheren ꝛc. —; ein fcharf gefchliffener Degen z2c.; auch ohne Zielm.,
3. B. diefer Stein fchleift gut); uneig. einer Perfon das Rauhe, Ungefäl-
lige, Unmanierliche benehmen, fie artig, gefittet, höflich machen, finnv.
“ glätten, verfeinern (z. B. er mufs noch gefchliffen werden) , bei. dag Mw.
geſchliffen (1. d.), entg. ungefchliffen, als Bw.; — fchleifen 2.
bloß umend. 3w.: fchleifte, gefchleift (altd. sleifen, sleifte; oberd. fchlaifen,
fchlaipfen; niederd. flepen; holl. sleepen; ſchwed. slaepa; urfpr. das abgel.
Factitivum von fchleifen 1.) 1) ziel. a) machen, dafs etivas fehleift od. glei=
tet, es gleiten laffen, auf einer Fläche gleitend fortbewegen, fortziehen,
finnv. fchleppen (4. B. ein Kleid nad) ſich —; ein Stüd Bauholz an die Bau:
ftelle— ; einen Miffethäter auf einer Kuhhaut zum Richtplatz —; auch ohne
Zielw.: der Fifcher Schleift, wenn er das Netz auf dem Grunde hinzieht) ;
in engerer Bed. auf einer Schleife (1. u.) fortfhaffen (Waaren zc.); uneig.
Laute od. Töne —, d. i. ohne Stoß u. Abfaß gleichfam gleiten u. in ein-
ander fließen laffen (zwei Buchſtaben, zwei Noten werden gefchleift; entg.
abftoßen, abfegen; auch ziellos von dem Gefchrei des Auerhahns im Balzen:
der Auerhahn ſchleift); b) ſinken laffen, fenfen (eine Keuermauer—, d. i.
in Schräger Richtung aufführen); machen, dafs etwas fällt, niederreißen, ein-
reißen, dem Boden gleicy machen (eine Feſtung, Stadt —; oberd. au:
verfchleifen); c) durch oder in einander gleiten laffen, finnv. ſchlingen
(ein Band, einen Knoten—, d. 1. in die Geftalt einer Schleife bringen);
auch mit Schleifen od. Schlingen verfehen (einen Hut); 2) in der neueren
Spradhe auch ziellos m. haben (ftatt des ablaut. fchleifen): auf einer
Fläche hingleiten, fchleppen (das Kleid fchleifte auf der Erde; die Kette
f&hleift hinten am Wagen; der Schlitten fchleift; er hat auf dem Eife ge
ſchleift, oberd. x. geichliffen, ſ. 0.); — 3Tesg. von fchleifen 1. und 2.: die
Schleifbank, ein Geftell, auf od. vor welchem man etwas fchleift, d. i. glättet
od. Shärft; der Schleifbaum, Web. ein Baum, an welchem die Kette her—
unter ſchleift od. gleitet; der Schleifhaken, — der Scherenſchleifer zum
Anhängen der Scheren ꝛc.; der Schleifhandel, Schleifhändler, landſch. f.
Schleihhandel 2c.; die Schleiffanne, eine große hölzerne Kanne mit einer
Schnauze u. Handhabe (vielleicht weil fie mehr fortgefchleift, ald getragen wird;
n. A. von Schleife, d. i. der hölzerne Bügel auf dem Dedel?); die Schleif-
12 Schleihe — Schleim
lade, eine Art Windladen an Orgeln; die Schleifmühle, ein Mühl: oder
Triebwerk zum Behuf des Schleifens von Glas, Meffern 2c.; die Schleifnabdel,
eine breite Haarnadel, die geflodhtenen Haare darum zu wideln u. aufzufteden;
landſch. auch f. Schnürnadel; die Schleifrebe, Nebenfchöfsting an Weinftö-
den; die Schleiffchale, eine metallene Schale, in welcher Brillengläfer ıc.
geſchliffen werden; auch Schleifſchüſſel; die Schleiffcheibe, metallene Scheibe,
an welcher die Steinfchleifer die Edelfteine ſchleifen; der Schleifitein, eine
drehbare Scheibe von feinförnigem Sandftein, an welcher Schneidewerkzeuge
gefchliffen werden, auch f. Wetzſtein; die Schleiftreppe, der Schleifmweg,
ſ. v. w. Schleijtreppe, weg; der Schleiftrog, der mit Waffer gefüllte Trog
unter dem. Schleiffteine, welcher darin angefeuchtet wird; der Schleifzügel,
eine Art leichter Zügel für junge Pferde; — Ableit. die Schleife, M. -n,
Verkl. das Schleifchen, 1) was fihleift, od. dazu dient, etwas fchleifend
fortzufchaffen: ein fchlittenartiges Geräth zum Fortichaffen von Laſten (mit-
telh. sleife, oberd. die Schlaifen); 2) was gefchleift wird od. fihleppt, z. 8.
Jäg. eine an eine Schnur gebundene Xodfpeife, welche vor dem Holze her
gezogen wird (auch Schleppe, Gefhlepp); landſch. auch f. Schleppe
eines Kleides; 3) mas gefchleift, d. i. durch einander gefchlungen ift: eine
Bandfıhleife, Schlinge (oberd. die Schlaifen); Jäg. eine Schlinge von
Haar oder Faden zum Vogelfang, insbef. fofern fich der Vogel darin an den
Füßen fängt: Schleife (Hingegen Schlinge, worin er ſich am Halſe fängt);
landſch. auch f. Ohr, Ohſe; 4) oberd. (die Schleifen) f. Schleifbahn, Eis—
bahn zum Gleiten; der Schleifer, -8, M. w. E. 1) wer etwas fchleift,
d. i. glättet od. fchärft, bef. in Zfeg. wie Glas, Stein, Scherenichleifer 2c.;
weibl. die Schleiferinn; 2) Tonk. zwei oder mehre gefchleifte, d. i. gebun-
den vorgetragene Noten; 3) eine Art deutfchen Kreistanges, wobei man
mit den Füßen über den Boden hin fchleift, u. die Tanzweiſe dazu; daher oberd.
ſchleiferiſch tanzen; das Schleiferlied, das diefen Tanz begleitende Lied;
das Schleiffel, -3, o. M., was beim Schleifen abfällt, auch: die Schleif-
fpäne; die Schleifung, das Schleifen, bef. einer Feftung zc. (f. o. fchleifen
2. 1) b; außerdem gew. das Schleifen, z. B. der Meffer zc.).
Schleihe, w., 1. Schleie. |
Schleim, m., -es, M. (felten) -e, (altd. slihmo (vielleicht v. slihhan,
fchleichen) u. slim, isländ. u. angelf. slim, engl. slime, ſchwed. slem, niederd.
Sliem; vgl. das mittelh. slijen, fehmieren, auch: Schlamm, Leim zc.), eine
zähe, fchlüpfrige, fih im Waffer auflöfende Feuchtigkeit, fowohl als Pflan-
zenftoff, bef. aus verfchiedenen Samen-Arten gezogen, finnv. Seim (z. B. Ger:
ften-, Graupen-, Haferfchleim),, als auch aus den Schleimhäuten thierijcher
Körper fih abfondernd (Schleim in der Nafe, gem. Rotz; bei. auf der Bruft
. u. im Halfe); oberd. uneig. f. Galle, Arger (einem einen Schleim machen;
einen Schleim. kriegen u. dgl.); Fleiſch. das Fleifchige von dem Vorderfuße
eines fetten Rindes; — Zfes. der Schleimapfel, die efsbare Frucht des
Schleimapfelbaumes in Oftindien; fehleimartig, Bw.; die Schleimdrüfe,
Drüfen im menſchl. u. thier. Körper, welche Schleim abfondern; das Schleim:
fieber, von Verfchleimung herrührendes Fieber; der Schleimfifch, Rotzfiſch;
das Schleimharz, ein fchleimiges, in Waffer auflösbares Harz (fr. Gummi);
die Schleimhaut, eine mit Schleimdrüfen verfehene Haut, bef. in der inneren
Naſe; die Schleimnatter, fchlüpfrige Natter, eine Art Heiner Nattern in
Be
ſchleißen 713
Indien u. Südamerika; das Schleimpflafter, ein aus Pflunzenfchleimen zu:
bereitetes Pflafter; der Schleimpfropf, ein Eranthaftes fchleimiges Gewächs
in der Naje oder am Herzen; der Schleimfad, Anat. häutige Behälter an
manchen Flechfen, aus welchen eine ſchleimichte Feuchtigkeit, die Sehnenichmiere,
abgefondert wird; die Schleimfäure, Scheidek. eine aus Pflanzenfchleim ge
wonnene unvolllommene Säure; die Schleimfchlange, eine mit Schleim
überzogene unſchädliche Runzelfchlange in Indien u. Südamerika; der Schleim-
flaar, Heilk. Blindheit durch Anhäufung einer ſchleimichten Feuchtigkeit; der
Schleimftein, eine Art weißlicher, ſchlüpfriger Steine; das Schleimthier,
ſ. Weihthier; der Schleimwurm od. Schleimaal, eine Art großer, fchlü-
pfriger Eingeweidewürmer der Fifhe, auch: Fiſchwurm; — Ableit. ſchlei—
micht, Bw., fihleimähnlicy; fchleimig, Bw., Schleim enthaltend, od.
erzeugend; fchleimen, Zw. 1) zielos m. haben, Schleim hervorbringen
od. erzeugen (fchleimende Speifen 2c.); 2) ziel. von Schleime befreien, tei-
nigen, f. v. mw. ab= od. entfchleimen (Schleien, Aale 2..—); ſich —, bair.
f. zornig fein; fchleimeln, 3w., bair. f. nafchen.
fchleißen, 3w., ablaut. Impf. ſchliſs, Conj. ſchliſſe, Mw. gefchliffen
(andſch. unrichtig: ſchloſs, Tchlöffe, geichloffen), in zielender Bed. auch bloß
umend. ſchleißte, geſchleißt, (altd. slizan, slizen, sleiz, geslizzen, oberd.
ſchleißen, fchliß 2c., u. daneben das abgel. sleizan, sleizen, sleizte, oberd.
ſchlaißen; beide in zielender Bed.; niederd. fliten, ftect (Atem; angelſ. slitan,
engl. slit, isländ. u. ſchwed. slita, dän. slide; vgl. Schlitz, ſchlitzen; uripr.
überh. fpalten, reißen), 1) ziellos m. fein, —**— f. reißen, ſich abnutzen
(ein Kleid, ein Hemd ꝛc. ſchleißt, iſt geſchliſſen; vgl. ver-, zerſchleißen); ehem.
auch f. vergehen, verfließen, von der Zeit; 2) ziel. reißend ſpalten od. ab:
ziehen (Weiden, Kienholz; Federn—, d. i. die haarigen Theile von den Kie-
len reißen; z. B. wir haben Federn gefchleißt od. gem. geichliffen; gefchliffene
Federn); oberd. f. flreifen, ab⸗ od. ausftreifen (einen Darm—; aud) ziellos
f. im Gehen den Boden ftreifen, ſchleppend gehen); ferner f. fchälen, ent=
häuten, fchinden (einen Baum — , ein todtes Thier—); u. f. zerbrechen,
zerftören, niederreißen, fchleifen (Mauern, Häufer); uneig. ehem. f. einen
Ort verlaffen (das Land ſchleißen); und f. eine Zeit zubringen, zu Ende
bringen (fein Leben ꝛc. —; niederd. fliten); — 3ies. der Schleißbaum od.
die Schleißkiefer, -fohre, landſch. f. Kiendaum; die Schleißfeder, ftärkere
Federn, welche zum Ausftopfen der Betten gefchleißt werden müflen, z. U. v.
Flaumfedern; das Schleißholz, zu Schleifen brauchbares Holz, bef. Kien—
Holz; die Schleißzwiebel, Winterzwiebel, weil fie ſich oben zu fpalten pflegt,
auch Spaltzwiebel; — Ableit. die Schleiße, M. -n, gefchliffene Holzfpäne,
(franz. Eclisse), bei. von Kienholz, auf dem Lande ftatt der Lichte od. Lampen
dienend, Brenn-, Leuchtfpane; auch f. Zupfleinwand oder Wundfäden
(fr. Charpie), und die dazu beftimmten leinenen Lappen; oberd. auch der un-
brauchbare Kiel geichleißter Federn; landſch. eine Art grober Nudeln; der
Schleißenfihniger, ein Meffer zum Schnigen der Schleifen od. Leuchtſpäne;
der Schleißenftod, ein Stod, in welchen die Schleigen zum Leuchten geſteckt
‚werden; — der Schleißer, -8, die Schleißerinn, M. -en, wer etwas
ſchleißt, bei. in Zſetz. wie Federfchleißer zc.; ſchleißig, Bw., oberd. (au)
ſchleiß) f. abgenust, abgetragen (von Leinwand u. bald; auch f. leicht zu
ſchleißen od. zu fpalten (fchleigiges Holz).
114 fhlemm — fchlengen
fchlemm, ſchlemmig, Bw., ſchlemms od. fchlems, Nw. (f. Ihlimm),
oberd. f. ſchief, ſchrägz abhängig; daher fchlemmen 1. ziellof. Zw., ſchweiz.
f. in fchräger Richtung ab - oder einwärts laufen.
fchlemmen 2. 3w., Schlemmfafs, -pinfel ꝛc. ſ. ſchlämmen ıc. unter
Schlamm.
fchlemmen 3. ziellof. Zw. (wahrfch. aus ſchlempen entft. von Schlamp,
fchlampen, f. d. u. vgl. Schlamm 2.; niederd. flömen, hol. slemmen, slempen,
ſchwed. slemma),, im Effen und Trinken höchſt unmäßig und üppig fein,
bef. hinfichtlich der Menge des Genoffenen, finnv. ſchwelgen, praffen (ber
Grobfinntiche Ihlemmt; der Wollüftige ſchwelgt; der reihe Verſchwender
prafit); die Schlemm, oberd. f. Schmauferei; der Schlemmer, -$,
die Schlemmerinn, wer fhlemmt; die Schlemmeret, das Schlemmen,
die Unmäßigkeit u. Verfchwendung im Effen u. Trinken.
Schlempe 1. w., M. -n, landſch. f. Schlinge, Schließe; das Schlemp-
holz, verfchiedene Hölzer im Schiffbau; der Schlempklotz, Schiffb. f.
Kielklotz.
Schlempe 2. w., o. M. (vgl. Schlamp, Schlampe), landſch. der Abfall
in Branntweinbrennereien; der Schlemps, im Osnabrück. eine ſchlechte
Suppe.
ſchlendern, zielof. Zw. m. fein und haben, (oberd. aud) ſchlentern,
ſchlenzen; niederd. u. holl. slendern; vgl. das isländ. slen, Faulheit, slanni,
ein träger, ſchlaffer Menſch; fchwed. slens, träge, müßig, slentra, müßig
fein; hol. auch lenteren, daher franz. lanterner; vgl. das lat. lentus), lang-
fam, gemächlich und nachläffig gehen, meift mit dem Nebenbegriffe der Träg-
heit und Gedankenloſigkeit (er ift fort=, hingefchlendert zc.; er hat lange ge-
fchlendert); der Schlender, -8, (niederd. Stender) 1) f. v. w. Schlender-
gang, Schlendrian; 2) Landfch. eine Art langer, weiter, bequemer Frauen⸗—
Eleider; der Schlendergang, ſchlendernder, nachläffiger Gang; uneig. f. v. w.
der Schlendrian, -e8, M. -e ungebr. (niederd. Slenderjaan, d. i. ur
fpr. [hlendernder Johann, daher auch f. müßig gehender, nachläffiger
Menſch, vgl. Dummerjan, Grobianz; dann umgedeutet in die latein. Endung
-janus, daher ſchon im 15. Sahrh.: Schlendrianus; fehwed. slenterjan),
gem. f. das gedankenlofe Handeln nach hergebrachter Weife; be. der
herkömmliche langſame Gefhäftsgang; jede Verfahrungsart nach alter, unver»
befferter Gewohnheit (dem alten Schlendrian folgen; der Schlendrian des
Rechtsganges 2c.).
fhlengen, ziel. 3m. (mittelh. slengen, slancte; isländ. ſchwed. slengia;
abgel. factitive Nebenform von fhlingen, ſchlang 2c.), alt und landſch.
1) oberd. f. fehwingen, ſchwenken (z. B. Wäſche ausfhlengen); ſchwin—
gend werfen, fehleudern, (ehem. bef. einen zur Strafe ins Wafler fchlengen,
d. i. an einem Stricke Schnell ins Waſſer tauchen u. wieder herausziehen, eine
Strafe der Bäder, die zu leichtes Brod baden); 2) niederd. ([lengen) f.
winden, flechten; 3) (von Schlenge 2) mit einer Schlenge verfehen; die
Schlenge, M. -n, 1) oberd. (die Schleng; altd. slenge) f. Schleuder
(auch: die Schlenger, altd. slengira, slenger) ; 2) niederd. ein in das Waſſer
gebautes Flechtwerk, eine Schlacht (4. B. Fluthſchlenge, als Damm ge—
gen das Waffer zur Fluthzeit; Scherfhhlenge, in Geftalt einer Krebs—
ſchere); daher das Schlengengeld, der Schlengenmeifter zc.; der Schlen-
)
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ſchlenkern — fchleppen 115
gel, -8, niederd. eine mit Löchern verfehene Schnur, durch welche eine an-
dere gefchlungen wird, zum Zufchnüren dienend; ein einfaffender Rand der
Brunnen-Öffnungen, Kellerlöcher u. Treppen 2c.; auch ein Eleines Wehr; der
Schlenger od. Schlengerer, -$, (altd. slengari, slenger, u. slengirari, slen-
gexaere), altoberd. f. Schleuderer.
fchlenfern, 3w. 1) ziellos (oberd. ſchlenkeln, ſchlänkeln; von ſchlanken,
ſchlank, ſ. d.) herabhangen u. fich ſchwankend hin und her bewegen, finnv.
baumeln (die Arme fchlenkern laffen; auch: mit den Armen, mit den Füßen
ſchlenkern); landſch. gem. auch f. fihlendern; oberd. von Dienftboten: aus
einem Dienft in den andern treten, den Dienft wechfeln (daher: die
Schlentermagd; der Schlenkler, die Schlenklerinn, austretender
Dienftbote; die Schlenfelweile, die Zeit zwifchen dem Austreten aus
einem Dienft u. dem Wiedereintritt in einen neuen); 2) ziel. (altd. slenkern;
niederd. auch flingern, flunfern; verftärkte Nebenform von [hlengen), gem.
f. f[hwingen, fchwingend werfen, fchleudern (etwas von fich ſchlenkern 2c.);
der Schlenfer, —s, ehem. ein weites Kleidungsftüd, vgl. Schlender;
Wafferb. ein langes, ſchwankes Holz zu Unterlegern auf Geftellen 2c.; oberd.
(auch Schlenkerer) uneig. f. ein Fehler, Verſehen; die Schlenfer, M. -n
(niederd. Slenker; vgl. Schlenge), vit. f. Schleuderz das Schlenferbein,
der Schlenferfuß ꝛc., fchlenkerndes Bein zc., Schlotterbein zc.; daher fchlen-
"Ferbeinig, =füßig, Bw.; die Schlenkerhede (f. Hede), landſch. f. Abfall
beim Hanfhecheln; der Schlenkerfchlitten (niederd. Stenkerflede), ein Kleiner
Schlitten, der, mit einem Strick an einen Pfahl befeftigt, im Kreife herum
geſchlenkert wird.
fhlenzen, 3w., oberd. 1. ziellos f. fehlendern, müßig gehen (ſhwed.
slenta, niederd. auch ſchlunzen); daher der Schlenzer; die Schlenzerei ıc.;
fchlenzig, Bw., ſchwäb. f. lahm; mager; heruntergefommen in der Klei-
dung, im Vermögen; — fihlenzen 2. ziel. ſ. v. w. fchlengen: ſchleudern ıc.,
auch f. reißen (wohl aus ſchlengzen entjt.); daher der Schlenz od. Schlen-
zer, ſchwäb. f. weggefchleuderter Nafenfchleim (bair. Schlenkterling),
Rotz; Riſs in einem Kleide.
fchleppen, 3w. (niederd. flepen; eig. die ins Hochd. aufgenommene niederd.
Form f. Schleifen, fchleifte zc.; vgl. Lippe, Suppe, Wappen u. a. m.;
holl. sleepen, isländ. sleppa, ſchwed. slaepa, dän. slebe) 1) ziellos m. haben,
auf der Erde fchleifend nachgezogen werden (das Kleid, der Mantel fchleppt;z
der Anker fchleppt, wenn er nicht eingreift, fondern von dem treibenden Schiffe
fortgegogen wird); uneig. f. gedehnt und langweilig fein (eine fchleppende
Spradye, Schreibart 2c.); 2) ziel. et was — ſchleifend hinter fich her zie—
hen (ein Band, eine Kette, den Anker— ꝛc.), überh. etwas hinter fich her
ziehen, fortziehen, gem. mit dem Nebenbegriff der Langjamkeit u. mühfamen
Überwindung des Widerftandes (ein Schiff im Taue fchleppen; einen mit Ge-
walt fortichleppen; die Pferde Eönnen den Wagen kaum jchleppen); daher gem.
überh. f. ſchwere Laften fortfchaffen, fehtwer tragen (z. B. etwas auf dem
Rüden ꝛc.); auch rüdz. ſich —, f. fi) mühfam fortbewegen; ſich mit
etwas —, d. i. etwas Schweres u. uneig. etwas Läftiges od. Beichwerli-
ches mit ſich herumtragen, od. überh. damit behaftet fein (z. 8. ſich mit
einer Krankheit, mit einer läftigen Perſon u. dgl. —); — 3feg. der Schlepp-
haken oder die Schleppflammer, Bergw. und Schiffb. eiferne Haken zum
116 fchleppern — fchleunig
Fortiehleppen von Zimmerholz 2c.; der Schleppfaften, Bergw. ein Kaften,
worin Erz und Geftein aus den Stollen gefchleppt wird; die Schleppfette,
eine Kette zum Fortfchleppen von Laften: das Schleppkleid, nachfchleppendes
Kleid, Kleid mit einer Schleppe; das Schleppneß, ein Fiſchernetz, welches
auf dem Grunde des Waffers Hinfchleppt; der Schleppriegel, an deutchen
Kaflenfchlöffern der große Riegel, welcyer die übrigen in Bewegung fest; der-
Schleppſack, Fiſch. f. v. w. Schleppnetz; uneig. gem. f. eine nachläffig und
ſchmutzig gekleidete weibl. Perſon; auch f. liederliche Weibsperfon, Kebsweib;
das Schleppfeil, der Schleppftrang, ein Seil od. Strang, an welhem man
Laften fortfchleppt; das Schlepptau, Schiff. das Tau, mit welchem ein Boot
od. beichädigtes Schiff an ein Fahrzeug befeftigt und von demfelben nachges
fchleppt wird (ein Schiff ins Schlepptau nehmen); der Schlepptrog, Bergw.
ein trogförmiger Schleppkaften; — Ableit. die Schleppe, M.-n, Verfl.
das Schleppchen, (niederd. Steep, Stepe), was fihleppt, insbef. der Theil
eines Kleides, Mantels ꝛc., welcher auf der Erde nachfchleppt (andſch. au:
der Schlepp; einer Perfon die Schleppe tragen; daher der Schleppen=
träger, die Schleppenträgerinn); ein Werkzeug zum Schleppen,
daher niederd. f. Schleife, Eleiner Schlitten; Bergw. zwei Stangen, auf
welchen der Schlepptrog fortgezegen wird; Papierm. |. v. w. der Schlitten;
Yandfch. auch ſ. v. w. das oberd. Schlappe, Schläpplein: Haube, Kappe;
der Schlepper, -$, die Schlepperinn, wer etwas fihleppt; der Schlep-
per auch f. das Schlepptau; Landfch. auch f. die Schleppharfe, d. i. ein
großer, Schwerer Rechen, der über das Feld gefchleppt wird, um die zerftreuten
Ühren zufammen zu harken; die Schlepperei „verächtl. f. das San
befchwerliche Tragen.
ſchleppern, ziellof. Zw., oberd. f. fchlottern, Elappern.
fchlettern, 3w., (vgl. Schlotte, ſchlötten), ſchwäb. f. etwas Flüffiges od.
Feuchtes theilweife fallen laffen, verſchütten; nafchen.
fchleudern, 3w. 1) ziel. (als Factitivum von fchlaudern, f. d.) etivas—,
in fhwingende Bewegung feßen, bef. mit einem Schwunge werfen (einen
Stein, Blige ꝛc. —), insbef. mit der Schleuder (f. u.) od. auch mit einem
Wurfgeſchütze fortfehnellen; 2) ziellos m. haben f. das r. fchlaudern (4.8.
eine Spule fchleudert; der Kaufmann fchleudert mit der Waare, r. fchlaudert;
vol. auch verfchleudern); die Schleuder, M.-n (oberd. auh Schlau:
der), überh. ein Schleuderwerkzeug, z. B. ein Wurfgefhüß bei den alten
Römern; in engerer Bed. ein lederner Riemen, mittelft deffen Steine ıc.
aus freier Hand gefchleudert werden; uneig. ein Riemen oder Band an der
Senfe, womit diefelbe an den rechten Arm des Mähers befeftigt wird; Der
Schleuderer, -8, wer fchleudertz bei. ehem. mit Schleudern bewaffnete
Krieger; auch ſ. v. m. die Schleuderfchlange, eine Art dünner ſchlanker
Schlangen in Ceylon; die Schleuderfcheibe, eine mit einem Haken verfehene
Scheibe, um welche ein Seil geworfen wird, zum Heben von Laften; der
Schleuderfchwanz, eine Art Eidechfen in Süd-Amerika; der Schleuderftein,
ein Stein zum Schleudern.
fchlewen, ziel. 3w., Zleifh. die Därme — (ausfhleuen), d. i. mit
MWaffer ausfpülen (wahrſch. verderbt aus ſchläuchen von Schlau, ſ. d.).
Ichleunig, Bw. u. Nw. (niederd. ſlünig; altd. sliumo, slüne als Nw., u.
sliunec, slünic ald Bw.; auch sniumo, sniumic v. d. goth. snivan, eilen;
EEE Zu
— 11
Schleufe — ſchlicht 717
mittelh. sliänen, oberd. ſchleunen, ſchlaunen, ſ. d.), ſchnell von Statten ge—
hend, raſch, geſchwind; beſ. ohne Aufſchub und Zeitverluſt, augenblicklich
(ſchleunige Hülfe; einem ſchleunig Nachricht geben 2c.); ſchleunigen, ziel. Zw.
(altd. slunigen), ſelten f. beeilen, betreiben, gew. beſchleunigen.
Schleuſe, w., M. -n (wahrſch. aus dem mittl. lat. exclusa, sclusa entft.,
da es im Althochd. u. Oberd. fehlt; niederd. Stüfe, ſchwed. sluss, engl. sluice,
holl. sluys; franz. ecluse), ein mittelft Fall- oder Flügelthüren am Ein-
u. Ausgange verfchließbarer Kanalz auch ein durch Fall- od. Schußbretter
verfchließbarer Querbau vor einem Waffer, welches mittelſt desfelben nad
Belieben geftaut, od. abgelaffen werden Eann; landſch. auch f. verdeckter Ab—
zugsgraben unter den Straßen der Städte; bei den Büchfenmachern: ein
Theil der Ziehbanf, beftehend aus zwei ſenkrechten eifernen Säulen, zwiſchen
denen fi in einem Falz zwei ftarke Blätter (die Schleufenblätter) be-
finden; bei den Orgelbauern f. v. w. die Gieß- od. Zinnbrüde; — 3ſetz.
der Schleufenbau, die Schleufenbaufunft ꝛc.; der Schleufendrempel,
f. Drempel; der Schleufenfall, der Unterfchied der Wafferhöhe ober- u, unter:
halb der Schteufe; das Schleufengeld od. der Sthleufenzoll, Geld zur Un-
terhaltung einer Schleufe, von den durchfahrenden Schiffen entrichtet; die
Schleufenfanımer, der Raum zwiſchen den beiden Schleufenthoren; der
Schleufenmeifter, Aufſeher über eine Schleufe; der Schleufennagel, 17 Zoll
lange Nägel zum Schleufenbau; der Schleufenräumer, Reiniger der Schleu-
fen, landfch. bei. der Abzugs-Kanäle; das Schleufenthor oder die Schleu-
fenthür ze.
Schlich 1. m., -es, M. -e, (v. ſchleichen, f. d.z altd. slich), das Schlei-
chen, der fchleichende Gang, die fanft gleitende Bewegung (z. B. ehem.
der Schlangen, einer Quelle 2c.); gew. ein Schleichweg, verborgener Weg
(3. B. alle Schliche in einem Walde kennen), u. beſ. uneig. eine verſteckte
Handlungsweife, ein heimlicher Kunftgriff, gew. in der Mehrh. Schliche,
finno. Kniffe, Ränke (z. B. Diebsihliche; hinter Jemands Schliche kom—
men); landſch. auch die gefchite Handhabung einer Sache (die rechten
Schliche willen).
Schlich 2. m., -es, M.-e (altd. slich, oberd. Schleich, wie es eig.
auch im Hochd. lauten follte; allein die niederd. Form hat fi in der Berg:
werksſpr. feftgefegt; niederd. Slick, holl. slyck; vergl. das engl. sleek, slick,
glatt, weich; wahrſch. v. ſchleichen f. gleiten: vergl. das oberd. zerfchlei-
chen f. zerfliegen, ſchmelzen), urſpr. überh. weicher, fetter Schlamm; jest
insbef. ein Elein gepochter od. gepülverter und mit Waffer gemifchter Kör-
per, 3. B. der beim Schleifen vom Schleifftein abgehende mit Waſſer ver-
mifchte feine Sand; be. Hüttenw. das Klein gepochte, gewafchene Erz; da—
her das Schlichfafs, der Schlichkaften, -kübel, Gefäße im Hüttenw.
ſchlicht, Bw. (—ſchlecht, ſ. d.5 goth. slaihts, altd. sleht, oberd.
Schlecht, nicht ſchlicht, niederd. fligt; aus diefer nicderd. Form od. dem
Zw. ſchlichten ſcheint das hochd. ſchlicht genommen zu fein, feit die nach—
theilige Bed. des ſchlecht vorherrfchend wurde; die Wurzel ift slih, glatt,
gleitend; vgl. fchleichen und Schlich 2), glatt, eben (fchlichte Haare, entg.
lodige, gekräufelte; ein Schlichter Zeug, der Eeine Falten zc. hat); gerade, ein—
fah, ungekünftelt, natürlich (ſchlichte Kleidung; ein ſchlichter Mann; der
ſchlichte Menfchenverftand); — 3fesg. der Schlichtbutt, f. v. w. Glattbutt
BB Schlick
(f. Butte unter butt); die Schlicht-Ente, der Sägeſchnäbler; ſchlichthaa⸗
rig, Bw., ſchlichte Haare habend; ſchlichthin, Nw., gem. ſchlechthin, ſ. d.;
das Schlichtſchwein, ein glattes Schwein, Küchenſchwein; — Ableit.
ſchlichten, ziel. Zw. (altd. slihtan, slihten, v. sleht, ſchlecht gebildet, wie
richten von recht; niederd. ſligten), 1) eig. glatt, eben, gerade machen,
finnv. glätten, ebenen (z. B. die Haare—, glatt ftreihen; Gerb. Felle—,
glatt ſchaben; Schloff. die Arbeit—, d. i. völlig glatt feilen; b. den Zinn—
gießern: etwas Gegoffenes—, d. is völlig glatt abdrehen; Zimmerholz, ein
Brett 2..—, eben und glatt hauen oder hobeln; Web. den Aufzug fchlichten,
d. i. mit Schlidhte (ſ. u.) beſchmieren u. dadurd glatt u. fteif machen; das
Krumme—; das Glas—, d. i. die gebogenen Scheiben ebenen); auch f. in
Drdnung legen, gerade auffhichten (gehadtes Holz, Mauerfteine ꝛc.); nie
derd. auch f. fchleifen, niederreißen, dem Boden gleich machen (engl. slight);
2) uneig. etwas ing Gleiche bringen (eine verwictelte Sache), beilegen, bef.
durch einen Vergleich (einen Streit, Handel 2c.); daher der Schlichter, -8,
die Schlichterinn, wer etwas fchlichtet, d. i. bef. in Ordnung legt, ins
Gleiche bringt od. beilegt; die Schlichfung, das Schlichten, def. die Aus-
Hleihung, Beilegung (4. B. eines Streites); 3ſetz. v. fchlichten: die
Schlichtaxt od. das Schlichtbeil, ein breites, dünnes Beil mit Eurgem Stiele
zum Schlichten des Zimmerholzes; das Schlichteifen, ein Dreheifen der Stell-
macher; die Schlichtfeile, feine Zeile zum Glattfeilen; der Schlihthammer,
Klempn. ein hölgerner Hammer mit glatter Bahn zum Ebnen des Bleches; der
Schlichthobel, Tiſchl. ein Hobel mit gerader Klinge zum Glatthobeln oder
Schlichten; der Schlichtmeißel, Drechsl. ein Drehmeißel mit feiner Schneide
zum Feindrehen; der Schlichtmond, ein fcheibenformiges Schabeifen der
Gerber; der Schlichtpinfel, Mal. ein Pinſel zum Vertreiben u. Verwaſchen
der Farbe; der Schlichtrahmen, Gerb. ein Kahmen od. Gerüft, worauf das
zu ſchlichtende Fell befeftigt wird; der Schlichtftahl, ein ftählerner Dreh-
meißel der Beins und Horndrechsler; — die Schlichte, 1) G. ſchlichten;
oberd. die Schlicht), die aus Mehl und Fett gekochte Schmiere des
Webers zum Schlichten des Aufzugs; auch ein ähnlicher Brei der Stückgießer;
oberd. auch der Platz, wo Holz aufgefchlichtet wird GBolzſchlicht); 2)
(0. ſchlicht; altd. slihti, slihte) vit. f. die Ebenheit, Geradheit, Ebene,
Fläche; die Schlichtheit, das Schlichtfein, die Glätte oder Geradheit;
gew. f. Einfachheit, Kunftlofigkeit; fchlichtig, Bw., ſ. v. w. fchlicht, glatt,
eben (im Deichbau); oberd. f. ſchmierig; daher die Schlichtigkeit.
Schlick 1., m., -es, M. (felten) -e, 1) niederd. f. Schlich 2., fetter
Schlamm, insbef. das vom Schleifftein Ablaufende; die Schmiere an Spinn-
rädern; 2) oberd. f. Haarzopf, Flachsbüſchel; landſch. auch f. Binde,
Strict; — 3fes. der Schlidbalfen, Wafferb. Auerbalken unter den Schleu-
fen; der Schlidboden, niederd. f. Schlammboden; der Schlidfall, das
Fallen des Schlickes; der Schlidfänger, Waflerb. ein Feiner Damm zum
Auffangen des Schlictes zur Zeit der Fluth; der Schlidgrund, fetter Schlamm:
grund; der Schlickkrapfen od. das Schlidfräpfchen, Küch. eine Art Kra—
pfen (f. Krapf 2.) mit Hein gehadtem weichem Füllſel; das Schlidland, aus
dem vom Waffer abgefegten Schlick entftandenes Land; der Schlidpflug, ein
Werkzeug zum Aufwühlen des Schlids auf dem Grunde des Waffers; die
Schlickrolle, Sumpfrolle, eine Art Rollenſchnecken; die Schlickweide, Pfir-
ſchlicken — fchließen 719
ſichweide; der Schlickzaun, ein Zaun außerhalb eines Deiches zum Auffangen
des fallenden Schlickes; — ſchlicken 1., zielloſ. Zw. m. haben, (vielleicht
als felbftändiges Schallwort zu betrachten; vgl. Schlad, ſchlackern), landſch.
gem. von Klüffigkeiten: an einen feften Körper angefprigt werden oder an—
fpülen; ſchlickern 1. ziellof. 3w. 1) m. haben, das verftärkte fchliden;
2) m. fein, niederd. f. ſchlüpfen, durchwiſchen; ferner: zu Schlick wer-
den, bef. von der Milch: gerinnen, Eafig werden; daher: gefchliderte
Milch, auch Schlidermildy, landſch. f. geronnene Mich; die Schlider-
gans, f. v. w. Schladergans, wilde Gans; fchliderig, Bw., niederd. f.
fhlammig, Eothig; fehlüpftig.
ſchlicken od. fchlidern 2. ziellof. u. ziel. Zw. (mittelhochd. u. holl. slicken,
ſchwed. slicka; vgl. ſchlucken, ſchlecken), landſch. gem. f. ſchlucken, fchlingen
(daher: ſchlick, ſchlick! oberd. Lockruf für Enten); fchleden, leden, na—
ſchen; fhlidern auch f. ſchlürfen; der Schlid 2., -es, M.-e, vlt.
1) f. Schluck, Schlucken, Schluchzen; 2) f. v. w. der Schlider, Schlu—
der, Schlemmer (altd. slic und slickaere); landſch. f. die Ente (oberd. das
Schlickelein); die Schliderei, Schlickerkoſt, das Schlickerzeug, niederd.
f. Schlederei, Näfcherei ꝛc.; das Schlickermaul, die Schlickertaſche, der
en f. Leckermaul, nafchhafte Perfon.
Schlickenthaler, m., eine Art Thaler, welche die Grafen von Schlid
im 16. Iahrh. zu Joachimsthal in Böhmen prägen ließen.
fchliddern, Zw. ſ. ſchlittern; — Schlief, m., fchliefig, Bw., ſ. Schliff.
fchliefen, ziellof. 3w. m. fein, ablaut. du fchliefft, er fchlieft, Imper.
fchliefe (alt auch: fchleufft, ſchleuft, fchleuf); Impf. fchloff, Conj. ſchlöffe;
Mw. gefchloffen, (goth. sliupan; althochd. slioffan, ih sliuffu; ih slouf, wir
slufun; gisloffan; mittelh. sliefen, ich sliufe; slouf, sluffen; gesloffen;
oberd. fchlieffen, ſchluff u. Schlieffet, geſchloffen; niederd. flipen, flupen ; angelf.
sleopan, slypan, engl. slip, ſchwed. slipa, slippa; von gleicher Wurzel mit
ſchleifen; vgl. die abgel. ſchlaufen und ſchlüpfen), alt u. oberd.: fich
Eriechend od. gleitend bewegen, ohne den Nebenbegriff der Schnelligkeit, wel-
cher in fehlüpfen liegt (in ein Loch, aus dem Ei, in ein Kleid, od. aus einem
Kleide —); ſchwäb. auch: Leicht vor fich gehen, von Statten gehen; ber
Schlieffäfer,, landſch. f. Mehlkäfer; der Schliefwinkel, oberd. f. Schlupf:
winkel; der Schliefer, -8, wer fchlieft, 3.8. Jäg. Dahsichliefer f.
Dachshunde, weil fie in die Dachsröhren fchliefen ; auch dag, worein man fchlieft,
oberd. f. Muff.
Schlier, m. u. f., -es, M. -e, (vgl. das engl. slur, Sieden, u. als Zw.
beflecken, befudeln) 1) oberd. f. Schlamm, Lehm, Mergel daher Schlier-
grube f. Meraelgrube); 2) der Schlier, ehem. f. Schwären, Gefhmür,
Eiterbeule, bef. an den Schamtheilen od. unter den Achſeln; — fihlieren,
ziel. 3w. 1) oberd. mit Schlamm überziehen, verunteinigen (auch: be
ſchlierem); insbef. öfte. mit Mergel düngen (ein Fed —); ſchwäb. mit
Lehm, worunter Stroh gemifcht, belegen oder ausfüllen (ein Dach, eine
Wand zc.; daher das Schlierdach 2c.): 2) niederd. (Tliren) f. ſchlecken,
nafchen, Süßes fehlürfen (vgl. das ſchwäb. Schleer f. Mund; Gefhlier
f. Naſchwerk; geſchlierig f. nafchhaft); 3) Landfch. f. fehlingen; fich—,
f. ſich verfchlingen zu einem Knoten.
ſchließen 1., 3w. ablaut. du fchließeft, er fchließt, Imper. ſchließe (alt u.
120 fchließen
dicht. ſchleußeſt, ſchleußt, ſchleuß); Impf. ſchloſs, Conj. ſchlöſſe; Mw. ah
fhloffen (althochd. sliozan, ih sliuzu; slöz, wir sluzen; gislozan; mittelh.
sliezen, ich sliuze, slöz, sluzzen, geslozzen; oberd. fchließen und fchleußenz
niederd. fluten, holl. sluyten, ſchwed. sluta; vgi. das lat. claudere, cludere;
gricch. zA8is, zAsıd-05; zielo, zAnio, 24.160), 1) ziel. a) was offen ift zu=
machen, entg. öffnen, (die Hand—; die Augen— , aud) f. einichlafen, fter-
ben;. einen Winkel, einen Bogen z..—); in beftimmterer Bed. behufs der
Verwahrung zumachen (Fenſter; Thüren, Stadtthore 2c.; auch das Haus,
die Kirche, die Stadt—, d. i. durch Zumachen der Thüren zc. verwahren); in
noch engerer Bed. mittelft eines Schloffes zumachen, zufchließen, verſchlie—
Ben (die Thür, das Haus—), oder befeftigen, feffeln (einen Verbrecher an
die Kette, od. in Ketten—, d. i. ihm Ketten anlegen, die mit einem Schloffe
verfehen find); b) dicht zufammenfügen, eng verbinden, nahe zufammen-
rüden od. drängen (die Hände in einander— ; Jemand in feine Arme, an
fein Herz —, d. i. ihn mit den Armen umfaffen und an fich drüden; einen
Kreis—, d. i. im Kreife dicht zufammentreten; fo auch geſchloſſene
Reihen od. Glieder eines Kriegsheeres); daher auch: von allen Seiten
umgeben, abgrenzen, umfchließen, abfchließen, und dadurch einfchränfen
und abfondern (ein gefchloffenes Land, d. i. ein ficher begrenztes; eine ge:
fchloffene Jagd, deren Bezirk mit Zeug umftellt iftz ein gefchloffenes Ganzes,
d. i. ein genau abgegrenztes; uneig. eine geſchloſſene Geſellſchaft, d. i—
eine auf eine beftimmte Anzahl von Mitgliedern eingefchränkte; To auch: ein
geichloffenes Handwerk; die gefchlojfene Zeit, d. i. bie Faftenzeit in der
röm. Kiche); etwas in ſich —, f. v. w. in ſich faſſen, enthalten (ein
Wort ſchließt den Begriff eines anderen in fi); c) uneig. eine Verbindung
eingehen, eine Vereinigung zu Stande bringen (einen Vergleich, Handel,
Kauf, ein Bündniſs, eine Ehe, Frieden, Freundfchaft zc. ſchließen; ſprichw.
Ehen werden im Himmel geichloffen); d) zu Ende bringen, endigen, vgl.
abfchließen, befchliegen (4. B. eine Rede, einen Brief, die Rechnung 2c.; fein
Leben fließen, d. i. fterben); e) aus einer Wahrnehmung od. Erfenntnifs
ein Urtheil, einen Schlufs (ſ. d.) ziehen, finnv. folgern (3. B. ich fchließe
dies aus feinem Benehmen; aus feiner Unruhe ſchloſs ich, dafs 2c.; auch ohne
Zielwort: auf etwas ſchließen, von einem auf das andere fchließen; falich,
rihtig— 20.); insbeſ. in der Denklehre: aus zwei Vorderfügen od. Urthei—
len einen dritten Satz ald nothwendiges Endurtheil herleiten, einen
Schluſs machen; 2) rüdz. ſich —, zugemacht od. gefchloffen werden, zu—
gehen, ſich dicht zufammenziehen od. »fügen (die Pforte ſchloſs ſich; eine
‚Muschel, eine Wunde fchließt fich; die Augen, die Blumen fchließen ſich 2c.);
zu Ende kommen, enden (das Jahr ſchließt fih); 3) zielloes m. haben,
eine Offnung genau ausfüllen, deden od. umgeben (eine Thür, Klappe ꝛc.
ſchließt gut 2c.); in engerer Bed. in das Schlofs paffen u. dasfelbe öffnen
(diefer Schlüffel ſchließt nicht) ; feft angefügt fein (dev Reiter [hlieft, wenn
er die Schenkel feft andrüdt; daher: geichloffen reiten); fein Ende er-
reihen, enden (hier fchließt der Brief; fo ſchloſs er 2e.); — fe. ber
Schließanker, ein vieretiger Anker zum Zufammenhalten ſchadhafter Feuer
mauern; der Schließbaum, ein Baum, durch welchen der Eingang in einen
Hafen ꝛtc. verichloffen wird; die Schließfeder, eine zum Verfchließen dienende
Stahlfeder, z. B. an dem Zifferblatt einer Taſchenuhr; der. Schließhahn,
ſchließen — ſchlimm 721
ein mittelft eines Schlüffels drehbarer Hahn an Bier- und Weinfäffern; der
Schließhaken, Schloff. ein eiferner Haken, welcher in die Falle des Schloffes
eingreift; die Schließfette, eine Kette, mittelft deren etwas verfchloffen wird;
das Schließfraut od. der Schließkohl, Landich. f. Weißkohl, deſſen Blätter
ſich in einen Kopf ſchließen; der Schließmusfel, Anat. ein ringförmiger Mus-
kel, welcher etwas verfchließt; der Schließnagel, ein eiferner Nagel zum Ver-
fliegen großer Riegel an Thoren; Buchdr. ein eiferner Stab zum Anziehen
der Schrauben u. Verfchließen der Korm; die Schließfüge, Tiſchl. eine Hand—
füge mit nicht ftark gefchränkten Zähnen zum Sägen folder Stüde, die genau
fchliegen oder anpaffen ſollen; der Schließfalat, landſch. f. Kopffalat (vgl.
Schließkraut); — Ableit. fchließbar, Bw., was gefchloffen werden kann;
die Schließe, M. -n, was dazu dient, etwas zu fchließen, zu befeftigen
od. zu verbinden, insbeſ. ein gebogenes Blech zur Befeftigung eines Bolzens
(niederd. Splint); Scloff. eine gerade Stange, welche in Gatterwerfen
zwei Schnörkel zufammenhält; auch f. Schließanfer; Schlöffer od. Klam-
mern an Büchern; Schugbrett einer Schleufe;z der Schließer, —s, die
Schließerinn, M. -en, wer etwas ſchließt od. in Verfchlufg hat, insbef.
f. Gefangenwärter; Haushälter, Haushälterinn; daher das Schließer-
amt; die Schließerei, Landich. f. das Gefängnifs; ſchließlich, Rw. und
Bw., zum Beſchluſs, den Befchlufs machend; entfcheidend, beftimmt
und bleibend (fr. definitiv); die Schließung, das Schließen (4. B. des
Thores, eines Vertrages zc.).
Schließen 2. ziel. 3w. ablaut. wie fchliegen 1., landſch. un. f. fchleißen,
ſ. d. (Federn fchließen; gefchloffene Federn f. gefchliffene; Schließfeber f.
Schleißfeder zc.).
Schliff, m., -e3, M. -e (von fchleifen 1.), 1) gem. f. das Schleifen,
bef. ein einzelner Anfag beim Schleifen; die Gefchliffenbeit, die Art und
Weiſe, wie etwas gefchliffen ift (z. B. das Meffer hat einen ſchönen Schiff);
das Gefchliffene: oberd. f. ſcharf gefchliffene Spige oder Schneide; ge-
fchliffene Rautenflähe (fr. Facette); auch f. das Schleiffel; 2) Landfch.
auch der Schlief, glatte, fpedige od. teigige Stellen in Gebäden, Mehl-
fpeifen, Kartoffeln ꝛtc.; fchliffig od. fchliefig, Bw. 1) oberd. (auch geſchlif—
fig, ſchlifferig) f. glatt, fchlüpfrig; feimig; 2) insbeſ. Schlief habend,
nicht ausgebaden (brandenb. ſchliepig).
Schliffel, m., ſ. Schlüffel.
ſchlimm, Bw. (mittelhochd. slim; niederd. fiimm, holl. slim; poln. sli;
vergl. ſchlemm; vielleicht von gleicher Wurzel mit Schleie, Schleim ꝛc.; alfo
urjpr. gejchmeidig, dann gebogen, Erumm zc.; vgl. das lat. limus), 1) alt u.
noch landſch. f. ſchief, ſchräg, krumm, verkehrt (4. B. ein Schlimmer Hals
f. ein fchiefer; ſchlimm fchreiben, d. i. ſchief); 2) erft in der neueren Sprache:
von nicht gehöriger Befchaffenheit, dem Zwecke nicht entfprechend, nicht
nach Wunſch, finnv. fchlecht, böfe, übel, arg, entg. gut, immer mit perfönlicher
Beziehung und dem Nebenbegriff des Nachthileigen, Schädlichen, wodurch fich
ſchlimm namentlic) von ſchlecht unterfcheidet (4. B. dit Sache fteht ſchlimm
für ihn; es fteht Schlimm mit ihm, es geht ihm ſchlimm; ein Schlimmer Umftand,
Weg ꝛc.; ſchlimmes Wetter, fchlimme Zeiten; im fchlimmften Falle, od. fchlimm-
ften Falls 2e.); insbeſ. f. krank, fchadhaft, finnv. böfe (3. B. ein fchlimmer Fin-
ger; ein jchlimmer Kopf, d. i. ein ausgefchlagener); unwohl, bei. zum Erbrechen
Heyfe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 46
722 Schlinde — ſchlingen
geneigt, übel (mir wird od. iſt ſchlimm nach der Speiſe; auch: es wurde mir
ſchlimm dabei zu Muthe); in ſittlichem Verſtande: geneigt zu ſchaden, ſchäd—
lich, gefährlich, ſinnv. böſe, arg (ein ſchlimmer Hund, Feind 2c.); gem. auch f.
jtreng, ſcharf u. genau (ein ſchlimmer Herr); niederd. f. verfchlagen, argliftig,
ſchlau, Elug; fcehlimmern, Zw. (niederd. flimmern), landſch. 1) ziellos f.
ſchlimmer werden (4. 8. der Kranke ſchlimmert): 2) ziel. f. fehlimmer ma-
hen, gew. verfcehlimmern; die Schlimmheit, vit. f. das Krummfein;z
Ihlimms, Nw. (auch [hlemms), oberd. f. fchief.
Schlinde, w., M.-n, od. der Schlindbaum, (altd. slintboum), oberd.
f. Schlingbaum ; ſchlinden, Bw., f. vom Schlingbaum.
Ichlinden, ziellof. u. ziel. 3w. ablaut. Impf. fehland (oberd. ſchlund), Conj.
ſchlünde; Mw. geſchlunden, (althochd. slintan, slant, gisluntan; mittelh.
slinden, slant, geslunden; daher: der Schlund), alt u. oberd. f. fchlingen 2.,
fchluden, verfchlingen.
ſchlindern, ziellof. Zw., niederd. (ſlindern) f. ſchlittern, fchleifen, glitfchen. |
Schlingbaum, Schlinge, f. unter ſchlingen 1.
Schlingel, m., -$, M. mw. E. (wahrſch. von ſchlingen im Sinne des
oberd. Ihlanfen, fchlaff und müßig fein; oberd. Schlank, Schlänkeh,
gem. Schimpfiw. für einen höchft faulen, plumpen u. ungefitteten Men-
Then; fehlingelhaft, Bw., einem Schlingel angemeffen; fehlingeln, ziel-
10]. Zw., fich wie ein Schlingel betragen, in fe. wie: herumſchlingeln;
die Schlingelei, das Betragen eines Schlingels; eine einzelne fchlingel-
hafte Handlung (M. Schlingeleien).
ſchlingen 1.3. ablaut. Smpf. ſchlang (oberd. auch ſchlung), Conj. ſchlänge;
Mw. gefchlungen, (altd. slingan, slingen, slanc, slungen, geslungen; nie—
derd. flingen, flunk, flungen; auch ſlengen; ſchwed. slinga) bezeichnet überh.
Bewegung in Krümmungen, finnv. winden, 1) als ziellof. 3w. m. fein,
ehem. f. gleiten, fchleichen, von der Schlange, versch. Eriechen, (angelf. slincan);
2) rücz. fih—, fih in Windungen ausdehnen od. bewegen (Rankenge-
wächſe, wie Bohnen, Hopfen 2c., chlingen fi) um u. an Bäume, Stangen ꝛc.;
der Bach, der Weg fchlingt fich durch das Thal 2c.); 3) ziel. et was —, in
Bogenlinien Erimmen od. bewegen, finnv. winden, flechten, (die Arme in
einander—; einen Kranz ins Haar —; Tänze — 2c.); in engerer Bed. mit
einer Schlinge (ſ. u.) verfehen u. befeftigen (bef. in Ifes. wie durch =, ein-
ſchlingen 2c.); alt u. oberd. auch f. fihwingen, ſchwenken, werfen, fehleu-
dern (f. v. w. ſchlengen; niederd. flingern; isländ. slöngva, angelj. slingan,
engl. sling); — 3feg. der Schlingbaum, 1) ein Strauchgewächs mit wei-
Ben Blüthen, fehwarzen Beeren, welche von den Vögeln gefucht werden, und
weichem, biegfamem, markigem Holz, welches zu Bändern, Fafsbinderarbeiten,
- Pfeifenröhren ze. dient, auh Schlinge, Schlung:, Schlindbaum,
Mehlbeerbaum, Windbaum, Waldrebe, Bandftrauch, Scherpe od. Scherpfe ze.
genannt; 2) der Gerberbaum (fr. Sumach); der Schlingfaden, dünne, fa
denähnliche Ranke; das Schlingfrauf, ein fich auf dem Boden windendes,
an andere Dinge anfchlingendes Gewächs; der Schlingwurm, landſch. f. die
Maulwurfsgrille ; — Ableit. die Schlinge, M. -n, was fich fchlingt od.
windet: eine dünne Ranke von Wien, Erbfen ꝛc.; was gefchlungen ift:
ein gefchlungenes Band, gefchlungene Haare u. dal. , bef. um etwas damit
zu befeftigen, od. ein Thier, einen Vogel 2c. darin zu fangen, finnv. Schleife,
fchlingen — Schlitten 123
Maſche, (Schlingen legen, in die Schlinge gerathen, fich in der Schlinge
fangen ꝛc.; uneig. einem Schlingen legen, f. ihm nachftellen; den Kopf aus
der Schlinge ziehen, f. der bereiteten Gefahr geſchickt entgehen); landſch. auch
f. der Schlingbaum; alt u. oberd. f. bie Schleuder (altd. slinga, engl. sling);
der Schlinger, -8 (altd. slingari), ehem. f. Schleuderer; fehlingig, Bw.
(auch gefhlingig) oberd. f. ſchlank; die Schlingung, das Schlingen,
die Windung; — fihlingern, Zw. niederd. (flingern) f. fchlängeln; fchleu-
dern, ſchlenkern; Schiff. bei hohler See hin und her ſchwanken; der Schlin-
gerfchlag, niederd. f. eine behende, Eünftliche Wendung oder Bewegung 3. B.
des Tafchenfpielers; überh. eine geſchickte Wendung, ein liftiger Streich.
ſchlingen 2. ziellof. u. ziel. Zw., ablaut. wie ſchlingen 1. (oberd. fchlingen
ir. ſchlinden, auch fchlinken; niederd. flingen; fehlt in der alten Sprache und
fcheint durch Entftellung aus dem altd. slintan, slinden, oberd. [linden
entftanden zu fein), etwas durch den Schlund in den Magen bringen, ſ. v.
w. fhluden (z. B. er kann nicht ſchlingen 2c.J, gew. mit dem Nebenbegriff
der Heftigkeit, Gierigkeit und der großen Maffe der verfchlucten Biffen
(die Speifen ungekaut hinunterfchlingen) ; uneig. gleichfam gierig in ſich auf-
nehmen (der Abgrund fehlang fie in fih); der Schlingrabe, Sceerabe, wel-
cher ganze Fifche verfchlingt; die Schlingfucht, niederd. f. Heißhunger, Freſs—
ſucht; der Schlinger, -8, mer fchlingt.
ſchlinkſchlanken, ziellof. Zw. (1. ſchlanken; oberd. auch ſchlinken—
ſchlanken, ſchlinkenſchlagen; niederd. ſlinkfüßen), gem. f. nachläſſig und
müßig umhergehen, faulenzen; der Schlinffchlanf, -es, M. -e, gem. f.
nachläffiger Menfh, Müßiggänger, Faulenzer.
ſchlipfen u. fchlipfern, fchlippen u. fehlippern, (ftippen, flipen, ftipern),
niederd. Zw. (altd. sliphan, slipfan, slipfen; ſchwed. slippa, engl. slip) f. glei-
ten, glitſchen, fchlüpfen; daher der Schlipf, alt u. oberd. f. das Ausglei-
ten; eine glatte Fläche; fchweiz. eine hinabgleitende (ſich nicht überwer-
fende) Erd- u. bef. Schneemaffe (verfch. Lawine); die Schlippe 1., M. -n,
niederd. enger Weg od. Raum zwifchen zwei Häufern, Brandgaffe (Keuer-
ſchlippe); die Vertiefung in der Schürze beim Sigen, auch überh. f.
Schürze (eine Schlippe voll Äpfel 2c.).
Schlippe 2. w., M. -n, od. der Schlipp, -e3, M. -e, (von fchleppen),
niederd. f. Schleppe, Zipfel am Kleide.
ſchlippern, ziellof. Zw. 1) niederd. (flipern) ſ. v. w. ſchlippen, fehlipfen
(1. d.); 2) landfch. f. ſchlickern; daher die Schlippermilch, ſ. v. w. Schli-
ckermilch.
Schlitten, m., -8, M. m. E.; Verkl. das Schlittchen, (altd. slito, slite,
G. slitin, sliten; niederd. Slede, Slee, Slie; isländ. slede, ſchwed. slaeda,
engl. sled, sledge; v. angelſ. slidan, engl. slide, gleiten), ein Fuhrwerk,
welches, auf zwei vorn gekrümmten Balken (Kufen) ruhend, auf dem
Schnee od. Eiſe ſchnell fortgleitet (ein Bauern, Rennſchlitten zc.; auf dem
Schlitten od. zu Schlitten fahren, auch bloß: Schlitten fahren); uneig. ein
fhlittenähnliches Gerüſt, auf welchem in Schneidemühlen der Sägeblod der
Säge entgegengeführt wird (der Wagen), auch unter dem Böden eines
Schiffes, um es vom Stapel laufen zu laſſen; Papierm. ein mit Wollen:
tuch überzogenes Brett, welches auf die noch naflen Papierbogen gelegt wird
(die Schleppe); — Z3ſetz. die Schlittenbahn, ein mit Schlitten zu bes
46*
124 Schlitz — ſchlofen
fahrender Weg; der Schlittenbaum, ſ. v. w. die Schlittenkufe (ſ. Kufe 2),
oberd. der Schlittenlauf, M. Schlittenläufe; die Schlittenfahrt, Fahrt
zu Schlitten, beſ. zur Luft; das Schlittengeläute, Schellengeläut an Schlit-
ten u. Schlittenpferden; der Schlittenfaften, Sigkaften eines Rennfchlittens:
das Schlittenpferd; die Schlittenwelle, in Schneidemühten die Welle,
welche den Schlitten (f. 0.) der Säge entgegenftihrt; das Schlittenzeug ec.; —
Ableit. fchlitten, Zw., alt u. landſch. bef. ſchweiz. (auch ſchlitteln, ſchlitt—
nen), 1) ziellos f. zu Schlitten fahren; 2) ziel. auf einem Schlitten füh—
ven (Waaren 2c.); der Schlittener od. Schlittner, -8, landſch. f. Schlit-
tenfahrer ; der Schlittfehuh (von Tchlitten f. gleiten; weniger gut:
Schrittſchuh), in Holz befeftigte, Kleine ftählerne Schlittenkufen, welche
man mit Riemen unter die Füße jchnallt, um auf dem Eiſe ſchnell fortzualeiten
(auf Schlittfchuhen fahren od. laufen; gew. ſchlechtweg: Schlittfhuh lau-
fen); daher das Schlittfchuhlaufen; der Schlittfchuhläufer od. fahrer; —
fchlittern, zielof. 3w. m. haben, niederd. (gew. ſchliddern, auch ſchlin—
dern) f. auf dem Eife zur Luft gleiten, glitfehen, oberd. ſchleifen; daher
die Schlitterbahn, Gleitbahn.
Schlis, m., -e8, M. -e: Verkt. das Schlischen, (altd. sliz, ©. slitzes;
angelf. slite, engl. slit; — verhält fich zu slizan, ſchleißen (f. d.) eben fo,
wie Riß zu rizan, reifen), eig. eine durch Schleißen od. Spalten ent-
ftandene Offnung, ein Spalt (zZ. B. oberd. der Spalt einer Schreibfeder):
gew. eine durch einen fcharfen, fehnellen Schnitt in einen weichen, bieg-
famen Körper gemachte lange, ſchmale Offnung mit glatten Rändern, verſch.
Riſs (z. B. einem Thiere einen Schlig in den Bauch, in das Ohr ꝛc. machen);
bei. Ahnliche Offnungen in Kleidungsftüden (. B. der Schlig im Hemde
vor der Bruft, an Weiberröcen 2c.): in weiterer Bed. überh. f. Einfchnitt,
Kerbe (Bergw. Geſchlitz) insbe. Bauf. eine fchmale Vertiefung im Balken⸗
Eopfe (ogl. Dreifchlis); Anat. verfchiedene Schmale Öffnungen, 3. B. der
Schlitz für die Speiferöhre; fchlißen, ziel. 3w., etwas — einen Schlitz
darin machen, aufreißen, fpalten (3. B. oberd. eine Feder —); gew. mit
einem fcharfen Meffer der Länge. nach ein= od. auffchneiden (den Bauch,
einem Pferde die Ohren —, einen Fiich fchlisen 2c.); Zifchl. durch Einfügung
von Zapfen in Schlige rechtwinklig verbinden; Zfes. das Schligeifen, an
den Stühlen der Sammetweber eine Mefferklinge zum Auffchligen der Fäden
der Kette; das Schlißfenfter, eine ſchmale, Lange Fenſteröffnung; der Schli-
‚graben, ein Eleiner, ſchmaler Graben, bef. in der Kriegsb.; das Schlitzmeſſer,
f. v. w. Rigmeffer (fr. Lanzette); — Ableit. v. Schlig: ſchlitzig, Bw.,
Schlitze habend.
Schlobbe, w., M.-n, eine Art Enten auf der Infel Föhr.
ſchlockern, ziellof. Zw. (niederd. ſluckern), ſächſ. f. fchlottern, ſchwanken.
Schlodde, m., -n (au w.), M. -n, niederd. (Stodde; vergl. Schlabde)
f. Lumpen; auch ein zerlumpter, ſchmutziger Menfch (engl. slut, slattern;
dän. slatte, slutte); fchloddern, Zw., ſchlodderig, Bw., niederd. f. ſchlot—
tern, fchlotterig.
fchlodern, Zw., Schloff. mittelft des mit Lehm überzogenen Lothes
löthen.
ſchlofen, ziel. 3w., Tuchm. Wollengarn mehrfach, aber loſe zufammen-
zwirnen.
TE
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A nn a en. u ru ——
ſchlohweiß — Schloſs 725
ſchlohweiß, Bw. (niederd. ſluwitt; wahrſch. entſt. aus ſchloßweiß, f.
Schloße; vgl. auch ſchlehweiß, u. das oberd. ſchlotter- od. ſchlotteweiß v.
Schlotter f. ſaure Milch), gem. f. glänzend weiß, ſchneeweiß.
Schlope, w., M.-n —Sclupfe, Schlupf, niederd. Stopp, tiefer
Einfchnitt, Wunde), Wafferb. ein Einrifs des Waſſers in die Deiche ıc.;
fhlopen, ziel. Zw. niederd. (flopen, holl. sloopen) f. abbrechen, zerfchlagen
(ein unbrauchbares Schiff). ‚
Schlöpe, w., M. -n, niederd. (Stöpe) f. 1) Schleife, Schlinge; 2) klei-
ner Schlitten, Deichfchlitten; ſchlöpen (ftlöpen), 3m. f. eine Schleife
(Schlinge) machen.
ſchlorken, ziellof. Zw. (auch ſchlurken, fchlurgen, fchlargen), ſchwäb. und
ſchweiz. f. ſchlarfen, ſchleppend und träge gehen; der Schlorker, -8, mer
ſchlorkt; ein Pantoffel ohne Hinterleder.
Schlorre, w., M.-n, Iandfch. gem. f. Pantoffel ohne Hinterleber,
Schlarfen.
Schloß, Bw. (Landich. auch ſchlaß, ſchlaßem; daher zerfchläßen f. zer-
gehen; ſchweiz. ſchläß men f. weich werden, aufthauen, welfen; val. das
isländ. slota, nachlaſſen; engl. sloth, Schlaffheit, Zrägheit), alt und oberd.
f. fchlaff, weich; nachläffig; die Schloßigfeit, ſchwäb. f. Fahrläffigkeit,
Unthatigkeit.
Schloſs, ſ. Mes, ſſe, M. Schlöffer; Verkl. das Schlöfschen, oberd.
Schlöſslein, (altd. slöz, oberd. Schloß, Gefchloß; niederd. Slot, Slat;
ſchwed. slott; von fchließen), 1) was gefchloffen ift, ehem. überh. ein ge-
fchloffener u. etwas in fich fchließender u. verwahrender Raum, ein Ding,
welches etwas in fich faſſt; insbef. ein gefchloffenes anfehnliches Gebäude,
ehem. mehre zufammengehörende, für eine Familie abgefchloffene Gebäude;
auch ein befeftigtes Wohnhaus eines Fürften oder Herren, eine Burg, Eleine
Feftung (Berg>, Raubjchlofs 2c.); jest Üüberh. der Wohnfig eines Fürften
od. regierenden Herren (das Königliche, fürftliche Schlofs 2e.); landſch. das
Wohnhaus des Edelmannes, der Nitterfig, Edelhof; in weiterer Bed.
jedes große, prächtige Wohnhaus, finnv. Palaft (ſprichw. Schlöffer in die
Luft bauen, d. i. unausführbare Pläne machen, vgl. Luftichlofs); 2) was
fchließt oder zum Verfchließen dient, ein Ding oder Werkzeug, mit wel-
chem etwas gefchloffen wird, 3. B. das Schloſs an einem Feuergemwehre
(welches mittelft einer gefpannten Feder auf- und zugemacht werden Eann),
die Schlöffer an Hals-, Armbändern, Büchern zc. (gem. Knippſchlöſſer);
insbe. die mittelft eines Schlüffels zu fchließende und wieder zu öffnende
aus Riegeln u. Federn beftehende Vorrichtung zum Verſchließen von Thüren,
Kaſten zc. (etwas unter Schloſs und Riegel legen, halten 2c.; ein deutfches—,
ein franzöfifches Schlofs; ein Worlege: od. Hängefchlofs); in weiterer Anwen—
dung auch f. Schlofs- od. Schlufsbein, Hüftknochen; auch der Ort, mo
ein Ding gefchloffen ift, f. v. w. Schlufs, insbef. an zweifchaligen Mufcheln ;
an Pferden das Ende der Naſe an der Scheidewand derfelben; an Kunftge-
ſtängen die Stelle, wo zwei Geftänge in einander fchließen, u. dgl. m.; —
3feg. v. Schlofs 1) d. i. fürftlicher Wohnfis, Palaft: der Schlofsbrun-
nen, zu einem Schloffe gehörender Brunnen; der Schlofsgraben, wall ıc.;
der Schlofshof; die Schloſskirche, Kicdhe für die Schlofsbewohner; der
Schlofsprediger, dabei angeftellter Prediger; die Schlofsmauer, -pforte,
726 Schloße — Schlot
-thür, das Schloſsthor; der Schloſsthurm; die Schloſsuhr zc.; der
Schlofsbeamte, Beamter auf einem Schtoffe; ſchloſsgeſeſſen, Bw., landſch.
f. ein mit gewiffen Hoheitsrechten begabtes Schlofs befigend (ein ſchloſsgeſeſſe—
ner Junker); das Schlofsgefinde; der Schlofshauptmann, Titel des Vor-
geſetzten od. Befehlshabers eines fürftlichen Schloffes; der Schlofsherr, Be-
figer eines Schloffes; weibl. die Schlofsherrinn, auch die Schlofsfrau;
die Schlofsherrfchaft, der Schlofsherr mit Frau und Familie zufammenges
nommen; der Schlofsfafle, ehem. ein unmittelbar unter dem Fürſten ftehen-
der Lehnsmann; der Schlofsverwalter, Schlofsvogt, Schlofsauffeher (fr.
Gaftellan) ; die Schlofswache, Wache und Wachthaus od. -ftube auf einem
Schloſſe; der Schlofswächter, Schlofsfoldat ꝛc.; — von Schloſs 2):
das Schlofsbein, |. Schlufsbein; der Schlofsbeutel, mit einem Bügel u.
fogen. Knippfchloffe verfehener Geldbeutel; das Schloſsblech, äußere Blech
an einem Schloffe; die Schlofsfeder, ftählerne Feder in einem Schloffe;
das Schlofsgat (ſ. Bat), Schiff. das im Fuße der Stenge befindliche Loch,
ducch welches das Schlofsholz geftect wird, welches die Stenge trägt (auch
Schießgat u. Schießholz genannt); das Schlofsfraut, landſch. f. Alpkraut,
Hirſchgünſel; der Schlofsmacher, in Gewehrfabrifen der Arbeiter, welcher
die Flintenfhlöffer macht; der Schlofsnagel, eine Art Nägel zur Befeftigung
der Schlöffer an Thüren ze. (ganze Schlofsnägel 14 Zoll lang, auch
Schloſsſpiker; halbe Schl. JZoll lang); auch ein ftarker, runder Na-
gel, welcher den Hinterwagen an den Vorderwagen befeftigt, Spann-, Stell—
nagel; der Schlofsftein, ſ. Schlufsftein; der Schlofätritf, Säg. der Tritt,
welchen der Hirſch beim Aufftehen in feinem Lager macht, auch Schlufstritt,
u. das Schlofs; der Schlofszirkel, ein Zirkel, weicher gefchloffen, d. i. feft
aufgeftellt werden Kann; — Ableit. fchloffen, Zw., mit einem Schloffe
verfehen, nur im Mw. gefchlofft gebr. (ein gefchlofiter Junker, ſ. v. w.
ein fchlofsgefeffener) ; der Schloffer oder Schlöffer, -8, M. m. €., ein
Handwerker, welcher Schlöffer an Thüren ze. und andere feinere Eifenarbeis
ten macht, niederd. Kleinfchmied; daher die Schlofferinn, deffen Frau;
das Schlofferhandwerf, -gewerk; der Schloffermeifter, =gefell zc.; die
Schlofferarbeit; fchloffern, Zw., landſch. f. Schlofferarbeit machen.
Schloße, landſch. auch Schloffe, w., M.-n, (mittel. slöz, im älteren
Dberd. auch: der Schloß; von dunkler Abftammung; vgl. das engl. sleet),
ein großes Hagelkorn, gew. Mehrh. Schloßen, großer Hagel (f. d.), bef.
der im Sommer bei Gewittern fällt; daher: das Schloßenforn, f. v. w.
die Schloße; der Schloßenfchauer (ſ. Schauer 4); das Schloßenwetter;
das Schloßen- Ei, der Schloßenftein, länglich runde duchfichtige Quarz
kieſel; fchloßweiß, Bw. (vgl. fchlohweiß), glänzend weiß, ſchneeweiß; —
ſchloßen, ziellof. unp. Zw. m. haben: e8 ſchloßet, d. i. es fallen
Schloßen.
Schlot, m., -es, M. Schlote, oberd. Schlöte, (mittelh. slät, M.
slaete; vielleicht aus dem niederd. Sloot, v. ſluten, ſchließen, ins Hochd.
aufgenommen; alfo überh. eingefchloffener, hohler Raums; vgl. Schlote), nie
derd. f. Kanal, Abzugsgraben (Hol. sloot); gew. f. Rauchfang, Schorn-
ftein (in niederd. Hüttenw. die Schlotte; den Schlot fegen oder Kehren);
der Schlotfeger oder -kehrer, f. v. w. Schornfteinfeger; fehloten, It,
niederd. (Toten, flöten) f. einen Graben reinigen.
Schlote — Schluchter 127
Schlote od. Schlotte 1., w., M. -n, (vgl. Schlot), Landich. f. etwas
Hohles, Schlauchähnliches, daher 1) landſch. f. hohler Lauchftengel; Rohr—
£olbe, Schilftohr (altd. släte, slatte); 2) oberd. (die Schlotten, Schlut-
ten) ein Eurzes Oberkleid mit Ärmeln, Kittel; 3) Bergw. eine Schicht
Kalkerde, welche Erdktüifte macht; die Schlottenblume, landſch. f. Küchen-
ſchelle, f. d.
Schlotte 2. w., od. die Schlott, Schlött, M. -en (oberd. auch: Schlutt,
Geſchlött 2c.; mittelh. slöte), auch der Schlotter, -$ (vgl. Schlitten; angelf.
slidan, gleiten 2c.; fchlottern), oberd. f. Schlamm, Koth; Zhaumetter;
der Schlotter insbef. in Salgwerken: der von dem ausgekochten Salz
übrig bleibende Schlamm (auch das Geſchlotter); oberd. f. geronnene,
faure Milch, auch: die Schlottermilch; der Schlottervogel, landſch. f.
Kibitz; — fchlötten od. fchlottern 1. (ſchwäb. fchlettern) ziellof. u. ziel. Zw.,
oberd. f. mit Schlamm, Koth, Lehm ꝛc. zu thun haben, werfen, fprigen ıc.
(3. B. Lehm an die Wand fchlötten).
ſchlottern 2. zielof. 3w. m. Haben, (niederd. ſloddern, ſluddern; ver:
ftärkte Nebenform v. fehlaudern, f. d.), ſich heftig zitternd hin u. her be-
wegen (z. B. die Kniee fchlottern ihm) ; oberd. f. Elappern (auch ſchlattern);
ferner fchlaff u. Iofe niederhangen u. hin u. her ſchwanken, bef. von nicht
gehörig anfchließenden Kleidungsftüden; auch f. nachläffig od. unficher wan—
Eend gehen; die Schlotter, M. -n, (au) Schlatter) oberd. f. Klapper;
fchlotterig, Bw. (niederd. flodderig, Tludderig, flurig), fihlotternd, fchlaff
und unordentlich hangend (Kleider); höchſt nachläſſig (ein fchlotteriger
Menſch); die Schlotterigkeitz — der Schlotterapfel, ſ. v. w. Klapper-
apfel; das Schlotterbein, der Schlotterfuß, Tchlotterndes Bein 2c.; daher
fchlötterbeinig, =füßig, Bw.; das Schlotterfafs, Landw. die Wepkifte
der Mäher; der Schlottergang, fchlotteriger Gang; das Schlotterohr,
Schlappohr.
ſchlotzen, zielloſ. Zw., oberd. 1) mit Schmutz umgehen (vgl. Schlotte 2.);
nachläſſig, träge fein; 2) ſchwäb. am Saugbeutel ſaugen (vgl. lutſchen);
der Schlotzer, —s, ſchwäb. f. Saugbeutel, Kinderdutte; die Schlotze,
Schlutze, M. -n, oberd. f. unreinliche Weibsperſon; der Schlötz, f.
Schmutz; träger Menſch; ſchlötzig, Bw., f. Elebrig, ſchmutzig; träge,
langweilig.
ſchlubben od. ſchlubbern, zielloſ. u. ziel. Zw. (ogl. ſchlabben, ſchlabberm,
niederd. f. ſchlürfen, Dünnes eſſen; in Hamburg auch f. nachläffig und
obenhin arbeiten (ogl. ſchlaudern); der Schlubbe, -n, (Slubbe) hamburg.
f. zroßer Bauernhund; tölpiſcher Menſch.
Schlucht, w., M.-en, (urſpr. niederd. Nebenform des oberd. Schluft,
von ſchliefen, ſchlüpfen), ein enges, tiefes Thal zwiſchen ſteilen Bergen,
finnv. Kluft, bei. eine vom Waffer ausgeriffene tiefe Höhlung; oberd. f.
Abzugsgraben (andſch. die Schluchter, niederd. Slugter), Pfütze, tiefe
Grube (engl. slough); uneig. f. unreinliche, faule Perfonz daher fchlüch-
tisch, Bw. f. unreinlich, träge.
Schluchter, m., -8 (von fehlagen), niederd. (Slugter) f. Haufen; hannöv.
das Wehrholz, der Schlag an den Wegen; fchluchtern, ziel. u. ziellof. Zw.
niederd. (flugtern) in Haufen legen; auch f. fchnell in die Höhe wachfen,
auffchiegen (vgl. ausfchlagen).
728 ſchluchzen — Schluff
ſchluchzen, zielloſ. Zw. m. haben, (landſch. gem. auch ſchluckſen,
ſchluckzen, verſtärkende Ableit. v. ſchlucken), den Schall hören laſſen, wel—
cher durch krampfhafte Zuſammenziehung der Luftröhre entſteht, auch:
ſchlucken; insbeſ. mit Hervorbringung dieſes Lautes heftig weinen (laut
ſchluchzen; vor Schluchzen nicht ſprechen können); daher das Schluchzen;
verſch. der Schluchzen, —s, landſch. auch der Schluchzer, ſ. v. w. ber
Schlucken.
ſchluck, Bw. (vgl. ſchlack f. ſchlaff) niederd. (ſſuck) f. niedergeſchlagen,
traurig.
ſchlucken, Zw. (mittelh. slucken; vgl. ſchlicken; ſchwed. sluka, dän. sluge,
holl. slocken) 1) ziel. u. ziellos, etwas durch den Schlund in den Magen
bringen, finnv. [hlingen (eine Speife, einen Biffen 2c. ſchlucken, hinunter
Ichluden 2c.; nicht ſchlucken können; das Schluden ald Hw.); uneig. gem.
f. in fich ziehen, einfaugen; 2) ziellos m. Haben, den mit dem Schluden
einer Flüffigkeit verbundenen, oder einen ähnlihen Schall hören laffen,
ſ. v. w. fhluchzen, gem. ſchluckſen (niederd. fluden); der Schlud, -e8,
M. Schlude, Verkl. das Schlückchen, (mitteld. sluc, w., M. slücke), die
Handlung des Schludens, bef. ein einmaliges Schluden (einen Schlud
thun; der erſte Schlud; in einem Schlud 2c.); was man, bef. von einer
Flüffigkeit, auf einmal hinunterfchludt (ein Schlut Wein, ein Schlückchen
Branntwein ꝛc.; einen Schlud nehmen, d. i. niederd. bef. Branntwein); die
Schlucke, M.-n, (niederd. Stute, auch Slök, Slöke; mittelh. der slüch),
niederd. f. Schlund, Kehle; landſch. auch f. der Schluden, -8, o. M., gem.
auch das Schlucdfen (niederd. der Schluckup), Erampfhafte Zufammen-
ziehung der Luftröhre, von einem unmillfürlichen, Eurz abgeſtoßenen
Schalle begleitet; der Schluder, -8, wer ſchluckt; bef. wer viel u. gierig
ifft, finnv. Freffer, Schlemmer, Schwelger (altd. slucho, sluko, slüch, slucke,
Auchart; niederd. Sloks, Sluks; ſlökiſch, gefräßig); auch f. Schmarotzer,
daher wohl: ein armer Schlucker, f. ein Nothleidender, der ſeinen Hunger
an fremden Tiſchen ſtillen muſs; auch uneig. verächtl. f. ein geiſtesarmer,
Mitleid verdienender Menſch; Naturk. der Schluder, f. See od. Schling-
abe; Tauchergans; Nachtſchwalbe; — das Schluckfieber, ein mit häu-
figem Schlucken (od. Schludfen) verbundenes Fieber; der Schludhals, nie
derd. f. Schlucker, Vielfraß; ſchluckweiſe, Nw., in einzelnen Schluden.
ſchluckern, ſchlunkern, ziellof. Zw. (vgl. ſchlack, ſchlackern), nieverd. f.
ſchwanken, ſchlottern.
Schluder, m., -$ (vgl. Schlotte, Schlotter), bair. f. Schutt, Schlamm.
fchludern, ziellof. Zw., landfch. gem. 1) (niederd. fluddern) f. ſchlaudern,
fchlottern; übereilt oder nachlaffig arbeiten (daher ſchluderig, niederd.
. Sudderig, f. Ichlotterig, faul, nachläſſig); 2) niederd. (ſludern) f. plaudern
(daher fluderhaftig f. plauderhaft). i
ſchluf od. ſchluff, auch fchluffig, fchlufferig, Bw. (niederd. ſluf; Holt.
sloef; vgl. das oberd. ſchlew unter ſchleh) niederd. u. fchweiz. f. träge, nach—
läffig, unordentlich; — ſchluffen, fchluffern, niederd. und fchweiz. 3w. f.
nachläffig fein, gedanfenlos und unachtſam handeln; auch in Schluffen
gehen, fchlarfen; die Schluffe, M. -n, niederd. f. alte Pantoffeln,
Schlarfen. j
Schluff, m., —es, M. -e, (v. fehliefen; vgl. Schlupf) oberd. die Hand-
i
Schluft — ſchlumpen 729
lung des Schliefens; das, wodurch od. worein man ſchlieft, insbeſ. Jäg.
der enge Raum, durch welchen ein Thier ſchlüpft; oberd. f. Muff, Armel
(ſchweiz. Schlufi, Kittel, Oberkleid); was fchlieft od. gleitet: Töpf. ein
gelber, viel Sand enthaltender Thon; daher fchluffig, Bw. oberd. Landw.
fhluffiger Boden, d. i. feinförniger Sandboden (vgl. das niederd. Slup-
fand f. Triebſand); — der Schlüffel, -s, M. w. E., 1) landſch. f. große
Gartenmaus; fchlef. f. Maulwurf; 2) (gem. Schliffel; v. fchliefen,
herumfchleichen, fich in Schlupfwinteln herumtreiben, oder v. ſchluf, träge,
f&hluffen? f. 0.) gem. oberd. f. ein fich müßig herumtreibender, leicht-
fertiger junger Menſch; Tandfch. auch ein plumper, grober Menfch, finnv.
Schlingel; fchlüffeln, zielloſ. Zw. oberd. f. fuchen, ftöbern (etwas durd;-
ſchlüffeln); ſich müßig herumtreiben (herumſchlüffeln).
Schluft, w., M.-en, oberd. f. Schlucht, ſ. d.; insbeſ. in Ziegelöfen
der leere Raum zwiſchen zwei Bänken, das Feuer darin anzumachen.
Schlug od. Schluk, m., -e8, preuß. unreiner Bernſtein mit Bläschen ꝛtc.
ſchlummern, zielloſ. Zw. m. haben, (altd. slummen, slummern; angelſ.
slummeran, engl. slumber, ſchwed. slumra; wahrſch. von einer Wurzel slum
f. fchlaff, vgl. das isländ. sluma, den Muth finken laffen, ſchweigen; oberd.
ſchlummerig f. fchlaff, fchlotterig), leife, nicht feſt ſchlafen; uneie. f.
todt fein, im Grabe ruhen; auch im Zuftande der Bemwufft- od. Gedan-
Eenlofigkeit fein; noch unentwidelt, nicht in Thätigkeit fein (ſchlummernde
Gefühle, Anlagen 2c.); der Schlummer, —s, M. (felten) w. E., das
Schlummern, der leife Schlaf; uneig. f. Dumpfheit des Bemwufftfeins,
Gedankenloſigkeit; — der Schlummergott, Gott des Schlafes (Morpheus);
der Schlummerhügel, dicht. f. Grabhügel; dev Schlummerfopf, gedan-
Eenlofer Menſch; das Schlummerforn, M. Schlummerförner, dicht.
fhlafbringende Mohnkörner; fchlummerlos, Bw., ohne Schlummer; die
Schlummerftätte od. = ftelle, das Schlummerlager zc.; fchlummerwir-
Eend, Bw., einfchläfernd, betäubend; — der Schlummerer od. Schlumm-
rer, -8, wer fchlummert.
Schlump, m., -e8, 0. M., gem., be. niederd. (aud) ſchwed. und dän.
slump; verw. mit Glimpf (f. d.) von limphan, ſich fügen; oder von ſchlum—
pen 2. f. nachläſſig fein, unbedachtfam handeln?) f. Ungefähr, glücklicher
Zufall, unvermutheter Glücksfall (etwas auf den Schlump thun, wagen ıc.
f. aufs Gerathewohl); der Schlumpfchlag, niederd. ein von ungefähr tref-
fender Schlag, ein Zufall; der Schlumpfchläger, hamburg. ein unbedacht—
famer, bfindlings hundelnder Menfch; der Schlumpfchufs, niederd. ein von
ungefähr treffender Schufs; ſchlumpsweiſe, Nw., gem. f. durch glücklichen
Zufall, von ungefähr, niederd. auch ſchlumps (ftumps); — fchlumpen 1.,
ziellof. Zw., niederd. (ſlumpen) f. durch ein glüdliches Ungefähr zutreffen,
gelingen.
ſchlumpen 2., verft. Ichlumpern, ziellof. Zw. m. haben, (vgl. fchlam-
pen 2), gem. f. fchlaff und fchlotterig herabhangen (die Kleider fchlumpen
an ihr); nachläffig und unreinlich einhergehen (im Haufe herum —); die
Schlumpe, M.-n, eine höchft nachläffige u. unreinliche weibl. Perfon ;
der Schlumper, -8, wer fihlumpt; Landfch. gem. ein weites, bequemes
Hauskleid; auch f. Schleppkleid ; fchlumpig od. Schlumpicht, auch ſchlum—
730 Schlund — ſchlüpfen
perig, Bw., gem. f. ſchlaff, nachläffig, unordentlih und unreinlich
(ſchlumpige Kleidung, ein fchlumpiger Menſch).
Schlund, m., -es, M. Schlünde; Verkt. das Schlündehen, (oberd.
auch Schlunk; altd. slunt, G. -des, urfpr. das einmalige Schlinden, der
Schluck; von slinden, fchlinden, ſ. d.), die Speiferöhre, u. insbef. der An-
fang derfelben im hinteren Munde, finnv. Kehle; in weiterer Bed. der Ein-
gang od. die Mündung eines Abgrundes, einer Höhle, Röhre (4. B. der
Schlund eines feuerfpeienden Berges, eines Kanonenlaufes, Rauchfanges ꝛc.;
landſch. aud) der ganze Rauchfang); auch f. Abgrund, gefährliche Tiefe im
Meere oder in Flüffen, Strudel; — der Schlundfopf, Anat. der obere,
dickere Theil des Schlundes; die Schlunddrüfe, Eleine Drüfen hinter dem
Schlundkopfe; die Schlundröhre, Speiſeröhre; — ſchlündig, Bw., oberd.
f. fhludend, einfaugend (z. B. waflerfchlündig).
Schlung, m., -es, M. Schlünge, 1. (v. ichlingen 1.) felten f. Ver:
ſchlingung, gefchlungener Zug, 3. B. Tiſchl. von eingelegter Arbeit; 2. (v.
ſchlingen 2.) landſch. f. einmaliges Schlingen, Schluck; — der Schlung-
baum, die Schlungbeere, ſ. v. w. Schlingbaum ze. (j. d.); die Schlung-
röhre, an einer Pumpe, Wafferkunft 2c. die unterfte Röhre, welche das Wafler
in ſich ſchlingt.
ſchlunken od. ſchlunkern, niederd. 3w., ſ. ſchluckern.
Schlunt, m., M.-en, niederd. (Slunten, Slunnen; holl. slans, loſe,
ſchlotterig) f. Lumpen, Fetzen; ſchlunterig, Bw. f. ſchlotterig, nachläſſig;
ſchluntern, 3w. f. ſchlotterig fein, nachläſſig handeln; — ſchlunzen, zielloſ.
Zw., ſ. ſchlenzen; der Schlunz, -e8, M. -e, niederd. f. unordentlicher,
nachläſſiger, leichtfertiger Menſch; die Schlunze, M. -n (ſchweiz. Schluenz,
niederd. Sluntje), gem. f. nachläſſige, ſchmutzige Weibsperſon; feile Dirne.
Schlupe, w., M.-n, 1. ſ. Schaluppe; — 2. landſch. der nicht in
Köpfe geſchloſſene Kohl (auch Schlüpe, Schlüpken, Schlupenkohl).
Schlupf, m., Schlupfe, w., ſ. unter ſchlüpfen 2.
ſchlüpfen 1., oberd. r. fchlipfen, zielloſ. Zw. m. fein, (altd. sliphan,
slipfan, slipfen, niederd. jlippen; verftärkende Ableit. von slifen, fchleifen,
ſ. d.), be. oberd. f. gleiten, glitfchen, fich gleitend fortbewegen (4. B. der
Aal ift mir aus der Hand gefchlüpft; uneig. das Wort fchlüpfte mir über die
Sippenz; vgl. Schlipf, entfchlüpfen); uneig. auch Uber eine Sache gleichfam
hingleiten, fie obenhin berühren, nachlaffig behandeln (niederd. flipern);
die Schlüpfe od. Schlipfe, M.-n, (altd. slipfe; vgl. Schlippe), oberd. f.
Zipfel; Schleppe; fchlüpfern od. ſchlipfern (auch fchlipfezen), ziellof. Sw.,
oberd. f. ausgleiten, glitfehen, auf dem Eife gleiten; auch f. ſchlüpfrig
fein; fchlüpferig od. gew. fchlüpfrig, Bw. (altd. slipfec; oberd. fchlipferig,
. niederd. flibberig, ſchwed. slipperig, engl. slippery), glatt, glitfchig, fo dafs
man leicht ausgleitet; bef. glatt u. feucht zugleich, fchmierig (ein fchlüpf-
viger Boden; ein Aal, das DL ıc. ift fchlüpfrig); uneig. oberd. f. unbe
jtandig, leichtfinnig (ein fchlüpfriger Menſch); gefährlich, miſslich, bedenf-
lich (eine fchlüpfrige Sache); auf verſteckte MWeife unfittlic u. zur Wolluft
veizend, zweideutig, unzüchtig (ichlüpfrige Reden, Gedichte, Gemälde zc.);
die Schlüpfrigkeit, das Schlüpfrigfein, die ſchlüpfrige Befchaffenheit
eig. und uneig.; auch eine fihlüpfrige Sache, Stelle, Rede zc. (M. Schlüpf-
rigkeiten).
— —
fhlüpfen — Sclufs 131
fchlüpfen 2., oberd. ſchlupfen, ziellof. Zw. m. fein, (altd. sluphan,
slupfan, slupfen, niederd. flupen; verftärfende Ableit. von sliefen, ich sliufe ⁊c.,
fchliefen, f. d.; vgl. das altſächſ. slopian, durchſchlüpfen machen), ſchnell und
unvermerkt in od. durch eine Dffnung fidy bewegen (die Maus fchlüpft in
ihe Loch; duch einen Zaun—; aus dem Haufe —; oberd. in ein Kleid, aus
einem Kleide fchlupfen zc.); der Schlupf, -es, M. Schlüpfe, landſch. f.
das Schlüpfen ; oberd. ein enger Raum, worein od. wodurd man ſchlüpft;
auch f. v. w. die Schlupfe, M.-n (oberd. die Schlupfen, das Schlüpfelein)
f. Schleife, Schlinge, Knoten, Band; landſch. auch f. die Krieche, Dafer-
fchlebe; der Schlüpfer od. Schlupfer, -$, wer ſchlüpft; oberd. f. Muff;
— 3fes. die Schlupffliege, eine Art Fliegen; der Schlupfhafen, Schiff.
windftiller Ankerplatz für Eleine Schiffe; der Schlupffäfer, Mehlkäfer; der
Schlupfkönig, landſch. f. Zaunkönig (oberd. ZBaunfhlupferlein); das
Schlupfloch, Kleine Öffnung, in od. durch welche man fehlüpft; die Schlupf-
pforte, das Schlupfthor, Pforte zc., durch welche man unbemerkt entkom—
men kann; die Schlupfwespe, |. v. w. Raupentödter; auch f. Blattwespe;
der Schlupfwinfel, ein Winkel, in welchen man ſich verbirgt; uneig. jeder
verborgene Ort, wo man fich aus böfer Abficht aufhält.
ſchlüren u. fehlürren, ziellof. u. ziel. Zw. niederd. (flüren, ſlören, flurren ;
holl. slooren, sleuren; vgl. fchlarfen, ſchlarren; u. das oberd. fchlauren unter
Schlaraffe) f. fchlarfen, fchleppen, nachfchleppen (die Kleider); nachläffig
u. unordentlich mit etwas umgehen; fehlürig od. fchlurig, Bw. niederd.
f. fchlaff herabhangend, fehleppend; nachlaffig, unordentlich u. unfauber,
bef. in der Kleidung; niedergefchlagen, traurig (z. B. von einem Pferde, das
die Ohren—, einem Hunde, der den Schwanz bangen Läfft), trübe, unfreund-
lich) (Wetter).
ſchlürfen, ziellof. u. ziel. Zw. (ein Schallw., holl. slurpen; niederd. ſchlub—
bern; oberd. auch: ſchlufern und fürfen, fürfeln, vgl. das lat. sorbere), den
Schall hervorbringen, welchen das Wort nachahmt, landſch. f. fchlarfen ;
inöbef. eine Flüffigkeit mit halb gefchloffenen Lippen in fic) ziehen (. 8.
eine Zaffe Thee —); uneig. etwas gleichfam einfaugend langſam genieken; der
Schlurf, -e3, (mittelh. slorpf) vit. f. der Schlürfer.
Schlurk, m., -es, M. -e, (mittelh. slurc), vlt. f. Schlund; ſchlurken,
ziellof. u. ziel. Zw. (mittelh. slarken), vlt. f. ſchlucken, verfchlingen ; oberd.
f. ffammeln, das r nicht auöfprechen können.
Schluſs, m., -ffes, M. Schlüffe, (altd. siuz, von sliozan, ſchließen,
f. d.), 2) das Schließen, u. zwar insbef. das Zumachen, WVerfchließen (z.
B. der Thorſchluſs; der Schlufs eines Gewölbes zc.), das Anfchliegen, Feft-
Anlegen, bef. der Schenkel des Reiters an den Leib des Pferdes (vgl. ſchlie—
sen 3), das Eingehen einer Verbindung (4. B. Friedensſchluſs), das Be—
ſchließen, Beendigen (etwas zum Schluffe bringen, damit zum Schluffe fchrei-
ten, eilen 20.); 2) das Schließende und der Ort, wo etwas fehließt oder
gefchloffen ift (3. B. der Schlufs einer Schere, d. i. der Theil, wo die.beiden
Blätter mittelft eines Nietes verbunden find; der Schlufs eines Fenfters, einer
Thür 2e.; auch f. Schlufsftein, Schlufsbein zc.), insbef. f. Ende, Befchlufs
(der Schlufs eines Briefes, einer Rede 2c.); 3) das Gefchloffene, Befchloffene,
insbei. f. v. w. Entfchlufs, Befchlufs (einen Schlufs fallen; vgl. Rath,
Raths⸗, Reichsfchlufs 2c.); ein gefchloffenes, d. i. gefolgertes Urtheil (einen
184 -: Schlüffel
Schluſs machen, aus etwas ziehen, herleiten), im engerer Bed. ein aus Vor—
derfägen hergeleiteter Schlufsfag mit Inbegriff der Vorderfäge, ein Ver—
nunftfchluf8 (ein richtiger, ein falfcher Schlufs); — 3fes. der Schlufs-
balfen, Zimmerl. der Balken, welcher den Schlufs eines Daches macht; das
Schlufsbein, Hüftbein mit feinen Theilen, bef. beim weibt. Gefchlechte, auch
Schlofsbein, u. bloß Schlufs, Schloſs; der Schlufsfall, Ton= und
Redek. der Tonfall am Ende eines Mufikftüdes, eines Ton= od. Redefaßes ıc.
(fr. Cadenz); die Schlufsfolge, die Reihenfolge mehrer Schlüffe od. Folge:
rungen; aud die Folge, das Ergebnifs eines Schluffes; der Schluſskeil,
Bergw. Keile zur Befeftigung der Haspel-Arme in die Löcher der Haspelmelle
getrieben; die Schlufsfette, Schlufsreihe, Reihe von Schlüſſen; die
Schlufsfunft, Kunft, (Vernunft) Schtüffe zu machen; die Schlufsleifte,
f. Leifte; der Schlufspunft, f. Punkt; auch der legte Punkt, d. i. Sas, Ab—
fchnitt zc. z. B. eines Vertrages; die Schlufsrechnung, legte Rechnung, Ab:
rechnung; fchlufsrecht od. fchlufsrichtig, Bw., Neuw. f. logiſch richtig; die
Schlufsrede, beichliegende Rede, Endrede; aud) ein in Worten ausgebrüdter
Vernunftſchluſs (fr. Syllogismus); die Schlufsfäge, ſ. Schließfäge; der
Schlufsfab, der fchliegende od. letzte Sag einer Rede, eines Muſikſtückes ze.;
insbef. der legte Satz, Folgeſatz eines Vernunftfchluffes; der Schlufsftein,
Bauk. ein Eeilförmiger Stein, welcher ein Gewölbe zc. oben ſchließt; uneig.
überh. f. der Schlufs, das Schliegende; das Schluſsſtück, das Stück, der
Theil, welcher ein Ganzes, z. B. ein Muſikſtück, befchließt (fr. Finale; fo
auch: dev Schlufsgefang, das Schlufsfpiel 2e.); der Schlufstritt,
f. Schlofstritt; das Schlufsurtheil, Endurtheil; das Schlufswort, Wort
od. Worte zum Beichlufs; das Schlufszeichen, am Schluffe gefestes Zeichen,
3. B. der Punkt; der Schlufözierath, Zieraty am Ende eines Buches oder
Abſchnittes, Schlufsleifte; Bauk. ſpitz zulaufende Sierathe, die eine Sache ober:
wärts Schließen; — Ableit. ſchlüſſig, Bw., felten f. einen Schlufs oder
Beſchluſs faffend, entfchloffen, entg. unfhlüffig, (ichlüffig werden);
niederd. auch f. einig.
Schlüſſel, m., -s, M. w. E., Verkt. das Schlüffelchen, oberd. Schlüffe:
lein, (altd. sluzil, slüzzel; niederd. Slötel; von fchliegen), ein Werkzeug
zum Schließen, bef. zum Auf- und Zufchließen eines Schloffes (Haus-,
Stuben-, Thor-, Keller, Garten, Schrankſchlüſſel 2c.; dem Sieger die
Sclüffel der Stadt überliefern, d. i. die Stadt übergeben; der Kammerherren-
ſchlüſſel, ſ. d.); in weiterer Bed. verfchiedene fchlüffelähnliche Werkzeuge,
welche in eine Öffnung oder’auf einen Stift 2c. pafen u. etwas zu öffnen, um—
zudrehen, auf u. zuzufchrauben 2c. dienen (z. B. der Uhrſchlüſſel, Schlüffel zur
Spannung der Saiten eines Tonwerkzeuges; in den Orgelpfeifen, Kleine be
- wegliche Kaften zur Verfchliefung der Pfeifenlöcher); uneig. was den Zu: od.
Eingang verwehrt, oder geftattet (z. B. eine Grenzfeftung: der Schlüffel
des Landes od. zu dem Lande; die Schlüffel des Himmelreichs, d. i. die Macht,
von der Kirchengemeinfchaft auszufchließen, u. in diefelbe aufzunehmen: Binde:
u. Löfefhlüffel, f. d.); ferner was den verborgenen Sinn, die Ber
deutung einer Suche erkennbar macht, gleihfam auffchließt (z.B. den
Schlüffel zu etwas haben; der Schlüffel des Räthſels), bej. das Erkenntniſs—
mittel zur Entzifferung einer Geheimfchrift; Tonk. das vorangefeßte Zei-
chen, mittelft deffen man den Ton jeder Note erkennt (Bafs-, Violin—
Schluſsfall — ſchmachten 733
Schlüſſel ꝛc.); — 3feg. das Schlüſſelbein, zwei gebogene Beine zu den
Seiten des Halfes oberhalb der Bruftz daher die Schlüffelbeinader, auch
bloß: Schlüffelader; der Schlüffelbeinmusfel zc.; die Schlüffelblume,
eine im erften Frühling blühende gelbe Wiefenblume, aud) Himmelſchlüſſel
(von ihrer Ähnlichkeit mit einem Schlüffel, oder weil fie den Frühlingshimmel
gleicht. aufſchließt; primula veris L.), Ofter-, Gichtblume, Gichtkraut ze. ge—
nannt;z blaue Schlüffelblume f. edles Lungenkraut, Scharfe Ochfenzunge;
die Schlüffelbüchfe, ein Schtüffel mit hohlem Rohr u. einem Zündloch, aus
welchem Knaben zu fchießen pflegen; das Schlüffelbund, mehre zufammen-
gebundene Schlüffel; das Schlüffelgeld, ein Geldgeſchenk, welches der Käufer
eines Daufes der Gattinn oder Tochter des Verkäufers giebt, gleich). für die
Auslieferung der Hausihlüffel; der Schlüffelhafen, ein Haken, Schlüffel
daran zu hängen; der Schlüffelforb, ein Körbchen, in welchem man Schlüſſel
verwahrt u. mit ſich trägt; das Schlüffelfraut, Seifentraut; das Schlüffel-
loch, das Loch im Schloffe, durch welches der Schlüffel geftectt wird; der
Schlüffelring, ein Ring, auf welchen mehre Schlüffel gereiht find; auch der
Ring an dem Schlüffelrohr od. -ſchaft; der (landſch. auch: das) Schlüffel-
ſchild, das Blech, welches die Thüröffnung bedeckt, in welcher das Schlofs
angebracht ift.
Schlufsfall ꝛc. — Schlufszierath; ſchlüſſig, ſ. unter Schtufe.
ſchlutten, jchluttern, ziellof. Zw., landfch. gem. ſ. v. w. ſchlötten, ſchlo—
gen (ſ. d.); auch) f. fchlottern 2.5; die Schlutte, Schluße (oberd. Schlutt,
Schluett) f. Pfütze, Lache: unreinliche, liederliche Perfon (vgl. Schlose);
das Schlutterkraut, landſch. f. Waſſerſchwertel, gelbe Wafferlitie.
Schmach, w., o. M. (von ſchmähen, f. d.; mittelh. smähe, smache;,
ital. smacco; niederd. Smad, Smade; das altd. smähi, mittelh. smaehe,
smaehede, smächeit bedeutet Kleinheit, Geringfügigkeitz vgl. ſchmähen), ehem.
u. noch oberd. f. das Schmähen, die Schmähung, Schmährede (daher
- Schmakhhandel, -ſache, »Elage f. Injurienklage 2c.); jest überh. Be—
fhimpfung, Eränfende, verächtliche, herabwuürdigende Behandlung, bef.
fofern ſich diefelbe auf Geringfchäsung aründet, u. der Zuftand des fo Behan-
delten, finnv. Schimpf, Schande, (einem Schmach anthun; bibl. in Schmach
fein 2..); — ſchmachbedeckt, - belaftet, Bw.; die Schmachfäule, alt f.
Schandfäule; ſchmachvoll, Bw., viel Schmach bringend, oder erleidend
chmachvolle Behandlung; ein ſchmachvolles Leben); — die Schmachheit,
vlt. f. Schmach; ſchmachlich, Bw., vlt. f. Shmählich.
ſchmachten, ziellof. 3w. m. haben (altd. smahtön, smahten, ‘von smähi,
gering, ſchwach; smähen, fchwac werden (vol. ſchmähen); niederd. fmagten),
urfpr. u. eig. Hering, ſchwach (fchmächtig) werden; vom Verlangen nad)
etwas verzehrt werden, insbel. fchmerzlich nach Nahrung verlangen, im
höchften Grade hungern u. durften, finnv. Techzen (vor Hunger ſchmachten;
nad einem Trunke 2c. ſchmachten); überh. Mangel, Noth leiden (im Ge-
fängniffe, in der Verbannung —); fich fehmerzlich fehnen, einen hohen Gard
von Sehnfucht empfinden und ausdrücken (nad) Jemand ſchmachten; einen
ſchmachtend anfehen; ſchmachtende Blide, Töne zc.; fchmachtende Liebe: als
Hw. das Schmachten); die Schmacht, (niederd. Smagte), vit. f. hefti—
ger Hunger, Verhungern, Hungersnoth; — der Schmachthals, gem.
auch Schmachtlappen, Iandich. f. Hungerleider; das Schmachtkorn, ſächſ.
134 ſchmachvoll — ſchmähen
f. kleine, nicht volllommen ausgebildete Getreidekörner; der Schmachtriemen,
ein breiter Riemen, womit die Fuhrleute ſich den leeren Unterleib gürten, da—
mit er beim Reiten nicht fo ſehr erſchüttert werde; uneig. gem. den Schmadht-
viemen umfchnallen f. hungern; — ſchmächtig, Bw., (niederd. fmagtig) lang
u. dünn, mager und fchiwach, finnv. ſchlank (ein ſchmächtiger Menfch, Leib,
Wuchs 2c.); landſch. auch f. in hohem Grade hungrig (ſchmächtig, wie ein
Wolf), ärmlich, kümmerlich, geizig (ihmächtig leben); die Schmädhtigkeit,
das Schmädhtigfein, die ſchmächtige Befchaffenheit; der Schmädtling,
-08, M. -e, Landfch. f. eine ſchmächtige Perfon.
ſchmachvoll, f. unter Schmad).
Schmad 1. m., -e8, o. M. (von ſchmecken, |. d.; altd. smac, G. smackes;
niederd. Smack; ſchwed. smaak; angelf. smaec, engl. smack) vlt. f. Ge-
ſchmack (f. d.; noch in den Zſetz. Bei, VBorfhmad 2c.); ehem. bef. f.
Geruch; daher ſchmacklos, Biv., f. ohne Gefchmad, geſchmacklos; Tchmad-
haft, Bw., einen Gefchmad habend, d. i. einen merklichen Eindruct auf die
Geſchmacksnerven machend, ſchmeckbar; gew. f. angenehm fchmedend, wohl-
fhmedend (Ichmadhafte Speiſen; ſchmackhaft Eochen; niederd. ſchmacklich,
ſmacklik; oberd. gefhmad); die Schmadhaftigfeit, das Schmadhaftfein;
— ſchmacken, fhmadfen, ziellof. Zw. (niederd. fmaden, ſmackſen; oberb.
fhmadezen; vielleicht als felbftändiges Schallwort zu betrachten), landſch.
gem. f. ſchmatzen (beim Effen); fchmagend küſſen.
Schmad, 2. m., -es3, M.-e, (aus Sumach zgez., fpan. sumaco), der
Gerber oder Färberbaum im füdl. Europa, und deffen Rinde ꝛc.; daher -
Ihmadgar, Bw., Gerb. mit Schmad gar gemacht (Leder); fchmad-
ſchwarz, Bw., Färb. aus Schmad, Blauholz u. Weinftein mit Waffer be
reitetes Schwarz.
Schmade od. Schmafe, w., M.-n, (niederd. Smak, Smack; holl. u.
engl. smack; franz. semaque; vgl. das angelf. snacca, isländ. sneckia und
Nachen), niederd. eine Art einmaftiger Handelsfchiffe mit plattem Kiele, aber
ſehr bauchigem Vorder» und Hintertheile, auch das Schmadjchiff; — das
Schmadpfund, in Hamburg u. Riga ein Schiffsgewiht— 400 Pfund.
fhmaddern oder ſchmadern, ziellof. und ziel. Zw., niederd. (jmaddern;
ver. mit mitten, fchmigen, Schmuß ze.) f. mit einer Flüffigkeit unreinlic)
umgehen; insbef. unreinlich fehreiben, fehmieren; daher das Schmadder-
buch f. Schmierbudy; der Schmadderer, f. Schmierer ıc.
ſchmädern, ziellof. u. ziel. Sw., oberd. (Schallw.) f. ſchmettern; ſchwa—
gen, plaudern (val. fchnattern).
ſchmähen, ziel. u. ziellof. 3w. (altd. smähen, smaehen; nieberd. ſmaen,
jmaden, verfmaen ꝛc. f. verfchmähen; ſchwed. smaeda; von dem altd. smähi,
smaehe, oberd. ſchmäch, niederd. fma, fmä, fmade f. gering, unanfehnlich,
verächtlich; isländ. smär, ſchwed. smä, Hein; vgl. Schmach, ſchmachten,
Ihmädhtig), einen—, urfpr. ihn als verächtlich od. fchlecht darftellen, ihn
mit Eränfender Geringſchätzung behandeln (vgl. verfchmähen); jest gew.
mit Worten empfindlich beleidigen, kränken, edler als die finnv. fchimpfen,
ſchelten (einen—, und auf ihn f&mähen); — 3fes. der Schmähhandel,
Rechtshandel wegen Schmähungen (fr. Injurienprocefs); die Schmährede,
ſchmähende Rede, Schimpfrede; die Schmähfchrift, ſchmähende, ehrenrüh—
rige Schrift (fr. Pasquill); der Schmähfchriftler, Neuw., Verfaffer einer
—
ſchmal 735
ſolchen (fr. Pasquillant); die Schmähſucht, Sucht zu ſchmähen; daher
ſchmähſüchtig, Bw., damit behaftet, oder darin gegründet; das Schmäh—
wort, ein fchmähendes, ehrenrühriges Wort, finnv. Schimpfwort; — Ableit.
der Schmäher, -8, wer ſchmäht; die Schmähung, das Schmähen; aud)
f. Schmähwort, Schmährede (z. B. Schmähungen gegen Semand ausftoßen);
ſchmählich, Bw. (zunächſt wohl von smahe, Schmady; mittelh. smaehlich,
smaehenlich; niederd. ſmälik, verächtlich, gering, ſchlecht), einer Schmad)
gleih, mit Schmad) verbunden, Schmach bringend, finnv. ſchmachvoll,
ſchimpflich, verächtlich (einen -Ihmählich behandeln; ein fchmähliches Ende
nehmen); gem. auch zur Bezeichnung eines hohen Grades, wie: fürchter-
lich, Schrecklich 2c. (z. B. eine ſchmähliche Hitze u. dgl., d. i. eine überaus große).
ſchmal, Bw., Comp. fehmäler, Sup. ſchmälſt, auch: fchmaler, fehmalft,
(altd. niederd. ſchwed. smal; angelf. smael, engl. small; von der Wurzel sma,
von welcher auch smähi, smaehe, ſchmähen ftammt, f. d.), ehem. und noch
landſch. überh. Elein, gering (fo noch in: Schmalvieh, fchmälern 2c.); daher
noch uneig. f. Enapp, karg, ärmlich und fchlecht (4. B. einem ſchmale Biffen
geben; ſchmale Koſt; fchmal leben 2c.); insbeſ. f. dünn, entg. did (z.B.
ſchmale Grofchen, ehem. eine Art dünner Groſchen), ſchmächtig, mager
(ſchmal von Leibe fein; Jäg. ein fchmales Wild); jest gew. eine verhältnifg-
mäßig geringe Ausdehnung in die Breite habend, entg. breit (3. 8. ein
fchmaler Streifen, fchmales Band 2c.); — 3fes. fehmalbädig, Bw., gem.,
Schmale Baden habend, abgezehrt; das Schmaleifen, Hüttenw. das im Ofen
zurüdbleibende gefchmolgene Eifen, aus welchem Pflugicharen geſchmiedet wer-
den; die Schmal- Ente, eine Art Eleiner wilder Enten; der Schmalflügel
od. Schmalflügler, Naturk. cin Thier, bei. ein Käfer oder Schmetterling,
mit ſchmalen Flügeln; der Schmalhans, gem. fcherzb. f. eine Perfon, bei
welcher es karg hergeht u. nur fchmale Biffen (f. o.) giebt, (hier ift Schmal-
hans Küchenmeifter, d. h. der Tiſch ärmlich beftellt); das —— ehem.
f. niedriges Gehölz, Gebüſch; bei Kohlenbrennern f. kleines Holz; der Schmal—
kopf, Naturk. ein vier Zoll langer Fiſch mit kleinem Kopfe; das Schmal-
Leder, dünnes Leder von Kühen, drei= bis vierjährigen Rindern und Pferden,
entg. Pfundleder; die Schmalfaat (altd. smalsät), oberd. f. die Eleineren,
niedriger wachfenden Feldfrüchte, namentlich Hülfenfrüchte, als Erbſen, Wicken 20.5
der Schmalfchwanz, Naturk. eine Art Holzkäfer, der weiche Holzbock; das
Schmalthier, Jäg. ein Wildkalb im zweiten Zahre, ehe es zu fegen anfängt,
foraudh: das Schmalreh, die Schmalgeif 2c.; das Schmalvieh, das
Bleinere zahme Vieh, insbe. die Schafe, z. U. v. Zug- und Laftvieh; der
, Schmalvogef, vit. f. Sperling; der Schmalzehnte, der Zehnte von dem
Schmalvich; — Ableit. die Schmäle, wenig gebr. f. geringe Ausdeh-
nung in die Breite; aud) f. v. w. die Schmalheit, das Schmalfein, die
Schmächtigkeit; ſchmälich, Bw., landſch. f. armfelig, kärglich, ſpärlich;
ſchmalen od. ſchmälen 1., ziel. Zw. (mittelh. smaln, smeln; holl. smalen,
smallen), vlt. f. Elein, gering machen, mindern; fcehmälern, ziel. Zw.,
Eleiner, geringer machen (den Ader, die Einkünfte zc.), oberd. f. enger
machen (ein Kleid); uneig. f. benachtheiligen, Abbruch thun, verkürzen
(Semands guten Namen, Verdienft 2c.); rüdz. fih—, ſchmäler werden;
der Schmälerer, -8, mer etmas fehmälert; die Schmälerung, das
Schmälern.
736 ihmälen — Scmand
ſchmälen 2. ziellof. 3w. 1) (Schaltw.?) Zäg. von den Rehen: die Stimme
hören laffen, f. v. w. melden; 2) (urſpr. — ſchmälen 1. d. i. als gering
od. ſchlecht darftellen, herabſetzen; oder: ſchmählen als Ableit. von ſchmä—
hen?) feinen Unwillen über Jemand durch Worte Außern, gelinder und
vertraulicher, als fchelten (auf einen ſchmälen).
Schmal- Ente, fehmälern zc., Schmalflügel, ſ. unter ſchmal.
ſchmalgen, ziellof. u. ziel. Zw., oberd., Speifen durcheinander mengen,
unreinlich Eochen, unreinlich und mit vollen Baden eſſen; daher die
Schmalgereiz fchmalgern, 3w. f. unreinlich mit etwas umgehen, ſchlecht
fhreiben, ſchmieren.
Schmalhans, Schmalheit ꝛc. — Schmalfchwanz, ſ. ſchmal.
Schmalte, w., M. -n, (au) Smalte; engl. smalt; aus dem ital.
smalto, mittl. lat. smaltum, welches aber von dem deutfhen Schmelz ab-
ftammt), Schmelzblau, Kobaltglas, aus dem Kobalt gewonnenes metalli-
ſches Glas, als blauer Färbeftoff gebraucht, auch Blaufarbe genannt; daher
jhmaltblau, Bw., brennend hellblau.
Schmalthier, =vieh, =zehnte, f. unter ſchmal.
Schmalz, f., -e3, M. (nur von mehren Arten) -e, (altd. smalz, niederd.
Smalt, Smolt, fchwed. smält; von fchmelzen), ausgefchmelztes od. ausge—
bratenes Thierfett, welches nach dem Erkalten weich und ſchmierig bleibt,
verih. Talg, bei. Schweine: und Gänſeſchmalz; auch die ausgefchmelzte
od. zerlaffene und dadurch gereinigte Butter, mit welcher die Speifen fett ger
macht werden, Schmelzbutter, (ſprichw. ohne Salz und Schmalz, f. fade,
matt, geſchmacklos); oberd. auch überh. f. Butter (z. B. Maienfhmalz
f. Maibutter); in weiterer Bed. ein fetter, fchmieriger Stoff (3. B. Ohren-
ſchmalz); — 3feg. die Schmalzbirn, eine Art faftiger, ſchmackhafter
Birnen; die Schmalzblume, oberd. f. Butterblume; Wiefenhahnenfufs:
das Schmalzbrod, die Schmalzfchnitte, mit Schmalz beftrichenes Brod;
oberd. auch f. Butterbrod; in Butter gefottene Brodſchnitten; die Schmalz
feder, 1. Fettfeder; der Schmalzfifch, ein Seefifch mit nadtem, fchleimigem
Körper in den nördl. Meeren; die Schmalzgrube, uneig. f. ein fettes, frucht-
bares Land; der Schmalzfäfer, landſch. f. blauer Maikäfer; das Schmalz
fraut f. Gartenfalat; der Schmalzfübel, das Schmalzfafs 2. ; der
Schmalzfuchen, in Schmalz gebadener Kuchen; der Schmalztopf ꝛc.; —
Ableit. fhmalzig, Bw., viel Schmalz habend, fehr fett, (oberd. der
ſchmalzige Samstag, d. i. der Sonnabend vor Faſtnacht); ſchmalzen,
landſch. auch ſchmälzen, ziel. Zw. (Mi. Tandich. gefchmalzen, r. ge
fhmalzt) mit Schmalz od. Schmelzbutter fett machen (eine Suppe 20.—;
weder gefalzen, noch gefchmalzen, f. v. w. ohne Salz und Schmalz, f. 0.);
der Schmälzer od. Schmalzler, -$, oberd. f. Schmalz= od. Fetthändler;
ſchmälzeln, ziellof. 3w., oberd. f. fehlerhaft nad) Schmalz riechen oder
ſchmecken; der Schmalzling, Schmalzapfel, oberd. eine Art Apfel mit
glänzender Schale.
Schmand (r. als Schmant), m., -es, 0. M., (landſch. auch die
Schmantez altd. smant, G. smandes; flav. smetana, böhm. smetten), landſch.
f. Milchrahm, Sahne; in Salzwerken: die Unreinigkeit, welche ſich als ein
Schaum oben auf die Soole fest. (Salzfhmand); Bergw. eine zarte,
ſchwefelgelbe feuchte Erde, die ſich beim Vitriolfieden niederfchlägt u. aus welcher
ſchmarackeln — Schmarting 737
eine rothe Farbe gebrannt wird; ſchmanten od. ſchmänten, zielloſ. Zw., os—
nabrück. f. Schaum geben (das Bier ſchmantet); ſchmandig, Bw., ſchwäb.
f. ſchmutzig, kothig.
|
fhmaradeln, fehmarädeln, od. fhmarageln, ziellof. Zw. (vielleicht ein
Schallw.; vgl. das griech. aucoayeiv), oberd. eine Art Kegel zu fchieben,
wobei diefelben von verfchiedenen Seiten her mit einer großen Kugel (S hma=
vad- oder Shmaradel- Kugel) herausgeftoßen werden, der Kurzfchub.
Schmarengeln, M., o. E., ſchwäb. f. Überbleibfel von der Mahlzeit;
ledkerhafte Efswaaren (vgl. das mittelh. smariac unter fhmarogen); Schma⸗
rolen (vgl. Schmarren 2.), ſchwäb. f. leichte Mehlklöße.
ſchmarotzen, zielof. 3w. m. haben, (ehem. auch ſchmarutzen, fchmo-
roßen, holl. smeerotzen, ſchwed. smärätsa; wahrfch. entft. aus dem mittelh.
snarrenzen, welches von suarren, fchnarren, abgel. ift, u. fchwasen, dann auch
Ihmarogen bedeutet (vgl. das fchwäb. Schmarrenmader f. Schwäger u. das
bair. fchnarrmaulen f. Hunger leiden); daher suarrenzaere, umbherziehender
Mufitant, Hungerleider, Schmaroger; vgl. jedoch auch das mittelh. smariac
f. Leckermaul, Schmaroger, u. das oberd. Schmarren 2.), verächtl. f. unge:
beten auf Anderer Koften f[hmaufen od. zehrenz auch Andern fchmeicheln,
um Vortheile von ihnen zu erlangen; der Schmaroger, -$, die Schma-
rotzerinn, M.-en, eine fchmarogende Perfonz die Schmarogerpflanze,
verjchiedene Pflanzenarten, die in andern Pflanzen wurzeln u. aus diefen ihre
Nahrung ziehen; jo auch: der Schmaroberbaum; die Schmaroßernefjel;
der Schmarogerfhwamm ꝛc.; der Schmarogerfrebs, die Krebskrabbe,
die ihren nackten Schwanz in leere Mufcheln ftedt; die Schmarogerfchale,
Naturk. auf fremden Körpern feftfigende Schalen von Schalthieren; — die
Schmarogerei, das Schmarogen; fehmarogerifch, Bw., nad) Art eines
Schmarogers.
Schmarre, w., M. -n, (niederd. Smarre, Smarl; wahrfch. durch Buch—
jtabenverfegung aus Schramme entft., f. d.; vgl. Scharren und Schranne),
gem. f. eine lange, Schmale Wunde od. Narbe, bef. von einem Säbelhieb ;
jchmarrig, Bw., Schmarren habend; fehmarren, ziel. 3w., einen—,
mit einer Schmarre verfehen, zeichnen.
Schmarren 1., m., -$, M. w. E., aud) der Schmaren, Schmarn,
Verkl. das Schmärrlein (bair. au) Schmarben, Shmarmwen; verw,
mit Schmeer, fchmieren, oberd. fchmirben; fchmoren 2c.), oberd. eine Art
trockner Mehlfpeife, in Butter od. Schmalz gefchmort (Brod-, Semmel-,
Mehl-, Gries-Schmarren 2c.); ſchwäb. f. gefchmortes Obft, Obftmus; aud.
eine Art weicher Kuchen von zerftoßenen Pflaumen oder Apfeln (auch:
die Shmarre.).
Schmarren od. Schmarn 2., m., -8, M. w. E. (verw. mit ſchmal,
) von der Wurzel sma, f. unter ſchmähen; oder mit dem oberd. fhmorren,
eintrodinen, einfchrumpfen; henneberg. fchmorgen , niederd. fmurfen f. fparen
im Effen 2c.2), oberd. 1) f. Stück, Biffen, Klumpen; uneig. f. etwas zu
Kleines, Schlechtes, Erbärmliches; 2) ein karger Menfch, Knaufer, auch:
der Shmarhans (vgl. Schmalhans); fchmarren, ziellof. Zw., oberd. f.
| Earg fein, knauſern; ſchmarriſch, Bw. (bair. auch ſchmarbiſſch) f. ſpar—
fam, £arg; fchmarmaulen, Zw., bair. f. kärglich effen.
Schmarting, w., M. -en, Schiff. altes Segeltuc) zum Bekleiden der Taue.
Heyfes Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 47
en
738 Schmaſche — fchmaufen
Schmafche, w., M. -n, 1. landſch. f. Mafche, Schlinge; — 2. (nies
derd. Smaaske; flawifchen Uriprungs, poln. smusik, Lammfell) Kürfchn. fein
gekraufete Felle von ungeborenen Lämmern, ſ. v. w. Baranke.
ſchmatzen 1., ziellof. 3w. (ein Schallwort; landſch. auh ſchmacken,
ſchmackſen, ſchmackezen; engl. smack; ital. schiamazzare), den Schall
hervorbringen, welcher durch Zufammendrüden und plögliches Offnen
der naffen Lippen und der Zunge entfteht, bef. unfciclicher Weife beim
Eſſen (ichmasen, wie die Schweine); auch mit ſolchem Schalte derb küſſen;
daher der Schmaß, -e3, M. Schmäße, ein folder Schall; ein derber,
lauter Kufs, verkl. das Shmäshen, Schmäslein, oberd. auch der
Schmager, das Schmagerlein, abgek. Schmagerl: der Schmaßer, -$,
wer fihmast beim Eifen od. Küffen; verfchiedene Eleine Vögel, wegen ihres
Schmagenden Lautes (auch Shmas, Schmätzzeh), insbeſ. die Grasmüde:
Hedenihmaser; die Bachſtelze: Steinfhmaser; der Fliegenfchnäp-
ver: großer Steinfhmasger; das Weißkehlchen: Eleiner Steim
ſchmatzer.
ſchmatzen 2. ziel. Zw. (val. metzen 2. u. ſchmeißen, angelſ. smitan, ſchla—⸗
gen), oberd. Forſtw. f. ſchlagen, hauen (anſchmatzen, mit dem Wald—
hammer zeichnen); insbeſ. die Baumſtümpfe (Schmagen) ausroden und
zu Klafterholz ſchlagen (die Stöcke fchmagen); die Schmatze, M. -n;
Zerftw. der im Boden ftehen gebliebene Stod eines gefüllten Baumes;
oberd. auch f. Hauklotz, Schlägel, Rammblod; die Schmaßklafter, eine
aus Schmasen gehauene Klafter Holz.
ſchmätzen, zielof. und ziel. Zw. (mittelh. smetzen), oberb. verächtl. f.
ſchwatzen, reden; der Schmäßer, -8, f. Schwäßer.
Schmauch, m., -e$, 0. M. (niederd. Smook; angelf. smeoc, smoca,
engl. smoke; dän. smog; mit f[hmeden, altd. smacchian, smecchan f.
riechen, zufammenhangend, wie Rauch mit riechen), dicker Rauch, bef. von
bloß glimmenden Stoffen ohne Flamme; fehmauchen, Zw. (niederd. ſmoken,
ſmöken; anaelf. smeocan, engl. smoke) 1) ziellos m. haben, Schmaud)
von fich geben (Zorf, naffes Holz ꝛc. ſchmaucht); 2) ziel. Taback —, landſch.
gem. f. rauchen, bef. viel und ſtark rauchen (audy ohne 3ielw., 3. B. er
ſchmaucht beftändig); oberd. auch f. fhmoren, dämpfen (Fleiſch ꝛc.); der
Schmauchaal, landſch. f. geräucherter Aal; das Schmauchfeuer, ein glim—
mendes und daher fhmauchendes Feuer; das Schmauchholz, in Ziegelbrennes
reien: Holz zu einem Schmauchfeuer; der Schmaucher, -8, (niederd. Smö—
fer), wer viel Tabak raucht; ſchmauchig, Bw., vol Schmauch, bef.
Tabacksrauch (eine ſchmauchige Stube); — ſchmäuchen, ziel. Zw. (das Fac—
titioum von fchmauchen), eig. ſchmauchen machen; landſch. f. räuchern
(Fleiih); durch Schmauch vertreiben (die Bienen aus dem Stode, den Fuchs
aus feinem Bau).
fhmaufen, ziel. u. ziellof. Zw. (im Alt- u. Oberd. nicht üblich; wahrſch.
durch Vorfegung eines verftärfenden f von dem alten muasen, muosen, mufen
f. effen gebildet, ſ. Mus u. Maft), veichlih und mit Behagen effen (Kir-
ſchen —; er ſchmauſet gern); eine gute Mahlzeit halten, an einem Feſt—
mahl (Schmaufe) Theil nehmen; der Schmaus, -es, M. Schmäufe;
Verkl. das Schmäuschen, eine Üüberreichliche, feftliche Mahlzeit, ein Zelte
mahl (einen Schmaus geben; einen zum Schmaufe bitten; Hochzeits⸗, Kind⸗
fchmeden — Schmeer 139
‚ taufen«, Abſchiedsſchmaus 2c.; uneig. Ohrenſchmaus, f. d.); der Schmaus-
- bruder, =gefell, gem., wer gern ſchmauſet; fo auch: der Schmaufer, -8,
die Schmauferinn: die Schmauferei, das Schmaufen; ein Schmaus
(M. Schmaufereien); ſchmauſeriſch, Bw., gem. f. gern ſchmauſend.
fchmeden, 3w. (altd. smecchan, aus smacchian entft., von einer Wurzel
smak, smah, woraus wahrfch. zunächſt ein fpäter verlorenes ablaut. Im.
smikan, smehhan, rät. smah, smac hervorging; auch gismahhan; mittelh.
smecken, Prät. smacte; auch smacken; urfpr. mehr: riechen, als ſchmecken,
wofür in ziel. Bed. kosten üblicher ift; niederd. ſmecken; angel]. smaeccan,
engl. smack, ſchwed. smaka, holl. smaaken), 1) ziellos m. Haben, durch)
den Gefhmad empfunden werden, einen merklihen Eindrud auf die
Geſchmacksnerven des Gaumens u. der Zunge machen, (es ſchmeckt füß, bit
ter, fauer zc., gut (nicht: ſchön!), fchlecht od. übel; auch mit dem Dat. der
Perfon: es ſchmeckt mir gut ꝛc.; nad etwas fchmeden, d. i. den Geſchmack
von etwas an fich haben oder daran erinnern, z. B. die Speife fchmedt nach
Rauch; der Wein ſchmeckt nad) dem Faffe; gem. fcherzh. das ſchmeckt nad
mehr, d. i. fo gut, dafs man mehr davon haben möchte); in engerer Bed. f.
gut [hmeden, einen angenehmen Gefchmad haben (das Eſſen fchmedt mir;
es will dem Kranken nicht fchmeden; er Läfft fih's ſchmecken); uneig. überh.
einen Eindrud auf die Sinne od. die Empfindung machen, bef. mit Wohl:
gefallen empfunden werden, behagen, gefallen (4. B. der Gewinn fchmedt
gut; die Arbeit will ihm nicht ſchmecken; nad etwas—, d. i. deſſen Art u.
Eigenthümlichkeit an fi tragen und der Empfindung verrathen; 3. B. der
Wis ſchmeckt nad der Schule; das ſchmeckt nach Eitelkeit ꝛc.); 2) ziel. und |
ziellos, mittelft des Gefchmadsfinnes empfinden od. wahrnehmen (charf,
fein ſchmecken; nicht ſchmecken können; ich ſchmecke das Salz in der Speife ꝛc.);
mit dem Gefhmad verfuchen, erproben, den Gefhmad einer Sache un—
terfuchen, b. Eoften (den Wein, die Suppe 2e.—); uneig. überh. f. empfin-
den, fühlen (ein Kind die Ruthe ſchmecken laffen; Freuden u. Leiden ſchmecken
u. dal.), def. mit lebhafter Empfindung genießen (ein Vergnügen—; bibl.
| die himmliſche Gabe—); 3) alt und ober. f. riechen, ziellos u. ziel. (3. B.
ſchmeckende Blumen; fchmedendes Fleifh, d. i. nach Fäulnifs riechendes;
en —— —
ſchmeckſt du etwas? f. merkft du etwas? u. dal. m.); — 3fes. der Schmed:
herr, landſch. Zitel für Poligei-Perfonen, welche das Bier Eoften müffen ;
ſcherzh. uneig. f. Recenfent; — Ableit. ſchmeckbar, Biw., was gefchmedt,
d. i. durch den Geſchmack wahrgenommen werden kann; daher die Schmed-
barkeit; die Schmede, Tandfh. gem. f. das Vermögen, zu ſchmecken;
oberd. f. eine wohlriehende Blume, ein Blumenftrauß die Shmeden,
au der Schmedens od. Shmedenbüfchel); der Schmeder, -$, wer
fhmedt, bef. wer ſich's fchmeden läfft, ein Gutſchmecker, überh. ein ges
nufsfüchtiger, lüfterner Menſch; landſch. gem. f. der Mund, bef. Jäg.
das Maul des Hirfches; oberd. auch f. die Nafe; u. f. Riechpflanze, Riech-
ftrauf.
Schmeer od. Schmer, f., -es, 0. M. (altd. der smero, smer, G. smer-
wes; daher altoberd. auh Schmerb; v. smirwen, smiren, fchmieren, f. d.;
niederd. Smeer; angelf. smeru, smeruy ; ſchwed. smör, dän. smor, Butter),
überh. dickes, fhmieriges Fett (z. B. Wagenfchmeer, oberd. auch Schub:
ſchmeer zc.), bei. das im Bauch und an den Gedärmen befindliche Thier—
47%
ER
140 ſchmeichen
fett, welches über dem Feuer ausgelaſſen Schmalz heißt (das Schwein hat
viel Schmeer); niederd. auch f. ſchmierige Unreinigkeit, Schmutz; — der
Schmeerapfel, eine Art Winteräpfel mit fetticht anzufühlender Schale; der
Schmeerbauch, ein dicker, fetter Bauch; auch der untere Theil des Bauches;
der Schmeerbaum, das Schmeerholz, oberd. Schweinmaft gebende Eichen,
Buchen 2c.; die Schmeerbeere, landſch. f. Vogelbeere; die Schmeerblume,
f. Dotter- od. Butterblumez; die Schmeerbutte, eine Art See- od. Meerbarbe;
auch f. Steinbeißer (Schmeerpütte); das Schmeererz, ein filberhaltiges
Glanzerz; das Schmeergebirge, Bergw. Gebirge, welches viel Letten ent
hätt; die Schmeerhaube od. -kappe, oberd. ein rundes, ſchwarz-ledernes
Käppchen; die Schmeerhaut, Fetthaut;z der Schmeerhöfer, niederd. f.
Ketthändler; das Schmeerfraut, 1) f. Wohlverleih; 2) f. Löwenſchwanz
od. Hanfwürger, auh Schmeerwurz; der Schmeerlaib (j. Laib), oberd.
eine zufammenhangende Maffe Schweinfchmeer; die Schmeerlinde, landſch.
f. Speck- oder Auguftlinde; der Schmeerftein, landſch. f. Spedftein; das
Schmeervieh, |. v. w. Schmiervieh; der Schmeervogel, Landic. f. Baum:
od. Heidelerche, welche fehr fett wird; die Schmeerwurz od. = wurzel, das
Schmeerkraut, |. d.; das Fettkraut (pinguicula L.); die Schwarzwurzel; die
fette Henne (1. fett); die Zaunrübe; falſche Schmeerwurz, f. v. w. Fich—
tenfauger oder Fichtenfpargel (f. d.); — fehmeerig, Bw., niederd. f. fettig,
fchmierig.
fchmeichen, ziellof. u. ziel. Zw. (altd. smeichen, smeiken, jmaichen ; niederb.
ſmeken, ſchwed. smeka, ſämmtlich f. ſchmeicheln; verw. mit ſchmiegen; vgl. das
mittelh. smeich, Schmiegung, Geſchmeidigkeit; isländ. smeikr, ſchlüpfrig;
grieh. Kunze), vlt. f. ſchmiegen, ſtreicheln, ſchmeicheln; landſch. Web.
den Aufzug—, d. i. mit Schlichte (f. d.) ſchmieren, ſchlichten; daher die
Schmeiche, f. Schlichte; — ſchmeicheln, ziellof. 3w. m. Haben und dem
Dat. der Perfon (abgel. Zw. der neueren Sprache f. das alte ſchmeichen;
oberd. ſchmaicheln), eig. fi) vor od. an Jemand fehmiegen, ihn liebkofen,
freundlich thun, bef. ftreicheln ıc. um etwas zu erlangen (der Hund ſchmei—
chelt feinem Herrn; das Kind fchmeichelt der Mutter zc.); in weiterer Anwen—
dung: fi) Jemand gefällig beweifen, ihm ungegründete Vorzüge beilegen,
um feine Gunft oder einen Vortheil 2c. zu gewinnen (Höflinge fchmeicheln dem
Fürften 20.5 ihm, ihr zc. (nit: er, fie) wird von Vielen gefchmeichelt; une
eig. der Maler fchmeichelt einer Perfon, wenn er fie Schöner darftellt, als fie
ift)y uneig. angenehme Empfindungen erregen (die lauen Lüfte ſchmeicheln
ihr 20); bef. fich (mir) fhmeicheln, f. eine angenehme, obwohl ungemiffe
Vorftellung, Hoffnung ꝛc. in ſich erregen u. hegen (ich ſchmeichle mir mit
der Hoffnung ꝛc.; ich ſchmeichle mir, Ihren Beifall zu erlangen 2c.; oberd.
und dicht. auch: ſich einer Sache (Gen.) ſchmeicheln); — 3fes. ber
Schmeichelblid, laut od. ton, die Schmeichelrede, das Schmeidjel-
wort 2c., fehmeichelnder Blick, Laut 2c.; die Schmeichelfaße, verkl. das
Schmeichelfätschen, eine ſchmeichelnde Katze; uneig. ſcherzh. f. ein fchmeiz
chelndes, zärtliches Kind; der Schmeichelnamen, ein Namen, mit welchem
man Jemand fchmeichelt; die Schmeichelzunge, Zunge eines Schmeichlers; —
Ableit. die Schmeichelei (oberd. auh der Schmaich eh, 1) das Schmei-
cheln, als Gewohnheit und Fertigkeit; 2) dasjenige, womit man fhmeichelt,
fchmeichende Reden od. Handlungen (M. Schmeicheleien) ; der Schmeich—
fehmeidig — fehmelzen 141
Ver (ggeg. aus Schmeicheler; altd. smeichenaere, smeicher, oberd. Schmai-
her), die Schmeichlerinn, wer fehmeichelt (z. B. ein Kind), eine fchmei-
chelnde Perfon, bef. in nachtheiligem Sinne (z. B. Schmeichler verderben
den Fürften); ſchmeichlich, Bw., alt u. dicht. f. ſchmeichelnd, angenehm,
lieblich; fchmeichelifch, vit. f. fchmeichlerifch, Bw., gern fchmeichelnd, im
Schmeicheln geübt (ein fchmeichlerifcher Menſch); fhmeichelnd, angenehm
(chmeichleriſche Worte); fchmeichelhaft, Bw., einer Schmeichelei ähnlich,
eine Schmeichelei enthaltend, auch ‚überh. f. vortheilhaft, günftig (4. 2.
‚ein fchmeichelhaftes Schreiben; er fagte mir viel Schmeichelhaftes 2c.); die
Schmeichelhaftigkeit, das Schmeichelhaftfein.
fchmeidig, Bw., (niederd. fmidig, ſmödig, dän. smidig), alt u. dicht. f.
geſchmeidig (1. d.) auch f. gefchmeidig machend (ſchmeidiges DL); die
Schmeidigfeit, f. Gefchmeidigkeit; fehmeidigen, ziel. Zw., gefchmeidig
machen; fih—, f. gefchmeidig werden.
Schmeilei, m 8, M. w. E., eine Art fäuerlicher Apfel, auch Schäm-
apfel. ’
fhmeißen, ziel. u. ziellof. 3w., ablaut. Impf. ſchmiſs, Conj. fchmiffe,
Mw. gefchmiffen, (goth. smeitan u. angelf. smitan, ſchmieren; althochd. smi-
zan, smeiz, gismizan; mittelh. smizen, smeiz, gesmizzen, fowohl: werfen ıc.,
als fchmieren; daneben das abgel. ſchwache smeizen, oberd. ſchmaißen, f.
befudeln; nieberd. fmiten, engl. smite, holl. smyten, ſchwed. smita, werfen ;
niederd. fmitten, holl. smetten, isländ. smeta, fehmieren, beſchmutzen; —
wahrfch. find in unferm ſchmeißen 2 Wörter von urfpr. verfchiedenem
Stamme vermifcht: das eine: werfen — lat. mittere; das andere: fchmieren ıc.,
wovon ſchmitzen, Schmuß zc. abftammen), 1) gem. f. werfen (4. B. einen
zu Boden—; mit Steinen—), u. f. fehlagen (einen hinter die Ohren—; das
Pferd ſchmeißt hinten aus); daher auch f. plöglich u. heftig fallen (m. Al ein:
“er ift hingefchmiffen; vgl. fchlagen); oberd. aud) f. fchlendern, gemächlich ges
ben; ferner: den Koth durch den After auswerfen, bei. von Vögeln und
Inſecten (in diefer Bed. alt u. landfch. auch umend. ſchmeißte, gefhmeißt,
3. B. bibl. eine Schwalbe fcehmeißte), auch vom Eierlegen der Infecten; 2)
alt u. oberd. f. fehmieren, befudeln, befhmugen; — der Schmeif, oberb.
(Schmaiß) f. Schlag; die Schmeiße, oberd. (Schmaißen) f. Durchfall; der
Schmeißer, oberd. f. Hieb, Verweis; — die Schmeißfliege, eine Art
großer Fliegen, welche ihre Eier in das Feiſch legen.
Schmele, Schmelche, w., ſ. Schmiele.
ſchmelen, zielloſ. Zw. m. haben, niederd. (ſmelen, ſmellen; vgl. das
\ engl. smell, riechen) f. ſchmauchen, ſtark rauchend langſam verbrennen
(feuchtes Holz ſchmelet weg); ſchmelerig, Bw., niederd. f. wie angebrannt
oder verſengt riechend.
Schmelte, w., M.-n, (auch: der Schmelt, Schmelz), landſch. f. Sand—
| aal; Stint.
fhmelzen 1. ziellof. 3w. m. fein, ablaut. ich fehmelze, du ſchmilzeſt,
er ſchmilzt; Imper. fchmilz, ſchmelzet; Impf. ſchmolz, Gonj. ſchmölze;
Mw. geſchmolzen, (altd. smelzan, smelzen, Prät. smalz, M. smulzun, smul-
zen, Part. gismolzan, gesmolzen; niederd. fmulten, holl. smelten, smilten;
isländ. smalta, dän. smelte; angelſ. meltan, engl. melt und smelt; griech.
werdeıy, erroeichen, ſchmelzen machen; vgl. mild), flüffig werden, in Fluſs
142 jchmelzen
gerathen, zergehen, d. i. aus dem Zuftande der Feftigkeit in den der Flüffig«
Feit übergehen, bei. durh Wärme (der Schnee ſchmilzt; geſchmolzenes Eis,
Metall 2e.; uneig. das Auge ſchmilzt in Thränen, d. i. Löft fich gleichfam in
Thränen auf; fchmelzende Zöne, d. i. Tanft in einander fließende); dicht. uneig.
f. erweicht, gerührt werden (3. B. ihr Herz fchmolz in ſüßer Wehmuth); gem.
auch ziel. f. fhmelzen 2. (z. 3. fie ſchmolzen Blei, r. ſchmelzten;
die Sonne hat den Schnee gefhmolzen, r. gefhmelzt); — fchmels
zen 2, ziel. Zw., (ſchwach umend. er Tchmelzt, ſchmelzte, gejchmelzt, (das
Factitivum v. ſchmelzen 1.; altd. smelzan (entft. aus smalzian), smelzen, Prät.
smalzta, smalzte, Part. gismalzit, gesmalzt u. gesmelzet; niederd. fmulten),
machen, dafs etwas fchmilzt, einen feſten Körper mittelft dev Wärme in Flufs
bringen (Wachs, Butter ꝛc. —; die Sonne fehmelzt den Schnee; bei. Mes
talle —, durch Keuer flüffig machen u. dadurch von dem Geftein u. den Schla—
&en abfondern); uncia. f. weich, mild, nachgiebig machen, erweichen, rüh—
ren (das Herz, den Zorn 2.—); Mal. aufgetragene Karben in einander
vertreiben, fo dais fie fanft in einander fließen (vgl. verfchmelzen); auch: mit
Schmelz (f. u.) überziehen, od. mit Schmelzfarben malen (fr. emailliren; ein
Uhrgehäufe, einen Ring ꝛc. —; gefchmelzte Arbeit); mit Schmalz od. Butter
verfehen, r. ſchmälzen od. ſchmalzen (f. d.); — der Schmelz, -es, M. -e,
(mittelh. smelz; daher das ital. smalto, franz. email), ein durch Schmelzung
erhaltenes farbiges metalliſches Glas, auch Schmelzglas (vgl. Schmalte),
beſ. eine mit Zinn- od. Bleiaſche verſetzte glaſige Maſſe, mit welcher Gold und
Kupfer wie mit einer Porzellankrufte überzogen wird (fr. Email); in engerer
Bed. aus folder Maffe verfertigte Eleine glänzende Röhrchen, die, auf
Fäden gereiht, zur Stiderei u. andern Verzierungen dienen (mit Schmelz be:
fegen, ftiden 2c.); in weiterer Bed. überh. ein harter, glänzender, glafichter
Überzug, bef. der Zähne; dicht. f. bunter, lebhafter Farbenglanz (ber
Schmelz der Blumen, der Wiefen 2c.); Mal. auch die Vertreibung od. Vers
fchmelzung der Farben; — 3fes. von ſchmelzen u. v. Schmelz: Die Schmelz
arbeit, 1) Hüttenw. das Schmelzen der Metalle; 2) das Überzichen mit
Schmelz, u. mit Schmelz überzogene Dinge, Schmelzwaaren (fr. emaillirte
Arbeit); der Schmelzarbeiter, Verfertiger von Schmelzwaaren (fr. Emailleur);
fchmelzblau, Bw., f. v. w. fchmaltblauzs das Schmelzbuch, Hüttenw. ein,
Bud, in welches alles die Schmelzarbeit Betreffende aufgezeichnet wird; die
Schmelzbutter, geſchmelzte und dadurch gereinigte Butter (vgl. Schmalz);
das Schmelzeifen, Hüttenw. gefchmelztes Eifen, welches erft auf ben Ham—
mer gebracht werden muſs; die Schmelzfarbe, Farbe des blauen Schmelzes;
metallifhe Karben, mit denen auf Schmelz gemalt wird (fr. Email = Karben);
das Schmelzfeuer, ein Zeuer, bei welchem gefchmelzt wird od. werden kann;
der Schmelzgaft, Hüttenw. ein Auswärtiger, der fein Erz in einer Schmelz
hütte ausfchmelzen läſſt; das Schmelzglas, f. o. Schmelz; die Schmelz.
hütte, ein Gebäude, in welchem Erze ausgefhmelzt werden; die Schmelzs
kammer, in Münzen ber Ort, wo das Metall in Zaine gegoffen wird; die
Schmelzkunft, 1) die Kunft, Erze zu ſchmelzen; 2) die Kunft, mit Schmelz
zu überziehen, od. mit Schmelzfarben zu malen (Emaillir-Kunft); daher ber
Schmelzkünſtler; der Schmelzlöffel, ein eiferner Löffel, in welchem man
Blei, Zinn zc. ſchmelzen Läfft; der Schmelzmaler, wer auf Schmelz, mit
Schmelzfarben malt (Email-Maler); die Schmelzmalerei; der Schmelgofen,
Schmer — Schmerz 143
ein Ofen, worin Körper, bef. Metalle, geichmelzt werden; das Schmelzrohr
od. sröhrchen, ein enges Rohr, die Lichtflamme damit über den zu fchmelzens
den Schmelz zu blaſen; das Schmelzfilber, mit rothem Borar vermifchter
Silberkalt zum Verfilbern; der Schmelztiegel, ein Gefäß von gereinigtem
Thon, Metalle darin zu Schmelzen; auf Kupferhämmern ein eifernes Gefäß,
in welches das geichmolzene Kupfer gegoffen wird ; in Schmelzhütten der Theil
des Schmelzofens, in welchem fich das geſchmolzene Metall fammelt; die
Schmelzwaare, ſ. Schmelzarbeit; das Schmelzwerf, 1) eine Anftalt zum
Metallichmelzen; 2) erhabene Arbeit aus Schmelg; — Ableit. v. fchmel-
zen 2.: fchmelzbar, Bw., was gefchmelzt werden kann; daher die Schmel;-
barkeit; die Schmelze, Neuw. f. das Schmelzen, u. eine Anftalt dazu;
ber Schmelzer, wer fchmelzt, beſ. Hüttenw. wer das Schmelzen ber Erze
verrichter; die Schmelzerei, das Schmelzen; eine, Anftalt zum Metall:
fhmelzen (M. -en); der Schmelzling, -es, M. -e, 1) f. v w. Schmalz-
fiſch; 2) eine Art mweißgrauer Apfel, Grübling; auch f. Schlotterapfel;
die Schmelzung, das Schmelzen, bef. der Metalle; die Vertreibung ob.
Berfehmelzung der Farben.
Schmer, f«, ſchmerig, Schmerapfel, =baudy ꝛc. — Schmerwurz,
f. Schmeer.
Schmerbel, m., -8, 0. M. (von fhmirben, Schmerb f. ſchmieren, Schmeer,
f. d.), landfch. f. fehmieriger Ganfefuß oder Mangold, eine Pflanze, auch
guter Heinrich, Allheil 2c. genannt; auch f. Dotter=- od. Butterblume; u. f.
Schmergel 2.
Schmergel 1. m., -8, M. w. E. (gem. au) Schmirgel; ital. sme-
riglio, franz. emeril, emeri; vom griech. auvoıs), ein ftrengflüffiges Eiſen—
erz, "welches, durch Pochen u. Schlämmen gereinigt, zum Poliren des Stahls,
Eifens, Glafes und einiger Ebdelfteine gebraucht wird; fehmergeln, ziel. Zw.
(auch ſchmirgeln), mit Schmergel poliren od. blänfen; der Schmerg:
‚ler, -8, wer dies verrichtet.
Schmergel 2. m., -8, landſch. f. kleines Schelltraut, Feigwarzenkraut;
große od. KubsSchmergeln, landfch. f. Butterblumen.
Schmergel 3. m., ſ. Schmirgel.
Schmerl, m., -es, M. -e, od. die Schmerle 1., M. -n, (landfch. auch
Schmirl, Schmierlein, Schmierling, Merl, Merle; ital. smeriglione, franz.
emerillon), eine Art Eleiner Falken: der Stein od. Lerchenfalf.
Schmerle 2., w., M. -n, (auh der Schmer!, Schmerling; engl.
smerlin; vielleicht von Schmeer, wegen bes zarten, ſchmalzigen Fleiſches ?)
ein Eleiner wohlfchmedender Bachfifch mit geflectter Haut, in Oberd. Grüns
del, Grundling genannt; die Schmerlengrube, Fiſch. eine Grube in einem
Bache, in welche man eine Flechte fegt, um Schmerlen darin aufzubewahren.
Schmerz, m., des Schmerzes (chem. Schmerzene), dem Schmerze
(ehem. Schmerzen), den Schmerz, M. die Schmerzen, (alth. smerza,
w.; mittelh. diu u. der smerze, &. des smerzen zc.; oberd. auch der Schmer:
zen; nieberd. Smart; angelf. smeorte, engl. smart, ſchwed. smärta, dän. u.
holl. smerte; von der Wurzel mar, mit verftärkendem s: smar; vgl. Mord,
das lat. mors u. flav. smert, Tod), jede unangenehme Eörperlihe Empfins
dung, an fich felbft (fubiectiv), verih. Weh, welches dasielbe von Seiten der
Urjache (objectiv) bezeichnet, u. von weiterer Bed., ald Pein, Qual, welche
144 Schmetten — Schmetterling
den höchſten „Grad des Schmerzes bezeichnen, (Schmerz empfinden, haben;
Schmerzen leiden, — machen od. verurfachen, — ftillen 20.5 Kopf-, eib-,
Zahnſchmerzen 2c.); in weiterer Bed. au eine unangenehme Empfindung
des Gemüths, das drüdende Gefühl eines Ubeld, in höherem Grade, als
die finnv. Unluft, Zraurigkeit, Betrübnifs zc. (3. B. der Schmerz über den
Verluft eines Freundes u. dgl.); uneig. ein hoher Grad der Ungeduld (einen
mit Schmerzen erwarten); — fehmerzen, ziel. Zw. (altd. smerzan, smerzen,
ablaut. Präf. smirze, Prät. smarz, Part. gesmorzen; jet nur umend. fchmerzte,
gefchmerzt; oberd. auch ſchmirzen), einen—, ihm Schmerz verurfachen,
einen unangenehmen, empfindlichen Eindrud auf feinen Körper, od. fein
Gemüth machen, nur von Sachen (3. B. die Wunde, die Hand, der Zahn ze.
ſchmerzt ihn; fein Unglüd, fein Zod 2c. fchmerzt mich; es ſchmerzt mich, dafs 2c.;
auch ohne Zielm. die Wunde ſchmerzt; unverdiente Vorwürfe ſchmerzen u.
dal. m.); — 3fes. von Schmerz: fehmerzbeladen, -belaftet, Bw.;
fchmerzfrei, ſchmerzlos, Bw., ohne Schmerz; daher die Schmerzlofigkeit;
fchmerzftillend, Bw., den Schmerz ftillend (ein Mittel); ſchmerzvoll, Bw.,
20.5; — von Schmerzen und Schmergens: das Schmerzengeld, Geld
zur Vergütung für erlittene Schmerzen, Troftgeld; das Schmerzen= oder
Schmerzenslager, Lager, auf welhem man Schmerzen empfindet, Kranken—
lager; die Schmerzenlaft, viele drüctende Schmerzen; fehmerzenlindernd,
Bw.; ſchmerzenreich, Bw.., viele Schmerzen empfindend, od. verurſachend;
der Schmerzenreich, oberd. ein Eörperlich viel leidender Menſch; der Schmer—
zensruf, = fchrei, -ton 2c., durch den Schmerz erprefiter Ruf ꝛc.; der
Schmerzensfohn, ein unter Schmerzen geborener od. viel Schmerzen erlei-
dender Menſch; die Schmerzensftunde, der Schmerzenstag, die Schmer-
zensnacht, das Schmerzensjahr, die Schmerzenszeit, Stunde zc., Zeit,
in welcher man viele Schmerzen erlitt; — Ableit. v. Schmerz: ſchmerz—
haft, Mw., eig. Schmerz habend, empfindend (daher oberd. die ſchmerz—
bafte Mutter Jeſu; der ſchmerzhafte Freitag od. Schmerzen-Freitag, bair.
der Freitag vor Palmfonntag, als Feft der fieben Schmerzen Mariä); gem.
mit Schmerz verbunden, Schmerz verurfachend (eine fchmerzhafte Krank-
heit; fein Tod ift mie ſehr fchmerzhaft); die Schmerzhaftigfeit, das
Schmerzhaftfein; fehmerzlich, Bw. u. Nw., fchmerzend, Schmerz verur—
fahend, bef. von Gemüthsfchmerzen; mit Schmerzen (etwas ſchmerzlich
empfinden 2c.); die Schmerzlichkeit.
Schmetten, m., -$, 0. M. fchlef. und öftreih. f. Schmand (f. d.),
Milchrahm. 1
Schmetterling» m., -es, M. -e, (ein urfpr. niederd. Wort, von ſchmet—
tern als Verftärkungsform von ſmiten, fehmeißen, ſ. d.; alfo: der Be
ichmeißende, viele Eier Legende; daher auch: Raupenfhmeifßer), eine
Gattung Inſecten, deren Larven Raupen heißen, mit haarigem Leibe und
vier weißen od. farbigen Flügeln, die beftäubt erfcheinen, eig. aber mit Kleinen
Federchen befegt find, niederd. auch) Butter-, Maivogel ꝛc., oberd. Falter,
Sommervogel ze. genannt; (man unterfcheidet: Tag-, Dämmerungs-, und
Nachtichmetterlinge od. » Vögel; in den fchönen Künften ein Sinnbild der Un-
fterblichfeit u. des Überganges in einen vollfommneren Zuftand); uneig. ein
leichtfinniger, flatterhafter Menfch, bef. ein folcher Liebhaber; Naturk. aud)
eine Art bunter Baumkletten in Amerita; — die Schmetterlings-
— —
fchmettern — fehmieden 7145
blume, Pflanz. Blumen mit fchmetterlingsartigen Blumenkronen; insbeſ.
eine Art des Knabenkrautes; der Schmetterlingöfang; dev Schmetter-
lingsfänger zc.; der Schmetterlingsfifch, eine Art Schleimfiihe, deren Rü-
ckenfloſſe Schmetterlingsflügeln ähnelt; der Schmetterlingsflügel, uneig.
eine Art Schöner Napfmufcheln, auch: der bunte Schmetterling.
fehmettern, Zw. (urfpr. niederd. Verftärkungs- u. Wiederholungsform von
fhmeißen, altſächſ. smitan, niederd. fmiten, vgl. Schmetterling; jest als
Schallwort gefaſſt; vgl. das ſchwed. smattra, raffeln) 1) ziellos m. haben,
heftig zitternd und erſchütternd ſchallen (die Trompeten fchmettern; ein
fehmetternder Donnerfchlag); einen folhen Schall hervorbringen, mit ſtar—
fer, erfchütternder Stimme fingen (die Nachtigall fchmettert); m. fein:
fhmetternd fallen od. an etwas geworfen werden (z.B. mit dem Kopfe an
die Wand—; er ift niedergefchmettert); 2) ziel. etwas—, mit diefem
Schalle heftig werfen, fchlagen (z. B. etwas in taufend Stüde—, einen zu
Boden fchmettern); die Schmetterheufchrede, eine Art Heufchreden, die ein
ftarfes Geräufch machen, Klapper-, Schnarrheufchrede.
ſchmetzeln, ziellof. 3w., ſchwäb. f. Lächeln, liebaugeln, fhmunzeln.
Schmide, w., M.-n, (niederd. Smide) landſch. f. Schmiße an der
Peitſchenſchnur; Peitſche; ſchmicken, 3w., f. peitfchen.
Schmid, Schmidt, m., ſ. Schmied unter ſchmieden.
ſchmieden, ziel. Zw., (altd. smidön, smiden, Prät. smidete, smitte; nie
derd. ſmeden, fmeenz; ſchwed. smida; angelſ. smithian; — das altd. smidon
läſſt auf ein altes ablaut. Zw. smidan, smeit, smiten ſchließen, welches „er—
weichen, geſchmeidig od. biegfam machen‘ bedeutete; val. das angelf. smaethe,
engl. smooth, wei, geſchmeidig, u. das lat. mitis), Metall im Feuer
mittelft des Hammers dehnen u. bearbeiten (Eifen, Kupfer ꝛc. —; ſprichw.
man mufs das Eiſen ſchmieden, weil es heiß iſt, d. i. den günſtigen Zeitpunkt
benugen), ſchmiedend verfertigen (ein Hufeifen, einen Säbel, ein Meffer 2..—);
ſchmiedend oder mittelft gefchmicdeten Eifens befeftigen (einen Verbrecher an
den Karren, in die Eifen ꝛc. fchmieden); uneig. verädhtlih u. in nadıtheiligem
Sinne f. machen, verfertigen, hervorbringen, anftiften (Verſe, Reime —;
Ränke —; fein eigenes Unglüd—): — der Schmied, -e5, M. -e, (gem.
Schmid od. Schmidt gefchr.; altd. smit, G. smides, niederd. Smid,
ſchwed. u. dän. smed; angelf. u. engl. smith), überh. ein Handwerker oder
‚Künftler, welcher Metall fhmiedet und verarbeitet (z. B. Huf: od. Grob:
ſchmied, Meffer:, Nagel-, Waffen-, Zeugſchmied; Kupfer-, Goldfchmied 2c.);
insbeſ. der Huf- od. Grobfcehmied, der allerlei grobe Eifenwaaren ‚verfertigt ;
uneig. überh. wer etwas macht, hervorbringt, anftiftet (ſprichw. Jeder ift
feines Glüdes Schmied; vol. Ränkefhmied); Narurk. der Petersfifch
oder Meerfchmied; eine Art Lipp= oder Bandfifche; die Schmerle; der
Schnellfäfer; das Schmiedel, landſch. f. der Weidenzeifig; die Schmiede,
M.-n, (altd. smitta, smitti, smitte, oberd. die Schmitten, niederd. Smede,
engl. smithy), die MWerkftatt eines Grobfchmiedes; chem. überh. f. Werk—
ftatt (daher noch fprichw. vor die rechte Schmiede gehen, d. i. ſich an den rech—
ten Ort od. den rechten Mann wenden); — 3fe$. v. fchmieden u. Schmied;
die Schmiedearbeit; der Schmiedebalg, Blafebalg in einer Schmiede:
die Schmiedeeffe, 1. Efies das Schmiedegeräth; der Schmiedehammer,
großer Hammer des Grobſchmieds; das Schmiedehandwerk, =gewerbe,
746 fhmiegen — fdhmieren
-gewerk; der Schmiedemeifter, -gefell ıc.; der Schmiedkäfer, landſch. f.
Hirſchkäfer, Feuerfhröter; der Schmiedefnecht, f. v. w. Schmiedegeſell;
Naturk. f. Schnell: od. Springkäfer; die Schmiedefohle, Kohlen, bef. Stein:
kohlen zur Schmiedearbeit; die Schmiedefchlade, bei den Grobſchmieden ab»
gehende Schladen; der Schmiedeftod, ein Klo, auf welchem der Ambofs
des Schmiebes fteht; die Schmiedezange, ſtarke Zange der Grobſchmiede; —
Ableit. v. fchmieden: fehmiedbar, Bw., ehem. auch ſchmiedſam (altd.
smidesam), was gefchmiedet werden kann (fchmiedbare Metalle); daher die
Schmiedbarkeit.
ſchmiegen, ziel. u. gew. rückz. Zw. (altd. smiugan, smiegen, ablaut. Prät.
smouc, smög, smugen, Part. gesmogen; noch oberd. ſchmug, oe neben
ſchmiegte, geſchmiegt; im Hochd. jetzt nur umend.; angelf. smugan, kriechen;
isländ. smiuga, ſchwed. smyga, kriechen, ſich einſchleichen, mit dem Factitiv.
smeygia, smegia; daher das niederd.ſmuggeln, ſchmuggeln, f. d.; vgl.
das dän. myg, ſchwed. mjuk, ſchmeidig, weih), fih—, ſich gefchmeidig
biegen, ein= od. zufammenziehen, drehen und winden, mit dem Nebenbe:
griff des genauen Anſchließens an einen Körper (die Rebe ſchmiegt fich um den
Baumftamm; fie ſchmiegte fich zärtlich an ihn 2c.), bef. als Zeichen der De-
müthigung od. Ericchenden Unterwürfigkeit (dev Hund jchmiegt fich vor feinem
Herrn); auch duch Krümmung feinen Umfang vermindern (fi in einen
Winkel —); etwas—, uneig. es einer andern Sache genau anfchließend
od. anpaffend machen; Handw. eine Wand—, d. i. genau nach der Schmiege
aufführen; (das oberd. Mw. gefhmogen als Bw. f. fhmächtig, knapp,
Hein); die Schmiege, M. -n, Handw. ein Winkel über od. unter 90 Grad
(and) Schmiegung); ein bewegliches Winkelmaß zum Meffen folder
Winkel, Schrägmaß, Winkelfaffer; die Schmiegung, das Schmiegen;
die Schmiege (1. d.); ſchmiegſam, Bw., ſich gut und leicht ſchmiegend,
biegfam u. gefchmeidig, eig. u. uneig. (eine ſchmiegſame Ranke; ein fchmieg-
famer Menſch); die Schmiegfamteit.
Schmiele, w., M.-n, (altd. smelohe, smelhe; oberd. Schmelhen, Schmel-
hen; landſch. auch Schmele, Schmelengras; von fehmal?), eine Grasart
mit langen, fchlanfen u. biegfamen Halmen, auch: Windhalm, (befon-
dere Arten find: gebogene Schmielen, auch Drathfchmielen; hohe od. Rafen-
ſchmielen; weiße od. Silberfchmielen auf den Alpen; Berg-, Rohr-, Zwerg⸗
fchmielen ze.); oberd. überh. f. dünnes, langhalmiges Gras; landſch. au
f. Binfen.
fchmielen u. ſchmieren 1. ziellof. Zw. (mittel. smielen, smieren; ſchwed.
smila, engl. smile; daher noch ſchwäb. ſchmollen, fchweiz. fchmölleln, f.
Yächeln), völlig vlt. f. lächeln.
fehmieren 2, ziel. 3w. (altd. smirwan, smirwen, smiren, smirn; oberb.
fhmirben u. ſchmiren; niederd. fmeren; angelf. smervian, engl. smear; isländ.
smyrja, ſchwed. smörja; f. Schmeer; vgl. das griech. uvpor, Salbe), einen
weichen, feuchten, und bef. fertigen Stoff auf der Oberfläche eines Körs
pers ausbreiten, oft mit der Nebenvorftellung des Schmugigen, Unreinlichen,
wodurd es fich von den finnv. ftreichen, falben, fetten ꝛc. unterjcheidet,
(Lehm über etwas—; Butter auf das Brod—; einem Kinde Brei in den
Mund—; daher uneig. gem. einem etwas ind Maul—, d. i. es ihm ſehr
deutlich machen) ; etwas mit einem feuchten Stoffe, mit Fett ıc. beffreichen
fchmieren 7147
ober überſtreichen (einen Ofen—, d. i. mit Lehm auöftreichen; eine Brod»
fhnitte mit Schmalz ꝛc. —3 die Haare mit Pomabe—; die Schuhe, die
Stiefel 2..—; den Wagen—, d. i. bie Achſen mit Theer ꝛc. beftreichen; daher
ſprichw. wer gut fchmiert (niederd. ſchmert), der gut fährt; ein Schloſe eine
Feder ꝛc. —, einölen; uneig. gem. die Gurgel ſchmieren, f. ftarf trinken; einem
’
den Budel ſchmieren, f. prügeln; einem das Maul fchmieren, d. i. ihm Hoff:
nungen erregen, ohne fie zu erfüllen; einem die Hande—, auch bloß: einen
fhmieren, gem. f. beftechen; niederd. f. ihm fchmeicheln, nach dem Munde
reden; oberd. ziellos: mit Einer fhmiren od. Ihmirben, f. fyönthun,
zubringlich Liebkofen; geſchmirbte Worte f. Schmeicheleien; den Wein
fhmieren, d. i. durch Zufäge verfülichen, um ihm eine ſchönere Farbe und
einen angenehmeren Gefhmad zu geben); insbeſ. gem. f. fchlecht fchreiben
od. malen, fudeln (etwas in ein Buh—, einen Brief— 2c.); das Schmier,
-e8, M.-e, landſch. f. Schmeer, ſchmieriger Stoff, bei. in: Wagen-
ſchmier; M. Schmiere uneia. gem. f. Schläge (Schmiere befommen) ;
die Schmiere, M. -n, (oberd. Schmirbe, Schmirben), ein weicher, fettiger
Stoff, mit welhem man etwas fchmiert (Schuh- Wagenfchmiere zc.; die
Schmiere der Schäfer, eine Salbe für die räudigen Schafe); in weis
terer Bed. fettige, Elebrige Unreinigkeit; — 3feg. der Schmierarzt, ein
Quackſalber, der mit Schmiere od. Salben heilt; der Schmierbaum, landſch.
f. die Kiefer; Schiff. mit Fett beichmierte lofe Bäume an den Seiten eines
Schiffes angehängt, wenn ein Boot ausgeſetzt, od. Güter ein- u. ausgewunden
werben follen; das Schmierbuch, gem. ein Buch, in welches man fchmiert,
d. i. flüchtig und ſchlecht Schreibt; die Schmierbüchfe, der Schmiereimer,
das Schmierfafs, ein hölzernes Behältniis mit Wagenfchmier, unten an den
Wagen gehängt; der Schmierhammel, -fittel, -matz, -ſack, gem. f. ein
ſchmieriger, fehr unreinliher Menſch; der Schmierkäfe, 1. v. w. Quarf 1),
Käfebutter; der Schmierlappen, ein Lappen zum Schmieren; fchmieriger
Lappen; das Schmierleder, mit Thran gefchmiertes Leber; der Schmier:
ofen, f. v. w. Pechofen; die Schmierfalbe, weiche ölichte Salbe der Wund»
ärzte; das Schmierfchaf, cin räudiges od. krätziges Schaf, welches gefchmiert
werden mufs, als Sammelw. das Schmiervieh; die Schmierfeife, ſchwarze
od. grüne ſchmierigeSeife; die Schmiertafche, gem. niederd. (Smeertaste)
f. ein Schmeichler; die Schmierwolle, Wolle von Schmierfchafen, unreine
Wolle; — Ableit. Schmieralien, M. o. E., ſcherzh. mit lateinifcher En»
dung gebildet f. elendes, fchlechtes Gefchreibfel, Subdeleien; auch f. Ge—
ſchenke zur Beftehung des Richters 2c.; der Schmierer, -8, M. w. E.,
wer fchmiert, insbef. ein Schäfer, der mit Schmiervich zu thun hat, Schmier=
ſchäfer; gew. wer ſchlecht u. unreinlich ſchreibt; auch ein ſchlechter Schrift:
fteller, Vielſchreiber; oberd. ein leichtfertiger , verliebter Menſch (auch
Schmirber; f. o. fohmieren); die Schmiererei, das Schmieren, die
ſchmierige od. unreinliche Behandlung od. Arbeit; eine ſchmierige, uns
teinliche Sache, bef. fubelhafte Schreiberei; auch eine fchlechte, flüchtig
verfaffte Schrift (M. Schmierereien); fehmierig, Bw. (oberd. fchmirbig,
geſchmirbig), weich oder dicklich flüffig und fettig (eine fchmierige Maffe,
fehmieriger Käfe 1.) ; mit einem folhen Stoffe überzogen, befubelt (ſchmie—
tige Schuhe; fi ſchmierig machen ꝛc.); gem. überh. f. ſchmutzig, unrein
(ein ſchmieriger Menſch), auch fhmierig oder ſchmutzig machend (eine
748 Schmiering — fehmirmeln
ſchmierige Arbeit); die Schmierigfeit, ſchmierige od. ſchmutzige Beſchaf—
fenheit; fehmieriger Stoff; der Schmierling, -es, M. -e, eine giftige
Art des milchigen Blätterſchwammes.
Schmiering, m., -e3, M. -e, landſch. * Art Strandläufer, Gelbbein.
Schmierlein, . ob. Schmierling 1., . ſ. Schmerl; 2. ſ. fchmieren.
Schmierofen ıc. — Schmierwolle, Bi unter fchmieren.
Schmiete, w., M.-n, niederd. Schiff. f. v. w. Halſe 2
Schminkbeere, w., Erdbeerfpinat, Maulbeermelde (blitum L.), eine
Pflanze mit fpinatähnlichen Blättern u. erdbeerähnlichen Blumenköpfen.
Schminfbohne, w., (wahrfch. von ſchminken f. ſchmiegen; daher auch
landſch. Shmüdbohne v. dem oberd. ſchmucken f. ſchmiegen), die ge-
meine ranfende Bohne, auch türfifche od. weliche Bohne, Veits- od. Vits—
bohne, Ringel-, Steig-, Stangen-, Schnittbohne ꝛc. genannt.
Schminke 1. w., M.-n, im Magdeburg. f. ein Stück (Spet, But-
ter 2c.).
Schminke 2. w., M.-n, (ſchwed. smink; das Wort fehlt im Alt» und
Dherd. u. ift vielleicht aus Mennig, Mennige, lat. minium, entft.),. ein
rother, od. weißer, trodner od. flüffiger Färbeftoff, womit die Haut, bei.
im Geficht, beftrichen wird, um die natürliche Hautfarbe zu verfchönern, (rothe
Schminke; weiße Schminke, insbef. das Spanifche Weiß, Shmine
weiß, ein aus Wismuth beftehendes Pulver); auch ein den Bienen angeneh—
mer Stoff, womit die Bienenftöce inwendig beftrichen werden (Bienen:
ſchminke); uneig. f. die verfünftelte, täuſchende Außenfeite, der ver—
fehönernde od. befchönigende Anftrich einer Sache, (etwas ohne Schminke
darftellen; die Wahrheit ohne Schminke) ; ſchminken, ziel. 3w., mit Schminfe
beftreichen od. bemalen (das Gefiht, die Wangen—, fi) —); uneig. einer
Sache ein fehöneres, täufchendes Anfehen geben, welchem das Wefen der-
felben nicht entſpricht (geſchminkte Worte, d. i. verftellte, heuchleriſche); —
3feg. v. Schminke u. Schminken: die Schmintbüchfe, -dofe, das Schminf-
glas, der Schminftopf ꝛc., Gefäße zu Schminke; das Schminkfledichen
od. =läppchen, ein Läppchen, womit man Schminte aufträgt, bef. ein mit
Scharlach gefärbtes Läppchen zum Rothſchminken; das Schminfpfläfterchen,
f. v. w. Schönpfläfterchen; der Schminkpinſel, feiner Pinfel zum Schmin-
Een; das Schminfwaffer, ein künſtliches Waffer zur Verfhönerung der
Hautz das Schminfweiß,«f. o.; die Schminfwurz od. -wurzel, eine Art
wild wachfenden Steinfamend mit röthlicher, zum Schminken brauchbarer
Wurzel, Aderfteinfamen, Feldhirfe.
Schmirbe, fehmirben ıc., oberd. f. Schmiere, Bo Be:
Schmirgel, m., -8, 1.f.v.w. mil; 2. (auch Schmer:
gel; von Schmeer, fchmieren) gem. eine zäbe, — — unreine Maſſe
(bef. Tabacksſchmirgel); ſchmirgeln, ziel. u. zielloſ. Zw., 1) (auch ſchmer⸗
geln), mit Schmirgel beſchmieren, beſudeln; gem. verächtl. viel Taback
rauchen; 2) oberd. (auch ſchmirkeln und ſchmirbeln) nach verdorbenem
Fett riechen, ranzig fein; der Schmirgler, -$, wer ſchmirgelt; gem. vers
ächtl. ein ſtarker Tabackraucher.
ſchmirmeln, zielloſ. Zw., oberd. f. nach Fäulniſs oder Schimmel
ſchmecken; fchmirmelhaft oder ſchmirmelicht, Bw., was dieſen Ge—
ſchmack hat.
Schmiſs — fehmoren 749
Schmiſs, m., -ffes, -ffe, (altd. smiz, von smizen, ſchmeißen, ſ. d.) gem.
f. Wurf (oberd. uneig. f. Handlungsweiſe, Manier); heftiger Schlag, Streich,
Hieb (Schmiffe befommen; oberd. uneig. einen Schmifs haben, f. verliebt
fein; auch f. Verlegenheit); landſch. f. Auswurf, Unflath; ſchmißig, Bw.,
oberd. f. ſchlank, dunn.
ſchmitzen, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. smitzen, Prät. smizte; verftärkende
Ableitung von smizen, fehmeißen, wie rigen, ſchlitzen von reißen, fchleißen),
1) oberd. f. werfen (z. B. einen zu Boden); auch f. fallen (Hinfchmigen) ;
gew. f. Schlagen, hauen, insbef. mit der Spike eines dünnen, biegfamen
Körpers (einen mit einer Gerte, Peitfche 2. —); 2) (niederd. fmitten) landſch.
f. fhmieren, befchmieren, beftreichen (Web. den Aufzug—, d. i. mit
Schlichte od. Schmitte beftreichen); farben, be. ſchwarz farben (Kelle,
Hofen ꝛ⁊c. —; daher Fell» oder Lederfhmiger, oberd. f.. Lederfärber,
Schwarzfärber); beſchmutzen, befudeln (fi die Hände mit Tinte, mit
Rufs 2..—); ziellos m. haben f. abfürben (die Kohlen, der Ruß 2c. ſchmi—
gen); der Schmiß, -e3, M. -e, 1) Schlag, Streich (oberd. auch: der
Schmiger), bef. mit einer Gerte, Peitfche.rc. (Schmige auf die Finger, d. i.
Schläge auf die Fingerfpigen; Handſchmitze od.-ſchmiſſe, Ruthenſtreiche
auf die flache Hand); 2) ein angefprengter Theil einer Flüſſigkeit und der
dadurch entftandene Schmußfled; Bergw. eine fchmierige, fette Erdart
(blauer Lettenfhmisg); die Schmiße, 1) oberd. (Schmigen, altd. smitze)
f. Dieb, Streich ; gew. das Außerfte dünne Ende der Peitfchenfchnur (nie-
derd. Schmicde); 2) (niederd. Smitte) landih. f. Schmiere, Salbe (in
der nicderd. dorm Schmitte beſ. f. die Schlichte der Weber, niederd. auch
Smittels); Farbe, def. der Lederfärber; Schmutz, Ruß, Keffelfehmwärze;
ein Shmutild, der Schmißen, -8, M. mw. E., oberd. f. ein Mund-
biffen; ein Bifschen, das Geringfte: das Schmigwort, vlt. f. Spott-
od. Schimpfwort.
fhmodig, ſchmudig, Bw., oberd. f. ſchwül, gewitterhaft.
ſchmolen, zielof. 3w., I. unp. es ſchmolt, niederd. f. fein regnen,
viefeln; 2. landſch. f. ſchmoren, vor Hitze dorrenz daher fchmolig, Bw.,
niederd. f. angebrannt (von Speifen).
Schmolle, w., M.-in, (ſchwed. smola, smula; vgl. mollig, lat. mollis),
oberd. f. die Krume, das Weiche des Brodes; ſächſ. ein Biſſen; fchwäb.
ein Fettklumpen; daher ſchmollig, Bw., f. fett, feiſt.
fhmollen 1. ziellof. Zw. (mittel. smollen; ſchweiz. ſchmölleln; val. ſchmie—
len) ſchwäb. f. lächeln.
Ihmollen 2. ziellof. Zw. (verw. mit dem isländ. smella, — raſſeln;
alſo urſpr. murren? od. verw. mit maulen?), feinen Unwillen od. Ver—
drufs durch Unfreundlichkeit u. Murrem Außern, finnv. grollen u. das un—
edlere maulen; oberd. auch: fic bei Zifche zieren, Tpröde thunz u. bei einem
Hochzeits- od. Kindtauf-Schmaufe zu Gafte fein (daher: die Schmolljung-
fer, Shmöllerinn f. Brautjungfer) ; der Schmollwinfel, das Schmoll-
ftübchen, -zimmerchen zc., ein abgefchiedener Ort, wo man ſich feinen Gril-
len überläfft (fr. Boudoir) ; der Schmoller, die Schmollerinn, wer ſchmollt;
ſchmollig, Bw., landſch. f. zum Schmollen geneigt, mürriſch.
ſchmoren, * u. ziel. Zw., 1) oberd. (gew. ſchmorren, auch ſchmor—
hen, ſchmorkeln, ſchwäb. auch ſchmockeln) f. durch Hitze trocken werden,
0 Schmoße — ſchmuck
dorren, überh. eintrocknen, einſchrumpfen, verdorren; 2) niederd. (ſmoren,
ſmoorten, ſmurten, auch ſmurken; holl. smooren v. smoor, Dampf; angelſ. Ir
smoran; vgl. das engl. smother; ital. smorzare) f. erftiden, ziellos (4. B. |
vor Hitze —; in feinem eigenen Fette —), u. ziel. dämpfen; gem. in engerem ı
Sinne: ziel. etwas in einem verfchloffenen Gefäße bei gelindem Feuer in
feinem eigenen Dampfe Eochen oder braten laffen, f. v. w. dämpfen, oberd. |
jtauchen, fchmauchen, niederd. toben od. ſtowen (Rind-, Hammelfleiſch —;
geichmortes Obft 2c.); ziellos m. haben: auf felhe Weife langſam Eochen
oder braten (das Fleiſch Ihmort im Topfe; dafür foll er in der Hölle ſchmo—
een 2c.); der Schmorbraten, das Schmorfleifch, geſchmortes od. gebämpfs |
tes Fleiſch; die Schmorhiße, Hise zum Schmoren; erſtickende Hige; der
Schmortopf, -tiegel, die Schmorpfanne, mit einem Dedel verfehene Ges
fäße zum Rleifch -Schmoren; — ſchmorig, Bw., landſch. f. ſchmorheiß, er:
ſtickend heiß.
Schmoße, w., M.-n, Landfch. gem. f. Schmaſche, Mafche.
ſchmotzen, ſchmötzeln, ziellof. 3w., (alt: smotzen; auch ſchmutzen,
ſchmutzeln; vol. Schmunzeln), oberd. f. lächeln.
Schmu, m., unbiegf. (niederd. Smu, oberd. Schmus; aus dem Züdifch-
Deutichen in die Volksiprache übergegangen), gem. f. Vortheil, Gewinn, bef.
beim Handel durch einen ſchlauen Kunftgriff auf Unkoften Anderer gemacht,
(Schmu maden, od. einen Schmu machen); daher das Schmumachen ;
der Schmumadher ꝛc.; ſchmuſen od. ſchmuſeln, ziellof. 3w., jüd. f. un:
terhandeln, Gewinn fuchen; der Schmufer, -8, f. Unterhändler.
ſchmuck, Bw., niederd. (ſmuck; isländ. smockr, dän. u. ſchwed. smuck;
engl. smug; wahrſch. von ſchmiegen, oberd. ſchmucken (f. u.), fo dafs
der Beariff der Zierlichkeit durch den der Gefchmeidigkeit od. Kleinheit vermit-
telt iſt; vgl. fein) f. zierlich, Hübfeh, nett, fauber, ſchön (ſchmuck angezogen
fein; ein ſchmuckes Mädchen 2c.); — der Schmud, —es, M. (felten) -e,
(niederd. Smuck; oberd. der od. das Gefhmud), was eine Sache od. Per:
fon Außerlich verfchönert, finnv. Zier, Dierde (der Schmud des Frühlings ;
des Mädchens fehönfter Schmuck ift Sittfamkeit), bef. Zierathe, glänzende
Koftbarkeiten, ſchöne Kleidungsftüde ze. zur Verfchönerung, ſinnv. Pub,
als Sammelw. o. M. (der Kirchen-, Altarſchmuck 2c.; feinen Schmud anles
gen; ber priefterliche, königliche, Feſttags-Schmuck ꝛc.); in engerer Bed.
mehre als ein Ganzes zufammengehörende Koftbarkeiten von Gold, Edel—
fteinen, Perlen ꝛc., fofern fie zur Ausihmüdung dienen, verfh. Putz (z. 8.
ein Schmuck von Perlen, Diamanten ꝛc.; der Kopf, Halsſchmuck, Braut
ſchmuck 2c.; in diefem Sinne auch M. die Schmude); in weiterer Bed.
alles zur Verſchönerung od. Verzierung Dienende (4.8. der Redefhmud);
— 3fes. das Schmudgeld, landſch. das Geld, welches eine Tochter bei
der Ausftattung zu ihrem Schmude erhält; der Schmudlandel, Handel mit
Schmuck von Gold, Edelfteinen 2c., Sumelenhandel, verfch. Putzhandel; fo
auch: die Schmudhandlung; der Schmudhändler, die Schmudhänd-
lerinn; der Schmudladen, Kaufladen eines Schmudhändters ; die Schmud-
waare (fr. Bijouterie); der Schmudfaften, das Schmuckkäſtchen, zier-
lihes Käftchen zur Verwahrung von Juwelen, Ketten, Ringen ze. ; ſchmuck⸗
los, Bw., ohne Schmuck, unverziert, einfach (ſchmuckloſe Reden ꝛc.); die
Schmuckloſigkeit; die Schmucknadel, eine koſtbare Kopf-, Buſen- ober
RL
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fhmuden — ſchmuſen 51
Tuchnadel; die Schmuckrede, gew. Prunkrede; ſchmuckvoll, Bw., reich
an Schmuck, ſehr geſchmückt; — ſchmücken, ziel. 3w., (oberd. ſchmucken;
engl. smug, ſchwed. smycka), mit Schmuck verſehen, verſchönern, zieren,
verzieren, edler u. von weiterer Bed., als das finnv. pußen, (ben Altar, die
Kiche—; ein Grab mit Blumen—; einen, od. ſich —; die Braut—; uneig.
die Natur ſchmückt ſich im Lenze; ihre Befcheidenheit ſchmückt fie am meiften,
de i. gereicht ihr zur Bierde; Federn ſchmücken, d. i. zum Puß zurichten);
der Schmüder, -8, die Schmüderinn, M. -en, wer Perfonen od. Sachen
fhmüdt (bei. in dem zgeſ. Federfhmüder, f. d.).
Ihmuden 1. ziel. u. bei. rückz. Zw. (altd. smucken, smücken; verftär:
kende Ableitung von ſchmiegen, ſ. d.), alt und oberd. f. fehmiegen, ans
drücken, den Körper ein- oder zufammenziehen; niederbiegen, fich demüs
thigen, (geſchmuckt, ſchweiz. f. gebogen, gekrümmt).
ſchmucken 2., zielloſ. 3w., niederd. (fmuden) ſ. v. w. Ihmaden, ſchmatzen
beim Küffen; daher die Schmuckhand f. Kufshand.
fhmüden, Schmudgeld ꝛc. — Schmudwaare, f. unter ſchmuck.
ſchmudeln 1. ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. ſmudden, jmuddeln, fmullen;
verw. mit Schmuß 2c.), gem., bef. niederd., f. ſchmutzig mit etwas umge-
hen, fudeln, ſchmieren; befubeln; ſchmutzig werden, Flede befommen;
unreinlich effen und trinken, fchlemmen; der Schmubdel, -5, M. m. E.,
gem. f. eine unreinliche Perfon, auch: der Schmudler, die Schmubdlerinn;
die Schmudelei, gem. f. Unreinlichkeit, Sudelei; Schmuß; ſchmudelig,
Bw., (niederd. fmuddelig, fmullig, ſmudderig) f. f[hmusig, unrein, uns
reinlich.
ſchmudeln 2. ziel. u. ziellof. Zw. (auch ſchmueln, ſchmulen, fchmaueln ;
vgl. ſchmotzen, ſchmutzen), oberd. f. fhmeicheln, liebEofen, verliebt tändeln;
die Schmudel, f. eine allzu verliebte weibl. Perfon.
ſchmudern od. ſchmuddern, ziellof. unp. Zro., niederd. (fmuddern) f. fein
regnen, riefen; fchmuderig, Bw., f. regnicht, feucht.
ſchmuggeln, ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. fmuggeln, holl. smokkelen, engl.
smuggle; vom angelf. smtgan, altd. smiugan, ſchmiegen, ſ. d.), niederd. f.
Schleichhandel treiben, verbotene Waaren heimlich einbringen, fchwärzen;
die Schmuggelei, das Schmuggeln, der Schleichhandel; der Schmugg-
ler, die Schmugglerinn, Schleihhändler.
Schmulle, w., M.-n, niederd. (Smulle; vol. das ſchwäb. Schmolle)
f. das in Riemen gefehnitfäne Rückenfett gefehlachteter Schweine.
Ihmullen, Zw., niederd. ſ. ». w. fhmudeln 1.; daher der Schmull-
bruder, f. Schlemmer, Säufer.
ſchmunzeln, ziellof. 3w. m. haben, (mittelh. smunzen, smutzen, smutze-
münden; oberd. ſchmutzen, ſchmutzeln, ſchmutzmaulen; val. ſchmotzen; niederd.
fmuftern, fmunftern, fmuniterlachen, jmufchern; ſchwed. smystra), mit zu—
fammengezogenen Lippen lächeln, als Ausdrud des Behagens, der Zufrier
denheit, des Wohlgefallens; auch f. freundlich thun, ſchön thun, liebfofen.
ſchmurren, ſchmurrlen, ziellof. Zw., ſchweiz. f. v. w. ſchmorren, ſchmo⸗
ven (f. d.): einfchrumpfen; fhmürzen, ſchmürzeln, zielloſ. Zw., ſchweiz.
fe ſengerig riechen; knauſern; der Schmürzer od. —— f. Knau⸗
fer; ſchmürzelig, Bw., f. knauſerig.
ſchmuſen, Schmufer, f. unter Schmu.
152 fhmußen — Schnabel
fchmußen od. fchmufern, ziel. 3w. (vgl. mutzen 2. f. pusen, und das
ſchweiz. gefhmüst f. geſchmückt, hübſch), in Pfeifendrennereien: die Pfei—
fen—, d. i. glätten u. ftempeln; der Schmußer, -8, wer dies verrichtet.
Schmuß 1. (nit gut: Schmuz), m., -e$, 0. M. (altd. smuz, ©.
smutzes; oberd. auch Schmotz, Geſchmötz; engl. smut, smutch; ſchwed.
smuts; verw. mit ſchmeißen, ſchmitzen?), Unreinigkeit jeder Art, ſo—
fern fie befledt od. beſudelt, weniger unedel, als Dreck, Koth (voll Schmutz
ſein; etwas vom Schmutze reinigen); uneig. f. alles Unſittliche, Unanſtän—
dige; auch der Brand im Getreide; — Zfeg. der Schmutzärmel, Halb—
Ärmel, welche man überzieht, um die Ärmel des Kleides zu fchonen; der
Schmutzbauch, eine Art Lippfiſche mit afchgrauem, braungeflecttem Bauche;
das Schmutzbuch, ſ. Kladde; die Schmußfarbe, eine dunkle Farbe, auf
welcher man Schmußflede nicht leicht bemerkt; der Schmußfinf, gem. f. un-
veinlicher Menſch; der Schmußfled, durch Schmug entftandener Fleck; der
Schmutzkittel, ein ſchlechter unreiner Kittel; der Schmutzkoch, die Schmuß-
köchinn, f. v. w. Sudelkoch 2c.; der Schmußlappen, ein Lappen, womit
man etwas vom Schmug reinigt; die Schmußrede, das Schmuswort, un-
anftändige, unfittliche Rede 2c.; der Schmußtitel, ein dem Haupt-Zitel eines
Buches vorgedructer, gew. kürzerer Titel; — Ableit. ſchmutzen 1., ziellof.
3mw. m. haben, (engl. smut, smutchz; ſchwed. smutsa; vgl. das niederd. ſmud—
den 2c. unter ſchmudeln), Schmuß fahren laffen, fhmusig machen, gew.
abfhmusen, (Kohlen fhmusen teiht); Schmuß annehmen, ſchmutzig wer-
den (helle Kleider Shmusen mehr, als dunkle); ſchmutzig, Bw., Schmuß
an ſich habend, unrein, befledt, befudelt (ſich ſchmutzig machen; ſchmutzige
Käthe, Hände, Kleider, Teller ꝛc.; auch f. ſchmutzig machend: ſchmutziges
Wetter, d. i. naffes, Eothiges); unreinlich, unfauber (ein ſchmutziger Menſch);
in weiterer Bed. f. nicht hell’ u. Elar, nicht rein (ſchmutzige Farben); uneig.
f. unfittlich, unanftändig, garftig, unfläthig (ſchmutzige Reden; ein ſchmu—
tziges Bild; ein ſchmutziger Menſch); die Schmugigfeit, das Schmusigfein.
chmutz 2. m., -e5, (auch Schmos; holl. smuot), oberd. u. ſchweiz. f.
Fett, Schmeer, Schmalz; daher ſchmutzen 2. od. ſchmützen, ziel. 3w., f.
mit Schmalz od. Butter fett machen; die Daare—, mit Pomade ſchmie—
ven; ſchmützeln, ziellof. 3w., f. nad) Fett ıc. riechen.
Schmuß 3. m. -e8, M. Schmütze, (ein Schallwort), ſchwäb. u. ſchweiz.
f. Schmatz, fehmagender Kufs; auch f. Schlag, Schmitz; u. f. Platzre—
genz daher ſchmutzen 3. od. ſchmützen, ziellof. u. ziel. Zw. f. ſchmatzen,
fhmasend küſſen; Zäg. die Stimme eines Thieres nachahmen, um es zu
locken; ſchweiz. aud) f. ſchmitzen, fehimpfen; regnen, dafs es plaßt.
ſchmutzen 4. od. ſchmutzeln zc., Zw., ſ. ſchmunzeln.
Schmutzfleck ꝛc. — Schmußtitel, ſchmutzig, ſ. unter Schmug 1.
Schnabel, m., -8, M. Schnäbel; Verkl. dag Schnäbelchen, (altd. sna-
bul, snapul, snabel, von snaben, snappen, ſchnappen, d. i. eine kurze, meiſt
klappende Bewegung machen, isländ. snapa, faſſen; ſchwed. smabel; oberd.
auch Schnappel; niederd. Snau, Snawel, Snibbe, Snippe, und daneben:
Nibbe, angelj. naebbe, engl. nib, dän. näb zc.; vgl. Nabe, Nabel), das in zwei
hornartige Spisen auslaufende Maul der Vögel; uneig. ſcherzh. aud) f.
Mund, von Menfchen (4. B. das ift etwas für feinen Schnabel, d. i. er iſſt
es gern; fprichw. fprechen, wie einem der Schnabel gewachlen ift, d. i. nad)
fhnaden — fchnaiten 753
feiner eigenen, natürlichen Weife); in weiterer Anwendung auch ein fehnabel-
“ähnlich hervorragender fpis zulaufender Körper oder Körpertheil, 3. B.
Schiffsſchnabel (f. d.), lange Spige an Schuhen, an Blafebälgen, an
der Hinterachfe eines Wagens (f. v. w. Schere), an den Schreibfedern zc., an
den Schmetterlingsblumen, an manchen Samenkörnern; Maur. das hevvor-
ragende Ende einer Dachrinne; Jäg. eine hölzerne Gabel, welche dem Hüh—
nerhunde unten an den Hals gefchnallt wird; — 3ſetz. das Schnabelbein,
- eine Art Stachelſchnecken (dorniges Schnabelbein); das Schnabeleifen, eine
3ange der Perrückenmacher zum Brennen der Haare; der Schnabelfifch, f.
v. w. Rüfferfifch, f. d.5 auch f. Buskopf; die Schnabelflöte, eine Art Flöten
mit langem Schnabel; fehnabelförmig, Bw.; das Schnabelfraut, ein
Pflanzengefchledyt mit fchnabelförmig auslaufender Frucht, auch Storchſchnabel;
ber Schnabelring, an Leiterwagen ein Ring, welcher den Schnabel der Hin-
terachfe an den Langwagen befeftigt; das Schnabelfhiff, ein Schiff mit fpig
zulaufendem Ende; Schnabelfchnell, Bw. (mittely.-snabelsnel, snabelraeze),
ſchwäb. f. übereilt im Reden, vorlaut; der Schnabelfchuh, chem. Schuhe
mit langer, aufwärts gefrümmter Spige; der Schnabelſchwanz, eine Art
Stachelſchnecken mit hervortretendem Schwanze; das Schnabelthier, ein mit
einem Schnabel verfehenes Thier; bei. ein neuholländifches, einer Flufsotter
ähnliches Säugethier mit einem Entenfchnabel; die Schnabelweide, fcherzh.
was dem Munde behagt, leckere Speife; auch f. Küffe; die Schnabelwurz,
der gemeine Haarftrang ; die Schnabelzange, eine-Zange mit langen Spitzen;
insbei. f. Schnabeleifen; — Ableit. jchnäbelig, Bw. (altd. snabelaht, sna-
beleht) , einen Schnabel habend, gefchnäbelt, gew. in Zſetz. wie: did-,
dünn, lang=, kurzſchnäbelig 2c.; fchnabeln od. mit fremder Endung ſchna—
beliren (auch ſchnabulirem, ziellof. u. ziel. Zw., gem. ſcherzh. f. effen,
bef. wohlfchmectende, leckere Speifen; ſchnäbeln, ziel. 3w., 1) mit einem
Schnabel verfehen (nur im Mw. gefhnäbelt); 2) ſich — fich wieder-
holt mit dem Schnabel berühren (die Tauben fchnäbeln ſich); uneig. fcherzh.
f. ſich küſſen; die Schnäbelei, das Schnäbeln, zärtlihe Küffen: der
Schnäbler, -8, eine Art Patſchfüße mit einem Schnabel von ungewöhn-
lihem Bau.
ſchnacken, zielof. u. ziel. 3w., (niederd. fnaden, ſchwed. snacka, dän.
snacke; ein Schallwort, wie fchnattern, plappern 2c.; vgl. das oberd. Tchnas
Eeln, ſchnackezen f. ſchnalzen, fchnallen, fchnappen, fehnippen, mit der
Zunge oder den Fingern; der Schnadler f. Schneller, Schnippchen, u. f.
der Schlucken), niederd. f. ſchwatzen, plaudern, Unbedeutendes oder von ge-
ringfügigen Dingen reden; der Schnad, -e8, (niederd. dän. ſchwed. snack)
f. Geſchwätz, Geplauder, leeres Gewäſch, Klatfcherei, (dummer Schnad;
Kinderſchnack; verft. Shnidfhnad); fchnadern, Bw., niederd. (Tnadern)
f. ſchwatzhaft, geſchwätzig.
ſchnaiten, ſchnaiteln, ziel. Zw. (auch ſchneitelnz altd. sneitön, snei-
| ten, ſchwach umend. Zw. abgel. v. snidan, sneit 2c., fchneiden), oberd. f. be—
) hauen, befchneiden (einen Baum zc.); Elein hauen, baden (Reifig); das
Schnait, f. Elein gehadtes oder zu hadendes Neifig; (das Gefhnait,
Gefhnaitel, zerfchnittenes od. zerhacktes Fleiich u. dal.; geſchnaitig,
Bergw. f. leicht zu brechen, zu gewinnen); der Schnait (oder Schnaid),
öſtr. (eig. wohl: das Schneidende, Scharfe) f. der fcharfe Geruch und Ge:
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil, 48
254 Schnake — fchnalzen
fhmad des Bieres u. anderer Getränke; auch f. Muth (keinen Schnaid ha-
ben); die Schnaif, auch Schnat, Schnafte, vit. f. Einfchnitt, Strieme,
Wunde; Landich. f. abgefchnittener Zweig, Reis (daher das Gefhnait,
Reihe von Sprenkeln zum Vogelfang); Grenze, Dorf-, Flurgrenze (niederd.
Snaat;z daher ver Schnatpfahl, =ftein.ze.).
Schnate 1. ., w., M.-n, (niederd. Snake; angelj. snaca, engl. —
ſchwed. snok, dän. snog: vom angelſ. snican, engl. sneak, althochd. snahhan,
alt u. fchweiz. ſchnaken, ſchnaggen f. Eriechen, fchleichen; daher ſchweiz.
Schnegge, Schnaagbohne f. Krichbohne; vgl. Sthnede), niederd.
1) f. Schlange, beſ. Waffer-, Sumpffchlange; 2) eine Art Eleiner Schafe
Geideſchnake od. -[hnude); landſch. auch f. weibliches Schaf, Mutter-
ſchaf; der Schnafenfopf, f. das Schlangenköpfchen, eine Mufchelart.
Schnafe 2. w., M.-n, (altd. der make, oberd. det Schnack; engl.
gnat; wahrfch. verw. mit nagen, neden, f. d.; Urbegriff: Spise, Stachel),
eine Art Iangbeiniger empfindlich ftechender Müden, große Müde, Erd—
fliege, Yandfch. auch Gelſe od. Gölſe; audy f. die Frühlingsfliege od. Waffer-
motte; Eintagsfliege, Haft; fchwäb. uneig. f. eine lange, hagere Perfon:
das Schnafengarn, Müdengarn; der Schnakenftich, Stich einer Schnake.
Schnafe 3. w., M. -n, (niederd. Snake; oberd. der Schnadz ſchwed.
snack; wahrfch. von gleicher Abftammung mit Schnafe 2.; alfo urfpr. ſtach—
liger Scherz, Stichelvede), gem. f. ein luftiger Einfall, eine feherzhafte Er-
zählung, finnv. Schwanf, Schnurre, Spaß, Poffe zc.; der Schnafe, -n,
niederd. (Snake; hol. maeck) f. ein Menſch, der Iuftige Einfälle hat,
Luftigmacher , Poffenreißer; die Schnaferei, niederd. f. das Schnafen-
machen, Spaßen; ſchnakiſch, Bw., gem. f. fpaßhaft, luſtig, poffierlich,
drollig, ſchnurrig.
Schnallen, 3w. 1) (von einer Wurzel snal, welche fchnelle Bewegung ver-
bunden mit einem kurzen Schall bezeichnet; daher ſchnell, ſchnellen, ſ. d.)
ziellos mit haben, oberd. f. Enallen, Erachen, Elatfchen, ſchnalzen (es
Tchnallt; mit der Peitfche, mit der Zunge, mit den Fingern 2c. fchnallen);
2) (von Schnalte abgel.) ziel. mittelft einer Schnalle (f. u.) befeftigen
(die Schuhe—; etwas in Riemen, feft— 2c.); der Schnall, -e8, M. -e,
(altd. snal, G. snalles), oberd. überh. der Schall und Schlag einer logge:
laffenen Schnellkraft; insbef. plöglicher Knall, Schneller mit dem Finger,
Schnippchen, Stüber; die Schnalle, M. -n, Verkl. dag Schnällchen,
überh. ein ſchnallendes Ding (daher landſch. f. Klaticjrofe), eine ſchnellkräf⸗
tige (elaſtiſche) Feder; gew. ein metallenes Werkzeug mit einem beweg—
lichen Dorn, um etwas zuſammenzuhalten od. zu befeſtigen, oberd. auch Der
Ninken, G. B. Schuh-, Hoſen-, Gürtel-, Hutfchnallen 2c.); oberd. auch f.
Thürklinke (Thürſchnalle); verächtl. fe Mund, u. f. Unmwahrheit, fehlaue
Lüge (d. i. etwas Schnallendes, Schallendes, leerer Schall); Jäg. der Ges
fchlechtstheil einer Hündinn und jedes weibl. Raubthierd; oberd. gem. f. weib-
licher Gefchlechtstheil; der Schnallenfchmied, ein Schmied, welcher bef.
eiferne Schnallen verfertigt; der Schnallenfchuh, = ftiefel, Schuhe, Stiefel
welche mit Schnallen befeftigt werden.
ſchnalzen, ziellof. Zr. m. haben, (das verft. ſchnallen, eig. durch Zus
fammenziehung aus [hnallezen entft.), einen fehnallenden, d. i. knallen—
den od. klatſchenden, Schall hören Iaffen od. hervorbringen, bef. mit der an
Schnäpel — ſchnapp 155
‚den Gaumen gebrüdten u. fchnell zurüdgezogenen Zunge (mit der Zunge fchnals
zen; oberd. auch: mit der Peitfhe—, f. v. w. knallen; mit den Fingern —,
ſchnippen, ein Schnippchen fchlagen) ; der Schnalz, -es, M. -e, das Schnal-
zen, der fchnalzende Schall, Knall; oberd. bef. ein Schneller, Schnipp-
hen mit den Fingern; die Schnalze, oberd. ein Werkzeug zum Knallen
(3. B. von Papier) ; der Schnalzer, -$, wer fchnalztz auch f. v. w. Schnalz,
Schneller, Schnippchen.
Schnüpel, m., f. Schnepel.
ſchnapp od. ſchnapps, ein Naturlaut, welcher den Schall nachahmt, der
mit einer Eurzen, meift Elappenden od. fehließenden Bewegung verbunden
ift (4. B. ſchnapp ſchlug die Thür zu; ſchnapp hatte er es weg 2c.); fchnap-
pen, ziellof. 3w. m. haben, (altd. snaben, snappen; niederd. u. holl. snap-
pen; isländ. snapa, faffen, ſchwed. snappa, engl. snap), eine Eurze, meift
Elappende u. mit einem Schall verbundene Bewegung machen, bei. duch
Federkraft, finnv. fchnellen (ein Schlofs fchnappt; der Dedel fehnappt zu ꝛc.;
oberd. f. ſchnalzen mit den Fingern), auch überh. f. ſchnell auf= oder nieder-
fahren (ein Brett fchnappt in die Höhe); daher oberd. mit dem Fuße aus—
fahren, gleiten, ftraucheln, hinken; gew. in engerer Bed. den Mund fchnell
öffnen und fchließen, um etwas zu erhafchen oder zu faffen (nach einer
Sache —; der Hund fehnappt nad) Fliegen; nad) Luft fchnappen; aud) ziel.
Luft ſchnappen, f. Schnell athmen); uneig. nah etwa8—, f. danadı) ha=
fhen, begierig danach ſtreben; niederd. ſchnappen aud f. ſchnell reden,
plaudern (vgl. fich verfchnappen) ; der Schnapp, - 03, M.-e, gem. f. das
Schnappen und der damit verbundene Schall (einen Schnapp nad) etwas
thun; mit einem Schnapp, im Schnapp , niederd. f. in größter Schnelligs
keit); — 3feg. v. fchnappen: die Schnappfeder, eine fchnappende, fchnell-
kräftige Feder; der Schnappgalgen, f. v. w. Schnellgalgen ; der Schnapp-
hahn, eig. ein fchnappender Hahn z. B. einer Flinte (vgl. das holl. snaphaan,
ſchwed. snaphane f. Flinte); gew. f. ein Menſch, der etwas zu erfchnappen
fucht, d. i. auf Raub ausgeht, insbef. ein Parteigänger, Freibeuter im Kriege;
auch f. Straßenräuber; niederd. verächtl. f. Gerichtödiener, Bettelvogt; in
den Niederlanden eine Münze, etwa 4 gGr. werth; das Schnappmeffer,
ein zufchnappendes Einlegemeffer; der Schnappſack (engl. snapsack), ein
Reiſeſack oder Ranzen, vorzüglid für Lebensmittel, auch Knappſack; die
Schnappweife, eine Art Weifen, welche die Zahl der abgelaufenen Fäden
durd) das Abfchnappen eines Brettchens anzeigen; — Ableit. die Schnappe,
M.-n, gem. f. Mund, Maul; oberd. eine Hanfbreche ohne Zunge; Säg.
ein Zuch, welches auf= u. niedergelaffen werden kann, Schnapptuch; der
Schnapper, -8, wer ſchnappt; oberd. aud) f. ein fehnappendes Ding, u. f.
Maul; audy f. v. w. Schnapp; der Schnäpper (od. Schnepperv. dem
oberd. ſchneppen f. fchnappen), -$, M. mw. E., Verkl. das Schnäpper-
chen, oberd. Schnäpperlein, überh. ein fchnappendes Ding od. Werkzeug,
daher ehem. eine Eleine Armbruftz oberd. Schnäpperlein auch: Theil
des Thürſchloſſes; Klapper (daher uneig. f. vorlautes Mädchen); gew. ein
durch die Schnellkraft einer Feder Ichnappendes Aderlafswerkzeug der Wund-
ärzte; fchnappern, ziellof. u. ziel. Zw., gem. f. viel u. oft ſchnappen; auc)
f. fehnattern, ſchwatzen (oberd. ſchneppern); ſchnäppiſch, Bw. (niederd.
ſnapsk; oberd. gefchnäppig), gem. f. vorlaut, nafeweis, gew. ſchnippiſch;
48*
156 ſchnarchen — fchnattern
ſchnapps, Nw., oberd. f. knapp, kaum; der Schnapps, -es, M.
Schnäppſe, (niederd. Snapps), eig. ſ. v. w. der Schnapp, das Schnap⸗
pen; gem. f. ein Schluck, beſ. Branntwein (einen Schnapps nehmen, trin—
ken); u. überh. f. Branntwein (ein Glas Schnapps ꝛc.); daher die Schnapps—
bulle, =flafche, das Schnappsglas, das Schnappshaus, der Schnapps—
Feller, laden ꝛc., der Schnappätrinfer zc., gem. f. Branntweinflafche,
-glas 2c.; fchnappfen, ziellof. Zw. , gem. f. Branntwein trinken.
ſchnarchen, ziellof. Zw. m. haben, (ein Schallwort, verw. mit [hnar-
ten; altd. snarken, snarchen; niederd. fnoren, fnorfen, ſnurken; engl. snore,
snort, ſchwed. snarka; vgl. d. griech. dEyzo, 6Eyyo), einen rauhen, ſchnar—
renden Laut hören laffen od. hervorbringen, bef. im Schlafe beim Athmen
durch die Naſe; daher auch f. Fehnarchend fchlafen, feft fchlafen (ev ſchnarcht
Schon); aud mit rauher, feharfer Stimme fprechen, heftig fchelten (bef.
einen anfhnarden, f. d.); der Schnarcher, -8, wer ſchnarcht; ſchnar—
cheln, ziellof. 3w., Tandfch. das verkl. fchnarchen: ein wenig fchnarchen od.
ſchnarchend fprechen.
ſchnarren, ziellof. Zw. m. haben, (ein Schallwort, altd. und niederd.
snarren; oberd. auch fchnerren; engl. snarl; ſchwed. snorra; — daher auch
das niederd. fnar, fnarre, f. raſch, Hurtig), einen rauhen, zitternden,
gew. unangenehmen Schall hören Laffen, vgl. Enarren, ſchnurren, raſſeln;
insbef. im Sprechen—, dag r als rauhen Kehllaut und etwas durch die
Naſe ausfprechen (oberd. auch fchnorren, Schnorcheln, ratſchen); niederd. auch
f. murren, brummen, ſchmälen; — 3feg. der Schnarrbafs, ein ſchnar—
render Baſs; die Schnarrdroffel, Miſteldroſſel (ſ. d.), landſch. auch
Schnarre, Schnerf, oberd. Schnerrer; das Schnarreifen, eine Art Am-
boſs der Goldfchmiede; die Schnarr-Ente, eine Art wilder Enten mit ſchnar—
render Stimme, auch Schnatter-, Lockente; die Schnarrheufchrede, ſ.
Schmetterheufchrede; Ichnarrmaulen, untrb. ziellof. Zw., oberd. f. hungern,
Hunger leiden, darben; die Schnarrwachtel, eine Art ſchnarrender Wach—
teln; das Schnarrwerf, in den Orgeln ein Pfeifenwerk, mit fchnarrendem
od. [hwirrendem Zone; — Ableit. die Schnarre, M. -n, ein ſchnarren—
des Ding oder Werkzeug, bei. das hölzerne Schnarrwerkzeug der Nacht—
wächter, auch als Kinderfpielzeug und als Vogelſcheuche dienend, vgl. Knarre,
Ratſche; niederd. f. Garnwinde; Tandfch. fe Schnarrdroffel, Schnarr-
wachtel; der Schnarrer, -8, wer ſchnarrt; fchnarrig, Bw., niederd.
(Mnarris) f. heftig anfahrend mit Worten, brummend, beißig; Fed, raſch,
hurtig.
fchnarzen, ſchnärzen, zielof. Zw. m. Haben, (ſchweiz. auch ſchnörzen; nie—
derd. fnarten, fnirten, Tnurten), landſch., das verft. ſchnarren, ſchnarchen
(4. B. ſchweiz. einen anſchnärzen f. anbrummen); niedr. f. eine Blähung
mit ſtarkem Schalt freichen laffenz der Schnarz, -e$, landſch. f. ſchnar—
vender Laut; laut abgehende Blähung (vgl. Furz, Farz); der Schnarzer,
-$, wer ſchnarzt; auch f. Schnarz.
Schnat, Schnate, Schnatte, w., f. die Schnait unter fchnaiten.
ſchnattern, ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallwort, niederd. fnatern),
einen ftarken, fchnelf wiederholten, gleichfam Elappernden Laut hervor:
bringen, zunächft von dem Gefchrei der Gänfe u. Enten; oberd. aud) f. klap—
pern, von dem Storch, u. mit den Zähnen (niederd. ſnätern); uneig. f. ſchnell
Schnatze — Schnauze 757
reden, bef. von unerheblichen Dingen, plappern, ſchwatzen (in biefer Bed. auch
ziel. etwas—); die Schnatter, M. -n, (oberd. Schnattern, niederd. Sna-
ter), gem. f. gefhmwäßiger Mund; verächtl. überh. f. Mund, Maul; die
Schnatterente, f. v. w. Schnarr⸗ Ente; die Schnatteret, das Schnatten;
‚gem; f. unerhebliches Geſchwätz; der Schnatterer, -8, die Schnattrerinn,
wer ſchnattert, gem. f. Schwäßer, Schwäßerinn, fo auch: das Schnatter:
maul, der Schnatterhans, die Schnattergans, Schnattertafche ıc.
Schnas e, m., M.-n, od. ber Schnaufiſch, (altd. snazo, m.), ein
Fiſch: Seekröpfer od. Seeflafche.
fchnauben, ziellof. u. ziel. Zw. (mittelh. suüben u. snöuwen; als abgel.
3w. von dem ablaut. snieben, ſchnieben ꝛ⁊c. (f. d.) nur ſchwach umend.:
fhnaubte, gefhnaubt; jedoch werden die Ablautformen ſchnob, ge>
ſchnoben gew. ald zu fchnauben gehörig angefehen, da die Form ſchnieben
meift vlt. ift; niederd. fnuwen; oberd. gew. ſchnaufen; ſchwed. smufwa; engl.
snuff, snub; vgl. fchnupfen, fchnüffeln zc.), den Athem hörbar und heftig
durch die Naſe einziehen u. ausftoßen (fchnaubende Roffe 2c.); auc etwas
fhnaubend durch die Nafe ausftoßen (Flammen —), niederd. aud) in die
Naſe einziehen (Taback—, f. fchnupfen); die Nafe—, d. i. ſchnaubend rei-
nigen, fchneuzen, pußgen (auch: ſich fchnaubenz fchnaube dich zc. ft. die Nafe);
ehem: , bef. bibl. überh. f. athmenz uneig. durch heftiges Athmen eine Ieb-
bafte Gemüthsbewegung äußern (vor Wuth ſchnauben; nah Golde—; u.
ziel. Wuth und Rache fchnauben); fchnaubig, Bw., vlt. f. fehnaubend.
ſchnauden u. ſchnauen, ziellof. Zw. (mittelh. snouden; niederd. fnauen,
fnaueln; holl. snauwen, f. fehnappen; vgl. das oberd. Schnud, ieländ. snudd
f. Schnauze), oberd. f. ſchwer u. heftig athmen; eilen; niederd. nad) etwas
0d. Semand fihnappen; beißen; einen unfreundlich anfahren, anfchnauzen
(niederd. anfnauen, oberd. anfchnauen); die Schnau, M. -en, niederd. 1) f.
Schnauze, Maul, Nafe, Schnabel; 2) Bifs, unfreundliche, heftige An-
rede; 3) au die Schnaue, M.-n, (holl. snaauw, engl. snow) eine Art
Eleiner vorn fpis zulaufender zweimaftigee Schiffe mit einem viereckigen Haupt:
fegel, u. einem Gaffelfegl (Schnaufegel) an dem Heinen Maft (Schnaus
maft); fchnauig, (ſchweiz.) oder fchnauifch (niederd.), Bw., f. beifig,
zänkiſch.
ſchnaufen, ziellof. 3w. m. haben, (oberd. Nebenform von ſchnauben;
im Hochd. als Verſtärkungsform geltend), heftig und mit Geräuſch ſchnau⸗
ben od. athmen (die Pferde ſchnaufen; vgl. auch verſchnaufen u. ſchnüffeln);
oberd. auch ziel. die Nafe—, f. ſchnauben; der Schnaufer, -$, wer
ſchnauft; oherd. wer mühfam athmet, ein Schwächling; auch f. Athemzug.
Schnaupe, w., M. -n, oberd. (auch die Schnaupen, Schnauben; verkl.
das Schnäuplein, Schneupel) f. Schnabel, Schnauze (niederd. Snuff, Snuffe),
verächtl. Mund; fchnabelformig hervorragender Theil 3. B. einer Kanne,
Lampe 2c.; Schneppe oder Schnebbe (bef. der Tpis zulaufende Theil eines
Schnürleishens); Schnuppe eines Lichtes; ſchwäb. f. anzüglihe Rede;
ſchnaupen, ziellof. Zw., landſch. f. fchneuzen, fchnüffeln.
* Schnauze, w., M.-n, Verl. das Schnäuzchen, oberd. Schnäuzlein,
(mittelh. snüze, oberd. Schnauzgen, niederd. Snute, hol. snuyt, ſchwed. snut,
engl. snout; vgl. fchnauden, ſchneuzen, u. das angelf. snote, engl. snot, nie—
derd. Snotte f. Schnupfen, Rog), das weit hervorragende, mit der Nafe
758 Scnede
verbundene Maul der Hunde, Wölfe, Füchſe ꝛc.; niedr. verächtl. f. Nafe
u. f. Mund eines Menfchen; uneig. der fchnauzenähnlich hervorragende
Theil an Gefäßen und Geräthen (z. B. Kannen, Töpfen, Lampen ıc.); —
3fes. der Schnaugbart, gem. f. Schnurrbart, auch bloß: der Schnauz,
-05, M. -e; das Schnauzenband, Fafeb. ein an beiden Enden zugeſpitztes
Band mit einem Einfchnitte; der Schnauzenkäfer, f. Rüffelkäfer ; die
Schnauzfanne, der Schnauztopf, Kanne, Zopf mit einer Schnauze; —
Ableit. ſchnauzig, Bw., 1) mit einer Schnauze verfehen (auh Shnäu-
zig in Zfeß. wie lang =, dickſchnäuzig 2c.); 2) oberd. f. heftig anfahrend,
ungeftüm; fchnauzen, ziellof. Zw. oberd. f. auffehnauben, durch die Nafe
aufriechen ; außerdem nur in: einen anſchnauzen, gem. f. heftig anfahren;
ſchnäuzen, ziel. 3w., mit einer Schnauze verfehen (eine Kanne 2.—;
verſch. ſchneuzen, ſ. d.).
Schnecke, w., M.-n, Verkl. das Schneckchen, Schnecklein, (altd. der
sneccho, snecke, oberd. der Schneck, des Schnecken; niederd. Snigge; angelſ.
snaegl, engl. snag, snail, ſchwed. snäcka; von dem altd. snahhan, snuoh,
angel. snican, £riechen; vgl. Schnafe 1.), 1) eine Gattung nadter Weich:
thiere mit länglichem Körper und vier Fühlfpigen am Kopfe: Erd-, Wege:
fchnede, nadte Schnede; 2) eine Gattung Schalthiere mit einfchaligem,
mehrmals gewundenem und in eine Spise auslaufendem Gehäufe, von vielen
Arten, 3. B. Garten-, Fluſs-, Meerfchneden zc., insbe. die Gartenfchnede,
(Iprihw. langſam, wie eine Schnede); oberd. fcherzh. LiebEofend f. Perfon,
def. Kind (Schneckchem; uneig. verfchiedene fchnedenähnlich gemundene
Dinge, 3. B. Bauf. ein fehnedenförmiger Zierath od. Schnörkel; eine Wen:
deltreppe, auh: Schnedentreppe (oberd. der Schne den); ein gewuns
dener Weg; ein Schnecenrad (f. u.) in einer Uhr; eine Art Wafferfchraube;
ein großer Hohlbohrer; Anat. die innere gewundene Höhlung des Ohres;
Landfch. gem. f. die weibliche Scham; — 3fes. das Schnedenauge, uneig.
der Mittelpunkt einer Schnedenlinie od. eines Schnörkels; der Schneden-
berg, ein Hügel, wo man die eſsbaren Gartenfchnecen aufbewahrt u. mäftet;
auch ein Luftberg, auf welchen ein Weg in einer Schnedenlinie ſich windet;
die Schnedenbohne, eine Art Bohnen in Brafilien mit ſchneckenförmig ges.
wundenen Blumenblättern; der Schnedenbohrer, ein Bohrer mit fchneden-
förmig gewundener Spige; die Schnedendrommete, eine aus einer Meer
fchnede gemachte, od. ſchneckenförmig gewundene Drommete; die Schneden:
feder, fchnedenförmig gewundene Stahlfeder in Zafchenuhren (fr. Spiral:
Feder); ſchneckenförmig, Bw., die Form eines Schnecdenhaufes habend;
der Schnedengang, 1) ſehr langfamer Gang, gleich dem Kriechen der
Schnecken; 2) ein nad) einer Schnedenlinie gewundener Gang od. Weg; das
Schnedengewölbe, ein Gewölbe, welches fich in einer Schraubenlinie um
einen Pfeiler in die Höhe windet; die Schnedengrube, eine Grube, in wel-
cher man efsbare Gartenfchnecen aufbewahrt; das Schnedenhaus oder
häuschen, die gewundene Schale einer Schnee; das Schnedenhorn, Fühls
horn einer Schnecke; auch ein ſchneckenförmig gewundenes Horn; der Schne—
ckenkegel, das kegelförmige Schneckenrad in einer Taſchenuhr; dev Schneden-
Flee, ein dem Klee ähnliches Hülfengewächs mit fchnedenförmig gewundenen
Schoten (medicago L.), von vielen Arten, bef. der blaue u. rothe Shne
cdenklee, gew. Lucerne od. Lucerner Klee genannt; der Schneckenkohl,
fchneden — Schnee 159
landſch. f. Braun oder Blaukohl; der Schnedenfünig, in Wien eine Art
efsbarer Schnirkelſchnecken; der Schnedenkreis, eine ſchneckenförmige Kreis-
linie; die Schnedenlinie, eine den Windungen eines Schnedenhaufes ähnlich)
um einen Punkt gewundene Linie (fr. Spiral-Linie); der Schnedenmarmor,
mit verfteinerten Schnecken durchfegter Marmor; der Schneckennerve, Anat.
das vordere Bündel des Gehörnerven; die. Schnedenpoft, ſcherzh. eine fehr
langfame Art zu reifen od. überh. von der Stelle zu kommen (mit od. auf der
Schneckenpoſt 2c.); das Schnedenrad, ein fchnedenförmiges Rad in den
Uhren, an welches fich die Kette der Uhr beim Aufziehen legt; die Schneden-
raupe, Raupen von ſchneckenförmiger Geftalt; die Schnedenfchlange, eine
Art Röhrenfchneden, einem Spulwurm ähnlih, auch: Wurmfchlange; der
Schnedenftein, 1) ein einer, weißer fteinartiger Körper im Kopfe der
Megefchneden; 2) Stein, bef. Marmor, in welchem fich verfteinerte Schneden
finden; die Schnedentreppe, |. v. w. Wendeltreppe; der Schnedenzug,
1) Zug der Schnecen, ſehr langfamer Zug; 2) nad) einer Schnedenlinie gezo—
gener Strich; — ſchnecken 1. od. ſchneckeln, zielloſ. Zw., oberd. 1) f. ſehr
langſam gehen, ſchleichen; langſam vergehen (won der Zeit); 2 fchne-
deln auch f. pußen, zierlich ankleiden (urſpr. wohl: glatt u. rund machen;
vgl. fchniegeln). *
fehneden 2. od. ſchneckern, ziel. Zw., oberd. (vgl. das ſchwed. snickra,
Zifchlerarbeit machen) f. Elein hauen, baden (Reifig); fchnigeln.
Schnee, m., ©. des Schnee -e$ (zweifilb.) od. zgez. Schnees (einfilb.),
0. M., (goth. snaivs, altd. sneo, sne, G. snewes; niederd. Snee; angelf.
snäv, engl. snow; isländ. snio, ſchwed. snö; holl. sneuw; böhm. snih, poln.
snieg; lat. uix, niv-is; griech. (wur) vip-e 20.5; — die urfpr. Wurzel ni,
“ verft.'sni, weiter gebildet sniv, fcheint glänzende Weiße zu bezeichnen), in der Luft
gefrorene wäfferige Dünfte, die in Geftalt weißer Sloden zur Erde fallen
(es fällt Schnee, weiß wie Schnee); uneig. dicht. f. das blendend Weiße,
verbunden mit dem Begriff der Reinheit und Unbeflectheit (des Bufens
Schnee 2c.); auch f. Schneemilch (. u); — 3ſetz. die Schneeammer, eine
Art Ammern in den nördlichſten Ländern, auch Schneefperling, Schnee
vogel, Winterfperling 2c. genannt; der Schneeapfel, eine Art weißlicher
Plattäpfel; die Schneebahn, eine mit Wagen od. Schlitten durch den Schnee
gemachte Bahn; der Schneeball, eine ballförmig zufammengedrüdte Schnee:
maſſe (Kinder werfen ſich mit Schneebälfen); uneig. die Eugelrunden, weißen
Blüthendolden des Hirſchholders od. Wafferholunders, u. das ganze Gewächs;
auch eine Art hohlen, leichten Badwerks; der Schneeballen, eine größere
zufammengeballte Schneemafle; fchneeballen, untrb. 3w., gem. f. Schnee:
bälle machen; fi —, mit Schnecbällen werfen; der Schneebaum, ein nord-
amerifan. Strauch mit jchneeweißen Blumen, auh: Schneeflodenbaum,
Schneeblume (chionanthus L.); ſchneebedeckt, Bw., mit Schnee bededt;
die Schneebeere, ſ. v. w. Eiöbeere, ſ. d.; der Schneeberg, mit Schnee be-
deckter Berg; großer Schneehaufen; die Schneebirne, die efsbare Frucht
einer Art wilder Birnbäume, bef. auf den öftreich. Alpen; auch f. weiße But-
terbirne; die Schneeblume od. das Schneeblümchen, ſ. v. w. Schnerglöd-
chen (1. d.); auch f. die Alpenwindblume (anemone alpina L.) oder weiße Kü-
henichelle; u. fe die Blume des Schneebaums; der Schneebruch, Zorftw.
das Brechen der Äfte und Bäume unter der Saft des Schnees und der dadurch
\
160 Schnee
verurſachte Schaden; daher: fchneebrüchig, Bw., durch die Laft des Schnees
gebrochen; die Schneedohle, Landich. f. die gemeine Dohle, weil fie fich bei
gefallenem Schnee fchreiend den Wohnungen nähert (gem. auch) Schneegäde);
die Schneedvoffel, Ring- od. Meerdroffel; die Schnee- Eule, große weiße
Eule; auch eine Art Nachtfchmetterlinge; der Schneefinf, Berg- od. Mift-
fink; die Schneeflode, f. Flocke; uneig. f. Schneeglöckchen, Schneeblume;
die Schneegand, eine Art ganz weißer wilder Gänfe im nördl. Afien und
Amerika; auch f. Kropfgans; das Schneegarn od. neß, ein Sagdneg zum
Rebhühnerfang im Winter; das Schneegebirge, =gefilde 2c.; das Schnee:
geftöber, Schneefall bei ftarkem Winde, welcher den Schnee wie Staub um-
hertreibt (vgl. ftöbern); das Schneeglöckchen, eine fehr früh blühende Blume
aus der Familie der Narziffen, auh: Schneeblume, -veildhen, =tropfen,
fchlef. Schneegallen, Frühlings= od. Märzglöckchen zc. (leucoium vernum L.);
die Schneehaube, Säg. ſ. v. w. Schneegarn; das Schneehuhn, eine Art
wilder Hühner, die im Winter faft fehneeweiß werden, auh: Schneevogel,
Schneehafe, weißes Birk» oder Haſelhuhn, Weißhuhn ꝛc.; der Schnee:
könig, Landich. f. Zaunkönig; die Schneefuppe, (f. Kuppe), ein mit Schnee
bedeckter Berggipfel; als EN. die höchfte Spitze des fchlef. Riefengebirges
(gew. Schneekoppe); die Schneelauwine od. -lawine, f. Lauwine unter
lau; die Schneelerche, Berg- od. Winterlerche in Amerika; das Schnee-
licht, der biendende Schein des Schnees; die Schneelinie od. «grenze, die
Grenzlinie im Dunftkreife, jenfeit welcher in den verfchiedenen Erdſtrichen der
gefallene Schnee Liegen bleibt, ohne zu thauen; die Schneeluft, mit Schnee
angefüllte &uft; der Schneemann, eine aus zufammengewälzten Schneeflum-
pen gebildete plumpe Menfchengeftalt, mit deren Errichtung fid) Knaben zu
beluftigen pflegen; die Schneemaffe; die Schneemeife, Schwanz oder
Bergmeife, die fi im Winter den Wohnungen nähert; die Schneemilch,
mit Eiweiß vermifchte und zu Schaum gefchlagene Sahne, auh: Schnee
mus und bloß: Schnee; die Schneepappel, weiße od. Silberpappel; der
Schneepflug , ein pflugägntiches Geräth zum Wegbahnen in tiefem Schnee;
der Schneepilz, eine Art grauer efsbarer Pilze, die in großen Klumpen meift
an den Wurzeln der Eichen wachſen, auch: Eichhafe, -bod 2c.; die Schnee—
riefe, alt u. landſch. f. Lauwine (f. riefen 1.); die Schneerofe, eine Art
Xprofen, Gichtroſe; die Schneefchlange, eine Art fchneeweißer giftiger
Schlangen in Afrika; der Schneefchuh, breite, platte Fußbekleidung der Be—
wohner des hohen Nordens; der Schneefperling, ſ. Schneeammer; der
Schneetropfen, landſch. f. Schneeglödchen; Schneeblume; das Schnee:
veilchen, f. Schneeglödchen; der Schneevogel, f. Schneeammer; Schnee
huhn; Seidenſchwanz; das Schneewaſſer, Waſſer aus gefehmolzenem Schnee;
fehneeweiß, Biw-, glänzend weiß, wie frifchgefallener Schnee; das Schnee
wetter, die Witterung, da Schnee fällt; der Schneewind, Wind, weldyer
Schnee bringt; die Schneewolfe, Wolke, aus welcher Schnee fällt oder zu
fallen droht; der Schneewurm, die Larve des ſchwarzbraunen Warzenkäfers,
die im Winter aus der Erde hervorkriecht; die Schneewurz, Schmeerwurg
od. Fettkraut; — Ableit. fchneeig, Bw. (altd. snewec, oberd. ſchnewig),
Schnee enthaltend, mit Schnee bedeckt; auch f. v. w. fehneeicht, Bw.,
fchneeähnlich, ſchneeweiß (der fchneeichte Sein); ſchneien (ehem. ſchneyen
geihr.), unp. ziellof. Iw. m. haben, (altd. sniwan, sniwen, Prät. snei,
Schneerkraut — fchneiden 161
Mio. gesniwen; mittel). aud) snien, snigen, snite, gesniget; oberb. fchnei-
wen, fchneiben, ablaut. ſchniw, fchnieb, fehnie, gefchniwen, gefchnieen, jedoch
auch umend. fchneiwet, gefchneibt; im Hochd. jegt bloß umend. fchneite, ge—
ſchneit; niederd. fneen, fchneen; angelf. snivan, engl. snow; gried). wipe),
e8 fehneiet oder ſchneit, es fallt Schnee, (ed hat gefchneit 2c.; das
Schneien als Hw.); uneig. auch ziel. et was —, 3. B. es fchneit Blüthen ıc.
Schneerkraut, f., Landich. f. Wegetritt, Buchwindewide ıc.
Schneffel, m., ſ. Schnepel.
fehneiden, 3w., ablaut. Impf. fehnitt, Gonj. ſchnitte; Mw. gefchnitten,
(goth. sneithan, Prät. snaith, Part. snithan; altd. snidan, sniden, sneit,
gesniten; niederd. fniden od. fnien, Prät. need. Part. fneden, ſneen; angelf.
snithan, snidan, ſchwed. snida) 1) ziellos mit haben, fiharf fein und da-
durch fähig, andere Körper zu durchdringen (fchneidende oder Schneide-
Werkzeuge; das Meffer, die Schere 2c. fchneidet gut, od. ſchlecht zc.); uneig.
einen empfindlichen, ducchdringenden, fcharfen Eindrud auf das Gefühl
oder einen andern Sinn machen (zZ. B. die Kälte fAmeidet ins Geſicht; ein
fchneidender Wind; auch: fchneidende Töne, Karben, Umriffe zc., d. i. grelle,
ſcharfe, nicht gehörig verfchmolzene; uneig. gem. das fehneidet in den Beutel,
d. i. verurfacht einen beträchtlichen Aufwand); bei. empfindlich fchmerzen,
wie eine Verlegung mit einem Schneidewerkzeuge (ein fchneidender Schmerz;
es fchneidet mir (nicht: mich) im Leibe, vgl. das Leibfchneidenz das ſchnei—
dende Waffer, d. i. der Harnzwang), uneig. einen fchmerzlichen, ver-
legenden Eindruck auf das Gemüth machen (es fchneidet mir ins Herz od.
in die Seele; fehneidende Worte, Reden, d. i. empfindlich Eränfende, beleidi-
gende); 2) ziel. mit einem Schneidewerkzeuge trennen od. theilen, fofern
es mit einem Zuge oder Drude gefchieht, verfch. hauen, baden, (7. B. Brod,
Fleiſch, Papier ꝛc. —; Tuch u. dgl.—, alt und oberd. f. ellenweife verkaufen,
ausfchneiden, vgl. u. Schneider; das Getreide—, d. i. mit der Sichel
abjchneiden, verich. mähen od. hauenz daher in engerer Bed. ſchneiden f.
ernten; uneig. Geld Schneiden f. gewinnen, bef. unrechtmäßiger Weife, vgl.
einen Schnitt machen); mit einem fchneidenden Werkzeuge verlegen, ver—
wunden (Semand fchneiden, ihn in den Finger—; ſich —; ich habe mich
(nicht: mir) in die Hand gefchnitten; ſich Schneiden, uneig. f. ſich irren u,
dadurch zu Schaden Eommen, in feiner Erwartung getäufcht werden); ſchnei—
dend bewirken oder hervorbringen (etwas in Stüden—, Elein—; Häcdfel,
Futter ꝛc. —; Bretter—, d. i. aus Baumftämmen ſägen; Tiſchl. überh. Ichnei-
den f. fägen); durch Fünftliches od. gefchicftes Schneiden zu einem Zwecke
zubereiten, bearbeiten (eine Schreibfeder— ; ein Kleid—, landſch. f. zu:
ſchneiden; ehem. einem ein Kleid fchneiden, überh. f. machen od. machen
laffen; den Stein—, f. ausfchneiden; ein Schwein—, f. verfchneiden; die
Bienen—, d. i. ihre Honigfcheiben ausschneiden, zeideln; in Holz, in Stein ıc.
fchneiden, d. i. graben oder ftechen, fr. graviven; daher: gefchnittene
Steine, d. i. mit eingegrabenen Figuren, Verzierungen 2c. verfehene Edel-
feine); uneig. einen Ball ſchneiden, (im Billard) f. an der Seite berühren
(oberd. auch: einen Kegel—); den Wein —, f. verfälfchen; Gefichter fchnei-
den, f. das Geficht verzerven, Fratzengeſichter machen; — 3fes. der Schneid-
arzt, ehem. f. Wundarzt, welcher Brüche, den Stein 2c. fehneidet; die Schnei-
debanf, ſ. v. w. Schnitzbank, z. B. der Bötticher; die Schneidebohne, die
162 fchneiden
gemeine Bohne, welche zur Speife Klein gefchnitten wird, entg. Brechbohne;
der Schneidebohrer, eine Art Bohrer mit ſcharfer Schneide; das Schneide-- |
eifen ,- ein eifernes Schneidewerkzeug der Stellmacher, der Kammmacher zum
Schneiden der Zähne, der Schloffer zum Abdrehen der Schrauben (au
Schneidekluppe); die Schneidelade, Häderlings > od. Futterbank; dag
Schneideleder, Schuhm. zu Sohlen zerfchnittenes Leder; das Schneide
meffer, in engerer Bed. ein Meffer mit zwei Handhaben zum Befchneiden von
Holz auf der Schneidebanf, auch Schnittmeffer;z Küch. f. Wiegemeffer; die
Schneidemühle, f. v. w. Brett= oder Sägemühle, |. d.; die Schneide
fcheibe, ſtählerne Scheibe der Uhrmacher, die Zähne der Räder damit auszu-
Schneiden, auch: das Schneidezeug; die Schneidefohle, bei den Stell
machern eine ftarke Bohle mit drei Löchern, worin die zu bearbeitenden Hölger
befeftigt werden ; der Schneideftein, eine aus Glimmer und Spedftein befte-
hende Steinart, welche fich Tchneiden läſſt; der Schneideftichel, ein Eleiner
flacher Stichel der Petfchaftitecher; das Schneidewerkzeug, jedes ſchneidende
od. zum Schneiden dienende Werkzeug; der Schneidezahn, die Iharfen Vor—
derzähne bei Menfchen und Thieren; das Schneidezeug, allerlei Werkzeuge
zum Schneiden, insbe]. f. Schraubenzeug od. Schneideeifen, und f. Schneide
ſcheibe; — Ableit. die Schneide, M. -n, (altd. snide, oberd. Schneid)
1) der fehneidende Theil eines Werkzeuges, einer Waffe ꝛc.; auch f. ſchar—
fer Rand, Kante (3. B. an Felfen ꝛc.; Anat. der obere Rand des Eeilförmigen
Beines); 2) die Scharfe, d. i. die Fahigkeit zu ſchneiden; oberd. uneig. fa
durchdringende Kraft, Vermögen, Kraftgefühl, Muth; 3) das Gefchnittene,
Ab-, Durch- od. Eingefchnittene (vgl. ſchnaiten, Schnait 2c.), insbef. Jäg.
f. Sprenfel od. Dohnen, aud) der ganze Vogelherd; landſch. f. ausgehaue-
ner Weg dur) einen Wald; auch f. Grenze; fchneidig, Bw. (mittelh. sni-
dec, ſcharf), eine Schneide habend (bef. in Zſetz. wie ein», zweifhnei-
dig); oberd. auch f. ſcharfkantig; u. uneig. f. muthig; Bergw. f. leicht zu
fchneiden od. zu gewinnen, weich (ſchneidiges Geftein); der Schneidel, -8,
die zweite Reihe Holz in einem Kohlenmeiler; fchneideln od. gew. fehnei-
teln, ziel. Zw. (oberd. fchnaiteln, fchnaiten, ſ. d.), befchneiden, behauen
(Bäume, Weinftöde 2c.); das Schneidelholz, Forftw. Bäume, welche ſich
gut fchneidein laſſen und bald wieder ausjchlagen, z. B. Weiden, Birken zc.;
auch das von folchen Bäumen abgefchnittene Holz; — der Schneider, -8,
M. w. E. (mittelh. snider), weibl. die Schneiderinn, M. -en, überh. wer
etivas fehneidet, od. mittelft fchneidender Werkzeuge hervorbringt, bearbeitet,
in vielen Zſetz., z. B. Brett:, Futterfchneider, Holzs, Stein, Stable, Stem-
pel⸗ Kormfchneider 2c.; insbeſ. chem. wer Tuch ausfchneidet, d. i. nad) der
Ele verkauft, Tuchverkäufer, Schnitthändler, genauer: Gewand= oder
Tuchſchneider (vol. das franz. Detail, Detailleur); jest gew. ein Hands
werker, welcher Kleidungsftüde aus gewebten Zeugen verfertigt, Kleider
macher (vgl. o. fchneiden und das franz. tailleur; Mannsfchneider, Frauen?
fchneider od. =fchneiderinn, Leibſchneider 2c.); uneig. Säg. ein geringer, nicht
jagdbarer Hirſch; landſch. f. die Wafferjungferz Ifes. dag Schneider:
handwerk, -gewerbe, -gewerk; die Schneiderzunft; der Schneidermei-
fter, -gefell, lehrling od. junge, -burfche zc.; die Schneiderarbeit; der
Schneiderlohn; die Schneiderrehnung; die Schneiderwerkftatt ꝛc.;
der Schneiderfifch, verächtl. Benennung einiger Kleinen Weißfiſche (oberd.
4
1
1
4
—— = —— — 5
ſchneien — fchnell 763
auch das Schneiderlein); die Schneiderfranfheit, Krankheiten, welchen
die Schneider wegen ihrer figenden Lebensart beſ. unterworfen find; gem.
ſcherzh. f. Kräge; der Schneidermusfel, Anat. der Muskel, welcher zur
Einbiegung des Unterfchenkels und daher zur Unterfchlagung der Beine dient;
die Schneidernadel, eine dreifantige Nadel der Schneider; Die Schneider:
fchere, eine große, ftarfe Schere zum Zufchneiden der Kleidungsftüde; ber
- Schneidervogel, ein Eleiner oftind. Vogel, der fein längliches flafchenförmiges
Neſt an die Zweige hoher Bäume hängt; Ableit. die Schneiderei, die Be-
ſchäftigung eines Schneiders im weiteren Sinne, in 3fes. wie Form-, Stein»,
Stempelfchneiderei 2c.; in engerer Bed. dad Handwerk des Schneiders od.
Kleidermachers (3. B. die Schneiderei erlernen); fchneidern, ziellof. Zw. m.
haben, Schneiderarbeit machen, die Schneiderei treiben; — die Schnei-
dung, gew. das Schneiden.
ſchneien, 3w., f. unter Schnee.
Schneife od. Schneiße, w., M.-n, (mittelh. sweise, oberd. die Schnai-
fen; verw. mit fchneiden, fchnaiten, Schnait), landſch. überh. ſ. v. w. die
Schneide 3): etwas Ab- oder Ausgefchnittenes; insbe. f. Baumreis,
Stäbchen (isländ. sneis, angeli. snäs; niederd. Snefe, der Stod, an wel-
chem das zu räuchernde Fleiſch in den Schornftein gehängt wird); Jäg. f.
Sprentel, Dohne (landſch. auch: die Schneus); oberd. auch: ein Stroh:
band, eine Schnur ıc., woran mehre gleichartige Dinge zum Verkauf ıc.
aufgereihet find, und die fo aufgereiheten Dinge felbft G. B. eine Schneife
3wiebeln; vol. das landſch. Schneje, holl. dän. ſchwed. snés f. eine Zahl
von 20, eine Stiege); auch f. Reihe überh.; insbei. ein zum Wogelfang
ausgehauener Waldweg, Vogelherd; die Schneißenbeere, landſch. f. Vo—
gelbeere; ſchneiſig, Bw., landſch. f. Schneifen enthaltend, aus Schneifen
0d. Reihen beftehend; auch ſchlank, lang u. dünn (oberd. gefhnaifig).
fchneiteln, 3w., f. fchneideln unter ſchneiden; fchneiten, ſ. ſchnaiten.
‘fchnell, Bw. (altd. snel, ©. snelles; niederd. fnell; isländ. sniallar,
ſchwed. snäll, angelf. snel; ital. snello; von Schnall, fchnallen, f. d.), durch
-befchleunigte Bewegung in kurzer Zeit einen verhaltnifsmaßig großen
Raum zurüdlegend, zunächft vermöge der Spann- od. Schnellkraft, daher
einen höheren Grad bezeichnend, als die finnv. gefchwind, raſch, (4. B. ſchnell
wie ein Pfeil, fchnell laufen, fchnelle Füße; auch von der Zeit: die Zeit ver-
geht ſchnell 2c.); in kurzer Zeit viel vereichtend (Ichnell arbeiten, fchreiben,
ſprechen; ein fchneller Arbeiter 2c.); auch f. vorfchnell, vereilig u. unüber-
legt, und landſch. f. jähzornig (ſchnell fein); in kurzen, faſt unmerflichen
Zwiſchenzeiten erfolgend od. gefchehend, finnv. ſchleunig, plöglich, jahling .
(ihnell fterben; ein ſchneller Tod; ein ſchneller Entſchluſs 2c.); Forſtw. f.
fhief, windfchief (ein Stamm geht ſchnell 2c.) ; — 3Tes. der Schnellblid,
ein fchneller, Alles fogleich überfehender Blid; der Schnellbote, ſ. v. w.
Eilbote; der Schnellfahrer , wer fchnell fährt; ein fchnell fahrendes Leichtes
Fuhrwerk, auch der Schnellwagen, die Schnellfurfche; fchnellfingerig,
Bw., fehnelle Finger habend, z. B. zum Schreiben; fchnellfüßig, Bw.,
fchnelle Füße habend, ſchnell laufend; die Schnellfüßigkeit; der Schnell
lauf; der Schnellläufer; das Schnellloth, ein fchnell= od. Leichtflüffiges
Loth (I. Loth 1), auch das Schnellzinn; die Schnellpoit, Eitpoft; Das
Schnellſchiff, ſchnell ſegelndes Schiff; der Schnellfchreiber, Geihwind-
764 fchnellen
ſchreiber (fr. Tachygraph); die Schnellfchrift, Schnellfchreibefunft (Tachy—
oraphie); der Schnellfchritt, beichleunigter Schritt, Geſchwindſchritt; der
Schnellwolf, Goldwolf; fehnellwüchfig, Bw., fchnell wachſend (G. 8.
Holz); — Ableit. die Schnelle od. gew. Schnelligkeit, felten Schnell-
beit, (altd. snelle, snelheit, snellec-heit; oberd. die Schnellen), das Schnell " )
fein, die befchleunigte Bewegung, ſinnv. Gefchwindigkeit, Raſchheit.
fchnellen, Zw. (altd. snellan, snellen, Prät. snalte; angelf. snellian)
1) ziel. (das Factitivum von ſchnallen, f. d.) et was —, fehnallen machen |
od. laffen, eine Spann= od. Federkraft loslaffen u. etwas mittelft derfer
ben fortbewegen (4. B. einen Pfeil vom Bogen—; etwas mit den Fingern—;
einem einen Kirſchkern u. dal. ins Gefiht—); auch f. prellen (7. 8. einen
Fuchs —, ſ. prellenz uneig. einen—, f. liftig übervortheilen, betrügen);
einen—, ihn mit den Fingern fehnallend berühren, ihm einen Schneller
geben; auch: in fchnelle Bewegung feßen (Säg. den Leithund —, ihm mit
dem Hängefeile einen Ruc geben); 2) ziellos m. haben, ſ. v. w. fihnallen:
mit Schnell= od. Federkraft ſich fortbewegen (eine Feder, eine Wage ꝛc.
fchnellen Laffen;z audy mit fein, wenn die Richtung der Bewegung angedeutet
wird, z.B. die Wagſchale ift in die Höhe gefchnellt); niederd. (Inellen)
überh. f. gefchwind fein; ferner den ſchnallenden Schall hervorbringen, f.
v. w. fchnallen, fchnalzen, fchnippen (mit den Fingern—); Jäg. von dem
Leithunde: vorfchnell anfchlagen; — 3ſetz. die Schnellbanf, ehem. ein
Wurfzeug, große Steine damit auf den Feind zu fchnellen (fr. Katapulte); die
Schnellfalle, eine in die Höhe fchnellende Falle zum Fange von Thierenz der
Schnellgalgen, ein Galgen in Geftalt eines griech. T’, an welchem man ehem.
die Verbrecher in die Höhe fchnellte und plöglich wieder fallen ließ, Wippgal-
gen; das Schnellharz, Federharz; der Schnellfäfer, eine Art Käfer, bie,
wenn fie auf dem Rücken liegen, fich in die Höhe fchnellen können, Spring—
käfer, Schmied (elater L.); die Schnellfraft, Federkraft (fr. Elaftieität);
fchnellfräftig, Bw. (fr. efaftifch); die Schnellfugel od. das Schnellfügel-
hen (gem. Schnellkäulchem), Eleine Marmor- od. Thonkugeln, welde r
fpielende Kinder in Eleine Gruben zu fchnellen pflegen, landſch. Murmel, oberd. |
Schuffer, niederd. Knider 2c.; die Schnellfchleife, Jäg. eine Art Schleifen
zum Bogelfange, welche bei der geringften Berührung in die Höhe fchnellen ;
das Schnellfeil, Jäg. Seile, mittelft deren das Vogelgarn zum Zufammen-
ſchlagen in Schwung gebracht wird; die Schnellwage, eine Wage mit un-
gleichen Armen, auf welcher man mit gleichem Gewichte Körper von ſehr ver-
fchiedener Schwere wägen kann, nieberd. Knippwage; — Xbleit: die |
Schnelle, M.-n, (oberd. die Schnell), landſch. f. ein ſchnellendes oder
fhnallendes Ding, bef. eine Peitfche; der Schneller, -$, M. w. E.
1) eine ſchnellende Perfon (4.8. oberd. ein Burfche, der beim Fahren hinten auf
dem Wagen fteht, um diefen bei Gefahr des Umfallens auf die entgegengefeßte
Seite zu fchnellen); ein Ding, welches jchnellt, d. i. fich od. etwas Anderes
mit Schnellraft bewegt, 3. B. Jäg. u. oberd. f. Schlagbaum; Jäg. f. Spren-
kel; oberd. f. Schnellgalgen, auch f. Haspel mit einfchnappendem od. fchnellen
dem Räderwerf, f. v. w. Schnappmweife, daher auch ein Gebinde von 240 Fä—
den; an dem Schloffe eines Feuergewehrs der Theil, bei deffen Berührung der
Hahn abfchnellt od. abfchnappt; Pflanz. ein fadenförmiger fchnellfräftiger Kör-
per an den Samen der Lebermoofe; 2) eine fchnelfende Bewegung und der
de, -yi-Izar
;
1
\
Schnepel — fihnerren 165
damit verbundene Schall, bef. mit den Fingern, f. v. w. Schnall, Schnipp-
hen, Knippchen, Stüber; Jäg. auch ein fchneller Zug des Hängefeils auf
dem Rüden des Leithundes.
Schnepel, m., -8, M. w. E. (n. X. Schnäpel; landſch. auch Schnä-
bel, Schnabel; niederd. Snepel, dän. snibbel, engl. snipe), ein zum Lachs—
geſchlecht gehörender Flufsfifch mit länglichem, ſchnabelähnlichem Oberkiefer,
bef. in der Altmark, gew. geräuchert verfendet, auch Schnabelfiich, Nafe,
Näsling ꝛc.; niederd. uneig. f. ein blaffer, kränklicher Menſch.
Schnepfe, w., M.-n, Verkt. das Schnepfchen, (althochd. der snepho
u. diu snepha, mittelh. der u. diu snepfe; oberd. der Schnepf, des Schnepfen;
niederd. Sneppe, Snippe; ſchwed. snäppa, dän. snap-hone, engl. snipe;
von gleihem Stamme mit Schnabel: der Schnabelvogel; wie das franz.
becasse von bec), eine zahlreiche Gattung ſchmackhafter Sumpfoögel mit
langem dünnem Schnabel, auch Schnepfhuhn genannt, von verfchiedenen Ar-
ten, als: die gemeine Wald- od. Holzſchnepfe, die Doppelichnepfe oder der
Brachvogel mit krummem Schnabel, Heer-, Mittel: od. Haar-, Pfuhl- oder
Riedfchnepfe, Regen, Moos, Strandfchnepfe 2c.; der Schnepfendred, mit
Eiern und Semmelmehl in Schmalz gebadene Schnepfengedärme, als Lecker—
biffen; der Schnepfenfang, das Fangen der Schnepfen und ein dazu einge-
tihteter Ort; der Schnepfenfifh, gem. Schneppenfiſch, f. v. w. die
Meerichnepfe, ſ. d.; die Schnepfenfliege, eine Art Fliegen mit zweifchneidi-
gem, gebogenem Saugrüffel; das Schnepfhuhn, landſch. f. die Schnepfe,
insbeſ. die größere Wald- od. Holzichnepfe; die Schnepfenjagd; der Schne-
pfenkopf, uneig. Namen verfchiedener Schnedenarten; der Schnepfenfchna-
bel, uneig. Namen einiger Stachelichneden; der Schnepfenftoß, eine Art
des Schnepfenfanges mit Klebegarnen; der Schnepfenzug, 1) das Ziehen
der Schnepfen im Frühling u. im Herbfte, auch der Schnepfenftrich; 2) eine
Menge in Gefellichaft ziehender Schnepfen.
Schneppe, auch Schnebbe, Schnibbe, w., M.-n, (oberd. Schneppen
od. Schnepp, niederd. Snibbe, Snebbe; ſchwed. snibb), landſch. f. Schnabel;
etwas fchnabelfürmig Zugefpistes, insbef. an Frauenkleidern; ein fpig zu>
laufendes Stirnläppchen an Trauerhauben der Frauen; ein Fleck od. Strich
auf der Nafenfpige eines Pferdes; auch f. die Schnauze einer Kanne 2c.; oberd.
auch: das Äußerfte Ende, der Rand, die Spitze eines Dinges; der Schnepp=
9 Horn⸗ od. Nadelhecht; die Schnepphaube od.-mütze; die Schnepp—⸗
anne.
ſchneppen, zielloſ. u. ziel. Zw., oberd. f. ſchnappen, eine kurze Bewe—
Hung machen; Vögel— mit dem Fallkäfich fangen; die Schneppe, oberd.
f. Plappermaul; der Schnepper, |. Schnäpper; ſchneppern, 3w., oberd.
f. ſchwatzen, plaudern; der Schnepperer, -8, f. Schwätzer, Poffen od.
Botenreißer. _
Schnerf, m., -es, M. -e, landſch. f. Schnärre, Schnarrdroffel.
ſchnerfen, ziel. Zw. (altd. snerfen, snirfe, Prät. snarf; vgl. fehnerren 2.,
ſchnurren, fchnurfen), altoberd. f. zufammenziehen, fihmiegen, fchrumpfen.
fihnerren 1., ziellof. Zw. (altd. sneren), oberd. f. ſchnarren; ſchnarrend
ſchreien, wie manche Vögel; plappern; die Schnerre, M. -n, oder der
Schnerrer, -8, f. Schnarre, Schnarrdroffel.
ſchnerren 2. od. ſchnerchen, ziel. 3w. (altd. snerahan , snerhen, snirhe,
766 Schneſe — fchnipfen
snarchz ſchwed. smärja, engl. snare, niederd. ſnirren; v. altd. snaraha, engl.
snare, niederd. Snirre, Schlinge), chem. f. einfhnüren, verfchlingen,
verſtricken; noch oberd. ſich —, f. fich felbft fangen, ſich irren.
Schneſe, Schneus, w., M.-en, landſch. f. Schneife, f. d.
ſchneuzen, ziel. Zw. (altd. snüzian, snüzan u. snüzon, sniuzen; niederd.
jnütten; isländ. snita; verfch. von ſchnäuzen; vgl. Schnauze), die Nafe—,
mit fehneller und heftiger Ausftoßung der Luft reinigen, finnv. fchnauben,
pußen (einem od. ſich (mir) die Naſe —); auch einen od. ſich (Acc.) —,
f. ihm o». fich felbft die Nafe ſchneuzen; uneig. gem. einen—, f. ihn
hintergehen, betrügen, prellen; in weiterer Bed. das Licht —, f. pußen,
(„die Sterne ſchneuzen jich“ fagt man von fallenden Sternſchnuppen, ſ. d.).
Schnibbe, w., ſ. Schnepre.
ſchnicken; ziellof. u. ziel. Zw. (vgl. ſchnacken, ſchnecken 2., ſchnappen und
fchnippen), Yandfch. f. fich od. etwas fchnell bewegen, fehnellen, fort- od. in
die Höhe fehnellen (manche Vögel ſchnicken mit dem Schwanze, d. i. fie be
wegen ihn mit Schnellfraft auf und nieder; vgl. fchnippen; einem etwas ins
Geficht ſchnicken 2c.); niederd. (ſnicken od. fniggen) f. nach Luft ſchnappen,
ſchluchzen; erftiden; der Schnid, -es, M. -e, gem. f. eine einzelne fchnel-
lende Bewegung; die Schnic od. Schnigge, M. -en, (niederd. Snid),
eine Art Eurzer, runder Fahrzeuge in der Nordfee, Eleiner als eine Schmack,
bef. zum Fiſch- und Aufternfange (von der fchnellen Bewegung); fchnider,
Bw., niederd. (Inicer, fnigger, fnögger, holl. snogger, snugger) f. hurtig,
munter, lebhaft; dünn, ſchlank, zierlich, hübſch (ein ſchnickeres Mädchen);
glatt, zierlich geordnet (fchnideres Haar; — in den Iegteren Bed. vielleicht
zu fchniegeln gehörend); — ſchnickern, zielof. Zw., Yandfch. f. wieder—
holt ſchnicken od. ſchnellen, (brandenb. in Eleinen Sachen, Papieren ze. herum⸗
ftöbern, Eramen); beſ. einer kurz abgeftoßenen Schall wiederholt hören
laffen, zwitfchern (von Kleinen Vögeln); auch. f. Eichern (engl. snicker); —
der Schnickſchnack, -*3, o. M. (vgl. ſchnacken, Schnad), gem. f. albernes,
leeres Geſchwätz.
fchnieben, ziellof. 3w. m. haben, ablaut. Impf. ſchnob, Gonj. ſchnöbe;
Mm. gefchnoben, (altd. snieben, snoup, snuben; in den Präſens-Formen meift
olt. u. durch ſchnauben (f. d.) erfegt), die Luft durch die Naſe hörbar aus:
ftoßen od. einziehen, jedoch mit gelinderem Geräufch, als ſchnauben, ſchnau—
fen (mit der Nafe—; dicht. der Zorn ſchnob ihm in der Nafe); der Schnie-
ber 1., -8, wer fehniebt.
Schnieber 2., m., -8 (zgez. aus Schneeberger) gem. f. Schneeberger
Groſchen.
ſchniegeln, ziel. 3w. (verw. mit dem altd. snahhan, angelf. snican, krie—
hen, Schnede 20.5 vgl. ſchneckeln; isländ. snoggr, altdän. snög, ſchwed.
snygg, niederd. fnigger, ſnicker, f. glatt, zierlich 2c.) glatt anpaffen, glatt
und zierlih machen, putzen, fihmüden, (gefchniegeltes Haarz ſich ſchnie—
geln; gefchniegelt fein).
Schnigge, w., M. -n, niederd. (Snigge) 1. f. Schnede; 2. |. Schnid
unter fchniden.
fchnipfen, fchnipfeln, ziel. Zw., oberd. f. v. w. fehnippen, fihnippeln,
insbeſ. etwas in Eleine Stüden ſchneiden; in kurzen Zügen trinken;
Kleinigkeiten ſchnell entwenden, flink ftehlen (ſchwäb. ſchniffem); der
fehnipp — Schnitt 767
Schnipf, das Schnipflein, f. abgefchnittenes Stückchen, Schnigel, Ab-
fall, Bifshen, Schlüdchen ; der Schnipfer, -8, ſcherzh. f. Dieb; Eleiner
Schluck; ſchnipfezen, ziellof; Zw., ober. f. fchluchzen.
ſchnipp od. ſchnipps, ein. Naturlaut, welcher den kurz abgeftoßenen
Schall nachahmt, der beim Schnellen mit den Fingern, beim Schneiden mit
der Schere zc. entfteht, vol. ſchnapp (ſchnipp ſchnapp Schnipp-ſchnapp—
fhnurr, Namen eines Kartenipiels in Niederd.); ſchnippen, Zw. (oberd.
auch ſchnipfenz vgl. ſchnappen, ſchneppen) 1) ziellos m. haben, den
Schall ſchnipp hervorbringen (Jäg. die Amſel ſchnippt); beſ. mit den Fin—
gern ſchnellen (niederd. knippen); auch f. auf- und niederſchnellen, ſ. v. w.
ſchnicken, kippen; 2) ziel. et was —, mit Schnellkraft fortbewegen, mit
den Fingern fortſchnellen; mit einer Schere in kleine Stückchen ſchnei—
den (auch ſchnippſen; engl. snip, holl. snippen); der Schnipp oder
Schnipps, 1) der Schall fchnipp ; bei. das Schnellen mit den Fingern,
indem man den Mittelfinger von dem Daumen hinabfchnellt, gem. verkl. das
Schnippchen, f. v. w. Schnall, Schneller,. Schnalzer, (einem ein
Schnippchen ſchlagen, als Zeichen des Hohnes- od. der Gleichgültigkeit); 2) ein
abgefchnittenes Eleines Stück, auch das od. der Schnippel, —s, u. verkl.
das Schnippeichen, landſch. auch: der Schnipperling, vgl. Schnigel;
der Schnipps, gem. auch f. Eleines Ding, verächtl. f. Eleiner Menfch,
Knirps; fchnippeln od. fehnippern, ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. fnippeln,
fnippern) gem. f. in fleine Stüde zerfchneiden, bei. mit der Schere;
ſchnippiſch, Bw. (vgl. ſchnäppiſch), gem. bef. niederd. f. fchnell u. vorlaut
im Reden, kurz angebunden, nafeweis.
Schnirkel, m., -3, M. w. E., ſ. v. w. Schnörkel, f. d.; die Schnir-
kelnadel, eine Kt gethürmter Schnirkelfchneden; die Tute od. Rischidhät;
die Schnirkelfhnede , eine Gattung Schneden mit gewundener, dünner
Schale, Sonnen=, Pofthorn (helix L.); auc) f. Zute od. Zutenfchnede.
Schnirre, w., M. -n, niederd. (Snirre; vgl. Schnur) f. Schlinge,
Dohne; daher fehnirren 1. Zw. f. ſchnüren, eine Schlinge zuziehen.
nirren 2., ziellof. u. ziel. Zw., niederd. (fnirren, ein Schallw.) f. fein
. leife fehnurren od. fihnarren (f. d.); mit folhem Geräufch in Butter
braten, od. ziel. in der Pfanne braten laffen; fchnirrbaden, untrb. ziel.
3w., niederd. f. in fchnirrender od. »praffelnder Butter baden; etwas Lederes
baden od. bereiten; ſchnirrbraten, untrb. ziel. Zw., niederd. f. geſchwind u.
ſtark braten laſſen, bef. in der Pfanne; der Schnirrbraten, etwas jcharf
Gebratenes; der Schnirrbrater, f. ungeſchickter Roh; ſchnirrig, Bw., nie>
derd. f. fcharf und dürr gebraten; nad) dem Brande fchmedend; — der
Schnirring, 085, M. -e, landſch. f. die gemeine Meerfchwalbe.
Schnitt, m., * M. -e, Verkl. das Schnittchen, oberd. Schnittlein,
(altd. snit, von sniden, sneit, sniten, ſchneiden, ſchnitt, f. d.), 1) das
Schneiden, bei. ein einmaliges Schneiden (einen Schnitt in etwas thun;
‚mit einem Schnitte 2c.), überh. die Handlung des Schneidens (z. 8.
Blaſen⸗, Kaifer-, Kreuzfchnitt; einen auf den Schnitt herausfordern, d. i. auf
den Zweikampf mit Erummen Meffern, bei den Matrofen üblich, auch: ein
Schnittchen machen), insbef. f. das Befchneiden (der Schnitt der Obftbäume
in den Weinbergen 2c.), oberd. f. das Ausfchneiden, der Ausfchnitt, Vers
kauf von Ellenwaaren im Kleinen (Tuch, Leinwandichnitt), das Abſchneiden,
768 Schnitt
bef. des Getreides, daher auch f. Ernte, Erntezeit (der Roggen-, Hafer
ſchnitt 2c.), uneig. gem. f. Gewinn, Vortheil, bef. unrechtmäßiger, (einen
Schnitt od. feinen Schnitt bei etwas machen); ferner die Art und Weife zu
fchneiden, bef. eine Eünftliche Art, etwas zuzufchneiden (diefer Schneider hat
einen guten Schnitt; ſprichw. an fremdem Tuche den Schnitt lernen, d. i. auf
Anderer Koften Elug werden; den Schnitt verftehen, d. i. die Kunft des Schnei—
dens, uneig. auch feinen Vortheil zu fuchen); Iandfch. uneig. auch f. das
Prahlen, die Prahlerei, vgl. auffchneiden (große Schnitte thun f. ſehr
prahlen); 2) das Öefchnittene, duch Schneiden Bewirkte od. Hervorge-
brachte, insbef. der Einſchnitt, die duch "Schneiden gemachte Offnung,
Spalte, Wunde rc. (die Schnitte in einem Kerbholze; ein Schnitt im Finger,
in der Hand; auch eine fchnittähnliche Vertiefung, 3. B. die vertieften Linien
in der Hand); der Abfchnitt, das abgefchnittene Stud, gew. die Schnitte,
ſ. u. (4. B. ein Schnitt Brod, Fleiſch 2c.; vgl. Pfaffenfchnitt); auch der
Ort, wo etwas abgefchnitten oder befchnitten ift (4. B. ein Reis in den
Schnitt pfropfen, d. i. in die Stelle, wo der Aft abgefchnitten ift; der Schnitt
eines gebundenen Buches, d. i. der befchniitene Rand, daher: ein Buch mit
rothem, gelbem, vergoldetem Schnitte 2c.); ferner das Zugefchnittene, ein
von Papier ıc. gefchnittenes Mufter (der Schnitt zu einer Haube u. dgl.);
die durch Schneiden hervorgebrachte Figur oder Form (f. Holzſchnitt; der
Schnitt einer Feder, eines Kleides), die Art und Weife, wie etwas zuge-
ſchnitten od. durch Schneiden geftaltet wird (zZ. B. ein Kleid nach dem neue-
ften Schnitt; ein veralteter Schnitt 2c.); 3) das Schneidende, nur Glaf.
die Schärfe des Diamants, womit das Glas gefchnitten wird; — Zfeß. bie
Schnittbohne, f. v. w. Schneidebohne; das Schnittfleiſch, in Stüde ge-
ſchnittenes Fleiſch, als Speife zubereitet (fr. Fricaffee); das Schnittgras,
fpigiges Niedgras; der Schnitthandel, die Schnitthandlung, Handel ꝛc.
mit Schnittwaaren, d. i. Ellenwaaren; der Schnitthobel, Buchb. Hobel zum
Befchneiden der Bücher; das Schnittholz, im Weinbau: abaefchnittene Re-
ben, die als Fächſer dienen, auh Schnittlinge; der Schnittfohl, Kohl,
welcher jung abgeichnitten u. zu Gemüfe bereitet wird: englifher Schnitt
kohl, eine als Öl- und Futtergewächs gebaute Kohlart; der Schnittlauch,
eine Art Lauch, welcher fic) öfters abfchneiden läſſt u. wieder nachwächſ't, als
Küchenkraut gebraucht, auch Gras-, Binſenlauch 2c.; das Schnittmeſſer,
Rebmeſſer der. Winzer; Schneidemeſſer (ſ. d.) der Bötticher, Wagner 2c.; Der
Schnittfalat, dicht gefäeter Salat, deffen junge Blätter man im Frühlinge
fogleich abfchneidet, Stechfalat; der Schnittjchein, abgeſchnittener Sinsſchein bei
Staatöpapieren (Neuw. f. das fr. Coupon); die Schnittwaare, Zeuge, die
nad) der Elle verkauft werden, Ellenwaare; die Schnittwunde, durch einen
Schnitt entftandene Wunde; die Schnittzwiebel, Gärtn. verfegte Zwiebeln,
an denen die Blätter verfchnitten werden; — die Schnikte, M. -n, Val.
das Schnittchen, oberd. Schnittlein, (altd. snita, snite; oberd. die u. der
Schnitten; niederd. Snede), ein abgefchnittenes flaches Stud, eine Scheibe
(Brode, Semmel-, Kleifch-, Apfelſchnitten 2c.); ſchnitteln, ziel. 8w., oberd.
f. in dünne Schnittchen ſchneiden; — der Schnittling, -es, M. e,
(altd. snitelinc), Gärtn. u. Weinbau: ein zur Fortpflanzung abgefchnittenes
Reis, vgl. Schnittholz; landſch. f. Schnittlauch); auch f. junges verfchnit-
tenes Pferd oder Rind; — der Schnitter, -3, M. w. E. (altd. snitari,
ſchnitzen — ſchnöde —769
snitaere; verhält ſich ſeiner Bildung nad) zu Schneider, wie Ritter zu Rei—
ter) , weibl. die Schnitterinn, M.-en, wer in der Ernte das Getreide
mit der Sichel fehneidet, in weiterer Bed. au f. Mäher; daher: das
Schnitterfeft; der Schnitterlohn; das Schnittermahl od. der Schnitter-
fhmaus; der Schnittertanz, oberd. Schnitterhupf; das Schnitterhüpf-
lein, bair. eine Art kurzer, aus einem od. zwei Reimpaaren beftehender, länd—
licher Tanzlieder, auch Schlumper-, Schnapper-, Schelmenliedlein zc.
ſchnitzen, ziel. Zw. (mittelh. snitzen; verftärfende Ableit. von fchneiden),
oft und viel fchneiden, mit dem Nebenbegriff des Mühfamen u. Künftlichen,
daher: durch künſtliches Schneiden verfertigen (ein Bild, Figuren, Zierathe zc.
in Holz —); der Schniß, -e8, M.-e, Verkl. das Schnischen, Schnig-
lein, ein abgeſchnittenes büinnes Stüd, eine Schnitte, Scheibe, insbeſ.
zerfchnittene und gedörrte Üpfel od. Birnen (Üpfel=, Birnenſchnitze); auch
Abfälle beim Schneiden oder Schnigen, gew. Scnisel: jchweiz. f. Steuer,
Abgabe (das fr. Accife; daher auh: ſchnitzen, beſchnitzen f. fteuern,
beftenern); oberd. uneig. f. drolliger Einfall; ſchlaue Lüge, Auffchneiderei ;
— 3fes. die Schnißarbeit, die Arbeit des Schnigens; auch f. v. w. das
Schnigwerf, in Holz, Elfenbein zc. gefchnigte Kunftwerke, Bierathe 2c.; die
Schnitzkunſt, die Kunft, Bildwerke aus Holz 2c. zu ſchnitzen; die Schniß-
banf, eine hölzerne Bank mit beweglichen Tritte, auf welcher die Holzarbeiter
das Holz mit dem Schnittmeffer bearbeiten, Schneidebant; das Schnigbrett,
der Schnigtifch, Brett, Tiſch, auf od. an welchem man etwas ſchnitzt; das
Schnigmeffer, Schneides od. Schnittmeffer der Tiſchler und anderer Holzar-
beiter; — Ableit. der Schnißer, -8, M. mw. E., 1) wer fchnißt, bef.
Bildfchniger, ehem. auch f. Bildhauer, u. f. Armbruſtmacher und Pfeilipiger
(mittelh. snitzaere); 2) ein Werkzeug zum Schnigen, insbef. ein ftarkes,
fpisiges Meffer der Tiſchler mit langem, etwas gefrümmtem Hefte, welches an
die Schulter gelehnt wird beim Ausfchneiden von Vertiefungen; auch ein Meffer
der Sattler u. Riemer zum Abfchärfen der Kanten des Leders beim Zufchnei-
den, und ein Schabemefler der Kammmadjer; 3) ehem. auch wohl f. ein
Schnitt, Fehlſchnitt; daher jegt uneig. ſcherzh. od. verächtl. f. ein Fehler,
bei. Sprachfehler (einen Schniger machen; ein Sprachſchnitzer); daher ſchni—
Bern, ziellof. 3w., gem. f. Fehler, bef. Sprachfehler machen; die Schnißeret,
1) das Schnigen; auch eine Schnigarbeit (M. Schnigereien); 2) gem. f.
das Schnigern, Fehlermachen; — der od. das Schnißel, -8, gem. M.
die Schnigel, beim Schnigen od. Schneiden abfallende Späne (Papier-
ſchnitzel); ſchnitzeln, ziellof. und ziel. Zw. (das verkl. ſchnitzen; niederd.
fnittein, fneteln), mit Eleinen Werkzeugen an einer Sache fehnigen oder
fchneiden, fo dafs nur Eleine Späne abfallen, meift mit dem Nebenbegriff des
Unnügen u. Zwedlofen; et was —, ſchnitzelnd verfertigen; der Schnißler,
-8, wer fihnigelt; der Schnigling, -es, M. -e, ſ. v. w. Schnigel; gen
eine werthloſe Kleinigkeit.
ſchnoben u. verſt. ſchnobern, ſchnobbern, zielloſ. Zw. m. haben, aud
ſchnoppern, ſchnubbern, fchnuppern; von fchnieben, jchnauben), landſch. f.
ſchniebend beriechen, fuchen, fpüren (von Hunden); ſchnobiſch od. ſchnö—
bifch, Bw., f. ſchnupfig, verfhnupft; von Pferden: mit dem Rotz behaftet.
Ondde, Bw. (altd. snödi, snoede, knapp, ärmlich, ſchlecht, verächtlich;
fo auch holl. snoode; oberd. ſchnöd; niederd. ſnöde, ſnöe, f. witzig, ſchlau;
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 49
770 jchnoden — Schnotzen
isländ. snandr und ſchwed. snöd f. dürftig, arm; ſchott. snod, nett, artig;
wahrſch. von einem alten ablaut. Zw. sniodan, snieden, Prät. snöd, von der
Bed. des fchott. snod, befchneiden, putzen; vgl. das Tchmweiz. ſchnözem), alt
und noch oberd. f. fehlecht, werthlos, erbätmlich, gering G. B. ſchnöde
Waaren, ſchnöder Wein ꝛc.; fehnöde Kleider; ſchnödes Gefchlechts fein, d. t.
niederer Herkunft; der ſchnöde Senf od. aew. zgef. Schnödefenf, landſch.
f. wilder Senf, Hederich; ſchweiz. ſchnöd Leben, f. ärmlich, kärglich); jest:
verächtlich, d. i. Verachtung verdienend, finnv. elend (4. B. fchnödes Geld;
ſchnöder Gewinn ze.), gew. Verachtung erweifend, mit Verachtung, finnv.
geringſchätzig, höhniſch (einem fchnöde begegnen ; ſchnöde Behandlung,
Worte ꝛc.); die Schnödigfeit, das Schnödefein: chem. die erbärmliche,
verächtlihe Befchaffenheitz jegt die Geringfchägigkeit, das Höhniſche
(7. B. einer Antwort).
fhnodeln, zielloſ. 3w. (v. ſchnauden f. ſchnaubem oberd., durch die
verſtopfte Naſe athmen; ſchnodern, zielloſ. Zw., fehweiz. f. ſchnoben, \
ſchnobern; u. f. ſchnarchen.
fchnöfern, zielloſ. Zw., niederd. (ſnökern; auch ſnöggen, ſnuckern; vgl.
das oberd. ſchnuckeln) f. naſchen; löffeln, liebeln; brandenb. f. ſchnobern,
mit der Naſe od. dem Rüſſel durchſuchen.
Schnoller, m., f. Schnuller unter ſchnullen.
ſchnopen, ſchnopern, ziellof. u. ziel. Zw. niederd. (fnopen, ſnopern; holl.
snoepen; vgl. fchnoben und das oberd, Schnaupe f. Schnabel, Mund) f.
nafchen; der Schnoper, 3, f Näſcher; ſchnopiſch (Mmocpsd, Bw., f.
näſchig ıc.
fhnoppern, zielloſ. Zw., ſ. fehnoben, ſchnuppern.
ſchnoren, zielloſ. Zw. niederd. (ſnoren) 1) f. ſchnarchen (auch: ſnorken,
ſnurken; engl. snore, snort; vgl. ſchnorren); 2) f. faulenzen, liederlich leben.
Schnörkel, m., -3, M. w. E. Verkl. das Schnörkelchen, (auch: Schnir-
£el, landich. Schnerkel; wahrfch. von Schnur, niederd. Snoor, f. Schlinge),
eine gewundene od. gefchlungene Linie, Schnedenlinie; bef. Bauf., Bildh. ze.
Verzierung in gefehlungenen Pinienz uneig. überh. f. Uberflüffiger, ge—
fhmadlofer Zierath, bei. im Schreiben; ſchnörkelhaft, Bw., aus Schnör—
keln beftehend, ſchnörkelähnlich; ſchnörkeln, ziellof. u. ziel. * Schnör:
kel machen; mit Schnörkeln verſehen; gefchmadlos verzieren; die Schnör—
Felet, das Schnörfeln, od. dag Gefhndrkette.
ſchnorren od. fchnörren, auch ſchnorzen, ziellof. Zw., oberd. f. ſchnurren,
ſchnarren; ſchweiz. f. ſchnoben, fehnobern; die Schnorre, Schnörre,
M.-n, (auch Schnorren, Schnurren, Schnörr) oberd. u. ſchweiz. f. Rüſſel,
Schnauze; gem. f. Naſe; der Schnorrbod, landſch., eine Art geaugter
Dämmerungsfalter; die Schnorrmaus, landſch. f. Schnarrmaus; fehnorrig
od. ſchnorzig, Bw., oberd. f. mürriſch, verdrieglih, auffahrend. -
Schnotte, w., 0. M., niederd. (Snottez angelf. engl. hol. dän. snotz
preuß. Schnodder; oberd. Schnuder, Schnudel; val. ſchneuzen) f. Rob, Na
ſenſchleim; daher der Schnottbörs, landſch. eine Art Eleiner, mit zähem
Schleim überzogener Börſe; der Schnottbengel, die Schnotternafe u. f.
Rosnafe; ſchnotterig, Bw. f. roßig; fehnottern, 3w., f. ſchnudern.
Schnotzen, m., -8, M. mw. €., od. die Schnoie, M.-n, oberd f.
Wurf, Fleiſch- od. Fetttlumpen am * der Thiere und Menſchen; der
Schnotzel, -8, f. dns Unterkinn.
ſchnözen — Schnupfen 711
ſchnözen od. ſchneuzen, ziel. Zw. (vgl. ſchnöde), ſchweiz. beſ. Tiſchl. f. in
ſchräger Richtung abſchneiden od. vorn beſchneiden; der Schnoz, f. ſchrä—
ger Schnitt, Zipfel.
Schnucht, m., -e38, M.-e, eine Art Hechte bei Köln.
Schnude, w., M. -n (auch Schnicke, Schnafe, f. d.) niederd. eine
Art Eleiner rauhwolliger Schafe auf den niederfächfiihen Heiden (Heid-
fhnuden).
ſchnucken, zielloſ. Zw., niederd. (ſnucken) f. ſchlucken, ſchluchzen; ſchnu—
ckeln, oberd., ſchnuckern, niederd. (ſnuckern; vgl. ſchnökern), zielloſ. u. ziel.
SW. f. (eden, faugen, naſchen; der Schnudes, oberd. liebEofende Be—
nennung eines Kindes.
Schnudel oder Schnuder, m., -8, o. M. (altd. snude, snuder; vgl.
Schnotte; und das oberd. die Schnud, Schnudern f. Schnauze, Nafe) oberd.
gem. f. Nafenfchleim, Rotz; Schnupfen; fchnudeln 1. (vgl. ſchnodeln)
u. ſchnudern, ziellof. Zw., oberd., durch die verftopfte Nafe athmen; durch
die Nafe fprehen; ſchnudern oder ſchnüdern, aud) den Rotz aus ber
Naſe hangen laſſen (von Kindern, bef. beim heftigen Weinen); der Schnu—
derfifch, eine Art Kropffifche, auch: der Schnuderer; die Schnudernafe,
oberd. f. Rotznaſe; ſchnuderig, Bw., f. rotzig; ſchleimig; der Schnüder-
ling, -e3, M. -e, f. Kosklumpen (Sternfhnüderling f. Sternfchnuppe).
nudeln 2. Zw. oberd. f. eilfertig u. obenhin verfahren, hudeln.
Schnuff, Schnuffe, w., M.-en, niederd. (Snuff, Snuffe, Snüff) f.
Schnauze, Nafe; fehnaizenähntiche Spitze an Schuhen u. dgl.; ſchnüffeln,
ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. fnuffelnz oberd. fchnufeln, fchnüfeln, fchnofeln,
ſchnofezen ze.; engl. snuflle u. snivel, ſchwed. snöfla; Ableit. von ſchnaufen),
gem., wiederholt und in Eleinen Ubfäsen die Luft durch die Naſe hörbar
einziehen und ausſtoßen (ogl. ſchnobern, ſchnuppern), beſ. beim Riechen und
Aufſpüren; auch undeutlich durch die Naſe ſprechen; die Schnuffel od.
Schnufel, gem. oberd. f. Naſe u. Maul von Thieren, verächtl. von Men
ſchen; der Schnüffler, -8, wer ſchnüffelt, ein Spürer, Spürhund.
ſchnullen, zielloſ. Zw. (ogl. nollen, nullen), oberd. f. ſaugen, den Mund
zum Saugen bewegen; der Schnuller od. Schnoller, -8, f. Saugläppchen,
Kinderdutte.
fchnupfen, ziellof. u. ziel. 3w. (gem. ſchnuppen; oberd. auch fchnopfen,
u. Schnopfezen, fchnupfezen, welche auch „schluchzen‘“ bedeuten (ſ. fchnuppen 1.);
verftärkende Ableit. von ſchnauben, fchnaufen), mit Heftigkeit und Geräuſch
die Luft durch die Nafe einziehen, finnv. fchnüffeln; gew. auf folche Weife
etwas in die Nafe ziehen (TZabad—; engl. suuff; das Schnupfen, als
Hw.); 3ſetz. der Schnupftabad; die Schnupftabadsbüchfe, - dofe 2c. ;
das Schnupftuch (von Schnupfen f. fchnauben od. fchneuzen), ein Tuch zum
Reinigen od. Schneuzen der Nafe, Taſchentuch, oberd. Nafentuh; Ableit.
der Schnupfer, -8, die Schnupferinn, M. -en, wer (Tabad) ſchnupft;
‚Schnupfer, Ha; f. einmaliger Athemzug ; — der Schnupfen, -s, M.
w. E. (mittel). snupfe, &. snupfen; Tandfc. gem. der Schnuppen, au
Schnopf, u, die Schnupfe; niederd. Snöve, hol. snof, snuf, ſchwed. snufva),
krankhafter häufiger Schleim = Abflufs durch die Nafe od. Verftopfung der
Nafe durch Schleim » Anhäufung (Nafen- Katarıhz; den Schnupfen haben; der
Schnupfen ſtockt, Lt fich 2c.); fchnupfenartig od. -ähnlich, Bw. (fr. ka—
49%
712 ſchnupp — Schnur
tarrhalifh); das Schnupfenfieber, mit ftarfem Schnupfen verbundenes leich⸗
tes Fieber; das Schnupfenmittel, Mittel gegen den Schnupfen ; ſchnupficht,
Bw., ſchnupfenähnlich; ſchnupfig, Bw., den Schnupfen habend, ver-
ſchnupft.
ſchnupp od. ſchnupps, gem., beſ. niederd. (ſnupp, ſnupps) Naturlaut,
welcher den kurz abgeſtoßenen, plötzlichen Schall eines Stoßes, Schlages ꝛc.
nachahmt, vgl. ſchnapp, ſchnipp; der Schnupp od. Schnupps, gem. f.
ein ſolcher Schall (ſchweiz. Schnupf’f. Schall des Schluchzens); auch f.
Augenblick (niederd. im Schnupp od. Schnupps, ſchweiz. auf den Schnupf,
f. ſogleich, im Augenblick); ſchnuppen 1. zielloſ. Zw. (oberd. ſchnopfen,
ſchnupfen f. ſchluchzen; engl. snub, ſchluchzen, ſchelten, anfahren, ſtutzen, ab-
brechen) landſch. gem. f. einen plötzlichen, dumpfen Schall hören laſſen;
mit ſolchem Schalle fallen, ſtolpern (niederd. ſnübbeln); uneig. gem. f.
einem aufſtoßen, Anſtoß geben, ihn ſtutzig, betreten od. empfindlich machen
(das ſchnuppt ihm, od. es ſchnuppt ihm vor die Naſe; auch: es verſchnupft
ihn); ſchnüppen, Zw. ſchweiz. f. ſchnippiſch reden.
ſchnuppen 2., zielloſ. u. ziel. Zw., landſch. gem. f. ſchnupfen; ſhneuzen
(ſchwed. snoppa); das Licht putzen; die Schnuppe, M.-n, der ausge—
brannte Docht eines Lichtes, welcher abgeputzt wird Eichtſchnuppez; vgl.
Sternſchnuppe); — ſchnuppern, zielloſ. Zw. m. haben, wiederholt und
hörbar die Luft durch die Naſe einziehen und auf ſolche Weiſe riechen, auch
ſchnoppern, ſchnoben, ſchnobern.
Schnur 1. w., M. Schnuren u. ehem. Schnüre, (altd. snura, snur
(SR. snüre), snore, snurge; oberd. auch Schnörch, Schnürche; angel. more;
Yat. nurus, griech. vvos f. Schwiegertochter u. Braut, wahrfch. von der Wur-
zel nu, verhüllen; vgl. das lat. nubere), alt u. noch oberd. f. Schwiegertoch-
ter, des Sohnes Frau.
Schnur 2. w., M. Schnüre, Verkl. das Schnürchen, (altd. snuor,
Pl. snüere; oberd. Schnuer, niederd. Snoor, fchwed. snor, snöre; wahrſch.
von einer Wurzel snar, winden, flechten; daher isländ. snara, verftricen,
snara, engl. snare, Schlinge; ‚vgl. das isländ. dän. niederd. snar f. geſchwind,
gewandt), ein aus Faden zufammengedrehtes rundes Band, dicker als ein
Faden, dünner als eine Leine, ein Strid zc. (etwas mit einer Schnur befefti-
gen, an eine Schnur binden; daher uneig. etwas am Schnürdyen haben,
d. 1. es nad) Willkür lenken od. ganz in feiner Gewalt haben; ein Kleid mit
Schnüren befegen; Blätter, Perlen u. dgl. auf eine Schnur ziehen, an_eine
Schnur reihen; die Angel, Peitfhenfchnur 2e.); insbef. eine in gerader Linie
ausgefpannte Schnur, etwas danach zu regeln, zu meffen ꝛc. (Gartenbeete
nad) der Schnur anlegen; Bäume nad) der Schnur fegen ; etwas nad) der Schnur
meffen richten 2c., daher: die Mefsihnur, Richtſchnur; uneig. Alles
nach der Schnur haben wollen, d. i. fehr genau und pünktlich; nad) der
Schnur leben, d. i. nach frenger Regel od. Vorfchrift; Zimmerl. mit der
Schnur zeichnen, d. i. mit einer auögefpannten, mit Röthel od. Kreide
geftrichenen Schnur, welche auf das Zimmerholz gefchnellt wird, um dadurch
eine gerade Linie vorzuzeichnen; daher über die Schnur hauen, d. i. über
die vorgezeichnete Linie, uneig. f. das rechte Maß überfchreiten); uneig. was
einer Schnur Ähnlich ift, z. B. die Fühlhörner der Infectenz ſ. auch Nabel-
ſchnur; eine Art chleichenden Fiebers der Pferde, wobei fich im Athemholm |
TE E F
— — —
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EEE TEE.
Mu
ſchnurfen 773
zu beiden Seiten in der Nähe der Rippen eine ſchnurgerade Rinne bildet; die
auf eine Schnur gereiheten Dinge (eine Schnur Perlen, Korallen); das
mit einer Schnur Gemeſſene: Bergw. ein Lehen von ſieben Lachtern; —
Z3ſetz. der Schnurbund, eine Art Kreiſelſchnecken, deren Gewinde durch einen
ſchnurähnlich erhöheten Streif von einander abgeſondert ſind; das Schnur—
feuer, ein an einer Schnur herablaufendes Kunſtfeuer; die Schnurfolge od.
richtung, Bauk. Richtung nad) der Schnurz ſchnurförmig, Bw., (4. B
ſchnurförmige Fühlhörner); fehnurgerade, Bw., fo gerade, wie eine ausge
fpannte Schnur; die Schnurmühle, ein Eünftticher Webeftuhl, auf welchem
ein Arbeiter mehre Schnüre zugleich verfertigen kann; die Schnurperle, durch—
bohrte, auf eine Schnur zu ziehende Perle; ſchnurrecht, Bw., nach der
Schnur gerichtet, fchnurgerade; der Schnurftein, Bergw. Grenzftein der
mit der Schnur abgemeffenen Fund» u. Erzgruben; ſchnurſtracks (gl. ſtracks),
Nw., in gerader Linie od. Richtung, geradezu (z. B. den Gefegen ſchnurſtracks
zuwiderlaufen); auch f. ſogleich, unverzüglich; der Schnurftrauch, ein aus-
Yändifches Gewächs mit Schmetterlingsblumen (sophora L.); — Xbleit.
ſchnuren, ziellof. Zw. m. haben, Jäg. von den Wölfen, Füchſen u. Luchſen:
in fchnurgerader Linie laufen (der Wolf fchnuret; auch das Schnuren f.
die Spur diefer Thiere); — fehnüren, Zw. 1) ziel. (altd. snuorjan, snüeren,
Prät. snuorte; oberd. fehnüeren, niederd. fnören, ſchwed. snöra) etwas mit
einer Schnur oder mit Schnüren verfehen (eine Wage), umwinden, be—
feftigen, zufammenziehen (z. B. den Mantelſack auf das Pferd—; die
Schnürbruft feſt —; fih —, f. eine Schnürbruft anlegen u. tragen; ein Thier —,
d. i. durch Abbindung der Hoden entmannen; ehem. einen Miffethäter—, ihm
Schnüre um die Arme legen und biefelben feft zuziehen, eine Art der Folterung;
uneig. gem. einen fhnüren, f. in die Enge treiben, übervortheilen, prel-
Yen); Zimmerl. 2c. mit der ausgefpannten u. gefärbten Schnur eine Linie
vorzeichnen (f. 0.); auch mit der Schnur meffen (abſchnürem; auf eine
Schnur reihen (Perlen 2); 2) ziellos m. haben, Bergmw. f. an einander
grenzen (zwei Zehen fehnüren mit einander; daher dee Shnürnadhbar f.
Grenznachbar, Befiger der angrenzenden Zeche); Zſetz. das Schnürband,
ein Band zum Zufammenfchnüren von Kleidungsftüden, bef. der Schnürbruft,
oberd. die Schnürneftel, der Schnürfenkel; die Schnürbruft, eine mit
Fiſchbeinſtäbchen ausgefteifte, vorn gewölhte, hinten zugefchnürte weibl. Bruft-
bekleidung, auch der Schnürleib od. das Schnürleibchen, wenn dies Klei-
dungsftüct weniger gefteift und gewölbt ift; der Schnürhafen, ein zum Zu—
ſchnüren von Kleidungsftücden dienender Haken; das Schnürholz, Werkzeug
zum Verfertigen der runden Schnüre; die Schnürfette, eine Kette, etwas
damit zuzufchnüren, ehem. an Schnürleibern 2c.; das Schnürloch, runde
Löcher, durch welche das Schnürband gezogen wird, an zuzufchnürenden Klei=
dungsſtücken; die Schnürnadel, eine große ftumpfe Nadel, mittelft deren die
Schnüre durch die Echnürlöcher gezogen werden, oberd. Neftelnadel; der
Schnürriemen, ein Riemen zum Zufhnüren; der Schnürſchuh, Schnür—
ftiefel, Schuhe, Halbftiefel, welche vorn zugeſchnürt werden; Ableit. die
Schnürung, das Schnüren.
ſchnurfen oder ſchnurpfen, fehnurfeln, ziellof. Zw., (ſchwed. snärpa,
snörpa) oberd. f. fich zufammenziehen, einfhrumpfen (vgl. ſchnurren 2.);
der Schnurfling, f. unanfehnliche —
714 Schnurfeuer — Schnute
Schnurfeuer ıc. — Schnürholz, ſ. unter Schnur 2.
ſchnurkeln oder ſchnürkeln, ziellof. 3w., oberd. 1) f. ſchnarchen (vgl.
ſchnoren); fehnauben, ſchnüffeln; 2) f. fhrumpfen (vgl. ſchnurfen, ſchnur—
ren 2.); daher die Schnurfel, M. -n, verächtl. f. alte Weibsperfon.
Schnürfette ꝛc. — Schnurperle, ſ. unter Schnur 2.
ſchnurren 1. ziellof. u. ziel. 3w. (ein Schallw.; alt- u. niederd. snurren;
oberd. auch ſchnorren;z ſchwed. snorra) einen dumpfen, zitternden Schall
hören laffen oder hervorbringen, ſtark und tief ſchnarren (f. d.), ſinnv.
brummen, faufen (das Spinnrad ſchnurrt; große Käfer ſchnurren im Fluge;
die Kasen ſchnurren; niederd. die Säue—, in der Brunftz niederd. aud) f.
fhnarchen, u. f. brummen, murren); alt u. oberd. ziel. f. mit fchnurrendem
Zone werfen, fehleudern (Steine—); ferner ſich [hnurrend im Kreife dre—
ben, und überh. ſich fehnell herumbewegen; gem. f. fingend, Muſik oder
Gaukelkünſte machend nach milden Gaben umherziehen, auch überh. f. bet—
teln (einem etwas abſchnurren; etwas erfchnurren 2c.; daher bie
Schnurr od. Schnorr, oberd. f. das Herumfchnurren, Liederliche Umher—
Thweifen; dee Schnurrer, eine fchnurrende, d. i. bettelnde Perſon, bef.
ein Betteljude); — Zfeg. der Schnurrkäfer, landſch. f. Mift-, Rofskäfer;
die Schnurrpfeife (niederd. Snurrpipe), eig. wohl eine alte, ſchnurrende
Pfeife; gem. f. alter unbraudhbarer Hausrath, Gerümpel, unbedeutende, werth-
loſe Sachen, in diefem Sinne auch die Schnurrpfeiferet, M. -en; —
Ableit. der Schnurre, -n, M.-n, landſch. gem. f. Nachtwächter (von
der ſchnurrenden Raſſel?); Tcherzh. beſ. Studentenfpr. f. Polizeifcherge, Hä—
ſcher, Stadtſoldat; die Schnurre, M. -n, ein ſchnuxrendes Ding oder
Werkzeug (z. B. eine Schnarre, ein Spinnrad); insbeſ. 1) (oberd. Schnur-
ren, Schnorren, niederd. Snurre) gem. f. Maul, Naſe, Schnauze; daher
der Schnurrbart, ſ. v. w. Schnauzbart, Knebel-, Schweizerbart auf der
Oberlippe; ſchnurrbärtig, Bw., einen Schnurrbart habend; die Schnurre
2) gem., beſ. niederd. f. altes Hausgeräth, ſchlechtes Gerümpel (gew. M.
Schnurrem); 3) ein ſcherzhafter Einfall, eine poſſenhafte Erzählung,
ſinnv. Schnake, Schwank (etwa von den Gaukeleien und Schwänken ſchnur—
render Perſonen oder Poſſenreißer? vgl. das mittelhochd. snurrinc f. Poſſen—
reißer, Thor); daher ſchnurrig, Bw., poffenhaft, poſſierlich, drollig (ein
ſchnurriger Einfall, Menſch); die Schnurrigkeit, ſchnurrige Beſchaffenheit,
Poſſierlichkeit.
ſchnurren 2. zielloſ. Zw. m. fein, (wahrſch. durch Lautumſtellung aus
ſchrunden, ſchrunnen entſt.; vgl. das oberd. ſchnurfen, ſchnurpfen f.
ſchrumpfen), gem. f. einſchrumpfen, zuſammentrocknen, einlaufen; die
Schnurre (vgl. Schrunde), ſchwäb. f. eine klaffende Wunde, deren Ränder
eingetrocknet find.
Schnürriemen ꝛc. — Schnurſtrauch, ſ. unter Schnur 2.
ſchnuſſeln od. ſchnüſſeln (mit gelind geſprochenem ſſ) ziellof. u. ziel. 3w.,
nieberd. (Inuffeln ze. von Snufs, Snüffel f. Schnauze, Nafe; vgl. nufchen,
nuffeln) f. mit der Schnauze oder Nafe auffpüren, ſchnüffeln; vorwitzig
ausforfhenz audy f. nafchen.
Schnute, w., M.-n, (niederd. Snute; oberd. Schnud, Schnudern) f.
Schnauze, Maul der Thiere, niedr. auch der Menfchen, bef. ein vorgeftredter
zugefpigter Mund; fchnütern, 8w. niederd. (fnüsern, auch fnütjen) f. küſſen.
Schob — fhoden 175
Schob, m., -es, M. Schobe u. Schöbe, (niederd. Schof, Schoof;
von fchieben) f. v. w. Schaub (1. d.): ein Strohbündel von gewiſſer Dicke
zum Dachdecken; der Schobbel, -8, niederd. ein von der See an den
Strand geworfener, aus Sand u. Muſchelſchalen beftchender Haufen; ber
Schober, -8, M. Schober, oberd. Schöber (altd. scopar, scober), alt
u. oberd. überh. f. Haufen ; jest gew. Landw. ein auf dem Felde errichteter großer
Haufen Getreide, Stroh, u. bei. Deu (ſ. Heufhober); oberd. ein folder
Haufen von beftimmter Größe, aus 60 Gatben beftchend, daher überh.
eine Zahl von 60 Büfcheln od. Bündeln (z. B. ein Schober Wellen, d. i.
Reisbündel); dos Schöberlein, in Nürnberg —4t Schober od. 10 Bündel
(Stroh); auch ein Gebäd von Mehl, Butter und Eiern; der Schoberfled,
Landw., runde Pläge auf den Wiefen, die eine Elle hoch mit Heu bededt find,
um es zu trocknen und dann zu Schobern aufzuhäufen; der Schoberling, -es,
M.-e, Korallenfhwamm; Eichhafez fehobern, ziel. Zw. (mittelh. scho-
beren, oberd. auch ſchöbern, fchubern, ſchübern) alt u. oberd. überh. f. haufen,
aufhäufen; gew. in Schober fegen (Heu).
Schoch, m., -es, M.-e, od. der Schochen, -$, M. w. E., alt und
oberd. f. Schod (ſ. d.), Schober, Heuhaufen; fchochen, ziel. 3w., f. in
Haufen feßen; ſchöcheln, ſchwäb. f. Eleine Haufen machen (beim Heuen).
Schock, f., -es, M.-e, (mittelh. schoc, schoch; oberd. auch Gefhod,
Schuck, Gefhud; isländ. skockr, ſchwed. skock, Haufen, skocka, häufen; engl.
shock, Mandel Garben; — vielleicht von schochen, ſchocken 2. f. ftoßen, ſchwin—
gen, werfen, alfo: ein zufammengeworfener Haufen, wie Schober v. fchieben),
urfpr. überh. f. Haufen, Menge (vgl. Schoch); jest eine beftimmte Anzahl
einzelner Dinge einer Art (in diefer Bed. nad) einem Zahlw. in der Mehrh.
unverändert, 3. B. zehn Schock), gew. eine Zahl von 60 Stud od. 4 Man-
del, ſ. d. (4. B. ein Schod Äpfel, Eier, Käfe; zwei Schock Nüffe; ein
Schod Garben zc.), landſch. nur 20 Stüd, fchlef. ein leicht Schock — 40,
ein ſchwer Schock — 60 Stück; auf Blehhämmern: ein Shod Blech
— 120 Stück; ehem. bei. 60 Stud der gangbarften Münzforte (z. 8. ein
Schod Pfennige; ein Schod böhmiſcher Grofchen, im 14. Jahrh. — 1 Mark
Silbers; in Sachſen im 15. Sahrh. ein alt Schock—60 leichten Grofchen,
ein neu Schock—20 jhweren Grofchen, die einen Gulden ausmachen; jeßt
bei Steuern, Gelöftrafen ꝛc. umgekehrt: ein alt Schock — 20, ein neu
Shod=60 meifnifhe Groſchen od. 24 Thlr.); ſächſ. auch f. Grundfteuer
von Feldern, welche nach chem. üblichen Schocken gefhägt werden; — der
Schodanfhlag, ſächſ. Beftimmung der Steuern von Äckern nad) Schoden;
ſchockfrei, Bw., frei von der nach Schoden beftimmten Abgabe; der Schod-
grofchen, Ed nad) Schoden gezählte Grofchen; das Schodholz, Forftw.
aus den Äften gefchlagenes Holz, welches nad) Schoden verkauft wird; auch
Ihodweife, d. i. zu 60 Bündeln, verfauftes Reisholz; ſchockweiſe, Nw.,
ehem. f. haufenweife; jest in od. nach Schoden; — fihoden 1., 3w. 1) ziel.
ehem. f. aufhäufen; jest: nach Schoden zählen, in Schode fegen (Korftw.
das Unterholz —); 2) ziellos m. Haben, Landw. Schode (Garben) geben
(- B. das Getreide ſchockt gut, wenn es fehr dic im Stroh iſt; vgl.
ſcheffeln).
ſchocken 2. 3w. (mittelh. schocken, schoggen, schochen; gem. auch [ch u-
den; vgl. das franz. choquer; engl. shock; ſ. fchaufeln) gem. ober= u. nie⸗
716 Schoder — Scholle
derd. 1) ziellos m. Haben: in ſchwingender Bewegung fein, ſchwanken
(niederd. ein Schiff ſchocket; oberd. insbef. den Dreher tanzen); 2) ziel. mit
kurzem Schwunge werfen; ftoßen, anftoßen (4. B. mit den Gläfern beim
Trinken); niederd. f. ſchütteln, ſchaukeln; der Schod, -ed, M. -e, (mit
telh. schoc, G. schockes; oberd. auch Schuck; franz. choc), alt u. landſch.
f. fchwingende, drehende Bewegung; Wurf, Stoß (Säg. Schode f. die
Ringe an den Hörnern des Steinbods, d. i. eig. Stöße); ehem. eine Art
Eleiner Fahrzeuge; — 3feg. der Schockbrunnen, landſch. f. Pumpbrun-
nen; der Schodregen od. das Schockreep od. Schoefeil, niederd. f. das
Schwungfeil einer Schaufel (ſchwäb. die Schocke), die Schaufel; — Ableit.
fhodeln, ziel. Zw. (niederd. ſchuckelm), oberd. f. fehwingend bewegen,
ſchaukeln; uneig. f. unvorfichtig laufen, übereilt handeln; der Schodel,
-8, oberd. f. eine übereilt handelnde Perſon; die Schodel, M. -n, landſch.
f. Schaufel, niederd. auch: der Schodler.
Schoder, m., -8, (au) Schotter, f. d.), gem. oberd. f. Schutt.
Schof od. Schoof, m., -e8, M. Schöfe, niederd. f. Schob, Schaub
1. d.); der Schofftein, nieverd. eine Art ſchmaler Dachziegel, welche in ein-
ander gefchoben werden.
fchofel od. fchofelig, Bw. (wahrſch. verw. mit f haben, angelf. scafan,
isländ. skafa; vgl. ſchäbig und Schuft; daher oberd. bef. von abgetragenen
Kleidern 2c.), gem. f. fehr ſchlecht, erbärmlich, armfelig, elend (fchofelige
Waare; ein fchofeler Menſch 2c.); der Schofel, -8, fchlechtes Zeug,
elende Waare, Ausfhufs; Zfes. die Schofelwaare; die Schofelwelt;
das Schofelzeug ꝛc.
Schoff, f., es, M.-e, landſch. das fpis zulaufende Vordertheil eines
Elbkahnes.
Schöffe, m., ſ. Schöppe.
Schoke od. Schöke, w., M. -n, niederd. f. liederliche Weibsperſon.
fcholdern od. ſchollern, ziellof. 3w. (ogl. das altfranz. choller, Ballon
fpielen„ flandr. souller, ein Kugelfpiel; u. das poln. szuler, Spieler, Doppler),
alt u. oberd. f. Glüdsfpiele fpielen, z. B. mit Würfeln, mit Rüffen oder
Steinen, insbef. eine Art Roll- od. Kugelfpiel (Roulette); auch f. Kegel
fpielen; ferner beim Spiele wetten; ſchwäb. auch f. müßig gehen; der
Scholder od. Scholler, -8 (altd. auch scholir, scholier) f. Vorrichtung zu
Glücksſpielen; der Ertrag daraus; das Necht dazu; das Spielen felbft;
der Scholderer od. Schollerer, -8, (altd. auch scholierer), Glücks- oder
Mürfelfpieler; Unternehmer eines folhen Spiels; Auffeher od. Aufwär—
ter dabei; ſchwäb. f. Kegelauffeger; ehem. auch f. Scherge, Scharfrichter
- (welche das Necht hatten, Spiel- od. Scholderpläge zu halten); das Schol-
dergeld, ſchwäb. Geld für die Exrlaubnifs, eine öffentl. Spielbank zu halten.
fchölen, 3w., niederd. f. v. w. fehlen 2.5; daher die Schölung, Wafferb.
Bewegung des Waffers durch den Schwung, oder nad) der Seite; —
ſcholken, zielloſ. Zw., Schiff. die See ſcholkt, d. i. fchlägt hoch, aber
mit geringer Kraft, gegen das Schiff an.
Scholle, w., M. -n, Verkl. das Schöllchen, 1) (altd. scollo u. scolla;
oberd. der Schollen, Scholl, auch der Schielen, Schiel; niederd. Schulle,
Schulpe; von gleicher Abftammung mit Schale, f. d. u. vgl. ſchelen, fchel-
len) ein unförmliches, flaches Bruchftüd, bef. Erde und Eis (Erd, Eis-
fhollen — ſchön 777
ſcholley; 2) (von der ähnlichen Geſtalt) eine Gattung ſchmackhafter platter
Seefifche, welche beide Augen u. Nafenlöcher auf einer Seite haben, Platt-,
Halbfifch (niederd. Schulle, holt. scholle; franz. sole, ital. suola; Arten der-
felben find: die Butte, Platteige, Flunder 2c.); insbef. f. Platteiße (1. d.); —
der Schollenhüpfer, landſch. f. das Weißkehlchen (weil es auf den Erdſchollen
des frifchgepflügten Ackers umherhüpft); ſchollicht, Bw., einer Scholle ähn—
ich; ſchollig, Bw., aus Schollen beftehend (fettes Erdreich ift ſchollig);
fhollern, ziellof. Zw., in Schollen zerfallen u. hinabrollen (von der Erbe;
zugleich) als Schallw. , vgl. Eollern).
fchollen 1., ziellof. Zw., alt u. noch oberd. (niederd. f#öten) f. folleh.
ſchollen 2. "giellof. 3w., landich. gem. f. harnen, fein Waffer laffen.
fhollern, 3w., 1. f. ſcholdern; 2. f. unter Scholle.
Schöllfraut, Schöllwurz, f. Schellkraut.
Scholz, m., ſ. Schulze.
Schomerling, m., -e8, M.-e, Landich. f. Krammetsvogel.
fchon, Nw. (eig. das Adverb. von ſchön, wie-faft von feft; altd. scöno,
schöne, neben dem Adjectiv scöni, schoene; + B. schöne und eben, Der
schöne 2 erft fpät u. felten in der Bed. ‚bereitgt), 1) alt u. A mund⸗
artlich f. ſchön, gut, recht, niederd. beſ. f. ſauber, rein (ſchon machen f.
putzen; vgl. ſchonen); daher 2) verfichernd oder bekräftigend u. einräu—
mend, finnv. wohl, zwar (zZ. B. es wird fchon werden; wir wollen fchon
ſehen; ſchon gut; das ift fchon wahr, aber 2c.; fo bef. in Verbindung mit
wenn od. ob: wenn—ſchon, obſchon, f. v. w. wenn glei, obwohl,
obgleich, f. d.; in diefem Sinne auch bloß ſchon als Bdw., z. B. habe ich
fhon wenig, fo habe ich doch genug; vgl. gleich; niederd. auch ſchöner,
Thöners, 3. B. ob fchöners, wenn fchöners f. obfchon, wenn gleich); 3) zeit-
beflimmend, eig. die Verficherung gebend, dafs etwas wirklich gefchehen fei,
daher den Zeitpunkt bezeichnend, in welchem ein Vorgang oder Zuftand
eingetreten ift, oft mit dem Nebenbegriffe, dafs es früher gefchehen, als man
erwartete, finnv. bereits (niederd. fchon, ſchonſt, gew. all; die goth. und
altd. Sprache hat dafür ein eigenes Wort: ju, giu; lat. jam; franz. deja;
4 B. er ift fchon angekommen; der Tag graut fchon; ich weiß es ſchon; wäre
er doch ſchon da! er ift ſchon geftern abgereif’t, d. i. nicht fpäter); 4) zur
Beſtimmung einer Zahl, Menge, Ausdehnung ıc. dienend, welche als
völlig erfüllt od. erreicht dargeftellt werden fol (z. B. er ift fchon zehn Sahre
alt; wir haben fchon drei Meilen zurückgelegt; es giebt des Unglücks ſchon
genug ꝛc.).
ſchön, Bw., Comp. ſchöner, Sup. ſchönſt, (goth. skauneis; altd. scöni,
schoene; daneben ſchwach biegend: scöno, scöna, daher noch bis ins 17. Jahrh.
Thon neben ſchön; niederd. fchon f. fauber, rein; angelf. scene; ſchwed.
skön, dän. schön; gew. von scinan, ſcheinen abgel.; richtiger wohl von
der Wurzel scu, woher fchauen ftammt, f. d. u. vgl. d. lat. species, specio-
sus), 1) urfpr. glänzend, fehimmernd, hell; daher noch oberd. f. rein, ſau—
ber (niederd. ſchon; 3. B. fchöner Wein; ein ſchönes Hemd anlegen; ſchön
‚machen, f. reinigen, putzen; fich fchön machen, oberd. f. entfchuldigen,, vgl.
befhönigen; fchön Deck machen, Schiff. f. das Dec reinigen, abfpülen) ;
daher insbe. vom Wetter f. hell, heiter (ſchönes Wetter, ein fchöner Tag) ;
2) dur) Glanz, Reinheit, Farbe, — ꝛc. Wohlgefallen erregend od.
118 ſchön
einen angenehmen Eindruck auf die Sinne u. die innere Empfindung machend,
jedoch im beſſeren Sprachgebrauch nur von ſichtbaren u. hörbaren Ge—
genſtänden, finnv. angenehm, lieblich, reizend, entg. häſslich (z. B. ſchöne
Farben, Blumen; ſchöne Kleider; eine ſchöne Gegend; ein ſchöner Anblick;
eine ſchöne Stimme ꝛc.; ſchön ausſehen, klingen; gem. auch: das riecht, ſchmeckt
ſchön, b. angenehm; ſchön ſchreiben, d. i. regelmäßig, ſauber und zierlich;
ſchöne Augen, Lippen, Zähne, Haare, Arme ꝛc.; das ſchöne Geſchlecht,
d. i. das weibliche); 3) in engerer u. höherer Bed. von Natur- u. beſ. Kunft-
Erzeugniffen: durch vollkommenes Ebenmaß aller Theile u. Verbindung
derfelben zu einem in fich übereinftimmenden Ganzen den Schönheits-
finn od. Geſchmack befriedigend, bef. fofern in der finnlichen Erſcheinung ſich
eine Idee darftellt, fo dafs darin das Geiftige verkörpert vor den Sinn u. bie
Borftellung tritt (eine Schöne Geftalt, ein fchöner Körper, ein Schönes Geſicht;
eine fchöne Frau; die ſchöne Frau, uneig. Naturk. f. Wolfskirfhe, Zoll-
kraut, eine Giftpflanze (fr. Belladonna); aud) f. rothe Lilie; ein ſchönes Ger
bäude, Gemälde, Kunftwerk; ſchöne Bewegungen, Stellungen ꝛc.; eine fchöne
Mufit, Oper ꝛ⁊c.; aud von Werken der vedenden oder Dichtkunſt: ein
fhönes Gedicht; eine ſchöne Rede; ein fchönes Buch, hinſichtlich des Inhaltes
u. der Darftellungz ferner übertragen auf das rein Geiftige: ein fchöner
Gedanken; eine ſchöne Seele, in welcher das vollfommenfte Gleihgewicht
aller Kräfte herefcht; ein [höner Geift, der für das Schöne vorzüglid)
empfänglich u. zu deffen Darftellung befähigt ift, verſch. Schöngeift, ſ. u.);
auch das Schöne in jenem Sinne hervorbringend od. zum Öegenftande ha=
bend (die ſchönen Künfte, ſ. unter Kunſt; chem. auch: die ſchönen
Wiſſenſchaften f. die redenden Künfte u. die Schöne Litteratur, unrichtig,
da die Wiffenfchaft-nicht die Hervorbringung des Schönen, fondern die Er-
kenntniſs des Wahren zur Aufgabe hat); 4) uneig. in fittlihem Verſtande f.
edel, wohlanftandig, geziemend (eine ſchöne That; das war nicht ſchön von
ihm); 5) im gemeinen Leben in weiterer Bed. f. gut, günſtig, vortrefflich,
erfreulich, befriedigend, beträchtlich, (3. B. eine ſchöne Gelegenheit; es ift
ſchön, daſs du kommſt; ſchön! als Nw. Beifall od. Zuftimmung ausdrüdend,
vgl. gut! ein fehönes Alter; eine Ihöne Summe u. dgl.; auch ironisch für
das Gegentheil, 3. B. Sie find mir ein fchöner, Herr! da würde ich ſchön
(d. i. übel) anfommen;z das würde fih ſchön ſchicken! u. dgl. m.); bef. ala
Nw. f. freundlich, ſchmeichelnd, zärtlich (einen Shin grüßen, ihm fchön
danken; ſchönen Dank! gem. abgek. ſchön Dank! mit einer Perfon
fhönthun, d. i. ihe fchmeicheln, liebkoſen); als Hw. das Schöne, -n,
0. M., was fchön, bef. künſtleriſch (äſthetiſch) ſchön ift, u. deffen Wefen
- und Begriff (z. B. das Schöne und Erhabene; die Wiffenfhaft vom Schö—
nen); die, eine Schöne, ©. der Schönen, d. i. eine ſchöne weibl. Pers
fon; M. die Schönen, auch überh. f. das ſchöne (weibliche) Geſchlechtz —
3feg. der Schönadel od. Schönedel, f. v. w. Gutedel, ſ. d.; ſchönarmig,
-augig, -blätterig, -haarig, -lodig, -wangig u. dgl. m., Bw., ſchöne
Arme, Augen, Blätter, Haare, Locken, Wangen habend; der Schönbart,
verderbt aus Schembart, f. d. unter Schemen; der Schönbaum, das
Schönholz, landſch. f. Lärchenbaum; das Schönblaft, Namen verſchiedener
indifchen Bäume (calophyllum L.: das große, und das Kleine Schönblatt);
fhönblind, Bw. (wahrjch. verderbt aus ſcheinblind) von den Pferden
j
ſchön 779
ſ. v. w. mondblind (ſ. d.); das Schönbrod od. der Schönroggen, niederd.,
eine Art Weißbrod; ber Schöndruck, Buchdr. die erſte bedruckte Seite eines
noch weißen Bogens, entg. Widerdrudz; der Schönfärber, Färber, welcher
Beuge mit hohen oder hellen Farben zu färben verſteht, Waid-, Kunftfärber,
z. U. v. Blau: u. Schwarzfärber; daher die Schönfärbereiz der Schönfeiler,
eine Art Weintrauben, grünlicher u. kürzer, als die des Gutedels; das Schön—
fleckchen, ſ. Schönpflafter; der Schöngeift (franz. bel esprit), eig. f. v. w.
ſchöner Geift (f. 0.); gew. in nachtheiligem Sinne: wer ohne wahren Beruf
ſich mit den fchönen Redefünften befchäftigt, auch, ſofern er Schriftfteller ift:
Schönſchriftler (fr. Belletrift); daher die Schöngeifterei, Schön-
ſchriftelei, verächtl. f. das Wefen u. Treiben eines ſolchen; ſchöngeiſtig,
Bw., einen Schönen Geift habend; einem Schöngeift eigen oder von ihm her—
rührend (fr. belletriftiich); ſchöngelockt, gemähnt, u. dgl. Bw., dicht. f. Schöne
Locken, eine ſchöne Mähne habend; das Schöngras, das überhangende Perlgras,
aud) glattes Perlgras, Berg-, Waldgras 2c.; das Schönhärlein, landſch. f. die
gemeine wilde Eberwurz; der Schönherr od. das Schünherrchen, Neuw.
f. das fr. Petitmaitre; das Schönkraut, landſch. f. Schellfraut; das Schön
mehl, oberd. f. feines Weizenmehl; das Schönpflafter od. - pfläfterchen,
eine Schwarze Pflafter, welche chem. die Frauen zur Bedeckung von Hautz _
fleden, Blätterchen oder zur Erhöhung der Schönheit ins Gefiht zu Eleben
pflegten, auh Schönfledhen, Schminkpfläfterchen; der Schönreder od.
-fprecher, wer fchön redet od. fprichtz verſch. der Schönredner, ein Redner
od. Schriftfteller, der mehr duch Schönheit der Form od. des Ausdruds, als
duch geiftigen Gehalt ausgezeichnet iſt; ſchönſäulig, Bauk. von der ſchön—
ften "Säulenftellung,, wo die Säulenweite 64 Model beträgt; das Schön—
ſchreiben, die Schönfchreibung, das ſchöne, d. i. regelmäßige und zierliche
Schreiben binfihtlic; der Form der Buchſtaben (fr. Kalligraphie), verächtl.
auch: die Schönfchreibereiz daher der Schönfchreiber (fr. Kalligraph) ;
die Schönfchreibefunft; die Schönfchrift, etwas ſchön Gefchriebenes; der
Schönfchriftler, ſ. Schöngeiftz das Schönthierlein, oberd. f. das Wieſel;
der Schönthuer, die Schönthuerinn, get. f. wer mit einer Perfon ſchön
thut, ihr LicbEofet, bef. ohne es vedlich zu meinen; daher die Schönthueret,
das Benchmen eines folhen; ſchönwiſſenſchaftlich, Bw., zu den fogen. fchö-
nen Wiffenfchaften (f. 0.) gehörend (ein ſchlechtes Wort f. das fr. belletriftifch)
— Xbleit. die Schöne, ©. der Schöne, 0. M. (altd. scöni, schoene,
auch schoende; oberd. die Schön), alt und dicht. f. Schönheit 1); oberd. f.
die Nachgeburt, vom Vich (vgl. Säubere); ſchönen, ziel. Zw. (mittel.
schoenen, Prät. schönte; landſch. auch fhonen), alt u. oberd. f. ſchön
machen, ſchmücken, zieren (vgl. ver-, befchönen); insbef. den Wein—,
d. i. Elar machen, Elären, von Hefen reinigen; fchweiz. aud) f. ſäubern, ſchä—
Yen (Obſt); ſchöneln, zieliof. Zw., ſchwäb. f. mehr fchön, als nützlich fein;
ſchönern, ziel. Zw., fchöner machen, gew. nur in: verfchönern; die Schön-
heit, M.-en, 1) a M.) das. Schönfein, die ſchöne Befchaffenheit 8.
der Natur, einer Gegend, einer Perfon, des Geiftes 2c.); auch das Weſen
u. der Begriff des Schönen an fich; 2) was an einem Gegenftande ſchön
ift, etwas Schönes, ein fchöner Theil (4. B. die Schönheiten der Natur;
einzelne Schönheiten eines Gedichtes 2c.); 3) eine ſchöne weibliche Perfon
(fie ift eine wahre Schönheit, die erfte Schönheit der Stadt 2c.); das Schön-
*
180 fhonen — Schopf a
heitsgefühl od. der Schönheitsfinn, Gefühl und Gefhmad für das Schöne
(fe. äfthetifches Gefühl); das Schönheitsmittel, Mittel zur Erhöhung der
Schönheit, z. B. ein Schönheitswaffer ; der Schönling, -es, M. -e, eine
Art Lippfifche: der Meerjunker; fchönftens, Nw. (von dem Sup. ſchönſt)
ſ. v. w. aufs fchönfte, beftens (z. 8. fich fchönftene bedanken; ſchönſtens
grüßen). '
ſchonen, ziel. u. giellof. Zw. (mittel. schönen f. ſchön thun, fehmeicheln,
nachgeben, folgen; ſchwed. skona; von ſchon, ſchön, alſo eig. ſchön, d. i.
rein u. ganz erhalten; vgl. auch das ſchweiz. ziellofe [schonen f. ſchön werden,
fih aufgeitern, vom Wetter), etwas (felten: eines Dinges)—, fauber hal-
ten, forgfam behandeln (feine Kleider, Sachen 2e.), überh. vor Verlegung
od. Befhädigung bewahren, nicht angreifen od. anftrengen (fchone deine
Augen! feine Gefundheit fchonen; fih—, d. i. fi) vor Verlegung, Ber
fchwerde, unangenehmen Empfindungen ꝛc. hüten); auch f. fparen, erfparen
(die Unkoften, die Zeit, od. Gen. der Zeit 2.—); Jemands (weniger gut
Semand)—, ihn unverfehrt od. unangetaftet Iaffen, ihm Nachſicht be—
meifen, vgl. verfchonen, (Herr, fchone meiner! der Schwachen, des Fein-
des 2c. fchonen): — die Schonzeit, die Zeit, während welcher ein Wald,
eine Wiefe 2c. u. bei. das Wild gefchont wird, |. v. w. Hegezeit; — ſchon—
fam, Bw., zum Schonen (z. B. der Kleider 2c.) geneigt u. darin geſchickt;
bef. niebderd. f. fparfam, haushälterifch; daher die Schonfamkeit; die
Schonung, das Schonen, Bewahren vor Befhädigungz bei. Nachficht,
rucfichtsvolle Behandlung Anderer (einem Schonung fhuldig fein, bewei—
fen 2c.); fehonungslos, Bw., keine Schonung gewährend, ohne Schonung,
unnachſichtig; die Schonungslofigkeitz entg. ſchonungsreich, od. voll, Bw.
Schoner od. Schooner, m., -8, M. w. E. (aus dem engl. schooner),
eine Urt langer und fchmaler, zweimaftiger, fchnellfegeinder Fahrzeuge.
Schönfärber, Schöngeift zc., Schönheit — ſchönwiſſenſchaftlich,
f. unter ſchön; — ſchonſam, Schonung, Schonzeit, ſ. unter ſchonen.
Schooß, m., f. Schoß.
Schopf 1., m., -es, M. Schöpfe; Verkl. das Schöpfchen (goth. skuft,
Haupthaar, alth. scuft, mittelh. schopf; oberd. auch Schaupen, Schoppen;
gem. Schopp; wahrfch. von gleicher Abkunft mit Schof, Schob, Schaub, ſ. d.5
aljo urfpr. Büfchel; vgl. das ſanskr. tschupas, Buſch), ein Büſchel gleich»
artiger Dinge, als Haare, Federn (auf dem Kopfe verfchiedener Vögel, z. B.
des Wiedehopfes), oberd. ein Buſch von Gras, Schilf u. dgl. (Shoppen,
Schaupem, eine freiftehende Baumgruppe (Schopf); insbef. der Haar⸗
buſch auf dem Scheitel der Menſchen u. mancher Thiere (einen beim Schopfe
faſſen, d. i. bei den Haaren); daher gem. auch f. Kopf; in weiterer Bed, f.
dag Dberfte, der Gipfel (Forſtw. u. Zimmerl. der Gipfel eines Baumes); —
3fes. fchopfartig, Bw., einem Schopf ähnlich, büfchelartig (Pflanz.); das
Schopf-Ende, Gipfelende eines Baumes, entg. Stammende; die Schopf-
Ente, Strauß- od. Haubenente; das Schopfhaar, die dichten Haare auf
dem Kopfwirbel; die Schopfhaube, oberd. f. Kopfzeug der Damen; ſcherzh.
f. Stadtdame; der Schopfhäher, eine Art Häher mit einem Federſchopfe,
Straußrabe; die Schopflerche, =meife, =taube, f. v. w. Haubenlerche u.
ſ. w.; die Schopfraupe, mit Haarbüfcheln verfehene Raupen; — Ableit.
fchopfig, Bw. einen Schopf habend (oberd. auch: geſchopfet: Pflanz.
Schopf — ſchöpfen —781
ein Blumenkopf, eine Ühre iſt ſchopfig); ſchopfen, Zw. 1) ziellos m. haben,
einen Schopf bekommen (der Hopfen ſchopft, wenn er blüht); 2) ziel. mit
einem Schopfe verfehen; oberd. auch: einen—, f. beim Scopf faflen,
ziehen.
Schopf 2. m. od. Schopfe, w. (alt. scoph, scof) oberd. f. Schoppen
od. Schuppen, Wetterdach, bedeckter Gang.
Schöpf od. Schöpfe, m., oberd. f. v. w. Schöffe, Schöppe, f. d.
Schöpfbrunnen, =eimer, Schöpfe, w., f. unter jchöpfen 1.
fchopfen, Zw. 1. f. unter Schopf; — 2. |. fchoppen.
ſchöpfen 1. ziel. 3w. (alth. sceffan, entft. aus scaphian, scephian ; mittelh.
scheffen und schepfen, schafte, geschaft; oberd. ſchepfen, auch fchapfen;
niederd. ſcheppen; vgl. das engl. scoop; — wahrſch. von schaf, Schaff, oberd.
Schapf, Gefäß, gebildet; dann aber mit ſchöpfen 2. u. ſchaffen (f. d.)
vermengt; — das ö in fchöpfen fteht für e, wie in Löwe, ſchwören, zwölf
u. a.), einen Theil einer Fluffigkeit mit einem Gefäße auffaffen G. 8.
Waſſer mit einem Kruge zc., auch mit der hohlen Hand—; Mil mit dem
Löffel — 20.5 Waffer mit dem Siebe ſchöpfen, uneig. f. Vergebliches, Thö—
richtes unternehmen); fchöpfend etwas bewirken (einen Zuber voll jchöpfen;
einen Brunnen leer—, d. i. durch vieles Wafferfchöpfen leer machen; etwas
in ein Gefäß ſchöpfen 2c.); in weiterer Bed. eine Flüffigkeit in fi aufneh—
men, eindringen laffen, ein= oder anziehen (das Schiff, die Schuhe ıc.
fhöpfen Waffer; auch ohne Zielw. der Kahn ſchöpft, d. i. ift led; Jäg.
vom Wild und Geflügel f. trinken, z. B. der Falke ſchöpft; auch f. tränfen,
trinken laffen: den Falken Ihöpfen; die Sonne ſchöpft Waſſer, |. v. w. zieht);
Luft, Athem—, d. i. einziehen, einathmen, vgl. holen; oberd. von Pflan=
zen f. befruchtet werden, Frucht anfegen; in weiterer uneig. Bed. von un=
‘ Zörperlichen Dingen: etwas woher nehmen, entlehnen G. B. Nachrichten
aus ficheren Quellen —; Licht fchöpfen, d. i. ſich Aufſchluſs verfchaffen) ; bei.
eine Empfindung, Gemüthsbewegung ꝛc. in fi) aufnehmen, befommen,
finnv. faffen (Muth, Hoffnung, Troft, Verdacht; Argwohn ꝛc. —; oberd. auch:
Hals gegen Semand, Eiferfucht, ein Verlangen, eine Begierde ſchöpfen); —
Zſetz. der Schöpfbrunnen, ein Brunnen, aus welchem das Waffer mit
Eimern (Schöpfeimern)gefchöpft wird, vgl. Ziehbrunnen, verfch. Pumpe zc.;
der Schöpfgalgen, die gabelförmige Säule, auf welcher die Ruthe eines
Schöpfbrunnens ruht; das Schöpfgefäß, -geſchirr, ein Gefäß zum Schöpfen,
insbef. der Schöpfeimer, die Schüpfgelte, -kanne, der Schöpffübel,
znapf, -topf ꝛc.; die Schöpffelle, ſ. Kelle; der Schöpflöffel, bei. ein
großer, tiefer Löffel in Glashütten zc.; die Schöpfmühle, ein Mühlwerk,
mittelft deffen Waffer aus Zeichen, Gräben ꝛc. aefhöpft wird; das Schöpf—
rad, ein zwifchen den Schaufeln mit Kaſten verfehenes Rad, mittelft deffen
Waffer ausgefhöpft wird; auch f. v. w. der Schöpfer (f. u.) in Uhrwerken;
der Schöpfrüffel, f. v. w. Saugrüffel; das Schöpfwerf, eine zufammen=
gefegte Mafchine zum Ausfhöpfen des Waffers; — Ableit. ſchöpfbar, Bw.,
was gefchöpft werden kann; die Schöpfe, M.-n, (oberd. die Schepf,
Schepfen, Schapfen), ein Ort, wo man Waffer fchöpft, be. eine Eleine
Bretterbühne an einem Fluffe, Teiche 2c., ein Wafchfteg; Färb. f. Schöpf-
Löffel; oberd. ein hölzernes Schöpfgefäß an langem Stiele; auch eine Art
großer Fiſchnetze u. das Fifchen damit; der Schöpfer 1.,-8, die Schöpfe-
182 fchöpfen — Schöppe
rinn, wer fchöpft, z. B. in Papiermühlen: wer den Zeug mit der Form aus
der Bütte ſchöpft; ein Schöpfgefäß, insbeſ. eine kupferne oder meffingene
Schöpfkelle; Naturk. eine Art Stachelfchneden, die einem Schöpfgefäße
ähneln; in dem Schlagwerke der Uhren ein gezähntes Mad, welches bei jedem
Stundenſchlage einen Zahn des Rechens in dem Vorlegewerke aushebt, auch
Schöpfrad, Ausheber.
ſchöpfen 2. ziel. 3w. (mittelh. schepfen, Prät. schepfte u. schuof; Abfeit. .
v. schaffen, schuof, goth. skapan, sköp, |. ſchaffen 1.; mithin ift das ö hier
organiſch, u. schepfen fteht für schöpfen in Folge der Vermengung mit scheffen
od. fchöpfen 1.5 niederd. u. holl. scheppen), vlt. f. fehaffen, erfchaffen, herz
vorbringen (fo noch in Schöpfer, Schöpfung, Geſchöpf); alt und
oberd. f. feſtſetzen, beftimmen, zuerkennen, für Necht erkennen (einem
Lohn, Befoldung, eine Strafe—; eine Antwort—, d.i. ertheilen; bef. ein
Urtheil, Erkenntniſs —, d. i. fällen; vgl. Schöppe); der Schöpfer 2.,
8, (mittel. schepfaere, niederd. Schepper, Schipper), die Schöpferinn,
M. - en, wer etwas fchafft, d. i. aus eigener Kraft hervorbringt (4. B. er ift
der Schöpfer diefer Anftaltz fie ift die Schöpferinn meines Glüdes); insbef.
Gott als Urheber aller Dinge (der Schöpfer der Welt; danke Deinem
Schöpfer 2c.); daher der Schöpfergeift; die Schöpferhand, =Fraft, -Tiebe,
macht; der Schöpferruf, das Schöpferwort, das Wort oder die Kraft,
durch welche der Schöpfer etwas ins Dafein ruft; ſchöpferiſch, Bw., einem
Schöpfer eigen oder gemäß, felbftändig fchaffend oder hervorbringend
(Gottes ſchöpferiſche Kraft; der ſchöpferiſche Geift des Künftlers zc.); die
Schöpfung (mittelh. schepfenunge) , das Schaffen, die Erfchaffung oder
Hervorbringung eines Dinges od. aller Dinge durch die Gottheit (die Schöpfung
der Welt, des Menfchen ꝛc.; vor der Schöpfung); die Gefammtheit der er—
fihaffenen Dinge (ein Blick in die Schöpfung ; der Menſch, das Meifterftüc
der Schöpfung); in weiterer Bed. auch eim durch menfchliche Kräfte, bef.
durch höhere Geiftesthätigkeit hervorgebrachtes Werk (in diefem Sinne au
in der Mehrh., 3. B. die Schöpfungen eines Dichters, Künftlers ; eine
feiner fchönften Schöpfungen); daher: die Schöpfungsgefchichte, Erzäh-
lung von der Welt-Erfhaffung, bei. die mofaiiche; der Schöpfungstag, -
einer von den Tagen der Weltichöpfungz das Schöpfungswerk; die Schö—
pfungswoche; das Schöpfungswort, das ſchaffende Wort des Schöpfers:
es werde! ıc .
Schöpp, m., ſ. Schepp; — Schoppe, w., f. Schoppen 1.
Schöppe, m., -n, M.-n, (die ins Hochd. aufgenommene niederd. Form
f. das oberd. Schepf, Schöpf, Sheff, Schöffe; alth. scepho, mittelh.
“ schepfe, der schepfende, d. i. der das Urtheil ſchöpft (von fchöpfen 2.), der
Rechtiprechende; althochd. auch sceffino, altniederd. scepeno ; daher das mittl.
lat. scabinus, franz. echevin, engl, eschevin), ein Gerichtsbeifiger, chem. for
wohl bei höheren, bei. peinlichen, als auch niederen Gerichten, auch Finder,
Urtheilfinder 2c. genannt, jest nur landich. u. bef. bei Dorf u. Feldgerichten;
Yandich. auch f. Handmwerksältefter, Beifiger des Zunftmeifters; — 3feb-
die Schöppenbanf, der Sig der Schöppen in einem Gerichte; auch f. Schöp-
pengericht; das Schöppenbuch, das Gerichtsbuch in einem Schöppengerichte;
das Schöppengericht oder der Schöppenftuhl, ein mit Schöppen beſetztes
Gericht; gew. in engerer Bed. eine Behörde, welche auf Befragung in vor—
fhoppen — Schöps 183
kommenden Fällen Rechtöbefcheide ertheilt, ohne vollziehende Gewalt zu haben
(wie die Facultät der Nechtegelehrten auf Univerfitäten); das Schöppen—
pferd, Landfch. das befte Pferd eines Dorfichöppen , welches bei deffen Tode
dem Gerichtsheren zufällt; der Schöppenfchreiber, Schreiber in einem
Schöppengerichte; die Schöppenftube, Gerichteftube, u, das Schöppenge-
richt felbft; — Ableit. fhöppenbar, Bw., chem. f. einem Schöppen in
einem oberen Gerichte an Rang gleich.
fhoppen, ziel. 3w. (auch ſchopfen; altd. scoppen, schopfen; —
wahrſch. verftärkende Ableit. von ſchieben, ſchob), oberd. f. fteden, ftopfen,
pfropfen, bef. etwas Weiches, Wulftiges (z. B. Wolle ins Ohr—; Gänfe,
Hühner ꝛc. —, d. i. mit in den Hals geftopften Zeignudeln (Schoppnudeln)
mäften; ein Schiff —, d. i. die Fugen zuftopfend wafferdicht machen; ſich —,
f. fich anhäufen, gehemmt werden; gefhoppt voll f. dicht angefüllt, ge-
pfropft voll); der Schoppftall, oberd. f. Stall, in welchem Thiere gemäftet
werden; der Schoppftein, Maur. f. Füll- od. Flicftein; der Schopper,
-8, oberd. f. Schiffszimmermann; das Schopperholz, f. Holz zum Schiff—
bau; die Schopperftatt, f. Schiffbauplas; die Schopperinn, oberd. 1) die
Magd, welche das Geflügel mäfter; 2) f. Wärterinn einer Wöchnerinn.
- Schoppen 1. m., -8, M. w. E. (aud) Schuppen; altd. scoph, scof,
schopf und scupha, schupfe; oberd. der Schopf und die Schupfen; niederd.
Schupp, Schuppe; holl. schop; angelf. sceop, engl. shop, Kaufladen ; wahrſch.
von gleicher Wurzel mit dem grichh. ozE77n, Dede ıc., ozer&v, bedecken; vgl.
Schaube, Schoppen 3. und das hannöv. Schuppen f. bedecken, beſchützen),
ein Schirmdach, Werterdach, leichtes, an den Seiten gew. offenes Gebäude
zur Verwahrung gewiffer Dinge gegen die Witterung (Wagen>, Feld, Siegel
fchoppen 2c.).
Schoppen 2. m., -8, M. mw. E., Bert. das Schöppchen, oberd.
Schöpplein, 1) niederd. (Schopen, hol. schoepe, schuppe, ſchwed. skopa,
engl. scoop; von fheppen, fchöppen f. fchöpfen 1.) eine große Gelte,
Schöpfkelle der Brauer 20.5 2) oberd. (wahrfch. v. dem lat. cupa, daher
mittl. lat. cupina, copina, franz. chopine, engl. chopin) ein Maß zu flüſſi—
gen Dingen, bef. Wein, — 4 over 4 Maß od. Quart, vgl. Nößel; das
Scoppenglas, ein Glas, welches einen Schoppen faſſt; ſchoppenweiſe,
Nw., nad) od. in Schoppen.
Schoppen 3. m., -3, M. w. E., Verl. das Schöpplein, (mittelh.
schope, schopen; franz. jupe, jupon; vgl. Schaube u. Schoppen‘1.), oberd.
f. Jade, Wamms, Kamifol, Leibchen.
Schöppenbanf ꝛc. — = fluhl, ſ. Schöppe; — Schoppenglas, ſ.
Scoppen 2.
— Schopperinn ꝛc., Schoppnudel, = fall, -ſtein, ſ. unter
ſchoppen.
Schöps (nicht gut: Schöpps), m., —es (oberd. -en), M. -e (oberd.
-en), Verkl. das Schöpschen, (mittelh. schopez, schopz, schepz; aus dem
flav. skopec, verſchnittenes Thier v. skopiti, verfchneiden), ein verfchnittener
Schafbock, Hammel; uneig. gem. f. ein dummer Menſch; oberd. auch eine
Art Nachbier od. Kofent; — Zfeg. der Schöpfenbraten; das Schöpfen-
fleiſch; die Schöpfenfeule od. der Schöpfenfchlägel ec.; der Schöpsbut-
„ten (fe Butten), landſch. gem. f. Magen u. Eingeweide eines Schöpfes.
784 Shore — Schornftein
Score 1. w., M.-n, (isländ. skorda, Hol. schoore, Stütze, schooren,
ftügen), niederd. f. Stüge, Pfahl, insbef. Schiffb. die ſtarken Stügen, welche
das Schiff auf dem Stapel halten; und die breiten Pfähle an Deichen und
Dämmen.
ſchoren, ziel. u. ziellof. Zw. (abgel. Nebenform v. ſcheren, ſchor; in
einigen Bedeutungen ſich auch mit ſcharren berührend) 1) niederd. (auch
hören; vgl. d. isländ. skora, Eerben) f. ſchneiden, abfondern, 3. B. durch
eine Wand (vgl. fcheren 2.); zerreißen, zerbrechen, vernichten (Holl. scho-
ren, franz. de-chirer); 2) oberd. (mittel. schorn) f. mit der Schaufel oder
dem Spaten arbeiten, insbe]. umgraben (umfchoren); zufammenfcar-
ven, =Eehren (den Mift); 3) nieder= und oberd. f. reiben, abreiben (vgl.
ſcheuerm), glätten (poliren, 3. B. in den Nadelfabriten zu Schwabad:
Schormühle); — die Schore 2., M.-n, (altd. scora, schor; vgl.
Schar 2.) oder der Schoren, -3, M. w. E., oberd. f. Schaufel, Spaten,
Grabſcheit; — das Schoreifen, landſch. f. Scharre, Scharreifen; das
Schorfeld, oberd., Feld, das umgegraben wird; die Schormaus, landſch.
f. Eleine Feldmaus, Scharrmaus; niederd. f. Maulwurf (oberd. Schermaus).
Schorf, m., -e8, M. (felten) Schorfe, (gem. auch Schurf, Schörft;
angelj. u. engl. scurf, scruft, isländ. skurfa, skorpa; von scurfan, ſchurfen
(f. d.), d. i. rigen, aufreißen, Eragen; vgl. Icharf, Tchroff), bef. niederd., die
rauhe Krufte auf einer heilenden Wunde, einem Gefhwür ꝛc., oberd.
Rufe; auch f. Grind, trodener Ausfhlag; Räude, Krätze; — der
Schorflattich, landſch. f. Pferdeampfer, Lendenkraut, |. d.; das Schorf-
moos, f. die Flechte; — fchorfen, ziellof. Zw., den Schorf od. die Räude
haben, von den Schafen; ſchorfig, Bw. (niederd. auch ſchorfd, engl. scurvy)
mit Schorf bedeckt od. behaftet, grindig, räudig; niederd. uneig. von der
Böſchung eines Deiches: durch das anfpülende Waſſer ſchadhaft geworden.
fhorgen, ſchörgen od. ſchürgen, ziel. Zw. (landfh. auch ſchergen,
ſchirgen ac.; altd. scurigan, scurgan, schürgen; vgl. ſchüren), oberd. f.
floßen, fchieben G. 8. den Tiſch an die Wand; den Mift mit der Schorg-
krücke aus-, fortſchorgen); ſchweiz. [hürgen f. ſchüren, anſchüren (das
Feuer); ſchleſ. auch f. eilen; das Schorgicht, oberd. f. zuſammengeſcho—
bener Dünger. -
Schörke, w., M.-n, landſch. f. die Grille.
Schörl, m., -e3, M. -e (gem. auch Schirl, Schörlich, Schorlet; von
fhoren?), Bergm. eine wenig Metallifhes enthaltende Steinart von
glängendem, blättrigen Gefüge, meift in geftreiften Kryſtallen anfchießend,
fehr leicht ſchmelzbar; das Schörlforn, Schörl in Körnern; auch f. Flufe-
granate. r
Schornftein od. Schorftein, m., -es, M. -e, (aus dem niederd. Schorn-
fteen, Schofteen ins Hochd. aufgenommen; ſchwed. skorsten; das altſchwed.
skarstön, hol. schoorsteen, schoorensteen bedeuten den Herdftein, die Herd-
platte, wahrfch. von schoore, Stütze, Unterlage (ſ. Schore 1.); n. A. ift
Schorſtein ſ. v. w. Schürftein von ſchüren; jedenfalls ift die urſpr. Bed.
Unterlage für das Zeuer, Herd), ein gemauerter Rauchfang, Schlot,
Feuermauer, Effe; der Schornfteinfeger, wer den Schornftein fegt, reis
nigt, auch Schlotfeger, Eſſenkehrer 2c.; uneig. Naturk. der ſchwarze Kern
beißerz die Wafferjungferz eine Art Bodkäfer; der Schornfteinfegerjunge,
‘
|
Schorp — Schoſs 785
-gefelle, =meifter; das Schornſteinfegerhandwerk ꝛc.; der Schornſtein—
fragen, od. mantel, ſ. Mantel; die Schornfteinröhre ıc.
Schorp, m., -en, M.-en, vit. f. Skorpion; daher: der Schorpfifch,
eine Art Fifhe: der Seeſkorpion (cottus scorpius L.).
ſchorren, ziellof. Zw. (altd. scorren, Zw.; scorra, schorre, ſchroffer Fels),
vlt. f. ragen, empor= od. hervorragen.
Schorſche, wm, M. -n, (v. ſchorren f. ſchurren), niederd. f. Schlittfhuh.
Schorftein, ſ. Schornftein.
Schoß od. Schooß, m., -e3, M. Schöße, Verkl. das: Schöfchen,
(althochd. scöz u. scöza, w.; mittelh. schöze, w. u. m., u. schöz, ſ.; oberd.
die Schoß; niederd. Schoot; isländ. skaut; fchwed. sköt; goth. skauts, m.,
f. Zipfel eines Kleides; vgl. das angel. sceat, Winkel, Gegend, u. das engl.
sheet; — Grundbed. fcheint: Bug, Eins od. Ausbiegung, Winkel, Ede; da-
her altd. driscöz f. dreiedig; von fchießen? alfo urfpr. das Hervorfchießende,
der Faltenwurf?), 1) der Bug am Unterleibe eines fisenden Menfchen,
die Oberſchenkel eines folchen und die zwifchen denfelben entftehende Ver—
tiefung, bef. bei weiblichen Perfonen (etwas in den Schoß nehmen; ein Kind
auf den Schoß nehmen, auf dem Schoße haben; einem auf dem Schoße fißen ;
uneig. dem Glüde im Schoße fisen, d. i. vom Glücke anhaltend begünftigt
werden; die Hände in den Schoß legen, uneig. f. nichts thun, müßig fein);
auch ald anftändiger Ausdruck f. die weiblichen Zeugungstheile, der Mutter-
leib (ein Kind entwand fich ihrem Schoße u. dgl.); uneig. f. das innere, die
Mitte einer Sache, als das Aufnehmende, Verbergende, Hegende (er lebt im
Schoße feiner Familie; in den Schoß der Kirche zurückkehren; im Schoß der
Erde ruhen 2c.); 2) an Kleidungsftüden ein in einem Winkel abftehender
od. in Falten herabfallender Theil, z. B. oberd. ein breiter, faltig vom Leibe
abftehender Saum um ein Leibhen (Schößlein); niederd. überh. f. Zipfel
(auch eines Segels), Schweif, Schleppe, Keil, Zwickel; insbef. an Manne-
Eleidern, Röcken zc. die über die Mitte des Leibes nach hinten hinabhan-
genden Theile, in welchen fich gewöhnlich die Taſchen befinden GKockſchöße);
— 3fes. das Schoßbein, f. v. w. Schambein; der Schoßfall, landſch.
Ripr. der Erbfall, vermöge deffen bei dem Tode eines Kindes der Nießbrauch
feines väterlichen Vermögens der Mutter anheimfällt („in den Schoß der Mut-
ter fäut‘); das Schoßfell, niederd. (Schootfell) f. Schurzfell; der Schoß-
hund, das Schoßhündchen, Kleiner, zierlicher Hund einer Dame (niederd.
Zungfernhund); der Schoßjünger, der geliebtefte Sünger oder Schüler, bef.
Chrifti (Sohannes); das Schoßfind, ein zärtlich gepflegtes, auch wohl ver-
zogenes u. verwöhntes Lieblingskind (uneig. ein Schoßkind des Glüdes fein);
die Schoßrippe, Fleifch. die aus dem Schoße des Rindes gehauenen, mit
Fleiſch bewachſenen Rippen; die Schoßfchlange, eine Eleine, unfchädliche,
zahme oftind. Schlange (auch Sungfernfchlange); die Schoßfünde, uneig. f.
Lieblingsfünde;, das Schoßtuch, landſch. f. Schürze; — Ableit. ſchößeln,
ziellof. zw., oberd. f. im Gehen die Schöße des Kleides in Bewegung
fegen; ſchößig, Bw., einen Schoß od. Schöße habend, in Zſetz. wie Eurz-,
langſchößig; der Schößling, -es, M. -e, Neum. f. Schoßfind, Liebling.
Schoſs, m. (in einzelnen Bed. auch f.), -ffes, M. Schoffe (andſch.
Shöffe), Verl. das Schöſschen, Schöfglein (von ſchießen, ſchoſs ıc.
ſ. d.), 1) was fchießt od. gefchoffen ift (ziellos), insbef. ein junger aufge—
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 50
186 Schoſs
ſchoſſener Zweig eines Baumes od. einer Pflanze, auch Schöſsling, Schuſs
(engl. shoot); landſch. auch f. das Stockwerk eines Gebäudes, gew. Ge—
ſchoſs (ſ. d.); Bergw. hereingeſchoſſenes od.-geſtürztes Erdreich od. Geſtein;
2) was geſchoſſen, d. i. überh. in ſchnelle Bewegung geſetzt wird oder
worden iſt; daher niederd. (Schott, ſ.) f. Schub=- oder Fallthür (das
Schöſschen, ein kleines Schubfenſter in einem größeren Fenſter) u. f. Rie—
gel; auch die ausgeworfene Erde aus einem Graben; ehem. f. Schießgeräth,
Geſchoſs (ſ. d.), Geſchütz, Pfeil ıc. (altd. daz scoz, schoz); 3) was her—
geſchoſſen, d. i. gegeben, dargereicht wird, daher f. Steuer, Abgabe an
die Obrigkeit, bei. von Grundſtücken (mittelh. der schoz; oberd. der und das
Schoſs; niederd. Schott; isländ. skot; engl. scot; mittl. lat. scottum, ital.
scotto, fpan. escote; bibl. Schofs geben; drei Schoffe geben, d. i. dreifache
Abgabe entrichten); — ſchoſſen, Zw. 1) (unmittelbar von hießen, ſchoſe)
ziello8 m. haben, in die Höhe fehießen, d. i. fehnell in die Höhe wachfen,
bef. vom Getreide: Stengel, Halme treiben (die Gerfte hat gefchoffet);
2) won Schofs, Steuer; mittelh. schozzen) ziel. Schofs oder Abgabe
zahlen (ev, od. das Haus, der Ader ꝛc. fchoffet jährlich zehn Thaler); —
Z3ſetz. von Schofs und fchoffen: der Schofsbalg, die Scheide, in welcher
die hre, ehe fie hexvorfchoffet, eingefchloffen ift; das Schofsbuch, Werzeich-
nifs der ſchoſsbaren Güter u. Unterthanen, Schofs-Regifter; die Schofsbühne,
Bergw. ein gezimmertes Schirmdach in der Grube; das Schofsfafs, landſch.
Brau. die Kufe, in welche man das gefochte Bier laufen (ſchießen) läſſt;
ſchoſsfrei, Bw., fteuerfrei;z das Schofsgatter, ein niederfchießendes Gatter,
Fallgatter; das Schofsgerinne, Bergw. das Gerinne, aus welchem das
Waſſer auf die Räder fällt; od. in welchem das Waffer aus dem Pochtroge
abfließtz das Schoſsgras, Landfch. f. der Sommerloih; das Schofsjahr,
beſ. M. Schofsjahre, landſch. die Sahre, in welchen eine Perfon noch
merklich in die Länge wählt; die Schofsfelle, Tandfch. der Hintere Raum an
Poftwagen ꝛc., in welchen Koffer, Kiften ꝛc. geworfen werden; der Schoſs—
fiel, Landw. die jungen Halme des Getreides, wenn es zu ſchoſſen beginnt;
der Schofsmann, chem. wer Schofs entrichten mufs; fchofspflichtig, Bw.,
verpflichtet Schoſs zu entrichten, ſchoſsbar, fteuerpflichtig; die Schoſsraupe,
Raupen, welche jungen Schoſſen ähneln; die Schoſsrebe, Schöſsling an einem
Weinſtock; das Schoſsreis, ſ. v. w. Schoſs, Schöſsling; die Schoſsrinne,
landſch. Dachrinne, in welcher das Regenwaſſer abfließt; der Schoſsſtein,
landſch. f. Donner- Finger- od. Pfeilſtein; die Schoſswurz, landſch. f. Stab—
wurz; Hundszahn; — Ableit. ſchoſsbar, Bw. (mittelh. schozbaere), ſ.
v. w. ſchoſspflichtig, entg. ſchoſsfrei, (ſchoſobare Acer, Häuſer, Untertha—
nen ꝛc.); der Schöſſer, „s, M. w. E., 1) ein Werkzeug zum Schießen,
d. i. Schieben, insbef. Bad. die Schaufel, mit welcher das Brod in dem
Ofen gefchoben wird (auh Schöffel, Schiefer); oberd. f. Hanfling (auch
dag Schöfslein, Schöffel; weil er ſchuſsweiſe fliegt?); 2) (mittelh.
schozzer) der Steuer-Einnehmer (z. B. Amtsſchöſſer); die Schöfferei,
deffen Amt und Wohnung; der Schöfsling, -es, M. -e, (altd. scuzzilinc,
schüzzeline, schuzlinc), was ſchnell aufgefchoffen if, bef. ein jähriger junger
Pflanzenzweig, Schofs, Schofsreisz in engerer Bed. ein aus der Baum—
wurzel entiproffenev Trieb, der Wurzeln fchlägt u. eine neue Pflanze hervor:
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Schote — Schotte 187
bringt; fchoffeln, zielloſ. Zw., oberd. f. gedankenlos hin und her rennen;
die Schoffel, f. eine allzu lebhafte, unbefonnene Perfon.
Schote, m., -n, M.-n (v. hebr. schoto, unfinnig fein) jüd. deutſch f.
Narr, einfältiger Menfch. »
Scote, w. 1., M. -n, Verkl. das Schötchen, (vielleicht von der Wurzel
sca, scu, bededen, verhüllen, f. Schatten u. vgl. Hülſe; vgl. jedoch das
angelf. codde, engl. cod, ſchwed. kudde, mittl. lat. cossa, franz. cosse; fo-
wohl im Altd., als in den ober- u. nieberd. Mundarten fehlt das Wort), ein
aus zwei langlichen, durch zwei Näthe verbundenen, Klappen beftehendes
Samengehäufe mancher Hülfenfrüchte, finnv. Hülfe; (im engeren Sinne find
Schoten nur folde Hülfen, in denen der Samen von einer Nath zur andern
wechfelsmweife fist); auch die ganze Hülfenfrucht fammt dem Samen, ins—
bef. die noch grünen Erbfenfrüchte, u. das ganze Gewächs (in die Schoten
gehen); brandenb. unr. f. die ausgehülfeten grünen Erbſen felbft (Schoten
effen); uneig. Naturk. eine zu den Schiffkutteln gehörende Schnede (Erb-
fenfhote); die Schotenblume, f. v. w. Schneeblume, Alpenwindblume;
der Schotendorn, verfchiedene fhotentragende Dorngewächfe: die Acacie;
eine Art Sinnpflanze, welche das arab. Gummi liefert (ägyptiſcher Schoten-
dorn); der Honigdorn od. die Honigerbfe (1. d.); die Schotendotter, eine
Urt des Wegefenfes; die Schotenerbfe, grüne Erbſen in ihren Schalen; die
Schotenkaper, eine Art fchotentragender Kapern in Jamaika; der Schoten-
klee, ein kleeartiges Schotengewächs (lotus L.); auch f. gemeiner Steinklee;
der Schotenfümmel, Horntümmel; der Schotenpfeffer, gemeiner fpan.
Pfeffer; der Schotenftein, fchotenförmiger Fiſchzahn; dev Schotenweide-
rich, eine Art — Weiderichs.
Schote, w. 2., M.-n, (wahrſch. — Schoß, niederd. Schoot, in der
Bed. Winkel, Be fänoes. sköt; f. Schoß) Schiff. die Taue an den uns
teren Eden der Rahſegel, mittelft deren diefelben hinterwärts angeholt und
gefpannt werden (Mars, Bram-, Steuerfchoten, je nad) den Segeln,
an welchen fie fich befinden); das Schofgat, ein Loch an der Seite des.
Schiffes, wodurch die große Schote ins Schiff fährt; das Schothorn, die
unterften Eden der Segel, an denen die Schoten befeftigt find.
Schoter, m., -3, landſch. f. wilde Engelwur;.
Schothenne, w., landſch. f. Erdhenne, Zwerghuhn, Spielart des
Fafanen.
Schott, f., -es, M. -e, 1. in Danzig f. Karat; — 2. 0. M. (wahrſch.
— Schoſs, das Glſchoſene landſch. f. Fiſch-Eier ober Laich; — 3. (vgl.
Schoſs, niederd. Schott f. Fallthür; niederd. fhotten, ſchutten, engl.
"shut, verſchließen) Schiff. eine hölzerne Scheidewand zur Abfonderung der
verfchiedenen Kammern u. Pläge, auch die Schotting, Schötting; der
Schottitänder, Wafferb. Seiten oder Mittelftänder, in welche das Schott
eingeſpundet iſt.
Schött, ſ.,—es, od. w., M.-e, (auch Schott; mittl. lat. scota; vgl.
Schütte, Schütt) oberd. f. Bündel Flachs, gew. 60, anderswo nur 12 —
24 Reiften.
Schotte, m., -n, M.-n, weibl. die Schottinn, M. -en (lat. Scotus;
altd. Scotto; engl. Scotch) EN. der Einwohner von Schottland, dem nördl.
Theile der beittifchen Inſel; daher auch: der Schottländer, die Schott-
50%
188 ſchotteln — ſchräg
länderinn; der Schotte (oberd. Schott) ehem. f. herumziehender Krä⸗—
mer, Landfahrer, Haufirer (aus Schottland?); daher noch diejenigen Weiß:
gerber, welche im Lande umherziehen; der Schottenbruder, landſch. f. Be—
nedictinermönd, (weil die erften aus Schottland nach Deutfchland kamen); daher
das Schottenklofter, f. Benedictinerklofter; die Schottengans, eine Art auf
der jchottifchen Infel Bafs lebender weißer Waffervögel, Baffonergans, weißer
Seerabe; ſchottiſch, Bw., den Schotten eigen, aus Schottland ftam-
mend, zu Schottland gehörend, auch ſchottländiſch, (ſchottiſche Sprache,
Tracht 2c.; fchottifch tanzen zc.).
fchotteln, Zw. oberd. 1) ziel. f. ſchütteln; 2) ziellos (auch fhottern)
f. erfchüttert werden, fich hin und her bewegen.
Schotten, m., -8, o. M. od. die Schotten, M. o. E., (altd. scotto,
schotte; verw. mit fchotten, fchotteln f. ſchütten, ſchütteln ?), oberd. u. fchweiz.
f. Molken; auch der geronnene, käſige Theil der Milch, insbef. der aus
den Molken von füßer Milch abgefonderte Quark, verfh. Topfen; die
Schottfuppe, öftr. eine mit gefalzenen Schotten bereitete Suppe; das Schöt—
telein oder Schötterlein, bair. eine aus zerfchnittenem Fleiſch, zerſtoßenen
Krebfen u. dgl. mit Eiern ꝛc. gekochte quarkähnliche Speife.
Schottenbruder, -gans, -kloſter, f. unter Schotte.
Schotter, m., - 8, 0. M., oberd. f. Schutt; zerbrödeltes Geftein, Gries,
Grand am Ufer von Gebirgsmwaffern.
Schottert, m., -e8, M. -e, landſch. f. Klut- od. Kaulhuhn, f. d.
Schotting, w., Schottftänder, j. Schott 3. — ſchottiſch, Schott:
land ꝛc. f. unter Schotte.
Schötz, m., -en, M. -en, (auch Schüs; mittelh. schoz) oberd. f.
Schöps, f. d.
Schoverfegel, f. (gem. niederd. Schonferfeil, woraus man une. Schön-
fahrfegel gemacht hat; verw. mit dem engl. shove, fchieben, ftoßen?)
Schiff. das große Segel eines Schiffes, insbef. der Schmaden, Kuffe u. a.
Eleiner Seeſchiffe.
fchrabben, 3m. (val. fchrapen) niederd. f. Eragen.”
ſchrachtern, Zw. (vgl. ſchachern 2.) niederd. f. laut lachen.
fchradeln, Zw. (isländ. skreika; vgl. fchräg, Tchrägeln) oberd. f. mit
gefchränkten Beinen gehen.
fchrad, Bw. (von ſchraden f. ſchroten) niederd. 1. f. fehräg; 2. (auch
ſchrag; engl. scrag; oberd. ſchrah, fchroh) f. mager, Enapp.
ſchrafen, Zw. (gew. ſchrefeln; altd. screfan, screvon, schreven; vgl.
ſchröpfen u. das niederd. ſchrapen), oberd. f. rigen, Eragen, Einfchnitte ma—
hen; — ſchraffiren, ziellof. u. ziel. 3w. (zunächſt aus d. ital. sgraffiare;
diefes aber von ſchrafen, fchraffen), bei Zeichnern u. Kupferft. gleichlaufende
oder fich Ereuzweife durchfchneidende Schattenftriche machen; daher die
Schraffirung.
ſchräg od. ſchräge, Bw. (oberd. ſchreg; landſch. gem. ſchrä; in mieder-
u. oberd. Mundarten auch: fchrad, fchräm, fehreem; die Wurzel fcheint alfo
bloß scra), mit der fenkrechten od. wagerechten Linie einen fchiefen Winkel
bildend, finnv. fchief (ſ. d.), entg. gerade (eine ſchräge Linie, Richtung,
Fläche zc.; einem fehräg gegenüber wohnen); auch f. fanft abhängig, entg-
ſteil; — 3feg. das Schräg- oder Schrägemaß, Tiſchl. ein bewegliches
Schragen — Schramme 189
Winkelmaß zum Meffen fchräger Linien u. Flächen, die Schmiege; die Schrä-
gemauer, Bauk. die abhängige Mauer, auf welcher die Stufen einer Treppe
liegen; der Schrägſchnitt, ein fchräg geführter Schnitt; — Ableit. die
Schräge, o. M., (oberd. Schrege, Schregen), 1) das Schrägfein , auch:
die Schrägheitz 2) eine fehräge Linie oder Fläche, oberd. f. die Quere
(nad) der Schräge) ; öfter. audy eine Querftange in einem Zaune; fchrägen,
ziel. 3w., 1) fehräge machen; 2) mit einem Gefchräge (ſ. d.) verfehen
(einz, umfchrägen 2c.); daher die Schrägung, das Schrägen; die fhräge
Fläche, Abdachung; fchrägeln od. fchregeln, ziellof. Zw. (mittelh. schregen;
vgl. ſchrackeln) oberd. f. mit geſchränkten Beinen gehen; das Schrägel-
chen, niederd. eine Perfon mit auswärts gebogenen Säbelbeinen.
Schragen, m., -8, M. mw. E. (oberd. die Schrägen), landſch. auch:
die Schrage, M. -n, (mittely, der schrage, -n; von ſchräg, ſchiefwinklig,
verfchräntt), 1) ein aus Ereuzmweife verſchränkten Hölzern beftehendes, od.
auf folchen Füßen ruhendes hölgernes Geftell (z. B. des Badtroges, eines
Tiſches, Bettes 20.5 der Sägefhragen, ſ. v. w. Sägebod; auf dem
Schragen od. den Schrägen liegen, oberd. f. auf dem Zodbette); in weiterer
Bed. oberd. eine Bretterbühne; auch das aus Latten beftehende Geftell für
Krämerwaaren 20.5 2) Forftw. ein Haufen Scheitholz, 1 Ktafter hoch und
breit und 3 Klafter tief; daher das Schragenholz, nach Schragen verfauftes
Holz; der Schragflein, Weißgerb. ein ald Gewicht am Schragen od. Schlicht—
rahmen hangender Stein; der Schragftengel, die Stange od. Latte am Schra-
gen der Weißgerber.
Schräfel, m., -8, M. w. E. (vgl. das oberd. ſchrah f. mager, unge-
ftalt; Schrähelein, ein zauberifches Wefen, Wichtlein; f. auch Schratt,
Schrättel 2c.) niederd. ein nicht gehörig ausgemachfenes, verfrüppeltes Ge-
ſchöpf, bef. ein krüppelhafter, magerer, unanfehnlicher Menſch; fehräfel-
haft, ſchräkelig, Bw., niederd. f. krüppelhaft, Elein u. unanfehnlich.
Schral, m., -es, M. -e, niederd. f. der Schrei; fchralen, ziellof. Zw.
1. niederd. f. laut ſchreien; 2. Schiff. vom Winde: von dem günftigen
Striche abweichen u. von vorn in die Segel fallen.
Schram, m., -e3, M. Schräme, (Nebenform von Shramme, f. b.),
Bergw. die zur Gewinnung des Erzes zwifchen demfelben und dem Geftein
gemachte Offnung; altoberd. überh. f. Loch; fehrämen 1., ziellof. u. ziel.
3m., Bergw. Schräme machen, einen Ort neben dem Gange treiben; Kupferft.
f. fhraffirenz der Schrämhammer, Schrämfpieß, Bergw. Werkzeuge
zum Schrämen; der Schrämhäuer, ein Häuer (f. d.), welcher die Schräme
macht.
ſchräm od. fchreem, Bw., (vgl. ſchlemm) ober- u. niederd. mundartl. f.
ſchräg (ſ. d.) ſchief; ſchräms, Nw. (auch gefchräms) oberd. f. ſeitwärts,
ſchräg gegenüber; ſchrämen 2. od. ſchremen (auch ſchramem, ziel. Zw.
f. ſchräg richten, machen, ſchneiden ıc.
ſchramen od. ſchrämen 3. ziel. Zw. (vgl. das altniederd. Schraa, Schrage
f. Geſetzbuch, Statut; isländ. skra, ſchreiben) oberd. f. feftfegen, ſchätzen,
anfchlagen.
Schramme, w., M.-n, (oberd. die Schramen; vgl. Schram; isländ.
skrama, von skrama,. freifen; ſchwed. skrämma; poln. szram, Narbe; vgl.
das mittl. Tat. scrama, eine Art Degen; engl. scratch, kratzen, rigen), ein
790 | Schrange — Schrank
langer, aber nicht tiefer Ritz, in der Oberfläche eines Dinges mit einem
fpisigen Körper gemacht (z. B. in einem Glafe, Teller u. dal.); bei. eine
ſolche Verletzung der Haut, Streifwunde, Narbe; fchrammig, Bw.,
Schrammen habend; fchrammen, ziel. 3w., etwas —, Schrammen
darin machen, rißen; ſich —, fih, an etwas Spitziges ſtreifend, leicht
verlegen; der Schrammhuften, niederd. f. ein trockener, fchmerzhafter Huſten;
der Schrammſchuſs, f. Streifichufe.
Schrange, w., M.-n, alt u. landſch. f. Schranne, Schatren.
Schrank, m., -es, M. Schränke, (mittel). schranc; von einem alten
ablaut. 3w. scrinchan, scranch 2c.; angel. serincan, engl. shrink, fid) zu=
fammen= od. einziehen, Erümmen, be= od. verſchränken; vgl. ſchwed. skrynka,
Runzel), urfpr. etwas Gefchränktes, Verfchränktes, Eingeſchränktes oder
Einſchränkendes; daher Zäg. der gefchränkte Schritt des Hirfches, (altd.
auc) f. Unterfchlagung eines Beines, Hintergehung, Betrug); oberd. ein Holz:
ftoß von verfchräntt aufgefchichteten Scheiten; altd. f. eingepferchter Ort, Ker—
ter; jest gem. ein mit Thüren verfehenes, meift verfchließbares Behältnifs,
gemeiniglic mehr hoch, als breit und tief, zur Verwahrung von mancdherlei
Dingen, ſ. v. w. Schrein, landſch. Spinde, Schaff, oberd. Behalter, Ge-
halter, Almer ꝛc. (4. B. ein Kleider-, Bücher-, Brod-, Speiſeſchrank ıc. ;
Berl. das Schränkchen); Zfeg. die Schranfader, an den Pferden die
Blutader an der inneren Seite der Schenker; der Schrankfchlüffel, die
Schranfthür, u. dgl. m., Schltiſſel, Thür eines Schrankes oder Schreines;
der Schranfzaun, vit. f. Zaun aus verſchränkten Knüppeln ; — die Schranfe,
*
M. -n, (mittel). der schranke, oberd. der Schrankenz daneben: die
schranke, Schrank, als Fechterausdruck), urfpr. ein Querholz, eine Zaun—
ftange; dann gew. in der M. die Schranfen, ein Stangenzaun, überh.
eine Einzäunung od. Einfchliefung eines Ortes, aus verſchränkten Stäben
beftehend (Schranken um etwas machen, fegen; die Gerichtsſchranken,
auch f. das Gericht jelbft, daher: vor den Schranken erfcheinen; die Schran-
en um einen Kampfplag, Schauplag ꝛc.; in den Schranken erfcheinen, d. i.
als Kämpfer in den ehemal. Turnieren); in weiterer Bed. alles den Raum
u. uneig. die Wirkfamkeit, Kraft od. Fähigkeit Befchränfende, Hemmende,
finno. Grenze, welches aber auch das bloße Aufhören oder Ende einer Größe
ohne den Nebenbegriff der Hemmung bezeichnet, (die Kraft, die Vernunft ze.
des Menfchen hat ihre Schranken; fi) in den Schranken der Mäßigung halten;
in feinen Schranken bleiben; feine Schranken überfchreiten; feine Schranken
Eennen, fühlen 2.); 3fes. fchranfenlos, Bw., keine Schranken habend,
ſinnv. unbefchräntt, grenzenlos (7. B. ſchrankenloſe Freiheit); die Schranfen-
loſigkeit; — ſchränken, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. screnehan, schreüken,
Prät. schrancte, aus scranchian, von serinchan gebildet, ſ. o.) 1) ſchräg
od. quer und kreuzweiſe über einander legen, feßen, ftellen (4. 8. Hol,
Stangen zu einem Zaun 20.5 Jäg. die Leinen—, d. i. Über einander ſchlingen;
insbeſ. die Füße ſchränken; mit geſchränkten Füßen ſitzen, gehen; die Arme
in einander —); auch ziellos: im Gehen die Beine aus einander geſpreizt
fegen (Zäg. der Hirſch ſchränkt), oder auch kreuzweiſe über einander fegen,
wie Betrunfene (oberd. auch ſchränkeln); ehem. auch f. hinten, u. uneig.
auf Umwegen gehen, fich verftellen; 2) mit Schranken verfehen, umgeben
(einen Platz —; vol. beſchränken, einſchränken 2c.); 3ft 6. der Schränfbalfen
Schranne — Schratt A
ein geſchränkter Balken; das Schränfeifen, die Schränfflinge, ein geferb-
tes Eifen, die Zähne einer Säge zu ſchränken, d. i. aus einander zu biegen;
das Schränffenfter, Fenfter od. Fenfterladen aus fehräg über einander ftehen-
den Brettchen (fr. Saloufie); ſchränkweiſe, Nw., geſchränkt, fchräg u. Ereuz-
weife über einander (bef. Buchdr. u. Buchb. die Bücher ſchränkweiſe legen).
Schranne, w., M. -n, (altd. scranna, schranne, schrande; oberb.
Schrann, Schrannen, Schrand; mittl. lat. escrannium, ital. scranna) urfpr.
eine Bank, ein vergitterter oder mit einem Geländer eingefaffter Sie;
insbef. fränk. Bank mit einer Rüdlehne (au Schrannenband); alt und
oberd. Bank, Tiſch, Laden, Gebäude zum Verkauf bef. von Brod und
Fleiſch (Brod-, Fleiſchſchranne; niederd. Scharren, f. d.); der zum Auf:
ſtellen, Abmeffen ıc. des verkäuflichen Getreides eingerichtete Platz, Ge—
treidemarft (Rornfhranne;z daher oberd.: die Schrannenfreiheit,
"das Vorrecht, einen Getreidemarkt zu halten; dee Schrannenfnedt, -die—
ner, zmeifter; die Schrannenordnung; Shrannenmäßig, zum
Berkauf auf dem Getreidemarft geeignet 2c.); die Nichterbanf, der Sitzungs—
plaß für ein verfammeltes Gericht (Gerihtsfhranne); in Wien auch
das Gerichtshaus; ferner f. das Gericht, Dorf-, Land» Stadtgericht ıc.
(Landfhrannezr.; daher der Schrannenredner f. Sahmalter; der
Schrannenfhreiber f. Gerichtöfchreiber; der Schrannenfiger, Ge
vichtsbeifiger); der Gerichtsfprengel, die Gerichtsbarkeit.
Schranz, m., ⸗es, M. -e, (mittelh. schranz, M. schrenze; von scrintan,
schrinden, schrant 2c. f. ſchrinden) alt. u. oberd. f. Riſs, Bruch, Spalt,
Schrunde, u. der mit dem Reißen od. Berften verbundene Schall; daher
ſchraͤnzen od. ſchränzen, fchrenzen, ziel. u. ziellof. Zw., (mittelh. schrenzen,
rät. schranzte, aus scranzian), alt u. oberd. f. durch einen Rifs od. Spalt
trennen, reißen, brechen; niederd. überh. f. theilen, zus, mittheilenz u. f.
ſtark effen, freffen (eig. mit den Zähnen zerreißen; holl. schrantsen; engl.
scranch, zerbeifien); daher der Schranze od. Schranz, -en, M. -en, eig.
ein Freſſer, Schlemmer; gew. f. Schmaroger, fchmeichelnder u. Eriechen-
der Diener, Speichelleder, bef. Hofſchranz (f. d.); fehranzenhaft, Bw.
nach Art eines Schrangen.
fhrap, Bw., niederd. (u. holl.) f. bereit, fertig, bef. Schiff.
ſchrapen, ziellof. u. ziel. Zw. (mittelh. schrapfen, schraven; oberd. fchrap-
pen u. gew. fchrafen, f. d.; niederd. auch fehrabben; holl. schrabben, schra-
pen zc.; dän. skrabe; fchwed. skrapa, firiegeln; angel. screopan, engl.
scrape) niederd. f. Fragen, fiharren, fehaben mit dem durd) das Wort felbft
ausgedrückten fcharfen, rauhen Schalle (z. B. Rüben—; auf der Geige—,
ſ. v. mw. fragen; Geld zufammen—, fcharren); die Schrape, M.-n, nie
derd. ein Werkzeug zum Schaben od. Kragen, bef. eine Striegel; und in
Salzwerken ein Werkzeug zum Abfragen des Schmutzes von den Galzftüden
(Salzfhrape); der Schraper, —s, mer fchabt, Fraßt ꝛc.; holftein. bef.
ein Fiedler; auch f. v. w. Schrape, Schrapeifen; das Schrapel, -8, nie-
derd. (gew. Schrapels) f. Schabfel; fehrapeln, Zw. nieverd. 1) ziel. f.
ein wenig fchaben, fragen 20.5 2) ziellos (auch fchrapen, ſchrofeln, fchrum-
peln; wahrfch. von anderem Stamme) f. anfangen zu gefrieren, Eisnadeln
anfegen. | r
Schratt od. Schratz, Schräß, m., -em, M. -en;z gem. der Schrättel,
192 fchrauben
Schratel, Schregel, das Schrätlein od. Schräßlein (altd. scrato, schrat,
schrate, schretelin, schretel; auch screz, pl. screzza; schraz, G. schratzes;
island. skratti, eine Art Unhold; fcheint urfpr. überh. etwas Schroffee, Raubes,
Spigiges zu bezeichnen; daher auch: Schrättel, Schradel, öftr. f. die
Stechpalme; der Schratten, fehmweiz. ein Berg voll Riſſe und Spalten;
der Shrag od. Shräg, auch Schragen, oberd. f. ein Fifc mit fcharfen
Rückenfloſſen, der Bürftling, Flufsbörs; altd. scratun, Haarige; alfo zu:
nächſt: ein rauher, borftiger Waldteufel; verw. mit d. goth. skreitan, ſchweiz.
ſchreißen, f. reifen, angelf. screadan, ſchwed. skräda, ftechen, ſchneiden; vgl.
jedoch auch Schräkel u. fhräg), oberd. f. Waldteufel, Kobold, Polter-
geift, höllifcher Geift, Gefpenft, Alp; uneig. f. überläſtiger Menſch; der
Schrätz, aud f. ein im Wahsthum zurüdgebliebener- Menfch, Knirps;
ſcherzh. f. ein Kind.
fchrauben, ziel. 3w., ablaut. Impf. fchrob, Conj. fehröbe; Mw. ge
fhroben;z u. gew. bloß umend. fihraubte, gefchraubt, (altd. scrüfan, oberd.
ſchraufen, niederd. ſchruwen; isländ. skrüfa, ſchwed. skrufva; engl. screw;
fcheint von dem Begriff der Höhlung auszugehen; vgl. das niedeard. Schrume,
eine Art Zrinkgefäß; fchwed. skruf, Trichter, skrubb, Höhlung, lat. scrobis,
Grube), etwas in eine Höhlung ein= u. feſtdrehen u. dadurch zufammen-
drüden, be. mittelft Umdrehung einer Schraube, f. u., (einem die Dau-
men—, eine Art der Folter; etwas ein=, zufchrauben, feftichrauben ꝛc.);
uneig. einen—, f. drängen, drüden, in die Enge treiben, liftig betrügen,
prellen (ihn um fein Geld —), u. bef. f. neden, aufziehen, zum Beften
habenz das Mw. gefhraubt als Bw. f. gezwungen, gefucht (von Wor-
ten u. Redensarten); — die Schraube, M. -n, Verkl. das Schräubchen,
(oberd. der Schraufen, das Schräufelein; niederd. Schruwe; holl. schroeve,
ſchwed. skruf, dän. skrue, engl. screw; franz. ecrou, Schraubenmutter), ein
Merkzeug zum Schrauben, beftehend in einem mit Gewinden verfehenen
walzenförmigen Körper, welcher in ein dazu paffendes Loch (die Shrauben-
mutter) gedreht wird, um dadurch etwas feit anzuziehen oder zufammenzu-
drücken (die Schrauben anziehen, d. i. feft eindrehen; die Schraube ohne
Ende, eine Schraube, welche in ein Stirnrad eingreift; uneig. feine Worte
auf Schrauben ftellen, d..i. fie abfichtlich undeutlich od. zweideutig wäh—
len, fo dafs man ihnen eine verfchiedene Deutung geben kann; eine Sache fteht
auf Schrauben, d. i. ift unbeftimmt und ſchwankend); auch ähnliche walzen-
fürmige Körper ohne Gewinde, welche wie Schrauben umgedreht werden,
3. B. die Wirbel an den Klavieren 2c., um welche die Saiten gewickelt wer
den; Naturk. ein Schnedengefchlecht mit gewundener Schale und ununter-
brochen runder Mündung, auch Schraubhorn, Mondfchnede; — 3fee. dv.
Schraube: der Schraubenbaum, ein indifcher Baum mit ſchraubenförmig
gewundener Frucht (helicteres L.); der Schraubenbohrer, ein ftählerner
Bohrer zum Ausbohren der Schraubenmutter; das Schraubeneifen, eine
eiferne Platte, oder ein Dreheifen zum Schneiden der Schrauben; fehrauben-
fürmig, Bw.; das Schraubenfutter, Orechsl. eine hohle Büchfe, in welche
Eleine zu drehende Sachen gefpannt werden; der Schraubengang oder das
Schraubengewinde, die Gänge od. Gewinde einer Schraube u. Schrauben:
mutter; das Schraubhorn, f. o. Schraube; der Schraubenfloben, ein
Eleinev Schraubftoct der Kupferfchmiede; die Schraubenlinie, eine um cine
«on. (m ze — 22
—
— vn —
En u en
ſchrauen — ſchrecken 793
Walze laufende ſchief gewundene Linie, wie ſie ein Korkzieher darſtellt; die
Schraubmühle, eine Schöpfmühle mit einer Waſſerſchraube ſtatt des Schöpf-
rades; die Schraubenmutter (vgl. Mutter 2.), das mit Schraubengängen
verfehene runde Loch, welches die Schraube aufzunehmen, od. auch eine hinein-
gedrehete glatte Walze zu einer Schraube zu machen dient; der Schrauben-
reif, Faſsb. ein eiferner Reif, mittelft Schrauben um ein Faſs gelegt; der
Schraubenfalat, eine Art Salat mit zufammengedreheten Blättern; der
Schraubenſchlüſſel, Schtüffel zu einer Art Schlöffer mit Schraubengängen
ftatt des Bartes; auch ein Werkzeug zur Umdrehung der Schrauben; die
Schraubenfchnede, einfachige gewundene Schnede, eine Gattung des Schraub-
horns oder der Schraube (f. 0.); der Schraubenftein, eine Art fchrauben-
förmiger Verfteinerungen; der Schraubſtock, eine ftarke Zange, welche mit:
telft einer Schraube feft zugedreht werden kann, um einen zu bearbeitenden
Körper dazwiſchen feftzufchrauben, aud) die Schraubenzange; das Schrau-
benzeug, alles zur Berfertigung der Schrauben zc. dienende Werkzeug; der
Schraubenzieher, ein meißelförmiges Werkzeug zum Ein= od. Aufdrehen der
Schrauben; der Schraubenzug, ein aus mehren Kloben zufammengefestes
Hebezeug; die Schrauben- oder Schraubzwinge, Zifhl. eine mit einer
Schraube verfehene Zwinge (f. d.), Bretter damit feft zu Schrauben ꝛc.
ſchrauen, fchraulen, ziellof. Zw. (vgl. ſchralen) niederd. f. laut u. häſs—
lich ſchreien; widrig fingen, pfeifen ıc.; der Schrauhals, Schraufe, f.
Schreier, fchreiendes Kind.
ſchrecken 1. ziellof. Zw. m. fein, ablaut. du ſchrickſt, er ſchrickt; Imper.
ſchrick; Impf. ſchrak, Conj. ſchräke (nicht: ſchrack, fchräde); Mw. ge-
fhröden, (althochd. scricchan, scrach (?), gew. scrichta, scrieta; mittelh.
schricken, schrecken, schrac, gew. schricte, schrihte, er-schrocken; daneben
screcchön, screcchota; schrecken, schreckete; beides ziellos f. fpringen 2c. ;
oberd. ſchricken, ſchrecken, gefchridt zc.), alt u. noch oberd. f. frringen, auf:
fpringen,, hüpfen (daher Heufhrede, ſ. d.); einen Sprung oder Riſs
befommen, berften (oberd. das Glas, das Eis zc. ſchrickt, ift gefchroden od.
gew. gefchrict); gew. plößlich in heftige Bewegung gerathen, auffahren,
zufammenfahren, durch etwas Unerwartetes, bei. das plögliche Erfcheinen
eines Übels, einer Gefahr zc. im Gemüth heftig erfchüttert werden, gew.
erfchreden, finnv. fich entfegen, (4. B. er ſchrak auf, zufammen ꝛc.; Jäg.
der Rehbock ſchrickt od. ſchreckt, hat geſchreckt, wenn er über etwas Ungewöhn-
liches erſchreckend einen plöglichen Laut ausftößt, — in diefem Sinne vielleicht
von [hreien? f. d.); — ſchrecken 2. ziel. 3w., umend. ſchreckſt, fchredt,
ſchreckte, geſchreckt, (altd. screcchan, aus scracchian entft., schrecken, Prät.
scracta, schracte; das Factitivum von fchreden 1), einen od. etwas—,
alt u. oberd. f. fpringen machen, auf=, fortfpringen machen, plöglich in
heftige Bewegung fegen, insbeſ. Küch. Speifen—, d. i. ſchnell mit einer
Slüffigkeit begießen, bef. kaltes Waffer zu der in heißem Waſſer Eochenden
Speife hinzugießen (Erbfen, Klöße zc. fchreden; in Glashütten: die Glas-
mafje—, d. i. mit eijernen Löffeln in Ealtes Waffer gießen); gew. einen—,
ihn durch Vorhaltung od. Androhung eines Ubels in heftige Gemüthsbe-
wegung verfegen, ſtark und unangenehm erfhüttern, in engerer Bed. um
ihn dadurch von etwas abzuhalten oder zu etwas zu bewegen, verſch. er-
ſchrecken, (Semand mit etwas—, die Kinder mit dem ſchwarzen Manne
194 ſchrecken
ſchrecken ꝛc.); auch f. ſcheuchen (Vögel —, durch Schießen); oberd.: ſich
vor etwas —, f. erſchrecken, entſetzen; — der Schreck, es, M. (ſelten) -e,
(altd. schric, oberd. Schrick), ehem. f. das Aufſpringen, Auffahren (z. 8.
aus dem Schlafe); alt u. oberd. f. Riſs, Sprung (in einem Geſchirr u. dgl.);
auch f. plöglicher Knall, Donnerfchlag ; gew. der Zuftand od: die Empfin-
dung des Erſchreckens, finnv. der Schreden (7. B. id) habe einen großen
Schreck gehabt); Jäg. auch f. Schrecktuch, f. u.; die Schrede, M. -n,
1) ein fpringendes Ding, Thier (nur in Heuſchrecke); 2) landfc. f.
der Wachtelkönig (oberd. der Schrid, angelf. seric; in diefer Bed. wohl
ein Schallwort, verw. mit ſchreien; vgl. das isländ. skrikia, girren); der
Schreden, -$, M. w. E., (alt u. landſch. das Schreien; oberd. auch der
Schriden, Schroden), das Erfchreden, d. i. die heftige Erfchütterung od.
Gemüthsbewegung beim plöglichen Wahrnehmen eines unvermutheten
Ubels (in Schreden gerathen; einem Schreien machen, verurſachen, einjagen,
ihn in Schreden fegen); auch f. eine heftige, aber freudige Uberrafchung
(ein freudiger Schreden); ferner der Gegenftand des Schredeng, das was
Schreden erregt (bef. Mehrh. z. B. die Schredten des Todes, eines Schiff-
bruchs 20.); — 3feg. von Schreden: fchredenerregend, Bw.; die
Schrecken- od. Schredensgeftalt, ſchreckenerregende Geftalt; jo auch: das
Schredensgefpenft; die Schredensherrfchaft od. -regierung (fr. Ter—
rorismus); der Schreckensherrſcher, -könig; die Schredensnachricht,
poftz die Schredensnacht, der Schredenstag , die Schredensftunde,
Schredenszeit, eine mit Schreden erfüllte, ſchreckliche Zeit 2c.; der Schre-
ckensort, fchredenerregender Ort; der Schredensruf, das Schredens-
wort; fchredenvoll, Bw., mit Schreden erfüllt, in hohem Grade ſchreck—
lich; — von [hreden oder Schred: das Schreckbild, ein fchrectendes,
d. i. fchrectenerregendes Bild, od. eine ſolche Vorftellung; der Schredgeift,
das Schredgefpenft zc., ein die Menfchen erfchredender Geift 2c.; der
Schreckherd, ein Vogelherd mit vier Seitenwänden u. einer Dede, in welchen
die Vögel durch Raubvögel geſchreckt werden; die Schreckſchanze, eine Kleine
im Freien liegende Verſchanzung; der Schreckſchuſs, ein blinder Schufe,
welcher nur fchreden ſoll; uneig. eine ungegründete Nachricht 2c., durch welche
man Schrecken erregen will; der Schreckſprung, Jäg. Sprung eines ange:
ſchoſſenen Thieres; der Schredftein, gem. f. Pappelftein (fr. Malachit; als
vermeintliches Heilmittel wider jähen Schreden); auch f. Prallftein, f. d.; das
Schrecktuch, Jäg. Lappen oder Tücher, womit der Sagdraum umftellt wird,
um das Wild zuriiczufchreden; der Schredvogel, f. Sägefehnäbler; das
Schreckwaſſer, ein abgezogenes Waſſer als Heilmittel bei heftigem Schreden;
— Ableit. von ſchrecken: der Schreder, -8, wer Andere fehredtz die
Schreckung (mittelh. schreckunge), dag Schrecken (ziel.); fchreefbar, Bw.,
wer gefchreckt oder in Schreden gefegt werden kann; die Schreckbarkeit;
ſchreckhaft, Bw., geneigt zu erfchreden, leicht in Schrecken gerathend
(ein ſchreckhafter Menfch); landſch. auch f. ſchreckenerregend, ſchrecklich (eine
ſchreckhafte Begebenheit); die Schreckhaftigkeit, das Schreckhaftſein; ſchreck⸗
lich, Bw., ſchreckende Geſtalt habend, Schrecken einflößend, mit Schrecken
begleitet, finnv. erſchrecklich, entſetzlich, fürchterlich ıc. (eine ſchreckliche Ge—
ſchichte, ein ſchrecklicher Menſch 2c.); gem. f. außerordentlich, erftaunlich,
fehr (ſchrecklich groß, viel 2c.); die Schreeflichkeit, das Schredlichfein, die
— — —
25
—
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Schredenberger — fchreiben 7195
ſchreckliche Befhaffenheit; der Schredling, -e3, M. -e, vlt. f. ein ſchreck—
hafter, furchtfamer Menſch; die u. gew. das Schrednifs, -ffes, M. -ffe,
1) der Zuftand des Erfchredeng, der Schreden; 2) gem. der Gegenftand
des Schredens, das Schredliche (z. B. die Schrediniffe des Todes).
Schredenberger, m., -$, eine ehemal. kurſächſ. Silbermünze (von dem
Dorfe u. Bergwerke Schreckenberg, jest Annaberg), auch Engelgrofchen
genannt, |. d.
ſchreckhaft, ſchrecklich, Schrednifs ꝛc. f. unter ſchrecken.
Schrei, m., ſ. unter ſchreien.
fhreiben, ziellof. und ziel. 3w., ablaut. Impf. ſchrieb, Gonj. fhriebe;
Mw. gefchrieben, (althochd. scriban, screip, scribun, giscriban, mittelh.
schriben, schreip, schriben, geschriben; oberd. Prät. chem. fchraib, jegt
ſchrib, fchreibet; niederd. ſchriwen, fchreew, ſchrewen; hol. schryven; ſchwed.
skrifwa; zunächſt von dem lat. scribere entlehnt, aber urfpr. verwandt mit
graben, grieh. yo«yer), überh. Sprachlaute und Worte durch fichtbare
Zeichen (Schriftzeichen od. Buchftaben) dem Auge darftellen (mit dem Stode,
mit dem Finger in ben Sand —), be. mittelft eines trodenen od. gew. flüffi-
gen Färbeftoffes (mit Kreide, Bleiftift, Feder und Zinte—; auf eine Tafel,
auf Papier 2..—; gut, ſchlecht, ſchön, deutlich ze. fchreiben; fchreiben Lernen);
von den Schreibwerkzeugen: zum Schreiben brauchbar fein (z. B. der Blei-
ftift, die Kreide fchreibt nicht, weil fie zu hart iſt; die Feder fchreibt nicht);
ferner mit Hinfiht auf den Inhalt od. Gegenftand: etwas—, d. i. ſchrei—
bend hervorbringen, fehriftlich ausdrüden od. darftellen (z. B. ein Wort,
feinen Namen unter etwas—; eine Rechnung, einen Brief, ein Buch — ıc.;
uneig. fich etwas hinter die Ohren fchreiben, d. i. genau merken; feine Worte
find mir tief ins Herz gefchrieben, d. i. unvergefslich); auch bloß f. abfchrei-
ben (Noten—; fi) vom Schreiben nähren 2c.); ferner ohne Zielw. f. ſich
ſchriftlich Außen od. mittheilen, feine Gedanken fchriftlich (od. auch durch
den Drud) ausdrüden od. darftellen (über eine Sache, gegen Semand ꝛc. —,
in feiner Mutterfprache ſchreiben; diefer Schriftfteller ſchreibt rein, aut, fchön,
ſchlecht, nachläſſig 2c.), inshef. einen Brief fehreiben (an Semand, an einen
Freund ze. fchreiben; er hat mir od. an mich gefchrieben; nad) Hamburg
fohreiben; man fchreibt aus Leipzig 2c.; nach einer Sache od. um eine Sache —,
d. i. brieflich danach fragen oder verlangen, fie verschreiben; dieſe Nachricht
ſchreibt ſich daher zc., d. i. eig. wird von jenem Orte her gefchrieben od.
gemeldet; daher uneig. fich woher fchreiben f. davon ausgehen, daher rühren);
ſich —, f. feinen Namen fchreiben, hinfichtlich der dazu nöthigen Buchftaben
(3: B. wie fchreibt er ſich? er fchreibt ſich mit einem y, dt 2c.); das Schrei:
ben, -8, 1) o. M. die Handlung des Schreibens, auch die Kunft oder
Fähigkeit zu fchreiben (z. B. das Schön, Rechtſchreiben 2c.); 2) M. w. €.
eine fchriftlihe Mittheilung, |. v. w. Brief, jedoch gewählter, als diefes,
und bei. von ausführlichen, wichtigen od. förmlichen Briefen (vgl. Hand-
Kreis, Sendfchreiben 2c.); — 3fes. die Schreibart, die Art und Weife,
feine Gedanken fchriftlich auszudrücken (fe. Stil); der Schreibbedarf (fr.
Schreib - Materialien); das Schreibeblei, Waſſer- od. Reißblei, f. d.; das
Schreib od. b. Schreibebuch, ein Bud, in welches man fchreibt, insbef.
zur Übung im Schönfchreiben; die Schreibfeder, Feder zum Schreiben, gew.
\ Gänfefeder; der Schreibfehler, ein im Schreiben aus Verſehen gemachter
196 fi reiben
Fehler; die Schreibeflechte, ſ. Schriftflechte; die Schreib» od. Schreibege-
bühr, bef. M. =gebühren, gebührende Bezahlung für das Schreiben, bef.
Abfchreiben (fr. Gopialien), auch: das Schreibegeld, der Schreibelohn,
Yandfch. der Schreibegrofchen, wenn die Gebühr in einem Grofchen beftehtz
der Schreibgriffel, Griffel zum Schreiben, Schieferftift u. dgl.; der Schreib:
Faften, das Schreibfäftchen, Käſtchen zu Schreibbedarf; der Schreibefigel,
übertricbene Neigung zu ſchreiben, Schriftftellerkigel; die Schreibekunft,
überh. die Kunft zu fchreiben, d. i. die Lautſprache in Schriftzeichen fichtbar
darzuftellen (z. B. die Erfindung der Schreibefunft); in engerer Bed. f. v. w.
Schönſchreibekunſt (ſ. d.); auch f. einzelne Eünftliche Schriftzüge, Verzierun—
gen, Kürzungen ꝛc. (M. Schreibefünfte); der Schreibefünftler, Schönfchreiz
ber; das Schreibleder, Neuw. f. das fr. Pergament; die Schreib= oder
Schreibeluft, Luft, Neigung zu fchreiben; fehreibluftig, Bw.; der Schreib-
od. Schreibemeifter, Schreiblehrer, Lehrer im Schreiben, bei. Schönfchrei-
ben; das Schreibpapier, geleimtes Papier, auf welches man fchreiben Eann,
z. U. v. Druckpapier; das Schreib- od. Schreibepult, f. Pult; die Schreib-
regel, beim Schreiben zu beobadhtende Regel; fchreibrichtig, Bw. (fr. ortho-
graphiſch); die Schreibrichtigkeit; das Schreibe- od. Schreibrohr, Gar-
tenrohr, fpan. Rohr, ehem. zum Schreiben ftatt der Federn gebraucht; der
Schreib- od. Schreibefchranf, Schrank mit einem Schreibtifche od. -pulte;
die Schreib- od. Schreibefchule, Schule, in welcher Schreib Unterricht er—
theilt wird; der Schreibfchüler, wer fchreiben lernt; fehreibfelig, Bw.,
gern und viel fchreibend; die Schreibfeligkeitz; der Schreibftein, eine Art
Seifenftein, zum Zeichnen u. Schreiben brauchbar; der Schreibftift, Stift
zum Schreiben, z. B. Bleis, Roth, Schieferftift; die Schreibftube, Stube,
in welcher gefchrieben wird, Gefchäftszimmer eines Kaufmanns, Beamten ıc.
(fe. Büreau); die Schreibfucht, Sucht zu fchreiben; fchreibfüchtig, Bw.;
die Schreibtafel, eine Tafel, darauf zu ſchreiben, z. B. eine Schiefer- oder
Rechentafel; bef. Eleine Tafeln von Pergament, Elfenbein 2c., welche man zu
diefem Gebrauche bei fich trägt; der Schreibtifch, ein Tiſch, welcher dazu
eingerichtet ift, daran fißend zu fchreiben; die Schreibübung, Übung im
Schreiben, bef. Schönfchreiben; die Schveib- od. Schreibewuth, übertriebene
Begier zu fchreiben, bei. als Schriftfteller; das Schreibzeug, Geräth zum
Schreiben, be. ein Käftchen od. Geftell mit Zintenfafs, Streuſandbüchſe ꝛc.;
— Ableit. der Schreiber, -$, M. w. E., (altd. scribäri, schribaere),
die Schreiberinn, M. -en, überh. wer fchreibt oder fchreiben kann (ein
guter, ſchlechter zc. Schreiber); wer etwas fehreibt oder gefchrieben, d. i.
Tchriftlich abgefafft, hat, finnv. Verfaffer (der Schreiber eines Briefes, einer
‚Anzeige, eines Aufſatzes; Geſchicht-, Zeitungsfchreiber 2c.); in engerer Bed.
wer berufsmäßig für Andere fchreibt, bei. abfchreibt , den Briefwechfel
führt 2c., auch als Beamter bei öffentlichen Behörden, (4. B. der Schreiber
eines Sachwalters; Geheimfchreiber, fr. Secretär; Amts-, Gerichts, Stadt-
Hüttenfchreiber 2c.); daher: das Schreiberamt, der Schreiberdienft, =poften,
die Schreiberftelle 2c.; der Schreiberlohn; der Schreiberfifch, eine Art
Fiſche: Nafe oder Näsling (1. d.), auch der Schreiber genannt; das
Schreiberholz od: =laub, landſch. f. Feldahorn, Masholder; die Schreiberet,
1) das Schreiben, die Schreibefunft , Befchäftigung des Schreibers,
gew. verächtl.; 2) verächtl. f. das Gefchriebene, die Schrift in Anfehung der
fchreien — Schrein 197
Schhriftzüge, od. des Inhalts und Ausdrudes (eine ſchlechte Schreiberei; M.
Schreibereien); der Schreibler, oberd. auch Schreiberling, verächtl. f.
fhlechter Schreiber od. Schriftftellerz die Schreibung, 1) fetten f. die
Handlung des Schreibens; 2) die Art und Weife zu fehreiben in Anſe—
hung der Schreibrichtigkeit, die Schriftform (z. B. die richtige, od. unrichtige
Schreibung eines Wortes).
ſchreien (ehem. ſchreyen gefchr.), ziellof. u. ziel. Zw., ablaut. Impf.
ſchrie (einſilb.) Gonj. ſchriee (zweifilb.); Mw. gefchrieen od. zgez. gefchrien,
(althochd. scrian, scrigan, Prät. screi, Pl. scrigun, scriuun, scrirun, Part.
giscrian, giserigan, giscriran; mittelh. schrien, schrigen, schriwen, Prät.
schrei od. schre, Pl. schrigen, schriwen, schrirn, Part. geschrigen, geschri-
wen, geschrirn; daneben auch schrite, geschrit; u. das abgel. eig. factitive
screiön, schreien, schreiete, geschreiet; oberd. fehreien, ſchri (alt ſchrai) u.
fchreiet, daneben: fchraien, gefchrait 2c.; niederd. fchrijen, ſchrauen; ſchwed.
skria; engl. screech, screek; celt. erio, franz. crier, écrier; vgl. Erähen,
kreiſchen ꝛc. u. das griech. z0«Lw), überh. mit erhobener Stimme einen
foharfen, durchdringenden Laut hervorbringen (der Hirfch Tchreit in der
Brunftz Feldhühner, Gänfe, Enten, Eulen zc. fchreien); in weiterer An—
wendung auch von einem ähnlichen Schall unbelebter Dinge (die Thür
fchreit, wenn fie nicht gefehmiert ift; ein Stein fchreit beim Durchfägen ze.) ;
in engerer Bed. von Menfchen: die Stimme heftig und mit Anftren=
gung erheben, finnv. rufen, f. d. (aus vollem Halfe fchreien; einem etwas
in die Ohren —, ihm die Ohren voll fchreien; ſprichw. wie man in den Wald
ſchreiet, fo fchallt e8 wieder heraus, d. i. die Antwort richtet fi nach der
Frage), bef. ald Ausdrucd heftiger Schmerzen oder Gemüthsbewegungen
(vor Schmergen—, über Ungerechtigkeit —, d. i. fich laut beklagen; um Hülfe,
nad) Brod, zu Gott 2..—; Feuer Schreien 2c.); laut weinen (ein fchreiendes
Kind); auch übertreibend f. mit unangenehm lauter Stimme fprechen
(fchreie nicht fol; uneig. f. den Sinn oder die innere Empfindung heftig
u. unangenehm berühren (fchreiende Farben, d. i. fehr grelle; eine fchreiende
Ungerechtigkeit, vgl. Himmelfhreiend); — der Schrei, -e8, M. -e,
(altd. screi, schrei, schre, oberd. Schrai), ein einzelner, heftig ausgeftoßes
ner, feharfer Laut (einen Schrei thun; ein Schrei der Angft 2c.); die
Schreie, landſch. gem. f. eine ſtarke, fehreiende Stimme; der Schreier,
-8, die Söhreierinn, M. -en, (mittelh. schrier, Herold), wer fchreit, 3. B.
ein viel fchreiendes Kind, eine fehr laut fprechende Perfon (f. auch Marktichreier);
Schreier, Naturk. die Quafente (f. d.); eine Art amerifan. Regen—
pfeifer; die Eleinfte Adler-Art, auch Eleiner Adler, Steine, Enten-, Schell
adler ꝛc.; — der Schreihäld, auch das Schreimaul, der Schreifad, gem.
f. Schreier, bef. ein viel und heftig fchreiendes Kind; der Schreimann, ehem.
f. Zeuge einer verübten Gemaltthat od. Beleidigung; der Schreiton, ar
der, foharfer Ton.
Schrein, m., -3, M. -e, Verl. das Schreinchen, (altd. serini, daz
schrin; ſchwed. skrin, angelf. scrin, engl. scrine und shrine; von gleichen
Stamme mit dem lat. —— mittl. lat. escrinium, ital. — alt, oberd.
u. dicht. f. Behältniſs, Kaſten, Lade, Schrank zu Kleidern, Büchern,
Schriften ze., bei. ehem. zu Deiligthümern, Deiligengebeinen 2c. (fr. Reliquien=
Kaften; uneig. der Herzensſchrein, d. i. das Herz als ein Behältniſs
198 ſchreiten — Schrift
betrachtet); landſch. auch die hölzerne Einfaffung eines Grabes; der Schrein-
halter, ehem. f. Urkundenbewahrer (fr. Archivar); das Schreinpfand, f.
ein aufbewahrtes bewegliches Pfand; — der Schreiner, -8, M. mw. E.,
oberd. der Handwerker, welcher Schreine macht, f. v. w. Tifchler, ſchwäb.
Kiftter; daher: das Schreinergemwerbe, -gewerf, «handwerk; der Schrei:
nermeifter, =gefelle 2c.; die Schreinerarbeit, -waare; die Schreiner-
werkſtatt 2c.; die Schreinerei, das Schreinerhandwerf; die Schreinerinn,
Schreinersfrau.
ſchreiten, ziellof. Zw. m. fein, ablaut. Impf. fehritt, Gonj. fchritte;
Mw. gefchritten, (altd. seritan, schriten, Prät. schreit, schriten, Part. ge-
schriten, ehem. auch f. Eriechen, gleiten, von Schlangen 2c., daher noch
Schrittſchuh f. Schlittfhuh; fo auch das isländ. skrida; altſächſ. scridan,
angelf. scrithan; niederd. ſchriden, fchrien; Grundbed. fcheint: aus einander
aehen, ſich fperren, ſpreizen; vgl. das lat. gradi u. grätfchen; auch das goth.
skreitan f. zerreißen), die Füße zum Gehen aus einander fegen, einen Fuß
vor den andern fegen, einen Schritt (f. d.) machen (weit, eng, kurz 2c.—,
über einen Graben, über die Schwelle ꝛc. —); mit feften, gemeffenen Schrit-
ten gehen (ftolz daher od. einher—); uneig. zu etwas—, deffen Boll-
ziehung mit Ernft und Bedacht beginnen (Gum Werke, zur Sache, zur
Ehe—); der Schreitfuß, ein ſchreitender Fuß, bef. der Vögel u. Schmetter-
linge; die Schreitung, felten f. das Schreiten.
fchrell, Bw., (engl. shrill; vgl. ſchrillen), niederd. f. fcharf tönend od.
fhmedend (ſchrelle Stimme; fehrelles Bier 2c.); dürr, troden (Hol), au
troden u. rauh im Halfe; die Schrelligfeit, f. Schärfe; Rauhigkeit.
Schrems-, Schrembs-, od. Schrenzpapier, f., oberd. f. Fließ- od.
Löſchpapier.
ſchrenzen, ziel. Zw. (ſ. Schranz f. Riſs, Spalt) oberd. f. ſpalten,
reißen; die Schrenze (Schrenzen), f. Schlinge zum Vogelfang; flacher
Korb.
Schretel, Schretz, Schretzel, ſ. Schratt.
ſchrichten, ſchrichtern, zielloſ. Zw. niederd. verſt. f. ſchreien, durchdrin—
gend und kläglich ſchreien; das Schricht f. lautes Geſchrei, Sammer:
geſchrei.
Schrick 1. m., ſchricken, Zw., oberd., ſ. ſchrecken ıc.
Schrick 2. m., niederd., ein länglicher Klotz mit drei Beinen, Bock;
auch gewiſſe Hölzer an den Flößen auf der Elbe.
Schrift, w., M.-en, (altd. scrifte, schrift; auch serip, giscrib, ge-
schrift; v. ſchreiben), überh. das Gefchriebene, insbef. 1) in Anfehung der
"äußeren Form der Lautzeichen od. Buchftaben: die Art und Weiſe, Ber
ſchaffenheit, Größe ıc. jener Zeichen (große od. Kleine, grobe od. feine, deut-
liche, Teferliche, oder undeutliche Schrift 2c.; fehräge, gebrochene, Mönchs-
Kanzleifhrift 2c.); auch als Sammelw. die Schriftzeichen oder Buchftaben
ſelbſt, ſowohl gefchriebene, als gedruckte (gefchriebene, gedrudte—, od. Drud-
ſchrift; deutiche, Lateinifche, griechifche Schrift; ein mit Yateinifher Schrift
gedructes Buch 20); M. Schriften, gegoffene Druckbuchſtaben, Let
tern (neue Schriften gießen laſſen); auch der befchriebene od. bedruckte Theil
eines Blattes ıc. (4. B. der Buchbinder hat in die Schrift gefchnitten); 2) in
Anfehung des In haltes od. Gedankenausdrucks: jeder geſchriebene Aufſatz
J
— U
— — — — — — — —
ai
{ur
w
Schrift 799
(3. B. eö findet fich nicht unter meinen Schriften, f. v. w. Papieren), insbef.
eine Urkunde, gefchriebene Verhandlung, Gerichts- od. Nechts- Verband:
lung (. B. eine Schrift auflegen, einreichen 20.5; ehem. Schrift od. Shrif-
ten ftellen, f. Rechts-, Bittfchriften u. dgl. verfaffen; Schriften wechleln,
in einer Rechtöfache); ein gefchriebenes oder gedrucktes wiffenichaftliches,
vebnerifches od. dichterifches Geiſteserzeugniſs, finnv. Wert, Bud, jedoch
bef. von fchriftlichen Erzeugniffen geringeren Umfanges (verſch. von Bud),
die Zeinen Anfpruch auf bleibenden Werth und vollendete Kunftform machen
(verfch. von Werk; z. B. eine Flugs, Zeit, Wochen-, Streitfchrift 2.5 auch
verkl. das Schriften), u. in der Mehrh. von einer Sammlung, od. den
fämmtlichen Erzeugniffen eines Schriftftellers (z. B. Luthers, Kant's Schrif—
ten); in engfter Bed. heißt die Bibel: die Schrift, od. genauer: die hei—
lige Schrift ; — 3feg. der Schrift- od, Schriftenbeurtheiler (fr. Recen-
jene); die Schriftbeurtheilung (Recenfion); der Schriftenbewahrer, Bes
wahrer von Urkunden, amtlichen Verhandlungen zc. (Neuw. f. das fr. Regiftra-
tor); der Schriftbörs, eine Art Börs mit fehriftähnlicher Zeichnung auf dem
Kopfe; der Schrifterklärer od. zausleger, Erklärer der (heil.) Schrift (fr.
Ereget); die Schrifterklärung (fr. Eregefe); die Schriftflechte, eine Art
mit ſchriftähnlichen Linien gezeichneter Flechten an Baumftämmen; der Schrift-
forfcher, Forſcher in der (heil.) Schrift; die Schriftforfchung ; der Schrift-
gebrauch, Gebrauch in der Schriftſprache; daher ſchriftgebräuchlich, Bw.,
demfelben gemäß; der Schriftgelehrte, bibl. ein Gotteögelehrter bei den Ju—
den; das Schriftgewülbe, Gewölbe zur Aufbewahrung von Urkunden zc.
(fe. Achiv); der Schriftgießer, wer die metallenen Buchdruckerſchriften od.
Lettern gießt; die Schriftgießerei, deſſen Gefhäft und Werkftätte; das
Schriftgießererz, ein reichhaltiges Eifenerz, mit Spießglas u. Arfenif ge-
mifcht, fo genannt, weil das Meifchmetall der Schriftgieger (Schriftgießer-
metall) vorzüglich aus Eifen u. Spießglas beiteht; der Schriftgufs, - das
Gießen der Buchdruderfchriften; der Schrifthalter, Buchdr. ein gabelähn-
liches Werkzeug zum Halten der zu fegenden Handſchrift (fr. Zenakel); der
Schriftkaſten, ein Kaften zur Aufbewahrung von Schriften, Urkunden 2c.;
Buchdr. ein in Fächer abgetheilter Kaften, in welchem die Schriften od. Lettern
geordnet liegen; die Schriftkürzung, Abkürzung im Schreiben (fr. Abbrevias
tur); ſchriftmäßig, Bw., der Schrift od. Schriftfpracdhe angemeffen ; insbef.
der Heil. Schrift gemäß; die Schriftmäßigkeit; die Schriftmutter, die
Form, in welcher die Schriften od. Lettern gegoffen werden (fr. Matrize; vgl.
Mutter); der Schriftfafs, -faffen, ehem. ein Lehnsmann od. Unterthan, wel-
hem gerichtliche Meldungen, Vorladungen ꝛc. fchriftlich zugefertigt werben
müflen; in engerer Bed. ein Lehnsmann, welcher dem Landeshern und beffen
Kanzlei unmittelbar unterworfen ift, aud) Kanzleifafs, 3. U. v. dem Amts⸗
ſaſſen; fchriftfäflig, Bw., auf Schrift figend, d. h. dem Lehns- und Landes-
heren unmittelbar unterworfen, kanzleiſäſſig, 3. U. v. amtsſäſſig; die Schrift-
ſäſſigkeit, diefes Lehnsverhältnijs; die Schriftfäule, eine mehr hohe, als
breite Maffe gefegter Drudichrift Neum. f. das fr. Columne); der Schrift:
ſchneider, wer Drudichriften in Stahl 0d. Holz fchneidet; der Schrift: od.
Schriftenfchranf, Schrank zu Urkunden zc., 0d. zu Buchdruderfchriften; der
Schriftfeger, wer die abzudrucenden Schriften in gehöriger Ordnung in die
Form zufammenfegt, gew. bloß: der Setzzer; die Schriftfpindel, eine Art
/
800 Schrifteral — Schrippe
Stachelſchnecken, mit ſchriftähnlichen Flecken gezeichnet; die Schriftſprache,
die gebildetere Form der Sprache, deren ſich ein Volk im Schreiben u. beſ. in
Schriftwerken (in der Litteratur) bedient, entg. der Volksſprache, Umgangs—
ſprache u. den Mundarten; die Schriftftelle, eine Stelle aus einer Schrift,
bef. aus der heil. Schrift; der Schriftfteller, ehem. wer Schriften ftellt
(f. o. Schrift 2), d. i. fchriftliche, bei. gerichtliche Auffäse für Andere ver—
faflt (oberd. auch Schriftenfteller, Schriftdichter); jest: wer Schriften oder
Schriftwerke verfafft und durch den Druck bekannt macht (fr. Autor), weibl.
die Schriftftellerinn; fchriftftellerifch, Bw., einem Schriftfteller eigen od.
angemeffen, als Schriftfteller; fchriftftellern, unteb. zielof. Zw., als Schrift-
fteller thätig fein, fi) mit der Abfaffung von Drudichriften od. Büchern be-
Ihäftigen; die Schriftflellerei, das Schriftftellern, die Thätigkeit des Schrift-
ftellers (oft mit dem nachtheiligen Nebenbegriff der Bielfchreiberei od. Buch—
macherei); die Schriftftellerfchaft, das Schriftftellerfein (fr. Autorichaft);
der Schriftſtellerſtolz; die Schriftftellerfucht 2c.; der Schriftftempel, ein
ftählerner Stempel, in welchen ein Schriftzeichen erhaben gefchnitten ift (Pa-
trize), um, in eine weichere Maffe abgedruckt od. abgeformt, diefe zur Schrift:
mutter (f. 0.) zu machen; die Schrifttafche, Neuw. f. das fr. Portefeuille;
der Schriftverfälfcher (fr. Falfarius); die Schriftverfälfhung; der
Schriftwechfel, gegenfeitige Auswechfelung von Schriften, in Gerichtsfachen
u. dal.; das Schriftwerf, ein fchriftliches Geifteswerk, z. U. v. Bildwerk ze. ;
das Schriftzeichen, jedes durch Schrift oder Druck gemachte Laut- oder Be-
griffszeichen, z. B. Buchftaben, Zahlzeichen 2c. (fr. Charaktere); der Schrift-
zug, ein im Schreiben gemachter Zug (ſ. d.), bei. M. Schriftzüge; — Ab»
Leit. ſchriftlich, Nw. u. Bw., mittelft der Schrift, durch Schreiben, in
Schrift dargeftellt (einem etwas fchriftlich melden; fchriftliche Auffäge, Bes
weife, Zeugniffe 2c.); fehrifteln, ziellof. Zw., vlt. verächtl. f. unbedeutende
Eleine Schriften verfaffen; der Schriftler, -8, Verfaſſer folher Schrift:
hen; der Schriftling, oberd. verächtl. f. Schreiber; der Schriftner, -8,
Neuw. f. Schriftfteller.
Schrifteral od. Schrifteral, ſ. es, M. -e, (werderbt aus dem neulat.
scriptorale) , oberd. f. Federmeffer, Schreibmeffer.
fchrillen, zielof. 3w. m. haben, (ein Schallw.), einen durchdringenden,
feinen, zitternden Schall hören laſſen od. herborbringen (eine ſchrillende
Stimme), bef. f. [hwirren, ziepen, von den Grillen u. Heimchen; auch von
dem Klingen od. Saufen in den Ohren (es ſchrillt mir in den Ohren, ober
die Ohren fchrillen mir); ſchrill, Bw. (vgl. ſchrell) bei. niederd., mit feharf
gellendem u. zugleich ſchwirrendem Zone fehallend.
Schrimpf, m., — es, Landfch. f. Schrumpf, 1. d.
ſchrinden, ziellof. Zw. m. fein, ablaut. Impf. fehrand (ungebr.), Mw.
gefchrunden, (altd. scrintan, scrindan, schrinden, Prät. schrant, schrunden,
Hart. geschrunden; oberd. Prät. fchrand, ſchrund u. fchrindetz niederd. ſchrinnen,
ſchrinen, welches auch den ftechenden Schmerz beim Aufipringen der Haut 2c.
bezeichnet; vgl. Schrunde, ſchrunden), alt u. oberd. f. auffpringen, berften,
Spalten oder Niffe befommen (z. B. das Erdreich, die Hände, Lippen zc.
ſchrinden); im Hochd. ift nur noch das Mw. gefchrunden üblich (z. B. ges
fchrundene Lippen 2c.).
Schrippe, w., M.-n, 1. landſch. Eleine Tängliche zugefpigte Brode
Schritt — ſchroff 801
von derb und feſt geknetetem Mehle; — 2. Tuchm. beim Walken entſtandene
Brüche im Tuche.
Schritt, m., -e8, M.-e, Verkl. das Schrittchen, (altd. scrit, schrit,
niederd. Schrede; von fehreiten, jchritt 2e.), das Schreiten, insbef. das ein-
malige Borfegen eines Fußes vor den andern beim Gehen (einen Schritt
machen, thun; keinen Schritt mehr gehen können; Eleine, große, weite, enge
Schritte machen; mit fchnellen Schritten Eommen; Schritt für Schritt,
d. i. langfam u. gemeffen; uneig. den erften Schritt in einer Sache thun, d. i.
den Anfang machen); die Weite eines Schrittes, die Entfernung beider Füße
im Schreiten, ald Maß von 2 od. 24 Fuß (nad) einem Zahlw. in der Mehrh.
unverändert, 3. B. die Stube ift zehn Schritt lang); uneig. überh. f. eine
Eleine Entfernung, ein kurzer Zeitraum (z. B. er hat nur nody einen
Schritt zum Grabe); ferner das wiederholte Schreiten, der fchreitende,
d. i. langfame und gleichmäßige Gang, z. U. v. Lauf, Trab, Galopp 2c.,
0. M. (z. B. einen guten, ftarken Schritt gehen; im Schritte reiten, d. i. das
Pferd im Schritte gehen laſſen; mit Semand Schritt halten, d. i. gleich-
mäßige Schritte mit ihm machen; auch uneig. f. gleichmäßig mit ihm fort-
Ichreiten); — 3fes. der Schrittmeffer oder -zähler, ein Werkzeug zum
Meffen od. Zählen der Schritte, beftehend in einem Räderwerke mit Zeigern,
auch Wegmeffer (fr. Hodometer); der Schrittfchuh (von fchreiten f. gleiten)
f. v. w. Schlittſchuh, f. d.; der Schrittftein, M. Schrittfteine, in ein ſeich—
tes Waſſer gelegte Steine, um mitteljt derfelben über das Waſſer zu fchreiten ;
aud) ein Fußweg von breiten Steinplatten (fr. Trotteiv); fchrittweife, Nw.,
nad) Schritten, im Schritt; — Ableit. fchrittlings, Nw., oberd. f. ſchrei—
tend, im Schritt (z. B. gehen); fehritten, ziellof. Zw. oberd. f. Schritte
machen, fchreitenz ſchritteln, oberd. f. mit Eleinen Schritten gehen, trippeln.
Schritz 1., m., - 08, M. -e, (auch Schrie, Schret) landſch. f. die
Kalle, ſ. d.
— Zw., oberd. 1. f. ſpritzen; 2. f. ſchlitzen; daher der Schritz 2.
f. litz.
ſchroben od. ſchrobben, 8w., landſch. ſ. v. w. ſchrubben, ſ. d.; die
Schrobſäge, Schiffb. eine Stichſäge mit geradem, hölzernem Stiel; die
| Schrobel, M.-n, eine Art feiner Kardätfchen (f. d.) zum Streichen der
feinen fpan. Wolle; fcehrobeln, ziel. Zw., die feine Wolle mit den Schrobeln
augeinanderziehen.
Schröder, m., niederd. f. Schröter, ſ. >.
Ihroff, Bw., Comp. fhroffer, Sup. fchroffft, (v. dem altd. screvon,
schruven, schruffen f. einfchneiden, fpalten, theifen, ſchröpfen; oberd. fchrafen,
ſchrefeln f. rigen, Tragen; ſchwed. skräf; vgl. das lat. scrupus, rauher Stein,
scrapeus, scruposus 2c., rauh, ſchroff; vgl. auch ſcharben, ſcharf, Schorf,
franz. escarpe, welche von demfelben, nur durch Lautverfesung veränderten
Stamme zu fein fcheinen), eig. zerriffen, zerkratzt, zerfpalten, daher: fehr
rauh, zerklüftet, zackig (Ichroffe Felſen, ein ſchroffer Weg); rauh und fteil,
abſchüſſig, jäh (ein Tchroffer Abhang); uneig. f. rauh und zurücftoßend,
unzugänglic; und Ealt im Benehmen gegen Andere (ein fchroffer Mann 2c.);
as Schroffgewächs, f. Aftermoos; der Schroffzahn, vit. f. Schneide-
ahn; — die Schroffe od. gew. Schroffheit, das Schrofffein, eig. u. uncig.,
nv. Rauhigkeit, Abfchüffigkeit 2.5 der Schroffen oder Schrofen, - 8,
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2, Theil. 5l
802 Schroll — fchroten
M. w. E., (mittelh. schrove; ſchweiz. auch Schrof, Schrofer), oberd.
f. rauher, zerklüfteter Fels, Felswand, Felsgipfel; ſchroffig, (auch ſchrof—
ferig), Bw., oberd. f. ſchroff, rauh, zerklüftet.
Schroll, m., -en, M. -en, auch der Schrollen, -8, u. die Schrolle 1..,
M.-n, oberd. f. ein unförmliches Bruchſtück, Klumpen, Scholle (z. 8.
Erd-, Eiöfchrollen 2c.); der Schroll auch f. ein grober, plumper Menſch;
insbef. Hausknecht od. geringer Arbeiter in einer Brauerei; und f. Kaulbörs;
ſchroll⸗ od. fchrollenhaft, fchrollenmäßig, Bw., oberd. f. grob, vierfchrötig.
Schrolle 2. w., ſ. Schrulle.
fhrömen, 3w. (holl. schroomen), niederd. f. fürchten, beforgen.
ſchröpfen, ziel. 3w. (alt u. oberd. ſchrepfen; vgl. ſchrafen, fchrapen,
ſchroff), urfpr. rigen, einfchneiden, ſchneiden; jest nur in folgenden befon=
deren Anwendungen: Landw. das Getreide —, es mit der Sichel abfchneiden,
ehe es Halme treibt, damit es nicht zu geil wachſe; Gärtn. kranke Bäume—,
d. i. die Äußere Rinde derjelben mit einem Meffer aufrigen, um dem Safte
Luft zu machen; Küch. Apfel u. dgl. —, zerfchneiden u. mit einem Meffer rigen
od. aufhacden, ehe man fie Eocht; gew. einen—, ihm Blut abzapfen od.
Blut laffen, indem man mittelft eines zufammengefesten Schnäppers (ber
Schröpffchnäpper, das Schröpfeifen od. die Schröpffliete genannt) mehre
Eleine Einfchnitte in die Haut macht, u. durch diefe mittelft aufgefester klei—
ner runder Gefäße von Glas od. Metall (Schröpfföpfe, -gläfer, -hörner)
das Blut herausziehtz uneig. einen—, f. ausfaugen, empfindlich über:
theuern, prellen; die Schröpfe, Landw. f. das Schröpfen, z. B. des Wei-
zens (f. 0.); der Schröpfer, -8, wer fchröpft, d. i. Schröpfföpfe fegt; die
Schröpfung, das Schröpfen.
fchroten 1. ziel. 3w., ehem. ablaut. Smpf. ſchriet, jest fehrotete; aber
noch Mw. gefchroten, (altd. scrötan, schröten, schriet, geschroten, und da—
neben schroeten, Prät. schröte f. Zeug ſchneiden; oberd. fehroten u. fchröten,
Prät. fehriet und fehrotet, Part. gefchroten und gefchrotet; niederd. ſchraden,
fchraen; holl. schrooden; ſchwed. skräda, engl. shrowd; vgl. auch das angelf.
screadan, engl. shread, shred, und das goth. skreitan, zerreißen), überh.
fhneiden, hauen, zerftüden, jedoch gew. nur in gewiffen gewerblichen Ans
wendungen, insbef. 1) Einfchnitte in etwas machen, einbauen, fchlagen,
bohren, aushöhlen (ehem. einem Wunden—, d. i. fchlagen; Bergw. ducd)
Erde und Geftein graben od. arbeiten; vgl. erfchroten); 2) ab= oder zer—
fchneiden, bef. der Quere nach durchfchneiden, zerfägen, zerhauen (z. B-
einen Baumftamm in drei Theile—; Schmied. ein Stüd Eifen—, entzwei
bauen; Bergw. gefhrotene Eifen, d. i. von dem Stangeneifen abgeſchla—
gene Stüde; den Drath zu Naden—, d. i. mit der Schrotfchere in Stücke
Schneiden; Münzw. die Zaine—, d. i. die runden Stüde zu den Münzen aus
denfelben hauen od. fhneiden; bei Kammmachern: das Horn —, fügen; ehem.
das Getreide—, mit der Sichel abfchneiden); ehem. auch f. Zeug fehneiden,
Kleider fehneiden, Schneiderarbeit machen (daher Schröter f. Schneider,
ſ. u.); 3) zerftücten, Elein baden, zermalmen (obevd. Rüben, Kraut 2. —,
d. i. mit dem Schrotmeffer Hein haden), bef. in den Mühlen: in gröbs
liche Theile zermalmen, grob mahlen (Getreide, Erbſen, Bohnen—; ge*
ſchrotenes Malz 2c.); auch f. nagend zermalmen, zernagen (bie Mäufe ꝛc.
ſchroten das Holz, Papier 20.); — das (oberd. der) Schrot, -es, M. Schrote
L- ng 7 ul et pre —
—
> ia 3
|
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Mroten 803
(oberd. Schröte), Verkl. dad Schrötchen, (mittelh. der schröt, welches
auch das Schneiden, Schnitt, Wunde, Verlegung bedeutet; niederd. Schraad),
überh. das Gefchrotene, insbef. 1) ein abgefchnittenes od. durch Zerfchneis
den, Zerhauen ıc. entftandenes Stück (z. B. oberd. Eifen, Brod, Tuch,
Papier ꝛc.; nieberd. bef. ein der Länge nach abgefchnittenes Stück Leinwand;
Tuchm. die fchmalen Leiften von grober Wolle an den Seiten des Tuches, auch)
Anſchrote); insbef. ein dickes Stud eines zerhauenen od. zerfägten Baum-
ſtammes, Stammftüd, Blod, Klotz; Münzw. die aus den Zainen ge-
fchrotenen runden Metallftüde, welche zu Gelde geprägt werden, und das
gehörige Gewicht derfelben (in der Redensart: Schrot und Korn, f. Korn;
uneig. ein Mann von altem Schrot und Korn, d. i. von alter Züchtigkeit u.
Redlichkeit); 2) ein aus Schroten, d. i. rohen Baumftücden, zufammenge-
fegtes Gebäude od. Behältnifs, bef. Bergw. ein Geviert von Zimmerholz u.
überh. das Zimmerwerk in einem Schadhte (daher oberd. ſchroten od. [chrö-
ten, als bloß umend. Zw. f. Wände u. dgl. von Holzſtämmen bauen); landſch.
auch die aus Stüden von Baumrinde zufammengefügten Eleinen Behältniffe
für Erdbeeren, Heidelbeeren 2c.; (auch wohl überh. f. Behältnifs, vgl. Ge
ſchröte; oberd. ift der Schrot od. das Schrotneg auch eine Art Fifcher-
neg, u ſchroten, ſchröten od. ſchrotten als Zw. eine Art, Fifche zu
fangen); 3) ald Sammel- od. Stoffnamen: der Abfall oder die Abgänge
beim Schneiden, Sägen, Hauen ıc. (bei den Steinhauern: das Schrot;z
außerdem in der Mehrh.: die Schrote, Schrötchen, oberd. der Ab—
ſchrot); o. M. etwas in Kleine Stüde Zerhadtes, Zermalmtes ꝛc. insbef.
das grob gemahlene u. ungebeutelte Getreide, auch Schrotkorn (niederd.
Schradels, Schrodels, Schrodfel;z Roggen, Gerften-, Erbfenfchrot 2c.); in
Eleine Stüde gehadtes Blei od. Eifen, u. in weiterer Bed. auch gegoffene
Bleifligelchen zum Schießen aus Feuergewehren, auc Hagel genannt (mit
Schrot jhießen; Haſen-, Fuchs-, Wolfsichrot ꝛc.); — 3fe$. von fchroten
u. Schrot: die Schrotart od. das Schrotbeil, Art zum Auseinanderfchroten
0d. Zerhauen der Bäumez der Schrotbeutel, Jäg. ein Iederner Beutel zu
Schrotz der Schrotbohrer, ein Bohrer mit einem Haken am Ende zum
Bohren der Pumpenröhren; die Schrotbüchfe, eine Büchſe zu Schrot; ein
gezogenes Feuergewehr, woraus mit Schrot geſchoſſen wird, z. U. v. Kugel:
büchfe; der Schrotbungen, das Schroteifen, der Schrotmeißel, eiferne
Werkzeuge, etwas damit abzufchroten, d. i. abzufchneiden od. abzuftoßen; die
Schrotform od. das Schrotmodel, die Form, in welcher das Bleifchrot zum
Schießen gegoffen wird; der Schrothammer, ein hammerförmiges Schrot-
eifen; der Schrothobel, Tiſchl. ein Hobel mit zundlicher Schneide, das Holz
aus dem Groben zu behobeln, au Schärf-, Schrubbhobel, z. U.-v. Schlicht
hobel; die Schrotfleie, gröbliche Kleie, die von dem Griefe im Siebe zurück
bleibt; das Schrotforn, 1) (von Schrot) ein einzelnes Korn Schrot zum
Schießen; 2) (v. fehroten) gefchrotenes Korn oder Getreide, f. v. w. Schrot;
die Schrotmaus, der Siebenfchläfer; das Schrotmehl, grobes Mehl von
Weizengriesz die Schrotmühle, Mühle, auf welcher befonders Schrot ge
mahlen wird; der Schrotfad, Kleine mit Kartätſchenzeug gefüllte Säde, die
" aus Kanonen gefchoffen werden; die Schrotfäge, eine große, lange Säge mit
zwei Handhaben zum Durchfchroten der Bäume, Baumfäge; die Schrot-
ſchere, eine große, ſtarke Schere, z. B. der Nadler zum Ducchfchneiden des
51*
804 ſchroten — fehrufen
Drathes; das Schrotfehwein, Landw. ein Eleines Schlachtſchwein, welches
Zeine ganzen Spedfeiten, fondern nur Schrotfped (niederd. Schraadfped) giebt,
d. i. der Länge nad) fammt den Rippen durchgehauene Speckſeiten; das
Schrotſtück, ein abgefchrotenes, d. i. abgefägtes oder -gehauenes Stück;
Krſpr. eine Kanone, welche 48 Pfund Eifen fchießt; der Schrotthurm, ein
zur Verfertigung des Schrotes (zum Schießen) gebauter und eingerichteter |
Thurm; die Schrotwage, f. v. w. Setz- od. Bleiwage, f. d. (von eigenem
Stamme?); das Schrotwerf, Bergw. die Auszimmerung eines Schachtes
mit Schroten, d. i. zerfägten Baumftämmen; der Schrotwurm, landſch. f.
die Maulwurfsgrille; der Schrotzahn, vit. f. Schneidezahn; das Schrot—
zeug, die Werkzeuge zum Schroten der Münzen; — Ableit. die Schrote,
M.-n, Handw. ein Werkzeug, etwas damit abzuſchroten, ein Schrot—
eifen, = meißel 2c.; der Schröter 1., -$, 1) wer etwas fehrotet, d. i.
fehneidet, fügt, hauet ıc., z. B. in Münzen: wer die Zaine fchrotet (Münz-
Ihröter), in Mefferfabriken: wer die Knochen ꝛc. zu den Mefferfchalen zer
fchneidet (Schalenfhröter); ehem. f. Schneider, Kleidermacher (altd.
schrötaere, schroeter; oberd. Schroter; niederd. Schröder, Schrader); 2) ein
Merkzeug zum Schroten, z. B. Bergw. ein hammerförmiges Schroteifen,
Schrothammer; 3) ein fhrotendes, d. i. nagendes, malmendes Thier, bei.
Käfer, in engerer Bed. der HirfchEäfer, auch Feuer-, Holz-, Horn-, Baum-,
Weinfchröter 2c. genannt; fchröfig, Bw., aus Schrot beftehend; gefchro-
ten, in 3feg. wie: beinfchrötig, oberd. f. Enochenbrüdig; vierfchrötig,
f. d.; der Schrötling, -es, M. -e, ein abgefchrotenes, d. i. abgefchnittenes
Stud, bef. Metall in den Münzen, Eifenhämmern ꝛc.
ſchroten 2. ziel. Zw. (bloß umend. fehrotete, gefchrotet, nicht gut gefchror
ten; mittelh. schroten; von anderem Stamme, als fchroten 1., od. uripr.
auf Schroten, d. i. Holzblöcden, fortwälzen?), ſchwere Körper fortwälzen
od. fehieben (eine Laft auf den Wagen, von dem Wagen—; Fäfler, Wein ze.
in den Kellerü —); daher: der Schrotbaum, ftarke Hölzer zum Auf- und
Abladen von Laftenz der Schrotbock, ein Geftell zu demfelben Zwecke; die
Schrotleiter, eine aus ftarfen Hölzern beftehende leiterförmige Unterlage, auf
welcher man Laften auf⸗ und abfchrotet od. wälzt; das Schrotfeil od. -tau,
ein ftarfes Seil zum Sur u. Abſchroten von Laften, bei. Fäffern; der Schro-
ter od. gew. Schröter 2., -8, wer Laften, bef. Fäffer in die Keller u. aus
denfelden fchrotet (Wein -, ' Bierfhröter).
ſchrubben, ziellof. u. ziel. Zw. (ſchwed. skrubba, engl. scrub, hol schrob-
ben; vgl. ſchrapen, fchrafen, und das ſchweiz. ſchrufen f. fcharren) niederd. f.
ftar£ reiben, fcheuern, bef. mit einem ftumpfen Befen od. einer fteifen Bürfte
(ven Fußboden eines Zimmers, die Seiten eines Schiffes—, fheuernd reinigen);
Tiſchl. aus dem Groben hobeln; der Schrubbhobel, ſ. v. w. Schärf- ob.
Schrothobel; der Schrubber, -8, mer fihrubbet; ein Werkzeug zum
Schrubben: ftumpfer Scheuerbefen od. fteife Bürfte an einem Stiel (niederd.
auch Schrubbert; oberd. Schropp, Schrupp, Schrupper) ; fehrubbeln, ziellof.
u. ziel. Zw., das verkl. fehrubben; Zuchm. die Wolle zwifchen zwei Kämmen
zerzaufen.
ſchrudern, ziellof. Zw., niederd. f. ſchaudern, zittern vor Froft, Furcht ze.
ſchrufen, fehruffen, ziel. 3w., alt u. oberd. f. fchroten, theilenz ſcharren,
fhaben; der Schruf, fchweiz. eine hölzerne Schüffel mit einer Handhabe;
Schrulle — Schub 805
das Schruffafs, im Handel zu Stettin: gegen 3 Tonnen Fiſche; die Schruf—
tonne, 14 Zonne Fiſche; der Schruffhobel, ein Eleiner Handhobel mit gerad-
liniger Schneide u. Bahn, auch Ruffhobel.
Schrulle od. Schrolle, w., M.-n, (niederd. Schrull; vgl. das holl.
schrollen f. murren, brummen, u. grollen, Groll), landſch., bef. niederd. f.
ein Anfall von übler Laune, auch f. unfinniger oder närriſcher Einfall,
Grille, (feine Schrullen haben, bekommen).
fhrumpen, fchrumpeln, ziellof. Zw. m. fein, (vgl. rimpeln), niederd.
f. fhrumpfen, einfchrumpfen, runzelig werden; die Schrumpel, M. -n,
f. Runzel, Falte; oberd. eine hlatternarbige Perſon; ſchrumpelig, Bw., f.
runzelig.
ſchrumpfen, zielloſ. 3w. m. fein, (niederd. ſchrumpen, dän. skrympe;
vgl. rümpfen u. d. engl. crumple, shrink), durch Zuſammenziehung oder
Vertrodnen an Ausdehnung verlieren und runzelig werden (Pflaumen,
Kirfchen 2c. ſchrumpfen, wenn fie vertrodnen;z die Haut [hrumpft, auch
wohl rückz. — ſchrumpft fich; gew. ein od. zufammenfchrumpfen); landſch.
aud anfangen zu gerinnen (die Milch fchrumpft; das Waffer fchrumpft, d. i.
fängt an zu gefrieren) ; der Schrumpf, -es, 1) o. M. das Einfhrumpfen,
gew. nur in dem zgeſ. Fruchtſchrumpf, d. i. der Abgang des Getreides
am Maße durch Eintrodnen;z 2) M. -e, gem. f. Runzel, Falte; fchrum-
pfig, Bw., Nunzeln habend, runzelig.
Schrurde, w., M. -n, oberd. auch der Schrund, -e8, M. Schründe,
Verkl. dag Schründchen, (althochd. scrunta, scruntussa; mittelh. schrunde;
von scrintan, fehrinden, f. d.), bef. oberd. f. Spalt, Riſs in einem feften
Körper, 3. B. in einem Felfen, im Eife 2c.; auch ein Riſs in der aufges
fprungenen Haut; fehrunden, ziellof. oder rüdz. Zw. (Mw. regelm. ges
ſchrundet; gew. aber gefhrunden, weldes zu ſchrinden gehört),
Riſſe od. Spalten befommen, auffpringen (die Mauer fchrundet, od. ſchrun⸗
det fich; die Erde fchrundet vor Hitze; die Haut ift vor Kälte gefchrundet).
Schrunthahn, m., landfch. f. Truthahn. ;
ſchrupfen, ziel. 3w., bei Metallarbeitern: Walzen, Kugeln ıc. aus dem
Groben abdrehen.
Schub, m., -es, M. Schübe, (altd. schup, G. schubes; niederd. Schuf
u. Schup; von fhieben) 1) das Schieben, ziel. G. 8. der Schub des Brodes
in den Ofen; der Kegelfehub, d. i. das Kegelfchieben, auch f. die Kegelbahn;
den Schub verftehen 2e.); bef. ein einmaliges Schieben, ein fchiebender
Stoß (einen Schub thun, 3. B. im Kegelipiele; einem einen Schub geben,
vgl. Schupp, fchuppen; mit einem Schub, f. plöslich, mit einem Male);
oberd. überh. f. Fortſchaffung, Fortſchickung (z. B. des Getreides); insbef.
die Kortichaffung eines Verbrechers, verdächtigen Landftreichers ze. von einem
Orte zum andern bis über die Grenze; alt und oberd. auch f. Aufichub, ge—
vichtliche Friftverlängerung; das Schieben der Schuld auf einen Andern, auch
der gerichtl. Beweis durch Augenſchein; f. Vorſchub, heimliche Begünftigung ;
Anrufuna eines höheren Gerichtes (daher: das Schubamt od. -geridtf.
das fr. Appellationsgeriht; der Schubfchreiber, Schreiber in einem fol-
chen Gerichte); ferner das Schieben, ziellos, d. i. das ſchnelle Aufwachfen,
Hervorfchießen, def. das Bahnen der Pferde; 2) das Gefchobene, was
gefhoben wird od. werden kann, daher f. Schubfaften ıc. (4. B. eine Lade
806 ſchubben — ſchucken
mit drei Schüben); ſo viel auf einmal geſchoben wird (Bäck. ein Schub
Brod, Semmeln ꝛc., d. i. ſo viel gleichzeitig in den Ofen geſchoben wird;
oberd. auch was mit einem Male in den Mund genommen wird, Löffel-, Gabel-
vol, verkl. das Schüblein; ein Schub Kegel, d. i. fo viel zum Kegel-
ſchieben gehören, ein Spiel Kegel); Schiffb. die Krümmung der eriten Bretter
Reihe der äußeren Verkleidung vom Kiele herauf bis über die Bauchſtücke; —
3feg. das Schubbleh, Bäd. das Blech, welches vor den Ofen gefchoben
wird, um ihn zu verfchließen; das Schubfach, das Fach in einem Schranke ze,
in welches ein Schubkaften paſſt; auch f. Schubkaften; das Schubfenfter,
f. v. w. Schiebfenfter; der Schubfarren, die Schubfarre, f. Karre; der
Schubfaften, die Schublade, f. v. w. Schiebkaſten; das Schubloch, Hüt-
tenw. die Löcher, duch welche das Holz auf den Herd gefchoben wird; der
Schubochs, f. v. w. Schiebohs; der Schubriegel, ein Riegel, welcher vor—
gehoben wird; der Schubfad, oberd. eine Taſche an der Seite eines Klei-
dungsſtückes (miederd. Kiep- od. Küpſack); die Schubwand, Bergw. Theile
eines Ganges, welche das Waffer abgefchoben hat, Gefchiebe; ſchubweiſe,
Nw., durch Schub, od. in Schüben; die Schubzeit, im Deichbau die Ruhe:
zeit nach) einem Gange in der Arbeit; — Ableit. ſchübiſch (od. ſchiebiſch),
Bw., Bergw. f. fanft abhängig, fo dafs etwas darauf leicht fortgeſchoben
wird (eine ſchübiſche Fläche); der Schübling, -es, M. -e, (altd. scubiline,
schübelinc) landſch. was in od. auf einen andern Körper gefchoben wird,
ein Schieber, Schubriegel ıc.; ein aufgefchoffenes Bäumchen (auch Auf-
ſchübling); oberd. eine Art Würfte, Bratwurft (ud Schübelwurſt,
vom Scieben in den Darm).
fehubben, fehubbern, ziel. Zw. (vgl. ſchaben), niederd. f. reiben, feheuern,
ſchaben, Fragen; bei. fih—, f. fich reiben oder feheuern, wenn es judt;
daher der Schubbiad od. x. Schubbejad, -8, (hol. schobbejack; d. i. eig.
wer wegen UnveinlichEeit u. Ungeziefers feine Jacke ſchubbet), niedr. Schimpfw.
f. bettelhafter Menſch, Taugenichts, vgl. Schuft.
Schübel, m., -83, M. w. E. (von fchieben; vgl. Schober), oberd. f. ein
Büfhel, Bündel (Haare, Wolle, Heu 2c.); uneig. f. Haufen, Menge;
fhübeln, ziel. 3w. oberd. 1) einen—, f. an den Haaren reißen, ziehen;
2) f. fortwälzen, tollen ((chübbelm.
Schubfach xc., Schübling — Schubzeit, ſ. unter Schub.
Schubut, m., ſ. Schufut.
ſchuͤchſeln, fchuchteln, zielloſ. Zw., oberd. f. flüchtig u. übereilt verfah—
ven; die Schuchfel, Schuchtel, der Schuchfen, Schuchten, f. übereilte,
leichtfinnige, flatterhafte Perfon. N
ſchüchtern, Bw. (oberd. ſchüchter, auch ſchiech; v. schiuhen, schiehen,
ſcheuen, ſ. d.), geneigt fich zu ſcheuen, leicht in Furcht gerathend, finnv.
fheu, furchtſam, Angftlich, blöde (ein ſchüchternes Kind; fich fehüchtern
umsehen); die Schüchternheit, das Schlichternfein, die Furchtſamkeit 26.5
fhüchtern, ziel. 3w., fhüchtern machen, in Furcht fegen, nur in eine
und verſchüchtern.
fchuden, ziel. Zw., Yandfch. gem. f. v. w. ſchocken 2, (f. d.): ſchwingen,
ftoßen, werfen, (die Achſel —, f. zuden); der Schud, -es, M. -e, ſ. v. mw.
Schock; der Schuder od. Schudel, -8, M. w. E., landſch. Jäg. f. junger
Steinbod; ſchuckeln, ziel u. zielloſ. zw., gem. bef. niederd. f. ſchaukeln;
fhuden — Schuh 807
wadeln, ſchwanken; landſch. auch f. pumpen; ſchwäb. f. müßig umher:
fhweifen; die Schudel, nieverd. f. Schaufel; das Schudelfeft, olt. f.
bewegliches Feſt; das Schudelrad, bibl. ein ſchaukelndes, ſchwankendes Rad;
der Schudler, -8, Schaukler; ſchwäb. f. Landftreicher, Teichtfertiger
Menſch; fehudelig, Bw. f. wadeligz; ſchuckern, Zw., oberd. f. ſchaudern
(es ſchuckert mid).
ſchudeln od. fehaudeln, ziellof. Zw. (vgl. hudeln), oberd. f. übereilt ver-
fahren, flüchtig arbeiten; der Schudel od. Schaudel, -8, f. Ubereilung ;
ein fich übereilender Menfh, au: der Schudeler, u. von einer weibl.
Perfon: die Schufel.
Schufe od. Schuffe, w., M.-n, (altd. schuofe, oberd. Schuefen; von
fchöpfen, altd. scheffen, Prät. schuof neben schepfte; vgl. ſchaffen 1.), landſch.
ein Schöpfgefäß, Schöpfgelte an langem Stiele bei Seifenfiedern, Bier-
brauern ꝛc.; vgl. Schapf.
Schuffel, w., landfch. gem. f. Schaufel; fchuffeln, 3w., f. ſchaufeln;
der Schuffler, -3, Schaufler, gemeiner Löffelreiher.
Schufhamen, m. (v. fhuven, ſchufen f. fchieben) niederd. eine Art Fifcher-
hamen.
Schuft 1. m., -e3, M. -e, (von fihaben, ſchubben; vgl. ſchäbig, Schub—
biack, fchofel, u. d. engl. scab, shab; od. wahrſch. v. dem niederd. fchufen,
fchuven f. ſchieben, Schuf f. Schub ; daher niederd. Schufut (v. ut-fchuven,
ausftoßen), zgez. Schuft, d. i. alfo eig. ein ausgeftoßener Menſch, Schübling),
gem. verächtl. f. ein armfeliger, bettelhafter Menſch, u. bef. ein fchlechter,
ehrlofer, niederträchtiger Menſch, finnv. Lump; fchuftig, Bw., gem. f.
armfelig, bettelhaftz; niederträchtig, ehrlos.
Schuft 2. m., Aes, M.-e, (v. ſchuven f. ſchieben; vgl. das mittel.
schuften, fchnell reiten, galopiren), niederd. f. der obere Theil der Vorder—
beine der Pferde u. Rinder (womit fie ſchieben od. ziehen); — 3. vlt. f.
Schopf, Haupthaar.
Schufut, m., -e38, M. -e, (au Schubut; von Schopf, oder ein
Schalw.?), landſch. bei. niederd. f. Schaufeule, Uhu.
Schuh, m., -es, M.-e, Bert. das Schühhen, Schühlein, (goth.
skohs; altd. scuoh, schuoch, Schuh; oberd. Schueh; niederd. Scho; isländ.
skor, fchwed. u. dän. sko; angelf. sco, scoh, engl. shoe; wahrfch. von der
Wurzel sca, scu, bedecken; vgl. ſcheuen, Schuß zc., das angelf. scua, Schat-
ten, Höhle, das engl. sky, Himmel ꝛc.), 1) eine Fußbekleidung, genauer:
die feft anfchließende und mit ftärkeren Sohlen verfehene, nicht über die Knöchel
reichende, gew. lederne Bekleidung der Füße, verfch. Pantoffel u. Stiefel (ein
Paar Schuhe; lederne, feidene, Zeug-, Filz- Pelz, Holzſchuhe ꝛc.; ſ. auch
Schlittſchuhe; ſprichw. uneig. etwas an den Schuhen abgelaufen, od. zerriffen
haben, d. i. eö längft gewuſſt haben, fchon lange darin geübt fein; Jeder weiß
am beften, wo ihn der Schuh drüdt, d. i. wo es ihm fehlt, woran er leidet;
einem etwas in die Schuhe fchieben od. gießen, d. i. ihm die Schuld davon
beimeffen); uneig. die Riemen, welche den Falken um die Füße gelegt
werden (das Geſchühe); Naturk. eine Art Meereicheln, auch eine Napf-
od. Schuffelmufchel; ferner ald Längenmaß f. v. w. Fuß (in diefem Sinne
nad) einem Zahlw. in der Mehrh. unverändert, z. B. fünf Schuh lang und
vier Schuh breit); 2) in weiterer Bed. eine fefte Bekleidung od. Bedeckung
808 Schuhu — Schuld
der Aufßeren Theile verfchiedener Körper, 3. B. die eifernen Beichläge an den
Enden von Stangen, Pfählen ꝛc., an den Eden von Kaften, Koffern ꝛc.; bie
Hölzer, in welche die Spisen des Ankers gefteckt werden; im Bergm. und
Schiffb. kurze Schwellen, Brett= od. Planken= Unterlagen zu verfchiedenen
Zwecken; am Rumpfe der Windmühlen die fehräge Rinne, durch welche das
Korn auf den Stein fällt; auch die natürliche hornartige Bekleidung od. Schale
an den Füßen der Pferde, Rinder, Schafe, Hirfche ze. und einiger Arten des
Federviehs; vgl. außerdem die zgef. Handfhuh, Hemmſchuh; Kahnenz,
Slinten-, Pumpenſchuh; — Zfes. der Schuhbalfen, ein Körpermaß, 1 Schuh
Yang, 1 3oll hoch u. breit, dergleichen 10 einen Schuhſchacht, 100 einen
Würfelſchuh ausmachen; das Schuhblatt, Oberleder eines Schuhes; die
Schuhblume, ein hinef. Strauchgewächs mit rofenähnlichen Blumen, chine—
ſiſche Roſe (deren frifche Blumen die damit geriebenen Schuhe glänzender
ſchwarz machen); die Schuhbürfte, Bürfte zur Reinigung der Schuhe; der
Schuhdrath, Pehdrath zum Nähen der Schuhe ꝛc.; der Schuhfleck, ſ.
Fleck 3); der Schuhflider, wer zerriffene Schuhe ausbeffert, Altflicker, alt
u. landſch. auh Schuhbüßer; uneig. landſch. f. die Wafferjungfer; der
Schuhknecht, alt u. landſch. f. Schuhmachergefelle; das Schuhleder, Leder
zu Schuhen; der Schuhmacher, ein Handwerker, welcher Schuhe, Stiefel ze.
verfertigt, gem. Schufter; daher die Schuhmacherinn, Berfertigerinn von
Schuhen, od. Schuhmachersfrau; das Schuhmacherhandwerf, -gewerk ıc. ;
der Schuhmachermeifter, -burfche, = gefell 2c.; der Schuhmarft; der
Schuhnagel, eiferne od. hölzerne Nägel, welche in die Abfäge der Schuhe
gefchlagen werden; die Schuhneftel, f. Neftel; die Schuhpinne, (. Pinne)
ſ. v. w. Schuhzwede; der Schuhpußer, wer Anderer Schuhe ıc. für Lohn
reinigt, überh. ein geringer Bedienter od. Knecht; der Schuhriemen, Rie-
men zum Zubinden der Schuhe (ſprichw. nicht werth fein, einem die Schuh-
riemen aufzulöfen, d. i. ihm weit nachftehen oder untergeordnet fein); der
Schuhſchacht, ſ. o. Schuhbalken; die Schuhfchmiere, das Schuhwachs,
die Schuhwichſe, ſ. Schmiere, Wichſe ꝛc.; die Schuhſchnalle, ſ. Schnalle;
die Schuhſohle, ſ. Sohle; das Schuhwerk, Schuhe u. andere Schuhma—
cherarbeit: der Schuhwichfer, wer Schuhe wichſet, Schuhpuger; die
Schuhzwecke, eiſerne Zwecken (f. d.) zur Befeſtigung der Sohle u. des Leders
auf die Leiften; — Ableit. ſchuhen, ziel. Zw. (altd. schuohen), mit Schu—
hen verfehen, nur im Mw. gefchuhet, außerdem gew. befhuhen;
ſchuhig, Bw. (oberd. fchühig), einen oder mehre Schuh (als Längenmaß)
haltend, in Zſetz. wie ein- zweifchuhig . ..
Schuhu, m., —s, landich. f. Uhu, vgl. Schufut.
ſchük, Bw. (vgl. fchieg) niederd. f. ſchräg, abhängig.
Schulamt, =anftalt ı.. — Schulbuch, |. unter Schule.
Schuld, w., M.-en, (goth. skulds, auch als Bw. f. ſchuldig; alth.
sculd, M. sculdi; mittelh. schult u. schulde, M. schulde; isländ. u. ſchwed.
skuld, angelſ. scylde; von dem goth. u. altd, skulan, scolan, schullen, ſchollen
f. ſollen), eig. das Sollen oder mas man foll, daher überh. das Verhältniſs
der durch ein Thun auf fich geladenen Verpflichtung od. der Verantwort—
lichkeit, des Haftens für die Folgen des Gethanen; insbef. 1) das Be—
wirkende, die wirkende Urfache, mit dem Nebenbegriff der Verbindlichkeit od.
Verantwortlichkeit für das Bewirkte, daher bef. fofern diefes ein Über ift
NETTE RENT BEE DEE EEE
Schuld 809
(gew. nur in der Einheit; 3. B. einem etwas Schuld geben, ihm die Schuld
beimeflen , zufchreiben 2c., die Schuld auf ihn fchieben, d. i. ihn für die wir-
kende Urfache erklären; die Schuld Liegt an mir; ich habe feine Schuld daran;
es ift nicht meine Schuld; eö ift durch, oder ohne meine Schuld gefchehen; die
Schuld von etwas tragen, auf ſich nehmen; der Tod ift der Sünde Schuld,
d. i. die Eünde hat ihn bewirkt; auch die Natur eines Bw. annehmend, finnv.
fhuldig: an etwas Schuld (oder ſchuld) fein; er ift an meinem Un-
glücke Schuld; uneig. aud) von Sachen, 3. B. das ungünftige Wetter ift an
feiner Krankheit Schuld; bisw. aud) in gutem Sinne: id bin Schuld,
dafs die Sache zu Stande gekommen iftz — in der Mehrh. nur nad) zu:
fi etwas zu Schulden Eommen laffen, d. i. von einem Übel die Urſache
fein; mir kommt dabei nichts zu Schulden); 2) das Gethane, Begangene
in Anfehung der Verbindlichkeit zum Erſatz, zur Buße od. Strafe, daher bef.
f. Vergehen, Verbrechen (mit Schuld beladen; vergieb uns unfere Schuld
oder Schulden; jede Schuld rächt ſich auf Erden; der Übel größtes ift die
Schuld ꝛc.; ehem. überh. f. das Thun, die Verwirklichung, in der Redensart:
zu Schulden Eommen f. wirklich werden, Statt haben, der Fall fein); 3) die
Berbindlichkeit, Pfliht, Schuldigkeit (z. B. Verſprechen macht Schuld;
ich bin noch in feiner Schuld, d. i. ich habe noch eine Verbindlichkeit gegen ihn;
uneig. die Schuld der Natur bezahlen, f. fterben; chem. von Schulden f.
pflichtgemäß, mit Recht, billiger Weife); insbef. die Verbindlichkeit gegen
einen Gläubiger u. der Gegenftand derfelben: das, was man zu erftatten
verpflichtet ift, die zu bezahlende Geldfumme, (Schulden machen, d. i. durd)
Geldleihen Verbindlichkeiten auf fi laden; in Schulden fein, fteden; feine
Schuld bezahlen, abtragen, entrichten; ſprichw. wer feine Schulden bezahlt,
verbeffert feine Güter; einem eine Schuld erlaffen; es haften Schulden auf
dem Grundftüce 2c.); auch von Seiten des Gläubigers f. ausftehende Gelder,
Forderungen (ausftehende Schulden; eine Schuld einziehen;. Schulden ein»
fordern, eintreiben 26.); — 3fes. von Schuld u. Schulden: ſchuldbefleckt,
beladen, -belaftet zc., Biw., mit Schuld, d. i. Vergehen, beladen 2c.; fchuld-
bewufft, Bw., der Cchuld, d. i. des Vergehens zc. fich bewufft; der Schuld-
‚ brief, ſ. v. w. Schuldfchein, -Verſchreibung; das Schuldbuch, Bud, zur
Aufzeichnung von Schulden, bef. ausftehenden Geldern; der Schuldbürge,
wer für eines Andern Schulden Bürgſchaft Leiftetz die Schuldforderung,
Einforderung einer ausftehenden Schuld; auch f. ausftehende Schuld; ſchuld—
od. gew. fehuldenfrei, Bw., Keine (Geld -) Schulden habend; das Schuld-
od. gew. Schuldengericht, Gericht, welches in Schuldklagen entſcheidet; der
Schuldheiß, (ſ. Schultheiß); die Schuldflage, gerichtl. Klage gegen einen
nicht zahlenden Schuldner; die Schuldenlaft, drüdende Menge von Schul
den; ſchuldlos, Bw., frei von Schuld, d. i. Vergehen, finnv. unfchuldig ;
die Schuldlofigkeit; der Schuldenmacher, wer (bef. Leichtfinnig) Schulden
macht; der Schuldmann, M. männer u. leute, gem. f. Schuldner; die
Schuldenmaſſe, die fimmtlihen Schulden (vgl. Maffe); das Schuldopfer,
bibl. ein Opfer für ein Vergehen (Sündopfer) , insbef. für eine Unterlaffungs-
ſünde; die Schuldpoft (f. Poſt 1), eine Geldfumme, welche man fchuldig
ift, oder zu fordern hat; die Schuldfache, eine (bef. gerichtliche) Sache,
welche eine Schuld betrifft; der Schuldfchein, Schriftliche Befcheinigung einer
Geldſchuld (fr. Obligation); der Schuldthurm, Gefängnifs fir böfe Schuld»
810 Schule
ner; der Schuldvogt, ehem. f. Schuld - Eintreiber (fr. Executor); fehuld-
vol, Bw., viele, große Schuld habend, fehr fchuldig, entg. ſchuldlos; das
Schuldenwefen, Alles, was die Geldfchulden, deren Bezahlung ꝛc. betrifft; —
Ableit. fehulden, ziel. Zw. (altd. sculdön, schulden; angelj. scyldan),
einem etwas—, fhuldig fein, eine Schuld zu entrichten haben (4. 8.
er fchuldet mir 100 Thlr.); fchuldhaft, Bw., vit. f. ſchuldig, verpflichtet;
befchuldigt, angeklagt; fehuldig, Bw. (altd. schuldie, schuldec), eine
Schuld, d. i. ein Vergehen od. Verbrechen, auf fich habend, Schuld an
etwas feiend (ſich fchuldig willen; der Schuldige, entg. dem Unfchuldigen;
auch mit dem Gen. der Sache: eines Vergehens, eines Mordes zc. fchuldig
fein; ehem. auch: an einer Perfon oder Sache fchuldig fein, d. i. fih an ihr
verfündigt haben); zur Erduldung der Folge des Begangenen, der Strafe x.
verpflichtet, mit dem Gen. (er ift des Todes fchuldig, d. h. er hat die Todes—
ftrafe verdient); eine Verbindlichkeit auf fich habend, verbunden, ver—
pflichtet (z. B. die Kinder find ſchuldig, den Altern zu gehorchen), bef. einem
etwas fchuldig fein, d. i. verpflichtet, es ihm zu erweifen, zu erſtat—
ten (die Kinder find ihren Ültern Gehorfam, Dank zc. ſchuldig; insbef. Geld
od. Geldeswerth, z. B. er ift mir zehn Thaler ſchuldig; die Abgaben, Gebühr
ren fchuldig ſein; viel fchuldig fein, d. i. viele Schulden haben; auch: etwas
fhuldig bleiben, d. i. nicht erftatten od. abtragen; uneig. einem bie Ant—
wort fchuldig bleiben, d. i. keine Antwort geben); von Sachen: in einer
Berbindlichkeit od. Pflicht gegriindet, verdient, gebührend (z. B. einem die
-
fhuldige Achtung, den ſchuldigen Gehorfam zc. verfagen;z die fchuldige Summe; .
die ſchuldigen Binfen 2c.); die Schuldigfeit, der Zuftand des Schuldig-
od. Verpflichtetfeins, finnv. Verbindlichkeit; dasjenige, mas man einem
Andern zu leiften verbunden ift, ſinnv. Obliegenheit, Pflicht (feine Schul-
digkeit thunz etwas von Semand als eine Schuldigkeit fordern); gem. auch
f. eine ſchuldige Geldfumme; fchuldigen, ziel. Zw. (mittel. schuldegen),
einen—, vlt. f. ihm etwas Schuld geben, ihn anklagen, befchuldigen;
auch: der Schuld überführen; der Schuldiger, -8, 1) (mittelh. schulde-
gaere) vlt. f. Befchuldiger, Ankläger; 2) bist. wer eine Schuld gegen
Semand auf fich hat, Schuldner, Beleidiger (—wie wir vergeben unfern
Schuldigern); der Schuldner, -8, die Schuldnerinn, M. -en, (von ſchul⸗
den; alfo f. Schulder; vgl. Bildner v. bilden), wer einem Andern etwas
fhuldig, d. i. zu leiften verpflichtet ift (Shre Güte macht mich zu Ihrem
Schuldner), insbef. wer Geld oder Geldeswerth fihuldet, entg. Gläubiger
(feine Schuldner mahnen 20.5 ehem. gebrauchte man Schuldner f. Gläu—
biger).
- Schule, w., M.-n, (altd. scuola, schuole; oberd. Schuel, nieberd.
Scoole, ſchwed. skola, engl. school, franz. Ecole, fämmtlid vom lat. schola,
u. diefes dv. griech. 07047, Muße, und Verwendung derfelben bef. zu wiſſen—
ſchaftl. Befchäftigungen), 1) überh. jede Lehr od. Bildungsanftalt zur Erz
lernung von Wiffenfchaften, Künften od. Fertigkeiten, u. der Drt einer fols
hen Anftalt, das Schufgebaude, (eine hohe od. Hoch-, gelehrte od. Ger
lehrten-Schule; niedere Sch.; Öffentliche, od. Privat-Schule; Lefe-, Schreibs,
Rechenſchule 2c.; Zeichen-, Singe-, Fecht-, Neit-, Zanzfchule, Nähſchule u.
dal. m.; in der Schule wohnen, d. i. im Schulgebäude; vgl. aud Juden:
Thule; ehem. jede einzelne Klaffe einer Gelehrtenfchule, daher: die erſte,
Schule s11
zweite Schule 2e.; alle Schulen durchlaufen 2c.); uneig. jede Veranftaltung
0d. Gelegenheit, etwas zu lernen od. zu etwas gebildet zu werden (z. ©.
eine Schule des Gehorfams, der Geduld 2c.); in weitefter Anwendung aud)
der Det, wo Gewächſe gezogen werden (Pflanz-, Baumfchule); 2) in en—
gerer Bed. eine niedere Schule (z. U. v Univerfität, Akademie zc.) zur Erz
lernung der nöthigften Fertigkeiten und der Anfangsgründe der MWiffen-
fhaften u. Sprachen (eine Stadt, Bürger-, Dorf- oder Land-, SKinaben-
od. Mädchenſchule; Freifchule zc.; in die Schule gehen, die Schule befuchen;
ein Kind in die Schule ſchicken, zur Schule halten 20.5 aus der Schule
ſchwatzen, uneig. f. etwas ausplaudern, verrathen); 3) die Verfammlung
des Lehrers und der Kernenden in folchen niederen Schulen, u. der ertheilte
Unterricht (Schule halten; die Schule anfangen, fchliegen; die Schule ift
aus; heute ift Eeine Schule; die Schule verfäumen, gem. ſchwänzen, auch:
hinter od. um die Schule gehen); 4) die Schüler einer Schule, die Schüler-
[haft (z. B. die ganze, od. die halbe Schule folgte der Leiche 2c.); in weiterer
Anwendung die fammtlichen Schüler, Freunde u, Anhänger eines Lehrers
od. Meifters einer Wiffenfhaft oder Kunft, Hinfichtlich der Eigenthümlich-
keit ihrer Lehre od. Kunftübung (4. B. die Schule des Plato; die Sofratifche,
die Stoifche, die Hegel'ſche Schule 2c.; die Schule Raphael's 2c.), auch die
Folge der fammtlichen Maler eines Landes, einer Provinz zc. hinfichtlich ihrer
Übereinftimmung in Kunftart u. Gefhmad (zZ. B. die römifche, lombardiſche,
venetianifche, deutfche, niederländifche Schule 2c.); 5) das in der Schule
Erlernte, Angebildete, Schulbildung, überh. Eunftmäßige Bildung (. 8.
er hat nichts, als ein wenig Schule; die Sängerinn hat Feine Schule, d. i.
ihre Anlagen find nicht Eunftmäßig ausgebildet; das ſchmeckt od. riecht nach
der Schule, d. i. man merkt, dafs es etwas Angelerntes ift); Reit. Schulen,
die regelmäßigen u. Eünftlichen Gänge eines Pferdes (ein Pferd alle Schu—
ten machen laffen); — 3feg. das Schulamt, Amt bei einer Schule, Lehr:
amt; auch ein Kammeramt, deffen Einkünfte zum Unterhalt einer Schule be-
ftimmt find; die Schulanftalt; der Schulauffeher (fr. Schul -Infpector,
Scholarch); die Schulaufficht; die Schulbank, Bank für die Schüler;
der Schulbube, oberd. f. Schulfnabe, Schüler; das Schulbuch, in Schufen
gebrauchtes Lehrbuch; der Schuldiener, Aufwärter bei einer Schule; der
Schuldienft, ein geringes Schulamt; die Schulfeier, + feierlichkeit, das
Schulfeſt, eine in der Schule öffentlich angeftellte Feierlichkeit, z. B. bei Prü—
fungen 20. ; der Schulfreund, 1) ein Freund, Gönner, Beförderer der Schu:
len u: des Schulweſens; 2) wer von der gemeinschaftlich befuchten Schule her
Jemands Freund ift, weibl. die Schulfreundinn; die Schulfreundfchaft,
Freundſchaft von der Schulzeit her; der Schulfuchs, ſpöttiſch f. neuer Anz
tömmling auf hohen Schulen (vgl. Fuchs); gew. f. ein fteifer Gelehrter ohne
Weltkenntnifs u. gefellige Bildung (fr. Pedant); die Schulfuchferei, die Ei-
genfchaft, das Weſen, auch eine einzelne Lußerung od. Handlung eines Schul-
fuchfes (fr. Pedantismus od. Pedanterei); das Schulgebäude; der Schul-
gefährte, -genoffe, ehem. =gefelle (fr. -Kamerad), Mitfhüler; das Schul-
geld, für den Schulunterricht bezahltes Geld; fchulgerecht, Bw., den Regeln
der Schule gemäß; insbef. nad) den Regeln der Reitkunft gebildet (ein ſchul—
gerechtes Pferd 2c.); der Schulhalter, die Schulhalterinn, wer eine (Pri⸗
vat⸗) Schule Hält, od. einer niederen Schule, bef. auf dem Lande, vorfteht;
812 Schule
das Schulhaus; der Schulherr, oberd. der Vorfteher einer Lateinifchen
Schule; auch f. Schulauffeher (Scholard) ; das Schuljahr, die Schuljahre,
die Jahre, während deren man die Schule befucht; die Schulfenntnifs, bei.
M. »Eenntniffe, auf der Schule zu erlangende Kenntniffe; das Schulfind,
Kind, welches eine niedere Schule befucht, fo auch: der Schulfnabe, das
Schulmädchen; die Schulklaffe, f. Kaffe; die Schulfrankheit, ſcherzh.
eine vorgefhüste Krankheit, um fi) dem Beſuche der Schule, od. uneig. einem
unangenehmen Geſchäfte zu entziehen; fchulfranf, Bw., die Schulkrankheit
habend; der Schullehrer, Lehrer an einer (öffentlichen) Schule; daher das
Schullehreramt, die Schullehrerftelle 2c.; der Schulmann, ein Mann,
welcher fi dem Schulwefen und bef. dem Lehrer-Beruf gewidmet hat; fchul-
mäßig, Bw., der oder einer Schule gemäß, nad) Art einer Schule; der
Schulmeifter, ehem. jeder Lehrer, u. be. der erfte Lehrer einer öffentlichen
Schule; in den Domftiftern die Stiftsherren, welche den Unterricht der Jugend
beforgten (fr. Scholafter, Scholafticus) ; jegt nur noch f. Lehrer einer niederen
Schule, bei. auf dem Lande (Dorfſchulmeiſter), deſſen Ehefrau: die
Schulmeifterinn; fchulmeiftern, untrb. ziellof. u. ziel. 3w., ein Schul-
meifter fein; gew. uneig. fcherzh. f. den Schulmeifter fpielen, im Zone eines
Schulmeifters abfprehen; einen—, ihn auf anmaßende Art belehren, mei-
fiern, tadeln; die Schulordnung, Einrichtung einer Schule; obrigkeitl.
Verordnung in Betreff derjelden; das Schulpferd, ein auf der Reitfchule be
findliches, od. fchulgerecht zugerittenes Pferd; der Schulpları, Entwurf zur
Schuleinrihtung; die Schulprüfung, öffentl. Prüfung der Schüler (fr.
Examen); der Schulrath, eine den Schulen vorgefegte Behörde (fr. Schul
Collegium), u. ein einzelnes Glied einer folchen; die Schulrede, Rede, auf
Schulen bei feierlichen Gelegenheiten gehalten; der Schulfattel, eine Art
Sättel für diejenigen, welche reiten lernen; das Schulfchiff, ein ausgerüftetes
Schiff, auf welchem die Zöglinge einer Seefchule die Handhabung eines Schiffes
lernen; die Schulfchrift, eine das Schulweſen betreffende Schrift; bef. eine
von dem Vorfteher od. einem Lehrer der Schule verfaflte Einladungs= od. Ge-
Vegenheitsfchrift (fr. Programm); der Schulflaub, der in den Schuiftuben
entftehende Staub; uneig. f. die Beſchwerden des Lehrerftandes (4. B. im
Schulſtaube Leben); die Schulftelle, Stelle bei einer Schule, Schulamt; die
Schulftube, Lehrzimmer in einer Schule, au) das Schulgimmer, der
Schulfaal; die Schulftunde, Lehrſtunde in der Schule; die Schulübung;
der Schulunterricht; die Schulverfaffung; der Schulvorfteher, (fr.
Director); die Schulweide, landſch. f. Hartriegel; der Schulweife, ein
Schulweifer, ein durch die Lehre der Schule Weiler, Schulgelehrter; bef.
Anhänger einer beftimmten (Philofophen-) Schule; die Schulweisheit, Weis—
heit, wie fie die Schule lehrt, entg. Lebensweisheit; be. die Lehre einer bes
ftimmten (Philofophen-) Schule; das Schulwefen, Alles, was die Schulen,
deren Einrichtung ꝛc. betrifft; die Schulwiffenfchaft, bei. M. -en, auf
(höheren) Schulen gelehrte Wiſſenſchaften; der Schulwiß, in Schulen oder
durch Unterricht erlangter, angelernter Wig, meift verächtl. entg. dem natür-
lichen od. Mutterwig; die Schulzeit, die Zeit, während welcher man bie
Schule befuht; das Schulzimmer, ſ. Schulftube; die Schulzucht, Zucht
(f. d.) in der Schule (fr. Disciplin); — Ableit. fchulen 1. ziel. 3m.,
einen—, in der Schule lehren; (oberd. u. ſchweiz. bef. ein Kind in die
ſchulen — Schulter 813
Schule ſchicken, oder unterrichten laffen); überh. unterrichten, bef. zu einer
Kunftfertigkeit geſchickt machen, abrichten (ein Pferd— ; außerdem gew. nur
im Mw. gefchult); daher der Schuler, wer Andere fchult, lehrt; ſchwäb.
u. fchweiz. bef. f. Hauslehrer; — der Schüler, —s, (oberd. Schueler), die
Schülerinn, M. -en, wer in einer Schule Unterricht empfängt (z. 8. ein
Schüler der erften, zweiten Klaffe einer Gelehrtenfchule); in engerer Bed.
wer eine niedere Schule oder Schulklaffe befucht, ſinnv. Schulkind,
Schulfnabe ıc. (entg. Gymnaſiaſt, Student 2c.); in weiterer Bed. Je—
der, der in einer MWiffenfchaft od. Kunft eines Andern Unterricht em—
pfangen hat oder durch ihn gebildet worden ift, im Verhältniffe zu diefem
feinem Lehrer oder Meifter (Platon’s Schüler; diefer Maler ift ein Schüler
Raphael's ꝛc.); fchülerhaft, ehem. auch ſchüleriſch, Bw., einem Schüler,
d. i. einem Anfänger, ähnlich od. gemäß, auch ſchülermäßig, unvollkom—
men, mangelhaft, entg. meifterhaft, (eine ſchülerhafte Arbeit); die Schüler-
haftigkeit, fchülerhafte Befchaffenheit.
ſchulen 2. zielof. Zw., 1) (mittelh. schälen, niederd. auch ſchulken, Hol.
schuilen, engl. sculk, ſchwed. skiolka; isländ. skiola, bededen, verbergen;
vgl. Schild), alt u. niederd. f. fich verbergen, verborgen halten, in einem
Schlupfwinkel lauern; daher ſchulen laufen f. weglaufen und ſich ver-
fteen, bef. um fich feiner Pflicht zu entziehen, (Schiff. uneig. der Wind läuft
ſchulen, d. i. fängt an, ftill zu werden); der Schulenläufer, f. ein Kind,
das fich verftect und die Schule verfäumt (niederd. auh Schulter); der
Schulort, f. Schlupfwinkel; 2) niederd. f. fchielen, feitwärts fehen; da—
ber: ſchulſch (ſchuliſch), Bw. f. fcheu (von Pferden); auch f. plump, un—
geſchickt.
Schüler ꝛc. ſ. unter Schule.
fhulfern, Zw., niederd. 1) f. fhelfern, fchilfern; 2) f. fhlottern, un=
bedachtfam verfahren.
Schulfreund, -fuchs ꝛc. — Schulprüfung, f. unter Schule.
Schulpe od. Schülpe, w., M. -n, niederd. (auh Schelpe, holl.
schelpe; vgl. d. engl. scallop, scollop, Kammmuſchel) f. Schelfe, Schale,
bef. Mufchelfchale; das vordere löffelähnliche Ende eines Schulpbohrers,
ſ. u.; Schiff. eine hölzerne kegelförmige Kappe über dem Loche, durch welches
das Ankertau fährt; fchulpen od. fehülpen, 1., ziellof. Zw., niederd. f.
ſich ſchelfern od. fchilfern, fich abblättern; der Schulpbohrer, ein Boh—
rer, deſſen Schneide die Form einer hohlen Halbwalze hat, Löffelbohrer; die
Schulpfäge, eine Säge mit vieredigem Rahmen, in deffen Mitte ſich das
Blatt befindet.
fchulpen od. ſchülpen 2. Zw. (ein Schallw.) niederd. 1) ziellos, von einer
Flüffigkeit in einem Gefäße: in ſchwankender Bewegung fein, ſich fchütteln;
2) ziel. eine Flüſſigkeit ſchütteln, verfchitten, übergiefen; der Schulp,
niederd. fo viel von einer Flüffigkeit bei fchüttelmder Bewegung auf einmal
über den Rand des Gefäßes ſchlägt; fo viel man auf einmal an die
Speife gieft, ein Gufs (z. B. Effig, Wein).
- Schulrath ıc. — Schulftunde, ſ. unter Schule.
Schulter, w., M. -n, (altd. scultara, scultirra, scultra; schulter;
niederd. Schuler; ſchwed. — angelſ. sculder, engl. shoulder; vielleicht
von gleichem Stamme mit Shin, ſ. d., alſo: Bededung?), die erhabenen,
814 Schultheiß — Schund
breiten Theile unterhalb der Achſeln zu beiden Seiten des Rückens, beſ. am
menſchl. Körper (etwas auf die Schulter nehmen, auf den Schultern tragen);
auch der Obertheil der Vorderbeine mancher Thiere, z. B. der Pferde,
Schweine 2c.; Feſtungsb. das Stück eines Bollwerkes zwiſchen der Geſichts—
linie u. der Streiche; — Zſettz. das Schulterband, Anat. verſchiedene Bän-
der der Schulterknochen; das Schulterbein od. der Schulterknochen, die
Beine, welche die Schulter ausmachen; das Schulterblatt, das breite,
dreieckige Schulterbein unmittelbar unter der Achſel; der Schultergrat, die
Erhöhung auf der hinteren Fläche des Schulterblattes; das Schulterkiſſen,
ein Kiſſen, die Schultern daran zu lehnen, z. B. in einem Wagen; das
Schultertuch od. -kleid, ein über die Schulter herabhangender Theil der
Kleidung Eathol. Geiftlicher (fr. Humerale, Scapulier); der Schulterwinkel,
Kriegsb. der Winkel an der Schulter eines Bollwerkes; — Ableit. ſchul—
terig, Bw., Schultern habend, nur in den Zfeg. breit=, hochfchulterig; -
fhultern, ziel. 3w., auf die Schulter nehmen, nur von den Soldaten:
das Gewehr—.
Schultheiß (gew. ald Schuld heiß), m., -en, M. -en, (altd. scultheizo,
schultheize; angelf. scultheta; mittl. lat. sculdasius, scultetus; gem. zgez.
Schulze, niederd. Schulte; — von Schuld u. heißen, d. i. gebieten,
alfo eig. wer zur Leiftung der Schuldigkeit od. Pflicht anhält; daher ehem. f.
Schuldeintreiber, Auffeher, Verwalter, Feldhauptmann 2e.), ein Orts- oder
Gemeindevorfteher, in einigen Städten f. v. w. Bürgermeifter, u. bef. auf
dem Lande: der Vorgefegte einer Dorfgemeinde, der die gute Ordnung auf-
recht zu erhalten, die Befehle des Gerichtsherrn zu vollziehen hat 2c., gew.
Schulze, auch Bauermeifter, Dorfrichter ıc. genannt; ferner wer an einem
Drte die Gerechtigkeit handhabt, der Vorgefegte eines Gerichts, auch
Vogt genannt, (Stadtſchultheiß; Reichsſchultheiß, ſ. d.); das Schultheißen-
amt, gericht, die Schultheißenwohnung ıc.
Schulübung ꝛc. — Schulzucht, f. unter Schue.
Schulze od. Schulz, m., -en, M.-en, (niederd. Schulte, welches
auch den oberften Knecht auf adeligen Gütern bezeichnet; hol. schout), ſ. v. w.
Schultheiß (f. d.), bei. auf Dörfern GGorfſchulze); das Schulzenamt,
«gericht 2.5; das Schulzenlehen, Belchnung mit einem Schulzengerichte;
die Schulzinn, Ehefrau des Schulzen.
ſchummeln, 3w. landſch. gem. 1) ziellos f. zwecklos umherlaufen; nach- i
läſſig, unordentlich u. fhmusig einhergehen; 2) ziel. niederd. f. feheuern,
rütteln; oberd. einen—, f. antreiben, jagen, plagen (vgl. befchummeln);
die Schummel, M.-n, Yandfch. gem. f. eine nachläffige, fehlotterig ein-
hergehende, od. auch zwecklos und wild umbherlaufende weibl. Perſon (nie
derd. Schummelfe); oberd. überh. verächtl. f. Weibsperfon (auch Schumpel,
mittelh. schumpfe) ; fhummelhaft, Biw., niederd. f. nachläffig in der Klei-
dung und Körperhaltung.
Schummer, m., -$, niederd. f. Schimmer (f. d.), Dämmerlicht, bef.
Abenddämmerung; fehummern, ziellof. Zw. f. fhimmern, dämmern;
f[hummerig, Bw., f. dämmerig.
Schund, m., -es, 0. M. (von fehinden), gem., eig. das Gefchundene,
der Abfall beim Schinden, Schälen, Schaben, z. 8. Gerb. das von den
Häuten abgefhabte Fleiſch; in weiterer Bed. f. Auswurf, etwas Berwerf:
ſchunden — Schuppe 815
liches, Schlechtes, vollig Unbrauchbares; landſch. auch f. Unflath, Koth;
daher die Schundgrube f. Kothgrube (fr. Gloake); der Schundfeger, wer
die Schundgruben u. Abtritte reinigt (landfch. auch Schundkönig); fchun-
dig, Bw., landſch. gem. f. [hmusig, erbärmlich; karg, Enauferig; ſchun—
den 1., fehundeln, 3w., oberd. f. wühlen (ausfhundeln).
fehunden 2. od. ſchünden, ziel. Zw. (altd. scundan, scuntan, aus scun-
tian entft., alfo Ableit. von sgintan, scunt, finden, in der allgem. Bed. auf
reißen, verlegen; vgl. reizen und reißen; niederd. auch ſchunnen; angelf.
scynnan, dän. skynde), alt u. landſch. f. reizen, antreiben, verloden zum
Böfen.
Schuner, m., -8, ſ. v. w. Schooner od. Schoner, f. d.
ſchunkeln, 3w., landſch. f. ſchaukeln; die Schunkel, f. Schaufel,
Schwinge.
Schunfen, m., -$, (niederd. Schunke) landſch. f. Schinken; gem.
verächtl. f. Schenkel, Bein.
Schupfe, Schupfen, w., od. Schupfen, m., oberd. f. Schoppen 1.,f. d.
fchupfen, oberd., ſchuppen nieverd., auch fchuppfen, ziel. Zw. (altd.
scuphen, schupfen; verw. mit fchieben, ſ. d., ſchwed. skufwa), gem. f. ftoßend
fehieben, fortftoßen, mit kurzem Schwunge aus dem Gleichgewicht brin=
gen u. bewegen, fchnellen (4. B. einen auf die Geite, ins Wafler 2.—;
oberd. bef. einen mit der Schupfe (f. u.) wiederholentlid ins Wafler ſchnel—
len; fih ſchupfen, f. ſchaukeln; die Achfel—, f. zuden); uneig. oberd.
einen vom Lehen fchupfen, d. i. entfernen (f. u. Schupflehen) ; einen ſchupfen
od. niederd. ſchuppen f. zum Beften haben, neden, betrügen (daher: bes
ſchuppem; gefhupft (od. verfchupft), oberd. vom Brode: durch zu
große Backhitze aufgedunfen u. abgebaden; von Menfchen f. albern, närriſch;
der Schupf, oberd., od. Schupp, Schupps, niederd., -e8, M. -e, (oberd.
auch der Schupfer) f. das Schupfen, der fehiebende od. fchnellende Stoß;
uneig. ein empfindlicher Betrug; die Schupfe, M.-n, alt und oberd.,
Schleudermaſchine, Schnellgalgen, mittelft deffen man Semand zur Strafe
mehrmals ins Waffer fehnellt, u. diefe Strafe ſelbſt; das Schupflehen, oberd.
ein nur auf Lebenszeit verlichenes Lehen, aus deffen Befig die Erben des Lehns—
manns gefhupft (d. i. geftoßen, entfernt) werden, Fallgut; die Schupf:
nudel, ſchwäb., mit den Händen länglich rund gewälzte Nudeln (auch Schutz—
nudeln, f. u. fchugen).
Schuppe, w., M. -n, Verkl. das Schüppchen, (altd. scuobba, schuope,
oberd. Schueppen; v. scaban, schaben, Prät. scuob, schuop, ſ. f&haben,
alfo eig. was abgefchabt wird; niederd. Schubbe, val. ſchubben; holl. schob,
schub), die Eleinen, dünnen Schilde von fefter Maffe, welche den Körper
der Fifhe u. Schlangen bedecken; in weiterer Anwendung denfelben ähn—
liche Körper od. Körpertheile, bei. Sofern fie zur Bedeckung dienen, insbef.
die ſich ſchuppenähnlich abblätternden Theile der Haut, eines Hautausfchlages ze.
(daher uneig. die Schuppen fallen ihm von den Augen, d. i. er fieht jet klar
ein, was er früher nicht richtig erkannte); Anat. ein flach gewölbter Theil des
Scläfenbeines (au: dad Schuppenbein oder der Schuppentheil);
Pflanz. die Eleinen Blättchen, welche das Käschen bedecken; Naturf. eine Art
Bohrmuſcheln (Fiſchſchuppe); — 8 ſetz. die Schuppendede, aus Schuppen
beftehende Dede; die Schuppen Ente, ein entenartiger Vogel in Amerika;
x
816 Schüppe — Schur
der Schuppenfifch, mit Schuppen verfehener Fiſch, z. U. v. den ſchuppen—
loſen; die Schuppenflechte, aus fchuppenähnlichen Blättchen beftehende
Flechten; fehuppenförmig, Bw.; das Schuppengras, ein ausländ. Pflan-
zengefchlecht, deffen Ührchen wie Schuppen über einander liegen (ischaemum L.);
der Schuppengrind, in Schuppenform abfallender Grind; fehuppenlos, _
Bw., Feine Schuppen habend; die Schuppenmufchel, Rieſenmuſchel; die
Schuppennath, Anat. die Nath, welche den oberen Rand der Schuppe (f. 0.)
mit dem unteren Rande (Schuppenrand) des Scheitelbeines verbindet;
der Schuppenpanzer, ein Panzer aus Kleinen fchuppenförmigen Blechen, die
wie Schuppen über-einander liegen; die Schuppenraupe, Raupe mit ſchup—
piger Haut; der Schuppenrüden, eine Art Seeraupen; die Schuppen-
fchlange, Schlangen, welche Feine Schilde, fondern Schuppen am Bauch ha-
ben, Aalfchlange, (Arten find: die gehörnte, die langgeſchwänzte, gefledte zc.
Schuppenſchlange, die Natterfhlange, Blindfchleiche 2c.); der Schuppen-
ſchwamm, eine Art Löherfhwämme an Baumftämmen; das Schuppen-
thier, eine Gattung Säugethiere, deren Oberkörper mit Schuppen bededt if,
in Oftindien, China 2c.; auch ein Eleines mit filberfarbenen Schüppchen be
decktes Infeet: Schuppenthierchen, Silbermotte; die Schuppenwurz, od.
-wurzel, eine Pflanzengattung, deren Wurzel mit Schuppen bedeckt ift (squa-
maria L.); bef. die auf feuchten Plägen wachfende Art (lathraea squamaria L.),
aud) Zahnwurz, Zahnkraut, Fraipamkraut ꝛc.; — Ableit. ſchuppen, ziel.
u. rüdz. 3w. 1) mit Schuppen verfehen, gew. nur im Mw. gefhuppt;
2) (oberd. ſchueppen, ſchüeppen; niederd. ſchubben) der Schuppen berauben,
abſchuppen (Fiſche); fih—, in Schuppenform abfallen, fich abblättern
(die Haut ſchuppt fih); ſchuppicht, Bw., ſchuppenähnlich; fehuppig,
Bw., Schuppen habend, mit Schuppen bededt (Fiſche, Wurzeln, Pflan-
zenftengel 2c.).
Schüppe, w., M.-n, (niederd. auch Schuppe, Schippe; oberd.
Schüppen ; von f&hieben, ſchuppen, f. ſchupfen), landſch. bei. niederd. f. Schau:
fel, Spaten, (uneig. einem die Schüppe geben, f. ihn wegftoßen, fehnell ent-
fernen; die Schüppe befommen, niederd. f. einen Korb bekommen, f. Korb);
Yandich. auc) eine Farbe in der franz. Spielkarte, f. v. w. Spaten (fr. Pik);
ſchüppen, (miederd. auch ſchuppen, ſchippem, ziel. Zw. f. fhaufeln,
mit der Schaufel ftoßen, werfen ıc.
Schuppen, m., -8, M. w. E., f. v. w. Schoppen 1., 1. d.
fhuppen, 3w. 1. f. ſchupfen; 2. f. unter Schuppe; 3. (auch ſchup—
perm ſ. [hubben.
Schuppendecke ꝛc. — -wurz, ſchuppicht, ſchuppig, ſ. Schuppe.
Schupps, m., ſchuppſen, Zw., ſ. unter ſchupfen.
Schur J. w., M.-en (altd. schür; von ſcheren 1.), das Scheren, und
die Zeit, zu welcher es gefchieht (die Schafſchur; in der Schur ze.) ; oberd.
auch) das Abmähen einer Wiefe, und das Abgemähete; der Abtrieb eines
Waldes; überh. f. Ernte; uneig. gem. f. Schererei, Plage, unnütze Mühe
u. Befhwerde, in dieſer Bed. landſch. der Schur, (er thut es mir zur,
od. zum Schurz einem einen Schur anthun ꝛc.); die Schurwolle, f. v. w.
Scherwolle.
Schur 2. w., M.-en, (v. altd. schüren, schiuren, bedecken, ſchützen;
fhüren — Schurke | 817
vgl. Schauer 2), niederd. f. Schauer, Obdach; chem. Fell, Haut (daher:
Wildfhur); — Schur 3. f. unter ſchüren.
ſchüren, ziel. Zw. (alth. scurian, scurigan, scurgan, scurkan; mittelh.
schürgen, schüren, schürn; oberd. u. Tdweiz. auch ſchürgen, vgl. ſchorgen;
urſpr. überh. ſtoßen, fort-, vorſtoßen, ſchieben; vgl. ausſchüren, welches
oberd. überh. ausſtoßen, ausmerzen bedeutet; wahrſch. von einer Wurzel scur,
bewegen, vgl. Schauer 4), an- od. aufregen, gew. nur von brennendem Holz
od. anderem Brennftoffe: loder über einander ftoßen od. fchieben, damit es
ftärker brenne, finnv. ftören (das Holz, die Kohlen, das Feuer—; Bergw.
das Grubenliht—); auch) f. Feuer anlegen, anmachen; uneig. f. heftiger
erregen, anfachen (die Leidenfhaft u. dal.); die Schür (auch Einſchür),
oberd. der Raum vor dem Ofenloch, das Schürloch; die Schur, Bergw.
was von den Ofenbrüchen ausgebrochen (ausgefchürt) worden (vgl. Ge—
ſchür); — 3fes. der Schürbaum, Stange der Köhler zum Schüren des
brennenden Holzes; das Schlireifen, der Schürhaken, die Schürſchaufel,
-ftange, der Schürftab, -ſtock ıc., Werkzeuge zum Schüren, bef. im Hüt-
tenw.; der Schlirherd, der Herd im Ziegelofen, auf welchen das Holz zum
Brennen gelegt wird; das Schürholz, Scheitholz zur Feuerung in Glashüt-
ten; der Schürfnecht, ein Hüttenarbeiter, der das Feuer ſchürt 2c.; das
Schürloch, Ofenloch, durch welches das Feuer geihürt wird; — Ableit.
der Schürer, -$, in Glashütten der Arbeiter, welcher die Gluth vom
Schutte reinigt ıc.; die Schürung, das Schüren, die Erregung, eig.
und uneig.
fhürfen, ziel. u. zieliof. 3m. (oberd. auch ſchurfen, ſchürpfen, ſcherpfen;
althochd. scurfan, mittelh. schürfen, Prät. schurfte; verw. mit ſcharf, Schorf,
fchroff ze.), alt u. oberd. überh. f. aufrigen od. =fchneiden, leicht verwunden
(4. B. die Haut, den Bauch aufichürfen; ehem. f. ausweiden; Feuer—, f. arts
ſchlagen); jetzt Bergw. Köcher od. Gruben in die Erde graben, um Gänge ıc.
zu entdeden (nad) Gängen, auf Erz fchürfen) ; der Schurf, -es, M. Schürfe,
1) Offnung, Loch; Jäg. f. Schnitt; Bergw. Grube, Schacht zur Ent—
deckung neuer Gänge, auh Schürfſchacht; 2) landſch. f. Schorf; die
Schürfarbeit, Bergw. Arbeit des Schürfens; das Schürfgeld, Belohnung
für den Bergmann, der einen neuen Gang erſchürft; der Schürfhobel, landſch.
Tiſchl. f. Schärf-, Schrothobel; der Schürfzettel, ſchriftl. Erlaubnifs des
Bergmeifters, zu ſchürfen; — der — 8, ein Bergmann, welcher
ſchürft; der Schürfling,. -es, M. -e, oberd. f. ein unzeitig geborenes oder
ausgefchnittenes Kalb; auch die Bo von einem folchen Kalbe.
jürgen, ziel. Zw. (altd. scurigan, scurgan, schurgen) oberd. f. v. w.
fhorgen (f. d.): ſtoßen, fchieben; ſchüren; daher: ſchurigeln (f. ſchurgeln,
fhürgeln), ziel. Zw. (niederd. [huregeln), einen—, gem. f. ohne Noth
bemühen, beläftigen, plagen, quälen.
Schurke, m., -n, M.-n, (niederd. Schurk; isländ. skurka, ſchwed.
skurk; wahrſch. v. dem altd. scurkan, scurgan f. fort, wegftoßen, ſ. ſchorgen
u. ſchüren; alſo; ein Ausgeftoßener oder Auszuftoßender; vgl. Schuft) gem.
beleidigendes Schimpfw. f. ehrlofer, nichtswürdiger Menfch; landſch. f.
MWildling, wilder Apfel- od. Birnbaum; der Schurfenffreich, Streich, That
eines Schurken; die Schurkerei, Handlungsweife eines Schurken; au
Heyſſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 92
“
818 Schürl — ſchürzen *
ſ. v. w. Schurkenſtreich (M. Schurkereien); ſchurkiſch, Bw., einem Schur—
ken ähnlich, gemäß.
Schürl, m., landſch. f. Schörl, ſ. d.
ſchurren, zielloſ. Zw. (ein Schallwe; vgl. ſcharren, ſcherren), beſ. niederd.
1) m. haben, einen dumpfen, rauhen Schall hervorbringen, beſ. indem
man etwas auf dem Boden reibend fortzieht (mit den Füßen, mit einer Schau—
fel ꝛc. —); ſich gleitend od. ſchleifend fortbewegen, fortrutſchen (auf dem
Eiſe ſchurren, landſch. f. gleiten, fchleifen); 2) m. fein, ſchurrend hinab—
falten (3. B. die Erde ift vom Rande in den Graben gefchurrt) ; die Schurre,
M.-n, landich. f. Eisbahn, Gleitbahn.
Schürfchaufel ꝛc. — Schürung, T. unter ſchüren.
fhürzen, ziel. 3w. (niederd. fchorten; mittelh. schürzen, Prät. schurzte,
f. abkürzen 20.5; von dem altd. Bw. scurz, schurz, angelf. sceort, engl. short,
d. i. kurz; u. dieſes wahrfch. von ſcheren 1., ſchneiden; vgl. Scherz 2. u.
kurz), ehem. f. abkürzen; von der Arbeit ablaffen (daher noch fränf. f. aus
dem Dienft abziehen, von Dienftboten); etwas auffchieben (niederd. fchorten);
jet in engerer Bed. 1) ein lang herabhangendes Kleid in die Höhe binden,
fo dafs e8 Eürzer wird (ein Kleid—, auch ſich —; aufihürgen); daher
2) überh. mittelft eines Bandes befeſtigen; einen Knoten, eine Schleife —,
d. i. durch Binden machen, Enüpfen, fchlingen (uneig. den Knoten der
Handlung in einem Schaufpiel ꝛc. —, entg. löfen; vgl. Knoten); 3) mit einer
Schürze (1. u.) verfehen; — der Schurz, -es, M. Schurze, 1) ein kur—
zes Kleidungsftück zur Bedeckung des Unterleibes, jest bei. bei Handwer—
kern, gew. Schurzfell; oberd. f. Weiberrod, Bauernkittel; Priefterrod
(Schürzlein; — vgl. das isländ. skirta, ſchwed. skörte, dün. skiorte,
holl. schort, engl. shirt, .f. dünnes Unterkleid, Hemd); uneig. Jäg. das kurze
Haarbüfchel am Hintertheile und in weiterer Bed. der ganze Dintertheil der
Hirſche u. Rebe; über Zeuerherden f. v. w. der Mantel, f. d.; auch der un-
terfte Theil eines Daches; 2) das zur Auffhürzung od. überh. Befeftigung
dienende Band, das Schurzband, der Gurt, (niederd. Schorte aud f.
Schleife, Knoten); daher Bergw. eine Kette, welche um ein Gefäß zc. gelegt, |
od. womit das aus der Grube zu jhaffende Holz zuſammengeſchürzt wird.ze.;
landfch. uneig. mehre mit einander verbundene Dinge einer Art, insbef.
Landw. ein Haufen Schweine desfelben Alters, die einen eigenen Stall haben; - |
fächl. bei gerichtl. Schäßungen der Landgüter zwei von beiden Parteien ge: |
wählte zuſammenwirkende Schäger; — die Schürze, M. -n, Verkl. das
fire ..
Schürzchen, (niederd. Schorte), überh. eine um den Leib mit Bändern be— |
‚ feftigte, dis an oder über die Kniee herabhangende Bedeckung des Vorder: \
leibes, bei Handw. ꝛc. |. v. w. Schurz, jedoch nur, wenn derfelbe von geweb-
tem Zeuge ift, verſch. Schurzfell; bei. ein folches Kleidungsſtück weiblicher
|
Perfonen, bei geringerer Hauskleidung zur Schonung des Kleides 2c., oberd. |
Fürtuch, Fürfleck, niederd. auch Schlippez uneig. und fpöttifch gem. f. eine \
weibliche Perſon; daher das Schürzenamt, gem. f. ein Amt, zu welchen
man durch Heirath od. Weibergunft gelangt ift; der Schürzenzins, chem. das N
Geld, welches ein Feibeigener für die Erlaubnifs zu heirathen feinem Seren | h
geben.muffte, auch Frauengeld, Gürtelpfennig, Hemdeſchilling; — Zfeb. v. i
Schurz und ſchürzen: das Schurzfell, Schurg oder Schürze von Leder, bei | &
versch. Handw., oberd. au der Schurzfleck; das Schurz- od. Schürztuch,
ſchuſcheln — Schufs 819
ſ. v. w. Schürze; das Schurzwerk, landſch. Bauart mit über einander ge—
legten u. in einander gefügten Balken.
fhufcheln, Zw., landſch. f. zifcheln, flüftern; auf dem Eife gleiten.
fchufeln od. ſchuſſeln (mit weichem ſſ), ziellof. Zw. (oberd. auch ſchu—
Beln, von ſchießen, Schufs, d. i. fchnelle Bewegung; vergl. jedoch auch
Thudeln), landſch. f. übereilt handeln, flatterhaft fein; die Schufel,
M. -n, (oberd. Schußel), f. eine flüchtige, flatterhafte, Leichtfinnige
weibl. Perſon; fchufelig, Bw. (oberd. ſchußig, ſchußlich) f. voreilig,
übereilt, flatterhaft.
Schufs, m., -ffes, M. Schüffe, (altd. scuz, schuz, M. scuzzi, schüzze,
Wurf u. Wurfgefchofs ; niederd. Schott u. Schäte; isländ. skot, ſchwed. skott,
engl. shot; von fchießen, f. d. u. vgl. Schofs), 1) das Schießen (Ziellos),
d. i. der Zuſtand der fehnellen, heftigen Fortbewegung, finnv. Drang,
Sturz (z. B. des Waffers, eines Stromes ꝛc.; der Vogel ift im Schuffe, d. i-
er bewegt fich ſehr ſchnell in einer Richtung fort; uneig. mit einer Sache in
den Schufs kommen, d. i. darin einen hohen Grad der Fertigkeit erlangen;
vgl. Zug), insbef. das fchnelle Auffchießen, d. i. Emporwachfen @. 8. der
Salat ꝛc., ein junger Menfch ift im Schuffe); 2) was fchießt, auf- od. an
fhießt, od. =gefchoffen ift, insbef. oberd. f. Schofs, Schöfsling, junges
Reis; Bergw. was an einen andern Körper angefchoffen iftz auch was einem
andern Körper äußerlich ähnlih iſt (ſ. Eifenfhufs); am Pferdehufe der
vordere, abichüffige Theil; 3) die Handlung des Schießens: der Schub
(3. B. des Brodes in den Ofen; ein Schufs Brod, fo viel auf einmal in
den DOfen»gefchoben wird), Wurf (7. B. des Geldes beim Zählen); be. der
Wurf eines Gefchoffes (4. B. einer Lanze, eines Wurfipießes); gem. in en=
gerer Bed. das (einmalige) Kosbrennen eines Schdeßgewehrs, od. überh.
einer Pulverladung (Bergmw.), der damit verbundene Knall u. die dadurch
hervorgebrachte Wirkung (ein Flinten-, Kanonenſchuſs 2e.; ein fcharfer, od.
blinder Schufs, f. ſcharf; einen Schufs thun; es fällt ein Schufs, ſ. fallen;
man hört Schüffe; das Thier fiel auf den erften Schufs; fprichw. weit davon,
od. vom Ziel, ift gut vorm Schufs; einem in den Schufs Eommen od. laufen,
d. i. in die Richtung des Schuffes); ferner das Gerroffenfein von einem
Schuffe, die dadurch gemachte Verlegung, Wunde (einen Schufs befom-
men; ‚einen Schufs haben, auch uneig. fcherzh. f. verliebt, oder ein wenig
närrifch fein; Säg. die Stelle, wo ein Thier durch einen Schufs verwundet
if); 4) was abgefchoffen wird: ehem. f. Gefchofs, Wurfſpieß ꝛc.; jest die
Ladung eines Feuergewehres (den ganzen Schufs bekommen; den Schufs aus
der Kanone ze. herausziehen: ein Schufs Pulver, d. i. fo viel Pulver man
zu einem Schuffe ladet; ſprichw. er ift Eeinen Schufs Pulver werth, 1. Puls
ver); — Z3ſetz. der Schuſs-Bartel (EN. f. Bartholomäus), oberd. gem.
f. ein unbefonnener, od. närrifcher Menſch; die Schufsbrüde, im Mühlen:
bau: eine eichene Bohle, über welche das Waſſer auf die Schaufeln fällt, auch
der Schufsladen, das Gießbrett; die Schufsbühne, Bergw. ein Gerüft
von Hölzern (Schufsbäumen), welche über den Schacht gelegt werden,
damit nichts hineinſchieße; ſchuſsfertig, Bw., zum Schießen bereit; fchufs-
feft, Bw., durch ein Geſchoſs nicht verwundbarz das Schufögatter, f. v. w.
Schofsgatter, Fallgatter, Schleuſe; das Schufsgebet, oberd. f. Stoßgebet;
das Schuſsgeld, |. v. w. Schießgeld; fehufsgerecht, Bw. von einem Pferde,
| 52*
820 Schüſſel — Schufter
welches ſich vor dem Schießen nicht ſcheut; der Schuſskeil, ſ. v. w. Richtkeil,
ſad.; ſchuſsmäßig od. ſchuſsrecht, Bw., Jäg. ſchießbar, d. i. in gehöriger
Entfernung, um durch einen Schuſs erreicht zu werden; das Schufspferd,
ſ. v. w. Schiefpferd; die Schufsrolle od. -hülle, Neuw. f. Patrone, ſ. d.;
der Schufsftein, f. v. w. Schofeftein; das Schufswafler, Wundwaſſer
zur Heilung’ von Schufswunden, Shufswundmwaffer (fr. Arquebüfabe-
Waffer); die Schufsweide, Korb-, rothe Bandweide; die Schufsweite,
die Entfernung, bis wohin sin Schießgewehr trägt; die Schufswunde, durch
einen Schufs gemachte Wunde; — Ableit. die Schuffel, oberd., ſ. Schufel;
die Schüſſel 1. (altd. scuzil), oberd. das Werkzeug, mit welchem der
Bäder das Brod in den Ofen fehießt; der Schuffer, -$, Verkl. das
Schüfferchen, landſch. f. Schnellkugel (j. d.), Knippkugel, Murmel ꝛc.;
der Schufferbaum, ein oft- u. weftind. Strauchgewächs mit Schoten, in de—
nen fi) harte, glatte Kerne in der Größe der Schuffer befinden; fchuffern,
ziellof. Zw., mit Schnellfügelchen fpielen; ſchuſſig, ſchuſslich, Biw., oberd.
f. voreilig, übereilt; der Schufsling oder Schüſsling, alt u. oberd. f.
Schöſsling, |. d.5 uneig. ein aufgefchoffener junger Menfch; auch ein im
Wachen begriffenes junges Schwein. »
Schüffel 2., w., M. -n, Verkl. das Schüffelhen, (altd. scuzila,
schüzzel; niederd. Schottel, Schöttel; isländ. skutull; angelf. scutel, vgl.
d. engl. scuttle; ital. scodella, franz. ecuelle; fämmtlich von d. lat. scutella,
scutula, eig. Verkl. von scutum, Schild; alfo fchildförmiges Gefäß; vergl.
Tiſch v. discus), ein gew. rundes oder länglichrundes, mehr flaches, als
tiefes Gefäß, bef. zum Auftragen der Speifen, daher größer, als ein Teller,
flacher, als ein Napf, eine Schale ꝛc. (eine flache, eine tiefe Schüffel,
Braten, Suppenfhüffel.2c.); auch das in einer Schüffel aufgetragene Gericht
(z. B. eine Schüffel Fifche, Gemüfe zc.; ein Mahl von ſechs Schäffeln, d. i.
Gerihten); in weiterer Bed. verfchiedene fhuffelformige Körper, z. B. Na—
turk. eine Gattung Schneden, auch Schüffel-, Napfmuſcheln; Pflanz. ein
tellerförmiges, mit einem Rande verfehenes Fruchtlager: das Schüſſelchen;
Zäg. die Ohren der Hirſche; — Zfes. das Schüffelbrett, Geftell zum Auf
ftellen der Schüffeln; ſchüſſelförmig, Bw.; der Schüffelhecht, Küch. ein
Hecht von mittlerer Größe, der gerade ein Gericht abgiebt; der Schüſſel—
fnecht, f. Knecht; der Schüſſelkoch, landſch. eine Art in der Schüffel ges
badener Milchſpeiſe (vgl. Koh); die Schuffelmufchel, Napfmufchel, ſ. d.5
die Schuffelpaftete, eine in einer Schüffel gebackene poftetenartige Speiſe;
der Schüffelpfennig, ehemal. Hohlmünze, f. d.; der Schüffelrand, Rand
‚einer Schüffel; der Schuffelring, ein geflochtener od. metallener Kranz, auf
welchen man die Schüffeln auffest, um das Tiſchtuch nicht zu beſchmutzen;
der Schüffelftein, ein ſchüſſelförmiger Stein; das Schüffeltuch, ein Lappen
zum Wafchen der Schüffeln; das Schüſſelwaſſer, Waffer, worin die Schüffeln
abgewaschen werden; — Abbeit. fehuffeln, ziel. u. ziellof. 3w., 1) auf die
Schüſſel legen u. auftragen, gew. auffchüffeln; niederd. ([hotteln) au)
f. bewirthen, zu Gafte bitten; 2) die Schüffel leeren, ſtark effen; der
Schüſſeler, -$, alt und landſch. 1) f. Schuffelmacher, bef. wer hölzerne
Schüſſeln macht; 2) ftarfer Effer, Treffer.
Schuſſer xc., fchufsfertig ꝛc. — Schufswunde, f. Schufe.
Schufter, m., -$, M. w. E. (sgez. aus Schuh-Suter, f. d.; altd.
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u, et Fa, Ten ee ee
Schute — fchütten 821
schuoch-sütaere, schuohstaere, oberd. Schuechfter, Schuchfter, Schuefter, nie:
derd. Schofter), gem. f. Schuhmacher, (ſrichw. Schufter, bleib bei deinem
Leiſten! f. Leiften; bei manchen Spielen fagt man von dem, welcher das Spiel
doppelt verliert: er wird Schuſter; bair. den Schufter haben f. die monatl.
Reinigung, weil die Landmädchen in diefem Zuftande ſich hüten, barfuß zu ges
* ben; daher audh: in die Schuh’ Eommen); uneig. landſch. f. Iangbeinige
Spinne, Weberknecht; Schabe; Bodkäfer, Holzbock; — 3fes. der
Schufterburfche, junge, =gefelle zc.; das Schuftergemwerbe, = gewerf,
handwerk; die Schufterherberge, -werkftatt, -zunft u. dgl. m.; die
Schufterahle, -pfrieme, ſ. Ahle; die Schufterarbeit, swaare; das Schu—
ftergarn, grobes Garn zu Pechdrath; das Schufterholz, landſch. f. Holz
des Hartriegels, deffen fich die Schufter bedienen; der Schufterfarpfen od.
fifch, landſch. fcherzh. f. die Schleie; der Schufterfneif, ſ. Kneif; das
Schufterfraut, landſch. f. gemeiner Doft, Wohlgemuth; das Schuſterpech,
weiches Pech, womit die Schuhmacher ihren Drath beftreichen; die Schufter-
fhwärze, Farbe zum Schwärzen des Leders; die Schuflerzwede, f. v. w.
Schuhzwecke; — Ableit. die Schufterinn, Schufterfrau; ſchuſtern, ziel—
loſ. 3w., gem. f. Schuhmacherarbeit machen, ausbeffern ꝛc.; auch f. fehlecht,
ungefchieft arbeiten, daher: ein=, verfchuftern, f. d.; im Tridtrad: dem
Gegner fo überlegen fein, dafs man Hoffnung hat, ihn zum Schufter zu ma-
chen (ſ. 0.); die Schufteret, gem. f. das Schuhmacherhandwerk; fchufter-
haft, Bw., verächtl., einem Schufter Ahnlich od. gemäß.
Schute, w., M. -n, niederd. 1. f. Grabſcheit, Spaten, bef. ein folcher,
deſſen Eifen ohne hölzerne Einfaffung u. ein wenig gebogen iſt; — 2. f. eine
liederliche, unzüchtige Meibsperfon (wahrfch. von dem niederd. Shut f.
Haut, Fell).
Schüte, w., M. -n, (isländ. skuta, dän. skude, engl. scout, holf. schuit,
schuite; vgl. das niederd. Schut, griech. ozüros, Fell), niederd. Schiff. eine
Urt Fahrzeuge von verfchiedener Befchaffenheit, gew. ein Kahn od. Nahen
ohne Maft und Segel zum Überfegen über Flüffe 2c.; in Hamburg: eine Art
großer, 120 Fuß langer Kähne; auf der Oftfee eine Art kurzer u. breiter dreis
maftiger Schiffe; der Schütenfahrer, wer mit einer Schüte fährt.
Schutt, m., Schütt, w., f. unter ſchütten.
ſchütt od. fchütter, Bw., oberd. f. v. w. fhitter, f. d.
Schütte, w., 1.f. unter fhütten; — 2. f. ſchutten; — 3. landſch. f.
Taucherhuhn, Zauchermewe.
ſchütteln, 3w., ze. f. unter ſchütten.
ſchutten, ziel. Zw. (niederd. auch ſchudden, fchotten, vgl. Schott 3. und
Schoſs; oberd. ſchutzen— ſchützen f. hemmen, ſtauen; auch Shütten f.
umdämmen, ſchützen; angelſ. scyttan, engl. shut, verſchließen), niederd. f.
verriegeln, durch eine Fallthür abſperren; Waſſſer —, durch eine Schleuſe
od. einen Damm zurückhalten; Vieh —, einſperren u. pfänden; die Schütte,
niederd. f. Zallthürz der Schutteldamm, f. Damm zur Abhaltung des
Waſſers; dans Schutt= od. Schuttelgeld (auch Schuddegeld) , f. Geld zur
Auslöfung des gepfändeten Viehs; das Schuttrecht, f. Recht zur Pfändung
fremden Biches; der Schuttftall, f. Pfandftaltz die Schuttung, f. Ab—
dämmung des Waffers.
ſchütten, ziel. Zw. (althochd. scutian, scuttan; mittelh. schüten, Prät.
822 ſchütten
schutte; altſächſ. scuddjan, niederd. u. holl. ſchudden; ſchwed. skudda; angelſ.
scedan, engl. shed, ausgießen; — urſpr. Bed. bewegen, erſchüttern; verw.
mit dem lat. con-cutere, ital. scuotere), alt u. landfch. f. heftig bin u. her
bewegen, f. v. w. fehütteln, ſchüttern, (z. B. oberd. den Kopf, einen Baum,
Apfel 2c. ſchütten; daher chem. entfhütten, d. i. gleich]. abſchütteln, fich
od. Semand eines Dinges—, f. entledigen, davon befreien); jegt: einen tro—
denen, od. flüffigen Stoff in Maffe in eine fehnelle, meift fallende, Bewe—
gung feßen, finnv. gießen, welches jedoch nur von Flüffigkeiten gebraucht
wird u. eine geringere Maffe des Stoffes u. Heftigkeit der Bewegung bezeich-
net (Getreide in Säde od. aus den Säcken —, Sand in den Kelle —, Malz
auf den Boden—, Obft aus dem Korbe—, Waffer auf die Erde—; oberd.
unp. ziellos: es ſchüttet, f. es gießt, d. f. regnet ſtark; vgl. aus=, ein-,
verfchütten 2c.); alt u. oberd. insbeſ. f. Erdreich an= oder aufſchwemmen
(von Flüffen), und überh. Erdreich anhäufen, aufdämmen, ein= oder um:
dämmen (in welcher Bed. fih [Hütten u. ſchützen, niederd. ſchutten ac.
begegnen); rückz. fih—, von der Milh, f. gerinnen (vgl. Schotten); alt
u. landſch. einem—, f. ihm (Getreide) hinfchütten, als Lohn entrichten
(dem Hutmanne, dem Hirten—); uneig. in reihem Maße ertheilen (bibt.
Schütte deinen Grimm auf die Heiden); auch f. in Menge ergeben, ergiebig
fein @- B. Landw. das Schod Roggen fchüttete vier Viertel; u. ziellos: das
Getreide ſchüttet reichlich; Bergw. die Zeche fehüttet); Jäg. f. gebären, wer—
fen, bef. von Hündinnen u. Wölfinnen; der Schutt, -e3, 0. M., (oberd.
die Schütt, Beſchütt), überh. etwas Hin- od. Aufgefchüttetes; daher
ehem. f. ein Erdwall (M. Schütte, bibl.); Landw. aufgefihüttetes Getreide,
bei. als Lohn des Hirten 20.5 Brau. das zu einem Gebräude nöthige Malz;
gew. unbrauchbare weggefchüttete Erde, bef. UÜberbleibfel vom Bauftoffe:
zerbröcelte Steine, Kalk zc. (den Schutt wegräumen ; im Schutt vergraben ze.) ;
3feg. der Schutthaufen; der Schuttkarren od. -wagen, Karren ꝛc. zum
Wegſchaffen des Schuttes; der Schuttfärrner ꝛc.; — die Schütt, M. -en,
oberd., in einem Fluffe aufgehäuftes od. am Ufer angeſchwemmtes Erd—
veich, bef. eine Slufsinfel, ein Werd od. Werder, daher EN. verfchiedener
Slufsinfeln der Donau, Pegnig zc. (auch Anſchütt, niederd. Anſchudde);
ferner ein Fünftlicher Erdwall (vgl. Schutt); die Schütfe, M. -n, landſch.
ein Haufen zufammengefchütteter Dinge, auch überh. f. Haufen (z. 8.
eine Sand-, Steinfhütte ꝛc.); Landw. ein Bündel ausgedrofchenen, nicht
zerrütteten Strohes (oberd. die Schütt, vgl. Schött; aud Schaub; daher
das Schütten- od. Schüttftroh, in Schütten gebundenes Stroh, Lang-
froh); auch f. Schüttbodenz; — Zſetzz von fhütten: der Schüttboden,
ein Boden, auf welchem man Getreide zur Verwahrung auffhüttet, Spei—
her; die Schüttgabel, Landw. hölzerne Gabel. zum Auffchütteln des auöge-
droſchenen Steohes; das Schüttgut, Schiff. Güter od. Waaren, welche in
das Schiff gefchüttet werden, aldr Korn, Salz ꝛc., entg. Stückgut; das
Schütthaus, landſch. f. Getreide-Vorrathshaus, Speicher; der Schüttkaften,
öfte. f. Kornboden, Speicher; der Schüttmohn, Mohn mit ſchwärzlichem
Samen u. Löchern in der Samenkapfel, durch welche fich der Samen ſchütten
läſſt; der Schuttplaß, Zäg. Pläge im Walde, auf welchen den wilden
Schweinen im Winter Futter vorgefchüttet wird; der Schüttregen, landſch.
f. Platzregen; der Schüttſenf Cwahrfch. eig. niederd. Schitfenf, d i.
in
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Schüttgelb — Schuß 823
Scheißſenf; vgl. fcheißen) landſch. f. wilder od. Wegefenfz der Schüttftein,
landſch. f. Guſs- od. Goffenftein; — Ableit. der Schütter, -$, 1) wer
fohüttet; 2) (auch Schutter) oberd. f. einmaliges Schütteln, fehlittern-
der Stoß; ſtarker Negengufs; die Schüttung, gew. das Schlitten; ine:
bef. oberd. f. Anhäufung von Erdreich, Aufdammung; — fchütteln, ziel.
u. ziellof. Zw., (die Verkleinerungsform von ſchütten; altd. scutilön, schü-
telen, niederd. ſchuddeln, oberd. auch fchotteln), etwas fchnell hin= u. hers
bewegen, in zitternde od. fchrwanfende Bewegung feßen (einen Baum —;
den Kopf zu od. über etwas —, ald Zeichen der Verneinung od. Mifsbilligung;
auch ziellos: mit dem Kopfe fchütteln, u. bloß: ſchütteln, entg. nicken;
einem die Hand —, beim treuherzigen Handſchlag; einen—, d. i. heftig bin
u. ber ftoßen, uneig. f. ihm heftige Verweiſe geben; das Fieber ſchüttelt ihn;
auch ſich fchütteln f. geichüttelt werden vom Froft, Fieber 2c.); etwas durch
Schütteln herab: od. herausfallen machen (Obft vom Baume—, den Staub
von den Füßen—; uneig. etwas aus dem Ärmel ſchütteln, d. i. ohne Mühe
u. Vorbereitung hervorbringen, 3. B. eine Rede); der Schüttelfopf, ein ge-
fchüttelter Kopf; wer den Kopf oft fchüttelt, bef. ein Alter, der aus Schwäche
mit dem’ Kopfe wackelt; landich. f. die Pfautaube; oberd. auch eine Art Klöße;
der Schüftler, —s, wer fehütteltz oberd. f. das Ealte Fieber (au: der
Schütten; der Schüttling, -e8, im Wollhandel: die fürzere, lockere
Wolle, welche aus der größeren gefchüttelt wird; die Schüttelung, das
Schütteln; — fchüttern, Zw. (die Verftärkungs- und Wiederholungsform
von ſchütten; nberd. auch ſchuttern, niederd. ſchuddern; vgl. fchaudern)
1) ziellos m. haben, in allen feinen Theilen in eine heftige zitternde Be—
wegung gerathen (vor Froft füttern; lachen, dafs der Bauch fchüttert) ;
2) ziel. in foldye Bewegung verfegen, gew. erfchüttern; oberd. auch f. an-
treiben, ftoßen, reizen, hetzen; dev Schütterfifch, Zitteraal; der Schütter—
fein, eine Art Adlerſteine, die inwendig Waſſer enthalten; die Schütterung,
das Schüttern, heftige Exzittern.
Schüttgelb, f. (hol. schytgeel; nicht von ſchütten, fondern vom niederd.
ſchiten, fcheißen, wegen der Ähnlichkeit mit dem Unrath Kleiner Kinder; alfo
eig. Schietgelb), ein ſchön gelber Farbeftoff, aus Bleiweiß od. einer krei—
digen Erde mit dem Safte der Kreuzbeeren u. Alaun bereitet; auch eine gelbe
Ladfarbe von der Färbefcharte.
Schuttgeld, -vecht, -ſtall, Schuttung, f. unter fchutten; — Schütt:
gut, Schutthaufen ꝛc., Schütthaus ꝛc. — Schüttftein, f. unter
ſchütten.
Schuß 1. m., ſ. unter ſchützen.
Schuß 2. m., -es, M. Schütze, ſchwäb. u. ſchweiz. f. Schuſs (altd.
scuz; vgl. Geſchütz), Wurf; ſchweiz. insbeſ. f. Waſſerfall; kurzer Zeit—
raum; — der Schütze od. Schütz 1., -en, M. -en, (altd. scuzzo, schütze;
niederd. Schutte; angel. scytta, isländ. skyti, ſchwed. skytte; von ſchießen),
1) wer mit einem Schießgewehre fchießt, u. bef. wer darin geübt u. dazu
berufen ift (ein guter, oder ſchlechter Schüige fein; ein Bogenſchütze, Leib-,
Scharfſchütze ꝛc.; Jäg. wer gut fchießen kann, verfch. von Säger, welder
noch andere Kenntniffe befigen mufs); in engerer Bed. eine Art leichtbewaff-
neter fcharffchießender Soldaten; in deutichen Städten auch ein Bürger,
melcher Mitglied einer Schützengeſellſchaft, =brüderfchaft, =gilde ıc. iſt,
824 Schütze — ſchützen
die ſich im Scheiben- u. Vogelſchießen übt: auch eines der 12 Sternbilder
des Thierkreiſes Heißt: der Schis, uneig. fcherzh. f. ein Anfangsfchüler:
Abece-Schütz (vielleicht Verdeutfchung des lat. tiro); im Schachſpiel f. v.
w. der Läufer; Naturk. der Nüffel- od. Schnabelfifh; 2) Web. |. v. w.
die Schieffpule (f. d.), das Mebefchiffz der Schükenbruder, Mitglied
einer Schützengeſellſchaft (f. o.); das Schüßenhaus, der Schlisenhof, Ber:
fammlungshaus u. Übungsplag einer Schützengeſellſchaft; das Schlißenjagen,
Säg. eine Jagd, wobei man, hinter Schirme geftellt, Alles niederfchießt, was
vorbeitommt; dev Schützenkönig, wer bei dem Schieffefte einer Schützenge—
ſellſchaft den beften. Schufs gethan hat; der Schügenmeifter, Vorfteher einer
Schützengeſellſchaft; der Schützenplatz od. -plan, öffentl. Plag zu Schieß-
übungen einer Schügengefellfchaft; die Schützenraupe, Raupen, welche in
der Mitte breit, an den Enden zugefpist find (wegen der Kpntichkeit mit einem
Webeſchiffchen, 1. o. 2); der Schützenſchmaus, das Schügenmahl,
-effen 2c., Feſtmahl der Schützenbrüder.
Schütze od. Schuß 2., m., f. unter ſchützen.
ſchutzen, ziel. 3w. (altd. scuzzan; eine Verftärkungsform von fchießen),
oberd. 1) f. durch einen Schwung od. Stoß in fehnelle, kurze Bewegung,
bef. nach oben, feßen, werfen, fehleudern, fehnellen G. B. den Hut beim
Tanze —; fchugende Tänze; ſich aufs Roſs —, ſchwingen; gefchugte oder
Schutznudeln, vom Zeige drehend abgeſchnellte, auch „gedrehte“ Nudeln;
einen Bäder zur Strafe —, |. v. w. ſchupfen; einen —, uneig. f. aufziehen,
zum Beſten haben; die Achfel—, f. zucken); insbeſ. auch f. ſchaukeln (fi
od. einen Andern ſchutzen od. ſchutzeln; daher die Schutzen f. Schaukel);
fchweiz. es ſchutzt, f. das Wetter verändert fich ſtoßweiſe, es ift Aprilwet-
ter; ſchützeln, f. ſchauern 1. (es fehügelt mir); 2) f. ergiebig fein (vgl.
erichießen), ergeben, anhalten; ſchutzig, Bw., f. reichlich, ergiebig, ges
deihend, nachhaltig.
ſchützen, ziel. Zw. (ſcheint im Alth. zu fehlen; mittel. schützen, Prät.
schuzte, fchirmen, decken; entweder von einem alten Zw. scuan f. bededen,
abmwehren, W. scu, daher niederd. Schut f. Haut, Fell, lat. scutum, Schild,
vgl. Schauer 2. u. Schatten; od. wahrſch. von ſchießen abgel., alſo uripr.
etwas oöchihieben, d. i. =ftoßen, -ſchieben, dadurd) verfchließen, verwahren;
vergl. das niederd. [hutten, engl. shut, verfchließen, und scoat, hemmen),
1) die Bewegung einer Maffe, bef. den auf des Waffers durch ein Hinder-
niſs, z. B. einen Damm, ein Brett (Schuß, ſ. u.), hemmen, aufhalten,
ftauen (das Kammrad einer Windmühle—; das Waffer—; oberd. ſchutzen,
nicderd. ſchutten, fchotten); 2) gew. in weiterer Bed. einen oder et-
was —, gegen ein Übel fihern, beſchirmen, deden, eine Gefahr von
einer Perſon od. Sache abhalten, abwehren, finnv. fhirmen, hüten, be
wahren, vertheidigen 2. (Gott fehüge mich! Jemand gegen Angriffe, vor
Beleidigungen fchüsen; die Mauer [hügt den Baum vor dem Nordwinde ꝛc.);
— der Schuß, -es, IM. Schüge, Waſſerb. ein ſtarkes Brett, eine
Schub- od. Fallthür an einem Wehr zur Hemmung u. Stauung des Waffers,
auch Schußbrett, =gatter ıc. (gt. Schütte unter ſchutten); ſchwäb. auch f.
Damm, Deich (vgl. Schutt); 2) o. M., dasjenige, wodurch eine Perfon
oder Sache vor einem Übel geſchützt, beſchiem wird, und die Abhaltung
oder Abwehrung des Übels, der Gefahr ıc., finnv. Shlm, Abwehr,
ſchützen 825
Siccherung ꝛc. (4. B. die Kleider find ein Schutz od. gewähren Schutz gegen
die Witterung 2c.; der Baum fteht im Schuge, d. i. gefichert vor der Witte
rung; einen in feinen Schuß nehmen; ſich in Semands Schuß begeben); —
3fe$. von Schug u. ſchützen: der u. die Schußbefohlene, wer dem Schuge
eines Andern anbefohlen ift; die Schußblattern oder -poden, qutartige
Kinder⸗ od. Kuhpocken, welche zur Sicherung gegen die bösartigen natürlichen
Pocken eingeimpft werden; das Schukbrett, ein ſchützendes, ab- od. zurüc-
haltendes Brett, bef. bei Schleufen zc., f. o. Schutz; der Schusbrief, lan—
deöherrliche Urkunde zur Sicherung gegen Angriffe od. Beleidigungen zc.; der
Schukbund od. das Schußbündnifs, ein zu gegenfeitigem Schutz gefchloffe-
ner Bund (fr. Defenfiv- Allianz; vgl. Trug); der Schugengel, Schußgeift,
fchüsender Engel, höheres Wefen, welchem die Befhüsung eines Menfchen,
eines Landes, Drtes 2c. anvertraut iſt; uneig. auch eine befchüsende Perfon ;
das Schußgatter, Fallgatter an Thoren, auch Schofs-, Schuſsgatter; ein
verfchließbares Flügelthor in Schleufen und Deichen; das Schußgeld, Ab-
gabe der Schugverwandten (f. d.) für den obrigkeitl. Schutz; der Schußge-
nofje, wer mit Andern denfelben Schus genießt; die Schußgenoflenfchaft,
der Zuftand, u. die Gefammtheit der Schuggenoffen; die Schußgerechtigkeit,
das Recht, gewiffe Perfonen u. Gemeinheiten zu ſchützen u. die damit verbun—
denen Vortheile zu genießen; der Schußgott, die Schußgöttinn, Schuß-
gottheit, befchügende Gottheit; der Schußhalter, vit. f. Beſchützer, Ver-
theidiger; Vorfteher einer Fechtfchule; der od. die Schußheilige, ein Schuß:
heiliger 2c., in der röm. Kirche Heilige, fofern ihnen die Beſchützung gewiſſer
Perfonen. od. Orter übertragen ift (fr. Patron); das Schußheiligthum, ein
Heiligthum, z. B. das Bild einer Gottheit ze. (Schusbild, fr. Palladium),
welchem die Beſchützung eines Ortes zc. zugefchrieben wird; der Schußherr,
die Schußherrinn, wer die Schusgerechtigkeit über gewiſſe Perfonen od. Or—
ter hat, auch Schirmherr (fr. Patron); daher ſchutzherrlich, Bw.; die
Schußherrlichfeit, Schußherrfchaft; der Schusjude, ein Jude, welcher
unter obrigfeitl. Schuße gegen Entrichtung eines Schußgeldes an einem Orte
lebt; der Schutzkolben, Wafferb. ein Kolben, mittelft deſſen man das Waffer
eines Teiches zu= od. abſchützt; ſchutzlos, Bw., ohne Schuß, unbeſchützt;
die Schußlofigkeit; das Schugmittel, ein Schug gewährendes Mittel; der
Schutzort, Ort, welcher Schug gewährt; die Schußpoden, ſ. o. Schuß:
blattern; die Schußrede, Vertheidigungsrede; Rſpr. eine Verantwortungs-
ſchrift, insbef. eine verzögerliche (oberd. verzüglihe) Schugrede,
zur Aufſchiebung der angeftellten Klage (fr. dilatoriiche Exception) ; der Schuß»
redner, wer eine Schugrede hält od. ſchreibt; die Schußfchrift, Vertheidi—
gungsfchrift (fr. Apologie); der Schußfucher, -anfleber, wer Schuß nach—
fuht (fr. Implorant); der Schußverwandte, ein Schußverwandter ıc.,
Einwohner, welche, ohne Bürger zu fein, gegen Entrichtung eines Schuägel-
des unter dem Schuge der Obrigkeit an einem Orte leben; die Schutzwache,
Sicherheitswache (fr. Sauvegarde); die Schußwaffe, zur Beihirmung oder
Abwehr dienende Waffen, ald Schild, Helm zc., entg. Angriffswaffe; auch die
Schußwehr, gem. uneig. f. Alles, was Schug und Sicherheit gewährt; der
Schußzettel, obrigkeitt. Befcheinigung, dafs Semand ein Schusverwandter
feis — Ableit. der Schüße oder Schuß, -en, M.-en, ein Wächter,
Hüter; daher vlt. fe Hirt; landſch. f. öffentlicher Feldhüter od. Feldwächter:
826 Schützenbruder — Schwabe
Feld- oder Flurſchütz; oberd. auch f. Nachtwächter; Büttel, Häſcher
(daher: der Schützenhauptmann; der Schützenhof, die Wohnung
der Büttel); der od. das Schützel, -$, M. w. E., die mit einem Schutz—
brette verfihließbare Offnung in einer Schleufenthür ; in Hamburg f. Betz,
Ofenfchirm 2c.5 der Schüßer, —s, wer fhüßt, insbef. 1) Bergw. der Ar—
beiter, welcher bei dem Treiben des Kehrrades das Waffer ſchützt; 2) wer
Schuß gewährt, Andere in Schus nimmt, gew. Beſchützer; weibl. die
Schützerinn; der Schüßling, -es, M. -e, wer eines Andern Schuß ger
nießt, unter Semands Schuß fteht, von Perfonen beider Geſchlechter (ev,
fie ift mein Schügling); die Schützung, das Schügen (z. B. des Waffers);
die Beſchützung, Beſchirmung.
Schützenbruder, -haus ıc. — -ſchmaus, ſ. Schütze unter Schutz 2.
Schutzengel, Schutzgeiſt ꝛc. — Schußzettel; Schützer, Schützling ıc.,
ſ. unter ſchützen.
Schwabacher, m., —s, wer aus der fränkiſchen (um Könige. Baiern
gehörenden) Stadt Schwabach gebürtig iſt; als unbiegf. Biw.: aus Schwar-
bach herftammend, daher: Shwabadher Schrift, eine Art deutjcher
Druckſchrift mit breiteren und mehr gerundeten Buchſtaben, ehem. mehr, als
jest, zur auszeichnenden Hervorhebung einzelner Worte od. Stellen gebraucht;
Schwabacher Nadeln, eine Art Nähnadeln mit großen Shren.
ſchwabben od. gew. ſchwabbeln, zielloſ. Zw. m. haben, (vgl. ſchwapp ze. ;
fchweben, ſchwaiben), gem., bef. niederd. von Flüffigkeiten u.. weichen Körpern:
fich zitternd oder fchwanfend hin und her bewegen, bef. in Verbindung mit
einem durd) das Wort felbft nachgeahmten klatſchenden Schalle, vgl. wabbeln,
quabbeln, oberd. ſchwappeln, (zZ. B. das Wafler ſchwabbelt im Eimer;
Ihwabbelndes Fleiſch, Fett; Shwabhbel- od. Shwappelbaden; ein
Schwabbelbaudze.); auch eine ſolche ſchwankende Bewegung hervor-
bringen (fchwabbele nicht, damit es nicht überlaufel); ſchweiz. auch: tau—
meln wie ein Betrunkener; landich. f. ſchwelgen, praffen, loder leben; die
Schwabbel, tandih. gem. f. eine leichtfinnige weibl, Perfonz ſchwabbelig,
Bw., leicht ſchwabbelnd (von fleifhigen od. fetten Körpern) ; ſchweiz. auch:
voll zum Überfliegen; taumelnd; — der Schwabber, -8, Schiff. ein
Quaſt an einem Stode, zum Abwifchen der gefpülten Dede; ſchwabbern,
ziel. Zw., mit dem Schwabber reinigen; der Schwabberer, -8, ein Ma-
trofe, welcher dies verrichtet.
Schwabe 1. m., -n, M.-n, die Schwäbinn, M. -en, (alth. Suäb,
M.Suäba; mittel}. Swäb, G. Swäbes, M. Swäbe; oberd. der Schwab, -en; angelf=
Svaef, M. Svaefe; Yat. Suevi, fpäter Suaviz vielleicht von der Wurzel deö
altfäch]. sueban, angelf. svefan, ſchlummern; altd. en-sweben, einſchläfern,
isländ. svefn, Schlaf, svaefa, beruhigen; alfo: die Friedfertigen, Ruhigen?),
EN. eines oberdeutfchen Volksftammeg; überh. jede aus Schwaben ge—
bürtige Perfonz (in Ungarn u. Oftreich heißen alle deutfchen Anfiedlev: Schwer
ben). Sehr mit Unrecht ftehen die Schwaben in dem Rufe geiftiger Ber
ſchränktheit u. langfamen Verftandes, daher: fprichw. mit den Schwaben flug
werben, d. i. fehr fpät, erft im 4Often Jahre; der Schwabenftreich, gem-
f. ein dummer, alberner oder närrifcher Streich; — das Schwabenkrauf,
eine Kohlart; der Schwabenfpiegel, das Schwabenrecht, die um 1282
abgefafite Geſetzſammlung der Schwaben; der Schwabenweber, landſch. f-
Schwabe — ſchwach . 89
Barchentweber (deren gegen Ende des 15. Jahrh. viele aus Augsburg aus—
wanderten); der Schwabenweizen (vielleicht aus Schwadenweizen ver-
derbt, ſ. Schwaben 3), eine Art Weizen od. Dinkel, auch Einkorn, Peters-
korn 2.5; — Schwaben, f., -8, das Land der Schwaben, chem. gem.
Schwabenland (altd. Suäbe-rich) genannt; bef. einer der chemat. 10 Kreife
des deutfchen Reiches, welcher jest Baden, Wiürtemberg und einen Theil von
Baiern ausmacht; ſchwäbeln, ſchwäbezen, zielof. Zw., oberd. f. in ſchwä—
bifcher Mundart fprechen, oder dahin neigen; ſchwäbiſch, Bw., den
Schwaben eigen, aus Schwaben ftammend od. dort einheimifch, zu Schwa-
ben gehörend, (ſchwäbiſche Mundart, Dichter; ſchwäbiſch tanzen; ſchwäbiſche
Leinwand, d. i. Florleinwand; eine ſchwäbiſche Stadt zc.).
Schwabe 2. m., -n, M.-n, oberd. (Schwab, gew. Schwaben) 1) f.
ein eingefchobenes Stud, Einfchiebfel, def. Schuhm. ein Stüd ſchlechteren
Leders, welches zwifchen die Brand - und die Doppelfohle gelegt wird; Faſsb.
ein Stück Reif, welches zwifchen einen allzu loderen Reif geichlagen wird;
2) öfte. ein Bund ausgedrofhenen Strohes (vgl. ſchweben, fchwaiben,
fchwaibeln). -
Schwabe, w., M. -n, (oberd. auch der Schwab), landſch. f. die
Schabe, Müllerfhabe, auch: der Schwabenfäfer; das Schmwabengift,
Yandich. f. Giftmehl, mehlähnliche Arfenik » Erde.
ſchwach, Bw., Comp. ſchwächer, Sup. ſchwächſt, (fehlt im Althochd.,
Isländ. u. Angelf.; mittelh. swach; niederd. ſwack, ſchwed. swag; — wahrfd.
von dem Stamme des altd. Zw. suehhan, suah ze., verdunften, riechen, ftinfen;
angelj. svecan; isländ. svac, Hauch, svaka, hauchen; alſo eig. verbunftend,
fich auflöfend, verweſend, ftinkend; n. X. von dem angelf. wac, holl. wack,
engl. weak, weich u. ſchwach, durch vorgefchobenes s gebildet), chem. bei.
gering, erbärmlich, armfelig, unedel, niedrig (4. B. ſchwache Speije, Klei-
der 2c.; ein fohwaches Leben, d. i. ein ruhmlofes; ein Schwacher Mann zc.,
von niederem Stande 2c.); fchlecht, ehrlos, entehrt (ſchwache Frauen f. Buhl-
dienen; vgl. Schwächen); jest in weiterer Bed. wenig Kraft habend, der ge—
gehörigen Stärke ermangelnd, jinnv. Eraftlos, unkräftig, entg. ftarf:
1) körperlich (3. B. ein ſchwaches Kind; ein Schwacher Menſch; vor Alter
ſchwach fein; ehem. auch f. krank; fchwache Arme, Füße ꝛc.; auf ſchwa—
hen Füßen ftehen, auch uneig. f. geringe Feftigkeit und Sicherheit haben,
ſchwanken, unzuverläffig fein); insbef. nicht fähig, hinlänglichen Widerftand
zu leiften (der Feind ift ſchwach; die Stadt hat nur eine ſchwache Beſatzung,
d. i. eine der Zahl nach geringe; eine Schwache Feftung ze.) ; von lebloſen Kör-
pern: Heringe Dice od. Dichtigkeit und Haltbarkeit habend, finnv. dünn,
loder (ein ſchwaches Reis, Rohr ꝛc.; der Faden zc. ift zu ſchwach); von
Sinnesthätigkeiten u. finnlichen Wahrnehmungen: ohne Schärfe, Nachdruck
und Lebendigkeit, von geringer Wirkfamkeit, nicht durchdringend (ein
ſchwaches Gefiht, Gehör ꝛc. haben; eine ſchwache Stimme; ein Ihwaches
Sicht; ſchwache Farben, Umriffe 2c., finnv. matte; einen ſchwachen Eindrud
machen, d. i. einen geringen; ſchwacher Wein, entg. ftarker); 2) geiftig:
der gehörigen Stärke u. lebendigen Wirkſamkeit ermangelnd (ein ſchwacher
Menſch, d. i. der ohne die gehörige geiftige und bei. fittliche Kraft iftz man
muſs mit den Schwachen Geduld und Nachficht haben; ein fchwacher Geift,
Kopf ꝛc.; ein ſchwaches Gedächtnifs haben; ſchwach an Verftande fein; ein
828 ſchwach
ſchwacher Glauben); von Geiſteserzeugniſſen ſ. v. w. gering, unvollkommen,
unbedeutend (z. B. ein ſchwacher Verſuch; das Gemälde, Gedicht, Buch ıc. -
iſt ſchwach); — 3fes. das Schwachfeuer, eine herbſtliche Lufterſcheinung
in den Binnenwaſſern u. Buchten der Oſtſee, beſtehend in einem bleichen Scheine
im Waſſer, meiſt Vorbote eines ſchnell entſtehenden Oſt- oder Nordoftwindes:
ſchwachherzig, Bw., ein ſchwaches Herz habend, d. i. ſeine Empfindungen
u. Neigungen nicht beherrſchend, ſinnv. weichherzig; auch wenig Gemüthskraft
od. Muth habend, ſinnv. mattherzig, kleinmüthig; die Schwachherzigkeit,
das Schwachherzigſein, u. eine daraus fließende Handlung; der Schwachkopf,
ein ſchwacher Geiſt oder Verſtand, u. ein Menſch mit einem ſolchen; daher
ſchwachköpfig, Bw.; die Schwachköpfigkeit; der Schwachmuth, ſchwa—
ches Gemüth, Kleinmuth; ſchwachmüthig, Bw.; die Schwachmüthigkeit;
ſchwachſichtig, Bw., ein ſchwaches Geſicht habend; die Schwachſichtigkeit;
der Schwachſinn, geringe Verſtandeskraft; ſchwachſinnig, Bw.; die
Schwachſinnigkeit; — Ableit. vie Schwäche, 1) o. M. das Schwach—
ſein, die mangelnde Kraft od. Stärke, im weiteſten Sinne, ſinnv. Kraft—
loſigkeit, Ohnmacht ꝛc. (z. B. die Schwäche eines Menſchen, des Kranken;
feine Schwäche fühlen; die Schwäche des Feindes, der Feſtung ꝛc.; die
Schwäche eines Reifes, Bandes ꝛc., der Stimme, des Geiftes, eines Gedich-
tes 2c.); 2) M. Schwähen, was an einem Gegenſtande ſchwach iſt,
ein ſchwacher Theil, eine ſchwache Seite, (z. B. die Schwäche eines Degenz,
Meſſers 2c., d. i. der Theil der Klinge von der Spige bis zur Mitte; Jemand
bei feiner Schwäche faffen; viele Schwächen haben); aud) eine aus geiftiger
od. fittlicher Schwäche fließende Handlung (Semands Schwächen benusen,
entſchuldigen 2c.); die Schwachheit (mittelh. swacheit, Armſeligkeit; Krän-
fung, Schmach; ehem. auch f. Krankheit), das Schwachfein, die ſchwache
Beſchaffenheit, finnv. Schwäche, jedoch von engerer und abftracterer Beb.,
gew. nur auf den Geift u. bef. die fittliche Willenskraft bezogen (z.B. nicht:
die Schwachheit, fondern Schwäche eines Kranken, des Gefichts, der Stimme ze. ;
wohl aber: die Schwachheit des Verftandes, Gedächtniffes, des Herzens 2c.);
insbef. die mangelnde Seelenftärke u. fittliche Kraft zur Beherrfchung der
Gefühle und Keidenfchaften (viele Schwachheit für das andere Geſchlecht ha-
ben), u. die daraus fließende zu große Nachgiebigkeit, Weichherzigkeit G. 8.
einer Mutter gegen ihre Kinder); in weiterer Bed. die fittlihe Mangelhaf:
tigkeit od. Unvolllommenheit überh. (die menfhlihe Schwachheit); auch
eine aus mangelnder Willensftärke od. fittlicher Unvollfommenheit flie-
ßende Handlung (eine Schwachheit begehen; M. Schwachheiten) ; Die
Schwahheitsfünde, aus Schwachheit begangene , unvorfäglide Sünde;
ſchwächlich, Bw., ein wenig ſchwach, mildernd f. ſchwach, gew. nur von
körperlicher Schwäche als bleibender Befchaffenpeit, finnv. Eranklich, gebrechlich
(ein ſchwächlicher Menſch; eine ſchwächliche Gefundheit); die Schwächlich—
keit, das Schwächlichfein, die ſchwächliche Befchaffenheitz der Schwäch—
ling, -e8, M. -e, verächtl. f. ein ſchwacher od. ſchwächlicher Menfch, bef.
der Körperkraft u. Gefundheit nad), uneig. auc) in Anfehung der Geiftes= und
Willenskraft, gem. fcherzh. auh der Schwachmaticus (mit latein. En-
dung); — ſchwachen, giellof. Zw. (mittelh. swachen), völlig. vlt. f. ſchwach,
d. i. gering, fchlecht fein od. werden, abnehmen; auch ziel. f. herabfegen;
fhwächen, ziel. 3w. (mittelh. swechen, Prät. swachte), ſchwach od. ſchwächer
Schwad — ſchwadern 829
machen, ſowohl körperlich, als geiſtig, ſinnv. entkräften, welches jedoch mehr
ein völlige Beraubung, ſchwächen hingegen nur ein Verminderung der Kraft
bezeichnet, (3. B. den Körper, die Augen 20.—; fich durch Anftrengung, Aus»
fhweifung 2e.—; eine geſchwächte Gefundheit; den Feind— durch eine Nies
derlage 2c.; den Ton —, dämpfen; ein Gefühl, der Glauben zc. wird durch
etwas geſchwächt); ehem. f. fchlecht machen, erniedrigen, herabfegen, ent—
ehren, daher noch: ein Mädchen ſchwächen, d. i. der Jungfraufchaft
berauben, ſchwängern, vgl. ſchänden (eine Geſchwächte, als Hw.); der
Schwächer, —s, wer ſchwächt, def. f. Schwängerer; die Schwächung,
das Schwächen, die Verminderung der Kraft (daher 4.8. ein Schwäs
hungsmittel); insbef. f. Schwängerung, Schändung.
Schwad, f., -e8, M.-e, (gem. niederd. Schwattz aud wohl: die
Schwade, M. -n, nicht aber der Schwaden! — holl. swade, engl. swath;
vgl. das angelf. swath, holl. swad, das Abfchneiden, niederd. die Schwade
f. Senfe; wahrfch. von einer Wurzel, welche Schneiden bedeutet; vgl. jedoch
auc) das engl. sway, ſchwingen), Landw. bef. niederd. die Neihe des mit der
Senfe gemäheten Grafes od. Getreides zur Linken des Mähers (das Korn zc.
liegt in Schwaden); auch der Naum, den der Mäher mit dem Schwunge
der Senfe abreicht, oberd. der Janh, (daher niederd. fprichw. übers Schwab
od. Schwatt hauen, |. v. w. über die Schnur hauen).
Schwaden 1. m., -8, M. w. E., (ehem. Shwadem, altd. suadum,
swadem, v. suedan, brennen, aufmwallen, qualmen; vgl. suehhan unter ſchwach,
u. das böhm. swad, Geſtank), landſch. f. auffteigender dicker Dunft oder
Dampf von fiedendem Waffer, bef. von fiedender Soole, f. v. w. Brodem;
Bergmw. die in den Gruben fich erzeugenden, oft giftigen Dünfte, gew. M.
die Schwaden, auch böfe od. faule Wetter.
Schwaden 2. m., -8, M. w. E. (von dem Stamme des niederd. Twa-
jen, vom Winde bewegt werden, engl. sway, ſchwanken, ſchwingen; vgl.
Wedel und wehen) Zäg. der kurze Schwanz des Hirfches, auch Wedel.
Schwaben 3. m., -8, M. (felten) w. E., (niederd. Swade; vielleicht
von gleihem Stamme mit Schwaden 2; daher ud Schwingel; n. %.
von dem angelf. swaet, engl. sweet, füß, wegen des füßen Samens), verfchie-
dene Grasarten u. bef. deren efsbarer Samen, insbef. I) ein Pflanzenge-
fchlecht mit Ahren od. Nispen, au Hirſe- od. Fenchgras (panicum L.),
deffen Arten: die Hirfe, die Bluthirfe, die Kolbenhirfe, der fchlef. graue—,
u. der böhm. weiße Schwaben, auch Himmelfchwaden, ferner der wilde Schwa—
den oder dad Schwadengras, ein gutes Vichfutter; 2) eine Art des
Schwingels (f. d.): Mannafchwingel oder Mannagras, auch gemeiner,
wilder Schwaden, Schwabdengras genannt, u. der geftampfte Samen: die
Schwadengrüße; — die Schwadengerfte, eine Art Dinkel, f. v. w. Ein-
korn. Schwabenweizen; das Schwadenried, ein ſchwadenähnliches Riedgras.
fhwadern, ziellof. u. ziel. Zw. (auch ſchwedern, ſchwidern, ſchwatteln,
Schallwörter; vgl. das niederd. ſchwabbeln), oberd. 1) von Flüffigkeiten:
ſchwanken, Elatfchend an ein Gefäß fchlagen, überſchwanken, überfließen;
in fchwanfende Bewegung fegen u. dadurch überſchütten; 2) f. plaudern,
fhwagen, in dieſer Bed. auc mit fremdartiger Endung: fchwadroniren
(nit von Schwadron, fondern v. ſchwadern ftammend) f. viel u. prahlerifc
ſchwatzen; der Schwaderer, -8, gem. Schwadrondr, f. Schwäßer,
830 Schwadron — Schmwaige
Prahler; der Schwäderich, -e3, M. -e, landſch. eine Vertiefung, welche
das von einem Gerinne abjchießende Waffer in den Boden wühlt. i
Schwadron, w., M.-en, (v. dem. ital. squadrone, franz. escadron)
f. vo. w. Geſchwaber, ſ. d.; ſchwadroniren, ziellof. Zw, 1. Krſpr. in
Schwadronen zufammenftoßen; 2. f. unter ſchwadern.
Schwager, m., -5, M. Schwäger; die Schwägerinn, M. -en, (altd.
swäger, swaegerinne; urfpr. wohl nur Nebenform des älteren Schwäher
(j- d.), von welchem es dann durch genauere Bearenzung der Bed. gefchieden
wird), ehem. jeder nahe Anverwandte durch Heirath (lat. affınis); jest in
beftimmterer Bed. nur ein folher Verwandter im erften Grade, fo dafs
Bruder oder Schwefter des einen Ehegatten Schwager od. Schwägerinn bes
andern, Gatte oder Gattinn der Schwefter oder des Bruders einer Perfon
deren Schwager od. Schwägerinn iſt; in weiterer Anwendung nennen aud)
die Ehegatten zweier Gefchwifter G. 3. die Männer zweier Scheftern) einan=
der Schwäger und Schwägerinnen; fcherzh. gem. heißt der, welcher mit der
Ehegattinn eines Andern unerlaubten Umgang pflegt, deffen Schwager; aud)
ein Poſtknecht in Bezug auf feine Poftreifenden; Pflanz. Schwäger, Pflan-
zen mit fichtbaren Blüthen, wo Staubbeutel u. Stengel in einer Blume ver-
einigt u. die Staubbeutel walzenförmig zufammengewachlen find; ſchwäger⸗
lich, Bw., dem Verhältniſſe von Schwägern gemäß od. darin gegründet;
die Schwägerſchaft das Verhältniſs von Schwägern u. Schwägerin—
nen; auch die ſämmtlichen Schwäger und Schwägerinnen einer Perſon;
ſchwägern, ziel. Zw., vlt. f. zum Schwager machen; ſich —, in ſchwä—
gerliche Verhältniffe treten, gew. verfehwägern.
Schwäher, m., -3, M. w. E. (goth. sraihra, Schwiegervater, svaihro,
Schwiegermutter; altd. suehur, sueharz; sweher, swer; oberd. Schweher,
Schwer; angelf. sveora, ſchwed. syär; fpan. suegro, weibl. suegra; vgl. das
lat. socer, socrus, griech. &zvoos, Exvod, fanskr. cvaguras, gvacrus; Grund-
begriff der gemeinfamen Wurzel aller diefer Wörter fcheint: Verbindung; val.
Schwieger und Schwefter), alt u. oberd. f. der Schwiegervater, f. d.; (die
Schwiegermutter heißt nit: Schwäherinn, fondern: suigar, swiger,
die Schwieger, 1. d.); die Schwäherfchaft, das Verhältnifs des Schwie—
gervaters zu den Schwiegerfindern.
ſchwaiben od. fehweiben, Zw. (altd. sueipön, sweiben; wahrfch. abgel.
Factitiv von einem ablaut. swiben, sweip, isländ. svifa, fich hin u. her bewer
gen; verw. mit ſchweben u. fchweifen), oberd. u. ſchweiz. 1) ziel. f. ſchwenken,
fhwemmen, fpülen, vgl. fehweifen, (z. B. die Wälche, Gläfer); 2) ziellos
f. ſchwanken (von Flüſſigkeiten), taumeln; ohnmächtig niederfinfen ; ſchwai⸗
"bein, ziellof. Zw. (isländ. sveifla) f. drehen, bef. einen Strict durch Umdrehen
ſtraffer anziehen (daher: der Shwaibelfteden f. v. w. Raidel); uneig.
ziellos f. im Scherze lügen, Schwänfe machen.
Schwaige od. Schweige, gew. Schwaig, w., M. -en, (altd. sweiga,
sweige, sweie; verw. mit dem altd. swihhon, swichen f. fchweifen, alfo urſpr.
Heerde?), oheet ein gew. einzeln liegender Viehhof, Sennhof, auch der
Schwaighof; beſ. Kühzucht, Melkerei; öftr. auch f. Weideplag, Alp;
ehem. auch f. Vieh-, bef. Ninderheerde; fehwaigen, ziellof. Zw., oberd. f.
einen Viehhof bewirthſchaften; bef. Käfe bereiten; der Schwaiger, -8,
Schwalbe — Schwalg 831
Eigenthümer od. Pächter eines Viehhofes; ſchweiz. f. Hirt, Senne, bef.
welcher bie Käfe verfertigt; die Schwaigerinn, Älplerinn, Sennerinn.
Schwalbe, w., M.-n, Verkl. das Schwälbchen, oberd. Schwälblein,
(alth. sualawa, mittelh. swalewe, swalwe; auch swalme, m.; oberd. die und
der Schwalben, ſchwäb. u. Schweiz. der Schwalm, des Schwalmen ꝛc.; nie
derd. Swaalke; isländ. u. fchwed. swala, angel. svaleve, engl. swallow;
vielleicht von der Wurzel sval, woher das engl. swill, swallow, niederd. fwal-
gen, ſchwelgen, d. i. fchlingen, fchluden; Schwalg, engl. swallow, Schlund,
Kehle ze. ftammen?), ein Gefchlecht Eleiner, meift ſchwarz⸗ u. weißer Zug—
vögel mit kurzem, pfeiemenförmigem Schnabel, fehr fehnell fliegend und von
Inſecten ſich nährend; verfch. Arten find: die Haus-, Mauer, Erd-, Raud)-
ſchwalbe zc. (ſprichw. eine Schwalbe macht feinen Sommer, d. i. ein einzel-
ner Fall macht noch Feine Regel); in weiterer Anwendung verfch. andere
Bogel-, auch Seefifch-Arten, als: die großbärtige od. Nachtſchwalbe,
der europäifche Ziegenmelker; die Meerſchwalbe, f. d.; auch eine Art
Porzellanfchneden, u. eine Art Miesmufcheln (das Vögelchen); Sciffb.
eiferne Platten zur Verbindung des Kiels; landſch. gem. f. eine Ohrfeige;
— 3feg. der Schwalbenadler, ein braunfahler, weißgeſchwänzter Adler in
Schottland, auch Schwalbengeier, Fiſchadler zc.; die Schwalbenbeere,
landſch. f. Beere des Wafferholunders (gem. Schwalbisbeere); der Schwal-
benbeerbaum (gem. zgez. Schwalberbaum), landſch. f. Waſſerholunder;
das Schwalben-Ei; der Schwalbenfalf, j. v. w. Weihe, Gabelgeier; auch)
f. Sperber; eine ſchwalbenähnliche Falkenart in Peru; die Schwalbenfliege,
eine der Rofsfliege ähnliche Fliege, welche ihre Eier in die Schwalbennefter
legen foll; das Schwalbenfraut, Schellkraut (ſ. d.); auch Giftwurz,
Schwalbenwurz; die Schwalbenlausfliege od. fliegende Schwalbenlaus,
eine Art Lausfliegen auf den Schwalben; der Schwalbenmift, -Eoth ıc.;
das Schwalbenneft, (efsbare Schwalbennefter, die Nefter. der indi—
Ihen Schwalbe, einer Art kleiner Schwalben in Oftindien, indifche Vogelne-
fter); der Schwalbenſchwanz, der breite, in der Mitte geſpaltene Schwanz
einer Schwalbe; uneig. f. der Weihe, die Spitzente (Schwalbenſchweif);
eine Art Tagſchmetterlinge; ein zweiſpitziger Bohrer in Geſtalt eines Schwal-
benfhwanzes (au) Schmwalbenfhwangbohrer); Zifhl. u. Zimmerl.
eine Art der Verbindung des Holzes durch Einfügung in einen Ausfchnitt;z
Kriegsb. |. v. w. die doppelte Schere, |. Scherwerf unter Schere; eine Art
Dachziegeln; der Schwalbenftein, Eleine Steinen, die ſich im Magen der
Schwalben finden follen, wahrfch. verfteinerte Zähne eines Seefiihes; die
Sthwalbentaube, eine Spielart der gemeinen Taube, Elein und fchnellflie>
gend; die Schwalbenwurz, Giftwurz; Storchſchnabel od. Schnabelkraut;
großes Schellkraut; — Ableit. ſchwälbeln, Zw., oberd. f.-zwitfchern ;
plaudern; fchmeicheln (auch ſchwelmeln).
Schwald, m., ſ. Schwalg.
fhwälen, 3w., — ſchwelen; daher wahrſch. das Schwaleiſen, Hüttenw.
eine Art ſehr — Eiſens, welches unten im Ofen ſtehen bleibt, wenn das
Schmelzfeuer ausgeht.
Schwalg, m.— es, M.-e, (auch Schwalch, Schwalk; altd. swalch,
. swalc, v. suelgan, sualh ze. ſchwelgen, d. i. ſchlingen, ſchlucken; niederd.
u. ſchwed. swalg, engl. swallow), alt u. niederd. f. Schlund, Speiſeröhre;
832 Schwalk — Schwamm
bei den Glodengiegern die Offnung des Schmelzofens, durch welche die
Flamme auf dad Metall ſchlägt; niederd. auch f. Schwelger, Praffer (att-
oberd. Schwelch); fehwalgen, Zw., niederd. (fwalgen) f. ſchwelgen.
Schwalf, m., -e$, niederd. (Swalk; v. ſwelen, f. ſchwelen) f. Dampf,
Qualm, bef. von einem Lichte.
Schwalfe, w., M. -n., niederd. (Swaalke, Swaalk) f. Schwalbe;
daher die Schwalfenbeere, |. Schwalbenbeere; ſchwalken (ſwaalken), Zw.
1) ziellos, wie eine Schwalbe fich hin und her bewegen, auf der See um—
herfchtwärmen; 2) ziel. zwei Hölzer mittelft des Schwalbenſchwanzes (ſ. d.)
in einander fügen; der Schwalfer, —s, Schiff. ein abgehärteter, wüſt
lebender Matrofe.
Schwalll., m., -e8, 0. M. (altd. sual, swal; oberd. auch Schwal,
Schwaal; von fchwellen, altd. suellan, sual ze.) überh. etwas Schwellendes.
0d. Angefchwollenes, beſ. eine anfchwellende od. aufwogende Waffermaffe,
(ehem, auch das Aufbrodeln des Dampfes oder der fih aus dem Waffer ent-
wicelnden Luft; daher Ortsnamen, wie Schwalbach); oberd. ein Maffer-
graben, welcher angefchwellt werden kann; ſchwäb. Schwaal aud f. Schiff:
ladungsplaß; uneig. f. eine große, ungeordnete Menge oder Maffe, vgl.
Fluth (4. B. ein Schwall von Menſchen, Worten u. dgl.); der Schwallig,
-8, M. -e, landſch. Wafferb. eine ausgeriffene Uferfteile; fchwallen, ziel-
lo. 3w. m. haben, fchweiz. f. ſchwellen, auffchwellen, quellen, von har-
ten Körpern.
Schwall 2. m., -e3, M. -e, (altd. swäl, Schwah) ein Fifchgefchlecht.
Schwalm 1.,.m., -e8, o. M. (altd. swalm), landſch. f. Schwall, das
Aufivallen, der Strudel; Qualm; oberd. auch f. Schwarm; daher ſchwäl⸗
men, 3w., ſchwäb. f. ſchwärmen. |
Schwalm 2. m., -en, M. -en, oberd. f. Schwalbe.
Schwaple, w., M. -n, Schiff. die Stüde, welche um die Zunge
eines zufammengefeßten Maftes liegen.
Schwamm, m., -8, M. Schwämme, Verkl. dag Schwämmchen,
(goth. svam, altd. suam, swam, swamp, G. swambes; aud; der swamme,
G. -en; oberd. der Schwamm und Schwammen;z niederd. Swamm, gew.
Swamp; angelf. svam, isländ. swampr, ſchwed. swamp, dän. suomp; von
fhwimmen, ſchwamm, ſchwemmen, wegen der lockeren, gleich]. aufgeſchwemm—
ten, Befchaffenheit), überh. ein weicher, fehr lockerer od. Löchriger (poröfer)
Naturkörper, insbef. 1) eine Klaffe von Gewächfen, beftehend aus einer
fleifchichten, Lederartigen Maffe ohne Zweige u. Blätter (lat. fungus), finnv.
Pilz, welches jedoch) in engerer Bed. nur die mehr pflanzenähnlichen Schwämme
mit unterf'heidbaren Theilen, als Stiel, Hut 2c. bezeichnet; Gattungen des
Schwammes find: der Blätter, Löcher-, Stachelſchwamm, Ader- od. Runzel⸗
ſchwamm (Morde), Beher- od. Schüſſelſchwamm, Kugelfhwamm ꝛc.; auch
der Schimmel; der durch Feuchtigkeit in Gebäuden entftehende Hausſchwamm
ift verfchiedener Art; der Zunder- od. Feuerſchwamm, auch fchlechthin
Schwamm (als Stoffnamen) genannt, ift eine Art Löcherfhwamm; 2) eine
Gattung faferiger, Löcheriger Pflanzenthiere im Meere, Meer-, Saug-
ſchwamm (lat. spongia), insbef. der zum Wafchen gebrauchte Badefchwamm;
3) Erankhafte weiche Auswüchfe am thier. u. menfchl. Körper, z. B. das
wilde Fleiſch in den Wunden der Pferde; ſchwammartige Auswüchſe an den
Schwan | 833
VBorberfüßen des Hornviehs; eine ſchwammichte Gefhwulft an den Gelenken
des menfhl. Körpers: der Gliedſchwamm; dergl. Auswüchſe im Munde, bef.
bei Kindern: Mundfhwamm, Schwämmchen, oberd. gem. der Faſch (fr.
Aphthen); — Zfes. ſchwammähnlich, -artig, Bw.; die Schwamm—
büchfe, =Dofe, Büchfe zu Feuerihwamm; das Schwammeifen, f. Eifenrahm;
die Schwämmchenflechte, eine Art Flechten, als Mittel gegen die Schwämm—
chen im Munde, auch dad Shwämmden genannt; das Schwammge—
wächs. ſchwammichtes Gewächs, z. B. am menſchl. Körper; die Schmamm-
koralle, eine Art Sternkorallen; die Schwammmotte, eine Art Motten, die
fi gern auf Baumſchwämmen aufhalten, deren Larve: die Schwammraupe;
die Schwammfeife, eine leichte, löcherige Seife; der Schwammſtein, Ko-
rallenfhwamm; eine Elumpenweife zufammengeballte ſchwammförmige Stein-
mafle; — Ableit. [hwammicht, Bw., ſchwaͤmmähnlich, d. i. weich, ge—
dunfen und löcherig (z. B. Brod); ſchwammig, Bw., Schwamm oder
Schwämme habend, enthaltend; gem. f. ſchwammicht; ſchwammezen,
3mw., oberd. f. loder fein, [hwanfen, einfinken (wie Moorgrund ; val. das
engl. swamp, Sumpf, Meoraft).
Schwan, m., -e3, M. Schwäne, alt u. oberd. ©. u. M. Schwanen,
(althochd. suan, G. suanes, u. suano, G. suanin; mittelh. swane, -n; angelf.
svan, engl. ſchwed. swan; von dunkler Abftammungz ſchwerlich von einer
Wurzel svan, tönen, fingen, (ſanskr. svana, lat. sonus): alfo der Sänger?),
ein zum Gefchlechte der Gans gehörender großer ſchöner Schwimm-
vogel mit langem Hals und blendend weißem Gefieder, im Alterthum dem
Apollo heilig u. ein Sinnbild der Dichter; auch Namen eines Sternbildes;
uneig. eine Art Nacdjtmotten, die auf Obftbäumen leben; bie oberd. M.
Schwanen, auch f. Schwanenfedern, u. ein Bett von folchen Federn; —
3fes. der Schwanenarm, -buſen, -leib, naden, die Schwanenbruft,
hand, -haut 2c., dicht. f. ſchwanenweißer Arm, Bufen 2c.; das Schwa-
nenbett, ein Bett von den weichen Flaumfedern des Schwanes; der Schwa-
nenboi, ein fehe weicher, feiner Boi (ſ. d.); die Schwanenfeder: das
Schwanenfell, zubereitete Schwanenhaut mit den daran befindlichen Flaum—
federn; die Schwanengans, eine Art aus Afrika ffammender Gänfe, welche
den Hals wie die Schwäne tragen; der Schwanengefang, der Liebliche Ges
fang, welchen nach einer alten Sage der fterbende Schwan hören laſſen foll;
daher uneig. der legte Gefang od. die legte Dichtung eines Dichters, auch wohl:
das Schwanenlied, der Schwanenfang; der Schwanenhals, der lange,
wie ein latein. S gebogene Hals des Schwanes; uneig. ein ähnlich gebogener
Hals, bef. eines Pferdes, u. ein Pferd mit ſolchem Halfe; verfchiedene ähnlich
geftaltete Körper, z. B. gebogene ftarke Eifen an Kutfchageftellen; eine Art
Fangeiſen, bef. für Füchſe; Schiff. der gabelförmige Theil des Eifens einer
Drehbaffe; ein Erummer Haken am Giefbaum u. dal. m.; auch f. fchwanen-
weißer Hals (4. B. eines Mädchens); der Schwanenfiel, Kiel einer Flügel—
feder des Schwanes; der Schwanenkrebs, eine Art oftind. Krebfe; der
Schwanentaucher, die Kropfgans; der Schwanenwagen, ein mit Schwä-
nen befpannter Wagen; fhwanenweich, Bw., fo weich, wie die Klaumfedern
des Schwanes; ſchwanenweiß, Bw., blendend weiß; die Schwanenweiße,
Weiße des Schwancs, blendende Weiße; — Ableit. der Schwänling, -e$,
M. -e, Neumw. f. junger Schwan.
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 33
*
834 Schwand — ſchwanken
Schwand 1. m., -es, (verw. mit Wand, od. von ſchwinden, allmählich
abnehmen?), ſchweiz. ein nicht fehr fchroffer Berg - Abhang.
Schwand 2. m., -e8, od. w. (von ſchwinden), oberd. f. Abnahme oder
Verminderung durch Eintrodnung x, f.v. w. Schwund, Schrumpf,
vom Getreide (Kaftenihmwand), Wein (Kellerfhwand) u. dgl.; daher °
ſchwanen 1. (t. ſchwanden) zielof. Zw., ſchwäb. u. ſchweiz. f. abnehmen,
ſchwinden, vermindert werden (vom Wein, Eintrodnenden Holze, menſchl.
Gliedern 2c.); die Schwanung f. Abnahme, beſ. Fruchtſchrumpf.
ſchwanen 2. zielloſ. 3w. m. haben (mittelh. swanen? niederd. ſwanen,
ſwanden, letzteres vielleicht die urſpr. Form, fo dafs es mit ſchwinden
verw. wäre; vgl. das oberd. es ſchwindelt mir f. es ahndet mir; n. A. heißt
es urſpr. tönen (verw. mit dem ſanskr. svana, lat. sonus), dunkel in der Seele
klingen) gew. unp. mit dem Dat. ber Perſon: es ſchwanet mir, landſch.
u. alterthüml. f. es ahndet mir, ich habe ein Vorgefühl, (es hat mir ges
ſchwanet; auch mit einem Sahmort ald Subject, 3. B. mir ſchwanet nichts
Butes).
Schwanenarm ıc. — Schwanenweiße, f. unter Schwan.
Schwang, m., -08, 0. M. (v, ſchwingen; vgl. Schwant), ber Zuftand
des Schwingens, finno. Schwung, Schwingung (3. B. einer Glode); gew.
uneig. f. allgemeine Ubung od. Anwendung, herrfchender Gebrauch, finnv.
Gang, in den Redensarten: im Schwange fein od. gehen (vgl. das franz.
etre en. vogue), in Schwang kommen, etwas in Shwang bringen,
(bibl. daſs Gerechtigkeit im Schwange gehe; jest gew. von üblen Gewohnhei—
ten, 3. B. allerlei Thorheiten, after zc. find im Schwange); das Schwang-
bett, f. Hangebett, Hangematte; das Schwangblei, bieierner Schwengel;
das Schwangrad, =feil ıc., f. Schwungrad, feil; — der Schwängel, f.
Schwengel. ;
fchwanger, Bmw. (altd. suangar, swanger; auch swaugel, geswanger, ge-
swangen; von suingan, ſchwingen, erfhüttern, alfo eig. erfchürtert, durch
Erſchütterung müde, träge; vgl. das angel. svongor, träge, ſchläfrig, isländ.
svangr, hungrig, nüchtern), befruchtet, eine Leibesfrucht tragend, nur von
dem Weibez von Thieren fagt man: trächtig, (ſchwanger fein od.ger
ben, edler und gewählter: guter Hoffnung oder gefegneten Leibes fein; eine
ſchwangere Frau, od. als Hw. eine Schwangere; hochſchwanger, f. unter
hoch); uneig. mit etwas ſchwanger gehen, d. i. etwas (gem. Böfes)
im Sinne haben, mit deffen Ausführung: umgehen; überh. f. etwas in ſich
tragend, den Keim oder Grund einer Erfcheinung in ſich enthaltend, in
Zfeg. wie gewitter:, unglüdsfhwanger u. dgl.; die Echwangerfchaft, der
Zuſtand des Schwangerfeins, nur im eig. Sinne; fhwängern, ziel. 3w.,
fhwanger machen, bef. außer der Ehe, finnv. fchwächen (ein Mädchen—;
eine Gefchwängerte); in weiterer Bed. überh. f. befruchten (von Pflanzen);
uneig. f. anfüllen, fättigen (3. B. die Luft ift mit Dünften geſchwängert);
der Schwängerer, -8, wer (eine weibl. Perfon) ſchwängert; die Schwänz.
gerung, das Schwängern. '
fchwanfen, ziellof. Zw. (abgel. von ſchwingen, swingan, swingen und das
neben suinchan, swinkan, Prät. swanc; vgl. fhlingen u. ſchlank, zingen und
ranfen), 1) m. haben, eig. ſich ſchwingend bin und her od. auf und ab
bewegen (4. B. die Pappel ſchwankt im Winde, der Kahn auf den Wellen,
Shwn " 835
das Waffer im Gefäße 2c.); fich ſchwach u. unficher bewegen, finnv. wan-
fen, taumeln (im Gehen ſchwanken; ſchwankende Kniee ꝛc.; uneig. fchwan-
kende Gefundheit); von der regelmäßigen Bewegung od. geraden Richtung
abweichen (das Schwanfen ber Erdachſe, fr. Nutation, — des Mondes, fr.
Libration); uneig. f. unentfchloffen, unentfchieden fein (ih ſchwanke noch,
was ich thun fol), unbeftimmt, unklar fein (ſchwankende Begriffe, Aus—
drüde 2c.); 2) m. fein, ſchwankend den Drt verlaffen oder verändern,
ſchwankend gehen (z. B. der Wein ift aus dem Gefäße geſchwankt; der Kranke
ift aus dem Zimmer gefehwantt); die Schwanfung, das Schwanten; —
fhwanf, Bw., Comp. ſchwanker, Sup. ſchwankſt, (oberd. auch ſch wan—
keh), lang, dünn u. biegfam u. daher hin u. her ſchwankend, finnv. ſchlank
(ein ſchwankes Reis, ein ſchwanker Baum); felten uneig. f. unentfcieden,
unbeftimmt (ſchwanke Ausdrüde, gem. ſchwankende); ſchwankfüßig, Bw.,
auf ſchwankenden Füßen gehend; — der Schwanf, -es, M. Schwäne,
(altd. swanc, G. swankes), ehem. f. ſchwingende Bewegung, Schwang,
Schwung; gefhwungener Schlag, Streih, Schwert=, Fechterſtreich;
jegt uneig. f. luftiger Streich od. Einfall, launige Erzählung, Scherzrede,
ſinnv. Schnafe, Schnurre, Poffe, (Schwänfe machen, erzählen ꝛc.; ſchwed.
swink, Liſt; dän. swenke, £iften, Kniffe; vergl. Rank und ranfen); der
Schwanfmader, wer Schwänke macht; oberd. f. unzuverläffiger Menfch,
Windbeutel; ſchwankweiſe, Nw., nah Art eines Schwantes; — ſchwän—
fen, ziel. 3w., f. ſchwenken.
Schwanz, m., -es, M. Schwänze; Verkl. das Schwänzchen, Schwänz-
lein, (mittelh. swanz f. Schleppkleid, Tanz, wahrſch. von swanzen, f. ſchwan—
ten, ſ. u. ſchwanzen u. vgl. ſchwenzen; in der jest üblichen Bed. gebrauchte
man dafür zagel; ſchwed. swans, dän. swands), urfpr. überh. etwas Herab—
hangendes, Schwanfendes, daher ehem. f. Schleppe, Schleppkleid, Tanz-
anzug; aud ein (auf dem Kopfe ſchwankender) Theil des weibl. Kopfputzes;
u. f. Tanz; jegt der bewegliche, gem. in eine Spise auslaufende Theil am
Ende des Rumpfes thierifcher Körper, von weiterer Bed., aber weniger edel,
als Schweif (j. d.), landich. gem. auch Bürzel, Sterze, niederd. Steert 2c.
(der Schwanz eines Pferdes, Hundes, der Mäufe, Eidechſen, Krebfe, Fiſche ac. 5 -
ſprichw. dem Hunde —, uneig. Jemand auf den Schwanz treten, f. ihn belei-
digen; den Schwanz ftreicheln, f. Fuchsſchwanz; eine Sache auf den Schwanz
ſchlagen, d. i. fie fich heimlich u. widerrechtlich zueignenz oberd. einen Schwanz
machen f. fein Wort nicht halten); in weiterer Bed. das dünne Ende eines
Dinges, 3. B. der Haarzopf; die Schwänze der Noten, d. i. die dünnen
Strihe an den Köpfen; der Schwanz einer Schraube; Pflanz. ein langer,
fadenförmiger Körper an der Spige des Samens ꝛc.; uneig. auch f. etwas
Nahfolgendes, ein Anhang, Gefolge zc. (einen langen Schwanz an etwas
machen; landfch. der Kaffee Hat einen Schwanz, f. Nachgeſchmack); niedr. f.
das männliche Glied (vgl. das lat. canda f. penis); oberd. gem. geringfchäsig,
aber nicht beleidigend f. männliche Perfon (du Schwanz! 2c.); in Zfes. ein
Thier, eine Pflanze ꝛc. mit einem Schwanze, 3. B. Lang-, Stumpf, Grün-,
Seiden-, Fuchs-, Katzenſchwanz zc., ſ. d. — ſchwanzen (auch ſchwanzie—
ren), zielloſ. Zw. (mittelh. swanzen, eig. den Leib ſchwankend hin u. her be—
wegen) oberd. f. ſtutzerhaft geziert einhergehen, ſtolziren; müßig umher—
gehen, ſchlendern; — 3ſetz. von Schwanz: die Schwanzader, Ader am
53*
836 Schwanz
Schwanze, bef. der Pferde, auch Sternader; die Schwanzbeere, landſch. f.
Heidelbeere; das Schwanzbein, bei vierfüß. Thieren die Beine des verlän-
gerten Rüdgrats, welche den Schwanz bilden; bei Menfchen ſ. v. w. Steiß-
bein; das Schwanz-Ende, das Ende eines Dinges, welches deffen Schwanz
ausmacht; auc das Ende des Schwanzes; der Schwanzfarn, eine Art des
Srauenhaars, eine Pflanze; die Schwanzfeder, Federn, welche den Schwanz
eines Vogels ausmachen; die Schwanzfliege, eine Art Fliegen mit einem
zweifchneidigen Stachel als Schwanz; die Schwanzfloffe, die Floſſe, welche
den Schwanz des Fiihes endigt; der Schwanzfuß, Füße in der Gegend des
Schwanzes, bei vielfüßigen Inſecten; der Schwanzhafer, landſch. f. Taub-
od. Windhaferz der Schwanzhammer, ein vom Waffer getriebener, 20 bie
40 Pfund fhwerer Hammer; die Schwanzfröte, eine Art geſchwänzter Krö-
ten; ſchwanzlos, Bw., ohne Schwanz, ungefchwänzt; die Schwanzmeife,
eine Art Eleiner, langſchwänziger Meilen, auch Zagel-, Berg-, Schnee-, Sumpf:
meife 2c.; der Schwanzpapagei, Papageien-Art mit langem Schwanze; die
Schwanzperrüde, Zopfperrüde; die Schwanzrafte, furinam. Beutelvatte
mit langem Schwanze; der Schwanzriemen, ein Riemen am Pferdegeichirr,
welcher unter dem Schwange des Pferdes durchgeht; der Schwanzring,
Hüttenw. der um den Schwanz eines Hammers gelegte eiferne Ring; Die
Schwanzrübe, |. Rübe; die Schwanzfchraube, an Feuergewehren die
Schraube, welche in die Mündung des Pulverfads eingefchraubt iftz der
Schwanzitern, f. v. w. Haar» oder Schweifftern (f. das fr. Komet); das
Schwanzſtück, ein Stück von dem Schwanze od. Hintertheil eines Thieres
(z. B. eines Rindes); das Stück, an welchem fic der Schwanz befindet, der
abgefchnittene Schwanz (won einem Fiſche); der Schwanzfräger, olt. f.
Schleppträger; die Schwanzwespe, ſ. v. w. Sägenfliege; der Schwanz:
wurm, ein Eingeweidewurm, welcher an einem Ende eine fadenförmige Borfte
hat, auch Haarwurm; ein freffendes Gefhwür in dem Schwanze des Rind-
vichs, niederd. Quas-, Steertwurm; — Ableit. das Schwänzel, -$, M.
w. E., oberd. gem. f. Schwänzlein, Schwänzchen; landſch. f. Grün—
fhwanz, Grünfink; f. Sommerloldy; Hüttenw. verderbt f. Schwemmſel,
ſ. d.; ſchwänzen, 3w., 1) ziellos m. Haben, den Schwanz hin u. her
bewegen, wedeln; daher gem. im Gehen den Hintern hin u. her bewegen,
gew. ſchwänzeln; Yandfch. auch f. müßig und nachläffig umhergehen (her-
umfhwänzen; vgl. o. ſchwanzen); daher wohl gem. f. ettwas ohne Noth
u.muthwillig verſäumen (er hat geſchwänzt; u. ziel. die Schule, die Stunde ze.
ſchwänzen); 2) ziel. mit einem Schwanze verfehen (4. B. eine Note; bei.
des Mw. geſchwänzt); oberd. auch des Schwanzes berauben (einen
Hund —, ihm den Schwanz abhauen); uneig. et was —, oberd. f. heimlich
und unerlaubter MWeife nehmen; einen—, gem. f. um etwas betrügen,
prellen; oberd. f. ihn Schwanz (ſ. 0.) heißen, fchelten, verächtlich behandeln;
plagen, züchtigen; ſchwänzeln, ziellof. Zw., das verkt. ſchwänzen: dem
Schwanz (oder Hintern) hin u. her bewegen; beſ. fehmeichelnd mit dem
Schwanze wedeln (von Hunden); der Schwänzelpfennig, gew. M.
Schwänzelpfennige, gem. fcherzh. Geld, weldyes man ſchwänzt, d. i. als un—
erlaubten Gewinn beim Ein= oder Verkauf unterfchlägt, auch Korbpfennige;
fhwänzig, Bw., 1) einen Schwanz habend, geſchwänzt, gew. nur in
ſchwapp — Schwarm 837
Zſetz. wie lang=, kurzſchwänzig 2c.; 2) oberd. f. munter, ftattlich, zierlich
(wohl von ſchwanzen, f. 0.)
fhwapp od. ſchwapps, ein ſchallnachahmender Naturlaut der Valkefpr.,
welcher den Schall ausdrückt, der durch einen heftigen Schlag auf einen
weichen Körper, oder durch das Anfchlagen eines weichen od. flüffigen Kör—
pers an einen harten entfteht (z. B. es ging ſchwapp; ſchwapp, befam er
eine Ohrfeige; vgl. fhwipp); ſchwappen, ſchwappeln, fihwappern, 3m.,
gem., diefen Schall hervorbringen (3. B. fchlagen, dafs es ſchwappt); oberd.
f. fhwabben, fhwabbeln (f. d.); ſchwappen aud f. fhwanfen, unftät
fein; ſchwappeln f. gern trinken, ſchwelgen; ehem. f. ſchwatzen; der
Schwappelbauch, fehwappelig ꝛc. ſ. Schwabbelbauch 2c.
Schwar, m., -e8, M. -e, od. der Schware, -n, niederd. (Sware von
Mwaar f. ſchwer), eine Eupferne Scheidemünge in Bremen, — JGrot oder
15 Grofchen.
ſchwären, zielloſ. Zw., ablaut. ſchwärſt, ſchwärt mundartf. noch ſchwierſt,
ſchwiert); Impf. fehtwor, Gonj. ſchwöre; Mw. geſchworen, (oberd.
ſchweren, ſchwiren; altd. sueran, swern, Präſ. swir ꝛc., Prät. swar, Part.
gesworn, überh. f. ſchmerzen; Grundbegriff der Wurzel suar ſcheint: drücken;
daher suäri, swaere, ſchwer, ſ. d.; vgl. euch ſehr, das angelſ. sar, ſchwed.
sar, Schmerz, Geſchwür, engl. sore 2c.; n. X. iſt die Wurzel war, freſſen od.
brennen (vgl. warm?), mit vorgetretenem s; vgl. d. ſchwed. war, angelf. vyr,
Eiter, lat. virus; angelf. vaerc, Geſchwür ꝛc.), in Eiterung übergehen, ein
Geſchwür bilden, gew. m. fein (4. B. der Finger ſchwärt, ift gefchworen,
d. i. es ift ein Geſchwür daran entftanden; m. haben nur, wenn mehr der
Vorgang des Schwärens, als das Ergebnifs ausgedrückt werden foll, 3. 8.
die Wunde hat gefchworen, d. i. geeitert); — der Schwär, -en, M. -en,
od. der Schwären, -$, M. w. E., landſch. auch) die Schwäre, M. -n,
(oberd. der Schwer od. Schweren, aud) das Gefchwer; altd. der suero, swere,
swer, d. i. überh. Schmerz, z. B. zandswer, f. Zahnfchmerz), eine mit Eiter
angefüllte Haut-Erhöhung, Eiterbeule, Außerlihes Geſchwür, (von enge:
rer Bed., ald Gefhwür, welches auch Eiterungen in inneren Körper:
theilen bezeichnet); — das Schwärfraut, f. v. w. Grindkraut, bei. Ader-
grindkraut, blaue Kornrofe.
Schwarf, m., -es, M. Schwärfe, niederd. (Swark; preuß. die Schwärke;
holl. zwark, zwerk; angelj. sveorc, Finfternifs, gesveorc, Nebel; verw. mit
fhwarz 2) f. eine Dice Regen- oder Gewitterwolke; ein Bienenfhwarm;
fchwarfen od. ſchwärken, ziellof. Zw., niederd. (auch ſworken, beſworken;
ehem. ſchwargen; altfächf. suercan, finfter werden) f. fich dicht bewölken (es
ſchwarket zc.).
Schwarm, m., -e8, M. Schwärme, (alid. suaram, suarm, swarm;
angelf. svearm, engl. swarm, ſchwed. svärm; von der Wurzel suar, ſchwirren,
ſ. d.5 vgl. aud) das altd. swerben, swarp 2c., niederd. ſwarven, oberd.
fhwirbeln, ſich wirbelnd bewegen, ſchwärmen, und werben, wir:
bein zc.), ein fi) mit Geräufch bewegender, verworrener Haufen gleich-
artiger lebendiger Werfen, bef. von Müden, Bienen ꝛc. (Müden-, Bienen:
ſchwarm, f. d.), aber auch von Menfchen (ein Schwarm junger Leute; der
ganze Schwarm folgte ihm 2c.); auch f. Lärm, Geräufch, raufchende Ver:
gnügungen (im Schwarme leben, Tandfch. f. in Saus und Braus); uneig.
838 h Schwarte
überh. f. eine ungeordnete, vertworrene Menge (4. B. ein Schwarm von Ge
danken, Bildern 2c.); landfch. f. ein Anfall von Geiftesverwirrung, Zer:
flreuung 2e. (einen Schwarm haben, bekommen ꝛc.; Jäg. ber Leithund hat
den Schwarm, wenn er, duch fremde Witterung verwirrt, die Fährte ver:
liert); Zſetz. der Schwarmfad, ein Sad, in welchen man einen Bienen-
ſchwarm fat; ſchwarmweiſe, Nw., in einem Schwarme oder in Schwär-
men; — fhwärmen, ziellof. Zw., (oberd. fchwermen, ſchwirmen; niederd.
fwarmen u. fwarven; angelf. svearmian, engl. swarm, ſchwed. svärma), ſich
im Schwarm, d. i. in verworrener Menge und mit Geräuſch bewegen
(Mücken ſchwärmen; die Bienen ſchwärmen, wenn die Jungen im Schwarm
aus dem Stocke ziehen; Kinder, junge Leute ſchwärmen auf den Straßen um:
herz; in der Regel m. haben, 3. B. die Bienen haben geſchwärmt; m. fein T
nur, wenn Ausgangspunkt oder Ziel der Bewegung angedeutet wird, 3. B. fie
find fort-, dahin geſchwärmt 2c.); auch überh. f. ſchweifen G. B. auf der See
umherfchwärmen); in engerer Bed. u. uneig. in raufchenden, ausſchweifenden
Vergnügungen leben (er ſchwärmt gern, hat viel gefchwärmt); verworrenen
finnlichen Vorftellungen folgen od. nachhangen (Jäg. der Leithund ſchwärmt,
d. i. läfit fih im Suchen irre machen; auch unp. es ſchwärmt in feinem |
Kopfe); insbef. fich angenehmen dunkeln Gefühlen oder Einbildungen, °
überfpannten Empfindungen ꝛc. ohne befonnenes Urtheil hingeben (er
ſchwärmt in der Religion, in der Liebe, Freundſchaft ze; au: für etwas
ſchwärmen, d. i. maßlos und blindlings dafiir eingenommen fein); 3fes. der
Schwärmgeift, Geift, Gefinnung des Schwärmens od. eines Schwärmers; 1
auch ein gern ſchwärmender Menſch; die Schwärmzeit, die Zeit, im welcher
die Bienen ſchwärmen; Ableit. der Schwärmer, -8, M. w. €., 1) überh.
wer ſchwärmt, ein ſchwärmendes Weſen od. Ding, z. B. eine zum Schwär—
men geneigte Biene; Jäg. ein ſchwärmender (ſ. o.) Leithundz Naturk. fi.
Dimmerungsfehmetterling, Abendvogel; eine Art Klipp=, oder Bands 4
fifche; die fpringenden Spinnen, welche fein Gewebe machen 2c.; in der
Feuerwerkskunft eine mit Pulver gefüllte walzenformige Papierhülfe, weiche
angezündet praſſelnd hin und her fliegt u. mit einem Knalle zerplagt; 2) def.
ein Menfch, welcher ſchwärmt, d. i. in raufchenden Vergnügungen lebt 7
(z. B. ein Nachtſchwärmer), oder uneig. verworrenen Vorftellungen, dunfeln
Gefühlen und Einbildungen nahhängt (fr. Phantaft), weibl. die Schwar-
merinn, (4. B. in ber Liebe; KReligionss od. Glaubensfhwärmer, ft.
Fanatiker); daher: der Schwärmereifer, Eifer eines Schwärmers (fr. ga
natismus); die Schwärmerei, 1) das Schwärmen, der Zuftand und die
Handlungsweiſe eines Schwärmers, nur uneig. (7. B. in der Liebe, Relis
gion 20.); 2) eine Handlung oder Außerung eines Schwärmers (M.
Schwärmereien); ſchwärmeriſch, Bw., einem Schwärmer eigen od. anz
gemeffen, in der Schwärmerei gegründet, nach Art eines Schwärmers
(Ihwärmerifche Meinungen; fchwärmerifch lieben 20.); einem Schwärmer
Ähnlich, zur Schwärmerei geneigt (ein ſchwärmeriſcher Menfch).
Schwarte, w., M. -n, Verkl. das Schwärtchen, (altd. swarta, swarte,
bef. f. die behaarte Kopfhaut des Menfchen, ohne verächtl. Nebenbegriff; oberd.
die Schwarten, niederd. Swaarde, Sware; isländ. svördr, angelf. sveard,
engl. sward, ſchwed. swärd, holl. zwoord), urfpr. wohl "üiberh. dicke, harte
Dede, bef. Thierhaut; jest gem. in engerer Bed. die dicke Spedhaut des
nn male ——
m nen,
—— —
ſchwarz 839
Schweines, Speckrinde, (Sped-, Schweinſchwarte); Jäg. auch die abgezo—
gene Haut des Dachſes; niedr. f. die Haut des Menſchen (z. B. einen ſchla—
gen, dafs ihm die Schwarte knackt), daher auch gem. f. Menſch (z. B. eine
gute Schwarte; vgl. Haut); landſch. f. Nafen, begraste Aderrinde (in der
Schwarte adern, d. i. das Brachfeld umpflügen); die noch mit der Rinde bes
Eleideten Außerften Bretter von einem zerfügten Kloße heigen: Schwarten,
auh Shwartenbretter, oberd. Schwärtlinge; die Ninde, welche
ſich beim Kochen der Speifen an das Gefchirr anfest (das Schwärt-
den); gem. ſcherzh. f. ein in Schweinsleder gebundenes u. überh. ein altes
Buch; der Schwartenmagen, ein mit zerfchnittenem Sped und Schweine:
haut, Schweinsblut, Semmel ze: gefüllter Schweinsmagen; die Schwarten:
wurft, eine eben fo gefüllte Wurft; ſchwartig, Bw., Schwarte, d. i. die,
harte Haut habend, (Weißgerb. ein Fell ift fchwartig, d. i. dick und hart);
ſchwarten, ziel. 3w., oberd. f. prügeln, peitfchen.
ſchwarz, Bw., Comp. ſchwärzer, Sup. ſchwärzeſt, (gorh. syarts; altd.
suarz, swarz; niederd. engl. holl. swart, angelſ. sveart; isländ. svartr, ſchwed.
svart, dän. sort; vielleicht von gleicher Wurzel mit dem lat. sord-idus ?), Be
nennung der dunkelften Farbe, welche die wenigften Lichtſtrahlen zurüdwirft,
entg. weiß, von verſchiedenen Schattirungen, z. B. blau=, braun, Eohl-,
pechſchwarz 2c., (Ihmwarze Kreide, Tinte, Schwarzes Haar 2c.; ein Schwar:
zer, die Schwarzen, als Hw. f. Neger; der Schwarze, gem. f. Zeus
fel; das Schwarze f. was ſchwarz ift, z. B. das Schwarze im Auge, in
der Scheibe 2e.; auch f. die Schwarze Farbe, 3. B. ins Schwarze fallen, |.
fallen; vgl. u. das Schwarz; das ſchwarze Brett, auf Hochſchulen ein
ſchwarz angeftrichenes Brett, an welches die Bekanntmahungen der Lehrer,
Behörden zc. geheftet werden; die ſchwarze Tafel, in Schulen 2c.; der
ſchwarze Sonntag, d. i. der zweite Sonntag vor Oftern (fr. Iudica),
an welchem die Altäre, Kanzeln ꝛc. ſchwarz behängt wurden; der ſchwarze
Staar, |. Staar; fprihw. einem etwas ſchwarz auf weiß geben, d. i.
ſchriftlich; ſo auch: Schwarz auf Weiß haben; vor Ärger, Zorn zc. ſchwarz
werden; einen ſchwarz maden, ſchwarz anfchreiben oder ins ſchwarze
Regifter Schreiben, d. i. ihm Böſes nachſagen, ihn für ſchlecht halten und er—
Elären, verleumden, vgl. anfchwärzen); in weiterer Bed. f. dunkelfarbig, ing
Schwarze fallend, ſchwärzlich (7. B. ſchwarze Augen, d. i. ſchwarzbraune;
ſchwarze Kirfchen, d. i. ſchwarzrothe; ſchwarzes Brod, von grobem Rog—
genmehl gebadenes, entg. weißes Brod; eine ſchwarze Haut, d. i. cine von
der Sonne verbrannte; ſchwarze Zähne 2c.: fchwarzes Wildbret, |. v. m.
Schwarzwild, f. ü.; der ſchwarze Waldhahn, f. v. w. Birkhahn; ſchwar—
zes Dolz, Forftw. f. Nadelholz; ſchwarze Münze, chem. f. Kupfers,
od. mit vielem Kupfer gemifchte Silbermünze; To auch: fchwarzes Silber;
Hüttenw. ſchwarzes Kupfer, f. ungereinigtes; ſchwarzer Meſſingdrath, d. i.
beim Ziehen Schwarz angelaufenerz die ſchwarze Kunft, gefhabte Kupfer-
ftih- Manier; f. auch u.); auch f. Shmusig, befhmußt (ichwarze Wäſche);
dunkel, finfter (Ichwarzes Gewölt ; der Himmel wird fchwarzz Schwarze
Naht 2.5 oberd. von Waaren: ſchwarz herein kommen, d. i. gegen
das Verbot heimlich (im Dunkeln) über die Grenze gebracht werden, vgl. u.
ſchwärzen); uneig. f. unglüdlich, höchſt traurig, unheilvolf (ein ſchwarzer
Tag; Alles erfcheint ihm ſchwarz); abſcheulich, boshaft, verrucht (eine
840 ſchwarz
ſchwarze That; die ſchwarze Seele des Verbrechers; ſein ſchwarzes Leben;
die ſchwarze Kunſt, angebl. Zauberei mit Hülfe böſer Geiſter, fr. Nigro—
mantie); das Schwarz, -28, 0. M., die ſchwarze Farbe (3. B. ein fchönes,
glänzendes Schwarz; das Schwarz der Haare zc.); ein ſchwarzer Farbeftoff
(3: B. Bein, Kohlen, Rußfhwarz; deutfches od. Frankfurter Schwarz,.
eine bläulich-ſchwarze Erde); — 3feg. die Schwarzamfel od. -droſſel,
gemeine Amfel; das Schwarzauge, Naturf. eine Gattung Klippfifche; eine
Art ſchwarzgefleckter Porzellanfhneden; ſchwarzaͤugig, Biw., [hiwarze Augen
habend; die Schwarzuade, Jäg. der große Baumfalke; der Schwarzbäder,
wer nur ſchwarzes (Roggen-) Brod backt; der Schwarzbart , eine Perfon
mit ſchwarzem Bartez eine Art Papageien; landfch. f. Rothhänfling, Flachs—
fine: das Schwarzbärtchen; der Schwarzbauch, landſch. f. Näsling oder
Nafe, eine Art Fiſche; die Schwarzbeere, Heidelbeere; der Schwarzbinder,
ein Bötticher, welcher nur große Gefäße aus fchwarzem, d. i. Eichenholze,
serfertiät, 7. U. v. Weißbinder; fchwarzblau, Bw., fehr dunkelblau; das
Schwarzblech, ſchwarzes, d. i. unverzinntes Blech; ſchwarzblütig, Bw.,
ſchwärzlich rothes, dies Blut habend, u. daher ſchwermüthig; ſchwarzbraun,
Bw., ins Schwarze fallend braun; das Schwarzbrod, Schwarzes (Roggen-)
Brod (f. 0.); die Schwarzbruft, das Schwarzbrüftchen, eine Art Baum:
Eletten mit ichwarzem Unterleibe; der Schwarzdorn, ſ. v. w. Schlehdorn,
ſ. d.; die Schwarz-Ente, ver Eieine Flufstaucher; das Schwarzerz, Bergw.
eine ſchwärzliche Art Silbererz; der Schwarzfalfe, der ſchwarze Falke oder
Hühnerweihe; der Schwarzfärber, ein Färber, welcher nur ſchwarz färbt,
3. U. v. Blau-, Schönfärber zc.; fehwarzfledig, Bw., Ichwarze Flecken ha—
bend; der Schwarzflügler, eine Art vother Diefchnäbler mit ſchwarzen Flü—
geln, in Mexiko; fchwarzfüßig, = beinig, Bw., Schwarze Füße oder Beine
und fhwermüthig (fr. melancholiſch); ſchwarzgar, Bw., Gerb. vom Leder:
auf folhe Art gegerbt, dafs es ſchwärzlich ift, entg. weißgar; Ihwarzge-
fleckt, -geflügelt, gelockt, -geftreift u. dgl. m., Bw., mit ſchwarzen Flecken,
Flügeln, Locken zc. verfehen; ſchwarzgelb, grau, grün, Bw., ins Schwarze
fallend gelb, grau, grün; das Schwarzgüldenerz, Bergw., ein ſchwärzliches
Silbererz, welches etwas Gold enthält; ſchwarzhaarig, Bw., ſchwarzes
Haar habend; der Schwarzhafer, Barthafer mit kleinen ſchwärzlichen Kör—
nern; das Schwarzholz, Forſtw. f. Nadelholz; auch f. Faulbaum; der
Schwarzkamm, eine Art morgenländ. Wiedehopfe mit ſchwarzem Kamme;
die Schwarzkappe, das Schwarzkäppchen, ein Perſon mit ſchwarzer
Kappe; eine Art Bachſtelzen mit einer ſchwarzen Platte auf dem Kopfe; das
Schwarzkehlchen, verſchiedene Vögel mit ſchwarzer Kehle, insbeſ. eine Art
Grasmücken, auch Rothſchwänzchen; eine Art Steinſchmätzer, auch Braun—
kehlchen, Steinpacker 2c.; eine Art blauer Baumkletten; der Schwarzkopf,
ein Menfch od. Thier mit ſchwarzem Kopfe, insbef. die ſchwarzköpfige Gras-
müde, j. v. w. Schwarzkäppchen; die gemeine Meerfchwalbe; eine Art gelber
Dickſchnäbler; die amerikan. fehwarzköpfige Natter; eine Art Klippfifche; eine
Art Erd- od. Laufkäfer; ſchwarzköpfig, Bw., einen Schwarzen Kopf habend;
das Schwarzfrauf, eine in den Wäldern wachfende Pflanze mit ſchwarzen
Beeren, aud) Schwarzwurg (actaea L.), be. das ährenförmige Schwarg
traut, auch Chriftophkraut, beerentragende Wolfswurz; der Schwarz
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habend; ſchwarzgallig, Bw., eine ſchwarze Galle habend, daher jähzornig
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ſchwarz 841
kümmel, eine Art Kümmel, welcher wild auf den Feldern wäch't, mit ſchwar—
zem, gewürzhaftem, heilkräftigem Samen; auch f. Kornraden; Stechapfel;
die Schwarzkunft, gew. ſchwarze Kunſt (ſ. o. fhwarz); der Schwarz
fünftler, die Schwarzfünftlerinn, wer die ſchwarze Kunft verfteht u. übt,
bbſer Zauberer, Herenmeifter,, auch überh. f. Zauberer, Zauberinn; das
Schwarzfupfer, Hütten. das zum erften Male gefchmelzte, noch ungerei-
nigte Kupfer, Königskupferz das Schwarzkupfererz, Bergw. Schwefel u.
. Eifen haltendes, dem Schwarzkupfer ähnlich Tehendes Erz; Ichwarzlodig,
Bw., Schwarze Locken habend; das Schwarzmehl, grobes Mehl; die
Schwarzmeife, Kohlmeife; Zannenmeife; dev Schwarznagelfchmied, wel-
her nur ſchwarze, unverzinnte Nägel macht; das Schwarzohr, ein Thier
mit ſchwarzen Ohren, inöbef. der Steppenfuchs; der Schwarzraud), landſch.
f. die 3werggarbe (achillea nana L.); der Schwarzrod, eine Perlon in
ſchwarzem Rode, fcherzh. beſ. ein Geiftlicher; fchwarzrödig, Bw., einen
ſchwarzen Rod tragend; ſchwarzroth, Bw., ins Schwarze fallend roth; der
Schwarzrüden, ein Thier mit ſchwarzem Rüden, insbef. eine Enten - Art;
der oder die Schwarzfchede, ein ſchwarzgefleckter Schecke (ſ. d.); ber
Schwarzichimmel, ein weißes Pferd (f. Schimmel), deffen Weiß mit Schwarz
gemiſcht iftz der Schwarzfchwanz, ein Thier mit ſchwarzem Schwanze,
insbef. eine Art Bruftwenzel; eine Art Börs im nördl. Amerika; eine Art
Meerbraffen; der Schwarzfpecht, die größte Art Spechte, meift ſchwarz,
auch Baumhader, Specht-, Holzkrähe zc.; der Schwarzſtein, ſchwarzer
Braunſtein; Trapp; ſchwarzſtirnig, Bro., eine ſchwarze Stirn habend (der
ſchwarzſtirnige Sänger, eine Art Laubvögelchen: der Weidenzeiſig);
ſchwaͤrzſtreifig, Bw., ſchwarze Streifen habend; die Schwarztanne, Fichte;
der Schwarztaucher, das gemeine Waſſerhuhn; der Schwarzwald, ein
aus Schwarzholz beſtehender Wald; beſ. EN. eines Waldgebirges in Ober—
deutſchland; der Schwarzwälſche, eine Art Weinſtöcke mit großen Trauben
und ſchwarzbraunen Beeren; das Schwarzwild oder - wildbret, wilde
Schweine, bei Einigen auch Bären u. Dachſe; die Schwarzwinde, Korn-
winde; [hwarzwollig, Bw., jchwarze Wolle habend; die Schwarzwurz
od. zwurzel, eine Pflanze mit großer, auswendig fchwarzer Wurzel, die als
Wundmittel be. bei Beinbrüchen gebraucht wird, auch Beinwell, Schmeer-
wurz, großer Waldmeifter 2c. (symphytum officinale L.); das Schwarzkraut
(f. d.); die Zaunrübe; ein Gartengewächs mit wohlfchmedender, äußerlich
ſchwarzer Wurzel (scorzonera hispanica L.); ein Rantengewächs im: füdl. Eu—
ropa mit Enolliger, äußerlich ſchwarzer Wurzel, auch Schmeerwurg, ſchwarze
Zaunrübe (tamus communis L.); — Ableit. die Schwärze, (altd. suarzi,
swerze) 1) o. M. das Schwarzfein, die ſchwarze Farbe eines Dinges
(4. B. der Tinte, der Haut, der Nacht 2c.; insbef. eine durch den Mehlthau
verurfachte Krankheit des Hopfens); auch uneig. f. die höchft traurige, oder
fhrediihe, abfheuliche Beſchaffenheit (z. B. die Schwärze diefes Gedan—
kens, dieſer That 2e.); 2) M. (von mehren Arten) -n, ein ſchwarzer Körper
oder Stoff, z. B. Bergw. eine fchwarze milde Bergart (Silber-, Gold-
ſchwärze 2c.); bei. ein fchwarzer Farbeftoff (3. B. Druder-, Schufter-
ſchwärze 2c.); ſchwarzen, ziellof. Zw. (altd. suarzön, swarzen), vlt. f. ſchwarz
werden, oberd. erfchwarzen; ſchwärzen, ziel. Zw. (altd. suarzian, swerzen),
ſchwarz machen oder färben (Leder, Schuhe; das Eifen—, Schmied. mit
842 fchwatteln — fihweben -
Pech beſtreichen, wenn es noch heiß iſt); ſchmutzig machen (die Wäſche);
dunkel machen, verfinſtern, trüben (Wolken ſchwärzen den Himmel; auch:
ſich ſchwärzen, f. dunkel werden, z. B. der Himmel ſchwärzt ſich); uneig.
f. traurig machen, betrüben (bange Ahndungen ſchwärzen ſeinen Sinn); böſe
darſtellen, verleumden, gew. anſchwärzen; oberd. Waaren —, d. i. gegen
das Verbot mit Umgehung des Zolles heimlich über die Grenze bringen,
niederd. ſchmuggeln, (etwas ein- durchſchwärzen ꝛc.; wahrid. von
ſchwarz f. dunkel, heimlich; vgl. o. ſchwarz herein kommen; u. die Schwärz
in der Gaunerfpr. f. Naht); der Schwärzpinſel, quaſt, wiſch, ein Pin⸗
ſel 2c. zum Schwärzen, d. i. Schwarz-Anftreichen; der Schwärzer, -8, wer.
etwas ſchwärzt, d. i. ſchwarz macht; oberd. fe Schmuggler, Schleich
händler; das Schwärzfel, -8, ein Färbeftoff zum Schwärzen, bef. Schiffb.
ein Gemiſch von Kienruß mit Ol oder Theer; ſchwärzlich, Bw. , ſich det
ſchwarzen Farbe nähernd, ins Schwarze fallend.
fchwatteln, ziellof. Zw., ſchwäb. f. fchwabbeln, fehwappeln: über
ſchwanken, plätfhern; ſchwattig od. ſchwättig, Bw., f. v. w. ſchwabbelig,
ſchwankend.
ſchwatzen, oberd. ſchwätzen, zielloſ. u. ziel. Zw., (holl. zwetsen; engl.
twattle, tattle; — fehlt im Altd. u. iſt vielleicht nur Schallw.; vgl. waſchen,
Gewäſch, quaſſeln, u. das griech. Zaleıv), ſchnell u. viel von unerheblichen
Dingen reden, finnv. plappern; weitläufig und langweilig fprechen (über
etwas —, von einer Sache —; auch etwas —, 3. B. albernes Zeug —); Vetz
traulich reden, finnv. plaudern (mit Semand—); etwas Anvertrautes od.
‚Geheimes Andern mittheilen (aus der Schul ſchwatzen; etwas ausſch wa—⸗
en 2c.); uneig. auch vom Gefang oder Gezwitfcher der Vögel, dem Raus }
hen des Windes u. Waffers 2c.; der Schwaß od. Schwätz, -es, oberd. f.
das Geſchwätz, vertrauliches Geſpräch; — das Schwaßmaul, gem. fi
Schwäser, Scwägerinn; der Schwaßmarkt; die Schwatzſchule, der
Schwatzwinkel, ſcherzh. ein Ort, wo man zum Schwasen zuſammenkommt;
die Schwatzſucht, Sucht zu Shmwagen; ſchwatzſüchtig, Bw.; — bet
Schwäßer, -$, die Schwäßerinn, M. -en, wer gern und viel ſchwatzt
(ein langweiiger Shwäger); wer Geheimniffe ausplaudert; die Schwägere, —
gem. f. dag Schwagen; Gefhwäs; ſchwatzhaft, Bw., gern fchwagend,
ſinnv. gefhmwäsig; zum Schwaßen od. Ausplaudern geneigt; die Schwab:
haftigfeit, finno. Geſchwätzigkeit; ſchwätzig, ſchwatzlich, Bw., vit. f. ges
ſchwätzig, ſchwatzhaft.
ſchweben, zielloſ. Zw. m. Haben (altd. suepon, sueben, sweben; isländ.
sueifa, ſchwed. sväfvaz val. fchweifen u. weben), urfpr. überh. im wogender
“od. ſchwankender Bewegung fein, daher chem. insbef. f. [hwimmen, auf
dem Waſſer ſchwanken (bibl. wie ein Schiff auf ungeſtümem Meere ſchwe—
bet 2c.); jest gew. 1) fi in der Luft frei erhalten oder leicht und fanft
bewegen, finnv. fliegen, welches fchnellere Bewegung in beftimmter Richtung
bezeichnet (ein Vogel ſchwebt in der Luft; der Nebel ſchwebt über dem Wafler; -
bibl. der Geift Gottes ſchwebte auf den Waſſern; uneig. ein ſchwebender
Schritt, Gang, d. i. ein ſehr leichter, welcher den Boden Faum zu berühren
ſcheint; hoch ſchwebende Gedanken; es ſchwebt mir vor den Augen, d. i. ih
glaube es im Geifte vor mir zu fehen; das Wort ſchwebt mir auf der Zunge,
d. i. es liegt mir dunkel im Sinne, fo dafs ich mich jeden Augenblict darauf
⸗
Pr nu er —
Schwede — fhwedern 843
zu befinnen hoffe); 2) in der Höhe befeftigt frei herabhangen (z. B. ein
Kronleuchter ſchwebt an der Dede; eine ſchwebende Lampe 2c.); im weiterer _
Bed. auch: bei wenig bemerkbarer Befoftigung vom Boden aus Über den:
felben erhoben fein (eine ſchwebende Brücke, d. i. eine in Ketten hangende, od.
eine hoch u. kühn gewölbte; Bergw. ein ſchwebendes Feld, d. i. ein folches,
welches von allen Seiten verfahren ift u. nur noch feine Bergfefte hat; ſchwe—
bende Gänge, d. i. flahe, wagerechte, auh ſchwebiſche, une. ſchwäbi—
ſche genannt); uneig. f. v. w. ſchwanken, in einem ungewiffen, unent=
f&hievenen Zuftand fein (zwifchen Furcht und Hoffnung—,-in Gefahr ſchwe⸗—
ben; ein Ton ſchwebt, wenn er nicht rein iſt; eine Streitſache ſchwebt,
wenn fie noch nicht entichieden ift) ; — der Schweb, oberd. Schiff. am Bor
denfee: der mittlere Theil des Sees; die Schwebe, M. -n (oberd. die
Schweb), der Zuftand des Schwebens oder Schwankens (4. B. in der
Schwebe fein); oberd. auch f. die Schwebftange am Frachtwagen; — Zſetz.
das Schwebeband, ein ſchwebendes, oder etwas in der Schwebe haltendes
Band, z. B. die Bänder, welche den Dotter im Ei halten; die Schweb-
fliege, Rüſſelfliege; die Schwebforelle, Forellen, welche fi) in der Höhe
des Waffers aufhalten, z. U. v. Grundforelle; der Schwebefünftler, Neum.
f. das fr. Äquilibriſt; — Ableit. der Schweber, -8, die Schweberinn,
wer ſchwebt; Naturk. Schweber f. Schwebfliege; u. f. Lerchenfal oder
Schwimmer; — fehwebeln, zielof. Zw. m. haben, (mittel). swibelen
f. taumeln; vgl. ſchweimen ꝛ⁊c.; wahrfch. nicht von dem obigen fchweben, fon=
dern don dem völlig vlt. ablaut. suepan, sweben, swap 2c., isländ. svefan,
ſchlafen; daher mittelh. entsweben, einſchläfern u. einfchlafen; ſanskr. Wurzel
svap, lat. sop-or ıc., somnus f. sop-nus, griech. Urvos, Schlaf ıc.), träu⸗
merifch betäubt fein, bef. in der Verbindung: nebeln w [hwebeln, di.
in unklaren Gefühlen u. Vorftellungen ſich bewegen; daher auch: der Schwer
beler, finnv. Träumer, Schwärmer.
Schwede, m., -en, M.-en, (oberd. der Schwed), die Schwedinm,
M.-en, EN. eines zum deutſchen Stamme gehörenden Volkes, welches
den größeren Theil der fEandinavifhen Halbinſel bewohnt, („alter Schwede!“
gem. vertrauliche Benennung f. ehrlicher, treuberziger Menſch); daher Schwer
den, f., -$, das Land der Schweden (das Königreich Schweden); der
Schwedenkopf, ein Kopf mit kurz gefchnittenem Haare; aud eine Perfon,
welche das Haar fo trägt; ſchwediſch, Bw., den Schweden eigen, zu
Schweden gehörend oder dort einheimifch (die ſchwediſche Sprache;
ſchwediſches Eifen; die ſchwediſche JZungfer, EN. einer gefährlichen
Klippe vor Stodholm).
Schweder, m, -3, M. mw. E, landſch. bef. niederd. (Sweder; urfpr.
wohl: etwas Weiches u. Feuchtes; vgl. das niederd. Sweet, Schweiß, und
das altd. Schwed, Wundpflafter) f. die weichen Bruſtdrüſen der zu
f. v. w. Bröschen, Kalbsmilch.
ſchwedern, ziellof. = ‚ oberd. ſ. v. w. ſchwadern, f. d.; daher wehl:
der Schwederich, -e8, M. -e, eine Art Garnſäcke zum Fiſchfang am Ende
eines Mühlgerinnes aufgeftellt; das Schwederlein, -8, (gem. Schwederle;
d. i. das Schwägerchen?) landſch. f. Rothhänfling.
Schwefel, m.⸗s, M. (fetten) w. E., (goth. svibls, altd. suebul, sueval,
swebel; oberd, Schwebel; angelf. svaeil, au svafvel; von der Wurzel
—
844 Schwefel
suab, suap, lat. sop—, daher das altd. sueban, sweben, angelf. suefian, be-
täuben, einfchläfern, vgl. ſchwebeln unter ſchweben; alſo: das Betäubende),
ein Mineral von blafsgelber od. grünlicher Farbe, beftehend aus einer mit
Vitriolfäure gefättigten brennbaren Erde, welches mit blauer Flamme brennt
und dabei einen ſtark riechenden, erſtickenden Dampf verbreitet; — Zfes. der
Schwefelabdrud, Abdruck eines gefcgnittenen Steines u. dal. in Schwefel
(fr. Schwefel-Pafte); das Schwefelbad, ein Bad in’ Schwefelwaffer; ein
Badeort mit Schwefelquellen; der Schwefelbalfam, in DI aufgelöfter Schwe—
fel; die Schwefelblumen, f. Blume; der Schwefelbrand, in Schwefel:
hütten: Kiefe, aus welchen der Schwefel bereits ausgezogen ift; der Schwe-
felbrech, Eleine Sumpfhahnenfuß ; der Schwefeldampf, od. dunft, ſ. Dampf;
die Schwoefelerde, ſchwefelhaltige Thonerde; das Schwefelerz, viel Schwe-
fel enthaltendes Erz; der Schwefelfaden, das Schwefelholz od. =hölzchen,
ſtöckchen, niederd. der Schwefelftiden, der Schwefelfpan, in ge—
fhmolzenen Schwefel getauchte grobe Swirnfäden, Eleine Hölzchen, Späne ıc.
zum Feuermachen; fchwefelfarben od. -farbig, fchwefelgelb, Bw., grün-
lich = blafögelb, wie der Schwefel; die Schwefelgrube, eine Grube, wo
Schwefelerze gebrochen werden; fehwefelhaltig, Bw., Schwefel enthaltend ;
die Schwefelhütte, ſ. Hütte; der Schwefelfies, ein Kies (f. d.), deffen
Hauptbeftandtheil Schwefel ift; die Schwefelfirfche, eine Art Kleiner faftiger
Kirſchen, auf einer Seite blafsgelb, auf der andern röthlich (weiße Twieſel—
beere): auch f. Wachskirſche; die Schwefelkohle, ſchwefelhaltige Steinkohle;
die Schwefelleber, Leberfarbige Verbindung des Schwefels mit Laugenſalz;
die Schwefelleberluft, eine eigenthümtiche erftitende brennbare Luftart, ftin
kende Schwefelluft , geſchwefeltes Waflerftoffgas; die Schwefelluft, flüchtige
Schmefelfäure in, Luftgeftalt, luftförmige Schwefelfäure, vitrioffaure Luft;
das Schwefelmännchen, Bergw. ein doppelt zufammengedrehter Schwefel:
faden, beim Sprengen der Erze in das Schießröhrchen gefegt; der Schwefel-
meifter, Hüttenw. der Vorgeſetzte einer Schwefelhütte; das Schwefelmetall,
ſchwefelhaltiges Metall; die Schwefelmilch, Scheidek. ein weißes Pulver,
welches fich niederfchlägt, wenn man in Waffer aufgelöfte Schmwefelleber in ver—
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dünnte Vitriolfäure tröpfelt; der Schwefelofen, Zreibofen in Schwefelfüt:
ten; die Schwefelpfanne, in Schwefelhütten Eleine bleierne Schüffeln mit
Ealtem Waffer, in welche man den Schwefel fließen läſſt; das Schwefel
pflafter, ein aus Schwefelbalfam, Wachs u. Geigenharz bereitetes Heilpfla—
fter; die Schwefelquelle, ſchwefelhaltige Quelle; die Schwefelräucherung,
Räucherung mit Schwefeldampf, als Heilmittel; der Schwefelregen, ein
Regen, nad) welchem man ein feines gelbes Mehl auf der Erde findet, welches
° gemeiniglich für Schwefel gehalten wird, in der That aber der gelbe Staub
von den Zäpfchen der Rothtannen iſt; die Schwefelfalbe, mit Schwefel bes
reitete Salbe; die Schwefelfaure, eine dem Schwefel eigenthümliche Säure,
jest durdy Verbrennung des Schwefels, ehem. aus dem gemeinen Eifenvitriol
gewonnen, daher auch Vitriolfäure, Vitriolöl, auch Schmefelöl, genannt;
fchwefelfauer, Bw., mit Schwefelfäure verbunden od. darin aufgelöft (4. B.
ſchwefelſaures Eifen, Kupfer 20.5 fehwefelfaure Kalkerbe, d. i. Bitterfalz); die
Schwefelfeife, ſ. v. w. Schwefelleber; der Schwefelfpan, -fliden, f. unter
Schwefelfaden; der Schwefeltropfen, Hüttenw. gefhmolzener Schwefel,
welcher bei dem Köften des Bleies aus den Bleierzen tropft, auch Tropf—
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Schwefze — Schweif 845
ſchwefelz das Schwefelwachs, Schuhm. weißes, mit Schwefel vermifchtes
Wache, bei. weißen Näthen ftatt des Peches gebraucht; das Schwefelmaffer,
fchmwefelhaltiges Waſſer; das Schwefelwerf, Schwefelbereitungsanftalt; die
Schwefelwurz, f. v. w. Haarftrang; — Ableit. ſchwefelicht, zgez. ſchwef—
licht, Biw., ſchwefelähnlich, def. dem Geruche nad); ſchwefelig oo. ſchweflig,
Bw., Schwefel enthaltend, ſchwefelhaltig; daher ſchwefeligſauer, Bw.,
Scheidek. mit der flüchtigen Schwefelfäure oder der Schwefelluft verbunden;
ſchwefeln, ziel. 3w., mit Schwefel u. bef. mit Schwefeldampf bearbeiten,
von Schwefeldampf durchziehen laffen (Strohhüte—; den Wein—, indem
man duch gefchmolzenen Schwefel gezogene Reinwandftreifen od. Holzſpäne in
dem zu füllenden Faffe verbrennt).
‚ Schwere, w., M.-n (verw. mit ſchweifen, fchwippen), Jäg. f. das
| Schnellfeil, ſ. d.
Schwegel od. Schwiegel, w., M. -n, auch die Schwegelpfeife, (ver-
derbt: Schwebelpfeife; altd. suegala, swegila, swegele, vgl. das angelf.
| sveg, svög, Ton, svegan, svögan, tönen), oberd. u. ſchweiz. f. Pfeife, Quer—
pfeife; Eleine ländliche Flöte, Schalmei; Drgelpfeife, Drgelregifter (die
große Schwiegel, ein Regifter von 8 Fuß Ton; die Eleine Schw., von
4 Zuß); ehem. auch überh. f. Tonwerkzeug; fchwegeln 05. fchwiegeln,
| ziellof. u. ziel. 3t., (verderbt auch: fchwibeln; goth. svigljön, altd. swegelen),
auf der Schwegel blafen, pfeifen; oberd. fcherzh. f. einen guten Zug trin=
ten; der Schwegeler, -8, (altd. suegalari, swegelaere) f. Pfeifer, Flöten-
| bläfer (goth. sviglja).
ſchwehlen, 3w., f. ſchwelen.
ſchweiben, zielof. Zw. (mahrfch. ein altes ablaut. 3w. swiben, sweip ıc.,
| i8länd. svifa, sveif 2c., fich bewegen; vgl. ſchwaiben, ſchweben zc), ſchweiz. f.
ſchwanken, ohnmächtig niederfinfen; der Schweiber, -$, oberd. eine
Borrihtung zum Fifhfang, Garnreufe (ſchweiz. Shwäbnep).
| /Schweideler, m., -8, M. w. E., niederd. (Sweideler; vgl. das angelf.
| svethil, Binde; engl. swathe u. swaddle f. Windel u. wideln) f. Neifefad,
Satteltafche.
ſchweiden oder ſchweden, auch ſchwöden, ziel. Zw. (wahrſch. urfpr. be—
feuchten, befchmieren; vgl. Schweiß, niederd. Sweet; Schweder, und das
niederd. fweeg, zgez. aus ſwedig, f. feucht), Weißgerb. die Felle auf der
Aasfeite mit einem Gemifch von Kalkwaffer und Afche beftreichen mittelft
‚ eines Wedels von einem Kuhſchwanz (Schweide- od. Schwödewedeh,
| damit die Haare losgehen; daher das Schweide: od. Schwödefaſs; die
| Schweidegrube ıc.
| fchweien, ziellof. Zw. (vgl. d. engl. sway, ſchwanken) Schiff. von einem
vor Anker liegenden Schiffe: beim Wechfel der Ebbe und Fluth od. des Win-
des feine Lage verändern; — der Schwei, -e3, M. -e, Schiffb. f. die
\ Schmiege.
Schweif, m., -e8, M. -e, (altd. sweif, oberd. Schwaif; von ſchweifen,
| 1. d., alfo: was ſich hin und her bewegt od. ſchwankt; vgl. das griech. aößn
| v. coßEw) , überh. j. v. w. Schwanz, jedoch edler, als diefes und in engerer
\ Bed. bef. ein langer, haariger, oder fchönfarbiger Schwanz eines Thieres
| @ 8. der Schweif eines Löwen, eines Pferdes, eines Pfaues 2c.); der
‚ Ichweifähnliche Theil "eines Haarfterns od. Kometen; die Schleppe eines
*
846 | N ſchweifen — ſchweigen
Kleides; am den Auſtern ſ. v. w. ber Bart; uneig. f. langer Anhang, Ge—
folge; Bergw. das äußerſte Ende eines Ganges, u. die in demſelben bres
enden, gemeiniglich tauben oder fehr armhaltigen Erze; — der Schweiß:
riemen, f. v. w. Schwangriemen ; die Schweifrübe, f. Rübe; die Schweif-
fcheide, Riem. ein Leder, in welches der Schweif des Pferdes eingewicelt und
damit aufgebunden wird; der Schweifftern, Haarftern (fr. Komet); der
Schweifträger, die Schweifträgerinn, Schteppenträger zu.; — ſchweifig 1.,
Bw., einen Schweif habend, in Zſetz. wie lang-, dickſchweifig 2c.; ſchwei⸗
fen 1. ziel. 3w. mit einem Schweife verfehen (einen Helm—, mit einem
Rofsschweife zerzieren) , bei. im Mw. gefhweift (z. B. ein Schön geſchweif—
tes Pferd); fchweifeln, ziellof. Zw., oberd. f. wedeln, fchmeicheln. FR
fchweifen 2., Zw. (altd. zwei ablaut. Verba: swifen; sweifzc., oberd.
ſchweifen, ſchwaif, gefhwiffen, d. i. ſchwingen, fehwingend bewegen, zielloee
u. ziel.; u. ziel. sweifen, swief 2c., oberd. fchwaifen, ſchwief, geichwaifen, d. i.
winden, ſchwingen; jest nur umend. fchweifte, gefchweift; isländ. sveipa, ein=
wideln, ſchwed. svepa, sväfvaz verw. mit fchweben, fchweiben, jchwaiben;
vielleicht von gleicher Wurzel mit dem griech. voßEw), 1) ziellos m. fein,
ohne beftimmte Richtung fich in einem weiten Kaum hin und her bewe-
gen (3. B. im Lande umher—, Über die Grenzen fchweifen, finnv. ftreifen;
vgl. die zgeſ. ab-, aus-, umherichweifen), uneig. von den Bliden, Gedanken ꝛc.
(die Augen fchweifen laſſen 2e.); alt u. oberd. auch f auf der Erde ſchleppen;
u. f. fhleihen (bef. das Mw. gefhweift f. gefchlichen, ſchleichend, ganz
fi); 2) ziel. fchwingend hin und her bewegen, finnv. ſchwenken (vie
Wäſche —, ein Glas 2. —, im Waffer abjpülen); alt und ſchweiz. f. fegen,
ehren (die Stube —; angel. svapan, engl. sweep), daher noch Landw. das
Setreide—, d. i. mit einem Flederwifche die Sprey davon abfegen; alt und
oberd. f. winden, fehlingen (bef. umfhweifen, altd. umbesweifen, f. ums
faffen, umarmen); uneig. Tiſchl. bogenförmig od. zadig ausfchneiden (gew.
ausfhweifen); Web. dad Garn auf den Webebaum ziehen, die Kette
. aufipannen, anzetteln; daher chem. uneig. f. — anfangen; — 8 ſetz.
der Schweifbügel, ſ. v. w. Hängebügel, ſ. d.; das Schweifeiſen, ein
Stemmeiſen der Stuhlmacher zum Ausſchweifen wi Borderfüße eines Stuhles;
der Schweifrahmen, bei den Bortenmwirkern die Stangen, an welche die Kette
gefpannt (anaefhweift), wird; die Schweilfäge, Tiſchl. eine dünne,
ſchmale Säge zum Ausichweifen der Tiſchfüße ꝛc.; — Ableit. der Schwei-
fer, -$, wer fchweift (z. B. ehem. ein Landjchweifer); die Schweifung,
das Schweifenz der Umſchweif (im Reden); bogenformige Krümmung;
fhweifig 2. Bw., ſchweifend, Umfchweife machend, gew. nur in: weit-
fhweifig.
ſchweifzen, ziellof. Zw., ſchwäb. f. ängſtlich ſeufzen; ſchweifzig, Si,
f. zum Seufzen geneigt. ©.
Schweige, w., Schweiger, m., ꝛc. f. unter Schwaige.
fchweigen 1. ziellof. Zw. m. haben, ablaut. Imper. ſchweige, gew.
ſchweig; Impf. ſchwieg, Conj. ſchwiege; Mw. gefchwiegen, (althochd.
suigen, nicht⸗ ablaut. Prät. suigeta; mittelh. swigen, ablaut. sweic, geswigen;
oberd. Schweigen, ſchwig u. ſchweiget; angelf. svigan; vgl. das isländ. svig,
Unterbrüdung, sveigja, biegen, krümmen, ſchwed. sviga, nachgeben 2c.; alfo
urfpr. die Stimme unterdrüden? vgl. jedoch auch das griech. ouy&@r), Keinen
A‘ N.
fchweimen — Schwein 847
Laut hören laffen, ftill od. ruhig fein; insbef. nicht reden, od. aufhören
zu reden, (er ſchweigt; der Redner ſchwieg; gem. ftill ſchweigen, durch
Wortüberflufs f. ſchweigen; von od. über etwas ſchweigen, d. i. nichts davon
fagen; ehem. mit dem Gen. eines Dinges—, f. verichweigen, wofür neuere
Dichter auch wohl den Acc. fegen, z. B. den Namen fchweigen u. dgl.; zu
einer Sache—, d. i. ſich nicht darüber äußern, fie ſchweigend gefchehen
laflen; vor einem—, dicht. au: einem—, d. i. in feiner Gegenwart
aus Furcht od. Ehrerbietung nicht fpredyen); uneig. überh. f. nichts melden
od. mittheilen, keine Nachricht geben, auch fchriftlich, fih nicht verneh—
men laffen (3. B. er ſchweigt in feinem Briefe über diefen Punkt; mein Freund
bat lange geſchwiegen, d. i. mir nicht geſchrieben; die Geſchichte ſchweigt
darüber; fein Gewiffen ſchweigt dabei); im engerer Bed. ein Geheimnifs
nicht verrathen (kannſt du ſchweigen ?); in weiterer Bed. aufhören zu fchal-
len (der Gefang, die Orgel ſchwieg; der Wind ſchweigt zc.), u. uneig. überh.
aufhören, wirkfam zu fein (4. B. im Kriege ſchweigen die Gefese); —
ſchweigen 2. ziel. 3w. bloß umend. fchweigte, geichweigt, (altd. sueigan,
sweigen, Prät. sweigte; oberd. ſchwaigen u. geſchwaigen), alt u. dicht. einen
od. etwas—, ſchweigen machen, zum Schweigen bringen, eig. u. uncig.,
finnv. befhwichtigen, (bibl. die Gottlofen müffen in der Hölle geichweiget
werben; feine Zunge, fein Gewiffen ze. fhweigen); — Ableit. von fchweis
gen 1. der Schweiger, -$, wer fchweigt; ſchweigſam, ehem. auch ſchweig—
haft, als Neuw. fchweigfelig, Bw., gern fihmeigend, geneigt zu ſchwei—
gen, wenig fprechend; auch Geheimes verfehweigend, gem. verſchwiegen;
die Schweigfamkeit, das Schweigfamfein.
weinen, landich. gem. auch ſchwiemen, ziellof. Zw. m. haben, (altd.
sweimen, wahrfch. von einem alten ablaut. swimen, Prät. sweim; oberd.
fhmwaimen; nicderd. fweimen, ſwemen u. fwimen, hol. zwymen; iöländ. und
ſchwed. swima; angelf. syiman, engl. swim u, swoon; vgl. ſchwimmen und
fhweben), uripr. ſchweben, fliegen; ſchweifen, wandern; jest gem. f.
Eraftlos ſchwankend einhergehn, finnv. manfen, taumeln; be. ſchwindlig
fein od. werden, ohnmächtig werden; ſchwinden, vergehen (das Geſicht
ſchweimet mir); der Schweim, -es, (altd. sweim, sweime, oderd. Schwaim)
alt u. oberd. f. fehwebende Bewegung, Flug; ſchwebender Schatten; der
Schweimer, -8, alt u. landſch. f. Wachtelfal; der Schweimel od. Schwie-
‘mel, -$ (oberd. Schwaimel, niederd. Swimel) gem. f. Schwindel, Taumel,
Ihnmadit; ſchweimelig od. ſchwiemelig, Bw., gem. f. ſchwindlig, ohn—
mächtig; dämlich; ſchweimeln od. ſchwiemeln, zielloſ. Zw., f. ſchwin—
deln, taumeln, ohnmächtig werden.
Schwein, f., -e8, M. -e, Verkl. das Schweinchen, (goth. svein, altd.
suin, swin; oberd. das und die Schwein, niederd. Swien: ſchwed. swin,
angelf. svin, engl. swine; — wahrſch. entftanden aus einem von sü, Sau
(j. d.) gebildeten Bw. sawin, suin; n. X. von dem Zw. suinan, swinen,
ſchweinen (1. d.) f. ſchwinden, Urbed. ſich bewegen, getrieben werden, alfo:
das Thier, welches auf die Meide getrieben wird? daher das alth.. suein,
suen, angelj. suän f. Hirt, u. in niederd. Mundarten noch jest Swein,
Sween f. Schweinhirt, neben Swien f. Schwein), ein bekanntes, mit
Borften beivachfenes vierfüßiges Säugethier mit gefpaltenen Klauen und
. züffelförmiger Schnauze, von verfchiedenen Arten; das wilde Schwein, Jäg.
848 Schwein
ſchlechtweg: Schwein, auch Schwarzwild; u. beſ. das zahme od. Haus-
fhwein, ein wegen feiner großen Unreinlichkeit und Gefräßigkeit verachtetes,
aber fehr nüsliches Hausthier (das männliche Schwein heißt: Eher, Bär ꝛc.;
das weiblihe: Sau (f. d.); das Zunge: Zerkel, Ferken; ein verfchnittener
Eher: Borg; eine verfchnittene Sau: Sauborg); uneig. gem. Schimpfw. f.
eine höchſt unreinliche Perſon; auch f. Kleds, Fleck, grober Fehler, gem.
Sau; Naturk. eine Art Walzenfchneden; niederd. f. Kehrbürfte, Borſt—
wiſch; Schiffb. ein Block unten im Schiffe ıc., ſ. Kielſchwein (niederd.
Swien; landſch. auch Schwinne, Kielfehwinne; vielleicht von anderm
Stamme?); — 3feg. in denen das .erfte Glied bald Schwein, bald
Schweine, bald Schweins lautet (legtere Form in der Regel nur, wenn
Theile des, Schweines od. etwas von demfelben Herkommendes bezeichnet wer-
den): das Schweinaas, f. Sauaas; das Schweinsauge, Auge eines
Schweines; auch ein demfelben ähnliches Eleines, längliches Auge, u. ein Thier,
bef. ein Pferd, mit folchen Augen; der Schweinbär, ein männliches zahmes
Schwein; die Schwein: (od. gew. Schweins-) blatter od. =pode, eine
Art länglicher, harter Kinderblattern, auch Steinpoden; das Schweinsblut
od. gew. Schweineblut; die Schweinsborfte, f. Borfte; der Schweins-
od. gew. Schweinebraten; das Schweinbrod, ſ. Saubrod; der Schwein-
od. gew. Schweinsdachd, ehem. f. ein Dachs, deſſen Kopf einem Schweins-
kopfe ähnelt, z. U. v. Hundsdachs; die Schwein- od. Schweinspiftel, 1.
Saudiftel; das Schweineffen od. freffen, der Schweinefraß, niedr. ſ. v. w.
Saueſſen; der Schweinfänger, Iäg. ein Iagdhund, welcher die Schweine
fängt, auch Saufänger, -pader; die Schweinsfeder, ſcherzh. f. Schweins-
borfte; Zäg. f. Fangeifen für wilde Schweine, Schwein- od. Sauſpieß; ehem.
auch mit fpisem Eifen befchlagene Steden, welche die Soldaten ftatt der
Bajonette führten; das Schweind- od. gew. Schweinefett, -fleifh x. ;
der Schweinshals, Hals eines Schweines; ein demfelben ähnlicher kurzer,
wagerechter Hals, z. B. eines Pferdes, u. ein Pferd mit ſolchem Halfe; das
Schweins- od. r. Schweinharz od. Gummi, ein heilkräftiger Wundbalfam
aus einem Baume auf Domingo (deffen Heilkraft durch Schweine entdeckt fein
fol) ; die Schwein- od. Schweinshaß od. -jagd, Hetzjagd auf wilde Schweine; _
die Schweinshaut; die Schweinheerde, ſ. Heerde; der Schweinhitt, f.
Hirtz der Schweinhirfch, ein zum Gefchlecht der Schweine gerechnetes,
theilweiſe hirſchähnliches Thier in Oftindien; der Schweinhund, ein Hund
zur Hütung einer Schweinheerde, od. zur Jagd auf wilde Schweine (Sau—
hund); uneig. niedr. Schimpfw. f. höchſt unreinlicher od. unfittlicher Menſch;
der Schweinigel, ein Igel (f. d.) mit rüffelförmigem Maule, z. U. v. Hunde-
igel; auch f. Stachelfchwein; umeig. gem. f. höchſt unreinlicher od. ungefitteter
Menſch; daher fehweinigeln, untrb. Zw. gem. f. ſchmutzig od. ungefittet fein,
reden od. handeln; die Schweinigelei, gem. f. große Unreinlichkeitz ſchmutzige,
ungeſittete Rede od. Handlung (M. Schweinigeleien); der Schweinfäfer,
Rüſſelkäfer; der Schweinsfäfe, eine Speife aus Elein gefchnittenen, mit Ger
würz vermifchten Theilen eines Schweinsfopfes, die in einem Tuche gepreſſt
werden, auch) Prefstopf; der Schwein- od. Schweinefoben, f. Koben; der
Schweinskopf, Kopf eines Schweines; ein demfelben ähnlich gebildeter
Kopf, z. B. eines Pferdes, und ein Pferd mit folhem Kopfe; die Schwein-
oder gew. Schweinsfreffe, eine Art des Löffelfrauts, welche wie Galat
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A nk m RE
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ſchweinen — Schmweinfänger 849
. genoffen wird, auch Krähenfuß; eine Art des Wegerichs; das Schweinsleder,
aus Schweinshaut bereitetes Leder; daher fchweinsledern, Bw.; der
Schweinsmagen, ſ. v. w. Saumagen, |. d.; die Schwein- od. Schweine-
maſt, f. Maft 2.; der Schweinmeifter, Landw. wer der Schweinzucht vor-
ſteht; die Schweinmelde, ſ. v. w. Hundsmelde, ftinfende Melde, auh Sau-
melde, Sautod, ein tödtliches Gift für die Schweine; die Schwein- od.
gew. Schweinsmöhre, ſ. Möhre; die Schweinmufter, ſ. v. w. Mutter-
Ihwein, Sau; das Schweinsneb, Jagdnetz zum Fang wilder Schweine;
das Schweinsohr, Ohr des Schweines, und ein demfelben ähnliches Ohr,
3: B. eines Pferdes; uneig. eine Art Flügelichneden; u. eine Art Miesmufcheln;
die Schweinpflaume, die gelbe, pflaumenähnliche Frucht eines weftind. Bau-
‚mes, ald Schweinmaft dienend; der Schwein= od. gem. Schweinepilz, eine
Urt efsbarer Löcherſchwämme, gelber Löcherſchwamm; der Schwein- od. gem.
Schweineporfch, verderbt -Poft, f. Porich; der Schweinsrüffel, Rüſſel
eines Schweines, u. ein demfelben ähnlicher; uneig. eine Art Walzen: oder
Rollenfchneden; der Schweinfalat, eine wild wachfende Pflanze, welche die
Schweine gern freffen follen, auch Kranichkraut (hyoseris L.); der Schwein-
od. Schweinefchlächter, der befonders Schweine ſchlachtet; das Schweine-
fchmalz, ſ. Schmalz; die Schweinfchnede, verfteinerte Schwimmſchnecke
mit halbmondförmiger Mündung, auch Fifhmaul, Lefzenfchnede; der Schwein-
fchneider, wer Schweine verfchneidet; der Schweinfchnitt, das Verfchneiden
der Schweine; der Schweins- od. gew. Schweinefhwanz; die Schwein-
fchwarte, ſ. Schwarte; der Schweinfpieß, ſ. Schweinsfeder ; der Schwein-
od. gew. Schweineftall, Stau für Schweine; uneig. ein höchſt unreinlicher
Ort; der Schweinftein, f. v. w. Stinkſtein; auch ein Stein, welcher fi
zuweilen in den Stachelfchweinen finden fol; der Schweintang, eine Art
Tang (f. d.), als Dünger, auch als Schweinfutter gebraucht; die Schweins-
thrane, gem. f. erzwungene od. erheuchelte Thränen; der Schweintreiber,
wer Schweine zum Verkauf 2c. treibt; auch f. Schweinhirt; die Schwein-
trüffel, ſ. v. w. Hirſchtrüffel; das Schweinwildbret, wilde Schweine und
das Fleifch derfelben; der Schweinszahn, Hauzahn, Hauer des wilden Ebers;
auch ein ähnlicher, lang hervorragender Zahn; uneig. eine Art Zahnfchneden ;
das Schweinszeug, Geräth zur Jagd der wilden Schweine; die Schweine
zucht, ſ. Bucht; — Xbleit. fehweinen, Bw., oberd. f. vom Schweine
kommend (ſchweinen Fleiſch f. Schweinfleiſch); der Schweiner, -8, landſch.
f. Schweinhirt; die Schweinerei, gem. ſ. v. w. Sauerei, ſ. d.; die
Schweininn, oberd. Schimpfw. f. ſchmutzige Meibsperfon ; ſchweiniſch,
Bw., den Schweinen eigen; höchſt unreinlich, unfläthig, ſäuiſch; der
Schweinling, -e3, M.-e, landſch. f. Schweinpilz.
ſchweinen 1. zielloſ. Zw. (altd. sulnan, swinen, Prät. swein; isländ. u.
ſchwed. svina; vgl. ſchwinden), alt und oberd., beſ. ſchwäb. und ſchweiz., fi
ſchwinden, abnehmen, eintrocknen, ſich einziehen; die Schweine, f. ie
nahme, Abgang des Getreides zc., vgl. — Schwund; die Schwein-
ſucht, f. Schwindfucht ; ſchweinen 2. od. fehweinern, ziel. Zw. (das
Factitivum des vorigen; altd. sueinan, sweinen, Prät. sweinte; oberd.
ſchwainen) alt und oberd. f. ſchwinden machen, verzehren, mindern,
ſchmälern.
Schweinfänger ıc. — Schweinwildbret, ſ. unter Schwein.
Heyſe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 54
850 Schweiß — Schweiz
Schweiß, m., -e3, M. (felten) -e, (altd. sueiz, sweiz, oberd. Schwaiß,
niederd. Sweet; iöländ. sveiti, ſchwed. svett; angelf. svät, engl. sweat; vgl.
das ſanskr. svedas, Yat. sudor, grich. idows; urfpr. überh. Feuchtigkeit; T.
Thwigen; vgl. das griech. Üdwo, Tat. udor), 1) hervordringende Feuchtig-
£eit, die fich auf der Oberfläche eines Körpers in Tropfen anfest, insbef.
in Folge der Ausdünftung menfchl. u. thier. Körper bei großer Wärme (der
Schweiß bricht aus; Schweiß vergießen; in Schweiß gerathen od. kommen;
einen in Schweiß bringen ; bibl. im Schweiße deines Angefichts follft du dein -
Brod effen, d. i. unter befchwerlicher Arbeit; ein Falter Schweiß, der bei großer
Angft ausbricht; der Angſt-, Todesſchweiß ꝛc.; der englifhe Schweiß,
eine mit anhaltendem Schwigen verbundene anfteckende Krankheit im 16ten
Jahrh.); uneig. f. große Anftrengung, mühevolle Arbeit und das dadurd)
erworbene Gut (bibl. du mufft doch deinen fauern Schweiß Andern laſſen;
den Schweiß der Unterthanen verpraffen u. dgl.); in weiterer Anwendung:
die Feuchtigkeit, die fich bei äußerer Kälte und innerer Wärme an die Senfter
anlegt (Fenfterfhweiß); in Galzwerken das tropfenweife durchdringende
Salzwafler GSalzſchweiß); 2) alt, landſch. und bef. Jäg. f. Blut, von
Thieren; — 3feg. das Schweißbad, ſ. v. w. Schwigbad; die Schweiß- _
beeve, Waſſer- od. Hirſchholunder; das Schweißfieber, die Schweißfucht
od. -ſeuche, f. v. w. der englifche Schweiß, ſ. o.; det Schweißfuhs, ein
röthliches Pferd, deffen Grundfarbe fo mit Weiß gemischt ift, daß es mit
Schweiß bedeckt zu fein Theintz der Schweißhund, Jäg. ein Jagdhund,
welcher das angefchoffene Wild nach der Spur des vergofjenen Blutes auffucht,
Bluthund; aud) f. Bullenbeißer; das Schweißloch, gew. M. Schweißlächer,
feine Öffnungen in der Haut, durch welche die Ausdünftungen u. der Schweiß
hervordringen; das Schweißmittel, ein fchweißtreibendes Mittel, z. B.
Schmweifpillen, -pulver, -trankac.; fehweißtreibend, Bw., den
Schweiß erregend und hervortreibend; das Schweißtuch (altd. sweiztuoch,
sweizvan), ein Euch zum Abtrocknen des Schweißes, ehem. f. Schnupftud) ;
die Schweißwurft, landſch. f. Blut od. Rothwurft; die Schweißwurz od.
-wurzel, eine Art Huflattich mit einer fhweißtreibenden Wurzel, Rofspappel,
Peftwurzel ꝛc; — Ableit. fehweißig, Bw. (alt. sweizec) ,: feucht von
Schweiße (4. B. fchweißige Hände); oberd. u. Jäg. f. blutig; fehweißen,
Zw. (altd. sweizen) 1) ziellos: m. haben, oberd. f. ſchwitzen; bluten (Zäg.
von Thieren; oberd. auch) von Menfchen, 3. B. aus der Naſe —); fchweiz.
auch f. durchficern, leden, triefen; Schmied. anfangen zu fchmelzen (das
Eifen fchweißet); 2) ziel. Schmied. das Eifen—, d. i. zwei Stücke in die
Schweißhitze (den Grad der Hige, wo es flüffig zu werden anfängt) bringen,
u. dann mit dem Hammer zufammenfchmieden; der Schweißer, -8, wer
das Eifen ſchweißt; fchweißeln, ziellof. 3w., oberd. (ſchwaißeln; auch
re fchweißenzen) f. nach Schweiß riechen. |
Schweiz, w., immer mit dem Artikel: die Schweiz, EN. des zwi—
fhen Deutfchland, Stalien u. Frankreich mitten inne liegenden Gebirgs-
landes; der Schweizer, -8, M. w. E., die Schweizerinn, M. -en, Ein-
geborene und Einwohner der Schweiz; der Schweizer, auch f. Leib-
wächter, Thürhüter, wozu manchem. vorzüglich gern Schweizer nahm (da=
her: der Schweizerhauptmann, Hauptmann der Leibwache); ferner
ein Landwirth, welcher die Viehzucht und bef. die Butter- u. Käfebereitung
fchwelen — fchwelgen 851
nach Art dev Schweizer betreibt; Naturk. eine Art Eichhörnchen in Afien:
das fchwarzgeftreifte Erdeichhorn; Yandfch. auch f. Waldrabe; — Schwei-
zer wird auch als unbiegf. Bw. gebraucht f. der Schweiz od. den Schweizern
eigen, dort befindlich, daher kommend, finnv. fehmweizerifch (1. u.) (. B.
die Schweizer Gebirge, Hirten 2.5; eine Schweizer Kuh, Schweizer Käfe od.
zgeſ. Schweizerkäfe); daher die 3feg. der Schweizerbart, |. v. w. Knebel—
bart; Schnurrbart; die Schweizerbohne, eine Art weißer Schminkbohnen,
Brech-, Zucderbohne; die Schweizerflöte od. = pfeife, die Eleinfte Art der
Querpfeifen zur Begleitung der Trommel; auc ein Orgelregifter, fo auch:
der Schweizerbafs; die Schweizerhofe, M. -n, lange, weite geftreifte
Hoſen; uneig. die roth und gelb geftreifte Wunderblume; eine Art länglicher,
‘ grün und gelb geftreifter Birnen; eine Art Stachelichneden, und verfchiedene
Rollen» od. Walzenſchnecken; der Schweizerklee, gemeiner Süß- od. Widen-
Eee; die Schweizerfrähe, Steinkrähe; die Schweizerfranfheit, das Heim—
"weh, weil ihm die Schweizer vorzliglich ausgefegt find; die Schweizerkräu-
ter, Apoth. ein Gemifch von verfchiedenen Heilkräutern aus der Schweiz; das
Schweizerland, f. die Schweiz; das Schweizerrad, ein einfaches Getriebe
mit einem Nade, worauf die Baumwolle gefponnen wird; die Schweizerrofe,
Apenrofe; die Schweizertaube, eine Spielart der gemeinen Taube; —
Ableit. fchweizerifch, Bw., den Schweizern eigen od. angehörend G. 8.
Ichweizerifche Mundart, Sitte 2c.); auch zu der Schweiz gehörend, od. der-
felben ähnlich (ſchweizeriſche Städte; eine ſchweizeriſche Gegend 2c.); die
Schweizerei, M. -en, eine Meierei od. ein Viehhof, wo die Rindviehzucht
u. Butter u. Käfebereitung wie in der Schweiz betrieben wird. ‚
fchwelen od. fehwehlen, Zw. (altd. suelan, swellen, Prät. swal, Pl.
swullen, f. erfticten, verſchmachten; urfpr. wohl qualmen, vgl. Schwall; nie
derd. ſwelen; isländ. svaela, angelf. svelan, engl. sweal, swale) bef. niederd.
1) zielos m. haben, ohne Flamme langfam und mit Dampf brennen,
finnnv. glimmen, qualmen, ſchmauchen (naffes Holz fchwelt); 2) ziel. auf
ſolche Weife brennen Laffen, u. dadurch hervorbringen (Kohlen, Theer 2c.—,
f. brennen; daher der Kohlenſchweler zc. f. Kohlenbrenner) ; niederd.
auch f. dörren, welfen laffen, vgl. ſchwelken (Gras—, zu Heu machen);
das Schwelholz, Forftw. Brennholz zum Schwelen des Peches.
Schwelge, Schwelfe, od. Schwelgenbeere, w., landſch. f. die Frucht
des Waſſerholunders, welcher Iandfch. der Schwelgen- od. Schwelfen-
baum heißt (auch Schwelges=, Schwalfenbaum 2c.).
ſchwelgen, ziellof. 3w. m. haben, (altd. suelgan, swelgen, swelhen,
ablaut. swalc, geswolgen; vgl. Schwalg; jest bloß umend. fchwelgte, ge
ſchwelgt; niederd. fwalgen, ſwelgen; isländ. svelgja, ſchwed. svälja, dän. svelge;
angelſ. svelgan, svilgan, engl. swill u. swallow), chem. ziel. f. verfchlingen,
hinunterfchluden, einfchlürfen, (noch nieverd. verfwelgen)z jest: un-
mäßig effen u. trinken, finnv. praffen, fehlemmen, f. d. (er ſchwelgt Tag
und Nacht); uneig. im Übermaß genießen, auch von geiftigen Genüffen und
ohne nachtheiligen Nebenbegriff; niederd. auch rückz. ſich —, f. erftiden; der
Schwelger,-s, die Schwelgerinn, M. -en (altd. suelgari, u. saelcho, swelch),
wer ſchwelgt, unmäßig im Genuffe iftz die Schwelgerei, dag Schwelgen,
die Lebensweife eines Schwelgers; fchwelgerifch, Bw., ſchwelgend, nad)
» Urt eines Schwelgers. X
54*
852 ſchwelk — ſchwellen
ſchwelk od. ſchwelch, Bw. (mittelh. swelch; vgl. ſchwelen), oberd. f.
welk, mürbe; fchwelfen od. fehwelchen, Zw. (altd. suelahan u. suelchön,
—— 1) ziellos m. fein f. welken, welk werden: erſchlaffen; 2) ziel.
f. welk od. trocken machen, dörren (Gras, Obft, Malz ꝛc.); die Schwelf
od. Schwelh, M.-en, od. der Schwelfboden, Trodenboden, bef. zum
Marzdörren.
Schwelfe, w., Schwelfenbaum, -beere, j. Schwelge.
Schwelle, w., M.-n, Verkl. das Schwellchen, (mittelh. swelle; oberd.
das Gefchmwell; niederd. Sülle, Sull, angelf. syl, engl. sill, ſchwed. syle,
franz. seuil; — nit von ſchwellen, fich erheben; fondern von der Wurzel
des goth. suljan, gründen; vgl. Säule, Sohle u. das lat. solum), der wage—
vecht liegende Grundbalfen, welcher die Unterlage eines Zimmerwerkes
bildet, die Grund= od. Unterfchwelle (die Schwellen eines Haufes, Dach—
ſchwelle 2c.); in weiterer Bed. Zimmerl. jeder wagerecht liegende Balken,
im welchen andere Bauhölzer eingezapft find (Oberfchweite); in engerer
Bed. der Grundbalken eines Thürgeruftes, die Thürſchwelle (4. 8. er ſoll
nicht wieder über meine Schwelle Eommen, d. i. in mein Haus od. Zimmer);
daher uneig. f. der Eingang, Anfang G. B. an der Schwelle des Alters, des
Verderbens 2c. ftehen); der Schwellenbaum, das Schwellenholz, Baum,
Holz zu Schwellen tauglich; — der Schweller, —s, M. mw. E., landſch. f.
die aufwärts gebogenen Schlittenfufen; auch die vorfpringenden Seiten—
fhmwellen des Kutfchkaftens; daher das Schwellerband od. die Schwel-
lerriemen, Sattl. die um die Schwellen des Kutfchkaftens gelegten Riemen.
f&wellen 1. ziellof. 3w. m. fein, ablaut. ich ſchwelle, du ſchwillſt, er
ſchwillt, wir ſchwellen ꝛc.; Imper. ſchwill; Impf. ſchwoll, Conj. ſchwölle;
Mw. geſchwollen, (landſch. auch ſchwillen; altd. suellan, swellen, ich swille;
Prät. swal, swullen; Part. geswollen; niederd. es und fwillen, ſwull,
fwullen; isländ. suella, ſchwed. svälla; angelf. svellan, engl. swell; verw.
mit Welle, wallen 2c.), überh. fich von innen her ausdehnen u. anwachfen
od. aufgetrieben werden, insbeſ. von Flüffigkeiten, |. v. w. aufwallen, quel-
len, wogen, auch fteigen, in der Höhe zunehmen (das Meer ſchwillt; das
Waſſer ſchwoll; der Flufs ſchwillt an zc.; vgl. Schwall) ; von feften, bef. weichen
Körpern: fich ausdehnen und dicker werden (der Leib fchwillt dem Kranken;
gefhmwollene Baden, Augen, Füße ꝛc.; vgl. Schwulft, Geſchwulſt; der Bufen
ſchwillt, d. i. dehnt fi aus beim Athmen, od. wölbt ſich; Knospen, Früchte
ſchwellen; ſchwellende Kiffen, Polfter u. dgl., d. i. pralle, die fi) nad) dem
Druk wieder ausdehnen; uneig. die Bruft ſchwillt ihm von Entzüdenz bie
Galle ſchwoll ihm, d. i. er ward zornig; oberd. geſchwollen f. aufgeblafen,
ſich brüftend, hochfahrend); überh. f. zunehmen, wachfen, bef. von Ge—
müthsregungen (fein Muth, Zorn, feine Leidenfihaft ſchwoll), auch der Maffe
od. Zahl nach (die Büchermaffe ſchwillt immer mehr an); — ſchwellen 2.
ziel. 3w., bloß umend. du fchwellft, er fchwellt zc., fchwellte, geſchwellt, (altd.
suellan, swellen, aus sualian entft., Prät. swalte; das Factitivum von ſchwel⸗
len 1.), etwas—, machen, dafs es ſchwillt, ſich ausdehnt oder fleigt
(3. B. das Waſſer —, d. i. aufftauen, hemmen; manche Gifte ſchwellen den
Leib; das Weinen hat ihre Augen gefchwellt; der Wind fchwellt das Segel;
Seufzer fchwellen ihren Buſen; der Muth ſchwellte feine Bruft); oberd. et—
was in Eochendem Waffer—, d. i. weich fieden und dadurch auffchwellen
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Den
Schwellenbaum — Schwenge 853
machen, vgl. quellen 2.; — die Schwellfarbe, Gerb. eine zufammenziehende
Brühe, worein die abgehaarten Häute gelegt werden, damit fie fchwellen.
Schwellenbaum, -holz, Schweller zc. ſ. unter Schwelle.
ſchwemmen, ziel. 3w. (das Factitioum von ſchwimmen, f. d.), eig. ſchwim—
men machen oder laffen (Holz —, gew. flößen); durd die Kraft des
Waſſers in. Bewegung fegen, fort od. antreiben, finnv. fpülen (der Fluſs
ſchwemmt Erde zc. fort, an; den Koth, die Unreinigkeit von etwas ſchwemmen;
vgl. auch überſchwemmen); in engerer Bed. Thiere—, d. i..teinigen, indem
man fie ins Waffer treibt (Pferde, Schafe 2c.); die Schwenme, 1) o. M.
das Schwemmen od. Geſchwemmtwerden; 2) M. -en, eine Warfferftelte,
wo Thiere geſchwemmt werden, fo auch: der Shwemmteidh; der
Schwemmer, -8, wer ſchwemmt; auf der Donau eine Art langer Salz-
fähne, auh das Schwemmerſchiff; oberd. eine Art fanfter Wagen;
ehem. eine fächf. leichte Scheidemünze (vgl. Schwimmer); die Schwem—
mergans, eine Art Waffervögel; das Schwemmſel, -8, (gem. verderbt
Schwänzeh, Hüttenw. das von dem gewafchenen Erze bis an den Schlämme
graben fortgeſchwemmte geringhaltigfte Erz; die Schwemmung, das
Schwemmen.
Schwende 1. w., M. -n (altd. swente) landſch. f. Halsgeſchwür,
Schwamm.
fhwenden, ziel. Zw. (altd. suentan, swenden, Prät. swante, Part. ge-
swendet und geswant; das Factitivum von ſchwinden, f. d.), alt u. oberd. f.
[hwinden oder abnehmen machen, wegfchaffen, verringern; tilgen, ver-
nichten, zerftören, zu Grunde richten (im Hochd. jegt nur in verſchwen—
den); landſch. in engerer Bed. hinderliche Bäume, Gefträuche ꝛc. aus-
totten od. abbrennen u. das Land dadurch urbar machen, val. abſchwen—
den, (gefehwendetes Land); daher die Schwende 2., oberd. (aud) das Ge—
ſchwend, Gefhwand) das Schwenden, und der dadurch zu Meide oder
Ader gewonnene Platz; der Schwender, -8 (altd. auch swende), oberd.
wer etwas ſchwendet, insbef. der Knecht, welcher die Alp von Staudenge-
wächſen zu reinigen hat; auch f. fehlechter Wirthfchafter, Verſchwender.
Schwenge, w., M. -n, (v. ſchwengen, fwengen, niederd. Nebenform
v. ſchwingen, f. d.) niederd. f. Gerte, Nuthe; der Schwengbaum, Bergw.
der Baum im Göpel, welcher quer durch die Spindel geht; — der Schwen-
gel, -8,.M. w. E. (altd. swenkel, oberd. Schwenkel; ſchwed. svängel)
1) was ſich ſchwingen läſſt u. geſchwungen wird, insbef. der Klöppel in
einer Glode; die bewegliche Stange an einem Ziehbrunnen, einer Pumpe ıc.
(f. Brunnen-, Pumpenſchwengel); landſch. auch f. Deichfel eines Wagens;
bei. f. Pendel (ſ. d.), Schwunggemwicht (der Schwengel einer Uhr 2c.); 2) ein
Ding, wodurd ein anderes in Schwung gebracht wird, insbef. an einer
Glocke der Hebel, woran ſich das Seil befindet, mittelft deffen die Glode
bewegt wird; Hüttenw. beim Treibherde das an dem beweglichen Kranich quer-
über ftehende Holz; auch das Gewicht, welches die Bälge des Gebläfes in die
Höhe zieht; der Schwengelbrunnen, Ziehbrunnen mit einem Schmwengel ;
die Schwengelkunft, das Schwengelwerf, eine Wafferkunft, ein Pumpen:
werk, in welchem das Waſſer durch Schwengel in die Höhe gepumpt wird;
die Schwengelpreffe, eine Preffe, die mittelft eines Schwengels zugezogen
wird; die Schwengeluhr, Schwing= od. Pendeluhr.
854 ſchwenken 4 ſchwer
ſchwenken, ziel. Zw. (altd. swenken, Prät. swancte; wahrſch. von einem
ablaut. Zw. suinkan, swinken, swanc, als Nebenform von swingen, ſchwingen;
vol. ſchwank, Schwank, ſchwanken), et was —, ſchwingen machen, im
Schwunge bewegen (die Fahne —; das Waſſer im Glafe—; auch: ein
Glas—, d. i. ſchwenkend reinigen, ſpülen); ſich —, ſich mit einem
Schwunge wenden, umdrehen, z. B. beim Zange, u. beſ. von den Soldaten
(chwenkt euch!! — Z3ſetz. die Schwenkbürſte, Bürfte, mit welcher die
Flaſchen inwendig gereinigt werden; der Schwenkfefjel, ein mit Waffer ge-
fülltes Gefäß, in welchem Gläfer u. dal. gereinigt od. ausgeſchwenkt werden,
auch das Schwenkbecken; bei Zuderbädern ein flacher Eupferner Keffel, in
welchem Früchte verzucert werden, indem man ihn über einen geheizten Wind-
ofen hin und her ſchwenkt; das Schwenfrad, f. v. w. Schwungrad; das
Schwenkwaſſer, Waffer, in welchem man Trinkgeſchirre ſchwenkt; — Ab—
Leit. der Schwenfel, -8, M. w. E., (altd. swenkel) oberd. f. Schwengel,
Klöppel; der Schwenfer, -8, wer etwas ſchwenkt (4. B. Fahnenſchwen—
ger); landſch. auch eine Art Weiberjaden mit kurzen Schößen und einem
längs des Rückens herabhangenden hin und Her ſchwankenden Zipfel; die
Schwenfung, M. -en, die Handlung des Schwenfens; auch eine ſchwen⸗
Ende Bewegung, Wendung, Drehung, bei. der Soldaten; ſchwenkern,
ziel. Zw. (das verft. ſchwenken) landſch. f. viel od. ſtark ſchwenken, aus—
fpülen.
Schwente od. Schwänte, w., M.-n, (vgl. Schwende) landſch. f. eine .
Breigefhmwulft.
ſchwenzen, ziel. Zw. (vgl. Schwanz, ſchwanzen), oberd. f. ſchwenken
(4. B. ein Glas ausfhwengen); der Schwenzel, —s, f. Schwindel.
fchwepen, ziel. Zw., niederd. (fwepen, aud) ſwipen; engl. sweep; f. das
hochd. ſchweifen, f. d.) die Spreu von dem ausgedrofchenen Getreide
mit dem Schwepelbefen, einem Befen von langen, feinen Binfen, abfe-
gen; — die Schwepe od. Schweppe, M. -n, (auch Schwippe, Swöpe;
angelf. swipe, engl. whip) niederd. f. Peitfhe; daher der Schwepenfnecht
od. junge, auch Schwepfer, -$, ein Unterfnecht, der die Pferde beim Pflü-
gen antreibt.
fchwer, Bw., Comp. ſchwerer, Sup. ſchwerſt, (oberd. r. ſchwär, nieberd,
fibaarz altd. ald Bw. suär, swär u. suäri, swaere; als Nw. suäro, swäre,
swaere; von dem ablaut. Zw. sueran, suar ıc. (f. ſchwären), d. i. drücken,
ſchmerzen; alfo urfpr. drückend, läſtig, ſchmerzhaft; dann auch uneig. ge—
wichtig, vornehm, daher goth. svers, geehrt, angeſehen, vgl. das lat. gravisz
angelf. svaer, ſchwed. svär, engl. sore), überh. Gewicht habend, gewichtig
1) an fi) u. körperlich: Schwerkraft habend, d. i. das allen Eörperli-
chen Stoffen in verfchiedenem Grade eigene Streben nad dem Mittelpuntte
der Erde (Gold ift ſchwerer als Blei, Blei als Eifen, Eifen als Holz, Holz
als Federn ꝛc.; diefer Körper ift 1 Loth, jener 2 Pfund, ein anderer 10 Sent⸗
ner fchwer 2c., d. i. wiegt fo viel); in engerer Bed. viel wiegend, im ver—
hältnifsmäßig ‘hohem Grade Schwerkraft habend, entg. Leicht G. B-
Gold, Blei zc. find Schwere Metalle; eine ſchwere Laſt; ſchwer wiegen), bei.
im Gegenfaß anderer Dinge derfelben Art von geringerem Gewicht (3. B. das
ſchwere Gefhüs, f. v. w. das grobe: Kanonen, Mörfer ꝛc.; die ſchwere
Rüftung, ſchwer bewaffnete Reiter; Schweres Gewicht, Geld 2c., entg.
—
—
ſchwer ‚855
dem leichten; ſchwere Seidenzeuge, d. i. dichte, ftoffreiche; fchiwere Taue, d. i.
dicke Ankertaue, u. dal. m.); daher auch uneig. f. viel, anfehnlich, groß, be-
trächtlich (z. B. ſchweres Geld, f. eine große Geldfumme; die ſchwere Menge,
gem. f. eine große Menge; ſchwere Sünden, Verbrechen ze.), u. als Nw. f.
in hohem Grade, fehr, jedoch nur von Üben, (z. B. fich ſchwer verfündigen;
er hat fich Schwer geärgert 2c.); 2) in Beziehung auf ein Subject umd
deffen Kraft od. Empfindung: (körperlich) drückend, laftend (z. B. der Stein
ift mie zu ſchwer; die Laft drückt ſchwer auf meine Schultern; es liegt mir
fhwer in den Gliedern, d. i. ich empfinde einen unbehaglichen Drud darin);
uneig. von Zuftänden oder Empfindungen überh. drüdend, läftig,
fchmerzlich, betrübend, widerwärtig (ſchwere Zeiten; Schiff. ſchwerer Wind,
d. i. heftiger, ungeftümer; eine ſchwere Krankheit; die ſchwere Noth, f.
Roth; ein fehwerer Kampf; ſchwere Träume; eine Schwere Strafe, d. i. eine
harte; ſchwer verwundet fein; einen fchwer kränken; ſchwer für etwas büßen;
eö fällt mir ſchwer, d. i. ift mir fchmerzlich, drückend, od. Eoftet viel Überwin-
dung; die Trennung wurde mir ſchwer 2c.); auch f. gedrüdt, gehemmt in
der Bewegung od. Thätigkeit (eine fhwere Zunge, Hand, einen fchweren Kopf
haben; ein ſchwerer Schlaf, d. i. ein fefter, tiefer), befchwert, bekümmert,
ängſtlich (einem das Herz Schwer machen; etwas mit ſchwerem Herzen thun);
ferner von Handlungen od. in Beziehung auf die Thätigkeit des Subjects:
viel Mühe machend, Anftrengung erfordernd, finnv. beſchwerlich, ſchwie—
ig, mühfam (fchwer lernen, begreifen 20.5 ſchwer hören, d. i. harthörig
fein; eine ſchwere Arbeit, Aufgabe; ein Schweres Buch, ein ſchwerer Schrift-
ſteller, d. i. der ſchwer zu verftehen iſt; es wird-mir fchwer, d. i. es macht
mie Mühe; einem eine Sache fhwer machen ꝛc.), häufig mit nachfolgenden
zu und einem Inf. (7. B. das ift fchwer zu fagen, zu thunz diefe Kunft ift
ſchwer zu lernen 2c.); — 3fe9. fchwerathemig, Bw., mit Mühe athmend ;
fchwerblütig, Bw., fchweres, dies Blut Habend, und daher trübfinnig od.
ſchwermüthig; die Schwerblütigfeit; die Schwer- Erde, eine eigenthüm-
lihe Erdart, welche, mit Schwefelfäure verbunden, den Schweripath ausmadıt ;
fohwerfällig, Bw., eig. wegen großer Körpermaffe Schwer fallend; überh.
. wegen feiner Maffe u. Schwere unbehülflih, ohne Gewandtheit u. Gefchmei-
digkeit (ein Schwerfälliger Menſch, Gang ꝛc.; fchwerfällig tanzen 2c.); uneig.
f. unbehürftich, ungefchmeidig, ſchwer zu behandeln (Wörter, Schreibart, Verse
maß u. dgl.); die Schwerfälligfeit, das Schwerfälligfein, finnv. Unbehülf-
lichkeit, Ungefchmeidigkeit; die Schwerfläche od. -ebene, Natur. die Fläche,
in welcher ſich der Schwerpunkt befindet; fehwerflüffig, Bw., f. v. w. ftreng-
ftüffig ; ſchwerfüßig, Bw., ſchwere, plumpe Füße, od. einen fehweren, Tang-
famen Gang habend, wie die Säugethiere mit langen hakenförmigen Krallen,
3. B. das Faulthier; fehmwergläubig, Bw., mit Mühe glaubend, entg. leicht-
gläubig; fehmwerherzig, Bw., f. v. w. ſchwermüthig; ſchwerhörig, Bw.,
f. v. w. harthörig; die Schwerhörigkeit; die Schwerkraft, die Kraft, ver-
möge deren die Körper gegen ben Mittelpunkt dev Exde ftreben; ſchwerleibig,
Bw., einen ſchweren Leib habend (fr. corpulent); die Schwerleibigfeit:
fihwerlöthig, Bw., von ſchwerem Loth od: Gewicht; die Schwermuth,
niedergefchlagenes Gemüth, anhaltender Zrübfinn (fr. Melancholie); daher
ſchwermuthsvoll, Bw.; fhwermüthig, Bw., mit Schwermuth behaftet
od. davon zeugend (fr. melancholiſch); die Schwermüthigfeif, das Schwer:
856 ſchwerben — Schwert
müthigfein; die Schwerenoth, x. ſchwere Noth, f. d. unter Noth; der
Schwerendther, niedr. Schimpf- od. Verwünfdhungswort; der Schwer-
punkt, der Mittelpunkt der Schwere eines Körpers, d. i. der Punkt, welcher
unterftügt fein mufs, damit der Körper im Gleichgewicht ruhe; der Schwer-
Schritt od. tritt, fchwerfälliger Schritt; Versl. ein Versfuß von drei Längen
(fr. Moloffus) ; der Schwerfinn, f. v. w. Schwermuth; fchmwerfinnig, Bmw.,
ſ. v. w. ſchwermüthig, tieffinnig; der Schwerfpath, eine Art Spath, welcher
die Schwer-Erde (f. d.) enthält; der Schwerftein, das weiße Wolfram-Erz;
- das Schwerfteinmetall, der Wolfram (f. d.); — Ableit. die Schwere,
0. M. (altd. suäri, swaere, aud) suärida, swaerde, vgl. Beſchwerde; oberd.
die Schwäre und Schwären, niederd. Swärte), das Schwerfein als Eigen-
Schaft eines Körpers, das Gewicht; uneig. f. Drud, Befchwerde, Läftig-
Eeit, Härte (z. B. eines Amtes, einer Strafe 2c.; aber nicht leicht f. Schwie-
rigkeit, ſ. d.); ehem. auch f. Betrübnifs, Leid, Schwermuth; der Schwere-
meffer (nit gut: Shwermeffer), ein Werkzeug zum Meffen ver Schwere
bef. der Luft (fr. Barometer); fehweren, vlt. Zw. 1) ziellos (altd. suären,
swären) f. ſchwer od. läftig fein od. werden; 2) ziel. (altd. suärian, suar-
ran, swaeren, Prät. swärte; oberd. ſchwären, durch fchwere Gewichte
preffen), f. befehweren, befchwerlic) fein, ſchmerzen; die Schwerheit, vlt.
f. Schwierigkeit; ſchwerlich, Nw., chem. f. ſchwer, d. i. beträchtlich, in
hohem Grade (4. B. bibl. ſchwerlich fündigen); jest nur als Ausdrucd des
Zmweifels od. der Unwahrfcheinlichkeit, f. nicht leicht, kaum, mwahrfcheinlich
nicht (3. B. du wirft dein Vorhaben ſchwerlich ausführen; er wird ſchwerlich
fommen u. dal.). ;
fehwerben, ziellof. u. ziel. Zw. (altd. suerban, swerben, Prät. swarp,
Part. gesworben; vgl. das oberd. ſchwirbeln), völlig vlt. f. fchnell hin und »
her fahren, wirbeln; ſchwärmen (niederd. Twarven); abwifchen, reinigen.
fchwerblütig, Schwere, fehweren 2c. — ſchwerhörig, |. fchwer.
. Schwerf, m., ſchwerken, 3w., ſ. Schwarf ıc.
Schwerkraft, fchwerlich ꝛc. — ſchwerlöthig, T. ſchwer.
Schwerm, m., -08, M. -e, Bergiw. der frumme Zapfen an einem
Waſſerrade.
Schwermuth ꝛc. — Schwerſtein, ſ. unter ſchwer.
Schwert (ehem. auch Schwerdt u. unr. Schwerd geſchr.), ſ.es,
M.-er, Verkl. das Schwertchen, (altd. suert, swert, M. swerte; niederd.
Sweerd; isländ. sverd, fehwed. u. dän. svärd; angelf. sveord, svurd, engl.
sword; — vielleicht von dem alten sueran, suar 2c. in der Bed. verfehren,
verlegen? vol. ſchwären und fchwer), eine große Waffe zum Hauen und
Schneiden mit breiter, gerader Klinge, ein, od. auch zweiſchneidig, verich.
von dem fchmaleren, leichteren Degen, u. dem krummen Säbel (f. d.),
ehem. neben dem Speer die Hauptwaffe des Nitters (Ritterfhmwert; daher
Schwert geben, f. zum Ritter machen; Schwert nehmen f. Ritter werden)
u. in Schlachten gebrauht (Schlahtfeh wert); jegt bef. von dem Scharfz
vichter zum Enthaupten gebraucht: Richtſchwert u. ſchlechtweg Schwert
(3. B. zum Schwerte verurtheilt werden ; einen Verbrecher mit dem Schwerte
hinrichten); in weiterer Anwendung, bef. dicht., auch f. Degen u. jede fchnei-
dende Waffe, u. uneig. f. offenbare Gewalt, Kampf, Krieg (7. B. mit dem
Schwerte drein ſchlagen; das Schwert mufs entfcheiden; ein Land mit Feuer
Schwert 857
und Schwert verheeren; ev hat eine Zunge, wie ein Schwert); uneig. ver-
fchiedene fehwertförmige Körper, Werkzeuge ıc., 3. B. an Schiffen ein an
der Seite hangendes ftarfes Brett, welches das Abtreiben und Umlegen des
Schiffes zu verhindern dient; Buchb. ein hölgernes Werkzeug, ‚die Blätter eines
Bogens in einander zu legen, u. dgl. me; — 3fep. die Schwertbohne, eine
. Art Schminkbohnen mit breiten Schalen; der Schwertbruder, ſ. Schwert-
orden; der Schwertdegen (f. Degen 2.), ehem. ein junger Ebdelfnappe, ber
die Ritterwürde empfangen hat; der Schwertfeger, eig. wer Schwerter
fegt, d. i. pust u. blänft (polict) ; in weiterem Sinne ein Handwerker, welcher
Seitengewehre verfertige; der Schwertfegerdrath, eine Art groben Drathes,
woraus die Gewinde an Degen» und Säbelgefäßen gemacht werden; der
Schwertfifch, ein großer Seefifch mit einem fchwertförmigen Rüſſel; aud f.
Sägefiſch; Stacheldrache; öfter. f. Sichelfiih; fehwertfürmig, Bw. (z. B.
Pflanz. ein fhwertförmiges Blatt); der Schwertgenoffe, ehem. wer mit
einem Andern zugleich das Ritterſchwert erhalten hatz der Schwertgrofchen,
ehemal. Eurfächf. Grofchen mit dareuf geprägtem Kurſchwerte; der Schwert-
fnecht, chem. der Schwertträger eines Ritters; der Schwertfnopf, der
Knopf am Gefäße des Schwertes; das Schwertlehen, f. v. w. Manntehen,
entg. Kunkellehen; die Schwertlilie, Pflanz. überh. Lilien mit fchwerförmi-
gen Blättern u. einblattigen Blumen (ensatae); in engerer Bed. eine Pflanzen-
gattung mit Lilienähnlichen Blumen und fehwertförmigen Blättern, auch der
Schwertel (iris L.), von verfchiedenen Arten, bef. die gelbe Schwertlilie od.
der gelbe Schwertel, auch Wafferfchwertel, und die gemeine blaue Schwert-
litie, gemeiner od. deutfcher Schwertel, blauer Himmelsfchwertel; ferner die
ſtinkende Schwertlilie od. der wälſche Schwertel; die Ipanifche, die Enollige,
die zwiebelartige Schwertlilie ze. ; auch der Kalmus (f. d.) heißt: wohlriechende
Schwertlilie od. Schwertheu; der Schwertmage, M. Schwertmagen,
f. Mage 1.; der Schwertorden, ein ehemal. Ritterorben in Liefland, deſſen
Glieder Schwertritter od. Shwertbrüder hießen; die Schwertfcheide
oder das Schwertfutter, ſ. Scheide 2.; der Schwertfchlag, = flreich (altd.
auch swert-swanc), Hieb, Streich mit dem Schwerte (ein Land ohne Schwert-
ſtreich erobern, d. i. ohne Blutvergießen); der Schwertfchleifer, wer Schwer-
ter, Degen, Schermeffer ꝛc. fchleift, verfch. Rauhfchleifer; das Schwert-
ſchock, ehem. ein Schock Schwertgrofchen; die Schwertfeite, die Seite der
Schwertmagen, d. i. die Verwandten von väterlicher Seite, entg. Spill= od.
Kunkelfeite; der Schwert= od. Schwertertang, ehem. ein Tanz mit ent-
blößten Schwertern; dicht. uneig. f. Kampf, Gefeht; das Schwerttheil,
ehem. f. Erbtheil von der Schwertfeite (ſ. d.); der Schwertträger, wer
einem Andern das Schwert trägt, bef. bei gewiffen feierl. Gelegenheiten (4. B.
ehem. in Polen: der Krongroßfchwertträger); Naturk. ein Fiſchgeſchlecht mit
aalförmigem Körper u. einem in einen fchwertförmigen Schnabel auslaufenden
Oberfiefer (xiphias) ; — Ableit. der Schwertel, -$, M. mw. E., 1) ſ. v. w.
Schwertlilie, ſ. o.; 2) (mittelh. swertel) eine ſchön rothe Blume mit nad-
tem Stengel: gemeiner, rother Schwertel (gladiolus L.); das Schwertel-
gras, f. v. w. Schilfgras; die Schwertelmaus, eine Art Mäufe mit rauhem
Schwanze, Rauchſchwanz; der Schwertelried, eine dem Riedgraſe ver-
‚wandte Pflanze, mit ftachligen Fruchtknoten, Igelsknospe od. =Eolbe, auch)
858 Schweſter — Schwibbogen
Schwertriedel, Knospengras ꝛc. (sparganium L,); die Schwertelwurz,
gemeine blaue Schwertlilie; auch f. Schlangenlauch.
Schweſter, w., M. -n, Verkl. das Schweſterchen, oberd. Schweſter—
lein, (goth. svistar, altd. suestar, swester, M. swester u. swestern; nicberd.
Süfter, Sufter, u. verkl. Susje; angelf. sveostor, svuster, engl. sister, ſchwed.
und dän. syster; poln. siostra; ſanskr. svasriz wahrſch. von der Wurzel sva,
ſelbſt, eigen (lat. su-us); daher das goth. sves, eigen, angehörig; althochd.
suäs, vertraut, lieb; vgl. auch Gefhwifter, Schwager, Schwieger, u. das lat.
soror), eine weibliche Perfon in ihrem Berhältnifs zu andern, die von
denfelben Altern abftammen (leibliche, gem. rechte Schweſter, z. U. v. Stief⸗,
Halbſchweſter, ſ. d.5 vgl. Bruder); im weiterer Anwendung heißt auch die
Schwägerinn: Schwefter (Frau Schwefter); ferner eine weibl. Perfon,
weldye mit andern durch gleichen Stand oder Beruf genau verbunden ift
(def. geiftliche od. Klofter-Schweftern, d. i. Nonnen); in engerer Bed.
die Perfonen, welche in den Nonnenklöſtern die häusl. Angelegenheiten
beforgen (Schweftern od. Laienſchweſtern); uneig. ein Gegenftand weibl.
Geſchlechts (z. B. eine Stadt) in feinem Verhältniffe zu andern feiner Art; —
3feg. die Schwefterhand, das Schwefterherz u. dgl. m.; das Schwe-
ſterkind, M. Schweiterkinder, Kinder einer Schweſter, jo auch: der
Schwefterfohn, die Schweitertochter; die Schwefterliebe, Liebe einer
, Schwefter ,. fchmefterliche Liebe; der Schweſtermann, Gatte von Jemands
Schwefter, Schwager; der Schweftermord, Ermordung einee Schwefter;
der Schweftermörder ; das Schwefter- ob. Schwefternpaat, zwei ** *
ſtern; die Schweſterſeele, der Schweſterſinn, die Schweſtertreue ıc.;
Ableit. fchwefterlich, Bw., im Verhältniffe einev Schweſter ——
einer Schweſter od. Schweſtern angemeſſen, nach Art derſelben (ſchweſter—
liche Liebe, Geſinnung 2c.); die Schweſterlichkeit; die Schweſterſchaft,
das Verhältnifs zweier Schweftern, u. bef. fehmwefterlich verbundener Per-
ſonen; auch die in einer fchwefterlichen Verbindung ftehenden Perfonen -
felbft (geiftliche Schwefterfchaften) ; ſchweſtern, Zw., wenig. gebr. F) ziellos,
fchwefterlihen Umgang pflegen; fich in eine Schwefterfchaft, ein Nonnen-
Elofter 2c. begeben; 2) ziel. fi, einander—, Schwefter nennen und
fchwefterlich behandeln.
fchwetten 1. ziel. Zw. (vgl. ſchwadern, ſchwatteln zc.) ſchweiz. f. —
men (Pferde); die Schwette 1. (ſchweiz. Schwetti) f. Schwemme, Lache;
vergoſſene Flüſſigkeit; ausgeſchüttete Menge, Haufen; ſchwettern, ziellof.
3w., landſch. f. ſchwadern; ſchlottern; der Schwetterſtein, ein Stein, in
welchem Waſſer eingeſchloſſen iſt u. ſchlottert.
— zielloſ. Zw., niederd., beſ. oſtfrieſ. (ſwetten) f. angrenzen;
die Schwette 2., M. -n (Siwette) f. Grenze, Grenzzeichen (vieleicht ur-
ſpr. Bafferfcheide, Grenzgraben, alſo — Schwette 1.2 vgl. jedoch auch das
angeli. svathe, Spur, Merkmal); auch das Nachbarrechtz der Schwett-
genoffe, niederd. (Swettgenote) f. Grenznachbar.
Shwibbogen od. Schwibogen, m., -$, M. w. E., (gem. Schwib⸗
bogen geſchr. u. von ſchweben abgel., welches aber nicht ablautet; oberd. -
Schwi-bogen; altd. sui-pogo, swi-boge; alt u. landſch. auch swin-, Schwiel⸗,
swig-, Schmwichbogen; vgl. das isländ. sveigia, Erimmen, biegen, svig, Krüm—
mung, sveigr, Bogen), ein gemauerter Bogen, eine gemwölbte fleinerne
fhwichtigen — ſchwieren 859
Decke; ein mit einem ſolchen Bogen bedeckter Raum, gewölbtes Gemach
od. Behältniſs, Gewölbe, beſ. Grabgewölbe.
ſchwichtigen, ziel. Zw. (vom niederd. ſwigten, holl. zwichten, ver—
ſtummen, nachgeben, u. dieſes von ſchweigen, od. niederd. Nebenform des
mittel. swiften, beruhigen, von sweben, fchlummern?), zum Schweigen
bringen, beruhigen, befanftigen, gem. befhwichtigen; daher dicht. der
Schwichtiger; die Schwichtigung.
Schwiegel, w., fehwiegeln, 3w., ſ. Schwegel, ſchwegeln. ro
Schwieger, w., M. w. E., (altd. suigar, suigir, swiger; oberd. Schwi—
ger; lat. socrus, griech. Ezvod; vgl. Schwäher, Schwager, u. das altd. gesuio,
geswie, geswige, oberd. der u. die Gefhwei f. jede verſchwägerte Perfon),
alt u. oberd. f. Schwiegermutter, entipr. Shwäher, (ein männl. „der
- Schwieger giebt es nicht!); die Schwiegerältern, o. E., die Ältern des
einen Ehegatten in Bezug auf den andern (4. B. meine Schwiegerältern, d. i.
die Ältern meiner Frau), einzen: der Schwiegervater, die Schwieger-
mutter; der Schwiegerfohn, der Ehemann der Tochter, Tochtermann;
die Schwiegertochter, die Gattinn des Sohnes, alt: die Schnur; fo auch:
das Schwiegerkind, die Schwiegerfinder ; — die Schwiegerinn, M. -en,
landſch. f. Schwägerinn, f. d. \
Schwiele, w., M.-n, Verkl. das Schwielchen, (altd. der suilo, swil,
M. swiln; aud) daz gisuil; oberd. der Schwillen, das Geſchwill; von ſchwel⸗
len, ſ. d.; vgl. das niederd. Swill f. Gefhwulft; engl. weal, Schwiele), eine
harte und die Stelle in der Hautz def. aufgelaufene Stellen der Haut
in Folge harter Handarbeit (Schwielen in den Händen) od. von Peitichenhieben
u. dgl.5 uneig. etwas Schwielenähnliches: Naturk. eine Art des Zahnes am
Schloffe einer Muſchelſchale; Bergw. Nieren im Schiefer; ſchwielig, Bw.,
Schwielen habend (Haut, Hände 2c.); fchwielicht, Bw., ſchwielenähnlich;
ſchwielen, ziellof. Zw. (altd. suillan, swillen, dickhäutig werden; niederd.
fwillen f. ſchwellen), landſch. f. fhmwellen, auflaufen.
ſchwiemen, fehwiemeln, zielof. 3w., fchwiemelig, Bw., landſch. bei.
niederd. (fwiemen zc., fwiemelig) f. ſchweimen ıc., f. d.; daher die Schwiem,
niederd. (Swiem) f. Ohnmacht (in die Schwiem fallen f. ohnmächtig werben,
auch: befwiemen); ſchwiemſchlagen, untrb. ziellof. Zw., niederd. f.
fhwindeln, ohnmächtig taumeln, ſchwanken; der Schwiemfchlag, Schiff.
im Schwiemſchlag liegen, d. i. im Winde von einer Seite zur andern
ſchwanken.
Schwieping, w., M. -en, (auch Schwepping; vgl. Schweppe, ſchwip—
pen 2c.), Schiff. das ſpitz zulaufende Ende eines Taues; auch eine ſtarke
Latte, welche die Enden eines Spannes zufammenhält. ; i
fchwieren, ziellof. Zw. m. Haben, niederd. (fwiren, Twieren, holl. zwie-
ren, dän. svire; eig. wohl Nebenform von ſchwirren, fich ſchwirrend be-
wegen, vgl. ſchwärmen) f. herumfliegen, fhwärmen; luſtig, in Saus u.
Braus leben; preuß. auch f. wanfen, fhwanfen; die Schwier (Swier,
holl. zwier) 1) f. Wendung, Schwung; Anftand, Pracht u. Geſchmack,
beſ. in der Kleidung, großer Staat, prüchtiges Gefolge; Wortſchwall;
2) f. Trinkgelag, Trinflied; der Schwierbruder od. =gaftz f. liederlicher
Schwärmer, Saufbruder; ſchwierig 1. (fwierig), Bw., f. ſchwunghaft,
prächtig, zierlich, pomphaft; locker lebend, liederlich.
860 Ihwierig — f chwimmen
ſchwierig 2., Bw. (altd. swirec; oberd. ſchwirig, geſchwirig; v. sueran,
sweren, ſchwären, ſ. d.), alt u. oberd. überh. ſchmerzhaft; auch f. em—
pfindlich, reizbar; insbeſ. ſchwärend, in ein Geſchwür übergehend (ſchwie—
rig werden, ein ſchwieriger Finger 2c.).
ſchwierig 3., Bw. (von ſchwer erft in der neueren Sprache gebildet und
der Volksſprache fremd), ſchwer, d. i. viel Mühe machend, Anftrengung
erfordernd, finnv. befehwerlih, mühfam (3. B. ein fchwieriges Unternehmen,
eine ſchwierige Arbeit. 2c.); von Menfhen: Schwierigkeiten machend, be-
denklich, ſchwer zu bewegen oder zufrieden zu ftellen; die Schwierigkeit, |
(f. das vlt. Schwerheit, niederd. Swaarheit, Swarigheit) 1) o. M. dag
Schmwierigfein, die Schwierige Befchaffenheit einer Sache od. Perfon (gem.
nad der Schwierigkeit f. in hohem Grade); 2) M. -en, was eine
Sache fehwierig macht od. erfchwert, finnv. Hindernifs (bei einem Gefchäfte
Schwierigkeiten finden; alle Schwierigkeiten befeitigen; die Sache hat manche
Schwierigkeiten); auch f. Einwendung, Bedenklichkeit (Schwierigkeiten ma-
hen; daher der Schwierigfeitsmader, ein fhwieriger, bedenklicher
Menſch).
ſchwigten, ziel. Zw. (wahrſch. das niederd. ſwigten, d. i. beſchwichtigen,
dann: befeſtigen) Schiff. zwei geſpannte Taue mittelſt einer Leine, welche
die Schwigtlien od. Schwigting, M. -en, heißt, zuſammenziehen und
dadurch noch mehr fpannen.
fhwih, ein Fuhrmanns-Ruf, f. hott.
Schwilbe, w., Bergmw. eine taube Bergart.
fchwillen, 3w., landſch. f. ſchwellen; der Schwillen, -8, oberd. f. die
Schiele.
ſchwimmen, ziellof. 3m. m. haben u. fein, ablaut. Impf. ſchwamm,
Gonj. ſchwämme und ſchwömme; Mw. gefchtwommen , (altd. suimman,
swimmen , Prät. swam, Pl. swummen, Part. geswummen; oberd. Prät.
ſchwam u. ſchwum, Part. geſchwummen; niederd. fwimmen; angelf. svim-
man, engl. swim; isländ. svimma, ſchwed. simma; vgl. Schwamm u. das
abgel. jchwemmen), 1) von dem MWaffer oder überh. von einer Flüffigkeit
getragen werden, fich auf der Oberfläche derfelben ſchwebend erhalten u.
fortbewegen (das Holz, ein Schiff 2c. ſchwimmt); insbe. fich durch felbft- |
thätige Kraft vom Waffer getragen erhalten u. auf od. in demfelben fort-
bewegen (die Fifche, Enten ꝛc. ſchwimmen; Hunde, Pferde ꝛc. können ſchwim—
men; EZunftmäßig ſchwimmen lernen; auf dem Bauche, auf dem Rüden zc.
ſchwimmen); in weiterer Anwendung auch f. ſchweben in der Luft, fich fanft
und mwellenförmig bewegen (dev Adler ſchwimmt in der Luft; der Mond
ſchwamm im reinen Blau), — in diefen Bed. m. haben, wenn das Getra-
genmwerden od. die Bewegung an ſich od. in Beziehung auf Zeit, Kunft u. Abs
fiht ausgedrückt wird; m. fein, wenn Ausgangspunkt, Ziel od. Richtung der
Bewegung angedeutet wird, (Z. B. ich habe in meiner Jugend geſchwommen;
er hat lange, viel, gut 2c. geſchwommen; aber: das Brett ift ans Ufer ges.
ſchwommen; er ift fort=, über den Flufs, zurück geſchwommen 2c.); 2) (mit
haben) uneig. von einer Flüffigkeit ganz übergoffen od. bedeckt fein, bef.
übertreibend (3. B. in feinem Blute fhwimmen, in Thränen—; ihr Auge
ſchwamm in Thränen; der Boden ſchwimmt von Blute; Bergw. ein ſchwim—
mendes Gebirge, d. i. ein fumpfiges); auch von der Flüffigkeit ſelbſt f. fich in
ſchwind — Schwindel 861
Menge ergießen od. verbreiten (das Blut ſchwamm auf dem Boden; Thrä—
‚nen ſchwimmen im Auge) ; noch uneigentliher: in etwas —, f. e8 in UÜber-
flufs genießen od. befigen (im Weine—; in Freude od. Wonne ſchwimmen);
— 3fes. die Schwimmblafe, f. v. w. Fiſchblaſe, ſ. d.: auch getrodnete
Harnblafen von Rindern 2c., welche man ‚unter den Armen befeftigt, um mit
deren Hülfe zu Schwimmen; der Schwimmbruch (f. Bruch 2.), in Niederd.
ein von Waffer umgebenes Sumpfland; der Schwimmfuß, die zum Schwim-
men eingerichteten Füße der Wafferthiere, deren Zehen durch eine Haut, die
Schwimmhaut, verbunden find; der Schwimmgürtel, ein Gürtel von
Korkholz u. dgl. mit Blafen verfehen, um mit deffen Hülfe zu ſchwimmen;
der Schwimmfäfer, eine Art Kleiner Käfer auf ftehenden Waffern, auch
Schwimmer, Drehkäfer, Wafferfloh 2c.; die Schwimmfrähe, eine Art
MWafferraben, auch Seekrähe; die Schwimmkunſt; der Schwimmlünftler;
die Schwimmfchnede, eine Art gewundener, bauchiger Schnecken mit halb-
runder Mündung, auch Halbmondfchnede; die Schwimmfchule, Anſtalt zum
Erlernen der Schwimmkunſt, auch Schwimmanftalt; der Schwimm-
vogel, mit Schwimmfüßen verfehener Waffervogel, 3. B. Enten, Taucher zc.;
das Schwimmzeug, alles zum Schwimmen dienende Zeug od. Geräth, z. B
Shwimmhofen, Shwimmgürtelu. dgl. — Ableit. der Schwim-
mer, -8, die Schwimmerinn, M.-en, mer ſchwimmt, u. bef. wer die
Kunft zu ſchwimmen verfteht (ein guter ze. Schwimmer fein); auch f.
Schwimmkäfer; Lerchenfalt, Schweimer; eine im Waffer wachfende
ſchwimmende Pflanze (aponogeton L.) ; landſch. auch) ein in Riemen hangen-
der bedeiter Wagen, auch Schwemmer, (wegen der jchaufelnden Bewe-
gung); eine Hohlmünze (Schwämming).
fhwind od. fchwinde, Bw. u. Nw. (mittelh. swinde, niederd. wind),
alt u. landſch. f. gefchwind (f. d.), fehnellz; chem. bef. f. Eräftig, ftark, heftig,
verderblich (vgl. das goth. svinth, altfächf. und angelf. suith f. Eräftig, ftark;
u. ald Nw. suitho, niederd. [wied f. fehr; ſwidig f. groß, viel, übermäßig;
die Grundbed. fcheint alfo „ſtark, kräftig,“ und dies Wort von einer andern
Wurzel, ale ſchwinden, auszugehen).
Schwinde, w., M.-n (von fhwind, gefchwind, weil fie fich ſchnell aus—
breitet; oder von fchwinden?), 1) f. v. w. Flechte 2., Hautflechte, auch
die Schwindflechte; 2) eine Art Milben, welche die Flechte und die Kräge
erzeugen follen. +
Schwindel 1. m., -8, landfch. f. Schwingel.
Schwindel 2. m., -3, M. (felten) w. E., (von ſchwinden; ſchwed.
svindel; altd. suintilöd, swintlunge) der vorübergehende Zuftand der
Schwäche des Kopfes, da Sinne u. Bewufftfein augenblidlih ſchwin—
den od. vergehen u. fich Alles im Kreife zu drehen fcheint, landſch. Schwei-
mel(f. d.), Shwiemel, (den Schwindel befommen; vom Schwindel be—
fallen werden, z. B. beim Hinabfehen von einer fteilen Höhe; der Schwindel
der Schafe, d. i. die Drehkrankheit); in weiterer Bed. überh. f. Betäubung,
mangelnde Befinnung; unbefonnene Handlungsweife, da man abenteuer-
liche Pläne macht; Ableit. fchwindelig od. zgez. ſchwindlig, Bw. (oberd.
auch ſchwindliſch) den Schwindel habend, landſch. gem. ſchweimelig,
Ihwiemelig, (ih werde ſchwindlig, oder mir wird fchwindlig); dem
Schwindel ausgefegt (ich bin ſchwindlig, d. i. ich werde Leicht fchwindlig) ;
862 ſchwinden
auch f. Schwindel erregend (eine ſchwindlige Höhe ꝛc.); uneig. f. unbeſon—
nen handelnd, abenteuerliche Pläne machend (ein ſchwindliger Menſch); —
ſchwindeln, zielloſ. 3w. m. haben, (altd. suintilön, swindeln), den Schwin—
del bekommen oder haben, ſchwindlig werden oder fein, landſch. ſchwei⸗
meln, ſchwiemeln, (ich ſchwindele, und gew. unp. mit dem Dat. es
ſchwindelt mir, od. mir ſchwindelt, hat geſchwindelt ꝛc. oberd. auch
f. es ahndet mir, ich befürchte, vgl. ſchwanen); uneig. f. unbeſonnen fein u.
handeln, unausführbare oder ſehr gewagte Entwürfe, Verſprechungen,
erlogene Behauptungen ꝛc. machen (er ſchwindelt; auch mit dem Acc. der
Sache: was ſchwindelt er. wieder! einem etwas vorſchwindeln ꝛc.); 3ſetz.
die Schwindelbeere, Tollbeere; auch f. Schlingbeere, Schlingbaum; der
Schwindelgeift, die Neigung zu ſchwindeln, d. i. unbefonnen zu handeln zc.,
u. ein unbefonnen handelnder Menſch, Schwindler; der Schwindelhafer, f.
v. w. Schwindelforn, Schwingel 2); die Schwindelhöhe, eine Schwindel
erregende Höhe; der Schwindelfopf, ein ſchwindelnder Kopf, bef. uneig.
ſ. v. w. Schwindelgeiftz ſchwindelköpfig, Bw.; das Schwindelforn, ver
gemeine betäubende Sommerlolch,” Taumellolch; auch f. Koriander (Shwin-
delkörner); Schwangpfeffer; das Schwindelfraut, 1) Koriander; 2) die
Gemfenwurz, auch Schwindelwurz; Ableit. der Schwindeler od. zgez.
Schwindler, -$, die Schwindlerinn, M. -en, wer ſchwindelt (nur uneig.),
d. i. unbefonnen handelt, unvorfichtige, fehr gewagte Unternehmungen
macht, z. B. ein folder Kaufmannz die Schwindelei, das Schwindeln,
die Handlungsweife eines Schwindlers; auch eine einzelne unbefonnene, -
abenteuerliche Unternehmung; u. f. ein ungegründetes Vorgeben, finne.
MWindbeutelei, (M. Schwindeleien).
fchwinden, ziellof. Zw. m. fein, ablaut. Smpf. ſchwand, Gonj. ſchwände;
Mw. gefhwunden, (altd. suintan, swinden, neben swinen, [weinen
f. d., von der Wurzel suin; niederb. fwinden, fwund, ſwunden; angelf. svin-
dan, ſchwed. svinda), urſpr. Eleiner werden, fich verringern, an Eörperlihem
Umfange abnehmen, fidy verzehren (das Holz ſchwindet, wenn es troden
wird; ein Glied, z. B. eine Hand, ſchwindet, d. i. trodinet ein u. ftirbt ab);
überh. f. vermindert, gefchwächt werden (ein Vorrath, eine Zahl ſchwindet;
der Muth, die Kräfte ſchwanden ihm); unfichtbar od. überh. unbemerkbar,
auch unwirkſam werden, vergehen, vgl. ver-, entfehwinden, (4. B. die Ge⸗ |
ſtalt ſchwand vor meinen Augen; Farben ermatten und ſchwinden; die Sinne
ſchwanden ihm; alt u. oberd. auch unp. es fchwindet od. gefhwindet
mir f. es ſchwindelt mir, mir vergehen die Sinne); aufhören zu fein, ver
loven gehen, vergehen (jeder Verdacht ift gefchwunden; Tage, Jahre 2.
ſchwinden; bef. auch: etwas fchwinden laffen, d. i. fahren laffen, aufgeben,
3. B. einen Verdacht, etwas an einer Geldforderung ſchwinden laffen); —
3Tes. die Schwindblume, eine zu den Binfen gehörende Pflangengattung
(helonias L.); die Schwinöflechte, f. Schwinde; die Schwindgrube, landſch.
. Schundgrube, eine verdeckte Grube, in welche Unreinigkeiten geworfen wer⸗
den; die Schwindſucht (oberd. auch: ſchwindende Sucht, landſch. Schwein:
ſucht; niederd. Swinfte), allmähliche Abzehrung des Körpers und Schwinden
der Kräfte bis zum völligen Erlöfchen, Auszehrung ; auch eine tödtliche Kran«
heit der Seidenwürmerz das Abftehen u. die Magerkeit der Bäume; [hwind-
füchtig, Bw., die Schwindfucht abend (ein Schwindfüchtiger, eine Schwind ⸗
Schwinge — ſchwingen 363
füchtige, als Hw.); die Schwindfüchtigfeit, das Schwindfüchtigfein; bie
Shwindwurz, landſch. f. das große Schellkraut, deffen Wurzel mit allerlei
Kräutern zufammen in einem fogen. Shwindbeutel den Kühen, welche bie
Schwindfucht Haben , angehängt wird; — Ableit. der Schwinderling,
bair. f. eine heftige Maulfchelle, wobei einem Hören u. Sehen vergeht.
Schwinge, w., f. unter fchwingen.
Schwingel, m., -$, 0.M., 1) won ſchwingen, wegen der ſchwin—
genden Bewegung der ſchlanken Halme?) eine Grasart mit zweilpelziger Blu
mendecke und Heiner, länglich runder Ähre (festuca L.), landſch. auch Schwin-
del, Eleines Riedgras; dahin gehören: der ſchwimmende od. Mannaſchwingel,
der Harte, Wiefen-, Schafſchwingel ec.; 2) landſch. f. Lolch, bei. der betäu-
bende Sommerlolch (wahrſch. verderbt aus Schwindel; daher aud:
Schwindelhafer, -korn; ſchwed. svindel, dän. svingel).
fhwingen, 3mw., ablaut. Impf. ſchwang (oberd. auh [hwung), Eon.
ſchwänge (ehem. ſchwünge), Mw. gefhwungen, (altd. suingan, swingen,
Prät. swane, Part. geswungen; früh vermengt mit suinkan, swinken, swanc,
swunken 5, vgl. Schwang, Schwung, u. Schwank, ſchwenken ꝛc.; Grundbeb.
ift: heftige Bewegung; angel. svingan, ſchlagen, peitfchen, und svincan, ar—
beiten; ſchwed. svinga; engl. swing, swinge, swingle; niederd. ſwingen, bei.
f. den Flachs Schlagen), 1) ziellos m. haben, chem. überh. f. fich heftig be-
wegen, arbeiten (daher vieleicht noch: etwas erfchwingen f. erarbeiten),
ſchweiz. f. ringen, vingend kämpfen; jest. insbef. fich bogenfürmig um
einen feften Punkt fehwebend hin und her bewegen (der Schwengel oder
Pendel der Uhr fchwingt in einer Minute 50 Mal; eine fchwingende Bewe-
-gung); 2) ziel. etwas—, fehnell u. bef. im Schwung, d. i. bogenförmig
bewegen (den Arm—; etwas in der Hand, die Lanze, die Fahne —; bie Flü-
gel—; etwas über den Kopf, hinter fih—, d. i. ſchwingend werfen, ſchleu—
dern); ſchwingend bearbeiten, reinigen (das Getreide, das Futter—, mit-
teift der Schwinge, ſ. u.); ſich —, d. i. fi im Schwunge bewegen (4. B.
fich über einen Zaun, fic) auf das Pferd —; bei. mittelft der Flügel: der Adler
ſchwang fich in die Luft), uneig. ſich ſchnell auf einen höheren Punkt erhes
ben (fi auf den Thron —); ferner mit gefhwungener Hand fihlagen
(ſchweiz. ein Kind—, d. i. mit Ruthen ftreihen; bei. den Flachs —, ihn
nach dem Brechen mit der Schärfe eines Brettchens fchlagen, um.ihn von den
Holzfafern zu reinigen); — 3feg. der Schwing- od. Schwingeblod, das
Schwingebrett, Geftell, auf welchem der Flachs und Hanf gefchlagen wird;
die Schwingfeder, f. v. w. Schwungfeder; die Schwingfolbe oder das
Schwingkölbchen, Naturk. dünne, bewegliche Stielchen,an den Flügeln der
Infecten ohne Flügeldecken; die Schwingkraft, gew. Schwungtraft; der
Schwingenapf od. die Schwingfchale, Nadl. eine Wanne, worin die ver-
zinnten u. in Kleie 2c. getrodneten Nadeln duch Schwingen von der Kleie ge-
reinigt werden; das Schwingfeil, ein Seit, welches fich ſchwingt, od. etwas
in Schwung zu fegen dient; der Schwingftod, ſ. u. Schwinge; die Schwing-
uhr, Schwengel- od. Pendeluhr; — Ableit. die Schwinge, M. -n, überh.
ein Werkzeug, welches geſchwungen wird, oder etwas zu ſchwingen dient,
insbef. Landw. eine von Ruthen geflochtene länglich runde Wanne, in welcher
das Getreide und Futter gef hwungen u. dadurch gereinigt wird (Futter
Ihwinge); ein Brettchen mit einem Griffe, den Flachs oder Hanf damit
%
864 Schwinz — ſchwirren
zu ſchwingen, d. i. zu ſchlagen; Seil. ein Stock (Schwingftod) oder ein
eifernes Werkzeug zum Ausfchwingen des Hanfes; Bergw. die Hölzer an den
Wafferkünften u. Feldgeftängen, fi) darauf hin und wieder zu bewegen; Pa—
pierm. die Stiele an den Stampfen, welche diefe mit einem Schwunge heben;
uneig. landſch. die breiten Sproffen in den Wagenleitern, Sperrleiften; an
Slufsfahrzeugen das Querholg, an welches das Ziehfeil gebunden wird; ferner
die ſtarken Schwungfedern der Vögel, bef. der Falken; auch der ganze
Flügel (engl. wing; ſchwed. vinge), bef. won großen Vögeln; dicht. überh. f.
Flügel, Fittig, auch uneig. (2. B. die Schwingen des Windes, der Gedanken,
des Geiftes 2c.); daher das Schwingenpaar, ein Paar Schwingen od. Flü—
gel; — der Schwinger, -$, wer etwas ſchwingt; die Schwingung, M.
-en, die Handlung des Schwingens; ſchwingende Bewegung (z. B. bie
naar des Pendels, einer gefpannten Saite 2c.); der Schwingungs-
knoten, die ruhenden Punkte einer in Schwung gefesten Saite.
Schwinz, m., -08, M. -e, landſch. f. der Grünfinf.
[hwipp, ſchwipps, gem., Naturlaut, welcher fehnelle Bewegung, bei.
einen Schlag u. den damit verbundenen Schall bezeichnet, gew. in Verbin-
dung mit ſchwapp, f. d. (es ging ſchwipp, ſchwapp!); niederd. (fwipp,
fwipps) auch als Nw. f. fehnell, behende; als Bw. ſchwipper; fehwippen,
3w., landfch. gem. 1) zielios m. Haben, fich mit dem Schall fhwipp be-
wegen, insbef. von Flüffigkeiten, f. v. w. fchwabben, ſchwabbeln (f. b.),
fhwappen, aud) ihwippeln, (geſchwippt voll u. dgl.), überfluthen (vgl.
das goth. sveipains, überſchwemmung); von langen biegfamen Körpern: nach
der Beugung in die Höhe fihnellen; auch mit einer Ruthe oder Peitfche
fehlagen; 2) ziel. mit einer Schwippe (f. u.) verfehen (eine Peitfhe—);
die Schwippe, M. -n, landſch. ein langer, biegfamer Körper, insbef. nie
derd. f. Brunnenfchwengel (Swipe); der obere, dünne Theil der Angel-
ruthe; die dünne Spige der Peitfchenfchnur (auch Schweppe, niederd.
Swepe; Schmide, Schmige); auch f. Peitfche; der Schwippflod, bei den
Vogelſtellern: biegfame Stöde zum Ausheben u. Zufammenfchlagen der Vogel—
wände; — ſchwippſen, zieliof. Zw., holftein. (fwippfen) f. ſich ſchnell davon
machen.
fehwirben, Zw. landſch. f. v. w. ſchwerben, f. d.; ſchwirbeln od. ſchwur⸗
bein, ſchwürbeln, ziellof. Zw., oberd. u. fchweiz. f. wirbeln, ſchwärmen,
ſich im Strudel od. im Schwarm bewegen (Waſſer, Bienen 2c.); ſchwin—
deln, taumeln, ohnmächtig werden (3. B. es fchwirbelt ihm im Kopfe, od.
der Kopf ſchwirbelt ihm); der Schwirbel, Schwurbel, Schwürbel, -8, f.
MWirbel, verworrene Menge, Schwarm; Schwindel, Taumel; der
. Schwirbelfopf, f. Schwindelfopf; fchwirbelig, Bw., f. ſchwindlig.
fchwirren 1., ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallw.; ſchwed. svirra, surra,
ſanskr. svar; fat. susurro, vgl. ſurren; niederd. ſwirtjen f. zwitfchern, zir—
pen; — ſchnell hin und her laufen, vgl. ſchwieren), einen feinen,
zitternden, meift verworrenen Schall hören laffen od. hervorbringen (das
Spinnrad ſchwirrt; ein Pfeil, Inſecten 2c. fehwirren im Fluge) ; bef. von dem
Laute mancher Vögel und der Grillen od. Heimchen, vgl. zirpen, (die Lerche
ſchwirrt; das Schwirren der Grillen) ; uneig. f. fich unruhig u. mit Geräuſch
umbherbewegen, finnv. ſchwärmen (herum ſchwirren); die Schwirre, alt u.
landſch. f. ein fchwirrendes Ding, bef. die Schwinge; fehwirrig, Sw⸗ f.
unruhig, geräuſchvoll.
Schwirren — Schwopp 865
Schwirren, m., -8, M. w. €. (auch Schwirn; altd. swir, swirre;
wahrfch. v. dem altd. suiron, befeftigenz; vgl. ſchwören; angelf. svira, sveora,
Säule), alt. u. oberd. f. Pfahl, bef. Uferpfahl, an welchen man Schiffe bin-
det; daher ſchwirren 2: ziel. Zw., Schweiz. f. pfählen, mit Pfählen verfehen
(ein-, ausfchwirren).
ſchwitzen, Zw. (altd. suizzan, switzen; nieder. fweten, engl. sweat;
ſanskr. Wurzel: svid: svidjami, ich ſchwitze; vgl. Schweiß, fchweißen), 1) ziel:
los m. haben, Feuchtigkeit ausdünften u. in Tropfengeftalt anfegen, bef.
durch die Haut: Schweiß von fich geben, vergiefen, in Schweiß ausbre=
chen, (ich ſchwitze, habe geſchwitzt; Tandfch. auch unp. mit dem Acc. es ſchwitzt
mich od. mich ſchwitzt); uneig. f. viel Mühe, Befchwerde haben, fich
anftrengen (er fchwigt den ganzen Tag bei der Arbeit); in weiterer Bed.
überh. f. Feuchtigkeit anfegen, feucht werden (das Getreide ſchwitzt in der
Scheuer; das Leder ſchwitzt; die Fenfter, die Steine ſchwitzen, wenn ſich die
Dünfte an diefelben anlegen); 2) ziel. etwas—, in Geftalt eines Schweißes
von fich geben (MWaffer u. Blut —); ſchwitzen machen (die Gerber ſchwitzen
das Leder im Äfcher); der Schwiß, -e8, oberd. f. Schweiß; auch f. das
Geringfte, Unbedeutendfte („nicht ein Schwitz'); — Zfes. das Schwißbad,
ſchweißtreibendes Bad; die Schwisbanf, Bank in einem Schwigbade, auf
welcher man den Schweiß abwartet; der Schwißkaften, ein enges Behältnife,
in welchem einem Kranken der Schweiß auögetrieben wird; uneig. fcherzh. ein
fehr Heißes Zimmer; das Schwigmittel, ein ſchweißtreibendes Mittel, insbef.
ein Schwißpulver, Schwißtranf ıc.; — Ableit. die Schwiße, landſch.
der Zuftand des Schwitzens, gew. das Schwitzen; bef. Gerb. das Leder
in die Schwige legen, d. i. mit Salz einbeizen, damit es feucht werde; ſchwi—
Big, Bw., landſch. f. fehweißig, von Schweiß befeuchtet (Hände, Füße);
leicht ſchwitzend (ſchwitzig fein); ſchwitzeln, zielof. Zw., oberd. f. ein wenig
ſchwitzen; nah Schweiß riechen.
fhwöden, 3w., Schwödefafs, -grube ıc., f. ſchweiden ıc.
ſchwögen, ziellof. u. ziel. Zw., niederd. (¶ wögenz angelf. svegan, svögan,
ſchallen, tönen; svög, svög, Schall; vgl. Schwegel, ſchwegeln) f. Eläglich
reden, mitleidig beklagen, befeufzenz; leichtfertig fchwören od. fluchen, bef.
bei großen Schmerzen, in Angft u. Furcht 2c.; der Schwöger, f. gern kla—
gender, weinerlicher Menſch; die Schwögereti, das Schwögen, Kläglich-
teden ıc.; fchwögfelig, Bw., f. gern Elagend, weinerlich zc.
Schwoll, m., —es, M. -e, (v. ſchwellen) tandich. f. Kaulbörs; der
. Schwollfopf, oberd. f. Dickkopf, Dummkopf; — der Schwolftpilz, landſch.
eine Art ſchädlicher Pilze.
Schwope, w., M.-n, in Pommern (Swope) f. v. w. Zope (f. d.),
ein Fiſch.
Schwöpe, w., M.-n, 1) niederd. (Swöpe, Swepe; vgl. Schwippe)
f. Peitfche; 2) Bauk. ein Querbalken (Rimm od. Schrägeband) zur Verbins
dung u. Stügung von Pfählen, Sparten ꝛc.
ſchwöpen, ziel. 3w., nieberd. (ſwöpen) einen Deich mit Rafenftüden be:
legen; die Schwöpelfode, M. -n, dazu dienende Rafenftüce od. Soden (f. d.).
Schwopp, m., -es, M. -e, niederd. (Swopp; vgl. Woppe, Wipfel ꝛc.)
f. der Wipfel eines Baumes; ſchwoppen, ziellof. Zw., niederd. (fwoppen)
f. hin u. her ſchwanken, wie ein Baummipfel.
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 55
866 ſchwören — ſchwül I
ſchwören, ziel. u. zielloſ. Zw., (eig. verderbt ft. ſchweren, wie Löwe,
zwölf ze. ft. Lewe, zwelf), ablaut. Impf. ſchwor, Conj. ſchwöre, u. b. ſchwur,
ſchwüre; Mw. geſchworen, (goth. svaran; althochd. suariau, suerian, suerran,
mittelh. swern, urfpr. ablaut. Prät. swuor, Part. gisuaran, geswarn; fpäter
in feinen Formen vermifcht mit sueran, swern, ſchwären (ſ. d.), daher:
Präſ. ich swir, Prät. swar, Part. gisuoran, gesworn; oberd. ſchweren, ſchwur,
geſchworen; niederd. fwören, fwoor, ſwaren; isländ. sverja, ſchwed. svärjaz
angelj. sverjan, engl. swear; — wahrſch. von wär, wahr, d. i. Eräftig, gültig,
wäran, wahren, d. i. ſichern, ſchützen, mit vortretendem s gebildet; val. jedoch
auch das altd. sviron, befeftigen), überh. feierlich verfichern oder befraftigen,
eidlich betheuern od. geloben, insbef. indem man Gott 0d. irgend eine Perſon
od. Sache zum Zeugen der Wahrheit anruft (bei Gott, beim Himmel, bei Allem,
was heilig ift—; hoch und theuer—; Stein und Bein ſchwören, f. unter
Bein); auf etwas —, d. i. es mit einem Schwure befraftigen G. 8.
ich wollte darauf ſchwören, dafs 2c.; ehem. auf einen—, f. fich eidlich gegen
ihn verbinden; ihn gerichtlich verfolgen), gew. etwas—, 28 eidlich befraf-
tigen (das kann ich ſchwören; ich ſchwöre, dafs es fich fo verhält; ehem. auch
mit bem Gen. der Sade); einem etwas—, e8 ihm feterlid) zufichern,
verfprechen (3. B. einem Liebe, Treue —, ihm Rache, den Tod ꝛc. —) auch
f. mit einem Schwure übergeben, widmen (ehem. einem eine Braut—,
d. i. verloben; dicht. er ſchwur fich zu ihrem Getreuen, zu feinem Knechte u.
dgl.); in engerer Bed. einen fürmlichen, feierlichen Eid ablegen @. B. vor
Gericht; der Zeuge muffte ſchwören; einen leiblichen Eid ſchwören; die Unter-
thanen den Eid der Treue ſchwören laffen; auf die Bibel, auf das Evangelium,
auf ein Schwert ze. ſchwören, d. i. beim Schwören die Schwurfinger darauf
legen); gem, f. fluchen, läftern, Berwünfhungen ausftoßen; — das Mm.
gefhworen auch in thätliher Bed. f. wer gefhworen hat (zZ. B. er ift
mein geſchworener Feind, d. i. er hat mir Feindfchaft gefchworen; ein Ge
ſchworener, als Hw. f. Vereidigterz f. gefchworen); — das Schworhaus,
oberd. landſch. z. B. in Ulm f. Rathhaus; der Schwörherr, in abeligen
Stiftern die Herren, welche die Ahnen der aufzunehmenden Perſon beſchwören;
der Schmwörtag, Tag, an welchem ein feierlicher Eid abgelegt wird, z. B. der
Huldigungstag; — der Schwörer, -$, M. w. E., wer ſchwört.
ſchwuben, 3w., landſch. 1) ziellos f. ſchwabben, ſchwanken; 2) ziel. f
fhmenten, fpüten (ein Glas ausſchwuben).
ſchwuchten, ſchwuchtern, zielloſ. Zw. niederd. (wugten, ſwugtern) 1) das
verſt. ſchwögen (ſ. d.); 2) f. ohnmächtig werden.
ſchwude, ein Zuruf der Fuhrleute an die Pferde, wenn ſie ſich links
wenden ſollen, entg. hott (f. d.); daher ſchwuden od. ſchwoden, Zw·
alt u. landſch. f. ſich links wenden.
ſchwül, gem. auch ſchwul, ſchwülig, Bw. (altd. swuoli, swüele, und
als Nw. swuolo, swuole; auch swüelich, swüllec; oberd. fhwul, ſchwüllig,
geſchwüllig, ſchwülch, ſchwilch; niederd. ſwool, ſwolig; angelſ. svole, svilicz
holl. zwoel; engl. sweltry, sultry; von gleichem Stamme mit ſchwelen,
ſ.d., angelſ. svelan; vgl. das altd. swellen, swal, swullen f. erſticken, ver
ſchmachten), drückend heiß od. feuchtwarm, wie vor einem Gewitter, fo dafs
man ſich matt und beängftigt fühlt (ſchwüle Luft, ein ſchwüler Tag 2e.); uneig.
gem, f. Angftlich, bange (mir wird ganz ſchwül, oder gem. ſchwul, bei ber
=
BZ u mem ou zn ee Aussee een ee ee
— —
Schwulſt — Schwung 867
Sad); die Schwüle, o. M., das Schwülfein, die ſchwüle Befhaffen-
heit der Luft, drüdende Hitze; uneig. f. große Angſt, Verlegenheit, wofür
gem. das fcherzh. mit Latein. Endung gebildete: die Schwulität, M. -en.
Schwulft I) w., M. Schwülſte, (altd. suulst, swulst; von ſchwellen),
das Schwellen, An= oder Auffchwellen des Leibes oder eines Körpertheils
(4. B. die Schwulft verhindern); das Geſchwollene, die geſchwollene Stelte,
gew. Geſchwulſt, (4. B. Schwulft in den Beinen);-2) m., o. M., uneig. f.
Aufgeblafenheit, Stolz; bef. im Reden u. Schreiben: dem Inhalte unan—
gemeffene Erhabenheit des Ausdruds, hochtrabende Schreibart ‚+ finnv.
Wortſchwall, Wortgepränge (fr. Bombaft) ; das Schwulftfrauf, der Wie-
ſen⸗ od. Geißwedel; ſchwülſtig, Bw., Schwulſt habend oder enthaltend,
im eig. Sinne gew. gefchwulftig od. gefhmwollen; bef. uneig. f. aufgeblafen,
ſtolz; hochtrabend, voll Wortgepränge (ſchwülſtige Schreibart; ein ſchwül—
ftiger Dichter); die Schwülſtigkeit, das Schwäülftigfein.
Schwunm, m., -e3 (v. ſchwimmen), ſchweiz. f. Schaum; ſchwummen,
3w. f. f[haumen, Schaum geben; der Schwummel, -$, landſch., ein
Eleines Fahrzeug von Binfen; die Schwümmeln, 0. E., ſchweiz. f. See:
gras, Schilfrohr.
Schwund, m., —-es, o. M. (v. ſchwinden) oberd. f. das Schwinden, bie
Abnahme, ſ. v. w. Schwand; insbeſ. Heilk. der Schwund des Augapfels,
d. i. das Zuſammenfallen u. Kleinerwerden desſelben (phthisis ocularis),
Schwung, m., -e3, M. Schwünge (von ſchwingen; vgl. auch Schwang),
das Schwingen, die fchwingende, bogenfürmige Bewegung (z. B. eines
Pendels; eine Glocke in Schwung bringen; im Schwunge fein; die Schwünge
eines’ Pendels zählen 2c.); auch f. geſchwungene oder bogenfürmige Kinie,
Schnörkel im Schreiben zc.; be. die ſchnelle, fchwebende Erhebung (mit
einem Schwunge auf dem- Pferde fein; fich einen Schwung geben; der Schwung
des Adlers 2c.); daher uneig. fehnelle Erhebung der Seele, des denfenden
oder dichtenden Geiftes (dev Schwung der Gedanken, der Rede 2c.; einen
hohen Schwung nehmen 2c.); in weiterer uneig. Bed. der Anftoß od. Antrieb
zu erhöheter Thätigkeit, u. der höhere Grad der Wirkfamkeit felbit (einer
Sache Schwung geben, od. fie in Schwung bringen; einen neuen Schwung befom-
men; im Schwunge fein, vgl. Schwang; oberd. einen Schwung haben, f. gut
von Statten gehen); auch f. Fertigkeit, Gewandtheit, Leichtigkeit (feine
Handichrift hat Schwung; oberd. etwas im Schwung hasen); — Zjes. das
Schwungbrett, ein ihwantendes Brett, welches dem darauf Stehenden oder
Legenden Schwung giebt (bei Auftipringern, Seiltänzern 2c.); die Schwung-
feder, die langen Flügelfedern der Vögel, mittelft deren fie fih in die Höhe
ſchwingen; das Schwunggewicht, Neuw. f. Pendel; die Schwungfraft,
die Kraft, welche etwas in Schwung feßt, im: Schwunge erhebt; Naturl. ins—
bef. f. das fr. Centrifugalkraft; das Schwungrad, .ein fi umſchwingendes,
od. etwas Anderes in Schwung fegendes Rad; der Schwungriemen, Riemen
an Kutſchen, worauf der Kutichkaften ruht, von den Schwungringen oder
lammern gehalten; die Schwungfchaufel, Schaufeln in Waſſerkünſten;
ſchwungvoll, Bw., ſich in hohem Grade über das Gemeine erhebend, von
hohem Schwunge der Seele zeugend, finnv. erhaben, auch ſchwungreich; —
Ableit. [hwunghaft, Bw., Schwung habend, ſchwungähnlich, im
55 *
868 Schwunitz — ſechs
Schwunge ſeiend, beſ. uneig. (z. B. ein ſchwunghaftes Gewerbe); auch f.
ſchwungvoll, erhaben (eine ſchwunghafte Schreibart).
Schwunitz od. Schwunz, m., -es, M. -e, (auch Schwunze, Schwing,
Wonitz; aus dem Wendifchen ; vgl, * Schwänzeh, landſch. f. Grünfink.
ſchwupp od. ſchwupps, ein Naturlaut, welcher einen ähnlichen, nur
tieferen Schall ausdrüdt, als fchwipp , ſchwapp (f. d.).
Schwur, m., -es, M. Schwüre, (von fhwören, ſ. d.) 1) o. M. die
Handlung des Schwoͤren⸗ (z. B. zum Schwure kommen; nicht zum Schwure
gelaſſen werden); 2) eine lebhafte Betheuerung unter Anrufung Gottes od.
irgend einer Perfon 0d. Sache zum Zeugen der Wahrheit, finnv. Eid, jedoch
weniger feierlich u. förmlich, als diefes (zZ. B. etwas mit einem Schwure, mit
vielen Schwüren ze. verſichern; Liebesſchwüre u. dgl.); gem. auch f. Fluch,
Läfterung, Verwünfhung; ſchwurbrüchig, Bw., feinen Schwur brechend;
der Schwurfinger, M. die Schwurfinger, Daumen, Zeige- und Mittel-
finger der rechten Hand, welche man beim Eidſchwur aufhebt; ſchwurver—
geffen, Bw., feines Schwures vergeſſend, ihn nicht erfüllend.
ſchwurbeln, fchwürbeln, 3w., f. ſchwirbeln.
jhwürig, Bw. 1. (v. fchwären) r. ſchwierig (f. Schwierig 2.); — 2. (von
Schwer). unr. f. fchwierig 3. |
Sclave, Scorpion, Scrupel, ſ. Sklave, Skorpion, SErupel.
Sebenbaum, |. Säbenbaum.
Sch, f., -es8, M.-e, (altd. sch, sech; franz. soc, mittl. lat. soccus;
von dem Stamme v. fägen, lat. secarez vgl. Sachs, Sichel, u. d. nieberd.
Site, Seged, Segd f. eine Art Sicheln od. fcharfer Querhaken), das ges
krümmte fcharfe Eifen, welches, in dem Baume des Pfluges vor der
Pflugſchar ſenkrecht befeftigt, das Erdreich durchfchneidet: Pflugſech, auch
Dflugmeffer od. =eifen; das Sechloch, das Loch im Pflugbaume, in welchem
das Sech durch den eifernen Sechring befeftigt ift; fechen, Zw., vlt. f. mit
dem Sehe durchfchneiden.
Sechs, w. wahrih.— Sachs, Meſſer, Schwert) nur in der Betheu-
zungsformel der Volksfpr.: bei meiner Sechs, od. blog: meiner Sechs
(ah Sihs, Sir), d. i. bei meinem Schwerte (). *
ſechs, 6, Grundzahlw. (goth. saihs, altd. sehs; niederd. ſöſs; isländ.
0. ſchwed. sex; angelſ. u. engl. six; lat. sex, franz. six; griech. de; ſanskr.
shash, perf. ses; poln. szesc 2c.) unbiegf. (z. B. ſechs Perfonen; mit ſechs
Pferden fahren; ſechs Uhr; es hat Sechs (nicht fechfe) gefchlagen), außer
bisw. wenn es ohne Hw. fteht, wo es Sechfe lautet, und bef. im Dativ:
Sechſen (z. 8. id) habe es allen Sechfen geſagt; mit Sechſen fahren, d. i.
mit fechs Pferden); die Schs, M. -en, die Zahl oder das Zahlzeichen
6; das Sechs, M. -e, eine Anzahl von ſechs Dingen (4. B. das erfte
Sch); — 3feg. fechdarmig, -beinig, »blätterig, -blumig, -fächerig,
fingerig, flügelig ıc., Bw., fechs Arme, Beine, Blätter ꝛc. habend; das
Scheed, eine von ſechs geraden Linien eingefchloffene Fläche mit 6 Eden;
ſechseckig, Bw., ſechs Eden habend; der Sechsender, ein Hirſch, deſſen
Geweih 6 Enden hatz fechsfach od. fechsfältig, Nw. u. Bw., ſechsmal ge
nommen, fechömal fo viel (das Schefade, als Hw.; fechsfältige Frucht 2c.) 5
das Schsflach, ein von fechs Flächen eingefchloffener Körper (fr. Heraedron) ;
der Sechsfuß, Sechsfüßer oder - füßler, ein Ding, Thier zc. mit ſechs
fh 869
Füßen; auch ein Vers von ſechs Versfüßen (fr. Herameter) ; ſechsfüßig, Biw.,
ſechs Füße habend; verfch. fechsfußig, fechs Fuß lang; der Sechsherr, einer
von ſechs gemeinfchaftlich Herrfchenden, auch Sechsherrſcher (fr. Hexarch);
ein Glied einer aus ſechs Perfonen beftehenden obrigkeitl. Behörde; fechsjäh-
tig, -flündig, =tägig, -wüchig u. felten -monatig, Bw., was ſechs Jahre,
Stunden ıc. alt ift oder dauert; fechsjährlich, -ftündlich, täglich, wöchent—
lic), -monatlich, Bw., alle ſechs Jahre, Stunden ꝛc. wiederfehrend; ſechs—
Fantig, Bw., fechs Kanten habend; fechsmal, Nw., od. ſechs Mal, in ſechs
Wiederholungen, zu ſechs Malen; fechsmalig, Bw., ſechsmal gefchehend ;
fehömännerig, Bw., Pflanz. von Gewächſen mit ſechs Staubbeuteln, vier
längeren u. zwei kürzeren (fr. Herandria); der Scchspfünder, ein Geſchütz,
das eine fechspfündige Kugel ſchießt; fechspfündig, Bw., ſechs Pfund ſchwer;
der Sechsſchaufler, 1. Schaufler; fechsfeitig, Bw., ſechs Seiten habend;
fechsfilbig, Bw., aus ſechs Silben beftehend; fechsfpännig, Bw., mit ſechs
Pferden befpannt; der Sechöftändner, bei den Vogelftellern ein alter Herd-
finE mit fech& weißen Federn im Schwanze; fehsftimmig, Bw., Tonk. für
fehs Stimmen gefegt; der Sechöftrahl, eine Art Seefterne mit ſechs Strah-
len; fechstheilig, Bw., aus ſechs Theilen beftehend; die Sechswochen, die
erften jechs Wochen einer Kindbetterinn nach ihrer Entbindung, während deren
fie fid) zu Haufe zu halten pflegt, gero. fchlechtweg: die Wochen (daher: in
die Sechswochen od. in die Wochen kommen f. entbunden werden, nieber-
kommen; die Scchswochen od. die Wochen halten 2c.); die Sechswöch—
nerinn, Kindbetterinn in den erften ſechs Wochen, gew. ſchlechtweg: Wöch—
nerinn; fechözeilig, Bw., aus ſechs Zeilen beftehend; ſechszollig (x. als
-zöllig), Bw., ſechs Zoll lang, dic ac.; fechzehn (ſt. fjehszehn), 16,
unbiegſ. Grundzahlw., ſechs und zehn; daher der Sechzehnender, ein Hirſch,
deffen Geweih 16 Enden hat; ſechzehnfach, -jährig, =tägig ꝛc., -jährlich,
täglich 2c., mal, -malig, =pfundig ꝛc., wie ſechsfach, jährig ꝛtc. ſ. d.5
ſechzehnlöthig, Bw. ſechzehn Loth ſchwer; bei. ſechzehnlöthiges Sil—
ber, d. i. ganz reines, welches in der Mark 16 Loth Silber ohne Zuſatz ent—
hält; der Sechzehner, ein aus 16 Einheiten beftehendes Ganzes, z. B. ein
Doppelbagen von 16 Pfennigenz einer. von einer Gefammtheit von 16 Per-
fonen; der fechzehnte Theil eines Ganzen, 3. B. jchweiz. -'; Immi (f. d.);
auch f. Sechzehnender; der, die, das fechzehnte, Ordnungszahlw.; ſech—
zehntehalb, unbiegf. Zahlw., funfzehn und ein halb; das Sechzehntel, - 8,
der fechzehnte Theil; die Sechzehntelform od. - größe, Form eines Buches,
da der Bogen in 16 Blätter gebrochen ift (fr. Sedez); fechzehntens, Nw.,
zum fechzehnten; — Ableit. von fehs: der Sechfer, -3, M. w. E. ſechs
Einheiten, zu einem Ganzen vereinigt, bef. ein Sechspfennigſtück, auch der
Sechsling genannt; landſch. auch f. die Sechs, das Zahlzeichen; Jäg.
ein Hirfch vom Iten bis zum Aten Jahre, da er fein zweites Gehörn von
4 bis 6 Enden auffegt; fechferlei, unbiegf. Bw., von fechs verfchiedenen
Arten od. Befchaffenheiten; der Sechsling, -03, M. -e, niederd. f. v. w.
Sechſer, Sechspfennigſtück; oberd. der fechste Theil eines Schaffs, als
Getreidemaß (f. Schaf); der, die, das fechäte, nicht gut fechfte, (goth.
saihsta, altd. sehsto, sehste), Orbnungszahlw. von ſechs (zZ. B. der fechste
Tag; zum fechsten Male 2c.); fechötehalb, unbiegi. Zahlw., das fechste halb,
d. i. fünf und ein halb; das Sechötel, -$, M. wm. E., der fechste Theil
870 ſechten — Seden
eines Ganzen; der Sechötelfreis, der fechste Theil eines Kreifes; Sternk.
ein Werkzeug, welches einen Bogen von 60 Grad befchreibt (fr. Sextant);
fechötens, Nw., zum fechsten; fechzig (ft. ſechszig; altd. sehzuc, sehzie),
60, unbiegſ. Grundzahlw., zehn mal ſechs (nur im Dat. gebeugt, wenn es
ohne Hw. felbft ale ein folches ftcht, z. B. einer von Sechzigen; in ben
Sech zigen fein, d. i. zwiſchen 60 und 70 Sabre alt); 3fes. fechzigfach,
ejährig, =tägig zc., jährlich zc., mal, =» malig 2c. wie ſechsfach, ſechs—
jäprig.2c., 1. d. Ableit. der Sechziger, -8, ein aus 60 Einheiten bes
ſtehendes Ganzes, 3. B. landſch. ein Holzmaß von 60 Schod Kleiner Scheite;
einer von Sechzigen, die zufammen ein Ganges ausmachen; eine Perfon von
ſechzig Sahren, weibt. die Sechzigerinn; fechzigerlet, unbiegſ. Bw., wie
fechferlei, f. d.; der, die, das fechziafte, Ordnungszahlw. von jechzig; das
Sechzigſtel, -8, der fechzigfte Theil; ſechzigſtens, Nw., zum fechzigften.
fechten od. fechteln, auh fehtnen, ziel. 3w., E— ſeihen, feigen, ſich—
ten; alfo urfpr. durchfickern laffen; val. das niederd. Sichter f. eine Rinne
von Bchlen zur Durchlaffung des Waffers), oberd. u. fehweiz., ehem. f. fieben,
fihten; jest: die Wäſche —, laugen, beuchen, niederd. büken; die Sechte
od. Sechtel, diefe Arbeit und die Vorrichtung dazu, beftehend in einem
Sechtelzuber, =bottich, od. -[haff mit einer verſchließbaren Sffnung
im Boden, welcher auf einer Sechtelbank ftcht, einem Secht- od. Schr
tel&effel, unter welhem das Sechtelfeuer brennt, und einem Sech—
teltuch, durch welches die Lauge abgefeihet wird; die Sechterinn, f.
Wäſcherinn.
Sechter, m.,s, M. w. E., 1) (altd. sehstaere, sehtari, sehter;
wahrſch. von ſech s mit ausgefallenem 8; vgl. Sefter u. das lat. sextarius,
ital. sestiere, franz. setier) fränk. u. niederrhein. ein Trodenmag — F Metze
od. 4 Simmerz 2) bair. u. öftreich. ein Eleines Böttchergefäß, Gelte zum
Wafferfhöpfen, Melten (Melkſechter) zc., theils mit einer, theild mit zwei
Handhaben. _
fechzehn ꝛc., fechzig 2c., 1. unter ſechs.
Seel l., m., -8, M. w. E., Verkl. dag Seckelchen, (altd. secchil,
seckel, m.;-von Sad, f. d.; aber verfch. v. dem oberd. Verkl. das Säckeh,
bei. oberd. ſ. Beutel, Taſche, bef. Geldbeutel; uneig. f. Kaffe, öffent.
Schatz; daher das Sedelamt, f. Schagamt, Kämmerei; der Gedelmeifter,
f. Einnehmer, Schatzmeiſter, Kämmerer; das Sedelfraut cd. der Seckel—⸗
fenf f. Täſchelkraut od. Hirtentaſche; der Seckelſchneider f. Beutelſchneider;
— ſeckeln, ziel. 3w., in den Sedel od. Beutel thun; der Gedler, -&
1) (altd. sekilari, seckelaere) oberd. |. v. w. Seckelmeiſter; 2) f. Beutler,
Täſchner (f. Sädler). ß
Sedel 2. m., -8, M. w. E., (vom hebr. schekel, v. schakal, wiegen),
bei den alten Juden ein Gewicht, zu Ehriftus’ Zeit etwa—1 Loth; aud) eine
Münze, etwa — 1 Gulden.
Secken, m., -$, (vgl. das mittelhochd. sechtn?), bei den Drathziehern:
ein flacher od. flachrunder hohler Drath; daher der Seckenſtock, ein Ambofs
mit eingehauenen Furchen, worin der Drath flach gefchlagen wird, worauf man
ihn in dem Seckenzug, einer eifernen Preffe, mittelſt Aufſchraubung des
Seckeneiſens noch mehr flach u. hohl drückt.
Seder — See 871
Secker od. Säcker, -8, oberd. die Maſſe Trauben, welche auf einmal
gekeltert wird, u. der nach dem Auspreſſen zurückbleibende Treſterklumpen.
Seckler, m., ſ. unter Seckel 1.
Sedel, m. u. f., (altd. sedal, sedel; vgl. Siedel, anſiedeln zc.; d. lat.
sedes, * 2c.), alt u. oberd. f. Sib Eeſ bei Tiſche), Seſſel, Thron; Anz
fiedelung, Niederlaffung, Wohnung; bef. (der Sedel) Landſitz, Sand:
Hut, in engever Bed. der Landfig eines adeligen od. fogen. gefreiten Beſitzers;
ehem. auch f. Untergang der Sonne u. der Sterne (in sedel gen); der Se—
delhof, ehem. f. Edelhof; oberd. ein urfpr. adeliger Bauernhof; der Sedel—
bauer od. meier, oberd. f. Pächter auf einem Sevelhof>— fedelhaft, Bw.,
alt u. oberd. f. wohnhaft, fefshaft, anſäſſig; fedeln, ziel. u. zielloj. Zw.,
alt u. oberd. f. felshaft machen (au befedeln); oberd. auch: mit ber
Schafheerde auf einem freien Pla (Sedelplas) übernadhten; einen
Plas—, abfedeln, d. i. auf folhe Weife durch die Heerde düngen.
See, m., ©. See- es (zweifilbig) od. zgez. Sees (einfilb.), M. See-en
0d. 3903. Seen; u. w.-die See, M. Seren od. Seen, (goth. saivs, m.;
altd. seo, se, m., ©. sewes, Pl. sea, se, fowohl f. Landfee, als Meer;
mittelh. auch w. diu se; oberd. der SE, M. Se, Verl. Sélein; isländ. saer,
ſchwed. sae, sjö, dän. sö; angelf. sae, w., engl. sea; — wahrſch. von ber
Wurzel si, siv, bewegen, grieth. oe-o, erihüttern ; daher auch Seele, ſ. d.;
vgl. das altd. wäic, Woge, und das griech. @is v. @Aloıer; |. unter Sal),
1) m. der See, "ein großes, von Land eingefchloffenes Waffer, ein Land
fee, Binnenfee (7. B. der Boden-, Genferfee 2c.); oberd. auch f. ein klei—
neres, tiefes, ftehendes Waſſer, eine Lache; 2) w. die See, die große,
das’ fefte Land umgebende Maffermaffe, das Meer (vgl. d.), bef. dem
Stoffe nach, daher gew. o. M. u. bisw. ohne Artikel gebraucht (z. B. in See
gehen, ſtechen; die offenbare, hohe See; die See halten, d. i. auf der See
bleiben; zur See reifen; die See geht hoch, hohl ꝛc.; die See läuft kurz, od.
lang, d. i. macht kurze, od. lange Wellen); jedoch auch von einzelnen be=
grenzten Theilen des Weltmeeres in EN. wie: die Süd-, Oſt-, Nord-
fee; Schiff. auch f. Welle, Waſſerwoge (lange, od. kurze Seen); — Zſetz.
in denen See meiftens das Meer bezeichnet, daher viele derfelben auch mit
Meer gebildet werden, und dann unter Meer zu fuchen find: der Seeaal,
Seeadler, -affe, die Seeamſel, ſ. Meeraal, -adler c.; die Seealpen, ein
Zweig der Alpen am Meerbuſen von Genua; der Seeanker, der ſchwere An—
er an der nad) der offenen See gerichteten ©eite eines Schiffes, 3. U. v. Walls
anker; der Seeapfel, f. v. w. Seeigel; das Seebad, Bad u. Babdeauftalt
in, der See; der Seeball, eine Art Seeigel, mit Eleinen Wärzchen befegt;
der Seebär, eine Art großer Robben mit langem, gottigem Schwanze u. grauen
Haaren; die Seebarbe, f. Bartfiich; der Seebaum, Seeſchlagbaum, wos
durch die Einfahrt in einen Hafen gefperrt wird; der Seebeſen, eine Art
Seeſtauden oder Hornkorallen; der Seebeutel, eine Art des Seckorkes; und
eine Art Seeſcheiden; die Seebinfe, in Zeichen und an den Ufern der Land»
ſeeen wachſende Binfen, auch Teich Waldbinfe 2c.; auch eine Art Binfen am
Meeresufer, Meer-, Strandbinſe; eine Art Stachelkorallen; die Geeblafe,
eine Gattung Weichthiere mit walzenförmigem Körper; die Seeblume, eine
in Seeen zc. wachfende Waflerpflanze, auch Seerofe, Waſſerblume, Waffer:
lilie, Haarſtrang ꝛc. (nymphaea L.), insbeſ. die gelbe, die weiße, u. die roſen⸗
872 Eee
farbige; Eleine Seeblume, eine ähnliche Waflerpflange mit wohlriechen-
den weißen Blumen, auch Eleine Nirblume, Froſchbiſs 2c.; der Seebock, Horn-
fiih; die Seebohne, eine Art Seeigel; eine Art Gienmufcheln; eine ind.
Sinnpflanze mit efsbaren Bohnen; das Seeboot, eine Art Käfermuſcheln;
der Seebörs, -braffen, f. Meerbörs 2c.; die Seebreme, -bremfe, Meer:
affeln, welche den Fischen befchwerlich fallen; der Seebrief, eine Urkunde, bef.
ein Pag, deffen man bei einer Seefahrt bedarf; der Seebulle, f. v. w. Mecr-
ochs; der Seedeich, z. U. v. Flufsdeich, ſ. Deich; der Seedorn, Meerkreuz-
dorn od. Haffdorn, ſ. d.5 der Seedrache, eine Art Meerpferde od. Scepferb-
hen (f. u.); auch f. Stacheldrache; Meeraffe; Eleiner Spinnenfiſch; der See—
drath, eine Art vicläftiger Seewürmer; die Seedroffel, |. v. w. Meeramfel;
die Seeeiche, -eichel, f. Mecreiche 2e.; das Seeeinhorn, der Einhornfifch,
auch bloß: Einhorn, |. d.; die See-Elfter, verfchiedene Arten Papageitaucher,
f. d.z der See-Engel, ſ. v. w. Engeleochen; die See- Ente, der nordifche
Papageitaucher, auh See-Elfter; die See- Erbfe, eine Art Erbfen an
fandigen Seeufern im nördl. Europa, Stranderbfe; eine Art Eleiner Gien-
muſcheln; das Gee-Erz, f. v. w. Sumpferz; der Seefächer, ein unter den
Wendekreifen lebender Scevogel; eine Art Seeftauden; die Seefahne, eine
Art oftind. -Blafenfchneden, fehr dünn u. zerbrechlich; der Seefahrer, wer zur
See fährt, bef. wer berufsmäßig Seereifen macht; die Seefahrt, eine Fahrt
zur See, Seereife; überh. die Schifffahrt zur See, Seefchifffahrt; die See-
falten, o. €., das fchwimmende Samenkraut (f. d.), Fluſs-, Wafferkraut zc.;
ber Seefafan, die Schild - od. Löffelente; auch f. Meerbutte, ſ. Butte; die
Seefeder, eine Gattung federähnticher Seewürmer; auch eine Art Seeftauden;
die Seefeige, eine Art Seekorke oder Meernefter; eine Art Blafenfchneden,
auch bloß: Feige; ſeefeſt, Bw., Schiff. ein feefeftes Schiff, d. i. welches der
See gut widerfteht; dev Seefiſch, ſ. v. w. Meerfifh; auch in Landfeeen le—
bende Fiſche, z. U. v. Fluſsfiſch; der Seefifcher; die Seefifcherei; der
Seeflachs, ein in Oftreich, Italien 2c. an der See wachfender gelb blühender
Flachs; die Seeflafche, eine Art Eugelförmiger Seefifche in Indien 2c., Kugel-
fiſch; eine Art Blafenfchneden, Rübe, Knollhorn ꝛc.; die Seefledermaus,
ein Seefiſch, gehörnter Froſchfiſch; der Seefloh, eine Art Krebfe od. Krabben
am Meeresufer und in Brunnen, Bächen 2c., welche wie Flöhe hüpfen follen,
auch Wafferfloh, Flohkrebs, Springer ꝛc.; der Seeflor, eine gefräufelte
Punktkoralle, auch Spigenkoralle 2c.; der Seeflunder, eine Art Taucher in
den nordifchen Meeren; die Seeforelle, in Landfeen, od. im Meere, z. B. in
der Oftfee, lebende Forelle; die Seegallerte, eine Art gallertähnlicher See—
korke od. Meernefter; auch eine Art Seeblaſen; die Seegarnele, ſ. Garnele;
. das Seegefecht, ein Gefecht zur See, Schiffsgefecht; ſo auch: das See
treffen, die Seeſchlacht; die Seegegend, Gegend auf, od. an der See; 4
das Seegericht, Gericht in Sachen, welche das Seewefen, die Schifffahrt ze.
betreffen; das Seegefeß, ein Gefeß, welches das Seeweſen, die Seefahrt,
den Seekrieg 2c. betrifft; das Seegefpenft, eine Art Seeblaſen; das See—
gewächs, ſ. Meergemähs; das Seegras, f. Meergras, Seetang; der Gee-
grind, Verfteinerungen von dünnen, rindenartigen Korallengewächfen; ber
Seehafen, ein Hafen im Meere, z. U. v. Fluſshafen; der Seehafer, eine
ausländ. haferähnliche Graspflanze; auch f. Sandhaargras; Seehalm; der
Seehäher, Kleiner Wafferrabe od. Schwimmträhe; der Seehahn, f. v. w.
See 873
Meerhahn; auch eine Gattung Seefifche mit fingerförmigen Anhängen neben
den Bruftfloffen (trigla L.); der Rüffeldrache; die Lohme; die Seehalde, das
MWafferflöpkrautz auch f. v. w. Seefalten; der Seehalm, die Pfeilfchnede;
die Seehand, eine Art handähnlicher Seekorke; der Seehandel, die See
handlung, der zur See getrichene Handel, entg. Landhandel; Seehandel
auch: eine das Seeweſen betreffende Streitſache; der Seehandſchuh, eine Art
aus walzenförmigen Köchern beftehender Meerihwämme; dev Sechafe, f. v. w.
Meerhaſe, ſ. d.; auch ein Elumpenförmiges, einer Erdfchnede ähnliches See—
thier, welches für. giftig gehalten wird, Seelunge, Giftfuttel; die See—
beide, eine Art Seeftauden; der Seeheld, Kriegsheld zur See; der See—
herr od. =herrfcher, Herrſcher zur See; die Seeherrfchaft; das Seeheu,
eine Art Stachelkorallen; die Seeheufchrede, ein wohlichmedender Seekrebs
im mittelländ. Meere; das Seehorn, die Seehofe, das Seehuhn, |. Meer:
horn 2c.; der Seehund, 1) überh. f. v. w. Robbe, ſ. d.; in engerer Wed.
eine Art diefes Thiergeſchlechts, 9 bis 6 Fuß lang, mit rundem, glattem Kopfe
u. ftarkem, dichtem Haare: gemeiner Scehund, Sees od. Meerkalb 2c.; daher
dad Seehundsfell (auch wohl fhlehtweg Seehund genannt), bef. zur
Beichlagung von Koffern zc. gebraucht; 2) eine Art Haifiiche, auch Seewolf,
Hundskopf; der Seeigel, eine Gattung rundlicher, hartfchaliger u. ftachliger
Seewürmer, aud) Seeapfel, -Enopf zc.; der Seeigelftein, verfteinerter
Seeigel (fr. Ehinit); das Seekalb, f. Seehund; der Seefamm, eine Art
- Seeftauden; die Seefante, |. Kante; die Seefaraufche, eine Art Lipp-
fiiche; der Seefarpfen, Karpfen in Landfeeen, z. U. v. Flufskarpfen; die
Seefarte (f. Karte), Abbildung oder Grundrifs des Meeres od. eines Theiles
desſelben mit den Küften, Infeln, Sandbänken 2c.; die Seefaftanie, eine
Art halbEugelrunder Seeigel; die Seekatze, 1) der Seebär; 2) eine Gattung
im Meere lebender Weichthiere, auch Kuttel- od. Zintenfifch genannt (sepia L.);
die Seefennung, Schiff. ſ. Kennung ; der Seeknopf, ſ. Seeigel; der See—
knoten od. das Seefnötchen, eine Art Seeigel; der Seefücher, eine Gat-
tung röhrenförmiger Thierpflanzen, auch Meerröhre; der Seekohl, f. Meer:
kohl; der Seekork, weiche Thierpflanzen, im Innern zaferig u. zellig, äußer—
lich Löcherig u. mit vielen Armen u. warzenähnlichen Erhöhungen (alcyonium
L.); der Seekorkbaum, die größte Art des Seekorkes; die Seefrabbe, f.
Krabbe; die Seekrähe, ſ. v. w. Seehäher; auch eine Art Börs; die See—
krankheit, überh. jede Krankheit, welcher bef. Seefahrer ausgefegt find; in
engerer Bed. die durch das Schwanken des Schiffes u. die Seeluft verurfachte,
in Schwindel, Ekel, Erbrechen ıc. beftehende Krankheit; feefranf, Bw.,
diefe Krankheit habend; der Seefrapp, ſ. Salzkraut; der Seekrebs, überh.
‚in der See, od. in Landfeeen lebende Krebſe; inöbef. der Hummer, f. d.; der
Seefrieg, Krieg zur See, entg. Landkrieg; die Seefrone, eine Art platt
runder Seeigel; die Seefröte, der geflectte Froſchfiſch; der Seefuchen, eine
Art länglich runder, platter Sceigel; die Seekugel, eine Art Eugelförmiger
Seeigel; eine Art Waffermoos in den Sümpfen von Schweden, England ıc.:
kugelförmiger Wafferfaden, Seepflaume 2c.; die Seefuh, der Seeochs, ein
im Meere lebendes Säugethier, theils den Elephanten, theild den Robben ähn-
lich (fr. Manati, Lamentin); auch f. Flufspferd; die Seeküſte, ſ. Küfte;
das Seeland, ein an der See liegendes Land; als EN. ein Theil von Hol-
land (Zeeland); die größte dänische Infel am Sund; Neu-Seeland, eine
574 Ce -
große Inſel in der Südſee; daher: der Seeländer, die Seeländerinn; fees
ländifch, Bw.; die Seelaterne od. »leuchte, Sciffstaterne; die Seelaus,
f. v. m. Seebremſe; auch eine Art Krebfe;z die Seelerche, f. v. w. Meers
lerche; das Seelicht, das leuchtende Seetaufendbein, ein mit bloßem Auge
nicht erkennbares Thierchen, welches das Leuchten des Mecres bewirkt; auch
eine Art Tuten od. Kegelſchnecken; die Seelilie, |. v. w. Seeblume; auch eine
Art Seefeder; die Seelinfe, ſ. Meerlinfe; der Seelöwe, zwei große Robs
ben-Xrten: der zottige Seelöwe od. Seebär, u. der glatte Seelöwe od. Löwen⸗
robbe; die Seeluft, die Luft auf od. an der See; die Geelunge, f. v. w.
Serfeige, u. Seehaſe; die Seemacht, I) o. M., die Macht (f. d.) zur See,
d. i. Kriegsflotte u. deren Bemannung (zZ. B. eine anfehnlihe Seemacht has
ben); 2) ein zur See mächtiger Staat (M. Seemächte; z. B. England;
Frankreich ze. find Seemächte); der Seemann, wer die Seefahrt verfteht u.
berufsmäßig treibt (M. Seemänner f. Schiffs- Anführer; Seeleute ale
Sammelw. f. das Schiffsvolk); die Seemannskunft 2c.; feemännifch, Bw, -
einem Seemann eigen od. angemeffen; die Seemannfchaft, Mannſchaft eines
Sechhiffes; die Seemaus, f. v. w. Meermaus; die Seemeile, ein Wegmaß
zur ©ee, wovon gew. 20 auf einen Grad geredjnet werden; der Seemenſch,
Meerengel od. Krötenhai; die Seemerle, eine Art Lippfiſche im mittelländ.
Meere; die Seemewe, große Fiſchmewe; auch überh. f. Mewe; der See—
mönd, Keötenhai od. Meerengel; auch eine Art Röhrenfchneden; das Gee-
moos, im Megre wachlendes Moos; der Seemornell, eine Art Regen- od.
Strandpfeifer (f. Mornell); der Seemurrer, in Pommern, ein zum Ge
ſchlecht der Steinpider u. Kaulköpfe gehörender Seefifch, der außer dem Waffer
einen murrenden Laut hören läfft, auch Knorrhahn, Scherpfiich zc.; die Sees
mufchel, ale in der See ſich findenden Mufcheln; die Seemüße, eine Art
ae Meereicheln; auch eine Art Quallenz der Seenabel, ſ. Meer
nabel; die Seeftadel,“ eine Art Trompetenſchnecken, die Pfrieme; auch f.
Nadelfiſch, Meernadel; die Seenatter, Meeraal, Meerfchlange, ſ. d.; die N
Seenelfe, Sandnelke, Wieſenkraut; eine Art des Hornkrautes; auch eine Art
Meerneffel: Aufterneffel, Seeftrumpf, -tafche; die Seeneffel, |. v. w. Meer
neffel; auch f. Seegras,-tang; das Seenetz, eine Art Seeftauden; u. eine
Art Röhrenſchnecken: Flechtenröhre; die Seeniere, eine Art Seekork; die
Seenufs, ſ. v. w. Meernuſs; Stachelnuſs; der Seeochs, ſ. Seekuh; das
Seeohr, ſ. v. w. Meerohr; die Seeorgel, ſ. v. iv. Meerröhre; die See
otter, eine Art Ottern, die ſich am Seeufer aufhalten, verſch. Fluſsotter; die
Seepalme, eine Art Schwertlilien; auch eine Seeſtaude; der Seepapagei,
ſ. v. w. Papageitaucher; Papageifiſch; die Seepeitſche, eine Art Seeſtauden;
der Seepfau, Pfaureiher; die Seepfeife, eine Art Röhrenſchnecken; das
Seepferd, ſ. v. w. Fluſspferd; Wallroſs; der große Sturmvogel; das See
pferdchen, eine Gattung kleiner Nadelfiſche, auch Meerpferd, Meerraupe ꝛc.;
die Seepflanze, in od. an der See wachſende Pflanze; die Seepflaume,
ſ. Seekugel; der Seepilz, eine Art Sternkorallen; die Seepocke, eine Art.
fehe Kleiner Meereicheln, welche Elumpenweife auf andern Körpern figen; die
Seequalle, ſ. Qualle; die Seequitte, eine Art runder Seekorke; der See—
rabe, eine Art Raben mit gezähneltem Schnabel in Liefland; der Schlingrabe
od. Wafferrabe; die Tauchergans; der Seerache, -n, (Rache wahrſch. —
Rad, Rade, ſ. d.), die Tauch-Ente, insbef. der Haubentaucher, und bie
|
|
„
‚die Seefemfe, Seebinſe; der Seefoldat, ein zur See dienender Soldat; die
Ste 875
Tauchergans; der Seerappe, eine Art Geebörs; die Seeratte, der Meer:
affe; der Seeräuber, wer auf der See eigenmächtig und gewaltſam Schiffe,
Schiffsgüter und Mannſchaft wegnimmt (fr. Pirat, Corſar; verſch. Kaper,
ſ. d); daher die Seeräuberei; ſeeräuberiſch, Bw.; das Seeräuberſchiff;
der Seeraͤuberſtaat ec.; die Seeraupe, ſ. v. w. das Seepferdchen; auch ein
ſchuppiger Seewurm, insbeſ. die See- od. Meermaus; das Seerecht; der
Inbegriff der das Seeweſen, den Seehandel zc. betreffenden Gefeße; der See—
reiher, Stachelkopf; die Seereife, Reife zur See; ein Seereifender, der,
die Seereifende ꝛtc.; ber Seerichter, Mitglied eines Seegerichts; die See
tofe, gelbe Seebfume, f. d.; die Seeröthe, eine Art Kreuzkraut, an der
Seeküſte wachſend; das Seefalz, aus dem Seewaſſer ‚bereitetes Salz; daher:
die Seefalzfäure, od. bloß Seeſäure; der Seefchaden, durch die See ver:
urfachter Schaden an Schiffen, Waaren zc.; der Seeſchäumer, f. Meer:
fhäumer u. ſchäumen; die Seefcheibe, fcheibenförmiger Seeigel; die Sees
fcheide, Seewürmer mit fcheidenförmigem Körper (ascidia L.); das See:
ſchiff, ein Schiff zur Seefahrt; die Seefchifffahrtz die Seefchildfröte, im
Meere lebende Schildkröte; der Seeſchilling, eine Art dünner Seeigel; die
Seefchlacht, |. Seegefecht; der Seefchlägel, Hammerfiſch; die Seefchlange,
f. v. w. Meerfchlange; Seepfeifez die Seefchule, Anftalt zur Bildung von
Scemännern (fr. Navigations- Schule); die Seefehwalbe, ſ. v. w. Meere
ſchwalbe, in allen Bed.; der Seeſchwärmer, eine Art Quallen; das See—
ſchwein, eine Art Haififche, Sauhund; eine Art Spiegelfiſche, Saurüſſelfiſch;
- Sepfonne, eine Art Scefterne mit vielen Strahlen; auch der oftind. Sonnen-
ſiſch; die Seefpinne, eine Art dickbeiniger Afterfpinnen; auch f. Zafchen-
krebs; der Seefpint, eine Art Seekork von milhweißer Maſſe; die See—
forache, Kunftiprache der Seefahrer; der Seeſtaat, ein Staat, welcher eine
Seemacht hat; auch der Zuftand des Seeweſens eines Staates; die Seeftadt,
eine am Meere, od. auch an einem Landfee liegende Stadt; die Seeſtaude,
Seegewächſe mit hornartigem Stamm, überzogen mit einer weicheren zelligen
Rinde, in deren Zellen Pflanzenthierchen (Polypen) Ieben, auch Hornſtaude
od. -Eoralle; der Seeftein, mit Nesen aufgefifchter Bernfteinz der Seeftern,
Seewürmer, deren lederartiger Körper ſich in 4 bis 30 Strahlen theilt; auch
eine Art Taucher; das Seeſternkraut, gelbes Sternkraut , eine Art des
Alants; der Seeſtichling, verſch. Arten Stichlinge (1. d.) insbeſ. der große —
ornfiſch), u. der kleine Seeſtichling (Stachelbörs); der Seeſtier, eine Art
Bein⸗ od. Panzerfiſche, Koffer⸗, Hornfiſch; der Seeftand, j. Strand; der
Seeſtrick, eine Art Stachellorallen; der Seeftrumpf, ſ. Seenelke; das
Seeſtück, ein Gemälde, welches die See od. eine Sergegend darftellt; der
Seeſturm, Sturm auf der Ste; der Geetang, ſ. Tang; die Seetanne,
der Schafthalm; eine Art Seeftauden; die Seetafche, ſ. Seenelke; die See—
taube, eine nordiſche Taucher-Art; auch cine Art Igelfiſche; der Seetau-
. her, der nordiſche Papageitaucher; der Seeteufel, |. Meerteufel; das See—
thier, jedes in der See Iebende Thier, entg. Landthier; die Seetonne, ſ. v.
w. Bake, ſ. d.; auch eine Art Kreifelfchneden; die Seetraube, die Frucht
des Traubenbaumes, f. d.; auch die fäuerliche Beere eines in Beonkreic, Spa⸗
nien ze. am ſandigen Seeufer wachſenden dornigen Strauches: Seetraube mit
doppelten Ihren; das Seetreffen, ſ. Seegefecht; der Seetrichter, eine trichters
ee . o—
876 ar Seede — Seele
ähnliche Koralle; die Seetrift, niederd., was auf der See treibt u. ans Land _
geworfen wird, auch: der Seemwurf; feefriftig, Bw., niederd. f. auf der
See treibend; die Seetrompete, f. v. w. das Meerhorn; die Seetruppen,
Kriegsvolk auf Kriegsfchiffen; das Seeufer, Meeresufer, od. Ufer eines Land:
fees; die Seeuhr, eine fehr richtig gehende Uhr auf Seeſchiffen (fr. Chrono:
meter); das Seeungeheuer, ein großes, gefährliches Seethier; der See—
vogel, auf od. an der Sce Lebende Vögel; die Seewanze, eine Art Meer-
affeln, die den Fifchen Läftig fallen; feewärts, Nw., nad) der See zu, oder
weiter in die See hinein, entg. Iandwärts; das Seewafler, Meerwaffer, od.
Waſſer eines Landſees; der Seewedel, eine Art Seeftauden; der Seewege—
rich, eine Art an der See wachſenden Wegerihs, auch Meerwegetritt; das
Seewefen, der Inbegriff alles zur Seeſchifffahrt, zum Seekriege zc. Gehö-
renden; der Seewind, ein auf der See, od. von der See her wehender Wind;
der Seewolf, |. Meerwolf; auch f. Meerfroſch od. Froſchfiſch; der Seewurf,
f. Seetrift; der Seewurm, in der See lebende Würmer; auch f. Meer:
fchlange; der Seezoll, ein Zoll, zur See von Schiffen und Ladungen gegeben;
die Seezunge, ein Seefiſch, |. Zunge.
Seede, w., M.-n, (vgl. fied), holftein., eine niedrige Grasſtelle.
Seedeich ıc. — Seeforelle, ſ. unter See.
Seeg, m., - 8, M. -e, niederd., ein zufammengerolftes Bündel
(Werg).
Seegallerte zc. — Seelaus, f. unter See.
Seele, w., (Gen. u. Dat. in der älteren Sprache: Seelen, 3. 8. bibl.
Angſt der Seelen; die nach meiner Seelen ftehen ze.) M.-n, Verkl. (nur in
einzelnen Anwendungen) da8 Seelen, (goth. saivala; altd. seula, sela,
sele, M. sele; oberd. Séèl, niederd. Sele, Säl; angelf. sävel, sävl, engl.
soul; isländ..säl, ſchwed. u. dän. säl, själ; von gleicher Wurzel mit See
(goth. saivs), f. d.; alfo Urbed.: bewegende Kraft), 1) der Urgrund u. die
Kraft des Lebens u. Empfindens, od. das den Körper jedes lebendigen Ge-
ſchöpfes belebende u. bewegende geiftige Wefen, entg. Leib, (auch die Thiere
haben Seelen; aber nur der Menſch hat eine vernünftige Seele), beim Men
Then a) im weiteften Sinne: das ganze, mit Vernunft u. Willen begabte
geiftige Wefen, die Begriffe Geift und Gemüth in fich fchliegend (daher:
etwas aus eines Andern Seele fprechen, d. i. fo wie diefer es denkt; in Je—
mands Seele ſchwören, d. i. in feinem Namen; bei meiner Seele! oder
gem. bloß: meiner Seel! Betheuerungsformel der Volksſpr.; die Seelen
der Verftorbenen, d. i. ihr geiftiges Wefen nach der Trennung von dem Körs
per); b) in engerem Sinne da8 Vermögen u. der Sitz der Empfindungen,
Gefühle und daraus entfpringenden Gemüthsregungen, Neigungen ıc.,
finnv. Herz, Gemüth, verfch. von dem denkenden Geift, (. B. meine Seele
ift betrübt, freuet fich 20.5 es ſchmerzt mich in der Seele, thut mir in der
Seele weh; einem etwas auf die Seele binden, d. i. es ihm recht eindringlich
machen, finnv. ans Herz legen; oberd. es fteht mir die Seele auf eine Sache,
d. i. ich verlange fehnlichft danach; eine ſchöne Seele, f. unter ſchön; eine
ftarke Seele, d. i. die Standhaftigkeit in Ertragung von Leiden, Muth u.
Ausdauer in ihren Beftrebungen hat, verſch. ein ftarker Geijt; eine edle,
große Seele, d. i. deren Neigungen nur auf das Edle u. Große, die höhe:
ven Güter des Menfchen gerichtet find; entg. eine Eleine Seele; verſch. großer
Seele | 877
u. Heiner Geift); 2) ein mit einer vernünftigen Seele begabtes Weſen,
Menſch, Perfon (er, od. fie ift eine gute, treue Seele; eine feile, Lafterhafte
Seele ꝛc.; auch als zärtliches Anredewort: Liebe Seele! und verkl. mein
Seelchen! — auch geradezu f. lebender Menſch, Perfon, bei Zählungen u. dgl.;
z. B. die Stadt zählt zehntaufend Seelen, d. i. Einwohner; ich Eenne hier
keine Seele; Eeine Seele weiß etwas davon; es war Feine lebendige Seele
zu Haufe); 3) uneig. f. das Belebende, Wirkfame, Thätige, auch der vor:
nehmfte, wichtigfte, wefentlichite Beftandtheil einer Sache, (z. B. er war
die Seele der Gefchäfte, der Gefellfchaft 2c.; Liebe ift die Seele aller hriftlichen
Tugenden; Ordnung ift die Seele der Geſchäfte 2c.); 4) f. das Innerſte,
Inwendige eines Körpers, be. fofern es hohl, od. non loderem, durchjich-
tigem Stoffe iftz insbe. an Feuergewehren der innere hohle Raum des Rohres;
das lockere Mark in einem Federkiele; die dünne filberfarbene Blafe längs dem
Rüden der Häringe, landſch. auch die Schwimmblafe der Fiſche; Tuchm. das
dünne Eifen im Webefchiffchen; oberd. auch das Innere eines Gebäds; der
Kern eines Knäuels; Küch. ein Eifen 0d. Hölzchen mit einem Loch, durd)
welches der Bratfpieß geftedit wird; 5) fchmweiz. f. Weißfiſch, Lauben, fo
lange er Elein ift; — 3fes. mit Seel; das Seelamt, feierliche Seelmeffe
mit Mufitbegleitung; das Seelbad, in der Eathol. Kirche ein freied Armen-
bad, welches Jemand zum Heil feiner Seele geftiftet; in weiterer Bed Spende
-an die Armen, von Zemand zu feinem Seelenheil geftiftet; der Seeldienft,
oberd. f. Gottesdienft für einen Verftorbenen; feelfromm, Bw., oberd. von
Pferden |. v. w. lammfromm; das Seelgeräth (von „der Seele rathen“
d. i. für ihr Heil forgen), alt u. oberd. eig. was von dem Nachlaſs eines Ver—
ftorbenen zum Hell feinee Seele beftimmt ift, daher jedes Vermächtnifs zu
frommen 3weden, an Kirchen, Klöfter, zu Seelmeffen, Stiftungen ꝛc.; dann
f. Leichenbegängnifs, Meffe für den Verftorbenen, u. die Gebühren dafür; das
Seelhaus, oberd. Verforgungshaus für arme, unverehelichte weibl. Perfonen,
von Semand zum Heil feiner Seele geftiftet; die darin Lebenden Seelfrauen,
weiber, =nonnen, =fehweftern hatten’ ehem. die Verpflichtung, für die Ab—
geichiedenen zu beten, jest das Gefchäft der Krankenpflege, der Reinigung u.
Ankleidung der Leichen ꝛc.; die Seelmeſſe, Eathol. Meſſe zum Heil der Seele
eines Verftorbenen; die Seelforge, Sorge der Geiftlichen für die Wohlfahrt
der Seelen ihrer Gemeinde; auch überh. f. Amt, Geſchäft eines Geiftlichen;
der Seelforger, ein Prediger, Pfarrer, fofern er fich der Seelſorge widmet;
die Seelforgerfchaft, Amt, Beruf eines Seelforgers; feeltagen od. -tögen,
niederd., preuß. feelzagen, untrb. 3w., f. in den legten Zügen liegen; uneig.
in fchlechten Umftänden fein; der Seelvater, oberd. Vorfteher eines Seel—
haufes ; der Seelwärter, vlt. f. Vollſtrecker eines Testen Willens; — die 3fe$.
mit Seelen bedürfen größtentheild Eeiner befonderen Erklärung, da Seelen
gew. einfach im Genitiv Verhältniffe zu dem Grundworte fteht, bisw. auch
durch Hinzufügung des Begriffes der Innerlichkeit od. Tiefe verftärkend ift,
als: der Seelenadel, Adel, edle Natur der Seele; die Seelenangft, Angft
der Seele, tief eindringende, heftige Angft; der Seelenfrieden, die Seelen-
ruhe, finno. Gemüthsruhe; das Seelenglüd, =heil, wohl, die Seelen-
- größe, -güte; auch feelengut, Bw., der Seele nad) gut, von Herzen gut;
Bi |
die Seelenftärke, Stärke, d. i. Standhaftigkeit u. Beharrlichkeit der Seele;
„ auch feelenftark, Bw., der Seele nach ftark, Seelenftärke habend; die Seelen:
878 Seelerche — Segel 1—
kraft od. das Seelenvermögen, jede wirkende Fähigkeit der Seele (M. See— 4
lenkräfte); der Seelenzuſtand; der Seelenkummer, -ſchmerz; das See—
lenleiden, die Seelenpein, -qual; die Seelenfreude, das Seelenver:
gnügen, inniges, lebhaftes Vergnügen; fo auch: ſeelenfroh, ſeelenver—
gnügt, Bw., d. i. innerlich froh, innig vergnügt; der Seelenfreund, die
Seelenfreundinn, innig geliebter, vertrauter Freund 2c.; die Seelenfreund—
ſchaft u. dgl. m.; — außerdem find zu bemerken: der Seelenarzt, ein Helfer,
Beruhiger in Krankheiten der Seele, in Traurigkeit, Angft 2c.; der Seelen-
bräufigam, in geiftt. Liedern ꝛc. Jeſus, ald Bräutigam der ihn Viebenden
chriſtlichen Seele vorgeftelitz der Seelenforfcher, wer das Weſen der Seele
überh., od. einzelner Menfchenfeeten zu erforfchen fucht; der Seelenhirt, un—
eig. f. Geiftlicher, fofern ev der Hüter der Seelen feiner Heerde od. Gemeinde
ift; die Seelenkrankheit, Erankhafter Zuftand der Seele, finnv. Gemüths⸗
Erankheit, verfch. Geifteskrankheit ; feelenfranf, Bw., finnv. gemüthskrank;
die Seefenlehre, Lehre von dem Wefen u. den Kräften der menfchl. Seele, .
auch Seelenkunde (fe. Pſychologie); daher der Seelenlehrer, der Seelen-
kundige (fr. Pſycholog); ſeelenlos od. ſeellos, Bw., 1) ohne Seele, unbe:
feelt, Ieblos; 2) Eein Gefühl, Eeine Empfänglichkeit für Gemütheregungen
habend, auch feelenleer, finnv. fühllos; das Seelenopfer, Opfer für die
Seelen der Verſtorbenen; das Seelenregifter, Verzeichnifs der lebenden Ein-
wohner eines Ortes; der Seelenfhaß, gem. f. eine fehr geliebte Perſon;
der Seelenfchlaf od. -[chlummer, geringe Empfänglichkeit, Fühllofigkeit der
Seele; insbef. der vermeintliche Zuftand der Seele nach der Trennung vom
Körper bis zur Wiedervereinigung; dev Seelentag od. Allerfeelentag, der
durch Gebete 2c. zum Heil der abgefchiedenen Seelen ‚gefeierte Tag im Novem⸗—
ber; der Seelenverfäufer, wer duch Lift oder Verrätherei Andere zu ſchwe—
ren Dienften, bei. zum Kriege od. Seedienft, wirbt, insbef. wucherliche Matro⸗
ſenmäkler; feelenvoll, Bw., viel Seele, d. i. lebhaftes, inniges Gefühl, ha-
bend u. ausdrüdend (ein feelenvolleer Menſch; feelenvolle Blide, Töne 2c.);
die Seelenwanderung, der. Übergang einer Seele aus ihrem Körper nad)
deſſen Zode in verfchiedene andere Körper nach einander, zufolge der Bor
ftellung alter Philofophen (fr. Metempſychoſis); der Seelenwed od. -z0pf,
oberd. eine Art Weißbrod, welches nur am Allerfeelentag gebsden wird (ſchwäb.
auch bloß: Seelen, M.); — Ableit. feelen, ziel. 3w., vlt. f. befeelen,
beleben; feelenhaft, Bw., feelenshnlich, die Natur der Seele habend;
ſeeliſch, Bw., Neuw. f. der Seele angehörend, die Seele betreffend (fr. -
pſychiſch).
Seelerche ꝛc. — Seezunge, ſ. unter See.
Sege, w., M.-n, (andih. auch Säge; bair. die Segen od. Segens;
altd. segina, sageine, sagene, segene, sege; lat. sagena, franz. seine) oberd. -
ein großes Zugneß, Schleppnetz zum Fiihen, beftehend aus zwei ſtarken
Wänden und einem Sad in der Mitte, Sadgarn, auch Segenetz, Segen:
ganz daher der Segenfifcher, wer mit Segen zu fiſchen befugt ift, eng.
Kleinfiſcher.
Segel, f., -$, M. w. &, Verkl. das Segelchen, (altd. der sekal,
segal, segel; niederd. Segel u. gew. Seil; altnord. sigl, ſchwed. segel, dän.
segl, seyl; angelſ. segel, segl, engl. sail; holl. zeil; poln. zagiel; von dunk⸗
ler Abftammung), das an dem Maft eines Schiffes ausgefpannte Tuch
E ——
—
———
——
Segel . 879
(jest von ftarker Leinwand, ehem. auch Thierhäute, Matten u. dgl.), welches
den Wind auffängt. und dadurch das Schiff forttreibt, von verfchiedenen
Arten u. Benennungen, 3. B. Rah⸗, Stag⸗, Leer, Gaffel-, Mars-, Bram-,
Fock⸗, Befanfegel ꝛc., ſ. d., (die Segel aufziehen, auffpannen, auch beifegen
od. Segel machen; entg. die Segel einziehen, Schiff. auch einnehmen, auf
geien, reffen, f. d.; weit vollen Segeln fahren; unter Segel gehen, d. i. abs
fegeln, zu Schiffe abfahren; die Segel ftreichen, d. i. die Rahen, an denen fie
befeftigt find, zum Zeichen der Ehrerbietung od. Unterwerfung niederlaffen ;
daher uneig. die Segel vor Jemand jtreichen, d. i. fich ihm ergeben und für
überwunden erklären, ihn für feinen Meifter erkennen; alle Segel aufziehen
od. aufipannen, uneig. f. alle Mittel anwenden, Alles aufbieten zur Erreichung
eines Zweckes); uneig. auch f. ein fegelndes Schiff, u. überh. f. Segelfchiff
(4. B. eine Flotte von hundert Segeln); Naturk. Namen einiger Flügel
ſchnecken; — 3fes. der Segelbalfen, Schiffb. der längfte Balken im Mit—
telfpanne des Schiffes; der Segelbaum, vie. f. Segelftange; Maftbaum;
inöbef. der mit dem Maft einen fchiefen Winkel machende Baum, an welchem
die Ruderfchiffe ihre Lateinifhen Segel führen; das Segelgarn, zwei- ob.
dreidräthiges hänfenes Garn zum Nähen der Segel; auch f. Bindfaden; der
Segelgießer, Schiff. eine Art Erummer Schaufeln zum Begießen der Segel
u, Schiffsſeiten bei heißem Wetter; die Segellinie, eine krumme Linie in der
Form eines vom Winde gefchwellten Segels; fegellos, Bw., ohne Segel,
der Segel beraubt; der Segelmacher, Verfertiger von Segeln in Seeſtädten
u. auf großen Schiffen; die Segelmacherei, deſſen Verrichtung u. Gewerbe;
der Segelmeifter, auf Kriegsſchiffen der erſte Segelmacher und Auffeher über
das Segelwerk; die Segelnadel, dreifantige Nadel der Segelmacher; die
Segelqualle, eine Art Quallen (f. d.) mit einem fegelähnlich auszufpans
nenden und niederzulaflenden Theile; das Segelſchiff, ein mit Segeln vers
fehenes Schiff, z. U. v. Ruderſchiff; fo auch die Segeljacht, der Segelfahn,
nachen 2c.; die Segelfchnede, eine Art Flügelſchnecken, auch das ſchmale
Segel genannt; das Segelfeil, Tau; die Segelfpinne, Kreuzſpinne (weil
fie ihr Ne frei ausfpannt); das Segelfpriet, 1. Spriet; die Segelitange,
die am Maftbaum befeftigte ftarke Querftange, an welcher das Segel hängt,
die Rabe, |. d.; das Gegeltuch, grobe hänfene Leinwand, woraus die Segel
gemacht werben; der Segelvogel, eine Art Tagichmetterling; das Segel:
werf, fämmtliche Segel eines Schiffes mit ihrem Zubehör; die Segelzunge,
ein fpis zulaufender Streifen am Segel; — Ableit. fegeln, ziellof. Zw. m.
haben und (wenn der Ausgangspunkt od. die Richtung der Fahrt angegeben
wird) m. fein, (mittelh. sigelen; niederd. fegeln und feilen; ſchwed. segla;
angelf. segljan, engl. sail), mittelft der Segel vom Winde fortgetrieben
werden oder fahren (das Schiff fegelt, hat. ſchnell gefegelt; wir haben lange
gefegelt; aber: das Schiff ift aus dem Hafen, nad) Norden, nad) Amerika ꝛc.
> gefegelt; wir find auf den Grund gefegelt; bei, vor dem Winde—, mit fie:
fem, halbem ꝛc. Winde fegeln, ſ. Wind; in Verbindung mit einem nebenwörtl.
Zuſatze auch ziel: f. fegelnd bewirken: ein Schiff in den Grund ſegeln); uneig.
auch f. die Luft ſchnell durchfchneiden, fich fliegend od. laufend fortbewe-
gen; 3fes. v. fegeln: fegelfertig, Bw., bereit abzufegeln (niederd. fegel-
od. feilreede); fegelfundig, Bw., das Segeins Eundig; die Segelfunft, die
Kunft des Segelns, d. i. die Segel gehörig zu ordnen od. zu ftellen, ein Theil
880 Segen
der Steuermannskunſt; die Segellinie, ordnung, Linie od. Ordnung, in wel:
her die Schiffe einer Flotte ſegeln; der Segelftein, ehem. f. Magnet, weil
er die Richtung des Segelns beftimmt; das Segelwetter, der Segelwind,
zum Segeln günftiges Wetter, dergl. Wind; Ableit. der Segeler, od. Seg—
ler, -$, M. mw. E., wer oder was fegelt: ein Schiffer; ein fegelndes
Schiff (z. 8. dies Schiff ift ein guter, od. ein fchlechter Segler); auch uneig.
dicht. was fich gleichf. fegelnd durch die Luft bewegt („eilende Wolfen, Seg—
ler der Lüftel“); Natur. f. die Schiffkuttel, |. d.; Landw. ein ſchwindliges,
wankendes Schaf.
Segen, m.,. -8, M. (felten) w. E., (altd. segan, segin, segen; angelf.
segen; von dem lat. sigaum, Zeichen; daher noch altd. und angel. f. Fahne,
Abzeichen; dann insbe]. signum crucis) 1) alt u. noch oberd. f. das Zeichen
des Kreuzes, zur Weihung od. zur Hervorbringung übernatürlicher Wir—
fungen mit der Hand gemacht; 2) eine mit diefem Zeichen begleitete weis
hende Gebetsformel (der Geiftliche Tpricht den Segen; den Segen über etwas
Iprechen; der Morgen:, Abend», Tiſch-, Reifefegen 2c.), auch aberglaubifche
Zauber: od. Beſchwörungsformel (z. B. der Feuer-, Fieber, Vieh-, Wetter
fegen 2c.); insbef. die feierliche Verkündigung u. Anwünfhung der gött—
lihen Gnade, u. überh. des Eünftigen Gedeihens, Wohlergehens, Glüdes,
entg. Fluch (einem feinen Segen geben, ertheilen; der Segen der Ältern ruht
auf den Kindern, begleitet fie 2c.), bef. auch der Glückwunſch beim Scheiben
(Segen auf den Weg!); 3) die Wirkung u. der Inhalt ſolcher Wünfche:
die Gedeihen u. Glück gemährende göttliche Gnade (Gott gebe feinen Segen
dazu! d. i. Lafje es gelingen; den Segen Gottes fpürenz fprihw. an Gottes
Segen ift Alles gelegen; das bringt keinen Segen; dabei ift kein Gegen, u.
dgl. m.); auch f. Gedeihen, glüdlicher Erfolg, Reihthum oder Fülle an
Gütern, als ein GefchenE der göttlichen Gnade betrachtet (Kinder find ein
Segen Gottes; der Segen der Felder, des Jahres, der Natur; Eher, Erntes
fegen 20.); — 3fes. die Segensernte, -flur, das Segensland zc., dicht.
f. acfegnete, reiche Ernte 2c.; die Segensformel, Formel, welche einen Segen,
bef. den Eicchlichen, enthält; die Segensfülle, dicht, veicher Segen; die
Segensfraft, Kraft, Wirkung des Segens; fegenskräftig, Bw., diefelbe
enthaltend; fegenlos, Bw., ungefegnet, ohne Gedeihen; die Segensquelle,
f. Quelle; fegen= od. gew. fegensreich, fegenvoll, Bw., reich an Segen,
viel Segen, Glück 2c. bringend, od. empfangend; der Segenfprecher, wer
den Segeny u. bef. eine Zauber- od. Beihwörungsformel, ſpricht; der Segen:
od. Segensſpruch, das Segenſprechen; die geſprochene Segensformel; das
Segenswort, ein ſegnendes, glückwünſchendes Wort; der Segenswunſch,
ſegnender Wunſch, Anwünſchung des Guten, ſinnv. Glückwunſch; — Ableit.
ſegenbar, Bw., Neuw. f. Segen bringend, ſegensreich; — ſegnen, ziel.
Zw. (altd. seganon, segenen, segen, Prät. segente, jest: ſegnete; niederd.
fegenen; alt u. oberd. auch gefegnenz angel. segnjan, isländ. signa, ſchott.
segn), eig. das Zeichen des Kreuzes Uber etwas machen (daher: fich Ereus -
zigen und fegnen, d. i. indem man diefes Zeichen vor ſich macht, fich vor dem
Böfen, einem Übel 2c. zu bewahren ſuchen; uneig. f. fi in hohem Grade ent=
fegen); einen od. etwas—, mit dem Zeichen des Kreuzes. und einem
Segensfpruche weihen (der Prediger feanet die Gemeinde; das Brod, den
Kelch —), 0d. zauberifch befprechen, beſchwören (das Feuer, das Zieber,
Segenbaum — fehen 881
eine Wunde, das Vieh ꝛc. —); in weiterer Bed. einem feierlich bie göttliche
Gnade ankündigen, od. überh. Gutes, Glück, Gedeihen ıc. anwünfchen
(der fterbende Vater fegnete feine Kinder; fprichw. wer das Kreuz hat, fegnet
ſich, d. i. wer die Macht od. Gelegenheit hat, verſchafft ſich Vortheile; bibl.
auch f. Böfes anwünſchen, fluchen: er wird dich ins Angeficht fegnen); aud)
f. dankend preifen (z. B. einen verftorbenen Wohlthäter, fein Grab 20. —);
insbe. f. Glück wünfchend fcheiden, chem. überh. f. förmlich Abfchied neh-
men, einen od. etwas verlaffen (das Zeitliche od. die Welt fegnen od. gefeg-
nen f. fterben); ferner von Gott: einen od. etwas—, d. i. ihm Segen,
Gnade, befonderen Schuß ıc., Glück, veichliches Gedeihen, Uberflufs an
Gütern ꝛc. gewähren, finnv. beglüden, gedeihen od. gelingen laffen, (Gott
fegne dich! der Gefegnete Gottes od. des Herrn, d. i. bei. Jeſus; Gott
fegnete feinen Fleiß, fein Bemühen; Gett hat ihn mit Glüdögütern, mit Ges
fundheit, mit Kindern zc. gefegnet; das Mw. gefegnet f. beglüdt, reich,
Überflufs habend od. gewährend, z. B. eine gefegnete Ernte; gefegnete Fluren;
ein yefegnetes Jahr, d. i. ein fehr fruchtbares; eine mit Kindern gefegnete
Ehe; gefegnetes Leibes fein, d. i. ſchwanger); uneig. ironifh: einem
etwas fegnen (od. gefegnen) f. e8 ihm verderblich werden od. zur Strafe
gereihen laſſen; gefegnet fein, auch mit läftigen od. üblen Dingen, f.
Uberflufs daran haben (z. B. mit Fehlern gefegnet fein; — das Gefegnete,
gem. Gefegnet, ſchwäb. f. der Rothlauf, die Rofe, als mildernder od. be—
fchönigender Ausdrud); der Segner, -8, (alt. segenaere), wer fegnet;
insbef. f. Segenfprecher, Befchwörer, Zauberer; die Segnung, das Seg—
nen; die Wirkung des Segens, Beglückung, hohe Vorteile, bef. M.
Segnungen (4. B. die Segnungen des Friedens).
Segenbaum, auch Segelbaum, m., oberd. verderbt f. Säbenbaunt.
Segenfe, w., M. -n, (oberd. auch: die Segenfen, Segens; ſchweiz.
Sägeſe, Säges; vgl. ſägen), alt u. oberd. f. Senſe (ſ. d.), welches daraus
3983. iſt.
Segensernte ıc. — Segenswunſch, ſ. unter Segen.
Segge, w., M. -n, niederd. f. das Niedgras.
Segler, f. unter Segel; — fegnen, Zw., ꝛc. f. unter Segen.
fehen, od. zgez. fehn, Zw., ablaut. ich fehe, du fiehft (ſieheſt), er fieht
(fieget), wir fehen (zgez. fehn) 2c.; Imper. ſieh Cfiche), fehet (zgez. Teht) ; Impf.
ich u. er fah (nicht gut: fahe), du faheft od. ſahſt 2c.5 Gonj. ſähe; Mw.
geſehen, zgez. gefehn, (goth. saihvan, altd. sehan, sehen, ®Präf. ich sihe,
Prät. sach, sähen, Part. gesehen, auch gesegen u. alth. gisewan; niederd.
feen, Prät. fag od. feeg, Part. ſeen; — die Wurzel sah fällt, wie es ſcheint,
mit sag in sagon, segon, ſägen, lat. secare zuſammen; vgl. Sch, Sachs,
Sichel, Senje 2c.; die Urbed. wäre alfo: fehneiden, fcheiden, dann unterfchei=
den, wahrnehmen; vgl. das lat. cernere, u. die Ausdrücke: fcharf fehen, blöde,
ftumpfe Augen 20.5 — in den verwandten Sprachen ift der auslautende Con—
jonant der Wurzel ganz abgefallen: isländ. sia, ſchwed. se, dän. see; angelf.
seon, geseon, engl. see; holl. zien), 1) ziel. u. ziellos a) eig. überh. durch
den Sinn des Gefihts Eindrüde empfangen, mittelft der Augen em-
pfinden od. wahrnehmen, finnv. blien, fchauen f. d.; insbeſ. den Gefichts-
finn befigen, mittelft der Augen wahrnehmen fünnen (der Blinde fieht
nicht; im Dunkeln fieht man nicht; gut, ſchlecht, weit zc. ſehen; ſehend
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 56
2 ſehen
fein; einen Blinden wieder ſehend machen; mit ſehenden Augen blind fein, d. i.
nichts wahrnehmen, obwohl die Augen Sehkraft haben); von diefem Ver—
mögen felbftthätig Gebrauch machen, die Augen od. den Blick auf etwas
richten, zunächſt ohne (directes) Zielwort (fieg! fieh da! hier bin ich u.
dgl.; mit feinen eignen Augen fehen, d. i. gang deutlich u. gewiſs; durch ein
Glas, durch die Brille—; uneig. durch die Finger fehen, f. Finger; einem in
die Augen, ins Gefiht—; uneig. einem ins Derz fehen, d. i. feine Gefühle w.
Gefinnungen durchſchauen; einem in die Karte fehen, j. Karte; auf etwas
od. einen—, d. i. die Augen darauf richten; auch nach etwas —; uneig.
von lebloſen Dingen f. dahin gerichtet fein, z. B. die Fenfter fehen auf die
Straße, nad) dem Garten, gegen Morgen ꝛc.; auch rücdz. mit Hinzufügung
eines Bw. zur Bezeichnung eines Zuftandes, in welchen man fi durch das
Sehen verfeßt, 3. B. ſich müde, blind ſehen; ich habe mich daran fatt gefe-
hen 2e.); ferner mit Zielwort: etwas od. einen—, mit den Augen
wahrnehmen, bemerken, unterfcheiden, erkennen, finnv. erbliden (. 8.
ich fehe ein Licht; er fah nichts; Gefpenfter jehen; etwas nicht fehen wollen,
d. i. fich fielen, als fähe man es nicht; an etwas feine Freude 2c., od. feinen
Ürger fehen, d. i. bei deffen Anblick Freude, od. Ärger 2c. empfinden; etwas,
einen, fih ſehen laſſen, d. i. den Augen Anderer darftellen, zeigen; eine
Sache od. Perfon für Geld fehen laſſen; laſs mid (nit mir) das fehen;z
feine Kenntniffe, Eitelkeit 2c. fehen laffen, d. i. bemerkbar machen, zur Schau
tragen; fich nicht fehen laffen, f. nicht zum Vorſchein kommen, ſich verborgen
halten; er darf ſich vor ihm nicht fehen laſſen; fich fehen laſſen, au
von Sachen f. erfcheinen, fichtbar fein, z. B. ein Komet Läfft fich ſehen); auch
mit einem abhängigen Saße ftatt des Zielwortes (z. B. ich fehe, dafs er
tommt; ich fah, dafs fie weinte), od. mit einem Infinitiv verbunden mit
einem Accuſ. (4. 8. ich fehe ihn kommen; er ſah mic) leiden; ich fah fie
meinen, die Hände ringen 20.5 — Zweideutigkeiten, welche durch die bisw.
Statt habende Leidentliche Bed. des Inf. der Thatform entftehen Fönnen, find
zu vermeiden; 3. B. ich fah ihn fchlagen, taufen u. dgl., d. i. ich ſah, daſs
er ſchlug, taufte, od... . gefchlagen, getauft wurde; — in den umfchriebenen
Zeitformen gebraucht man bei diefer Verbindung mit dem Snf. ftatt des Mw.
geſehen die Infinitioform fehen, 3. 8. ich habe ihn. kommen ſehen; er
hatte mich leiden fehen, ft. gefehen); b) uneig. überh. durch die Sinne ge
wahr werden, empfinden, erfahren (zZ. B. bibl. den Tod nicht fehen, d. i.
ihm nicht erfahren, nicht fterben; etwas od. einen gern fehen, d. i. mit
Wohlgefallen wahrnehmen, Vergnügen daran finden; ev ift hier nicht gern ges
ſehen, d. i. nicht beliebt; ex fieht, dals man ihn verachtet; ich möchte die
Sache gern beendigt fehen, u. dgl. m.); geiftig wahrnehmen, merken, ev
fennen, einfehen, erfehen (ich fehe, dafs man mich hintergangen hatz Sie
follen fehen, dafs ich Recht habe; hieraus, aus feinem Briefe zc. fehe id, |
dafs 2e.; man fieht an feinem Außern, dafs er keinen Geſchmack hat; ich fehe
nicht, wozu das fol); das geiftige Wahrnehmungsvermögen, die Aufmerk-
ſamkeit auf etwas richten, darauf achten (in die Zukunft ſehen; fieh!
ieh da! feht! ein Anruf, um Aufmerkfamkeit zu erregen; auch als Ausruf E
der Verwunderung, u. mit doch verbunden, Ausdrud des Tadels: ei feht doch,
was er fich einbildet! u. dgl.; auf od. nach etwas fehen, d. i. darauf Acht
haben, dafür forgen, 3. B. fiche darauf, dafs es ordentlich gemacht werde;
J
Mm
fehen 883
nad dem Effen fehen 2c.; auf etwas fehen, auch f. es bezwecken, berüd-
ſichtigen, zu erlangen fuchen, 3. B. er fieht dabei nur auf feinen Vortheil, auf
das Geld 2c.); etwas verfuchen, fich darum bemühen (ich will fehen, was
ich vermag; laſs ſehen, wer am fchnellften laufen kann, d.i. laſs uns den Ver—
ſuch machen, 2c.; er mag fehen, wie er damit zu Stande kommt; fehen Sie,
dafs Sie ihn dazu bewegen); — 2) ziellosg m. haben, f. gefehen werden,
zu fehen fein, erfcheinen, eine gewiffe Geftalt haben, f. v. w. ausfehen
(4: B. einem ähnlich od. gleich ſehen; uneig. das fieht ihm ähnlich, d. i.
eö ift feiner Denk: und Handlungsweife angemeffen ; er fieht in unfer Gefchlecht,
d. i. er hat Familienähnlichkeit mit uns; fauer, finfter 2c. fehen, d. i. verdrieß-
lich, mürriſch ausſehen; altd. u. oberd. auch: ſchön, häſslich, jämmerlich,
rothbäckig ꝛtc. fehen, f. ausfehen); — 3ſetzz. die Sehachſe, die gerade Kinie,
in welcher der Mittelpunkt des Augapfeld auf den gefehenen Gegenftand ge:
richtet ift; das Sehglas, ein gefchliffenes Augenglas zur Vergrößerung oder
Verdeutlichung der Gegenftände; die Sehfraft, die Kraft, das Vermögen,
zu fehen; der Sehfreis, Geſichtskreis; dee Sehkünftler, Neumw. f. das fr.
Optiker; die Sehlinfe, ein heller, durchfichtiger Linfenförmiger Körper im
Auge, welcher die Lichtftrahlen fammelt, Auaenlinfe (Kryftall = Linfe); das
Seh = od. Seheloch, das runde, ſchwarz erfcheinende Loch in der Mitte der
Ereisförmigen Regenbogenhaut, die Sche (fr. Pupille); der Sehnerv, Nerv
im Auge (f. Nerv); der Seh- od. Sehepunft, der Punkt, auf weldyen das
Sehen gerichtet ift, verfch. Gefichtspunkt; das Sehrohr, f. v. w. Fernrohr;
die Sehweite, die Entfernung, in welche man fehen, d. i. etwas mit dem
Geficht unterfcheiden Eannz aud die Entfernung, in welcher ein Gegenftand
betrachtet werden mufs; das Sehwerkzeug, natürliches Werkzeug (Organ),
od. künſtliches Hülfsmittel zum Sehen; der Sehwinkel, der Winkel, welchen
die von den Äußerften Punkten eines Gegenftandes in die Augen fallenden Licht-
ftrahlen im Mittelpunkte deöfelben machen, Gefihtswinkel (fr. optifcher Win-
kel); das Sehziel, ſ. v. w. der Sehpunkt; — fehenswerth od. = würdig,
Bw., werth od. würdig, gefehen zu werden, finnv. merkwürdig; "die Sehens—
würdigfeit, das Schenswürdigfein, die fehenswerthe Beſchaffenheit; auch eine
fehenswürdige Sache, finnv. Merkwürdigkeit, (M. Sehenswürdigkeiten, 3. B.
einer Stadt); — Ableit. die Sehe, o. M. (altd. seha, sehe; oberd. Sch),
alt u. Tandich. f. die Sehkraft, das Gefichtz das Werkzeug des Sehens,
das Auge, insbef. Jäg. die Augen des Hafen; in beftimmterer Bed. das Seh
loch, der Augenftern (fr. Pupile); der Sceher, -8, die Seherinn, M.
-en, 1) wer etwas fieht, d. i. mit den Augen wahrnimmt od. beobachtet,
nur in 3feg. wie Stern-, Geifterfeher; (Iäg. Seher f. die Augen des Hir-
ches); 2) wer Zufünftiges im Geifte fieht, wer in die Zukunft fchaut u.
fie vorausfagt, ein Prophet, edler als Wahrfager; ein Begeifterter,
Schwärmer, der Gefichte ſieht; auch f. ein fcharffichtiger, mit feinem Geifte
tief eindeingender, weifer Mann; daher das Seheramt; der Seherblick;
‚die Seherfunft ıc.; die Sehung, ungebr. f. das Sehen; der Sehungs-
bogen, Sternk. der Schungsbogen eines Sternes, d. i. die geringfte Tiefe der
Sonne unter dem Gefihtökreife, bei welcher der Stern fichtbar wird; feh-
bar, Bw., fähig, gefehen, d. i. bef. durch das Geficht unterfchieden od. er-
reicht zu werden (gew. nur in abfehbar, unabfehbar), finnv., aber nicht
| | gleichbedeutend: fihtbar.
6*
884 Sehl — fehr
Sehl od. Seel, m., -e8, M. -e, od. die Sehle, Sähle, M. -n (—dem
oderd. Siel. Siele, f. d.), niederd. f. Zug- od. Zragriemen, Geſchirr für
Zugvieh; auch Bügel, Handgriff an Eimern, Keffeln ze.
ehm od. Seem, m., -e8, niederd. f. Seim; fehmig, Bw., f. feimig ıc.
ſehmiſch, Bw., f. ſämiſch.
Sehne, w., M. -n, (altd. seniwa, senawa; senewe, senwe; auch senige,
senibe, senib; verf. sene; oberd. Senne, Senn, Sen; angelf. sinu, sinve,
senve; isländ. sin; — von dem Stamm sin, d. i. Kraft, Stärke (vgl. Sinn:
"grün, Sündfluth), bef. Spannkraft; griech. dv in is, ©. ?v-0s, d. i. Kraft,
Spannkraft, u. Sehne; lat. vis, vgl. vena?), die zähen, dehnbaren Bän-
der im thier. u. menfchl. Körper, welche die Glieder in Verbindung fegen
und zu deren Spannung, Biegung und Ausdehnung dienen, auch Sehnaber,
Spannader, Flechfe genannt; in weiterer Bed: jedes ausgedehnte, gefpannte
oder zu fpannende Band, Schnur, in diefer Bed. auh Senne, insbef.
die ausgefpannte Schnur eines Bogens (Bogenfehne), einer Armbeuft 20.5
Jäg. die Leinen an den Jagdzeugen; uneig. Größenl. die einen Bogen von
einem Kreiſe abfchneidende gerade Linie (fr. Chorde); — das Sehnen-
Inöchelchen, Anat. ganz Eleine Knochen an den Fingern u. Zehen; die Seh—
nenfchmiere, eine fchleimichte Feuchtigkeit, welche die Sehnen befeuchtet; —
fehnig, Bw., viele Sehnen habend (Fteifh); fpannkräftig, ftark; feh-
nicht, Bw., ſehnenähnlich.
fehnen, Zw. (mittelh. senen; von gleichem Stamme mit Schne? oder
verw. mit dem altd. seine, oberd. fein, fain (f. d.), d. i. träge, langfam,
traurig; vgl. langen, verlangen, engl. long, u. das franz. tarder), ehem. ſo—
wohl rücz. als ziellos f. Seelenfchmerz, bef. Liebespein empfinden (daher
dag Mm. senende, zgez. senede, sende, überh. f. leidend, z. B. sender muot,
lip, senedez herze 2c.); jegt nur rüdz. fich nach einer Perfon od. Sache —,
d. i. lebhaftes, inniges, fchmerzliches Verlangen danach empfinden, finnv.
ſchmachten, verfch. begehren (z. B. ich fehne mic) nad) den Meinigen; er
fehnte fich nach der Heimath, nad) Ruhe 2c.); das Sehnen, als Hw., chem.
auch die Sehne (altd. sende, sene, sendekeit) f. ſchmerzliches Verlangen,
Liebesfehmerz, Betrübniſs; die Sehnfucht (altd. sensuht), anhaltendes
fchmerzliches Verlangen bei langer Entbehrung des Gewünfchten; fehnfüchtig,
Bw., Sehnſucht empfindend oder verrathend (fehnfüchtig fein; ſehnſüchtige
Blicke 2c.), auch fehnfuchtsvoll; ſehnlich, Bw. u. bef. Nw. (altd. senelich,
senlich, auch seneclichz; oberd. auch verderbt in: ſinnlich, ſündlich), chem.
überh. f. ſchmerzlich, betrübt, von Liebesfchmerz ergriffen, ſchmachtend;
jegt: mit Sehnen verbunden, mit fehmerzlihem Verlangen (5. B. mein
fehnlichfter Wunfch ze. ; ſehnlich auf etwas hoffen, warten 2e.).
fehr, 1) Bw. (altd. ser, aud) serlich; von einer Wurzel sis, sir, ſchmer—
zen; vgl. ſchwären, fchwer), alt u. noch ober- und niederd. , im Hochd. aber
ungebr. f. wund, verlegt, ſchmerzhaft; ſchmerzlich, betrübt; niederd. ins—
bef. f. ſchadhaft, krank (z. B. ſehre Augen), grindig (ein ſehrer Kopf); oberd.
auch f. aufgebracht, verdießlich; 2) Nw. (altd. sero, sere; Comp. serer,
Sup. serest; jeßt nicht mehr fteigerungsfähig), alt u. landſch. f. ſchmerzlich,
weh (z. B. niederd. ſich ſehr thun, f. fi) weh thun, Schaden thun), müh⸗
fam;. jest nur als Nw. des Grades (der Intenſität) f. in hohem Grade,
finnv. gar, recht, Außerft, überaus, höchft ıc., ſowohl zur Beftimmung von
| N
Sehrohr — Seide 885
Bei- und Nebenwörtern, als von Zeitwörtern (z. B. fehr viel, fehr wenig, fehr
hoch, ſehr ſchön, fehr wohl ꝛc.; ich Liebe fie fehr; er gefällt mir ſehr; ich be-
dauere ihn fehr 2c.), auch verftärkt oder näher beftimmt durch Vorfegung von
gar, recht, zu, fo, wie (gar fehr, zu fehr, fo fehr 2c.); der oder das
Sehr (altd. ser, m. u. n., u. sere, auch serde, alth. serida, f.; isländ. und
angelf. sär, engl. sore, sorrow), alt u. noch niederd. f. Verlegung, Schaden
am Leibe (niederd. bef. Hautausfchlag, Grind : das böfe Sehr); Weh, Schmerz,
Herzeleid, Noth; fehrig, Bw. (mittelh. serec; oberd. auch firig), alt und
landfch. f. wund, ſchadhaft (niederd. bef. grindig), ſchmerzhaft, leidend, trau—
tig; oberd. firig auch f. empfindlich, aufgebracht, unwillig; u. f. heftig, be
gierig; fehren, ziel. Zw. (altd. seren; auch serigen; niederd. fehren u. feh-
rigen), alt u. noch niederd. f. vertwunden, verlegen, beſchädigen, (im Hochd.
noch in: verfehren); betrüben, kränken.
Sehrohr ꝛc. — Sehziel, ſ. unter fehen.
feihen, ziellof. und ziel. Zw., (altd. seichön, seichen; oberd. faichen;
wahrfch. von feihen), gem., be. oberd. f. fein Waffer laffen, harnen, piffen,
bef. von Thieren (nicht feichen können; Blut feichen) ; oberd. auch f. mit Hef-
tigfeit ftrömen (4. B. das Blut feicht aus der Wunde; auch unp. es feicht,
f. es regnet ſtromweiſe, es gießt); die Seiche, alt und oberd. der Seich
(Said), gem. f. Harn; das oberd. Seich auch gem. f. fchlechtes, nicht
frifches Getränk; die Seiche, auch f. das Seichen (z. B. Blutfeiche) ;
Bergw. f. ein Eleines rinnendes Waffer, ein Bach; — 3fes. die Seich—
ameife, Yandfch. f. die rothe od. braune Ameife, welche eine Feuchtigkeit, von
fich giebt (niederd. Mieg- eemken); die Seichblume, oberd. f. Löwenzahn;
die Seichfliege, f. Kothfliege; die SeichFachel od. der Seichtopf, f. Nacht:
geſchirr; feihwarm, Bw., oberd. gem. f. fehlerhaft warm (von Getränfen);
feihwund, Bw., wund von Harn (von Kleinen Kindern); — Ableit. der
Seicher, —s, landſch. gem. wer feicht, harnt (bef. in Zfeg. wie: Bettſei—
cher 2c.); feicheln, ziellof. Zw., oberd. gem. f. nach Harn riechen.
feicht, Bw., (oberd. auch ſeig und feift (vgl. facht und fanft); mitteld.
sihte, von dem altd. sigan, feigen u. fiegen (in verfiegen), d. i. finfen, welches
fi) in Form u. Bed. mit sihan, feihen berührt; alfo eig. finkend, od. gefun=
Een), nicht tief, finnv. flach, zunächft von Gewäffern (. B. ein feichter Fluſs,
eine feichte Wafferftelle 2c.; Tandfch. auch; eine feichte Schüffel, feicht pflügen
u. dgl.); Bergw. f. nicht hoc), niedrig (ein feichtes Gebirge); uneig. f. un:
gründlich, oberflächlich, finnv. flah (4. B. feichtes Wiffen, ein feichter
Kopf 2c.); die Seichtheit, das Seichtfein, die geringe Tiefe, eig. G- 8.
eines Waffers), u. uneig., finnv. Flachheit, Oberflächlichkeit, in diefer uneig.
Bed. auch die Seichtigkeit; feichten, ziel. Zw., Neuw. f. feicht machen.
Seide, w., M. (von mehren Arten) -n, (altd. side; oberd. Seiden, nie-
derd. Side; mittl. lat. u. ital. seta; franz. soye; von dunkler Abftammung),
das feine, glänzende Gefpinft der Seidenraupe, ſowohl roh, als gezwirnt
u. verarbeitet, (fprichw. Feine Seide bei etwas jpinnen, d. i. Eeinen Gewinn
davon haben; fich in Seide Eleiden, d. i. in Seidenftoff) ; uneig. f. das Flachs-
Eraut oder die Flachsſeide; u. f. das Nabelkraut; virginifhe Seide,
eine Art Schlinge od. Hundswinde, auch indifche Rebe, Seidenrebe genannt;
— 3fes. feidenartig od. ähnlich, Biv.; das Seidenband; der Seiden:
baft, ein Halbfeidenzeug, |. Baftz der Seidenbau oder die Seidenzucht,
.)
88060 Seibel
Gewinnung der Seide durch Haltung u. Pflege von Seidenraupen; bie Sei—
denbinfe, das Wollgras; der Seidenbracher, eine Art glängend ſchwarzer
Brachvögel; der Seidendruder, wer Figuren 2c. auf Seidenzeuge drudtz
das Seiden- Ei, das eirunde Gefpinnft der Seidenraupe (fr. Cocon); der
Seidenfaden; der Seidenfalter, der Nachtfalter, deffen Larve die Seiden—
raupe ift, au Seidenmotte, »-fhmetterling; der Seidenfärber,
wer Seidenzeuge färbt; die Seidenfrucht, Frucht der Seidenpflange od. des
Hundskohls; das Seidengras, eine tulpenähnliche ausländ. Pflanzenart (yucca
filamentosa L.); das Seidenhaar, feidenähnlich glänzendes, weiches Haar;
auch von Seide verfertigtes Tünftliches Haar; das Seidenhähnchen, eine
Art Goldhähnchen, od. Goldkäfer; der Seidenhandel, die Seidenhandlung,
Handel zc. mit Seidenwaaren; der Seidenhändler, die Seidenhändlerinn ıc.;
der Seidenhafe od. das Seidenfaninchen, eine Art Kaninchen mit langem,
feinem, feidenweichem Haare; der Seidenhaspel, ſ. Haspel; der Geiden-
hund, eine Art Hunde mit langen, feinen Haaren, auch Seidenpudel,
ſpaniſcher Wachtelyund 2.5; der Seidenhut, Hut von Seidenftoff; die Sei—
denkante od. -fpiße, ſ. Kante; das Seidenkleid; das Seidenkraut, Flachs—
kraut 0d. Flahsfeide; das Seidenmoos, ein Aftermoos mit feidenartigen
Zweigen; die Seidenmühle, eine Maſchine zum gleichzeitigen Abhaspeln
einer Menge auf Spulen gefponnener Seide; die Seidenmufchel, Sted- ob.
Schinfenmufchel mit feidenartigem Barte; das Geidenpapier, Papier von
feidenen Lumpen; überh. ein fehr dünnes, ducchfcheinendes Papier; die Sei-
denpflanze, f. v. w. Hundskohl; auc) eine amerikan. Pflanze, deren Stengel
wie Hanfftengel benugt werden können; die Seidenraupe, die auf Maulbeer-
bäumen lebende grüne Raupe, welche die Larve des Geidenfalters ift und deren
Gefpinft die Seide giebt, gem. der Seidenwurm genannt; die Seiden-
rebe, eine Art Schlinge od. Hundswinde; die Seidenvolle, ſ. Rolle; der
Seidenfchmetterling, f. Seidenfalter; der Geidenfhwanz, eine Gattung
Vögel, deren Federn, bef. die Schwanzfedern, fehr fein u. ſeidenweich find,
auch der Seidenfchweif, Krieg-, Sterber, Peftvogel, Böhmer od. Böhmer-
lein; der Seidenfpinner, die Seidenfpinnerinn; die Seidenfpiße, f.
v. w. Seidenkante; der Seidenſtein, Stein od. Bergflachs; der Seiden-
ſticker, die Seidenfticerinn, wer in Seide ſtickt; der Seidenſtoff, der
Stoff, aus welchem die Seide befteht; ein aus Seide gearbeiteter Stoff, ins-
def. ein flarker Seidenzeug; das Seidentuch, ein feidenes Tuch; das Sei—
denvögelchen, der Weidenzeifig; die Seidenwaare, |. Waare; die Seiden-
watte, Watte von gefilgter Flockſeide; der Seidenweber od. -wirker; die
Seidenweberei od. swirkereiz die Seidenwirkerfehnur, Seil. dünner Bind-
faden zu Schnüren 2c. am Seidenwirkerftuhle; feidenweich, Bw., weid wie
Seide; die Seidenwolle, feine, Eurze m. glänzende Wolle; der feidenweiche,
wollichte Stoff, welcher die Frucht des indifchen Seidenwollenbaumes um-
giebt; der Seidenwurm, f. Seidenraupe; der Seidenzeug, aus Seide ge-
wirkter Zeug; die Seidenzucht, ſ. Seidenbau; — Ableit. feiden, Bw.—
von Seide, aus Seide gemacht (feidene Bänder, Zeuge, Strümpfe, Klei—
der 2c.); uneig. f. feidenartig, ſeidenweich (feidenes Haar 2.) ; auch f. zart,
weichlich.
Seidel od. Seidlein, f., -8, M. w. E., Candſch. auch Seitel; alto.
stdelin, sidel; vgl. d. lat. situla, sitella, Waffergefäß, Gelte), oberd. ein
+ 7
i
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Seidelbaft — feifen 887
Maß zu flüffigen u. trodnen Dingen; insbe. 1) ein Eleines Flüſſigkeitsmaß,
ſ. v. w. ein Nößel, — 4 Maß od. Kanne; 2) Bergw. ein Maß zu Erz, Koh:
len ꝛc. — 4 Kübel oder 4 Fuderz; 3) in manchen oberd. Gegenden auch ein
Eleines Getreidemaß.
Seidelbaft, m., -e8, o. M. (auch Zeidel-, Ziedel-, Zei- od. Zebaſt 2c.;
vielleicht von ziehen; vgl. das bair. zeideln f. melfen), der Kellerhals
(j. d.) u. bef. die blafenziehende und Speichelflufs erregende Rinde dieſes Ge-
wächſes.
ſeideln, ziel. Zw., (vgl. Saite, das altd. sitön, binden, u. das ſlav. sidlo,
Seil), landſch. z. B. in der Laufig, f. feffeln (bei. die Pferde—, d. i. ihnen
auf der Weide die Füße fefleln).
feiden, Bw., Seidenbaft ıc. — Seidenzucht, ſ. unter Seide.
Seider, m., -$, landſch. ſ. v. mw. die Safe.
Seife 1., w., M. (von mehren Arten) -n, (altd. seipha, seifa, -seife;
oberd. Saifen; niederd. Scope, holl. zeep; isländ. säpa, ſchwed. säpa; angelf.
sape, engl. soap u. sope; griech. oazwr, lat. sapo, franz. savon; wahrſch.
von gleichem Stamme mit Saft, Seifer zc.; vgl. auch das lat. sebum, Talg),
ein mit einem feuerbeftändigen Laugenfalze verbundenes und darin auf:
gelöſ tes Fett, welches im Waſſer auflösbar iſt u. zum Waſchen des Körpers,
der Wäſche ꝛc. gebraucht wird, (Seife machen, kochen, ſieden; ſchwarze, grüne
od. braune Seife, aus Thran bereitete ſchmierige Seife; wohlriechende Seifen);
Scheidek. jede Verbindung laugenfalziger Erden, metallifcher Kalke ıc. mit
fettem Die; faure Seifen, durch Säuren aufgelöfte fettölige Stoffe,
welche ſich nur in Weingeift auflöfen laſſen; — 3feg. der Seifenapfel, auch
die Seifenbeere od. «nufS, die Frucht des indiichen Seifenbaums, welche
ftatt der Seife dient; die Seifenafche, Aſche zur Bereitung der Seife; der
Seifenbalfam, aus fpanifcher Seife, Weingeift, Kampher und Rosmarinöl
bereiteter Balfam ; die Seifenblafe, aus Seifenwaffer, welches man mit einem
Röhrchen aufbläft, entftehende Blafen, die in der Luft zerplagen; uneig. f. et
was Schimmerndes, das fchnell vergeht; die Geifenblume, eine Art des
Gipskrautes; die Seifenerde, eine feine, glatte Ihonerde, Walkererde, Wafch-
thon; der Seifengeift, Weingeift, in welchem Seife aufgelöfet ift (fr. Seifen-
Spiritus); das Seifenkraut, eine Pflanze mit rothen, od. weißen wohl
riechenden Blumen u. einem feifenartigen u. ald Seife dienenden Gafte, auch
Seifenwurz, Speichelfraut 2c. (saponaria L.); auch) f. Seifenblume; die
Seifenfugel, zu einer Kugel geformte Seife; das Geifenöl, ein ftinkendes
ÖL im Rücftande der Seife bei deren Bereitung; das Seifenpflaſter, ein
wundärztliches Pflafter von Baumöl, Mennige, gefchabter weißer Seife und
Kampher; der Seifenfieder, ein Handwerker, welcher Seife bereitet; daher
das Seifenfiederhandwerk, -gewerk; der Seifenfiedermeifter, =gefelle zc. ;
die Seifenfiederet, das Sieden der Seife, u. der Ort, die Anftalt dazu; der
Seifenftein od. Seifftein, Spedftein; die Seifenwäfche, das Wafchen od.
die Wäfche mit Seife; das Seifenwafler, Waffer, in welchem Seife aufge—
1öft iſt; die Seifenwurz od. swurzel, |. v. w. das Seifenkraut; — Ableit.
feifig, Bw., mit Seife beftrichen, Seife enthaltend; gem. auch f. feificht,
Bw., feifenähnlich, ſeifenartig; feifen 1., ziel. 3w., mit — beſtreichen
(3. 8. die Wäſche), beſ. einſeifen.
ſeifen 2., auch ſeufen, ſeifnen, ziel. Zw., eig. ſäufen, als
888 Seifer — feigen
Factitivum von faufen, f. d.), Bergw. Metallkorner mittelft des Waſſers
aus dem Sande oder Geftein feheiden, auch: wafchen (Gold, Zinn ꝛc. —);
daher: die Seife 2., (Seufe) od. das Seifenwerk, Ort od. Anftalt dazu,
auch Wäſche, Erzwäfche, Fluthwerk, (z. B. Gold-, Zinnfeife); die Seifen-
arbeit; der Seifenarbeiter, auch Seifer 1. od. Seifner, wer diefe Arbeit
verrichtet, Wäſcher, Erzwäfcher; der Seifenbach, ein Bad, an welchem
fi eine Seife befindet; die Seifengabel, ein ſchmales Brett mit Löchern u.
hölzernen Zähnen, zur Sonderung des Groben von dem Kleinen beim Seifen
gebraucht; das Seifengebirge, Tandiges od. lettiges Gebirge, welches durch
Seifen abzufondernde Erztheile enthält; die Seifengraupe, durch das Seifen
gewonnene Binngraupen; das Seifenzinn, Wafchzinn in rundlichen Stücken.
Seifer 2., m., -$, 0. M. (altd. seivar, seiver; oberd. Saifer; niederd.
Seiber, Sabber, ſ. d. u. vgl. das oberd. fifern, niederd. ſiepen f. tröpfeln,
herausfließen), oberd. f. Geifer, Speichel, Schaum aus dem Munde; fei-
fern, zielloſ. Zw. fe geifern; uneig. heftig zürnend oder eifernd ſprechen;
verächtl. überh. f. ſprechen; landſch. auch f. langfam herab- od. durchfliegen,
tröpfeln. |
feificht, ſeifig, ſ. unter Seife 1.; Seifner, f. feifen 2.
Seige, w., 1. f. unter feigen; — Seige 2., Seigefafs, -Forb, ſ. Seihe ıc.
unter feihen.
feigen 1. ziellof. 3w. (altd. sigan, sigen, ablaut. Prät. seic, sigen, be-
rührt fi in Form und Bed. mit sihan, ſeihen; isländ. siga, angelf. sigan,
ſinken; vgl. fiegen in ver-ftegenz ſinken, ſickern; u. das nieberd. fied, zgez.
aus figed, f. niedrig), völlig vlt. f. fich neigen, niederwärts bewegen,
ſinken, fallen; tröpfeln, quellen; — feigen 2. ziel. Zw. (altd. seigen, Prät.
seigete 2c.; oberd. faigenz; das von sigen abgel. Factitivum), alt u. oberd. f.
finken machen, ſenken, neigen, (erfaigen, oberd. f. verfiegen machen, er-
ſchöpfen); feine Richtung auf etwas nehmen; unterfuchen, ahmen (vificen),
auswählen, ausfuchen (oberd. Geldftüde ausfaigen); — Ableit. die
Seige, M. -n, alt (seige) u. oberd. 1) (Seigen) f. Vertiefung im Erd-
boden; Senkung, Wucht; 2) Coberd. Saig, Wafferfaig) Bergw. die
Grundfläche des Stollens, worauf das Waſſer abfließt; — feiger, Bw., 1) alt
u. oberd. (seiger, faiger) f. langfam tröpfelnd, ſchal, kahmig (der Wein wird
feiger; lat. pendulum vinum); überh. f. verdorben (z. B. vom Brade);
2) Bergw. f. fenkrecht (feiger fahren; ein feigerer Gang, Schacht zc.); da-
her die Zfeg. der Bergw.: der Seigergang, fenkrechter Gang; feiger-
gerade od. recht, Bw., f. ſenkrecht; die Seigergeräde od. richte, Sei—
gerliniez der Seigerriſs, Riſs von einem Grubengebäude im fenkrechten
Durchſchnitt; der Seigerfchacht ; die Seigerteufe (ſ. Teufe), fentrechte Tiefe;
— der Geiger, -8, M. w. E., eine fenkrechte Linie; insbef. das an einem
Faden fenkrecht herabhangende Blei. einer Waſſerwage; ehem. f. Wage zum
Wägen von Geldftüden; auch f. Pendel (Perpendikel); landſch. f. Uhr (eig.
wohl Pendeluhrz; od. urfpr. eine Sanduhr, in welcher der Sand feiget, d.i.
herabfällt); daher: das Seigergewicht f. Uhrgewicht; die Seigerftunde,
verft. f. Stunde; — feigern 1. 3w. 1) ziellos, alt u. oberd. f. in hangen-
den Tropfen od. Faden herabfallen (von umgefchlagenem Weine); 2) ziel.
vlt. f. verfiegen machen, erfchöpfen, verſchwenden (oberd. erfaigern);
ehem. f. Geldftüde abwägen, um die gewichtigern auszufondern u. dem Ume
En Tr u
ENTE
ſeihen — Seil 889
lauf zu entziehen (f. 0. Seiger f. Wage); Bergw. f. feiger machen, fenfrecht
in die Tiefe graben, die fenkrechte Linie mit der Schnur beftimmen (einen
Schacht feigern od. abfeigern); 2. f. unter feihen.
feihen od. feigen 3. Zw. (altd. sthan, sihen, ablaut. Prät. sch, sihen,
Hart. gesigen; audy sihön, bloß umend.; urfpr. wohl nur Nebenform von
sigan, feigen 1. f. d. ; oberd. feihen, Mw. gefihen, gefigen; im Hoch. jest
nur umend. feihete, geſeihet; niederd. ſijen; isländ. sia, ſchwed. siga;
angelf. sigan und seon; holl. ziggen), 1) ziellos, oberd. f. ducchtröpfeln,
fiern, fintern; 2) ziel. eine Flüffigkeit durch die feinen Offnungen eines
Körpers ablaufen. laffen, bef. um fie von den dien od. unreinen Theilen zu
reinigen (die Mil dur ein Tuch —; etwas dur Löſchpapier—; den
Kaffee —; fr. filteiren); — 3fes. das Seihe-, Seih- od. Seigefaſs, ein
hölzernes Gefäß mit Löchern, etwas durchzuſeihen; der Seihe= od. Seige—
korb, Brau. ein Korb, durch welchen das Bier gefeihet wird; die Geige:
pfanne, öfte. f. Durchſchlag; der Seihefad, ein Sad, etwas durchzufeihen;
auch ein Sad mit Trebern (f. u. Seihe); der Seiheſtein, eine Art ehr Todes
ver Sandfteine, durch welche das Waffer durchficert (Filtrirftein) ; der Seihe—
od. Seigetopf; das Seihetuch; das Seihezeug, zum Seihen nöthiges Ge-
räth; — Ableit. die Seihe od. Seige, M.-n, (altd. siha, sihe; oberd.
die Seid), die Handlung des Seihens; das Werkzeug zum Seihen,
Seihetuch, durchlöchertes Blech vor der Röhre eines Springbrunnens; auch
das nach dem Seihen zurudbleibende Die, z. B. die Zrebern von dem
abgefeiheten Biere (auch: der Seih; daher der Seihwagen, landſch. ein
Leiterwagen mit Körben, die Seihe zc. darauf zu fahren); alt u. oberd. (Sei:
hen) aud f. eine Vertiefung im Erdboden, wo das Waffer ſich fammelt;
der Seiher od. Seiger, -8, wer etwas ducchfeihetz auch ein Werkzeug
zum Seihen, f. v. w. die Seihe, insbe. ein Durchfchlag, Sieb, Zrich-
ter ıc., der Seigicht, fehlef. f. das Seihetuch; — feigern 2. ziel. Zw.,
Hüttenw. das im Frifchen mit dem Kupfer verbundene Blei und Silber
von demfelben fcheiden, indem men in dem Seigerofen das mit dem
Silber vermifchte Blei durch die Hise von dem Kupfer abtröpfeln läſſt; daher:
die Seigerung, das Seigern ; die Seigerarbeit; das Seigerblech, Stüde
Blech, welche um die Seigerſtücke aefegt werden; das Seigerblei, das zum
Seigern nöthige Blei; der Seigerdorn (von dorren, darren), das Kupfer,
wovon das Silber ausgefeigert iftz die Seigerglätte, Glätte, bereitet aus
dem Blei, welches aus den Seigerftücen gefhmolzen iftz der Seigerhaken,
ein Haken, mit welchem die Kohlen zc. aus dem Seigerofen gezogen werben;
der Seigerherd, Herd im Seigerofen; die Seigerhütte, Schmelzhütte, in
welcher das Silber gefeigert wird; das Seigerfräß od. -gefräß, beim Seigern
abfallendes Gekrätz (f. d.); die Seigerpfanne, eine Eupferne Pfanne, in
welche das ausgefeigerte, mit Silber vermifchte Blei’ gegoffen wird; die Gei-
gerfcharte, eiferne Platten auf den Mauern, worauf die Seigerſtücke geſetzt
werden; das Seigerſtück, die zu feigernden runden Stüde mit Blei ver-
mifchten Schwarzkupfers; die Seigerwand, die zu jeder Seite des Seiger⸗
ofens aufgeführte Mauer; das Geigerzeug, der von Seigerdörnern ausge
brachte Kupferkönig.
Seill., f., -es, M. -e, Verkl. das Seilchen, (goth. sail, altd. u. is-
Yänd. seil, f.; daneben altd. silo, sil, isländ. sili, m., f. Band, Riemen-
- 890 Seil — Seim
werk ꝛc.; oberd. Sail; angelf. säl; ſchwed. sele; — wahrfch. von einem ver-
lorenen ablaut. Zw. silan, seil zc. f. binden; vgl. Siele, Sille, auch Sahl⸗
band, Sahlweide), überh. ein ftarkes Band zum Befeftigen, Tragen, Ziehen,
Leiten (ſ. Leitfeil, Strohfeilzc.); in engerer Bed. ein von hänfenen
Schnüren zufammengedrehtes Band, länger als ein Strid, dider ala
eine Leine, dünner als ein Tau, (etwas an einem Geile in die Höhe ziehen,
niederlaffen 2c.; auf einem Geile tanzen; ſprichw. an einem Geile ziehen,
d. i. in Übereinftimmung mit einander handeln; einem das Seil über den Kopf
werfen, d. i. ihn Liftig berüden, fangen; Bergw. Seilund Kloben, ein
Rüſtzeug, Laften damit in die Höhe zu ziehen; Geil und Kübel einwerfen, d. i.
den Anfang mit der Bergarbeit machen; zu Seil ſchicken, d. i. in die Kübel
füllen, was mittelft des Seiles in die Höhe gezogen werden fol); insbef. die
Zugfeile des Zugviehs, gew. Stränge, vgl. Siele; Bergw. auch f. die Has—
pel= od. Göpelkette, an deren Stelle man fich chem. eines Geiles bediente;
ferner ein Mefsfeil, u. ein Langenmaß, in Danzig — 10 Ruthen, (vgl. auch
Landfeil); — Zfes. der Geildreher, vlt. f. Seiler; der Seilfifcher, -
Angelfiiher; der Seilgang, oberd. f. Leinpfad; der Seilhafen, Bergw. ein
eiferner Haken, womit die gelprungenen Ketten wieder an einander gehängt
werden; das Seilkraut, Landfch. f. Bärlapp; das Seilrad, Wafferb. ein
duch ein umgefchlungenes Seil in Bewegung gefeßtes Rad; der Geiltänzer,
die Seiltänzerinn, wer die Kunft verfteht, auf einem ausgefpannten Seile zu
tanzen, allerlei Bewegungen, Sprünge ꝛc. zu machen; der Geiltanz, das
Seiltanzen, die Seiltänzerfunft 2c.; die Seilweide, Landfch. auch die
Seile, f. v. w. Sahlmweide, ſ. d.; — Ableit. feilen, ziel. u. ziellof. 3m.,
(altd. seilen, oberd. failen), ehem. f. Seile drehen, od. fpannen; Geil. ins-
bef. die zu einem Seile zufammenzudrehenden Schnüre aufziehen od. ausſpan—
nen; mit Seilen verfehen (ein Schiff —, befeilen), od. befeftigen, bin-
den (oberd. einem etwas auf den Hals —, auffeilen, f. aufladen, aufbür-
den); an einem Seile ziehen, lenken (ein Schiff 2c.); der Seiler, -s, M.
w. E., ein Handwerker, welcher Seile, Schnüre ic. aus Hanf verfertigt,
niederd. Reeper, Reepfchläger; daher: die Geilerinn, deffen Frau; das
Seilerhandwerf, -gewerk; der Seilermeifter, -geſell 2c.; die Geiler-
arbeit; die Seilerbahn, der lange, ebene Plas, auf welchem der Geiler die
Seile ꝛc. dreht; der Seilerfchlitten, ein ſchlittenähnliches Werkzeug ber
Seiler.
Seil 2. ſ. Aes, M. -e, niederd: f. Segel; der Seilmacher, f. Segel-
macher; feilen, ziellof. Zw. f. fegeln.
Seim, m., -es, M. (felten) -e, (altd. seim, sein; oberd. Saim, niederh.
Seem od. Sehm; iöländ. seimr; angelf. seim u. engl. seam, Schmalz, Fett;
urſpr. wohl: etwas Zähes, verw. mit seine, oberd. fain (f. d.), träge, fäus
mig; vgl. das altd. lanc-seime, Iangfam, u. fäumen 2c.), eine dieliche, zähe
u. Elebrige Flüffigkeit, insbe. ein folcher Saft, eine ausgekochte dickliche
Brühe, auh: Schleim (z. B. Beerenfeim; Gerften:, Graupen-, Haferfeim,
Zuderfeim 2c.); in engerer Bed. der aus den Scheiben: von felbft ausrin-
nende Honig: Honigfeim (f. d.) od. ſchlechthin: Seim, au: der Seim—
honig; feimicht, Bw., einem Seim Ähnlich; feimig, Bw. (niederd. fee:
mig), Seim enthaltend, viel Seim gebend; auch f. feimicht, feimähnlich,
dicklich (eine Suppe feimig Eochen); feimen, 8w., 1) ziellos, Seim geben
Seime — fein 891
(die Gerftengraupen feimen gut); 2) ziel. in Seim verwandeln, zu Seim
Eochen (4. B. Gerfte feimen); den Honig —, d. i. den Seim von dem Wachfe
abfondern, reinigen. >
Seime, w., M. -n, (vgl. Saum 1. u. das niederd. Semm f. Angelfchnur),
Yandfch. f. Leine, dünnes Seil, 3. B. an den Garnen der Vogelfteller.
fein od. feine, alt= u. oberd.-Bw., f. fain.
fein (fonft auch feyn geichr.), ziellof. Zw. von unvegelm. Biegung, welcher
verfchiedene Stämme zu Grunde liegen, u. wobei es ſich felbft als Hülfswort
dient: Präf. Ind. ich bin, du bift, er zc. iſt; wir find, ihr feid, fie find;
Gonj. ich fei, du feift, er ſei; wir feien (fein), ihr feiet (feit), fie feien
(fein); Impf. Snd. ich war, du mwareft (warſt) er war; wir waren, ihre
waret (wart), fie waren; Gonj. ich wäre, du märeft (wärſt) ꝛc. od. um:
fchreibend : ich würde fein 2c.; Smper. fei (altoberd. bis), M. feid; Mw. 1.
feiend (wefend, in: an=, abwesend); 2. gewefen (landfch. gem. geweft;
oberd. auch gefein, fchweiz. gefin); daher die umfchreibenden Biegungsformen:
Perf. ich bin gewefen, Gonj. ich fei geweſen; Inf. gewefen fein; Plusg.
ich war—, Gonj. wäre gewefen ꝛc.; Fut. ich werde fein 20.5 (goth. visan;
Präſ. im, is, ist; sijum, sijuth, sind; Gonj. sijau 2c.; rät. vas, vast, vas;
vesum, vesuth, vesun; Gonj. vesjau 2c.; Imper. vis; Mw. 1. visands; 2,
(ga)visans; althochd. sin u. wgsan; Präf. pim (bim), pist (bist), ist; piru-
mes (birun), pirut (birut), sint; Gonj. si, sis 20.5 rät. was, wäri, was;
wärumes, wärut, wärun; Conj. wäri, wäris 2c.; Imp. wis; Mw. 1. wesant;
2. (ki)wesan; mittelh. sin u. wesen; Präf. bin, bist, ist; sin, sit, sintz
Gonj. si, sist 26.5; Prät. was, waere, was; wären, wäret, wären; Gonj.
waere 2c.; Imper. wis (bis); Mw. 1. wesende; 2. gesin, gewesen; niederd.
wefen, Präf. ik bin 2c., wi funt 20.5 Gonj. if weſe; Prät. was, wereft ꝛc.;
wi weren 20.5 Imper. wes, weſet; 2. Mm. weſen; — iöländ. em, er (id
bin), Inf. vera; ſchwed. är (bin), var (war), Inf. varaz angelj. eom (bin),
Snf. wesan; engl. Jam (bin), was (war), Inf. to be; fansfr. asmi, litth.
esmi, griech. eduz (bin), Inf. ever; lat. sum, fui, esse; — die verfchiedenen
Stämme, welche den deutfchen Formen diefes Zw., fo wie den meiften der ver-
wandten Sprachen, zu Grunde liegen, laffen fih auf 3 Wurzeln zurüdfüh-
ren: 1) si, is — ſanskr. as, griech. u. lat. es, Grundlaut s, welcher Bewer
gung, daher Erſtreckung durch die Zeit, Dauer 2c. bezeichnet; daher die For-
men: ift, fein, fei, find 2c.; 2) pi, bi = ſanskr. bhu, griech. yv, lat.
fa; Grundbed. verweilen, wohnen, vgl. das altd. püan, büan, bauen f. woh—
nen; daher: bin, bift; 3) was, ſanskr. vas; daher: wesen, urjpr. bleiben;
was, war2c; wefend, gewesen; ſ. auch wefen), 1. als felbftändi-
908 3w. 1) den allgemeinften, vollig beftimmungslofen (abftracten) Zus
ftand bezeichnend: a) für ſich allein (in Eriftential- Sägen ohne Präbdicat),
ſinnv. dafein, wirklich fein (fr. eriftiren), Statt haben (4. B. Gott iſt; wenn
das nicht wäre, fo ꝛc.; das kann fein, d. i. ift möglich; es ift heute ſchlechtes
Wetter 2e.; das unp. es fei, od. es feidenn hat die Bed. eines einfchrän-
Eenden Bindewortes, z. B. ich kann es nicht erlauben, es fei denn, dafs ꝛc.;
es fei— es ſei, oder ſei es — ſei es find unterjcheidend und entgegen=
fegend, 3. B. fei es dafs er kommt, fei es (oder) dafs er fich entichuldigt ꝛc.;
etwas ſein laffen, d. i. unterlaffen, z. B. lafs das fein! finnv. bleiben);
b) als verfnüpfendes Formwort (Verbum abstractum) , welches als Ausfage-
892 fein
wort (Gopula) des Satzes das Beigelegte (Prädicat) mit dem Gegenftande
(Subject) verbindet; das Beilegewort ift dann ein Beiwort (7. B. ich bin ges
fund, krank ꝛc.; du bift glücklich; er war vergnügt; fei nicht böfe auf mi!
Gott fei uns anädig! ꝛc.), od. ein zueignendes Fürwort (4. B. das Budy-ift
mein; dies Haus ift unfer), oder ein Hauptwort im Nom. (3. B. er ift ein
Held; fie ift ein chwaches Weib; ich war damals noch ein Kind; er war mein
Freund), auch ein Hauptwort im Gen. mit beimörtlicher Bed. (z. B. ich bin
Willens, od. willens 2c.; er war anderer Meinung; fei gutes Muthes, d. i.
muthig, vergnügt; feine Frau ift guter Hoffnung, d. i. ſchwanger), oder ein
Snfinitiv mit zu (z. B. der fleißige Schüler ift zu loben — lobenöwerth; eine
ſolche Behandlung ift nicht zu ertragen — unerträglich; allerlei Waaren find
bier zu haben; was ift zu thun? dabei ift nichts zu verdienen; es ift nichts
mit ihm anzufangen), auch in Verbindung mit einem Nebenwort ohne zu,
wobei es ift unperf. fteht (z. B. es ift hier gut wohnen, od. hier ift gut woh—
nen, fein 20.5 Gelehrten ift guf predigen, d. i. läſſt ſich, kann man gut pre
digen); 2) in verfchiedenen inhaltvolleren (concreteren) Bedeutungen, wo
fein theils für ſich allein, theils in Verbindung mit einem abhängigen Ver:
hältnifsfalle, od. beſ. mit nebemwörtlichen Zufägen fteht; insbe. f. leben (un=
fer Freund ift nicht mehr); fi) an einem Drte od. in einer Lage befinden,
fi) aufhalten, vorhanden, gegenwärtig fein, wohnen ꝛc. (er ift jetzt hier
in Berlin; er ift fort; er ift auf Reifen; fie war nicht zu Haufe, in der Stube;
ich bin bei ihm gewefen; er wird bald wieder bei uns fein); fich in einem ge—
wiffen Körper= od. Gemüthszuftande befinden G. 8. ex ift wohl, unwohl ıc.
d. i. er befindet fih wohl; außer ſich fein, f. außer; bei ſich fein, d. i. ſich
feiner bewufft fein), bef. ale unp. 3m. mit dem Dat. der Perfon (4. B. mir
ift übel; ihre war bange; mir ift nicht wohl bei der Sache; mir ift weh ums
Herz: was ift dir? finnv. was fehlt dir? es ift mir, od. mir ift, als ob
od. als wenn 2c., d. i. ich habe die Empfindung, es kommt mir fo vor,
fcheint mir zc., 3. B. mir ift, als ob ich ihn ſchon gefehen hätte, od. als hätte
ich ihn Schon gefehen); überh. f. fich verhalten, befchaffen fein (z. B. ich weiß
fhon, wie du bift; wenn ich wäre, wie du ꝛc.; die Sache ift jo, anders zc.5
es wird nicht immer fo fein; auch unp. es ift warm, kalt zc., vom Wetter;
wie ift es mit Shnen? d. i. wie verhält es fich, wie ſteht es 2c.? wie wäre es,
wenn du mit gingeft? auffordernd f. du follteft mitgehen; auch mit dem Dat.
der Sache, z. B. dem ift nicht fo, d. i. die Sache verhält fich nicht fo; dem
fei, wie ihm wolle 2c.); gehören, eigen fein, mit dem Dat. (4. B. wen
ift das Pfand? dicht. er, dem fiegende Kraft und Gewalt ift, u. dgl. m.), od.
mit dem Gen. (3. B. eines Gefchlechtes fein, d. i. zu einem Geſchlechte gehö-
ren; das ift nicht meines Amtes; ich will des Todes fein, wenn 2c.; gem. ex
ift ganz des Teufels, d. i. wie vom Teufel befeffen) ; gefchehen, wirklich wer—
den (das Eann nicht fein, d. i. nicht gefchehen, nicht ausgeführt werden;
fprihw. was fein foll, ſchickt fi wohl, f. ſchicken; es fei! d. i. es mag ger
ſchehen), bef. auch zur Beſtimmung eines Zeitpunftes oder Zeitverlaufes
(3: B. es war im Herbfte; es find nun zwei Sahre, dafs er todt ift); bedeu-
ten, Werth od. Wichtigkeit haben (z. B. was foll das fein? was ift es denn
mehr? d. i, welche Wichtigkeit hat e8? was wäre es denn, wenn er es auch
gehört hätte? d. i. was wäre daran gelegen 20.5 das wäre! elliptifcher Aus=
ruf der Verwunderung); etwas fein oder gewefen fein, gem. f. die
|
fein 893
Urfache davon fein, es thun od. gethan haben (3. B. wer ift das? ich bin
es nicht; er ift eö geweien, ft. er hat es gethan); ferner fteht fein in befon-
deren Redensarten mit verfchiedenen Verhältnifswörtern, als: die Reihe ift
an mic; es ift nichts an ihm, an der Sache; fo viel an mir ift ꝛc. (f. an);
das ift nicht für mich, f. v. w. das paflt 2c.; für od. wider Iemand fein;
um etwas fein, darum fein, d. i. es verloren haben (f. um); es fei darum,
od. es mag darum fein, |. darum; — 2. ald Hülfszeitwort dient fein
zur Bildung der umfchreibenden Zeitformen der vollendeten Handlung
von vielen ziellofen Zeitwörtern (vgl. haben), bef. ſolchen, welche das Sub—
ject mehr in einem leidentlichen Verhalten, in einen Zuftand verfegt, od. auch im
Beginn oder am Ziel einer Bewegung darftellen (z. B. er ift gewefen; er ift,
war geworden; daher auch in den mit werden gebildeten paffiven Zeitformen
der vollendeten Handlung, 3. B. er ift geliebt worden, er war gelobt, getabelt
worden ꝛc.; ferner: ich bin gefallen, war gelandet, geflohen; er ift gewachſen,
genefen, verarmt, geftorbenz fie find abgereift und werden angelangt fein;
der Fuß war gefchwollen; die Saite ift gefprungen; aber: der Knabe hat
gefprungen); manche Zeitwörter, wie eilen, fliegen, laufen, reifen, reiten,
fpringen 2c., werden bei wefentlich unveränderter Bedeutung bald mit haben,
bald mit fein verbunden: jenes in Beziehung auf Zeit, Kunft und Abficht,
od. auf die Fragewörter: wann, wie lange, wie? — diefes in Beziehung auf
einen Ort, od. auf die Fragewörter: wohin, woher, wie weit? (4. B. id
babe heute, lange, geſchickt oder ungeſchickt geritten; ich Habe ausgeritten,
d. i. zu reiten aufgehört; aber: ich bin nad) N., über die Brüde ꝛc. gerit-
tens ich bin ausgeritten, d. i. von meinem Haufe weg, u. dgl. ım.); — das
Sein, -8, o. M., der (völlig beſtimmungsloſe) Zuſtand, da etwas iſt, ſinnv.
Daſein; auch f. Leben.
fein (goth. seina, altd. sin), urſpr. der Gen. des ungeſchlechtigen perſönl.
Fürw.der Zten Perſon (— lat. su), in rückzielender (refleriver) Bed. für alle
Gefhlechter gebraucht (mie der entfprechende Acc. ſich, f. d.); jest ſteht
fein, att u. dicht., od. gew. feiner’ als Gen. des gefchlechtigen Fürw. der
3ten Perfon im männl. und fächl. Gefchl. er, es (. d.), entipr. dem
weibl. ihrer, (2. B. Herr, erbarme dic) fein! man fpottet fein, od. gew. fei=
ner; ich erinnere mich feiner 2c.); in Zfeg. mit halb, halben, wegen,
willen fteht ftatt fein od. feiner: feinet, alfo: feinethalb, feinethalben,
feinetwegen, um feinetwillen, d. i. wegen feiner, um feiner (felbft)
willen ac...
fein, feine, fein, zueignendes Fürw. der einheitlichen dritten Perfon
im männl. u. fächl. Gefchlecht (entft. aus dem Gen. fein des perfünl. Fürw.
der 3. Perf.; goth. seins, altd. siner, sin; niederd., angelj., ſchwed. sin;
lat. suus), entfpr. dem weibl. ihr; gebeugt: Gen. feines, feiner, feines;
Dat. feinem, feiner, feinem; Acc. feinen, feine, fein; Mehrh. Nom. und
Xec. feine; Gen. feiner; Dat. feinen; ihm eigen oder gehörig, von ihm
ausgehend od. herrührend, ihn od. es angehend od. betreffend (z. B. dies
ift fein Haus, feine Stube; er Fam mit feiner Frau und feinen Kindern; es
ift feine Schuld, fein freier Willen zc.; Jeder ift feines Glüdes Schmied; ein
Kind mufs feinen Altern gehorchen; jedes Land hat feine Vorzüge; — fehler
haft ift es, dem befiganzeigenden Genitiv eines Hw. noch zum Überfluffe das
Fürw. fein od. ihr beizufügen, oder auch ftatt jenes Genitivs den Dativ des
894 fi Ar en — feit
Hw. in Verbindung mit jenem Fürw. zu ſetzen; alfo nicht: dies ift meines
Vaters fein Haus, od. meinem Vater fein Haus; fie ift meines Bruders od.
meinem Bruder feine Frau; er ift meiner Schwefter ihr Dann 2c.; fondern :
dies ift meines Vaters Haus; fie ift meines Bruders Frau; ev ift meiner
Schweſter Mann; — in Beziehung auf Leblofe Dinge gebraucht man ftatt
fein 2c. lieber den Gen. des beftimmenden Fürw. desselben, deffen, z.B.
das Geld hat feinen großen Werth; aber der Beſitz desfelben od. deſſen Beſitz
(ft. fein Befig) macht nicht glüclich; fo auch wenn von mehren Perfonen die
Rede ift und das Fürm. fich nicht auf die als Subject ftehende bezieht; 3. B.
der Vater ijt mit feinem Sohne bier angefommen, um feine (b. i. des Vo—
ters), od. um deffen (d. i. des Sohnes) Angelegenheiten zu ordnen; vgl.
derfelbe); — als Pradicat einem Haupt- oder Fürw. beigelegt bleibt fein
unverändert, z. B. der Acker, die Wiefe, das Haus ift feinz diefe Bücher
find fein, d. i. gehören ihm; nicht aber: gehören fein! fo auch: fie ift fein;
fein ift die Ehre 2c.; ohne grammatifche Verbindung mit einem Hw. doch
in Beziehung auf ein genanntes od. gedachtes, Tautet es: feiner, feine,
feines, M. feine; wofür- auch der, die, das feine od. feinige,
M. die feinen od. feinigen, gebraucht wird (zZ. B. dies ift nicht mein Hut,
fondern feiner, od. auch: der feine od. feinige; find dies deine Kinder, oder
feine? auch: die feinen od. feinigen; dies Überfteigt meine Kräfte, wie die fei-
nigen); das Seine od. Seinige, als felbftändiges Hw. f. fein Eigenthum,
das ihm Gehörende oder Gebührende (4. B. er hat das Seinige verloren;
Jedem das Seine, od. Seinige!), auch mas er vermag, od. feine Schuldig-
keit (er hat das Seinige gethanz ein Jeder thue das Seine!); die Seinen
od. Seinigen, f. feine Angehörigen, Verwandten (er ift zu den Seini-
gen zurückgekehrt); — das Sein f. das Eigenthum überh., der Beſitz einer
Perſon; — feinerlei, unbiegf. Bw. , nit. f. feiner Art (f. Yei); feinerfeits,
Nw., von feiner Seite, was ihn betrifft.
feifen, ziel. 3w., Schiff. eine Seifing (M. -em), d. i. ein kurzes, plat-
tes, fpiß zulaufendes Tau, um zivei an einander liegende Zaue fehlagen,
um fie zufammenzubinden.
Seiße od. Seeße, w., M. -n, (zgez. aus Segenfe, Segeſs) niederd. f.
Senſe.
ſeit (goth. seiths, ſpäter, adverbialer Comparativ von seithu, ſpät, welches
eig. die ſächl. Form des Bw. seithus, iſt; altd. sid, sit, gleichfalls als Com—
parativ zu faſſen bei mangelndem Poſitiv (vgl. baz, min, € f. beſſer, minder,
eher); daneben auch die vollftändige Gomparativform sidör, sider; oberd. feit,
feider, auch fit, fider, fint, ſeint; niederd. feder, fedder, federt, funt, fint;
isländ. sid, sidar; ſchwed. sid, sidan; angelf. sith, siththan, engl. sith, since;
vgl. Seite u. das angelf. sithian, gehen, kommen; alfo Grundbed. ſich (durd)
die Zeit) erſtreckend, od. Eommend?) 1) urfpr. Aw. f. v. w. fpäter, fpäter-
bin, nachher, feitdem (z. B. ich lobete ez unt leistez sit, d. i. ich gelobte.
es und leiftete e8 nachher; & noch sit, weder früher, noch jpäter); 2) jegt u.
ſchon im Altd. Vw. mit dem Dat., eine Zeitfolge od. die Erſtreckung eines
Thuns oder Zuftandes durch einen Zeitraum von einem gewiffen Zeit-
punkte an bezeichnend, finnv. von — an (z. B. feit dem Tage, f. v. w. von
dem Tage an; feit der Zeitz er ift feit einem Jahre todt; feit Oftern 20.5 auch
in Verbindung mit Nebenwörtern der Zeit, z. B. feit geftern; feit wann? —
>.
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ehem. auch mit dem Gen. 3. B. feit des Krieges, jedoch mehr in ber Bed.
während); 3) unterordnendes Bd w. od. Fügewort der Zeit, etwas dem In-
halte des übergeordneten Satzes Vorangegangenes anknüpfend, finnv. nach:
dem: urfpr. feit dafs ac. (od. feitdem dafs), jest gew. bloß: feit (od.
feitdem; 3. 8. feit (dafs) ich von dir ſchied ...., feit (od. ſeitdem) wir
jung waren, hat ſich Vieles geändert); — 3 ia feitdemn (altd. sit dem, auch
sit des u. sit dia) 1) Nw. feit der Zeit (4. B. ich habe ihn ſeitdem nicht wies
bergefehen); 2) unterordnendes Bdw. ſ. v. w. feit 3) (3. B. feitdem ich ihn
nicht gefehen habe, ift Vieles vorgefalen); feither, Nw. (vlt feithero; oberd.
auch fiderher; vgl. her 2), von einer gerwiffen Zeit an bis jest, finnv. ſeitdem
(3. B. vor zwei Jahren war er hierz feither habe ich ihm nicht gefehen); gew.
überh. f. die Zeit Hex, zeither (4. B. er har feither viel gekränkelt); feitherig,
Bw., feit einer gewiffen Zeit bis jegt feiend od. gefchehend.
Seite, w., M.-n, (alth. sita, ©. sita u. situn; mittelh. site, ©. siten;
oberd. die Seiten; niederd. Sied, Siede; isländ. u. ſchwed. sida; angelf. u.
engl. side; mwahrfch. von der Wurzel des angelf. Bw. sid, altnord. sitr,
ſchwed. sid, weit, breit; wohin vielleicht auch das niederd. Jied f. niedrig,
flach gehört (wenn es nicht aus figed zgez. iſt; ſ. fiegen u. feigen 1.); alfo
urſpr. Weite, Erftredung, von gleichem Stamme mit feit? val. aud das
Yat. Itäus, Seite, mit lätus, breit), 1) jede Fläche eines Körpers, außer
der oberen u. unteren, Seitenfläcye, (z. B. die Seiten eines Würfels, eines
Berges, Haufes ꝛc.; bie Vorder-, Hinter od. Rückſeite 20.5 die Oſt- od. Mor-
gen, Weft-, Südſeite zc., d. i. die nach Often zc. gefehrte Seite); in weite:
fter Bed. jede Außenfläche eines Körpers (die obere, untere, rechte, linke
Seite; etwas auf allen Seiten befehen 2c.), beſ. die beiden Flächen eines
platten, dünnen Körpers, welcher deren nur zwei zeigt (bie rechte, und die
linke od. verkehrte Seite eines Zeuges; die Seiten eines Blattes, Papierbo-
gend: Blattfeitez auch das auf einer Tolchen Seite Gefchriebene od. Ge—
dructe, z. B. eine Seite Iefen, fchreiben 2c.); Größenl. auch die Linien,
welche eine geradlinige Figur einfchließen (3. 8. die Seiten eines Dreiecks 2c.);
uneig. der fich der geiftigen Wahrnehmung darftellende Theil od. Geſichts—
punkt einer Sache (die Sache hat zwei Seiten; fic) von der guten, od. ſchlech⸗
ten Seite zeigen; auf der einen—, auf der andern ©eite; eine Sache von
allen Seiten betrachten, unterfuchen 2c.); 2) in engerer Bed. nur die Flä⸗
chen eines Körpers, welche neben od. zwiſchen der hinteren und vorderen
liegen (z. B. die Seiten eines Schiffes, Gebäudes ꝛc.), beſ. am menſchl. und
thier. Körper: die zwifchen dem Rüden u. Vorderleibe liegenden Flächen,
u. in engfter Bed. nur die Theile des Leibes von den Armen bis auf die
Hüften, finnv. Flanke, (die rechte, die linke Seite; einem einen Stoß in die
Seite geben; Schmerz in der Seite, Seitenftechen;z einem zur Seite od.
an feiner Seite fein, gehen, d. i. neben ihm; einem zur Seite gehen, uneig.
f. ihm hülfreihe Hand leiften; einem nicht von der Seite Eommen, d. i.
ihm nicht verlaffen; einen von der Seite anfehen, d. i. über die Achfeln, als
Zeichen der Geringfhägung; dem Feinde in die Seite fallen, d. i. ihn von
der Seite angreifen; die Seiten decken, |. d.; uneig. im fittlichen Verftande:
fich auf die faule, ſchlimme Seite legen, f. faul, ſchlimm werden; feine
ſchwache Seite, d. i. feine Schwäche, bei welcher er am Teichteften zu ges
winnen od. zu faflen iſt; das ift meine empfindlichfte Seite 2c.); ferner der
896 Eeite
Raum außer uns in der Richtung der Seiten unferes Körpers (etwas
auf die Seite bringen, fchaffen, räumen zc., d. i. es aus dem Wege räus
men, auch f. heimlich wegichaffen; auf die Seite gehen; bei Seite gehen,
d. i. fich entfernen, bef. um ein Eörperliches Bedürfnifs zu befriedigen; etwas
bei Seite legen; Scherz bei Seite! d. i. ohne weiter zu fcherzen); auch was
fih zu Jemands Seite befindet, od. uneig. in einer gewiffen Richtung
od. Hinfiht auf ihn bezieht, insbef. f. Partei, Anhang (auf Semande
Seite fein, d. i. zu feiner Partei gehören; Semand auf feiner Seite habenz
fich auf eine od. die andere Seite fchlagen 2e.), Geſchlechtslinie (von väter:
licher 0d. mütterlicher Seite verwandt fein 2c.); in Verbindung mit von
bezeichnet Seite überh. den Ausgangspunkt einer Richtung , eines
Thuns ꝛc. (von feiner Seite, d. i. von ihm ausgehend; von jener Seite fürchte
id nichts; auch: von Seiten, alö alt= u. oberd. Dativform f. Seite, 3. B.
von Seiten feines Freundes 2c.; wofür oberd. auch: ab Seiten od. abjei-
ten, 3. B. abfeiten meiner 20.); — ale zweites Glied in zgef. Neben:
und Berhältnifswörtern nimmt Seite in der Korm -feit od. gem.
zfeit$ die Natur einer Ableitungsfilbe an, 3. B. diesfeit, jenfeit (als Vw.),
diesfeits, jenfeits (als Nw.), einer-, andrer-, allerfeitö 2c., meiner-, deinerz,
feiner=, ihrer, unfrerfeits 2c., d. i. von einer 2c., von meiner 2c. Seite; —
als erftes Glied zgef. Wörter lautet es: Seit, od. gew. Seiten;
3feg. mit Seit-: feitab, Nw., nad) der Seite, od. von der Seite ab; feit-
blicken, unteb. 3w., Neuw. f. von der Seite od. zur Geite bliden; feithalb
od. feithalben, oberd. f. ſeitwärts, Nw., nach der Seite hin; feitweges,
Nw., Neuw. f. zue Seite des Weges, vom Wege ab; — mit Geiten>,
weldhes im Allgemeinen das zur Seite Befindliche od. von der Seite Geſche—
bende bezeichnet, finnv. Neben-, entg. Haupt-, Mittel-, Vorder- 2c.:
die Seitenähre, an den Seiten ftehende Ährchen bei vielen. Gräfern; ber
Seitenangriff; die Seitenanficht, Anficht von der Seite (fr. Profil); der -
Seitenaft; das Seitenband, Anat. verfchiedene zur Seite gewiffer Körper
theile befindliche Bänder; der Seitenbart, Naturk. die Fühl- und Frefsipigen
der Snfecten; das Seitenblatt, z. B. gewifle lederne Blätter an den Pferde-
geichirrenz das Seitenblech, z. B. die breiten Eifen an den Seiten im Poch—
troge; der Seitenblid, ein Blick von der Seite; das Seitenbrett; das
Seitendach; der Seitendamm; der Seitenerbe, Nebenerbe; die Seiten—
fläche, eine der Flächen, welche die Seiten eines Körpers ausmachen; der
Seitengang; die Seitengaffe; das Seitengebaude, entg. Haupt-, Mit-
telgebäude; das Seitengebirge; das Seitengewehr, das an der Seite ges
tragene Gewehr, auch Untergewehr: Degen, Säbel ꝛc.; der Seitengiebel,
"Quergiebel; das Seitenhaar, entg. Vorder- und Hinterhaar; die Seiten-
höhle, Anat. die auf-beiden Seiten des Hirnbalkens liegenden Höhlen; bie
Seitenfammer; feitenlang, Bw:, eine od. mehre (Blatt-) Seiten ausfül-
lend (z. B. feitenlange Redefäge u. dgl.); die Seitenlehne, entg. Rück-
Vorderlehne; das Seitenlier, f. Lier; die Seitenlinie, zur Seite eines
Dinges befindliche, od. deſſen Seite ausmachende Linie; Reihe der Seitenver-
wandten, auch Nebenlinie; die Seitenmauer; der Seitenrand; die Sei—
tenrolle, Bauf. eine Art Kragfteine, an den Seiten mit Schnörkeln verfehen;
die Seitenfchiene, Schienen an der Seite eines Dinges, 3. B. des Pflug-
hauptes; der GSeitenfchlag, ein Schlag von der Seite, od. in bie Geite;
|
feither — felb | 897
der Seitenfchlägel, ein Schlägel der Kupferfchmiede zur Bearbeitung der Sei—
ten eines Gefäßes, auch: der Seitenhammerz der Geitenfchmerz, Schmerz
in ber Seite des Leibe, Seitenweh; der Geitenfchritt, ein Schritt, bef.
Tanzſchritt, auf die Seite (fr. Seiten Pas); der Seitenfchwimmer, Platt—
fiih; der Seitenfprung, ein Sprung auf die Seite; uneig. f. eine Abſchwei⸗
fung im Reben od. Schreiben ; feitenftändig, Bw., Pflanz. zur Seite fte-
hend (ein Blumenftiel zc. ift feitenftändig, wenn er ſich auf den blätterlofen
Zweigen des vorjährigen Triebes findet); das Seitenftechen, der Seitenftich,
ftechender Schmerz in der Seite (fr. Pleuritis oder Pleurefie); das Seiten-
ſtück, ein Bildwerk, Gemälde 2c., welches einem andern, als dazu paflend,
zur Seite geftellt od. gehängt wird, ſinnv. Gegenftüd, (fr. Pendant); die
Seitentafche (z. B. eines Wagens); der Seitentheil, die Seitentheile
entg. Vorder-, Hintertheil; das Seitenthor, die Seitenthür, zur Seite
eines Gebäudes ob. des Hauptthores befindl. Thor, Thür; der Seitertifch,
Nebentiih; die Seitentonne, Bergw. im Förderſchachte befeftigte Tonnen,
d. i. Bretter, woran die Kübel auf> und niedergehen; der, die Seitenver:
wandte, ein Seitenverwandter ıc., wer mit einer andern Perfon nur in der
Seitenlinie verwandt ift, d. i. mit derfelben nicht gleihe Stammältern hat;
die Seitenverwandtichaft, das Verhältniſs, u. die Gefammtheit der Seitens
verwandten; die Seitenwand; der Seitenweg, ein neben dem Hauptwege
laufender Weg, Nebenweg; od. ein von dem Hauptwege zur Seite abgehender
Weg, ſinnv. Abweg; das Seitenweh, Seitenfchmerz; das Seitenwerf, z.
u. v. Hauptwerk, 3. B. an Orgeln, im Feftungsbau 2c.; der Seitenwind,
von der Seite kommender Wind; die Seitenzahl, die Zahlen, mit weldyen
die Blattfeiten eines Buches bezeichnet find (fr. Pagina); der Geitenzeiger
od. ⸗weiſer, Neum. f. Regifter; das Seitenzimmer, Nebenzimmer; — Ab—
Leit. feiteln, ziellof. Zw., vlt. f. fich auf die Seite neigen,’ fippen; der
Seitener, vlt. f. wer auf einer, od. der andern Seite (Partei) ift, Parteis
Hänger; ſeitig, Bw., Seiten habend, gew. nur in Zfeg., wie: ein, dreiz,
mehr, vieljeitig ꝛc; der Geitling, -e8, M. -e, vit. f. Seitenverivandter;
öfte. f. Slufsgarnele, Seefloh; feitlings, oberd. audy feitlingen, Nw.,
vlt. f. feitwärts.
feither, feitherig, f. unter feitz — feitwärts, f. Seite.
Sekunde od. Secunde, w. M. -n, (von dem lat. secunda, näml. pars,
alfo eig. ein Maß, welches die zweite Stelle einnimmt nad einem andern,
welches die erfte Eintheilung macht), der GO fte Theil einer Minute (f. d.);
auch das Zweite, der Stelle oder Ordnung nach, daher: Tonk. der zweite '
Ton nah dem Grundtone; Fechtk. die zweite Stellung od. Stoßart; die
Sefundenuhr, eine uhr mit einem Sefundenzeiger, welcher die Sekunden
anzeigt.
fel, eine Nachſ. (Nebenform von fal, f. d.), welche von Zeitwörtern
concrete Hauptwörter fählichen Geſchlechts bilder, die den Gegenftand oder
das Erzeugnifs einer Thätigkeit bezeichnen, 3. B. das Näthfel (d. i. das
zu Rathende), Häcfel (das Gehadte), Fegfel, Füllfel, Gemengfel, Einſchieb—
fer, "Überbleibfel, Anhängfel zc.
felb, ein beiwörtliches Beftimmmwort, welches den Begriff der unabhän-
Higen, fich gleich bleibenden Weſenheit (Subftantiatität) des Gegenſtandes
(Wefenseinheit oder Identität) nachdrüdlich bezeichnet, mit Ausfchliefung
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil, 57
898° Ä ſelb
jeder anderen Perſon oder Sache (aoth. silba, silbo, silbo, nur ſchwach bie-
gend, wahrfch. zgez. aus si-liba, welches aus dem rückz. Fürw. sik, ſich, abgek.
si, und leiban, bfeiben (vgl. elf aus ein-Lf, ein-lib), od. lip, Leib, Leben
(gl. das engl. body f. Perfon) zgef. zu fein fcheint, alfo eig. „in ſich od.
für fich bleibend, beharrend,“ od. ‚feinen eigenen Leib habend“ bedeutet; alte
hochd. ftark biegend: selper, selpia, selpaz; ſchwach: selpo, selpa, selpa;
mittelh. selber ıc., selbe mit vollftändiger Biegung, z. B. sin selbes tugent;
dir selbem; mich selben; sie ist ir selber gehaz; wir selbe 20.5; ſchwäb. und
ſchweiz. auch verkürzt: fell; nieberd. fulf, fulve; isländ. sialfr, sialf, ſchwed.
själf; angelf. seolf, self, selfa, engl, self) ift jegt nur im folgenden Formen,
Bufarmmenfegungen und Ableitungen gebräuchlich: 1. felb, unbiegfam, als er-
fies Glied in Zſetz. mit den Ordnungszahlwörtern ander (f. anderer), zwei-
ter, dritter 2c., welche Ifeg. die Anzahl von Perfonen bezeichnen, in des
ven Begleitung oder Gefellfchaft fi) Jemand befindet, als: felbander,
felbfiderandere, d. i. fo dafs man felbft der andere od. zweite ift, alfo:
zugleich mit einer andern Perfon (3. B. wir gingen felbander fpazieren); felb-
dritter, = Dritte od. verk. felbdritt, d. i. die Hauptperfon als die dritte, alfo
mit zwei Perfonen zuſammen; fo auch: felbvierte, fünfte, zehnte, drei
zehnte u. |. f.; (im Mitteld. lauten diefe Zſetz. selbe ander, -dritte, od. selp-
ander, =dritte, selbahte, =zwelfte 2c. und werden regelmäßig gebeugt, z. B-
mit im selbdritten ; selbzwelfter siner man, d. i. er felbft als zwölfter feiner
Mannen, od. mit 11 feiner Mannen; jest werden fie gem. in verfürzter Form
gebraucht u. beginnen im Hochd. überh. zu veralten); ferner in den meift vlt.
3feg. der Selbbaum, Baumftamm, aus der Wurzel aufgewachfener Aftz
das Selb-Ende (woraus das im Hochd. übliche Sahlband (f. d.) wahrſch.
nur durch mifsverftehende Verderbung entftanden iſt; niederd. fulf=egge, holl.
self-ende zc.), oberd. f. das Zettel-Ende an Geweben, Tuchende, Tuchſchrote;
felbherr (ſchwäb. felherr) od. felbherrlich, Bw., alt u. oberd. f. eigenwilligz
der Selbfacher (ogl. Sacher), alt u. oberd. wer in einem Rechtöftreite ſelbſt
Partei ift; z. U. v. Anwalt ꝛc.; das Selbſchoſs od. -geſchoſs, ehem. f. Wurf:
geſchoſs, Schnellgeſchütz (Katapulte); der Selbſtand (zur Vermeidung der,
Härte b. ale Selbftftand), Neuw. f. der für fich beftehende, unabhängige
Stand od. Zuſtand; daher das Selbftandswort, Neuw. der Sprachl. f. Ar-
titel, das die Selbftändigkeit des Hauptwortes bezeichnende Wort (der, die,
das); felbftändig (b. ars ſelbſt ſtändig), Bw., für ſich felbft, aus eigener
Kraft beftehend,, finnv. unabhängig, frei, auch f. eigen, eigenthümlich, ohne
fremde Einwirkung, (ein felbftändiger Menſch; felbftändige VBorftellungen, Triebe,
Tätigkeiten, Leiftungen 2c.); die Selbftändigkeit, das Selbftändigfein, die
Unabhängigkeit, Eigenthümtichkeit 2c.; felbwachfen, Bw. (niederd. ſulfwaſſen),
vlt. (verdient aber wieder belebt zu werden) f. von jelbft, natürlich, frei ent-
ftanden u. erwachfen, ungefünftelt; die Selbwalt (niederd. Sulfwald) vlt. f-
eigne Gewalt, Willkür; fo au: felbwalten, 3w.; der Selbwalter, f.
Selbſtherrſcher; felbwaltig, Bw., f. ſelbſtherrſchend; das Selbwefen, vlt.
(verdient wieder eingeführt zu werden) f. felbftändiges Wefen (fr. Subſtanz);
daher felbwefend, felbwefentlich, Bw. u. Nw. (f. das fr. fubftantiell); Ab.
Veit. v. felb: felblich, Bw. u. Nw., vlt. f. eigenmächtig, von freien Stü—
den; — 2. der, die, das felbe (altd. der selpo zc., der, dia, daz selbe;
niederd. de ſulbe; ſchwäb. der 2c. fell f. jener) und der, die, das felbige
felb 899
(niederd. de fulvige), jest zgeſ. derfelbe, diefelbe, dasſelbe ıc., u. derfel-
bige ıc., als beftimmendes Kürw., f. derfelbe; — 3. felber, felbe, felbes
(das altd. selper, selber zc., f. 0.5 ſchwäb feller ꝛc. f. jener, diefer) u. fel-
biger, felbige, ſelbiges, vlt. u. landſch. als beftimmendes und hinweifendes
Fürw. f. derfelbe, diefer (3. B. felbiger Mann; an felbigem Zage 2c.); —
4. felber, unbiegfam, (ftarr gewordene Gafusform des alten biegfamen selber,
selbe 2c., wie landjch. auch: felben, niederd. ſulven; oberd. verlängert: fel-
bert, felberft), gem. f. felbft, jedoch in der Regel nur hinter dem Haupt-
od. Fürw. ftehend, auf welches es fich bezieht (z. B. ich will es ſelber thun;
Arzt, Hilf dir felber! ich fehe ihn felber 2c.); — 5. ſelbſt, unbiegfam (entft.
aus dem Gen. selbes, selbs, z. B. ehem. auf mein ſelbs Leib; in fein ſelbs
Seele, u. dal. m., durch Anhängung eines t, wie: einft, mirtelft aus eins,
mitteldö; n. A. ift felber 4. eine Gomparativ-, ſelbſt eine Superlativ-Korm
von felb? — oberd. lautet es auch: felbt, ſelbſten; niederd. fulfft, ſulveſt),
1) als beiwörtliches Beitimmwort mit Haupt= und Fürwörtern ohne Un—
terfchied von Geſchlecht, Zahl u. Fall verbunden, hebt es den Gegenftand,
auf welchen es fich bezieht, nachdrüdlicher hervor, indem es jeden ande-
ren ausfchließtz eö fteht entweder unmittelbar hinter feinem Gegenftandsworte,
oder, wie ein. Nebenwort, hinter dem Zeitworte, bisweilen auch zur Erhöhung
des Nahdruds an der Spige des Sases, und hat immer den Ton (3. B.
ich ſelbſt will es thun; du bift felbft daran ſchuld; er ſelbſt muſs kommen, od.
er mufs felbft kommen, od. felbft mufs er Eommen; die Mutter felbft war da,
od. die Mutter war felbft da; er ift es felhft 2c.; bef. auch zur deutlicheren
od. ftärkeren Bezeichnung der rüdzielenden Bed. perfönlicher Fürwörter,
z. B. er fchonte feiner ſelbſt nicht; fie fchämte ſich ihrer felbft; er liebt
ſich ſelbſt am meiftenz wieder zu fich felbft kommen; er hat es fich felbft
zu verdanken 20.5; — duch nadjläffige Stellung wird die Bezichung undeuts
lich; unterfcheide z. B. ich felbft habe ihn gefehen; ich felbft Habe es ihr
Hefagt ze. von: ich habe ihn ſelbſt gefehen; ich habe es ihr jelbft ges
ſagt; — bisweilen dient felbft nur, eine entferntere Theilnahme od. Mitwir-
tung auszufchließen; 3. B. felbft baden, wafchen u. dgl., d. i. nicht in
eigener Perfon, fondern im eigenen Haufe, durch feine eigenen Leute; ſprichw.
ferbft ift der Mann, d. i. was gehörig gethan werben foll, mufs man felbft
thun; uneig. er ift die Güte, die Menfchenliebe ſelbſt u. dgl., d. i. er befigt
dieſe Eigenſchaft im höchſten Grade; auch Nebenwörtern des Ortes wird ſelbſt
zur Verftärkung angefügt: dafelbft, hHierfelbft, ſ. d.; von felbft, di.
aus eigenem Antriebe, von freien Stüden, ftebt f. von fi felbft); 2) als
verftärkendes oder fleigerndes Nw., finnv. fogar, auch, wo es gleichfalls
entweder Hinter, oder gew. vor dem Worte fteht, zu dem es gehört, aber
nieder Ton hat, der vielmehr auf dem durch felbſt hervorgehobenen Worte
ruht (z. B. feine Freunde ſelbſt, od. ſelbſt ſeine Freunde ſchont er nicht;
fo auch in Beziehung auf Zeit-, Bei⸗ u. Nebenwörter, z. B. er ſcheut ſich nicht
zu betteln, ja ſelbſt zu ſtehlen; nichts iſt natürlicher und ſelbſt erlaub—
ter 2c.; ſelbſt heute glaube ich es noch nicht 2c.); das Selbſt, die eigene
Perſon, das eigene innere Wefen (4. B. nur fein Seldft lieben; fein Selbft
zu erkennen fuchen); — Zfeg., in welchen feldft, mit einem Eigenfchafts-
od. Thätigskeitsbegriff verbunden, deffen Rückbeziehung auf das thätige Sub—
jeet ausdrüdt: die Selbftachtung, Achtung, welche man vor ſich felbft Hegt;
57*
900 ſelb
die Selbſtanklage; die Selbſtaufopferung; die Selbſtbefleckung, Be—
fleckung feiner ſelbſt, insbeſ. die an dem eigenen Leibe verübte Unkeufchheit,
Selbſtſchändung (fr. Onanie); die Selbſtbefriedigung; die Selbſtbeherr—
ſchung, Beherrſchung ſeiner ſelbſt; das Selbſtbekenntniſs, ein Bekenntniſs,
welches man ſich ſelbſt, oder auch freiwillig über ſich ſelbſt ablegt; die Selbſt—
beſchauung, Beſchauung ſeiner ſelbſt; die Selbſtbeſtimmung, Beſtimmung
und Leitung feines Thuns durch freie Willenskraft (fr. Spontancität); die
Selbftdetrachtung, über oder mit ſich felbft angeftellte Betrachtung; der
Selbftbetrug, Betrug an fich ſelbſt, falfches Urtheil 2e.; die Selbſtbeur—
theilung; ſelbſtbeweglich, Bw., fich von feldft bewegend (Neuw. f. das fr.
automatiich) ; felbftbewufft, Bw., feiner ſelbſt bavufft, fein Ich wiffend (der
Menſch ift ein ſelbſtbewuſſtes Wefen); das Selbftbernufitfein, das Bewuflt-
fein feiner ſelbſt, die einfache Vorftellung des Ichs; die Selbftbildung, Bil—
dung feiner felbft od. aus eigener Kraft; das Selbſtdenken, das eigene Den-
Een, entg. dem blinden Glauben 2c.; der Gelbftdenfer; felbfteigen, Bm.,
verft. f. eigen, ganz eigen; die Selbſtentzündung, Entzündung brennbarer
Stoffe duch fich ferbft; die Selbfterhaltung, Erhaltung feiner felbft, d. i.
des eigenen Lebens; die Selbiterhebung, Erhebung feiner jelbft über Andere,
entg. Selbfterniedrigung ; die Selbfterfenntnif3, Erfenntnifs od. richtige
Beurtheilung feiner ſelbſt; felbfterrungen, felbflerwählt, Bw., durch fich
ſelbſt errungen, erwählt; felbitfrei, Bmw., aus eigener Macht frei, völlig frei;
das od. der Selbftgefallen, Gefallen an ſich felbft; eigenes Gefallen, Will:
tür; felbftgefällig, Bw., Gefallen an ſich ſelbſt findend, finnv. eitel; die
Selbftgefälligfeit, finnv. Eitelkeit, Eigenliebe, Dünkel; das Selbftgefühl,
das Gefühl feiner felbft, d. i. feines Dafeins od. Zuftandes; in engerer Bed.
das Gefühl feines fittlihen Werthes, feiner Vorzüge ꝛc.; felbitgenügfam,
Bw., fich felbft Leicht genügend, gew. in nadhtheiligem Sinne: eine zu hohe
Meinung von ſich felbft habend, finnv. felbftzufrieden; daher die Selbſtge—
nügſamkeit; das Selbſtgeſchoſs, ſ. Selbſtſchuſs; die Selbftgefeßgebung,
das Vermögen u. die Thätigkeit, da man ſich ſelbſt Geſetze giebt (fr. Autono-
mie, z. B. der Vernunft); das Selbitgefpräch, Geſpräch mit fich ſelbſt, Allein:
geſpräͤch (fr. Mondlog); das GSelbftgeftändnifs; das Selbftgetriebe, ein
Triebwerk, welches ſich durch eigene Kraft zu bewegen ſcheint (Neuw. f. das
fr. Automat); der Selbfthafs, Hafs gegen ſich ſelbſt; der Selbfthaffer zu;
das Selbftheil; f. v. w. Braunheil, Gottheil, Halskraut (f. d.), eine Pflanze;
der Selbftherr, Herr feiner feldft, wer fich ſelbſt beherrſcht; die Selbftherr-
Schaft, die Herrſchafl über ſich ſelbſt, Selbſtbeherrſchung; auch die in eigener
Perſon geführte Herrſchaft (fe. Autokratie); der Selbftherrfcher, wer felbft
und allein, nicht durch Andere, herrſcht, unumſchränkter Alleinherrſcher (fr. Aus
tokrat); die Selbfthulfe, Hülfe, die man fich felbft leiſtet; eigenmächtige
Hülfe; felbftflug, Bw., cine übertrichene Meinung von feiner eigenen Klug—
heit habend; daher die Selbftklugheit; der Selbftlaut, ein ſelbſtändiger,
d. i. ohne Verbindung mit einem anderen Laute durch die Stimme u. gehörige
Mundöffnung hervorzubringender Sprachlaut, auch Stimmlaut (fr. Vocal),
entg. Mitlautz; der Selbftlauter, das Schriftzeichen oder der Buchſtabe für
einen Selbſtlaut (4. B. a, e, o 2c.); felbftlautend, Bw., von felbft, od. für
fib allein lautend; die Selbftliebe, die pflichtmäßige Liebe feiner felbft, ver—
bunden mit dem Streben der Selbfterhaltung und Vervolllommnung, verſch.
ons
felb 901
von Eigenliche, Selbſtſucht; das Selbftlob, Lob, welches man fich felbft ers
theift, weniger tadelnd, als: Gigenlob; ſelbſtlos, Bw., gleiham ohne Selbſt,
ſich ſelbſt verläugnend, ohne Selbſtſucht; der Selbfimord, die Tödtung feiner
ſelbſt, Selbftentleidung ; der Selbftmörder, die Selbftmörderinn, wer einen
Selbſtmord begeht; ſelbſtmörderiſch, Bw.; der Selbftpeiniger, Selbft-
quäler, wer fich ſelbſt peinigt od. quält; die Gelbftpeinigung, Selbſtquä—
lerei; die Selbftprüfung, Prüfung feiner ſelbſt; die Selbſtrache, cine
Race, welche man felbft eigenmächtig ausübt; der Selbſträcher ıc.; der
Selbftruhm, der Ruhm, weichen man fic) felft beilegt; die Selbftihän-
dung oder = fchwächung, f. Selbſtbefleckung; daher der Selbſtſchänder,
[hwächer (fr. Onanift); die Selbftfihäsung, Schäsung, Würdigung fei:
ner ſelbſt; der Selbſtſchuldner, die Selbftihuldnerinn, wer eine Summe
ferbft ſchuldig ift, z. U. v. dem Bürgen; der Selbſtſchuſs, ein fo eingerich—
tetes und geftelltes Feuergewehrg dafs ein Menic od. Thier durch einen Stoß
daran fich ſelbſt erſchießen mufs, auch Legebüchſe, Legeſchuſs; der Selbitfiger,
vlt. f. Schiedsrichter; der Selbftftand, felbitftändig ıc., b. Selbſtandec.
f. d. unter felb 1.5 die Selbftfucht, die Sucht, Alcs nur auf ſich zu bezichen,
nur fich ſelbſt für wichtig zu halten u. nur auf den eigenen Vortheil bedacht zu
fein, übermäßige Selbftlicbe, finnv. Eigenliebe, Eigenſucht (fr. Ggoismus) ;
daher felbftfüchtig, Bw., Selbftfucht habend u. davon zeugend (fr. egoiftiich);
die Selbſtſüchtigkeit, das Selbſtſüchtigſein; die Selbſtſüchtelei, Neum. f.
kleinliche, verächtliche Selbſtſucht; die Selbfttaufe, das Zaufen, fofern man
es felbft verrichtet, nicht durch einen Geifttichen verrichten läſſt; die Gelbft-
täuſchung, Täuſchung feiner ſelbſt; felbftthätig, Bw., aus eigener Kraft,
0d. in eigener Perfon thätig; die Selbftthätigkeitz die Selbfttödtung, Töd—
tung feiner ſelbſt; die Selbftüberwindung, Überwindung feiner felbft, d. i.
feinee Wünſche, Begierden 2c.; die Selbftverachtung, Verachtung feiner
ſelbſt; der Selbftverächter 2c.; felbftverdient, Bw., durch fich ſelbſt, durch
eigene Thätigkeit 2c. verdient; ſelbſtvergeſſen, Bw., feiner felbft vergeſſen,
nicht an fich denkend; frei von Selbſtſucht; die Selbftvergeffenheit, das
Selbſtvergeſſenſein; die Selbftvergütterung, Vergötterung feiner felbft, über:
mäßige Selbſtſchätzung; die Selbſtverläugnung, Verläugnung feiner ſelbſt,
db. i. die Unterdrüdung feiner eigenen Neigungen, Bintanfegung feines Vor—
theils, hoher Grad von Uneigennügigkeit; felbftverläugnend, Bw.; die
Selbftvernichtung; die Selbftvertheidigung ꝛc.; das Selbftvertrauen,
das Vertrauen auf fich felbft, edel, od. unedel u. übertrieben; der Selbftvor-
wurf, ein Vorwurf, welchen man ſich ſelbſt macht; der Selbftwillen, der
eigene Willenz Eigenwillen, Eigenfinn; felbftwillig, Bw., freiwillig ; eigen—
willig; die Selbftwirfung, Wirkung durch eigene Kraft; felbftzufrieden,
Biv., «mit ſich felbft zufrieden, nur in nachtheiligem Sinne, finnv. felbftgenüg:
fam, felöftgefällig; daher die Selbftzufriedenheit; der Selbflzwang, cin
Zwang, welchen man ſich feloft auflegt; der Selbftzwed‘, in der Sache ſelbſt
liegender Zwed; — Ableit. von felbft: die Selbftheit, das Selbtfein,
der abftracte Begri des Selbft; auch f. Eigentiebe; ſelbſtig, Bw., oberd.
f. felbfteigen, eigen (4. B. zum ſelbſtigen Gebrauch); auch f. ſelbſtiſch, Bw.,
Neuw. f. ſelbſt- od. eigenfüchtig (fr. egoiftiih); die Selbftigfeit, f. Per:
fonlichkeit; Selbft- od. Eigenliebe; der Selbtler, die Selbtlerinn, auch
der Selbitling, Neu. f. felbftfüchtiger Menſch (fr. Egoiſt).
902 felhen — felig
felchen, 3w., oberd. bef. bair. u. öfte., 1) ziellos f. trocken od. dürr wer-
den (def. aus-, ein-, verfelden); 2) ziel. f. troden machen, trod-
nen, dörren, bef. Fleiſch, Fifche u. dgl. m. im Rauche trocknen, räuchern
(gefelhte Würfte, Zungen ꝛc.); die Selche od. Selch, f. Räucherung, und
Anſtalt dazu; der Selcher, wer felht (Fleiſch-Selcher, in Wien Ber
käufer von Würften und Rauchfleifch).
Selde 1. oder x. Salde, w. (goth. selithva, althochd. sälida, mittelh.
saelde; iöländ. saela, angelf. säl und gesäldh; von gleihem Stamme mit
felig 2., f. d., alfo auch mit Selde 2.), völlig vlt., eig. das Gutfein od.
Öutgerathen; daher: Wohlfein, guter Erfolg, Glück, Seligkeit, Heil,
Segen; daher felden= od. fäldenbar, -haft, fäldelos zc., vit. Bw.;
felden, r. fälden, ziel. Zw. f. beglüden ıc..
Selde 2. w., M.-n, (goth. salithva, altd. salida, selida, selde; oberd.
die Seld od. Selden, verderbt auch Sölde, Sölden, Söllen, Sellin; von der
Wurzel sal, welche dem goth. saljan, altd. sellan, eintehren, wohnen, zu
Grunde liegt; vgl. Saal) alt u. oberd. f. Einkehr, Herberge (4. B. Nacht—
felde); Aufenthaltsort, Wohnung, Palaft; oberd. insbef. ein Wohnhaus
der geringften Art, Hütte der ärmeren Landleute, welche den reicheren ale
Tagelöhner dienen, auch: das Seldhaus; felden, Zw. (altd. selidön, sel-
den) oberd. f. einfehren, herbergen (auch nachtſelden); der Seldner
(verderbt: Söldner), Selderer, Seldhäusler -$, (altd. seldnaere, selder),
oberd. Bewohner u. Befiger einer Selde, Hinter: od. Kothfafs, dem Range
nach zwifchen dem Bauern u. dem Dienftänechte ftehend.
felig 1. Abteitungsendung zur Bildung von Beiwörtern (mittelh. -selic),
entſtanden durch Anfügung der Nachſ. ig an die Subftantiv- Endung fal
( . 8.), 3. B. Trübfal, Mühſal: trübfelig, mühſelig; dann aber verwech—
felt mit dem Bw. felig 2. (saelec), in deffen Bedeutung übergehend, u.
ohne Vermittlung von Hauptwörtern auf fal unmittelbar an den Stamm von _
Haupt-, Bei: u. Zeitwörtern gehängt, um Beiwörter zu bilden, welche
im Allgemeinen Fülle, Reichthum od. Uberflufs an dem, was das Stamm:
wort befagt, ausdrüdenz z. B. glücfelig, unglückſelig, feindfelig, leutſelig
von Glück, Unglüd, Feind, Leute; armfelig, holdfelig von arm, Hold; red—
felig, faumfelig von reden, fäumen. Durch Anhängung der Nachſ. Feit wer
den daraus Hauptwörter gebildet, wie Glückſeligkeit, Armfeligkeit zc.
felig 2. Bw.. (goth. sels, gut; isländ. saell; altd. sälig, saelic, saelec,
oberd. fäligz; von der Wurzel sal, befißen, wohnen, woher sak Saal, Woh—
nung, Sal od. Salung, Übergabe eines Gutes, Selde 1. u. 2., fer
Ten ꝛc. ſtammen; f. diefe Wörter), urſpr. ruhig befißend, begütert, reich
(4. B. altd. reich und felig werben, durch Gefchenke 2e.); dann in hohem
Grade glücklich und fich diefes Zuftandes froh bewuſſt (er war ganz felig;
ſcherzh. gem. f. beraufcht, betrunken); bef. mit inneren Gütern gefegnet,
innerlich und wahrhaft beglückt, verfch. von glücklich, welches mehr auf
äußere Güter geht, während glüdfelig beides verbindet (Reichthum mag
glücklich machen, aber nicht ſelig; einen felig preifen); auch f. felig machend,
befeligend (ein feliges Gefühl, ein feliger Zuftand); ehem. auch f. fromm,
heilig; heilfam (e8 war ihm nicht felig); in engfter Bed. der Überirdifcyen
Glückſeligkeit theilhaft, durch den Tod zum Genuffe höherer Freuden ger
langt (felig werden; felig fterben; die Seligen im Himmel; Gott habe ihn
Sell — felten 903
ſelig, d. i. laſſe ihn ſelig fein), auch überh. als frommer Ausdrud f. verftorben
(mein ſeliger Vater, unſer ſeliger Herr; vlt. u. landſch. auch feinem Hauptw.
nachgeſetzt: mein Vater feliger od. ſelig; meine Mutter ſelig 2c.; lächer—
licher Weife auch nach Verfchiedenheit des Standes: wohl-, hoch-, höchſt—
felig!); — der Seligmacher, wer Andere der himmliſchen Seligkeit theil-
haftig macht, der Heiland (Chriſtus); der Seligiprecher, wer Andere für
felig erklärt; die Seligfprechung, in der Eathol. Kirche die Erklärung eines
Menſchen für felig (Beatification), der Deiligiprechung (f. d.) vorangehend; —
die Seligfeit (mittelh. saelekeit; vgl. auch Selde 1.), das Seligfein, Befig
und Gefühl des höchften Glückes, Beglücdtheit, hoher Grad des Vergnü—
gend (welche Seligkeit!); insbef. der Genufs der Vereinigung mit Gott
nad) diefem Leben (die Seligkeit des Himmels; die ewige Seligkeit) ; felig-
lich (mittelh. saeleclichen), vlt. Nw. von felig: glüdlih, mit gutem Er—
folge; feligen, ziel. 3w. (altd. saligon, saeligen), vlt. f. felig machen, be—
glüden, jegt nur: befeligen.
Sell, m., Sellbude, f. unter fellen.
Selle, m., -n, M.-n, vtt. f. Gefelle, f. d.; der Sellmann, Jäg. f.
Leithund (auch Gefellmann), bei. als EN. für einen ſolchen.
Selle, w., M.-n, landſch. 1. f. Sahlweide; 2. f. Bügel, Handhabe
(vgl. Seil).
fellen, ziel. 3w. (goth. saljan, altd. seljan, sellan, sellen, seln, Prät.
salte, Part. gesalt; isländ. selia, ſchwed. sälja, angelſ. seljan, sellan, engl.
sell; — wahrſch. abgel. Factitivum von einem verlorenen ablaut. 3w. silan, sal,
befigen ; vgl. Sal oder Salung, felig 2c.), alt u. noch niederd. f. übergeben,
rechtsförmlich hingeben (ein Gut 2c.); in engerer Bed. verkaufen, niederd.
beſ. im Kleinen od. Einzelnen verkaufen, auch aus, verſellen, (Bier—,
Lebensmittel, alte Kleider 2c.); der Sell, -e3, M. -e, nieberd. f. Verſamm—
lungshaus eines Gewerkes, Schenke; die Sellbude, niederd. f. Trödel-
od. Hökerbude; das Selltuch, f. Schürze der Hökerweiber; der Geller, -8,
f. Verkäufer im Kleinen, bei. Zrödler (4. B. Kleider-, Bücherfeller 2c.);
die Sellung, vit. f. Verkauf (4. B. des Bieres).
Selleri od. Sellerie, m., -8, 0. M. (aus dem franz. celeri; engl. celery;
vielleicht von dem griech. a&lıyor, Eppih 2), ein Wurzelgewächs vom Ge:
ſchlecht der Peterfilie (f. d.), insbe. der wilde Selleri, auch ftark riechender,
gemeiner Eppich, Wafferpeterfilie; u. gew. in engerer Bed. der Gartenfelleri,
auch füßer Eppich, deffen Wurzel und Herzblätter ejsbar find; daher: das
Selleriblatt, der Sellerifamen, die Selleriwurzel ıc.; der Sellerifalat ıc.
fellig 1. od. fellich, Bw. (wahrſch. verderbt aus folich, ſölich, ſolch; alfo
eig. ein ſolcher; vgl. jedoch auch das angel. sellic, sillic, erftaunlich, wun=
derbar, aus sildlic entft., |. felten), ſchwäb. f. fehr groß; — fellig 2. nie-
derd. f. höchſt einfältig, blödfinnig.
felten, urfpr. nur Nw., jest au) Bw., Comp. feltener, zgez. feltner,
Sup. feltenft, (althochd. seltana, Comp. seltanör; mittelh. selten, Nw. von
einem nicht vorkommenden Adjectiv-Stamme selt, goth. sild, daher goth. silda-
leiks, angelf. seld-lic, sellie, wunderbar; niederd. ſelden; iöländ. sialdan,
ſchwed. sällan; angelf. seldan, seldon, engl. seldom), in geringer Anzahl
vorkommend od. vorhanden, nur in beträchtlichen Zwifchenzeiten gefchehend,
entg, oft, häufig, (es gefchieht, ereignet ſich, findet fich felten, ift etwas
⸗
904 ‚Semde — Send J
Seltenes; ein ſeltener Gaft, ein ſeltenes Glück, ſeltene Bücher 2c.); die Sel-
tenheit, 1) 0. M. das Seltenfein od. -Vorkommen (z. B. einer Begeben-
heit, eines Buches 2c.); 2) M. -en, eine feltene Sache, ein feltener Wors
fall, (fein Beſuch ift eine Seltenheit; Seltenheiten fammeln u. dgl.); —
feltfam, Bw., (nerderbt aus dem altd. selt-säni, seltsaene, fpäter auch: felt:
zeim, feltzenz das ftatt fan ftehende fam ift hier nicht die Nachſ. ſa m (f. d.),
Sondern cin dunkler Stamm, der vielleicht mit ſehen zufammenhängt, fo dafs
-säni f. sahani ftände?), ehem. f. felten (als Bw.), felten feiend od. ger
fhehend, nicht haufig, koſtbar; jegt nur: durch feine Befchaffenheit von
dem Gewöhnlichen, Gehörigen, Regelmäßigen abweichend, finnv. auffals
lend, wunderlich (das ift feltfam! ein feltfames Betragen; ein feltfamer
Menſch); die Seltſamkeit (oberd. auh: die Seltfame), das Seltſam—
fein, die auffallende Befchaffenheit, finnv. Wunderlichkeit; auch ein ſelt⸗
fames Ding, eine feltfame Eigenfchaft (M. Seltfamkeiten).
Semde, w., M.-n, (auch Sende; altd. semida, sende), alt u. landid.
f. Semfe, Binfe.
ſemiſch, Bw., ſ. ſämiſch.
Semmel, w., M. -n, Verkl. das Semmelchen, (alth. simelo, semmalo,
m., u. simila, semala, w.; mittelh. simile, semele, m. u. w.; ober⸗ u. nie⸗
derd. die Scmel; ſchwed. simla; poln. zemla; ital. semola, franz. semoule,
Nudelmehl; vem lat. simila, similago, griech. oewidekıs, feinftes Weizene
mehl), alt u. noch oberd. f. weißes Weizenmehl, Semmelmehl; gew. Eleine,
rundliche, od. fhichtweife an einander gereihete Weizenbrode (Eck- oder
Drtfemmeln, Schicht- od. Reihenfemmeln); oberd. Tandfch. überh. f. Weiß—
brod; der Semmelbäder; der Semmelbrei; das Semmelbrod, Brod
von Scmmelmehl; der Semmelfloß, das Semmelklößchen, ſ. Kloß; ber
Semmelkoch, Küch. — Speiſe aus Semmeln und Milch (ſ. Koch);
die Semmelkrume, ſ. Krume; das Semmelmehl, feines Weizenmehl; der
Semmelſchieber, Bäck. ein Schieber (ſ. d.), die Semmeln in den Ofen zu
ſchieben; der Semmelſchnitt od. die Semmelfchnitte, ſ. Schnitte; der
Semmelteig ıc.
ſemmeln, ziellof. 30. (hol. sermmeln; ſchweiz. fempelen ; wahrſch. — oberb.
fäumeln, f. zaudern, v. fäumen 3.), niederd. f. bei der Arbeit zaudern;
weitfchweifig u. langweilig reden, albern ſchwatzen; daher: der Semme-
ler, f> Zauderer; Tangweiliger Schwäßer; die Scmmelei ‚ f. Zauberei,
Nachläffigkeit; langweiliges Geſchwätz.
Semfe, w., M. -n (vgl. Semde), ſ. v. w. Binfe, Binfengras (4. 8.
die Sce=, Simpf-, Waldremfe).
Send, m., -e3, M. -e, r. die Send od. Sende l., M. -n, (altd. sened,
senet, sent, w.; niederd, Sind; entft. aus Synode, lat. synodus, vom
aricch. suvodos, Zufammenkunftz zu unterfcheiden von Zent, f. d.), alt und
landſch. f. berathende Verfammlung der Geiftlichkeit; geiftliches Gericht
(3: B. eines Biſchofs), bef. ein folches Sittengericht, auch: das Sendge—
richt, (den Send gebieten, d. i. berufen; Send figen, d. i. einen Send hal⸗
ten); landſch. überh. Gerichtsverſammlung, weltliches Gericht; — Teb-
. bie Sendbrüche, landſch. auf der Send erkanntes Strafgeld (f. Brüde);
fendfallig, Bw., vor einer Send firaffällig; der Sendherr, wer die Be—
ſchlüſſe eines Sendgerichts vollziehen hilft; der Sendhof, alt f. Gerichtshof;
Sende — Senefhall 905
das Sendforn, landſch. Getreide, welches für die Haltung der Send dem
Geiftlichen entrichtet wird; der Sendmann, M. Sendleute, landſch. f. Ge
richtöbeifiger; fendpflichtig, Bo. , der Send, der geiftlichen Gerichtsbarkeit
unterworfen, auch fendverwandt; das Sendrecht, Recht, ein geiftl. Ge—
vicht zu halten; der Sendrichter, Richter in einem Sendgerihte; — Ableit.
fendbar, Bw., f. v. w. fendpflichtig; chem. auch: von Geburt berechtigt,
der Send beizumwohnen, (daher wahrfh. femperfrei, verderst aus ſend—
bar=frei, d. i. fo frei, dafs man an den Senden, Reihsverfammlungen,
Gerichtshöfen ze. Theil zu nehmen berechtigt ift, höchft frei, unmitteibar dem
Reich untertgan); fendlih, Bw., chem. f. zur Send gehörig, der Send
gemäß, fendmäßig.
Sende ?. w., M. -n, f.v. w. Semde, Semſe; oberd. (Senden)
auch f. Heidekraut; der Senderich oder Sennerich, öfte. f. Warfferlinfe,
Entenfraut.
Sendel, m., f. Zindel.
fenden , ziel. Zw., unregelm. Smpf. fandte (doch auch fendete), Conj.
fendete; Mw. gefandt (u. gefendet), (goth. sandjan, altd. sendian, sen-
tan, senden, Prät. sante; das Factitivum von sinden, sant, sunden, Neben»
form von sinnen, san, sunnen, gehen, reifen; daher goth. sinths, altd. sind,
der Weg; vgl. Gefinde; alfo eig. gehen machen: isländ. senda, ſchwed. sända;
angelf. sendan, eng!. send), machen od. veranftalten, dafs_eine Perfon od.
Suche den Drt verlaffe und an einen andern gelange, edler als das ſinnv.
ſchicken, ſ. d. (z. B. einem einen Boten, einen Brief, eine Nachricht —, Waur
ren an einen Ort—), beſ. bei wichtigen Aufträgen oder Geſchäften (bibl.
der Herr hat uns gefandt; einen Botichafter an cinen fremden Hof ſenden;
daher: ein Gefandter, der Gefandte, als Hw., f. d.); uneig. dicht.
- f. werfen, fchießen (den Wurfipies, den Pfeil 2c. nad’ dem Biele—-; vgl.
entfenden; das lat. mittere); — 3fes. der Sendbote, ein Bote, weldsen
man irgendwohin fendetz; der Sendbrief, ehem. überh. f. Brief, Schreiben
an Jemand (z. U. v. Brief fhlehthin, welches jede fchriftl. Urkunde bedeus
tete); jegt |. v. w. das Sendfchreiben, ein an Mehre gerichtetes Schreiben,
welches einer dem andern zufender; die Send- od. Sendekoſten, Koften,
welche die Sendung einer Sache verurſacht; — Ableit. der Sender, -8,
die Senderinn, M. -en, wer etwas fendet (der Sender eines Briefes, der
Waaren 2c.; oberd. f. das fr. Spediteur, z. B. Salzſender); die Sendung,
das Senden (z. B. eines Briefes, eines Boten 2c.); auch der einem Ge—
fandten ertheilte Auftrag, od. von einem Höheren verlichene Beruf zu einem
Geſchäfte.
ſendfällig, Sendgericht ꝛc. — Sendrichter, ſ. unter Send.
Senes- od. Sennesbaum, m. (ital. sena, franz. sene), ein Stauden⸗
gewächs im Morgenlande, auch in Italien und Frankreich (cassia senna L.),
deffen Blätter (Senesblätter) abführende Kraft haben.
Seneſchall, m., -s, M. -e, (altd. senescale; mittelh. seneschalt; mitt!,
lat. siniscalcus, senescalcus; von der Wurzel sin, welche Kraft, Dauer, Alter
bezeichnet (vgl. d. lat. sen-ex, sen-is 2c.), und scalc, Knecht, ſ. Schal und
vgl. Marſchall; alfo eig. der ältefte Hausdiener; franz, senechal), ehem. bef.
in Frankreich u. England der Auffeher über das königl. Hofgefinde und in=
906 Senf — Senken
nere Hauswefen, ein hoher Hof- u. Reichsbeamter; dann auch oberfter Ge:
tichtsbeamter eines Bezirks, Kandeshauptmann, Landvogt.
Senf, m., -e8, o. M. (goth. sinaps, altd. sinaf, senaph, senef; oberd.
Senef, Senft, Semft; niederd. Semp; fehwed. senap; angelf. senepe, engl.
senvy; franz. seneve; fämmtlid von dein lat. sinäpi, sinapis, griech. olvemı),
ein Schotengewächs, deffen Samen einen fcharfen, durcchdringenden Ge—
ſchmack hat und als Würze an -Speifen ze. dient; auch Gartenfenf, defien
Arten: der weiße, u. der ſchwarze Genf; der wilde Senf, auch Aderz,
Feld-, Bauernienf, Hederich zc., ein gemeines Unkraut; großer wilder
Senf, eine Art Raute; der gemahlene Samen des Gartenfenfs wird mit
Maffer od. Wein zu einer Tunke eingerührt, welche gleihfals Senf
(niederd. Moftrich) heißt, (uneig. gem. feinen Senf zu etwas geben, d. i. gleich»
fam: jeine Würze zc., feine Meinung od. das Seinige dazu jagen; ein langer
Senf, f. ein langes, unnüges Gefhwäs); — 3fes. die Senfbrühe, mit
Senf zubereitete Brühe; die Senfbüchfe, das Senfglas, näpfchen, hal _
chen 2c., Kleine Gefäße zu Senf; das Senfforn, Samenkorn des Senfes;
das Senffraut, Hederich oder gelbes Eifenkraut; Winterkreffe; gemeines
Pfefferkraut; das Senfmehl, gemahlener Senf; die Senfmühle, ein. Ge—
räth zum Zermahlen der Senflörner; das Senföl, aus Senffamen gewonne⸗
nes Öl; das Senfpflafter, ein ſtark reizendes Pflafter von gemahlenem Senf;
der Senffamen u der Senfteig, Brei von gemahlenem Senf zu Senf-
pflaftern zc.
fengen, Zw. (altd. sengan, bi-sengan, sengen, Prät. sancte; entft. aus
sangian, alſo eig. Fackitivum von singan, fingen, fang; Grundbed. fingen
machen, Eniftern machen? angelf. sängan, engl. singe; vgl. das mittelhochd.
sungeln f. niftern; u. das niederd. ſchroien f. fengen mit [hreien), 1) ziel.
die Oberfläche eines Körpers andbrennen, bei. haarige oder haarähnliche
Theile auf derfelben abbrennen (ein gefchlachtetes Schwein, eine gerupfte
Gans ꝛc. —; die Hutmader fengen die Hüte; im Kriege fengen und brennen,
urſpr. von dem Abbrennen des Getreides auf dem Felde; ein Shif—, d. i.
mit angezündetem Buſchwerke abflammen, um es zu Ealfatern); uneig. auch f.
dörren, dürr und gelb machen (die Sonne fengt dad Gras, das Laub 2c.);
2) ziellos m. fein, von der Hige an der Oberfläche verbrannt merden
(Wollenzeug fengt an einem heißen Ofen); das Sengefeuer, ein Feuer, über
welchem man etwas fenget; fengerig, Bw., landſch. f. dem Geruche nach
wie etwas Verſengtes (es riecht fengerig).
ſenken, ziel. Zw. (altd. senkau, senken, Prät. sancte, entft. aus sanchian,
Factitivum von finfen, fan; ſchwed. sänka, angelf. sencian, engl. sink), überh.
ſinken machen od. laffen, entg. heben; insbef. eig. allmählich in die Tiefe
hinablaffen (. 8. einen Sarg ins Grab—); Weinb. u. Gärtn. eine Rebe,
einen Zweig —, d. i. Behufs der Fortpflanzung in die Erde -niederbeugen,
ohne fie vom Stamme abzulöfen; uneig. nad unten hinrichten, nieder
fhlagen (den Blid—); den Ton, die Stimme—, fallen laffen, tiefer
tönen laffen; fih—, als rüdz. Zw. f. finken, ſich niederlaffen (dev Schlaf
ſenkt fi auf die Augenlieder), bef. f. in die Erde finfen, nad) und nad)
niedriger werden (die Mauer, das Haus ꝛc. hat fich gefenkt); Bergw. fen-
Een, od. gew. finEen, abfinken, f. in die Ziefe graben (einen Schadt);
— 3fes. das Senkblei, ein Blei an einer Schnur zur Erforfchung der
4
"Senn 907
Waffertiefe, Bleiloth, Grund od. Wurfblei 2c.; das Senkeifen, ein Heiner
Amboſs der Kupferfchmiede; der Senffäuftel, Bergm. ein ſchwerer eiferner
Schlägel mit langem Helm; das Senfgarn, Fiſch. ein Nes, welches mittelft
angehängter Bleiftüde ins Waffer gefenkt wird, auch die Senke; die Senk—
grube, Weinb, die Grube, in welche die Senkrehe gefenkt wird; der Senk-
hammer, ein mit Zurchen verfehener Hammer der Hufſchmiede, Rinnen damit
in das Eifen zu machen; der Senffnecht, Weinb. ein Pflod mit einem Haken,
den Senker damit in der Erde zu befeftigen; der Senkkolben, Schloff. eine
Art Bohrer, Löcher damit zu erweitern, um Schraubenköpfe 2c. davein zu ver—
fenten; die Senfnadel, eine Nadel, mittelft deren man etwas in der Tiefe
unterfucht, Suchnadel od. =eifen (fr. Sonde) ; der Senfpfahl, Weinb. Pfahl,
an welchen die Senker gebunden werden, wenn fie ausfchlagen ; die Senfrebe,
Rebe, weldje von dem Stode geſenkt (f. 0.) wird, Senker, Einleger ꝛc.;
fenfrecht, Bw., der Linie gemäß, welche ein fich ſenkender od. fallender Kör—
per bildet, Lothrecht (fr. perpendiculär), entg. wagerecht; die Senkreuſe,
Fiſch. Reufen, welche ins Waffer eingefenkt werden; die Senffchlacht, eine
Schlacht (f. Schlacht 1. 3), beftehend aus Reisbündeln zc., welche in das Waffer
gefentt worden, auch: das Senkwerk; der Senkfpaten, großer eiferner
Spaten der Brunnenmacher mit etwas gebogenem Stiele; der Senkftod,
Weinb. ein Weinftod, von welchen Reben gefenkt werden; Klempn. cin Am»
bofs mit Vertiefungen, den Drath darin zu fchlagen; die Senkwage, ein
Werkzeug zur Erforihung der Schwere u. des Gehaltes von Flüffigkeiten, Ge—
tränken 2c., Waflerwage (fr. Aräometer); — Ableit. die Senke, M.-n,
dag Senken, insbef. das Fortpflanzen durch Senker; was gefenkt wird
od. ift, insbef. f. Senkgarn; alt u. landſch. f. Niederung, Thalz Schmied.
u. Schloſſ. eine vertiefte Form, worin anderen Körpern ihre Geftalt gegeben
wird; der Senfel, -8, M. mw. E., 1) was gefenft wird, daher alt und
landſch. f. Senkblei, Bleiſtück an Fiſchnetzen; chem. auch f. Anker; 2)
(wahrſch. von anderem Stamme; vgl. das altfranz. cengle, lat. cingula), ein
Band od. Riemen, gem. mit einer metallenen Spise verfehen, zur Befefti-
gung von Kleidungsftüden, oberd. Neftel (Schnürſenkel ꝛc.); Bergw.
Eleine eiferne Klammern zum Zufammenhalten der Gerinne od. Lattenz das
Senkelblech, vünnes Eiſenblech, woraus die Spitzen an den Schnürſenkeln ze.
gemacht werben; die Senfelnadel, landſch. f. Schnürnadel; die Senkel—
ſchnur, landſch. f. Bleiloth, Richtblei; der Senfler, -3, wer Senkel vers
fertigt, Senkelmacher, oberd. Neftler; — der Genfer, -8, wer etwas
ſenkt; was gefenkt wird, insbe. f. Senkrebe, Senkreis, Ableger; Fiſch.
ein vieredfiges Netz, welches an zwei Stangen hängt, mittelft deren es in das
Waffer gefenkt wird; die Senkung, das Senken; das Gefenktfein, z. B.
des Erdbodens, des Tones 20.5; Ton- u. Versk. auch der gefenkte Ton, die
tieftonige Silbe (fr. Thefis), entg. Hebung.
Senn od. Senne, m., -en, M. -en, auch der Senner (landfch. Sen-
der), -d, M. mw. E., (vielleicht von finnen in der Bed. des isländ. sinna,
beforgen, forgfältig behandeln), in den Alpen: ein Viehhirt, insbeſ. ſchweiz.
wer als Eigenthümer das Vieh den Sommer über auf der Alp weidet u. Käfe
bereitet; bair. der Knecht einer Bauernwirthfchaft, der auf einer Alpenweide
die Butter- u. Käfebereitung beforgt; wenn es eine Dirne thut: die Sen-
nimm oder Sennerinn (auch Sendinn, Senderinn); die Senne 1., auch
4
908 Senne — Serpentin
Sennete, Sennte, M. -n, Kuhheerde auf den Alpen unter Aufficht eines’
Sennen; fennen 1., fchweiz. auch fenntnen, ziellof. Zw., als Senn wirth—
fhaften, insbeſ. Käfe bereiten; die Senn= od. Sennenhütte, Wohnung
des Sennen auf den Alpen; das Sennvieh, Vieh, das auf die Alp getrieben
wird; die Sennerei, Befchäftigung des Sennen; auch der Inbegriff des
zur Alpenwirthfihaft Gehörenden: Sennhütte, Vieh\zc.
Senne 2., w., M. -n, oberd. f. Sehne (f. d.), bef. am Bogen; daher:
fennen 2., auch fennden, ziel. 3w., den Bogen, die Yrmbruft—, f. mit
der Sehne beziehen, in Bereitſchaft fegen, fpannen.
Senne 3. w. od. der Sennesbaun, f. v. w. Senesbaum, f. d.
Senner, m., -8, M. m. E., 1. |. Senn; 2. niederd. ein Pferd aus
einer Stuterei, edles Geftütpferd; fo au: die Sennerftute.
Senfe, w., M. -n, (dur Zuſammenziehung entſt. aus d. altd. segansa,
segiusa, mittelb. segense, segese, seinse, sense; oberd. Sägeſe, Säges,
Sengſe, Säns, Sänſt. im. aud) Eäaifen, Sageis, Segeſſe; nicderd. Seife,
Seeße, holl. zeisse, isländ. sigdh, angelj. sidhe, engl. sithe; — von gleicher
Wurzel mit jägen, Sch, Sachs, Sichel zc.), ein Schneidewerfzeug, bes
ftehend in einer langen, bogenförmig gefrümmten Klinge an einem langen
Stiele, zum Mähen von Gras u. Getreide, verfch. von der Sichel (f. d.);
der Senfenbaum oder = ftiel; das Senfeneifen, ſchmales Stabeifen, aus
welchem Senſenklingen gefchmiedet werden; das Senfengerüft, ein Gerüft
über der Senfenklinge, mittelft deffen die Halme beim Mähen zufammengefaflt
und in Schwaden hingelegt werden; die Senfenklinge, f. Klinge 1.5 der
Senſenmann, der als ein menfchl. Gerippe mit einer Senfe in der Hand dar-
geteilte Tod, auch: der Senfenträger; der Senfenfchmied, der Senſen—
Elingen ſchmiedet; der Senfenftein, Scteifftein zum Schärfen der Senfen.
Sente, w., M. -n, (ngl. Semde, Sende 2.2) Schiffs. dünne, ſchwanke
Latten, melde vom Vorder > bis zum Hinterſteven auf die Inhölzer gefpikert
werden, um die Birgung der Seitenplanken danach zu ordnen, aud: der
Schergang.
September, m., -8, M. w. E., (von dem lat. — v. septem,
ſieben, weil es urſpr. der ſiebente Monat war), der neunte Monat de3 Jah:
res, Derbftmonat.
ferben, zielloſ. Zw. m. haben, (altd. serawen, serewen, serwen; vgl.
das nicderd. for od. foor f. dürr, troden; foren f. dorren), alt u. noch
oberd. f. welken, binfchwinden, fiechen, abzehren, entkräftet werden (z. 8.
eine ferbende Krankheit; in Hoffnung ſerben; au abferben); der Serbet
od. die Serbete, ſchweiz. f. langwierige Kränklichkeit, Auszehrung, Schwind-
ſucht; der Serbling, -e3, M. -e, ſchweiz. f. ein Gewächs, aud ein Kind,
das nicht gedeiht, in feinem Wachsthum zurüdbleibt 2c.
ferfeln, zielloſ. Zw., oberd. f. ſchlarfen (f. d.), fihleppend gehen, bie
Pantoffel auf dem Boden fortichleifen; der Serfling, -es, M. -e, f. alter
Pantoffel, niedergetretener Schuh.
Sergenfraut, ſ. Tandfch. f. Saturei.
Serpe, w., M. -n, (verw. mit ferben?), landſch. f. Krummholzs
baum, f. d.
Serpentin, m m., ⸗es, 0. M., od. ber Serpentinftein, (ital. serpentino,
vom lat. serpens, Schlange; wegen feiner Schlangenfarbe), der Schlangen:
Serſche — feßen 909
ſtein, ein ſchwarzgrüner, gelb und röthlich gefleckter Talkſtein, der zu allerlei
Gefäßen verarbeitet wird.
Serſche, w. —* v. w. Sarſche, ſ. d.
Serſe, w., -n, landſch. f. Elſebeere; der Serſebaum, f. Elſebeer—⸗
baum.
Serwing, w., M. -en, Schiff. dicke, platte Taue, beſ. zur Bekleidung
der Ankertaue ꝛc.
Seſam, m., -8, o. M., od. das Seſamkraut, (lat. sesamum u. sesama;
griech. onodun, onoauov), ein morgenländ. Schotengewächs, der Flachs—
dotter, aus deffen Samen das Seſam-Ol geprefft wird; das Sefambein,
od. =Fnöchelchen, Kleine Gelenkknochen der Hände u. Füße.
Sefel, m., -8, (griech. u. lat. ses@lis, seseli), eine Pflanzengattung im
füdl. Europa, der Steinfiimmel, Sefelfamen; auch f. v. w. das Sefel-
fraut, der Rofstümmel, eine Art des Laferkrautes.
Seſſe od. Sefs, w., M.-en, (ſchweiz. Saffe, öfte. Söſs; franz. sasse,
ital. sessola), oberd. Sciff., hölzerne Handfchaufel, großer Schöpflöffel
zum Yusichöpfen des in den Schiffsraum eingedrungenen Waſſers; daher: der
Sefstall (eig. wohl Seis-ftalt) f. die in der Mitte des Schiffes bis auf
den Boden offen gelaffene Stelle, wo das eingedrungene Waſſer ausgefchöpft
wird; der Sefstaller (Sefsftaller), Schiffmann, welder auf der Mitte
bes Schiffes fteht u. es regiert.
Seſſel, m., -$, M. w. E., Verkl. das Seſſelchen, (altd. sezzal, sezzil,
sezzel; oberd. Seßel; goth. sitls; niederd. Setel; angelf. sitl, setol, engl.
settle; von figen, altd. sizzan, goth. sitan), ein Sitz, Geſtell, fich darauf
zu fegen, finno. Stuhl (daher Arm-, Lehn-, Schlaf>, Zragfeffel 2c.); in
engerer Bed., bef. oberd., ein gepolfterter Stuhl mit Rüden u. auch wohl
Armlehne, als vornehmeres Geräth dem Stuhl entg.; gew. ein niedriger
gepolfterter Stuhl ohne Lehne (fr. Tabouret); der Seffelmacdher; der
Seffelträger, oberd. f. Sänftenträger.
felshaft, Bw. (altd. sezhaft, sezbaere; von dem Stamme saz, ſaß, fals,
ſeſs, welcher auch in Frei», Dinter-, In-, Landſaſs zc., oberd. auch -ſeſs,
vorkommt; vgl. fisen), wohnhaft, anfaffig, Grundbefig an einem Orte ha=
bend; die Sefshaftigkeit, das Sefshaftfein, die Anſäſſigkeit; — das
Sefslehen, ehem. ein Lehen mit der Bedingung des perfönlichen Aufenthaltes
darauf, jedes nicht durch Kriegsdienfte verdiente Lehen; der Seffmann, M.
Sefsleute, wer ein ſolches Lehen inne hat; ein Dinterfafs.
Sefter, m., -s, M. w. E., (altd. sextari, sehstere; vom lat. sextarius;
ital. sestiere, franz. setier; val. Sechter), ein oberd. Maß für trodene
Dinge (im Elfafs — 4 Quart 09. Vierlinge), und für Fluffigkeiten (in der
Schweiz — 8 Kannen od. 16 Maß); ſchweiz. auch ein großes Weingefäß.
fegen, 3w. (das Factitivum von figen, faß 2c.; vgl. Say; goth. satjan
von sitan, sat; altd. sezzan, setzen, entft. aus sazjan von sizzan, ſsaz; daher:
Prät. sazte, Part. gesazt, und noch im älteren Neuhochd. ſatzte, gefaßt,
jest: feste, geſetzt; niederd. fetten, angelf. settan, engl. set, ſchwed.
sätta), 1) ziel. eig. figen machen, einen Körper in eine folche Lage bringen,
dafs er aufgerichtet auf einem breiten Theile feiner Oberfläche ruht, verich.
von ftellen u. legen; insbef. von Menfhen u Thieren (ein Kind auf den
Schoß, auf einen Stuhl 2c.; uncig. einen auf den Thron —, d. i. zum regie⸗
910 feßen
renden Heren machen; alt u, noch in der Studentenſpr. einen—, f. bewir⸗
then); bef. in rückzielender Anwendung: fih—, fich auf einen Sitz ꝛc. nie
derlaffen (z. B. ich fege mich auf die Bank, den Stuhl 2c., auf die Erde, auf
ein Pferd, in die Kutfche, in den Kahn, an das Fenfter, vor die Thür; uneig.
fih auf etwas fegen, d. i. es durchaus haben od. thun wollen); von
leblofen Körpern: auf einen breiten, flachen Theil der Oberfläche
hinſtellen (z. 8. Schüffeln, Zeller, Gläfer, Leuchter ze. auf den Tiſch —);
auch überh. f. ftellen (etwas an einen Ort—; einen Fuß vor den andern —;
den Fuß über die Schwelle —; den Stuhl an die Wand—; uneig. ſich auf bie
Hinterfüße fegen od. ftellen, d. i. fih hartnädig gegen etwas fträuben; fich zur
Wehre fegen, d. i. fich vertheidigen; Jemand zur Rebe fehen. od. ftellen, ſ.
Rede) ; insbe. f. aufftellen, aufpflanzen, errichten (die Garben in Mandel—;
einem ein Denkmal, eine Ehrenfäule—; Bäume fegen, d. i. pflanzen); in wei—
terer Bed. etwas an einen beflimmten Drt bringen, einer Perfon od. Sache
einen Plag anmweifen (einen ins Gefängnifs—, auch bloß: ihn ſetzen; den
Hut auf den Kopf, das Glas an den Mund —; einem Blutigel fegen; einem
das Meffer an die Kehle, den Degen auf die Bruſt —; Bergw. Feuer fegen,
aud) bloß: fegen, d. i. Holzſtöße an das Geftein fegen u. anzünden; Buchdr.
Schriften—, od. bloß: fegen, d. i. die Schriften in die Form geordnet
zufammenftellenz; Geld auf eine Karte fegen, aufs Spielfegen, od. bloß:
fegen, d. i. es niederlegen, um damit zu gewinnen, fr. pointiren; daher uneig.
etwas aufs Spiel jegen, od. daran ſetzen, d. i. wagen, 3. B. fein ganzes
Bermögen, Leib und Leben daran ſetzen 2c.); fo auch in vielen uneig. Redens—
arten (3. B. etwas aus den Augen fegen, d. i. nicht beachten; einem od. ſich
etwas in den Kopf Segen, d. i. einbilden;z Mifstrauen in Semand fegen; feine
Hoffnung auf etwas—; feine Ehre, feinen Ruhm in etwas— u. dgl. m.);
ſich — insbef. f. ſich bleibend niederlaffen, feftfegen (fi auf dem Lande—;
das Heer feste fich vor der Stadt; fi) zur Ruhe —, d. i. fein Gefchäft oder
Gewerbe niederlegen); von Leblofen Dingen f. auf den Grund gerathen (ein
Schiff fest fih auf eine Sandbank ꝛc.), zufammenfinfen, fallen (eine Ge—
ſchwulſt, der Zeig ꝛc. fest fi), zu Boden finken, einen Niederfchlag ab-
feßen (das Trübe in einer Flüffigkeit ſetzt ſich; auch: die Flüffigkeit felbft hat
fich gefegt); uneig. f. ſich befeftigen (die Gefundheit fest ſich, hat fich geſetzt;
f. aud) das Mw. gefest, ald Bw.); feßen uncig. f. beftimmen, feftfegen,
erniennen (eine Zeit, einen Tag zu etwas —; einer Sache Maß und Ziel—;
einen Preis auf eines Verbrecher KRopf—; einen zum Vormund —; fprichw.
den Bock zum Gärtner—, f. Bock; oberd. auch: den Werth od. Preis einer
Sache beftimmen, fr. tariren, z. B. das Bier, den Wein 2c.; einem etwas —
“ehem. f. zutheifen, verleihen, vermachen, vgl. ausſetzen); als wirklich an-
nehmen, für wahr gelten laffen (z. B. fegen wir den Fall, dafs 2.5 bei.
das ungebeugte Mw. gefest, f. angenommen, z. B. geſetzt, dafs es fich fo
verhielte, od. gefegt, es verhielte fich To); endlich bezeichnet feßen in Ver—
bindung mit allerlei Zufägen eine Veränderung, Hervorbringung od. Ver—
fegung in einen gewiffen Zuftand (z. 8. ein Kind in die Welt fegen, d. i.
erzeugen od. gebären; Jäg. von Thieren, bef. Hafen, Hirſchkühen und Reben
auch bloß: fesen f. Junge werfen; etwas in Flammen fegen, d. i. anzlinden,
entzünden; ein Land unter Waffer—, überſchwemmen; ſich in Bewegung —;
etwas od. einen in Stand —, außer Stand—, ſ. Stand; einen außer Thätig-
ſetzen 911
keit —; etwas ins Werk—, d. i. bewirken, bewerkſtelligen; einen in Freiheit
od. auf freien Fuß —; einen in Erſtaunen, in Furcht, Schrecken, Unruhe ꝛc. —;
fih in Gefahr, in Unkoften ꝛc. —; fich mit Iemand, 3. B. mit feinen Gläu-
bigern, aus einander feßen, od. bloß: ſich mit ihnen fegen, d. i. ver-
gleichen, einigen; ein Lied in Mufitfegen, d. i. eine Sang= od. Zonweife
dazu machen (fr. es componiven); es ſetzt, als unperf. Zw. der Volksfpr.
f. es giebt ıc., es entjteht od. gefchieht etwas (z. B. oberd. es fegi Regen,
Schnee u. dgl.; gew. es fest Schläge; es wird Händel feßen u. dgl. m.); —
2) ziellos m. haben, fich mit Anftrengung ſchwung- od. foßmweife fort-
bewegen, insbef. f. fpringen (das Pferd fest; über einen Graben fegen; mit
dem Pferde über einen Zaun —; vgl. Sag 1) u. nachſetzen f. nadeilen 2c.);
auch über ein Waffer fahren, rudern (z. B. mit einem Kahne über den
Fluſs —; vgl. überfesen); Bergw. f. fich erſtrecken (z. B. der Gang fest
in das Gegengebirge); — 3fes. die Setzart, Tonk. die Art u. Weife, wie
etwas in Muſik gefest ift; der od. das Setzbord (niederd. Sett-, Settelbord),
Schiffb. eine breite Planke, welche auf den Bord eines Bootes gefest wird,
um ihn zu erhöhen; das Setzbrett, Buchdr. ein vierediges Brett, auf welches
die abgefegten Schriftfäufen gefteilt werden; die Setzbühne, Bergw. eine
Bretterbühne, worauf die Erze gefegt u. gewaſchen werden; das Seß- Ei,
- M. Seß: Eier, in geſchmolzene Butter gefchlegene und darin halbweich ges
badene Eier; das Sebeifen, auf Eifenhämmern, ein großer Meißel, welcher
auf die glühenden Eifenftüce gefegt wird, um diefelden durch Hammerſchläge
zu zertheilen; die Seßerde, im Deichbau, Raſenſtücke, welche auf die auf:
gemorfene Erde gefegt werden; der Sebfäuftel, Bergw. ein großer, vierediger
eiferner Schlägel; der Setzfehler, ein beim Segen in der Druderei begange:
ner Fehler, gew. Drusfehler; der Sebhafen, Hüttenw. ein Baum mit zwei
Haken, die glühenden Kienftöce von dem Seigerofen zu heben; der Sebha-
men, Fiſch. ein Damen, der an das Ufer gefegt wird; der Setzhammer,
Schmied. ꝛc., ein Segeifen (f. d.) in Geftalt eines Hammers; der Sethafe,
ſ. Satzhaſe; das Seßholz, Zweige, welche zur Kortpflanzung in die Erde ge-
fegt werden, f. v. w. Seplinge, z. B. Sesreben, -weiden 2c.; Gärtn.
auch f. Pflanzer, Pflanzſtock; der Setzkarpfen, f. v. w. Sagfarpfen ;
der Setzkaſten, Schriftkaften dev Buchdruder; in Vitriohverken das hölzerne
Gefäß, in welchem man die Lauge anfchießen läfft; der Seßfolben, in der
Geſchützkunſt eine hölzerne Walze, die Lasung feftzuftoßgen, auch der Seger,
Stampfer; die Seßlauge, in Sulpeterwerken die Lauge, ‚welche hingelegt
wird, damit der Salpeter anſchieße; die Setzlinie, Buchdr. ein meffingenes
Blech, welches beim Segen zwiſchen die Zeilen in den Winkelhaken gelegt
wird; der Seßmeißel, Schloff. ein Meißel in Geftalt eines Hammers; die
Sebpflanze, |. v. w. Sepling; fo auch: das Sekreis; das Sesichiff,
Buchdr. |. v. w. Setzbrett; der Setzſchiffer, wer in befonderen Nothfällen
die Stelle des wirklichen Schiffers vertritt; der Sesfchlich, Hüttenw. durch
das Sieb gewafchener Schlich (ſ. Schlich 2.); die Setzſtange, Bauk. eiferne
Stangen zum Fortſchaffen und Zurechtſetzen der Steine; die Sebftatt oder
-ftätte, f. u. Sege; der Setzſtempel, Bergw. eine Art Hammer, ftumpf u.
auf einer Seite ſchmal zugehend; der Sebteich, f. v. w. Sasteich; der
Setztrog, Hüttenw. ein Trog neben dem Zinnofen, den Zinnftein und bie
Schlacken darin zu vermifchen, auch: der Setzhübel; die Setzwage, eine
912 Seuche — ſich
Bleiwage zur Unterſuchung der wagerechten Lage einer Fläche; die Setzweide,
ſ. o. Setzholz; das Setzwerk, Bergw. ſ. v. w. Graupen (ſ. d.), auch: Se
graupen; die Setzzeit, Jäg. die Zeit, wann die Haſen, Hirſchkühe und
Rehe zu ſetzen, d. i. Zunge zu werfen pflegen; — Ableit. ſetzbar, Bw.,
was geſetzt werben kann, z. B. in der Druckerei, in Muſik ꝛtc.; die Setze,
M. -n, landſch. ein mit Weinftöcken befeßter Ort, auch Setzſtatt; niederd.
Sette, ſ. v. w. Satte, f. d.; das Setzel, -8, (niederd. Settel, Settels),
die Befodung eines fteilen Wafferdeiches; der Seßer, -8, wer etwas feßt,
3: B. Geld auf eine Karte (fr. Pointeur), ein Mufitftüd (Tonſetzer, fr.
Gomponift); insbei. f. Schriftfeßer, f. d.; oberd. auch f. Schäger, Werth—
beftimmer (fr. Taxator), und landſch. f. Säufer; auch f. Segkolben, f. 0.5
ſetzig, Bw., oberd. f. halsftarrig, verftodt; der Sekling, -es, M. -e,
(altd. setzelinc), ein zum Berpflanzen beftimmtes junges Gewächs; Weinb.
alles Setzholz, Setzreben; Fiih. f. Setzkarpfen; die Setzung, gew. das
Setzen (z. B. eines Denkmals ꝛc.).
Seuche, w., M. -n (goth. siukei, althochd. siuhhi, mittelh. siuche und
sieche; oberb. * Seucht, Seuchte; niederd. Süke, Siekte; ſchwed.
sjuka; von dem goth. siuks, altd. siuh, sioh, ficch, f. d. u. vgl. Sucht; Seuche
fteht alfo eig. fi Siehe, wie Teufe in der Bergmw. f. Tiefe, beutft, geußt ze.
neben bieteft, gießt 2c.), chem. überh. eine langwierige Krankheit; jegt eine
verbreitete, um fich greifende anftedende Krankheit, von weiterer Bed.,
als das finnv. Peft, bef. unter dem Vieh (eine Viehſeuche); uneig. auch
f. ein fittfiches Übel, das wie eine verderblihe Krankheit um fich greift; der
Seuchenftoff, der anſteckende Krankheitsſtoff einer Seuche; feuchen, 3w.,
vlt. f. ſiechen; feuchtig, Bw., vlt. f. fiech, füchtig.
feufzen, zielleſ. Zw. m. Haben, (mitteih. siufizen, siufzen; oberd. feufe-
zen, ſeufzen; von süfan, souf zc., faufen, d. i. ſchlürfen, die Luft einzichen,
vgl. das lat. suspirare; angelf. seohan; altd. aud) süfton, siuften, daher oberb.
feuften, fauften; niederd. fuften u. ſuchten, holl. zugten, ſchwed. sucka, engl.
sigh u. sike; vgl. faufen u. faugen), den Athem tief einziehen und hörbar
ausftoßen, als natürliche Lußerung der Bedrängnifs, des Kummers, der Schn-
ſucht 2c., ſinnv. Achzen, ſtöhnen, |. d. (tief feufzen; vor od. aus Liebe feufzenz
nad etwas—, d. i. feufzend od. überh. ſehnlich danach verlangen ; zu Gott—,
d. i. feufzend beten; über etwas—, b. i. feufzend Elagen); das Seufzen,
als Hw.; der Seufzer, -$, M. w. E., (mittelh. siufze, siufte, m.; oberd.
Seufezer, Scufzger), ein einmaliges Seufzen, und der dabei auögeftoßene ;
Laut.
Seule od. Seul, w., M. -en, oberd. (auch Seuel; altd. siula, siule,
von dem altd. siuuan, siuwan, altoberd. feuwen, ſeuen, f. nähen; lat. su-
bula v. suere), f. die Ahle, Schuſterpfrieme.
feyn, ſ. fein, Zw.
fibbe, ein niederd. Lockwort für Hunde, deren Namen man nicht weiß,
(vgl. Sipp, Sipphund).
Sib-Beere, w., M.-n, (öfter. Setbeere), oberd. f. Heidelbeete.
ſibeln, ueſ. niederd. f. tändeln, zärtlich thun.
ſich, rückzielendes Fürw. (Pronomen reflexivum) der dritten Perſon im
Accuſativ u. Dativ der Einheit u. Mehrheit für alle Gefchlechter, (niederd.
fit, ſchwed. sig; — das goth. sik, altd. sih, sich ift urfpr. nur der Aceuf.
——— —
Sichel 913
des ungefchlechtigen perſönl. Fürw. der 3ten Perf. — lat. se; der Dativ
diefes Fürw. (lat. sibi) lautet goth. sis, und wird im Altd. u. noch im älteren
Neuhochd. durch den Dat. des gefchlechtigen Fürw. imu, ira; im, irz ihm,
ihr; M. im, in, ihnen erſetzt; z. B. bibl. unfer Keiner lebt ihm ſelber;
Gott hat ihm (ft. fich) eine Gemeinde erwählt, u. dgl. m.; daneben tritt aber
ſchon im Mittelhochd. sich bisw. auch ald Dativ auf; im Neuhochd. wird
ſich für beide Fälle ausschließlich als rüczielendes Kürw. angewendet; 3. B.
Acc. er ober fie wälht, kämmt, babet, rühmt fich 2c.; fie rühmen ſich ꝛc.;
Dat. er od. fie fchmeichelt fich, bildet fich etwas ein; fie fchmeicheln fich, geben
ſich Mühe zc.; fo auch nady Verhältnifswörtern, 3. B. er ift außer ſich; fie ift
nicht bei fich, Eonnte nicht zu fich Eommen; fie Sprechen immer von ſich ꝛc.; bef.
fteht Sich als Acc. bei rüdzgielenden Zeitwörtern, wie: fich freuen,
grämen, fchämen, fehnen, wundern ꝛc.; auch wird die rückzielende Form oft
fatt der Leideform (des Paffivs) gebraucht, z. B. das Schiff bewegt ſich;
die Sonne verfinftert ſich; der Schlüffel hat fich gefunden ft. ift gefunden wor—
den; und in unperfönlichen Ausdrüden, wie: es fchläft ſich hier gut; mit
vollem Magen arbeitet ſich's ſchlecht; es verfteht fich von felbft, u. dal. m.);
häufig wird fich verftärkt durch Hinzufügung von felbft, f. d. (4. B. er hat
es fich jelbft zugufchreiben; Jeder ift fich felbft der Nächfte; fich felbft anlagen,
täufchen, loben 2c.); — von dem rückzielenden fich unterfcheide man das wech—
felfeitig = zielende (reciprofe) einander, ſ. d.
Sichel, w., M.-n, Verkl. das Sichelchen, (altd. sihhila, sichel; nie-
derd. Sekel; angelf. sicel, engl. sickle; ſchwed. sikel, dän. segel; Tat. secula;
von.gleihem Stamme mit Sch, Suche, Senfe zc., ſ. d. u. vgl. fägen, lat.
secare), ein halbkreisförmig gekrümmtes Schneidewerfzeug mit kurzem
hölgernem Hefte, zum Abfchneiden des Grafes und Getreides, verfch. von
der Senfe (f. d.); uneig. etwas Sichelfürmiges (z. B. die Sichel des Mon-
des, d. i. der Mond im erften, u. im letzten Viertel); eine Art Fifche (auch
der Sichling, ſ. u.); die gemeine Kornblume, auch: die Sichelblume;
das Sichelbein, ein fichelförmig gefrümmtes Bein; daher fichelbeinig, Bw.;
die Sichelente, eine Art Enten in Sibirien mit fihelförmig gebogenen Schwung—
federn; der Sichelfiſch, eine Art langer und dünner Seefiſche; die Sichel-
fliege, Kameelhalsfliege (f. d.); fichelfürmig, Bw.; der Sichelflee, eine Art
Schneckenklee mit fihelförmig gefrümmten Hülfen ; das Sichelkraut, eine Art
des Waffermerkes, auch Sicheimöhre od. = merk; die Sichellege, alt und
fchmweiz. f. die Mahlzeit der Schnitter nach beendigter Ernte, oberd. auch die
Sichelhenke; der Sichelfchnabel, fihelförmiger Schnabel; ein ausländ.
Sumpfvogel mit ſolchem Schnabel; der Sichelfchnäbler, ein Vogelgefchlecht
mit fichelförmigem Schnabel, aud) Sichler genannt, wohin die Baumkletten,
Graufpechte 2c. u. insbef. die Brachvögel gehören; der Sichelmagen, chem.
im Kriege: eine Art Wagen mit fichelförmigen, ſcharfen Eifen an den Achien
od. Rädern; der Sichelzind, Zins von der Ernte; — Ableit. fichelicht,
Bw., fihelähnlich; der Sicheling od. Sichling, -es, M. -e, vit., fo viel
man mit der Sichel auf einmal abfchneidet, eine Handvoll; Sichling
auch f. Aloſe; u. f. Mefferfifch; ficheln, ziel. Zw., mit der Sichel ab-
ſchneiden; mit einer Sichel verfehen (bef. das Mw. gefihelt); der Si—
cheler od. Sichler, -8, wer mit der Sichel ſchneidet; auch f. Sichel:
ſchnäbler, f. o.
Heyſſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 58
944 ſicher — Sicht
ſicher, Bw. (altd. sihhur, sihhar, sicher; altſächſ. sikur; niederd. ſeker,
dän. sicker, ſchwed. säker; — lat. securus, entft. aus se (sine)-cura, ohne
Sorge; mithin ift das deutfche Wort von dem Latein, entlehnt), 1) eig. ſorg⸗
los, unbeforgt vor Gefahr, dann: Feine Gefahr zu fürchten habend, ge-
fhüst vor Gefahr, gefahrlos, geborgen ic. (3. B. einen fiher machen; ſicher
Tchlafen; einen od. fich ficher ftellen; vor Krankheit ift Niemand ficher; vor
mir ift er füher; das Geld fteht hier nicht ficher 2c.); 2) Sorglofigkeit ge—
während, Schuß gegen Gefahr gebend, nicht mit Gefahr verbunden, finnv.
zuverlaffig (einem ficheres Geleit geben; das Pferd geht fiher;z die Wege
find nicht ganz ficher; fichere Leute; ein ficheres Mittel 2c.; niederd. auch f.
bedachtfam, fittfam, ehrbar); 3) nicht irrend oder irrig, unfehlber, un-
zweifelhaft, finnv. gewifs, zuverläffig (4. B. ein ficheres Gefühl; eine fichere
Hand, einen ficheren Gefchmad haben 2c.; eine fichere Nachricht; etwas ficher
wiffen 20.); landſch. auch f. gewifs, von etwas unbeftimmt Angedeutetem
(lat. quidam); die Sicherftellung , das Sicherftellen einer Sache od. Per—
fon; — Ableit. die Sicherheit, 1) o. M. das Sicherfein in allen Bed.
des Bw., alſo: Sorglofigkeit (in völliger Sicherheit Leben); Gefahrlofig-
keit, Schuß vor Gefahren (in Sicherheit fein, etwas in Sicherheit bringen) ;
Ungefährlichkeit (4. B. eines Ortes, der Wege 2c.); Unfehlbarkeit, Zuver-
läſſigkeit, Gewifsheit (des Gefchmads, einer Nachricht 2c.); 2) M. -en,
was Sicherheit gewahrt, u. bef. vor der Gefahr eines Verluſtes ficher ftellt
(Sicherheit leiften; Siherheiten, d. i. Handfchriften, Unterpfänder, Bürg-
fchaften 2c.); die Sicherheitskarte, obrigkeitl. Schein, welcher einem Frem-
den an einem Orte ficheren Aufenthalt gewährt; der Sicherheitsort, Schutz—
ort, Freiftatt (fr. Aſyl); das Sicherheitspfand, ein zur Sicherheit gegebe-
nes Unterpfand; — ficherlich, Nw., meift vlt. f. ficher, zuverläffig, gewiſs,
ohne Zweifel, (4. B. ich weiß es ſicherlich; er kommt ficherlich) ; — fichern 1.,
ziel. Zw., einen od. etwas—, ficher machen od. ftellen, vor Gefahr od.
Verluſt bewahren, (ich bin dagegen oder davor gefichert: fein Eigenthum
fihern, d. i. in Sicherheit bringen); ehem. auch f. verfprechen, geloben;
das Sichermahl (ſ. Mahl 4); vielleicht von einem andern, mit fehen ver-
wandten Stamme?), vlt. f. das Ziel, wonach man ſchießt; der Sicherpfahl,
bei Waffermühlen ein langer in die Erde gerammter Pfahl, welcher die gefes-
mäßige Wafferhöhe zeigt (od. fichert?); die Sicherung, das Sichern, die
Sicherftellung; der Sicherungseid, ein ſichernder od. ficher ftellender Eid.
fihern 2. ziel. 3w. (von feihen od. feigen 3.5 vgl. feigern 2. u. fidern),
Bergm. das gepochte Erz durch aufgegoffenes Waffer von dem tauben
Gefteine fcheiden, auch: waſchen; daher der Sicherftein, in Sinnhütten,
ein Stein, auf welchem die zu fichernden Zinnfteine zerrieben werden; dev
Signs, ein Zrog, worin bie Erze gewafchen werden.
Eichler, Sichling, 1. unter Sichel.
Sicht, w., M. (felten) -en, (von fehen; engl. sight), das Sehen, der
Anblick, gew. * in den Zſetz. Ab⸗ An⸗, Auf⸗, Aus-, Durch-, Ein-, Nach-,
über⸗, Vorſicht 2c.; außer Kaufm. in Wechfelbriefen ze.: auf od. nach Sit,
d. i. nad) dem Sehen od. der Vorzeigung des Wechſels (4. B. Hr. N. zahle
nad) Sicht 2c.; drei Tage nach Sicht ac. ; der Wechfel lautet auf 8 Tage Sicht,
d. i. mufs 8 Tage nad) der Vorzeigung bezahlt werden); Schiff. auch f.
freie Ausficht, Sehweite; der Sichtbrief, ein auf Sicht lautender Wechfel-
fichten — fie 915
brief; das Sichtkorn, an Kanonen das Korn (f. d.), mittelft defien man bas
Ziel mit dem Auge faſſt; — ſichtbar, Bw., was feiner Natur od. den Um-
ftänden nach gefehen werden kann (ein fihtsarer Gegenftand; eine fihtbare
Sonnenfinfternife) ; in engerer Bed. was deutlich in die Augen fällt, finnv.
. augenfcheinlich, offenbar, fichtlich (4. B. die fichtbare Noth des Armen; es
ift fihtbar, dafs er mir zürnt 2c.; die fihtbare Kirche, d. i. die durch gleichen
Lehrbegriff und gemeinfchaftlichen Gottesdienft äußerlich verbundene Kirchliche
Geſellſchaft; verich. die unfichtbare Kirche, d. i. die Gemeinschaft aller Gläu—
bigen) ; fichtbarlich, vit. f. fichtbar, als Bw. (4. B. bibl. fichtbarliche Güter)
u. bei. als Nw. (ev war fichtbarlich erfreut 2c.) ; die Sichtbarkeit, das Sicht-
barfein, entg. Unfichtbarkeit; — ſichtig, Bw. (altd sihtic, sihtec), vlt. 1) f.
fihtbar, fichtlich,, fehbar (zZ. B. fichtiger Schaden; ſichtig falfch; jegt nur
noch in: durhfichtig); 2) f. fehend, anfichtig (eines fichtig werden; jest
nur in 3feg. wie kurz-, weit, blöd-, ſcharfſichtig 2c.); — ſichtlich, Bw. u.
bei. Nw., in die Augen fallend, augenfcheinlich, offenbar (fichtliche Spu-
ven; er hat fichtlih Unrecht); auch f. deutlich fehend (es geſchah vor meinen
fihtlichen Augen).
fichten, ziel. Zw. (durch Übergang des f in ch entftandene Nebenform des
niederd. fiften, verflärkende Ableitung von fieben, eig. fiben, ſ. Sieb;
angelf. syftan, engl. sift, holl. ziften; vgl. Nichte u. Niftel, Klafter u. Lach—
ter 26,), durch das Sieb reinigen (Weizen, Mehl ꝛc.); uneig. überh. durch
Abfonderung des Guten vom Schlechten, des Brauchbaren vom Unbrauch-
baren reinigen; die Sichtwelle, in Windmühlen eine Welle, welche das Er-
füttern des Beutels in dem Mehlkaften bewirkt; das Sicht- od. Sichter-
zeug, das Getriebe an dem Beutelkaften, durch welches das Sichten in den
Mehlkaſten bewirkt wird; der Sichter, -8, 1. ein Bäckerburſche, der das
Sichten und Beuteln des gefchrotenen Getreides verrichtet; die Sichtung,
das Sichten.
Sichter 2. m., -8, M. w. E. (von feihen, feigen, ſ. d. u. vgl. fichern 2.),
Wafferb. hölzerne Röhren od. Rinnen, durch welche das Waffer abfließt, im
Deihbau au: die Sichterhöhle.
fichtig, ſichtlich, ſ. Sicht; — Sichtwelle, zeug, f. fihten.
Side, w., M.-n, landic. f. Sieke, Sie.
fidern, ziel. 3w., (andſch. auch fiekern, oberd. ſicknen; verftärkende
Ableitung von sigen, feigen 1. u. fiegen 1., |. d.), I) m. fein, tropfenweife
durch oder abrinnen, auch fintern G- B. der Wein ift aus dem Faſſe ge-
fidert); 2) m. Haben, eine Zlüffigkeit tropfenmweife durchdringen laffen,
finnv. leden, rinnen (das Faſs ſickert, hat geficert).
Sidergrän, f-, oberd. f. Singrün.
fie, perfünl. Fürw. der dritten Perfon 1) als Nom. u. Acc. der Ein-
heit des weiblichen Gefchlechts, entfprechend dem männl. er, ihn und dem
fähl. es; gebeugt: Nom. fie, Gen. ihrer, Dat. ihr (vüdz. fih), Acc. fie
(eüdz. fich), (goth. siz althochd. N. siu, ©. ira (iro), D. iru (iro), X. sia;
mittelh. Nom. u. Acc. sie, gew. si od. si, Gen. und Dat. ir; altſächſ. Nom.
‚sia, Acc. sia; niederd. fe, engl. she), 3. B. fie (die rau) ift nicht zu Haufe;
ich Eenne fie; diefe Stube gefällt mir nicht, weil fie zu ein ift 20.5 auch Sie
(mit großem Anfangsbuchft.) ftatt des Fürw. der ten Perfon als Anredewort
für eine geringere, bef. dienende weibliche Perfon (4. B. Höre Sie einmal,
i 58 *
x
916 Sie — fieben
Sungfer! gehe Sie hin ꝛc.; vgl. er), ein immer mehr veraltender Gebrauch;
2) als Nom. u. Acc. der Mehrheit für alle Gefchlechter, gebeugt: Nom.
fie, Gen. ihrer, Dat. ihnen (rüdz. fih), Acc. fie (rüdz. fih) (althochd. N.
u. Acc. m. sie, mw. sio, ſ. siu; ©. iro, D. im; mittelhochd. N. u. Acc. sie,
gew. si od. si; G. ir, D. in; altſächſ. Nom. u. Acc. sia; engl. they), 3. 8.
fie find-alle ausgegangen; ich fehe fie nicht; baue nicht auf irdiſche Güter, denn
fie find vergänglih; in der neuhochd. Sprache wird (kaum feit einem Sahr-
hundert) diefes mehrheitl. Sie, Ihrer, Ihnen (mit großem Anfangsbudjft.)
‚auch als höfliches Anredewort fowohl für eine, als für mehre männl. oder
weibl. Perfonen ftatt des Fürmw. der 2ten Perfon (Du, Ihr ꝛc.; ſ. du) allge
mein gebraucht; 3. B. fehen Sie, mein Herr! weinen Sie nicht, meine $reun-
dinn! glauben Sie mir, meine Freunde, was ich Shnen verfichere zc.
Sie, w., M. -en, Verkl. das Siechen, (von dem weibl. Kür. der Iten
Perſon fie entlehnt; niederd. Se, verkl. Selen; landſch. auch Sieke,
Side), gem. f. ein Thier weiblichen Gefchlechts, entg. Er, (bibl. ein
Schaf, das eine Sie ift), gem. nur von Vögeln, entg. Hahn.
Sieb, f., -es, M. -e, Verkl. das Siebchen, (altd. sip, ©. sibes; oberd. .
Sib; niederd. Sef, Seve; angelj. sife, engl. sive u. sieve; vielleicht von dem
Stamme des griech. veleıv, fchütteln, rütteln, daher o7Feıv, fieben; vgl. vei-
tern), ein Werkzeug, beftehend aus einem geflochtenen löcherigen Blatte, wel
ches über einen hohen Kranz gefpannt ift, zur Sonderung der feineren von
den gröberen Theilen eines trodenen Stoffes (ein Haar-, Drath-, Korn-
fieb 20.5 fprihw. Waffer im Siebe tragen wollen, d. i. etwas Vergebliches
unternehmen); — 3fe$. fiebartig, -fürmig, Bw. ; das Siebbein, Anat.
ein aus feinlöcherigen Knochenplatten zufammengelestes Bein der Hirnfchale,
auch das fiebförmige Bein od. Riechbein; die Siebbiene od. -wespe,
ein zu der Gattung der Sand- od. Afterwespen gehörendes Inſect; das Sieb—
blatt od. der Siebboden, der löcherige Boden eines Siebes; der Gieblau-
fer, Bergw. der Kübel, der den Rand des Erzfiebes ausmacht; der Sieb—
macher, ein Handwerker, welcher Siebe macht; die Siebplatte, Anat. eine
fein durchlöcherte Haut Hinten im Auge; der Siebfeger, Hüttenw. ein Ar-
beiter, der das gepochte Erz fiebt, auch Stebwäfcher, fofern er das Erz zu-
gleich wäſcht; der Siebftab, Stäbe, aus welchen die Schienen zu Sieben
gefpalten werben; das Siebtuch, ein loderer Wollenzeug zu Sieben, Beu—
teltuch; — Ableit. fieben, ziel. 3w. (oberd. fiben; niederd. feven, fiften,
vol. ſichten), durch das Sieb fallen laffen, mit dem Siebe reinigen (Ge-
treide, Mehl, Sand 2c.); daher der Giebbeutel, ein Beutel zum Sieben; das
. Siebmehl, gefiebtes Mehl; das Siebwerk, in Graupenmühlen die Vor—
richtung zum Sieben der gemahlenen Graupen; der Sieber, —s, 1) wer et-
was fiebt; 2) (oberd. auch Siberer, Sibler, Sibner) f. Siebmadher.
fieben, 7, Grundzahlw. (goth. und althochd. sibun, mittelh. siben, oberd.
fiben, landſch. verlängert auch fibene, niederd. feven; angelf. seofon, engl.
esven; isländ. siö, ſchwed. sju; lat. septem, franz. sept; griech. Erze; ſanskr.
sapta; poln. siedem) unbiegf. (2. B. fieben Tage, vor fieben Wochen; fieben
uhr; es hat fieben gefchlagen; etwas mit fieben Zeugen beweifen; der fieben
Brüder Tag, d. i. der Tag der Siebenfchläfer, |. u.; feine fieben Sa-
hen od. zgef. Siebenfachen, verächtl. f. feine geringfügigen Sachen, we—
nigen Habfeligkeiten; — auch wenn es ohne Hw. felbft als ein ſolches in der
fieben 917
Mehrh. fteht, wird es nicht leicht gebeugt, alfo: die Sieben, nicht Giebene;
er fam mit Sieben, nicht Siebenen 2c.); die Sieben, M. Siebenen od.
gew. abgek. Sieben, die Zahl u. das Zahlzeichen 7; eine böfe Sieben,
uneig. gem. f. ein böjes Weib (weil die Zahl fieben von Alters her für un—
glücbedeutend, fo wie andrerfeits für eine heilige Zahl galt; n. X. von dem
lett. siba od. siewe, d. i. Hausmutter, Frau, welcher man die deutichen Kriegs»
gefangenen zu opfern pflegte?); das Sieben, —s, M. w. E., eine Anzahl
von 7 Dingen, 7 Stüd; — 3feg. fiebenarmig, -blätterig, = farbig,
-fingerig, = füßig, Bw., fieben Arme, Blätter, Farben zc., habend; der
Siebenbaum, landfch. verderbt f. Säbenbaum; das Siebenblatt, f. Sie—
benfingerfraut; die Siebenblume, eine ausländ. Pflanze mit fiebenfach ge-
theiltem Blumenkelch, fieben Staubfäden, fieben Fruchtkeimen ꝛc. (septas L.);
das Siebeneck, eine von fieben geraden Linien eingefchloffene Fläche mit 7
Eden; fiebenedig, Bw., fieben Eden habend; fiebenfach od. fiebenfältig,
Nw. u. Bw., fiebenmal genommen, fiebenmal fo viel (das Siebenfade,
als Hw.); das Siebenfingerfrauf, das Gänfefraut (comarum L.); die
Blut oder Ruhrwurz (f. d.); das Siebengebirge, ein aus fieben einzelnen
Bergen beftehendes Gebirge (am Rhein; auch f. die fieben Hügel, auf denen
das alte Rom lag); das Siebengeftirn, ein fieben helle Sterne enthaltendes
Sternbild, ehem. auch die Gludhenne genannt (fr. die Plejaden); das Sie-
bengezeit, auh Siebenzeit, Siebenftundenfraut, landſch. f. blauer
Steinklee, wohlriechender Klee, welcher nad) dem Volksglauben fiebenmul
täglich den Geruch verlieren und wieder befommen foll, daher auch: der Sie—
bengerud; der Siebenherr oder Stebenherrfcher, einer von fieben ge—
meinfchaftlich Herrſchenden (fr. Heptarch); ſ. auh u. Siebener; die Sie—
benberrfchaft, Regierung von fieben Männern (fr. Heptarchie); fiebenhüge-
lig, Bw., fieben Hügel habend od. einnehmend (das fiebenhügelige Rom, auch:
die Siebenhügelftadt); fiebenjährig, - fündig, -tägig, -wüchig u. felten
monatig, Bw., was fieben Jahre, Stunden zc. alt ift od. dauert; fieben-
jährlich, -ſtündlich, -täglich, -wöchentlih, = monatlich, Bw., alle
fieben Schre, Stunden zc. wiederfehrend; fiebenmal, Nw., od. fieben Mat,
in fieben Wiederholungen, zu fieben Malen; fiebenmalig, Bw., fiebenmal
geichehend; fiebenmännerig, Bw., Pflanz. von Gewächſen mit fieben freien
Staubfäden (fr. Heptandria); die Siebennacht, vit. f. eine Woche; fieben-
pfündig, Bw., fieben Pfund wiegend; der Siebenpunft, mit fieben Punk—
ten gezeichnete Sonnenkäfer (coccinella septempunctata); die Siebenfadhen,
f. o. fieben Sachen; der Siebenfchläfer, eig. M. die fieben Schläfer, fieben
Brüder aus Ephefus, welche nach der Sage während der Chriftenverfolgung
unter dem Kaifer Decius im J. 351 in einer Höhle einfchliefen u. nah 155
Jahren wieder erwachten; dann zgeſ. der Siebenſchläfer f. jeden eingel-
nen biefer Brüder; auch f. der Siebenfhläfertag, d. i. der dem Anden-
ten derfelben gewidmete Kalendertag (27. Jun.); uneig. ſcherzh. f. ein ſchlaf⸗
füchtiger Menſch, Langichläfer; auch ein zum Maufegefchlecht gerechnetes Säu—
gethier, welches den Winter duch ſchläft, die Schlaf- od. Bergrage, Bilch-
Rell⸗, Schrotmaus, graues Eichhörnchen ꝛc.; landſch. f. Roſen- od. Schlaf-
apfel; das Siebenſchläferchen, landſch. f. die Küchenſchelle od. Oſterblume,
wegen vermeintlicher ſchlafwirkender Kraft; der Siebenſchwanz, gem. f.
Seidenſchwanz (woraus es wahrſch. verderbt iſt); ſiebenſeitig, Bw., ſieben
918 Sicht — fich
Seiten habend; fiebenfilbig, Bw., aus fieben Silben beftehend; der Sieben-
ftern, ſ. v. w. das Giebengeftien; fiebenftimmig, Biw., Tonk. für fieben
Stimmen gejegt; der Siebenftrahl, eine Art Seefterne; fiebentheilig, Bw.,
aus fieben Theiten beftchend; fiebenthorig, -thürmig, Bw., dicht. fieben
Thore, Thürme habend; fiebenzeilig, Bw., aus fieben Zeilen beftehend; ſie—
benzollig (x. als⸗-zöllig), Bw., fieben Zoll lang, did 2c.; — fiebzehn,
verkürzt fl. fiebenzehn, welches im Hochd. nicht mehr üblich ift (altd.
“ sibunzehan; oberd. fibenzehen), 17, unbiegf. Grundzahlw., fieben und zehn;
daher fiebzehnfach, -jährig, -tägig ꝛc.,-jährlich, täglich zc., - mal,
malig, -pfündig ꝛc., wie ſiebenfach, jährig 2c., ſ. d.; der Siebzehner, ein
aus 17 Einheiten beftehendes Ganzes, z. B. eine öſtr. Silbermünge von 17
Kreuzern; auch ein Glied einer Gefammtheit, 3. B. eines Rathes, von 17 Per:
fonen; der, die, das fiebzehnte, Ordnungszahlw.; fiebzehntehalb, unbieaf.
Zahlw., fechzehn und ein halb; das Siebzehntel, -8, der fiebzehnte Theil;
fiebzehntens, Nw., zum fiebzehnten; — Ableit. von fieben: fiebenen, ziel.
3w., vlt., einen Angeklagten vor fieben Zeugen verhören (vgl. befiebenen,
überfiebenen); der Siebener, zgez. Siebner, -8, M. w. E. ein aus fie-
ben Einheiten beftehendes Ganzes, bef. ein Siebenfreuzer-, od. Sieben-
pfennigftüd; oberd. auch f. die Sieben, das Zahlzeichen; landſch. ein Mit-
Hlied einer aus fieben Perfonen beftehenden obrigkeitl. Behörde, auch der
Siebenherr; oberd. insbef. einer von fieben gefchworenen Sachverftändi-
gen, bef. in Baur, Flur-, Grenzſachen ze. einer Gemeinde; daher oberd. die
Siebnerei, der Verein der Siebner; das Siebengericht u. dgl. m.; fie:
benerlet, zgez. fiebnerlei, unbiegf. Biw., von fieben verfchiedenen Arten od.
Befchaffenheiten; der, die, das fiebente (gem. zgez. fiebte; althochd. si-
bunto, mittelh. sibente, sibende), Orbnungszahlw. von fieben (4. B. der
fiebente Tag; zum fiebenten Male 2c.); fiebentehalb (gem. fiebtehalb), un-
biegf. Zahlw., das fiebente halb, d. i. ſechs und ein halb; das Giebentel
(gem. zgez. Siebte), -$, M. w. E., der fiebente Theil eines Ganzen;
fiebentens (gem. zgez. fiebtene), Nw., zum fiebenten; fiebzig, verkürzt ft.
fiebenzig, welches im Hochd. nicht üblich ift (altd. sibunzuc, sibenzee,
oberd. fibenzig), 70, unbiegf. Grundzahlw.; zehn mal fieben (z. B. ein Greis
von fiebzig Jahren; nur im Dat. gebeugt, wenn es ohne Hw. felbft als ein
ſolches fteht, z. B. einer von Siebzigen; in den Siebzigen fein, d. i.
zwifchen 70 und 80 Jahre alt); Zfeg. ſiebzigfach, -jährig, =tägig ıc.,
jährlich, -täglich zc., mal, -malig ıc., wie fiebenfach, fiebenjährig zc.,
ſ. d.; Ableit. der Siebziger, -8, ein aus 70 Einheiten beftehendes Gan-
zes; eine Perfon von 70 Jahren, weibl. die Siebzigerinn; fiebzigerlei,
unbiegf. Bw., roie fiebenerlei, f. d.; der, die, das fiebzigfte, Ordnungsʒahlw.
von ſiebzig; das Siebzigſtel, -8, der ſiebzigſte Theil; ſiebzigſtens, Nw.,
zum ſiebzigſten.
Siebt, ſ.,-es, M. -e, niederd. eine Art Senſe od. Hacke an einem 3
Fuß langen Stiele zum Abmähen od. Abhauen der Heide, Heidefiebt (auch
Segd, Seed, Seid, u. Sift).
Siebtuch, -wäfcher, -werk, f. unter Sieb.
fiebzehn ıc., fiebzig 2c., f. unter fieben.
fie), Bw. (goth. siuks, altd. siuh, sioh, sieck; nieberd. ſeek, fiek, füß;
isländ. siuk, ſchwed. sjuk, dän. siug; angelf. seoc, engl. sick; daher Seuche
t
}
ſied — fieden 919
u. Sudt, ſ. 5.) urfpr. überh. krank; bef. mit einer langtvierigen unheit-
baren Krankheit oder Kränklichkeit behaftet, finnv. kränklich, ſchwächlich,
(ein ſiecher Menſch, auch als Hw. der, die Sieche, M. die Siechen;
oberd. auch: der Siech, die Siechinn; ein ſiecher Körper; ein ſieches
Leben); ehem. insbeſ. f. ausſätzig, auch uneig. f. ſchlecht, werthlos; — 3ſetz.
das Siechbett, oberd. f. Krankenbett; das Siech- od. gew. Siechenhaus,
der Siechenhof , Krankenhaus (fr. Lazareth); insbef. zur Verpflegung lang-
wieriger unheilbarer Kranken, Ausfähiger 2c., oberd. auch der Siechkobel (.
Kobel); der Siechmeifter, die Siechmeifterinn, oberd. Auffeher einer Sie-
chenftube (in Klöſtern), od. eines Siehenhaufes; der Siechtag, Krankheits-
tags; alt u. oberd. f. Krankheit, Sucht (zZ. B. der fallende Siechtag f. Fall-
ſucht); ſiechtagig, Bw. it. f. kränklich; — Ableit. ſiechig ſiechlich, Bw.,
olt. f. kränklich; dev Siechling, -es, M. -e, Neum. f. kränklicher, ſchwäch—
licher Menſch; die Siechheit, der od. das Siechthum, (mittelh. siecheit,
siechtuom), alt u. oberd. f. langwierige Krankheit, insbef. Ausfag; — fie.
chen, ziellof. 3w. m. haben, (goth. siukan, altd. siuhhen, siechen, niederd.
füßen) , fiech fein, anhaltend kränkeln.
fied, Bw. (f. feigen 1. u. Seite) niederd. f. niedrig, flach, feicht.
Siede, w., Siedebanf ıc. — -kaſten, f. unter fieden.
Siedel, f., -8, M. w. E., od. die Siedel, M.-n, (althochd. sidia,
mittelh. eidel, sidele, f. u. w.; oberd. die u. das Sidel; vgl. Sedel, Sattel
und figen, lat. —* ſitzen, sidere, ſich niederlaſſen), alt u. oberd. f. Sitz,
Seſſel, Stuhl, Bank (z. B. Betbank in der Kirche, Beichtſtuhl 2c.); oberd.
insbeſ. eine Bank, die zugleich eine Lade, d. i. ein Behältniſs für Wäſche,
Kleider u. dgl. ift, auch: die Sie deltruhe; ferner f. Sitz, Wohnfis, Auf:
enthalt, bef. Landhaus, Landfiß, (daher: das Anfiedel, Nadtfie
delxc.); der Siedelhof, ein von Laften, Frohndienften ze. freier Bauerhof,
auch Sattelhof (ſ. d.); — der Siedel, -$, M. w. E. (althodyd. sidilo, mit:
telh. sidele, oberd. Sidel), alt und oberd. wer irgendwo wohnt, anfaffig
ift (bei. in Ifes. wie Einfiedel f. Einfiedler; Erb-, Landfiedelaec.);
— fiedeln, Zw. (altd. sidilön, sidelen, oberd. fideln) 1) ziellos, alt u. oberd.
f. angefeffen fein, wohnen, verweilen; fich hauslich niederlaflen; 2) ziel.
u. rüdz. einen—, anfaffig machen; ſich —, häuslich niederlaffen, an-
bauen, vlt., außer in anfiedeln, |. d.; die Siedelei, M. -en, vit. der
Ort, wo man fich niedergelaffen hat (vgl. Einfiedelei); der Siedeler od.
Siedler, -8, gew. Anfiedlerz die Siedelung, gew. Anfiedelung.
fieden, 3to., ablaut. Smpf. fott, Conj. fütte, Mw. gefotten; in der neue-
ven Sprache auch wohl bloß umend. fiedete, gefiedet, be. als ziel. Zw., (alt=
hochd. siodan, söd, sutun, gisotan; mittel. sieden, söt, suten, gesoten;
oberd. fieden u. feuden, Prät. futt u. fiedet; niederd. feden, feen, Prät. fodde,
Mw. faden; isländ. siöda, ſchwed. sjuda, angelf. seodhan, engl. seeth, holl.
zieden; vgl. d. griech. L£eıv, fieden, u. ZuFos, Gerftenfud, Bier), 1) ziellos
m. haben, urfpr. überh. von Flüſſigkeiten: zifhend od. brodelnd aufwallen
(daher landfch. der S od, mittelh. söt, f. Brunnen); jest in engerer Bed. durch
Feuer erhigt aufwallen, finnv. Eochen (das Waſſer fiedet im Topfe, hat ge-
fotten 20.5 fiedendes Waſſer; fiedend heiß 2c.); in weiterer Bed. auch von
feften Körpern, die in fiedendem Waffer zubereitet werden (die Fifche, die
Eier 20. fieden ſchon); uneig. f. in heftiger Gemüthsbewegung, leidenſchaft—
920 ſieder — Siegel
licher Aufwallung, Hitze ıc. fein (. B. in Zorn, vor Liebe 2c. fieden);
2) ziel. etwas —, fieden laffen, zum Sieden bringen und dadurch zube-
reiten, ſinnv. Eochen, welches jedoch von weiterer Bed. ift u. bef. von folchen
Dingen gebraucht werden mufs, welche zu ihrer Zubereitung längere Zeit am
euer fein müffen (man fiedet Fifche, Krebfe, Eier; aber man Eocht Fleifch,
Suppe 20.5 Seife, Salz ze. fieden); das Sieden, -8, oberd. f. der Sub,
die Zeit, fo lange das Salz gefetten wird; aud die Anftalt zum Salzfieden,
das Salzpfannhaus; — Zfeg. der Siedegrad oder punkt, der Hitzegrad
des fiedenden Waſſers; fo auch: die Siedehitze; fiede- oder ſiedheiß; Bw.,
fo heiß, wie fiedendes Waſſer; die Siedehütte, der Theil einer Alaun= oder
Salpeterhütte, wo die Lauge eingefotten wird; die Giedepfanne, Pfanne,
in welcher etwas gefotten wird, bef. die Salzſoole; die Siedefchale, in den
Münzen: die Schale, in welcher die Münze in dem Siedeofen weiß gefotten
wird; — Ableit. die Siede, o. M., das Sieden (z. B. in der Siebe fein);
Landw. mit heißem Waffer eingebrühetes Viehfutter; landſch. überh. f.
Häderling, Hädfel; daher die Siedebanf, -lade, - Schneide ze. f. Häckſel⸗
bank zc.; das Siedefaſs, der Siedebottich, ein Zafs ꝛc.; in welchem bie
Siede angemadht wird; der Siedefaften, landſch. f. die Zutterbanf; — der
Sieder, —s, wer etwas fiedet, bef. in der Zſetz. Seifen, Salz, Thranſie—
der 2c.; die Siederei, das Sieden, die Verrichtung des Sieders, und die
Anftalt, wo etwas durch Sieden zubereitet wird (4. B. Seifenſiederei);
fiedig ed. fiedenig, Bw. (niederd. fedenig, fenig), Landfch. f. fiedend, fiede-
heiß; ſchwäb. als Nw. f. fehr, in hohem Grade (4.8. fiedig kalt, lang u. dgl.).
fieder od. fider, Nmw., landſch. f. feit, f. d.
Siedler, m., ſ. Siedeler unter Siedel.
Sieg, m., 26. ſ. unter fiegen 2.
Siegel, f., -d, M. w. E., Verkl. das Siegelchen, (altd. in-sigili, sigele,
insigel; oberd. Sigel, niederd. Segel; ſchwed. sigill; angelf. sigel, engl.
seal, franz. sceau; fämmtiid von dem Tat. sigillum, cches die Verkleine-
rungsform von signum, Zeichen, ift), ein Zeichen vder Bild, welches zur
Berficherung od. Bekräftigung, auch zur Verfchließung eines Schreibens
ıc., in einer weichen Maffe, ale Wachs, Giegellad, Blei ꝛc., abgedrudt
wird, und diefer Abdruck felbft (fein eigenes Siegel haben; ein wächfernes
Siegel an eine Urkunde hängen; das Siegel eines Briefes erbrehen; einem
Brief und Siegel über etwas geben, f. Brief; etwas unter Siegel legen, d. i.
verfiegeln, bef. gerichtlich; uneig. einem etwas unter dem Siegel der Ver—
ſchwiegenheit anvertrauen); bair. auch f. Stempel (daher Siegelpapier,
Siegelamt ꝛc. f. Stempelpapier 2c.); uneig. f. der Verficherungsgrund,
die Bekräftigung einer Sache (bibt. das Siegel der Gerechtigkeit, der gött—
tichen Vollmacht; das Siegel der Wahrheit u. dgl.); ferner das Werkzeug
zum Siegeln, bef. ein folches,. deffen sich ganze Gefellfchaften, Gemeinheiten,
Behörden zc. bedienen, finnv. Petfchaft, welches insbef. von Privatperfonen
gebraucht wird, (g. B. das Stadt-, Staats-, Raths-, Gerichtsfiegel; ein
Siegel ftechen ꝛc.); — fiegeln, ziel. Zw., (goth. sigljan, altd. sigelen, nie—
derd. fegeln, engl. seal), etwas—, ein Siegel darauf drüden, e8 mit
einem Siegel verfehen, verfchließen, vgl. be- verfiegeln (eine Urkunde, einen
Brief 2c.); bair. auch f. ſtempeln; — 3feg. v. Siegek u. fiegeln: die Sie—
gelbanf, Zuchm, der Tiſch, auf welchem die Tuche mit bfeiernen Siegeln
fiegen 921
verfehen werben; der Siegelbewahrer, wer das Siegel einer Gefellfchaft,
einer Kanzlei oder Behörde in Verwahrung hat, bef. f. v. w. Kanzler (der
Großfiegelbewahrer, ſ. unter groß, in Frankr. f. v. w. Juſtizminiſter);
die Siegelerde, eine feine, fette Thonerde, welche zu runden Plätzchen ge—
formt u. mit einem Siegel bedtudt verfendet wird (fr. Bolus, terra sigillata);
das Siegelgeld, für die Befiegelung von Urkunden ze. in den Kanzleien zu
bezahlendes Geld; die Siegelfapfel, Kapfel, in welcher fi) das angehängte
Siegel einer Urkunde befindet; die Siegelfunde, Kenntniſs der Siegel bef.
der älteren Zeit. (fr. Sphragiſtik); das Siegellack, eine aus Gummilad, Harz,
Wachs ꝛc. zufammengefeste, in dünne Stangen geformte, farbige Maffe, welche
am Feuer ſchmilzt und zum Giegeln gebraucht wird; daher die Siegellad-
ftange; der Siegelladmacher 2c.; die Siegelleinwand, öfte. f. Wachs—
leimvand; fiegelmäßig, Bw., oberd. f. ein eigenes rechtsgültiges Siegel füh—
rend; bair. insbeſ. hefugt, Urkunden zc. mit bloßer Unterfchrift und eigenem
Siegel ohne gerichtliche Ausfertigung rechtsgültig zu fertigen, ein Vorrecht des
Adels und der höheren Beamten; die Siegelpreffe, in Kanzleien eine Preffe,
mit welcher das ftählerne Siegel auf das Wachs gedruckt wird; der Giegel-
ring, mit einem Siegel verfehener Fingerring; der Siegelftecher, Petichaft-
ftecher; das Siegelwachs, gefärbtes Wachs zum Siegeln in Kanzleien 2c.;
— Ableit. fiegelbar, Bw., mas gefiegelt werden kann; chem. auch f.
fiegelmäßigz; der Siegeler od. Siegler, -8, (v. fiegeln) wer fiegelt; (von
Siegel) ehem. wer Siegelringe, Juwelen ıc. verkauft, Juwelenhändler;
die Siegelung, das Siegeln.
ſiegen 1. ziellof. Zw. (altd. sigan, sigen, Prät. seic, sigen), f. v. w. fei-
gen 1. (f. d.), völlig vlt. f. fich neigen, finfen, fallen; insbef. von Flüffig-
keiten: allmählich eintrodnen und verfchwinden, nur noch üblich in: ver-
fiegen; fiegern, ziellof. Sw. m. fein, Bergw. f. v. w. fidern, herab-
teöpfeln od. rinnen (das Silber firgert am Gefteine herab; auch) fiefern).
fiegen 2. zielof. 3w. m. haben, (mittelh. sigen, Prät. sigete; auch ge-
sigen; wahrfch. von gleichem Stamme mit sigen, feigen od. fiegen 1., jo dafs
eö eig. „ſich auf od. über etwas ftürzen‘ bedeutet; oberd. figen u. gew. obſi—
gen; angelf. sigrian, isländ. sigra, ſchwed. segra), über feinen Gegner die
Dberhand gewinnen, bef. in offenem Kampfe, feinen Feind überwinden,
den Sieg davon tragen (die Deutfchen haben gefiegt; über Semand —, ehem.
auch: wider Jemand ſiegen; uneig. über feine Leidenfchaften, über fich ſelbſt —,
d. i. fi bezwingen, bezähmen, beherrfchen ꝛc.; eine fiegende Schöne, fiegende
Schönheit, d. i. die alle Herzen ſich gleichfam unterwirft); — der Sieg, -e$,
M. -e, (altd. sigu, sigo, sige; oberd. Sig; angelf. sige, sigor, iöländ. sigur,
sigr), das Siegen, die Überwindung des Gegners im Kampfe, bef. im offe-
nen Gefechte zwifchen zwei Kriegsheeren (den Sieg erfechten, erlangen, davon
tragen; ein blutiger Sieg, d. i. der viel Blut gekoftet hat); uneig. die Unter-
drüdung, Bezwingung, Herrfchaft über etwas (z. B. der Sieg über die
Begierden, über fich felbft 2c.); — 3feg. mit Sieg: Siegfried, -$, (altd.
Sigifrid, d. i. durch Sieg befriedet od. geſchützt; oberd. Seifrid), männl. EN.;
fieggefrönt, Bw., mit Sieg gekrönt; fieggewohnt, Bw., des Sieges ge-
wohnt, gewohnt zu fiegen; ſieglos, Bw., (altd. sigelös), ohne Sieg, des
Siegs verluftig, befiegt; daher die Sieglofigkeit; Siegmar, -8, (altd. Sigi-
märi, Sigemär, d. i. fiegberühmt), männl, EN.; daher das Siegmarfrauf
922 Siefe — Siel
oder die Siegmarwurz, auch Siegmanndfraut oder = wurz, verfchiedene
Pflanzen, welche nach dem Volksglauben unverleglich machen u. den Sieg ver:
Schaffen follen, insbef. eine Art Lauch: fleckiger Berglauch, Alpenlauch, Aller
mannsharnifch, lange Siegwurg, Hülf-, Heilwurz (allium victerialis L.);
auch die Augenpappel od. das Fellriſs; u. die rothe Schwertlilie, Siegwurz;
Siegmund od. Sigismund, -$, (altd. Sigimund, Sigismundus, d. i. durch
Sieg beſchirmt; vgl. Mund 2.), männl. ER.; die Siegmundmurzel, f. v.
w. Siegmarwurz; flegprangen, untrb. ziellof. Zw., mit dem erfochtenen
Siege prangen (fr. triumphiren), überh. fiegreich prangen, hervorglängen; fieg-
reich, Bw., reich an Sieg od. an Siegen, überh. f. fiegend, fieghaft; der
Siegftein, ein Stein, welcher nach dem Volksglauben feft und unverletzlich
machen, auch alle Krankheiten befiegen foll, insbef. eine Art Achat; auch f.
Sternftein; die Siegwurz, |. Siegmarkraut; — mit Sieges: der Sie
gesbogen, Triumphbogen; das Siegesdenkmal; die Siegesfahne, Fahne
als Zeichen des Sieges; die Siegesfeier, das Siegeöfeft 2c.; der Sieges-
fürft, fiegender Fürftz uneig. f. Chriftus; das Siegesgehenk, in den bil
denden Künften, verfchiedene aufgehängte Kriegsgeräthe, Waffen 2c. als Sieges—
zeichen (fr. Trophäen, r. Tropäen); das Siegesgepränge, feierlichen öffent-
licher Aufzug der Sieger, auch der Siegespomp, die Siegespracht, ver
Triumph; der Siegesygefang, das Siegeslied; der Siegesgott, die Sie-
gesgöttinn (fr. Victoria), fiegbringende Gottheit; der Siegeskranz, die
Siegeöfrone, f. u. Siegerkrang 2c.; die Siegesfunde, nachricht 2c.; der
Siegeslauf, Fortgang des Sieges, fiegreiches Fortichreiten; der Giegeslohn
od. preis; die Siegesmacht, fiegende Macht; das Siegesmahl, Mahl zur
Feier des Sieges; die Siegespalme, f. Palme; der Siegesruhm; fieges-
od. fiegtrunfen, Bw., vom Siege gleichi. beraufcht, begeiftert; der Sieges—
wagen, Kriegs od. Triumphwagen des Siegers; das Siegeszeichen, Zeichen
eines erfochtenen Sieges, als Fahnen, erbeutetes Kriegsgeräth, Waffen ꝛc.;
inöbef. f. v. w. Siegesgehenk, f. o.; der Siegeszug, Zug zum Siege, fieg-
reicher Feldzug; auch f. Siegesgepränge, Triumph; — Ableit. von Sieg:
fieghaft, ehem. auch fiegbar, Bw., (altd. sigehaft, sigebaere), des. Sieges
theilhaft, den Sieg errungen habend, fiegreich; daher die Sieghaftigkeit;
jieglih, Bw., vlt. f. dem Siege gemäß, zum Siege gehörend; — von
fiegen: der Sieger, -$, die Stegerinn, M. -en, wer fiegt od. den Sieg
davon getragen hatz daher: der Siegerdegen od. das Siegerſchwert; der
Siegerfrang, die Siegerfrone, Kranz, Krone, als ehrender Schmud des
Siegers; Siegerkrone auch f. Pradtlilie; der Siegerruhm, = ftolz ıc.;
— der Siegerich, -$, eine Pflanze, desen bohnenförmige Frucht (Ignatius-
bohne) große Heilkräfte befigen fol. \
Siefe l., w., M.-n, landſch. gem. f. die Sie, das Vogelweibchen.
Siefe 2. w., M. -n, (mahrfch. verw. mit fiegen 1. f. ſinken; vgl. fiekern,
fi&ern; alfo urfpr. Vertiefung, Rinne, vgl. Seen), Klempn. ein aus Blech
Hefchlagenes Gefimfe; der Siekenſtock, ein Ambofs mit runden Rinnen,
in welche der Sief- od. Siefenhammer pafft u. auf welchem das Blech zu
Sieken gefchlagen wird. -
fiefern, zielloſ. Zw., landſch. f. fidern, ſ. d.
Siel, m. u. f., -e3, M. -e, (von sihen, niederd. ſijen, ſeihen, d. i. das
Waffer ducchlaffen), niederd. eine Schleufe unter einem Deiche zum Heraus:
— ELLE
er ee nr
ve in Zr
Siele — Silbe 0923
laſſen des Hinter dem Damme zufammenlaufenden Waſſers (Balkenfiel,
wenn es aus Balken befteht; Klapp- ob. Kumpfiel, wenn es eine Klappe
od. Fallthür hat; Ständerfiel, wenn es aus Ständern, Balken u. Kleid-
Holz gebaut ift); die Sielacht, der Bezirk, welcher durch ein Siel abgewäflert
wird; der Sielenbau, f. Schleufenbau; der Sielbote od. -läufer, ein Bote
zu Beftellungen in Sielſachen; der Sieldeich, mit einem Siele verfehener
Deich; der Sielflügel, das mit Bohlen bekleidete Ufer eines Sielgrabens;
das Sielgeld, Beitrag zur Unterhaltung eines Sieles; der Sielgraben op.
das Sieltief (niederd. Sieldeep), der Hauptgraben, der das Waller zu dem
Siele führt; die Sielfcheidung od. «fhuttung, Abdämmung auf der Scheide
zweier Sielachten; — fielen, ziel. 3w., niederd. f. das Waſſer durch ein,
Siel ablaffen.
Siele, w., M. -n, (altd. der silo, sil, &. -en; oberd. der Sil, de
Silen, auch das Sill, u. die Sil; ſchweiz. Sell f. Pferdegefhirr, fellen f.
anfchirren; niederd. Seht (f. d.); Sehle, Sähle; urfpr. Band, Riemenwerk,
von gleihem Stamme mit Seil, f. d.), überh. Gefchirr für Zugvieh, Zug-
tiemen und Kummet; insbef. ein Theil des Pferdegefchiers, beftehend aus
gepolfterten oder gefutterten Lederftücen, welche den Pferden über Bruft und
Schultern gelegt werben, verfch. von dem hölzernen Kummet, (den Pferden die
Sielen auflegen; in den Sielen gehen, uneig. f. ftets arbeiten) ; Bergw. leder-
ne Riemen, woran die Karrenläufer den Karren führen; fränk. f. Hofen-
träger; der Siel (Gil) chem. auch f. Karren, Schlitten.
fiepen u. fiepern, zielloſ. Zw., niederd. f. ſickern, fiekern, rinnen, trie—
fen, fowohl von der hervordringenden Feuchtigkeit, als von dem Gefäße, wel-
ches eine Flüffigkeit durchläſſt; — fiepeln, zieWof. Zw., niederd. f. wenige
Thränen weinen (au fippern); daher Siepelthränen; der Sie
peler x.
fierig od. firig, Bw., oberd., f. fehrig unter fehr.
ſiezen, ziel. Zw. (won Sie; vgl. duzen, ihrzen); gem. einen—, mit
Sie anreden.
Sift, f., -e3, M. -e, landſch. f. v. w. Siebt, f. d.
fiften, ziel. 3m., niederd. f. fichten, fieben, f. d.
Sihle, w., M. -n, in Schleswig f. der Häring.
Silau, m., -e$, 0. M., (verw. mit sil, Siele, Band, Strang?) eine
Art des Haarftranges (f. d.), welche an feuchten Orten wählt, auch Bär—
wurz, Roſskümmel genannt.
Silbe, w., M. -n, Verkl. das Silbchen, (oberd. die Silben, Silmen;
vom lat. —* griech. ovAleprn, d. i. Zuſammenfaſſung; franz. syllabe,
engl. syllable; alfo der Abftammung gemäß: Sylbe, wofür man aber beffer
Silbe fchreibt, da das Wort in diefer fehr veränderten Form längſt eingebür-
gert ift), ein Lautverein, d. i. die mit einem Stimmabfag ausgefprochene
Verbindung eines Selbftlautes mit einem od. mehren Mitlauten ; überh.
jedes mit einem Stimmabfa& gefprochene Wort od. Wortglied, auch wenn
es in einem einzelnen Selbſtlaut befteht (4. B. Azlo=e, e⸗del 2e.; nicht eine
Silbe hervorbringen können; ich verftehe Feine Silbe davon; Silben ſtechen
od. Elauben, eig. die Silben eines Wortes od. die einfachften Beftandtheile
der Rede mit Pleinlicher Genauigkeit unterfuchen, uneig. überh. es mit Kleinig:
Zeiten ängftlich genau nehmen; daher: der Silbenfteher; die Silben:
924 Silber
ſtecherei; filbenfteherifch); die Silbenlänge, das Silbenmaß, die
verſchiedene Zeitdauer, Länge und Kürze, der Silben (fr. Quantität); die
Silbenmeffung, Meffung der Silben, Beftimmung ihres Zeitmaßes, auch:
Zeitmeffung; aud) |. v. w. Silbenmaßlehre, (fr. Profodic, Profodik), ein
Theil der Sprach = und bef. der Verslehre; das Silbenräthfel, ein Räthfel,
beftehend in einem mehrfilbigen Worte, deffen einzelne für fich bedeutſame Sil—
ben abgefondert zu errathen find (fr. Charade); der Silbenton, der Ton
(f. d.), welcher einzelne Silben mehrfilbiger Wörter trifft (fr. Accent, im en-
geren Sinne), verſch. Wortton; filbenweife, Nw., nach einzelnen Silben,
Silbe für Silbe; die Silbenzahl xc.; — filbig, Bw., eine Silbe, od. Sil-
ben habend, nur in Zfes. wie ein=, zwei=, dreis, mehrfilbig ze.
Silber, f., -$, o. M., (goth. silubr, althochd. silupar, silabar, mittelh.
silber; niederd. Sulver; isländ. silfr, ſchwed. silfwer, dän. sölf; angelf.
seolfor, sulver, engl. silver), din weißes, glänzendes, feuerbeftändiges ed-
les Metall von ſchönem, hellem Klang, nächft dem Golde am hödhften ge-
achtet (gediegenes, reines Silber; in Silber arbeiten 2c.; kaltes Silber,
Gürtl. ein Gemifch von Silberkalk und Weinftein, damit zu überfilbern) ; ins-
bef. f. gemünztes Silber, Silbergeld (in Silber bezahlen), u. f. Silberge- -
räth, -geſchirr (auf od. von Silber fpeifen, u. dgl.); in weiterer Bed. andere
filberähnlihe Metalle, z. B. Queck-, Kagenfilber 2c.; uneig. bei. dicht. f.
alles rein u. filberweiß Ölänzende, 3. B. das Wafler, der Ihau, das Sil-
ber der Haare, d. i. die glänzendweiße Farbe; daher viele, meift dicht. Zſetz.,
als: der Silberbach, -flufs, from, die Silberfluth; das Silbergewölf;
das Silberhaar, filberhaarig, Bw.; das Silberhaupt; das Silberlicht;
die Silberlode, filberlodig, Bw.; das Silbermeer; der Silbermond;
die Silberquelle od. der Silberquell; der Silberfchnee; der Silberfee;
die Silberwolfe u. a. m.; — andere Zfeg. der Silberaal, ein Aal mit wei-
sem Bauche u. Schwanze; die Silberader, f. Ader; der Silberahorn, ro
ther Ahorn, deffen Biätter auf der unteren Seite filberfarben find; die Sil—
berarbeit; der Silberarbeiter, jeder in Silber arbeitende Handwerker oder
Künftler, insbef. der Gold- u. Silberarbeiter, gem. Goldfchmied; das Sil—
berauge, eine Art Raben mit filberfarbigen Augen; das Silberband, ein
mit Silber durchwirktes Band; ein zum Häringsgeſchlecht gehörender Fiſch
mit filberfarbenen Streifen in Surinam; der Silberbär, eine Spielart des
gemeinen Bären, mit filberfarbenen Daarfpigen, verich. von dem weißen oder
Eisbären; die Silberbarre, f. Barre; der Silberbart, eine Art der Woll-
blume od. des Wundkrautes; der Silberbaum, eine Gattung Bäume, deren
Blätter mit filberfarbenen Haaren bedeckt find, im füdl. Afrika; auch f. die
Silberpappel; Scheidek. ein baumähnlich geftaltetes Gemiſch von aufgelöſſtem
Silber u. Queckſilber (Baum der Diana) ; das Silberbergwerk; filberblanf,
Bw., blank wie Silber; das Silberblatt od. - blättchen, zu einem dünnen
Blättchen gefchlagenes Silber (vgl. Blattfilder); auch verfchiedene Pflanzen,
inöbef. der Gänferich od. die Gärfegarbe, auh Silberfraut;z u. eine Bier-
pflanzge aus dem füdl. Europa, auh Silberblume, Mondfraut (lunaria
vediviva L.); das Silberblech, f. Blech; die Silberblende, filberfarbene
Blende (f. d.); der Silberblid, Hüttenw. ein augerbliclicher heller Schein
des in Flufs ftehenden Silber, ein Zeichen, dafs das Silber rein iftz uneig.
ein ſchnell vergehender Glanz; die Silberblume, aus Silber gearbeitete, od
Silber 925
filberfarbene Blume; insbef. f. Mondkraut, Silberblatt (ſ. d.); Hüttenw.
Heine Blafen, welche fich beim Abtreiben des Silbers erheben; die Silber-
borte od. -borde, f. d.; der Silberbörs od. =barfch, eine Art filberfarbener
Barfche; die Silberbräune, Silbererz von brauner Farbe; der Silber-
brenner, Hüttenw. ein beeidigter Arbeiter, welcher das Silber fein brennt;
daher die Silberbrennerei, der Silberbrennherd ꝛc.; der Silberbufch,
f. v. w. Silberbart; der Silberdiener, ein Hofbedienter, welcher das Silber»
gefchirr unter Auffiht hat; die Silberdiftel, ſ. v. w. Frauendiftel, ſ. d.;
der Silberdrath; der Silberdrud, Schriftdruct mit Silberfarbe; die Sil-
berdrufe, eine Art fehr reicher Silbererze; das Silbererz, |. Erz; der Sil—
berfaden, aus Silber gezogener, od. mit Silber überfponnener Faden; die
Silberfarbe; filberfarben od. =farbig, Bw.; der Silberfafan, eine Art
filberweißer Faſane; der Silberfifch, ein Fifch mit filberfarbenen Schuppen;
insbef. der Meerhahn; die Pfluafchar (ſ. d.); ein zu den Bauchfloffern ge—
hörendes Fifchgeichledht; eine Art Stachelbäuche; die Silberflimmer oder
-flitter, f. glitter; die Silberflotte, eine mit Silber beladene Flotte, dergl.
ehem. jährlich aus Mexico nah Spanien fegelte; die Silberforelle, Seefo—
relle; der Silberfuchs, eine Art filbergrauer Füchfe in Nordamerika; der
Silbergang, Bergw. |. Gang; die Silbergare, ſ. Gare; der Silberge-
halt, der Gehalt (f. d.) an Silber; das Silbergeld, aus Silber gemünztes
Gerd; das Silbergeräth, -gefchirr, Geräth 2c. aus Silber, chem. Silber-
gefhmeide; das Silbergewicht, Gewicht, wonach man das Silber wägt;
der Silberglanz, Glanz des Silbers, fülberänlicher Glanz; Bergw. filber-
reicher Bleiglanz; das Silberglas, f. v. w. Glaserz; die Gilberglätte,
weiße Bleiglätte (f. Glätte); der Silberglimmer, ſ. v. w. Kagenfilber; das
Silbergras, die Nägeleinfchmiele, und die graue od. weiße Schmiele (ſ. d.);
filbergrau, Bw., glänzend weißgrau; der Silbergrofchen, chem. überh.
eine filberne Dickmünze (f. Groſchen); insbef. in Sachſen chem. eine Silber:
münze von 3 meißnifchen Groſchen (deren 60 ein Silberfhod hießen);
in Böhmen, Schlefien, Polen eine Eleine Silbermünzge — 3 Kreuzer oder 9
Pfennige, ein Kaiſergroſchen; jest auch im Preuß. — 7; Thaler, verfch. ein
guter Grofchen; die Silbergrube, eine Bergmwerksgrube, wo Silbererz ge-
beochen wird; die Silberguhr, Bergw. filberähnticher, aber nicht ſilberhal—
tiger, Iettiger Glimmer (f. Guhr); der Silbergulden, ſ. Gulden; der Sil-
berhafer, -eine Hafer-Art im füdl. Deutfchland; filberhaltig, Bw., Silber
enthaltend; filberhell, Bw., heil wie Silber, dem Glanze, od. dem Klange
nad; die Silberhochzeit, f. v. w. filberne Hochzeit, ſ. u.; das Silberhorn,
filbernes, od. filberhell tönendes Hornz uneig. das Sitberhorn des Mondes,
d. i. der hornförmige Mond im erften u. legten Viertel; das Silberhornerz,
ein feltenes weiches Eilbererz, ähnlich dem Hornfilber; die Silberhütte,
Silber» Schmelzhütte (f. Hütte); der Silberfäfer, ein filberfarbener Rüffel-
käfer; der Silberfalf, verkalktes Silber; die Silberfammer, ein Gemach,
wo Silberzeug verwahrt wird; am den Höfen auch die Gefammtheit der zur
Aufbewahrung u. Reinigung des Silbergeſchirrs angeftellten Perfonen, an de=
ven Spise der Silberfämmerer fteht, unter diefem: die Silberdiener,
:fhreiber, -wäſcher zc.; der Silberfies, filberähnlicher Kies; der Sil—
berflang, Klang des Silbers, filberheller Klang; der Silberflumpen; der
Silberfünig, ein kegelförmiges Stück völlig gereinigten Silbers ; das Silber-
i#
926 Silber
forn od. -Förnchen, ſ. Korn; das Silberfraut, f. Sitberblatt; auch f. Sinau;
Hirſchwurz; die Silberfreide, eine Art filberweißer Kreide; die Silber:
frone, fülberne Krone; aud eine Silbermünze mit einer Krone im Gepräge
(. Ser: der Silberfuchen, Hüttenw., das auf der Kapelle abgetriebene
Blickſilber; der Silberlachs, eine Forellen-Art, die Maiforelle; der Silber-
laden, Kaufladen mit Silbergeräth; der Silberlahn, ſ. Lahn; der Silber:
laut, filberheller Laut; der Silberletten, eine Art &etten (f. d.), welche ſich
in Silbererzgängen findet; der Silbermeißel, Hüttenw. ein meißelförmiges
Werkzeug, das Blidjilber vom Herde abzuheben, auch der Silberipies;
die Sitbermotte, eine Art filberfarbener Motten; auch ein kleines Infeet,
, mit filberglängenden Schüppden bededt, Schuppen-, Zuckerthierchen; ber
Silbermund, Namen zweier Schrauben- od. Mondſchnecken mit filberfarbiger
Mündung; die Silbermünze, ſ. Münze 2.; die Silberniere, f. Niere;
das Silberpapier, verfilbertes Papier; die Silberpappel, weiße Pappel,
deren Blätter auf der unteren Seite weiß find; die Silberplatte; der SIE
berplätfer, wer den runden Silberdrath plättet (f. plätten); die Silber
probe, Unterfuhung der Reinheit des Silbers, od. des Gehaltes eines Silber
erzes; der Silberrauch, Hüttenw. der Rauch, welcher fich beim Feinbrennen
deö Silbers in dem Brennhaufe anlegt; der Silberregen, ein filberfarbener
Feuerregen (f. d.); auch eine Art feltener Kegelichneden; filberreich, Bw.,
viel Silber enthaltend; der Silberreiher, eine Art filderfarbiger Reiher in
Amerika; filberrein, Bw., rein wie Silber an Glanz oder Klang; die Sil- "
berrofe, eine aus Silber gearbeitete Roſe; filberweige Rofe; der Silberruf
(f. Rufe), Bergw. eine ſehr filberreiche Bergart; die Silberfaite, filberne,
od. filberhell tönende Saite; das Silberfalz, ſ. v. w. Silbervitriol; der Sil⸗
berfand, filberhaltiger, od. wie Silber glänzender Sand; ber Siber ſchamm,
ſchaumähnliche Schlacken auf dem im Treiben begriffenen Silber; auch zu zar⸗
ten Blättchen geſchlagenes Silber; die Silberſchere, Schere der Siülberar-
beiter zum 3erfchneiden des Silberblechs; der Silberfchimmel, ein filberfar-
bener Schimmel (f. d.); die Silberfchlade, ſ. Schlade; der Silberfchläger,
wer bas Silberbleh zu dünnen Blättchen ſchlägt; der Silberfchmied, ein
Silberarbeiter, welcher Silbergeräth ꝛc. verfertiat, gew. Goldfchmieb; bie
Silberfchmiele, 1. Schmiele; das Silberſchock, ſ. Silbergroſchen; der Sil⸗
berſchreiber, Rechnungsführer bei einer Silberfammer (ſ. d.); die Silber—
ſchrift, mit Silberfarbe geſchriebene oder gedruckte Schrift; die Silber-
ſchwärze, Bergw. ein ſilberhaltiger ſchwarzer Staub, rußiges Silbererz; der
Silberſpieß, f. Silbermeißel; der Silberſpinner, wer Seidenfäden mit
Silberlahn überipinnt; die Silberftange; der Silberftaub, Silber in Staub-
form; der Silberitein, Hüttenw. verhärtete Silberfchlade, die beim Treiben
des Silbers oben abgezogen wird; der Silberftider, die Silberftiderinn,
wer mit Silberfäden fit; der Silberfift, ein filberner Stift zum Schreiben
und Zeichnen auf Pergament; die Silberftimme, eine fülberhell Elingende
Stimme; der Silberftoff, aus Seide und Silberfäden gewirkter Zeug (fr-
drap d’argent) ; der Silberftreif od. -ftreifen; das Silberftüf, ein Stüd
_ unverarbeiteten Silbers; eine Silbermünze; au ein Stüd Silberſtoff; die
Silberftufe, ſ. Stufe; der Silbertalf, ein filberfarbiger, aber nicht füber-
baltiger Talk; die Silbertanne, Weiß- od. Edeltanne; der Silberthaler,
ein Thaler in einem Silberſtück, harter Thaler; der Silberton, ein ſilberhell
F
J
Silge — Sinau 927
Hingender Zon; der Silbervitriol, von einer Säure aufgelöftes u. zu Kry⸗
fallen angefegtes Silber, ſchwefelſaures Silber; die Silberwaare, M. Sil⸗
berwaaren; der Silberwäfcher, die Silberwäfcherinn, zur Silberkammer
(i. d.) gehörende Perionen, welche das Silbergefhirt waſchen; die Silber-
weide, die gemeine weiße Weide; auch f. die Sandweide; jilberweiß, Bw.,
glänzend weiß, wie Silber; das Silberweiß, der Katzenglimmer; die Gil
berweiße, die weiße Farbe des Sübers; der Silberwirker, wer Silberftoff
wirkt; die Silberwirferei: der Silberzabn, Bergw., gediegenes Silber
in einen Stangen; der Silberzain, f. Zain; das Silberzeug, Silberge⸗
räth, =geihirr; — Ableit. filberifch, Bw., vlt. f. fülberbaltig; der Sil⸗
berling, -es, M. -, vit. f. eine Sildermünze, def. bibl. eine Silbermünze
ber alten Juden, j. v. w. ein Sedel; auch eine Art plattrunder, fhmadhafter
Äpfel; filbern, Bw. (altd. silberia), von Silber, aus Silber gemacht (fil-
berne Gefäße, Löffel 2c.), auch theilmeife aus Siüber beftehend (eine filberne
Uhr, füberne Treffen u. dgl.); uneig. f. filberähnlich an Glanz (der filberne
Bad, filbernes Haar ıc.), od. an Reinheit des Klanges (filberne Stimme
u. dgl.); feinem inneren Werthe nach mit dem Silber vergleihbar, um
eine Stufe niedriger, als golden, f. d. (das filberne Zeitalter, Kabel.
das zweite Weltalter, zumächft nad dem goldenen; die jilberne Hochzeit,
d. i. die Feier einer fünf und zwanzigjährigen Ehe); filbern, 3m. 1) ziellos
-F. füberhaltig fein; wie Silber glänzen; 2) ziel. f. überfilbern; uneig.
füberhell befcheinen.
Silge, w., M.-n, (aus dem lat. selinum, griedh. afäıror entft., wie
‚Vetprfilie, gem. Peterfilje, aus petroselinum), eine Pflanzengattung mit ein-
gekerbten Blättern, von mehren Arten, 3. B. die Sumpffilge, der lſenich etc.;
landſch. auch f. Peterfilie, (niederd. Silk).
Sille, w., M. -n, (Rebenform von Siele, f. d.), landſch. f. Riemen,
Strick; insbeſ. bei den Vogelftellern: zarte Riemen, welche den Lodvögeln
um den Leib gelegt werden, um ſie mittelft einer Schnur auf dem Vogelherde
zu befeftigen, was verjillen heißt. e
en. f., -8, M. mw. €. (landi. auch Summer, Sümmer, Simri,
Simra, entit. aus — ſ. d., altd. suuopir, sumbir, sumberi, sumbri,
eig. ein Korb), ein oberd. Setreibemof, in der Pfalz u. in Franken — 2
Megen 4 Schhter, im Wirtemderg. — 4 BVierlinge od. + Scheffel, in Rüms
berg — 16 Mepen ıc.
Sims, m. u. f., es, M. -e, (altd. daz simez, auch simeze, w.; oberb.
das Simef, Sims, Simeft, Simft, aud die Simfen, Simften), ein ſich
in die Länge erſtreckender hervorragender Rand od. Kranz, auch das Ger
fims, insbei. um Kachelöfen, über Kaminen ıc.; in Bauerftuben ein an der
Wand befeitigtes, hervorragendes Brett, allerlei darauf zu ftellen, landſch.
auch Rick (f. d.) Kannrid; Bauf. f. v. w. Gefims, ſ. d., auch überh. ein
zierlich vorragender Rand an einem Gebälte; der Simshobel, die Sims⸗
kachel xc., f. v. w. Gefimshobel zc., ſ. d.; ſimſen, ziel. 3w., Reuw. f. mit
einem Simfe verfeben.
- Sinau oder Sinnau, landſch. au Sindau, m., -es, 0. M., (bän.
synav; zgeſ. aus Au (ſ. 2) f. Waffer, und dem alten verftärfenden Stamme
sin (vgl. Sehne), welcher Kraft, Stärke, dann Ausdehnung in Raum od. Zeit,
Dauer sc. bezeichnet ; alfo eig. Immer-Waffer, Immernaſs; vgl. Singrün,
928 Sind — fingen
Sündfluth ft. Sinfluth; Senefchall 2c.), eine Pflanzengattung mit breiten,
fappigen, runden Blättern (alchemilla L.), insbef. der gemeine Sinau (ver-
derbt: Sinam; alchemilla vulgaris L.), in deffen faltigen Blättern der
Thau fich fammelt und auch bei Sonnenschein ftehen bleibt, daher ehem. auch
Zhaubehalt, Thaurofe ꝛc.., ferner Löwenfuß, Marien - oder Frauenmantel,
Silberkraut, Gänfegrün 2c. genannt; andere Arten find: der fünfblättrige, u.
der Alpen - Sinau.
Sind, m., -e3, M. -e (goth. sinths, altd. sind, sint; angelf. sith; vgl.
fenden, Gefinde ꝛc.; auch: feit), völlig vlt. f. Gang, Reiſe, Weg; das
Sinde, -$, niederd. f. Gefinde, ſ. d.
finewell od. finwell, Bw. (altd. sinawel, sinewel, sinwel; von wel, rund,
gewölbt, u. dem verftärkenden Stamme sin, vgl. Sinau, Singrün ꝛc.; landſch.
verderbt; fimmwel, fimbel, fimpel, fimel; entg. dem mittelh. sinehol f. concav),
völlig vlt. f. kugelrund, kreisrund; runderhaben, gewölbt (fr. conver); wal—
zenförmigz daher der Sinwelthurm (gem. Simpelthurm), oberd. f. runder
Zhurm.
fing, fing, oberd. Lockruf an junge Hühner, (vielleicht von fingen, in
der urfpr. Bed. fammeln); das Singelein, oberd. f. Küchlein, fo lange es
noch mit der Bruthenne läuft.
Singel, m., -8, M. w. E., (wahrfch. verderbt aus finewel, rund),
Schiff. Eleine runde Kiefel, welche das Loth mit in die Höhe bringen Eann.
fingeln, ziellof. Zw. (Tandfch. auch finkeln; verw. mit fengen, fingen?)
landſch. f. prickelnd erzittern, einen brennenden Weiz empfinden, von den
Nerven eingefchlafen gewefener Glieder zc.
fingen, 3w., ablaut. Smpf. ich fang, wir fangen 2c. (ehem. wir fang eb
daher ſprichw. wie die Alten fungen, fo zwitfchern die Zungen), Conj. fange;
Miv. gefungen, (goth. siggvan, herfagen, lefen; altd. singau, singen, Prät.
sanc, sungen, Part. gesungen; oberd. Prät. fung, fang und finget, nieberd.
fung, Mw. fungen; angelf. singan, engl. sing, iöländ. singva, ſchwed. sjunga;
— Urbed. fammeln (daher die Sange, ſ. d.), dann leſen (f. d. u. vgl. das
lat. legere), herfagen, laut vortragen, endlich: fingen; vgl. auch jagen und
reden), 1) ziel. u. ziellos, mit heller Stimme eine Reihenfolge mannigfal-
tiger Zone hervorbringen (die Vögel fingen 2c.); bef. von der menfchlichen
Stinme: eine Eunftmäßig geordnete Reihenfolge abwechfelnder Töne für
fich, oder mit untergelegten Worten hervorbringen (fingen lernen ; gut, ſchönze.
fingens nach Noten, zum Klavier ꝛc. —; ein Lied fingen; den Alt, den Baſs
20.—; dicht. einem—, d. i. ihm zu Ehren, zu feinem Ruhme; fingen,
ehem. bef. f. das Evangelium, die Meſſe fingen, feierlichen Gottesdienft hal
“ ten); uneig. beim Reden od. Lefen die Worte mit fehlerhaft gedehntem und
zu fehr fteigendem und fallendem Tone ausfprechenz ferner f. dichten,
Verſe machen (fingen u. fagen, f. ns etwas—, f. fingend od. dichtend
ausdrüden, laut werden laffen (z. B. feine Freude —, einem Dank— ꝛc.);
einen od. etwas—, dicht. f. fingend oder dichtend feiern, preifen, be-
fingen (4. B. Gott—, den Helden —, den Zorn des Achilles — 2c.); 2) ziel-
los m. haben, uneig. f. einen gedehnten, heiltönenden Laut hören laffen
(3. B. der Topf mit Eochendem Waffer fingt; die Ranonenkugeln fingen, gew.
pfeifen; die Ohren fingen mir, gew. Elingen); — 3feg. der ob. das Sin ing⸗
od. Singechor, ſ. Chor; die Singdroſſel, ſingende Droſſel, f. v. w. Sang-
\
Singruün — finfen 929
droffel; die Sing- oder Gingefliege, eine Art Fliegen mit kurzen, borften-
ähnlichen Fühlhörnern, welche im Fliegen einen fingenden Zon hervorbringen ;
das Singgedicht, f. v. w. Sanggebicht; die Sing- od. Singekunft, die
Kunft zu fingen; der Singlehrer, -meifler, Lehrer, Meifter in der Sing—
Zunft; die Singemüde od. -fchnafe, gemeine Müde, wegen des fingenden
Lautes; die Singnote, f. Note 3); das Sing- od. Singepult, ein Pult,
vor welchem ftehend man fingt; der Singfang, -$, o. M., verächtl. f. ein
wiederholtes od. anhaltendes Singen, ein ſchlechter Geſang (vgl. Klingklang,
Wirrwarr 2c.); die Sing- od. Singeſchule, Unterrichtsanftalt im Gefang;
der Singfchüler, die Singfchülerinn, wer das Singen lernt; auch ein fin-
gender Schüler, Chorfhüler; der Sing- od. Singefhwan, fingender Schwan
(ogl. Schwanengefang); wilder, laut ſchreiender Schwan; das Singfpiel,
ein Schaufpiel (f. d. 2), welches fingend vorgetragen wird, mufikalifches Schau—
fpiel, Oper (f. d.), od. worin Gefang mit Geſpräch wechfelt, Liederfpiel (fr.
Operette); die Singflimme, eine zum Singen geſchickte Stimme; die Stim-
me (f. d.) eines Muſikſtücks, welche gefungen wird: das Singſtück, ein Mu-
fieftüc, welches gelungen wird; die Singftunde, Unterrichtsftunde im Singen;
der Singetanz, ein Tanz, welcher mit Gefang begleitet wird; der Sing—
vogel, f. v. w. Sangvogel; die Singweife, f. v. w. Sangweiſe; die Sing-
zeit, oberd. f. die Zeit des feierlichen Gottesdienftes; — Ableit. fingbar,
Biw., was gefungen werden kann; bef. was fich leicht u, angenehm fingen
läfftz; daher die Singbarkeit; der Singer, -8, die Singerinn, M. -en,
wer fingt, oder dichtet, 3. B. Minne-, Meifterfinger (f. d.), außerdem gew.
Sänger; die Singerinn ehem. uneig. eine Art großer 45-pfündiger Kano—
nen, auch Nachtigall genannt.
Singrün, weniger r. Sinngrün, f., -$, 0. M. (von dem alten Stamme
sin, ſtark, dauernd; vgl. Sinau, finewel 2c.) landſch. f. das Immergrün,
Ingrün od. Wintergrün (vinca L.); auch der gemeine Kreuzdorn.
finfen, ziellof. 3w. m. fein, ablaut. Impf. ſank (gem. ober- u. niederd.
fund), Gonj. ſänke; Mw. gefunfen, (goth. sigqvan, althochd. sinhan, mit:
telh. sinken, sanc, sunken; ſchwed. sjunka, angelf. sincan, engl. sink; verft.
Nebenform des alten sigan, f. feigen 1. u. fiegen 1.), vermöge der eigenen
Schwere allmählich nach unten bewegt werden, finnv. nieder-, untergehen,
verfch. fallen, wobei dem Körper der Stützpunkt der Schwere ganz entzogen
ift, während derfelbe beim Sinken nur nachzugeben braucht (vgl. das Haus
ift gefunfen od. hat fich geſenkt (f. fenken), u. es ift gefallen; ein Stein
fällt aus der Luft u. finkt im Wafler zu Boden; ein led gewordenes Schiff
ſinkt; bis an die Kniee in den Schnee, in den Moraft zc. ſinken; in die Erde
finken; in Ohnmacht finfen od. fallen; einem zu Füßen, auf die Kniee ſinken;
die Hände ſinken laſſen; der Nebel fintt, entg. fteigt); uneig. f. fich neigen,
herablaffen (die Sonne ſinkt, d. i. neigt fich zum Untergange; die. finfende
Nacht, d. i. die fich gleich]. vom Himmel herabfentt), an einen tieferen Ort
gelangen, in einen Zuftand gerathen (ins Grab finten, auch bloß dahin
finken f. ſterben; in tiefen Schlummer — 20.); vom Zone: tiefer u. ſchwä—
|
|
cher werden (finkender Ton; die Stimme ſinken laffen); nad und nach ab—
nehmen, an Stärke u. Lebhaftigkeit verlieren (das Feuer finkt; den Muth
finfen laffen); in fittlihem Verftande: erniedrigt werden, fich herabmwürdigen
(wie tief ift er gefunken! der Trunkenbold finkt unter das Thier); Bergw. auch
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 59
930 Sinn — finnen
ziel. f. ſenken (f. d.), in die Tiefe graben (einen Schacht); — das Sink-
werk, in Salzwerken: Gruben im Steinfalze, in welche Waffer geleiter wird,
um, wenn es mit Salz gefättigt ift, verfotten zu werden; — die Sinfe, M.
-1, landſch. f. tief liegende Gegend, Niederung, auch Senke (f. d.); der
Sinker, -3, M. w. E. landſch. f. Senker, Senkreis; bei den Tulpen die
jungen Brutzwiebeln unter den Zafern der Hauptzwiebel; Bergw. Bergleute,
welche Schächte graben; der Sinkler, Bergw. ein gefchworener Bergbee _
amter, welcher die Aufficht über eine Zeche hat, auch: der Sinfergefchwo-
rene, Schauherr.
Sinn, Sinnbild ꝛc., f. unter finnen; — Sinnau, f. Sinau.
finnen, ziellof. u. ziel. 3w., ablaut. Smpf. fann (oberd. auch funn), Gonj.
ſänne (oder ſönne); Mw. gefonnen, (altd. sinnan, sinnen, san, sunnen;
urfpr. Bed. ſpannen, anfpannen, richten, freben, griech. zeiveır, lat. tendere,
alfo von dem Stamme sin, Spannkraft, Stärke zc. in Sehne, Sinau, Ein
grün ꝛc. |. d.5 dann: gehen, reifen, daher: sind, Weg, ſenden zu f. d.),
1) alt u. oberd. f. trachten, fireben, fuchen, verlangen, (nach etwas—;
an einen etwas finnen od. gefinnen, d. i. ihn darum angehen, es von ihm for-
dern, vgl. gefinnen, anfinnen;z inöbef. ein Lehen finnen, f. es fur
chen, verlangen); oberd. u. fihmweiz. ein Faſs —, f. ahmen, eichen (im diefer
Bed. Impf. finnte, Mw. gefinnt; der Sinner, f. Ahmer); 2) gew. feinen
Sinn, fein Nachdenken auf etwas richten, um e8 zu erkennen, finnv.
nachdenken, forfchen (über etwas —, vgl. nachfinnen), oder um Mittel
zur Erreichung eines Zweckes zu finden (auf erwas—, auf eine Liſt —,
nur auf den Erwerb finnen 2c.); auc) ziel. et was —, f. durch Nachdenken
hervorzubringen fuchen, ausfinnen, erfinnen (was finnft du? er fann ein
Gedicht ꝛc.); — der Sinn, -e8, M.-e, alt u. landfch. auch -en (altd. der
sin, ©. sinnes, auch diu sin f. äußerer Sinn; isländ. sinni, ſchwed. sinne),
urfpr. das Trachten, Streben; die Richtung (z. B. mitteld. in vier sinnen,
f. auf vier Seiten), bei. die Richtung der Empfindung u. des Geiftes auf
die Gegenftände der Wahrnehmung, daher überh. die Fähigkeit zu em-
pfinden und wahrzunehmen; insbef. 1) der Außere Sinn, die Auferen
inne (lat. sensus): das Empfindungsvermögen und die Werkzeuge der
Empfindung bei Menfhen und Thieren (die fünf Sinne: Geſicht, Gehör,
Geruch, Gefhmad, Gefühl; der Sinn des Gefichts ꝛc.; das fällt in die Sinne,
reizt die Sinne 2c.; feine, ſcharfe, ftumpfe, ſchwache ꝛc. Sinne haben); 2) der
innere Sinn: der bewuſſte, felbftthätige Geift des Menfchen (lat. animus,
mens); insbef. geiftige Empfänglichkeit od. Empfindungsfähigfeit (nur in
der Einh., z. B. feinen Sinn für etwas haben; der Sinn für das Schöne,
Gute 20.); Bewufftfein, Befinnung, Erinnerung (gew. in der Mehrh.,
z. B bei Sinnen fein; von Sinnen fommen, feiner Sinne beraubt fein);
Erkenntnifsvermögen, Verftand (viel denken Thärft den Sinn; vgl. die Sſetz.
Blöd-, Scharf, Zief-, Wahnſinn; ehem. auch ein Erzeugnifs des Denkver—
mögens, Gedanken, Denkſpruch, fr. Sentenz, z. B. Meifter der Sinnen =
magister sententiarum); Gemüth, Gemüthsart und Gemüthsrichtung, Ge:
finnung, (4. B. es liegt mir etwas im Sinner fich etwas zu Sinne ziehen;
ein hoher Sinn; bibl. der fleifchliche, irdifche Sinn, entg. dem geiftlidhen od.
bimmlifchen Sinne; ein froher, Leichter, heiterer, trüber Sinn ꝛc., dgl. die
Zſetz. Frohe, Leicht, Trüb-⸗, Kaltfinn 2c.); Begehrungsvermögen, Willens-
finnen 931
kraft u. Willensrihtung (feinen Sinn auf etwas richten od. ftellen; ſich et-
was in den Sinn kommen laffen, d. i. es begehren; das ift mir nie in ben
Sinn gelommen; fich etwas aus dem Sinne fchlagen, d. i. nicht mehr danach
trachten, auch: nicht mehr daran denken; etwas im Sinne haben, d. i. vors
haben, beabfichtigen; es geht nicht immer nad) unferm Sinne, d. i. Willen,
Wunſche; ſprichw. viel Köpfe, viel Sinne; vgl. die Zſetz. Eigen, Starrfinn);
auch der einzelne Willen, Abfiht, Zweck, Vorhaben, Meinung (4. 8.
anderes Sinnes werben; Alle waren eines Sinnes; auf feinem Sinne blei-
ben, verharrenz oberd. einen Sinn zu etwas haben, f. es willens fein; ehem.
auf od. durch den Sinn ze. f. in der Abficht, zu dem Zwede); alt und oberb.
auch f. Anſchlag, Kunftgriff, Plan, Lift (einen Sinn erdenten, finden 2c.);
3) (objectiv) der geiftige Inhalt, Begriff, Verftand, die Bedeutung einer
Sache oder Handlung, bef. eines Wortes od. einer Rede (nur in der Einh.,
3. B. der langen Rebe kurzer Sinn; ein Wort im eigentlichen, uneigentlichen,
bildlichen ze. Sinne gebrauchen , verftehen 2c.; der tiefere Sinn eines Kunft-
werkes u. dgl.; vgl. auch Unfinn) ;— 3feg. mit Sinn: das Sinnbild, ein
Eörperliches Ding, fichtbares Bild od. Zeichen, welches etwas Geiftiges andeu—
ten foll (fr. Symbol, Emblem; z. B. der Anker ift ein Sinnbild der Hoff-
nung); finnbildlich, Bw., ein Sinnbild enthaltend, in der Weife od. mittelft
eines Sinnbildes (eine finnbildliche Darftellung); finnbildern, untrb. ziellof.
3w., Neum. f. fich durch Sinnbilder ausdrüden; das Sinngedicht, eine Art
kurzer finnvoller od. wisiger Gedichte, meift auf einzelne Gegenftände od. Per:
fonen bezüglich (fr. Epigramm); der Sinndichter, Verfaffer von Sinnge-
dichten (fr. Epigrammatift); ſinnlos, Bw., des Sinnes od. der Sinne be
raubt, insbef. der Außeren Sinne und der Empfindung ermangelnd (finnlos da
liegen); ohne Verſtand, Vernunft, befonnene Überlegung, finnv. unfinnig,
(finnlos handeln, fprechen; ein finnlofer Menfch); einen geiftigen Inhalt
habend, ohne vernünftige Bedeutung (finnlofe Ausdrüde, finnlofes Geſchwätz);
die Sinnlofigkeit, das Sinnlosfein, in allen Bed.; auch f. eine finntofe od.
unverftändige Handlung (M. Sinnlofigteiten); die Sinnpflanze, eine Gat-
tung ausländiſcher Hülſengewächſe, welche gleichſam Sinn od. Empfindung zu
haben jcheinen, indem fie eine fo große Reizbarkeit zeigen, dafs fie bei der leis
feften Berührung ihre Blätter zufammenziehen, au) das Sinnfraut, Fühl-
Eraut, Schampflange zc. genannt (mimosa L.); die Sinnrede, finnreiche Rede;
ſinnreich, Bw., viel Sinn, d. i. Scharffinn, Erfindungsgabe, feinen Ver-
ftand, Wis 2c. habend und zeigend, finnv. ſcharfſinnig, wisig, erfinderifch,
künſtlich, ſowohl von Perfonen, als von Sachen, welche die Erzeugniffe ihrer
Thätigkeit find (4. B. finnreich fein, ein finnreicher Menſch, Schriftiteller zc.;
finnreiche Einfälle, Scherze 2c.; eine finnreiche Erfindung, Einrichtung u. dal.);
finnfchwer, Bw., ſchwer an Sinn, d. i. einen wichtigen, großen Sinn has
bend, finnv. inhaltfchwer, gehaltvoll; der Sinnfpruch, ein Eurzer, finnvoller
Ausfprud od. Sag, finnv. Denk-, Lehrſpruch, (fr. Sentenz) ; insbef. ein kurzer
Sag als Überfchrift oder Erklärung eines Sinnbildes; finnverwandt, Bw.,
ähnlichen Sinn, d. i. ähnliche Bedeutung habend, dem Sinne nad) verwandt,
ſinnähnlich, (fr. ſynonym; finnverwandte Wörter, fr. Synonyma, verſch. von
gleichbedeutenden) ; die Sinnverwandtfchaft, Verwandtſchaft der Bedeutung
nad) (fr. Synonymie); die Sinnverwandtfchaftslchre (fe. Synonymik);
finnvoll, Bw., viel Sinn habend, tiefen Sinn enthaltend, finnv. gehalt-,
59*
932 finnen
bedeutungsvoll, tieffinnig, nur von Sachen od. Thätigkeiten, verfch. von finn-
reich, (ein finnvollee Gedanken, ein finnvolles Kunſtwerk 2c.); — mit Sin
nes: die Sinnesänderung, Anderung der Denkart, der Gefinnung u. Ge—
müthsverfaffung; in religiöfem Sinne finnv. Bekehrung; die Sinnesart, die
eigenthümliche Art zu empfinden, zu denken u. zu wollen, welche dem einzelnen
Menschen eigen ift, von weiterer Bed., als die ſinnv. Denk-, Gemüthsart, (fr.
Charakter); die Sinneskraft, die Stärke eines (äußeren) Sinnes, od. der
Sinne; auch f. Verftandes- od. Geifteskraft; das Sinneswerkzeug (b. als
Sinnwerkzeug), Werkzeug (Organ) eines dußeren Sinnes, mittelft deffen
wir Eindrüde von der Außenwelt empfangen und empfinden (4. B. Augen,
Ohren 20.); — mit Sinnen (welche Mehrheitsform immer auf die äußeren
Sinne u. die Sinnlichkeit geht): der Sinnengenufs, Genufs durch die Sinne,
finnlichee Genufs, entg. dem geiftigen Genuffe; das Sinnenglüd, Glüd,
welches die Sinne od. die Sinnlichkeit gewähren; die Sinnenluft, Sinnen:
qual, der Sinnenraufch, Sinnenreiz, -taumel, -zauber zc., Luft, Qual ze.
der Sinne, finnliche Luft 2c.; der Sinnenmenſch, der mit Sinnen begabte,
finntiche Menſch; To auch: das Sinnenwefen; das Sinnenreich, das Rei
od. Gebiet, in welchem die Sinne herrſchen, d. i. thätig find, der Inbegriff
alles finnlich Wahrnehmbaren; fo auh: die Sinnenwelt, die ſinnlich wahr-
nehmbare Außenwelt, die Welt der Erſcheinungen; der Sinnenfchlaf, un—
thätigkeit der Sinne; Auftand dumpfer Bewufftlofigkeit des bloß finnlichen
Wefens; der Sinnentrug, -wahn, Täufhung der Sinne, Sinnentäufhung ;
— Ableit. von Sinn: finnig, Bw. (altd. sinnic, sinnec), überh. Sinn
habend (fo in Zſetz. wie ſcharf-, ftumpf-, hoch-, tieffinnia; eigen-, Ealt=,
Yeiht=, froh-, trübfinnig 2e.); insbef. 1) bei Sinnen feiend, feiner Sinne
mächtig, feiner felbft bewuſſt, entg. finnlos, wahnfinnig; 2) Verſtand,
Nachdenken, Überlegung habend u. zeigend, finnv. verftändig, befonnen,
bedahtfam (4. B. finnig reden, handeln; ein finniger Mann; die finnige
Hausfrau 2c.); niederd. auch f. fanftmüthig, befcheiden, bedächtig, langfam
(die Pferde finnig gehen laſſen); u. f. nachdenklich, in Gedanken vertieft,
trübfinnig, ſchwermüthig; 3) einen Sinn, d. i. geiftigen Inhalt ha—
bend, bedeutfam, finnv. finnvol, finnreich, entg. finnlos, unfinnig
(3. B. eine finnige Rede; ein finniger Gedanken; fo auch in: boppels,
weit-, wiberfinnig); die Sinnigkeit, das Sinnigfein, die finnige Be:
fhaffenheit, finnv. Befonnenheit, Verſtändigkeit; Bedeutſamkeit; finn-
ih, Bw., 1) überh. die (äußeren) Sinne angehend ober betreffend,
in der Thätigkeit der Sinne gegründet und fich auf diefelbe bezie-
- hend, entg. geiftig (finnliche Neigungen, Begierden; das finnlihe An-
fchauungsvermögen); insbef. durch die Sinne wahrnehmbar oder em—
pfindbar (finnlihe Empfindungen, Wahrnehmungen); nur die Sinne bes
friedigend (finnliche Genüffe, Reize 2c.; finnliche Liebe 2c.); 2) mit Sinnen .
begabt (der Menfch ift ein geiſtig- finnliches Wefen) ; insbef. den Trieben der
Sinne, finnlichen Empfindungen, Begierden, Genüffen ıc. nachhangend
u. von ihnen beherrfcht (fehr finnlich fein; ein finnlicher Menſch); daher die
Sinnlichkeit, überh. das Sinnlichfein: 1) (objectiv) die finnlihe Beſchaf—
fenheit od. Natur (z. B. der Empfindungen, Genüffe 2c.); 2) gew. (fubs
jectiv) das Begabtfein mit Sinnen, die finnliche Empfindungsfähigkeit,
d. i. die Fähigkeit, mittelft der Sinne Eindrüde von der Außenwelt zu em:
ee BE dr. m nn WE
Sinngrün — Sipp 933
pfangen, und der Zuftand der Abhängigkeit u. Beſchränktheit des Geiftes durch
die leiblichen Sinne (Gott erkennt Alles ohne Sinnlichkeit; Dinge, welche der
Sinnlichkeit ſchmeicheln); insbef. das Übergewicht des finnlichen über dag
geiftige Leben, die Neigung, fich durch ſinnliche Empfindungen u. Zriebe
beftimmen u. beherrfchen zu laffen (zu viel Sinnlichkeit haben; der Sinnlich-
keit fröhnen 2c.).
Sinngrün, f-, 1. Singrün.
finnig, finnlich xc., ſinnlos ꝛc. — finnvoll, f. unter finnen.
fint (landſch. au) feint, finter; Nebenform von sit, feit,f. d.) alt
u. landſch. 1) Nw. f. fpäterhin, heraach; 2) Vw. mit * Dat., wie ſeit
(3. B. bibl. ſint der Zeit 2c.); 3) unterordnendes Bdw., wie feit, ſeitdem,
nachdem; auch f. indem, weil; ſintemal (altd. sintmäls, f. ſeitdem; oberb.
au) feitenmal, feitmal, intfk. aus fint od. feit * Male, alſo
eig. ſeit der Zeit; niederd. nademal, entſt. aus: nach dem Male), ovlt. be—
gründendes unterordnendes Sdw. od. Fügewort f. weil, da, indem.
ſintern, zielloſ. zw. m fein, Bergw. 1) f. fiegern, ſickern (niederd. ſie—
pen, ſiepern): tropfenweſe durch- und herabrinnen, tröpfeln (das Waſſer
ſintert durch das Geſtein; 2) f. gerinnen, zu einer feſten Maſſe werden
(zufammenfintern; es intert ſich); der Sinter, -3, M. (felten) w. E. 1)
ein Ealkartiger Steit, welchen das mit Kalkerde gefhwängsrte ausfinternde
Waſſer (Sintervaffer) nad feiner Verdunftung bildet, Tropfftein (fr.
Stalaktit); 2) Fon anderem Stamme?) die beim Schmieden von dem
glühenden Eifer abfpringenden Theile, Hammerfchlag, Metallfchlade
(altd. sintar, snter, sinder; angelf. sindor, engl. cinder); 3) auf Leinwand»
bleihen: die Kfche von faulem und morſchem Holze, auh Sinterafde
(von dem Ic. cinis, cineris, franz. cendre?).
finwel od. finwell, Bw., f. finewel.
Sipnaß, f. (eig. wohl Siebmaß, von sip, Sieb, f. d.), landſch., 3.8.
im Man. u. Altenburg., ein Getreidemaß u. überh. Maß zu trodenen Din-
gen, = + Scheffel.
PP, Nw. (landfch. auch zipp; wahrſch. verw. mit fippen 3.), niederd. f.
mir zierlich zufammengezogenem und zugefpistem Munde, überh. f. ge-
ziert, vornehm, zurüdgezogen, fpröde, vgl. zimperlich, (den Mund fipp
zehen; fipp thun 2c.; Jungfer Sipp od. Zipp, f. ein fich zierendes, vornehm
ihuendes Mädchen); die Sippheit (Zippheit) f. geziertes Wefen, Biererei
(fr. Affectation). 1
Sipp 1. od. Sippe, m. u. w., -en, M. -en, (eig. ein Biw., althochd. sippi,
sibbi, mittelh. sippe, sibe, ſchwed. sif, verwandt; alth. gisippo, angelf. ge-
sibba, Verwandter; von einer Wurzel sip, ſanskr. shap, verbinden; vgl. das
goth. ga-sibjon, verföhnen), vlt. f. Verwandter, Verwandte im weiteften
Sinne; die Sippe, M. — n, (alt). sippea, sibbia, sibba, mittelh. sippe,
sipt; oberd. Sipp, Sippt; angelf. sib, isländ. sift, ſchwed. sifia; urfpr. Ver—
einigung, Bündniſs; Frieden, Freundfchaft), vit. f. Verwandtſchaft; Ver—
wandtfchaftsgrad; daher: der Sipperbe, Verwandter als Erbe; das
Sipptheil, Erbtheil eines Verwandten; die Sippzahl (verderbt auch
Sippfal), vlt. f. Aufzählung der Verwandtichaft od. der Glieder eines Ge-
ſchlechtes (fr. Genealogie); Verwandtfchaftsgrad; fipplich, Bw., vlt. f. ver
wandtſchaftlich; die Sippfchaft (oberd. auch Sipptſchaft, Geſipptſchaft),
934 ſippen — Sitte
Verwandtſchaft, d. i. das Verhältnifs der Verwandten, u. beſ. die Ge -
fammtheit derfelben, jest gem. in verächtl. Bed. (die ganze Sippfchaft ꝛc.;
auch das Geſippe); — fippen 1. ziellof. Zw., olt. f. verwandt fein; bef.
das Mw. gefippt, als Bw., f. verwandt, verfchwägert ıc.
fippen 2. ziellof. Zw., nieverd. (auch ſippken; wahrſch. von gleichem
Stamme mit Sipp 1. zc. alfo urfpr. fich gefellen) f. mit= od. nadjlaufen,
wie ein Hund; daher der Sipp 2. od. Sipphund, ein Hund, der feinen
Herrn zu begleiten gewohnt ift.
fippen 3. ziel. u. zielof. Zw., nieterd. (auch ſippken; engl. sip; verm.
mit fupen, faufen? vgl. au) fipp) % in Eleinen Zügen u. oft abfegend
trinken, nippen.
Sire od. Siere, w., ſ. Süre; — ſirqg, Bw., ſ. fehrig unter fehr.
Sirpe od. Sitte, w., auch die Sirpen, o.€., (landfch. auch Sirbete,
Sirme; vgl. das lat. serum), fehweiz. f. Käſewaſſer, Käfemilch, eine Art
Molken, welche beim Käſemachen übrig bleiben u. woraus der Bieger (f. d.)
niedergefchlagen wird,
Sirup od. Sirop, m., - es, M. (von mehren Arten) -e, (gew., jedoch ohne
hinlänglichen Grund, Syrup gefchrieben; franz. syro) u. sirop; engl. sirup, si»
rop; ital. siroppo; von dem arab. serup, perf. schirab Süßwaſſer), ein zur
Dicke des Honigs eingekochter Pflanzen- oder Fruchtaft; in engerer Bed.
der braune Zuderdicfaft, welcher bei der Zuderbereiting duch die Spigen
der Formen abfließt; daher: das Sirupfaſs; der Siriptopf; der Si—
ruphandel ıc.
Sifte, w., M.-n, landfch., 3. B. im Brandenburg, Ene Art feiner
abgeriebener Napfkuchen.
Sifter, m. od. f., -8, M. w. E. (vgl. Sefter), ein niedwländ. Ge:
treidemaß — 77 Laft Korn od. ungefähr 7 Mesen.
Eitte, w., M.-n, (goth. sidus, Eitte, auch Treue u. Glaube; sidon,
üben; althochd. der situ, M. die sitiz mittelh. der site, sit, M. die Ste, sit;
im älteren Oberd. der Sitt od. Sitten, ©. des Sitten ꝛc.; das neihochd.
weibl. die Sitte fcheint aus Mifsverftand der alten Mehrheitsform dir site
entftanden; niederd. Gebe; angelf. sido, isländ. sidr, fchwed. sed; — wahſch.
von der Wurzel sit, angelf. u. ſchwed. sid, weit, ausgedehnt; vgl; feit, Sete;
alfo eig. Erſtreckung, gleihmäßige Dauer, Gewohnheit; vgl. jedoch aud) dis
griech. &905), überh. jede gleichmäßige Form des Verhaltens, gleichförmig
Handlungsweife, finnv. Gewohnheit, (4. B. es ift fo feine Sitte), bef. eine
unter mehren Menfchen verbreitete, herrfchende Gewohnheit, ſinnv. Ge—
brauch, Herkommen, verfch. Geſetz, (jeded Sahrhundert, jedes Land u. Bolt
“ bat feine Sitten; es ift hier nicht Sitte 2e.; die Sitten und Gebräude der
Menfchen beobachten); in engerer Bed. die Art und MWeife des Benehmens
im gefellfchaftlichen Xeben, mit Hinficht auf die Anftändigkeit und Schicklich—
keit desfelben, gew. in dee M. Sitten, finnv. Betragen, Lebensart (gute,
od. böfe Sitten; ein Menfch von, feinen, od. groben, bäuerifchen 2c. Sitten);
in engfter Bed. f. gute Sitten, anftändiges, ſchickliches u. (im höchſten
Sinne) pflihtmäßiges Verhalten (ein Menſch ohne Sitten; fchlechter um—
gang verderbt die Sitten); — 3Zfes. der Sittenforfeher; die Sittenge—
ſchichte; das Sittengeſetz, ein Gefeg, welches das Verhalten und bie freien
Handlungen der Menschen nach Vernunftgründen vegelt; die Sittenlehre,
Sittih — fißen 935
Lehre von den guten Sitten im gefelligen Leben; im höheren Sinne f. Pflich-
ten= od. Zugendlehre (fr. Ethik, Moral); der Sittenlehrer, wer Andere gute
Sitten lehrt (fr. Moralift) ; wer die Sitten od. Zugendlehre wiſſenſchaftlich
behandelt (fr. Ethiker); fittenloS, Bw., ohne gute Sitten, der Sitte zuwi⸗
der, ſinnv. ungeſittet, unſittlich (ein ſittenloſer Menſch, ein ſittenloſes Betra—
gen); die Sittenloſigkeit, das Sittenlosſein; der Sittenmeiſter, die Sit—
tenmeiſterinn, wer das ſittliche Betragen Anderer beaufſichtigt; auch verächtl.
wer Anderer Sitten meiſtert; der Sittenprediger, wer unbefugt in anmaß—
lich lehrendem Tone gute Sitten empfiehlt und Anderer Betragen meiftert; fo
auch: die Sittenpredigt, f. Predigt; die Sittenreinheit; die Sittenre—
gel, Regel des fittlihen Verhaltens; der Sittenrichter, die Sittenrich-
ferinn, wer über Anderer Sitten richtet, bef. unbefugt u. ftreng aburtheilt;
daher die Sittenrichterei; der Sittenfpruch, ein kurzer Sap, welcher eine
Lehre für das fittliche Verhalten enthält (fr. moralifche Sentenz); die Sit—
tenftvenge; das Sittenverdeeben, die Sittenverderbnifs, der Sitten-
verfall 2.5; — Ableit. fitig, Bw., gute Sitten habend u. zeigend,
finnv. fittfam, anſtändig, süchtig, mehr als gefittet u. fittlich, (ein
fittiges Mädchen, ein fittiges Betragen); oberd. auch f. langſam, ſacht, ge-
linde, fanft (4. 8. es regnet fittig; fittiger Schlaf u. dgl.); die Sittigkeit,
das Sittigfein, finnv. Sittſamkeit; fittigen, ziel. Zw., gutes Neum. f. fit
tig od. gefittet machm (fr. civilifiven); die Sittigung (fr. Givilifation) ;
fittlih, Bw. (alto. sitelich f. fittig, züctig), überh. den Sitten und Ge-
bräuchen gemäß, innv. üblich, gebräuchlich (nur in dem Sprihw. länd⸗
lich, fittlich, di. jedes Land hat feine Sitten); die Sitten, das Betra—
gen im gefelliger Leben betreffend; insbef. die freie Handlungsweife ver—
nünftiger Ween betreffend, fich darauf beziehend, darin gegründet (fr.
moraliſch; fitfich gut, oder böfe; das fittliche Verderben; die fittliche Würde
des Menfcher; der fittliche Werth einer Handlung 2c.); in engerer Bed. f.
fittlic gut, ſinnv. fittig, fittfam, entg. unfittlih (ein fittlicher Menſch, ein
fittliches Betragen 2c.); oberd. auch f. gemäßigt, gemach, ſacht; die Sitt—
lichkeit, das Verhalten einer Perfon od. Handlung in Bezug auf dag
Sittengefeß, die fittliche Eigenfhaft od. Beſchaffenheit (fr. Moralität);
in engerer Bed. die Übereinftimmung mit dem Sittengefege (die Sittlich-
keit einer Handlung); ſittſam, Bw., geneigt zur guten Sitte, aus innerem
Triebe gefittet , anftandig, befcheiden, züchtig, u. von diefer Eigenfchaft
zeugend (ein fittfames Mädchen, ein fittfames Verhalten 2c.); die Sittſam—
keit, das Sittfamfein.
Sittich, r. als Sittig, m., -e3, M. -e, (altd. sitich, sitech, sitach; oberd.
auch Sitter, Sittikuft, Sitkuſt 2c.; ausd. lat. psittacus, griech. irrezos u,
oirraxos), alt u. oberd. f. Papagei; daher fittihgrün (ſchwäb. fittergrün),
Bw. f. papageigrün; der Sittichkarpfen, ſ. v. w. Laimer.
fittig, fittlih, fittfam ꝛc., ſ. unter Sitte.
Sittvogel, m. (entft. aus Sittichvogel? f. Sittich), landſch. f. Specht:
meife, Blaufpecht.
. figen, ziellof. 3w. m. haben (alt u. oberd. m. fein: ich bin, war gefeffen;
hingegen nieberd. ik hebbe feten), ablaut. Smpf. faß, faßeft ıc., Gonj. ſäße;
Mw. gefeffen, (goth. sitan, sat zc.; altd. sizan, sizzan, sitzen, Prät. saz,
Part. gesezzen; oberd. Prät. ſaß u. ſatz, Part. gefeßen u. gefegen; niederd.
936 figen
fitten, Prät. fat u. jeet, Part. ſeten; isländ. sitia, ſchwed. sitta, angelf.
sittan, engl. sitz vgl. d. lat. sidere, ſich feßen, sedere, ſitzen; griech. Zw,
Eoueı, ich fege mich, fige, &dos, Sig), 1) eig. von Menfchen u. Thieren, in
der Stellung fic befinden, wo der Körper auf dem Gefäß niedergelaffen
ruht, fich gefegt haben (vgl. ſetzen), verſch. ftehen, liegen, (auf der Erde,
auf einem Stuhle, auf dem Pferde od. zu Pferde fisen; am, vor, hinter dem
Tiſche ſitzen; bei od. zu Zifche fisen, f. ſpeiſen; der Vogel fist auf dem
Baume; auf den Eiern figen, auch bloß ſitzen f. brüten; ſitzende Arbeit,
Lebensweife u. dal., gem. f. figend verrichtete zc., b. Sigarbeit; auch rüdz. in
Verbindung mit einem Bw., welches die Wirkung des Gigens ausdrüdt, z.B.
fich müde, fteif 2c. fisen); alt u. oberd. auch f. fich feßen (z. B. er war
gefeffen f. er hatte fich geſetzt; einen figen heißen; nieberſitzen f. fich nie
derfegen; auffigen f. fi) aufs Pferd ſitzen; uneig. ob od. auf eine Sache
figen f. darauf dringen; auf einen figen f. iha bedrängen, beläftigen, verfolgen,
vgl. auffäßig); 2) in befonderer u. uneig. Bed. zu einem beftimmten Iwede
figen, etwas fißend verrichten (z. B. dem Maler fisen, d. i. fi von ihm
malen laſſen; einem Beichte fisen, d. i. deffen Beichte anhören; zu Gericht,
im Rathe figen, auch bloß: figen f. Gericht halien, zum Gericht verfammelt
fein, regieren od. im Amte fein, 3. B. landſch. der figende Rath, Bürgermei-
fter 20); im Beſitz fein (oberd. eines Gutes bei Nu und Gewehr figen) ;
fich irgendwo dauernd aufhalten, wohnen, anſäſſg fein, auch fich fort:
während in einem gewiffen Zuftande befinden (arf dem Lande, in der
Stadt ꝛc. fißen; ehem. hinter einem figen, f. deſſen Snterfafs (f. d.) fein;
im Gefängniffe od. gefangen ſitzen, auch bloß: ſitzen, 548. er hat mehre
Sahre gefeffen; immer im Haufe, hinter dem Ofen, über din Büchern figen;
ftill figen f. unthätig fein; warm ſitzen, uneig. f. fig im Wohlftande
befinden; einen, bej. feine Frau, ſitzen laſſen, d. i. verlafen, indem man
fi entfernt ; ſitzen bleiben, uneig. von weibl. Perfonen f. unverheivathet
bleiben); 3) von lebloſen Dingen: fich bleibend an einem Dite befinden,
haften, befefligt fein, (ein Schiff fist auf dem Grunde feſt; der Hut fist
auf dem Kopfe; es fißt viel Schleim auf der Bruſt; hier fißt mir's d. i. hier
liegt das Übel; eine Beleidigung 2c. nicht auf fich figen Laffen, ». i. nicht
ertragen, fie erwiedern od. rächen); von Kleidungsftücen f. paffend fein, klei—
den, anftehen (das Kleid figt mir nicht; die Haube fist gut, ſchlecht,
ſchief ꝛc.); — der Sib, -e8, M.-e, (niederd. Sitt; isländ. setr, set,
engl. seat), 1) das Sigen, der Zuftand, da man fißt (0. M.; . 8.
Sig und Stimme im Rathe, in einer Behörde haben, d. i. das Recht, darin
zu figen, daran Theil zu nehmen); 2) der Drt wo ...., der Platz, worauf
‚man fißt (z. 8. unfer diefem Baume ift ein ſchöner Sig; Jäg. der Ort, wo
das Rehwild fich niederläfft; der Sig eines Stuhles, d. i. der flache Theil
desfelben, auf welchem man ſitzt); auch das Geräth, Geftell zum Sitzen,
als allgemeiner Ausdruck die befenderen Arten Stuhl, Seffel, Bank x. in
fich fchliegend (die Sige in einem Wagen, in der Kirche; alle Sige waren
beſetzt); uneig. der bleibende Aufenthaltsort (feinen Sig an einem Orte ha—
ben, auffchlagen 2c.; der Sitz des Kaifers, fr. die. Refidenz; vgl. Wohn-,
Landſitz 2c.), oberd. insbef. Haus und Hof eines adeligen Landfaffen; auch von
teblofen Dingen: der Ort, wo etwas fist, d. i. fich befindet oder begrün—
det ift (4. B. der Sitz cines Übels, einer Krankheit ꝛc.); — Bes. v. figen:
ar u a Aa il Te
— a zz oa =
Skartenfraut — Skorpion _ 937
der Sikanfer, Schiff. ein großer, Schwerer Anker, der zum Heranziehen ber
Schiffe auf der Rehde od. im Hafen liegen bleibt; die Sitzarbeit, figend
verrichtete Arbeit; das Sitzbein, Anat. ein Bein am unteren Theile des
Beckens; das Sitz od. gew. Sitzefleiſch, gem. kein Sitzefleiſch ha—
ben, f. nicht gern lange figen ; das Sitzgeld, Geld, welches ein Gefangener
dem Gefangenwärter zu entrichten hat; ſchwäb. Abgabe der Häusler an den
Grundheren; das Sitzhaus, ehem. f. Abtritt; der Sitzkaſten, ein Kaften,
welcher zugleich als Sig dient, in Wagen; das Sikfiffen, = polfter, ein
Kiffen 2c., auf welchem man fistz der Sikort, Bergw. ein Ort, wo der
Bergmann anfigt od. figend arbeitet; der Sitzpfahl, Bergw. ein Pfahl od.
Klotz, auf welchem der Häuer in der Grube vor Ort fist; der Siktag, gem.
Sigungstag , f. u.; — Ableit. der Siker, -$, die Sikerinn, mer fit,
gew. nur in den zgeſ. Bei⸗, Vorſitzer 2c.; Giger, Schiffb. die erften Ver—
längerungen der Bauch- und Piekftüde; gem. fcherzb. f. der Hintere;
oberd. auch f. Stuhl (verkl. Sigerlein); fißig, Bw. (von Eon Sitze
enthaltend, in den Zſetz. ein- zwei⸗-, vierſitzig 2c.; der Sitzling, -es, M. -e,
alt u. landſch. wer viel fißt, figend arbeitet; Gap: wer gern im Wirthe>
haufe fist; ſitzſam, Bw., Neuw. f. zu figen geneigt und gewohnt; daher
die Sikfamkeit; die Sisung, eig. das Sitzen; insbef. die jedesmalige
Berfammlung eines Vereins von richtenden od. berathenden Perfonen (M.
Sigungen; fr. Seffion); daher der Sikungstag, Verfammlungstag einer
Behörde ze.
Skartenkraut, f. (wahrſch. niederd. Korm f. Schartenfraut, |.
Scharte 2.), landich. verfchiedene Pflanzen: der Taubenfchnabel; der Storch—
fhnabel, auch Schartenkraut; der Bergalant, auch Skortenkraut.
Skaſt, m., -e3, M. -e, landſch. f. Fiſchadler, großer Meeradler od.
Beinbrecher.
Sklave, abgek. Sklav, m., -en, M. -en, weibl. die Sklavinn,
M.-en, (fchweb. slaf, engl. slave; franz. esclave, ital. schiavo; von dem
Bolkaftamm der Slaven, ehem. Sklaven, mittl. lat. Sclavi genannt, welche
von den alten Deutfchen im Kriege zu Gefangenen gemacht, als Knechte ver-
Eauft wurden), Menfchen, welche Andern als fürmliches Eigenthum an—
gehören und wie eine rechtlofe Waare behandelt werden, finnv. Leibei-
gene, welche jedoch nicht fo unbedingt ald Sache betrachtet werden (einen
zum Sklaven machen; Sklaven Zaufen, verkaufen ꝛc.); uneig. überh. wer im
Zuſtande erniedrigender Abhängigkeit ift, fich beherrſchen läſſt (eines
Andern Sklave fein, d. i. deffen Willkür unterworfen; ein Sklave feiner Lei-
benfchaften fein 2c.); — 3fes. die Sflavenarbeit; die Sklavenbanden,
-feffeln, = Eetten 2c.; die Sklavenfurcht, der Sklavengeift, -finn ꝛc.; der
Sfklavenhandel, Handel mit Sklaven; der Sklavenhändler; das Skla—
venjoch; das Sflavenleben; der Sklavenmartt; der Sflavenftand u.
ſ.w; — Xbleit. fflavenhaft, Bw., fElsvenähnlich; fElavifch, Bw., eis
nem Sklaven eigen oder angemeffen, dem Zuftande oder der Gefinnung
eines Sklaven gemäß, finnv. Enechtifch, (ſklaviſche Arbeit, Furcht 2. ; Je—
mand ſklaviſch nachahmen u. dal.); die Sklaverei, der Zuftand eines Skla⸗
ven (in Sklaverei gerathen, leben 2c.); uneig. überh. vollige Unfreiheit u.
Abhangigkeit von fremder Willkür, finnv. Knechtfchaft.
Skorpion, m.,-e8, M.-e, (vom griech. dx0g7tos , lat. scorpio u. scorpius),
938 Sekortenkraut — fo
ein Erebsähnliches, achtfüßiges Kerbthier mit zwei großen Scheren u. einem
langen, gegliederten Schwanze, der mit einem gefrümmten Stachel u. einer
kleinen Giftblafe verjehen ift, aus welcher ein gefährliches Gift in die mit dem
Stachel gemachte Wunde fließt; Stern. eines der 12 Sternbilder des
Thierkreifes; uneig. Namen zweier Schneden, auch: Skorpionſchnecken;
die Sforpionfliege, eine Art fliegenähnlicher Infecten, deren Schwanz dem
Skorpionſchwanze ähnelt; das Skorpion od. Sforpionengift; das Skor—
pionfraut, 1) eine Gattung Hülfenpflanzen im: fühl. Europa, mit rauhen,
gekrümmten, den Skorpionſchwänzen ähnlichen Hülfen, daher auch Skor—
pionfchwanz, Raupenkraut, Schneckenklee zc. (scorpiarus L.); 2) f. Stech—
ginfter, auch die Skorpionpfrieme (ulexL.); 3) f. Sonnenwende od. Krebö-
“blume; 4) f. Mäuſeöhrchen od. Vergifsmeinnicht, auch Skorpiongras; das
Sforpionöl, ein Öl, worin Skorpionen erfäuft worden, als Heilmittel gegen
den Skorpionftih; die Skorpionfchnede, eine Art Flügelſchnecken, u. eine
Art feltener Stachelfchneden; die Sforpionfpinne, eine Art achtfüßiger
Spinnen mit langen, feherenartigen Fühlhörnern u. einem Saugeftachel.
Sfortenfraut, f., ſ. Sfartenfraut.
Skrupel od. Scrupel, f., -$, M. w. E., (vom lat. scrapulum, r. scri-
pulum, scriptulum, von scribere, fchreiben, zeichnen, alfo eig. eine Linie; vgl.
das griech. yonuudgıov von yodpew; verſch. der Scrupel, d. i. Zweifel,
Bedenklichkeit 2c., vom lat. scrupulus), 1) ein Eleines Maß, insbef. als Län-
genmaß — 75 Linie; auch der 60ſte Theil eines Grades, |. v. w. Minute;
Sternk. auch als Zeitmaß f. Minute; 2) ein Eleines Gewicht — 20 Gran
od. 4 Quentchen.
Smalte, w., f. Schmalte.
Smaragd, m., -e8, M. -e, (gem. Schmaragd gefpr.; vom griech.
ucoaydos, oudoaydos, welches hellgrünen Flufsfpath u. überh. alle grünen
Kryftalle bezeichnet, lat. smaragdus; diefe aber von dem perf. zemerud; ſanskr.
marakata; mittl. lat. esmaraldus, ital. smeraldo, franz. emeraude), ein ſchö—
ner Edelftein von grasgrüner Farbe; daher: die Smaragdfarbe; ſma—
ragdfarben, fmaragdgrun, Bw.; der Smaragdflußs (j. Fluſs 2), ſma—
ragdfarbener Kryftall, od. Fluſsſpath; auch ein Eünftlich nachgemachter, unech—
ter Emaragd; der Smaragdpraſer, fmaragdgrüner Prafer (1. d.); Die
Smaragdſchnecke, eine Art Trompetenſchnecken, auch der Eleine Sma-
ragd genannt; fmaragden, Bw. von Smaragd; uneig. f. [maragdähn-
lid) an Farbe und Glanz.
Smergel od. Smirgel, m., 1. v. w. Schmergel 1.
fo 1. unbieaf. beziehendes Fürw. (mittelh. sö; ein Überbleibfel des alten
hinweifenden Pronomens u. Artikels: goth. sa, s6, thata, angelj. se, see,
that, ſanskr. sas, sä, tad, d. i. der, bie, das; von dem Pronominal-Stamım
" sa, neben ta, tha, da), vlt. u. nur noch dicht. f. welcher, e, es, der, Die, daß,
jedoch nur für den Nom. u. Accuſ. aller Geſchlechter in beiden Zahlformen
(4. B. bibl. die Heiligen, fo auf Erden find; der Lohn von dem, jo wir
thaten).
fo 2. fürwörtliches Neben- u. Bindewort (Pronominal-Adverbium u. Con:
junction, eig. ein Verhältnifsfall des Mittels od. der Art u. Weife (Casus in-
strumentalis od. modalis) von dem unter fo 1. angeführten hinweifenden Für
wort (daher auch in den Zfes. fomit, ſonach in der Bed eines Prono-
EEE
fo 939
minal⸗ Gafus, wie da), überh. ſ. v. w. dadurch, auf die Art, in ber Weife;
goth. sva, fo, unterſch. von sv&, wie; althochd. sö f. fo u. wie; mittelh. sö,
so; daneben sus, entfpr. dem altniederd. thus, neuniederd. dus, von bem
Pronominal-Stamm: tha, da; iöländ. svä, svo, so, ſchwed. sa; angelf. sva,
engl. so u. thus; vgl. d. griech. &s mit ö, ös; lat. sic, ita, vgl. id), 1) Nw.
der Beichaffenheit u. Weile, des Grades (dev Intenfität) u. Ser Menge u.
Größe (Quantität): auf die od. diefe Art, in der Weife, in dem od. fol
chem Grade od. Maße, finnv. dergeftalt, folchergeftalt, dermaßen ıc.,
insbef. I) Hinmweifend (demonftrativ, ohne Vergleihung; z. B. er macht
es fo, erift fo groß, ich mache mir nit fo viel daraus, d. i. gar nichts,
u.dgl.m. mit begleitender Geberde; fo meine ich es nicht; die Sache verhält ſich
fo, fteht jo; wenn dem fo ift zc.; bald fo, bald fo, d. i. bald auf diefe,
bald auf jene Art; fo fo f. mittelmäßig, erträglich, 3. B. es geht fo fo; fo
und fo viel, fo und fo groß u. dal. fagt man, wenn man bie Menge od.
Größe nicht genau beftimmen Tann od. will; fo genannt od. zgel. foger
nannt fügt man einer Benennung bei, deren Richtigkeit man nicht völlig zus
gefteht, 3. B. die fogenannten guten Freunde, d. i. die, welche man Freunde
nennt, ohne dafs fie es im vollen Sinne des Wortes find; gem. gebraucht man
fo auch f. ohnehin, ohnedies, doc), 3. B. aus dir wird jo nichts; es kann
fo nit lange mehr mit ihm währen; fo aber, d. i. eig. in diefer Weiſe,
unter diefen Umftänben aber, f. das bloße aber, 2. B. ich hätte es wohl ger
wünfcht; fo aber ging es nicht an); im gemeinen Leben fagt man: fo ein,
fo einer, e, ed, f fol, ein folcher zc. (z. 8. fo ein Menſch, fo ein
Glück, fo ein ſchönes Buch; fo einen Eenne ich zc.), und fo etwas, gem. fo
was f. etwas der Art (4. B. fo etwas habe ich nie gefehen; fo was leide
ich nicht 2c.); ferner gebraucht man fo! austaff. f. fo ift es gut=od. recht,
fo foll e8 fein; fo? als Fragewort f. ift es fo? verhält es fich wirklich
fo? mit dem Nebenbegriffe der Verwunderung (3. B. fo? hat er das wirk-
lich gefagt?), und wie fo? f. in welcher Arc? in welcher Weife? wie ift
das zu verftehen? — häufig fteht fo mit gefchwächter Bedeutung u. Beto-
nung bloß zur Verftärfung od. als Ausdrud feinerer Gefühlsbeſtimmun—
gen (3. B. er meint es fo gut; er hat fo viele Verdienftez ich habe dich fo
lange nicht gefehen! ich habe es ſchon fo oft gefagt; er wird fo bald nicht
wieder kommen; er hat fo ganz Unrecht nicht; mir ift nicht fo recht wohl,
u. dgl. m.; verftärkend ift es auch in den Zfeg. fodann, jfofort, fogar,
fogleich ıc., |. d.); 2) beftimmend (determinativ), mit hinzugefügter
Vergleichung, welche, wenn fie eine Eigenfchaft, Beichaffenheit od. Art u.
Weile betrifft, durch wie —, wenn fie eine Grad: oder Mafbeftimmung ent»
hält, durch als vermittelt wird (7. B. mache es fo, wie ich; fo weiß, wie
Milch; fo hell, wie die Sonne; er ift fo fleißig, wie fein Bruder; aber: er
arbeitet fo viel, als ich; er ift fo fleißig, als geſchickt; fo Tchnell, als möglich;
es ift fo gut als gewiſs, u. dal. m.; fo auch bei Zeitbeftimmungen, z. B. fo
bald als 2c., jo lange als, fo oft als du willft ꝛc.; — verftärkt wird dies fo
duch) Vorſetzung von eben, 3. B. eben fo fchön, wie ze.; eben fo lange,
als 2c.); auch mit Beziehung auf einen mit dafs eröffneten od. durch zu mit
dem Infinitiv verkürzten Sag (3. B. fo viel, dafs man genug hat; mache
es fo, dafs man dich loben kann; fei fo gut, es zu thun, mir zu helfen 20.5
gem. une: fei fo gut und thue es ꝛc.); diefe beftimmende od. bezichliche Bed.
940 fobald — Code
macht den Übergang zu — 2. Bdw., insbeſ. 1) ald Bindemwort (im enge
ren Sinne) mit hHinbeutender Kraft, im Hauptfaße: a) vergleichend
(comparativ; 3. B. wie man den Sinaben gewöhnt, fo bleibt er als Mann.
Der Herbftwind weht das Laub vom Baume; fo vergeht das Menſchenleben;
bisweilen auch bloß anfügend od. copulativ: fo — als, f. ſowohl —
ald, z. B. fo Geduld, als Zeit verging; um fo ift verhaltlich od. propor=
tional, finnv. defto, 4. B. das Leben ift kurz; um fo forgfältiger muſs man
es nüßen; od. je kürzer das Leben ift, um fo 2c.; in fo fern od. info
weitift einfhränfend od. reftrictiv, z. B. ich habe ihm in fo fern mein
Wort gehalten, als es mir möglich war); b) folgernd (illativ), finnv. alfo,
folglich (z. 8. er ift fleißig; fo wird er etwas lernen; befonders mit Aus—
laſſung des dunkel hinzugedachten urfädhlichen Satzes, 3. B. fo laffet uns ges
ben! fo fanget denn an! fo komm do! fo ift es denn beichloffen; fo ift
denn Alles umfonft! 2c.); ferner Nachfüge einleitend, denen ein begründen:
der, zweclicher, bedingender od. einräumender Vorderfag vorangeht (2. B
weil od. da er nicht fleißig ift, fo wird .er nichts lernen; damit er fich beſſere,
To ftrafe ich ifn; wenn du Eannft, fo komm; obgleich er Erank ift, fo hat er
mir doch gefchrieben; auch nach einem zeitbeftimmenden Gate, 3. B. als ich
kaum aufgeftanden war, fo kam er fchon; od. ich war eben aufgeftanden, fo
kam ev 2.); 2) als Fügewort mit bezgiehender Kraft, im Nebenfage
(ſtatt des relativen wie, fo wie der ft. wer, welcher): a) vergleichend (4.8.
To gelehrt er ift, fo anmaßend ift er auch, ft. wie gelehrt 2c.5; ich will es ma—
chen, fo aut ic) kann, d. i. wie gut 2c. od. fo gut als ich kann; fo oft ich ihn
fehe, freue ich mich; fo wahr ich lebe! 2c.); b) einräumend u. einſchrän—
kend (4. B. fo gern ich ihm helfen wollte, fo Eann ich doch nicht; fo viel ich
weiß u. fo weit ich ihn Eenne, ift er ein redlicher Mann; fo jung ich bin ꝛc.;
fo fern od. in fo fern ic) ihn verftehe, Kat er Recht, ft. wie fern, in wie
fern 26.); €) alt u. dicht. auch bedingend (conditional) f. wenn (zZ. B. bibl.
fo er ſpricht, To gefchieht’s; fo er gebeut, fo fteht’s da; Herr, fo du willft,
Eannft du mic) wohl reinigen; fo Gott will 2c.).
fobald, d. i. eig. fo bald (f. batd), in fo Eurzer Zeit: 1) als Nw. (3. 8.
er wird fobald od. r. fo bald nicht Eommen); nicht Fobald f. kaum (3. B
er war nicht fobald angekommen, als ich ihn aufuchte); 2) als Bw. u. zwar
zeitbeftimmendes Fügewort f. fo bald als (3. B. fobald er angefommen war,
befuchte ich ihn).
fobben, ziellof. Zw. (wohl verw. mit fupen, faufen), niederd. f. gern u.
viel trinken, dem Trunk ergeben fein; der Sobbe, -n, od. Sobber, -8,
f. Trinker, Säufer.
ſochen, zielloſ. Zw., (mittelh. söchen, Prät. sohte) oberd. f. ſiechen (f.
—9* kränklich fein; der Socher, -8, £ kränklicher Menfch (ſprichw. der
Soder überlebt den Pocher, d. i. ben. welcher auf feine Gefundheit pocht);
ſochig, Bw., f. ſiech, kränklich (auch: dead):
Socke, to. M.-n, (althochd. der soch, M. soccha; mittelh. soc, M.,
G. sockes, u. socke, w.; verkl. sochili, söckel; oberd. der God, M. Socke,
gew. verkl. der Söckel; niederd. Sode, ſchwed. socka, engl. sock, franz.
socque; fämmtlich entlehpnt von dem lat. soccus), eine Zufbeffeidung von
weichem Stoffe mit flachen Sohlen, al? Pantoffeln od. als Überfchuhe ge-
tragen (z. B. Filzfoden, wollene Soden 20.); Eurze Strümpfe, die nur bis
|
Sodel — Sodgräber 941
an od. über die Knöchel reichen; auch der Füßling eines Strumpfes (z. 8.
die Sode an einen Steumpf ftricten); niederd. f. bloße Strümpfe, ohne wei—
tere Fußbekleidung (auf Soden gehen; gem. ſich auf-die Soden machen, uneig.
f. heimlich fortgehen); die Sodenblume, eine Pflanze im füdl. Europa, mit
ſocken- od. auch mügenähnlichen Blumen, auch Bifhofsmüge (epimedium
alpinum L.); foden, ziel. 3w., mit Soden verfehen (gew. befoden),
oberd. auch ſöckeln (z. B. die Strümpfe —, d. i. Soden daran ftriden).
Sodel, m., -8, M. w. E., (vom lat. socculus, Verkl. von soccus?),
Fußgeftell, Unterfaß eines Bruftbildes u. dgl, Säulenfuß.
u: ziel, Zw., f. unter Socke; — 2. rüdz. Zw. (verw. mit fiegen
‚ fitern, fogen; vgl. auch) faden 2.) ſich —, in Salzwerken f. nach und
ee zu Boden finfen (das Salz fodt ſich).
Soderfalf, m., ſ. Sakerfalk.
Sod, m., -e$, RM. Sode, landſch. auch Söder, (altd. söt, G. södes;
von fieden; vgl. Sud) 1) das Sieden, insbef. die fi vom Denkentnuinde
bis in den Schlund verbreitende brennende Empfindung , welche von ver-
dorbener Säure im Magen herrührt (oberd. Sott, Sutt, Sat; der God
brennt mir), gew. das Sodbrennen; daher: das Sodbrod, die Hülfenfrucht
des Sodbrodbaumd in Stalien u. im Morgenlande, welche das Sodbrennen
dämpft, auch Sodfchotenbaum, Sohannisbrodbaum; die Soddiftel od.
das Sodkraut, gemeine Eberwurz, Kreuze od. Sandbiftel, ein Mittel gegen
das Sodbrennen; — 2) der od. das Sod, landſch. auch die Sode or.
Söde, was gefotten wird od. iſt; insbeſ. beim Salzfieden: fo viel Soole
auf einmal verfotten wird; niederd. das Sod, fo viel Maffer zu einem
Gebräude Bier erforderlich ift; eine Söde (z. B. Fifche, Kohl ze.) f. ein
Gericht; der od. gew. das Sod, landſch. f. Brühe (Sauce), Abfud (da-
ber ſprichw. gem. in feinem Sode jein, leben 2c., d. i. in feinem Schmutze, od.
in feiner Bequemlichkeit, feinen Lüften 2c.; die Hände mit im Sode haben,
d. i. mit im Spiele, bei einer ſchmutzigen Sachey; — 3) der Sod, das
Siedende, Aufiwallende, daher alt u. Landich., beſ. niederd. f. Brunnen,
bef. Ziehbrunnen, (angelf. seadh, holl. sode), auch : der Sodbrunnen; da-
her der Sodbord, f. Brunnenrand; der Sodeimer, f. Brunneneimer; der
Sodgräber, Brunnengräber; die Sodruthe, der Sodfchwengel, f. Brun-
nenftange, = ſchwengel; das Sodwafler, f. Brunnenwaſſer 2c.
fodann, zeitbeftimmendes Nw. u. fortfegendes Bdw., das verft. dann
(f. d.), finnv. aledannz darauf, ferner, hernach.
Sodbord, - brennen ‚= brod ‚= brunnen, = diftel, ſ. Unter So.
Sode l. en Söde, w., ſ. ee So 2).
Sode 2. w., o. m. (fr. Soda; vom fpan. soda, franz. soude), Galz-
afche od. Afchenfalz, ein feuerbeftandiges Laugenfalz, welches durch Ver:
brennen verfchiedener Pflanzen, bef. des Salzkrautes (f. d.), gewonnen wird,
auch: das Sodefalz; das Sodekraut, Salzkraut.
Sode 3. w., M.-n (hol. sode, engl. sod, altfrief. satha), niederd. ein
ausgeftochenes Stüc Raſen od. Torf; der Sodendeich, ein mit Rafen beleg-
ter Deich; die Sodengruft, Strede, wo Soden geftochen werden; der So:
denftecher, wer Soden ausfticht; — foden, 3w., f. Raſen- od. Torfftüde
abftechen, au: abſoden.
Sodgräber, = ruthe, = fehwengel,= waffer, f. unter Sod.
942 fofern — Sohle
fofern od. getrennt fo fern (vgl. fern u. fo 2. 2) b), Bdw. u. zwar ein⸗
ſchränkendes (reftrietives) Fügewort, ſ. v. w. wie fern, in wie weit (4. B.
er ift unſchuldig, fofern ich es beurtheilen Kann).
Soff, m., -e$, o. M., (altd. souf, süß; oberd. Suff; von faufen), niedr.
1) das Saufen, oberd. f. Trunk, Schluck; bef. die Fertigkeit u. Ges
wohnheit des Saufens, Trunk, Völlerei (dem Soff ergeben fein); 2) gem.
verächtl. f. fhlechtes Getränk, vol. Geföff; der Söffling, - es, M. -e,
(oberd. Süfling) gem. f. Säufer.
foforf, Nw. der Zeit, ſ. v. w. fogleich, auf der Stelle, ohne Aufſchub
(vgl. fort); daher ſofortig, Bw., was fogleich gefchieht od. erfolgt (4. 2.
fofortiger Beſcheid u. dal.).
Sog 1. m., -e$, o. M., (von faugen), niederd. f. dad Saugen (5. B
Ferkel von einem Sog, d. i. zugleich geworfene u. gefäugte); Zuflufs der
Säugemilch (einen guten Sog haben); ein in fich faugendes Ding, inshef.
ein Kaften im Schiffsraume, in welchem ſich das eingedrungene Waſſer
fammelt; Wafferb. eine ins Borland gegrabene Vertiefung, ein Schiff
darein zu legen; das Sogferfel,- Falb, - lamm ꝛc., niederd. f. faugendes
Ferkel 2.5; — die Söge, M. -n, nötdeeh. f. Sau . d.), De EA
daher: die Sögediſtel f. Saudiſtel.
Sog 2. m., -e8, M. -e, (wahrſch. f. 309, Zug, von ziehen), — f.
Zug, Zugluft, Zugioind, ae der Sogwind; Schiff. die Spur od.
Furche, welche ein fegelndes Schiff zieht; auch das Scharf (f. d.) od.
der Schnitt des Schiffes (4. B. ein Schiff hat einen yuten Sog, wenn e&
hinten fcharf gebaut ift); daher das Soggat, Gat im Soge; das Sogftüd,
f. v. w. Piekſtück.
fogar, grabbeftimmendes Nw., das verft. gar (f. d.), eine Steigerung
ausdrüdend, finnv. auch, felbft G. B. er ift nicht nur nicht mein Freund,
fondern fogar mein Feind; er lügt nicht nur, fondern ftiehlt fogar, u. dal. m.).
fogen, ziellof. 3w. (vgl. fiegen 1. u. feigen 1.), in Salzſiedereien f. fidern,
tropfen, in Tropfen abfließen (das Waffer aus den Salzkörben fogen laffen) ;
von dem Salze felbft: fich in der Pfanne zu Boden feßen und in Kroftalle
anſchießen, auch focen, f. d.; der Sogbaum, in Salzwerken ftarke Hölger
über der Pfanne, auf welche die Salzkörbe gefegt werden; die So en
Pfanne, in welcher die Soole zum Anfchießen gebracht wird; der Sogſtiel,
Stiel an den Salzichaufeln ꝛc.
ſogleich, Nw. der Zeit, das verft. gleich (f. gleich 2), d. i. in fehr kurs
zer Zeit, im Augenblick, (z. B. ich bin fogleich fertig; er wird ſogleich
fommen).
“ Sogpfanne,: ftiel, f. unter fogen; Sogſtück,- wind, ſ. Sog 2
fohin, Aw. u. Bow. (aus dem hinweifenden Pronominal= Eafus fo u.
hin zgeſ.; ſ. fo 2., vgl. da-hin, daher 2c.), oberd. f. fomit, folglich, dem:
nad.
Sohlband,= berg, f. unter Sohle 1.
Sohlbeere, w. (wahrfh. aus Salbeere entft., von Tal, ſchmutzig,
ſchwarz), landſch. f. ſchwarze Sohannisbeere.
Sohle 1. w., M.-n, (goth. sulja, altd. sola, sol, w.; daneben solo,
ol, f., f. Grundlage, Boden; oberd. Solen, niederd. Sale; ſchwed. sola,
angelf. sol, engl. sole; Iat. solea, ital, suola, franz. sole, vgl. soulier,
Sohle 943
Schuh; von dem Stamme deö goth. suljan, gründen; vgl. Säule, Schwelle;
das lat. s6lum, Grund ꝛc.), überh. die Grundfläche od. Grundlage; insbef.
die untere F äche des Fußes der Menfhen (Fußſohle), fo wie der Fuß—
bekleidung (z. B. die Sohle eines Strumpfes, Schuhſohle ꝛc.); aud ein
nach der Form der Fußfohle zugefchnittenes Stud Filz, Kork, Zeug ıc.,
welches man in die Schuhe od. Stiefel legt (Filz-, Korkfohle ee landſch.
auch f. Pantoffel; in weiterer Anwendung am Pferdehufe das dünne Horn,
woran das Hufeiſen befindlich iſt; Jäg. die hornartige Klaue am Fuße des
Wildes (auch Schale); Zifchl. f. v. w. die Bahn (f. d.) des Hobels; die
untere Fläche des Pfluges, u. der eiferne Befchlag derfelben; bei den Wund-
ärzten ein langes hohles Werkzeug, worein ein zerbrochenes Glied. zur Hei-
lung gelegt wird; Zimmerl. jeder als Grundlage dienende wagerechte Bal—
Een, ſ. v. w. Schwelle; Bergm. die wagerechte Grundfläche eines Stollens;
in Pochwerken die fteinernen od. eifernen Platten, auf welchen gepocht wird ;
uneig. fine Art Plattfifche od. Schollen (f. d.), auch Zunge genannt; —
3fes. mit Sohle: das Sohlband, Bergw. der Boden des Erzes, welchen
man bei deffen Gewinnung ftehen läſſt; der Sohlberg (vielleicht von anderm
Stamme; vgl. Sahlband), Bergw. taubes Geftein in der Mitte zwijchen zwei
-Zrümmern od. Armen eines Ganges, Keilberg; der Sohlhammer, Schuhm.
ein Hammer, womit das Sohlleder feft gefchlagen wird; das Sohlholz,
Bau. f. Schwellenholz, Schwelle; das Sohlleder, dickes Leder zu Schuh:
ſohlen ze.; die Sohllinie, Bergw. wagerechte Grundlinie; die Sohlfchiene,
eiferne Schiene, womit die Sohle des Pfluges beſchlagen ift, landſch. auch
Sohlfhmwiene; der Sohlftein, Hüttenw. ein vierediger Stein auf der
Anzucht des Treibherdes; das Sohlftüd, Bauk. f. Grundlage, Unterſchwelle;
Grundfläche eines Fenſters; Hüttenw. der Boden des Pochkaſtens; — mit
Sohlen=: der Sohlenhieb ‚= fchlag, M. Sohlenhiebe ꝛc., Hiebe auf die
Fußſohlen (fr. Baftonnade) ; das Sohlenholz, Korkholz; der Sohlenma-
cher, landſch. f. Pantoffelmaher; der Sohlenrifs, Bergw. f. Grundriſs;
die Sohlenzwede, Schuhm. Zwecken, womit die Schuhfohlen an die Leiften
befeftigt werden; — Ableit. fohlen 1., 3w. 1) ziel. mit Sohlen verfe-
hen, gew. be=, verfohlen; 2) ziellos, Hüttenw. f. Feftigkeit gewinnen,
gerinnen; fohlig od. fühlig, Bw., Bergw. f. wagerecht, mit der Grund-
fläche gleichlaufend, entg. feiger.
Sohle 2. w., M.-n, (andſch. auch Sule, Sudel; altd. daz sol, gesol,
u. der sölz; angelf. sol, engl. soil, franz. souil, souille; vgl. fal, Bw.),
Yandfch. u. bef. Säg. f. Pfüge, Sumpf, Lache, worin ſich das Wild wälzt,
auch Sohllache; fohlen 2. od. fühlen, ziel. 3w. (altd. solön, solagön, solgen;
goth. saulnon, angelf. sauljan, engl. soil; ſchwed. sölaz franz. souiller; vgl.
fudeln), Yandfch., bef. niederd. f. befehmugen,, befudeln; fid ſehlen; d. i.
ſich in einer Lache wälzen (vom Hirſch ꝛc.); die Sühlerei, niederd. f. Su⸗
delei; fühlig, Bw., niederd. f. ſchmutzig, beſchmutzt; voll, befoffen (franz.
soül; daher auh Söhlbruder,- gaft f. Trunkenbold; fih beföhlen f.
betrinken; aus dieſem ſölig ift vielleicht duch Mifsverftand felig (ij. d.) f.
betrunfen geworden).
Sohle 3. od. Söhle, w., M.-n, au die Söhlweide, landſch. f.
Sahlweide, f. d.
Sohle 4. w., f. Salzwaffer, f. Soole.
944 i Sohn — fold
Sohn,an., -ed, M. Söhne, Berkt. das Söhnchen, (goth. u. litth. su-
nus, althochd. sunu, mittelh. sun, M. süne; oberd. Gun, niederd. Söne; iö-
länd. sun, ſchwed. son, dän. sön; flav. syn; ſanskr. sunus von der Wurzel
su, erzeugen (alfo: der Erzeugte; daher auch suti, Erzeugung, shü, Ges
burt 2c.), deren Urbed. „feucht fein, tröpfeln“ ſcheint; vgl. das griech. der,
befeuchten, regnen, u. vios, Sohn; ferner die erweiterte Wurzel vd, sud, svid in
ööwg, sudor, ſchwitzen 2c.), ein männliches Kind, jede männliche Perfon
nach ihrem Verhältnifs zu den Altern, entfpr. Tochter (von einem Sohn
entbunden werden; mein erftgeborener, ältefter, jüngfter Sohn ꝛc.; ein ehe
licher, od. unehelicher Sohn; ein angenommener Sohn, fr. Adoptiv - Sohn);
in weiterer Bed. auch f. Abkömmling entfernter Stammältern (wir find
Adams Söhne); eine männlidye Perfon, welhe zu Andern in einem
fohnähnlihen Verhältniſſe fteht (. B. Stief-, Schwieger-, Pflegefohn, f
d.), auch als zutrauliche Anrede einer Alteren Perfon an einen Knaben od.
Süngling (mein Sohn od. Söhnden, lieber Sohn!); uneig. überh. eine
männliche Perfon im Verhältniffe des Schuges od. der Abhängigkeit
(. B. Söhne Gottes; Erdenföhne, d. i. Menſchen; ein Sohn der Natur,
d. i. ein Naturmenſch; ein Sohn des Unglüds u. dgl. m.); im Weinbau f.
Senkrebe; — 3fes. die Sohnsfrau, Schwiegertochter; die Sohnsliebe,
Liebe des Sohnes zu den Altern; der Sohnsjohn, die Sohnstochter, En-
kel, Enkelinn; — Ableit. die Sohninn od. Söhninn, oberd. (auch Sür
ninn, &Sünerinn) f. des Sohnes Frau, die Schwiegertochter; fohnlich,
Bw., Neuw. f. einem Sohne gehörig od. angemeffen, in dem Verhältniffe .
eines Sohnes gegründet (ſohnliche Liebe); die Sohnfchaft, die Eigen-
fchaft, das Verhältnifs eines Sohnes.
fühnen, 3w., Söhne, w. ꝛc., gew. fühnen xc., f. d.; außer in: aus—
fühnen u. verföhnen.
fol, Nom. folcher, e, es, M. ſolche, beftimmendes Fürw., gebeugt wie
der Artikel der, ©. folches, ſolcher, ſolches ꝛc; oder, wenn der Artikel
ein davor fteht, wie ein Bw. in der gemifchten Biegungsform: ein folcher,
eine folche, ein folches, ©. eines od. einer folchen, D. einem od. einer fol-
chen, Acc. einen ſolchen, eine folche, ein folches, (entft. aus ſo-lich, d. i.
fo befchaffen, von lih, Leib, Geftalt, Beichaffenheit; vgl. lich, Leiche, gleich,
welch; goth. svaleiks, altd. solih, sulih, solich, solch, sülch; oberd. auch
ſölch, niederd. ſölk, ſulk, ſuk, ſük; isländ. salikr, ſchwed. slik, angeſ. svilc,
engl. such), verbindet 1) mit der Hindeutung auf einen Gegenſtand den Be—
griff der Beſchaffenheit, ſ. v. w. ein fo beſchaffener ıc., ſinnv. dergleichen,
gem. ſo ein, u. ſteht ſowohl beiwörtlich mit einem Hauptw. verbunden, als
für ſich allein die Stelle des Hauptw. vertretend, entweder mit nachfolgendem
Beziehungsſatz (z. B. ſolche Freuden, die dich nicht gereuen; gieb es Solchen,
welche es verdienen), od. gew. ohne Hinzufügung des in Gedanken zu ergän—
zenden Beziehungsfages (zZ. B. ſolche Mutter (mäml. wie diefe ift) ift ſelten;
ſolche Menfchen Eenne ich wenige; Solcher ift das Himmelreich); daher nimmt
es 2) bisw. die Bedeutung des bloß hinmweifenden diefer ꝛc. an (3. B. es ſei
fern von mir, folches zu thun; auf folche Art 2c.); nicht gut aber wird es
ftatt er, fie, es, od. derfelbe 2c. gebraucht, (z. B. mein Freund ift heute ange:
Biken: Folk wird aber morgen ſchon wieder abreifen; man beftraft die
Fehler der Kinder, damit fie ſolche (f. diefelben) nicht wieder begehen); —
—
/
Sold 945
in ber erften Bed. fagt man nicht nur: folcher, e, es, M. ſolche, wo-
nad) ein Bw. die ſchwache Biegung annimmt (4. B. folder gute Wein, fol-
ches fchöne Wetter; ſolche guten Menfchen ze.); fondern in der Einh. auch:
ein folder x. (4.3. er ift auch ein folder; ein folcher Mann; ein folches
Ende hätte ich nicht erwartet 2c.; mit ftarker Biegung eines nachfolgenden
Beimortes, z.B. ein folcher braver Dann, ein folches neues Kleid 2c.; fo auch:
fein folder, Eein ſolches ꝛc.), od. mit nachgeſetztem ein ꝛc. ohne alle Bie—
gung des ſolch: ſolch ein, ſolch eine ꝛc. (z. B. fol ein Menſch, ſolch
eine That, fosch ein Verbrechen, ©. fol eines Menfchen, ſolch einer That
26.) , od. endlich ſo lch (ungebeugt) mit nachfolgendem Bw. in ftarker Biegung
(4.3. fold guter Menfch, ſolch ſchönes Wetter 2c.);— 3fes. ſolchemnach, Nw.,
vlt. f. demnach, fonach, folglich; folchenfalls, Nw., Kanzt. f. in ſolchem od. dies
fem Falle; folchergeftalt, folchermaßen, Nw., meift vit. f. auf ſolche Art,
in folhem Maße, finnv. dergeftalt, dermaßen, fo; folcherlei, unbiegf. Bw.
(vgl. lei), von ſolcher Art od. Befchaffenheit (4. B. folherlei Geſchäfte zc.).
Sold, m.,-ed, 0. M. (mittelh, solt, G. soldes; engl. u. ſchwed. sold;
franz. solde, ital. soldo, fpan. sueldo; — entweder v. dem lat. solidus,
Münze; od. vielleicht deutfchen Urfprungs: v. fellen (1. d.), daher isländ.
söl, Gabe, ſchwed. sal, söl, Strafe; oder v. follen, ſchuldig fein, altd. scu-
lan, vgl. Schuld, daher im Altd. auch scoldiner ft. soldiner, Eöldner, ſich fin .
det), ehem. überh. f. Lohn, feftgefeste Bezahlung für geleiftete Dienfte
(3. B. an Knechte u. Mägde), vgl. Befoldung; uneig. f. Belohnung, Ver:
geltung (bibl. der Tod ift der Sünde Gold); gem. in engerer Bed. der den
Soldaten gezahlte Lohn,‘ bei. der jährliche Betrag desfelben, verfch. von
Löhnung, f. d. — 3feg. der Solddienſt, Dienft um Sold; der Sold-
herr, wer Andere in feinem Solde hat; das Soldlehen, chem. f. Reiterle—
ben; foldlos, Bw.; Eeinen Sold erhaltend, unbefoldet; — Ableit. folden
(ehem. au: foldenen, verfolden), ziel. Zw. einen —, vlt. f. ihm
Sold geben, gew. befolden; der Söldner, s, M. w. E., (altd. solde-
‚naere, soldner, solder, soldier), aud der Söldling, -es, M. -e, jeder um
Sold od. überh. Lohn Dienende, von weiterer Bed., ald Soldat, u. meift
mit verächtl. Nebenbegriffe; in engerer Bed. befoldeter Krieger, Soldat; das
her: der Söldnerlohn; die Sölönerfchaar ıc.; die Söldnerei, oberd. f.
befoldete Truppe; — der Soldat, -en, M.-en, (zunächft aus dem ital.
soldato, franz. soldat, erft in der neuern Sprache ft. des älteren Söldner,
Kriegsknecht zc. üblich geworden), ein um Sold dienender Krieger, überh.
jeder, welcher frch dem Kriegsdienft gewidmet hat, Kriegsmann (fr. Mi-
litär; Soldat werden, unter die Soldaten gehen; ein Land, See-, Stadtfol-
dat 2c.); in engerer Bed. der gemeine Soldat, z. U. v. Officier; uneig.
Naturk. eine difchalige genabelte Mondfchnede, eine Art Riefenohr;
3feg. der Soldatenbraudh; das Soldatenbrod, grobes Brod für die Sol-
daten (fr. Commifsbrod); der Soldateneid; der Soldatenfifch, eine Art
Klipp⸗ od. Bandfifhe; das Soldatenfieber, fcherzh. f. v. w. Kanonenfieber;
die Soldatenfrau; der Soldatengalgen, ein Balgen, an welchen entlaufene
Soldaten gehängt, oder deren Namen angefchlagen werden; das Soldaten-
gat, Schiff. die in der Mitte eines Maftes befindliche Öffnung; das Solda-
tengeld, Geld, welches die Unterthanen zur Unterhaltung der Soldaten zah—
len müßten; auch das Einlagergeld zur Verpflegung ber Soldaten (fr. Ser
Heyſes Handwoörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 60
946 Solde — follen
vis); in beiden Bed. auch die Soldatenſteuer; der Soldatenhut; das
Soldatenfind; das Soldatenleben; das Soldatenlied, - Kriegslied,. ge—
meines Gaffenlied; „der, Soldatenmantel, -rock; das Soldatenpferd,
erofs; der Soldatenfchuh 2c.; das Soldatenfpiel,- ein Spiel der Kinder,
wobei fie den Dienft und die Übungen der Soldaten nachahmen; ‚auch. ein Kar-
tenfpiei mit 36 Blättern, welche mit Namen aus dem Soldatenweſen benannt
werden; der Soldatenfland; die Soldatenſteuer, ſ. Soldatengeld; : die
Soldatenftube, wohnung; die Soldatentracht (fr. Montur, Uniform);
das Soldatenwefen, alles, was die Soldaten, deren Unterhaltung, Ein
übung 2c. betrifft; die Soldatenzucht, firenge Zucht der Soldaten. (fr. mili⸗
tärifhe Disciplin); Ableit. foldatenhaft, Bw., einem-Soldaten ähnlich ;
ſoldatiſch, Bw., einem Soldaten eigen oder. angemeffen (ein foldatifches
Welen, Benehmen zc.). ’ 15% Ina
Sölde, w., M. -n, landſch. ſ. d. w. Selde 2. (ſ. d.); insbeſ. in Salz
merken ſ. v. w. ein Koth ¶ . Koth 2.)5. das Söldengut, landſch. f. Koth-
ſaſſengut; der Söldner 1. od. Sölder, -8,.f. vum. Seldner, ſ. d.
Soldherr, -lehen, Söldling, Söldner. 2: ꝛc. ſ. unter Sold.
Sole, landſch. auch Söle, w., ſ. Soole.
ſölen, 3w., Sölerei, ſölig, ſ. ſöhlen ꝛc. unter Sohle 2.
Sölenholz, f-, landſch. f. das Holz der Heckenkirſche.
ſollen, ziel. u. ziellof. Sm: ,. unregelm. Präſ. ich, ſoll, du ſollſt, er fol;
wir u. fie ſollen, ihr follet od. ſolltz Conj. ich folle, du ſolleſt, er ſolle ze. ;
Impf. Ind. u. Conj. ich ſollte ꝛc.ʒ Mw. geſollt, (goth. skulan, ik skal; alt-
hochd. sculan, scolan, ih scal, wir sculun, ih stolta, u. daneben sulan, sulen,
sal 2c.; mittel). süln, Präſ. sol, suln, Prät, solde; oberd. folLen ‚u. landſch.
noch ſchollen, ich Scholl, ſchollt, geſchollt; niederd. ſchö len, ik ſchall, wi
ſchölet; ik ſcholde od. ſcholl, Part. ſcholt; ſchwed. skola; angelſ. ie sceal,
engl. I shall, ſchott. sall, holl. ix zalz vgl. Schuld; — „die: Wurzel, scal
ſcheint — scal, trennen, ſpalten, ſcheiden, vgl. Schale, ſchelen, ſchellen 2.1265
der Übergang. der Bed. iſt aber dunkel), 1). ziel. einem. et w as ⸗, ſchuldig
fein, zu einer, Leiſtung u. beſ. einer Zahlung verpflichtet ſein, ſinnv. ſchul⸗
den, (Kaufm. er ſoll mir noch hundert Thaler; in. Handlungsbüchern: © ol
len, fr. Debet, entg, Haben, fr. Credit; alt u. landſch. auch. ziellos f. ger
bühren, als Schuldforderung zukommen, z.B: das Geld ſoll mir; d- i- man
iſt es mir ſchuldig); 2) ziellos m. ha ben, als Hülf s w. der Weiſe (des, Mo-
dus) od. als umſchreibendes Zw. in unmittelbarer Verbindung mit einem In fir
nitiv (vgl. Können, mögen, müffen, wollen), drückt es aus a) die (Jubjective,
moraliſche) Nothivendigkeit.eines Seins od. Thuns, welche von dem Willen
od. Gebote einer andern Perſon, außer der handelnden, abhängt (verih. mü ſſen;
wolten), alfor durch fremden Willen od. Befehl zu etwas genöthigt, ver—
bunden, verpflichtet fein , (z. B. ex ſoll gehorchenz ich, will, es; er muſs
gehorchen; die Umſtaͤnde nöthigen ihn, dazu; er ſoll ſterben; er iſt zum Tode
verurtheilt z aberz alle Menſchen müſſſ en ſterben; wir müſſen das thun, mas
wir ſollen z du sollt, nicht, ſtehlen 2er: au aus laſſ· o hne Inf, auB: du
ſollſt fort, naͤml. ‚gehen 2c.5, das ſoll er nichtz: näml. thun) 3 auch durch die
Billigkeit od. den Wunſch eines Andern zu einem; Thun verbunden od.
vermocht ſein (zu B. du ſollteſt eß thun ; man ſollte ihn nicht: ungehört ver⸗
dammen; ſoll ich mitgehen ſoll ex kommen . ds ic wünſcheſt du, daſs ich mit⸗
»uonnG ey! 3%
— —
Soͤller — Sommer 947
gehe 20); ferner vermöge höherer Fügung nothwendig fein od. gefchehen
(wenn es denn fo fein fol 2c.; es hat nicht fein follen; ſprichw. was fein Toll,
Schicht ſich wohl); auch zu etwas nöthig od. beflimmt fein, dienen, helfen,
nüßen, gew. auslaff. ohne Inf. (z. B. was foll das? was foll ich hier? wozu
ſoll diefer Überflufs? das ſoll für dich, näml. fein, ift für dich beftimmt; auch
mit dem Dat. der Perfon, 3.8. was fol mir das Leben? näml. helfen, nugen);
b) eine bloß gedachte od. behauptete (logifche) Nothwendigkeit, insbeſ. die
Willenserklärung, Einräumung od. Abficht, dafs etwas fei od. gefchehe
(3. 8. du ſollſt Recht haben; er fol mic; nicht beleidigt haben, d. i. ich will
annehmen od. einräumen, dafs 2c.; ich foll es wieder haben, man hat es mir
verfprochen; was foll das heißen, bedeuten? ꝛc. dies Bild fol meinen Vater
vorftellen; das fol ich fein, u. dgl.m.), u. die Behauptung-od. Ausſage
Anderer, das bloße Gerücht von einem Vorgange od. Zuſtande (z. B. er foll
Trank fein, d. i. man fagt, er fei krank; der Frieden foll gefchloffen fein; feine
Freunde follen ihn verrathen haben); c) auch bloße Möglichkeit, Wunfch,
Vermuthung, Zweifel, finnv. mögen, können, dürfen (7. B. wenn es reg-
nen follte 2c.; du hätteſt ihn fehen follen! follte es fich wirklich fo verhalten ?
man follte meinen, dafs ꝛc.; man follte es nicht für möglich halten); chem. u.
in einigen Fällen noch jest auch als umfchreibendes Zw. der Zukunft, f. wer—
den (3. B. ich Hoffe, die Nachricht foll (ft. wird) fich nicht beftätigen; ich denke,
es fol nicht Tange dauern; ich foll mein Geld noch wieder haben, d. i. ich habe
es noch nicht erhalten). — Statt des Mw. gefollt fteht in Verbindung mit
einem Inf. dem Sprachgebrauche gemäß der Inf. Tollen (4. B. du hätteft es
thun ſollen; ich hätte es mir nicht follen gefallen laſſen; das hätte ich wiſſen
follen! 20.5 aber: er hat nicht gefollt, u. dgl. m.).
Söller, m., -8, M. w. E., (althochd. solari, soleri, mittelh. sölre;
oberd. Soler, niederd. Soller; engl. solar, holl. zolder; von dem lat. sola-
rium, d. i. eig. ein fonniger Raum), alt, dicht. u. landſch. urſpr. überh. ein
offener, der Luft ausgefegter Raum an od. in einem Haufe, z. B. die
obere Fläche eines platten morgenländ. Daches; dann auch ein gefchloffener
Raum, Flur, Vorplaß vor den Thüren u. Zimmern (im Mittelh. überh. f.
Halle, Saal, Speifefaal) ; insbef. oberd. ein offener Gang od, Ausbau um
das obere Stockwerk eines Bauernhaufes (ſchweiz. Laube; fr. Altan); auch
ein VBorplag od. Flur im oberen Stockwerk, bef. in Dorfwirthshäuſern als
Tanzplag dienend (Tanzfoler); niederd. f. Oberboden, bef. Kornboden;
auch ein erhöheter bretterner Sitzplatz in den Fenftervertiefungen; füllern,
ziel. Zw., niederd. (follern) f. Waaren u. bef. Getreide auf den Boden
ſchaffen, "Korn aufſchütten; auch feinen Boden zur Aufbewahrung von Ge⸗
treide ze. vermiethen.
Sömer, m.,-6, M. w. E., niederd. (von fömen, fäumen? f. d. unter
ı Saum 1.), ein langer, ſchlanker Pfahl od. Balken, beſ. Schiffb.
fomit (dee Bildung nah = damit; vgl. fo 2.), folgerndes Bdw., finnv.
mithin, demnach, folglich.
‚Sommer, m., -3, M. w. E., (altd. sumar, sumer; oberd. Sumer,
Summer; niederd. Sommer; iöländ. sumar, ſchwed. sommar, dän. sommer;
angel. sumor, sumer, engl. summer; holl. zomer; von dunkler Abkunft, viel⸗
leicht von der Wurzel su, erzeugen; vgl. Sohn, Sonne) über). die wärmere
Zeit des Jahres, in weiche bie Gewächſe grünen, blühen u. Frucht tragen,
60*
948 Sommer
entg. dem Winter; in engerer Bed. die wärmſte unter den vier Sahres-
zeiten, zwifchen Frühling und Herbft von der Sommerfonnenwende bis zur
Herbftnachtgleiche; dicht. f. ein Fahr (z. B. ſechzehn Sommer alt); uneig. fe
das reife Mannes= od. Frauen=Alter (er ftarb im Sommer feines Lebene) ;
die zarten Fäden eines Spinngemwebes, welche im Spätfommer die Erde
überziehen.u. in der Luft ſchweben (wovon der gemeine Dann fagt: der Som-
mer zieht fort), heißen: Fliegender Sommer, aud: der alten Wer
ber Sommer, Sommerfäden, -floden, sweben, Marienfäden, niederd..
auch Mettenfäden. od. =gewebe (vgl. u. Sommerfpinne); — 3fes. der Som:
merabend; der Sommerapfel, frühzeitiger Apfel, Frühapfel; fo auch die
Sommerbirn; der Sommeraufenthalt; der Sommerbau, Landw. Bau
bes Sommergetreides;. auch das Sommergetreide feldft; da8 Sommerbier,
März- 0d. Lagerbier; die Sommerblume, im Sommer blühende Blume;
die Sommerbuche, gemeine Rothbuche; der Sommerdeich, in Niederd.ein |
Keiner Deich, welcher das Sand nur im Sommer gegen die Fluty ſchützt; der |
Sommerdorn, eine Art Shmadhafter Butterbivnen; auch. f. Löwenzahn; die
Sommerdroffel, Sing-, Weiß- od. Zippbroffel; auch f. Kirſchvogel od. Gold-
droffel; die Sommereiche, Maft: od. Augufteihe; die Sommerente, eine
Art Schöner Heiner wilder Enten, au) die Braut genannt; der Sommer:
faden, f. o. Sommer; die Sommerfeder, Säg. uneig. die dunfelbraunen u.
ſchwärzlichen Borften der wilden Schweine im Sommer; dad Sommerfeld,
Landw. ein mit Sommerfrucht beftelltes Zeld; fo au: die Sommerflur;
der Sommerfled, M. Sommerflede od. gew. -fleden, Eleine gelbliche
Fleden im Geſicht, an den Händen u. andern entblößten Körpertheilen, bef. im
Sommer fihtbar werdend, auh Sommerfproffen, oberd. Sommer-
mäler, Laubfleden 2c.; Naturk. eine Art flediger Porzellan- od. Venusſchnecken;
fommerfledig, Bw., Sommetfleden habend, auch: fommerfproffig; die
Sommerflode, f.o. Sommer; die Sommerfrifche, oberd. f. Ländlicher
Sommteraufenthalt; die Sommerfrucht, M. -früchte, Landw. Feldfrüchte
aller Art, welche im Frühling gefäet u. im Sommer desfelben Jahres reif wer:
den (entg. Winterfrudt), zB. Sommererbfen, »linfen, -»bohnen, =rüb-
famen ꝛc.; in engerer Bed. gebrauht man Sommerfrucht f. Som-
mergetreide, Sommerkorn, insbef. Sommerroggen, ⸗weizen, -gerfte 2c.;
der Sommergeier, Kutten- od. Mönchsgeier; das Sommergewächd, Ge
wächfe, welche nur einen Sommer dauern; das Sommerhaar, M. Som:
merhaare, Haare, welche die Thiere gegen den Sommer bekommen; das
Sommerhalbjahr, das Halbjahr, in welches der Sommer fällt (fr. Som—
- mer=- Semefter); der Sommerhanf, der männliche, fruchtbare Hanf; das
Sommerhaud, ein nur im Sommer bewohntes Haus, leichtes Gartenhaus;
der Sommerherd, eine Art Sangherde der Vogelfteller; die Sommerhige;
der Sommerholder, Feld- od. Iwergholunderz; der Sommerhonig, Do:
nig, welchen die Bienen im Sommer eintragen; die Sommerhofe, ſ. Som-
merkteid; das Sommerhuhn, ein im Sommer gegebenes Zinshuhn, ſ. d.5
der Sommerhuf, im Sommer getragener leichter Hut von Stroh u. dal.;
der Sommerkäfer od. das Sommerfälbchen, f. v. w. Sonnentäfer, ſ. d-5
das Sommerfleid, ein im Sommer getragenes leichtes, kühles Kleid; fo
au: die Sommerkleidung, Sommerhofe, -wefte, der Sommer-
rocda2c; der Sommerkohl, im Frühling gefäcter Kohl, der im Sommer |
Sommer 949
ſchon Köpfe bringt, auch: das Sommerkrauf; der Sommerkönig, das
Goldhähnchen, f. d.; auch eine Art großer Sammetbirnen;, u. ein großer im
Auguft reifer Rofenapfel; das Sommerforn, Sommerfrucht; die Som:
merfreffe, gemeine Gartenkreffe; die Sommtkuh, im Sommer kalbende u.
Milch gebende Kuh; das Sommerlager, Mr Lager (Kriegslager) im Som-
mer; bef. ein Luſtlager; die Sommerlatteod. -lode ( . Lode 1.; mittelh. su-
merlate), Forſtw. in einem Sommer gewodlene Epröfslinge; die Sommer:
Yaube, f. Laube; die Sommerlehne, F Lehne unter Iehnen 1.; die Som-
merlevfoje, Kleine jährige Levkoje, ,..5 die Sommerlinde, eine Axt früh
grünender, großblättriger Linden, Tüh-, Wafferlinde 2c.; der Sommer:
lolch, gemeiner, jähriger betäubever Lolch (f. d.), Taumellolch, Schwindel-
hafer 2c.; die Sommerluft;te Sommerluft, =Iuftbarkeit 2.5; das
Sommermaal, ſ. Sommerfl-; die Sommermalve, die Heinfte Art des
Eibiſches, ficitifher Eibifch dert Sommermantel, uneig. Naturk. eine Art
Kammmufcheln; der Somrttmonat, M. die Sommermonate: Zunius,
Zulius u. Auguftz der Suamermorgen; die Sommernacht; die Som-
mernatter, eine Art ‚iftiger Nattern in Karolina; das Sommerobfl,
alles Obft, welches im /ommer reif wird u. ſogleich efebar ift, Frühobſt, entg.
Winterobft; der Samerpilz, Kuh- od. Bratpilg; der Sommerpunft,
Sterne. der Punkt ‚der Sonnenbahr, in welchem fie für uns am höchſten ob.
dem Scheitelpunktem nächſten ſteht; die Sommerreiſe, Reife im Sommer;
der Sommerrelg, eine Art ſaftiger Rettige, ſchwarzer Frührettig; der
Sommerrod |. Sommerkteid ; der Sommerroggen, ſ. Sommerfrucht;
der Sommeröthel, landſch. f. das Schwarzkehlchen od. Rothſchwänzchen;
die Somm ſaat, das geſäete u. gekeimte junge Sommergetreide; auch
überh. f. ommergetreide; insbeſ. der Sommerrübſamen, auch Som—
merfam⸗; die Sommerſeite, ſ. v. w. Mittags-, Süd- od. Sonnenſeite;
der Soimerſitz, Landſitz zum Sommeraufenthalt; die Sommerſonne; die
Sonnerfonnenwende, ſ. Sonnenwende; die Sommerſpinne, eine Gat—
tungeleiner Feldſpinnen, die im Herbſt die Felder mit dem feinen Gewebe
übeneht, welches fliegender Sommer, Sommerfäden zc. genannt wird (f. 0. Soms
me; die Sommerfproffe, ſ. Sommerfled; der Sommerftand, Jäg. der
st, wo das Wild ſich im Sommer aufzuhalten pflegt; die Sommerftoppel,
indw. das abgeerntete Sommerfeld; der Sommertag, ein Tag im Som—
er; auch ein Zag, warm wie im Sommer; das Sommerthierchen, landſch.
f. Maßliebe; Schneeglöckchen; Huflattih; das Sommerveilchen, eine Art
weißer Veilchen; dag Sommerviehgras, jähriges Viehgras (f. d.); ber
Sommervogel, Vögel, welche fich bei uns nur im Sommer aufhalten; uneig.
f. Schmetterling; die Sommermeben, o. E., f. o. Sommer; der Sommer:
weizen, ſ. Sommerfrucht; die Sommerwende, f. v. w. Sommerfonnen-
wende; das Sommerwetter, die Sommerwitterung, f. Wetter zc.; bie
Sommerwolle, Landw. die im Sommer gewachfene, im Herbft abgeicherene
Schafwolle; die Sommerwurz, der Löwenſchwanz od. das Hanfmännchen;
ber Löwenzahn, auch die Sommerwurzel; das Sommterzeichen, die drei
Himmelszeihen des Thierkreifes, welche die Sonne im Sommer durdläuft :
‘ Krebs, Löwe u. Sungfrauz die Sommer- od. Sommerszeit; der od. das
Sommerzeug, leichter Zeug zu Sommerkleidern; die Sommerzwiebel, die
gewöhnliche Gartenzwiebel; — Ableit. fommerhaft, Bw., dem Sommer
950 fömmern — fonder
ähnlich in Anfehung der warmen Witterung; fommerig, Bw., oberb. (ſume⸗
vig) f. dem Sommer eigen od. angehörig (das fommerige Feld f. Sommer:
feld; das Sommerige, als Hw. f. Sommergetreide); auch f. ſommerlich,
Biv. (altd. sumerlich), dem Eommer ähnlich od. gemäß (fommerliche Zeit);
fommern, ziellof. unp. Zw. mittelh. sumeren), bef. niederd. f. Sommer
werden (es fommert ſchon); Immern 1. ziel. Bw. (oberd. fümern), den
Sommer hindurdy erhalten (Owächfe, Thiere —; auch rückz. ſich —);
Landw. mit Sommerfrucht beſteun (die Brahe —); landſch. auch den
Sonnenſtrahlen ausſetzen, ſonnen Betten —; die Hühner ſömmern ſich;
oberd. geſchlagenes Holz —, d- i. es in Biäcten Liegen u. den Sommer durch
austrocknen laſſen); Gärtn. Bäume —, 1;, die Afte ausfchneiden, damit die
Sonnenftrahlen durchdringen können; die Sösmmerung, das Sömmern;
auch f. Sommergetreide.
ſömmern 2. zielof. Zw. m. haben (ogl- Khemen, fchemern, Schimmer,
Schummer, u. das franz. sombre, dunkel), Lay, f. Schatten geben, bef.
von ſtark belfaubten Bäumen, die unter ihrem Sutten Kein anderes Gewächs
aufkommen laſſen (z. B. die Linde ſömmert am ſtärzen).
ſonach (feiner Bildung nah — danach; vgl. ı 2,), folgerndes Bdw.—
ſinnv. demnach, demzufolge, folglich.
Sonchenkraut, ſ. (x. d. lat. sonchus, griech. oöyxos 66y205), die Sau:
od. Gänfediftel (sonchus L.); wildes Sondentrau. f. Rainkohl, u: f.
Mauerlattich.
fonder, 1) urfpr. Nmw., fpäter auch ala Bw. gebr. (go sundro u. alt-
hochd. suntar, sunter, nur ald N; mittelh. sunder, auch alazw.; niederd.
funder u. als Bw. auch ſunderig; angelf. sundor, engl. sunder ntzwei, sud-
dry, verfchieden; Grundbegriff: Trennung; vgl. die lat. Partikise =, sine),
vlt. f. einzeln, abgefondert, befonder, |. d. (4. B. bibl. es famns, fi das
Waſſer an fondere rter); eigenthümlich, befonder, vorzüglich \ 9, ein
ſonderer Mann; daran beweifet ihr uns fonderen Gefallen, u. dgl. i93 als
Nw. auch: ſonders (mittel. sunders, eig. Gen. von sunder), oft. f. en:
ders, einzeln, jest noch in der Berbindung: fammt und fonder v.
ſammt); — fonder 2) als Bw. mit dem Acc. (mittelh. u. niederd. fung,
hol. zonder) alt u. dicht. f. ohne, außer (3. B. fonder Imeifel, fonder Sau,
ſonder Furcht und Grauen ꝛc.); — 3) altd. suntar, suntir, sunder, jetzt fo.
dern (niederd. fundern), als beiorbnendes Bow., ehem. f. ausgenommen
außer; aberz jegt nur entgegenfeßendes (adverfatives) Bow. von aufhebender
od. widerlegender Kraft, indem ed immer nach einer verneinenden Aus-
fage fteht u. derfelben einen in geradem Widerfpruch damit flehenden Gegenfag
anfügt, verfeh. von aber, allein, doch, (z. B. ich werde nicht fterben, fon-
dern leben; nicht wie ich will, fondern mie du willſt zc.; vgl. er befiehlt es
nicht, ſondern er wünscht 88; er befichlt es nicht, aber er wünſcht es doch); oft
auch bloß berichtigend u. fteigernd od. verſtärkend (4. B. es ift nicht warm, fon
dern heiß od. fondern vielmehr. heiß), To befonders: fondern auch, einem vor⸗
angehenden nicht allein od. nicht nur entfpredhend (4. B. er hat nicht allein
fein Geld, fondern auch feine Ehre verloren; ich habe es nicht nur gefagt, fondern
auch gethan); — 3Teg. von dent Nw. fonder: das Sondergut, ein befonderes
Gut, d. i. ein Gut, welches ein Vater dem Sohne zum Gebrauch befonders
überläfft; die Sonderleute, Tandfch. z. B. them. in Weſtphalen: unangefeflene,
Sonne "951
nur in Anſehung ihrer Perſon Teibergene Leute; Fonderfich, Biv., u. als Hm.
ein’ Sonderfiecherirt., M. Sonderfieche, vlt. f. mit unheilbaren, anſtecken—
den Krankheiten Behaftete, bef. Ausfähige, melde in abgefonderten Kranfen»
häufern verpflegt wurden; (viele altd. Ife., mie sunderhüs, - leben, - pfliht,
rät, -siz, isprache ze. find nicht mehr gebräuhthh) ; — Ableit. fonderbar,
Bid. (Altd. sunterbär, sunderbäre), alt u. oferd. f. abgefondert, einzeln, u.
als Nw. f. befonders, vorzüglich, vornehmlich 3’ jest nur: durch befondere
Befchäffenheit von dem’ Gewöhnlichen aͤbweichend, meift mit dem Neben»
begriff des Auffalenden, Verwunderung Erregenden, finno. feltfam, wun-
derlich (das ift Tonderbar! ein fondebarer Fall, eine fonderbare Meinung ;
ein fonderbarer Menſch); die Sonderbarfeit, das Sonderbarfein, die fon-
derbare Befchaffeneit, finno. Setſamkeit 1c.; auch eine fonderbare Eigen⸗
ſchaft od. Handlung (M. Somerbarkeiten); die Sonderheif, vıt. f. das
Ausgefondertfein, die Befondirheit, Sonderbarkeit, jest nur in dem zgef.
Nm. infonderheit (f. d.) Jebr.; fonderheitlih, Nw., vit. f. infonder>
heit, befonders; fonderlich, Gw. u. Nw. (altd.sunderlich, Nw. sunderlichen)
ehem. f. abgefondert, getraint, einzeln (7. 8. bibl. Seglichen fonderlich ver
hören), u. f. vorzüglich, Ausgezeichnet, außerordentlich, u. als N. f. vor—
zugsmweife, beſonders (zB. bibl. deine Liebe ift mir fonderlicher geweſen, als
Frauenliebe; es gefchiejt Tonderlich deswegen, damit ze.) ; jest nur nach einer
Verneinung gebr. T. befonder, vorzüglich, bedeutend (z.B. er Teiftet
nichts Sonderliches: er ift nicht fonderlich groß, veich 2c.5 es ſchmeckt nicht
ſonderlich; ohne fmderlihen Schaden; er hat feinen fonderlichen Einflufs, u.
dgl: m.); die Snderlichkeit, vıt. f das Sonderlichfeinz die Sonderbar—
Eeit (M. Sondelichkeiten); der Sonderling, -es, Me, wer fich in Teis
nem Wefen w Benehmen durch auffallende Eigenheiten od. Sonderbar-
£eiten von Yndern unterfcheidet; Naturk. eine Gattung Waſſervögel mit
fonderbar giftaltetem Schnabel; eine Art Nachtfalterz ein oftind. Strauch,
auch Wurderſtrauch; — fondern, ziel. 3m. (mittelh. u. niederd. sundern;
isländ. svadra, ſchwed. söndra, angelf. syndrian, engl. sunder), die Verbin—
dung od Gemeinfchaft verfchiedener Dinge od. Perfonen (nicht leicht der
Theile rines Stoffes) aufheben, finnv. fcheiden, trennen, abtheilen, verein-
zen, (4. B. das kranke Vieh von dem gefunden — ; vgl. ab⸗, ausfondern;z
auch) ſich —, f. gefondert werden); der Sonderer, -8, wer etwas fondert;
die Sonderung, das Sondern, finnv. die Trennung, Theilung des Ver-
fehiedenattigen; daher der Sonderungsort, punkt ıc.
Sonne, w., M. -n, (goth.'sunna, m., sunnd, w., u. daneben savil; alt»
hochd. sunno, m.) u. sunna, mw., G. sunnun; mittelh. suune, m. u. gew.w., G.
sunnen 2e.5 daher in der älteren Sprache burch alle abhängigen Fälle der Einh.
Sonnen, z. B. Sprichw. Es ift nichtd fo fein gefponnen, es kommt doch
endlich an die Sonnenz oberb. die Sunnen; niederd. Sunne; angelſ. sunne,
engl. sun, holl. zon, zonne; — wahrſch. mit dem goth. savril, dän. soel,
ſchwed. sol, Tat. sol, griech. 7Aros, dor. adluos ze. von derfelben Wurzel: sw,
erzeugen (vgl. Sohn), alfo: die Erzeugende; n. A. von dem altd. siunan,
leuchten; od. von sinnan, gehen, reifen (dgl« fenden): die am Himmel Reifende),
der fcheinbar größte u. glänzendfte Himmelskörper, welcher unferer Erde
und den übrigen Planeten Licht und Wärme giebt (die Sonne geht auf
und unter; die Sonne fleigt, fieht Hoch, finkt ꝛc.; Schiff. die Sonne reifet, ſ.
952 | Sonne
reifen; die Sonne ſcheint, wenn ihre Strahlen nicht durch Wolken u. Dünfte
gehindert werden, f. ſcheinen; „die Sonne zieht Waſſer““ fagt man, wenn ihre
zwifchen Dünfte ducchfallenden Strahlen helle Streifen bilden ; ſprichw. es ges
fchieht nichts Neues unter der Sonne, d. i. auf der Erde; er ift nicht
werth, dafs ihm die Sonne beicheint, d. i. er ift ein Nichtöwürdiger; wie die
Sonne im Sänner, d. i. ohne Kraft); in weiterer Bed. jeder mit eigenem
Lichte leuchtende Weltkörper, \. v. w. Firftern, entg. Planet (der nächt—
liche Himmel ift voll Sonnen); uneg. verfteht man unter Sonne: die Son-
nenftrahlen und deren Wirkung: Licht und Wärme (die Sonne brennt,
fticht 20.5 etwas an od. in die Sonne "gen; fich in die Sonne fegen, entg. in
den Schatten; ein Haus, eine Wand u. dal. hat viel Sonne, d. i. ift den Son-
nenftrahlen fehr ausgefegt; die Mittagsfite eines Haufes hat die Sonne;
ehem. bei Kampfipielen: die Sonne theilen ıd. gleich austheilen, d. i. die Käm—
pfer fo ftellen, dafs die Sonne dem einen, wie Sem andern von der Seite ſcheint);
dicht. auch f. ein Tag (z. B. drei Sonnen; nit jeder Sonne 2c.); uneig. f.
etwas hell Glänzendes, Schönes (4.8. Sonnen f. lebhaft glänzende Augen);
auch etwas Erhabenes, Herrliches, Licht u. Leber, d. i. Erfenntnifs u. Shä-
tigkeit, Verbreitendes (7. B. die Sonne der Wahrhüt; bibl. Gott: die Sonne
der Gerechtigkeit); Naturk. eine Art Zellmufcheln, ı. eine Art Seefterne;—
3fe$. mit Sonn-: der Sonnabend (altd. sunnunsbend,, sunnen- u. sunne-
abent), der legte Wochentag , zunächft vor dem Sonntaze, oberd. gew. Sams—
tag, niederd. Saterdag; daher: der Sonnabendspwdiger, die Sonn-
abend5predigt, u. dgl.m.; der Sonntag (altd. sunnuntaz, sunnentac ; oberb.
Sunntag), der erfte Wochentag, ein regelmäßiger chriſtl. Teiertag, (Sonn
tags, d. i. am Sonntage; die goldenen Sonntage, dr vier Sonntage,
welche gleich auf die vier Sahresvierteltage od. Quatember (f.d.) folgen; der
weiße Sonntag, ber erfte Sonntag nad) Oftern, Tat. Quasinodogeniti od.
Dominica in albis, wegen der weißen Kleider, welche man ehemais in den er-
ften acht Tagen nach Oftern trug, oberd. auch Freuden-Sonntag gnannt; der
ſchwarze Sonntag, landſch. f. der Ste Sonntag nach Faſtnacht, weil man
ihn für einen Unglückstag hielt, lat. Jadica); daher: die Sonntageandacht,
arbeit, -beſchäftigung; der Sonntagsbuchftabe, in der Zeitrechrung der
Buchſtabe, welcher im Kalender alle Sonntage des Jahres andeutet; das
Sonntagseffen, die Sonntagsmahlzeit, =fpeife 2c.; die Sonntagsfeier;
der Sonntagsgaft, Tiſchgaſt am Sonntage; das Sonntagsgebet; das
Sonntagögeficht, ſcherzh. f. ein Heitreres Geficht, als gewöhnlich; das Sonn:
tagskind, ein an einem Sonntage, u. bef. an einem der fogen. goldenen Sonn:
tage (f. 0.) geborener Menfch, welcher nach dem Volksglauben Geifter fehen u.
befonders glüclich fein fol; das Sonntagskleid, das befte Kleid, welches
man nur Sonntags zu tragen pflegt; fo auch; die Sonntagskleidung , der
Sonntagsrock, die Sonntagswefte, der Sonntagshut ıc.; der Sonn-
tagsprediger; die Sonntagspredigt; die Sonntagsfchule, fonntägliche
Schule für junge Handwerker 2e.; der Sonntagsftaat, ſ. v. w. Sonntags:
put (f. Staat); fonntägig, Bw., am Sonntag feiend od. gefchehend; ſonn⸗
täglich, Nw. u. Bw., an jedem Sonntage, alle Sonntage geichehend od. wie—
derfehrend; — 3ſetz. mit Sonnen=: der Sonnenadler, Gold- od. Stein:
adler; der Sonnenanbeter; der Sonnenaufgang, ſ. aufgehen; das Son-
nenauge, bie Sonne als ein Auge betrachtet; ein fonnenhell glänzendes Auge;
Sonne 953
ein Edelſtein, ſ. v. w. Kagenauge, Augenftein; die Sonnenbahn, ver Kreis,
welchen die Sonne jährlich einmal zu durchlaufen Scheint, der Thierkreis, auch
Sonnenftrafe od. weg (fr. Ekliptik); der Sonnenbaum, die indifche
Zamarinde, auch Sauerdattelbaum; fonnen= od. fonnebeleuchtet, =befchie-
nen 2c., Bw., von der Sonne beleuchtet 2c.; der Sonnenblid‘, ein augen-
blicklicher Schein der Sonne; uneig. ein heiftrahlender Blitz; der Sonnen-
bliß, ein plöglicher blendender Sonnenblid;; die Sonnenblume, eine aus dem
ſüdl. Amerika ftammende hoch wachfende Pflanze mit großen gelben Blumen in
Geſtalt einer ftrahlenden Sonne, auch Sonnenfrone (helianthus L.); auch
verfch. andere Pflanzen mit gelben Blumen; dad Sonnenblümden,f. v.
w. Sonnenröschen; der Sonnenbrand, brennende Sonnenhige; das Son—
nendeck, Schiff. eine Dede von Segeltuch als Schug gegen die Sonnenhige,
auch Sonnenzelt; der Sonnendienft, göttliche Verehrung der Sonne;
der Sonnenfächer, ein Fächer zum Abhalten der Sonnenftrahlen; der Son-
nenfeind, eine Art weftind. Feigendifteln, deren Blumen fich nach Sonnenun=
tergang öffnen u. fehe fchnell verblühen; die Sonnenferne, Sternk. der Stand
eines Planeten, da er auf feiner Bahn am weiteften von der Sonne entfernt
ift (fe. Aphelium), entg. Sonnennähe, der Punkt, wo derjelbe der Sonne
am nächften fteht (fr. Perihelium); die Sonnenfinfternifs, Verfinfterung der
Sonne, od. vielmehr der Erde, durch den Mond, welcher zwifchen Sonne und
Erde tritt u. die Sonne entweder ganz, od. theilweife dedt; der Sonnen-
fifch, Meerfchmied, glänzender Spiegerfiich; der Sonnenfleden, Flecken od.
dunkle Stellen in der Sonnenfcheibe; auch f. Sommerfleden; der Sonnen
flug, dicht. f. Flug nach der Sonne; uneig. erhabener Auffhwung ; die Son:
nenfrucht, die gleichf. mit Strahlen befegte Frucht eines Heinen amerikan.
Baumes (heliocarpus L.); der Sonnengeier, Kuttengeier, Geierkönig; die
Sonnengicht (mittel. sunnegiht), vit, f. Gang der Sonne; Sonnenwende;
der Sonnenglanz, Glanz der Sonne; uneig. große Helle, Elare Erfenntnifs; -
landfch. eine Schwäche der Augen, da man ein Stechen in benfelben empfindet,
wenn man in die Sonne fieht, auch Sonnenfdhein, od. ſchuſs genannt;
das Sonnenglas, ein Sehrohr mit gefärbten Augengläſern, durch welches
man die Sonne beobachten kann (fr. Helioſkopfy; die Sonnengluth, große
Sonnenhige; das Sonnengold, der Goldglang der Sonne; die Sonnen-
goldblume, Rainblume; Wieſenwolle od. Bergruhrkrautz; der Sonnengoft,
Fabel. der Gott der Sonne (griech. Helios, lat. Sol); fonnenhalb, Nw.,
obexd. (funnen= od. funnhalb) f. der Sonne zugemwendet; fonnenhell, Bw.,
Hell wie die Sonne; aud) von den Sonnenftrahlen erhellt; die Sonnenhelle;
die Sonnenhirfe, falſche Meerhirfe; die Sonnenhige, ſ. Hige; der Son—
nenhof, ſ. Hof; die Sonnenhöhe, Sternf. die Erhebung der Sonne über den
Gefichtskreis; das Sonnenhorn, eine Art oftind. Kreifelfchneden; auch f.
Schnirkelfchnede; der Sonnenhut, ein vor den Sonnenftrahlen ſchützender
Hut; Naturk. eine Art Quallen; das Sonnenjahr, das nach dem ſcheinba⸗
ven Laufe der Sonne durch den Thierkreis, od. vielmehr nach dem Laufe der
Erde um die Sonne beftimmte Jahr von 365 Tagen, 5 Stunden, 48 Minu-
ten, 50 Sekunden, vgl. Jahr; der Sonnenfäfer, eine Art halbkugelförmiger
Käfer von verfchiedener Farbe mit weißen, rothen od. fchwarzen Punkten auf
den Flügeldecken, auch Sonnenkalb, Sonnenwendkäfer, Sommerkäfer
od, »Falb, under Schildkäfer, Blattlauskäfer, Jungfer- od. Srauenkäferlein,
954 | Sonne
Gottesfhäflein, Herrgottshühnchen, »Falb, »Fühlein, ⸗vögelein ec. genannt (cöe-
cinella L.); fonnenklar, Bw:, Har wie die Sonne, bei. uneig. im’ höchſten
Grade deutlich; daher die Sonnenklarheit; der Sonnenfoller, ein bei ſtar⸗
ker Sonnenhitze entftehender Koller (ſ. d.) der Pferde, auch Sonnenfhufs;
der. Sonnenfram, vlt. f. Trödelkram unter freiem Himmel, Trödelbude; der
Sonnenfrämer,'olt. f. Trödler; das Sonnenfrauf, Wegwart od. Zichorie;
die Sonnenkrone, f. Sonnenblume; der Sonnenlauf, die ſcheinbare Be
wegung der Sonne um die Erbe; das Gonnenlehen, ehem. f. ein eigenes
freies Gut, worüber man gleich]. nur die Eonne als Lehnsheren anerkennt,
auh Sonnengutz das Sonnenlicht, das Licht 08. Leuchten der Sonne;
fonnenlos, Bw., ohne Sonne od. Sonnenfchein; das Sonnenmeer, dicht. f.
eine unendliche Menge von Sonnen; ber Sonnenmeffer, ein Werkzeug, den
Scheinbaren Durchmeffer der Sonne zu beftimmen (fr. Heliometer) ; der Son:
nenmonat, Monat eines Sonnenjahres, f. d. u. vgl. Monat; die Sonnen:
nähe, f. o. Sonnenferne; das Sonnenpferd od. -roſs, Fabell. die vier
Pferde, welche den Sonnenwagen ziehen; die Sonnenpflanze, binfenförmige
Klapperfchote in Oftindienz der Sonnenpriefter, Priefter der als Gottheit
verehrten Sonne; der Sonnenrauch, |. Heerrauch; der Sonnenregen, ein
ſchwacher Regen bei Sonnenfhein; fonnenreich, Bw., viel Sonne habend, ſehr
fonnig; der Sonnenteiher, ein feltener, fchön gezeichneter amerik. Reiher;
der Sonnenting, kleine zingförmige Sonnenuhr; oberd. auch f. Regenbogen;
das Sonnenröschen, eine auf trodenen Plätzen wachſende Pflanze, auch Son
nengünfel, Erdepheu od. Erdpfau, Heidenfchmud zc. (cistus helianthemum
L.); das Sonnenroſs, f. Sonnenpferd; fonnenroth, Bw., glänzend roth,
wie die auf> od. untergehende Sonne; auch: von der Sonne geröthet; daher
das Sonnenroth, die Sonnenröthe; der Sonnenfchauer, Naturk. eine
Art Eidechfen in Afien, welche den Kopf in die Höhe zu richten pflegen; die
Sonnenfcheibe, ſ. Scheibe; der Sonnenfchein, das Scheinen der Sonne
(vgl. Schein); auch eine Schwäche der Augen,-f. Sonnenglanz; die Son:
nenfchildfröte, eine Art amerik. Landfchildkröten mit regelmäßig gegeichneter
Schale, auch gefternte Schildkröte; der Sonnenſchirm, ein Schirm (f. d.)
zum Schuß gegen die Sonnenftrahlen (fr. Parafol); der Sonnenfchufs, f.
Sonnentollee u. Sonnenglanzz; die Sonnenfeite, der Sonne zugemwendete
Seite, Mittagsfeite (7. B. eines Haufes); der Sonnenftand, Standort der
Sonne am Himmel; der Sonnenftaub, gew. verkt. das —, Mehrh. die Son:
nenftäubchen, der in eingefchloffenen Räumen ſchwebende fehr feine Staub,
welcher nur dann fichtbar wird, wenn die Sonne durch eine Kleine Öffnung
hineinfcheint; überh. etwas unmerklich Kleines (fr. Atom); dev Sonnenftein,
ſ. v. w. das Sonnenauge, Katzenauge; auch eine Art unedler Steine mit gro-
Sen ftrahligen Flecken; der Sonnenftern, eine Sonne, ein Firftern; eine Art
Sterntorallen; der Sonnenftich, heftige Brennen der Sonnenftrahlen; eine
daher rührende Krankheit deö Kopfes, eine Art Raſerei; der Sonnenftill-
ftand, die Sonnenftillftandspunfte, (fr. Sotftitium, Sorftitial-Puntte), ſ.
Sonnenwende; der Sonnenftrahl, von der Sonne ausgehender Lichtſtrahl;
auch Namen verfchiedener Schalthiere; die Sonnenftraße, f. Sonnenbahn;
der Sonnentag, ein fonniger, heller Tag; in der Zeitrechnung ein Tag von
24 Stunden: natürlicher od. bürgerlicher Tag; der Sonnentempel, ein Tem-
pel zur Verehrung der Sonne; der Sonnenthau, uneig. eine auf feuchten
ſonſt 955
Wieſen wachſende Pflanze, auf welcher ſich auch bei heißem Sonnenſcheine kleine
Waſſertropfen zeigen, auch Jungfernblüthe, Löffelkraut ꝛc. (drosera L.); die
Sonnenuhr, eine Uhr, auf welcher die Stunden durch den Schatten beſtimmt
werden, welchen die Sonne wirft, gem. auch der Sonnenweiſer od. »zeiger,
welche eig. nur den ſenkrecht auf der Fläche der Sonnenuhr ftehenden Drath
bezeichnen; der Sonnenuntergang, ſ. Untergang; fonnen= od. fonneder-
brannt, Bw., von der Sonne verbrannt od. gebräunt; der Sonnenvogel,
‚ ein fabelhafter Vogel (fr. Phönix); der Sonnenmwagen, Fabell. der Wagen
des Sonfiengottes; die Sonnenwärmez; der Sonnenweg, f. Sonnenbahn ;
der Sonnenweifer, ſ. Sonnenuhr; die Sonnenmwende 1) (altd. sunnewende
u. gem. M. sunnewenden; oberd. Sunnwend, Sunnwenden) die f&einbare
umkehr der Sonne, wenn fie den äußerften Punkt ihrer Bahn durch den Thier—
reis, nördlich u. füdlich, erreicht hat, jo wie diefe Wendepuntte felbft, Sons
nenwenbepunfte (auch Somnenftillftand od. « ftillftandspunft, fr. Solſti⸗
tium), u. die beiden Tage, an welchen die Sonne fie berührt: die Sommer-
fonnenwende, der längfte — (21. Sun.), u. die Winterfonnenwende,
der kürzeſte Tag (21. Dee.); ehem. insbef. f. Sommerfonnenwende u. der Jo⸗
hannistag (sunnewendtac); 2) Namen einiger Pflanzen: Wegtwart od. Zichorie,
auch Sonnenmwedel, -»wirbelz; eine ausländ. Pflanze, deren wohlriechende
Blumen ſich nach der Sonne wenden, au Sonnenwirbel (fr. Heliotrop) ;
die Ringel- od. Dotterblume: gemeine Sonnenwende; 3) einige Steine, insbeſ. ein
Yauchgrüner Edelftein mit blutrothen Flecken, auch Sonnenwendeftein (fr. Helis
otrop); das Katzen⸗ od. Sonnenauge ;dad Sonnenwendfeuter (oberd. Sunnwend-
feur; verberbt: Simetös, Sinetfeuer 2c.), ein Feuer, welches nad) uralter Volks⸗
fitte am Sohannistag im Freien angezündet wird, Sohannisfeuer; der Son-
nenmwendgürtel, oberd. f. Beifuß, auch Sohannesgürtel; der Sonnenmwend-
käfer, oberd. f. Sohanniswürmchen (auch Sunnwendvögelein); u. f. Sonnen-
käfer, ſ. d.; der Sonnenwirbel, 1) eine Sonne mit den zu ihr gehörenden
Planeten (fr. Sonnen Syftem) ; 2) verichiedene Pflanzen, deren Blumen ſich
nach der Sonne wenden, f. Sonnenwende; auch f. Löwenzahn; Rapunzelz
Heine Wiejenraute 20.5 dee Sonnenwirth, Wirth eines Gafthaufes „zur
Sonne"; die Sonnenwurz, |. dv. w. Sommerwurz, f. d.; der Sonnenzei-
ger, ſ. Sonnenuhr; die Sonnenzeit, die wahre Zeit, welche die Sonne ver-
mittelft ihrer jcheinbaren Bewegungen, bef. ihres täglichen Umlaufs, anzeigt;
der Sonnenzirfel, die Sonnenbahn; in der Zeitrechnung eine Reihe von 28
Zahren, nach deren Verlauf die Wochentage wieder auf die nämlichen Tage des
Zutianifchen Kalenders fallen; der Sonnenzopf, die hellen Streifen in der
Luft, wenn die Sonne Waffer zieht (ſ. 0. Sonne); — Ableit. fonnenhaft
u. fonnicht, Bw. (oberd. ſunnechtig), fonnenartig, fonnenähnlich, fonnen-
hell; fonnig, Biw., (oberd. ſunnig), Sonne habend, d. i. viel Sonnenfchein
habend (ein fonniger Tag), od. den Sonnenftrahlen ausgefeßt (Tonnige Hü⸗
gel); uneig. f. leuchtend, glänzend, heiter (ein fonniges Bild, Antlig u.
dal.); fonnen, ziel. Zw. (oberd. fünnen, fünnern, ſönnern; niederd. ſunnen,
funnigen), an die Sonne legen, den Sonnenftrahlen ausfegen (die Bet-
ten —; fih —); dicht. f. fonnenhel machen, erleuchten („Liebe fonnt das
Reich der Nacht").
fonft, tandfch. au fonften, Nw. (oberd. fuft, füft, funft, fünft, fünften;
niederd. ſus; fuft, fuften, fuftes; man Könnte vermuthen, unfer fonft fei aus
— Soole — ſoren
altd. sö nist, d. i. wie es nicht iſt, alfo: anders, entſtanden; das Wort fehlt
aber im Althochd. ganz, u. auch im Mittelh. ift sust, sunst nur Nebenform
von sus, fo (f. d.), felten mit der Bed. anders; demnach ift fonft der Ab-
ftammung nad) — sus, welches durch die häufige entgegenfegende Verbindung
mit sö in Redensarten wie: mü sus, nü s6 (bald fo, bald fo), weder
sus@'noch sö u. dgl. m. allmählich die beftimmtere Bed. anders, u. in diefer
die erweiterte Form sunst, fonft annahm; vgl. auch umfonft), bezeichnet überh.
ein Andersfein od. eine Ausſchließung, insbef. 1) f. v. w. anders, außer-
dem, im Übrigen (zZ. B. ich habe fonft nichts gehört; wen Bann er fonft mei=
nen? wenn es fonft nichts ift! fonft Niemand, als du, d. i. Eein Anderer, od.
Niemand außer dir; fein Bruder, oder fonft Semand, d. i. irgend ein Anderer;
haft du fonft nod) etwas zu fagen? auch in Verbindung mit wenn, eben fo
wie anders, f. nur, 3. B. ich Eönnte wohl, wenn ich fonft wollte); ferner im
anderen od. entgegengefegten Falle, finnv. wo nicht, fo 2c. (4. B. thue deine
Pflicht; ſonſt wirft du beftraft); 2) an anderem Drte, anderswo (4. B
fonft nirgends; ich habe ihn fchon fonft, od. gew. fonft wo gefehen); 3) zu
anderer Zeit (z. B. ex ift ja fonft fo vernünftig; er kommt nur zur Meffe,
fonft nicht hieher), bef. eine unbeftimmte Vergangenheit andeutend, u. zwar
als Zeitraum, finnv. ehemals, ehedem, verſch. einft, einmal, welche mehr
einen Zeitpunkt bezeichnen (z. B. fonft war es anders; fonft waren wir gute
Freunde) ; fonftig, Bw. (nur in gebeugter Form u. unmittelbarer Verbindung
mit einem Hw.) f. v. w. ander, übrig, (feine fonftigen Verdienſte, Eigenſchaf⸗
ten 2c.); ehemalig, vormalig (feine fonftige Lage war fehr glänzend).
Soole od. Sole (nicht gut Sohle), w., M. (felten) -n, (alt u. oberd.
sulh, Sul), Sul, aud) Sur, f. Salgbrübes niederd. Söle; verw. mit Salz,
lat. sal, flav. sol, böhm. sul 2c.), Salzwaſſer, welches entweder aus der Erde
quillt, oder duch Leitung von ſüßem Waſſer in Steinfalzlager gewonnen wird,
um Salz daraus zu fiedenz wilde Soole, f. v. w. Mutterlauge, f. d.—
das Sool-Ei, ein in Soole gefottenes Ei; das Soolgewicht, die Sool-
wage, Gewicht u. Wage zur Erforfchung des Salzgehaltes der Soole u. ande-
ver Laugen; die Soolfunft, eine Wafferkunft zum Heraufpumpen der Soole;
der Soolmeifter, landſch. ein Aufſeher in Salzwerken; die Soolrinne,
-röhre, Leitungsröhren für die Soole; der Soolfchacht, ein Schacht über der
Salzquelle; die Soolwanne, eine große Wanne, aus welcher die Soole in die
Pfannen gefchöpft wird, fo auch: das Soolfaſs; der Soolzieher, ein Knecht,
welcher die Soole aus dem Brunnen ſchöpft; — foolig, Bw., Soole enthaltend.
ſopp (ſpr. ßopp), niederd. ein Ruf der Fuhrleute, wenn die Pferde rück—
wärts gehen follen; daher foppen 1. (ßoppen), ziel. Zw. f. die Pferde mit
dem Magen rückwärts gehen heißen.
Soppe, w., nieverd. f. Suppe, Brühe; Jauche, dünner Schlamm, jede
dickliche Flüffigkeit, daher ſoppen 2. zielloſ. Zw. f. tunken.
foppen 3., 3w., f. fappen.
Sorbapfel, m., od. Sorbbirn, w., (v. lat. sorbum), die Feucht des
Sperberbaums (f. d.); ber Sorbenbaum od. Sorbapfelbaum (lat. sor-
bus), Sperberbaum, zahme Eberefche.
foren, ziellof. 3w. (angelf. searian, engl. sear, dörren, fenaen; vgl. ferben
u. d. griech. Enoös, Enoetvo 2.), ober u. niederd. f. dürr werden, verborren
(auch verforen); ſören, ziel. Zw., oberd. f. dürr machen, dörren (aus ſö—
ü—— ——— ——
Sorge 957
ven); for od. foor, Bw. (holl. zoor, engl. sear) .niederd. f. dürr, troden,
verdorrt, mager; — die Sor- Ente, landſch. f. Kriechente; das Sorholz,
Korftw. abdorrende Stämme, welche fich unter andere Bäume eingegipfelt haben;
das Sorwaſſer, oberd. f. Quellwaſſer, das abwechfelnd fließt und vertrocknet.
Sorge 1. w., M. -n, (verw. mit Sarg, f. d.), landſch. f. Behältnifg,
Kaſten, nur in dem zgef. Keuerforge, f. d.
Sorge 2. w., M. -n, (goth. saurgö, Kummer, Traurigkeit; altd. soraga,
sorga, suorga, sorge; oberd. Sorg; ſchwed. sorg; angelf. sorge, engl. sor-
row; von dem Stamme des altd. ser, engl. sore, Verlegung, Schmerz, ſ. fehr,
verfehren,, fchwären), uripr. u. noch niederd. überh. f. Schmerz, Kummer,
Leid, Traurigkeit (in Hamburg insbef. f. Leichentrauer, daher Sorgeleute
f. Trauernde, Reidtragende; Sorgezeug f. Trauerfleidung 2c.); jest in en-
gerer Bed. die mit drüdender Unruhe des Gemüths verbundene Ausficht
in die Zukunft, die anhaltende Furcht vor einem nahen Übel, finnv. Bes
forgnifs, Angft, (in der Einh. u. Mehrh., z. B. ohne Sorge od. Sorgen le—
ben; in Sorgen fein od. ftehen; fich) Sorge 0d. Sorgen machen; viele Sorgen
haben; Nahrungsforgen ꝛc.; oberd. Sorge haben f. beforgen, fürchten; auf et-
was Sorge haben, f. davor bange fein); in weiterer Bed. die anhaltende
ernftliche Richtung des Gemüthes auf etwas, ohne den Nebenbegriff der
fehmerzlichen Unruhe, finnv. Sorgfalt, (gew. in der Einh., z. B. Sorge für
etwas tragen; das ift meine Sorge; diefe Scrge nehme ich auf mich; vgl.
Fürforge, Seelforge 2c.); — forgen, Zw. (goth. saurgan, altd. soragen, suor-
gen, sorgeh) 1) ziellos m. haben, Sorge empfinden, finnv. fürchten, be-
kümmert fein (forget nicht! — ehem. mit dem Gen. einer Sache —; oberd..
auch rückz. fich forgen, f. beforgt fein, Angft haben); für et was —, Sorge
dafür tragen, d. i. ernftlich darauf bedacht fein, Sorgfalt darauf verwen-
den (3. B. dafür will ich forgen; die. Ältern forgen für ihre Kinder); 2) ziel.
etwas —, alt u. dicht. f. beforgen, befürchten (bibl. was ich Torgete, hat
mich betroffen); fich —, duch Sorgen zu etwas machen (fprichw. man
forgt fich eher alt, als reich); — Zfeg. von Sorge: der Sorgenbrecher,
-filger, =tödter u. dgl., wer die Sorgen vertreibt, vertilgt, 3. B. der Wein,
der Schlaf zc.; forgenfrei, Bw., frei von Sorgen, Eeine Sorgen habend; audy
als Hw. der Sorgenfrei, f. ein forgenfreier Menih; das Sorgenfrei,
f. ein Ort, wo man forgenfrei lebt (fr. Sansfouci); forgenleer od. forgen=
108, Bw., der Sorgen los, keine Sorgen habend, finnv. forgenfrei (veric.
forglos, ſ. u.); entg. forgenvoll, Bw., viele Sorgen habend, auch forgen-
ſchwer; — die Sorgfalt, o. M. (das zweite Glied = falt ift dunkel; viel-
leiht von fallen abzuleiten?), die anhaltende Sorge für etwas, die einem
Gegenftand gewidmete ernftliche Aufmerkjamkeit u. Bemühung (Sorgfalt bei
etwas anwenden, es mit Sorgfalt behandeln, verrichten 2c.); forgfältig, Bw.,
Sorgfalt habend u. anmwendend, mit Sorgfalt gefchehend, finnv. forgfam, entg.
forglos, (eine forgfältige Erziehung; etwas forafältig betrachten, unterfu=
chen 2e.); oberd. auch f. befümmert, beforgt; bedenklich, gefährlich; die Sorg-
. fältigfeit, das Sorgfältigfein; oberd. f. bedenklicher Vorfall; forglos, Bw.,
ohne Sorge, d. i. bef. ohne Sorgfalt, für nichts forgend, fich um nichts be—
tümmernd, finnv. leichtſinnig, nachläſſig; daher die Sorglofigkeit, das Sorg-
losfein; — von forgen: der Sorgeftuhl cd. -ſeſſel (auch Sorgenſtuhl),
landſch. f. Lehnfeflel, Armſtuhl, in welchem man forget, d. i. feinen Gedanken
⸗
958 Sorggras — f owohl
nachhängtz — Ableit. von forgen u. Sorge: der Sorger, -8 (altd. sor-
gaere, sorgenaere), wer forgt od. Sorgen hatz wer für etwas forgt (in
dem zgeſ. Seelforger); der Sörgler, oberd. f. langfamer, aber fleißiger
Kopf; forghaft, Bw. (mittel. sorgehaft), vlt. f. forgenvoll, befümmert ;
forgfam; forglich, Bw. ehem. f. Sorge empfindend; Tandfch. (ober: u. nie
derd.) f. Sorge erregend, gefährlich, bedenklich, fchwierig (4. B. forgliche
Beiten); gew. f. forgfam, forgfältig; die Sorglichkeit, das Sorglichfein
in allen Bed.; die Sorgfal, niederd. (Sorgfale) f. forgenvoller Zuftand;
forgfam, Bi., geneigt u. geſchickt zu ſorgen, d. i. Sorgfalt anzuwenden,
Sorgfalt bemweifend, finnv. forgfältig, achtfam u. vorfichtig, entg. forglos
Cein ſorgſamer Menſch; ſorgſam verfahren 2c.); die Sorgfamteit, das Sorg-
famfein, finnv. Sorgfalt.
Corggras, f., (oberd. der Sürch; hol. sorgh-saed; ital. sorgo), eine
Art Hirfegras od. Schwaden, auch fchlefifcher grauer Schwaden, Grannich,
wilder Fench zc. (vgl. Schwaden 3.); der Sorgſamen, die Sorgfaat od.
der Sorgmeizen, eine Urt des Darr= od. Honiggrafes, auch Mohrenhirfe
(f. d.), wälfche od. indifche Hirfe 2c. (holcus sorgum L.).
Sorpel, m., -$, bei den Goldfpinnern, ein weiches Gefpinnft von Lahn
mit Seide bewunden. |
forren, ziel. Zw., Schiff. mit einem Taue feit binden; daher das Sorr-
tau; die Sorrklampe, Schiffb. hohle Klampen (f. d.), das Ende eines
Taues daran zu befeftigen; die Sorrung, M. -en, das Sorren; ein Tau,
mit welchem man forret, auch die Sörring.-
Sorte, w., M. -n, (von dem franz. sorte, u, diefes von d. lat. sors,
sortis, Loos, Antheil zc.), Urt, Gattung, nur von Ieblofen Dingen (4. B. Waa⸗
zen von der beften Sorte, Münzſorten; eine Sorte Äpfel u. dgl.); forkiren,
ehem. auch) forten, ziel. 3w., nach Sorten abfondern, abtheilen, ausfon-
dern, ordnen (Waaren, Geld ıc.).
fothan od. fothanig, Bw. (altd. sö-tän, sö-getän, sus-getän; gem. oberd.
fotten, fetten 20; angelf. sothan, hol. zodaenig), vlt. Kanzl. u. oberd. f. fo
gethan, d. i. fo befchaffen, ſolch; auch als Nw. f. fo, dergeftult.
fott, Bw., (engl. sot, sottish; von dem franz. sot, sotte entlchnt, welches
v. dem lat. staliäue, stultus ame) — % thöricht, närrifch , einfäl-
tig; der Soft, als Hw. f. Thor, Narr; die Gottheit, f. Narcheit,
Dummheit.
Sottel, f., -3, M. w. E., landfch. (4. B. in Thüringen) Landw. ein 2
Ruthen breiter Acer von unbeftimmter Länge, z. U. v. Stridel, wel
er 1 Ruthe, Dreigerte, welhe 3 —, u. Gelänge, welches 4 Ruthen
breit ift.
fottern, 3w., f. futtern.
fowohl, d. i. eig. fo wohl, eben fo wohl (var. fo u. wohl), dient mit nach⸗
folgendem als od. als auch als beiordnendes Bw. von anfügender (copu⸗
lativer) Bed. mit dem Nebenbegriff, dafs das Eine eben fo gut od. mit glei-
chem Rechte Statt habe, ald das Andere (z. B. ſowohl die Freude, als der
Schmerz ift vergänglich; man muſs fowohl das Gute dankbar genießen, als
aud dad Böfe zu feinem Beften benugen); nicht ſowohl — als od. als
vielmehr ift entgegenfegend mit dem Begriffe der Berichtigung (z. B. es
ſpachen — fpähen 959
ift nicht, ſowohl auf ihn, ala Koielmehr) auf fein Geld abgeſehen; er. ift nicht
ſowohl dumm, als unwiflend).
ſpachen od. ſpachten, ziellof. Zw., (niederd. ſpaken, verſpaken, holl.
spaeken), oberd. f. durch Austrocknung zerlechzen, berſten, Riſſe bekom—
men, aufſpringen (beſ. von hölzernen Gefäßen, der Haut ꝛc.); auch f. ange—
ſpannt fein, ſich ausdehnen (von den Muskeln 2c.); ſpächig, Bw., (niederd.
ſpakig, ſpakerig; vgl ſpack), oberd. f. zuſammengetrocknet, ſpröde;
uneig. unergiebig, mühſelig, armſelig; — die Spache od, Spachte, M.
n, auch der Spachen, -$, (altd. spahha, spacho, spache f, dürres Reis,
Reisholz, angelſ. späc; ſchwäb. Spacht, Spatt f. Splitter; vgl. Spake),
oberd. f. ſtarker Holzſpan, Holzſcheit.
Spacht, m.,-e$, (altd. spaht) vlt. oberd. f. das Sprechen, Geſchrei, Vogel⸗
geſang; ſpächten od. ſpechten, ziel. 3w. (altd. spahen, spehten, Prät.
spahte; altnieberd. ‚specken ; angelſ. specan, engl. speak; wahrſch. von dem
altd..spähi, f. ſpäh, isländ. spakr, verftändig, weile; vgl. Rede, Afyeır u. A0-
205 26), oberd. fe fprechen, ‚bei. viel Worte machen, großfprechen; der
Te (altniederd. speckere,, Redner), oberd. fa wer. gern fpricht, Groß-
precher.
pad, Bw. (der Stamm: des oberd. ſpach en u. niederd. ſpakem) landſch.
f. durch Austrodnung geborften, Spalten od. Riffe habend (von hölzernen
Gefäßen); uneig. f. vertrocknet, mager, [hwachlic (pad ausſehen; ſchweiz.
ſpäg, ſpichtig f. ſchmächtig); Aumlich, ſpärlich. |
ſpacken od. ſpecken, ziel. Zw. ,. bair. (ſchwäb. u. ſchweiz. ſpicken; vgl.
picken) f. anfchlagen, floßen, ſchnellen, fihnippen, insbel. die Spigen zweier
Eier an einander Schlagen, ein Spiel zur Oſterzeit, wobei berjenige,, ‚beffen Ei
unverfehrt bleibt, das gebrochene gewinntz: der Spader, - 8, bair. f. Stoß,
Schneller ; Maal, Fleck von einem Stofe.
fpadern, ziellof. Zw.) niederd. f. ftark laufen, rennen, muthwillig um-
herfpringen.,
ſpaddeln, niederd, 3w., f. fparteln.
Spade, w. od. Spaden, m., niederd. f. Spaten, ſ. d.
Spagat, m., -es, M. -e, auch Spaget, Spagen, Spacht, Spad-
ter, (vom ital. spago, spaghetto), oberd. f. Bindfaden.
ſpäh, Bw. ‚(altd. spähi, spache, spaech; oberb. auch ſpech, geſpähz
wahrſch. von,einer, Wurzel mit spehen, fpähen; .alfo ‚eig. ſchauend, Icharffich-
tig; pgl. das, iöländ, spa, ſchwed. sp&, weisfagen), vlt. f. ſcharfſinnig, witzig,
verfländig, ſinnreich, kunſtreich, hübſch; ſcharf, fpisig, ſpöttiſch Cin diefer
Bed. niederd. ſpeie; chem. einen ſpeien f. verſpotten, isländ. spia, spea,
ſchwed. spea; Geſpäh od. Gefpei f. Spitzfindigkeit, Geſpött; Speivogel
f. Spötter; Speiwort f. Spottwort, Stachelrede ꝛc.); noch fränk. f. ekel,
wähleriſch im Eſſen ꝛc.; landſch. auch f. hochmüthig, ſpröde (hannöv. ſpeie);
die Spähe.1, (altd. späht, spähida ; spaehe, spaeheit), vlt. f. Scharfſinn,
Kunft, Zierlichkeit.
* fpähen, ziel. u. ziellof. Zw., (altd. spehön, speohön, spiohön; spehen ;
oberd. ſpehen; — lat. specere, in-spicere 26,5 ſchwed. speja, holl, spien, spie-
den, ‚engl. spy, espy;. ital. spiare, ſpan. espiar, franz. Epier; ‚daher Spion,
franz. espion), genau u, fcharf fehen, prüfend fchauen, mit den Augen uns
terfuchen, zu entdecken od. zu erforfchen fuchen (etwas —, od. gem. nad
960 Spake — fpalten
etwas —; vgl. aus⸗, erfpähen); in engerer Bed. heimlich beobachten, aus-
forfchen od. auffpüren, auskundfchaften (fr. ſpioniren; oberd. auf ei—
nen — f. ihm auflauern); ehem. auch: im Geifte betrachten, befchauen,
unterfuchen (f. die fr. ſpeculiren, contempliren; 3. B. Tpähendes Leben f. con⸗
templatived); — 3ſetz. das Spähauge, der Spähblick ıc., fpähendes,
forfchendes Auge 2e.; die Spähbiene, Bienen, welche für einen Schwarm ei-
nen neuen Wohnort ausfpähenz; das Spähglas, Neuw. f. Augenglas, Schau-
glas; das Spahfchiff, ein Schiff, welches etwas auskundſchaften foll; der
Spähwinkel, ein verborgener Ort, wo man fpäht od. lauert; — Ableit.
die Spähe 2. od. Späh, o. M. (alt. speha, spehe, oberd. Speh, Spech),
alt u. oberd. f. das Spähen, Nachfpüren, Auflauern, Forfhen (Späh
ftehen, oberd. f. auf der Lauer ftehen; Späh auf einen halten, ihn in Späh
nehmen 2c.); der Späher, -$, (altd. spehari, spehaere; auch der spehe), die ,
Späherinn, M. -en, wer fpäht, forfcht, lauert 2c. (dem Blick des Spähers
entgehen); in engerer Bed. f. Kundfchafter (fr. Spion; Späher ausfenden);
daher das Späherauge, der Späherblid zc.; die Spähung (altd. spe-
hunge), das Spähen, die Forſchung, ehem. insbel. f. Vernunftforfhung (fr.
Speculation).
Spafe, w., M. -n, (holl. spaeke, Ruthe, Stange; vgl. Space), niederd.
Schiff. ein hölgerner Hebebaum; auch die kurzen Stiele am Unterende eines
Steuerrades.
fpafen, zielof. Zw., niederd. 1. f. v. w. das oberd. fpachen, f. d.; 2.
(verw. mit dem angelj. specca, Flecken, Maal; engl. speck, speckle) f. durch
Näſſe Flecke bekommen, anfaulen, verftoden (von der Leinwand); fpafig,
Bw., niederd. 1. f. v. w. das oberd. ſpächig, ſ. d.z 2. f. ftodfledig, ange.
fault, fhimmelig; morſch, mürbe.
Spale, w.,M.-n, (vgl. Speil, Speidel, fpillen, fpilden f. ſpalten vlt.
f. ein langes, zugefpißtes Holz, Pfahl; Leiterfproffe.
Spalter, |, -e5, M. -e, (ehem. Spallier gefchr.; mittelh. der spaldi-
nier, spalier; von dei. ital. —— ſpan. espaldar, franz. espalier, u. dieſe
von dem mittl. lat. spadula, ital. spalla, ſpan. espalda, franz. éPaule, Schul⸗
ter; daher auch oberd. u. ſchweiz. die Spalle f. Schulter, Schulterſtück vom
Schlachtvieh), urfpr. Schulterbedekung (im Mitteld. ein inneres Stück der
MWaffenrüftung); dann Schulterlehne, Tapete an der Wand zum Anlehnen
/des Rückens (oberd. Stuben-Spalier); jest ein Geländer von Pfählen
und Ratten, woran niedrigftämmige Bäume gezogen werden; uneig.
Spalier machen, von Soldaten ꝛc.: ſich in geſchloſſenen Reihen aufſtellen,
um das Volk abzuhalten; der Spalierbaum, am Spalier gezogener Zwerg⸗
baum; ſpalieren, ziel. Zw., oberd. f. tapezieren (ein Zimmer); gem. mit ei⸗
nem Baumgeländer befleiden (eine Gartenmaucr).
ſpalken, ziellof. Zw., niederd. f. lärmen, toben; preuß. f. fcherzen, —
ſtige Streiche machen; der Spalk, f. Riem, ungeſtümes Geſchrei, Ger
polter.
Spalm, m., -e8, o. M., (ital. spalmare, franz. — theeren), niederd.
f. Schiffpech * Theer zum Beſtreichen des Holzes u. Tauwerks.
ſpalten, Zw. (altd. spaltan, ablaut. spialt, gispaltan u. gispalt; mittelh.
u. oberd. ſpalten, ſpielt 26.5; der Stamm spalt fest eine einfachere Wurzel
spal, 3m. spilan, voraus, daher goth. spilda, Brett; vgl. Spelde, fpilden,
1
Fin
—
——
ie ee) — —
sun — — —
|
|
fpalten 961
- fpillen, fpellen 2c.;. ſchwed. spjala, spjälka, engl. spelt u. split, vgl. fplitten,
Splitter u. fpleißen), jegt umend.: du fpalteft, er fpaltet ꝛc.; Impf. fpaltete;
das Mw. jedoch gem. Hefpalten, feltner (u. nur als wirkliches Mw. des ziel.
Bw.) gefpaltet (4.8. er hat das Holz gejpaltet od. gefpalten; aber: ge
fpaltenes Holz u. dgl.), 1) ziellos m. fein, od. rüdz., der Ränge nach ges
‚ theilt od. getrennt werden, zerfpringen, aus einander gehen, fo dafs ein
Spalt (f. u.) entfteht (4. B. trocdenes Holz fpaltet Leicht, od. fpaltet fich leicht;
die Ochſen, Schafe zc. haben gefpaltene Klauen, die Schlangen gefpaltene Zun-
gen 2c.; Pflanz. eine gefpaltene Wurzel, ein gefpaltenes Blatt 2c.); fih —,
auch überh. f. fich teilen, trennen (z.B. der Fluſs fpaltet fich in zwei Arme);
2) ziel. etwas ber Länge od. dem Laufe der Fafern nach gewaltfam tren=
nen od. theilen, insbef. von harten, Spannkräftigen Körpern, welche aus Fa—
fern od. Schichten beftehen, finnv. Elieben (z. B. Holz fpalten, landich. gem.
fpellen, [pellern; der Blis hat den Baum gefpaltet; eine Feder —; ben
Schiefer ſpalten 2c.); in weiterer Bed. f. zerhauen (einem durch einen Sä-
belhieb den Kopf—), fchroten, mit dem Hammer durchſchlagen (Schloff. das
Eifen—); Zimmerl. der Länge nach durchfägen; uneig. überh. f. der Lünge
nad) theilen, trennen, zerlegen (Garn, Haare, einen Lichtftrahl ꝛc. —; bie
Drudjeiten eines Buches —, in Spalten (f. u.) abtheilen, daher: gefpaltene
Seiten od. fr. Columnen), tief im Innern verlegen (das fpaltet mir dag
Herz), in Parteien trennen, veruneinigen; — der Spalt, -e3, M. -e, od.
die Spalte, M.-n, Verkl. das Spälthen, oberd. Spältlein, eine
durch Spalten ertftandene Offnung od. Theilung in die Länge, finnv.
Ritz, Schlig (4. B. in einer Thür; der Spalt od. die Spalte einer Schreib-
feder; Gärtn. in den Spalt pfropfen, f. pfropfen); der Spalt, aud ein
duch Spalten abgefonderter Theil eines Körpers, insbef. ein fchindel= od.
fpanähnlicher Theil eines Holzblodes; oberd. f. gedörrte Apfelfchnige
(Spältlein); die Spalte, in gebrucdten Büchern die fich in die Länge
erſtreckende Abtheilung einer gefpaltenen d. i. getheilten Seite, Schrift—
faule, Halbfeite (fr. Columne) ; Naturk. eine Art aufgefihlister Schüffel-
od. Napfmufcheln; — 3feg. die Spaltader, Adern im Holze, nad) deren
Richtung es fi am Leichteften fpalten läſſt; die Spaltart, Art zum Holz—
fpalten; die Spaltblume, eine ausländ. Pflanzengattung (andrachne); der
Spaltfuß, ein Fuß mit geſpaltenen Klauen, u. ein Thier mit ſolchen Füßen;
fpaltfüßig, Bw., Spaltfüße habend; der Spaltfeil, ein Keil zum Holzſpal—
ten; Bergw. f. Spaltartz; die Spaltflinge, ein ſcharfes Werkzeug der Stuhl-
mader, u. der Bötticher zum Spalten des Holzes, auch das Kliebeifen; der
Spaltlauch, Schnittlauch; das Spaltmeffer, ein breites Meffer der Gärt—
ner (Pfropfmefler), auch der Bürftenbinder; die Spaltfäge, Stichfäge; der
Spalttopf, Bärtn. ein Topf mit einem Einfcnitt, Zweige von Bäumen darin
abzuſenken; ber Spaltzahn, ein geipaltener Zahn; der Spaltzettel, oberd.
jeder von zwei zufammengehörenden, aus einem Papierftüd im Zickzack von ein=
ander gefchnittenen Zetteln; überh. ein doppelt ausgefertigter fchriftlicher Ver-
trag; die Spaltzwiebtl, f. Schleißzwiebel; — Ableit. dag Spaltel, -8,
M. w. E., u. der Spältling, -es, M. -e, cberd. f. Spalt, dünnes Stüd
Holz; gedörrte Apfelfchnige; fpälteln, ziel. Zw., oberd. f. in Spältlein
zerfchneiden; der Spalter,; wer etwas fpaltet, 3.8. den Schiefer in Ta—
feln; ein Werkzeug zum Spalten (4. 8. an Federmeſſern); fpaltig, Biw-,
Heyfe's Handwoͤrterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 61
962 Span
1) (von fpalten) fich leicht fpalten Iaffend (gem. ſpellig); 2) (von Spalt)
einen Spalt od. Spalte habend, be. in Zfeß. wie zwei-, breifpaltig _
2c.; die Spaltung, das Spalten; das Gefpaltenfein, bef. uneig. f. Unei-
nigkeit, Mifshelligkeit, u. dadurch verurfachte Trennung der Gemeinfchaft
(4. B. Kirchen od. Glaubensfpaltung, fr. Schisma); die Spalze, ſ. Spelze.
Span 1. m., -e8, M. Späne, Verl. dad Spänchen, (altd. spän,
niederd. Spoon; iländ. spann, ſchwed. span, angelf. spon; wahrfcheinlich von
einem verlorenen Zw. spanen f. trennen, fpalten; vergl. Span 2.), überh. ein
von einem Körper getrenntes Eleinered, dünnes Stud, bef. die beim
Spalten, Hauen, Sägen, Schneiden ꝛc. abfallenden Eleinen Theile
(Holz, Horn, Papier-, Hobels, Säge-, Feilipäne 2c.; uneig. auch, was bei
einer Beichäftigung nebenher entfteht od. gleich]. abfällt, z.B. Gedanken:
fpäne, d. i. gelegentliche abgeriffene Gedanken); in engerer Bed. f. Holz
fpäne, welche beim Zimmern od. Holzhaden abfallen, od. durch Spalten zu
beftimmten Zwecken gemacht werden, bef. von Kienholz zur Beleuchtung auf
dem, Lande dienend (Leucht-, Lichtfpäne, Schleifen od. Spleißen); oberb.
aud) f. Kerbholz u. überh. f. Holzfplitter, Hölzchen (z. B. Schwefelfpan;
ein Span, aus der Thür eines verfchuldeten Haufes gehauen, galt ehemals als
Zeichen des dem Gläubiger darauf zuftehenden Rechtes; vgl. u. Spanbrief);
in weiterer Anwendung f. dünnes Brettchen, z. B. bei Buchb., Schuhm. ꝛc.;
Bergw. f. Dachſchindel; niederd. auch ein aus gefpaltenen Holzftücten zufam-
mengefegtes Gefäß, ein Zuber; landſch. Korftw. der Kern eines Baumes,
entg. dem Splint; oberd. Schiffb. die Darftellung eines Schiffes im Durch—
ſchnitt; — Zſetz. der Spanbrief, oberd. ein gerichtlicher Befehl, Eraft deffen
ein Gläubiger in den Grundbefiß feines Schuldners gefegt wird od. Zwangs—
mittel gegen diefen verordnet werden (litterae executoriales; vgl. 0. Span);
das Spaneifen, oberd. f. Stab- od. Zaineifen; die Spanfarbe, ein Färbe-
ftoff in Geftalt von Spänen, auch Farbenfpäne genannt, z. B. geraspeltes Bra-
ſilienholz; der Spangrofchen, landſch. eine Geldabgabe für die Erlaubniſs,
die Späne ıc. im Walde des Grundheren aufzulefen; der Spanhobel, ein
großer Hobel zur Bearbeitung der Späne zu Bücherſchalen; das Spanholz,
(oberd. Spänholz), leicht in Späne zu fpaltendes Holz, insbef. zu Lichtipä-
nen dienliches Kien= od. Föhrenholz; der Spanfolben, an Pumpen zc. Röh:
venkolben, die fatt des Leders mit Spänen von Birkenholz belegt find; der
Spanforb, aus. dünnen Spänen geflochtener Korb; der Spanleuchter, ein
Querholz mit einem Spalt, in welchen der Lichtipan eingeflemmt wird; die
. Spanmühle, ein Triebwerk zum Schneiden der Späne zu den Spankolben;
ſpan-neu, Bw., landſch. f. ganz neu, gleicht. fo neu, wie ein friſch gefpaltes
"ner Span, au: fpannagelneu (vgl. nagelneu); das Span- ob. Spän⸗
ſcheit, oberd. f. Spaltſtück eines Blockes, welches in Späne zertheilt wird;
der Spanzettel, oberd. (auch Sponzettel) f. v. w. Spanbrief; auch f.
Spaltzettel, ſ. d.; der Spanzieher, wer Späne, beſ. Dachſpäne zc., macht; —
Ableit. ſpanen od. ſpänen, zielloſ. zw., oberd. f. Späne od. Schleißen
machen; ſpäneln, ziel. Zw., f. mit Spreißen auseinander ſpannen
(. B. einen Braten).
Span 2. m., -e3, M. Späne (abgek. Spän, Spen; von gleichem
Stamme mit Span 1. f. d.), vlt. oberd. f. Zwieſpalt, Miſshelligkeit, Un—
einigkeit, Zerwürfnifs, Streitigkeit, Streit (z. 3. Gerihts-Span f.
\
\
ſpanen — Spangrün 963
Proceſs); ſpänig (od. Tpenig), Bw. f. uneinig; ftreitig (4. B. ein fpäniger
Handel, ein fpäniges Feld u. dgl.; daher oberd. widerfpänig, gew. wiber-
ſpenſtig; vielleicht gehen aud) die Ausdrüde „mit Semand gefpannt fein“,
„Spannung“ f. Mifshelligkeit von diefem Span aus; vgl. ſpannen).
fpanen 1. ziellof. 3w., f. unter Span 15 — fpanen 2. ziel. Zw. (auch
fpenen, fpennen; altd. spanan, spuon, gispanan; auch spenan, spennan,
spenita, gispenit; Urbed. wahrſch. ziehen — d. griech. or«w, ondv; ſchwed.
spana, ziehen; vgl. fpänen), vlt. f. anloden, anveizen, bereden, täufchen,
(daher: das Gefpenft, ſ. d., u. das oberd. einen abfpanen od. abfpennen
f. abwendig machen, abfpenftig ıe.).
fpänen 1. zielloſ. Zw., ſ. unter Span 1; — fpänen 2. od. fpenen, ziel.
3w. (altd. spanan, spenan, urfpr. wohl spanjan, spenjan als Factitivum von
fpanen 2., alfo: ziehen Yaflen, fäugen; vgl. d. altd. spunni, spünne, angelf.
spana, isl. spini, ſchwed. spene, holl. spene, spenne, sponne, f. weibliche Brüfte,
Bigen; niederd. Spön, Spunner f. Kuheuter; oberd. die Spän, Spinn,
Spunne, Spünne, das Spunn, Gefpünn od. Gefpinn ze. f. Muttermilch),
urfpr. faugen (daher abfpänen od. entfpänen, altd. intspenan, entwöhnen);
jest Yandfch. f. von der Muttermilch entwöhnen (ein Kind, ein Junges —;
althochd. bispenian, mittelh. spenen; niederd. fpenen, fpennen, fpeinen; engl.
span, spane; — diefe entgegengef. Bed. fcheint fi) durch den Abfall der Vor-
filde ent unter Mitwirkung des Begriffes trennen (vgl. Span 1. u. 2.) ent=
wicelt zu haben); ehem. in weiterer Bed. einen —, f. ihm die Nahrung
entziehen, ihn Hunger leiden laſſen; — das Spanferkel (oberd. auch Spän-
ferkel; altd. spenevarch, spunnivarchili), ein noch faugendes Ferkel, Mitchfer-
kel; die Spänhere, oberd. fcherzh. f. Weibsperfon; auch f. goldene Ader
(f. Ader); der Spänwein, oberd. f. Wein, der vom Faffe abtropft (gehört
vielleicht zu Span 1.5 vgl. das niederd. Sponwein, Wein vom Faffe, noch
nicht abgelaffener Wein).
Spange, w., M.-n, (altd. spanga, spange, altnowd. spöng; von einem
Stamme spang, Verbindung, Zufammenhaltz vgl. pengen), überh. was zum
Zufammenhalten dient, finnv. Klammer, Klampe; daher insbef. oberd.
f. Krampe, Schlußhaken (Glaufuren) an Bücherbänden; chem. f. verbin-
dender Balken in Gebäuden, daher noch im Mühlen- u. Bergbau: ein aus-
gezimmerter Baum, weldher auf die Spundftüde gebohrt wird; oberd. das
Querholz, an welches die Bäume eines Floffes befeftigt werden; jest gem. in
engerer Bed. f. metallene Schnalle (f. d)), Heftel zum Zufammenhalten von
Kleidungsftücden, bei. fofern fie zugleich ald Schmud dient (Gürtel-, Hutz,
Schuhſpangen 2e.); auch ein metallenes Band, Reif od. Ring als Gefchmeide
(Arm, Halöfpange u.'dgl.); alt u. ſchweiz. auch f. Blech (ſchwed. spang); —
der Spangenmacher, Kandfch. f. Gürtler; der Spangenftein, f. Räver-
ftein; — das Spänglein, gem. Spangel, Spängel od. Spengel, -$,
M. ww. E., (mittelh. spengelin, spengel; landſch. auch Spingel, franz. epingle),
eig. eine Eleine Spange; oberd. f. Stedinadel, auch: Spängelnadel (vgl.
Spendel, Spenel); ſchweiz. f. Flittergoldblättchen; ſpängeln, ziel. 8w.,
oberd. f. mit Blech beſchlagen; auch f. Blafen werfen, perlen (wohl von
anderem Stamm; vgl. das alte Spang f. Waflerdlafe); der Spängler, -$,
(mittelh. spengelaere), oberd. wer Spangen macht; Blehfchmied, Klempner.
Spangrün, ſ., =8, (zgez. aus Spanifh-Grün), oberd. f. grüner
61*
964 Spanhobel — fpannen
Kupferroft, Grünſpan (f. 8.), u. die grüne Farbe desfelben; ſpangrün,
Bw., von der Farbe des Grünfpans, blaugrün (4. B. ſpangrünes Tuch).
Spanhobel, Spanholz, f. unter Span 1; — fpänig, ſ. Span 2.
Spanien, f., -$, (vom lat. Hispania) EN. eines bekannten Landes
u. Königreichs, der fühmweftlichfte Theil von Europa; der Spanier, -6, M.
w. E., die Spanierinn, M. -en, Eingeborene u. Einwohner von Spa=
nien; Spanier, landſch. f. der Kornkäfer; fpanifch, Bw., 1) (altd. spa-
nisc) zu Spanien gehörend, aus Spanien ftammend od. dort einhei—
mifch, den Spaniern eigen od. gemäß (3. B. fpanifche Befigungen, fpani-
ſcher Wein, fpanifhe Schafe; die ſpaniſche Sprache, Tracht ꝛc.; ſpaniſche
Erde, eine weiche, leicht zerreibliche Erde, zum Blänken des Goldes gebraucht;
ſpaniſcher Flieder, ſ. Flieder; ſpaniſche Fliege, ſ. Fliege; ſpaniſches
Gras, Band- od. Mariengras, auch Schilfgras; ſpaniſcher Klee, Wolfs—
od. Feigbohne; der ſpaniſche Kragen, Umſtülpung der Vorhaut (fr. Para-
phimoſis); ſpaniſches Kraut, landſch. f. Spinat; ſpaniſche Kreide, f.
Kreide; der ſpaniſche Mantel, f. Mantel; fpanifher Pfeffer, f. Pfef—
fer; fpanifche Reiter, f. Reiter; fpanifches Rohr, ein urfpr. über Spa—
nien zu uns gebrachtes ausländ. Rohr, zu Spazierftöcden gebraucht; ſpaniſch
Roth, f. rothe Ochfenzunge, f. d.; ſpaniſches Schwarz, eine feine ſchwarze
Farbe aus verbranntem Kork; fpanifche Stiefel, ein Folterwerkzeug, in
welches die Schienbeine eingefchraubt werden, Beinfchrauben od. =ftiefel; ſpa—
niſches Wachs, oberd. f. Siegellack; eine ſpaniſche Wand, bewegliche Ta—
petenwand, vergl. Schirm; die fpanifhe Weide, landſch. f. Hartriegel;
fpanifhes Weiß od. fpanifhe Schminke, Schminkweiß, f. Schminke);
2) im gemeinen Leben f. fremd, fremdartig, feltfam, auffallend (4. B. das
fommt mir fpanifh vor; in diefer Bed. vielleicht von einem andern altd.
Stamme span; vgl. auch d. griech. orzevos, onevıos, felten).
Spankolben, -korb, »leuchter, -mühle, f. unter Span 1.
ſpannen, ziel. 3w., {altd. spannan, spannen, ablaut. spien, gespannen;
jest umend. fpannte, gefpannt, oberd. auch noch gefpannen; engl. span; ſchwed.
spänna, von sana, ziehen, vgl. d. griech. ondv u. fpanen, fpänen), 1) eig. in
Eörperlicher Bed. überh. ſtark ausdehnen, ftraff anziehen, insbef. a) einen
ſchnellkräftigen (elaftifchen) Körper in die Länge od. nad) allen Seiten ſtraff
anziehen u. ausdehnen (eine Flechfe, Sehne, ein Seil, die Saiten ꝛc. —;
uneig. die Saiten zu hoch jpannen, f. Saite; den Bogen, die Armbruft ꝛc. —,
d. i. die Bogenfehnez ein gefpannter Leib, d. i. ein aufgetriebener, gedunſener);
auch einen folchen Körper fo zufammendrüden, dafs er ſich mit Schnell:
kraft wieder ausbehnt (eine Stghlfeder, den Hahn eines Feuergewehrs —);
in gerader Richtung u. feiner ganzen Ausdehnung nad) ausjtreden,
fraff machen (die Hand —, d. i. die Äußerften Finger gerade aus einander
ftredten, vgl. Spanne; die Ohren —, von Thieren f. aufrichten, fpigen; um=
eig. ein Gewölbe —, d. i. bauen, errichten; ein weit gefpanntes Gewölbe,
das einen großen Bogen macht), mittelft ſolcher Ausſtreckung, bef. der
Finger od. der Arme, erreichen, abreichen, umfaffen (z. B. eine Octave auf
dem Klavier —; fo weit kann ich nicht fpannen; vgl. umfpannen); b) ſpan⸗
nend, d. i. durch fchnellfräftige Ausdehnung od. Zufammenzichung, befefligen
(Zeug in od. auf den Rahmen —; etwas in den Schraubftod (f. d.) —; einen
auf die Folter —; die Drechsler fpannen Holz ze. zwiſchen die, Docken; bie
fpannen 965
Fuhrleute fpannen den Wagen, d. i. die darauf befindliche Ladung, mit der
Spanntette, f. u.); in weiterer Anwendung überh. f. ftraff befeftigen,
binden, feffeln (kandw. die Pferde auf der Weide —, d. i. ihnen die Vorder—
füße mit dem Spannfeil zufammen binden; bei. die Pferde, Ochfen ze. an
od. vor den Wagen —, d. i. an Strängen od. Riemen befeftigen, vgl. anfpan=
nen; uneig. bie Pferde hinter den Wagen fpannen, f. Pferd; nieberd. einen
Gefangenen —, f. feffeln, binden); zufammenpreffen, einengen, drüden
(zu enge Kleidungsftüce fpannen die Körpertheile; der Schuh fpannt midy; auch
unp. es fpannt mich f. ich empfinde einen engenden Drud); hindern, hem—
men, ſtauen (Wafler, einen Fluſs —, d. i. ihn durd) ein Wehr zc. hemmen
u, anſchwellen machen); 2) uneig. in geiftigem Verftande: ausdehnen, ftei-
gern, inshef. etwas zu hoch fpannen, d. i. übertreiben (z. 3. feine
‚Forderungen, Erwartungen ꝛc.; ein zu hoch gefpanntes Lob); die Sinnes—
u. Geifteskräfte anftrengen, angeftrengt u. ohne nachzulaffen auf etwas
richten (vgl. an=, überfpannen, u. das Mw. gefpannt als Bw., z. 8. mit
gefpannter Aufmerkfamkeit); auf etwas gefpannt fein, od. landid.
ziellos: auf etwas fpannen, d. i. feine Sinnesthätigkeit u. Aufmerk-
famfeit angeftrengt darauf richten, aufmerken, lauern, warten, bef.
etwas begierig erwarten (ich bin auf den Ausgang fehr gefpannt); mit Je—
mand gefpannt fein, d. i. in üblem Vernehmen mit ihm ftehen,
mifshellig fein, (vielleicht nicht von fpannen, fondern von Span 2., fpänig ꝛc.;
doch fagt man auch: mit Semand über den Fuß gefpannt fein, durch wel-
chen dunkeln Ausdruck diefe Ableitung unficher wird); — der Spann, -es,
M.--e, 1) ehem. (mittelh. span) f. das Spannen (z. B. der Armbruft); auch)
f. Krampe an Bücherbänden; 2) f. v. w. der Rift (f. d.) des Fußes (einen
hohen Spann haben); da8 Spann, -e8, 1) M. -e, landich. f. Gefpann
(f. d.); Schiff. zwei auf einander folgende Wandtaue; 2) M. -en, Sciffb.
die Rippen des Schiffggerippes (Haupt-, Vorder-, Hinterfpann 2c.); —
3fes. von fpannen: die. Spannader, ſ. v. w. Sehne; der Spannbaum,
an den Seidenwirkerftühlen der Baum, mit welchem der Aufzug ftraff geipannt
wird; das Spannbett (altd. spanbette), ein Bettgeftell mit untergefpannten
Borten; der Spanndienft, Frohndienft mit einem Gefpann Pferde od. Och—
fen; der Spanndienfter, wer Spanndienfte leiften mufs; die Spannfeder,
eine Feder, durch welche etwas gefpannt wird; die Spannfeſſel od. das
Spannfeil, Zußfeffel für Pferde ꝛc. (f. 0.)5 die Spannfrohne, f. v. w.
Spanndienft; der Spannhafen, ein Haken, etwas damit auszufpannen; der
Spannhammer, Goldarb. ein Hammer mit zwei flachen Bahnen zum Aus-
dehnen der Silberbleche; das Spannheftel, der Spannpflod, Jäg. Hef—
tel 0d. Pflöcte zum Spannen der Nege; das Spannholz, Tuchm. das Holz,
durch welches das Zuc beim Weben auf dem Stuhle ausgelpannt erhalten
wird, auch der Spannftod; die Spannkette, eine Kette, etwas damit feft
zu fpannen, z. B. die Laft od. die Leitern eines beladenen Wagens; auch f.
Hemmkette; Forſtw. eine Kette, mit welcher der Umfang der Bäume gemeffen
wird; die Spannfraft, ſ. v. w. Schnell- od. Federkraft (fr. Elafticität);
fpannfräftig, Bw., fchnellkräftig (fr. elaſtiſch; die Spannleute, landſch.
Bauern, welche Zugvieh halten u. Spanndienfte leiften müffen; der Spann-
muskel, fpannender Muskel, 4. B. des Trommelfells; der Spannnagel,
ſ. v. m. Schlofenagel (f. d.) am Wagen; der Spannrahmen, an Waſſer—
966 ſpanneu — Spanzieher
mühlen ein Theil, womit das Waſſer gefpannt, d. i. angefchwellt wird; die
Spannraupe, 1) Raupen, welche nur vorn u. hinten Füße haben u. ſich da—
her weiter bewegen, indem fie fich gleichfam ausfpannen od. ausftredten u. wie
der zufammenziehen, auch Spannenmeffer; 2) (wahrfch. von Spann f.
Geipann, d. i. Genoffe) Raupen, welche in Gefellichaft zufammen leben, 3. U.
v. Blatt= u. Ringelraupen, auch: Spinnraupen; der Spannteif, Faſsb. ein
Reif, womit die Fafsdauben ausgefvannt werden; der Spannriegel, Zim⸗
merl. ein Verbindungs-Riegel od.-Balken an einem liegenden Dachſtuhle; der
Spannriemen, ein Riemen, etwas damit zu ſpannen; Schuhm. f. v. m.
Knieriemen; der Spannting, Schmied. der Ring, womit die Zangengriffe
zufammengefpannt werden, auch Sperrring; die Spannrippe, Fleiſch. das
Kippenftüc vorn am Kamme des Rindes; die Spannfäge, Handfäge mit
zwei Armen u. einem hölzernen Rahmen, in den das Sägeblatt geipannt ift;
die oberen Enden der Arme werden durch das Spanntau vereinigt; der
Spannftod, f. Spannholz; der Spannftrid, f. v. m. Spannfeffel; der
Spanntag, ein Tag, an welchem Spanndienfte geleiftet werden müſſen; die
Spannwinde, Handwinde zum Spannen des Bogens od. der Armbruft; bie
Spannzange, eine Zange der Goldſchläger, den Rüden der Form damit zus
fammenzuflemmen; — Ableit, die Spanne, M. -n, (altd. spanna, spanne,
oberd. die Spann; engl. span), die ausgefpannte- Hand u. das Maß der:
felben von der Spige des Daumens bis zur Spitze des Kleinen Fingers (4. B;
eine Spanne weit, drei Spannen lang); uneig. f. eine Eleine Ausdehnung
(z. B. eine Kleine Spanne Zeit); Forftw. f. Spannkette, ſ. o. (z. B. bie
Bäume nad) der Spanne verkaufen); fpanne= od. fpannenbreit, -hoch,
lang (mittel. spannelane), = weit, Bw., eine-Spanne breit, hoch 2e.; der
Spannenmeffer, f. 0. Spannraupe; der Spanner, landſch. auch Spän-
ner, -8,,M. w. E. 1) (won fpannen) wer etwas fpannt (z. B. der Span:
ner des Bogens); insbeſ. oberd. u. ſchweiz. die Auf- und Ablader der Fracht:
wagen, weil fie die Güter auf den Wagen fpannen (f. 0.); ferner wer Zugvieh
vor den Wagen fpannt u. damit fährt, in Zſetz. (wo ed Spänner lautet),
wie: Eins, Zweifpänner 2c., welche aud) das Fuhrwerk felbft bezeichnen ;
aud ein Werkzeug zum Spannen, z. B. das Spannholz am Geftell einer
Säge; 2) Spänner (von Spann, Gefpann), in Salzwerken, wer ein Salz—
koth mit einem Andern gemeinfchaftlich befist, z. U. v. Pfännerz vgl. aud) Ein-
fpänner; fpännig, Bw., 1) (von fpannen) nur in Zfeg. wie: ein, zweiz
vierfpännig, d.i. mit einem od. zwei ꝛc. Zugthieren befpannt (andſch. un—
eig. £. ein=, zweifchläfrig: ein einfpänniges 2c. Bett); 2) (von Spanne) oberd.
f. eine Spanne lang, dick ꝛc. (auch in Zfeg., wie: ganz-, halb- überfpäns
nig 26.); Forſtw. nach der Spanne od. Spannkette zu meffen u. zu vers
kaufen (ein Tpänniger Baum); die Spannung, das Spannen, u. das
Gefpanntfein (z. B. der Saiten, einer Büchfe ꝛc.); Maur. die Verbindung
zweier gegenüberftehenden Mauern durch einen Bogenz uneig. das Gefpannt-
fein, die Anftrengung der Geiftesträfte u. bef. des Gemüthe, die gefpannte
Erwartung (3. B. in ängftlicher Spannung Leben); auch f. gefpanntes Ver—
hältnifs, Mifshelligkeit, Uneinigkeit.
ſpan-neu, Bw., f. unter Span 1.
Spannfeder, =feffel ꝛc. — =zange, ſ. unter fpannen.
Spänwein, f. ſpänen; Spanzettel, -zieher, f. Span 1.
— ——— — — — —
Spar — fparen 967
Spar, m., -en, M. -en, (goth. sparva, althochd. sparo, G. sparin ;
mittel). spar, sparwe, G. sparwen; angelf. spearva, engl. spar, sparrow;
wahrſch. der Gefledte, Geiprenkelte, vgl. Spur u. Sparke mit Sperk; oder
verw. mit sparian, fperren, daher engl. sparrow-mouth f. großes Maul; —
Ableit. davon find: Sperling u. Sperber, |. d.), alt u. oberd. f. Sperling,
Spaß; — der Sparbraffen, eine Art Braffen im mittelländ. Meere mit
einem goldfarbigen halbmondförmigen Fleden vor den Augen.
Sparen, m., -$, M. mw. E., (engl. u. holl. spar), niederd. u. ſchweiz.
f. Sparten, Dachfparren, Hebebalken; — der Sparblod, auf den Eib-
kähnen ein ftarfes Querholg mit einem Loche, worin der Maft fteht; das
Sparbrett, Maur. f. v. w. Handbrett, f. d. (wielleicht mit Sparkalk zufam-
menhangend, f. u. fparen 2.)
fparen 1. ziel. 3w. (altd. sparen, sparn; auch ein Hw. spari, speri f. Spar⸗
famteit; von einer Wurzel spar, welche wahrſch., wie das oberd. ſper, ſpör,
engl. spare, urſpr. troden, dürr, mager, ärmlich bedeutet; isländ. u. ſchwed.
spara, dän. spare, angelj. sparan, engl. spare, holl. spaeren; ital. sparagnare,
franz. Epargner ; vgl. das lat. parcere), fih in dem Gebrauch einer Sache
auf das Nothwendige einfchränfen, nur wenig davon verwenden, ſcho—
nend damit umgehen (die Butter, der Zucer u. dgl. ift an der Speife gefpart,
— nit geſpart, d. i. reichlich verwendet; kein Geld, keine Koften ꝛc. ſparen;
weder Fleiß, noch Mühe fparen ꝛc.; alt u. oberd. auch mit dem Gen., 4. B.
bibl. fparet der Pfeile nicht); insbe. fi im Gebrauche feines Geldes od.
Vermögens in löblihem Maße einfchränken, verich. kargen, geizen, entg.
verfchwenden, (fpare dein Geld; viel Geld zufammen fparen; gew. ohne Zielw.,
z. B. er hat immer geſpart; fprichw. fpare in der Zeit, 10 haft du in der Noth);
zu künftigem Gebrauche aufheben, zurüdlegen (. B. Geld zu einer
Reife —), daher uneig. f. auffchieben, nerfchieben (Gbibl. ſpare deine Buße
nicht, bis du krank werdeft); ganz ungebraucht laffen, gar nicht anwen—
den, als überflüffig unterlaffen (4. B. fpare deine Worte, Entfchuldigungen,
Bemerkungen 2c.); auch f. unverlegt erhalten, verfchonen (fich auf beffere
Zeiten —; niederd. Gott fpare dich gefund!) — Zfeg. die Sparbüchfe,
eine verfchloffene Büchfe mit einem Spalt im Dedel, zur Verwahrung erfparten
Geldes, fo auh: der Spartopf (niederd. Sparpott), oberd. Sparhafen;
das Spar-Ende od. - Endchen (d. i. eig. der Endenfparer) in Niederd. f.
v. w. Lichtknecht, Lichthalter, |. d.5 das Spargeld, -gut, eripartes Geld,
Gut; der Sparherd, ein Kochherd von eigenthümlicher, holziparender Ein⸗
richtung; fo auch: der Sparofen; die Sparkaſſe, öffentliche Anftalt, in
welcher man Eleine Erfparniffe zinsbar unterbringtz; der Sparpfennig, er-
fpartes Geld (vgl. Pfennig); die Sparfeide, Schneid. f. feiner Zwirn, ftatt
der Seide od. zu deren Erfparung gebraucht; — Ableit. der Sparer, -8,
M. mw. E., wer fpart, d. i. Geld zurüdlegt Gprihw. der Sparer will
einen Zehrer haben, d. i. erfpartes Vermögen wird gewöhnlich bald von einem
Verſchwender verzehrt); ſpärlich, Nw. u. Bmw., auf das Nothdürftige ein-
geſchränkt od. fich beſchränkend, kaum hinreichend, finnv. dürftig, küm—
merlich, Enapp (fpärlich leben, effen; eine fpärliche Mahlzeit); die Spär—
lichfeit, ſpärliche Befchaffenheit; fparfam, Bw., geneigt und gefchidt
zu fparen, das Seinige zu Rathe haltend, unnöthigen Aufwand ver-
meidend, finnv. haushälteriſch, wirthſchaftlich, verfch. karg, geizig (ein
968. fparen — fparren
fparfamer Wirth; fparfam fein, leben 2c.); von Sparfamkeit zeugend, mä-
Fig (eine fparfame Mahlzeit); Erfparung gewährend (gute Lichte brennen
ſparſam); auch f.*felten, wenig, in geringer Menge, bef. als Nw. (4. 8.
das Obſt wählt hier ſparſam; fparfam zugemeffene Freuden u. dgl.); die
Sparfamkeit, das Sparfamfein einer Perfon; ſeltner von Sachen f. fpar:
fame Befchaffenheit od. Einrichtung; Seltenheit, geringe Anzahl.
fparen 2. od. fporen, Zw. (landfch. auch ſpuren; vgl. das oberd. fpor
fe mürbe, Sporapfelzc.), 1) ziellos, oberd. f. faulen, fhimmeln; fchim-
melicht riechen; 2) ziel. Gerb. in Fäulniſs bringen (die Weißgerber fparen
die Felle, indem-fie diefelben in Schwacher Kalkbrühe einweichen); der Spa—
ren, -$, oberd. (auch der Spor) f. Schimmel; — der Sparfalf (oberd.
auch Sporkalk; von dem obigen fpor, mürbe?), aus Gips gebrannter Kalk,
Gipskalk, z. U. v. Bitter - u. Lederkalf.
Spargel, m., -8, M. mw. E. (sberd. Spargen, Sparges, Spart; nie
derd. Sparjes; vom lat. asparagus, -griech. dor«oeyos,), die efsbaren jun:
gen Stengel oder Sproffen der in Gärten gezogenen Spargelpflanze,
welche 6 bis J Fuß hoch wird, gelb blüht u. rothe Beeren trägt, (Spargel Ie-
gen, d. i. die jungen Pflanzen in die Erde bringen; Spargel ftechen, d. i. die
hervorfproffenden Stengel unter der Erde abfchneiden); — Zfeg. der Spar-
gelbaum (auch Spergel-, Spörgelbaum; wahrfch. von anderem Stamme),
landſch. f. Faulbaum; die Spargelbeere, vothe Beere des Gartenfpargels;
das Spargelbeetz die Spargelbrühe, Brühe zu Spargeln; die Spar-
gelerbfe, -fchote, der Spargelflee, eine Art des Schetenklees; das Spar-
gelhähnchen, eine Art Blattkäfer od. Goldhähnchen; der Spargelfohl, eine
Art Kohl, deffen Blumenftengel wie Spargel zugerichtet werden (ital. Broccoli);
das Spargelfraut, Gewächſe, deren Wurzelfproffen wie Spargel genoffen
werden, 3. B. der Hopfen; die Spargelraupe, die Larve des Spargelhähn-
chens; der Spargelfalat, Salat von gekochten Spargeln; der Spargel-
famen, -ftengel 2c.; die Spargelzange, eine zierliche, ſcherenförmige Zange
zum Vorlegen der Spargel.
Spargeld, -gut, -herd, f. unter fparen 1.
Spark, m., -e8, 9. M., ein auf Adern wild wachfendes fehr gutes
Futterkraut, auch Spergel, Aderfpergel, Knöterich ıc. (spergula arven-
sis L.).
Sparkalf, f unter fparer 2; Sparfaffe, f. fparen 1.
ji Sparfe, m.,-n, M.-n, (mittelh. sparche, angelf. spearca, engl. spark,
holt. spaerke), niederd. f. Funken; fparfen, ziellof. Zw., (engl. sparkle), nie:
derd. f. Funken ſprühen; — das Sparfel, -8, preuß. f. Weberbleibfel von
ausgekochtem Fett, Grieben, (weil das Fett beim Auskochen Funken prüht?).
fparlih, Sparofen, -pfennig, f. unter fparen 1.
fparren, ziel. Zw., (altd. sparian, sparran; oberd. fpären, fpärren), alt u.
landſch., bef. niederd. f. fperren, auffperren, ſträuben; auch f. fpannen;
daher: die Sparrader, iandſch. f. Spannader; der Sparraft, ein fperrig
gewachfener Aftz auch Namen eines Pflanzengeſchlechts (salacia L.); das
“ Sparrfraut, ein fperrig wachfendes Unkraut; der Sparrring, landſch. f.
Sperr- od. Spannring, f. d. — fparr od. fparrig, Bw., niederd: f. fper-
vig, weit geöffnet (fparre Augen); fträubig, ſtarr (Haare 2c.); die Sparte,
niederd. f. Sperre, das Sperren, Sträuben; — der Sparten, -$,
— — — — *
fparfam — fpät 969
M.w. E., (altd. sparro, sparre; niederd. Sparen; ſchwed. u. hol. sparre;
angelf. speare, engl. spar; franz. Epars), überh. ein Querbalken, Schließ—
balken, Riegel; insbeſ. ein Dachſparren (ſ. d. unter Dach; uneig. ſprichw.
einen Sparren im Kopf od. einen Sparren zu viel haben, d. i. aus Hochmuth
nicht recht bei Verſtande ſein); Wappenk. durch das Feld eines Wappenſchildes
laufende Balken; Zſetz. das Sparrenfeld, der leere Raum zwiſchen dem
Latten und Dachſparren; das Sparrengeld, landſch. ſ. v. w. der Giebelzins;
der Sparrenkopf, Bauk. eine Verzierung im Karnieß, welche das vorragende
Ende eines Sparrens vorſtellt; das Sparrholz, Forſtw. zu Sparren brauch—
bares Holz; die Sparrlatte, Dachlatte; der Sparrnagel, Nägel, mit
welchen die Latten auf die Sparren genagelt werden; das Sparrwerk, die
ſämmtlichen Sparren eines Daches.
ſparſam ꝛc., Sparſeide, ſ. unter ſparen 1.
fparteln od. ſpärteln, zielloſ. Zw., (auch ſparreln, ſpatteln, ſpaddeln;
holl. spartelen, dän. spradle; eine Verſtärkungsform von ſparren, ſperren,
wie das oberd. fperzen), niederd. f. ſich mit Händen u. Füßen ſträuben,
zappeln.
Spaß, m., -e35, M. Späße, Verkl. das Späßchen, (fehlt im Altd.
u. lautet oberd. u. auch in niederd. Mundarten, z. B. in Weftphalen, Spaſs;
offenbar entlehnt von dem ital. spasso, Zeitvertreib, spassarsi, fich beluftigen),
eine Beluftigung, Ergötzung, Ergöslichkeit, feherzhafte, Lachen erre-
gende Handlung od. Begebenheit (einen Spaß maden; etwas zum Spaße
thun, im Spaße fagen; feinen Spaß mit Semand od. mit etwas haben, treiben;
das war ein Spaß! 2c.); insbe]. eine nur zur Beluftigung dienende nicht
ernftlich gemeinte Rede, finnv. Scherz (f. d.), entg. Ernft (es war nur mein
Spaß); uneig. gem. auch f. eine Kleinigkeit, etwas Geringfügiges, Un-
erhebliches (das ift mir ein Spaß; das ift kein Spaß 2c.); — Zfeg. ber
Spaßmacher, -8, verächtl. wer Spaß macht, Andere durch Späße zu be—
luſtigen fucht; der Spaßvogel, ein Luftiger, gern Späße machender Menſch;
auch ein zum Gefchlecht der Neuntödter gehörender Vogel, der fonderbare Be-
wegungen macht (lanius jocosus); fpaßweife, Nm. im Spaß, ſcherzweiſe; —
Ableit. fpaßen, ziellof. Zw. m. haben, (oberd. fpaffen, auch verkl. fpaf-
fein, fchweiz. fpäßeln), Spaß machen od. treiben, es nicht ernftlich
meinen, finnv. das edlere fherzen; der Spaßer, —s, auch der Späß-
ling, -e8, M. -e, mer fpaßt, gem. Spaßmacher; fpaßhaft, Bw. (oberd.
auch ſpaſſig, ſpäſſig, gefpäffig), einen Spaß enthaltend, einem
Spaße ähnlich, Lachen erregend, finnv. das gemeinere poffenhaft u. das
edlere [herzhaft (vgl. z. B. ein fcherzhaftes —, ſpaßhaftes —, poflenhaftes
Gedicht); geneigt u. fähig zu fpaßen, gern fpaßend (ein fpaßhafter Menſch);
die Spaßhaftigkeit, das Spafihaftfein in beiden Bed. |
ſpät, Bw. u. Nw., alt u. oberd. auch fpat, welches eig. das Nm. zu
dem Bw. ſpät ift, (goth. spedi, altd. späti, spaete, Bw.; späto, späte, Nw.;
holl. spaade, spaa; wahrfch. von der Wurzel spa, ziehen, vgl. fpanen 2. u.
ſpannen; alfo: ſich hinziehend, verziehend), überh. nach der gewöhnlichen,
gehörigen Zeit, od. nad einem angegebenen Zeitpunfte od. Vorgange
geſchehend, entg. früh, zeitig, (du Eommft ſpät; ſpät fchlafen gehen, — auf-
fiehen; er kam fpäter als ih, am fpäteften von Allen; beffer fpät, als gar
nicht: ſpät Hug werden; der Brief kam zu ſpät; die Uhr geht zu Tpat, wenn
970 Spatel — Spätgerfte
fie zu langfam geht; eine fpäte Heirath; ein fpätes Glück; fpät und früh, d. i.
zu jeder Zeit, immer); auch f. der Zeit nach entfernt, in die ferne Zus
kunft fallend (4. 8. die fpäteften Nachkommen); bef. von der vorgerückten
Tages- und Jahreszeit (es ift fchon fpät am Tage, od. bloß: es ift ſchon
ſpät; ſpät in die Nacht aufbleiben; die ſpäte Nacht; der fpäte Herbft ꝛc.;
Ipät reifende Früchte, auch: fpäte Früchte, ſpätes Getreide ꝛc.); — Zſetz. die
Spätbirne, -blume, =erbfe, -gerfte, der Späthopfen, das Spätkraut od.
der Spätkohl, das Spätobft zc., fpät im Jahre, od. fpäter als andere ihrer
Art zeitig werdende Früchte u. Gewächſe; die Spateiche, Winter- od. Hart-
eiche; die Späternte, fpäte Ernte; die Spatfährte, Jäg. eine bereits vor
mehren Stunden gemachte Fährte, zu welcher der Jäger alfo zu fpät kommt,
auch: Ealte Fährte; der Spätfroft, fpät, d. i. noch im Frühling, eintretender
Froſt; der Spatgang, Jäg. der Gang des Hirfches zu Holz kurz vor Tages—
anbruch; Bergw. ein fpät, d. i. von Morgen gegen Abend ftreichender Gang;
der Spätherbft, das Ende des Herbftes; das Spatheu, Grummet; das
Spätjahr, Herbft u. Anfang des Winters; das Spatlicht, dicht. f. das Licht
der untergehenden Sonne; das Spätmahl, Abendmahlzeit; der Spatregen,
bibl. der Regen, welcher in den Morgenländern kurz vor der Ernte im April
zu fallen pflegt; das Spätroth, der Spätfchein, dicht. f. Abendroth;
der Spätfommer, Ende des Sommers; — Ableit. fpäteflens, Nw. vom
Sup. fpäteft, aufs fpatefte, nicht fpäter als ıc. (z. 8. er kömmt fpäte-
ftens in acht Tagen); die Späte, das Spätfein oder =gefchehen, eine
fpäte Zeit (z. B. die Späte des Tages 2c.); ſpäten, rüdz. 3w., ſich —,
oberd. f. faumen, zögern; der Spätling, -e3, M. -e, wer od. mas
ſpät zum Vorſchein kommt, 3. B. ein fpät geborenes Kind; bef. Landw.
ein fpäter ald gewöhnlich geworfenes Lamm, auch Spätlamm.
Spatel, m., -8, M. w. E., (von dem lat. spatula, Verkl. von spatha,
griech. or«In; ital. spatola, franz. spatule, engl. spattle), ein breites, fla=
ches Holzfcheit, ald Werkzeug z. B. der Maler zum Zufammenftreichen der
Farbe auf dem Neibefteine (auch: das Farbenmeſſer); ein fpatenähnliches
Merkzeug der Apotheker, Wundärzte zc. zum Pflafterftreichen ꝛc.; fpatel-
fürmig, Bw.; die Spatelente, Schildente; Löffelente; die Spatelgans,
Löffelgans.
Spaten, m., -8, M. w. E., landſch. auch Spate, w., M. -n,
(alt. der spato,. spado, spate, ©. spaten; niederd. Spade; ſchwed. spada,
angel. spad, engl. spade; urfpr. wohl überh. ein ſcharfes, ſchneidendes Werk-
zeug, daher ital. spada, fpan. espada, franz. Epee f. Degen; verw. mit ſpitz?
vgl. das niederd. fpitten f. graben), ein Werkzeug zum Umgraben der Erde,
deflen breiter Theil ganz flach ift, Grabſcheit, verſch. Schaufel, Hacke 2.5
landſch. auch ein Farbenbild in der franz. Spielkarte, j. v. w. Schüppen, (ſpan.
espada; franz. pique; daher das Spatendaus, der Spatenkönig ꝛc.); —
das Spateland, landſch. Land, von welchem der Rafen mit dem Spaten ab»
geftochen ift; das Spatenrecht od. Spatelandsrecht, niederd. die Gerichts—
barkeit über einen Deich, auch: das Deichrecht; — fpaten (niederd. fpaden),
ziel. Zw., landfch. f. mit dem Spaten bearbeiten, umgraben; mit dem
Spaten abftechen, bezeichnen, daher chem. einen Theil eines Deiches, ein
Gut ꝛc. —, für verfallen erklären u. gerichtlich einziehen.
Späterbfe ꝛc. — Spätgerfte, f. unter fpät.
Spath — fpazieren ya
Spath 1. m., -08, M. (felten) - e, (oberd. auch Spatz; nieberd. Spat,
holf. spat, welches auch Lendenweh, Krampf bedeutet; wahrſch. von der Wur⸗
zel spa, ziehen, vgl. ſpanen 2., ſpannen, u. ſpät; engl. spavin, franz. éParvin),
eine Krankheit der Pferde und des Rindviehes, beſtehend in Knoten
od. Beulen an den Gelenken der Beine, wodurch der Gang ſteif u. lahm
wird; daher ſpathig 1., Bw., mit dem Spath behaftet (ein ſpathiges
Pferd).
Spath 2. m., -e3, M. Spathe, Bergw. auch Späthe, (mittelh. spat,
vielleicht ft. spaht, von der Wurzel spah, ſpalten; vgl. ſpachen, u. das ſchwäb.
Spaht, Spatt f. Splitter, Span; engl. spat, spaad, spar), verfchiedene
Steinarten von. würfelichtem, rautenähnlihem u. ſchieferichtem Gefüge
mit glänzender Oberfläche, z. B. Feld-, Fluſs-, Gips-, Kalk-, Schwer-,
Doppelipath; insbef. der Kalkfpath, |. d.; das Fraueneis, f. d.; aud f.
Gips; — die Spathafche, Hüttenw. aus weißem Spath aebrannte Aſche;
die Spathörufe, Spath in Geftalt einer Drufez der Spathflufs, farbiger
Spath (f. Fluſs); die Spathfapelle, Hüttenw. eine aus Spath gemachte Ka=
pelle ¶ . Kapelle 2.); der Spathfloß, eine Art Adlerfteine; die Spathrofe,
Spathdrufen od. «Kryftalle, deren Blätter im Mittelpunkte zuſammengewachſen
find; der Spathflein, das Fraueneis; — fpathig 2., Bw., Spath ent-
haltend; gew. f. fpathicht, Bw., dem Spath ähnlich, fpathartig (ein
fpathiges Gefüge).
Spätherbft ꝛc. — Spätfommer, f. unter fpät.
Spatt, m., -e3, M.-e, (aus Spacht entft., ſ. ſpachen), ſchwäb. f.
Splitter, Span; ſchweiz. f. Spriet, Schere an einem Leiterwagen; der
Spättel od. Spettel, -8, (auch Spätel, Spittel), oberd. f. Abfall von
Tuch ꝛc., Keil, Zwidel; der Spätter od. Spetter, -$, bair. ein brei-
ter Span, deren fieben mit Reifen zu einem Fäfschen für Salz zulammenges
fügt werden (daher „ein Salzfuder einfpettern‘).
Spatz 1. m., -en, M.-en, (vielleiht aus Sparz entft., von Spar,
1;d.), ober». f. der Sperling; bair. auch f. junges Huhn, Hähnchen; — Zſetz.
das Spagenei, -neſt ꝛc.; die Spatzeneule, Eleine Eule, Zwergeule; ber
Spatzenſtrauch, ein Pflanzengeſchlecht (struthiola L.); die Spatzenwurz,
landſch. f. das Seifenkraut; die Spakenzunge, ein ausländ. Pflanzenge-
ſchlecht, auch Sperlingszunge (stellera L.); — Ableit. fpägeln, zielloſ. Zw.,
1) vit. f. ſchwatzen, zanfen, Eeifenz 2) (vielleicht von anderm Stamme,
verw. mit ſpitz ?) Schweiz. f. ficheln, prideln; ſpätzig, Bw., 1) vlt. f.
geſchwätzig, lärmend; 2) ſchweiz. (auch ſpätzlig) f. fichelig, pridelnd.
Spab 2. m,, -en, M. -en, od. die Spatze, M. -n, Wahrſch.
verw. mit Pat od. Patt (f. d.), ital. pasta, franz. päte, Zeig), oberd. Eleine
Mehlklöße, in Waffer gekocht, verfch. von den größeren Knödeln, (au
Spatzeln; daher: eine Spagelfuppe; Spagen od. Spageln werfen,
bair. fi ein flaches Steinchen auf der Waflerfläche forthüpfen laſſen); landſch.
aud) f. Knoten od. Abfäge an den Weinreben, wo fich die Augen anfegen;
bair. der Spaß f. Spath 1.
spazieren, b. alö fpagieren, ziellof. 3m. m. haben u. fein, (vom lat.
spatiari, d, i. einen Raum (spatium) durchfchreiten; ital, spaziare, andare a
spasso, vgl. Spaß), zum Vergnügen od. zur Beförderung der Gefund-
heit gemächlich gehen, bef, in freier Luft, fich ergehen, luſtwandeln, vgl.
972 Speht — Sped
d. (ich habe zwei Stunden fpagiert; ich bin vor das Thor, nach dem nächften
Dorfe ze. fpaziert); in weiterer Bed. fi) zum Vergnügen fortbeiwegen,
in Verbindung mit gehen, reiten, fahren, neben welchen Zeitwörtern der
Inf. ſpazieren im Sinne des Mw. Tpazierend fteht: fpazieren gehen,
reiten, fahren (immer mit fein, 3. B. ich bin fpazieren gegangen; wir find
geftern ſpazieren gefahren 2c.); — die Spazterfahrt, der Spaziergang,
Spazierritt, die Spazierreife, Fahrt, Gang 2c. zum Vergnügen, Luftfahrt,
= gang, -reife ꝛc.; der Spaziergang auch ein zum Spazierengehen-eingerich-
teter u. beftimmter Raum (fr. Promenade); der Spaziergänger, die Spas
ziergängerinn, wer fpazieren geht, Luſtgänger, Luſtwandler 2c.
Specht, m., -08, M.-e, (altd. speht, engl. speckt, speight; von spa-
hen, spehten, fpächten (f. d.), alfo: der lärmende Vogel; oder von spähi, ſpäh
(j. d.) oberd. ſpech, vgl. fpähen, alfo: der fcharffichtige od. Eluge Vogel?
vgl. jedoch auch das fat. picus), ein Gefchlecht von Waldvögeln mit kan—
tigem, an der Spitze feilfürmigem Schnabel und kurzen Kletterfüßen, auch
Baumhader, Baumpider genannt, weil fie an den Bäumen kletternd bie
Rinde aufhaden, um die Infecten hervorzuholen; verfch. Arten find: der ge-
meine od. Schwarzfpecht, der Bunt:, Blau:, Grün-, Mauerfpecht ꝛc.; —
die Spechtfrähe, der Schwarzipecht; die Spechtmeife, der Blauſpecht,
au Graufpecht, Baummeife, Holz: od. Nufshacder 2c. genannt; die Specht
wurz, Eſchenwurz, weißer Diptam (dietamnus albus L.).
pechten, 3w., ſ. fpächten.
fpechtig, Bw. (vgl. ſpachen u. pad), landſch. f. fhmächtig, lang u.
dünn; der Spechter, -8, M. w. E., landſch. eine Art hoher u. enger
Trinkgläſer.
Speck, m. (landſch. une. f.), —es, o. M. (altd. spech, spec; angelſ.
spic, isländ. spick, ſchwed. speck; von dunkler Abſtammung), das feſte thie—
riſche Fett, welches unter der Haut, beſ. auf den Rippen ſitzt (4. B. der Speck
der Wallfifche, Seehunde ꝛc., das noch nicht zu Thran gefottene derbe Fett);
in engerer Bed. das Fett der Schweine, fowohl auf dem Rüden und den
Kippen, ald auch zwifchen dem Vorderbug u. den Schinken (Speck fchneidem,
frifher, geräucherter Speck ꝛc.); niedr. aud) vom Menfchen (viel Sped auf
dem Leibe haben, u. dgl.); — Zfeg. die Spedbanf, eine Erhöhung, auf
welcher der Wallfiſch-Speck zerfchnitten wird; der Speckbauch, - wanft,
gem. f. ein fetter Bauch, u. ein Menfch mit folhem Bauche; die Spedbirne,
eine Art ſchmackhafter grauer Birnen; die Spedbohne, eine Art Schmint-
bohne mit ſehr fleifchigen Hülfen; der Spedbüdling, ein am Rüden auf—
gefchnittener geräucherter fetter Häring, niederd. Flickhäring; die Speck—
Ente, die Pfeifente (f. d.), weil fie befonders fett iſt; ſpeckfett, Bw., gem.
fe ſehr fett; die Spedfloffe, den Floſſen ähnliche fette Häute hinter der
Rücenfloffe mancher Fiſche; die Spedgefchwulft, eine Art Geſchwulſt, bei -
welcher die weichen Theile fpectähnlich werden, auch: die Spedbeule, das
Spedgewädhs; der Spedhald, ein fehr fetter Hals; ein Thier, bef. ein
Pferd mit ſolchem Halfe; der Spedhaspel, ein Haspel, den Wallfifch-Sped
aus dem Flensloche aufzuziehen; der Spedhauer, wer Speck aushautz ber
Butzkopf od. Nordkaper; der Spedkäfer, eine Art Klein» od. Schabkäfer,
deren Larve den Sped angreift; die Spedfammer, Kammer zur Aufbewah-
zung von Sped 2c.; der Speckkönig, beim Walfifchfange der jüngfte und
Sped — Speer. 973
unerfahrenfte Matrofe, der den in den Schifferaum geworfenen Sped aus dem
Wege fhaffen mufsz der Speckkuchen, ein auf der Oberflähe mit Sped
verſehener Kuchen; die Spedlilie, das Geifblatt od. Selängerjelieber (loni-
cera L.); die Spedlinde, Sommerlinde; die Spedmade, f. Made; die
Speckmaus, landſch. f. Fledermaus, weil fie dem Schweineſpeck nachgeht;
die Speckmelde, das Bingelkraut; das Speckmeſſer, ein großes Meſſer
zum Ausſchneiden des Wallfiſchſpecks; die Speckſchwarte, ſ. Schwarte; das
Speckſchwein, ein ſehr fett gemäſtetes Schwein; die Speckſeite, die mit
Speck bewachſene Seite eines geſchlachteten Schweines, be. nachdem fie geräu—
chert ift, Ciprichw. die Wurſt nach der Speckſeite werfen, d. i. durch ein klei—
neres Geſchenk ein größeres zu erlangen ſuchen); der Speckſtein, ein fettig
anzufühlender durchſcheinender Stein, Fett-, Weich-, Leberſtein ꝛc.; auch ber
Seifenſtein, wozu der Schreibſtein u. die ſpaniſche Kreide gehören; der Speck—
thran, aus dem Wallfiſchſpeck geſottener Thran; der Speckwurm, ein im
Specke lebender Wurm, beſ. die Larve des Speckkäfers, ſ. 0.5 — Ableit.
ſpeckig, Bw., Speck enthaltend, ſpeckfett; gew. auch f. ſpeckicht, Bw.,
ſpeckähnlich; oberd. fpedig f. fettig ausſehend u. anzufühlen, klebrig-feſt
(von unausgebackenem Brod ꝛc.).
Speck od. Specke, w., M.-en, (ſchwäb. Spöck, Spöcke), landſch. f.
Damm, erhöheter Weg, insbeſ. oberd. ein gepflaſterter Fahrweg; nie—
derd. ein kleiner von Raſenſtücken aufgeworfener Damm od. erhöheter
Fußſteig in einer. ſumpfigen Gegend, auch: der Speckdamm, Spitt= od.
Spettdamm; der Speddeich, niederd. ein durch Flechtwerk gegen die Fluth
geſchützter Deich; ſpecken, Zw. niederd. f. einen Kleinen erhöheten Damm
od. Fußſteig machen.
Speer, m., -08, M. -e, (altd. daz sper, oberd. das Sper; isländ.
spiör, ſchwed. sper; angelf. spaer, engl. spear; lat. sparus u. sparum; wahrſch.
von einer Wurzel spar, spir, speran, ftechen, bohren, eindringen, unterſuchen;
daher engl. spear, durchſtechen; niederd. Spier, engl. spire, Spitze; oberd.
Sperl f. Stednadel; von gleihem Stamme find: Sporn, Spur ꝛc.), urſpr.
die breite eiferne Spige u. Schneide der Lanze; dann f. die Lanze felbft,
als die eigentliche Ritterwaffe, alterthümlicher u. edler als das finnv. Spieß,
ſ. d.; in weiterer Bed. verfchiedene fpisige Werkzeuge, z. B. der lange
fpisige Theil einer Zeile; Fiſch. eine zchnzadige Gabel zum Stechen der Bar:
ben und Aale; — Zſetz. fpeerberüuhmt, Bw., dicht. Neuw. f. berühmt
durch gefchicktes Lanzenwerfen; die Speerdiftel, gemeine Wegediftel mit Ian-
zenförmigen Blättern; die Speerelfter, landſch. f. der Neuntödter; ſpeerför—
mig, Bw.; fpeergeübt, Bw., dicht. f. in der Handhabung des Speeres
geübt; der Speerhai, eine Art Hai mit rauher Haut, auch Dornhaiz der
Speerfampf; das Speerfraut, eine Art des Hahnenfußes mit geferbten,
lanzenförmigen Blättern, auch: die Speerwurg od. =wurzel (ranunculus
flammula L.); aud) f. Gartenbaldrian; Natter= od. Schlangenzunge; Löwen-
zahn; die Speermeife, Tannen= od. Holgmeife; der Speerreiter, chem.
mit Speeren bewaffnete Reiter; das Speerrofs, ehem. f. Zurnierpferd; der
Speerſchaft, die Speerflange, f. Schaft ꝛc.; der Speerenftich, der
Eleine Enzian, deffen Wurzel Ereuzweife wie mit einem Speere durchftochen ift,
au Himmelsſtengel (gentiana cruciata L.); der Speerwurf, Wurf mit dem
Speere, u. die Weite eines folchen.
974 Spehnkopf — Speidel
Spehnkopf, m., (wahrfch. von fpanen f. ziehen, f. fpanen 2.) Schiff.
ein Holz, welches in eines von den Löchern des Bratfpills geftecit wird, um
duch das Spehntau das Ankertau daran zu befeftigen.
Speibeden, ſ., f. unter fpeien.
Speide, w., M.-n, (althochd. der speihho u. diu speihha, mittelh.
der u. diu speiche; oberd. die Spaichen, aud) der Speichen; niederd. Speke,
holl. speek; angelf. späca, engl. spoke; wahrſch. von einem eigenen Stamme,
welcher „Ausbreitung bedeutet; vgl. das oberd. ſpaichen f. ausfchreiten, mit
einem Beine vortreten), die Stäbe, welche ſtrahlenförmig auseinander-
gehend von der Welle od. Nabe eines Rades an deffen Umfreis rei-
en u. die Felgen desfelben tragen, Radfpeichen, an größeren Waffer- od.
Kunfträdern auch Radarme genannt; uneig. Anat. ein Knochen des Vor—
derarmes, auch Spindel genanntz — das Speichenbein, niederd. f. ein
langes, dünnes Bein, u. eine Perfon mit ſolchen Beinen; der Speichenting
od. -rinken, zwei große Ringe auf der Nabe des Wagenrades; — fpeichen,
ziel. 3w., mit Speichen verfehen (ein Rad); fpeichig, Bw., Speichen
habend, bef. in Zfeg. wie: achtſpeichig zc.
Speichel, m., -8, o. M., (altd. diu speihhala, speichilla, speichel; auch
diu speicholtra, speicholter, speichlöte; oberd. der, alt die Spaichel, aud
der Speibel; niederd. Spedel, engl. spittle; von fpeien, f. d.), die natür-
liche Flüffigkeit, welche im Munde entfteht u. zuc Verdauung der Speifen
mitwirkt, gem. Spude, vgl. Geifer; — 3feg. die Speicheldrüfe, Drü-
fen im Innern des Mundes, durch welche der Speichel abgefondert wird; der
Speichelfluſs, ftarker Erguſs des Speichels, bef. fofern er durch Fünftliche
Mittel zur Heilung hervorgebracht wird (fr. Salivation); der Speichelgang,
zarte Röhren, duch welche der Speichel den Speicheldrüſen zugeführt wird;
das Speichelfraut, ein fpeicheltreibendes Kraut, bef. eine Art Rofspofei,
auch Läuſekraut, Mäufepfeffer 2c. (stachys silvatica L.); ferner f. v. w. bie
Speichelwurz, das gemeine Seifenkraut, f. d.; der Speichelleder, gem.
f. niederträchtiger Schmeichler, ehrlofer Kriecher, der gleichfam eines Andern
Speichel aufledt; der Speichelreiz, Reiz der Speicheldrüfen zu vermehrter
SpeihelsAbfonderung; fpeichelreizend od. -treibend, Bw., die Speichel-
Abfonderung befördernd: das Speichelthierchen, ſ. v. w. der Schaummurm,
ſ. d. — Ableit. fpeicheln, zienof. Zw. m. Haben, oberd. f. Speichel
\ -auswerfen od. fließen laſſen.
ſppeichen, 3w., Speichenbein, -ring, f. unter Speiche.
Speicher, m., -8, M. mw. E., (altd. spihhäri, spthiri, spichaere; nie:
derd. Spiker, holl. spyker; vom mittl. Tat. spicarium von spica, Ahre), ein
"Gebäude zur Aufbewahrung des ausgedrofchenen Getreides, Kornboden,
Kornhaus, Scheuer; in weiterer Bed. auch. ein Vorrathshaus für andere
Waaren (Waarenfpeiher, Magazin); niederd. auch f. Bauernhaus;
Lufthaus auf einem Meierhofe; — der Speicherdieb, niederd. f. Sperling;
der Speicherherr, Auffeher über die Öffentlichen Kornhäufer in manchen
Städten; das Speicherwiefel, das gemeine Wiefel; — fpeihern, ziel.
Zw. auf od. in den Speicher bringen, bef. in den zgef. auf> u. einfpeichern.
Speidel od. Speitel, m., -3, M. w. E., (vgl. Speil, Speiler), oberd.
1) f. Splitter, Span, Spreifel; 2) (auch Speigen f. Zwidel, Keil,
keilförmiges Stück Leinwand, Brod ꝛc.; ſpeideln, ziel. Zw., oberd. f.
fpeie — Speit 975
in Spreißel fpalten; mit Spreißeln befeftigen, (daher: auf-, auß>,
—— mit Spreißeln auf⸗, ausſpannen, verkeilen).
ſpeie, Bw., niederd. f. fpöttifch; fpröde; fpeien 1. 3m., vlt. f. ver
fpotten; **— ber Speivogel, das Speiwort ıc., ſ. unter ſpäh.
ſpeien 2. (ehem. ſpeyen geſchr.), ziel. u. zielloſ. Zw., ablaut. Impf.
ſpie (einſilb.), Conj. ſpiee (zweifilb.); Mw. geſpieen od. zgez. geſpien,
(goth. speivan; althochd. spiwan, spian, Prät. spei u. spe, Pl. spiwun, Part.
gispiwan; mittelh. spiwen, spien, Prät. spei, sp&, Pl. spiwen, Part. gespiwen;
oberd. fpeiben, fpib u. fpeibet, gefpieben; niederd. ſpijen; angelſ. spivan,
engl. spew od. spue; isländ. spya, ſchwed. spy; lat. spuere; vgl. ſpucken,
fügen; die Wurzel spi, spu ahmt den Laut nach; vgl. d. griech. zrrucır,
wurrew), etwas durch den Mund auswerfen (4. B. Blut —), insbef.
den Speichel auswerfen, bef. wenn es mit Heftigkeit geſchieht, anftändiger:
fpuden, (auf die Erde —, einem ins Gefiht —); gem. auch f. fich erbre-
hen, fich übergeben, in welcher Bed. es landfch. auch rückz. gebraucht wird:
fich fpeien; uneig. mit Heftigkeit von fich geben, auswerfen, ausftoßen
(dev Veſuv fpeiet Feuer, vgl. feuerfpeiend; Hundert Feuerfchlünde fpieen
Tod u. Verderben; er fpie Feuer und Flammen, d. i. er brach in heftigen
Zorn aus); — Zfeg. das Speibeden, der Speinapf, = Faften ꝛc., ein
Gefäß, in welches man den Speichel auswirft; das Speifteber, ein mit
vielem Speichel-Auswurf verbundenes Fieber ; die Speifliege, Schmeißfliege;
das Speigat od. Speiloch, Schiffb. vieredige Löcher in den Seiten des
Schiffes, durch welche das Waſſer abläuft; das Speifraut, Kreuzkraut;
Laub des Stinkbaumes, welches Erbrechen erregt; die Speiröhre, an Dach—
rinnen die Röhre, welche das Waſſer abführt; die Speifchlange, f. v. w.
Spritzſchlange; der Speitäubling, öfte. f. giftiger Blätterihwamm; der
Speiteufel, angefeuchtetes u. zu einem Kegel geformtes Pulver, das man an-
zündet, Sprühteufel;z auch f. Speitäubling; u. bair. (Speibteufel) f. Ver—
leumder, Ohrenbläfer; der Speiwurm, Schaumwurm, Speichelthierchen;
die Speimurzel, ein Gewächs vom Geſchlecht der Spedlilie, deffen Wurzel
Erbrechen erregt; — Ableit. die Spei od. Spete, alt und landſch. f. der
Speichel (niederd. Spije); das Erbrechen; der Speier, -$, wer fpeitz
Naturk. eine Art füdamerikan. Eidechfen, welche gereizt einen fcharfen Gei-
fer von fich fprigen; die Speierei, gem. u. verächtl. f. das Speien; das
Ausgefpieene; fpeierlich, Bw., landſch. gem. f. Weiz sum Speien od. Er-
brechen empfindend (es mir feierlich).
Speierling, m., -e3, M. -e, (landich. auch Speirling, Spierling;
vgl. Sperbaum, Sperberbaum) Lande. 1) f. Eifebeere, Arlesbeere; 2) die
Frucht des Sperberbaums, auch Sporapfel, =beere, =birne, Sorbapfel ıc.
genannt; daher der Speierlings- od. Speierbaum f. Eifebeerbaum; Sper-
berbaum (mittelh. spirboum; lat. sorbus);
Speigel, m.,-8, M. w. E., ſchwäb. f. v. m. Speidel: Zwickel, Keil,
Eeitfdrmiges Stie (daher Jerfpergekn f. verfeilen).
Speif, m., -e8, M.-e, oberd. f. Spieke (f. d.), Lavendel; in weis
terer Bed. f. verfchtedene wohlriechende Alpengewächfe, als: rother Speik
(valeriana celtica L.), weißer Speif, weißer od. Berg: Wermuth; gelber
Speik (primula minima), blauer Speik, eine moosartige Pflanze (aretia
alpina), Wiefenfpeit (mardus stricta),
976 Speil — Speife
Speil, m. —es, M. -e, (niederb. Spile; entweder 3985. aus Spei⸗
dei, od. wahrſch. von der Wurzel spal, spilan; f. fpalten, fpilfen, Spill,
Iandfch. f. ein dünnes, zugefpistes Holz, Spreifel, Splint; der Spei-
ler, -8, M. w. E., dergleichen Hölzer od. Stäbe, etwas daran aufzu—
fpießen oder damit auseinander zu fperren, z. B. Zleifch, Würfte u.
dgl. bei Zleifchern u. in den Küchen; fpeilen, fpeilern, ziel. Zw. (niederd.
Tpilen), etwas mit Speilen od. Speilern verfehen, aus einander ſper—
ren od. ausfpannen (z. B. ein geſchlachtetes Kalb fpeilern; einen Bienenftod
Ipeilen, d. i. dünne Stäbe Ereuzweife darin anbringen).
Speir od. Speier, m., oberd. f. die Spier= od. Mauerſchwalbe;
Uferfchwalbe.
Speife, w., M.-n, (im Attd. felten: spisa, spise, oberd. die Speis;
im Niederd. nicht volfsüblich; ſchwed. spis, dän. spise; wahrſch. entlehnt von
dem lat. species, welches im Mittelalter fehr vieldeutig angewendet wurde,
daher das ital. spezie, franz. Epices, vgl. Spezerei; urfpr. alfo: ein aus ver-
ſchiedenen Beftandtheilen zubereitetes Gemifch; n. A. von dem mittl. Yat. spensa
aus dem lat. expensa, Aufwand, jo dafs die Urbed. Koft, Beköftigung wäre?)
1) nad) den Regeln der Kochkunft zubereitete Nahrung für Menfchen,
ſinnv. Effen, Gericht (die Speifen auftragen; Fleiſch- Mehlipeifen, warme,
kalte Speifen 2c.); in engerer Bed. landſch. f. eine Mehlfpeife, ein Gericht
von Mehl, Milch, Eiern 2c.; in weiterer Bed. alle Nahrungsmittel, welche
der Menfch ifft, bei. als Stoffnamen in der Einh. (4. B. Speife und Trank
zu fi nehmen; Brod ift die gefundefte Speife); bisw. auch von der Nah-
rung der Thiere, finnv. Fraß, allgemeiner als Futter, (bibl. die Ameife
fammelt ihre Speife im Sommer; der Menfch wird eine Speife der Würmer);
oberd. in beftimmterer Bed. f. Koft, Beköftigung, Speifung (4. B. um
die Speis arbeiten, d. i. nicht um Lohn); der zur Verköftigung der Far
milie 2c. erforderliche Vorrath; auch f. Vorrathskammer, Speiſekam—
mer; 2) eine gemifchte Maffe, bei. fofern fie als Material od. Werkftoff
dient, inöbef. Maur. f. Mörtel (f. d.); das Metallgemifh, aus welchem
Gloden gegoffen werden: Glodenfpeife (f. d.); Glaf. die Kolbenfpeife
(f. d.); Bergw. verfchiedene vermifchte Bergarten u. metallifche Erzeug—
niffe, als: durchſchwefelter Nickel; mit Schwefel u. Arſenik vermifchter Kobalt
(j. d.); nicht genug ausgefchmelzter Wismuth; ein Metallgemifh aus Nidel,
Kobalt u, Eifen 2c.; Hüttenw. ein mweißgrauer, ſchwerer metallifcher Ku:
chen, der fich bei der Bleiarbeit von Eobaltifchen Erzen über dem Werke
fest; — fpeifen, ziel. 3w., (Impf. fpeifete, abge. ſpeiſſte, Mw. gefpeifet, ge:
fpeif't, oberd. auch: gefpifen; mittelhochd. spisen, nur in der Bed. 1); ſchwed.
“spisa) 1) einen —, ihm Speife reichen, ihn mit Lebensmitteln ver-
forgen (einen Hungrigen, die Armen ze. —; ein Gaftwirth fpeifet feine Gäfte;
Bott fpeifet die Vögel unter dem Himmel 2c.); oberd. in engerer Bed. einem
das heilige Abendmahl reichen (einen Kranken —); in weiterer Bed. einen
od. etwas mit Vorrath verfehen, unterhalten (4. B. uneig. einen mit leeren
Hoffnungen fpeifen, d. i. hinhalten; einen Fifchteich fpeifen, d. i. ihn mit klei—
nen, fhlechten Fiichen verfehen zur Nahrung für die größeren; Müll. die Mühl-
fteine —, d. i. Getreide auffchütten); oberd. auh etwas —, f. verab-
veichen, austheilen (in welcher Bed. es allerdings von dem mittl. lat. spen-
sare, dispensare zu ftammen fcheint, vgl. ſpenden; 3. B. grobes Brod für das
Speitäubling — Spektakel 977
Gefinde fpeifen; an Döfen wird Wein, Bier, Brod ꝛc. an Perfonen als Theil
ihres Gehaltes ausgefpeifet, u. dgl.m.; daher oberd. ſpeiſend, auch jpei-
fen, fpeifig, als Bw. f. fchlecht, gering, wie es dem Gefinde verabreicht
wird, z. B. fpeifendes Brod, f. ſchwarzes Hausbrod); 2) etwas —, ale
Speife zu fich nehmen, genießen, vornehmer u. gewählter, als effen, (mas
wollen Sie fpeifen? Fleiſch, Fiſche ze. fpeifen); bef. ohne Zielw. f. Speifen
zu fi) nehmen, eine formliche Mahlzeit halten (wir werden bald fpeifen;
zu Mittag, zu Abend fpeifen; bei Jemand fpeifen); — 3fes. von fpeifen u.
Speife: die Speifeanftalt, das Speifehaus ꝛc., ein öffentliches Haus, wo
man für Geld fpeilen kann; das Speiſe- od. Speisbier, das Speisbrod,
der Speiskäſe, oberd. f. geringes, ſchlechtes Bier, Brod zc. (f. o. ſpeiſend);
die Speifeeichel, die efsbare Frucht einer Art Eichen in Griechenland; der
Speife- od. Speisfifch, jeder eſsbare Fiſch; insbefondere die Eleineren Fiſche,
mit welchen die Fifchteiche gefpeifet werden (f. o. fpeifen); der Speifegaft,
Tiſchgaſt; fpeifegelb, Bw., röthlich- blafsgelb (wahrſcheinlich von der Farbe
der Glodenfpeife); das Speifegeräth, Zifchgeräty; der Speishahn, in
Waſſerkünſten der Hahn, mittelft deffen man das Wafler in den Kaften zur
Speifung des Drudwerkes einlaufen läſſt; die Speifefammer, aud das
Speifegewölbe, oberd. der Speisgaden, ein Gemach zur Aufbewahrung
der Speifevorräthe; der Speifeforb, ein Korb mit darein paffenden Schüſſeln,
das Effen aus einem Speifehaufe zu holen; das Speisfraut, landic. f-
Flache: od. Leinkraut; der Speifefümmel, zu den Speifen gebrauchter gemei-
- ner Kümmel; der Speifemeifter, vlt. f. Küchenmeiſter; das Speifeopfer,
bibk. f. ein unblutiges Opfer aus efsbaren Stoffen des Gewächsreiches; die
Speiferöhre, ein häutiger Kanal im menſchl. u. thier. Körper, der ſich als
Fortfegung des Schlundes bis in den Magen erſtreckt; die Speiferuhr, eine
Art der Ruhr, wobei die Speifen faft ganz unverdaut wieder abgehen (fr. Lien—
terie); der Speifefaal, das Speifezinimer, Saal 2c., in welchem man fpeifet,
Eſsſaal ꝛc.; der Speifefaft, f. v. w. Nahrungsfaft, f. d.; der Speifefchranf,
Schrank zur Aufbewahrung von Speifen, landſch. auch das Speifefpind; der
Speifevogel, jeder efebare Vogel; die Speifewaare, Eismwaare; der Speife-
od. Speifenwärmer, ein Geräth mit glühenden Kohlen, über welchem man
Speiſen wärmt; der Speife- od. Speiswein, geringer, ſchlechter Wein (vgl.
0. Speifebier); oberd. auch f. Abendmahlswein; der Speifewirth, die Spei—
fewirthinn, wer ein Speifehaus hält (fr. Traiteur); der Speifezuder, gro-
ber Hut: od. Rohzuder, Kochzuder; — Ableit. ſpeiſig, Bw., 1) (von
Speife) Bergw. Beftandtheile zur Speife enthaltend (fpeifige Erze, d. i.
fehr kobaltiſche, oder Eiefige); auch f. Eörnig im Bruche (z. B. grobipeifiger
Bleiglanz, der auf dem Bruche große Würfel zeigt); 2) (von fpeifen) oberd.
f. v. w. fpeifend (f. o. unter fpeifen); der Speifer, —s, 1) wer Andere
fpeifet; alt (spisaere) u. oberd. f. Wirthfchafter, Ausgeber; 2) wer fpeifet,
d. i. Speifen zu fih nimmt, Effer; die Speifung, das Speifen, nur in der
Bed. 1) (4. B. die Speifung der Armen, eines Fiſchteiches zc.).
Speitäubling ıc. — Speiwurzel, f. unter fpeien.
"Spektakel, f., gem. m., -8, M. iv. E., (von dem lat. spectaculum, franz.
spectacle), eig. ein Schaufpiel, Anblick, def. feltfamer, widriger Anblick;
gern. f. Lärm, Getöfe, Unfug, (Spektakel machen); daher ſpektakeln, ziel-
loſ. 3w., gem. f. lärmen, toben.
Heyſe's Dandwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 62
978 ipellen — fpenden
fpellen 1., ziel. Zw., (mittelh. spellen, spalte; von der Wurzel spal; vgl.
fpalten, ſpillen 2c.) alt und landſch. f. fpalten (Holy; —), trennen, unterfcheiden ;
daher ſpellig, Bw., landſch. f. fpaltig, Eliebig (entg. unfp eilig, ſchweiz. auch
f. unwillig, ftarrköpfig).
jpellen 2., ziel. 3w., (goth. spillon, mittelh. spellen, spellete; engl. spell,
buchſtabiren, leſen, befprechen, zaubern; franz. peler, buchftabiren; von glei⸗
chem Stamme mit fpellen 1., alfo urfpr. Laute trennen, gegliedert reden; vgl.
Iprechen), völlig vlt. f. erzählen, fprechen, plaudern; die Spelle, M. -n,
1) landſch. f. Silbe; 2) (mittel. daz spel, ©. spelles; daher bi-spel, Bei-
fpiel, |. d., altd. got-spel, angel. god-spell, engl. gespel, d. i. Gottes Wort,
Evangelium, ꝛc.; engl. spell, Zauberfpruch, Mährchen 2c.) vit. f. Nede, Sage,
Fabel, Geplauder. . a
Spelte, w., M. -n, auch der Spelter, - 8, (göth. spilda, Tafel; mittelh.
spelte; vgl. fpalten), alt u. oberd. f. Spaltftüd, Scheit, Schindel, Split
ter; bef. dünne gefpaltene Zaunfteden (3Baunfpelten); daher: der
Speltenzaun, 3. U. v. Lattenzaun 2c.
Spelz od. Spelt, m., -e8, 0.M. (altd. spelza, spelzo, spelze; niederd. u.
engl. spelt; franz. epeautre;z — wahrfch. von fpalten, wegen der doppelten
tiefen Spalten der Ähren), eine Meizenart, fı v. w. Dinkel, oberd. aud) Fe—
fen u. Kern genannt; daher der Spelz- od. Speltader, -brei, -kuchen,
das Spelz- od. Speltbrod, ⸗mehl 2c.; ſpelzen od. fpelten, Bw., von
Spelz, aus Spelzmehl gebaden.
Spelze, w., M.-n, (alt. spelta, spelza, spelze) , eig. etwas Gefpalte>
nes od. durch Spalten Entftandenes, insbef. die durch das Drefchen gefpal-
tenen Öetreidehülfen; auch f. die Grannen od. Spigen der Ähren; Pflanz.
die Blättchen, welche den Balg, d. i. den Kelch der Gräfer bilden; fpel-
zig, Bw., Spelzen, d. i. Theile der Getreidehülfen und Grannen, enthaltend;
der Spelzerich, - e8, ein Gefchlecht von Pflanzen, deren Blumenbette mit
Spelzen befegt ift (chrysogonum L.).
Spende, w. zc., ſ. unter fpenden. er
Spendel, w., M. - n, (entweder entft, aus Spengel von Spange, f.d.,
oder wahrfch. aus d. lat. spina, spinula; daher altd. spenala, spenila, landſch.
auh: Spenel, Spennel, Spelle, öſtr. Spen- Nadel), niederd. f.
Stednadel; pendeln od. fpeneln, ziel. 3w., landſch. f. mit Stecknadeln
befeftigen. - |
fpenden, ziel. Zw., (altd, spentön, spenden; oberd. ſpenten; angelſ. spen-
dan, engl. spend ; ſchon im Altd. entlcehnt von d. lat. expendere, dispendere,
ital. spendere, franz. depenser), landfch. überh. ausgeben, austheilen, (4. B.
die Ausgeberin fpendet die: Buthaten zu den Speilen u. dgl.; das Abendmahl
ſpenden od. ausſpenden); insbef. als edler Ausdruck f. freigebig u. reichlich
aus⸗ od. mittheilen, geben, ſchenken (Almofen, Gefchente 20.5 gem. auch mit
fremdartiger Endung: fpendiren;, nieberd. fpenderen); die Spende, M.-n,
(aitd. spenta, spende, oberd. Spend), das Spenden, die freigebige Austheiz
lung od. Schenkung, u. das Gefpendete, Ausgetheilte (eine reiche, fromme
Spende; Almofen-, Brobfpende 2c.5 bei neueren Dichtern auch, f. ein Trank⸗
opfer, fr. Libation, dem griech. o70rdn nachgebildet, obwohl arerdeır mit un-
feem fpenden nichts gemein hat); das Spendebier, =brod, -fleifh, der
Spendewein ıc., den Armen ausgetheiltes Bier ze; der Spendeherr, Iand-
0...
fpenen — Sperling 979
ſchaftl f. Almoſenpfl eger; die Spendeſoole, in Halle zum Beſten der Armen
verſottene Soole; — der. Spender, -8, die Spenderinn, wer ſpendet,
freigebig mittheilt; die Spendung, das Spenden, die Austheilung; ſpend—
ſam, ſpendſelig, Bw., Neuw. f. gern ſpendend, freigebig, (gem. mit fremder
Endung ſpendabel).
fpenen, 3w., ſ. ſpänen.
Spengel, w., Spengler, m., ſ. Spängel ꝛc. unter Spange.
fpengen, ziel, 3w., (mittelh. spengen, spancte; vgl. Spange), vlt. 1) f.
zufammenziehen, einengen, beflemmen; zuchtigen, Eafteien; 2) mit Span-
gen verfehen, befchlagen, verzieren; fpeng, ſpengel, Bw., oberd. f. Enapp,
d. i. fchwer zu haben, theuer (das Geld ift fpeng, u. dgl.); daher die Spen-
gigfeit (4. B. Holz-Spengigkeit); der Spengler, Ihwäb. f. Schläfrigkeit
(welche die. Augen drüdt u. fchließt).
fpenfern, 3w., niederd. 1) ziellos f. herumlaufen u. hüpfen; zu Pferde
jagen; 2) ziel. wegjagen, vertreiben, fprengen.
Spenling, m., -e8, M. -e, (altd. spenilinc), oberd. f. Spilling, gelbe
Pflaume.
Spennadel, Spennel, w., f. Spenbel.
Spenzer, m., -8, M. w. €, (eig. Spencer, engl, spencer, nach bem
Bomen feines Erfinders), eine Überwefte, ein Eurzes Überkleid ohne Schöße.
Sperbaum od. Sperberbaum, m., audy die Sperbe, M.-n, (von dem
oberd. ſper, ſpär, ſpör (ſ. d.) f. a rauh, herbe; od. aus dem lat.
sorbus verderbt ?), ein zum Geſchlecht der Eberefche od. Vogelbeere gehörender
Baum im fühl. Europa, zahmer: Vogelbeerbaum (sorbus domestica L.),
defien eföbare Beeren Oper: od. Sperberbeeren, aud Sperbirnen, Spor-
birnen, Speierlinge ꝛc. heißen; eine Abart davon mit rundlichen, apfelähnli-
hen Früchten heißt: Sperapfel, auch Spor:, Spier= od. Sorbapfel.
Sperber, m., -8, M.w. E., (oberd. auch : Sparber, altd. sparwari, sparwaere,
sperwaere, ital. sparviere, franz. Eparvier; von Spar (f. d.), sparwe, d. i.
Sperling, alfo: der Sperlingsfänger, engl. sparrow-hawk), ein zum Falken—
geſchlechte gehörender Raubvogel von der Größe einer Elſter, der auf Kleines
Geflügel ftößt, auch Finken- Lerchen- Schwalbenfalf, Lerchen-, Zaubenz,
ftößer 2c. genannt; die Sperbereule, Falkeneule; fperbern, ziel. 3w., fpren=
£eln, gew. nur. im Mw. gefperbert,d. i, gefprenkelt, wie die Federn des
Sperbers.
Sperberfraut od. Sperbenfraut, f., (wahrſch. von. gleichem Stamme
mit Sper⸗ od. Sperberbaum) , eine Wiefenpflanze von zufammenziehender,
blutftillender Kraft, auch Wieſenknopf (sanguisorba officinalis L.); kleines
Sperberfraut f. Pimpinelle.
Sperg, m., -e8, od. der Spergel, -8, f. v. w. Spark, f. d.
— od. Softgelbanm, m., landich. f. Faulbaum.
Sperk, m., -en; M. -en, (altd. Beni sperc; vgl. Spar) oberd. f.
Sperling.
Sperl, f-, - 3, M. -e, (von sper, Speer, f. d., od. aus Spenel (f. unter
Spendel) entft.?), ‚oberd. f. Stedinadel; Tannen- od. Fichtennabel.
Sperling, m., -e3, M. -e, (Berkleinerungsform von Spar, f. d.), ein
bekannter, fehr gemeiner Vogel mit-Eegelförmigem „-Ipigigem Schnabel und
grau u. ſchwarz geſprenkeltem Gefieder, Hauss, Kornfperling ꝛc., oberd.
62*
980 | fperren ;
Spaß, Sperk, niederd. Lüningz daher: das Sperlingdei, -neft; bie
Sperling5ammer, eine Art Ammern mit grauem Oberleibe, roftfarben und
ſchwarz gefledt; der Sperlingsflügel, uneig. eine Art Traubenfarn; das
Sperlingsfraut, Gauchheil, Vogel- od. Zeifigtraut; die Sperlingstaube,
kleinſte Zurteltaube in Südamerika, das Steintäubchen; die Sperlingmurz,
eine Gattung meift ausländifcher Strauchgewächfe, Vogelkopf, (passerina L.) ;
die Sperlingszunge, |. Spasenzunge.
fperren, ziel. 3w. (altd. sparian, sparran, sperran, sperren, HPrät. sparte,
Part. gespart; oberd. auch fpären, fpärren ; niederd. fperen u. fparren; isländ.
sperra; ſchwed. spärra; angelf. sparran; engl. spar; — von spar, Sparen,
Sparren (f. d.), alfo urſprünglich: durch einen Querbalken verfchließen; ob.
unmittelbar von der Wurzel spar, bohren, eindringen (f. Speer), alfo: duch
Eindringen, fließen, od. öffnen?), 1) mittelft ‚eines Riegels u. dgl. ver-
ſchließen, überh. verfchließen, den Ein- od. Durchgang hindern (eine Thür,
die Thore einer Stadt —; eine Straße mit Ketten—, einen Fluß, Hafen 2e..—);
überh. die freie Bewegung hindern, ſinnv. hemmen, einfchränfen (ein
Rad —; den Dandel—; ein geiperrtes Handwerk, d. i. welches auf einen Ort
eingefhränft ift); oberd. auch f. gerichtlich in Befchlag nehmen; 2) mit
Gewalt durch ein Hindernifs aus einander halten, überh. weit öffnen, von
einander entfernen, aus einander rüden (die Beine von einander—; das
Maul—, gew. auffperren;z die Wörter fperren, gefperrt fegen, d. i. die
Buchſtaben derfelben im Druck weiter aus einander rüden); ſiſch —, uneig. f.
ſich heftig widerfeßen, weigern; — fperr, Bw., oberd. f. gedrang, klamm,
£napp, bedrängt, kümmerlich (fperre Zeiten 2c.); — 3feg. der Sperr-
baum, Schlagbaum; das Sperrgeld, Geld, welches für den Einlafs in ein
bereits gefperrtes, d. i. geichloffenes, Thor entrichtet wird; die Sperrglode,
Glode, mit welcher die Thorſperre angekündigt wird; der Sperrhafen, ein
Haken, etwas dumit zu fperren, z. B. an einer Hemmkette, an Fenftern ꝛc.;
bei Metallarbeitern ein Ambof3 mit zwei Hafen od. Erummen Armen, die Bleche
darauf zu richten, auh: das Sperrhorn, der Hornambofs; das Sperrholz,
Fleifh. ein Holz zum Auseinanderfperren der Hinterbeine eines geſchlachteten
Kindes; der Sperrkegel, ein kegelförmiger Theil zum Sperren eines Rades
in Räderwerken, z. B. Uhren; die Sperrkette, eine Kette zur Verſperrung
des Eingunges, 3. B. die Hafenkette; das Sperrmaß, Bergw. ein Heiner
Maßſtab zur Beftimmung der Länge der Zimmerhölger in den Gruben; das
Sperrrad, ein Rad mit Sperrzähnen, in welche der Sperrkegel eingreift,
in Uhren :c.; die Sperrruthe, der Sperrftod, -ftab, Web. ein dünner Stab,
mittelft deffen das Gewebe auf dem Stuhle in die Breite ausgedehnt erhalten
wird, auch Spannftab, = holz; das Sperrthor, Stadtthor, welches zu be
ftimmter Zeit gefperrt wird; fperrweit, Nw. u. Bw., fo weit fi ein Ding
aufiperren läfft, fehr weit geöffnet (die Thür fperrweit aufmachen; gem. aud)
fperr-angelweit, vgl. Angel); die Sperrzeif, Zeit der Thoriperre; das
Sperrzeug, das Geräth der Schloffer zum Öffnen der Thürſchlöſſer in Er—
mangelung des Schlüſſels; — Ableit. die Sperre, M.-n, 1) bie Hands
fung des Sperrens, Sperrung, Verſchließung, Hemmung, u. dag Ge
fperrt= od. Gehemmtfein (Thor⸗, Handels:, Getreideiperre 2e.; f. auch Maul
fperre) ; oberd. f. gericht. Befhlagnahme od. Einziehung (fr. Arreft); niederd.
f. das Sträuben od. Gefträubrfein (die Haare fiehen mir zu Sperre od.
ee
fpeuzgen — Spiegel 931
Sparre, f. v. 1. zu Berge); 2) ein Werkzeug zum Sperren, in 3feg. wie:
die Radfperre; der Sperrer, -8, wer etwas fperrt, z. B. Ihorfperrer; bie
Sperrung, das Sperren; fperrig, Bw., (niederd. fparrig), aus einan-
der gefperrt, ſträubig, ſtarr; der Sperrling, - es, M. -e, oberd. f. Knebel;
— fperzen, ziellof. u. rückz. 3w. (auch ſpirzen; vgl. das niederd. fparteln),
oberd. u. ſchweiz. Verſtärkungsform von fperren: ſich firäuben, anſtemmen,
ungeftüm zappeln, fich widerfegen, weigern; ſich —, auch f. fich fpreigen,
groß thun.
Ipengen, 3mw., oberd. und ſchweiz. f. fpeien, fpuden.
pezerei, w., gew. in der M. Spezereien, (von dem ital. spezieria, franz.
Epicerie, mittl. lat. espiciae; von dem lat. species, Arten, Sorten, insbef. von
vermifchten Kräutern in der Apothekerfpr.), Gewürzwaaren, bef. wohlrie:
chende; daher der Spezereihandel, - händler, =laden ıc., Gewürghandel zc.;
der Spezereiftrauch, ein rofenartiges Strauchgewächs in Karolina, aud:
Gewürzftraud). 3
Spiauter, m., -8, 0. M., (niederd. Spialter, holl.speauter, engl. spelter,
pewter; mittl. lat. pestrum, peutreum), Bergw. f. Zink; auch ein Metall
gemifch von Zinn und Meffing.
ſpick, Bw., (ſchwed. spicka, räuchern; vgl. baden, pöfeln), niederd. f. ges
räuchert, fo dafs es roh gegeflen werden kann, bef. in den Zſetz. der Spidaal,
die Spickgans, der Spickhäring, Bückling.
Spickel, m., -8, M. w. E., oberd. f. etwas Zugeſpitztes, ein Keil, keil—
förmiges Stud (3. B. Leinwand, Kuchen, Lund zc.).
ſpicken 1., ziel. 3w., (hol. spekken; von Sped), mit Spedftüden be-
fteden od. durchziehen (einen Braten, einen Hafen 2c.); uneig. f. reichlich
mit etwas verfehen (den Beutel —, mit Geld füllen; die Wälle mit Kano—
nen—, befegen); einen —, gem. f. beftechen; oberd. auch f. die Unwahrheit
fagen, auffchneiden (er fpidt gern); der Spickbraten, gefpidter Braten; das
Spidfraut, od. die Spickwurzel (wahrfch. von anderem Stamm), der rö-
mifche od. Garten-Baldrian; die Spicknadel, Nadel zum Spiden, am einen
Ende fpis, am andern hohl u. offen; der Spidfped, Sped zum Spiden; —
die Spide, gem. M. Spiden, ſchmale Spedftreifen zum Spiden; ber
Spider, -8, wer fpidt.
fpiden 2. od. ſpickeln, oberd. Zw., f. v. w. fpaden, f. d.
fpiden 3., ziellof. 3w., (Verftärtungsform von fpehen, fpähen; vgl. das
lat. specio, in-spicio), oberd. f. heimlich fehen, blicken (ins: Buh— ; einem
etwas abfpicden f. heimlich abfehen); auch f. heimlich angeben, verrathen,
verklagen (ſhweiz. verfpiden).
Spiegel, m., -$, M. w. E., Verkt. das Spiegelchen, (altd. spiegal, spie-
‚ gel; niederd. Speigel, Speiel, Spegel; ſchwed. spegel; von dem lat. specu-
lam), 1) ehem. überh. ein Werkzeug zum Sehen od. Betrachten (daher
Augenfpiegelf. Brille, Fernſpiegel f. Fernglas); jest in engerer Bed.
ein unducchfichtiger Körper mit einer glatten Oberfläche, welche die Kicht-
ſtrahlen fo zurüdwirft, dafs dadurch Bilder der davor befindlichen Gegen-
ftände entftehen, von Metal (Metallfpiegel), cd. gew. eine gefchliffene
Glastafel, auf der Rückfeite mit einem Überzug von Zinn u. Quedfilber belegt,
(in den Spiegel fehen; ſich im Spiegel befehen; vor dem Spiegel ftehen 2c.);
uneig. was unferer geiftigen Anfhauung ein Bild, eine Vorftellung von
+
982 Spiegel
etwas giebt (z. B. die Welt ift ein Spiegel der göttlichen Weisheit) insbef.
eine treue, anfchauliche Schilderung eis Mittel zur Selbfterkenntnifs (einem
einen Spiegel vorhalten; ein Frauen-, Lebens-, Sündenipiegel u. dgl.), auch
ein Vorbild, Mufter des Verhaltens (z. B. ein Zugendfpiegel, ein Spiegel
der Geduld, Glaubensfpiegel 2e.); daher ehem. auch f. eine Sammlung von
Rechtsgewohnheiten u. Gefesen (vgl. Sachſen- u. SchwabenfpiegeN);
2) in weiterer Bed. jede glänzende od. auch nur glatte Fläche, ohne den
Begriff des Zurücwerfens der Lichtftrahlen, z. B. der Wafferfpiegel; glänzende
Flächen mancher Erzarten u. ſolche Erze felbft (4. B. EifenipiegeN); glän-
zende Flede an Thieren (f. Spiegelente, -karpfen,-ſchimmeh; der
glatte Aufgufs od. Gufs einer Torte; Tiſchl. die eingefaflte ebene Fläche einer
Thür, Wand, Dede zc., f. v. w. Feld; der Spiegel eines Schiffes,
das glatte Hintertheil desfelben, auch f. das ganze Hinterſchiff; Jäg. der weiße
Fleck am Hintern des Rehwildes, bisw. auch überh. f. der Hintere; die vier-
eigen Öffnungen der Jagd- und Fifhernege; — Zfes. das Spiegelbeden,
ein flaches Becken als Aushängefchild der Bartſcherer; das Spiegelbild,
durch einen Spiegel erzeugtes Bild; die Spiegelbirn, eine Art großer, glän-
zender Kochbirnen; fpiegelblanf, -glatt, =heil, -Elar, -rein ıt., Bw.,
blank, glatt ꝛc. wie ein Spiegel; daher: die Spiegelglätte, Spiegelhelle;
die Spiegelblume, eine Art des Hahnenfußes mit glänzenden Blättern (ra-
nunculus acris L.); fpiegelbraun, Bw., braun, wie ein Glasipiegel zu fein
ſcheint, zwiſchen ſchwarz⸗ und Eupferbraunz die Spiegeldede, eine Zimmer:
decke mit einer ebenen Fläche in der Mitte, z. U. v. Felderdecke; auch eine
Zimmerdecke mit Glasfpiegeln; die Spiegeldrufe, eine Drufe mit glängenden
Flächen od. vieredigen Kryftallen; das Spiegel-Ei, gem. M. Spiegefeier,
Küch. in zerlaffene Butter gefchlagene Eier, welche Eleine glatte Kuchen bilden,
daher aub: Spiegelkuchen; das Spiegeleifen, Eifenglimmer in großen
Blättern; die Spiegel-Ente, Hausente; Eleine Kriechente; das Spiegelerz,
Eifenerz mit glänzenden Flächen; fpiegelfechten, untrb. ziellof. 3w., gew. nur
als Hw.: das Spiegelfechten, auch die Spiegelfechteret, eig. das Fechten
vor dem Spiegel mit feinem eigenen Bilde, alfo zum Schein 0d. Scherz; überh.
was zum Schein, aus Verftellung, zur Täufchung geſchieht; der Spiegelfech—
ter, wer etwas zum Schein od. verftellter Weife thut; das Spiegelfenfter,
ein Zenfter aus Spiegelglas, d. i. gefchliffenen Glasfcheiben, wie fie zu Spie-
-geln gebraucht werden; das Spiegelfernrohr (fr. Spiegel-Teleſkop), ein
Fernrohr mit einem Hohlipiegel ftatt des Gegenftandöglafes; der Spiegelftfch,
ein Fiſch mit großen glänzenden Schuppen, z. B. der Meerſchmied od. Peters-
fiſch; das Spiegelgarn od. -Neb, Jäg. eine Art Garne mit großen vier-
eckigen Mafchen; das Spiegelgewölbe, ein Gewölbe mit einer ebenen Fläche
in der Mitte; der Spiegelhafen, Hafen zum Aufhängen eines Spiegels; das
Spiegelharz, landſch. f. Geigenharz, weil es auf dem Bruche glänzt; auch ein
Gemifch aus weißem Harz und Terpentin zu Feuerwerken; die Spiegelhütte,
Glashütte, in welcher Spiegel verfertigt werden; der Spiegelfarpfen, eine
Art Karpfen mit großen, glänzenden Schuppen; der Spiegelfies, gelblicher,
fpiegelartiger Kies; der Spiegelfobalt, Kobalt mit glängender Oberfläche;
die Spiegelfunft, 6. Spiegellehre, der Theil der Lichtlehre, welcher von den
zurückgeworfenen Lichtftrahlen handelt (fr. Katoptrik), die Spiegellampe,
«feuchte, der Spiegelleuchter, Lampe ze. mit einem Spiegel, welcher das
|
Ze
Spieke — Spiele 983
Licht verſtärkt zurückwirft (fer Reverbere); der Spiegelmacher, wer Spie—
gel verfertigt; das Spiegelmaß, Jäg. das Maß, nach welchem die Maſchen
in den Netzen gemacht werden (f. o. Spiegel); die Spiegelmeiſe, Brand- ob.
Kohtmeife; der Spiegelrahmen, ſ. Rahmen; der Spiegeltappe, ein Rappe,
deffen Haare apfelrunde glänzende Flecken bilden, Apfelrappe; der Opiegel-
voche, eine Art Rochen mit fpiegelnden Flecken; die Spiegelfcheibe, Fenſter⸗
fcheibe von Spiegelglas; das Spiegelfchiff, ein Schiff mit einem Spiegel,
d. i. platten Hintertheile; der Spiegelfchimmel, ein Schimmel, deffen weiße
Grundhaare mit Schwarzen fo vermifcht find, dafs fie gleihfam fpiegeln; der
Spiegelfpath od. =ftein, glänzender Spath, Gipsfpath (fr. Selenit); der
Spiegeltaffet, Taffet mit Eleinen glänzenden Zeichnungen oder Flecken;
der Spiegeltifch, ein mit einem Spiegel verfehener Putztiſch; der Spiegel-
träger, Naturk, eine Familie von Nachtfaltern mit großen fpiegelnden Flügeln ;
die Spiegelwand, eine mit Spiegeln bekleidete Wand; das Spiegelzeug,
Zäg. Nege mit weiten Maſchen; das Spiegelzimmer, ein Zimmer mit Spies
gelwänden, jo au: der Spiegelfaal, die Spiegelftube; — Ableit.
fpiegelicht, Bw., fpiegelähnlich ; fpiegelig, Bw., Spiegel enthaltend oder
bildend (z. B. fpiegelige Erze, d. i. die glänzende Oberflächen haben; fpiege-
Yige Nege, mit vierediigen Öffnungen); — fpiegeln, 3w., 1) ziellos m. h a⸗
ben, vermöge feiner glatten Oberfläche die Lichtftrahlen merklich zurüd-
werfen (eine-fpiegelnde Fläche, Fluth 2c.; es fpiegelt alles in diefem Hauſe);
2) ziel. u. rückz. etwas —, das Bild eines Gegenftandes fpiegelnd dar—
ftellen, abfpiegeln (dev Bach fpiegelt die Ufer); fih—, in einer Spiegel-
fläche fein Bild darftellen (die Ufer Ipiegeln fi im Bache; der Mond ſpie—
gelt fich im See); fein Bild im Spiegel betrachten, fich im Spiegel fehen
(fie fpiegelt ſich beftändig); uneig. fich an einer Sache od. Perfon —, d.i.
fie fih zum Vorbild, zum Mufter, zur Warnung dienen laſſen; bei den
Zuderbädern: eine Torte —, mit einem Spiegel, d. i. mit einem glänzen-
den Guffe verfehen; der Spiegeler od. Spiegler, wer od. was fpiegelt;
ehem. uneig. wer etwas zum Schein thüt od. erheuchelt, ein Prahler ze.; die
Spiegelung, das Spiegeln, Abfpiegeln.
Spiefe od. Spike, w. 0. M., auch Spiefenarde, (oberd. auch Speik,
alt spich; vom lat. spica, Ähre, spica nardi, Narden-Ähre, wegen ihrer ähren-
förmigen Blumenfpigen), |. v. w. Lavendel, f. dez römiſche od. wälſche
Spieke, bie celtifche Narde (f. d.); das Spieköl,-waſſer zc., f. v. w. La-
vendelöl, = wafler.
Spiefer od. Spifer, m., -3, M: m. E., (holt, spiker, engl. spike, ſchwed.
spik; Grundbed. Spise, ‚vgl. das lat. spica, engl. spike, Ähre), niederd. f.
Nagel, insbef. eine Art Eleiner Nägel; im Deichbau: große Balkennägel,
Spitzbolzen; Schiffb. vieredige eiferne Nägel mit plattem Kopfe von 5 bis
30 Zoll Länge; der Spieferbohrer, Schiffb. Bohrer zum Vorbohren der
Spiekerlöcher; das Spiekereifen, ein Eifen, mit weldjem beim Kalfatern das
Werg bei den Spiekern eingefchlagen wird; — fpiefern od. fpifern, ziel.
3w. (engl. spike), mit Spiefern befeftigen, nageln.
Spiel, fay 1; ſ. unter fpielen; — 2; verderbt aus Spel (j. ünter fpel-
Yen 2.), Rede, Erzählung, nur noch in: Beifpiel, Widerfpiel.
Spiele od. Spile, wi, M. - n, niederd, f. Speil, Speiler, f. d.5 daher
fpielen 1. od. fpilen, 31, f. fpeilen, fpeilern:
984 fpielen
fpielen 2., ziellof. u. ziel. Zw., (altd. spildn, spiln, Prät. spilte; oberb.
fpilen, niederd. fpelen; angelf. spilian, ſchwed. spela; — Urbed. fcheint: ſich
lebhaft bewegen, fpringen, bef. vor Freude, daher ehem. gegen Jemand fpilen,
f. ihm entgegenhüpfen), 1) ziellos: fich leicht und frei beiwegen (. B. die
Seber in einer Uhr fpielt; die Maften fpielen od. Haben Spiel, wenn
fie fi in ihren Fifchen hin und her bewegen; das Schiff fpielt vor Anker,
d. i. ſchwankt hin u. her; die Fahne fpielen laſſen, u. dgl. m.; vgl. Spiel,
Spielraum); auch von heftigen Bewegungen (4. B. eine Mine fpielen laſſen,
d. i. ſpringen laffen; die Kanonen fpielen laffen); von glänzenden Körpern:
beweglich glänzen, bligen, funfeln, ſchillern (ehem. fpielende Augen; der
Diamant fpielt ſchön; fpielende Farben; die Farbe fpielt ins Gelbe, d. i. ſchil—
lert gelblich od. geht ins Gelbe über); ziel. etwas —, d. i. e8 fchnell, leicht
u. bef. unvermerft fortbewegen od. wohin bringen, in Redensarten, wie:
einem etwas in die Hand—, aus der Hand —, in die Tafche, aus der Taſche —
(ogl. Zafhhenfpieler); eine Sache ins Weite—, f. in die Länge ziehen;
2) ziellos u. ziel. ettvas zur Beluftigung od. Ergötzung, zum Beitvertreibe
thun, Kurzweil od. Scherz treiben, entg. der ernften Beſchäftigung, finnv.
fich vergnügen, ergötzen, ſcherzen, tändeln zc. (das Kind fpielt mit der Puppe;
mit den Fingern, mit dem Hunde od. der Kage fpielen; mit Semand fpielen,
d. i. Eofen, ſchäkern; auch ziel. die Knaben fpielen Soldaten, Krieg u. dal.;
uneig. der Wind fpielt mit den Loden, mit dem Kleide ꝛc. des Mädchens);
uneig. mit einer Sache oder Perfon —, d. i. fie zum Gegenftande des
Scherzes machen, feinen Scherz mit ihr treiben, fie mit launenhafter
Willkür behandeln (mit Worten fpielen; mit einem Eide darf man nicht fpie- i
len; das Glück fpielt mit manchen Menfchen wunderlich; vgl. mitfpielen);
in engerer Bed. a) gewiſſe, geregelte Unterhaltungsmittel (Spiele), gew.
mit Hinfiht auf einen zu erlangenden Gewinn, zum Zeitvertreibe üben (4.8.
Ball, Kegel, Dame, Schach, Karten fpielen; im Brette fpielen, d. i. ein Brett-
fpiel; um Geld, um Pfänder fpielen, auch bloß: Pfänder fpielen; gern pie
Yen), insbef. von Karten- u. Glüdsfpielen (hoch, niedrig, ehrlich, falſch Ipie- |
len; in der Lotterie fpielen 2c.); auch f. im Spiele thätig fein (ich fpiele, d. i.
ich mache ein Spiel, entg. ich paffe, ſ. paffen 2.); b) ein Zonmwerkzeug in
Thätigkeit fegen, Muſik machen, ein Tonſtück vortragen, ziellos, 3. B. auf
— der Geige, auf dem Klaviere 2..—, od. ziel. die Geige, die Flöte —; einen
Tanz, ein Lied zc.—, (die Flötenuhr fpieltz gut, ſchlecht fpielen 2c.); auch f.
fpielen können, Fertigkeit im Zonfpiel befigen (z. 8. er fpielt die Geige;
fie fpielt ein wenig das Klavier); c) menfchliche Handlungen auf der Schau:
bühne darftellen, finnv. aufführen, vorftellen (ein Luſt- od. Trauerſpiel fpie-
len; was wird heute gefpielt? eine Rolle in einem Stüde fpielen, 3. B. den
Liebhaber, den Helden ꝛc. —; feine Rolle gut od. fchlecht fpielen; auch ziellos:
gut, ſchlecht ꝛc. —; heute wird nicht gefpielt, d.i. ift kein Schaufpiel; das Stüd
fpielt auf dem Lande, im 17ten Sahrhundert, d. i. die Handlung des Stückes
geht vor auf dem Lande ꝛc.); daher uneig. f. ausführen, begehen, anfliften
(3. B. einen Betrug fpielen; einem einen Streid, einen Poffen—), u. f. vor⸗
ftellen, ſich als etwas darftellen, geberden, benehmen (z. B. den Heren, ben
Zerftreuten, den Kreigeift— ; fie fpielt die Empfindfame ꝛc.); — das Spiel,
- 8, M. - 2, Verkl. das Spielen, (alt: u. oberd. spil, niederd. Spill), im
Allgemeinen ſowohl das Spielen, als der Gegenftand desfelben, dasjenige,
fpielen 985
was od. womit man fpielt; insbef. 1) freie, ungehinderte Bewegung u.
der Raum dazu (z. B. das Spiel der Pumpe, d. i. die Bewegung des Pum—
penfchuhes; das Spiel der Feder od. des Schmwengels einer Uhr zc.; die Ma-
ften haben Spiel, ſ. o. fpielen 1); vgl. auch Farbenfpiel); auch das fid)
Bewegende, das bewegliche Ding, 3. B. Jäg. der Schwanz der Eifter;
die Feberlappen, u. die zufammengebundenen Feberfittige bei der Falkenjagd
(das Federfpiel, ſ. d.; vgl. auh Windſpieh; alt u. landſch. auch f.
Gedränge, Lärm, Volksmenge (das Volksſpiel; daher auch: Kirchſpiel
d. i. eig. die zu einer Kirche gehörende Volksmenge, Gemeinde, ehem. auch:
die Kirchmenge); 2) Beluftigung, Ergögung, Zeitvertreib, Kurzweil (4. B.
Nitter-, Kampf, Kriegs-, Kinder-, Geſellſchaftsſpiel 2c.); in weiterer Anwen:
dung f. Scherz, Spaß, entg. Ernſt (fein Spiel mit Semand od. etwas haben
od. treiben), eine Kleinigkeit, etwas Leichtes, Geringfügiges (das ift ihm
ein Spiel); uneig. f. launenhafte Willfür, Negellofigkeit (das Spiel des
Schickſals, des Zufalls ꝛc.); au der Gegenftand, mit welchem gleichfam
Hefpielt, welcher willkürlich od. launenhaft behandelt wird od. ift (z. B. ein
Spiel der Winde, ein Spiel des Schidjals fein; vgl. Naturfpiel); in en-
gerer Bed. a) ein durch gemwiffe Regeln beftimmtes Unterhaltungsmittel,
meift mit der Ausficht auf Gewinn oder Verluft, und die Befchäftigung mit
einem folchen, das Spielen (ein Spiel machen od. fpielen ; das Spiel ver:
ftehen, gewinnen, verlieren; das Spiel dauerte lange; das Spiel ift aus; das "
Kegel⸗, Brett:, Damen-, Schach-, Würfel-, Karten, Glücksſpiel 2c.); insbeſ. f.
Karten- und Glüdsfpiel (das Spiel lieben, im Spiele glücklich fein; Geld
aufs Spiel fegen, f. feßen; daher uneig. etwas, 3.3. feine Ehre, fein Glüd ıc.
aufs Spiel fegen, d. i. daran wagen, in Gefahr fegenz fo auch: es fteht
eine bedeutende Summe auf dem Spiele, u. uneig. mein Glück, meine Ehre ıc.
fteht auf dem Spiele, d. i. ift in Gefahr, verloren zu werden); uneig. f.
Gefhäft, Handel, Sache von ungewiffem Ausgange (daher: die Hand im
Spiele haben, d. i. bei einer Sache mitwirken; fich in das Spiel mengen ob.
mifchen; einen mit ins Spiel ziehen, u. dgl. m.); ferner die zu einem Spiel
nöthigen, zufammengehörenden Geräthfchaften od. Hülfsmittel (4. 8. ein
Spiel Kegel, Karten 2e.; ein Damen, Schadhjfpiel ꝛc.; ein gutes oder ſchlech—
tes Spiel haben od. befommen, d. i. Karten von tauglicher od. untauglicher
Beichaffenheit zum Gewinnen); uneig. auch das zu einer Handarbeit erforder-
liche Geräth; z. B. die nöthige Zahl von Stridnadeln; b) das Spielen auf
einem Tonwerkzeuge (4. B. fein meifterhaftes Spiel fand allgemeinen Bei-
fall), das Ertönen eines folhen, die Muſik, das Tonſpiel (z. B. das Spiel
der Gloden; mit Elingendem Spiel, ſ. Elingen; das Klavier-, Flötenipiel 2c.);
auch f. das Tonwerkzeug felbft (4. B. ein Glodenfpiel, Saitenfpiel; das Spiel
rühren, d. i. die Trommel); c) die unterhaltende Darftellung menfhlicher
Handlungen auf der Schaubühne, ſowohl fubjectiv: das Spielen des dar-
ftellenden Künftlers (fein Spiel war vortrefflich; das Spiel der Hände, der
Mienen ıc. des Schaufpielers), als objectiv: die ganze dargeftellte Handlung,
das gefpielte Stüd, bef. in den Zſetz. Schau⸗, Trauer-, Luft-, Pof-
fen=, Singfpiel; — 3fe$. von fpielen u. Spiel: die Spielart, 1) die
Art und Weife zu fpielen (3. B. eines Tonkünftlers, Schaufpielers 2c.); 2) Na-
turk. eine Thier= od. Pflanzenart, welche fich durch zufällige Abweichungen von
der gewöhnlichen Art unterfcheidet (fr. Varietät; vgl. Naturfpiel); der Spiel:
986 | folelen
ball; ein Ball zum Cpielen (4. B. im Billard 26.) ; uneig. ein Gegenftand, mit
welchem gleichſam gefpielt, d. i. welcher mit launenhafter Willkür behandelt wird
(4. B. er iſt ein Spielball des Glüdes); das Spielbrekt, Brett zu einem Brett-
fpiele; der Spielbruder, die Spielfchwefter, gem. f. Spielgenoffe; wer gern
fpielt; die Spieldode, Puppe zum Spielen; der Spielgefährte, = genoffe,
-gefell, die Spielgefährtinn ze. ; das Spielgeld, zum Spiele beftimmtes
Geld; landſch. f. Nadelgeld; die Spielgefellfchaft, eine zum Spielen, bef.
zum Kartenfpiel, zufammenkommende Geſellſchaft; der Spielgraf, ehem. an
Höfen, der Auffeher über das Mufit- und Schauſpielweſen; der Spielhahn,
das Spielhuhn, Landfch. f. Birkhahn, Huhn, (wahrſch. wegen der glängend-
ſchwarz fpielenden Schwanzfedern); der Spielhalter, wer ein Spielhaus od.
eine Spielbank hält; der Spielhans, gem. verächtl. f. ein gern fpielender
Menſch; das Spielhaus, ein öffentliches Haus, in welchem man zum Spie-
len zufammentommt; ehem. auch f. Schaufpielhaus; die Spieljacht, eine
zu Luſtfahrten beftimmte- Jacht; fo auch der Spielfahn; die Spielfarte,
f. Karte 1.; die Spielkaffe, Kaffe, welche das Spielgeld enthält; der Spiel-
Fegel, ſ. Kegel 1.5 der Spielfragen, Schiff. ein um den Maft befeftigter
Reif, welcher fi mit dem Mafte hin und her bewegt; der Spielleuchter,
eine Art Eleiner Leuchter auf Spieltifchen; der Spielmann, M. Spielleute,
(altd. spiliman, spilman, M. spilliute) ein gemeiner ZTonfpieler, Muſikant;
ehem. auch f. Gaufler, Seiltänzer, Tafchenfpieler ze. (auch: spilwip, das
Spielweib); die Spielmarke, ſ. Marke; die Spielmufchel, eine Art Ve
nusmufcheln; der Spielnarr, die Spielnärrinn, wer das Spiel bis zur
Rarrheit liebt; die Spielnote, Noten, welche gefpielt werden, z. U. v. Ging-
noten; der Spielort, -platz; der Spielraß, gem. f. ein gern fpielender
Menſch; der Spielraum, der Raum, in welchem ein Körper fpielt, d. i. fich
frei u. ungehindert bewegt (3.8. der Spielraum eines Uhrſchwengels, der Ma—
ften eines Schiffes, der Raum zwifchen der Kugel und Mündung eines Ges
ſchützes); uneig. der Raum od. Umfang der Wirkfamkeit, finnv. Wirkungskreis
(einen Spielraum für feine Ihätigkeit haben); die Spielfache, gew. M.
Spielfachen, Geräth zum Spielen für Kinder, Spielzeug; die Spielfchuld,
im Spiel gemachte Schuld; die Spielftube od. das Spielzimmer; die
Spielftunde, zum Spieten beftimmte Stunde; die Spielfuchtz fpielfüchtig,
Bw.; der Spieltifch, ein Tiſch, zum Spiel, bei. zum Kartenfpiel beftimmt;
die Spieluhr, eine Uhr, welche mittelft eines Pfeifen- od. Glodenwerkes Mu—
ſikſtücke fpielt; der Spielverderber, wer Anderer Spiel od. überh. Vergnü-
gen ftört; die Spielmaare, Spielfahen als Waare; das Spielwerf, ein
‚Ding, mit welchem man fpielt, von weiterer Bed. als Spielfache, auch uneig.:
die Spielwuth, der höchſte Grad der Spielfucht; das Spielzeug, Geräth
zum Spielen für Kinder, fowohl ein einzelnes (ein Spielzeug), ald auch als
Sammelw. f. Spielfahen; — Ableit. von fpielen: dev Spieler, -8, die
Spielerinn, M. -en, überh. wer fpielt, bei. in den zgef. Geigen-, Harfen-
Klavier, Schaufpieler, = fpielerinn, Zafchenipieler, Kartenfpieler ze. ; in engerer
Bed. wer das Spielen der Karten- u. Glüdsfpiele um Geld ald Hauptge-
ſchäft od. Gewerbe treibt; die Spielerei, M. -en, wiederholtes od. ans
haltendes Spielen; verächtl. f. das Spielen, die fpielerfde Beſchäftigung,
Tändelei überh.; auch f. Spielwerk; fpielerifch, Bw., einem Spieler eigen
od. angemeſſen; landſch. auch f. gern fpielend, zum Spielen geneigt (ein
**
Spier — Spieß 987
ſpieleriſcher Menſchz Tein ſpieleriſches Weſen) in diefem Sinne auch: ſpie—
liſch fpielhaftz die Spielung, Schiff. der Spielraum der Maften.
Spier, f., -&8, M. -e, Verkl. das Spierchen, (ſchwed. spira, engl. spire;
val. Speer), landſch. bef. niederd. f. Eleine, zarte Spike, bei. Gras- oder
Kornfpige; uneig. f. ein Weniges, das Geringfte, (ein Spierchen; nicht
ein Spier, d. i. nicht das Mindeſte); — das Spiergras, landſch. f. das
fpisige Riedgras; der Knotenfuchsſchwanz; die Spierpflanze, ein Pflanzen:
gefchlecht, wozu der rothe Steinbrech, der Waldbocdsbart ze. gehören (spiraea
L.); die Spierftaude, eine Art der Spierpflanze in Nordamerika.
Spierapfel, m., Spierbirn, w. od. der Spierling, -e8, M. -e, land-
Thaftt. f. v. w. Speierling, die Frucht des Sperberbaums; der Spier—
lingbaum, f. Sperberbaum.
Spiere 1., w., M. -n, (von gleichem Stamm mit Speer, Spier), Schiff.
Stangen von 25 bis 30 Fuß Länge, welche vorn und hinten am Schiffe
befeftigt werden, um das Anſtoßen der Schiffe beim Anfern zu verhindern;
auch jedes lange, gerade Nundholz, auf Heineren Fahrzeugen zu Maften, auf
größeren zu Raben ze. gebraucht; — Spiere 2., ſ. Spierfchwalbe.
fpierig od. fpirig, Biw., (verw. mit fperren) ſchwäb. f. widerſtrebend, eis
genfinnig, muthrillig.
Spiering od. Spierling 1., m., -e8, M.-e, (von Spier? alfo: der
Heine, ſpitze Fiſch), Landfch. f. Stintz Sardelle; — der Spierling 2., ſ.
Spierapfel.
Spierfchwalbe, w. (landfch. auch: die Spiere, der Speier, Speir,
alt spir; von Spier, wegen der Spigen des Schwanzes? n. X. von [pie
ven, fpir£en f. ſchwirren, zwitfcheen, daher auch: Spirkſchwalbe) landſch.
f. Mauerfchwalbe; auf f. Hausfchwalbe.
Spieß, m., -e8, M. -e, Verkl. das Spiefchen, 1. (altd. spiz, oberd.
Spifs, M. Spiffe, auh Spitz; niederd. Spitt; angeli. spitu, engl. spitz
vgl. fpis) urfpr. überh. ein langer, dünner u. fpigiger Körper; insbef. f.
Ruthe, Gerte, Stab, 3. B. die zugefpisten dünnen Stäbe, an welche die
ichtdochte gereihet werden (Lihtfpieß); Jäg. die erften Stangen des Hir—
ſches ohne Enden, auch die erften Geweihe der jungen Rehböcke, (uneig. noch
mit dem erften Spieße laufen, f. jugendlich unbefonnen handeln); oberd. auch
f. Spreifel, Splitter; Stricknadel; gew. ein hölgernes od. eifernes Werkzeug
in Form einer zugefpigten Stange, etwas daran zur ftedien, insbef. Fleiſch
zum Braten: der Bratſpieß (den Braten an den Spieß ſtecken; ſprichw—
freien, ald ob man am Spieße ſtäke; val. auch Lerchenſpieß; ein Spieß
erden, d. i. fo viel man auf den Lerchenfpieß zu ſtecken pflegt); Buchdr.
der fehlerhafte Abdruck eines Fülftiftes zwoifchen den Buchſtaben; — 2. (altd.
spioz, spiez, oberd. Spieß, niederd. Speet; isländ. spiot, ſchwed. spjut,
spett; — in dem heutigen Hochd. ift diefes Spieß mit dem obigen. Spifs
völlig vernaengt), die ehemal. Hauptwaffe im Kriege, beitehend aus einem
fangen Schafte mit einer ſcharfen Spise, von weiterer Bed. u. weniger
edel, als: Speer, Lanze (vgl. Jagd-, Knebel-, Wurfipieß 2c.); Studentenfpr.
ſcherzh. Spieße f. Geld; — Z3ſetz. von Spieß 1.: der Spießbaum, Berg-
werk. der lange fentrechte Baum am Göpel, um welchen ſich die gange Ma-
f&hine dreht; auch die langen Hölzer am Göpel, welche ihm die Rundung ges
benz die Spießbinfe, Nadelbinſe; der Spießbock, Sag. junger Rehbock
988 Spieß
mit Spießen (f. 0.) ohne Enden; Küch. ein Geftell für den Bratſpieß, Spieß-
träger; der Spießbraten, am Spieße gebratenes Fleiſch; die Spießdrufe,
Kadeldrufe; die Spieß-Ente, eine Art wilder Enten mit rothem Kopfe und
fpisigem Schwange, der Spitzſchwanz; die Spießgerte, oberd. (Spiſs- od.
Spisgerten) f. dünne Gerte od. Ruthe (f. u. Spießruthe); der Spießglanz
od. das Spießglas, ein mit Schwefel vererztes Mineral, gew. ſchwarzgrau u.
von fpießigem (f. d.) od. ftrahlig glängendem Gefüge (fr. Antimonium); daher:
die Spießglasblumen (ſ. Blume); die Spießglasblüthe, ftrahliges Eryftal-
liſches Spießglaserz; die Spießglasbutter, Scheidek. falzfaures Spießglas,
duch Quedfilber zur Feftigkeit der Butter gebracht; das Spießalaserz;
der Spießglasfalf, durch Feuer verkalkter Spießglaskönig; der Spießglas-
könig, das aus dem Spießglaserz gewonnene zinnweiße, fehr fpröde Halbmetall
(gl. König), auch: das Spießgladmetall; die Spießglasleber, Scheidek.
fpießglashaltige Schwefelleber; der Spießglasmohr, Scheidek. ein Gemiſch
aus Quedfilberkalt, Spießglaskalk u. Schwefel, als Arzneimittel (ogl. Mohr 2.);
das Spießglasöl, falzfaures Spießglas in flüffiger Geftalt; der Spießglas-
fchwefel, Schwefel, mit welchem das Spießglas vererzt ift; Scheidek. ein gel-
ber Niederfchlag aus der Auflöfung der Spießglaskönigfchlade, Goldſchwefel
des Spießglafes; der Spießglaswein, in Wein aufgelöfter Spießglaskalk,
Brehwein; der Spießglasweinftein, weinfteinfaures Spießglas, Brechwein⸗
ftein; das Spießglasweiß, weißer Spießglaskalk, ſchweißtreibendes Epiep-
glas; das Spießgras, fpigiges Riedgrad; Schafampfer; das Spießhaar,
feifeö, ſtarres Haar, bef. an Hunden; der Spießhirfch, f. v. w. Spießer,
f. u.; der Spießfuchen, ein am Bratipieß gebadenes Buttergebäd; die
Spießlerche,” Heide: od. Pieplerche; die Spießruthe (oberd. Spifs- od.
Spigrueten; durch Wortüberflufs, da Spifs fchon Gerte od. Ruthe bedeu—
tet, f. o.) eine dünne, fpise Ruthe od. Gerte, insbef. fofern fie ehem. zu einer
harten Beftrafung der Soldaten diente, (durch die Spießruthen —, od. gew.
bloß: Spießruthen laufen, d. i. mit entblößtem Rüden durch die Reihen
der mit Spießruthen hauenden Soldaten gehen; aud; zgef. das Spießru—
thenlaufen, Gaffenlaufen); der Spießtreiber, -dreher, -wender, Bra-
tenwender; der Spießwurm, eine Art Meeraffeln, Schlahtwurm; die
Spießwurzel, ſ. v. w. Pfahlwurzel; der Spießzahn, fpigiger Hundszahn;
— 3fes. von Spieß 2.: der Spießbürger, ehem. ein mit einem Spieße
bewaffneter, zu Fuße dienender Bürger, Bürgerfoldatz; jegt ſpöttiſch f. gerin«
ger Bürger, Eleinftädtifchee Menfch von beſchränkten Anfichten (vgl. Schild:
bürger); daher: die Spießbürgerei; fpießbürgerlich, Bw.; die Spieß-
bürgerlichkeit; das Spießeifen, die ſtählerne Spige des Spiefes, entg. dem
Spießfchaft; fpießfürmig, Bw. (4. B. Pflanz. ein fpießförmiges Blatt);
der Spießgefell, eig. ein mit einem Spieße bewaffneter Kriegsgenoffe; ehem,
überh. f. Kriegs od. Waffengefährte; jegt nur verädhtl. f. Genoffe od. Gehülfe
in einer böfen Sache, Mitfchuldiger; der Spießnagel, eine Art Heiner Nägel,
mit welchen die langen Nebeneifen des Spiefeifens an den Schaft genagelt
werden; — Ableit. fpießen 1., ziel. Zw. (oberd. fpiffen), auf einen
Spieß (1.), d. i. überh. auf einen fpigigen Körper ſtecken, mit einem fol
chen durchftechen (3. B. etwas auf die Gabel—, einen Froſch —; einen Ver—
breher—, f. v. w. pfählen; der Hirſch ſpießt mit feinem Geweih, wenn er
etwas damit durchbohrt); Zäg. vine gefprungene Leine —, f. v. w. [haften
Se
ſpießen — Spille 989
( . d.); der Spießer, -8, M. mw. E. 1) (von Spieß 1.5 oberd. Spiffer,
auch Spifs; altd. spizzo) ein junger Hirfch, welcher zum erften Male auf:
fegt und nur Spieße ohne Enden hat, Spieß- od. Spishirfh; 2) (von
Spieß 2.) ehem. ein mit einem Spieße bewaffneter Soldat; fpießig, Bw.,
(oberd. fpiffig; von Spieß 1.) aus Spießen, d. i. langen, dünnen Kör—
pern beftehend (das Spießglas hat ein ſpießiges Gewebe); oberd. f. dünn u.
lang, mager, dürr (fpiffig ausfehen); auch f. fpröde u. zerbtechlich, hart u,
brüchig (vom Metall u. Leder).
fpießen 2., ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallwort), Zäg. f. pifchten od.
piften, bef. von dem Laute der Hafelhühner.
Spiet, m., -08, 0.M., (hol. spyt, engl. spite, franz. depitz; vgl. fpeien
f. ſpotten), niederd. f. Hohn, Spott, Stichelreden; Verdruſs, Kränkung,
Arger, Neid; fpieten, ziel. Zw. f. verdrießen, ärgern, einem leid fein;
fpiefig, Bw. f. verdrießlich, Erankend, Argerlich; fpietifch (fpietsk), Bw.,
f. fpöttifch, höhniſch.
Spike, w., f. Spieke; — Spifer, m., ıc., fpifern, 3w., f. Spieker ıc.
Spill, f., -e8, M. -e, (vielleiht aus der niederd. Form f. Spiel (f.d)
entftanden, alfo überh. ein bewegliches Ding; od. — Spille? vgl. aud) das
engl. spill, Pflod, Zapfen), Schiff. eine bewegliche Welle, den Anker aufzu-
winden (bad Brat-, Gangipill, große od. Dinter-Spill, kleine Spill ıe.; das
lofe Spill, weldes von einer Stelle zur andern gebracht werden kann);
niederd. au am Spinnrade das Eifen, auf welches die Spule geftedt wird
und um weldes die Flucht läuft; — 3ſetz. der Spillbaum I., Schiffb.
ftarfe Sparten, deren eines Ende in die Gate des Gangſpills geftedt wird,
um dasfelde herumzusrehin; der Spilldreher od. -läufer, auf Häringsbüfen
der Matroje, welder das Reep, woran das Nep befeitigt ift, auf cin Gangfpill
dreht; das Spillgat, Loch in der Welle des Spills, worein die Spillbäume
geftecet werden; die Spillflampe, die Ausfutterung des Spills, "in ftarfen
eichenen Bohiſtücken beftehend; das Spillrund, Schiffb. die Welle des Steuer:
rades; die Spillfpur od. das Spillbett, die Spur (f. d.) des Gangipills.
Spille, w., M. -n, (aus Spindel (f. d.), oderd. Spinnel zgez.; mit-
telh. spinle, spille), Tandfch., bef. niederd. f. die Spindel; überh. ein langer,
twalzenförmiger Körper, eine Walze, Stange, ein Pflod, Zapfen; insbef.
Schiff. die Stangen auf den Maften, von welchen die Flaggen ꝛc. wehen;
Bergw. die eifernen Stangen, an welchen die Kunftftangen befeftigt find; die
Eleine Achſe am Pfluge, woran die Räder laufen; bei den Steinfchneidern :
tegelförmige Zapfen, welche die Scheibe zum Schneiden tragen; Jäg kleine
Pflöcke zur Befeftigung des Wachtelgarns; an Leitermagen der Pflod, welcher
durch die beiden Arme und die Deichfel geht; landſch. auch eine gerade u. ſpitz
in die Höhe ftehende Ähre; — 3feg. der Spillbaum 2., f. v. w. Spindel-
baum; Faultaum; der Spillmage, -n, M. Spillmagen (vgl. Mage 1.),
vlt. f. Verwandte von der Spillfeite, d. i. weiblichen Seite od. Geſchlechts—
linie, (die Spille od. Spindel bezeichnet das weibliche Gefchlecht nach fei-
ner Beſchäftigung; entg. Schwertmage, =feite, f. d. u. vgl. Kunkel); das
Spillenbein, gem. f. ein langes, dünnes Bein, u. ein Menſch mit ſolchen Bei:
nen; der Spillendreher, niederd. f. Drehster; — Ableit. fpillig od. fpil-
lerig, Bw., landſch. f. einer Spille od. Spindel ähnlich, lang u. dünn (ein
Baum wächft fpillig; ein fpilleriger Menſch zc.); fpillen 1., zieltof. 3w.,
990 ſpillen — Spindel
landſch. fain die Höhe ſchießen, fchoffen; das Spilt (landſch. auch Spille),
niederd. f. der Samenſtengel der Kräuter u. Küchengewächſe, beſ. der Rüben,
des Kohls *
ſpillen 2., ziel. Zw. (aus dem altd. spildan, spilden, epilten entft., urſpr.
wohl Nebenform von Spalten, ſ. d. u. vgl. ſpellen 1.3 angelf. spillan, engl.
spill, ſchwed. spilla; franz. gaspiller), oberd. f. fplittern Candſch. auch fpil-
tern); alt u. niederd. f. unnüß vereinzeln, verfchlitten, verthun, verſchwen⸗
den, vergeuden (daher: verfpillen, zerfpillen,Eoftfpielig, aus
koſtſpillig verderbt; altd. spildi, Vergeudung; spilder, Verſchwender ze.) ;
— der Spilling, -e3, M. -e, die. gemeine gelbe od. gelbrothe Pflaume,
HDundspflaume, (weil diefe Frucht eine Spalte hat, daher niederd. Spelt,
Speltje, Spelie; oder. von ihrer länglichen, Tpindelförmigen Geftalt? daher
auch: die Spille, Spindelpflaume); daher: ber Spillingbaum,
Spinat, m., 8,0. M., (niederd. Spinafie, holl. spinazie,- cngl. spinage;
zunächſt von * ital. spinace, wahrſch. von dem lat. spina, ‚Dorn, Spike,
wegen der fpisgezadten Blätter; ſpan. espinaca; frang. pinards), eim be:
kanntes Küchengewächs, als Gemüfe genoſſen, ſpaniſcher Kohl, gem. auch
Spinetſch, Binetjch, genannt; engliſcher Spinat, Gartenampfer;
wilder od. Feld⸗Spinat, der gemeine Gänſerich; — der Spinatſamen,
die Spinatpflanze u. ſ. f—
Spind, m., ſpindig, Bw,, f. Spint.
Spind, f., "8; M.-6, * Spund, ſpunden f. —— niederd⸗ —
beſ. im — f. Schrank, auch: das od. die Spinde, M. -n,(Bü-
- herz, Beiteripind, od. -ſpinde 2e.); 2) ein Getreidemaß, aucht dag Spint,
im Lüneburg. —= 4 Scheffel, in Bremen = 5 Scheffel; Jandſch. auch ein
Seldmaß von 10 Bieefaeisuthun.
Spindel, w., M. -n, Verkl. das Spindelchen, (altd. spinnila, —
spinele, spinle, — oberd. Spinnel; vgl. Spille; ſchwed spindel, engl.
spindle; von ſpinnen), ein Werkzeug zum Spinnen, beſtehend in einem
dünnen, runden, an beiden Enden fpis zulaufenden Hölzchen, auf welches
man den gedreheten Faden widelt, (die Spindel drehen, d. i. fpinnen); uneig.
überh, ein fpindelfürmiger, d. i. langer, runder, meift an einem oder an
beiden ‚Enden zugefpister. Körper, z. B. die Thurmfpige, auf welcher der
Knopf befeftigt iftz die fpigigen Leimruthen der Bogelfteller; die Speiche (1. d.)
des Vorderarms; Pflanz. der ungetheilte Blumenftiel einer Ähre, Traube 26:5
auch. die Mittelrippe dev Blätter; insbeſ. ein walzenförmiger Körper, eine
bewegliche Welle, od. eine Achfe, um welche fich ein anderer Körper in
einer Kreis- od. Schraubenlinie bewegt, z. B. an der Drehbank der ſich
drehende Theil, an welchem der abzudrehende Körper befeftigt wird; der jenk-
rechte Baum am Göpel; die Säule in der Mitte einer Windeltreppe, eines
Schneckenhauſes, um welche fi die Gänge winden; Anat. der ähnliche Theil
in der Schnede des Ohres, u. dgl: m. — ZTes. der Spindelbaum, 1).ein
ald Spindel dienender Baum, eine große, ſtarke Spindel; 2) Namen mehrer
Bäume, aus deren Holz man Spindeln zum. Spinnen macht, gem. Spill-
baum; bef. der ftrauchartig wachfende Baum, deffen vieredige rothe Samen-
kapſeln Pfaffenhütchen heißen, auh Pfaffenbaum (f; d.), Spuk,
Hundsbaum ꝛc, genannt (eyonymus L.); auch f. Bergahorn; Hagebuche, auch:
die Spindelbuche; ſpindelförmig, Bw. ; das Spindelfraut, eine im ſüdl.
‘
Spinling — ſpinnen 991
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Europa wachfende Pflanze, deren zufammengefegte Blumen röhrenförmige
Zwitterblümchen u. einen walzenförmigen Staubbeutel zeigen (atractylis L,);
die Spindelpflaume, Hundspflaume, Spilling (j. d.); die Spindelpreſſe,
mit einer Schraubenfpindel verfehene Prefle; bei. eine Art Weinprefle, wo
eine bloße Spindel auf den untergelegten Sag drüdt; die Spindelfchnede,
Schneden, welche in einen langen fpisigen Schwanz ausgehen, auch bloß
Spindeln genannt; die Spindehwalze, ſpindelförmige Walzenſchnecken;
der. Spindelwirtel, ſ. Wirtel.
Spinling, m., -e3, M. -e, landſch. f. Schwarz⸗ od. Schlehdorn.
Spinn, w., oberd. f. Muttermilch (ſ. ſpänen).
Spinne, m, M..-n, Verkl. das Spinnchen, oberd. Spinnlein, (altd.
spinna, spinne, * die Spinn u. Spinnen, auch: die Spinnerinn; von
fpinnen; engl. spiuner, spider), ein Geſchlecht meift achtfüßiger Inſecten
mit Spinnwarzen am After, aus welchen fie feine Faden zu einem Ger
webe fpinnenz; Arten find: die Erd-, Garten, Haus, Kreuz, Sad, Wufr
ferfpinne 2c.; die langbeinige Spinne, ein fpinnenähnliches Inſect mit
fehr langen Beinen, auch Holzfpinne, Weberknecht ze. genannt; — 3ſetz. der
Spinnenaffe, eine Gattung langbeiniger Meerkatzen; die Spinnendiftel,
eine Art Flockenblume, auch Bitterdiftel; Tpinnefeind, Bw., gem. f. im höch-
ſten Grade feind, todfeind (mie die Spinnen einander find, die fich gegenfeitig
anfallen, wenn fie in ein Gewebe zufammengerathen); der Spinnenfifch,
Fiſche aus der Ordnung der Halsfloffer mit langen Strahlen in den Floſſen,
bef. der Kleine Meerdrache oder fliegende Teufel; das Spinnen od. Spinn-
gewebe, auch Spinnen-, Spinn-, od. Spinnewebe (altd. spinnaweppi,
spinnewebe), das feine Gewebe einer Spinne; uneig, f. etwas fehr Dünnes,
leicht Zerreiß bares, Unhaltbares, Schlechtes; Tpinnweben, Bw., aus Spinn-
webe beftchend 0d. gemacht; uneig. f. fehr dünn u. unhaltvar; der, Spinnen-
kopf, eine Art Stachelſchnecken, auch die Spinne, der Diftelkopf, das Sta-
chelſchwein genannt; der Spinnkopf, Schiff. ein an das Stag befeftigtes
Holz mit Löchern, durch welche die Lienen od. dünnen Taue fahren; das Spin-
nenfraut, die Zaunblume (ſ. d:), bei. das äftige Zaunkraut od. Feldipinnen-
kraut; auch f. Jakobsblume od. Krötenkrautz u. f. Wucherblume; der Spin;
nenfrebs, eine Art langbeiniger Krebſe; das Spinnenneß, das ausgelpannte
Gewebe einer. ‚Spinne; der Spinnenftecher, verichiedene fpinnenähnliche
Verfteinerungen; der Spinnentödter, die Sandwespe.
fpinnen, ziel. u. ziellof. Zw., ablaut. Impf. fpann (landich. gem. fponn),
Conj. fpänne od. fponne; Mw. gefponnen, (goth. u. althochd. spinnan, Prät.
span, &onj. spunni, Part. gispunnan; mittely. spinnen, ‚span, gespungen;
oberd. fpinnen, fpan u. fpunn, gelpunnen; angel. spinnan, engl. spin, isländ.
u. ſchwed. spinna, dän. spinde ; Urbed. der Wurzel span: ziehen; vgl. fpa=
nen, ſpänen, fpannen), einen faferigen Stoff, 3. B. Flache, Wolle, Baum-
wolle, Seide, zu langen Fäden ziehen u. diefe zufammendrehen (an. ber
Spindel, am Roden, am Spinnrade—, grob, klar, fein fpinnen 20.5; ſprichw.
es ift nichts fo fein gefponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen, d. is auch
das Heimlichſte wird zulest offenbar); in. weiterer Bed, auf Ahnliche Weife
drehend od, windend bearbeiten (4. B. Taback—, d. i. die getrodineten Ta-
badsblätter zu, langen Rollen zufammendrehenz: die-Nadler fpinnen, d. i. win⸗
den den Anopfdrath auf eine Spindel; die Gold» u. Silberipinner — den
992 Spint — fpitt
Lahn auf feidene Fäden; Knöpfe fpinnen, d. i. mit Fäden bewinden); uneig.
etwas in ununterbrochener Folge gleichmäßig fortführen, fortfegen (ver-
gnüglihe Tage—); nach) und nad) hervorbringen (vgl. anfpinnen, ent—
fpinnen); landſch. auch: gleich einem Spinnrade ſchnurren (von den Kagen);
— 3fes. die Spinnfliege, fliegende Pferdelaus; das Spinngeräth, Ge-
räth zum Spinnen; der Spinnhafen, ein hölgernes Werkzeug, mittelft deffen
die Landleute ihre Seile fpinnen; aud) ein Hafen von Drath, womit die Spin-
nerinnen den abgeriffenen Faden durch das Spulloch ziehen; das Spinnhaus,
öffentl. Arbeitshaus für arme, od. Strafanftalt für arbeiticheue, Tiederliche
Menfchen, bef. Weiber; die Spinnhütte, im Seidenbau, Eleine Hütten von
Hobelfpänen, worin ſich die Seidenwürmer einfpinnen; die Spinnjungfer,
uneig. f. Wafferjungfer; die Spinnlaus, eine Art Blattläufe auf den Linden-
blättern; die Spinnmafchine, eine Mafchine, mittelft deren viele Wollen-
od. Baummollenfäden zugleich gefponnen werden; die Spinnmühle, ein Rä-
derwerk, mittelft deffen mehre Fäden zugleich mit Lahn befponnen werden; das
Spinnrad, ein Geftell mit sinem Rade zum Spinnen von Flachs, Hanf und
Wolle; die Spinnraupe, Seidenraupe; auch f. Spannraupe, f. d.; der
Spinnroden, j. Roden; die Spinnfchule; die Spinnfeide, eine Art des
Attaserzes od. Erpflallartig angefchoffenen grünen Kupfererzes; die Spinn-
tube, Stube, in welcher geiponnen wird, bef. auf dem Lande das Verfamm-
lungszimmer u. die dur Geſpräch u. Erzählungen ſich unterhaltende Gefell-
ſchaft der Spinnerinnen; daher die Spinnftubenweisheit, ſ. Rodenweisheit;
die Spinnwarze, Warze am After der Spinnen, aus welcher fie den Stoff
zu ihrem Gewebe ziehen: das Spinnwerf, allerlei Vorrat) zum Spinnen;
‚der Spinnwirtel, f. Wirtel; — Ableit. der Spinner, -$, die Spinne:
rinn, M. -en, wer fpinnt, beſ. weffen Hauptgefhäft od. Gewerbe das
Spinnen ift, (fo aud) in 3feg.: Seiden:, Woll:, Gold- u. Silber:, Tabade:
fpinner 2c.); auch ein fpinnendes Thier, 4. B. die Seidenraupe (Spinner),
die Spinne (landfh. Spinnerinn); die Spinnerei, M.-en, das Spinnen,
bei. als Gewerbe, eine Spinnanftalt (4. B. Baumwoll-, Seidenfpinnerei zc.).
Spint od. Spind, m., -e8, 0. M., (altd. spint, G. spindes u. spintes),
ehem. f. Fett, Schmalz, Sped; oberd. f. das Spedige, Wafferftreifige,
nicht gehörig Ausgebadene im Brod ꝛc.; auch f. der Mehlftoff im Korn;
oberd. u. niederd. f. der weichere Theil des Holzes zwifchen der Rinde u. dem
Kern des Baumes, gew. Splint; fpindig od. ſpintig, Bw., oberd. f. zähe,
fehterhaft-fpecfig (vom Brode); uneig. f. fpärlich, nothdürftig, Dürr, mager.
Epint, f., f. Spind.
Spirk, m., -e8, vit. f. das Schwirren od. Zirpen Kleiner Vögel; die,
Spirkfchwalbe, f. Spierfhwalbe.
fpirzen, 3w. 1. rückz. fich —, oberd. f. v. w. fperzen (f. d.), fich fpreis
jenz daher der Spirzer f. Prahler, Windmaher; — 2. (audy fpürzen,
fperzen) vlt. f. fpuden, fpeien.
fpiffig, Bw., oberd. f. fpiefig, f. d.
fpitt, Bw., niederd. f. fo tief man mit dem Spaten fticht; fpitten, 3w-,
f. mit dem Spaten graben, ausftehen; auch die ausgeftochene Erde in den
Karren laden; das Spitt, - e8, M. -e, im Deichbau, ein tief ausgeſtoche—
nes Stüd Erde; der Spittdamm, f. v. w. Speddamm (f. Sped, w.);
der Spitttorf, ſenkrecht geftochener Torf; die Spittung, das Spitten.
Spittel — ſpitz 995
Spittel, f.; -8, M. w. E., (entft. aus Spital, welches verk. ift aus
Hospital, v. dem lat. hospitale, gaftlicy, domus hospitalis, Gafthaus; engl.
spittle), gem, ehem. f. Wirthshaus, Herberge; jegt ein Verpflegungshaus
für Arme oder Kranke, in der gebildeten Sprache: Spital od. Hospital;
daher: die Spittelfirche; der Spittelmeifter, = pfleger 2c.; der Spittler,
-3, (Spitaler), alt u. landſch. f. Bewohner eines Spittele.
ſpitz, Bw., (altd. spizi, spitze; niederd. ſpitz; Wurzel spit, vol. fpitt, Spieß
Spaten), in einen fcharfen Punkt auslaufend, oder ſich doch dahin nei-
gend, finnv. fpißig (f. u.), entg. ftumpf od. abgerundet, (ein fpiges Meffer;
ein fpiger Hut, ein fpiges Kinn 2c.; ein ſpitzer Winkel, der weniger als
90 Srad hat od. Eleiner als ein rechter ift; gem. ſprichw. etwas nicht ſpitz
Eriegen Eönnen, f. damit nicht zu Stande, aufs Reine Eommen, es nicht begrei-
fen können); uneig. f. fein, fcharf, ftechend, verlegend (fpige Reden u. dgl.) ;
der Spiß, -e3, M.-e, Verkl. das Spischen, Spitzlein, (altd. spiz, ©.
spitzes), 1) alt u. oberd. f. die Spige (ſ. u.): auch f. Spieß 1. (f. d.); u.
f. eine Weinflafche, welche 2 Maß hält (verkl. das Spitze l); daher viel-
leicht gem. f. Anfang der Betrunfenheit, leichter Rauſch (einen Spitz ha-
ben, fich einen Spig trinken); 2) eine Art Eleiner Hunde mit fhlichten zotti—
gen Paaren u. einer langen fpigen Schneuze, auch Spishund, oberd. der
Spigel, Pommer genannt; — 3fes. von fpig: der Spikahorn, eine
Art des Ahorns mit fpigen Blättern, fpigiger Ahorn; der Spikambofs, ſ. v.
w. Hornambofs; der Spikapfel, eine Art länglich walzen- od. Eegelförmiger
Äpfel; der Spikarbeiter, Seiler, welche nur Eurze Seile ze. von beftimmter,
vorgeichriebener Länge machen, z. U. v. Stüdarbeiter; der Spitzbart, ein
fpis auslaufender Eleiner Bart mitten auf dem Kinne, und eine Perfon mit fol-
chem Barte; die Spibblattern od. -pocken, eine Art fpiger Blattern, z. U.
v. Fliegblattern; der Spisbohrer, ein fpis zulaufender Schraubenbohrer;
Tiſchl. auch der Pfriemen zum Ziehen der Striche beim Vorzeichnen; der
Spisbrand, eine Art des Brandes am Weizen; der Spitzbube, weibl. die
Spisbübinn, (nach der gew. Annahme von fpiß f. fein, liſtig; wahrſch. aus
Spiefbube verderbt, alfo eigentlich Benennung der Landsknechte, welche
in Sriedenszeiten von Räuberei lebtenz vgl. Spießgefell, u. d. oberd. Spitz—
knecht f. prahlhafter Soldat, Spigreiter f. bewaffneter Vortreter bei Hoch⸗
zeiten), ein Liftiger, verfchlagener Betrüger, fchlauer Dieb, Benteljchneider, finnv.
Schelm, Schurke; gem. fcherzh. ald Schmeichelwort (du Eleiner Spigbubel);
ſpitzbübiſch, Bw., nad Art eines Spigbuben, ſchlau betrügerifch, diebifch;
das Spißeifen od. der Spikmeißel, ein dreiediger ſpitziger Meißel der Stein-
u. Bildhauer; die Spik-Ente, eine Art Enten mit langem fpigem Schwanze,
auch Pfriemente, Pfeilſchwanz, Spitzſchwanz; der Spikfarn, eine Art Punkt
farn (f. d.); die Spißfeile, eine Art Zeilen, womit man andere Körper ſpitz
feitt; fpißfindig, Bw., (eig. r. fpisfündig von Fund, Fünde f. Aniffe,
Ränke; chem. auch das Hw. Spisfünde f. liſtige Ränke), zu feinen Rän-
Een, Kunftgriffen ze. geſchickt, und darin gegründet (ein fpisfindiger Kopf, eine
Tpisfindige Antwort); im Übermaß fcharffinnig, allzu Eünftlich od. gefuchtz die
Spisfindigfeit, das Spisfindigfein einer Perfon od. Sache; auch etwas
‚ Spisfindiges, 3. Bein fpigfindiger Sag, Ausfpruch 2c. (M. Spigfindigkeiten) ;
die Spigfloffe od. der Spisfloffer, Fiſche mit fpigen Floſſen, auch: Stachel
floffer; die Spisflöte, eine mehr als gewöhnlich zugefpigte Orgetpfeife von
Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 63
994 | ſpitz
hellem Ton; das Spitzglas, eine Art Weingläſer, welche nach dem Boden
zu fpig auslaufen; das Spitzgras, eine grasartige Pflanze mit eirunden Üh-
ven (uniola L.); auch f. das Quedenaras; der Spißgrofchen, ehem. eine
Art meißnifher Grofhen von 15 bis 18 Pfennigen; die Spishade od.
-haue, fpige Hade zum Aufhauen harten Erdreihs; der Spikhafer, eine
Art leichten Hafers, welcher außer den Grannen noch zwei lange röthliche
Spisen hat; der Spikhammer, Schmied. ein Hammer mit einer fpigigen
Pinne: die Spibharfe, eine Art Eleiner fpis zulaufender Harfen mit meffinge-
nen Saiten; der Spishirfch, f. v. w. Spieger; das Spikhorn, Naturk,
die Poſaunenſchnecke; auch eine Art Schnirkelfchneden cd. Pofthörner; der
Spitzhund, f. o. Spitz; der Spißklee, eine Art niedrigen Klee's, weißer Berg-
klee; auch f. die Spibflette, ein Elettenähnliches Gewächs, Kleine od. Igel-
Elette, Klebekraut 2c. (xanthium strumarium L.); der Spitzkopf, ein ſpitz zu⸗
laufender Kopf, und ein Menſch od. Thier mit ſpitzem Kopfe, z. B. die Ham—
ſtermaus; der Seegründel; eine Art Heuſchrecken ꝛc.; uneig gem. f. ein ſpitz—
findiger, ſchlauer Menſch; die Spitzlerche, landſch. f. Grasmücke; das Spib-
maul, ein ſpitzes Maul; ein Thier mit ſpitzem Maule, insbeſ. eine Art Rochen,
auch: die Spignafe; u. eine Art Aale im mittelländ. Meere; die Spitzmaus,
(altd. spizimüs, spizmüs, auch bloß spizzo, spizza, spiz), eine Gattung Kleiner
maufeähnficher Säugethiere mit fpigem Rüffel; die Spigmorchel, eine Art
Morchel (f. d.) mit fpigem Hute u. nadtem Stiele; die Spitzmünze, eine
Art der Münze (1.) mit langen, fpigen Blättern; die Spitzmuſchel, Bohr:
mufchel, Steinbohrer; die Spißnadel, der Nadelfiih; der Spisnamen,
(entweder von ſpitz f. ftechend, Eränfend; oder vielleicht aus Spietnamen
verderbt? vgl. Spiet), gem. f. Spottnamen, Eräntender od. nedender Beina—
men; die Spißnafe, eine fpige Nafe, u. ein Menſch od. Thier mit einer fol-
hen; die Spignufs, Waffernufs, ſchwimmende Stachelnuſs; der Spikpin-
fel, ein feiner Malerpinfel; die Spitzpumpe, landſch. f. der Nachtreiher,
Nachtrabe; die Spitzrede, fpöttifche, anzügliche Rede (vgl. Spignamen); die
Spisruthe, ſ. Spießruthe; die Spitzſäule, eine fpis auslaufende Säule,
insbef. f. die fr. Obelist u. Pyramide; die Spißfchnede, eine Art Eleiner
Schnecken in Waffermoofen am Uferz der Spitzſchwanz, ein fpiger Schwanz,
u. ein Thier mit einem folchen, insbef. die Spig-Ente; der Riemfifh; das
Spisfpann, landſch. f. ein Gefpann von 3 Pferden, deren eines vor die bei-
den andern gefpannt iftz daher der Spikfpänner, wer mit einem ſolchen Ge-
fpann fährt; der Spitzſtahl, ein zugefpigter Drehftahl; der Spikwed od.
= weden, oberd. ein Brod von fpiger Form (vgl. Wed); der Spitzwegerich,
eine Art des Wegerichs (ſ. d.) mit ſchmalen fpigen Blättern; die Spigweide,
Korbweide; fpikwinfelig od. = winklig, Bw., einen fpigen Winkel od. fpige
Mintel habend od. bildend: das Spigwort, empfindliches, beleidigendes Wort;
der Spiszahn, ein fpiger Zahn, bef. der fleifchfreffenden Thiere u. der Mens
Then, Hundszahn; — Ableit. von fpig: die Spike, M. -n, Verkl. das
Spischen, (alt u. oberd. gew. der Spig,f. o.) 1) der fpige Theil, das in
einen fcharfen Punkt auslaufende od. doch einem folchen fich nähernde Ende
eines Körpers (z. B. die Spige einer Nadel, eines Meffers, eines Degens 2C,
daher uneig.: einem die Spige bieten, d. i. ſich ihm widerſetzen, ihm Wi⸗
derftand leiſten; die Spige der Nafe, der Finger etc.; fih auf die Spigen ber
Füße ftellen; etwas auf die Spitze ſtellen, d. i. eig. auf einen ſpitzen
fpleißen 995
Theil, wo es unficher fteht, daher uneig. f. etwas in große Gefahr ſetzen); ins-
def. der oberfte verhältnifsmäßig ſpitze Theil, der Gipfel (die Spise eines
Thurmes, Baumes, Berges; die Spige einer Tabackspfeife, d. i. das Mund-
ftüc); auch der vorderfte Theil od. Platz (fich an die Spike des Heeres ftel-
len, wahrfch. urfpr. von einer keilförmig zugeipisten Schlachtordnung); daher
uneig. f. die erfte Stelle, der höchfte Rang (an der Spitze des Staates, der
Geſchäfte zc. ftchen, d. i. der oberfte Vorfteher u. Leiter derjelben fein); ferner
etwas Feingedachtes u. =» Ausgedrüdtes, Scharffinniges, treffend Migi-
ges (die Spitze des Gedankens 2c.; dem Einfall fehlt die Spitze; fr. Pointe);
auch etwas Stechendes, Beißendes, Kränkendes (einem Spigen geben oder
fagen); 2) ein am Rande in Spigen od. Zaden auslaufendes, fehr zar-
tes geklöppeltes Gewirk vom feinften Zwirn, zum Pug dienend, auch Kan—
ten, f. d. (Spigen Elöppeln; ein Kleid mit Spigen befegen; Brabanter Spi—
gen 20.); daher die Zfeg. der Spikenärmel, die Spikenhaube, das
Spibenhemd, -Eleid, der Spikenfragen, - mantel, = rod, = fchleier, das
Spikentuch u. dgl. m., Urmel, Haube, Hemd, Kleid, Kragen zc. mit Spitzen
beſetzt od. aus Spigen beftehend; der Spikenbefaß, die Spikeneinfaflung,
Befag 2. von Spigen; das Spikengarn, feines Garn zu Spigen; ber
Spigenhandel od. -Fram; der Spikenhändler, -Främer; der Spißen-
Elöppel, der Spikenflöppter, die Spigenklöpplerinn, f. Klöppel zc.; das
Spisenmufter, ſ. Mufter 1); die Spißenrolle, eine Art Kegelſchnecken, de:
ren Oberfläche wie mit nesförmigem Goldftoff überzogen ift; der Spitzen—
ftich, eine Art zu nähen, womit die Blumen ꝛc. in feiner Näherei ausgefüllt
werden; der Spitzenzwirn, fehr feiner Zwirn zu Spitzen; — fpißig, Bw.,
(altd. spizic, spitzec), einen Spitz od. eine Spige habend, bef. eine fcharfe,
ftehende Spise, alfo von engerer Bed., als ſpitz, (zZ. B. eine fpisige Nabel,
‚Gabel, ein fpigiger Degen, Dolch ꝛc.); in weiterer Bed. auch f. ſpitz (Schna=
bel, Nafe, Kinn u. dgl.; Tpisig ausfehen, oberd. f. mager, dürr); uncig. f.
empfindlich reizend od. kränkend, finnv. ftechend, beißend, auch f. fpottifch,
höhniſch (ſpitzige Worte, eine fpisige Antwort 2c.); die Spitzigkeit, das
Spisigfein, die fpigige Befchaffenheit; — fpiken, ziel. 3w., 1) fpig ma-
chen (3. B. einen Bleiftift, die Feder, die Nadeln ; den Mund fpigen 2c.);
die Ohren —, von Thieren f. in die Höhe richten, um fchärfer zu hören, un—
eig. von Menfchen f. aufmerkfam hören, horchen ; daher oberd. auf etwas—,
f. Tauern, es darauf abfehen; gem. fih auf etwas—, f. fih Hoffnung
darauf machen, e8 mit Verlangen erwarten; 2) oberd. f. ftechen, fpießen ;
3) andſch. u. Handiv. f. der Spigen berauben, z. B. einem die Finger —, f.
abbauen; Hutm. das Haar an den Hafenfellen—, d. i. die Spigen der groben
Haare abſchneiden; Müll. den Weigen—, d. ti. die Spigen von den Kör:
nern abftogen laffen, was mittelft des Spitzbeutels gefchieht, wenn ber
Weizen den Spigbrand hat; daher die Spitzkleie, Kleie von dem bloß
gefpisten Weizenz; — der Spißel, -$, oberd. 1) f. Spitz, Spitzhund; 2)
(son fpisen) f. Aufpaffer, Späher, Angeber; ſpitzeln, ziellof. 3w., oberd.
Oftereier mit den Spigen an einander ftoßen, auch: ſpicken (f.d.); beißende
Reden führen, ſticheln; Eleine Biffen effen, nur Eoften; der Spitzling,
| - 08, M. -e, eine Art Klapperäpfel, Spitzapfel; die gemeine Trespe.
fpleißen, 3w. ablaut. Impf. fplif8, Gonj. fpliffe; Mw. geſpliſſen, (altd.
| splizan, splizen, spleiz, gesplizzen; niederd. fpliten, Impf. fpleet, Part. ſple—
63*
996 - Splint — fpliten
ten; auch fpletten, daher das Splettkorn f. Spelt; ſchwed. splita, engl.
split, holl. splitten, spletten; Stamm split, v. der Wurzel spli, welches nur
Nebenform von spil, spal ift, vgl. fpalten u. fpillen) 1) ziellos m. fein, od.
rückz. f. fi) fpalten, abtrennen, abfafern, berften (das Holz ift gefpliffen
od. hat fich gefpliffen); 2) ziel. f. fpalten, reißen, fchleißen (Dachſpäne,
Reife ꝛc. —; Federn —, f. v. w. fchleißen); Yandfch. Hüttenw. von einer Art
zu ſchmelzen, wodurd das Königskupfer gereinigt wird, fonft: das große Gar—
madjyen, welches in dem Spleißofen, in der Spleifhütte von dem
Spleißmeifter u. den Spleißknechten gefhieht; das Spleißkup—
fer, Garkupfer, welches vom Spleifherde kommt; — die Spleiße, M.-n
(andſch. auch Spließe, Spliffe;z alt. splize, oberd. die Spleißen; nie-
derd. Splete) 1) alt u. niederd. f. Spalte, Nige, Schlig (in diefer Bed. auch:
der Spliſs, niederd. Splett; vgl. das fchwed. split, Zwieſpalt, Streit);
2) gew. etwas Gefpliffenes, ein zerfpaltenes od. durch Spalten entftandenes
Ding, insbe. landſch. f. Dachfpan, geriffene Schindel; Lichtſpan; Faſsb.
Hefpaltene Bandſtöcke zu Reifen; landfh. aud) die vom glühenden Eifen beim
Hämmern abfpringenden Funken; auch f. Splint; fpleißig, Bw., fich leicht
fpleißen od. fpalten laffend.
Splint, m., -es, M. -e, (von dem niederd. fpliten, Nebenform fplin-
ten f. fpleißen, ſ. d.; engl. splint f. fpalten, fplittern u. Splitter; ſchwed.
splinta, hol. splinter), landſch. f. Holzfpan, Splitter; gew. das weichere
(leicht fpleißende) Holz zwifchen der Rinde und dem Kerne des Baumes,
auch Spint, Spund; niederd. ein längliches, gefpaltenes Stüd Eifen zum
Öffnen einer Art Schlöffer, welche Splintenfdlöffer heißen; ferner ein
dünnes gebogenes Eifen, welches durch die ſchmale Öffnung eines Bolgens
0d. Riegels gefteckt wird, damit derfelbe nicht zurückgehen Eönne, auch Spleiße,
Schleiße od. Schließe genannt; daher det Splintbolzen, Schließbolzen;
das Splintgat, Schiff. die Öffnung eines Splintbolgens; — ber Splinter,
-8, landfch. f. Splitter, ſ. d.
fpliffen, ziel. 3w. (Nebenform von ſpleißen), Schiffb. zwei Hölzer mittelft
einer Kluft od. Zunge in einander fugenz; die Enden zweier Taue duch
Ereugweife Verſchlingung der Duchten mit einander vereinigen, auch: ſplitzen;
der Splifshammer, das Splifshorn, ein Hammer, od. ein eiferner Bolzen
mit einer Spise, beim Spliffen der Taue gebraucht; — Tpliffig, Bw., land-
ſchaftl. f. fpleißig, fpaltigz; die Spliffung, das Spliſſen; die Verbindung
zweier in einander gefplifften Taue.
fpliten od. fplitten, 3w., niederd. f. fpleißen (f. d.); inöbef. Federn
fplitten, f. fchleißen; — der Splittapfel, eine Sorte guter Auguft-Apfel,
auch Honig-, Stedapfel 2c., landſch. au: der Splittih, Splitfer; die
Splitterbfe, niederd. f. ausgeläufelte Erbſe; — der Splitter, -8, M. w.
E., Verkl. das Splitterchen, (altd. splitar, spliter; ins Hochd. aufgenommene
urfpr. niederd. Form; vgl. bitter neben beißen), ein abgefpliffenes od. ‚abge:
fprungenes Kleines ſpitziges Stud z. B. von Holz, Knochen, Glas zc. (ſich
einen Splitter in den Finger ſtoßen; bibl. den Splitter im Auge des Nächſten
fehen, und nicht den Balken im eigenen Auge, d. i. den Eleinften Fehler des
Andern, und nicht die größeren eigenen Fehler) ; Tplitterig, Bw., viele Split-
ter gebend, in Splitter zerfpringend; fplittern 1. 3w. 1) giellos mit ha⸗
ben, fich in Splitter trennen, Splitter geben (das Holz fplittert); m. fein,
fplittern — Sporn 997
fplitterig zerbrechen (ein Maft fplittert, ift gefplittert); 2) ziel. zu Split—
tern machen, in Splitter fpalten (Bola—); — 3fes. der Splitterbruch,
ein fplitterigee Knochenbruch; das Splitterholz, Forftw. f. Hauholz, entg.
Hegeholz; fo auch: der Splitterbaum; fplitternadt, Bw., (landfch. fplin=
ternadt; d. i. gleichj. abgefpliffennadt, od. bis auf den legten Splitter
0d. Faſer nadt; vgl. fafel- od. faſennackt), gem. f. völlig nadt; fplitterrich-
ten, untrb. ziellof. Zw. (nach dem bibl. Gleichniffe Matth. 7, 3; f. o.), Elein=
fich und mit lieblofer Strenge richten od. urtheilen; der Splitterrichter, die
Splitterrichterinn, wer fptitterrichtet; der Splitterwurm, ein länglicher
Eingeweidewurm mit einer einzigen Saugmündung.
fplittern 2. zielfof. 3w., niederd. f. ängſtlich fchreien.
Spon, m., -e3, M. Spöne, gem. ober= u. niederd. f. Span 1. u. 2.
Spön, w., M. -en, niederd. f. Kuheuter, Zigen, (j. fpänen); das Spon—
Ealb, f. ein eben entwöhntes Kalb.
Sponde, w., M.-n, (von d. lat. sponda) landſch. f. das Bettgeſtell
(gew. die Bettfponde).
Sponning, w., M. -en, Schiffb. eine Kerbe an beiden Seiten des Kie-
les, in welche die Kanten des Kielganges zu liegen fommen.
fponfeln, ziel. 3w. (vgl. fpannen), landfch. das Vieh —, d. i. ihm die
Füße lofe an einander binden, um das Kortlaufen zu verhindern.
fpönfeln, fpünzeln, oberd., gem. fponfiren, ziellof. 3w. (vom lat. spon-
dere, geloben, sponsus, verlobt 2c.; vgl. Gefpons), mit einer—, liebeln,
buhlen, den Freier fpielen. ;
fpor, Bw., vlt. oberd. f. mürbe, weich, teig; daher vielleicht: der Spor-
apfel, die Sporbirn, f. Spier- od. Sorbapfel; das Spor- Ei, landſch. f.
unfruchtbares Ei, Windei; der Sporkalf, f. Sparkalt; — fporen, ziellof.
3m. (vgl. fparen 2.), oberd. f. fchimmelig fein od. werden, modern (auch:
verfporen); der Spor, oberd. f. Schimmel; fporig, Bw., f. ſchimme—
lig (Brod), verdumpft, erftickt (Wäfche, Holz); das Sporifen- od. Spör—
kenholz, landſch. f. Faulbaum, auch Sporgel- od Spörgelbaum, u. die
Früchte: Sporgelbeeren (vgl. Spergelbaum).
ſpör, gew. fpeer od. fpär gefpr., Bmw. (altd.spori, spore; vgl. fparen 1.),
oberd. f. fehlerhaft=troden, raub, hart, ausgedörrt (Brod, Boden, Grund
20.); wegen Trodenheit unfruchtbar (Wieſe, Sahr 2e.); Armlich, kümmer—
lich, Elamm (4. B. leben; es geht mir fpeer); hager (fpeer ausfchauen); hart,
ſcharf, flihelnd (einen fpeer reden, d. i. ihm hart od. anzüglich anreden);
fpören od. fpeeren, 3m. f. troden werden od. machen; der Speerling
f. magerer Menſch.
Sporader, w., die Sporen, der Sporenftich, f. unter Sporn.
Sporer, m., - 8, M. w. E. (alt spörer, von dem alten Spor f. Sporn,
ſ. d.), ein Handwerker, welcher Spornen, Gebiffe u. anderes metallenes
Pferdegeräth verfertigt.
Spörgel od. Spörk, m., f. v. w. Spergel, Spark, f. d.
Spork od. Spurf, w., o. M. (verw. mit Spor, ſ. d.; vgl. d. lat. spur-
eus), dit. f. Koth; Unreinigkeit (4. B. an den Erzen); auch f. Februar od.
Hornung (f. d.), auch: die Sporkel (Hol. sporkel).
Sporn, m., -e8, M. Sporne (vereinzelnd, z. B. verfchiedene Sporne)
u. Spornen od. alt: Sporen (zufammenfaffend, 3. B. ein Paar Spornen
998 Sportel — Spott
0d. gew. Sporen), Ball. das Spörnchen, (von gleihem Stamme mit
Speer (ſ. d.), Spier, Spur; alt. sporo, G. sporin; mitteld. spor, G. u. M.
sporn, aus welcher Biegungsform der heutige unorganiihe Nom. Sporn,
G. Spornes entft. iſt; oberd. der Sporen, M. die Sporen; niederd. Spaarnz
angelf. spora, engl. spur, isländ. spori, jchwed. sporre; ital. sprone, franz.
eperon), urfpr. überh. ftechende Spitze, Stachel; gew. in engerer Bed. ein
ftählerner Stachel od. ein ſtacheliges Rädchen an einem metallenen Bügel,
an der Ferſe des Weiters befeftigt, um das Pferd damit anzutreiben (die
Spornen od. Sporen anlegen; dem Pferde die Spornen geben); uneig. f. ein
heftiger finnlicher Antrieb, flarker Beweggrund G. B. Ehrgeiz war fein
Sporn ꝛc.; ſprichw. einen Sporn haben, od. einen Sporn zu viel haben, .. v.
w. einen Nagel od. Sparren haben, f. d.); in weiterer Anwendung verfchie-
dene fpornähnliche Spigen, z. B. die fpisigen Auswüchfe kinten an den Fü-
Ben mancher Vögel, z. B. der Hähne u. Lerchen; die ſpitzen After» od. Ober-
Eauen der Schweine zc.; die runde Hornwarze an der Feſſel der Pferde;
Pflanz. eine ſackförmige Verlängerung der Blumentrone (vgl. Ritterfporn,
Spornblumoe); f. auh Eisſporn; bei den Goldplättern: zwei eiferne
Stacheln, welche die blecherne Rolle mit dem zu plättenden Drathe tragen;
landſch. mit eifernen ſpitzigen Eden verfehene Bäume an den-Brüden;z auch f.
Strebepfeiler; — 3feg. die Sporn- od. Sporader, Blutader am Bauche
der Pferde in der Gegend, wo man mit dem Sporne ftiht; der Spornflügel,
eine Gattung ausländifcher Vögel mit fpigigen Spornen an den Flügeln; ber
Spornhai,. eine Art Haifiiche mit Stacheln vor den Rüdenfloffen; dad
Spornleder, der Riemen, mittelft deffen der Sporn über dem Fuße feftge-
Tchnallt wird; auch das über dem Abſatz des Stiefels Hervorftchende Leder,
worauf der Sporn ruht, der Spornhalter od. träger; das Spornrab,
das fachelige Rädchen des Spornes; ſpornſtätig, Bw. von Pferden, ftätig, |
d. i. ftchen bleibend, wenn fie die Spornen fühlen; der Sporn= od. Sporen:
ſtich, f. Kreuz- Enzian; u. f. Kreuzkraut od. güldener Waldmeifter; ſporn—
ſtreichs, ehem. ſporenſtreichs, Nw., im ſchnellſten Laufe, wie ein geſporn⸗
tes Pferd, in größter Eile; — Ableit. ſpornen, ziel. Zw., 1) (mittelh.sporn,
Prät. sporte; oberd. auch [poren) durch Stechen mit dem Sporn antrei⸗
ben (das Pferd); uneig. überh. f. lebhaft anregen, antreiben, vgl. ſtacheln
(der Ehrgeiz Tpornt ihn); 2) mit einem Sporne od. mit Spornen verfe:
hen (den Fuß, ſich — 20.5 geftiefelt und gefpornt fein).
Sportel, w. gew. nur M. die Sporteln, (altd. sportala, sportel; von
d. lat. sportula, d. i. eig. ein Körbchen, insbeſ. mit Eſswaaren zc., die man
Zernand zum Geſchenk macht, dann überh. f. Geſchenk), die Gebühren, welche
die Gerichtsperfonen von den Parteien für ihre Bemühungen erhalten, gericht-
liche Nebengebühren, Schreibgelder 2c.; fporteln, ziellof. Zw. m. haben,
Sporteln geben, einbringen od. abwerfen (Nechtöfälle, die gut fporteln).
Spott, m., - es, 0. M., (altd. spot, G. spottes; isländ. spott, n. u. spotti,
m, f. Kleinigkeit; ſchwed. spott; vgl. das niederd. Spiet, engl. spite; wie es
fcheint, v. angelf. spittan, engl. spit, ſchwed. spotta, fpeien, entfpr. dem oberd.
fpügen; mithin wäre Spott in niederd. Lautform ins Hochd. übergegangen,
u. die Urbed.: das Ausfpeien als Ausdruck des Hohns; vgl. jedoch auch: ſpäh,
fpeie), ehem. f. Scherz, Spaß (daher: ohne Spott f. im Ernſt, aufrihtig) ;
jetzt in engerer Bed. die Uußerung des Vergnügens Über Anderer Fehler
*
Spott 999
od. Schaden, bef. in beißenden od. wigigen Worten, um fi u. Andere zu be-
Iuftigen, verſch. Hohn, welches den Nebenbegriff der folgen Verachtung hat,
(feinen Spott mit Jemand od. mit etwas treiben; fprihw. wer den Schaden
hat, darf für den Spott nicht forgen); auch f. Schande, Schimpf, als Wir-
tung des Spottes (einen in Spott u. Schande bringen; in Spott gerathen 2c.);
ein Gegenftand des Spottes (bibl. ein Spott fein; zu Spott werden 2c.);
gem. auch f. Spottgeld, Spottpreis, f. u. (z. B. etwas um einen Spott Tau:
fen); — fpotten, ziellof. 3w. m. haben, (altd. spottön u. spotten; ſchwed.
spotta), ehem. f. fcherzen, fpaßen (3. B. ich fpotte nicht, es ift mein Ernſt;
damit ift nicht zu ſpotten 2c.): jegt: Semands od. einer Sache (Gen.)—,
au: Uber Jemand od. etwas —, d. i. feinen Spott darüber äußern od.
damit treiben, finnv. einen neden, aufziehen, verhöhnen, fich über ihn od.
eine Sache luſtig machen ꝛc. (z. B. er fpottet meiner; fpotte nicht des Ge-
brechlichen, od. über den Gebrechlichen, über Jemands Unglüd 2c.; chem. auch
ziel. einen—, f. verfpotten, 3. B. bibl. er wird die Spötter fpotten; Gott
läſſt fich nicht fpotten); — 3fe$. v. Spott u. fpotten: das Spottbild oo.
»gebilde, Neum., ſ. v. w. Zerrbild, f. das fr. Garicatur; der Spottbildner,
wer Spottbilder macht, f. das fr. Garicaturift; die Spottdroffel, zwei Drof-
fel-Arten in Jamaika, welche den Laut anderer Vögel nachahmen, die eine auch
Spottvogel genannt; das Spottgedicht, die Spottrede, -fchrift, ein
Gedicht, eine Rede od. Schrift, worin Anderer Thorheiten od. Lafter verfpot-
tet werden, ſinnv. Stachel-, Strafgedicht zc., f. das fr. Satire; das Spott-
gelächter, Spottlachen zc., Spott ausdrüdendes Lachen; das Spottgeld,
der Spottpreis, fehr wenig Geld als Preis für eine Sache, ein fo niedriger
Preis, als ob man damit des Werthes der Sache fpottete (ein Spottgeld für
etwas bieten; etwas um einen Spottpreis Eaufen); daher auch: der Spott-
kauf; das Spottlob, fpottendes, nicht ernft gemeintes Lob, Neuw. f. dus fr.
Ironie; die Spottluft, Neigung zu fpotten; fpottluftig, Bw.; das Spott-
maul, gem. f. Spötter, Spötterinn; die Spottmufif, das Spottftänd-
chen, (fr. Charivari); der Spottnamen, verfpottender Beinamen; die Spott-
ſucht; fpottfüchtig, Bw.; der Spottvers, M. Spottverfe, ſ. Spottgedicht;
der Spottvogel, 1) verfchiedene Vögel, welche den Gefang anderer Vögel
nadhäffen, insbeſ. der rothköpfige Neuntödter; die Grasmücke; die Spottdroffel,
f. dez 2) uneig. f. eine gern fpottende Perfon, vgl. Spaßvogel; Tpottweife,
Nw., aus od. zum Spott; fpottwohlfeil, Bw. gem. f. höchft wohlfeil (vgl.
Spottgeld); das Spottwort 21.5; — Ableit. von Spott: fpöttifch, Bw.,
Spott enthaltend od. ausdrüdend (ſpöttiſche Mienen, Worte 2c.); geneigt
und gefchit zum Spott, gern fpottend (ein fpöttifcher Menſch); fpött-
lich, Bw. (altd. spötlich), alt u. landſch. f. ſcherzhaft, lächerlich; einem
Spott ähnlich, ſpöttiſch; oberd. f. verächtlich, werthlos, ſchlecht; u. f. ver-
adıtend, höhniſch; — von fpotten: der Spötter, -8, die Spötterinn,
M. -en, wer (gern und häufig) fpottet; Naturk. Spötter, eine Art Me-
wen, deren Gefchrei einem Gelächter ähnelt; oberd. auch eine Art Elfter, welche
die Stimme anderer Vögel nachäfft; die Spötterei, wiederholtes od. anhal-
tendes Spotten u. die Neigung dazu, finnv. Gefpöttz auch der geäußerte
Spott, fpottende Worte (M. Spöttereien); Tpötteln, zielloſ. 3w., das verkl.
fpotten: ein wenig od. auf verſteckte Weife fpotten (über Jemand —; oberd.
auch ziel. einen —, f. zum Beten haben, mit Stichelveden quälen); die
1000 Sprache
Spöttelei, M. - en, das Spötteln; fpöttelnde Worte ıc.; der Spöttler,
die Spöttlerinn, mer fpöttelt.
Sprache, w., M.-n, (altd. sprähha, sprächa, spräche; oberd. Sprach;
niederd. Sprake, angelf. spraece, ſchwed. sprak; von fprechen, f. d.), überh.
das Sprechen u. das Öefprochene, insbef. 1) fubjectiv, 0. M., das Ver:
mögen zu fprechen (3. 8. die Sprache verlieren; der Schreck benahm ihr die
Sprache), in weiterer Anwendung auch das Vermögen felbftthätiger Laut—
Erzeugung als Gefühlscusdrud (die Sprache der Thiere); die thätige Anz
wendung des Sprachvermögens, die Handlung des Sprechens, Gedan—
fenäußerung durch Worte, (mit der Sprache nicht heraus wollen, d. i. nicht
iprechen, fi) über etwas nicht Außern wollen; nur heraus mit der Sprade!
eine Sache kommt zur Sprache 2c.); die Art und Weiſe zu fprechen, in Hin-
ficht des Sprachvermögens (4. B. eine fehwere, od. leichte Sprache haben),
der Stimme (eine grobe, feine, ftarke, leiſe Sprache haben), fo wie der Munde
art, der Ausdrucdsweife, Wahl der Worte, Form und Inhalt der Nede
im Sprechen und Schreiben, (z. B. eine ernfte, feierliche, rührende Sprache;
eine einfache, natürliche, Eunftlofe, oder gefuchte, Eünftliche, gezierte Sprache;
die Sprache des gemeinen Lebens, Volksſprache, Sprache der Gebildeten; die
Sprache der Handwerker, Künftler, Jäger, Schiffer 2.5; die Sprache der Lei—
denfchaft, der Liebe, des Zorns ꝛc.; in diefem Buche herrfcht eine ſchöne, Eräf-
tige, bfühende ꝛc. Sprache, d. i. Ausdrudsmweife, Schreibart, Stil); uneig.
auch die Außerung der Gedanken durch fichtbare Zeichen (Geberden-, Mie-
nen>, Fingerſprache 2c.); 2) objectiv, M. Spraden, die Gefammtheit
der Laute und Lautverbindungen, welche dem ganzen Menfchengefchlecht,
oder einzelnen Völkern als Mittel des Gedanken-Ausdruds dienen, (bie
Sprache der Menfhen; die Sprachen der Wilden, — der gebildeten Völker;
todte, oder lebende Sprachen, alte u. neue—; fremde Sprachen, entg. ber
Mutterſprache; die griechifche, Yateinifche, deutfche, franzöfifche Sprache zc. ;
eine Sprache lehren, lernen; verfchiedene Sprachen fprechen, verftehen, fchreis
ben; eine reiche, arme, leichte, fehwere ꝛc. Sprache); alt u. oberd. auch f. Ge—
fpräch, Befprechung (daher noch Rückſprache), Zufammenkunft, Ver—
handlung (vgl. Morgenfprahe); Verantwortung od. Nede und Ge-
genredeivor Gericht; — 3feg. die Sprachähnlichkeit, Gleichförmigkeit od.
Regelmäßigkeit in der Sprache, d. i. die Anwendung übereinftimmender For:
men für gleiche Begriffe und Verhältniffe (fr. Analogie); die Sprachart, ei-
genthüml. Befchaffenheit einer Sprache, verfch. Sprehart; der Sprachbau,
das Ganze einer Sprache, hinfichtlich der Wortbildung u.-fügung; die Spradh-
‚bemerfung; der Sprachbote, Handw. der Altgefelle, welcher das Wort führt;
die Spracheigenheit (fr. Idiotismus); der Sprachfeger, ſpöttiſch f. Spradh-
veinigerz der Sprachfehler, ein Fehler gegen die Regeln der Sprache (gram-
matifcher Fehler); das Sprachfenfter, in Nonnenktöftern das Fenfter in dem
Sprahzimmer, auh: das Spradhgitter, fofern es mit einem Gitter ver—
fehen iſt; der Sprachforfcher, die Sprachforfchung, f. unter forfchen; der
Sprachgebrauch, das in der Sprache des Volkes u. der beften Schriftfteller
einer Nation allgemein od. doch vorherrfchend Übliche, und. deffen Anwendung
und Beobachtung; Fprachgelehrt, Biw., gelehrte, d. i. umfaflende und gründ-
liche Kenntniffe in Sprachen befigend, u. darin gegründet; daher: ein Sprad)-
gelehrter, der Sprachgelehrte, (finnv. die fr. Philolog, Linguift); die
u
Sprache , 1001
Sprachgelehrfamfeit; das Sprachgefeß, eine Sprachregel, bef. fofern fie
in ihrer Nothwendigkeit und in Zufammenhang mit dem ganzen Sprachbau
erkannt wird; fprachgewandt, Biv., gewandt in der Handhabung der Sprache
05. der Kunft ſich auszubrüden; die Sprachgewandtheit; das Sprachge-
woölbe, ein nad) einer Kegelfchnittlinie geführtes Gewölbe, in welchem der
aus einem Brennpunkte kommende Schall in dem andern vernommen wirb;
das Sprachgitter, ſ. Sprachfenfter; das Sprachhaus, ein Haus, in welchem
man zur Beiprehung zufammenkommt; ehem. f. Verfammlungshaus eines Ge-
‚richte, einer Behörde zc.; u. uneig. f. heimliches Gemach, Abtritt, auch: die
Sprachfammer; der Sprach- od. Sprachenkenner, wer eine, od. mehre
Sprachen genau Eennt (jedoch nur erfahrungsmäßig, nicht gerade gelehrt oder
wiffenfchaftlich); die Sprach: od. Sprachenkenntnifs, die (ſubjective) Kennt-
nifs einer od. mehrer Sprachen; die M. Sprachkenntniſſe auch objectiv
von dem Gegenftande diefes Wiffens (z.B. viele Sprachkenntniſſe befigen) ; die
Sprach od. Sprachenfunde, 1) f. v. w. Sprachkenntniſs; 2) die gefhicht-
liche Wiſſenſchaft von einer u. bef. von mehren od. allen Sprachen der Erde
nach ihrer Entwicdelung u. ihren verwandtichaftlihen Verhältniffen (fr. Lin—
guiftit); ſprachkundig, Bw.; der Sprach- od. Sprachenfundige, 1) f. v.
w. Sprachkenner; 2) gelehrter Forfcher im Fach der Sprachenkunde (fr. Ein-
guift); ſprachkundlich, Bw.; zur Sprachkunde gehörend od. diefelbe betref-
fend; die Sprachkunſt, die Kunjt der Sprache, d. i. der Inbegriff der Sprach—
regeln hinfichtlich ihrer Ausübung u. der dazu erforderlichen perfönlichen Ge—
fchietlichkeit (vgl. Kunft); ehem. auch überh. f. Sprachlehre; der Sprach-
künſtler, wer die Sprache Eunftmäßig od. mit großer Gewandtheit handhabt;
der Sprachlauf, gegliederter Laut, ald Beftandtheil der menschlichen Spradhe;
die Sprachlehre, die wiſſenſchaftliche Darftellung der Gefege einer Sprache,
bef. fofern fie Lehrgegenftand ift, alfo das Verftehen u. die richtige Anwendung
der Sprache zum Zweck hat, verfhieden Sprachwiſſenſchaft, (fr. Grammatik);
auch ein Lehrbuch über eine Sprache; der Sprachlehrer, die Sprachlehre-
rinn, wer in einer od. mehren Sprachen unterrichtet; auch der Verfaffer einer
Spradhlehre od. anderer Lehrfchriften über die Sprache (fr. Grammatifer);
fprachlehrig, r. fprachlehrlich, Biv., die Sprachlehre betreffend (Neuw. f. d.
fr. grammatifch, grammatikalifch); Tprachlos, Bw., des Sprachvermögens be-
raubt, bef. auf einige Zeit, verfch. ftumm, (4. B. vor Schreck, vor Verwun⸗
derung zc. ſprachlos); die Sprachlofigkeit; der Sprachmeifter, gem. f. der
Sprachlehrer, bei. fofern er das Unterrichten in einer lebenden Sprache als Ge-
ſchäft oder Gewerbe treibt; die Sprachmeifteret, das Meiftern in der Sprache,
dünkelhafte Sprachgefeggebung; der Sprachmenger, wer verfchiedene Spra-
chen unter einander mengt, insbef. wer feine Mutterfprache durch unnöthige
Einmengung fremder Wörter verunreinigt; die Sprachmengeret, tadelnswerthe
Einmengung fremder Wörter; die Sprachregel, Regel, welche beim Sprechen
und Schreiben einer Sprache zu befolgen iſt; der Sprachreiniger, wer eine
Sprade von allem Unrichtigen u. def. Fremdartigen zu reinigen fucht (fr. Pu—
riſt); die Sprachreinigung (fr. Purismus) ; ſprachrichtig, Biv., den Sprad;- _
vegeln gemäß (fr. correct); die Sprachrichtigkeit; das Sprachrohr, ein
langes, trompetenförmiges Rohr, welches die hineingefprochenen Laute verftärkt
u. in der Ferne vernehmbar macht, auf Schiffen: der Rufer; der Sprach—
faal, ein Seal mit einem Sprachgewölbe; der Sprachfchaß, der ganze Vor—
1002 | Sprad — fpraßen
vath einer Sprache an Wörtern, Wortformen und Verbindungen; auch ein
Schriftwerk, welches diefen Vorrath darlegt, ein großes Wörterbuch; der-
Spraͤchſchnitzer, f. Schniger; die Sprachfchrift, eine die Sprache betref-
fende Schrift; die Sprachfchule, Schule zur Exlernung von Sprachen; die -
Sprachſtunde, unterrichtsſtunde in einer Sprache; die Sprachübung; ber
Sprachunterricht; der Sprachverbefferer; die Sprachverbefferung;
der Sprachverderber; die Sprachverderbung, »verderbnifs; die Sprach
od. Sprachenverwandtichaft, Verwandtſchaft, d. i. Zufammenhang mehrer
Sprachen hinfichttich ihrer Abftammung; das Sprachwerf, ein Werk über
die Sprache; das Sprachwerkzeug, die Theile des menfchl. Körpers, deren
man zum Sprechen bedarf (fr. Sprad Organe); fprachwidrig, Bw., ven
Sprachgefegen zuwiderlaufend; die Sprachwidrigkeit; die Sprachwiffen-
fchaft, Wiſſenſchaft von der Sprache; insbef. die wiflenfchaftliche Erkenntniſs
der Sprachgefege in ihrem weſentlichen Zufammenhange, und deren Darftellung
(Philoſophie der Sprache); das Sprachzimmer, ein zur Unterredung beſtimm⸗
teö Zimmer, b. Sprehzimmer; insbef. in Nonnenklöftern das Zimmer, in
welchem die Nonnen durd) das Sprachgitter mit Fremden fprechen; — Ab—
Leit. fprachig, Bw., eine Sprache od. Sprachen enthaltend, nur in Zfes.
wie: zwei⸗, dreiſprachig 2c.; ſprachlich, Bw., die Sprache betreffend, dazu
gebörend; fprachen, Zw. (altd. sprähhön, sprächen, Prät. sprachte), völlig
vlt. f. fprechen, fich befprechen; noch oberd. einen —, f. anfprechen, zur
Rede ftellen; ſprachten, ziellof. Zw., oberd. verächtl. f. fprechen, viel—
od. groß fprechen.
Sprad, m., oberd. f. Flecken auf der Haut, gew. verfl. das Spred-
Lein (f. Sprede).
Sprall, m., - 08, landſch. f. der Rifs; — das Sprallhaus, landſch. f.
Kernhaus im Obſte; die Sprallbirfe, f. Hirfe mit fchwargem Samen.
Sprang, m., — es, M. -e, auch der Spranf- od. Sprangregen, (von
fpringen, fprengen, altd. auch sprangen), niederd. f. ein leichter Negen, der
in einzelnen, weit zerftreuten Tropfen fällt; — das Sprangeifen, ein Eifen,
womit man die Hälfe an gläfernen Gefäßen abfprengt.
Spranz, m., -e8, M. -e, (vgl. ſprenzen f. fprengen u. fpreizen,
Spring 2c.), oberd. f. das fplitterichte, Eeilförmige Ende eines abgehaue-
nen Baumftammes; niederd. die Sprante, M. -n, ein Aft, im Deichbauz
der Sprängel, :$, M. m. E., fchweiz. f. Sprießel, Sproſſe einer Leiter;
Knebel; Mundfperre; fpranzen, ſpränzeln, ziellof. 3w., ſchweiz. f. ſich
fpreizen, mit großen Schritten jtolz einhergehen.
Sprate od. Spratel, w. M.-n, (vgl. fprießen) niederd. f. Sproſſe;
daher der Spratenkohl (au SprutenEohHt) f. Sproffenkohl.
fprätten, fprätteln, ziel. Zw., oberd. u. ſchweiz. f. ausbreiten, ausfper-
von; zerftreuen (4. B. Gras, Getreide auf dem Felde); das Sprätt, ſchweiz.
f. gemähetes Gras, das ausgebreitet liegt.
ſpratzen, verkl. fpraßeln, fpräßeln, ziellof. Zw. m. haben, (altd. spra-
zalon, sprazelen; vgl. fprigen u. praffeln), landfch. gem. f. mit Geräuſch
fpringen, fprühen, fprigen, (flüffiges Metall ſpratzet, wenn kalte Luft od.
Näſſe hinzutritt; die Feder fpragelt beim Schreiben, u. dgl.); das Spratzel⸗
holz, f. Holz, welches im Feuer fpragelt; der Spratzel, -8, oberd. f. ein auf:
fahrender, ungeftümer, oder fich fpreizender Menſch; fpragelig, Bw.,
Sprau — fprechen 1003
fpragelnd, fprühend; der Sprakling od. Spräßling, gem. M. Sprätz⸗
finge, Hüttenw. die aus dem abgetriebenen Silber, wenn die äußere Fläche
erkaltet, in die Höhe tretenden Hervorragungen.
Sprau, w., 0. M. (landih. auch Sprüfz hol, sprouwe, spruw), niederd.
eine Krankheit faugender Kinder, |. v. w. Faſch, Schwamm, f. d.
ſprechen, 3w., ablaut. ich fpreche, dur fprichft, er fpricht, wir fprechen
2.5 Imper. fprich, ſprechet (iprecht); Impf. ſprach, Gonj. ſpräche; Mw.
gefprochen, (althochd. sprehhan, sprah, M, sprähhun, gisprohhan ; mitteld.
sprechen, sprach, sprächen, gesprochen; niederd. ſpreken, Impf. ſprak u. ſprook,
Mm. ſpraken; holl. spreeken; ſchwed. spräka; angelj. sprecan, spreocan, u.
daneben ohne r: specan, engl. speak, entweder durch Auswerfung des r, oder
von anderer Wurzel, vgl. ſpächten; — die Wurzel sprak, sprah ift wahrich.
eine durch das vorgefegte s verftärkte Nebenform von brak, prah, brechen, ſ. d.
u. vgl. prachen, Pracht u. das ſchwed. spricka, brechen; die Urbed. von [pre=
hen alfo entweder: das Brechen od. Gliedern des Lautes (vgl. das altd.
sprahhön, ſchwed. spräcka, f. fchneiden, fpalten), oder wahricheinlicher: das
Hervorbrechen, Hervorfprießen, Außerlichwerden des Gedankens in Worten;
vgl. d. ſchwed. spricka, fproffen; angelf. sprec, das Reis; vgl. auch das griech.
önfer pwrıv u. lat. rumpere vocem), überh. Worte u. in weiterer Bed. auch
bloß gegliederte Laute hervorbringen od. hören laffen, verfch. von den finnv.
Tagen, reden, f. d.; insbeſ. 1) ziellos m. haben a) Sprachlaute und
Worte als Ausdrud der Gedanken hervorbringen (das Kind lernt fprechen ;
Laut, Yeife, deutlich, undeutlich, langſam, ſchnell fprechen 2e.); in weiterer An-
wendung auch von Thieren: der menfchl. Sprache ähnliche, gegliederte
Laute hervorbringen (einen Papagei ſprechen Ichren), uneig. auch Natur—
laute felbftthätig erzeugen (die Thiere ſprechen mit einander; wie fpricht der
Hund?), u. überh. einen Laut von fich geben (die Flöte fpricht nicht rein;
vgl. anfprehen); b) mit Hinficht auf den Inhalt, feine Gedanken durch
vernehmliche Worte äußern, finnv. reden, (gut, jchön, Schlecht, langweilig 2c.
ſprechen; richtig, mit Kiarheit, Geläufigkeit 2c. über od. von etwas —; ohne
Überlegung — 20.5; für einen—, d. i. zu feinem Beften, zu feinen Gunften,
insbef. ihn vor. Gericht vertreten, vertheidigen, ehem. : für einen vor dem Rech—
ten —; oberd. wird ſprechen bei. f. groß- od. geziert-ſprechen gebraucht,
außerdem gew. reden); c) mit Beziehung auf eine Perfon, an welche
man feine Worte richtet, welcher man feine Gedanken mittheilt ıc., finnv.
anreden, fich unterreden, befprechen (zu od. mit Semand— ; ich habe mit
ihm davon od. darüber gefprochen; wir ſprachen mit einander davon; unter
uns gefprochen 2e.; mit, zu, od. bei fich felbft fprechen); alt u. oberd. zu ei—
nem —, f. ihn anflagen, vor Gericht gegen ihn klagen; einem an eine
Sache —, f. diefelbe in gerichtliche Frage ziehen, vor Gericht in Anſpruch
nehmen, anfechten; einemin eine Sache —, f. ihm Einſpruch thun, ein-
fprechen ; A) uneig. auf irgend eine wahrnehmbare od. fühlbare Art, durch
Zeichen, Merkmale, od, innere Empfindungen ze. fich äußern, bemerkbar ma—
hen, zu erkennen geben (4. B. mit Bliden, Mienen, Geberden—; die Leis
denfchaft, die Verzweiflung zc. fpricht aus ihm; Pflicht und Gewiſſen ſprechen
zu und; mein ganzes Herz, das Blut in mir 2c. fpricht für fie, d. i. erklärt
ſich zu ihren Gunften, ift für fie geftimmt); insbef. das Mm. fprehend
als Bw. u. Nw. f. ausdrucksvoll, viel fagend (7. B. Iprechende Blicke; fpres
1004 Sprecke
hend ähnlich); 2) ziel. a) etwas —, mittelſt der Sprachwerkzeuge her—
vorbringen, ausfprechen (Laute, ein Wort —; eine Sprache, Deutfch, Fran-
zöſiſch ꝛc. —, auch f. fprechen Eönnen, der Sprache mädjtig fein); mit Hinficht
auf den Inhalt des Gefprochenen, etwas in Worten Aufern, mittheilen, je-
doch fo, dafs immer zugleich die Form der Äußerung in Betracht kommt, ver-
fchieden fagen (vgl. was hat er geſprochen? d. i. welche Worte; u. was
hat er gefagt? d. i. was war der Sinn feiner Rede? — viel fprechen, aber
nichts ſagen; Kein Wort ſprechen; fprich nur ein einziges Wort!), bef. zur
Ankündigung der erzählungsmweife angeführten gefprochenen Worte (4.8.
Gott ſprach: es werde Licht! — Wie, ſprach er, ift das möglich ?), auch f.
wiederholt od. inggemein fprechen od. fagen (die Leute fprechen, ob. man
foricht: der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, u. dgl.; daher alt u. oberd.
ein gefprohen Wort f. Sprichwort, f. d.); in bei. Anwendung: ein Ur—
theil fprechen, f. ». mw. fällen; Recht —, d. i. Rechtsiprüche ertheilen, richten;
den Segen, ein Gebet, das Vaterunfer— x. 5 alt u. oberd. einem et—
was —, f. zufprechen, zuexkennen, insbe. ihm einen Beinamen geben (man
Ipricht mie N. N., d. i. man nennt mich), auch f. Böfes nachfagen; uneig.
etwas—, f. bemerkbar machen, zu erfennen geben (höre, was die Erfah.
rung fpricht! ehem. auch: das ſpricht f. das heißt, bedeutet 2c.); b) et=
was, einen od. fich (mit hinzugefügtem Beiwort) —, durch Sprechen od.
mit Worten für etwas erklären, od. zu etwas machen, in den bezeichne-
ten Zuftand verfegen, (etwas gut—, einen frei, los, ledig —, einen felig,
heilig —; ſich müde fprechen, u. dgl. m.); ec) einen —, f. zu oder mit ihm
fprechen, fich mit ihm befprechen, unterreden (ich mufs ihn fprechen; ich
habe ihn geftern gefprochen ; ich wünfchte Sie auf ein Wort zu ſprechen; „wir
werden uns ſprechen“, als Drohung f. wir werden die Sache mit einander ab-
machen od. ausfechten; er Läfft fich nicht ſprechen, ift nicht zu ſprechen; ich bin
jeden Morgen zu ſprechen; jedoch nicht paffiviih: ich werde geſprochen ꝛc.);
uneig. nicht gut zu fprechen fein, f. nicht auter Laune, nicht aufgelegt feinz
bef. auf einen nicht gut zu fprechen fein, d. i. ungehalten, aufgebracht über
ihn fein; — 3feg. die Sprechart, die Art u. Weife zu ſprechen, fowohl in
Hinficht der Ausſprache, als der Wahl der Worte u. Wendungen; die Sprech-
haltung, ehem. f. Beſprechung, Zufammenkunft zur Unterredung (fr. Genfe-
vonz); der Sprechfaal, das Sprechzimmer, zur Unterredung beftimmtes
Gemach; das Sprechwerf od. = zeug, gem. f. Sprachwerkzeug, Mund, (gu-
tes Sprechwerk haben, vgl. Maulwerd); — Ableit. fprechbar, Bw., mas
gefprochen,, ausgefprochen werden kann; ſcherzh. auch: wer zu fprechen
ift, fich fprechen läfft; die Sprechbarfeit; dev Sprecher, -8, (altd. spre-
chaere), die S;precherinn, M. -en, wer fpricht, das Wort führe, Wort:
führer ꝛtc. @. B. der Sprecher unter mehren Abgeordneten; in England: der
Sprecher im Haufe der Gemeinen, d. i. der Vorfiger); oberd. f. Großſpre—
cher, Prahler; ehem. insber. f. Schiedsmann; u. f. Gelegenheits:, Stege
reifsdichter (vgl. Sprudfpredher); die Sprechung, das Sprechen (.
B. des Segens), gew. nur in den Zfek. Frei-, Los⸗, Seligſprechung ze.
Sprede, w., M. -n, auh: das Spredlein, Spredel, —s, alt u. land»
ſchaftl. f. Eleiner Fleck, Sprenkel; fpredeln, 3w. (ſchwed. spräckla) f. fprenz
keln, mit Eleinen Flecken zeichnen; fpredelig, Bw., (altd. sprechilot, sprek-
keloht; oberd. ſprecklet) f. ſprenklig, gefprenfelt.
Spregelleche — fpreizen 1005
Spregellerche, w. eine Art ſchleimiger Seelerchen; — ber Spregelmeu-
rer, eine Art Lippfiiche.
Sprehe, w., M.-n, (andſch. auch Sprehe, Sprewe, Sprew;
niederd. Spree, Spreen, Sprinne; holl. spreeuw; altd. spra; von dev Wur-
zel spra, sprah, treuen, fprengen; vgl. Sprad, Sprede, Spreu, u. Spar,
Sperk, Sperling; alfo: der gefprenkelte Vogel), landſch. f. der Stahr; die
Sprehdroffel, eine Art gefleckter Droffeln: die einfame Droffel.
Spreidich od. Spreidicht, f., - 3, (altd. spreidach, spreidech; aud) das
Gefpreidez von fpreiden f. Tpreiten?), vlt. f. Gefträuch, Gebüſch, Dikicht.
Spreil, m., -es, M. -e, (zgez. aus Spreidel, Spreitel), landfd. f.
Spreißel, Speiler; Splitter, Span; fpreilen, ziel. 3w., f. ſpreizen, aus—
fpannen; fplittern.
fpreißen, zieltof. u. ziel. 3w. 1. f. fpreiten, fpreizen, fperren; daher
fränk. f. fprengen, d. i. in geſtrecktem Galopp reiten (auch fpreißeln); 2.
altd. (sprizen, spreiz) u. ſchweiz. f. fprengen, fprigen (wozu es ſich verhält,
wie reißen zu rigen, fchleißen zu fchligen ꝛc.); 3. landſch. f. fprießenz; —
fpreißeln, ziel. 3w., (altd. sprizalön, sprizeln) oberd. 1) f. fpalten, fplittern;
2) mit Spreißen ausfpannen, fpeilern; 3) fränk. f. galoppiren; — die
Spreiße, M.-n, der Spreißel od. Spreißen, -$, (landſch. auch der Sprie-
Bel; altd. sprize, m., sprizel), 1) Sperr- od. Querholz, bej. Sproſſe in ei-
ner Leiter; Speiler; 2) alt u. oberd. auch f. gefpaltenes Holzftüd, Scheit—
chen, Splitter; Schiffs. dünne Bretter (Spreißen; die Spreißfeder,
in Schlaguhren eine Feder, durch welche der Windfang auf feiner Welle befe-
ftigt wird.
fpreiten, ziel. 3w., (altd. spreitan, spreiten, als Ableitung v. dem ablaut.
spritan, spreit; die Wurzel sprit iſt verft, Nebenform von prit, woher breit
ftammt; oberd. fpraiten, niederd. fpreden, fpreen, ſpreien; angel. spredan,
engl. spread, ſchwed. sprida; vgl. fpreißen, fpreizen), der Breite nach aus—
dehnen, ausbreiten (z. B. die Arme, Flügel 2c.), auseinanderlegen (bef. Landw.
den Hanf, Flache ze. zum Köften); das Spreit, f. Spriet; die Spreite,
0. M. (niederd. Sprede, Spree), das Spreiten, die Ausbreitung, insbef. des
Flahfes u. Hanfes; das Spreitgarn, ein ausgebreitetes Netz; bair. eine
Art verbotener Fiſchnetze; — der Spreitel, —s, oberd. |. v. w. Opreißel,
Splitter, Spänchen; fpreiteln, ziel. Zw., f. mit Spreißen fperren, fpeilern.
fpreizen 1., ziel. 3w., das verft. fpreiten: weit aus einander breiten,
fperren, ausfpannen (4. 8. die Füße— ; ein ausgefchlachtetes Kalb —, d. i.
mit Sperchölgern ausfpannen, fpeileen); ſtemmen, ftügen (oberd. fpreu> |
zen, f.d.; 28. fih mit den Füßen an die Wand —; einen Baum, eine
Wand, ein baufälliges Zimmer 2c.—, d. i. Stügen darunter treiben); fih—,
f. fich gegen etwas anftemmen, fich mit Heftigkeit widerfegen, finnv. ſper—
ven, fträuben; auch fich breit od. groß machen, groß thun, hoffärtig ein=
hergeben (fich mit etwas—, d. i. damit groß thun, fi) damit’ brüften);
der Spreizbaum, Brau. ein ftarkes Holg, den Stellboden damit anzufpreizen;
der Spreizting, Schmied. zwei Ringe um die Nabe des Rades zunächſt an
den Speichen; die Spreize, M. -n, Stüge, Strebepfahl; der Spreizer,
-8, oberd. f. hoffärtiger Menfch ; fpreizeln, zieltof. Zw.,.olt f. fich fpreizend
einhergehen. _
ſpreizen 2., ziellof. Zw. (vgl. fpreißen 2.), landſch. f. fprigen, ſpratzen (.d.).
1006 Sprenge — fprengen
Sprenge, w., ſ. unter fprengen.
Sprengel, m., 1. f. unter fprengen; 2. landſch. f. Sprenkel.
fprengen, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. sprengian, sprengan, sprengen, Prät.
sprancte, Part. gespranct, daher noch oberd. bisw. gefprangt, bef. f. ge
flecit, gefprenkelt; das Kactitivum von fpringen, f. d.), überh. fpringen
machen od. laffen, insdef. 1) oberd. f. fchleudern, fchupfen, ſchlengen (f.d.;
einen Bäder —); aufs oder fortfpringen machen (4. B. den Ball vom
Billard—), auftreiben, auffcheuchen, in fchnelfe Bewegung ſetzen (Säg.
ein hier, einen Haufen Geflügel aus feinem Lager —; ein Pferd über einen
Graben—; einen in der ganzen Stadt herum —), bei. ziellos m. fein, auf
einem fpringenden Pferde fich fortbewegen, in geſtrecktem Galopp reiten
(er ift mit dem Pferde über den Graben, über die Brücke, durch das Thor ꝛc.
gefprengt; durch die Straßen, mitten unter das Volk, auf einen zu—); 2)
machen, dafs etwas an einen Körper fpringt, einen Stoff, bei. eine Fluf-
figeit, in Eleinen Theilen anmwerfen, werfend verbreiten, finnv. freuen,
fprigen (3. B. Salz auf das Fleifch, Waffer auf den Boden, Blut auf den
Altar 2..—), auch ziellos m. haben G. B. im Garten, auf der Straße—,
näml. Waffer) u. unp. es fprengt, d. i. es fällt ein feiner, gelinder Re—
genz ferner ziel. f. befprengen, fprengend benegen (die Stube—), bef. mit
einer flüffigen Farbe befprigen, fprenfeln (z. 8. den Schnitt eines Buches
blau und roth —); 3) machen, dafs etwas ab= od. aus einander fpringt,
d. i. bricht, zerbirft, plast, reißt, zerfprengen, (ein Stüd von einem Steine —;
einen Felfen mit Pulver —, eine Feftung, ein Schiff ze. in die Luft —; eine
Kette, die Saiten— ; uneig. einen Haufen Menſchen aus einander—, d. i.
plöslich u. mit Gewalt zerftreuen; die Bank—, in Glüdsfpielen alles auflie-
gende Geld od. mehr, als vorhanden ift, gewinnen); Zimmerl. einen Bal—
ken —, f. abfichtlich Erumm fägen; — Zfeg. der Sprengbecher, Naturk.
eine Art Röhrenfchneden, der Seemönd; die Sprenggabel, Schloſſ. ein ga
belförmiges Werkzeug, bei Verfertigung eines Sprengwerkes gebraucht; das
Sprenggefäß, ein Gefäß zum Sprengen mit Waffer, insbef. das Spreng—
faſs, die Sprengfanne, f. v. w. Giefkanne, der Sprengfrug, -topf,
-trichter 20.5 der Sprengfeffel, Keſſel mit Weihwaſſer, Weihkeſſel (f. d.); die
Sprengfugel, in ver Gefhügkunft: ein mit Handgranaten verfegter Feuer:
ballen; eine Bombe; die Sprengmaft, Landw. fpärliche Baummaft, wenn
die Eicheln u. Buchnüffe nur einzeln hingeftreut (gleich]. gefprengt) liegen;
der Sprengpinfel, ein Pinfel, mittelft deffen man fprengt, d. i. etwas be
iprengt, bei Maur., Buchb. 2c.; das Sprengftüd, ein Eegelförmiges Geſchütz
zur Sprengung von Thoren u. Mauern (fr. Petarde); auch ein abgeiprengtes
Stück; die Sprengtonne, ein mit Schlägen und Granaten gefülltes Faſs,
aus einer Feſtung auf die Stürmenden geworfen, Sturmfafsz; der Spreng-
wedel, ein Wedel (f. d.), Waffer damit auf etwas zu fprengen, insbeſ. f.
Weihwedel, Sprengel; das Sprengwerf, Werkzeuge od. Stoffe, mittelft de
zen man etwas auseinander- od. in die Höhe fprengt; Schloſſ. ein Gitter mit
allerlei Verzierungen ; Zimmerl. eine auf Spannriegeln u. Strebebändern ru⸗
hende Balken-Verbindung, z. U. v. Hangewerk; der Sprengwifch, ein Stroh⸗
wiſch zum Sprengen mit Wafler; — Ableit. fprengbar, Bw., mas ger
fprengt werden kann; die Sprenge, 1) o. M. das Sprengen, Beſpren⸗
gen; 2) M. -n, oberd. (die Spreng) f. das Außerfte, dev Nand (eines
Sprentel — Spreu 1007 »
Abgrundes, bes Tiſches 2c.), ſchweiz. ein Eurzer jäher Abfchufs an einer
Straße; 3) oberd. die Sperrruthe des Webers, zum Ausfpannen der Lein-
wand; der Sprengel, -3, M. w. E., 1) ein Werkzeug zum Sprengen,
d. i: Befprengen mit Waffer, insbef. der Sprengwedel od. -Büſchel, deffen
ſich ein Biſchof, Pfarrer 2c. bedient, um nad) altrömifcher Sitte der Weihung
od. Reinigung (Luftration) feine Gemeinde zu befprengen; daher 2) uneig. f.
die Amtsverrichtungen eines. Geiftlihen u. deren Bezirk Girchſpren—
gel, f. d.); in weiterer Anwendung auch f. Gerichtsbezirk (Gericht s—
ſprengeh; ber Sprenger, -3, M. mw. E., wer etwas fprengtz chem.
ein eifernes Martergeräth, welches um die Knöchel der Beine u. Arme ge-
legt wurde; Iäg. ein aus. dem Lager aufgefprengtes Wild, bef. Hirſch od.
Sau; niederd. (ft. Springer) f. Deufchrede; der Sprengfel, -3, M.m. €.,
landſch. f. ein fpringendes Thier od. Ding, insbef. f. Heufchrede (auch
Springfel, Sprenkel, Sprinke 2c.); fränk. f. Sprenfel zum Vogelfang (auch
Sprenzel); die Sprengung, das Sprengen, bef. in der Bed. 3) (4. B. eines
Felſens, einer Feftung 2c.).
Sprenkel 1., m., -$, M. w. E., (von fpringen, eig. ein fpringendes
Ding), bei. niederd. ein zufammengebogenes Reis mit einer Schnur und
einem Schnellhölzchen zum Vogelfang, landſch. auch Sprengel, Spreng-
fel (engl. springe) , oberd. gew. Schneife od. Schneiße, vgl. auch Dohne,
welche jedoch größer u. überdies mit einer Schlinge verfehen find; landſch.
auch f. Heuſchrecke; niederd. f. ein Sperrholz; — das Sprenkelbein, Iand-
ſchaftl. f. Erummes, gebogenes Bein; fprenkelbeinig, Bw., f. Erummbeinig.
ſprenkeln, ziel. Zw. (Verftärkungsform von fprengen 2); 'niederd. auch
ſprenken; angelf. sprencan, engl. sprinkle, holl. sprenkelen, sprinkelen ;
oberd. pre deln, vgl. Sprede), etwas mit einer od. verfchiedenen Far-
ben gleich]. befprengen, mit Eleinen Flecken verfehen, finnv. tüpfeln
(Papier, den Schnitt eines Buches u. dgl.; bei. das Mw. gefprenkelt,
f. v. w. fprenkelig); der Sprenfelbörs, eine Art gefprenfelter Börfe; der
Sprenfelfifch, eine Art gelb u: grün gefprentelter Stugköpfe; — der Spren-
el 2. -3, M. w. E., oberd. verkl. das Sprenklein, -8, ein Eleiner, gleichſ.
angefprengter Fleck od. Punkt; insbef. f. Sommerfleden od. = fproffen
(landich. aud) Sprinkel, Sprideln); fprenkelig, Bw., mit Sprenfeln
verfehen, gefprenkelt.
fprenzen, ziel. 3w. (vgl. Spranz), alt: u. oberd. 1. f. fprengen, befpren-
gen, begießen (ſchwäb. Küchengewächſe, Leinwand auf der Bleiche ꝛc. —);
auch f. fprengen 3), zerfprengen; — 2. f. fpreigen (fchweiz. fpranzen),
daher uneig. f. aufpugen, zieren, ſchmücken; — der Sprenzel, Sprenzlet,
-$; der Sprenzling 1., - es, M. -e, alt u. oberd. f. wer fich fpreizt, Lang-
bein, Ged; der Sprenzling 2. (verw. mit ſprießen; vgl. Spring 2.), oberd.
f. Sprofs, Schöfsling; junger Menſch; öftr. eine junge Afıhe (Fiſch).
Spreu, w., o. M., (altd. daz spriu, M. diu spriu u. spriwer; oberd. das
Geſpreu, Geiprie, od. M. die Spreuer, Spreuel, auch Spreuder, Sprauder;
das hochd. bie Spreu 0. M. ift wahrſch. aus der alten Mehrh. dia spriu
entſt. — Wurzel: spra, spru, ftreuen, vgl. fprühen; — griech. oreo in
oreigkıv, lat. verftärkt: sparg in spargere, vgl. Sparke zc.), die zerfchlagenen
Hülfen der: Feldfrüchte, welche beim Drefchen abfallen und bef. durch das
Worfeln von den Körnern abgefondert werden, niederd. Kaff, (Weizen, Rog-
1008 ſpreußen — fprideln
gen⸗, Lein-, Hanfſpreu ze.) ; Pflanz. die länglichen, ftumpfen, dürren Blättchen
an einem allgemeinen Fruchtboden (auch: die Spreublättchen); uneig. f.
etwas fehr Leichtes, Gehalt- u. MWerthlofes, völlig Nichtiges (altd. niht
ein spriu, d. i. gar nichts; wenig Körner und viel Spreu!); — fpreuartig,
Biv., der Spreu ähnlich, insbef. Pflanz. mit fpreuähnlichen Schuppen bededt
(eine Wurzel, ein Strunk 2c.); die Spreublume, eine mit dem Hahnenkamm
verwandte ausländ. Pflanze mit Kleinen Schuppen zwiſchen den Staubfäden
(achyranthes L.); das Spreufutter, in Spreu beftehendes Zutter; der
Spreufaften, -fad zc., Kaften, Sad zu od. mit Spreu; der Spreuftein,
Ührenftein; fpreutragend, Bw., Pflanz., mit Spreu befegt (ein Fruchtboden);
— fpreuicht, Bw., ſpreuähnlich; ſpreuig, Bw., Spreu enthaltend; —
ſpreuen, ziel. u. ziellof. Zw., vlt. f. zerfreuen wie Spreu (mittel). spriuwen);
oberd. f. Spreu freuen, bef. als fchimpfliches Zeichen für eine Perfon, die
einen Korb bekommen hat (au ſpreuern); landſch. unp. e8 fpreuet
f. es regnet fein, es ſprengt; daher der Spreuregen, f. Staubregen.
fpreußen u. fpreuzen (landſch. auch ſprüßen, fprugen), ziel. Zw.
(altd. spriuzan, spriuzen, Prät. spriuzte; abgel. Factitivum von dem ablaut.
spriozan, fprießen, |. d. u. vgl. fpreigen), oberd. f. ragen (gleich. ſprießen)
machen, fteif machen; ftemmen, fügen, unterftügen (einen Baum, eine
Mauer ꝛc.); fih—, f. ſich ſtemmen, fperren, entgegenftreben, (uneig. die
Sache fpreuzt fi, d. i. erfordert Anftrengung; geſpreuzt f. fteif, geziert,
großthuend) ; die Spreuze, M.-n, (auch Sprüße; altd. spriuza, spriuze),
oberd. f. Stüge, Stützbalken, Strebeholz; der Spreuzer, -8, f. v. w.
Spreuze; auch f. Prahler, Großthuer.
Sprihwort, ſ. M. Sprichwörter, (nit Sprühmwort, da es unmit:
teldar von ſprechen, ſprich nit von Spruch gebildet ift, in welchem
Tale es Spruchwort heißen würde; fchon mittelhochd. sprichwort; vgl.
ſprechen), ein volfsüblicher Spruch, Ausſpruch, welcher gewöhnlich einen
allgemeinen Erfahrungsfas, eine Wahrheit, Lebensregel u. dgl. meift in bildli-
cher Einkleidung od. doc) in finnvoller Kürze ausdrückt, ſinnv. Sinn, Denks,,
Lehrſpruch, Sinnrede ꝛc. (z. B. der Apfel fällt nicht weit vom Stamm;
jung gewohnt, alt gethan; Jeder fege vor feiner Thür! 2c.); chem., bei. bibh
überh. f. bitdlicher Ausdruck, Gleichnifs, Gleichnifsrede; das Sprichwör—
terbuch, die Sprichworterfammlung ꝛc.; das Sprichwörterfpiel, geſell—
Ihaftliche Unterhaltung durch Darftellung von Sprihwörtern in Handlungen,
d. i. Heinen Schau 0d. Geberdenfpielen; ſprichwörtlich, Bw., einem Sprich
wort ähnlich, nach Art eines Sprichwortes, als Sprichwort geltend (z. B. dies
fer Ausdruck ift ſprichwörtlich; ſprichwörthliche Redensarten, d.W
volksübliche bildliche Ausdrüce od. Redewendungen, von den eigentl. Sprich
wörtern dadurch unterfchieden, dafs fie nicht felbftändige Säge von allgemeinem
Inhalt ausmachen; z. B. das Kind mit dem Bade ausfchütten, den Braten
riechen, einen über die Achfel anfehen, u. dgl. m.); die Sprichwortlichkeit,
das Sprichwörtlichfein, die ſprichwörtliche Beſchaffenheit. 4
Sprick, m.-es, M.-e, od. der Sprickel 1., -8, (engl. sprig; vgl. Sprie⸗
gel, u. fprechen) niederd. f. Sprofs, Spreißel; Eleiner dürrer Zweig, Reis.
ſprickeln, ziel. 3w. (vgl. ſpreckeln) landſch. f. fprenkeln; der Spridel 2.)
-3, M. w. E., f. Sprenkel, Eleiner Fleck, Schmutzfleck; ſprickelig u. Fpri-
Kelicht, Bw., f. fprenkelig ; dev Sprickelmonat, heſſ. f: Homung.'
ſpriddeln a fpringen 4000
ſpriddeln, zielloſ. Zw. (vgl. d. oberd. ſprätteln), niederd. f. mit weit ge—
ſpreizten Beinen ſtehen.
Spriegel, m.⸗s6, M. w. E. (vgl. Sprick, Sprickel), eine dünne gebo—
gene Schiene, ein Reif od. Bügel über Wiegen, Fuhrmannswagen zc., um
eine Dede darüber zu ſpannen; auch die geraden, oben durch ein Querholz
vereinigten Schienen über dem Kutfchkaften, u. die dünnen Stäbe, mit wel-
hen Wände u. Dede eines Zimmers befchlagen werden, um fie mit Gips zu
überzichen; das Spriegeltuch, ein über die Spriegel z. B. einer Wiege ges
fpanntes Tuch; der Spriegelwagen, ein Wagen, mit Spriegeln verfehen, um
eine Dede darüber zu ſpannen; der Spriegelzaun, aus Spriegeln beftehender
Zaun; fpriegeln, ziel. Zw., mit Spriegeln verfehen (einen Wagen, ein
immer ıc.).
fprießen, ziellof. 3w. m. fein, ablaut. du fprießeft, er ſprießt, Imper.
ſprieße (alt u. dicht. fpreußeft, fpreußt, ſpreuß); Impf. fprofs, Gonj. ſpröſſe;
Mw. gefproffen (altd. spriozan, spriezen, spröz, spruzzen, gesprozzen; nie=
derd. ſpruten u. fprotten, Mw. ſpraten; angelf. spreotan, sprytan, engl, sprit
u. sprout; holl. spruyten; isländ. sprotta, fchwed. spritta, ſpringen; — die
Wurzel sprut, spruz, spriz fcheint eine verftärkte Nebenform von pruz, woher:
proßen 2., das oberd. Broß f. Sprofs, Knospe ꝛc.; Urbed. hervorbrechen,
herausfahren; vgl. fpreißen, fprigen, fpreußen, fproffen), hervor= od. empor⸗
wachen, insdef. langfam, allmählig wachfen, verfch. von ſchießen, auf-
ſchießen ꝛc. (Blumen fprießen, das fprießende Gras); uneig. f. entftehen, herz
vorgehen (vgl. ent-, eriprießen); dicht. auch ziel. f. fprießen machen, hervor—
treiben; der Sprießel, -3, M. mw. E. (oberd. auch Sprüßel), landich.
1) f. Sprofs, Spröſsling; insbef. Jäg. die Zaden an dem Hirfchgemweih
über den Augenfproffen (Eisfprießel od. -fprießen); 2) f. Spreißel,
Sproffe einer Leiter. f
Spriet, f., —es, M. -e, (niederd. Spreet, holl. spriet, engl. sprit; urfpr.
niebderd. Form f. das hochd. Spreiße), eine gabelförmige hölzerne Stange,
Gabelſtange, z. B. an Leiterwagen ſ. v. w. die Schere (ſ. d.); beſ. auf Schif—
fen eine gabelförmige Segelſtange; daher der Sprietblock od. das Spriet—
holz, der zwifchen dem Maft und der Gaffel befindliche Blod; das Spriet-
fegel, ein viereckiges Segel, weldyes durch ein Spriet ausgefpannt wird; das
Spriettau, Eurze ftarke Taue an den Marspuitingen, Puttingtau.
ſpringen, zielloſ. Zw. m. fein u. haben, ablaut. Impf. ſprang (ober- u.
niederd. auch Sprung), Conj. fpränge;. Mw. gefprungen , (altd. springan,
springen, spranc, pl. sprungen, Mw. gesprungen; angelf. springan, engl.
spring, ſchwed. springa; die Wurzel sprang fcheint durch Erweiterung von
sprak entft. (f. fprechen; vgl. ftechen, ſchwed. stinga, engl. sting; ©tange,
Stengel 2c.); Urbed. alfe: auf- od. hervorbrechen, auseinanderfahren), 1) fich
Schnell hervor od. in die Höhe bewegen, plöslich heraus- oder auffahren
a) von leblofen Dingen, in der Regel m. fein, insbe. von Flüffigkeiten: herz
vorbrechen, quellen, fprudeln (das Waffer fpringt aus dem Felſen; das Blut
fprang aus der Ader; einen Springbrunnen fpringen laffen; m. haben: „der
Springbrunnen hat gefprungen“, weil man ihn wie ein Lebendiges, Thätiges
betrachtet u. mit Hinſicht auf die Zeitdauer feiner Thätigkeit); ehem. auch f.
wachfen, fprießen (vgl. entfpringen, Urfprung, das engl. spring, Frühe
ling 2c.); von feften Körpern: fich ſchnell in die Höhe od. durch die Luft
Heyſe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 64
1010 fpringen
fortberoegen (z. B. der Ball fpringt, d. i. prallt im die Höhe, od. ab von ber
Wand ꝛc.; die Erbien fpringen aus den Schoten; ein Stück von dem Steine
ift ihm an den Kopf, ins Auge ıc. gefprungen; uneig. das fpringt in bie
Augen, d. i. es iſt höchſt augenscheinlich; eine Mine fpringen laſſen, d. i. fie
anzünden, vgl. Mine; uneig. gem. einen Thaler ze. fpringen laſſen, f. aus-
geben, daran fegen); b) von Lebenden Gefchöpfen, fich durch eigene Kraft
fhnell in die Luft erheben, od. in der Höhe über einen Raum hinweg—
fhnellen, finnv. ſich ſchwingen, hüpfen, m. fein, wenn die Richtung, der
Ausgangs- od. Zielpunkt der Bewegung angedeutet wird; m. haben, wenn
die Thätigkeit des Springens an fi od. mit Hinfiht auf die Zeitdauer, Ge—
ſchicklichkeit ꝛc. bezeichnet wird, (7. B. er ift vor Freuden in die Höhe, an die
Decke geiprungen 20.5; er ift über den Graben, den Zaun, auf Tiſch u. Bänke,
aus dem Fenſter, ins Waſſer ꝛc. geſprungen; aber: die Kinder haben den ganz
zen Zag gefprungen; er hat am beften gefprungen 2c.; auch rück z. in Verbin⸗
dung mit einem Beiworte f. durch Springen maden, verurfachen, 3. B. ſich
müde, lahm ze. fpringen;z ich habe mich müde gefprungen; uneig. einen
über die Klinge fpringen laffen f. niederhauen; einen über die Zunge fpringen
laffen, f. verleumden; wie aus den Augen geiprungen, d. i. höchſt ähnlich); in
bef. Bed. von einigen größeren Thieren: fich zur Begattung erheben od. auf:
richten (den Hengft fpringen laſſen; der Stier hat gefprungen; oberd. auch
ziel. f. beipringen, z. B. der Stier fpringt die Kuh); in weiterer Bed. f. in
Sprüngen forteilen, laufen, entlaufen (wo fprinaft du hin? fpringe ſchnell
zum Arzte! aus den Gefängniffe fpringen, vgl. entipringen); uneig. von geiftis
ger Thätigkeit: ohne Vermittlung und Zufammenhang von einem Öegen-
ftande zu einem andern übergehen (von einem aufs andere fpringen; vgl.
ab=, überfpringen, Sprung); 2) plöglich aus einander fahren, zerbrechen,
zerfpringen, finnv. berften, plagen, einen Rifs od. Sprung befommen, von
trocdnen, bef. fpannkräftigen Köcpern, immer m. fein (die Saite, das Glas
fpringt, iſt geſprungen; die Haut fpringt, od. gew. fpringt aufz der Knopf
fpringt von einem zu engen Kleide); — der Spring, -es, M. -e, 1) (mit
tel. sprinc) alt u. landich. f. der Drt, wo Waffer entfpringt, u. das eht-
fpringende Waffer felbft, die Quelle; 2) Schiffb. (auch: das Spring) die
Erhebung der Dede nach vorn und hinten; — 3feg. der Springanker,
Schiff. ein Anker, welhen man auswirft, wenn man bei ſchwerem Sturme une
‚ter Segel gehen mufs; der Springauf, alt u. landſch. f. die Maiblume; das
Springbeden, Beten eines Springbrunnens; der Springbod, der Bock der
ziegenartigen Thiere, welche auf fteilen Gebirgen leben, namentlich der Gemfen
u. Steinböde; in engerer Bed. eine Art Gazelle in Afrika, die ſpringende Gas
zelle; der Springbrunnen, ein Wafferbehältnifs, aus weldem das Waffer
durch ein Druckwerk in die Höhe getrieben wird (fr. Fontaine); der Spring:
faden, Fäden von Glasmafle, welche in kaltem Waffer gehärtet find und in
Staub zerfpringen, wenn man etwas davon abbricht; die Springfeder, eine
Stahlfeder, welihe zufammengedrüdt wieder zurüdipringt (vgl. Feder); uneig.
f. bewegende Kraft, Antrieb; der Springftfch, eine Art fliegender Fiſche; die
Springfluth, eine ſchnell u. ungewöhnlich hoch fteigende Fluth des Meercs u.
großer Flüffez der Springfuß, die langen Hinterfüße dev Springhafen, Deu
ſchrecken, Flöhe 2c.; landſch. f. das Eihhörndhen; das Springglas, |. v. w.
der Glastropfen, ſ. d.; die Springgurfe, Efelsgurke; der Springhahn,
fpringen 1011
landſch. f. die Heuſchrecke; der Springhafe, ein zum Geflecht der Mäufe
gehörendes Springthier in Ägypten, Arabien zc., auch Erdhafe, Springratte ꝛtc.;
der Springhengſt, Zuchthengſt, Beſchäler; ber Springherd, ein Vogelherd
mit Springwänden, f. d.; das Springhorn od. -hörnchen, die Pfeilſchnecke;
der Springinsfeld, gem. f. ein lebhaft umherfpringender, munterer, muthwil—
liger Knabe od. junger Menſch; der Springkäfer, Schnellkäfer (ſ. d.); der
Springfaften, die Springfifte, mit Sprengwerk gefüllte Kaſten, ftatt der
Minen gebraucht, auch Feuerkifte; der Springknochen, das Schhiffbein; der
Springfolben, hohle Glaskolben, welche fogleich fpringen, wenn man fie von
innen rigt (Bolognefer Klafchen); auch f. Knallglas; das Springforn, Sa—
mentörner, welche zur Zeit der Reife aus ihren Kapfeln fpringen, insbef. die
des Springkrautes, u. des Wunderbaumes; die Springfraft, Schnell-, Fe
derkraft; ſpringkräftig, Bw., fchnellkräftig; das Springkraut, eine Pflan-
zengattung, deren Samenkapfel ſich in der Reife Schnell öffnet und zuſammen—
rollt, fo dafs die Samenkörner herausfpringen, auch Springfamen, Spring=
famentraut (impatiens noli-me-tangere L.); aud) eine zum Gefchlecht der
Wolfsmilch gehörende Pflanze, deren Samen ein heftiges Abführungsmittel ift,
Springwurzel, Kreuzkraut ze. (euphorbia lethyris L.); die Spring-
kreſſe, eine Art Kreffe, deren reife Samenfchoten bei der Berührung auffprin
gen; die Springmaus, eine Thierart von der Gattung des Springhafen,
ſ. d.; die Springmüde, eine Art grauer Müden, welche in kurzen Sägen,
gleich]. fprungmweife fliegen, eine graue Mauermüde;z ber Springochs,
Zuchtochs, Bulle; der Springquell od. die Springquelle, fpringender Quell
od. Wafferftrahl; die Springratte, f. Springhafe; das Springrohr, Rohr
eines Springbrunnens; der Springfamen zc., ſ. Springkraut; der Spring-
ſchwanz, zum Springen dienender Schwanz mander Infecten; aud) f. Erd—
floh; die Springfpinne, eine Art fpringender Spinnen; die Springftange
od. der Springſtock, eine Stange 2c., mit deren Hülfe man weite Sprünge
macht; Springftange aud f. die Schwebeftange (fr. Balancir- Stange)
der Seiltänger ıc.; das Springtau, Schiff. kreuzweiſe gelegte Taue, durch
welche zwei neben einander im Hafen liegende Schiffe an einander befeftigt
werden; die Springwand, bei den Vogelftellern eine Art Garnwände, welche
fo aufgeftellt werden, dafs fie bei der geringften Berührung zufallen; die
Springmwanze, eine Art fpringender Wangen; das Springwaffer, pringen=
de8 Brunnen- od. Quellwaſſer; der Springwurm, ſ. v. w. Madenwurm u.
Spulwurm; die Springwurzel, 1) ſ. Springfraut; 2) eine fabelhafte Wur-
zel, welche nach dem Aberglauben der Schasgräber dic Kraft befigt, die Schlöf-
fer der Schagkaften zu fprengen; die Springzeit, die Zeit, wo man die Zucht-
bengfte, Zuchtochfen ꝛc. fpringen (f. 0.) läſſt; — Ableit. der Springer, -$,
M. w. E., 1) wer fpringt, eine fpringende Perfon, weibl. die Springe:
rinn; bef. wer mit vorzüglicher Fertigkeit, Eunft: u. berufsmäßig fpringt,
3. B. ein Seiltänzer (Luftfpringer); eine Figur im Schachſpiel, welche einen
Reiter vorftellt u. in ihrem Zuge über beſetzte Felder wegfpringt; 2) ein fprin-
gendes Thier, insbeſ. in Reitſchulen: ein zu Luftfprüngen abgerichtetes
Pferd; Naturk. f. Springhafe; verfchiedene Fiſche, als: eine Art Lachfe, das
Blaufellden; der Thunfiſch; der Tummler od. das Meerfchwein; eine Art
Stichlinge, Börfe, Lippfiſche 2e.; die Springfpinne, eine Art Krebfe, wilde
auf dem Rüden ſchwimmen u. ſpringen; auch f. Flohkrebs, Seefloh; landſch.
64*
1012 Sprinkel — fprißen
f. die gemeine Eidechſe; u. f. die Wickelraupe; 3) landſch. f. Fußfeffel; u.
f. eine Art Sifchernege; die Springerei, verächtl. f. dag Springen.
Sprinkel, m., f. Sprenfel 2. N
Sprinz 1., m., -en, M.r-en, (von fprenzen f. fprengen, fprenfeln),
alt u. oberd. 1) f. Sprenkel, Sommerfproffe, auch: der Sprinzel, -8, das
Sprinzlein; 2) eine Eleine Falkenart: der Bergfalt, Blaufuß, aſchfarbig
mit ſprenkliger Bruft, au: die Sprinze, M.-n, der Sprinzling, das
Springel.
Sprinz 2., m. (w. ſprinzen f. fprießen; vgl. Sprenzling 2.), oberd. f.
Sprofs, aufgefchoffene Pflanze; fchnell aufgefchoffener junger Menfch.
fprinzeln, zielfof. 3w., vlt. f. blinzeln, liebäugeln.
fprigen od. fprüßen, Zw. (oberd. auch fprusen; niederd. fprutten; von
gleihem Stamme mit fprießen (f. d.), wovon c8 eine neuere verftärkte Ne—
benform von beichränfterer Bed. ift; vgl. ſpratzen; engl. sprit, ſchwed. spruta,
ital. sprizzare, spruzzare) 1) ziellog m. haben, u. (wenn eine örtliche Be—
flimmung damit verbunden wird) m. fein, von flüffigen Körpern, in Tropfen
od. Eleinen Zheilen mit Heftigkeit hervorbrechen, ab od. auffpringen und
fih verbreiten (das Blut Iprigte aus der Ader; das Waffer, der Koth ꝛc. ift
mir an die Kleider, an den Wagen ꝛc. geſpritzt; das Waffer, der Koth zc. hat
geſpritzt, d. i. fich fprigend verbreitet); auch eine Flüffigkeit tropfenweife fah—
ven od. hervorbrechen laffen, m. haben (die Feder fprists mit einer Hand»
ſpritze fprigen 2c.), insbef. eine Feuerſpritze in Thätigkeit fegen u. erhalten
(man hat lange geiprigt, ohne das Feuer löfchen zu können); 2) ziel. etwas —,
d. i. fprigen machen (4. B. Koth an die Kleider, Waffer in das Feuer —); —
3fes. dus Spritzbad, ein Bad, wobei der Körper ganz od. theilweife mit
Waffer befprigt wird (fr. Douche); die Sprigbüchfe, eine Eleine Sprige von
ausgehöhltem Holunder, womit die Kinder zu fpielen pflegen; der Spritzfiſch,
eine Art Klipp- od. Bandfifche, welche auf die Infecten, von denen fie ſich
nähren, Waffertropfen fprigen, der Rüſſelfiſch; das Sprißgebadene, ein Bad-
werk, deffen Zeig durch eine Sprige in das heiße Schmalz getrieben wird u.
dadurch eine Eraufe Geftalt befommt, auch: der Sprigfuchen; die Spriß-
anne, der Sprißfrug, Spreng-, Gießfanne 2c.; das Sprißleder, ein Leder
an Kutſchen 2c. gegen den anfprigenden Koth; die Sprignudel, eine Art fei-
ner Fadennudeln, wozu der Teig aus einer Sprige getrieben wird; die Spriß-
fchlange, eine Art Schlangen, welche ein tödtliches Gift ausfprigen follen,
Speiſchlange; der Spritzwall, wallfiſchartige Thiere mit einer Sprigröhre
auf dem Kopfe, aus welcher fie das Waſſer in die Höhe Iprigen, 3. B. der
Pott, Mafte, Weißfiſch; insbef. der Finnfiſch; der Sprigwurm, eine Gat—
tung Eingeweidewürmer mit walgenförmigem Maule; — Ableit. die Spriße,
M. -n, (alt. sprizza, spritze u. sprutze; oberd. Eprigen), ein Werkzeug zum
Sprisen (z. B. Waffer:, Hand-, Klyftierfprige 2c.); in engerer Bed. eine Waſ⸗
ſerſpritze zum Löſchen bei Feuersbrünſten, die Feuerſpritze (Schlangen,
Schlauchſpritze ꝛc.); uneig. Naturk. eine Schnecke vom Geſchlecht der Schiff⸗
kutteln; das Spritzenhaus, Aufbewahrungsort der Feuerſpritzen; der Spritzen⸗
macher, wer Feuerſpritzen macht; der Spritzenmann, M. Spritzenleute,
Löſch-Arbeiter bei Feuersbrünſten; der Spritzenmeiſter, Aufjeher über die
Feuerfprigen; das Sprißenrohr od. die Sprißenröhre, das Rohr einer
Feuerfprige, aus welchem der Wafferftrahl fährt; — der Sprißer, -$, wer
ſprock — Sproffe 1013
ſpritzt; der Sprißling, -e3, M. -e, 1) ein ſpritzendes Ding od. Thier,
. inöbef. ein Gefchlecht Seewürmer, wozu der See⸗ od. Meerhafe gehört; auch)
eine Art Forellen; 2) was gefprigt wird, daher f. Sprikgebadenes; —
fprißeln, ziellof. 3w. m. haben, das verfl fprigen: ein wenig od. in klei—
nen Theilchen fprigen (z. B. ein brennendes Licht fprigelt, wenn Eleine Fun—
ken Ben: fprigelig, Bw., landſch. f. fprißelnd.
fprod od. ſprok, Bw. ((hwäb. ſprech; verw. mit Brocten, brechen; vgl.
ſprechen), niederd. f. zerbrechlich, fpröde, mürbe; das Sprof od. Sprok—
holz, preuß. f. verdorrte Afte, dürres Holz; die Sprocdweide, f. Bruchweide,
Knack⸗, Glasweide; der Spröder, -8, M. w. E., landſch. f. Faulbaum (we-
gen feines zerbrechlichen Holzes).
fpröde, Bw. (oberd. fpröd; wahrſch. durch Vorſetzung eines verftärkenden
f aus dem altd. prödi, broede, gebrechlich, entft.; engl. brittle; vgl. jedoch auch
das oberd. ſprö,ſprör — ſpör, f. d.; ſpröen f. trocden machen), troden
u. brüchig, ungefchmeidig, beim Biegen brechend (Brod, Kuchen, Eifen:c.),
insbef. troden u. raub, von Dingen, die faftig und gejchmeidig fein ſollten
(Haut, Lippen 2c.); auch f. fprode machend (z. B. auf den Eifenhämmern:
fpröde Kohlen, d. i. Kohlen, welche das Eiſen fpröde machen follen; landſch.
ein fpröder Wind f. rauher); uneig. in fittlihem Verſtande: ungefchmeidig,
nicht nachgebend, widerftrebend; insbef. von weiblichen Perfonen: Liebesbe—
zeugungen mit Gleihgültigkeit od. MWiderwillen aufnehmend, Ealtfinnig,
der Liebe abgeneigt (franz. prude; eine fpröde Schöne, auch als Hw. eine
Spröde; fpröde thun, d. i. ſich ſpröde anftellen); die Spröde od. gem.
Sprödigfeit, das Sprödefein, eig. u. uneig. (5. B. des Eifens, eines Mäd—
chens 2e.); Sprödigkeit auch f. Iprödes Benehmen, fpröde Außerungen.
Sprofs od. Sproffe, m., -en, M. -en, od. die Sprofje 1., M. -n,
Verkl. das Spröfschen, Spröfsleift (von fprießen, ſproſs; oberd. aud) Sprüß,
Sprüßel; niederd. Sprate, Spratel; angel. sprote, engl. sprout), was her—
vor= od. aufgefproffen ift, ein junger Pflanzenzweig od. Stengel (. 8.
die Sproffen der Bäume, des Kohles ꝛc.); der Sprofs auch uneig. f. Ab⸗—
Eommling, Nachkomme, gew. Spröfsling; die Sproffe auch f. Fleden,
bef. in der Haut, Sprenkel (f. Sommerfproffen); — das Sproffenbier, ein
mit Pflanzenfproffen bereitetes Bier, beſ. mit den Eproffen der Sproffen-
fichte, einer Fichten-Art-in Nord-Amerika; der Sproffenfohl, 1) f. Spargel-
kohl; 2) die im Frühling genofjenen erften Sproffen des Grünkohls (niederd.
Spraten= od. Sprutenkohl); die Sproffenfchabe, eine Art Schaben,
welche fich auf jungen Baumzweigen aufhält; — fproffen, zieltof. Zw. m.
fein u. haben, Impf. fproffte, Mw. geiprofft (adgel. neuere Nebenform von
fprießen, ſ. d.; niederd. fprotten, fpruten; isländ. sprotta, engl. sprout),
f. v. w. fprießen, hervor-, aufiwachfen (das Gras, die Blumen fproffen aus
der Erde, find hervorgefprofft); auch f. Sproffen treiben, Zweige entwideln,
m. haben (der Kohl fprofit, die Bäume fproffen, haben gefprofft); «uneig.
dicht. f. abftammen, entftehen, anfangen zu wachfen; der Spröfsling, -08,
M. -e, was fprofft, ein Sprofs, Schöfsling; beſ. uneig. f. Abkömmling,
Kind, Nachkomme (z. B. ein Spröſsling eines edlen Geſchlechtes).
Spioſſe 2., w., M.-n, (andſch. auch: Spreiße, Spreißel, Sprießel, altd.
—— vgl. sorgen u. fpreußen f. fügen, fperren), ein Sperr= od. Quer=
holz, insbe. die Querhölzer od. Steden einer Leiter; auch die Querftäbe
1014 Sproffee — fprudeln '
in den Senfterrahmen; daher das Sproffenfenfter, ein Zenfter mit hölzernen
Sproffen. N
Sproffer, m., -8, M. w. E. (von dunkler Abftammung), eine Art
Nachtigallen, weiche größer find und ftärker ſchlagen, als die gewöhnlichen,
auch: der Sprofsvogel, Nachtſchläger; landſch. überh. f. die männliche
Nachtigall.
Spröfsling, m., j. unter Sprofe.
Sprott, m., -e3, M.-e, Fiſch. bei. niederd. f. die Larven der Frühlings-
fliegen, als Lockſpeiſe für die Fifche dienend.
Sprotte, w., M. -n, (niederd. Sprott, holl., dän. u. ſchwed. sprot, engl.
sprat), eine Art geräucherter Sardelfen.
Sprotterz, f. (w. dem niederd. fprotten f. ſproſſen; n. A. Spröterzv.
Ipröde), Bergw., bef. niederd. f. ftrahliger Bleiglanz.
Sprözer od. Sproßer, w., M.-n, (wahrſch. v. d. oberd. fprogen,
fprugen f. Iproffen, ſpreuzen), landfch. f. die Hedenfirfche.
Spruch, m., -es, M. Sprüche, Verkl. das Sprüchlein, gem. Sprücel-
chen, (altd. spruh, spruch; niederd. Sprofe, Spröf; von ſprechen), überh. dag
Geſprochene, was geſprochen wird od. ift (in Zſetz. wie Lob-, Macht, Wi-
derfpruch 2c.); insbes. ein Eurzer Sag, eine Bibelftelle 2c., deren Inhalt
eine Zehre od. allgemeine Wahrheit ift (z. B. die Sprüche Salomo’s in der
Bibel; ein Denk, Lehr-, Sittenſpruch); ehem. u. noch jegt bei Handw. ein
zum mündlichen Herſagen beftimmtes gereimtes od. reimloſes Redeſtück (Reim>,
Lob-, Spottſpruch zc. der Meifterfinger, Spruchſprecher zc.; Zimmermann
ſpruch beim Richten eines Gebäudes); ferner der Ausfpruch od. das Urtheil
des Richters od. der Schiedsleute, der Nechtsfprud) (einen Spruch thun, die
Sprüche verfchiedener Gerichtshöfe), auch f. das Nechtfprechen, Fallen des
Urtheils, o. M. (eine Sache zum Spruche bringen; zum Spruche reif ſein etc.);
ehem. auch f. Anfpruch, vechtliche Forderung od. Klage; — Ze $. der Spruch—
brief, ehem. f. Urkunde, welche einen Rechtsſpruch enthält; das Spruchbuch,
ein Buch, welches Sprüche, beſ. Bibeliprüche, enthält; der Spruchdichter,
Berfafler von Lehr: od. Sittenſprüchen in Verfen (fr. gnomiſcher Dichter);
das Spruchgedicht, ein aus aneinandergereipten Sprüchen beftehendes Lehr-
gediht; auch jedes zum Herfagen (Recitiren) beftimmte Gedicht, entg. Lied
(vgl. o. Spruch); ſpruchfähig, Bw., befugt, Rechtsſprüche zu thun (fr. com—
petent); fpruchferfig, Bw., reif zum Spruche (f. 0.); der Spruchmann,
M. Spruchleute, ehem. f. Schiedsmann, felbftgewählter Schiedsrichter;
fpruhmäßig, Bw., einem Spruche ähnlich, die Korm eines Spruches habend
(fe. gnomiſch, apophthegmatifch) ; das Spruchregifter, Nachweiler der Sprüche
* in einem Buche, bef. in der Bibel; fpruchreich, Bw., viel Sprüche, d.i. kurze
finnreihe Säge (Sentenzen), enthaltend; der Spruchreim, gereimter Sprudj;
der Spruchfprecher, ehem. ein Stegreifdichter, welcher bei feierlichen Gelee —
genheiten Reimverfe herſagte (vgl. o. Spruch); ſpruchweiſe, Nw., ald Sprud,
in Sprüchen; das Sprüchwort, unr. f. Sprichwort, ſ. d.
Sprüde, w., M.-n, Verkl. das Sprüdchen (wohl — Broden, Bruch—
ſtück; vgl. ſprock), landſch. unfürmliche Grasflede, welche von einem Gemein?
flüde den Einzelnen zugetheilt find u. mit den Hauptftüden nicht zufammen-
bangen, an andern Orten Brüche od. Folgen genannt.
fprudeln, ziellof. 3w. m. haben (von gleicher Wurzel mit Epreu (f. d.),
Sprügel — Sprung : 4015
fprühen, fprigen, nieberd. fprutten u. fputtern, engl. sputter; oder durch Vor—
feßung eines verftärkenden ſ aus brobeln, niederd. prudeln, pruddeln gebilder?),
heftig aufwallen, fprigend hervorquellen od. aufbraufen (eine fprudelnde
Duelle; das fiedende Waffer fprudelt auf); uneig. f. in heftige Leidenfchaft
gerathen, finnv. aufbraufen; in engerer Bed. aus dem Munde Speichel
ausfprigen beim Sprechen, od. aus Widerwillen u. Ekel; aud f. fprudelnd
fprechen od. etwas fagen; der Sprudel, -8, 1) o. M. das Sprudeln;
2) M. w. E. ein fprudelndes Waſſer, eine hervorfprudelnde Quelle (z.B.
in Karlsbad); — der Sprudelkopf, ein leicht in Die gerathender, aufbrau—
fender Kopf od. Menſch; die Sprudelquelle, ſprudelnde Quelle; der Spru—
delftein, eine im Spiudelwaffer (4. B. in Karlebad) ſich anfesende Stein:
mafle; der Sprudler, wer (mit dem Munde) fprudelt od. wer leicht auf:
brauſ't; — forüdeln, ziel. 3w., oberd., bef. öfte., f. fprudeln machen, ſtark
aufrühren, querlen; der Sprüdler, -8, f. Querl.
Sprügel, m., f. Spriegel. .
fprühen, 3w. (— fpreuen, mittelh. spriuwen, von der Wurzel spru, vgl.
Spreu), 1) ziellos m. haben, fich mit Heftigkeit in Eleinen Theilen ver—
breiten, finnv. fprigen, fprudeln, dad) bef. von feurigen Theilen (z. B. die
Funken fprühen aus den Fadeln, aus dem Stein 2c.); uneig. f. ſich lebhaft u.
feurig bewegen, hervorglänzen od. bligen (Merderben fprüht aus feinem
Blick; Iprühender Wig u. dgl.); landfh. unp. es [prüht f. es regnet fein,
es fprengtz 2) ziel. et was — in Eleinen Zheilen mit Heftigkeit um fich
her verbreiten, freuen, fprigen, eig. (glühendes Eifen, Kohlen ꝛc. fprühen
Funken; auch ohne Zielw. das Eiſen fprühet), u. uneig. (z. B. der Mittag
fprüht Flammen; ihre Augen, Wangen ꝛc. fprühen Feuer); das Sprüh—
‚feuer, ein jprühendes Feuer; der Sprühregen, landich. f. feiner, fanfter
Regen.
fprunen, ziellof. Zw., niederd. f. fich ſtolz und tadelnd Außern.
Sprung, m., -es, M. Sprünge (altd. sprunc, G. sprunges. niederd.
Sprunf; von fpringen, f. d.): 1) das Springen, a) überh. die Handlung
des Springens, fpringende Bewegung, 0. M. (im Sprunge geben, chem. f.
im Galopp; auf dem Sprunge jtehen, d. i. eig. im Begriff fein zu
fpringen, u. uneig. überh. fich fortzubewegen od. etwas zu unternehmen ); von
größeren männlichen Thieren das Springen zur Begattung, die Befruch—
tung (4. B. den Henyft zum Sprunge laffen); b) insbef. ein einmaliges
Springen, M. Sprünge, finn».- ein Saß, (einen Sprung -thun, wagen; ein
weiter, hoher, gefährlicher Sprung: Sprünge machen; die Sieben Sprünge,
eberd. eine Art Tanz), auch die Weite eines Sprunges, daher f. eine Eleine
Entfernung (es ift nur ein Sprung bis dahin}; uneig. Der ſchnelle Übergang
von einem Gegenſtande zu einem andern mit Übergebung der Mitrelftufen
(Sprünge im Gedankengangez die Natur mact feinen Eprung 2c.; insbe.
Zonf. jeder Tonabftand, der die Sıfunde überſchreitet); die M. Sprünge,
gem. f. Handlungen, welche das gewöhnlihe Maß od. die Erwartung
überfihreiten, od. wider die Ordnung find, inebef. f. Kunftgriffe, Schliche,
Ränke, (keine großen Sprünge machen Eönnen, d. i aus Mangel an Mitten
nichts Großes unternehmen können: einem auf die Sprünge helfen, d i. ihm
das Verfahren, die Kunftgriffe an die Hand. geben; tinem auf od. hinter die
Sprünge fommen, d. i. feine Kunftgriffe od. Schlige entdecken); 2) das Ge—
1016 fprüßen — Spuf k
fprungene, d. i. durch Springen Entftandene, ein durd Springen entftan-
dener Riſs od. Spalt (das Glas hat einen Sprung, Sprünge); 3) dag
Springende, ein fpringendes Ding, nur in einzelnen Fällen, 3. B. chem. f.
Quelle (vgl. Urfprung); Schiff. die vorderfte od. Eürzefte Seite eimes vieredi-
gen Stagfegels; das Werkzeug zum Springen, daher der erfte Knochen der
Fußwurzel bei Menſchen u. Thieren, auch: das Sprungbein; auch die Angel,
welche bei der Sprungfifcherei gebraucht wird, wobei man Korellen 2c. mit
Inſecten fängt, nad denen fie fpringend fehnappen; die Sprungfluth, ſ.
Springfluth; die Sprungfifte, |. Springtifte; der Sprungriemen, ein brei-
ter Riemen am Bauchgurte eines Pferdes befeftigt, um das Springen u. Bäu-
men deöfelben zu verhindern; |prungweife, Nw., durch einen Sprung, in
Sprüngen; — fprunghaft, Bw., fprungartig, abfpringend, unverbunden.
ſprüßen, ziel. 3w., oberd. 1. v. w. fpreußen: fügen; die Sprüße, f. der
Stützbalken.
ſpruten, zielloſ. Zw., niederd. f. ſproſſen, daher: der Sprutenkohl, f.
Sproſſenkohl; — die Sprutteln, o. E. niederd. f. Sommerſproſſen (Som—
merſpruttelm.
ſprutzen od. ſprützen 1., zielloſ. Zw., oberd. f. ſproſſen; ſpreuzen,
ſteif aufgerichtet ſein; die Sprützbüchſe, für ein ſtolz einhergehendes
Mädchen.
ſprützen 2., zielloſ. u. ziel. Zw. (oberd. auch ſprutzen; niederd. ſprutten),
Nebenform von ſpritzen, ſ. d.; die Sprütze zc., ſ. Spritze ꝛc.; der Sprutz,
oberd., fo viel auf einmal geſpritzt wird (uneig. einen Sprutz haben, f. nicht
recht bei Verſtande fein).
fouchen od. fpuchten, ziellof. Zw., oberd. f. fpufen; die Spuchten, o.
E., f. Trugbilder, Täuſchungen, Vorwände, Ausflüchte; ſpuchtig, Bw.,
f. bedenklich, gefährlich. ' }
Spucht od. Spugt, m., -es, (aud) Spigt; vgl. fpachen, fpad u. das
hol. spichtig, dünn, mager), niederd. f. ein Eleiner, ſchmächtiger, ſchwacher
Menfch, od. ein folches Thierz die Spuchtel, oberd. f. ein Weib, das nicht
mehr fhwanger wird.
fpuden, zieltof. u. ziel. Zw. (Verftärkungsform von fpeien, ſ. d. u. vgl.
fpüsen), den Speichel auswerfen (4.8. auf die Erde —); etwas —, durch
den Mund auswerfen (Blut —); die Spude, gem. be. niederd. f. der
Speichel; der Spuder, -8, wer fpudt.
fpuddig, Bw., niederd. f. [hmugig, unanfehnlich.
fpuden, 3w., 1. fputen.
fpudern, fpüdern, ziellof. Zw. (vgl. das niederd. [puttern; lat. spu-
* tare), ſchweiz. f. ſpucken, fpeien; der Spuder od. Spüder f. Speichel.
Spuf, m., -e8, 6. M. (niederd. Spok, holl. spook, spooksel, ſchwed.
spok, spöke; verw. mit pähen (vgl. ſpicken 3)? wie das lat. spectrum von
specere; oder mit dem engl. puck, isländ. ſchwed. puke, der Kobold, Teufel?z _
das Wort fcheint im Alt: u. Mittelhochd. nicht vorzufommen u. urfpr. nieberd.
zu fein); 1) bef. niederd. f. Gefpenft, Erfcheinung, Poltergeift; 2) gem. f.
das Spufen, Lärm, Geräufh, Unruhe, Unfug (großen Spuk maden);.
fpufen, ziellof. Zw. m. haben (andſch. auch ſpüken; niederd. fpöfen ;
oberd. fpuchen, fpuchten; ſchwed. spöka), als Geift od. Gefpenft ſich fehen
od. hören laffen, umgehen (dev Verftorbene fpukt im Haufe), gew. unp. es
Spule — fpülen 1017
ſpukt, d.i. es laffen ſich Geſpenſter ſehen od. hören; uneig. f. lärmen, Ge—
raäͤuſch; Unruhe, Unfug machen, (der Wein ſpukt in feinem Kopfe; es ſpukt
in feinem Kopfe od. bei ihm, d. i. es ift mit feinem Verftande nicht richtig);
niederd. auch f. unvorfichtig od. unordentlic; mit etwas umgehen (mit dem
Feuer, mit dem Gelde 2); — die Spufgefchichte, das Spufmährchen,
Gefpenftergefchichte 2c.; die Spuferei, M. -en, das Spufen, Geiftererfcheiz
nungen ıc.; fpufhaft, Bi. (niederd. ſpökhaftig), fpukartig, gefpenftifch.
Spule, w., M. -n, Verkl. das Spulchen, (althochd. spuolo, m., u. spuola,
w.; mittel). spuole; oberd. der u. die Spuelen; niederd. Spole, Spool, holl.
spoele, ſchwed. spole, engl. spool; ital. spola, franz. sepoule, Epoullin; von
dunkler Abſtammung; vgl. Spill), an Spinnrädern: die Nöhre, welche den
gefponnenen Baden aufnimmt (die Spule voll fpinnen); auch jede auf eine
Spindel geſteckte Röhre, um Garn ıc. darauf zu wideln (Garn auf die
Spule laufen laſſen; eine Spule Garn abwideln; landfch. uneig. es läuft ihm
eine Spule leer, f. es geht ihm ein Unterhaltungsmittel ab, od. f. cs entgeht
ihm ein Vortheil); Web. die Eleine Röhre, welche mit Garn bewidelt in
das MWebefchiff gethan wird, auch f. das ganze Webefhiff (die Schieß—
fpule); in weiterer Anwendung f. verfchiedene längliche, walzenförmige,
meift hohle Körper, insbef. der untere hohle Theil der größeren Federkiele
(Federfpulen) u. die ganze noch ungejchnittene Schreibfeder, niederd.
auch Pofe (Gänſe-, Schwanenfpulen zc.); Jäg. die Eleinen Steden od. Sprei—
gel in den Hühner: und Stedgarnen; oberd. ein fpulförmiges Brod vom fein-
- ften Mehl (Spuelwed); auch f. ein Holzſpan zu groben Korbmacher-Arbeiten;
landſch. z. B. in den Hallifchen Salzwerken: ein bedeckter Graben, welcher
das wilde Waffer abführt (vielleicht von ſpülen?); — 3fes. der Spuk
‘baum, f. v. w. Spindelbaum; dag Spuleifen, die eiferne Spindel, um welche
die Spule fi dreht; fpulfürmig, Bw., dünn u. walzenförmig; der Spul-
Fahn, aus einem Stück Holz gehauener Fiſcherkahn; der Spulfaften, die
Spulenlade, ein Kaften zu Spulen, bef. an dem Spulrade der Weber, bei
Seidenwirkern 2c ; der Spulenmacher, wer Weberfpulen macht; der Spul-
muskel, Anat. gewiffe fpulförmige Muskeln; das Spulrohr, Rohrgras; die
‚Spulfpindel, vie Spindel, auf welche die Spule geftedt wird; der Spul-
wurm, ein walzenförmiger dünner Wurm, be. eine Art Eingeweidewürmer
bei Menfchen u. Ihieren, Runde, Darmmwurm; auch eine Art weißlicher Regen:
würmer; — Xbleit. fpulen, ziel. Zw., auf die Spule od. Spindel laufen
laffen (Garn); daher der Spuljunge, Web. ein Lehrling, welcher fpult; das
Spulrad, das Rad, mittelft deffen das gefponnene Garn auf die Weberfpulen
- gebracht wird; auch das Rad, an welchem Wolle gefponnen wird; der Spu—
ler, -8, die Spulerinn, M. -en, wer fpult. 2
ſpülen, 3w. (alt. spuolen, spüelen; oberd. ſpüelen, niederd. ſpölen, holl.
spoelen), 1) ziellos m. Haben, von Flüffigkeiten: in wellenförmig ſchwan—
fender Bewegung an etwas anfcylagen, niederd. auch ſchälen, (z. B. der
Fluſs pült an die Mauer); 2) ziel. etwas —, fpülend fortbewegen, finnv.
fhwemmen (der See fpült Schilf, Schaum ze: ans Ufer; das Waffer fpült das
Erdreich, Holz ıc. vom Ufer weg); fpülend, d. i. vermittelft einer in ſchwan—
kende Bewegung geſetzten Flüffigkeit bearbeiten, bef. reinigen, finnv. ſchwen⸗
ken, verſch. waſchen (Gläſer, Töpfe 2..—; die Wäſche ſpülen, d. i. nachdem fie
gewaſchen iſt, durch kaltes Waſſer ziehen); — 3ſetz. das Spülfaſs, die
1018 Epund
Spülgelte, der Spülkübel, das Spülfchaff, die Spülmanne, der Spül-
zuber, Gefäße, worin das gewaſchene od. gefcheuerte Küchengeräth, Geſchirr ze.
ab: od. ausgeipült wird; das Spülgefüß, jedes Gefäß, etwas darin zu fpüs
len; der Spülgießer, Schiff. eine Art Schaufeln, die Segel u. Schiffsfeiten
bei heißem Wetter mittelft derfelben zu begiegen ; der Spülfelch, in der Eathol.
Kirche ein Kelch mit nicht geweihetem Weine, welcher den das Abendmahl Ge=
nießenden auf Zerlangen gereicht wird, um das gemeihete Brod hinunterzufpü-
len; der Spülfeffel, Schwenkkeffet; der Spülfumpf od. b. Spülnapf, ein
Napf zum Ausipüten Eleinerer Gefäße; die Spülmagd, Magd, welche das
Küchengeräth reinigt; der Spülſtein, in Küchen: der Rinn- od. Goffenftein,
über welhem man etwas. abjpült; das Spülwaſſer, Waſſer, worin etwas
abgeſpült wird; auch f. Spülicht; — Ableit. die Spüle, M. -n, (niederd.
Spöte), landih. der Drt am Waffer, wo man etwas fpület, insbef. die
Bühne der Wäfcherinnen am Ufer eines Fluffes; der Spüler, -8, die Spüle
tinn, -en, wer fpült; das Spülig, r. Spülicht, -e3, o. M. (oberd. Spüe-
lach, auch das Geſpüel), das Waſſer, worin gebrauchtes Zifch- u. Küchen -
geräth gefpült worden iſt; überh. f. weggefpülte Unreinigfeit (4.8. Brannt-
weinfpütiht); die Spülung, das Spülen.
Spund 1. m., -e8, 0. M., landſch. f. v. w. der Spint, Splint; daher
fpundig od. fpündig, Bw., oberd. f. käsartig, ſpeckig (von Badwerk), feh—
lerhaft dicht u. feſt; auch f. hager, lang.
Spund 2, m., -e3, M. Spünde; Verl. das Spündchen, (wahrſch.
von Spinden, als verftärkender Mebenform f. binden, verfchlichen, vgl.
Spind f. Schrank; oberd. u. Schweiz. auh Punt, Punden od. Bunten;
mittl. lat. bondonus, franz. bondon; engl. bung; poln. szpunt) 1) überh.
ein kurzer Pfropf od. Zapfen zum Verſchließen einer Offnung, insbef. der
Schließzapfen für das Spundlody eines Faffesz der Pfropf zum Verftopfen
der Mündung eines Gefhüges; an Fiihteihen der Zapfen, weicher herausge—
zogen wird, um das Waſſer abzulaffen; Drechsl. Eurze runde Stückchen Holz,
melde, an die Spindel befejtigt werden; 2) eine verfchloffene od. verſchließ—
bare Offnung, insbef. das Spundloch (f. u.) eines Faffes; eine Stelle im
Dache, wo bei Feuersgefahr das Dachwerk ſchnell weggenommen werden kann;
*
auch die Öffnungen der Röhren in Waſſerleitungen; 3) bei Holzarbeitern ſ. v.
w. Salz, Kuge, auch ein aus mehren Zheilen zufammengefugtes
od. -gefalztes Merk, z. B. Hüttenw. ein Werk, das Waffer bei den Fludern
zu ertragen, — -Tolinben, niederd. ſpunden, ziel. 3w., (gem. nieberd. ſpun—
nen überb. f. verſchließen, einfließen) 1) eine Sffnung mit einem Spunde
od. Pfropfe verſchließen, insbeſ. die obere Offnung eines Faſſes mit dem
Spunde od. auch durch Einſetzung eines Bodens od. Deckels verſchließen (ein
Fafs ſpünden, zuſpünden); auch etwas in ein fo verſchloſſenes Gefäß ein—
ſchließen, verwahren (Mehl in Fäſſer —); 2) durch Falze oder Fugen am
Rande verbinden, fugen (Bretter, Balken); aus in einander gefugten od. ge—
pündeten Brettern verfertigen (eine Stubendede), od. mit folchen Brettern Er
g
befleiden, täfeln (eine Wand, einen Brunnen mit Bohlen — ıc.); der Spün⸗
der, -$, wer die Fäſſer zuſpündet u. in den Keller Schafft (Bier-, Weinipün-
der); — 3fe&. von Spund u. fpunden: dad Epundband, Fafzb. das Band,
welches ein Faſs zunähft am Spunde umschließt; der Cpundbaum, 1) ein
ftarker, Baum, aus welchem Spundbretter geſchnitten werden können; 2) der
*
—
DH
*
Spunn — Spur 1019
Grund- od. Fachbaum an Waſſermühlen und Wehren; der Spundbohrer,
ein großer Bohrer zum Bohren der Spundlöcher; das Spundbrett, eine
Art ſtarker, zum Spünden brauchbarer Bretter, 1 bis 14 ZoU dick, auch die
Spunddiele, das Zalzbrett; das Spundgeld, landſch. eine Abgabe von dem
ausgefchentten Weine od. Biere; die Spundhefen, f. v. w. Oberhefen (f. He—
fen); der Spundhobel, ein Hobel, womit der Falz u. die Nuth an dem zu
fpündenden Brettern gemacht wird; die Spundlade, an Orgeln eine Wind-
lade, deren Boden auögemeißelt u. dann verfpündet worden ift; das Spund⸗
loch, die Dffnung in der Mitte eines Faſſes, welche mit dem Spunde verſchloſ—
fen wird; der Spundnagel, eine Art hölgerner Nägel zum Spünden der
Bretter; der Spundpfahl, ein in einen andern gefalzter Pfahl; die Spund-
füge, Faſsb. eine Säge zum Ausſchneiden des Spundes; das Spundftüd,
Bergw. winkelreht ausgehauene Bäume, zu Flubern gebraucht u. mit Brettern
bekleidet; die Spundtiefe, Tiefe eines Faffes, duch den Spund gemeffen,
Mitteltiefe; das Spundwerf, aus ineinandergefpündeten Theilen beftchendes
Werk; der Spundzapfen, f. v. w. Spund 1), Schließzapfen; der Spund—
ziegel, Plattziegel.
Epunn, Spunne od. Spünne, f. u. w. (f. fpänen 2.), alt u. oberd. f.
die Muttermilch.
fpunzeln, ziel. Zw. (franz. poncer), nieberd., etwas durch ein durchlöcher—
tes Papier mit Kohlenftaub od. Kreide abzeichnen, durchftäuben.
Spur, w., M. -en, (altd. daz spor, auch w.; oberd. die Spur, Geipur,
auch die od. das Geſpor; niederd. Spoor, angel. spor, isländ. spör, ſchwed.
sporr; von gleihem Stamme mit Speer (ſ. d.), Sporn, alſo urjpr. Stich,
Einſchnitt), überh. ein Einfhnitt od. Eindrud, eine Vertiefung, Kerbe ıc.,
3: B. Bergiw. der Mittelpunkt in dem Pfännchen, worin die Spindel herum:
läuft; auch die Kerbe, welche beim Bohren der Schieflödyer gemadt wird;
Hüttenw. eine runde Vertiefung im Zreidherde, u. im hohen Ofen, in welche
das gefchmolzene Metall zuſammenfließt (daher: die Spur fchneiden, d. i. dieſe
Vertiefung im Herde ausfchneiden, was mir dem Spureifen geihicht);
Schiffb. eine Zufammenfügung von ſtarken Hölzern, wo der Fuß eines Maftes
auftritt; gew. in engerer Bed. der in dem Boden zurüdgebliebene Eindrud
von dem Gange eines Menfchen (finnv. FZußtritt, Fußftapfen), eines Thie—
res (bei jagdbaren Thieren auch: die Fahrte), oder eines Fuhrwerkes, ſ. v. w.
Geleife, Gleife, (in diefer eig. Bed. gew. nur in der Einh., z. B. der Spur
eines Diebes nachgehen; einem auf die Spur fommen, auch uneig. f.
Merkmale finden, woraus man feine Handlungsweiſe od. fein Vorhaben erfen-
nen kann; der Hund folgt der Spur des Wildes, ift auf der Spur, hat die
Epur verloren; Spur halten od. fahren, d. i. in der ſchon vorhandenen
Wagenfpur fahren); uneig. ein zurücdgebliebenes Merkmal od. Kennzeichen
von etwas Dagemwejenem (z. B. Spuren des Krieges, der Verwüſtung; Spu—
ven der Krankheit in feinem Gefihte), u. überh. ein Erkenntnifsgrund, wor—
aus man-auf das Dafein einer Suche fihließt (z. 8. Spuren der göttlichen
Vorfehung, u. dgl. m.); — 3fes. die Spurbiene, ſ. v. w. Epähbiene, ſ. d.;
der Spurgang, Spurritt, Jäg. Gang, Ritt bei frifchgefallenem Schnee nad)
Sauen od. Wölfen; der Spurherd, Hüttenw. der Herd, in welchem die Spur
(f. 0.) gemadt wird; fpurlos, Biv., ohne Spur, Erine Spur zurücklaſſend
(4. 8. fpurlos verfhwinden); das Spurmefler, Hüttenw. ein Meffer, womit
1020 fpuren — fpüßen
die Spur (f. 0.) ausgefchnitten wird, Spureifen; der Spurftein, 1) Steine
mit Spuren von thieriichen od. Pflanzen Körpern, z. B. Abdrudfteine und
Steinkerne; 2) Hüttenw. ein durch Schmelzung des Schwarzkupfers erhalte
nes noch mit Geftein 2c. vermifchtes Kupfer; das Spurwiefel, eine Art ägyp-
tiſcher Wiefel, welche Vögel auffpüren (Pharaonsmaus od. vage, Schneumon);
— Xbleit. ſpurig, Bw., eine Spur habend od. bildend, nur in Zſetz. wie
breitfpurig 2c.; fpuren 1., ziellof. 3w. m. haben, "Spur halten, in
der Spur od. im & leife gehen (von Wagen); fpüren, zielloſ. u. ziel. Zw.
(altd. spurian, spurran, spürn; oberd. auch gefpören, niederd. ſpören; angelf.
spyrian), eig. der Spur folgen, mittelft der Spur etwas zu erforfchen ſu—
.
chen (die Hunde fpüren nad) dem Wilde; vgl. nach-, auf-, ausfpüren); mit⸗
telft der Spur od. überh. an gewiffen Merkmalen etwas entdeden, wahr:
nehmen, finnv. wittern (die Hunde fpüren ein Wild; die Katze fpürt eine
Maus; er jpürte Verrath u. dgl.); uneig. überh. f. ſchwach od. fein empfin-
den, fühlen, finnlich wahrnehmen, merken (Zug, einen üblen Gerud) ze. fpü-
zen; man fpürt es kaum; ich fpüre nichts); daher: der Spürhund, ein Zagd-
hund, welcher dazu abgerichtet ift, das Wild aufzufpüren; die Spürfraft, das
Vermögen, etwas auf od. auszufpüren; der Spürfchnee, Zäg. friſch gefalle-
nee Schnee, in welchem fi) die Spur des Wildes leicht auffinden u. verfolgen
täfft; der Spürer, -8, wer fpürt od. etwas aufzufpüren ſucht; Jäg. f.
Spürhund; die Spürerei) verächtl. f. das Spüren, Ausfpüren; fpürig,
Bw., alt f. ‚Spüreef befigend, fcharffinnig.
fputen 2. ‚ 3to., Yandfch. |. v. mw. fporen (f. unter fpor) u. fparen 2.5 —
das Spur-€i, f. v. w. Spor-Ei (f. fpor).
Spürgel, m., -8, landſch. f. Spergel, Spark, f. d.
Spurherd, Spürhund, -kraft, f. unter Spur.
Spurf, w., f. Sporf.
Spurfs, m., niederd. f. Eleiner unanfehnlicher Menfch, Knitpe:
fpurlos, Spurmeffer, 1. unter Spur.
Spurre, w. landſch. f. das Nügleingras; der Spark, au: Spurrer.
Spurritt, Spürfchnee, Spurſtein, Spurwiefel, f. unter Spur.
fpürzen, fpürzeln, zieltof. Zw. (auch fpirzen, fperzen), oberd. f. fpeien,
fpuden.
fputen od. nach niederd. Ausſpr. ſpuden, rückz. 8w., (von dem altd. spuoan,
spuon, Prät. spuote, angelf. spövan, Kortgang haben, von Statten gehen, ge:
deihen; daher altd. spuot, Fortgang, Erfolg; vgl. die ſanskr. Wurzel spha,
wachfen, gedeihen; — niederd. |poden, jpöden, ziellos u. rüdz., holl. spoeden,
engl. speed; vgl. auch d. griech. oreudeır, orovdn), ſich —, gem. f. eilen,
fich beeilen, etwas mit Geſchwindigkeit, aber zugleich mit angeftrengtem
Eifer u. Befonnenheit verrichten, finnv. fi) tummeln, verſch. haften (fpute
dich, aber haſte nicht); die Spute, o. M., niederd. (Spood; holl. spoed,
engl. speed) f. Eile, Geſchwindigkeit im Ausrichten; glüdlicher Fortgang,
Erfolg; fputig, Bw. (altd. spuotig, niederd. fpodig, engl. speedy) f. eilig,
gefhmwind, hurtig.
fputtern, ziellof. u. ziel. Zw. (engl. sputter; vgl. ſpützen) nieberd. f. fpriz
sen, fprudeln, bef. beim Sprechen Speichel ausiprigen.
ſpützen, ziellof. u. ziel. Zw. (verftärkende Ableit. von fpeien, f. d.; oberd.
|
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ft — Staat 1021
auch ſpeuzen; hol. spuyten; angelf. spittan, engl. spit, ſchwed. spotta), alt
u. oberd. f. fpeien, ſpucken; die Spüße, f. der Speichel.
ft, ein Raturlaut, durc welchen man Schweigen gebietet, bef. um feine
Aufmerkfamkeit auf etwas zu richten, zu horchen zc., vgl. pft.
Staar 1., m., ein Vogel, ſ. Stahr.
Staar 2. m., -e8, M. -e, (oberd. der Star, des Starn zc.; altd. daz
staraplint, starblint; vom altd. star&n, starn, niederd. ftaren, ſtar-ogen,
isländ. stara, angelf. starian, ftarren, mit ftarren Augen blicen), eine Augen
krankheit, welche die Sehkraft zerſtört; insbef. der graue Staar, Ver
dunkelung der Kryſtalllinſe od. ihrer Kapſel (fr. cataracta, Katarakt); der
grüne Staar, Verdunkelung der gläfernen Feuchtigkeit (fr. Glaufoma); der
ſchwarze Staar, völlig unheilbare Lähmung des Sehnerven (fr. Amauro-
fi; den Staar ſtechen, beim grauen Staar die undurdhfichtige Haut, welche
die Kryftalllinfe verdunfelt, niederdrüden od. herauszichen, um die Sehkraft
herzuftellen; uneig. einem den Staar ftechen f. ihm die Augen über etwas öff-
nen, ihn zur Einficht bringen); das Staarauge, ein mit dem Staar behafte-
tes Auge; ftaarblind, Bw. (altd. staraplint, starblint; oberd. auch ftarnblind)
durch den Staar erblindet, ſtockblind; die Staarbrille, eine Art Brillen für
kranke Augen, bef. für folche, denen der Staar geftochen ift; die Staarnadel,
eine goldene Nadel, mit welcher der Staar geftochen wird; der Staarftecher,
ein Augenarzt, welcher den Staar zu ftechen verfteht.
Staat, m., -e3, M. -en, (ehem. Stat gefhr.; im Altd. unbekannt, erft
in neuerer Zeit, jeit dem 19. Sahrh. aus dem lat. status, ital. stato, franz.
estat, etat ins Deutfche aufgenommen; engl. state, holl. staet,- ſchwed. stät)
1) 0. M. chem. überh. f. Stand, Zuftand, Page, Befchaffenheit einer Per-
fon od. Sache (3. B. fidy in gutem Staat befinden; in dem Staat der Witt-
wen bleiben; in dem Staate fein zc. f. im Stande fein); insbef. f. Beſtand
der Ausgaben u. Einnahmen, Rechnungs: Anschlag od. -Uberfchlag (jest
gew. fr. Etat; daher noch niederd. Staat machen f. Rechnung machen;
Staat auf etwas machen, f. darauf rechnen, hoffen, bauen); ferner f. Stand,
Drden, Amt, Würde (4. B. von dem König ehrfamen Staat empfangen; in
diefem Sinne auch M. die Staaten f. Stände, 3.8. die holländ. General-
Staaten, d. i. abgeordneten Stünde) ; daher 2) 0.M. der einen Stand aus—
zeichnende Außere Aufwand, Prunk, Gepränge, bef. an Kleidern, Bedienung,
Gefolge ze. (einen großen Staat machen od. führen; ein Eöniglicher, fürftlicher
2. Staat; vgl. Hofftaat); in weiterer Bed. f. prächtige Kleidung, Eoftba=
rer, od. doch glängender, ins Auge fallender Puß (viel Staat machen; in völ-
ligem Staat erſcheinen; feinen beften Staat anlegen; vgl. Bettel:, Flitterftaat) ;
3) die Gefammtheit einer durch gemeinfchaftliche Verfaffung u. Negierung
vereinigten bürgerlichen Gefellfchaft, bei. hinfichtlich der Regierungsform u.
ber bürgerlichen Einrichtungen, verſch. Reich, Land, Volk, (4.8. ein
Sreiftaat, monarchiſcher Staat 2c.; die europäifchen Staaten; der Preußifche,
Englifhe, Franzöfiihe zc. Staat; die vereinigten Staaten von Nord: Ame-
rika 2c.); die M. Staaten auch f. die verfchiedenen Gebietstheile oder
Landfchaften (Provinzen) eines Staates od. Meiches, bef. wenn fie von ver
fhiedenen Volksftämmen bewohnt find od. verfchiedene Gefege u. bürgerliche
Einrichtungen haben (4. B. die Öfterreichifchen, Preußifchen, Ruſſiſchen Staa—
fen; feine Staaten erweitern, bereifen 20.); — 3fe$. mit Staats- in der
1022 Staat
Bed. 2): das Stantsbett, der Staatsdegen, das Staatsfleid, die
Staatskleidung, der Staatsrod, mantel 2c.; der Staatshut, die
Staatshaube, die Staatskutfche, der Staatöwagen, das Staatäzim:
mer u. dgl. m., Bett, Degen, Kleid. 2c. dem Stande od. der Würde angemef-
fen, überh. f. Prunkbett, =degen, -kleid 2c.; die Staatsdame, eine zum Hof-
ſtaat gehörende Dame; auch jpöttiih f. eine viel Staat machende, fich ſehr
pugende Dame; die Staatsnath, Schuhm. eine nur halb durchgenähete Nath
längs des Schaftes hinten an den fteifen Stiefeln; — in der Bed. 3): das
Staatsamt, öffentl. Amt in einem Staate, bef. fofern es in die Staatsver-
waltung eingreift; die Staatsangelegenheit; die Staatsbanf, f. Bank 2);
der Staatsbeamte, wer ein Staatsamt bekleidet; die Staatöbehörde, hohe
Gerihts- od. Verwaltungsbehörde eines Staates; der Staatsbeſchluſs, ein
den Staat betreffender Befhlufs des Staatsrathes zc.; der Staatsbote, ein
in Staatsangelegenheiten an einen andern Staat abgefendeter Bote (fr. Cou—
vier); der Staatsbürger, Bürger eines Staates, insbef. fofern er als thäti-
ges Mitglied desfelben an dem öffentlichen Leben Theil hat, verſch Unterthanz '
daher ſtaatsbürgerlich, Bw.; die Staatsbürgerfchaft; der Staatsdiener,
wer in irgend einem öffentl, Amte dem Staate dient, von weiterer Beb., als
Staatsbeamter; der Staatsdienft, das Verhältnifs u. Amt eines Staatsdie—
ners; die Staatseinfünfte; die Staatseinrichtung; die Staatöform;
der Staatögefangene, ein Staatsgefangener zc., ein wegen eines Staats—
verbrcchens Gefangener; das Staatögeheimnifs, ein den Staat betreffendes
Geheimnifs; das Staatögefchäft, den Staat, deffen Verwaltung zc. betref-
fendes Geſchäft; die Staatsgefchichte, Gefchichte eines Staates als folden,
verſch. Volks-, Landesgefhichte 2c.; das Staatsgeſetz, ein auf die Verfaffung
u. Verwaltung eines Staates fich beziehendes Gefeg; die Staatsgewalt; der
Staatsgriff, ein Kunftgeiff, fchlaues Verfahren in Staatsangelegenheiten,
ftärker: der Staatskniff (f. Kniff); das Staatsgut, ein dem Staate ge=
hörendes, öffentliches Gut od. Befisthum; der Staatshandel, eine Angele-
genheit, Streitſache zc. des Staates (politiiher Handel; M. Staatshän—
del); die Staatshaushaltung, f. v. w. Staatswirthfcheft, |. u.; die
Staatskanzelei, die Kanzelei (f. d.), welche die Staatsſachen ausfertigt, deren
Borgefegter: der Staatskanzler, der erfte Staatsbeamte; die Staatsfaffe,
jede öffentl. Kaffe eines Staats, bef. die Hauptkaffe, der öffentliche Schatz; die
Staatsklugheit, Einfiht in den Zufammenhang der Staatsangelegenheiten
und Sefhidlickeit in deren Leitung, in höherem Sinne: Staatsweisheit
(fe: Politik); ſtaatsklug, Bw., Staatsklugheit befigend u. davon zeugend (fr.
-politiih); der Staatsiniff, ſ. Staatsgriff; der Staatskörper, f. Körper;
die Staatsfoften, die Koften der Staatsverwaltung; die Staatskunde,
die Kunde, d. i. die Kenntnis u. Wiffenfchaft, von den Einrichtungen, dem
Zuftunde u. den Verhältniffen eines Staates; von mehren Staaten: die Staa—
ten&unde (fr. Statiftit); ſtaatskundig, Bw., Staatskunde befisend; die
Staatsfunft, die Kunft od. Gefhielichkeit, die Staatsangelegenheiten zweck⸗
mäßig zu leiten (fr. Politif); daher der Staatskünftler (fe. Politiker); die
Staatslaft, beſ. M. Staatslaften, Laften, welche die Staatsbürger zur Er—
haltung des Gemeinwefens tragen müffen; die Staatslehre, Lehre von ber
ziwedmäßigen Einrichtung u. Verwaltung eines Staates, finnv. Staatswiſſen⸗
‚Schaft (die objective Seite der Staatskunſt; fr. Politik); auch ein einzelner den
Staat 1023
Pr F
Staat betreffender Lehrſatz (politiſche Lehre; M. Staatslchren); der
Staatslehrer, wer die Staatslehre vorträgt od. behandelt; der Staatsmann,
M. Staatsmänner (nit leute), ein ſtaatskluger, und befonders ein in
Staatsgefchäften thätiger Mann; das Staatsoberhaupt; der Staatspäch-
ter, wer Staatsgüter od. einzelne Zweige des Staatseinfommens gepachtet
hat; das Staatöpapier, def. M. Staatspapiere, den Staat betreffende od.
vom Staat ausgehende Papiere, Urkunden 2c.; insbef. vom Staat in Umlauf
geſetzte Geldfheine, Papiergeld; der Staatsrat), hohe od. höchfte berathende
Berwaltungsbehörde eines Staates; auch ein Mitglied einer folhen Behörde;
das Staatsrecht, das Recht od. die Befugniſs eines Staates, etwas zu thun
od. zu laſſen; der Inbegriff der Rechte, nad) welchen ein Staat verwaltet wird,
u. der Gerechtſame der verfchiedenen Staateglieder gegen einander (lat. jus
publicum); auch der Inbegriff der Rechte mehrer Staaten gegen einander, ges
nauer: das Staatenrecht; daher: ſtaatsrechtlich, Bw. (fr. publiciſtiſch);
der Staatsrechtäfundige, -lehrer (fr. Publicift); die Staatsrechtölehre,
⸗wiſſenſchaft 2c.; die StaatSreligion, die vom Staate als herrfchend aner=
Eannte Religion; das Staatöruder, f. Ruder; die Staatsfache, jede den
Staat betreffende Sache, Staatsangelegenheit;z die Staatsfchrift, eine die
Staateverhältniffe betreffende Schrift; der Staatsfchriftiteller (fr. politiſcher
od. pubticiftiiher Scriftfteller); die Staatsfchuld, Geldſchuld eines Staa-
tes, öffentliche Schuld; das Staatöfiegel, das große Siegel, mit welchem
Staats-Urkunden in der Staatskanzelei verfehen werden; die Staatsftelle,
ge Staatsbehörbe; der Staatsſtreich, ein ftaatskluger Streich (ſ.
3 franz. coup d’etat); die Staatsumwälzung (fr. Revolution); der
Ehnatsemtpälger (fr. Revolutionär); die Staatsveränderung, -verwand:
lung zc.; die Staatsunterhandlung, Unterhandlung in Staatsangelegenhei-
ten (fr. bipfomatifche Unterhandlung); der StaatSunterhändler; das Staats-
verbrechen, Verbrechen wider die Sicherheit u. Ruhe des Staates; der
Staatöverbrecher, wer ein Staatsverbrehen begeht; faatsverbrecherifch,
Bw.; die StaatSverfaffung, f. Verfaffung; die Staatsverhandlung, Ver:
handlung in Staatsangelegenheiten; das Staatövermögen, Vermögen eines
Staates an Staatögütern, Staatspapieren 2c.; die Etaatsverfammlung,
Verfammlung des Staatsraths, od. der Stände eines Staates; die Staats:
verwaltung, ſ. Verwaltung; der Staatsverwalter, «verwefer, 1. Verweſer;
die Etaatöweisheit, ſ. o. Staatsklugheit; die Etaatswirthfchaft, die Ver—
waltung der Einkünfte eines Staates u. des Staatövermögens, fo wie bie
Wiſſenſchaft derfelden (Staats-Dkonomie, Finanzwiffenfhaft); die Staats—
wilfenfchaft, die Wiffenfhaft vom Staate, die Staatslehre als wiſſenſchaft—
liches Lehrgebäude; die M. Staatswiffenfchaften, f. alle zur Staatsverwal-
tung u. Staatswirthichaft nöthigen Kenntniffe (fr. Gameralia) ; ftaatSwiffen:
ſchaftlich, Bmw., zur Staatswiffenfchaft, od. zu den Staatswiffenfhaften ges
hörend od. diefelben betreffend (fr. cameratiftiih); die Staatszeitung, eine
von der Staatsregierung 0d. mit deren Ermädtigung herausgegebene Zei—
tung; — 3fes. mit Staatens: die Staatenbeſchreibung, Beichreibung der
Staaten (fr. potitifche Geographie); der Staatenbund od. =verein, Verbin:
dung mehrer Staaten zu einem Iwede; die Staatenfahne, Sahne der verei-
nigten Staaten, z. B. chem. der Niederlande; Naturk. eine Art oftind. Blafen-
fenfchneden, auch Prinzenflagge; die Staatengefchichte, Geſchichte mehrer
I)
1024 = A: m
Staaten (4. B. europäiſche Staatengeſchichtey; die Staatenkunde, f. o.
Staatskunde; die Staatenverfammlung, Verfammlung der abgeordneten
Stände eines Staates, der aus der Vereinigung verfchiedener Eleineren Staas
ten befteht, wie ehem. die vereinigten Niederlande; — Ableit. ſtaatiſch,
gem. ftaatfch, Srw., (niederd. ftaatfE; mit fremdartiger Endung: ftatiös),
gem. f. Staat machend, prunfliebend; prächtig, ſtattlich; ftaatlich, Bm.,
Neuw. f. den Staat od. einen Staat betreffend (fr. politifch).
. Stab, m., -es, M. Stäbe; Verkt. das Stäbchen od. Stäblein, (altd.
stap, ©. stabes; niederd. Staf; angelf. staef, engl. staff, ſchwed. staf; wahr.
von einer eigenen Wurzel stab, stiban, f. ſtützen, ſtemmen; vgl. die fangkr,
Wurzel stabh, feft fein; das altd. u. noch ſchweiz. ftaben f. ftarren, fteif
fein; niederd. ſtaven f. fteifen, befeftigen; das lat. stipes, Stamm; aud:
Stimme, goth. stibna); 1) ein langes u. verhaltnifsmäßig dünnes, fteifes
Holz, insbei. ald Stüge beim. Gehen, zum Schlagen zc. dienend, edler, als die
finnv. Stod, Steden, (an einem Stabe gehen; feinen Stab weiter fegen, d,
i. feinen Weg fort ſetzen; der Wander-, Hirten-, Bettelftab 2c.; fein Sohn ift
der Stab feines Alters, uneig. f. die Stüse), auch zu andern Zwecken (4. B.
ein Gitter von dünnen Stäben; die Blunten an Stäbe binden 2c.); Faſsb. f. R:
Fafsdauben (Tonnen, Pipenftäbe); in weiterer Bed. f. Stange, Barre,
Zain, vierfantige gegoffene od. gefchmiedete Stücke Metall, bef. Eifen; über,
etwas Stabfürmiges od. Stabähnliches, insbef. Bauf. jedes halbrunde °
Glied in den Verzierungen; ehem. auch f. Schriftzeichen, Buchftabe (f. d.)
u. in. der M. f. Schrift, Sprache (niederd. Stäve, Steve); in engerer
Bed. 2) ein Stab als Werkzeug zum Meffen (Mafftab); auch ein bee
flimmtes Längenmaß, gew. — 2 Ellen, zu Schnittwaaren; 3) ein Stab
als Sinnbild der richterlihen Gewalt (daher ven Stab über Semand
brechen, zum Zeichen der Verurtheilung zum Zode, uneig. überh. f. ihn vers,
urtheilen; ehem. an ben Stab rühren od. geloben, d. i. durch Berührung des —
Richterſtabes an Eides Statt geloben), auch als Zeichen der oberherrlihen”
Gewalt u. Würde, des Dberbefehls (vgl. Zepter; z. B. der Befehlshaber,
Feldheren-, Marſchallsſtab 2c.); uneig. f. Gericht, Gerichtsbarkeit (unter Je
mands Stabe ftehen, d. i. unter deffen Gerichtsbarkeit; der Bürger-, Lehens— |
ftab zc. f. bürgerliche, lehnsherrliche Gerichtsbarkeit; vgl. auch Krummftab); "
bef. beim Kriegswefen als Sammelw. f. die höheren. befehlhabenden Offt-
ciere eines Heeres od. einer Heeresabtheilung (der Stab eines Regimentes, der
Generalſtab 2c.; daher der Stabs-Dfficier, der Stabsarzt ꝛc., ein
zum Stabe gehörender Officier, Arzt 2c.); — 3ſetz. der Stabblod, ſtarke #
Holzftüde zum Schiffbau; der Stabdegen, gew. Stoddegen, |. d.; dad
“ Stabeifen, zu Stäben gefchmiedetes Eifen, Stangeneifen; auch ein hohles
Drepeifen der Stellmacher; der Stabeifenhammer, gem. Stabhammer,
ein Gifenhammer, wo Eifen zu Stäben gefchmiedet wird; das Stabgericht,
ein Gericht, welches den Stab als Sinnbild der Richtergewalt führt, ehem. fr
ein höheres, mit dem Blutbann verfehenes Gericht, landſch. aud) f. niedere,
ſelbſt Feld- u. Dorfgerichte; der Stabhalter, ehem. wer zum Zeichen der ride
terlihen od. befehlenden Gewalt den Stab hält (fr. Präfident); der Stabho- J
bel, Tiſchl. eine Art Hobel zur Verfertigung der Verzierungen, welche Stäbe
(j. o. 1) genannt werden; das Stabholz, Holz zu Faſsdauben (f.o. Stab 1);
das Stabrechnen, die Stabrechenkunft, eine Art zu rechnen mit Stäben
un ==
— — —— —
— —————
Stadel 1025
(fe. Rhabdologie); der Stabreim (von Stab f. Buchftabe, f. o.), der Buch-
ftabenreim, die Art des GleichElanges, welche durch die Wiederkehr gleicher
Mitlaute als Anfangsbuchftaben mehrer Wörter entfteht (4. B. mit Schimpf
und Schande, in Wind und Wetter, u. dgl. m.), bei. in der altd. und altnord.
Dichtkunft (fr. Allitteration); der Stabreißer, Schläger, Korftw. ein Arbei—
.ter, welcher das Holz zu Stabholz fpaltet, od. Schlägt; das Stabthierchen,
eine Art Aufgufsthierchen; der Stabträger, 1. v. w. Stabhalter; in der ka—
thol. Kirche derjenige, welcher der Geiftlichkeit den Stab vorträgt; die Stab-
wurz, eine zum Gejchlecht des Beifußes gehörende Pflanze mit langen u. gera—
den ftabförmigen Zweigen, auch: Beſen-, Gertelfraut, Gertwurg, Eberwurz ıc.
(artemisia abrotanum L.); die Stabzange, eine große Zange zum Handhaben
der Kolben, wenn fie zu Stäben gefchmiedet werben ; der Stabzehnte, Landfch.
der Zehnte von den Feldfrüchten, welche nicht in Garben gebunden, fondern bei
der Übergabe mit der Zehntruthe abgemeffen werden, auch: der Stangenzehnte;
— der Stabel- od. Stäbelherr, auch Stabelmeifter (wohl von dem oberd.
Berl. das Stabel od. Stäbel f. Stäblein), ehem. bei Turnieren ein vor—
nehmer Adliger, welcher Anfang u. Ende des Turniers mit dem Stabe bes.
ſtimmte; — das Staberrad (von dunkler Bildung, vielleicht von anderem.
Stamme?) Müll. eine Art unterfchlächtiger Waflerräder, welche nur einen
Mahlgang treiben (verich. Panfterrad) ; das Stabergerinne, Gerinne zu einem
Staberrade; das Staberzeug, das Staberrad mit feinem Zubehör; — Ab—
Leit. der Stabe, M. -n, Neuw. f. Buchftabe, def. gegoſſene Druckbuchſta—
ben, Lettern; der Stabel, -&, M. w. E., landſch. f. Pfahl, Holzfcheit, z. B.
in den Hall. Salzwerken; flabeln, 3w., f. v. mw. ſtaben; ftäbeln, ziel. Zw.,
mit Eleinen Stäben verfehen, ftüsen, ftengeln (Blumen, Erbfen; den
Wein—, pfählen); daher die Stäbel- od. Stabelerbfe, eine Art Gartenerb-
fen, welche geftäbelt werden; der Stäbler od. Stabler, -8, wer zum Zeichen
der richterlichen od. befehlenden Gewalt mit einem Stabe verfehen ift, ins—
be. Landich. die Handwerfsmeifter; auch f. v. w. Stabelherr, f. o.; oberd.
wer bei feierlichen Aufzügen den Stab vorträgt; ſchweiz. eine alte. Bafeler
Scheidemünge mit einem Bifchofsftabe im Gepräge; ftaben, ziel. Zw. (altd.
stabon, staben; niederd. ftaven, ftäven), vlt, einen Eid—, die buchftäblich
nachzufprechende Eidesformel einem Andern vorfprechen od. vorlefen (da—
her: ein geftabter Eid, d. i. ein feierlich vorgefprochener; wahrſch. von
Stab f. Buchſtabe, |. 0.5 daher auch wohl f. buchftabiren, laut herfagen,
ſchwed. stafva, stawa f. lefen; n. X. von der Berührung des-richterlichen Sta—
bes bei der Eidesleiftung?); der Staber (altd. stabenaere, stevener), wer
den Eid ſtabet; die Stabung, vit. f. Beeidigung, Eidesleiftung; ftäbig,
Bw., niederd. (ftävig) f. fleif, nicht biegfam, nicht wanfend, ſtämmig,
ſtark; ftablich, Bw., vlt. f. gerichtlich.
Stachel, m., -8, M. felten die Stachel (nur wenn es vereinzelnd ift, vgl.
Dorn, Halm, Sporn 2c.), gew. Stacheln, (altd. w. diu stahhila, stachel;
auch oberd. noch w. die Stachel, daher die gew. Mehrh. Stacheln;
von ftehen, ſtach ze. f. d.), überh. ein flechendes Ding, jeder Körper mit
einer ftechenden Spige, von weiterer Bed., als die ſinnv. Dorn, Age,
Ahel, Granne (z. B. die Stacheln an den Schalen der Kaftanien, an den
Getreibeähren zc.; die Stacheln der Igel, Stachelſchweine ꝛc.); insbeſ. ein
fpisiger Körpertheil, deffen fich ein Thier als Werkzeuges zum Stechen
Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 65
k
—— — Pro Sue
1026 Stachel
bedient (der Stachel der Bienen, Wespen, SEorpione 2c.), daher uneig. f. et
was Schmerzerregendes, Quälendes (z. B. die erlittene Kränkung hat einen
Stachel in feinem Herzen zurüdgelaffen) ; ferner ein mit einer fcharfen Spige
zum Stecjen verfehenes Werkzeug, z.B. der chem. übliche Treibeftachel
zum Antreiben des Zugviehs (daher bibl. wider ven Stachel lecken,er.
läcken (f. d.), d. i. hinten ausfchlagen, umeig. f. ber übermacht widerftreben),
die Stachelſtöcke, deren man ſich beim Eislaufen, Schlittenfahren ze. bebientz
Hüttenw. |. v. w. das Stecheiſen; oberd. aud) f. v. w. Stackel od. Städel
(i. d.); — 3feg. die Stachelähre, landſch. f. Süßklee (fr. Esparfette) ; der
Stachelbauch, eine Gattung Seefiſche mit ftacheligem Bauche; die Stachel-
beere, die eſsbare Frucht des Stachelbeerftrauchs, eines ftrauchartigen, mit
vielen Stacheln befegten Gewächies, zum Geſchlecht des Sohannisbeerftrauches
gehörend, landſch. auch: Groffel-, Grufel:, Kraus, Kräufel-, Kreuz-, Klofterz,
Stich- od. niederd. Stickbeere ꝛc.; verſchiedene Arten find: die grüne glatte
Stachelbeere, die rothe, od. grüne haarige Stachelbeere, auch Rauchbeere ge
nannt 2c.; die Stacdhelbiene, gemeine Arbeitsbiene, z. U. v. den Drohnen;
die Stachelbirn, eine Pflanze in Weftindien u. Südamerika mit wohlſchmecken⸗
den ftacheligen Früchten (cactus triangularis L.); der Stachelbörs, ein böre- -
ähnliches Fifhgeihleht mit Stacheln vor der Rüden- und Afterfloffe, auch:
der Stihling; die Stacheldolde, Igelklette; der Stacheldrache, eine Art
Hals- od. Kehlfloffer mit ftacheliger Rückenfloſſe, auch: Seedrache, Schwert:
fiſch, Petermännchen; die Stachelfeige, gemeine indiiche Feige; der Stachel:
fifch, überh. ein mit Stacheln verſehener Fiſch; insbef. eine Art Sgelfifche: der
runde Stachelfiſch; der Stichling; der ſtachlige Meer: od. Seeapfel; deröfa:
chelfloh, ein flohartiger Käfer mit einem Stachel am Hinterleibe; der Sta
chelfloffer, f. v. w. Spisfloffer; der Stachelflunder, ſ. Flunder; die Sta—
chelfrucht, das Stachelgewächs, Frucht, Gewächs, mit Stacheln verfehen;
das Stachelgedicht, ſ. u. Stachelrede; das Stachelgras, eine ausländifhe
Grasart, deren Köpfchen mit ftacheligen Hülfen bedeckt find, Klebe-, Kletten-
gras (cenchrus L.); die Stachelhirfe, eine Art Hirfe mit Stacheln od. Gran:
nen; der Stachelhund, eine Art Haifiihe; der Stachelfäfer, Dornkäfer;
der Stachelfarpfen, eine Art karpfenähnlicher, aber mit Stacheln verfehener
Fiſche im Comer-See in Italien, auch: Dornfiſch; der Stachelkohl, ftachlige
Flockenblume; der Stachelfopf, eine Art Klipp- od. Bandfifche mit ftacheli-
gem Kopfe; die Stachelfrabbe, eine Art ftacheliger Krabben; der Stachel-
franz, ein ftahliger Kranz, den in einigen Gegenden die Braut am zweiten
Hoczeitstage aufſetzt, um diejenigen abzuwehren, die ihr den Brautkranz ab—
nehmen wollen; das Stachelfraut, ſ. Hauhechel; der Stachelfrebs, eine
Urt ftacheliger Seekrebſe; ftachellos, Bw., ohne Stacheln, Eeine Stacheln ha—
bend; der Stachelmohn, eine füdamerifan. Pflanze mit ftachligen Samen—
bäuptern (argemone L.); der Stachelmusfel, Anat. eine hautartige Band—
fehne, von jedem ftachligen Zortfage der Wirbelbeine ausgehend; die Stachel-
nufS, eine Wafferpflange u. deren Eaftanienähnliche, mit vier ftarfen Stacheln
verfchene Frucht, auch Waſſer-, Seenuſs, Wafferkaftanie 2c. (trapa natans L.);
die Stachelvede, eine gleichf. ftachlige, d. i. ftehjende, beißende, kränkende
Nede, Spott= od. Schmährede, fo auch: der Stahelreim, vers, das
Stachelgedicht, die Stahelfhrift (f. das fr. Satire); der Stachel
roche, f. Pfeilſchwanz; der Stachelrücken, eine Art Seeraupen mit bürften-
Stade — Stad 1027
artigen Stacheln auf dem Rüden; die Stachelfau, eine Art ſehr gefräßiger
Seefifche mit Stacheln an den Kiemenöffnungen; der Stachelfchlitten, ein
Kleiner Eisfchlitten, auf welchem man fich felbft mittelft zweier Stacheln (Sta-
cheiftäbe) fortſtößt; die Stachelfchnede, eine Gattung Schneden mit gewun-
denen, rauhen, zum Theil ftacheligen Schalen (murex L.); die Stadhelfchrift,
f. Stachelrede; der Stachelfchwamm, eine Gattung Schwämme, unten mit
ftachelähntichen Faſern verfehen (hydnum L.); auch eine Art Saugſchwämme;
der Stachelſchwanz, eine Art Horn- od. Spießfiſche; eine Art Eidechſen; das
Stachelſchwein, ein in Afrika und Indien einheimiſches Säugethier, mit lan—
gen, glatten, ſchwarz und weiß geringelten Stacheln bededit, au) das Sta—
Helthier, Dornfchwein; ferner eine Art Stachelfchneden: der Spinnenkopf;
der Stachelfchweinfifch, eine Gattung der Hornfiihe; der Stachelfenf,
eine Art Zackenkraut od. Zacenfchote, deren Samenkörner mit einem Kleinen
Stachel verfehen find, im füdlichen Frankreich (bunias erucago L.); der Sta—
helftein, verfteinerte Stacheln der Seeigel; der Stachelftern, eine Art Ste
fterne; der Stachelvers, das Stachelwort, f. 0. Stachelrede; der Stachel-
wirbel, eine Art Wirbelthierchen; — Ableit. flachelig od. flachlig, Bw.,
mit einem Stachel od. mit Stacheln verfehen (ein ftadjliges Gewächs,
Thier 26.); uneig. gleichf. einen Stachel abend, ftechend, beißend, krän—
end (ftachlige Worte 2e.); ftachelicht od. flachlicht, Bw., einem Stachel
ähnlich, ſpitzig wie ein Stachel; facheln, ziel. Zw., 1) mit einem Stachel
ftechen, bef. um dadurch anzutreiben od. anzureizen (die Ochſen —); uneig.
überh. f. empfindlich reizen, heftig antreiben od. erregen (der Ehrgeiz ftachelt
ihn ; die Liebe ftachelt feinen Muth); 2) mit einem Stachel od. mit ©ta=
cheln 'verfehen, bef. das Mw. geftachelt, als Bw.
Stade, w., M.-n, (vgl. Stake; engl. stake; mittl. lat, staca; vgl. die
franz. estaches, estacade; — von ſtecken, ftaE ze.), niederd. ein Kleiner zuge—
fpister Pfahl, der in die Erde gefchlagen wird; daher: fladen, ziellof. u.
ziel. Zw., f. folche Pfähle einfchlagen, od. etwas damit verfehen (4. B.
Bohnen—); das Stad, -e3, M. -e, niederd. ein quer in den Fluſs ge-
fhlagener Damm von Pfahlwerk; landſch. auch f. Stadet, ſ. u.; der
Stackdeich, ein mit Pfahlwerk verwahrter Deich; der Stackmeiſter, Deich:
baumeifter; das Stackwerk ıc.; — der Stadel od. Städel, -3, M. w.
E., oberd., die mit einem eifernen Haken verfehene Stange der Schiffer, Fir
fher 20.5 — das Stadet, - es, M. -e, (niederd. Stakett, Stakitt; zunächſt
von dem ital. stacchetta, welches aber felbft von dem obigen Stamme ent-
fpringt), ein Pfahlgehege, Pfahlwerk, insbef. im Kriegsw. eine Reihe Spitz⸗
pfähle (Paltifaden), mit denen ein offener Raum verwahrt wird; überh. ein
Pfahl: od. Lattenzaun um Gärten u. dgl. -
Stad, m., -e3, M. -e, auch der Staden, -8, M. w. E., (goth. staths;
altd. der u. daz stad, stat, G. stades, und der stado, stade, ©. staden; nie=
derd. Stade; Nebenform von Statt, f. d.), alt u. landfch. f. Geſtade, Ufer,
bef. das eingefaffte Ufer eines Fluffes od. Waffers überh., wo Schiffe anlan-
den u. ftehen Eönnen, f. v. w. Kai, Kaje; — der Stadel, -8, M. die Stä—
del, (altd. stadul, stadal, stadel), urfpr. überh. der Standpunft, die Stätte,
‚Stelle (4. 8. Burgftadel, d. i. die Stelle, wo eine Burg geftanden hat);
ehem. f. Stall; Herberge, Verfammlungshaus (der Meifterfinger-Stadel);
jegt oberd. f. Scheune, Schuppen; fheunenähnliches Vorrathsgebäude,
65 *
1028° Stadt
Niederlage ıc. (4. B. Salzes, Weinftadel 2c.); der Stadelhof, ehem. f. Her-
renhof, herrfchaftlicher Meierhof; der Stadler, f. Meier; oberd. auch der
Knecht, der den Heuboden in Ordnung hält; der Stadelmeifter, chem. f.
Wirth einer Herberge; das Stadelthor, oberd. f. Scheunenthor. j
Stadt, w., M. Städte; Verkt. das Städtchen, oberd. Städtlein, (ur-
pr. = Statt, altd. stat, wofür die Form Stadt in diefer befchräntten
Bed. erft in neuerer Zeit üblich geworden; das ältere Wort für Stadt war
burc, Burg (ſ. d.); diefes wurde aber allmählich auf den Begriff der Feftung
eingeſchränkt, u. nun trat stat, d. i. eig. überh. Ort, Ortſchaft, an die Stelle,
mit beſonderer Rüdficht auf bürgerliche Gewerbe, Handel u. Wandel 2c.), eine
größere, mit gewiffen Rechten und Freiheiten begabte Ortſchaft, deren
Einwohner Bürger heißen u. größtentgeits allerlei Gewerbe treiben, gew.
mit Mauern u. Thoren verjehen, was jedoch für den Begriff der Stadt nicht
wefentlich ift, entg. Dorf, Flecken, u. (als Aufenthaltsort) Land, (eine
offene, fefte, große, Eleine Stadt; Haupt-, Handels-, Land-, Seeftadt 2e.; lieber
in der Stadt, als auf dem Lande leben; ein Mann bei der Stadt, d.i. ein ans
gefehener Bürger, der ftädtiiche Ämter, Geſchäfte 2. verfisht); uneig. f. die
Einwohner einer Stadt (die ganze Stadt fpricht davon 2c.); — 3fes. mit
Stadt, meift denen mit Sand od. Dorf entgegengefegt: der Stadtadel, in
der Stadt wohnender Adel, entg. Landadel; in engerer Bed. in den ehemal. .
KReichsftädten die vornehmeren Bärgerfamilien, auch Geſchlechter genannt (fr.
Patricier); das Stadtamt, Amt bei der Stadt, frädtifches Amt; ftädtifcher
Amtsbezirk; der Stadtarzt; der Stadtbaumeifter, wer die öffentlichen
Bauten einer Stadt leitet; der Stadtbeamte, Mitglied der Stadtobrigkeit;
der Stadtbewohner, entg. Landbewohner; das Stadtbier, in der Stadt ge
brauetes Bier, entg. Dorf, Schlofsbier zc.; der Stadtbote, ftädtifcher Gerichts-
bote; das Stadtbuch, ein Bud;, in welches die Grundgefege u. Freiheiten,
gerichtl. Verhandlungen, Verträge zc. einer Stadt eingetragen werden; die
Stadtfefte od. -feftung, Feftung in od. bei einer Stadt (fr. Citadelle); die
Stadtflur, die zu einer Stadt gehörende Feldflur, vgl. Dorfflur; die Stadt-
freiheit, Freiheit, deren eine Stadt genießt; die Stadtgaffe; das Stadtge⸗
baude, -gebiet, -gefängnifs 2c.; der Stadtgeiftliche, entg. Landgeiftliche;
die Stadtgeiftlichfeit; die Stadtgemeinde, eine Gemeinde (f. d.) von Stadt-
bewohnern; die Stadfgerechtigfeit, = gerechtfame, |. unter gerecht; dag
Stadtgericht, Gericht in einer Stadt u. über diefelbe, entg. Landgericht; der
Stadtgerichtsrath, Rath beim Stadtgerichte; die Stadtgerichtäbarkeit,
die Gerichtsbarkeit einer Stadt, ober über eine Stadt; die Stadtgefchichte, |
in der Stadt vorgefallene u. erzählte Gefhichte; das Stadtgeſpräch, in der
“ Stadt verbreitetes, allgemeines Geſpräch; der Stadtgraben, ein die Stadt
umgebender Befeftigungsgraben; das Stadtgut, einer Stadt od. Stadtger
meinde gehörendes Gut; die Stadthaft, (fr. Stadt-Arreit); das Stadthaus,
jedes Haus in der Stadt, entg. Landhaus; in einigen Städten f. das Rath
haus; ber Stadtherr, Eigenthums- od. Gerichtsherr einer Stadt; Mitglied
des Stadtrathesz; Herr in od. aus der Stadt; die Stadtjugend, die jungen
Leute der Stadt; die Stadtfämmerei, der Stadtkämmerer, ſ. Kämmerei
2c.; die Stadtkaſſe, f. Kaffe; der Stadtfeller, ſ. v. w. Rathskeller; das
Stadtfind, ein Kind aus der Stadt, entg. Dorflind; auch jede aus einer
Stadt gebürtige Perſon; die Stadtkirche, enta. Dorflicche; der Stadtfnecht,
Staffel 1029
bie geringften Poligeis od. Gerichtsdiener einer Stadt, Häfcher, Bettelvogt 2c.;
ſtadtkündig od. gew. ffadtfundig, Bw., in der ganzen Stadt bekannt; das
. Stadtleben, Leben in der Stadt, entg. Landleben; die Stadtleute, o. €;
Stadtbewohner, entg. Landleute; das Stadtmädchen, entg. Landmädchen;
die Stadtmauer, Mauer um eine Stadt; die Stadtneuigfeit, eine in der
Stadt verbreitete, od. aus der Stadt mitgebrachte Neuigkeit ; die Stadtobrig-
feit, f. Obrigkeit; die Stadtordnung, geordnete Einrichtung od. Verfaſſung
des Gemeinwefens einer Stadt, und der Inbegriff der darauf beziiglichen Vor-
ſchriften; die Stadtpfarre, Pfarre in der Stadt; der Stadtpfarrer od.
s prediger, entg. Landprediger; der Stadtpfeifer, chem. f. Stadtmuſikant;
die Stadtpflege, Rechtspflege in einer Stadt u. Gerichtsbezirk berfelben; der
Stadtpfleger, wer die Rechtspflege in einer Stadt od. die Gerichtsbarkeit
über diefelbe hat; ftadtpflichtig, Biw., der Stadt zum Gehorfam, zu Abgaben
2c. verpflichtet; die Stadtpoft, Poft (ſ. d.) zur Beförderung von Briefen zc.
innerhalb einer Stadt; der Stadtrath, die Rathsbehörde einer Stadt (fr. der
Magiftrat), u. ein Mitglied derielben; das Stadtrecht, das Recht, vermöge
deſſen ein Ort eine Stadt ift, u. die Gerechtfame u. Freiheiten, welche einer
Stadt als folcher zuftehen; auch der Inbegriff der Gefege einer Stadt; der
Stadtrichter, Mitglied u. bef. Vorfiger des Stadtgerichtes; die Stadtfache,
ftädtifche Angelegenheit; der Stadtfchreiber, ein ftädtifcher Beamter, welcher
die das Gemeinwelen der Stadt betreffenden Verhandlungsichriften ꝛc. verfaflt
(Stadt-Secretär); die Stadtfchuld, Schuld des Gemeinwefens einer Stadt;
die Stadtfchule, Schule, bef. niedere Schule in einer Stadt, entg.Land-, Dorf
ſchule; der Stadtfchullehrer; der Stadtfchultheiß, ſ. Schultheiß; die Stadt:
ſchwalbe, Rauchſchwalbe; der Stadtfoldat, Soldaten, welche eine Stadt
zur Erhaltung der Ordnung u. Sicherheit unterhält, daher der Stadt-Of—
ficier, Hauptmann, »-Oberft xc., Officier 2. bei den Stadtfoldaten ;
das Stadtthor, Ihor einer Stadt; die Stadtuhr; das Stadtviertel, Ab—
theilung, Bezirk einer Stadt, vgl. Quartier; der Stadtvogt, Vorgefegfer,
Verwalter einer Stadt (f. Vogt); die Stadtvogtei, Amt, Gebiet u. Woh-
nung des Stadtvogtes; in manchen Orten, 3. B. in Berlin: das Stadtgefäng-
niſs; das Stadtvolf, entg. Landvolk; die Stadtwache, Wade u. Wach—
haus in od. bei einer Stadt; die Stadtwage, öffentliche Wage einer Stadt;
der Stadtwagen, ein zierlicher Wagen zum Fahren in der Stadt, z. U. v.
Reifewagen; das Stadtwappen; die Stadtweide, = wiefezc., zu einer
Stadt gehörende Weide 2c.; die Stadfwohnung, Wohnung in der Stadt,
entg. Landwohnung; der Stadt-Wundarzt (fr. Stadt-Chirurg) ; — 3feb.
mit Städte: die Städtebanf, chem. bei Reichsverfammlungen die Bank
für die Abgeordneten der Reicheftädte; der Städtebund, Bund mehrer Städte
zu gemeinfchaftlichen Zweden; die Städfeordnung, Stadtordnung (i. 0.) für
mehre Städte; die Städtefleuer, ehem. Steuer der freien Reicheftüdte; der
Städteverwüfter, u. dgl. m. — Ableit. der Städter, -3, die Städte:
rinn, M. -en, Einwohner einer Stadt, entg. den Landleuten; ſtädtiſch,
Bw., eine Stadt betreffend, einer Stadt angehörend, eigen, ähnlich (ftäd-
tische Geſchäfte, Gewerbe, Sitten 2c.; ein ftädtifcher Ort 2c.); ſtädtlich, Bw.,
felten f. ſtadtähnlich (ein ftädtliches Anfehen).
Staffel, w., M.-n, (altd. stafful, staphal, stafel, staffel, m., u. staphala,
stafele, m.; oberd. der Staffel od. Stapfel; von dem alten ftapfen, ſtaf⸗
1030 Staffette — Stahl
fen f. treten, fchreiten; vgl. Stapfe u. Stufe), urfpr. überh. Zritt, Grund:
lage des Stehens, Schämel ıc. (daher oberd. der Betftaffel f. Betſchä—
mel); jest insbeſ. f. Stufe, Abfag einer Treppe ꝛc., Sproffe einer Leiter;
uneig. f. Stufe, Grad (4. B. die höchſte Staffel der Ehre; Sprachl. f. Stei-
gerungs= od. Vergleihungsgrad); alt u. oberd. auch f. Stollen, Fuß an höls
zernen Geräthen, als Bettladen, Tiſchen ze. ; Unterlage für abzuftellende Waa—
ven, |. v. w. Stapel (daher: Staffelgerehtigkeit, -gut, -ftadt ıc.
f. Stapelgerechtigkeit 2c.); auch f. Staffelei, ſ. u.; — der Staffelgefang,
-pfalm, f. Stufenpfalm; der Staffelftein, ehem. ein Stein od. ew)öheter
Ort vor dem Thore, um aufs Pferd zu fteigen, auch als Pranger für fchlechte
Zahler 2e.; ſtaffelweiſe, Nw., ftufenweife; — ftaffeln, ziel. Zw., mit Staf-
fein od. Abfagen verſehen, ftaffelweife einrichten, abftufen; oberd. f. ſta—
peln; daher ftaffelbar, Bw., f. ftapelbarz die Staffelei, M. -en, bei Ma-
Yern 2c. ein leiterähnliches, ſchräg ſtehendes Geftell mit Löchern u. Pflöden
in den ©eitenhölgern, mittelft deren dad Gemälde höher u. niedriger darauf ges,
ftellt werden Tann; daher das Staffeleigemälde, ein Gemälde, welches auf
der Staffelei gemalt wird; — der Staffen, -8, in Repetiv-Uhren eine Scheibe
mit 12 Abfasen od. Stundenftaffeln.
Staffette, r. ats Stafette, w., M.-n, (von dem ital. staffetta, franz.
estaffette; diefe aber von dem deutfchen Stamme ftaffen, ftapfen, f. Staf-
fel, u. vgl. das altd. staffe,, ital. staffa f. Steigbügel), ein ſchnell reitender
Poſtbote, Eilbote zu Pferde, der auf Semands Verlangen abgeſchickt wird,
auch: der Staffettenreiter. 1
ftaffiren, ziel, Zw. (deutfch mit fremdartiger Endung, von Stoff, alſo ft.
ſtoffiren; niederd. ftofferen, ftaveren, holl. stoffeeren, ſchwed. stoffera; franz.
estoffer, etoffer), eig. mit Stoff od. Zubehör verfehen, ausrüften, ausftat=
ten (ein Zimmer —, mit Hausgeräth verfehen; ehem. einen mit Geld, mit ge
bensmitteln ꝛc. —); gew. f. verzieren, fhmüden, aufpugen, bef. von Klei-
dungsftücen (ein Kleid—, d. i. mit Treffen, Borten 2c. befegen; einen Hut—,
futtern u. zuftugen); Mat. mit Beiwerk auszieren; die Staffirung, Auf
pußung, Befesung eines Kleidungsftüdes; Mal. (fr. Staffage) Auszierung
eines Gemäldes mit Beiwerk, insbef. einer Landfhaft mit Figuren von Men-
ſchen, Thieren 2c., u. diefe Figuren felbft;z der Staffirer od. Staffirmaler,
Unftreicher, Vergolder, Stubenmaler.
Stay, f. (n. X. m.), -e8, M. -e, (engl. stay, franz. etai; Stag ift alfo
wohl aus Staj entft. von einem Zw. ftaien, ftajen, enal. stay, ftehen ma—
hen, hemmen, feft halten; vgl. ftauen), Schiff. ein flarkes Tau, mit welchem
jeder Maft u. jede Stenge nach vorn befeftigt wird, (dag große Stag,
"das dickſte von allen, welches den großen Maft befeftigt; ein lofes Stag,
welches dem eigentlichen Stag noch zur Hülfe dient); das Stagauge, der
Theil eines Stages, welcher um ben Top des Maftes liegt; der Stagblod,
zwei Blöcke, deren einer an das Stag felbft, der andere an den Kragen desjel-
ben geftropt ift; der Stagfragen, ein [hwerer-Strop, womit der untere Theil
des Stages feft gelegt wird; das Stagfegel, ein Segel, welches ohne Rah
an das Stag gehängt wird.
Stahl 1., m., -e3, M. Stahle, n. A. Stähle, (altd. stahal, stahel, stäl;
oberd. Stahel, Stachel, M. die Stahel; niederd. Staal, ſchwed. stäl, engl.
steel, poln. stal; wahrfch. von der Wurzel sta, stän, ftehen: das Gtarre, Harte;
da Stahl 1031
vogl. das ſchwed. stel, fteif, are), Hereinigtes, rothalühend in kaltes Waſſer
getauchtes u. dadurch gehärtetes Eifen (eine Klinge von Stahl; feft, hart
wie Stahl 2c.); ein aus Stahl verfertigtes Werkzeug, z. B. dicht. f. jedes
ſchneidende od. ftechende Werkzeug, jede Hieb- od. Stihwaffe: Meffer,
Schwert, Doldy ꝛc. (z. B. fi) den Stahl in die Bruft ſenken; vom Stahl
durchbohrt ze.); gew. f. Feuerftahl, Wesftahl; Handm. Dreheifen zu Bein,
Horn ꝛc. 3. U. v. den Eifen zu Dolzarbeiten (daher: der Schlicht-, Stedy-,
Rund, Schrot-, Schraubenftahl ꝛc.); oberd. bef. das pfriemenförmige Eijen,
welches der Landmann neben Meſſer u. Gabel in der Tafche führt; auch f.
Bolzen zum Bügeleiſen; alt u. landſch. f. die Armbruſt mit ftählernem Bo—
gen (daher: das Stahlſchießenz die Stahlſchützengeſellſchaft
2.); — 3feg. die Stahlader, Schloff. ftahlharte Stellen im Eifen; die
Stahlarbeit; der Stahlarbeiter; das Stahlbad, Bad in ceifenhaltigem
Waſſer; der Stahlbaum, eine Art Bäume mit fehr hartem Holz (fagara L.);
ſtahlbedeckt, Bw., dicht. mit Stahl, mit ftählernem Panzer bedeckt; ftahl-
blau, Bw., blau wie angelaufener Stahl; das Stahlbrennen, Verwandlung
des geichmelzten Eifens in Stahl; der Stahlbrenner, wer dies verrichtet;
der Stahlbrunnen, eifenhaltigee Brunnen, fo auch: die Stahlquelle,
das Stahlwafjer; der Stahldegen, ein Degen mit einem Gefäß von ge-
blänktem Stahl; das Stahlerz, verſchiedene reine Eiſenerze, beſ. ein reichhal⸗
tiges blaues Eiſenerz; die Stahlfeder, ſ. Feder; der Stahlfiſch, ein ſtahl—
grauer karpfenartiger Fiſch im kaspiſchen Meere; ſtahlgrau, Bw., grau wie
der rohe Stahl; ſtahlgrün, Bw., bläulich-dunkelgrün, wie im Feuer grün an—
gelaufener Stahl; ſtahlhart, Bw., hart wie Stahl; die Stahlhärte; die
Stahlhütte, Anftalt zur Bereitung des Stahls aus Eiſen; die Stahlkette,
Kette von Stahl; der Stahlfnoten, in den Stahlhütten: ein Zuſatz, um dem
Stahle die gehörige Härte zu geben; das Stahlfraut, landſch. f. Hauhechel;
Leine od. Flachskraut; Eifenkraut; der Stahlkuchen, vieredige Stücke Stahl,
wie fie aus den Stahlhütten kommen; die Stahlfugel, Heil. Eifenfeil mit
Weinſteinrahm zu einer feften Maffe in Kugelform gebracht; die Stahlmotte,
eine Art Nachıtfalter auf Eichen; der Stahlpanzer, string, Panzer, Ring von
Stahl; die Stahlfaite, Saite von Stahldrath; das Stahlichießen, ſ. o. Stahl;
der Stahlfchneider, wer Figuren zc. in Stahl fchneidet zu Stempeln, Petfchafe
ten 20.5 der Stahlfpiegel, Spiegel von gefchliffenem Stable; der Stahlftein,
aller reine Eifenftein; bef. der fpathige Eifenftein, weißes Eijenerz ; in den Stahl»
hütten ein durch wiederholte Schmelzuna erhaltenes Elaripeifiges Eifen; der
Stahlſtich, Abdruck eines in eine Stahlplatte geftochenen Bildes (vgl. Kupferftich);
der Stahlitecher, ein Künftler, welcher mit dem Grabſtichel in Stahl ſticht;
die Stahlwaare, M. Stahlwaaren, Stahlarkeiten, als Waare betrachtet;
die Stahlwaffe; das Stahlwaffer, f. 0. Stahlörunnen; das Stahlwerf,
Werk, Arbeit aus Stahl; Werkftätte, wo Stahl bereitet wird; — XAbleit.
ſtählen od. gew. ftählern, Bw. (altd. stahelin, stehelin, staelin), von Stahl,
aus Stahl gemacht (ftählerne Werkzeuge, Schnallen 2c.); ftählen, ziel. Zw.
(altd. stehelen, oberd. ftäheln), mit Stahl, bef. mit einer Schneide od. Spitze
von Stahl, verfehen (ein Meffer, eine Art 2c.); hart wie Stahl machen,
bef. uneig. f. in hohem "Grade verhärten, befeftigen, ſtärken (4. B. den
Muth, das Herz 2c.); oberd. Waller, Wein ⁊c. —, d. i. glühenden Stahl
darin ablöfchen; die Stählung, das Stählen in allen Bed.
052 Stahl — Stafe
Stahl 2. od. Staal, m., -e3, M. Stähle, (urfpr. wohl niederd. Neben
. form. des hochd. stal, Stall (f. d.), d. i. eig. Stelle, Platz, Grund, Grund-
lage 26,5; von ftellen), niederd. 1) f. Stelle, Grund, worauf etwas fteht, Liegt,
od. gelegen hat, insbef. Wafferb. der Grund eines Deiches (Deichſtahl);
2) das Anfgeftellte, Stehende, Steife, daher der Fuß eines Tifches, Stube
les 2c., der Stollen (weſtphäl. Stale; hol. voetstal, franz. piedestal, Säu⸗
Venfuß) ; die Sproffe einer Leiter (auch: die Stale); der Kiel einer Schreib-
feder; 3) das Hin= od. Ausgeftellte: die Probe einer Waare (vgl. das
holl. staelen, stallen, franz. estaler, etaler, Waaren auslegen, auskramen), ins
bef. Färb. ein zur Probe der Farbe in die Blauküpe getauchtes Läppchen
(einen Stahl abziehen) ; ein abgefchnittenes Tuchläppchen ald Probe (gem.
verkl. das Stahlchen, niederd. Staalken; daher das Stahlhenbud, f—
Probenbuch der Tuchhändler); auch ein Kennzeichen zum Beweiſe der Echt—
heit, insbeſ. das den Tuchen angehängte geſtempelte Bleizeichen (holl. stael-
loot); daher ſtahlen, ziel. 3w., niederd. f. die Echtheit einer Waare durch
ein Merkmal bezeugen, insbe. Tuch —, d. i. geftempeltes Blei daran befefti-
gen; der Stahlhof, ehem. den Kaufleuten der Hanfeftädte gehörende Gebäude
in London, wo die nad) Deutfchland zu ſchickenden engl. Tuche geftahlt
wurden. _
Stahr od. Staar, m., -68, M. -e, oberd. ©. -en, M. -en, (althochd.
staro, m. ıt. stara, w.; mittelh. star, G. starn; oberd. der Star, gem. Stärl,
ehem. der Staren, Starn, Storn, ſchweiz. Storren; angelf. staer, stearn, engl.
stare, starling; lat. sturnus, ifal. storno, franz. etourneau; gried). Yao), ein
Vogel von der Größe einer Droffel, mit ſchwarzem, weißgeflecttem Gefieder,
Zegelförmigem, dünnem Schnabel und zweimal gefpaltener Zunge, daher er
leicht einzelne Wörter nachiprechen Lernt, Tandfch. die Sprehe; der indiſche
Stahr, ein Singvogel aus dem Geſchlecht der Aseln, welcher noch beffer, als
der Papagei Wörter nachfprechen lernt; — der Stahrhäher, Nufehäher; der
Stahrenherd, Vogelherb zum Fange der jungen Stahre; der Stahrmas,
gem. f. Stahr; uneig. f. ein alberner Schwäger, der Andern nur nadfchwakt,
(vgl. Matz 1. u. 2.); der Stahrenftein, ein Stein mit fternförmigen Fleden,
wie das Gefieder des Stahres. ®
Stähr, m., -e3, M. -e, oberd. Gen. -en, M. -en, (altd. stero, ster, ©.
stern; oberd. Ster, &. Steren; aud) der Sterch, des Sterchen; vgl. Stier u.
das Schweiz. Sterchi f. Zuchtftier; von der Wurzel star, ftarr, fteif, ſtark, vgl.
Staar, ftark 2c.), Tandich. f. der Schafbock, Widder; falzburg. f. das männ—
liche Schwein; das Stährlamm, f. Bodlamm; ftähren (gem. aud) ftie-
ven), ziellof. 3w. m. haben, 1) von dem Schafbode: die Schafe befruch-
ten; 2) von den Schafen: nach dem Schafboc verlangen.
Stafe, w., M.-n, od. der Stafen, -8, M. w. E., (von fteden, ſtak;
vgl. Stade, Steden, Stock; angel. staca, engl. u. ſchwed. stake; ſchweiz.
Stage, f. Stüge, Gabel), niederd. f. langer Stod, Stange (4. B. Bohnen,
Hopfenſtaken 2c.), bef. Nuderftange; der Stafenzaun, Stangenzaun; das
Stafholz, Holz zu Staken; das Stafwerf, f. Stackwerk; — ftafen, ziel.
3w., nieberd. f. mit einer Stange ftoßen, ſchieben, hinauf: od. hinabreichen
(Sarben, Heu 2c.); mit einer Stange in der Tiefe fuchen, daher überh. f.
anchfuchen, unterfuchen, forfchen, ftochern; ſchüren, ftören (das Feuer);
mit Stangen verfehen (eine Wand, Dede ꝛc.); der Stafer, -$, nieberd.
II uf
Stall 1033
wer mit einer Stange od. Heugabel arbeitet; uneig. f. mühfeliger Arbei—
ter, armer, elender Menfch; bei den Gelbgießern eine eiferne Stange, womit
die Kohlen um den Schmelztiegel gelegt werden; ftafeln, ziellof. Zw. f. mit
einer Stange in Eleinen Abfägen ftoßen; fchweiz. (ftaggeln) f. ftottern;
- ftafern, ziellof. Zw., niederd. f. ftochern; auf langen, dürren Beinen ein-
herfchreiten.
Stall 1., m, ⸗es, M. Ställe; Verkl. das Ställhen, (altd. stal, ©.
stalles; altnord. stallr; angelf. stal, stalle, engl. stall; von der Wurzel stal,
ſanskr. sthal, feftftehen; daher: ftellen, Stuhl, Stollen, ftill 2c.), urfpr. überh.
f. v. w. Stelle, Statt, Stätte (daher: in minen stal, an meine Stelle; in
stalle, anftatt; stal geben, Statt geben, weichen 2c.; u. alt= u. oberd. Zſetz.
wie betstall f. Bettftele; Beiftall, ſchwäb. f. Wetterdacd vor einer Haus—
thür; Burgftall, die Stelle, wo ein Schlofs fteht od. geftanden hat; Kerns
ftalt f. Kerngehäufez Kerzenſt all f. Leuchter, u. dgl. m.); dann f. Wohn
od. Aufenthaltsort, eingefchloffener Raum, Sig (ital. stallo; vgl. Stall—
bruder); jeht in engerer Bed. ein eingefchloffener u. bedeckter Naum als
Standort für das Vieh (z. B. Kuh-, Schaf:, Pferde, Schweine-, Hunden,
Gänſe-, Hühnerftall 2c.); insbef. an Höfen die fümmtlichen zum Marftall
(j. d.) gehörigen Gebäude, Pferde u. dabei angeftellten Perfonen; Stall 2.
f. u. ftallen; — 3fes.: das Stallamt, Amt bei einem Marftall; auch die
Gefammtheit der Stallbeamten; der Stallbaum, in Pferdeftällen ein ftarker
Baum, durch welchen die Pferde von einander getrennt werden; ſtallblind,
Bw., von Pferden, blind vom langen Stehen im Stalle; der Stallbruder,
ehem. f. Stubengenoffe, Kamerad; der Stallbube, -junge, junger Pferde
knecht; der Stalldienft, Dienft im Stalle, be. bei einem Marſtall; das
Stallfüllen, ein Füllen, welches im Stall gehalten, nicht auf die Weide ge-
trieben wird; uneig. niederd. f. Mutterfönnchen, Zärtling; die Stallfütterung,
Landw. Fütterung des Viches, insbef. der Kühe, auch den Sommer hindurch
im Stalle, entg. dem Weidgange; das Stallgeld, Bezahlung für den Ge-
brauch eines fremden Stalles; in Straßburg f. Standgeld, Budenzins auf dem
Zahrmarkte; der Stallfnecht, ein Knecht, welcher die Pferde im Stalle war—
tet; das Stallfraut, landſch. f. Hauhechel; Lein- od. Flachskraut; der Stall-
meifter, Oberauffeher eines Marftalls; auch Lehrer der Reitkunſt, Bereiter;
der Stallochs, Maſt- Schlachtochs; der Stallfchreiber, Schreiber bei einem
- Stallamte; ftallftätig, Bw., von Pferden, im Stalle ftätig, nicht aus dem
Stalle wollend; das Stallthor, die Stallthür ıc. — ftallen, 3w., 1) alte
Nebenform von ftellen (vgl. beftallen), alfo urfpr. ziel. f. ftehen machen,
einſtellen (z. B. den Lauf eines Krieges, Rechtshandels zc., fr. fiftiven); gem.
ziellog f. den Gang einftellen, ftehen bleiben; daher von Pferden u. Efeln f.
harnen (weil fie dabei ftill ftehen; Jäg. auch von den Hirſchen, Wölfen u. Leite
bunden; auch ziel. Blut ftallen 2c.); niederd. f. gerinmen, dick werden (von
der Milch zc.); 2) abgel. von Stall: ziellos od. rüdz. gem., bef. niederd. f.
in einem Raum friedlich bei einander fein, uneig. überh. fich mit einander
vertragen (fie fallen, od. fie ftallen fich nicht mit einander) ; ziel. in den Stall
ftellen, unterbringen (4. B. zwanzig Pferde ftallen Eönnen, einftallen zc.);
der Stall, -e8, 0. M., das Stallen od. Harnen der Pferde, u. der Pferde-
harn, (der Tautere Stall; eine Krankheit. der Pferde, da das Getränk faft
unverändert wieder abgeht); die Stallung, 1) ehem. f. Einftellung des
—
1034 Stamm bi
Streites, Stillftand, Einleitung des Friedens; Stellung vor Gericht; Ryt
ein mit dem Eleinen Zeuge eingeftellter Ort im Walde; 2) gew. das Stellen
in den Stall, u. der Stallraum, bef. für Pferde (ein Haus mit Stalung ac);
der Staller, -8, in einigen niederd. Gegenden: ein obrigkeitlicher Beamter,
Landrichter (Ober- und Unterftaller); frieſ. f. Statthalter. F
Stamm, m., -es, M. Stämme; Verkl. das Stämmchen, (altd. stam,
G. stammes; oberd. auch der Stamm, des Stammen, u. ſchon im Nom. ber
Stammen; altſächſ. stamn, angelj. stemn, stefo, engl. stem; isländ. stafn, dän. :
stava; alſo dur Ajfimilation aus stab-n eutft. von Stab, f. d. u. val.
Stimme), 1) eig. der in der Erde wurzelnde Haupttheil eines Baumes,
aus welchem die Äfte entfprießen (ſprichw. der Apfel fällt nicht weit vom Stamm,
f. unter Apfel); Pflanz. in weiterer Bed. der über der Erde befindliche Theil
jeber Pflanze, welcher die übrigen Theile trägt, insbeſ. Stengel, Stiel,
Strunf ꝛc.; in engerer Bed. nur der untere Theil des Baumftammes, das
Stamm-Ende; au f. junger Baum, bef. fofern er verpflanzt, od. gepfropft
wird; 2) uneig. dasjenige, woraus andere Dinge feiner Art entfpringen,
herz od. abflammen, insbef. Spradl. eine einfache Wortform, von welcher
andere abgeleitet werden (4. B. Haus ift der Stamm von häuslich, haufen,
Behaufung ꝛc.; lieb von Liebe, lieben, geliebt 2c.); ferner ald Sammelwort
die Gefammtheit der Gegenftände einer Art, welche gemeinfchaftlichen Ur—
fprung haben (4. 8. mehre Sprachen eines Stammes), bej. die ſämmtli—
chen Menfchen, welche ihren Urfprung von einem Stammpater ableiten,
finnv. Geſchlecht, Familie, Haus, (4. B. er ift der Iekte feines Stammes;
fein Stamm ift mit ihm ausgeftorben), auch f. Zweig, Linie eines Gefchlechts
(der männliche, weiblihe Stamm, Mannsftamm zc.); gew. eine mehre Ge-
f&hlechter od. Familien umfaffende Menfhenmenge von gleicher Abftam-
mung (ein Volksſtamm; die 12 Stämme Iöracl 2c.); 3) eine zufammenge-
hörende Menge od. Maffe, bef. fofern fie beftändig erhalten wird als Grund⸗
lage 2c., 3. B. eine Menge Viehes einer Art, welche nach Zahl u. Güte er-
halten und fortgepflanzt wird (ein Schöner Stamm Schafe ꝛc.); eine Zinfen
tragende Geldfumme, das Stammgeld, auch der Stod (fr. das Capital);
auch das ausgefeßte Geld bei Spielen, u. im Kartenfp. der Ubrigbleibende
Kartenhaufen, von welchem die Spielenden die nöthigen Karten nehmen;
Bergmw. eine Zahl von vier Kuren (in der Mehrh. nach einem Zahlw. unver
ändert, z. B. 32 Stamm maden cine Zee); — 3fes. die Stammaältern,
die erften Ältern eines Stammes od. Gefhlehtes: der Stammvateru.bdie _
Stammmutterz der Stammbaum, ein Geſchlechtsregiſter in Geftalt ei-
nes Baumes, fonft auch: tie Stammtafel, das Stammregifter; die
Stammbiene, eine Art Bienen in hohlen Baumftämmen; das Stammbuch,
urſpr. ein Gefchlecdhtsregifter od. cine Sammlung von Gefhlechtsregiftern in
einem Buche; dann ein Denkbuch, in welches man Verwandte, Freunde u. Ge—
noffen ihre Namen u. Denkſprüche eigenhändig einfchreiben läſſt, ehem. voll
fländiger: Stamm= und Geſellenbuchz der Stammbuchftabe, Spradl.
zum Wortftamm gehörender Buchftabe; das Stamm-Ende, der didere Theil
eines Baumftammes zunähft über der Wurzel; der Stamm-Erbe, Erbe ei
ned Stammes od. Gefchlechtes; die Etammfolge, Geſchlechtsfolge; das
Stammgeld, eine Zinfen tragende Geldfumme, z. U. v. den Zinfen, auch das
Hauptgeld, der Stamm (f. 0.5 fr. Capital); Forſtw. Geld, welches bie Förfter
‚Stamm 1035
für die Anweifung der gekauften u. zu fällenden Bäume erhalten; der Stamm:
genofs, Genofs eines Stammes; das Stammgut, einem Stamme od. Ge
fchlechte gehörendes Erbgut, insbef. fofern es unveräußerlich ift; audy f. Stamm—
geld; das Stammhaar, grobe, fteife Haare, bei. von den Haaren, woraus bie
Wolle befteht: ftammhärige Wolle od. Stammmwolle; der Stamm:
balter, eine männlid;e Perfon, auf welcher die Fortpflanzung eines Geſchlech—
tes beruht; das Stammhaus, das Haus, der Wohnfig eines Geſchlechtes;
auch das Haus od. Geflecht, aus welchem Jemand herftammt; das Stammes
holz, das Holz eines Baumftammes, u. das daraus gefchlagene Holz: das zu
Stämmen od. Bäumen erwachfene Holz, Dberholz, entg. Bufch-, Unterholz;
die Stammfarte, Kartenip. ſ. v. w. der Stamm, f. o.; die Stammtlafter,
Forftw. eine Klafter Holz, aus den Stamm = Enden gehauen; das Stamm—
land, das Land, aus welchem Semand od. etwas herftammt, Mutterland (z.B.
Afien, das Stammland der Europäer); das Stanımlehen, ein dem ganzen
Stamme gehörendes Lehnaut; die Stammleiter, Tonk. die Haupt- Zonleiter
von c bis cz; die Stammlinie, Geſchlechtslinie; die Stammlode (f. Lode 1.),
Forſtw. Schölslinge aus den Wurzeln u. Stämmen des abgehauenen Holzes;
das StammmooS, ein ffammartig wachfendes Korallenmoos; die Stamm:
mofte, eine Art Nachtfalter auf Obftbäumen; die Stammmutter, f. Stamm:
ältern; der Stammochs, Zucht, Heerdochs; das Stammpaar, die Stamm-
ältern; die Stammraupe, Raupen, welche ihre Eier an die Stämme der
Bäume legen, 3. U. v. Neſt- und Ringelraupen; das Stammtregifter, Ge:
ſchlechtsregiſter; der Stammfchwarm, ein zur Fortpflanzung gehaltener Bie⸗
nenfchwarm od. ⸗Stock, Mutter-, Leibftod; das Stammfchwein, Zuchtſchwein;
die Stammfilbe, Hauptfilbe, welche den Stamm (f. 0.) des Wortes ausmacht;
der Stammfik, Wohnfis eines Stammes, od. der Ort, von welchem derfelbe
ausgegangen ift; die Stammfprache, Hauptiprache, von welder andere
Sprachen abftammen (4. B. die deutfche, die lateinifche 2e.); die Stammta-
fel, ſ. o. Stammbaum; der Stammträger, Lchensträger im Namen des
ganzen Stammes; der Stammvater, f. o. Stammältern; ffammverwandt,
Bw., duch gemeinfchaftliche Abkunft von einem Stamme verwandt (flamm=
verwandte Völker, Sprachen 2c.); daher der Stammverwandte ıc., als
Hw.; die Stammverwandtfchaft; das Stammvieh,"das Lich, weldes
auf einem Gute den Stamm (f. 0.) ausmacht u. zu deflen Beftande gehört, ei-
fernes Vieh; das Stammvolk, ein Volk, von welchem andere abftammen;z
die Stammmolle, f. 0. Stammhaar; das Stammwort, Spradjl. ein Wort,
von welhem andere abſtammen od. gebildet werden (fr. Primitivum), entg. ab-
geleitete Wörter (f. d. unter ableiten); die Stammmurzel, Hauptwurzel eis
nes Baumes, ald Kortfegung des Stammes; — Ableit. ſtammhaft, Bw.,
ftammähnlich, die u. ſtark; daher die Stammhaftigkeit; ſtämmig, Bw.,
1) einen Stamm habend (ftämmiges Holz, d. i. zu Stämmen erwachſenes),
bei. in 3feg. wie hoch-⸗, Eurg-, dict-, einſtämmig; 2) gew. aud) f. das r. ſtäm—
micht, ftammhaft, 8. i. dit, fleif u. ſtark (ein ftämmiger Körper, Menſch
2c.); daher die Stämmigfeit; — flammen, ziellof. 3w. m. fein, feinen
Ürfprung von etwas haben, finnv. entfpringen, entftehen, herkommen, vgl.
ab⸗, herftammen, (er ftammt mit mir aus einem Gefchledhte, von einem
Stammvater 2c.; das Wort Sagd ftammt von jagen; diefe Pflanze ſtammt
aus Amerika, u. dgl. m.); — flämmen 1. ziel. 3w., einen Baum— , d. i.
I -
1036 ftammeln — ftampfen
den Stamm desfelben mit der Art quer durchhauen, auch f. fällen, (vgl.
abftämmen); daher die Stämmart, eine Art, mit welcher die Bäume nahe
über der Wurzel gefällt werden; — ſtämmen 2., f. ftemmen.
ftammeln, niederd. auch ſtammern, ziellof. u. ziel. Zw. (altd. stamalön,
stamelen, welches auch kitzeln bedeutet; altnord. stama, ſchwed. stamma, engl.
stammer ; — wie die verwandten Wörter Stamm, ftemmen, Stimme, ftumm,
auf Stab zurüdzuführen, fo dafs dem Worte ein durch Affimilation aus bn
entftandenes mm gebührt, daher aud) goth. stamms, ftammelnd, ſtumm; Grund-
bed. Hemmung od. Stemmung des Lautes; vgl. ſtocken von Stud), unvoll-
fommen, mit ftodender Zunge u. ohne gehörige Gliederung der Laute
fprechen, finnv. ftottern, allen, fei es aus natürlichem Unvermögen (das Kind
ftammelt noch), od. wegen eines Naturfehlers (ein ftammelnder Menfch), oder
wegen augenblidlicher heftiger Gemüthsbewegung; uneig. feine Gedanken od.
Gefühle unvolfommen ausdrücken (Dank ftammeln, ein Lied 20..—); der
Stammler, -8, (altd. stamelaere) , wer ftammelt; ftammerig, Bw., nies
derd. f. ſtammelnd, flotternd.
ftammen, 3w., Stamm- Ende, ftämmig ꝛc. — Stammwurzel, f.
&tamm.
flampen, ziel. Zw., niederd. f. ftampfenz; daher der Stämpel, -8, ſtäm—
peln, Zw., 2c., gew. Stempel ꝛc., ſ. d.; flämpen, ziel. 3w., Handw. f.
ſtampfen, insbef. Nadl. die Nadelköpfe mit den Schäften auf der Wippe ver-
einigen; Schmied. die Löcher in die Hufeifen u. dgl. —, d. i. mit dem Stem-
pel einfchlagen ; die Stämpe, ein Werkzeug der Uhrgehäufemacher, womit
das Blech zur Schale eines Uhrgehäufes ausgetrieben wird; der Stamper
od. Stämper, -8, landfch. u. Handw. f. Stempel, Stampfe; — flam-
pern, oberd. Zw. 1) ziellos f. laufen, treten (hin u. her, umher—); auch
woht f. hüpfen, tanzen (daher bair. das Stamperlied, luftiges Singftüc
zum Tanz, f. v. w. Schnitterhüpflein, altd. stampenie, Stampenei ıc., in
oberd.-Mundarten auch f. Erdichtung, Mährchen, Vorwand, daher fchweiz.
ffämpeneien, als Zw. f. Ausflüchte od. Einwendungen machen); 2) ziel. f.
jagen, verjagen, — (einen fort —, hinaus —; die Hafen aus dem Ger
hölz — ꝛc.).
ftampfen, ziellof. u. Em Zw. (altd. stamphon, stampfen, auch stempfen,
Impf. stampfte; niederd. ftampen, ſchwed. stampa, dän. stampe, engl. stamp,
ital. stampare, franz. estamper; — Wurzel stamp, welche wahrſch. ein verlo⸗
renes ablaut. Zw. stimpan ꝛc. bildete, daher auch: ſtumpf, d. i. abgeſtoßen),
von oben herab heftig ftoßen (z. B. mit dem Fuße auf die Erde—; die mus
thigen Pferde ftampfen die Erde; Schiff. die Schiffe ftampfen, d. i. fie bewe—
gen fich bei hoher See heftig auf und nieder); bef. etwas mit einem dicken,
ſchweren Körper od. Werkzeuge ſtoßend bearbeiten (4. B. etwas im Mör-
fer ffampfen, Hein—, d. i. zerſtoßen; die Rinde, den Samen, den Zeug, das
Getreide-— in den Lohr, Öl-, Papier u. Gruapenmühlen; Nadl. ſ. ſt äm—
pen); alt u. oberd. auch f. prägen; ſtempeln; — der Stampf, -es, M.
Stampfe, oberd. Stämpfe, (altd. stamph, stampf), alt u. landſch. f. die
Stampfe, der Stempel (Boldarb. der Löffelftampf, ein ſtarker eiferner
Stempel, den filbernen Löffeln ihre Vertiefung zu geben), die Mörferkeule;
der Stoßblock; oberd. auch f. —— zum Stampfen, Stampfmühle
(z. B. ein Ölftampf); die Stampfe, M. -n, das Stampfen u. bie Vor⸗
*
Stand 1037
richtung dazu (4. B. die Hirſe in die Stampfe fhiden); ein Werkzeug zum
Stampfen, oberd. au) der Stampfel od. Stempfel, in einigen Fällen
auh: Stempel, Stampfer;z insbef. die ſchweren, unten gew. mit Eifen
befchlagenen Stampfhölzer in den Loh-, Graupen-, Ol-, Waltmühlen 2c.; bie
fhweren Hämmer in den Papiermühlen, womit bas Papier gefchlagen wird;
ſ. auch Krautftampfe; der Stampfer, -$, wer etwas ftampft, ftampfend
bearbeitet; ein Werkzeug zum Stampfen, z. B. der Sehkolben, f. d.;
Bergw. das Werkzeug zum Feftitampfen des Pulvers in dem Schießloche; —
3fes. das Stampfeifen, ein Eifen, etwas damit zu ftampfen; der Stampf-
gang, Müll. ein Gang (f. d.) in einer Mühle, in welchem etwas geftampft
wird, entg. Mahlgang; das Stampfgeld, papier u. dgl., oberd. f. Stem—
pelgeld 2c.; der Stampfhammer, ein fchwerer Hammer der Gürtler, die zu
Knöpfen rundgefchnittenen Metallplatten damit zu fihlagen; der Stampfklotz,
Rammklotz; die Stampfmühle, eine Mühle, in welcher gewilfe Körper durch
Stampfen Elein geftoßen u. bearbeitet werden, 3. B. eine Loh⸗, Graupen-, DI-
mühle 2c.; die Stampfperle, Samenperlen, fofern fie zerftampft u. zu Arge
‚ neien gebraucht werden, auch Stoßperlen; fampfreiten, untrb. ziellof. Zw.,
Schiff. ftampfend vor Anker Liegen; die Stampffee, Schiff. eine heftige Welle,
welche fich an dem Vordertheil des Schiffes brechend dasfelbe in eine ftampfende
‚Bewegung fest; flampfftoßen, untrb. ziellof. 3w., Schiff. heftig ftampfen ;
der Stampftrog, ein hölgerner Trog, worin Kraut, Viehfutter 2c. geftampft
wird; der Stampfweg, oberd. f. Zufßfteig; das Stampfwerf, ein Mühl—
werk, welches Stampfen in Bewegung ſetzt.
Stand, m., -e3, M. Stände, (von ftehen od. eig. von dem altd. standan,
noch (wäh. Band en, deſſen Formen zu-stän, sten, fehen, gezogen werden;
engl. stand, stond; —— stand), 1) o. M. das Stehen und die Art u.
Meife desfelben (£einen feſten Stand haben 2c.), insbef. in Anfehung des
Grades der Höhe (der Stand des Waffers, Wafferftand eines Fluffes; der
Stand des Quedfilbers in einem Wetterglafe zc.), u. entg. der Bewegung,
finnv. Stillftand (Stand halten, d. i. ftehen bleiben, nicht fliehen, auch
uneig. f. ftandhaft bleiben); uneig. der Zuftand, die Art u. Weife des Be—
ftehens einer Sache od. Perfon, bef. in fo fern fie bleibend od. doch von län=
gerer Dauer ift, verfch. von den finnv. Lage, Verhältnifs (4. B. etwas
in gutem Stande erhalten; das Haus ift in baulichem Stande; einen fchreeren,
harten Stand haben, d. i. viel zu ertragen, viel Hinderniffe zu überwinden ha=
ben ; etivas wieder in den vorigen Stand feßen; im Stande fein, etwas
zu thun, d. i. fähig, vermögend fein 2c.; einen in (den) Stand, oder außer
Stand fegen, etwas zu thun); in engerer Bed. der geordnete, fertige, voll
tommene Zuftand, div Vollendung od. Ausführung einer Sache (in den
Redensarten: die Sache ift im Stande, kommt zu Stande; etwas zu
Stande bringen, od. damit zu Stande Eommen, d. i. damit fertig werden, es
vollenden; etwas im Stande erhalten, in Stand feßen 2c.); von Menfchen:
die bleibende Lebenslage od. =ftellung, das dauernde Lebensverhältniſs (fer
Stand der Natur, der Unfchuld, der ledige Stand, Eher, Jungfern-, Junge
fellen-, Wittwenftand 2c.); 2) (M. Stände) in der bürgerl. Gefellfchaft eine
beftimmte durch Geburt, Kebensweife, Beruf od. Gemerbe von andem ge=
fonderte Menſchen-Klaſſe (der Lehr- Nähr-, Wehrftand; der Stand der
Bürger, der Bauern ꝛc.; von hohem, mittlerem, niederem Stande ſen; mit
1088 Stand
-
feinem Stande zufrieden fein; in allen Ständen giebt es gute Menfchen); in
engerer Bed. f. vornehmer, hoher Stand (ein Mann von Stande; nicht von
Stande fein, d. i. nicht vornehm); im Staate die 3 od. 4 durch verfchiedene
Rechte u. Pflichten unterfchiedenen Abftufungen der bürgerlichen Gefell-
ſchaft: der Fürften- od. Herrenftand, Nitter- od. Adelftand, Bürgerftand od.
dritter Stand, Bauernftand; im Staatsrecht: jede bürgerliche Klaffe od.
Gemeinheit, fofern fie bei den Staats- od. Reichsverfammlungen (Reiches,
Landtagen) durch eigene Abgeordnete vertreten wird, diefe Abgeordneten
felbft (als Sammelwort), u. jedes einzelne Glied derfelben (die Stände des
Reiches, Reichsftände, Provinzials, Landftände 2c.; die Stände zufammen beru—
fen; er ift Landftand zc.); 3) wer od. was fleht, der Stehende od. die Ste-
henden, in Ifes. wie: der Beiftand, VBorftand, d. i. ſowohl der einzelne
Bei—⸗ 0d. Vorftehende, als auch eine Mehrheit von Vorſtehern ꝛc. (in diefer Bed.
ift Stand wahrſch. das zum Hw. erftarıte Mw. stände, ſtehen d, der Ber
ftand alfo — der bi stände 26,); was ſteht od. befteht, finnv. Beftand, in
Zfeß. wie: dev Gegen-, Rüde, Viehftand 20.5 4) der Ort; wo Jemand od.
etwas fteht, finnv. Platz, Stelle, Stätte, (4. B. der Stand in der Kirche;
der Stand eines Krämers auf dem Markte; der Ort beim Scheibenfchießen ze.,
wo der Schiegende ftehtz die Stände für die Pferde im Stalle; Jäg. auch f.
Aufenthaltsort des Wildes); Täg. die Füße der Auerhähne u. Reiher: Stän-
de od. Ständer; das Ständchen, -8, eine Eurze Muſik, Gefang ıc.,
welche man einer Perfon zu Ehren vor der Thür od. dem Fenfter ihrer Woh:
nung ftehend vorträgt, bef. Abends od. bei Nacht, (einem ein Ständchen brin-
gen); — Zfes. mit'Stand: der Standbaum, in Pferdeftällen eine Stange
zur Abtheilung der Pferdeftände; das Standbild, eine Bildfäule (fr. Statue);
der Standblod, Schiffb. große, vieredige, ſenkrecht ftehende Blöcke am Fuße
der Maften, auch Knechte genannt; ſtandfeſt, Bw., in feinem Stande feft, feft
ftehend; der Standftfch, Fifche, welche ihren Aufenthaltsort nicht verändern;
das Standgeld, die Standgebühr, das Geld, welches man für feinen Stand
od. Plag auf einem Markte ꝛc. bezahlt, auch Stätte-, Bohlengeld genannt;
die Standlinie, die Linie, in welcher man fteht, um eine gewiffe Fläche zu
überfehen; ſtandmüthig, Bw., vlt. f. ftandhaften Muth habend; der Stand-
ort, der Ort, wo man fteht, def. hinfichtlich einer dort vorgenommenen Ver—
richtung u. des Verhältniſſes zu andern Dingen; der Standpunkt, der Punkt,
auf welchem man fteht u. von wo aus man etwas betrachtet od. verrichtet, bef.
uneig. (z. B. der Standpunkt feiner wiffenfhaftlichen Betrachtung; auf mei-
nem Standpunkte muffte ich To handeln 2c.); das Standquartier, der Ort,
wo ein Kriegsheer od. eine Heeresabtheilung auf einige Zeit im Quartiere (f. d.)
liegt; das Standrecht, im Kriegsweſen: kurzes Rechtöverfahren u. augen-
blickliche Verurtheilung eines Werbrechers (Standreht über Jemand haltenz
wahrfch. weil das Gericht ehem. ſtehend gehalten wurde); die Standrede,
ine kurze, ftehend gehaltene u. ftehend angehörte Rede, be. Leichenrede am
Gabe; daher der Standredner, wer eine folche Rede hält; der Standrif,
ein Riſs, welcher einen Körper, bef. ein Gebäude, ftehend darftellt, Aufriſs, 3.
U. v Grundrifs; das Standrohr, Rohr einer großen Feuerfprige; das
Stardthier, Säg. ein Wild, welches ſich von feinem gewöhnlichen Stande nicht
weit eitfernt; der Standvogel, Zäg. Vögel, welche fich an einem Orte be⸗
ſtändig aufhalten, entg. Bugvogel; insbeſ. ſolche Droſſeln od. Schnarren; der
=
*
*
*
Standarte — Ständer 1039
Standwind, ein ſtehender; d. i. zu beſtimmten Zeiten aus derſelben Gegend
wehender Wind; — mit Standes- (nur in der Bed. 2): ber Standes:
adel, der Adel, fofern er cinen eigenen Stand ausmacht; die Standeserhd-
hung, Erhebung in einen Höheren Stand; die Standesgebühr, was einer
Perfon vermöge ihres Standes od. Ranges gebührt (einem nad) Standesge—
bühr begegnen); flandesgemäß, Bw. u. Niw., dem Stande od. Range gemäß,
vermöge des Standes; der Standeshert, in einigen Yandfchaften, z. B. in
r Schleſien, ein Freiherr, welcher außer feinen eigenen Gütern andere Gutsbe—
figer zu Vaſallen hatz die Standesherrfchaft, das Gebiet eines Standes-
herrn; flandesmäßig, Bw., dem Stande od. Range angemeffen (ftandesmä-
fig leben 2c.); die Standesperfon, eine Perfon von (vornehmen) Stande;
die Standestracht, unterfcheidende Tracht eines Standes (z. B. der Beam—
ten, Bergleute, Jäger 2c.); das Standeswappen, ein Wappen, welches Ie-
mand vermöge feines Standes führt, 3. U. v. Geſchlechts- od. Kamilienwappen;
— mit Stände-: die Ständeverfammlung, Verſammlung der (Land- od.
Reiche) Stände; fo auch: der Ständeball, das Ständefeft ꝛc.; — Ableit.
ftandhaft, Bw., eig. Stand od. Beftand habend, daher landſch. F. dauer-
haft, feft (ein ftandhafter Bau; Bergw. die Erze brechen ftandhaft, wenn
fie fi in eine beträchtliche Weite erftreden); gew. uneig. feften Sinn habend
u. beweifend, unveränderlich ausdauernd in feinen Entfchliefungen u. Hand»
lungen, bef. bei Überwindung von Schwierigkeiten u. Ertragung von Leiden,
ftärker als die finnv. beftandig, beharrlich (ftandhaft fein, ſtandhafter Muth,
ftandhafte Geduld 2c.); die Standhaftigfeit, das Standhaftfein, (mit Stand-
haftigkeit Schmerzen ertragen); ſtändig, Biw., nur in einzelnen Amvendingen
f. ftehend, feſtſtehend, beftandig,, beftimmt (z. B. ftändige Spanndienfte,
Gefälle u. dgl.); niederd. f. ausdauernd; u. f. geftändig; ſtändiſch, Bw.,
bie (Land- od. Reichs⸗) Stände angehend, betreffend, ihnen zufommend,
von ihnen ausgehend, auf ihnen beruhend od. aus ihnen beftehend (ftän-
diſche Gerechtſame; eine ſtändiſche Verfaffung ; ſtändiſche Verfammlungen, Auss
ſchüſſe 26); fländling od. fländlings, Nw., alt u. oberd. f. ftehend, im
Stehen; ftehendes Fußes, ſogleich; die Standfchaft, die Eigenfchaft eines
(Land: od. Neiche>) Standes; die Gefammtheit der Stände.
- Standarte, w., M. -n, (niederd. Standare, engl. standard, ſchwed. stan-
dar; vom ital. stendardo, franz. etendard, v. lat. extendere, ital. stendere,
franz. etendre, ausbreiten), eine Art Eleiner Fahnen der Neiterei, Reiter
fahne, Fähnlein; uneig. Säg. der Schwanz des Wolfes u. des Fuchfes,
gew. die Lunte; Tandfch. gem. f. eine Lange, hagere Perfon (eine lange Stan-
darte); ein hoher Kopfpug dev Frauen.
Standbaum, -bild, -blod, Ständehen, f. unter Stand.
Stande, w.,; M. -1, Verkl. dns Ständchen, oberd. Ständlein, (altd.
standa, stande; oberd. die Standenz niederd. verderbt auch: Stangez von
standan, ftehen), ein hölzernes Gefäß von Botticherarbeit, gew. unten wei-
ter, als oben u. auf drei durch verlängerte Dauben gebildeten Füßen ftehend,
das Stellfafs, finnv. Butte, Bottich (eine Waffer-, Spül-, Butter-, Milch:
ftande 2c.).
‘ Ständer, m., -8, M. mw. E., Verkl. das Ständerchen, (von standan,
ſtehen), überh. ein ftehendes Ding, insbef. .1) f. v. w. Stande, Stellfafs
(oberd. auch der Standner), z. 2. die Baumölftänder der Krämer, der
1040 Standesadel — Stange
Ständer der Papiermacher, d. i. das Faſs, worin das Papier alaunt wird; in
der Bienenzucht: die in. Bienenhäuſern ſtehenden Stöcke (auch Ständer—
ſtöcke); landſch. auch f. ein Fifchhälter; 2) ein aufrecht ſtehendes Stück
Bauholz, ein dicker Pflock, Pfahl, Pfeiler ꝛc. (oberd. auch: der Standen),
3. B. der ſtarke Baum, auf welchem eine Windmühle ſteht; die hölzerne Säule
der Gartenzäune, Obftgeländer zc.; die aufrecht fichende Abzugsröhre eines
Teiches; Schiff. ein ftehendes Zau od. Ende eines Yaufenden Tauwerkes
(Stander); auch die dreiedige Flagge eines Geſchwaderführers; 3) land—
Thaftl. uneig. eine auf einem Grundftüde ſtehende zu verziniende Geld-
fumme; — das Ständerwerf, das Zimmerwerk, woraus bie hölgernen
Wände od. das Fachwerk eines Gebäudes befteht; — der Ständerling, oberd.
1) ein Gefäß zum Unterftellen, bei. an einem angezapften Wein- od. Bier-
faffe; das Getränk, welches ſich beim Abzapfen in folhem Unterfak fam-
melt; jedes durch längeres Stehen verdorbene Getränk; 2) wer gern ftehen
bleibt, nicht vorwärts kommt; 3) das Stehenbleiben, Zufammenftehen auf
der Straße, um zu plaudern (Ständerling machen, am Ständerling ftehen 2c.);
4) längliche weiße Rübe (au: Stederling).
Standesadel ıc. — Standeswappen; Ständeverfammlung, ftand-
feft 2c., ftandhaft, ſtändig, ftändifch, Standlinie ꝛc. — Standwind,
ſ. Stand.
Stange, w., M. -n, Berl. das Stänglein, gem. Stängel (erſch.
der Stengel, f. d.), Stängelden, (altd. stanga, stange, oberd. bie
Stang u. gew. Stangen; ſchwed. stang, engl. stang, ital. stanga; eig. etwas
Stethendes, von der Wurzel stang, erweiterter Nebenform von stah, stac; da=
ber goth.stiggvan, isländ. u. ſchwed. stinga, angel. stingan, engl.sting, ftechen),
1) ein langes u. verhäftnifsmäßig dünnes, glattes Holz, meift an einem
‚ Ende zugefpigt, länger u. ftärker, als ein Stod od. Steden, ſchwächer als
ein Baum (z. B. Dopfen:, Bohnen-, Segelftange 2c.; die Stange eines Spie-
Bes, gew. der Schaft; fprihw. einem die Stange halten, d.i. ihm bei-
ftehen, ihn beſchützen, feine Partei nehmen, von dem ehemal. Gebrauche bei
Zweikämpfen, wonach jedem der Kämpfenden ein Kampfhelfer zugetheilt wurde,
‚der über den Gefallenen eine Stange zur Beſchützung hielt; daher ehem. auch :
der Stange begehren, f. ſich für überwunden bekennen, fi) ergeben); oberd.
insbef. f. Deichfel (daher wohl: nicht bei der Stange bleiben, zu
nächſt von Pferden, dann fprichw. f. von der Sache abfchweifen, nicht bei der
Mahrheit bleiben, nicht ausdauern); Forftw. f. junge, gerade aufgefchoffene
Bäume, u. überh. ſchwache Baume von 4 Zoll Die und 15 bis 20 Ellen
Länge; die Stange eines Weinftodes, d. i. der Hauptftamm desſelben; un—
eig. gem. f. ein langer, hagerer Menſch; 2) in weiterer Anwendung jeder in
die Fänge ausgedehnte u. verhältnifsmäßig dünne Körper (z. B. Eifen,
Gold, Silber in Stangen, ſ. v. w. Barren; eine Stange Siegellad 2c.); ins-
bef. Zäg. die beiden langen Theile des Hirſchgeweihes, an welchen fich die
Enden befinden; au der Schwanz des Fuchſes u. Wolfes; zwei gebogene
Eiſen am Pferdegebiffe, zwiſchen denen fic) das Mundſtück u. die Kinnkette
befindet; in einem Büchfenfchloffe der Theil, welcher die Mittel» und Hinter
raft trägt; an einer Schere der lange gerade Theil zwifchen dem Ringe u. dem
Schilde, u. dgl. m. — 3feg. der Stangenbefen, -borſtwiſch, ein Befen,
Borſtwiſch an einer Stange, um damit in die Höhe zu reichen; das Stan⸗
Stank — ftänfen 1041
genblet, Blei in dicken Stangen; die Stangenbohne, -erbſe, f. v. w. Stän-
gelbohne zc., f. u.; das Stangeneifen, zu vierediigen Stangen geſchmiedetes
od. gegoffenes Eifen; Bergw. das Eifen, an welchem die Kunftftangen befeftigt
find; Jäg. ein Zangeifen für Wölfe, Füchſe u. Luchfe; die Stangenfeder, in
den-Gewehrfchlöffern eine Feder, welche auf der Stange (f. 0.) liegt; ſtangen⸗
gerade, Bw., gerade od. aufrecht wie cine Stange; die Stangengraupe,
Bergw. eine Art Zahlerz; das Stangenholz, Forftw. zu Stangen (f. 0.) er
wachfene junge Bäume, u. cin daraus beftehendes Gehölz; der Stangenfä-
fich, ein Vogelbauer aus Drathftangen; der Stangenfnafter, -tabad, Tabad
in Stangen od. Rollen; das Stangenfrauf, Flachsfeide, Flachsdotter; der
Stangenkuchen, landſch. f. Baumkuchen; die Stangenfugel, Krfpr. durch
eine eiferne Stange mit einander verbundene Kugeln, bef. im Seekriege ge:
braucht; die Stangenfunft, Bergw. eine Wafferkunft, welche das Waſſer mit-
telft mehrer Stangen aus der Tiefe hebt; die Stangenleinwand, eine Art
gemodelter Leinwand, gew. mit ftangenähnlichen Streifen, zu Tiſchzeug, Hand—
tüchern 2e.; das Stangenpferd, f. v. m. Deichfelpferd; der Stangenquarz,
Quarz, welcher in Geftalt von Stangen auf einer Drufe befindlid ift; das
Stangenrecht, landſch. das Recht, die einem Schulöner abgepfändeten Sachen
öffentlich zu verfteigern, Gantreht, (wahrſch. buchftäbliche Übertragung des
Yatein. jus subhastationis); die Stangenrege, ſ. Rege; der Stangenjchörl
od. =ftein, eine Art Schörl in Stangenform; das Stangenfilber, Silber in
kurzen Stangen; der Stangenfpath, Spath in vierfeitigen Stüden; der
Stangenftahl, Stahl in viereckigen Stangen; das Stangenmwerf, ein aus
Stangen beftehendes Werk, z. B. ein Feldgeftänge; der Stangenzaum, eine
Art Pferdezäume mit zwei am Mundftück befeftigten Stangen (f. v.); der
Stangenzaun, ein Zaun aus Stangen, Stadetz der Stangenzehnte, ſ. v.
w. Stabzehnte; der Stangenzirkel, ein großer Zirkel mit ftangenähntichen
Schenken; — Ableit. flangeln, ziellof. u. ziel. 3w., nicderd. f. ftoßen,
tvegtreiben, insbef. in liegender Stellung mit den Beinen ftoßen; flängen od.
gew. flängeln, ziel. Zw. (verich. ftengen, ftengeln), mit einer Stange od.
mit Stangen verfehen (Hopfen, Bohnen, Erbſen ꝛc.); oberd. überh. etwas
mit einer Stange verrichten (Nüffe u. dgl.—, mit Stangen abfchlagen);
die Stängelbohne, -erbfe, rankende Bohnen u. Erben, welche geftängelt
werden.
Stanf, m., -es, o. M. (altd. stanch, stanc, ©. stankes, überh. f. Geruch;
von ſtinken, ſ. d.), alt u. landſch. bef. niederd. f. Geſtank, übler Geruch, (nie:
derd. ſprichw. Stank für Dank, d. i. Undank ftatt des Dankes für Wohlthaten);
uneig. auch f. böfe Händel, Zänkerei; ſtänkern 1., ziellof. Zw., gem. f. Ge—
ſtank verurfachen (etwas durch-, einftänfern 2c.); uneig. f. Händel anfan-
gen (vielleicht zu ftänkern 22); der Stänfer 1, -&, gem. wer Geftant
macht od. ſtinkt; landſch. f. Fltifs (auh: Stänkerratz); auch f. Theer
od. Wagenſchmier; uneig. f. Dändelmacher, Zänker; die Stänferei 1.,
M. -en, das Stänkern, der erregte Geſtank; uneig. gem. f. Gezänk, Streit,
Verdrießlichkeit; ſtänkerig, Biw., gem. f. ftinfend.
- flänfen, ziel. 3w., ſchwäb. f. ſtecken (vgl. Stange mit ftechen 2c.); daher:
der Stänfer 2., -3, 1) bair. ein dürrer Fichtenftämmling mit zugeftugten
Alten, in den Boden geſteckt, um Flache, Getreide ıc. daran zu trocknen; 2)
Coon ftänfern 2.), wer unbefugterweife Alles durchſucht, durchftöbert zu;
Heyſe's Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2. Theil, 66
1042 Stange — Stapel
ftänfern 2., ziel. u. ziellof. Zw. 1) bair. Flachs ze. an dem Stänker in der
Luft trodnen; 2) (landich. auch ſtankern — dem niederd. ſtaken, ſtakern,
ſ. d.; alſo eig. mit einer Stange od. einem Steden durchſuchen) gem. f. un—
befugt u. vorwigig durchfuchen, müfig fpahend umbergehen (oberd. auch
ffingeln; etwas durch-, aufftänkern ; im Haufe herumſtänkern 2c.); zu Hän—
deln reizen, aufhegen (f. ftänkern 1.; vgl. jedoch fchüren, und das niederd.
upftafern f. aufgegen); die Stänkerei 2., gem. f. unbefugte Durchſuchung
cd. Ausfpähung.
Stanze 1. w., M. -n, (von einem alten ablaut. Zw. stinzan, stanz ꝛc.,
daher ftenzen, |. d.; angelf. stintan, engl. stint, stunt, ſtutzen, abftumpfen ;
vgl. Stint, das altd. stunz f. ftumpf, Stunge, ein kleines Gefäß zc.), bei
den Gürtlern eine die kurze Metallplatte mit einer Vertiefung, in welche
die Figur eingegraben ift, welche eine getriebene oder gejchlagene Arbeit bekom—
men To (etwas in der Stange od. mit Stangen treiben, entg. aus freier Hand);
der Stanzenbunzen, ein Bunzen mit erhaben gefchnittenen Figuren zum Aus-
zieren der Stangen; der Stanzenhammer, ein ſchwerer Hammer der Gürt-
ler, womit beim Treiben des Metalld auf den Stempel gefchlagen wird; der
Stanzenſtempel, Stempel, mit welchem das Blech in die Stangen getrie-
ben wird.
Stanze 2., w., M. -n, (von d. ital. stanza, franz. stance), ein Vers- od.
Keimfas, Gefäß eines Gedichtes (Strophe); in engerer Bed. die ital.
achtzeilige Stanze (ottave rime),
Stapel, m., -$, M. w. E. (uripr. niederd. Form des oberd. Staffel,
f. d. u. vgl. ftapfen) 1) überh. eine Unterlage, ein Gerüft, Geftell, worauf
etwas ruht (angelf. stapul); aud ein als Stüge dienender Pfahl od. Pfeis
ler, 3. 8. in Salgwerfen die Pfähle, auf weldyen die Sogbäume ruhen; in en⸗
gerer Bed. 2) das Gerüft od. die erhöhete Bauftelle, auf welcher ein Schiff
gebaut wird (daher: ein Schiff auf den Stapel fegen, d. i. den Grund dazu
legen; ein Schiff vom Stapel laufen laſſen, d. i. das fertig gezimmerte Schiff
in das Waffer hinabgleiten laſſen; uneig. vom Stapel laufen, d. i. vollendet
aus den Händen des Meifters Eommen); auch der ganze Schiffbauplag, das
Werft; 3) die. Unterlage für abzuftellende u. aufzuhäufende Waaren,
überh. der Ort, mo man etwas auf eine Zeitlang in Haufen niederlegt,
Niederlage von Waaren (oberd. Staffel; engl. staple, holt. u. ſchwed. stapel;
franz. &tape); insbef. die gefegliche Niederlegung gewiffer Waaren an ei-
nen Drt, u. das Recht gewiffer Handelsftädte, wonach alle durchgehenden
Waaren auf eine beftimmte Zeit in ihnen zum Verkauf niedergelegt werden
müffen (das Stapelrecht); im nördl. Deutfchl. ehem. aud) f. Sahrmarkt,
Meſſe; 4) die aufgehäuften Waaren od. Sachen felbft, ein geordneter,
aufgefchichteter Haufen (niederd. ein Stapel Holz, Thaler 20.5 die Gerber
fegen die Häute in Stapel; 5) (von ftapfen, ftappen f. ſchreiten, fpringen)
niederd. chem. f. Heuſchrecke (althochd. hou-stafil); — flapeln, 3w., 1)
ziel. bef. nicderd., auf den Stapel.od. in Stapel legen, in Haufen auf ein-
ander legen, aufhäufen, auffchichten (Holz 2c.); Schiffb. den Kiel—, d. i.
die Stapelblöde darunter legen; 2) ziellos m. fein (vgl. fapfen), gem. f.
mit langen, hoch aufgehobenen Beinen od. mit großen Schritten einher
fchreiten; oberd. auch m. haben f. von Haus zu Haus gehen, bef. um au
betteln od. ein Reifegeld zu fammeln (von armen Schülern u. Studenten) ; —
ſtapfen — ftark 1043
3fe$. von Stapel u. ſtapeln: der Stapelblock, Schiffb. Blöcke, welche un—
ter dem Kiele eines im Bau begriffenen Schiffes liegen; die Stapelgerech—
tigkeit, f. v. w. das Stapelrecht, ſ. on; das Stapelgut, Stapelgüter, |. v.
w. fapelbare Güter, f. u.; das Stapelholz, aufgeftapeltes Holz; auch |. v.
w. der Stapelblod; der Stapelort, Stapelplaß, ein Ort, wo etwas in
Stapel gefegt wird; ein Ort od. Handelsplag, welcher das Stapelrcht hat;
in weiterer Bed. überh. f. Stadt, Hafenplak, wo Handel getrieben wird, auch:
- die Stapelftadt; das Stapelrecht, ſ. o. Stapel 3); die Stapelwaare,
eine ftapelbare Waare; auch die Haupt-Handelöwaare eines Ortes od. Landes;
— Xbleit. ftapelbar, Bw., dem Stapelrecht unterworfen (ftapelbare Gü—
ter, Waaren).
ftapfen, oberd., od. ſtappen, niederd., ziellof. Zw., (althochd. stephan,
Prät. staphta; mittelb. stapfen, staffen, stepfen, Prät. stapfte; von einem ver-
lorenen ablaut. Zw. stafan, stuof 2c., welches fich im altfächj.stapan, Prät. stöp,
stuop wirklich findet; vgl. Staffel u. Stufe; angel]. stapan, staeppan, engl.
step; vgl. d. griech. Orißos, oreißo), chem. überh. f. treten, fchreiten, gehen,
im Schritt reiten, traben; ſpringen; jest noch landſch. f. im Gehen feft
auftreten (m. haben); feft auftretend, hochbeinig u. überh. langfam ein-
herfchreiten (m. fein); der Stapfe, -n, M.-n, jest gew. die Stapfe,
M. -n, (altd. der staph, stapf, M. stepfe, u. der stapho, stapfe, M. stapfen;
oberd. der Fußftapfen; angelf. stapa, engl. step, Schritt; holl. stapp), ehem.
f. Schritt, Tritt; jegt nur noch in dem zgef. Fußftapfe f. Sußfpurz der
Stappftein, niederd. f. Trittftein, quer über einen Fothigen Weg gelegt.
‚Stappen, m., -$, M. w. E., niederd. f. Eleiner Kübel, Gelte (Milch—
ftappen).
Star, m., f. Staar u. Stahr; — Stär, m., ſ. Stähr.
Star od. Stär, f. u. m., -e8, M. -e, nad einem Zahl. unverändert,
(ital. staro, stajo, zgez. aus dem lat. sextarius), oberd. ein Getreidemaf —
14 Simmer, od. 4 Wiener Metze; auch ein Maß für Erze, 1 Schuh 24 301
Yang, 1 Schuh 24 Zoll breit, 113 Zoll tief; n. A. Bergw. in Tirol: ein Öe-
wiht — 1 Zentner.
Starbord, m. (engl. starboard), niederd. Schiff. f. Steuerbord.
ftarf, Bw., Comp. ftärker, Sup. ftärkft, (althochd. starah, starh, mittelh.
starc, Comp. sterker, Sup. sterkest; abgel. von star, ſtarr, alfo eig. hart, feft,
MWiderftand leiftend, vgl. das alte hals-starc f. halsftarrig; oberd. ftark u.
ftarch ; altfäch]. starc, angelf. stearc, engl. u. ſchwed. stark), urfpr. in feinen
heilen feft zufammenhangend, hart, fteif, unbiegſam, Widerftand Ieiftend ;
ehem. auch f. drückend, ſchwer zu ertragen (entg. fanft); jegt überh. viel Kraft
habend, finnv. Eräftig, Eraftvoll, entg. Ich wach, insbeſ. 1) körperlich (ftarf
fein, ein ftarfer Mann; das Recht des Stärkeren; eine ftarfe Natur haben;
ſtarke Nerven, ein ftarker Magen 2c.); von lebloſen Dingen: in hohem Grade
haltbar, dauerhaft, feſt (ein ftarkes Seil, ftarkes Tuch, ftarke Leinwand; eine
ftarfe Mauer, Feftung 2c.); von Sinneseindrüden u. Dingen, welche auf die
Sinne u. die Lebensthätigkeit wirken: Eräftig wirkſam, durch- od. eindrin-
gend, nachdrudlich (ein ftarker Schlag, Geruch), Geſchmack; eine ftarke Stimme,
ſtark ſchallen, rufen zc.; ftarke Getränke, Wein, Bier ꝛc.; ſtarke Arznei; ein
ftarkes Gift 2c.); überh. einen hohen Grad innerer Kraft habend, finnv.
heftig (eine ftarke Kälte, ftarkes Fieber; ftarker Wind, Regen, Brand, Rauch;
66 #
1044 ſtark
ſtark gehen, laufen, d. i. ſchnell; man ſpricht ſtark davon, d. i. viel); ferner
in weiterer Anwendung au von der Größe od. Ausdehnung im Raume:
beträchtlichen Umfang habend, groß (Zäg. ein ftarker Hirſch, d. i. der mehr
als & Enden hat; ftarkes Wildbret, entg. dem Eleinen od. mittelmäßigen), ins⸗
bef. f. dick (ein ftarker Baum; einen ftarken Leib haben; ftärfer werben 2e.),
in der Zeit: das genaue Maß Überfchreitend (eine ftarke Stunde, Meile ıc.
ſ. v. w. eine gute 2c.); der Zahl nach groß, beträchtlich, zahlreich (eine ftarke
Geſellſchaft, Familie, ein ftarkes Gefolge, Kriegsheer; wie ftark ift die Familie?
d. i. aus wie viel Perfonen defteht fie?); 2) geiftig: innere Kraft habend,
Eraftig, ausdauernd, lebendig wirkſam, Widerftand leiftend und überwin—
dend (ein ftarker Geift, d. i. in engerer Bed. ein über Vorurtheile erhabener;
ein ſtarker Verftand; ein ſtarkes Gedächtniſs haben; ein ſtarker Glauben, ftarke
Hoffnung ꝛc.; flark in einer Sache fein, d. i. darin viel Kenntnifs od. Fertig-
keit befigen, derjelben mächtig fein; ſtarke Worte, Ausdrüde, d. i. Eräftige,
derbe; das war ſtark! nämlich auögedrüdt; ein ſtarker Beweis, d. i. ein wirk—
famer, fchlagender); — 3feg. der Starkdenfer, wer ftark, ſcharf u. bef.
vorurtheilsfrei denkt, fo auch der Starfgeift, f. v. w. ſtarker Geift, f. 0;
in engerer Bed. tadelnd: wer bie Glaubenslchren der geoffenbarten Religion
als Vorurtheile betrachtet u. beftreitet; daher die Starfgeifterei, das Wefen
u. Treiben eines Starigeiftes; ſtarkgläubig, Bw., einen ſtarken Glauben ha—
bend; daher die Starkgläubigkeit; ftarfglicderig, -leibig, muskelig u.
dgl. m., Bro., ftarfe Glieder, einen ftarken Leib zc. habend; ftarfmüthig, Bw.,
ftarfen, feften Muth od. ein ftarkes Gemüch habend; die Starfwurz, landſch.f.
ſchwarze Nieswurz; — Ableit. die Stärke I., o. M. (altd. starchi, sterke),
1) das Starkfein in allen Bed. von ftark, ein beträchtlicher Grad von Kraft
od. wirkendem Vermögen, entg. Schwäche, (die Stärke des Löwen, des
Mannes, der Arme; eines Zeuges, einer Feſtung; die Stärke der Stimme, bes
Meines, Eſſigs 2c.; die Stärke der Seele, des Geiftes, Gemüthes, Gedächt—
niffes, eines Ausdrudes 2c.; in einer Kunſt 2c. befondere Stärke befigen zc.),
auch von dem Eörperlichen Umfange u. der Zahl f. Die, Größe (bie
Stärke eines Baumes, des Leibes, einer Familie, des feindlichen Deeres ꝛc.);
2) der Ort, wo ein Ding vorzüglich ſtark ift, insbe. Fechtk. der Theil der
Degenklinge vom Stichblatt bis in die Mitte der Klinge (eingetheilt in die
ganzeu. halbe Stärke); 3) (von ſtärken 2) abzuleiten, f. u.) mas
ftärkt, d. i. fteif macht: ein aus Weizen- od. Dinkelmehl beveiteter Klei-
fter, womit die Wäſche geftärkt, d. i. fteif gemacht wird (engl. starch,
ſchwed. stärkelse), niederd. Stievels od. Steivels (von fteif); daher:
das Stärfblau, Schmalte, welche zur Stärke genommen wird, zum Bläuen
der Wäſche; der Stärkkleifter, aus Stärke bereiteter Kleifter; der Stärf-
od. Stärfemacher, wer Stärke bereitet; das Stärf- od. Stärfemehl, fei-
ned Mehl zu Stärke; die Stärfwäfche, feine Wäfche, welche mit Stärte fteif
gemacht wird; das Stärkwafler, Wafler, in welchem Stärkemehl aufgelöft
ift; — ſtarken, ziellof. 3w. m. fein, vlt. f. ſtark werden, Kraft gewinnen,
gew. erſtarken; ftärfen, ziel. Zw. (altd. starhian, sterchau, sterken, Prät.
starcte) 1) überh. ſtark od. ſtärker machen, Eräftigen, körperlich u. geiftig,
entg. ſchwächen, (Bewegung ftärkt den Körper; den Magen ftärken; ftärkende
Urzneien; einen im Guten, im Glauben, in feinen Vorſätzen —, finnv. beftärs
Een, befeftigen); ehem. auch f. feft machen, beſchützen; 2) insbef. mittelft
Starke — ftarzen 1045
der Stärke (3) fteif machen (die Wäſche —); auch Web. f. v. w. fehlichten,
f. d. (den Aufzug—); die Stärkung, 1) das Stärken; 2) das Stärfende,
ein ftärkendes Mittel (M. Stärkungen), audi: das Stärkungsmittel, der
Stärkungstranf ıc., od. das Stärfmittel, der Stärktrank ꝛc.; das
Stärffraut, landſch. verfchiedene Kräuter, von denen man ehem. wähnte, dafs
fie Stärke verleihen od. feft machen könnten, insbef. das wilde Löwenmaul od.
Drant (f. d.); auch das große Löwenmaul; dev Wau; eine Art Wegmwart im
ſüdl. Frankreich ꝛc; — ſtärklich, Nw. (altd. sterclich als Bw. f. ftark),
oberd. f. wahrlich, gewifs.
Starke od. Stärke 2., w., M.-n, (eig. wohl Sterke, Stirke; von
Stier: eine ffierige Kuh; hol. stierick; vgl. das angelf. steor u. stiorc,
engl. steer u. sturk), niederd. f. eine junge, ein od. zweijährige Kuh, die
zum erften Male Ealben fol od. gefalbet hat, f. v. w. Färfe, Kalbe, Moſche;
das Stärfenfalb, Kalb von einer Stärke, Erſtlingskalb.
ftärken, zw. Starfgeift ıc., Stärffleifter, -Fraut, -mehl ıc., Stär-
fung ıc., Stärfwäfche, -waffer, 1. unter ftark.
ſtarr, Bw., Comp. ftarrer, Sup. ftarrft, (altd. star, G. starres; auch stär,
sterre, oberd. färr, ſtar; vgl. d. griech. oregeos, oreooos; wahrſch. auf bie
Wurzel sta zurückzuführen, alfo urfpr. ftehend; von gleihem Stamme find:
ftier, Staar, ftark zc.), in hohem Grade unbiegfam, finnv. fteif, bei. von
Körpern, welche weich u. biegfam fein follten (z. B. die Glieder wurden mir
vor Kälte ſtarr; vor Schreden ftarr fein); in weiterem Sinne überh. f. in fei-
nen Theilen zufammenhangend, feft, entg. flüffig (ftarre Körper); uneig.
von dem Blicke: mit weit geöffneten Augen unbeweglic auf einen Punkt
gerichtet, unverwandt, aud) ftier, (einen ſtarr anſehen; ſtarre Blide, Augen);
in fittlidem Verſtande: unbiegfam, nicht nachgebend (ein ftarrer Sinn) ; —
3feg. das Starrauge, ein ftarr fehendes Auge; flarräugig, Bw., flarre
Augen habend; ftarrblind, Bw., völlig blind, ſtockblind mit flarren Augen
(verſch. v. ffaarblind); der Starrfopf, ein ftarrer, fteifer Kopf: uneig.
eine ftarre, unbiegfame Gemüthsart, u. eine Perfon mit folder Gemüthsart,
ein höchft eigenfinniger, unlenffamer Menfch, ehem. auch: der Starrhals;
ftarrföpfig, Bw., höchſt eigenfinnig, halsftarrig; die Starrleinwand, land-
fchaftt. f. fteife Leinwand; der Starrfinn, unbiegfame Gemüthsart, hoher
Grad von Eigenfinn; daher flarrfinnig, Bw.; die Starrfucht, ErankHaftes
Erftarren der Glieder, plösliche Gliederlähmung (fr. Katalepſis); daher ſtarr—
füchtig, Bw., mit der Starrfucht behaftet, daran leidend; — Ableit. die
Starre, 0. M. (oberd. Stärre, Stärren), das Sturrfein, die ftarre Be-
fchaffenheit, def. die Halsſtarre (ſ. d.); außerdem gew. die Starrheit (z.
B. der Glieder, des Blickes 2e.); flarren, zieliof. Zw. m. haben, (oberd.
auch ftärren), 1) ſtarr fein od. werden (die Glieder, die Finger 2c. flarren
mir vor Kälte; das Blut ftarrt, finnv. ſtockt; dicht. auch ziel. f. ftarren machen,
3. B. ber ftarrende Froſt); uneig. von etmas—, d. i. davon voll u. gleich-
fam fteif fein, damit angefüllt fein, finnv. ſtrotzen (4. B. von Gold ftarrende
Kleider; die Schrift ftarrt von Fehlern; 2) ftarr fehen, anfehen, auch ſtie—
ven, (nieberd. ftaren, ftar-ogen; altd. staren, starn; isländ. stara, angelf. sta-
rian, engl. stare; auf etwas, einem ins Gefiht— ze. ; vgl. anſtarren); flarrig
od. ſtärrig, Bw., (vgl. ftörrig), oberd. f. ſtarr, ſtarrſinnig.
ſtarzen od. flärzen 1., ziellof. Zw. m. haben, (Berftärkungsform von
1046 ftät — Statt
ſtarren; au ſtärrezen, ſtorzen — ſtrotzen), oberb. f. ſtarr od. fteif fein,
empot= od. hervorragen; ſtrotzen; ſich —, f. fich fpreizen, brüften, auf-
blafen (daher Stärzer, Stärzerlein. f. aufgeblafener Stutzer); der
Starz, -es, M. -e, (auch Storz; vgl. Sterz), oberd. f. Stiel, Stengel,
Kohlſtrunk; aufrecht geftelltes Stud Holz, Knochen, Stein ıc. (beim Plät-
telfpiel) ; ſchweiz. f. Stüge (daher: einem Starz geben f. ihm beiftehen);
ferner f. Schwanz, Schwanz-Ende eines Dinges; das am Hinterwagen her-
vorragende Stüc der Langwiede (daher: Starz treiben, d. i. einem Wa-
gen mittelft des Starzes die gehörige Richtung geben); ſtaͤrzen 2., oberd.
3w. 1) ziellos f. müßig umhergehen (vgl. ſchwanzen, ſchwänzen); f. v. w.
Starz treiben, ſ. o. (daher: der Stärzer, wer dies thut); 2) ziel. ein
Pferd —, des Schwanzes berauben, ftugen.
ſtät, r. als ftet, Bw., (altd. stäti, staete; niederd, ſtede; von der Wurzel
sta, ftehen), feftftehend, unbeweglich, entg. unftät; ununterbrochen fort-
dauernd, anhaltend, dauerhaft, beftändig, ftandhaft, beharrend, treu, (ein
ftäter Regen, Fleiß 2c.; ſtäte Zuverficht, Liebe, Treue 2c.; ein flätes Herz);
alt u. oberd. auch f. langſam, ftille, fachte, leife; niederd. (ftede) insbef. f.
rechtsbeftändig, gültig, ſtatthaft; ſtäts, Nw., (altd. staetis, staetiges), gew.
jtets, f. d.; die Stäte, 1) o. M. (altd. stäti, staete), vlt. f. das Behar-
ven, die Beftändigkeit, Standhaftigkeit, Dauer, Treue; oberd. (die Stät)
f. Stille; 2) M. -n, landſch. f. Stätte; flätig, Bw., 1) weniger r. ftetig
(altd. stätic, staetec; niederd. ſtedig; angel. staedig, engl. steady, ſchwed.
stadig), feſt, unbeweglich, 1. v. w. ftät; insbef. ununterbrochen zufammen-
hangend im Raume, ein Ganzes bildend, welches nicht in felbftändige, zähl-
bare Theile zerfällt (ein ftätiges Ding, fr. ein Continuum; eine ftätige Größe,
enfg. einer Zahlgröße); ununterbrochen fortdauernd in der Zeit, beſtändig
(fätiges Wohlergehen u. dgl.); 2) auch ſtätiſch (gem. zgez. ftätfch; mittelh.
stetec; ste-stetic; oberd. ftettig, ſtettiſch; niederd. ftedig, ftedift, ftäift), von
Pferden, nicht von der Stelle gehend, hartnädig ftehen bleibend; die Stä—
tigkeit (altd. staetekeit), das Stätigfein in allen Bed., insbel. f. Beftändig-
keit, Seftigkeit; Ausdauer, 3. B. bei der Arbeit (er hat keine Stätigkeit) ;
Treue; ftäten od. ſtätigen, ziel. Zw. (altd. stätian, staeten u. stätigon, stae-
tigen; niederd. ftaden, fteden, fterigen), vlt. f. ſtät machen, feft, dauerhaft,
beftändig machen; niederd. f. beftätigen (ſ. d.) einfegen; geftatten, ver-
ftatten.
Statt 1., w., M. (ungebr.) Stätte, (goth. staths, .m.; althochd. stat, ©.
u M. stati, steti; mittelh. stat, Gen. u. M. stete, aus welcher Form die neu—
hochd. Nebenform die Stätte (f. u.) als Einh. entft. iftz urfpr. — Stadt,
f. d.; isländ. u. ſchwed. stad, angelf. .sted, engl. stead; Wurzel sta, fehen),
Drt, Standpuntt, Stelle, Pla (z. B. nirgends eine bleibende Statt haben;
Zieß. wie: Bett-, Brand-, Hof-, Kegel-, Richt-, Schieß-, Wahl-, Werk, Wohn-
. ftatt 2e.; am meiner Statt, an feiner Statt ze. d. i. Stelle; einen an Kindes
Statt annehmen, fr. adoptiren; alt u. landſch. an der Statt bleiben f. auf dem
Plage bleiben, fallen; auf der Statt f. auf der Stelle, ſogleich; aus der Statt
kommen f. verrenkt werden); ftatt od. anftatt (f. d.) als Vw. mit dem Gen.
f. an der Statt, an der Stelle (z. B. ftatt meiner, flatt des Vaters, ftatt
deffen, f. v. w. an meiner Statt, an des Vaters Statt 2c.), u. ald Bdw. vor
einem 3w. in Verbindung mit dafs oder zu (z. B. er ſchwieg, flatt dafs er
flagen — Staub 1047
reden follte, od. ftatt zu reden); — Statt 2., w., M. (nur im Dativ aebr.)
Statten, (altd. stata, state), der rechte, paffende Drt, die gelegene Zeit, das
Gelegenfein, Gelegenheit; Vermögen, Gemad), Annehmlichkeit, jegt nur
in gewiffen Redensarten gebr., insbef. 1) Statt in: Statt finden
(nicht: ftattfinden), f. zugegeben, bewilligt, eingeräumt werden, gefche-
hen Eönnen, (etwas Statt finden laffen; vgl. geftatten, verftatten; ſprichw.
ein-gutes Wort findet eine gute Statt), auch ſ. v. w. Statt haben, d. i.
vorhanden fein, gefchehen; einer Sahe Statt geben, d.i. fie gelten
Laffen, einräumen, zulaffen (z. 8. den Bitten, Vorftellungen zc. eines An-
dern Statt geben; alt u. oberd. auh: Statt thun); 2) Statten (als
Dativ der M.) in: von Statten gehen, d. i. guten Fortgang haben,
gelingen, (die Arbeit, das Unternehmen geht ihm gut von Statten); einem zu
Statten fommen, d. i. ihm förderlich, nüßlich, dienlich fein (2. B. das
Geld Eommt mir zu Statten 2c.; chem. auh: nad Statten f. nad) Gele
genheit od. Vermögen); — die Stätte, M. -n, Nebenform von Statt 1.
(entft. aus der altd. Gen. u. Dat.- Form steti, stete; landſch. auh Stäte;
niederd. Stede), |. v. w. Drt, Stelle, Pas, bef. mit dem Nebenbegriffe des
Ruhens od. Vermweilens (Eeine bleibende Stätte haben; an heiliger Stätte ꝛc.;
die Brand-, Gerichts⸗, Schlaf-, Werk, Wohnftätte ꝛc.); das Stättegeld, ſ.
v. w. Standgeld; ſtättelos, Bw., keine Stätte habend; — 3fes. von Statt:
der Statthalter, -3, weibl. die Statthalterinn, überh. wer eines Anderen
Stelle vertritt, Stellvertreter (f. v. w. das lat. locum-tenens, franz. lieu-tenant),
z. B. oberd. ehem. der Vertreter des Landrichters; in Pommern f. Gutsverwalter,
Wirthſchafter, Hofmeifter; gew. in engerer Bed. wer in einem Lande od. einer
Landſchaft die Stelle des Landesheren od. der höchften Obrigkeit vertritt, ehem.
Landpfleger (fr. Gouverneur); die Statthalterei, das Gebiet u. die Woh-
nung eines Statthalters; die Statthalterfchaft, die Würde eines Statthal—
ters, Statthalterwürde; auch deffen Gebiet; ftatthaltern, untrb. ziellof. Iw.,
Neuw. f. Statthalter fein, ald Statthalter walten, bef. uneig. u. ſpöttiſch; —
Ableit. flatthaft, Bw., was Statt hat, Statt haben od. geftattet werden
fann, entg. unftatthaft, (ein ftatthaftes Verfahren; dieſe Entſchuldigung ift
nicht ftatthaft 2c.); insbef. f. rechtsgültig, rechtlich: ehem. auch f. vermögend,
wehlhabend, mächtig, angefehen (mittelh. statehaft), daher oberd. insbef. f.
rathsfähig; die Statthaftigkeit, das Statthaftfein ; ftattlich, Bw., 1) (von
Statt 1.) vlt. f. was an feinem Orte ift, gehörig, paffend; 2) (von Statt
2. altd. state f. Vermögen 2.) reichlich, prachtig, Eoftbar (ftattlihe Kleider,
ein ftattliches Gaftmahl, GefchenE ꝛc.; einen ſtattlich bewirthen); in weiterer
Bed. f. vortrefflich, Vorzüglich, anfehnlich, bei. in Hinficht auf äußere Vor-
züge (ein ftattlicher Mann, ein ftattliches Amt, eine ftattlihe Rede 2c.); ehem.
aud) ald Nw. f. ehr, in hohem Grade (zZ. B. ftattlich Elagen, büßen u. dal.);
die Stattlichfeit, das Stattlichfein, die ftattliche Befchaffenheit; — ſtat—
ten, ziel. 3w. (altd. staten), vit. f. Statt geben, geftatten; anftellen, fügen,
ftiften, verurfachen; eine Statt od. Stelle geben, ftellen, nur in: ab- bes,
er⸗, auöftatten.
fragen, 3iv., oberd. 1. f. fich brüſten, zieren (vgl. ftargen); 2. auch fta-
Beln, ſtatzgen R. ftammeln, ftottern.
Stau, f. unter ftauen.
Staub, m., -88, 0. M., Verkl. das Stäubchen, Stäublein, (goth. stub-
1048 Staub
jus; althochd. stuppi, stuppe und stoup; mittel. stoup, G. stoubes; von stiu-
ban, stioban, ftieben (f. d.), Prät. stoup, ſtob; Wurzel stub; alfo: das Stie—
bende; niederd. Stoff, dän. stöf, ſchwed. stoft), die feinften, durch das Gefühl
einzeln nicht unterfheidbaren Theile eines trockenen Körpers, bef. fofern fie
fi in die Luft erheben, als Stoffnamen o. M. (Mehl-, Rohlen-, Epreu-, Btüs
thenftaub 2c.; in Staub zerfallen; wenn ich einft Staub bin zc., d. i. wenn
ic) völlig verwefet bin); in weiterer Bed. auch die feinften, ftaubahnlich zer:
theilten Waſſertheile (Wafferftaub; vgl. Staubregen; Staubbach, wofür
oberd. auch bloß: der Staub); in engerer Bed. die feinften Erd- od. Sand—
theile, welche fih in die Luft erheben u. fih auf andere Körper legen,
(Staub erregen, machen; mit Staub bededt, voll Staub fein; den Staub ab:
blafen, abfegen, ausklopfen ꝛc.; fprihw. fid aus dem Staube maden, d. i.
ſich eilig entfernen, entfliehen; einem Staub in die Augen ftreuen, d.i. ihn hindern,
die Wahrheit zu fehen, ihn täufchen, verblenden); uneig. f. der Zuftand der tief-
ften Niedrigkeit od. Demuth (im Staube liegen; ſich im Staube krümmen;
einen in den Staub treten, d.i. aufs tieffte erniedrigen; einen aus dem Staube
erheben, d. i. aus der Niedrigkeit); ferner f. etwas höchſt Wergängliches, Ge-
ringes, Michtiges (wir find Staub; befeelter Staub; altd. niht ein stoup, d. i.
nicht das Allergeringfte) ; dag Stäubchen od. Stäublein, f. ein einzelnes
Staubdtheilhen od. Staubforn (ngl. Sonnenftäubchen); au f. ein Weni—
988, fehr wenig (z. B. ein Stäublein Salz u. dgl.); — 3feg. flaubahn-
lich, ftaubartig, Bw.; der Staubbach, ein Hoch herabfallender Gebirgsbach,
deffen Waſſer fih im Fall in ftaubähnlihe Theile auflöſſt; insbeſ. EN. eines
ſchönen Wafferfalles in der Schweiz; ſtaubbedeckt, Bw., mit Staub bedeckt;
der Staubbefen, Handbefen zum Abfegen des Staubes; der Staubbeutel,
Pflanz. ein hohler, zelliger Körper in den Blüthen, welcher den Blumenftaub
enthält, auh: Staubbalg, -behälter, -fach, -hülfe, -kolbe (fr.
Anthere); der Staubboden, in Mühlen: der Boden über dem Beutelfaften
zum Auffangen des Staubmehls; der Staubbrand, eine Art des Brandes
am Weizen, welcher beim Drefchen wie Staub umberfliegt; die Staub-Erde,
Erde, welche ſich leicht in Staub verwandelt; der Staubfaden, M. Staub:
fäden, fadenähnliche Theile in den Blüthen, welche den Staubbeutel tragen
(fr. Fitamente); die Staubfeder, landſch. f. Flaumfeder; die Staubfege,
eine feine Kornfege; der Staubflügler, Neuw. f. Infecten mit vier beftäub-
ten Flügeln (Staubflügeln): Schmetterlinge; flaubgeboren, Bw. dicht.
f. im od. von Staube geboren, niedrig, irdifch, vergänglid; das Staubgefäß,
M. die Staubgefäße, Pflanz. die fämmtlihen Theile der Blüthen, welche
den zur Befruchtung dienenden Staub tragen: Staubbeutel, -fäben zc. (fr.
Stamina); das Staubgefhlecht, dicht. f. das irdifche, vergängliche Men-
ſchengeſchlecht; das Staubhaar (niederd. Stoffyaar), landſch. f. die erften
zarten Barthaare; die Staubhaut, Natur. die Haut der Schwämme, welche
den Staubfamen trägt, Samenhaut; der Staubfäfer, eine Art Käfer, welche
mit feinem Staube beftreut zu fein feheinen; der Staubfalf, an der Luft in
Staub zerfallener Kalt; der Staubfamm, ein Kamm mit fehr dicht ftchen-
den Zähnen; das Staubforn od. -körnchen, ein einzelnes Staubtheilden;
die StaublauS, fehr Heine Kopflaus; auch f. Papier» od. Bücherlaus; der
Staubmantel, ein leichter Mantel zum Schuß gegen den Staub; das Staub-
mehl, das feine Meht, welches beim Mahlen in Geftalt eines Staubes auf:
Stauch — ftauchen 1049
fliegt; das Staubmoos, eine Gattung ftaubiger od. feberartiger Aftermoofe,
Staub:Aftermoos, Staubpflange od.-gewächs; die Staubperle,
Heinfte Perle, Samenperle; der Staubregen, fehr feiner, ſtaubähnlicher Re—
gen; die Staubröthe od. das Staubroth, die Färberöthe, welche durch das
erfte Stampfen entſteht; die Staubfäge, eine Säge der Kammmadher, die Zähne
der Staubkämme damit einzufchneiden, auch: das Staubzeug; der Staub-
fand, feiner Sand, Zlugfand; der Staubſchwamm, eine Gattung runder
Schwämme, mit ftaubähnlihem Samen angefüllt, Kugelſchwamm (lycoperdon
L.); insbef. der gemeine Kugelſchwamm mit braunem, übelriechendem Samen,
Bofift, auch Giftſchwamm, oberd. Stäuber, Stieber; auch f. Blätter
ſchwämme, welche wie mit Staube bedeckt find; das Staubfieb, ein fehr en-
ges Kornfieb; die Staubfpinne, gemeine Hausfpinne, deren Gefpinft mit
Staub bedeckt zu fein pflegt; der Staubvogel, ſ. v. w. Staubflägler; der
Staubweg, Pflanz. die Theile der weiblichen Blüthen, welche den befruchten-
den Blüthenftaub empfangen, auch: der Stempel (fr. Piftil); der Staub-
wirbel, aufwirbelnder Staub; die Staubwolfe, wolfenähnlihe Staubmal- -
fe; — Ableit. ffaubig, Bw., (niederd. ftöverig), Staub enthaltend, mit
Staub erfüllt oder bededt (ftaubige Luft, ftaubige Bücher, Kleider u. dal.);
ftauben, 3w. (altd. stouben, stoubete, f. Staub machen, beftäuben; niederb.
ftuven), 1) ziellos m. haben, fi als Staub erheben, voll Staub- fein,
ftieben, gew. nur unp. es ſtaubt; niederd. (ftuven) auch: ſich wie Staub
zerftreuen, verfchwinden; 2) ziel. einen— , oberd. f. verjagen, vertreiben;
ftäuben, 3m. (oberd. fteuben, niederd. ftöven) 1) ziellos m. haben, Staub
erregen (ftäube nicht fo! Jäg. die wilden Hühner ftäuben, wenn fie fi im
Sande baden); 2) ziel. etwas als Staub freuen (z. B. Zuder, Pfeffer zc.
auf die Speifen—); mit Staub beftreuen, beftäuben, (das Haar mit Pu:
dee—; fich ftäuben, d. i. pudern); von Staube reinigen, bef. niederd. (ft ö-
ven), gew. ab-, ausftäuben (ein Zimmer, die Betten 2.—; das Getreide—,
durch Schwingen reinigen); der Stäuben (od. Steuben), oberd. Namen ver:
fchiedener MWafferfälle (vgl. Staub); der Stäuber, -8, (niederd. Stöver),
wer ftäubt, etwas ausftäubt (z. B. Betten); ein Werkzeug zum Stäuben,
Flederwifch, Wedel; eine Art Jagdhunde, welche das Wild auftreiben (altd.
stoubaere, oberd. Stöber); oberd. auch f. Staubfhwamm (Steuber, Steu-
benfift); fläubern, Zw. (oberd. ftöbern, niederd. ftövern), 1) ziel. wiederholt
od. anhaltend ftäuben, bef. von Staube reinigen (ein Haus—); aufjagen,
forttreiben, verjagen (einen—, das Wild —); 2) ziellos m. haben, begierig
u. bef. unbefugter Weife fuchen, gew. ftöbern (im Haufe umher—); unp.
es ſtäubert od. ftöbert, landſch. f. #8 regnet od. fchneit fein u. dicht.
Stauch 1., m., -e8,M.-e, od. die Stauchel., M.-n, (oberd. die Stauchen,
der Stäuchel; altd .stücha, stüche, w., stüchel, f.; verw. mit ftechen, ſtecken? vgl.
das mittl. lat. estugiam, franz. Etui, Behältnifs), alt u, oberd., Kopfbinde,
Kopftuch od. Schleier der Frauen; Vorder-Armel, kurzer Muff, halber, die
Finger nicht dedtender Handfchuh, auch: der Staucher 1. od. Stäucher.
. ftauchen 1., ziel. Zw., (niederd. ſtuken; verftärfende Form von ftauen, ſ.
d. u. vgl. das engl. 'stow), eig. ftehen machen, ftemmen, hemmen, 3. 8. das
Waſſer —, d. i. deffen Abflufs hindern, es anfchwellen machen; niederfegen od.
-ftellen, feft zufammen fegen, -packen (Waaren in ein Faſs; oberd. ſich aufs
Bett hinftauchen f. lehnen), in Haufen auffesen, fehichtweife ftelfen (Hanf,
=
1050 ftauchen — ftauen
Flachs, Torf—); niederftoßen, ftoßend hemmen od. unbeweglich machen
(4. B. einen auf den Boden—; fich die Hand — ſ. verftauchen; oberd. ei-
nen ffauchen f. ihm Rippenſtöße verfegen); ftoßend od. ſchlagend Eürzer
machen (Schmied. ein Stück Eiſen —, d. i. der Länge entgegen ſchmieden, fo
dafs es kürzer und dicker wird; Berg. eine Axt —, ausſchmieden); die Stauch—
zange, Zange, mit welder das Eifen gehalten wird, wenn man es ftaucht;
— ber Staud) 2., o. M., die Stauhung od. Hemmung (Müll. das Rad
geht im Stauch, od. es geht ftaudh, d. i. es geht bei großem Waſſer ſchwer
u. langfam herum); die Stauche 2. M. -n., (niederd. Stufe), etwas Zu:
fammen= od. Aufgeftauchtes: Haufen, Schicht, aufgeftelltes Bündel (eine
Stauche Flachs, Torf ꝛc.); nicderd. auch f. Wurzelklotz od. Stumpf eines
Baumes; u. f. Krampf, Zudung; der Staucher 2., -8, ter etwas ſtaucht;
landſch. ein Fafs, in welches trockene Lebensmittel gepackt werden; die Stau-
hung, das Stauchen.
ftauchen 2., ziel. 3w., landſch. Küch. f. dämpfen, fehmoren, niederd. ftoven
(seftauchtes Fleiſch zc.)
Staude, w., M. -n, Verl. das Stäudchen, (altd. stüda, städe; oberd.
die Stauden, Stauen, das Stäudel; im Niederd. unbekannt; Wurzel sta, stu,
ftehen, alfo urfpr. etwas Stehendes; vgl. das altd. stude, oberd. Stud, Stu:
der f. Säule, Pfeiler), ein Gewächs, welches mehre gerade Stämme ot.
Stengel aus der Murzel treibt, insbe. folche Gewächſe mit holzigen
Stämmen, welche im Herbſt nicht abfterben, fondern fortdauern, Stangenge-
wächs, verfh. Stod, ein einzelner Stamm od. auch nicht holgartiger Sten⸗
gel, u. Strauch, defien Stämme ſich von unten an in Äſte ausbreiten u. mit
einander verwachfen, (die Hafel-, Brombeer-, Holunderftaude 2c.); oberd. auch
f. Straub), Buſch; u. als Sammel. f. die Blätter od. das Kraut des
Kohls, Salates, der Kartoffeln ꝛc.; — 3ſetz. der Staudenapfel, eine Art
Äpfel, „welche auf flaudenartigen Bäumen wachen, auch Zwerg, Sohannis-
apfel 2c.; die Stauden- od. Staudelbeere, f. v. iv. Heidelbeere; die Stau:
dengerfte, eine Art zweizeiliger Sommergerſte, welche viele Halme treibt, Blatt:
gerfte; das Staudengewächs, ftaudenartiges Gewächs, Staudez der Stau:
denhopfen, wilder od. Heden-Hopfen; die Staudenforalle, |. Koralle; ins—
bef. die edle od. vothe Koralie; das Staudenforn od. der Staudenroggen,
eine Art Roggen, welcher mehre Halme aus einer Wurzel treibt; der Stau—
denſalat, landſch. f. Kopfſalat; der Staudenfchnapper, landſch. ein Eleiner,
dem Rothkehlchen ähnlicher Vogel; — Ableit. ftauden, ziellof. Zw., in
Stauden od. ftaudenartig wachſen; der Stauderich, -e8 , der vielfamige
Gänſefuß; auch ein ausländ. Strauchgewächs: die Strauchmelde; das
Staudicht, -e3, (altd. städahi, stüdach; oberd. Staudach, Geftaudadh),
Geftäude, Geſträuch, Gebüſch; ftaudicht, Bw. ſtaudenähnlich; ſtaudig,
Bw., Stauden bildend, aus Stauden beſtehend (ein ſtaudiges Gewächs;
ſtaudig wachſen).
ſtauen, ziel. Zw., (goth. staujan, richten; alld. stonwon, stöuwen, Prät.
stöuwete, stoute; oberd. ſtauen u. ftäuen, niederd. ſtauen; engl. stow; vgl.
ftauchen 1), ftehen machen, daher chem. überh. f. hemmen, auf> od. zurüd-
halten, wehren; jegt insbef. das Waſſer—, in feinem Laufe aufhalten,
dämmen u. anfchwellen machen (niederd. auch ziellos f. auffchwellen, auf-
fteigen, 3. B. es ftaut mir zu Kopfe); ferner f. ftelfen, ftügen, ftemmen
Stauf — ftechen 1051
(4. 8. oberd. den Arm auf den Tiſch —) insbeſ. Waaren—, feft zufammen>
legen, paden (z. B. ins Schiff); der Stau, -es, M. -e, au die Stau od.
Staue, die Stauung, das Stauen, die Hemmung od. der Stillftand des
Maflers (das Wafler im Stau halten), u. der Ort, wo es geftauet wird, der
" Damm xc.; der Stauer, -8, wer (Waaren) ſtauet; der Staudeich, Noth-
veih; das Stauholz, Knüppelholz zum Stauen von Waaren; der Staufiel,
Schiff. Kiele od. Keile zum Stauen der Fäffer; das Stauwaſſer, geftauetes
Waffer. -
Stauf I. m., -08, M.-e, auch: die Stauf, w., (altd. stouph, stouf,
m. u. w., auch stopha; angelf. steap, engl. stoop, ſchwed, stop; vgl. Stüb-
hen u. das preuß. Stof; vielleicht von gleichem Stamme mit Stauf. 2.,
alſo urfpr. das Aufgerichtete), alt u. oberd. f. Kelch, Humpen, Becher von
beftimmter Größe; ein Flüffigkeitsmaß, im Öftreih. — 13 Maß.
Stauf 2., m., -en, M. -en, au: der Staufen, (altd. stoufe; vgl. das
altd. stiuf f. fteif, fteil, emporragend; angelf. steap, engl. steep, jäh, fteil;
ſanskr. Wurzel stup, daher stupas, Pfeiler), ehem. f. hoher, fteiler Fels; jest
EN. verfchiedener Berge in Oberd. (4. B. der hohe Staufen bei Reichenhall;
Donau:Stauf ze.).
ftaunen, ziellof. Zw. m. haben, (altd. stänen; von der Wurzel sta, stu,
vgl. ftehen, ftauen, alfo eig. ftehen bleiben; daher noch ſchweiz. ſtunen f. ſtill
in Gedanken daftehen; vgl. d. angelf. stunian, anftoßen, ftumpf madjen, engl.
stun, betäuben, beftürzt machen, franz. etonner), vor höchfter Bewunderung
unbeweglich daftehen od. gleichfam ftarr fein; ſich im höchſten Grade ver-
wundern (über etwas— ; vgl. ans, erftaunen); das Staunen, -8, höchfte
Bewunderung od. Verwunderung; ffaunenswerth od. würdig, Bw.
Staupe 1.,w., M.-n, landſch. f. anſteckende Krankheit, Seuche, Vieh-
feuche, bef. Schnupfen; in engerer Bed. eine mit Taumel u. Durchfall ver
bundene anſteckende Krankheit der Schafe.
ftäupen, ziel. 3w. (alt u. niederd. ftupen; holl. stoepen, stuipen; ſchwed.
stapa; urfpt. wohl die niederd. Form des hochd. ftupfen, ftechen, ftoßen,
welche dann verhochdeuticht wurde; vgl. jedoch auch das altd. stuppe f. Bufch,
MWerg, u. Stoppel, mit einer Nuthe ſchlagen (ein Kind); bef. öffentlich
mit Ruthen flreichen (einen Verbreiher); die Staupe 2., (altd. stüp, stüpe;
niederd. Stupe), I) o. M. das Stäupen, au: der Staupenfchlag (einen
zur Staupe verurtheilen); 2) M. -n, eine große Nuthe zum Stäupen, auch
der Staupbefen (die Staupe od. den Staupbefen befommen).
Stauze, w., M.-n, bair. 1) f. Müde, Schnake; 2) Geliebte; der
Staus, f. erflärter Liebhaber.
Stave, w., M. -n, (au) Stove; holl. stove, engl. stew, franz. etuve;
vgl. ftoven u. Stube), niederd. f. Stube, bei. Badeſtube; auch f. Feuerftüb-
* od. Kieke, ſ. d.; ſtaven, 3mw., ſ. ſtoven; der Stäver, -3, niederd. f.
ader.
ftechen, 3w., ablaut. ich fteche, du ftichft, er fticht, wir ftechen ıc.; Im—
per. ftich, ftechet (ftecht); Impf. ftach, Conj. ſtäche; Mw. geftochen, (altd.
stehhan, stechan, stechen, Prät. stach, M. stächun, stächen, Part. gistochan,
gestochen; daneben ein abgel. stehhön, stechen, Prät. stehhöta, stechte;"oberd.
ſtechen, ich ſtich, Prät. ftach u. ftechet; nieder. ftefen ſowohl f. ftechen, als f.
ſtecken, Prät. ſtak, Part. ftefen; angelf. stician, stican, engl. stick u. sting,
1052 ftechen
ſchwed. sticka; vgl. d. griech. orio, fut. oriEw, u. das lat. stigo in in-stigo),
überh. mit einer Spitze in etwas dringen, verſch. ſtecken (f. d.): 1. ziellos
m. haben u. ziel. 1) ohne Zielwort: mit einer Spige eindringen, finnv.
flogen, graben ꝛc. (z. B. in die Erde ftechen, auch bloß: ſtechen f. einen
fpigigen Spaten in die Erde ftoßen, graben; in Kupfer, in Stahl ꝛc. —; Hüt—
tenw. ftechen f. das Auge im Schmelzofen mit dem Stecdheifen öffnen, da-
mit das gefchmolzene Metall ablaufe), chem. insbef. f. mit der Lanze ftoßen,
ritterlihh mit Lanzen kämpfen, turnieren (daher noch uneig. mit Jemand
um den ftreitigen Preis ft ech en, beim Scheibenfchießen, Kegel-, Würfelfpiel ıc.,
vgl. rittern; einen ausftechen, ſ. d.; nach einem Ringe ftechen, ſ. Ringel
ftehen); in engerer Bed. durch das Eindringen mit einer Spige einen
ſchmerzlichen Eindrud machen, durch einen Stich verwunden (die Biene
ftiht; die Nadel, die Dornen ftehen; der Bart ftiht, wenn die Barthaare
kurz und fteif find); uneig. eine dem Stechen ähnliche Empfindung hervor-
bringen (die Sonne ftiht, wenn ihre heißen Strahlen faft ſenkrecht fallen; ein
ftechender Schmerz), auch von Eindrüden auf die innere Empfindung od.
das Gemüth (ftechender Wis, Spott, ftechende Worte zc.; auf einen ftechen,
oberd. f. fticheln), in weiterer Bed. einen lebhaften Reiz erregen (fprichw. gem.
das fticht ihm in die Augen, in die Nafe, d. i. es reizt feine Begierde); 2) mit
einem Zielworte, u. zwar a) mit dem Acc. des Gegenftandes, welcher
das Stechen erleidet od. empfindet: einen—, d. i. ihn durch einen Stich od.
durch Stiche verwunden, verlegen (z. B. einen mit einer Nadel, einem Mef-
fer ꝛc. —; die Biene hat mich geftochen; auch bei Hinzufügung einer näheren
Ortsbeſtimmung mittelft eines Vorwortes bleibt die Perfon im Acc., 3. B. die
Biene hat mich in die Hand geſtochen; er ſtach ihn mitten ins Herz, durch das
Herz; doch Eann hier auch der Dat. der Perfon ftehen, wenn das 3m. ziellos gefaſſt
wird: die Biene ſtach mir in die Hand, d. i. in meine Dand 2c.; auch: ſich an
etwas ftechen, 3. B. ich habe mich an den Dornen geftochen); ferner unp. es
ftiht mich (nidt: mir) in der Seite, im Leibe ze. d. i. id) empfinde einen
flehenden Schmerz ꝛc.; uneig. f. reizen, erregen (dev Kigel fticht ihn; der
Hafer fticht das Pferd, d. i. es wird bei gutem Futter übermüthig; ſcherzh.
auch von einem Menfchen: der Hafer fticht ihn); ferner f. ftechend in einen
Zuftand verfeßen mit einem bei. oder nebenwörtlichen Zufaß, welcher die
Mirkung des Stechens bezeichnet (z. B. einen todt ftechen, d. i. ihn ftechend
tödten; einen aus dem Sattel, vom Pferde —, d. i. durch einen Lanzenſtoß
aus dem Sattel zc. heben); auch ftechen f. mit Stichen tödten, ſchlachten
(ein Schwein, ein Kalb —); ftechend heilen (einem den Staar ftchen, f
Staar); uneig. f. überwinden (eine Karte mit einer andern —; der König
fit die Dame 2c., vom Sanzenftechen entlehnt, vgl. 0.); ehem. auch: Waare
um Waare—, für taufchen; einen —, f. beftehen; Silben —, f. mit -
Bleinlicher Genauigkeit unterfuchen (f. Silbe); b) mit dem Acc. des ftechenden
MWerkzeuges u. dem Dat. der Perfon (z. B. eine Nadel in das Kleid —;
einem den Dolch ins Herz, den Degen in die Bruft ze. —-); c) mit dem Acc.
der Wirkung, d. i. des durch Stechen hervorgebradhten (z. B. einem Löcher
in die Ohren —; ein Bild in Kupfer, einen Namen in Stein, Stahl ꝛc. —;
ein Petſchaft ftechen; ſprichw. weder gehauen, noch geftochen, f. unter hauen);
— 2. ziellos m. fein: ein od. vordringen, fich ſchnell fortbewegen, in ein=
zelnen Anwendungen, z. B. Schiff. in Ser ftehen, d. i. aus dem Hafen
ftechen 1053
fegeln; aud) gegen den Wind —, bei dem Winde—, f. fegeln; Jäg. ber Dachs
fticht, d. i. er geht Nachts aus; Bergw. nachſtechen f. nachfahren; gem.
angeftochen kommen f. mit großen Schritten ankommen, (vgl. auch ab⸗ und
hervorſtechen); — das Stechen, -8, 1) die Handlung des Stecheng, insbef.
f. Lanzenftechen, Turnier; 2) der ftechende Schmerz (Seitenfteden;
oberd. auch: der Stechen, altd. steche); — 3fe$. der Stechapfel, die runde
ftachelige Frucht einer bekannten Giftpflanze, u. diefe Pflanze felbft, auch Sta-
chelnuſs, Dornapfel, Dorn- 0d. Igelskopf 2c. (datura L.); die Stechbahn, der
lange ebene Plas, wo ritterliche Lanzen- Ringelftechen, Turniere gehalten wur—
den; daher in Berlin Namen eines Bogenganges am Schlofsplage; der Stech-
baum, f. Stechpalme; die Stechbeere, landſch. f. Kellerhals; der Stechbeutel
(ſ. Beutel 3), bei Holgarbeitern ein Meifel zum Stechen od. Beftoßen des
Holzes; der Stechbolzen, ein fpigiger Bolzen, Schiff. Taue mit einem lan—
gen Auge an einem Ende, beim Reffen der Segel gebraucht; der Stechdegen,
Degen zum Stechen, entg. Haudegen; der Stechdorn, verfchiedene dornige
Strauhgewächfe, insbeſ. der Haffdorn; der gemeine Kreuz: oder Wegedorn;z
der Chriſt⸗ od. Zudendorn; die Stecheiche, ſ. Stechpalme; das Stecheifen,
1) ein eifernes Werkzeug zum Stechen, insbef. Hüttenw. eine eiferne Stange
zum Aufftschen des Auges im Schmelgofen; f. v. w. der Stechbeutel; das
Stechwerkzeug der Formfchneider; ein breiter Meißel der Sporer ıc.; 2) Hüt—
tenw. das gefchmolzene u. abgeftochene od. abgelaffene Eifen; der Stech—
fiſch, ein Fiſch mit ftechenden Floſſen, Stichling; die Stechfliege, Fliegen,
welche mit ihrem fpigigen Rüffel ftechen; der Stechginfter, ein dem Ginfter
ähnliches Staudengewächs mit Dornen (ulex L.); der Stechhandel, olt. f.
Tauſchhandel; der Stechhaufen, Fleiſch. ein Haufen zum Schlachten beftimm
tes Vich: Stechvich; der Stechheber, ſ. Heber; der Stechhelm, ehem.
bei Zurnieren ein gefchloffener Helm, welcher das Geficht gegen Lanzenftiche
verwahrt; der Stechfamm, Nadt. ein kammförmiges Werkzeug, die Löcher in
die Nabelbriefe zu ſchlagen; die Stechfanne, in Niederd. ein Flüſſigkeitsmaß,
ungefähr fo viel wie ein Stübchen, in Bremen — 4 Quart; das Stechfiffen,
ein mit Sand gefülltes ledernes Kiffen der Kupferftecher, die Platte beim Ste—
hen darauf zu legen; der StechElee, Schnedenkles; das Stechforn, landſch.
f. Marien- od. Frauendiftel (f. d.), auch die Stechferndiftel; das Stech—
fraut, f. v. w. Stechkorn; auch eine Art des Kraßkrautes: ſpaniſche Diftel;
das Stechlaub, f. Stechpalme; der Stechlöffel, Münzw. ein Löffel mit einer .
Spalte in der Vertiefung, durch welche das Stechmeffer in den Formfand
geftoßen wird, um die Löcher zu den Silberzainen zu machen; die Stechnelfe,
eine Art des Radens (j. d.) mit rothen Blumen, die in der Mitte fcharfe
Stacheln haben; die Stechnufs, f. v. w. Stachelnuſs; die Stechpalme, ein
immergrünes Staudengewächs mit ftacheligen Blättern, auch Stehbaum,
»eiche, -laub, Ehrift:, Mirten-, Mäufedorn, Hülfe, Hülfenbaum zc. (ilex L.);
die Stechpfrieme, der Färbeginfter: das Pfriemenkraut; die Stechpille,
ein Zäpfchen von Seife zur Beförderung des Stuhlganges in den After geftedt,
Stuhlzäpfchen; der Stechplas, f. v. w. Stehbahn; der Stechfalat, 1.
Schnittſalat; das Stehfchaf, ein zum Schlachten beftimmtes Schaf; der
Stechſchlitten, ſ. v. w. Stahelihlitten; das Stechfchwein, zum Schlachten
beftimmtes Schwein, fo auch: die Stechfau; das Stechfpiel, Lanzenftechen,
Turnier; der Stechſtahl, Orechsl. ein Drehſtahl, Bein damit abzuftechen; die
1054 ſtecken
Stechſtaude, landſch. f. Stachelbeerſtrauch; das Stechvieh, Schlachtvieh; die
Stechwaffe, Waffe, mit welcher man ſtechend verwundet; die Stechweide,
Baummollen= od. Schafweide, glatte Sahlweide; die Stechwinde, eine ftachelige
Pflanze mit Eleinen weißliden Blüthen im füdl. Europa (smilax aspera L.);
auch f. Stechpalme; der Stechwurm, ein Eleines fliegendes Infect, welches die
jungen Baumfproffen abfrifit; das Stechzeug, ehem. Perfonen u. Rüftungen
zu einem Turnier; — Ableit. der Stecher, -8, M. w. E., 1) wer ſticht,
z. B. in Turnieren mit der Lanze; ehem. auch f. Mörder; bei. in Zfeg. wie
Kupfer, Petichaft:, Staarftecher 2c.; niederd. insbef. f. Torffteher; 2) ein
Werkzeug zum Stechen, insbef. chem. f. Dolch, Eurzer breiter Degen; ein
ftählernes Werkzeug der Siebmacher; an den Orgelbälgen ein Holz, welches das
Dberblatt in die Höhe fticht od. fchiebtz; bei Uhrmachern der Meffingdrath, wel-
her die Klappe der Windlade in einer Flötenuhr öffnet; an Büchfen der Schnel-
ler od. die Zunge unter dem Schloffe; der Stecherling od. Stechling, -es,
M. -e, (niederd. Stekerling, Stekelftang), f. v. w. Stichling, f. d.
jeden, 3w. 1. ziel., bloß umend. du ſteckſt, er fteckt, ſteckte, geſteckt (althochd.
stecchan, stacta, gistact, au$ stachian entft., alfo eig. ein von ſtech en, ſtach ze.
abgel. Factitivum; mittelh. stecken, stacte od. stahte, gestact; das nieberd.
ſteken, du ftitft, Prät. ſtak, Mw. fteken gilt f. ſtechen u. f. fteden 1. u. 2.5
fo auch das angelf. stican, engl.’ stick, ſchwed. sticka), einen fpißen Körper
in etwas befeftigen od. haften machen, verſch. ftechen, wobei erft mit der
Spige eine Öffnung gemacht wird, was bei ftecten nicht nöthig ift, oder doch
nicht in Betracht kommt (z. B. eine Nadel in das Kleid —, einen Nagel in die
Wand —, Stangen, Pfähle ze. in die Erde—); auch etwas an einen fpigen
Körper, oder mittelft eines, folchen befeftigen (4. B. den Braten an den
Spieß—; eim Band an die Haube— , d. i. mit Nadeln befeftigen), u. etwas
durch folche Befeftigung zubereiten od. zurecht machen (eine Lode fteden,
Hauben ſtecken; daher ehem. eine geftedte Haube od. Steckhaube, d. i.
eine mit Stecknadeln in die gehörige Form gebrachte mit vielen Falten 2c.);
ferner etwas in eine Offnung einpaffen u. üserh. hineinthun, fegen, legen ıc.
(den Degen in die Scheide, das Licht auf den Leuchter, den Sapfen in das Loch,
den Biffen in den Mund, die Hand in die Tafche, das Geld in den Beutel —;
etwas zu ſich —, d. i. in die Taſche ſtecken, einſtecken; uneig. gem. einen in
den Sad—, d. i. ihn ganz in feiner Gewalt haben, ihm überlegen fein; Bo h—
nen, Erbfen 2c..—, d. i. in bie Exde fteden, pflanzen; oberd. geftedt f.
vollgepfropft, voll); in weiterer Bed. f. verbergen, in Verwahrung bringen
(Zäg. das Wild ſteckt fich, vgl. verſtecken; einen ins Gefängnijg ſtecken; uns
eig. fich hinter Jemand ſtecken, ſ. hinter; einem etwas fteden, d. i. es ihm
„heimlich beibringen od. mittheilen); auch überg. etwas an einem Orte befejtigen
oder haften machen, wohin bringen, (den Ring an den Finger—, die Feder
hinter das Ohr, etwas unter den Tiſch —,, einem etwas in die Hand —ıc.; da=
her: einem od. fih ein Ziel fteden, f. dv. w. fegen, beflimmen; gem. einem
eine Ohrfeige ftedden, f. beibringen, geben); uneig. Geld, fein Vermögen ıc.
in etwas—, d. i. dazu verwenden; fich in etwas-—-, d.i. ſich in etwas
einlaffen, mifchen (fih in fremde Händel—; ſich in Schulden fteden, d. i.
viele Schulden mahen); ein Haus in. Brand—, |. v. w. feßen, es anzün—
den (vgl. anfte den); — fteden 2., ziellos m. haben, umend. wie fteden 1.,
aber alt u. landfch. auch ablaut. Smpf. ſtak; Conj. ſt äke, landſch. gem. au
;
ſtecken 1055
Präſ. du ſtickſt, er ſtickt ft. ſteckſt, ſteckt; Mm. geſtocken ft. geſteckt (mittelh.
stecken, umend. wie unter ſtecken 1.3 die Ablautformen ſcheinen aus dem nie—
derd. ſteken, ſtak zc., welches f. ftechen u. f. ftecen in beiden Bed. fteht, ins
Hochd. übergegangsn), mit der Spitze in etwas befeftigt fein, haften (die
Nadel fteckt im Tuche, der Nagel in der Wand, der Pfahl in der Erde 2c.);
an einem fpigigen Körper befeftigt fein (dev Braten ſteckt am Spieße); in
einer Höhlung, einem Loche ıc. befindlich od. verborgen fein (der Degen ſteckt
in der Scheide, der Schlüffel im Schlüffelloche, das Geld im Beutel 2c.), daher f.
verborgen, verfteckt fein, fich heimlich irgendwo aufhalten (Hinter der Thür,
im Winkel fteen; wo haft du geftedt? den ganzen Zag beilammen fteden,
d. i. heimlich beifammen fein; uneig. mit Jemand unter einer Dede fteden,
ſ. Dede; es ſteckt etwas dahinter, f. dahinter); überh. an einem Drte befindlich
fein, mit dem Nebenbegriffe der Unbeweglichkeit od. des Unvermögens, den Ort zu
verlaffen, feftfisen, haften, bleiben (z. B. die Kugel ftedte tief im Fleifche; im
Schlamme fleden; immer im Haufe, hinter bem Ofen zc. ſtecken; uneig. zwi⸗
ſchen Thür und Angel ſtecken, d. i. ſich in einer mifslichen Lage befinden; in
Schulden, in Noth, im Elend fteden; was ftedt ihm im Kopfe? auch unp.
es ftet mir im Halfe, in den Gliedern ze., wie: es fist od. liegt mir 2c.);
— fteden bleiben u. landſch. auch ſt ecken, f. nicht von der Stelle Eonnen,
ſtocken (z. B. er bleibt in feiner Rede ſtecken; die Sache ftedt, geräth ins
Steden, b. ftodt, Stoden); — 3fes. der Steckamboſs, ein Amboſs, welcher
beim Gebrauch in einen Fuß od. eine Stüge aeftect wird; der Steckbaum,
landfch. f. Wachholderbaum; der Steckbrief, ein obrigkeitl. Schreiben, worin
ein entwichener Übelthäter befchrieben und andere obrigkeit!. Behörden aufge
fordert werden, ihn feftzuhalten und auszuliefern (von ſtecken f. fefthalten, ver-
haften); die Steckerbſe, Exbjen , welche nicht aefäet, ſondern geſteckt werden;
das Stedgarn, nes, Jäg. ein auf die Erde geftedtes Garn zum Hühner-, od.
Lerchenfange; die Steckhaube, f. o. ftedten 1.; auch eine Art Haube, welche
den Falken aufgefegt wird; der Sted- od. Stedelfiel, Bergw. eine Eleine
Röhre im Pumpenwerke, in welche die Luftklappe befeftigt wird; das Steck—
fiffen, landſch. f. Tauffiffen; das Stedforn, |. v. w. Staudenroggen; das
Steffraut, landſch. f. Orant; die Stedleiter, Jäg. gine Art Leitern, d. i.
Garne (f. Leiter), welche zu beiden Seiten des Treibezeuges geſteckt werden; der
Stedleuchter, Leuchter mit einer eifernen Spige, um ihn in die Wand zu
fteden; die Steckmuſchel, eine Art langer, zweiſchaliger Mufcheln (vielleicht
weil fie aufrecht im Sande zu ſtecken pflegen), auch Schinkenmuſchel; der
Steckmuſchelwächter, eine Art Krebfe, welche man in den Steckmuſcheln fin-
det; die Stecknadel, Nadel mit Eleinem, rundem Kopfe, die Theile der Klei-
dungsſtücke damit feftzufteeten, landich. Spendel, Spenel, Heftlein, Heftel,
Klufe zc.; der Stedinagel, ein Nagel, welcher zur Befeftigung in etwas ge-
ftedt wird; das Stecknetz, f. Stedgarn; das Steckreis, ein junges Baum-
reis, welches zur Fortpflanzung in die Erde geſteckt wird; die Stedrübe,
ſ. v. w. Kohlrübe; landſch. auch eine Art Eleiner Rüben, eine Abart der Gar-
tenrübe, auch Steckelr übe; der Stedzirkel, |. v. w. Reißgirkel; die Sted-
zwiebel, Zwiebeln, welche man trodinet, um fie zu verfegen, Satzzwiebel. —
Ableit. das Stederlein, oberd. f. LichtEnecht, Lichthalter; ſteckicht, Bw.,
oberd. f. ſtockend, geronnen, käſeartig; der Stedling, -es, M. -e, f. v. w.
Schnittling.
1056 fteden — Steg
ſtecken 3., ziel. 3w. (mittelh. stecken, Prät. stecte), alt u. oberd. f. erz
ſticken machen, au: erſtecken; daher der Steckfluſs, Steckhuſten f.
Stidflufs, -huften.
Steden, m., -$, M. mw. E., oberd. verkl. Stedelein, Strdel, (alt.
steccho, steche, stecke, G. stecken; isländ. sticki, ſchwed. sticka, angelf. sticca,
engl. stick; ital. stecco; von ſtecken, alfo eig. ein fpiger Stab, der geftedt
wird; vgl. Stod u. das niederd. Stafe), ein Eleiner Stod od. Stab, bei.
um daran zu gehen; oberb. von weiterer Bed. überh. f. Stab, Stod, Prügel,
Pfahl, Pflod ꝛc. (4. B. Hütſtecken f. Hirtenftab, Bohnen-, Neb-, Zaunſtecken
f. Pfahl; Markſtecken f. Grenzpfahl 2c.); landſch. auch ein Scheitholz-
Maß (8 Steden — 5 bair. Klafter); — 3feg. die Stedenbohne, -erbfe,
1. v. w. Stabel- od. Stängelbohne, =erbfe; das Steckenbündel, od. -gebund,
ein Bündel von Steden (Neuw. f. das fr. Faſces); der Steckenförſter, oberd.
ein unfergeordneter Waldaufjeher, der nicht zugleich Jäger ift (alfo fein Amt
nicht mit der Flinte, fondern mit dem Stock verficht); der Steckenknecht,
ehem. Krſpr. ein Gehülfe des Stocdmeifters od. Profoßes; oberd. f. Gerichts-
diener; das Steckenkraut, Ruthen- ed. Gertenkraut; das Stedenpferd,
ein Stecken mit einem hölzernen Pferdefopfe, als Reitpferd für Eleine Knaben;
uneig. eine unbedeutende Sache od. Nebenfache, mit welcher man fich zum Ver:
gnügen befchäftigt, eine Lieblingsneigung; der Stedenreiter, wer auf einem
Steden od. Steckenpferde reitet; der Stedenritt; der Steckenweibel, vie. f.
Büttel; der Stedenzaun, Zaun von Stäben, Stangenzaun.
Steg, m., -es, M. -e, (altd. stec, steges; von fteigen, ſ. d., Wurzel stig;
vgl. Steig, Stiege zc.), urfpr. überh. das, worauf od. worüber man fteigt od.
geht, ein Pfad, Steig (daher: alle Wege und Stege Eennen od. wiflen); jegt in
engerer Bed. ein Brett od. Balken über einen Graben, Fluſs ıc., eine ſchmale
Brüde für Fußgänger; in weiterer Bed. ein ähnlicher fehmaler u. fich in
die Länge erſtreckender Körper, insbef. an Saiten-Inftrumenten, be. Gei-
gen ꝛc., das dünne, aufrecht ſtehende Brettchen, welches die Saiten trägt;
Buchdr. die Schmalen langen Hölzer, welche den leeren Raum zwiſchen den gefesten
Seiten zc. in der Form auszufüllen dienen; Bergw. die Hölzer, zwifchen welchen
das Feldgeftänge fchiebt; auc; die Quereifen an den Laufkarren (Karrenftege);
Tiſchl. die fhmalen Bretter an den Thüren, weldye die Füllungen einſchließen;
an einer Säge das lange ſchmale Holz, welches die beiden Arme über dem Blatte
verbindet; Bauk. die mittelfte Erhöhung zwifchen zwei ganzen Schlitzen an
den Dreifchligen der dorifchen Säulenoronung; vgl. auch: Sattelfteg; —
der Stegefehrer od. -fchaufler, wer die Stege reinigt, bef. in den Hall. Salz:
werfen; der Steg- od. Stegereif (altd. stegareif, stecreif), 1) ehem. f.
Steigbügel (daher chem. fi) in dem Stegreif od. vom Gtegreif nähren, d. i.
vom Reiterdienft, od. auch: von Straßenraub), jest noch gebr. in der Redend-
art: etwas aus dem Stegreif thun, d. i. eig. im Auffteigen aufs Pferd,
od. ohne abzufteigen, uneig. f. auf der Stelle, ohne Vorbereitung (fr. ex tem-
pore; 3. B. ein Gedicht aus dem Stegreif madjen u. dgl.; daher: der Steg
reifdichter, das Stegreifgedicht xc.): 2) ehem. ein Riemen zum Span-
nen der Armbruft mit dem Fuße; auch eine Art Überftrümpfe (Kamaſchen);
der Stegering, ein Ring am Gattelftege; — die Stege, M. -n, (altb.
stega, stege: oberd. Stegen), ſchwäb. f. Stiege, Stufe, Treppe; der Stegel,
-3, M. w. E., niederd. f. Stiege, Stufengang, Tritt zum Auf: u. Uberftei-
gen; flegern, zielloſ. Zw., landſch. f. Elettern, klimmen.
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